{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-01-14-01", "volume": "bmtnabi_1854-01-14_01", "ocr_sha256": "bb652c858d6970a9791a2f70a9660026cdf6d81c62faed7972ab1388502cf048", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/01/14_01/bmtnabi_1854-01-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-01-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-01-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1854-01-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "13", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.2.1", "titre_corps": "Friedrich Schneider.", "titre_sommaire": "Friedrich Schneider.", "signature_source": "Rochlitz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4110, "texte": "Friedrich Schneider.\n\nAm 3. Januar des Jahres 1786 wurde einem armen\nWeber zu Waltersdorf in der Oberlausitz, einem Dorfe\nnicht weit von der böhmischen Gränze, ein Knabe gebo-\nren, dem der Vater, Johann Gottlob Schneider ge-\nheissen, in der Taufe die Namen Johann Christian\nFriedrich gab. Dem Johann Gottlob gingen aber, wenn\ner an seinem Webstuhle sass und ein Stück Zwillich fer-\ntigte, oft gar wundersame Dinge durch den Kopf; dann\nsprang er auf und holte sich aus einem alten Schrein aller-\nlei Hefte und tßogen und machte ihre schwarzen Hiero-\nglyphen durch lauten Gesang lebendig oder durch Cia-\nvier- und Saitenspiel; denn die Hefte waren nichts Ande-\nres als Notenblätter und Partituren, und dem Gottlob hatte\nder Himmel das Ahnungs-Vermögen gegeben, dass es wohl\nsein möchte\nmit der Harmonie-Fabrik,\nwie mit einem Webermeister-Stück,\n*\nwo Ein Tritt tausend Fäden regt,\ndie Schifflein herüber, hinüber schiessen,\ndie Fäden ungesehen flicssen,\nEin Schlag tausend Verbindungen schlägt.\nDarum ruhte er nicht eher, als bis er klar sah in dieser neuen\nWeberei, in der musicalischen, und er brachte es in der\nThat dahin, dass ihn ein ehrsamer Bath zu Zittau zum\nSchulmeister und Organisten in Altgersdorf ernannte*),\nwo er bis an seinen Tod im Jahre 1840 gewissenhaft sei-\nnem Berufe vorstand und mit einem Ernst und einem\nFleisse der geliebten Tonkunst anhing, wie man sie nur\nbei den Deutschen, und namentlich in Thüringen und Sach-\nsen und in Böhmen, findet. Er genoss eines gewissen Rufes\nin seiner Gegend, und eine Menge von Schülern pilgerte\nnach dem Dorfe, um den Unterricht des ehemaligen We-\nbers in der Musik zu gemessen.\nSein bester Schüler wurde jedoch sein Sohn Fried-\nrich, dessen musicalische Natur-Anlagen der Vater sehr\nfrüh entdeckte und mit der herzlichen Freude daran den\nernsten Willen verband, sie von den ersten, zartesten Kei-\nmen an sorgsam zu pflegen. Desshalb wartete er kaum das\nvollendete vierte Jahr Friedrich's ab, als er schon begann\n(1790 im October), ihn im Ciavier-, nachmals (1791)\nauch im Orgelspiel, und nach und nach auf allen Instru-\nmenten, mit welchen er selbst sich befreundet hatte, zu\nunterrichten. Der Sohn sprach sein ganzes Leben lang mit\nder dankbarsten Erinnerung von diesem Unterrichte, der\nihm eine feste Grundlage für seine musicalische Fortbildung\ngab, und mit welchem zugleich der Geist der Ordnung und\ndes Fleisses und der Arbeitsfreude in ihn kam, welcher\nihn bis zu seinen letzten Augenblicken nicht verlassen hat *).\nSeine ersten Compositions-Versuche machte Friedrich\nSchneider in seinem achten Lebensjahre; seine erste Sin-\nfonie schrieb er im Jahre 1799 auch bei ihm ent-\nwickelte sich also, wie bei den meisten grossen Musikern,\ndie künstlerische Anlage im frühesten Alter. Es ist diese\nErscheinung, der wir sowohl bei bedeutenden Componisten\nals Virtuosen mit nur sehr wenigen Ausnahmen begegnen,\nein Fingerzeig der Natur, dass die Musik dem innersten\nWesen des Menschen entquillt, jener geheimnissvollen Or-\nganisation, welche das Psychische in uns bedingt und\ndas Gefühlsleben zu vorherrschender Thätigkeit ruft; dass\nsie der Entwicklung des Verstandes vorauseilt und die\nThätigkeit desselben nur zum Ordnen und Sichten, nie\naber zum Erfinden gebraucht, woraus dann von selbst\nfolgt und durch die Erfahrung bestätigt wird, dass die Re-\nflexion keine wahre Musik zu erzeugen im Stande ist. Auch\nist wahrlich, zur Anregung weiteren Nachdenkens über die\nverschiedene Kraft der menschlichen Anlage je für Kunst\noder Wissenschaft, die Erfahrung zu beachten, dass aus\n\n*) Daher in einigen biographischen Notizen Altgersdorf irrthüm-\nlich als Fr. Schneidens Geburtsort angeführt wird.\n*) Trotz der zunehmenden Schwäche leitete er während seines\nKrankenlagers noch immer alles, was in Betreff der ihm un-\ntergebenen Kunst-Institute anzuordnen war, und ein rüh-\nrendes Zeugniss seiner Geschäfts-Pünktlichkeit ist es, dass er\nnoch am Morgen seines Todestages dem Capelldiener mit\neigener schwacher Hand die Nummern aufschrieb, unter wel-\nchen die Musikstücke, die denselben Abend im Concert ge-\nmacht werden sollten, auf der Bibliothek zu finden seien."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5201, "texte": "den musicalischen Wunclerkindern in der Regel grosse\nschaffende und ausübende Tonkünstier, aus den wissen-\nschaftlich phänomenalen Kindern aber gewöhnlich nur\nMänner geworden sind, welche durch Aufspeicherung von\nallerlei Wissen in ihrem Gedächtniss und etwa durch lin-\nguistische Kenntnisse und Fertigkeiten sich auszeichneten.\nDoch kehren wir zu Friedrich Schneider zurück. Im\nJahre 1798 schickte ihn sein Vater auf die Gelehrten-\nschule zu Zittau. Friedrich zeichnete sich durch leichte\nAuffassung und Fleiss in allen Lehr-Gegenständen aus und\nbekundete merkwürdiger Weise eine besondere Anlage und\nVorliebe für diejenige Wissenschaft, welche am wenigsten\ndie Phantasie in Anspruch nimmt, für die Mathematik.\nSchon vorher war aber in seiner musicalischen Entwick-\nlung ein wichtiger Scheidepunkt eingetreten, einer von je-\nnen einflussreichen Augenblicken, in welchen eine bisher\nungekannte Grösse in wirklicher Erscheinung vor uns hin-\ntritt, ein Ideal, das die Seele dunkel ahnte, sichtbar ver-\nklärend, und wie ein plötzlicher Lichtstrahl das in uns\nschlummernde Bewusstsein entzündend. Der eilfjährige\nKnabe ging im Jahre 1797 mit seinem Vater nach dem\nnahe gelegenen Städtchen Rumburg. Dorthin hatte sich\neine Schauspieler-Gesellschaft verirrt, und Friedrich sass\nzum ersten Male in seinem Leben vor dem Vorhang, der\ndie Geheimnisse der Bühne verhüllt, voll Erwartung und\nSehnsucht. Zwar mochte das Orchester weder vollständig\nnoch vorzüglich sein; aber wie wurde trotz alledem dem\nKnaben zu Muthe, als zum ersten Male Töne von Mozart\nan sein Ohr schlugen! Welch ein wogender Aufruhrund\nwelch eine selige Befriedigung in seinem Herzen während\nder ganzen Aufführung der Oper, die keine andere war\nals die wunderbare Zauberflöte! Der Knabe war wie durch\neinen wirklichen Zauber gebannt, ja, er war ihm von da\nan auf sein ganzes Leben verfallen; denn dieser mächtige\nEindruck war entscheidend für ihn, von dem Augenblicke\nan gehörte sein Dasein der Kunst, die ihr wunderbares\nReich mit Einem Male in all seiner Herrlichkeit vor ihm\naufgeschlossen hatte. Dem Vater entging die gewaltige\nWirkung der Mozart'schen Musik auf den Knaben keines-\nwegs, er schaffte ihm die eben bei Breitkopf und Härtel\nO ' 1\nerschienene erste Ausgabe von Mozarfs Ciavier-Werken\nan; Friedrich kannte nichts Höheres und Lieberes, als ihr\nStudium, und so wurde Mozart der stille, aber einfluss-\nreiche Lehrer des Knaben.\nIn Zittau verfolgte er als Gvmnasiast seine musicalische\nO J\nAusbildung trotz vieler Hemmnisse und genoss den Unter-\nricht des Organisten Unger und des Cantors Schönfelder.\nFür das Studium der Composition fand er weder dort noch\nspäter in Leipzig eine eigentliche Anleitung; er war dabei\nlediglich an die Betrachtung und Durchdringung der Werke\ngrosser Vorbilder gewiesen, deren Partituren ihm sein Va-\nter schickte, oder die er sich selbst aus den Stimmen\nzusammentrug. Das Letztere that er besonders auch mit\nvielen Werken Haydn's, und wenn ihm Mozart das innere\nBewusstsein seines Talentes und seiner Bestimmung zum\nMusiker erschloss, so kann man auf der anderen Seite sa-\ngen, dass Havdn in der Composition sein Führer wurde.\nSo sehr nun auch der Vater die musicalische Ent-\nwicklung seines Sohnes begünstigte und förderte, so war\ner doch dagegen, dass dieser sich, wenigstens jetzt schon,\nganz und gar der Musik widmen sollte; er bestand auf dem\nvollständigen Durchmachen des wissenschaftlichen Lehrganges\ndes Gymnasiums und auf dem Besuche der Universität.\nWenngleich Friedrich schon in Zittau gar gern sich der\nKunst allein in die Arme geworfen hätte, so hat er doch\njener Festigkeit seines Vaters die treffliche wissenschaft-\nliche Bildung zu danken, welche sich selten in einem sol-\nchen Grade bei einem Musiker findet. Diese erleichterte\nihm die richtige Auffassung der Poesie, so wie die Einsicht\nin die Theorie der Kunst, und befähigte ihn zu klarer, lo-\ngisch scharfer Darstellung, sowohl durch das lebendige\nWort als Lehrer, wie durch den Druck als Schriftsteller.\nIn Zittau machte er übrigens auch schon die Schule\ndes Lebens durch, in welcher der Mensch sich aul die\neigenen Füsse stellen und unter tausend äusseren Hinder-\nnissen das Ziel, das seinem Inneren vorschwebt, fest im\nAuge halten lernt. Er gehörte wahrlich nicht zu den\nGlücklichen, denen von Jugend auf die reichsten und man-\nnigfaltigsten Förderungsmittel ihrer Bildung zu Gebot stan-\nden; wie sehr war seine Lage von den hebenden Ver-\nhältnissen verschieden, in welchen z. B. Meyerbeer, Men-\ndelssohn, Hiller u. A. ihre Jugend verlebten! Schneider\nstand schon als Knabe seinem Vater im Lehren bei, gab\ndann als Gymnasiast musicalischen Unterricht, besonders\nCiavierstunden, sang als Präfect des Chors auf der Strasse\nvor den Häusern, was zu damaliger Zeit in den sächsi-\nschen, märkischen und thüringischen Städten eine Haupt-\nEinnahme für arme Gymnasialschüler bildete die so ge-\nnannte Currende —, und spielte, wenn Theater in Zittau\nwar, im Orchester mit. Und bei allem dem machte er seinen\nCursus in Prima bis zur Reife zur Universität durch, übte\nden Chor ein, schrieb unzählige Sachen in Partitur, com-\nponirte Sonaten für Ciavier und mehrstimmige Sachen für\nGesang, schrieb Harmonie-Musik aller Art für den Stadt-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4887, "texte": "/\nMusicus, versuchte sich in Hymnen, Messen, Sinfonieen\nV\naber hatte bei allem Ueberlluss von Gedanken im Kopfe\nnur gar zu oft Mangel an Münze im Beutel. Hat wohl un-\nsere bequeme und verwöhnte Jugend, welche am elter-\nlichen wohlbesetzten Tische über die Last der Schul-Ar-\nbeiten seufzt, nur noch eine Vorteilung von dem, was es\nheisst, sich durchschlagen in der Jugend ?\nDurch sein Talent und eine so ehrenwerthe Thätigkeit\ngewann er sich allmählich Gönner und Freunde in Zittau\nund auch in Görlitz, wo er seine ersten Sonaten zum ersten\nMale öffentlich spielte. Durch Vermittlung eines Kunst-\nfreundes wurden diese drei Sonaten als Schneider's\nerstes Werk im Jahre 1803 (oder 1804) zu Leipzig bei\nBreitkopf und Härtel gedruckt.\nIm Jahre 1805 verliess Schneider das Gymnasium\nund bezog die Universität Leipzig. Er scheint sich hier\neinem besonderen Fach-Studium nicht gewidmet zu haben,\nsondern hörte mehr nur diejenigen Vorlesungen, welche\neine allgemeine wissenschaftliche Bildung fördern konnten.\nEr wurde mit den Professoren Platner und Carus, mit den\nTonkünstlern und Kritikern Schicht, A. E. Müller, Roch-\nlitz und Wendt bekannt und mit den meisten von ihnen\ninnig befreundet. Namentlich wurde ihm der Umgang mit\nRoch litz von grossem Nutzen, und es bildete sich zwi-\nschen beiden Männern ein schönes Verhältniss, welches bis\nzu Rochlitz' Tode bestand und dessen interessantes Denk-\nmal einige und fünfzig Briefe von Rochlitz sind, welche die\nFamilie Schneider besitzt. Sie beweisen, wie viel der da-\nhingeschiedene Meister auf das Urtheil seines Freundes in\nmusicalischen Dingen gab, da sie fast sämmtlich Bespre-\nchungen von Compositionen enthalten, welche Schneider\nin Manuscript an Rochlitz gesandt hatte. Der letzte Brief\nist vom 9. März 1839 und enthält die Beurtheilung des\nOratoriums Gethsemane.\nLeipzig wurde für Schneider's künstlerische Entwick-\nlung und auch für die künftigen äusseren Verhältnisse sei-\nnes Lebens entscheidend. Während er seinen Gesichtskreis\ndurch das Gute, was dort von Musik zu hören war, erwei-\nterte, seine Einsicht in die musicalische und ästhetische\nWissenschaft durch den Umgang mit Männern wie Schicht\nund Rochlitz vertiefte, trat er als Pianofortespieler öffentlich\nauf, brachte mehrere von seinen Compositionen zur Auf-\nführung und erregte sowohl dadurch als durch seinen\ngründlichen Unterricht Theilnahme und Anerkennung. Schon\nim zweiten Jahre seines Aufenthaltes wurde er Organist\nan der Pauliner (Universitäts-) Kirche. Zu jener Zeit spielte\nin Leipzig und Dresden abwechselnd die Jos. Seconda'sche\nSchauspieler-Gesellschaft, welche eines wohlbegründeten\nRufes genoss. Schneider nahm die Stelle eines Musik-Direc-\ntors bei derselben im Jahre 1810 an, welche später auch\nder geniale T. A. Hoffmann eine Zeit lang bekleidete. Er\nhatte sich zwar schon früh, besonders als Chor-Präfect in\nZittau, im Dirigiren gsübt, doch war ihm diese neue Stel-\nlung eben in Bezug darauf von grossem Werthe und gros-\nsem Nutzen, und auch er fand den Satz bewährt, dass das\nDirections-Pult der Oper erst die wahre Schule für den\nDirigenten ist.\nIm Frühjahr 1813 gab er die Stelle auf und trat das\nAmt eines Organisten an der Thomas-Schule an, wo Schicht\nCantor und zugleich Musik-Director an den beiden Haupt-\nkirchen Leipzigs war. Bald darauf trat ihm Schicht\ndie Leitung der von ihm errichteten Sing-Akademie ab,\nund von nun an ward ihm Müsse, sich dem Schaffen grös-\nserer musicalischer Werke zu widmen. Jetzt entstand die\ngrosse Vocal-Messe in F-dur, die er dem Könige von\nSachsen widmete. Für die Akademie schrieb er ausser die-\nsem trefflichen Werke noch vier Vocal-Messen. Die Errich-\ntung der Liedertafel im Jahre 1815 führte ihn auch auf\ndas Gebiet der Composition für vierstimmigen Männer-\ngesang, auf welchem er bekanntlich von jener Zeit an Be-\ndeutendes geleistet hat. In demselben Jahre machte er\nnähere Bekanntschaft mit dem Dichter J. A. Apel, der ihm\nseine Dichtung „Das Weltgericht\" übergab. Die Com-\nposition dieses Werkes trug Schneider drei Jahre lang in\nKopf und Herzen mit sich herum. Er übernahm während\ndieser Zeit (im Jahre 1817) die Musik-Director-Stelle an\ndem neu errichteten Stadt-Theater zu Leipzig, wofür er\nmehrere Sachen componirte unter anderen die Ouvertüre\nüber das Thema „ God save the King!\" ■—, und schrieb erst\nim Jahre 1819, und zwar in kurzer Zeit, das Oratorium\nnieder, welches seinen Ruhm durch die Welt zu tragen\nbestimmt war.\nWir schalten hier zwei Briefe von Rochlitz ein,\nwelche dieser nach der ersten Einsicht des Manuscriptes\nan den Componisten schrieb, und deren gefällige Mitthei-\nlung wir dem Sohne des Verewigten, Herrn Theodor\nSchneider, Herzoglich Anhaltischem Kammer-Musicus und\nDirector der Musikschule in Dessau, verdanken. Sie sind\nsowohl wegen des Werkes selbst und des innigen Verhält-\nnisses zwischen dem Componisten und dem Kritiker, als\nwegen allgemein interessanter Ansichten anziehend."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4952, "texte": "„Den 3. Februar 1819.\n„Guten Morgen!\n„Eben erhalte ich den Zettel fürs morgende Concert\nund darauf die Anzeige Ihrer neuesten Sinfonie. Darum\nsende ich Ihnen die Partitur und auch Partitur und Text\ndes Weltgerichts. Meine Meinung von beiden mir sehr\nwerthen Werken kann ich nicht schreiben, da das Bogen\nforderte und da ich zu jeder Ihnen gefälligen Stunde mit\nIhnen darüber sprechen kann. Nur das einzige Wort: In\nder Sinfonie (A-dur) verspreche ich mir vom dritten und\nvierten Satze die meiste Wirkung; im Oratorium muss ich\nbesonders Nr. 9 und alles, was folgt, wahrhaft bewundern,\nes für das Höchste erklären, wozu Sie Sich emporgeschwun-\ngen, und den schönsten Effect ohne alles Bedenken garan-\ntiren. Aber wie und womit, was der dritte Act dem Aus-\ndruck im Allgemeinen Verwandtes enthält, und dessen\ndurch Schuld des Dichters nur allzu viel ist wie und\nwomit dies noch gesteigert werden soll: das gestehe ich\nnicht einzusehen. Indess ist das Ihre Sorge; und mögen\nsie nur darauf bedacht sein, die contrastirenden milderen\nSätze durch recht eigentümliche und eindringende Mel o-\ndieen und durch ungewöhnliche Hüllsmittel den Zuhörern\ngleichfalls mehr ans Herz zu legen und möglichst bedeu-\ntend zu machen. Sie werden sonst mit Heftigem und Rau-\nschendem nicht nur, sondern auch mit Fülle, Masse allzu\nsehr überhäuft, als dass sie dessen im Denken und Empfin-\nden Herr werden könnten was doch zu eigentlichem\nGenüsse nöthig ist. Doch das wissen Sie ja besser, als ich!\nUnd so fahren Sie doch ja in guten Stunden mit Gott und\nIhrem Genius in diesem wahrhaft verdienstlichen Werke fort!\n„Ihr\n„ Rochlitz. *\n„Den 19. Februar 1819.\n„Ich schicke Ihnen hier, lieber Freund, den zweiten\nAct Ihres Oratoriums zurück mit Dank lür die zutrauliche\nMittheilung. Was ich Ihnen hier darüber sage, nehmen Sie\nnur als erste Linien eines Urtheils oder vielmehr einer\nMeinung.\n„Ich bin diesen Act, ohne den ersten in seinen Haupt-\ntheilen vergessen zu haben, mehrmals sorgsam durchgegan-\ngen, und jedesmal theilten sich meine Empfindungen beim\nSchlüsse in grosse Freude und in störende Sorge. Ich er-\nkläre mich über Beides aufrichtig. Grosse Freude macht\nmir dieser Act, erst als Musikstück im Ganzen, dann in\nmehreren Haupttheilen ganz besonders, wo ich Sie zugleich\nbewundern und uneingeschränkt preisen muss; wo\nich auch gar nicht begreife, wie Sic es wenn auch noch\nso vorbereitet in so kurzer Zeit haben zuStande brin-\ngen können, da Sie obendrein durch Ihr Amt so sehr ge-\nbunden und beschäftigt sind. Ich hebe einige Hauptsätze\naus. Die Bass-Arie Nr. 2 wird, was den Effect anlangt,\nvornehmlich vom Vortrag des Sängers abhangen. Nr. 3 thut\neinem wohl und noth. Die Fuge in Nr. 6 ist trefflich ge-\narbeitet, und ich bewundere, welche Gewalt und Freiheit\nSie in diesem Stile erlangt haben. Das Quartett Nr. 7 finde\nich durch Gesang und Stimmenlührung ausgezeichnet. Nr.\n8, 9, 10 ist ein gewaltiges, tief ergreifendes, kunstreiches\nund doch nicht schwer zu fassendes, ja, meist sogar ziem-\nlich einfaches Stück; mir scheint es zugleich eines der ori-\nginellsten im ganzen Werke und die hier nicht leicht zu\nhaltende Gränze zwischen Drama und Oratorium vollkom-\nmen beobachtet. Gerade so weit, däucht mich, durften\nSie gehen, als Sie gegangen sind. Auch die Zwischen-Musik\nzum Schlussist in jeder Hinsicht meisterhaft. In Nr. 11\nist die Fuge mit der lebendigen, musterhaften Figurirung\nder Geigen wieder uneingeschränkt zu rühmen, und durch\nden Schluss wird sie auch d i e wieder in die Sache führen,\ndie alle Fugen nicht viel anders als ein unvermeidliches\nUebel betrachten, in das man sich dumpf resignirend ergibt.\n„ Und dennoch bin ich nicht ohne Sorge, wenn ich näm-\nlich daran denke, dass das Werk vor einer sehr gemischten\nMenge und auch vor Gebildeten nur einmal, dann wahr-\nscheinlich geraume Zeit nicht wieder aufgeführt wird. Nicht\nnur für jene, sondern selbst für diese bei nicht mehrmals\nwiederholter Aufführung hat es vielleicht der Musik\nüberhaupt, gewiss aber der unruhigen, rauschenden,\naffectvollen, reich instrumentirten und im Chor zu singen-\nden zu viele. Der Ungebildete wird betäubt und damit ver-\ndumpft, der Gebildete kann doch auch nicht Alles Herr\nwerden und verhält sich nur mit Mühe und Anstrengung\nin vollständiger Aufmerksamkeit. Und da das Gedicht, wenn\nes auch fortschreitet, doch nicht dramatisch ist, so geht\nauch dieses Hülfs- und Erleichterungsmittel ab, und jenes\nUnerwünschte ist um so mehr zu besorgen. Freilich konn-\nten Sie das nicht ändern, und kaum einige Sätze im ersten,\nvielleicht ein einziger im zweiten Acte konnten kürzer ge-\nhalten, einfacher zusammengestellt werden. Es würde Un-\nrecht sein, Ihnen dieses jetzt anzutühren, da Sie für den\nschwierigen dritten Act noch Lust, Feuer, Muth und Ver-\ntrauen brauchen; aber ich thue es in der Voraussetzung,\ndass diese Lust etc. durch meine eines Einzelnen\nüberdies nur durch Lesen veranlassten Anmerkungen ohne-\nhin nicht gestört werde, und in der guten Absicht, mei-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1528, "texte": "ner Bitte Nachdruck zu geben meiner Bitte, dass Sie\nden dritten Act 1) so kurz und gedrängt als möglich\nvielleicht bloss das letzte Finale ganz breit und ausgearbei-\ntet, schreiben, 2) in den wenigen sanfteren, ruhigeren\nStücken durch ganz besonders neue, anziehende Melo-\ndieen den Zuhörer erleichtern und fesseln, und 3) wo es\nsein kann, die Instrumentation theils vereinfachen, theils\ndurch ungewöhnliche Auswege oder Zusammenstellungen\nauffrischen und zugleich eben damit wieder für das Zusam-\nmenwirken Aller, wo sie dann auftreten, empfänglich machen.\nDiese Bitte glaube ich unter allen Umständen, und auch\nwenn ich mich in meinen Bedenklichkeiten geirrt hätte,\nverantworten zu können; darum thue ich sie so getrost\nund geradezu. Eine zweite aber kann ich nur frageweise\nvorbringen. „ Der Prophet gilt nirgends weniger, als in sei-\nnem Vaterlande\", ausser wenn er zuvor auswärts recht\nviel gilt und davon ins Vaterland hereingeschrieen wird.\nSollte es nicht gut sein, von dieser Ihrer Arbeit hier Nie-\nmandem zu sagen und das Werk erst in Berlin, München\nund Wien aufzuführen? Haben Sie so eine Idee, so will\nich gern mit Rath und, so weit ich's vermag, auch mit der\nThat behülflich sein. Denn ich wiederhole es mei-\nner Bedenklichkeit ungeachtet, halte ich Ihr Werk für so\nausgezeichnet und trefflich, dass ich mich dafür möglichst\nverwenden würde, wäre der Verfasser auch mir fremd;\nnun aber ist er mir ja ein lieber Freund, dem ich auch\nso viele schöne Kunstgenüsse zu verdanken habe!\n„Ihr\n(Schluss folgt.)\n\n„Rochlitz.“"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-01-14-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-01-14_01#c002", "volume": "bmtnabi_1854-01-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "14", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.2.2", "titre_corps": "Ein Besuch in Florenz.", "titre_sommaire": "Ein Besuch in Florenz.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.5", "debut_caractere": 1530, "fin_caractere_exclue": 4665, "texte": "Ein Besuch in Florenz.\nDie Eisenbahn II wie die Italiäner\nschlechtweg sagen - brachte mich in drei Stunden von\nLivorno nach Florenz. Mein Aufenthalt sollte hier nur kurz\nsein; aber Florenz ist eine Zauberin, sie bannt dich mit\nihren Reizen und Wundern, und es gehört nicht zu den\nSeltenheiten, dass Fremde, welche einige Wochen da zu-\nbringen wollten, die Stadt ihr ganzes Leben lang nicht\nwieder verlassen haben.\nEs ist bekannt, dass Rossini seit den Unruhen in der\nRomagna im Jahre 1848 seine Penaten nach Toscana ge-\nScgen hat. Florenz zog ihn vor Allem an, und er wählte\nlvu seinem festen Wohnsitze. Wenn man durch die Via\nD rgageht, so zeigt der Cicerone auf einen von aussen\nRichtigen Palast und sagt: Dies ist Rossini's Wohnung.\nIm Innern herrscht jedoch nichts weniger als verschwen-\nderischer Luxus; Rossini begnügt sich mit ein paar Zim-\nmern und lässt die übrigen Gemächer ungeschmückt und\nunbewohnt.\nMein freundlicher Wirth, Herr Deila Ripa, wie Rossini\naus Pesaro gebürtig, ist nicht nur ein Landsmann, sondern\nauch ein vertrauter Freund des Maestro.\nMeine erste Frage in dem häuslichen Cirkel am Abend\nmeiner Ankunft war nach Rossini und dem Gerüchte von seiner\nwieder erwachten Compositions-Lust. „Werden wir wirk-\nlich\", sagte ich zu Herrn Deila Ripa. „bald einen neuen\nWilhelm Teil erhalten?\"\n„Wir hoffen es!\" erwiderte er. „Das hängt von\nRanzi ab.\"\nRanzi ist eine wissenschaftliche Berühmtheit in Italien;\ner theilt mit seinen Lehrern Buffalini und Regnoli den\nThron der Heilkunde. Ich war sehr neugierig, zu erfahren,\nwas die Arzneikunst mit der Composition zu schaffen habe,\nund hatte diese Frage auf den Lippen, als ein Bedienter mit\nden Worten: „II Signor Commendalorc Rossini!\" die Saal-\nthür öffnete.\nIch fühlte einen freudigen Schauer in meinen Gliedern,\nund wie mit elektrischer Schnelligkeit schössen meine Blicke\nauf den schönen, ausdrucksvollen Kopf des berühmten\nMannes. Mein Wirth liess mir keine Zeit, mich von meiner\nUeberraschung zu erholen, sondern stellte mich ihm auf\nder Stelle vor. Rossini hat ein so einnehmendes, wohlwol-\nlendes Wesen in seiner Art, Fremde aufzunehmen, dass\nman sehr bald vergisst, einer so ruhmgekrönten Grösse ge-\ngenüber zu stehen, und sich mit ihm, wie in alter Bekannt-\nschaft, ganz behaglich fühlt. Seine geistvolle Unterhaltung\nist fast eben so berühmt wie seine Musik, und mit demsel-\nben Rechte. Da ist Wärme, Leben, Feuer, Ueberlluss an\nwitzigen und treffenden Einfällen, und die häufigen Streife-\nreien auf das Gebiet der Politik, der Literatur, der Ge-\nschichte und Kunst-Philosophie beweisen, dass er in allen\nFragen und Ereignissen, welche die Zeit bewegen, zu\nHause ist.\nNur über Einen Punkt ist er einsylbig; ja, er bricht\nwohl sogar, mit einem leichten Anfluge von Missbehagen\nauf seinem Antlitze, die Unterhaltung ab, wenn man sie\nauf Musik und Composition bringt. Er fragte mich, da ich\ngeraden Weges von Paris kam, nach Neuigkeiten über den\nKaiser Napoleon 111., über den er sich sehr dankbar aus-\ndrückte und die grosse Freude gestand, welche ihm die\nUebersendung des Commandeur-Kreuzes der Ehrenlegion\ngemacht habe. Ich beeilte mich, diese Wendung des Ge-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3996, "texte": "spräches zu benutzen, um dem Ziele meiner Neugierde\nnäher zu rücken. Ich erzählte ihm, wie die neuen Wieder-\nholungen seines Moses und Teil die Pariser entzückten,\nwie dankbar sie wären, indem sie eine Strasse nach ihm\nbenannt und seine Bildsäule in der Vorhalle des Opern-\nhauses aufgestellt und die Auszeichnung, die ihm der Kai-\nser verliehen, mit allgemeinem Beifall begrüsst hätten.\n„Und auch Ihr Vaterland,\" fuhr ich fort, „das einen\nAugenblick verblendet war, kehrt zu Ihrer Muse mit neuer\nBegeisterung zurück. Binnen einem Jahre wird Ihre Musik\nwieder auf allen Bühnen Italiens herrschen. Ist es Ihnen\ndenn möglich, noch lange so grausame Rache an Ihren\nBewunderern zu üben und die Welt um neue Meisterwerke\nzu bringen?\"\n„Fragen Sie Ranzi!\" antwortete Rossini: „er weiss\ndarüber jetzt so gut Bescheid, wie ich.\"\nUnd damit war die Unterhaltung aus.\nEinige Tage später sass1 ich mit Deila Ripa auf der\nTerrasse seiner herrlichen Villa Lorreltino und brachte das\nGespräch auf den Doctor Ranzi und sein Verhältniss zu\nRossini.\n„Sie werden wohl schon gehört haben,\" sagte er,\n„ dass der Doctor Ranzi auf dem Punkte steht, nach Aegyp-\nten zu reisen, wo er auf die Einladung des Vicekönigs drei\nMonate an dessen Hofe zubringen wird. Nun müssen Sie\nwissen, dass Rossini, Ranzi und ich sehr vertraute Freunde\nsind, die kein Geheimniss vor einander haben. Jüngst sassen\nwir zusammen, und Rossini war so recht im Fluss der\nRede, welche übrigens nichts Anderes war, als eine Para-\nphrase der Worte eines italiänischen Dichters: „„Willst\ndu, dass ich wieder liebe, so gib mir meine Jugend wieder.\"\"\nSie glauben nicht, wie sehr die Jugend der Gegenstand\newiger Sehnsucht bei ihm ist, was man bei einem Manne\nvon solchem Genie und solchem Ruhme kaum glauben sollte.\n- Ja, ja! rief er am Ende seiner Elegie auf die Unwie-\nderbringlichkeit des Lebens-Frühlings aus, Liebe ist Alles\nauf der Welt; nur sie ist die Schöpferin von Meisterwerken\nder Kunst! Sprecht mir doch nicht, und Ihr thut es bis\nzum Ueberdruss, von der Herrlichkeit des Ruhmes, von\nden Freuden der Arbeit! Was ist Ruhm? Ein Schattenbild.\nWas ist Arbeit? Mühe. Nur die Jugend gibt dem Ruhme\nReiz und macht uns die Arbeit leicht, sie schmückt Beide\nmit dem Zauber, der nur ihr eigen ist. Wessen Sinne und\nHerz das Eis der Jahre bedeckt, der ist schon halb todt.\nIhr meint, auch die Erinnerung der Jugend und der Liebe\nsei ein Glück? Nein. Nessun maggior dolore che ricordarsi\ndeltempo felice nella miseria!sagt Dante, ich weiss nicht,\nob im Fegfeuer oder in der Hölle, und das heisst mit an-\nderen Worten: Es gibt nichts Traurigeres, als einer schö-\nnen Frau gegenüber ein Fünfziger zu sein.\n„Der Doctor lächelte und sagte; Aber wenn dir nun\nEiner die theuren dreissiger Jahre wiedergäbe?\n„Ach was! Es gibt keino Wunder mehr.\n„So? Hat die Wissenschaft nicht ihre Wunder, wenn\nauch der Himmel für uns sündige Menschen nichts mehr\ndavon wissen will?\n„Das wohl! aber\n„Nun, lass uns im Ernst sprechen. Was würdest du\neinem Manne geben, der dich zwanzig Jahre jünger machte?\n„Alles, was ich zu geben vermag!\n„Alles? Auch eine neue Oper?\n„Rossini sprang auf. Doctor! rief er, gibst du mir\nmeine Jugend wieder, nur auf ein Jahr, was sage ich ? nur\nauf einen Monat, auf eine Woche, so liefere ich dir eine\nvollständige Oper in zwei Acten!\n„Du hörst es! wandte sich Ranzi an mich du\nbist Zeuge seiner Verpflichtung. Ich gehe nach Aegypten;\nder Orient ist das Land der Wunder, da liegen Geheim-\nnisse verborgen, die nur auf den geeigneten Forscher war-\nten. Du bist noch lange keine hundert Jahre alt, wie Abra-\nham. Ich halte dich beim Worte; mache nur deine Par-\ntitur fertig, denn bei meiner Rückkehr ist sie mein.\n„Ja! rief Rossini: und ich will die Proben selbst ab-\nhalten und am Ciavier die erste Aufführung dirigiren.\"\nDas war im October vorigen Jahres. Noch ist der\nDoctor Ranzi nicht zurück; die Welt kann also noch hoffen\nauf die Wundercur und auf die neue Rossini'sche Oper.\n(Nach einer Mittheilung von Salvator\nZabran in der France mus.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-01-14-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-01-14_01#c003", "volume": "bmtnabi_1854-01-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "15", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.2.3", "titre_corps": "Hoftheater in München.", "titre_sommaire": "Hoftheater in München.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.6", "debut_caractere": 3998, "fin_caractere_exclue": 4701, "texte": "Hoftheater in München.\nDie k. Hoftheater-Intendanz veröffentlicht jeden 1.\nJanuar eine statistische Uebersicht der Vorstellungen (Neuig-\nkeiten, Gastspiele) des vergangenen Jahres, eine löbliche\nund nachahmenswerthe Sitte. Man hat da auf einem einzi-\ngen Folio-Bogen, der noch dazu gratis vertheilt und ver-\nsandt wird, alle Notizen beisammen, welche den Kunstfreund\ninteressiren, während man sich diese von anderen Hof-\ntheatern aus kostspieligen Jahrbüchern oder Theater-Alma-\nnachen herausziehen muss. Dergleichen Statistiken sind\naber von Werth, denn sie erscheinen als eine Art von Ba-\nrometer über den Stand der dramatischen Kunst, als histo-\nrische Zeugnisse für das Streben der Intendanz und für"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2590, "texte": "den Geschmack und die Bildungsstufe des betreffenden\nTheater-Publicums. In beiden Hinsichten braucht München\nnicht scheu zurückzutreten, wenn auch für Aufführung\nneuer Opern vielleicht mehr hätte geschehen können.\nNamentlich vermissen wir Wagner's Tannhäuser auf der\nListe. Jedoch muss man bedenken, dass das k. Hoftheater\nwegen neuer Instandsetzung zwei Monate geschlossen war,\nund während eines Theils dieses Zeitraumes im Odeon nur\nLustspiele und komische Opern gegeben werden konnten.\nIn der Gesammtzahl von 233 Vorstellungen im Jahre\n1853 wurden 145 Schauspiele und Possen, 119 Opern\nund Singspiele und 22 Ballets gegeben.\nZum ersten Male aufgeführt wurden 21 Nummern,\ndarunter Mathilde und Ein Lustspiel von Bene di x, Ze-\nnobia von May, Maria von Burgund, historisches Lustspiel\nvon Hersch, Philipp und Perez von Gutzkow, Bichard\n11. von Shakespeare, Sully von von Meies vi 11 e u. s.\nw. von Opern nur Sakontala von Perfall (2mal) und\nFaust von Spohr (1 mal).\nNeu einstudirt und in Scene gesetzt wurden 15 Num-\nmern, darunter sieben Opern: Mehul, Jakob und seine\nSöhne, Halevy, Guido und Ginevra, Auber, Maskenball,\nBoieldieu, Der neue Gutsherr (seit 1826 nicht gege-\nben), Mozart, Entführung, W. Müller, Schwestern von\nPrag, Marsehner, Hans Heiling. Unter den Dramen\ntreffen wir Shakespeare's Othello und Schi 11 er's\nWilhelm Teil.\nBetrachten wir die sämmtlichen Vorstellungen des\nSchauspiels, so erschienen im Jahre 1853 auf dem\nmünchener Höftheater: Angely 5 mal, Bauernfeld 2,\nBenedix 7, Birch-Pfeiffer 1, Freytag 2, Göthe\n8, Gutzkow 5, Hackländer 1, Hebbel 1, Kleist\n1, Kotzebue 3, Lessing 2, Raimund 3, Schiller\n13, Scribe 5, Sophokles (Antigone), Shakespeare\n28 (darunter 14 mal Lustspiel, nämlich: Sommernachts-\ntraum, Viel Lärmen um nichts, Komödie der Irrungen,\nWas Ihr wollt, Widerspänstige), Terenz (Die Brüder),\nTöpfer 1 mal u. s. w.\nAuf der Liste der Oper finden wir Auber 8, Beet-\nhoven 2, Bellini 7, Boieldieu 4, Cherubini 1,\nCimarosa 2, Donizetti 6, Flotow 6, Gluck 1,\nGretry 2, Halevy 6, Kreutzer 1, F. Lachner 2,\nLortzing 2, Marschner 2, Mehul 11 (Jakob 5,\nSchatzgräber 3, Die beiden Füchse 3 mal), Meyerbeer\n1 2(Prophet 6 mal), Mozart 13 (auch 1 mal,\nDerSchauspiel-Director 3 mal), Rossini 1, Spontini 1,\nVerdi 2 (Nabuco), Weber 4, Weigl 3 mal.\nUnter den Gästen waren die berühmtesten Em. De-\nvrient 7, Davison 7 mal; Johanna Wagner 5,\nRoger 6 mal.\nZählen wir die 22 Ballets mit zur Oper, so halten\nsich die musicalischen und recitirenden Stücke an Zahl\ndie Wage: 141 zu 145. Allein unter den 36 neuen\noder neu einstudirten Aufführungen befinden sich nur 9\nOpern."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-01-14-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-01-14_01#c004", "volume": "bmtnabi_1854-01-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "16", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.2.4", "titre_corps": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale.", "titre_sommaire": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.7", "debut_caractere": 2592, "fin_caractere_exclue": 5070, "texte": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale.\nDinstag, den 10. Januar.\nDas fünfte Conccrt war durch die Aufführung der Hauptsätze\naus Cherubinis Missa solemnis, qomponirt zur Krönungsfeier\nKarl's X., und durch die Vorträge des Fräuleins Wilhelm ine\nClauss ausgezeichnet.\nEs begann mit einer Ouvertüre zur Oper „Naim\" von Re-\nber. Neuerdings an Onslow's Stelle zum Mitgliede des Instituts\nernannt, geniesst Reber eines bedeutenden musicalischen Rufes in\nParis. Seine letzte Arbeit tür die komische Oper ist eine einactige\nOperette, Les Papillotes de Mr. Benohl, welche einen Succes tfeslime\noder de curiosite gehabt hat, wie die Franzosen sich ausdrücken.\nSeine Compositionen iür Instrumental-Musik sind wegen ihrer\nKlarheit und gründlichen Arbeit und wegen des Strebens nach der\nEinfachheit der älteren Meister geschätzt. Die hier aufgeführte\nOuvertüre bekundet allerdings ebenfalls diese löblichen Eigenschaf-\nten, verräth aber keine bedeutende Erfindungsgabe.\nFräulein Clauss spielte Mendelssohns G-moll-Concert und\nim zweiten Theile zwei Notturni von Chopin, ein Impromptu\nvon Hill er und die -A-wo/Z-Etude vonThalbcrg. Die junge\nKünstlerin, welche einen grossen Ruf in kurzer Zeit an den Cen-\ntral-Punkten der \\ irtuosen-Berühmtheit, in Paris und London, er-\nrungen hat, bewährte denselben auch hier uritcr lebhaftem Beifall\ndes Publicums. Seit den drei Jahren, wo wir sie hier hörten, hat\nsie sich zu einer bedeutenden Höhe emporgeschwungen. In der\nThalberg'schen Etüde einem freilich an musicalischem Gehalte\nsehr leeren Bravourstücke zeigte sie eine eminente technische\nFertigkeit, eine zu bewundernde Gleichheit und Elasticität des An-\nschlags im schnellsten Tempo. Auch der Vortrag der Chopiiischcn\nSachen war vortrefflich, wie denn überhaupt der Vortrag der mo-\ndernen Schule, und in dieser besonders des Zarten und Duftigen,\ndas Talent der jugendlichen Künstlerin am glänzendsten ins Licht\nstellt.\nDie Messe von Cherub ini ist ein wahres Prachtwerk, der\nFeier einer Königskrönung aufs würdigste entsprechend und selber\neiner Krönung werth. Der grossartige Stil des Credo namentlich\nmacht eine der erhabensten Wirkungen, welche wir je von einem\nmusicalischen Werke empfunden haben. Der „Krönungsmarsch\",\nwohl weniger ein Marsch als ein Instrumental-Satz während der\nCeremonie der Krönung, ist ein wundervolles Musikstück, welches\neine heilige Stimmung ganz anders zu Gefühl und Wahrheit bringt,\nals die neueste symbolische Gral-Musik. Eben so eindrucksvoll und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 251, "texte": "originel ist am Schlüsse die Bitte des Dona nobis pacem ausge-\nsprochen. Die Ausführung war sehr gelungen.\nDen Schluss des Concertes machte eine bis auf unbedeutende\nKleinigkeiten ganz vortreffliche Ausführung der vierten Sinfonie\nB-dur von Beethoven."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-01-14-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-01-14_01#c005", "volume": "bmtnabi_1854-01-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.8", "debut_caractere": 253, "fin_caractere_exclue": 4914, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n** Bonn. Wir haben hier im vorigen Monat eine musicalische\nFeier von Beethoven's Geburtstag veranstaltet, welche mit\ndem dritten Abonnements-Coneerte zusammenfiel. Es wurden nur\nBeethoven'sche Compositionen aufgeführt: die Fest-Ouverture in C,\nOp. 124, die Chöre und der türkische Marsch aus den Ruinen von\nAthen nnd die Sinfonia Eroica. Die Ausführung dieser Sachen,\nunter der Direction des Herrn von Wasielewski, war gelungen\nund stand in keiner Hinsicht den beifallswürdigen Leistungen des\nChors und des Orchesters in den beiden ersten Conccrten nach.\nDie Krone des Abends war jedoch der Vortrag des Es-dur-\nConcertes für Pianoforte und Orchester durch Karl Reinecke\naus Köln, den wir fast noch nie mit solcher Meisterschaft haben\nspielen hören, wie an diesem Abend. Die allgemeinste Anerken-\nnung des Publicums konnte nicht fehlen und gab sich durch wie-\nderholtes Beifallspenden kund.\nMiiiiclieit. Die am Montag im Museum veranstaltete Soiree\ndes Dichters Herrn Franz Stelzhammer bot eine recht ange-\nnehme Unterhaltung. In München hat Stelzhammer zuerst es ge-\nwagt, als „Erzähler\" aufzutreten, und wir können versichern, dem\nobderensischen Dichter ist sein Wagestück gelungen. Sein Vortrag\nist sehr angenehm und sein Märchen recht gemüthlich. Von den\nübrigen Kunstleistungen erwähnen wir die des Fräuleins Therese\nStöhr, welche durch den Vortrag zweier Piecen auf dem Piano-\nforte ihr Talent für dieses Instrument kund gab und durch die be-\nwiesene Kunstfertigkeit eine gründliche und gute Schule zeigte,\nwas ihrem Lehrer, Herrn Professor Doctor, zur besonderen Ehre\ngereicht.\nAus Hamburg schreibt man, dass die Tannhä user-\\or-\nstellungen in der Weihnachtszeit zwar noch immer gezogen haben,\njedoch nicht so stark, als die Theater-Direction erwartete und nö-\nthig hatte, da die erste bis neunte Vorstellung die Kosten der\nüberaus prachtvollen Ausstattung noch nicht gedeckt hatten. Das\nFür und Wider in den dortigen Blättern hat zu mancherlei Witzen\nAnlass gegeben, z. B. zu folgendem Epigramm:\nDie Componisten unsrer Zeit\nVereinen sich aus Dankbarkeit,\nUm Wagner ein Geschenk zu schicken.\nWarum? könnt' er sie so entzücken?\nJa! denn seit man ihn angehört,\nErkennt man erst der Andern Werth.\nIn einer Gesellschaft, in welcher der Hauptkämpfer für die\nWagner'sche Musik den Leuten bewies, dass erst die künftigen Ge-\nschlechter diese verstehen würden, erwiderte endlich Einer, indem\ner auf ihn losschritt: „Kat schuk puff allo Backbückpumm!\"\n„Mein Herr,\" sagte jener verblüfft, „was soll das heissen, was reden\nSie da?44 „Ei, die Sprache der Zukunft!a war die ruhige Ant-\nwort. (N. W. M.-Z.)\nBrüssel. Am 24. December v. J. fand hier unter der Direc-\ntion von Fetis ein Concert Statt, dessen Ertrag zur Errichtung\neines Grabdenkmals lür AI. Stadtfeld bestimmt war. Es wur-\nden fast nur Compositionen des zu früh verschiedenen Componisten\naufgeführt, Ouvertüren, Bruchstücke aus seiner Oper Hamlet und\nLieder. Das zahlreiche Publicum zeigte grosse Thcilnahme.\nB. Damcke, der in Petersburg eine bedeutende Stellung\nals Musiker und Kritiker einnimmt und auch unseren Lesern aus\nmehreren Artikeln bekannt ist, hat Russland aus Gesundheits-Rück-\nsichten auf einige Zeit verlassen und verweilt gegenwärtig in Brüssel.\nAmsterdam. Wir haben hier die Bekanntschaft eines jungen\ndeutschen Künstlers, des Violinspielers Ad. Köckert, gemacht,\ndessen erstes Auftreten bei uns ihm eine sehr gute Empfehlung\nlür ganz Holland sein wird. Er hat am 6. Januar in Felix Meritis\nund einige Tage darauf in dem Concerte der Gesellschaft Eruditio\nmusica mit grossem Erfolg gespielt\nAmedee Be au plan, ein berühmter und fruchtbarer Dichter\nund Componist im Fache der Chansons, Romances und Vaudevilles,\nist zu Paris, 63 Jahre alt, gestorben.\nDie Sängerin Clara Novello ist gegenwärtig zu Mailand\nan der Scala; die Castcllan in Lissabon am Theater Don\nCarlos.\nDie neue philharmonische Gesellschaft in London\nkündet schon jetzt die Eröffnung ihrer Concerte im Monat März\nan und dass darin Beethoven's Missa solemnis in D zur Auffüh-\nrung kommen wird.\nStockholm. Hier sind die Compositionen Sr. K. Höh. des\nPrinzen Gustav erschienen, der in seinem 26. Jahre gestorben ist\nund grosse musicalische Anlagen besass. Sie enthalten ein- und\nmehrstimmige Lieder, auch Quartette lür Männerstimmen und einige\nMärsche.\nDas Opernhaus in Paris fasst 1800 Personen, das Thedtre\nfranqais 1186, die komische Oper 1500, das Odeon 1550, die ita-\nliänische Oper 1300; das Burg-Theater in Wien 1670, das Kärnth-\nnerthor-Theater 1800; das Opernhaus in Berlin 2078; das Theater\nin Dresden 2000, in München 2500, in Hannover 2000, in\nHamburg 2300; San Carlo in Neapel 4000."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.1", "texte": "Friedrich Schneider.\n\nAm 3. Januar des Jahres 1786 wurde einem armen\nWeber zu Waltersdorf in der Oberlausitz, einem Dorfe\nnicht weit von der böhmischen Gränze, ein Knabe gebo-\nren, dem der Vater, Johann Gottlob Schneider ge-\nheissen, in der Taufe die Namen Johann Christian\nFriedrich gab. Dem Johann Gottlob gingen aber, wenn\ner an seinem Webstuhle sass und ein Stück Zwillich fer-\ntigte, oft gar wundersame Dinge durch den Kopf; dann\nsprang er auf und holte sich aus einem alten Schrein aller-\nlei Hefte und tßogen und machte ihre schwarzen Hiero-\nglyphen durch lauten Gesang lebendig oder durch Cia-\nvier- und Saitenspiel; denn die Hefte waren nichts Ande-\nres als Notenblätter und Partituren, und dem Gottlob hatte\nder Himmel das Ahnungs-Vermögen gegeben, dass es wohl\nsein möchte\nmit der Harmonie-Fabrik,\nwie mit einem Webermeister-Stück,\n*\nwo Ein Tritt tausend Fäden regt,\ndie Schifflein herüber, hinüber schiessen,\ndie Fäden ungesehen flicssen,\nEin Schlag tausend Verbindungen schlägt.\nDarum ruhte er nicht eher, als bis er klar sah in dieser neuen\nWeberei, in der musicalischen, und er brachte es in der\nThat dahin, dass ihn ein ehrsamer Bath zu Zittau zum\nSchulmeister und Organisten in Altgersdorf ernannte*),\nwo er bis an seinen Tod im Jahre 1840 gewissenhaft sei-\nnem Berufe vorstand und mit einem Ernst und einem\nFleisse der geliebten Tonkunst anhing, wie man sie nur\nbei den Deutschen, und namentlich in Thüringen und Sach-\nsen und in Böhmen, findet. Er genoss eines gewissen Rufes\nin seiner Gegend, und eine Menge von Schülern pilgerte\nnach dem Dorfe, um den Unterricht des ehemaligen We-\nbers in der Musik zu gemessen.\nSein bester Schüler wurde jedoch sein Sohn Fried-\nrich, dessen musicalische Natur-Anlagen der Vater sehr\nfrüh entdeckte und mit der herzlichen Freude daran den\nernsten Willen verband, sie von den ersten, zartesten Kei-\nmen an sorgsam zu pflegen. Desshalb wartete er kaum das\nvollendete vierte Jahr Friedrich's ab, als er schon begann\n(1790 im October), ihn im Ciavier-, nachmals (1791)\nauch im Orgelspiel, und nach und nach auf allen Instru-\nmenten, mit welchen er selbst sich befreundet hatte, zu\nunterrichten. Der Sohn sprach sein ganzes Leben lang mit\nder dankbarsten Erinnerung von diesem Unterrichte, der\nihm eine feste Grundlage für seine musicalische Fortbildung\ngab, und mit welchem zugleich der Geist der Ordnung und\ndes Fleisses und der Arbeitsfreude in ihn kam, welcher\nihn bis zu seinen letzten Augenblicken nicht verlassen hat *).\nSeine ersten Compositions-Versuche machte Friedrich\nSchneider in seinem achten Lebensjahre; seine erste Sin-\nfonie schrieb er im Jahre 1799 auch bei ihm ent-\nwickelte sich also, wie bei den meisten grossen Musikern,\ndie künstlerische Anlage im frühesten Alter. Es ist diese\nErscheinung, der wir sowohl bei bedeutenden Componisten\nals Virtuosen mit nur sehr wenigen Ausnahmen begegnen,\nein Fingerzeig der Natur, dass die Musik dem innersten\nWesen des Menschen entquillt, jener geheimnissvollen Or-\nganisation, welche das Psychische in uns bedingt und\ndas Gefühlsleben zu vorherrschender Thätigkeit ruft; dass\nsie der Entwicklung des Verstandes vorauseilt und die\nThätigkeit desselben nur zum Ordnen und Sichten, nie\naber zum Erfinden gebraucht, woraus dann von selbst\nfolgt und durch die Erfahrung bestätigt wird, dass die Re-\nflexion keine wahre Musik zu erzeugen im Stande ist. Auch\nist wahrlich, zur Anregung weiteren Nachdenkens über die\nverschiedene Kraft der menschlichen Anlage je für Kunst\noder Wissenschaft, die Erfahrung zu beachten, dass aus\n\n*) Daher in einigen biographischen Notizen Altgersdorf irrthüm-\nlich als Fr. Schneidens Geburtsort angeführt wird.\n*) Trotz der zunehmenden Schwäche leitete er während seines\nKrankenlagers noch immer alles, was in Betreff der ihm un-\ntergebenen Kunst-Institute anzuordnen war, und ein rüh-\nrendes Zeugniss seiner Geschäfts-Pünktlichkeit ist es, dass er\nnoch am Morgen seines Todestages dem Capelldiener mit\neigener schwacher Hand die Nummern aufschrieb, unter wel-\nchen die Musikstücke, die denselben Abend im Concert ge-\nmacht werden sollten, auf der Bibliothek zu finden seien."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.2", "texte": "den musicalischen Wunclerkindern in der Regel grosse\nschaffende und ausübende Tonkünstier, aus den wissen-\nschaftlich phänomenalen Kindern aber gewöhnlich nur\nMänner geworden sind, welche durch Aufspeicherung von\nallerlei Wissen in ihrem Gedächtniss und etwa durch lin-\nguistische Kenntnisse und Fertigkeiten sich auszeichneten.\nDoch kehren wir zu Friedrich Schneider zurück. Im\nJahre 1798 schickte ihn sein Vater auf die Gelehrten-\nschule zu Zittau. Friedrich zeichnete sich durch leichte\nAuffassung und Fleiss in allen Lehr-Gegenständen aus und\nbekundete merkwürdiger Weise eine besondere Anlage und\nVorliebe für diejenige Wissenschaft, welche am wenigsten\ndie Phantasie in Anspruch nimmt, für die Mathematik.\nSchon vorher war aber in seiner musicalischen Entwick-\nlung ein wichtiger Scheidepunkt eingetreten, einer von je-\nnen einflussreichen Augenblicken, in welchen eine bisher\nungekannte Grösse in wirklicher Erscheinung vor uns hin-\ntritt, ein Ideal, das die Seele dunkel ahnte, sichtbar ver-\nklärend, und wie ein plötzlicher Lichtstrahl das in uns\nschlummernde Bewusstsein entzündend. Der eilfjährige\nKnabe ging im Jahre 1797 mit seinem Vater nach dem\nnahe gelegenen Städtchen Rumburg. Dorthin hatte sich\neine Schauspieler-Gesellschaft verirrt, und Friedrich sass\nzum ersten Male in seinem Leben vor dem Vorhang, der\ndie Geheimnisse der Bühne verhüllt, voll Erwartung und\nSehnsucht. Zwar mochte das Orchester weder vollständig\nnoch vorzüglich sein; aber wie wurde trotz alledem dem\nKnaben zu Muthe, als zum ersten Male Töne von Mozart\nan sein Ohr schlugen! Welch ein wogender Aufruhrund\nwelch eine selige Befriedigung in seinem Herzen während\nder ganzen Aufführung der Oper, die keine andere war\nals die wunderbare Zauberflöte! Der Knabe war wie durch\neinen wirklichen Zauber gebannt, ja, er war ihm von da\nan auf sein ganzes Leben verfallen; denn dieser mächtige\nEindruck war entscheidend für ihn, von dem Augenblicke\nan gehörte sein Dasein der Kunst, die ihr wunderbares\nReich mit Einem Male in all seiner Herrlichkeit vor ihm\naufgeschlossen hatte. Dem Vater entging die gewaltige\nWirkung der Mozart'schen Musik auf den Knaben keines-\nwegs, er schaffte ihm die eben bei Breitkopf und Härtel\nO ' 1\nerschienene erste Ausgabe von Mozarfs Ciavier-Werken\nan; Friedrich kannte nichts Höheres und Lieberes, als ihr\nStudium, und so wurde Mozart der stille, aber einfluss-\nreiche Lehrer des Knaben.\nIn Zittau verfolgte er als Gvmnasiast seine musicalische\nO J\nAusbildung trotz vieler Hemmnisse und genoss den Unter-\nricht des Organisten Unger und des Cantors Schönfelder.\nFür das Studium der Composition fand er weder dort noch\nspäter in Leipzig eine eigentliche Anleitung; er war dabei\nlediglich an die Betrachtung und Durchdringung der Werke\ngrosser Vorbilder gewiesen, deren Partituren ihm sein Va-\nter schickte, oder die er sich selbst aus den Stimmen\nzusammentrug. Das Letztere that er besonders auch mit\nvielen Werken Haydn's, und wenn ihm Mozart das innere\nBewusstsein seines Talentes und seiner Bestimmung zum\nMusiker erschloss, so kann man auf der anderen Seite sa-\ngen, dass Havdn in der Composition sein Führer wurde.\nSo sehr nun auch der Vater die musicalische Ent-\nwicklung seines Sohnes begünstigte und förderte, so war\ner doch dagegen, dass dieser sich, wenigstens jetzt schon,\nganz und gar der Musik widmen sollte; er bestand auf dem\nvollständigen Durchmachen des wissenschaftlichen Lehrganges\ndes Gymnasiums und auf dem Besuche der Universität.\nWenngleich Friedrich schon in Zittau gar gern sich der\nKunst allein in die Arme geworfen hätte, so hat er doch\njener Festigkeit seines Vaters die treffliche wissenschaft-\nliche Bildung zu danken, welche sich selten in einem sol-\nchen Grade bei einem Musiker findet. Diese erleichterte\nihm die richtige Auffassung der Poesie, so wie die Einsicht\nin die Theorie der Kunst, und befähigte ihn zu klarer, lo-\ngisch scharfer Darstellung, sowohl durch das lebendige\nWort als Lehrer, wie durch den Druck als Schriftsteller.\nIn Zittau machte er übrigens auch schon die Schule\ndes Lebens durch, in welcher der Mensch sich aul die\neigenen Füsse stellen und unter tausend äusseren Hinder-\nnissen das Ziel, das seinem Inneren vorschwebt, fest im\nAuge halten lernt. Er gehörte wahrlich nicht zu den\nGlücklichen, denen von Jugend auf die reichsten und man-\nnigfaltigsten Förderungsmittel ihrer Bildung zu Gebot stan-\nden; wie sehr war seine Lage von den hebenden Ver-\nhältnissen verschieden, in welchen z. B. Meyerbeer, Men-\ndelssohn, Hiller u. A. ihre Jugend verlebten! Schneider\nstand schon als Knabe seinem Vater im Lehren bei, gab\ndann als Gymnasiast musicalischen Unterricht, besonders\nCiavierstunden, sang als Präfect des Chors auf der Strasse\nvor den Häusern, was zu damaliger Zeit in den sächsi-\nschen, märkischen und thüringischen Städten eine Haupt-\nEinnahme für arme Gymnasialschüler bildete die so ge-\nnannte Currende —, und spielte, wenn Theater in Zittau\nwar, im Orchester mit. Und bei allem dem machte er seinen\nCursus in Prima bis zur Reife zur Universität durch, übte\nden Chor ein, schrieb unzählige Sachen in Partitur, com-\nponirte Sonaten für Ciavier und mehrstimmige Sachen für\nGesang, schrieb Harmonie-Musik aller Art für den Stadt-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.3", "texte": "/\nMusicus, versuchte sich in Hymnen, Messen, Sinfonieen\nV\naber hatte bei allem Ueberlluss von Gedanken im Kopfe\nnur gar zu oft Mangel an Münze im Beutel. Hat wohl un-\nsere bequeme und verwöhnte Jugend, welche am elter-\nlichen wohlbesetzten Tische über die Last der Schul-Ar-\nbeiten seufzt, nur noch eine Vorteilung von dem, was es\nheisst, sich durchschlagen in der Jugend ?\nDurch sein Talent und eine so ehrenwerthe Thätigkeit\ngewann er sich allmählich Gönner und Freunde in Zittau\nund auch in Görlitz, wo er seine ersten Sonaten zum ersten\nMale öffentlich spielte. Durch Vermittlung eines Kunst-\nfreundes wurden diese drei Sonaten als Schneider's\nerstes Werk im Jahre 1803 (oder 1804) zu Leipzig bei\nBreitkopf und Härtel gedruckt.\nIm Jahre 1805 verliess Schneider das Gymnasium\nund bezog die Universität Leipzig. Er scheint sich hier\neinem besonderen Fach-Studium nicht gewidmet zu haben,\nsondern hörte mehr nur diejenigen Vorlesungen, welche\neine allgemeine wissenschaftliche Bildung fördern konnten.\nEr wurde mit den Professoren Platner und Carus, mit den\nTonkünstlern und Kritikern Schicht, A. E. Müller, Roch-\nlitz und Wendt bekannt und mit den meisten von ihnen\ninnig befreundet. Namentlich wurde ihm der Umgang mit\nRoch litz von grossem Nutzen, und es bildete sich zwi-\nschen beiden Männern ein schönes Verhältniss, welches bis\nzu Rochlitz' Tode bestand und dessen interessantes Denk-\nmal einige und fünfzig Briefe von Rochlitz sind, welche die\nFamilie Schneider besitzt. Sie beweisen, wie viel der da-\nhingeschiedene Meister auf das Urtheil seines Freundes in\nmusicalischen Dingen gab, da sie fast sämmtlich Bespre-\nchungen von Compositionen enthalten, welche Schneider\nin Manuscript an Rochlitz gesandt hatte. Der letzte Brief\nist vom 9. März 1839 und enthält die Beurtheilung des\nOratoriums Gethsemane.\nLeipzig wurde für Schneider's künstlerische Entwick-\nlung und auch für die künftigen äusseren Verhältnisse sei-\nnes Lebens entscheidend. Während er seinen Gesichtskreis\ndurch das Gute, was dort von Musik zu hören war, erwei-\nterte, seine Einsicht in die musicalische und ästhetische\nWissenschaft durch den Umgang mit Männern wie Schicht\nund Rochlitz vertiefte, trat er als Pianofortespieler öffentlich\nauf, brachte mehrere von seinen Compositionen zur Auf-\nführung und erregte sowohl dadurch als durch seinen\ngründlichen Unterricht Theilnahme und Anerkennung. Schon\nim zweiten Jahre seines Aufenthaltes wurde er Organist\nan der Pauliner (Universitäts-) Kirche. Zu jener Zeit spielte\nin Leipzig und Dresden abwechselnd die Jos. Seconda'sche\nSchauspieler-Gesellschaft, welche eines wohlbegründeten\nRufes genoss. Schneider nahm die Stelle eines Musik-Direc-\ntors bei derselben im Jahre 1810 an, welche später auch\nder geniale T. A. Hoffmann eine Zeit lang bekleidete. Er\nhatte sich zwar schon früh, besonders als Chor-Präfect in\nZittau, im Dirigiren gsübt, doch war ihm diese neue Stel-\nlung eben in Bezug darauf von grossem Werthe und gros-\nsem Nutzen, und auch er fand den Satz bewährt, dass das\nDirections-Pult der Oper erst die wahre Schule für den\nDirigenten ist.\nIm Frühjahr 1813 gab er die Stelle auf und trat das\nAmt eines Organisten an der Thomas-Schule an, wo Schicht\nCantor und zugleich Musik-Director an den beiden Haupt-\nkirchen Leipzigs war. Bald darauf trat ihm Schicht\ndie Leitung der von ihm errichteten Sing-Akademie ab,\nund von nun an ward ihm Müsse, sich dem Schaffen grös-\nserer musicalischer Werke zu widmen. Jetzt entstand die\ngrosse Vocal-Messe in F-dur, die er dem Könige von\nSachsen widmete. Für die Akademie schrieb er ausser die-\nsem trefflichen Werke noch vier Vocal-Messen. Die Errich-\ntung der Liedertafel im Jahre 1815 führte ihn auch auf\ndas Gebiet der Composition für vierstimmigen Männer-\ngesang, auf welchem er bekanntlich von jener Zeit an Be-\ndeutendes geleistet hat. In demselben Jahre machte er\nnähere Bekanntschaft mit dem Dichter J. A. Apel, der ihm\nseine Dichtung „Das Weltgericht\" übergab. Die Com-\nposition dieses Werkes trug Schneider drei Jahre lang in\nKopf und Herzen mit sich herum. Er übernahm während\ndieser Zeit (im Jahre 1817) die Musik-Director-Stelle an\ndem neu errichteten Stadt-Theater zu Leipzig, wofür er\nmehrere Sachen componirte unter anderen die Ouvertüre\nüber das Thema „ God save the King!\" ■—, und schrieb erst\nim Jahre 1819, und zwar in kurzer Zeit, das Oratorium\nnieder, welches seinen Ruhm durch die Welt zu tragen\nbestimmt war.\nWir schalten hier zwei Briefe von Rochlitz ein,\nwelche dieser nach der ersten Einsicht des Manuscriptes\nan den Componisten schrieb, und deren gefällige Mitthei-\nlung wir dem Sohne des Verewigten, Herrn Theodor\nSchneider, Herzoglich Anhaltischem Kammer-Musicus und\nDirector der Musikschule in Dessau, verdanken. Sie sind\nsowohl wegen des Werkes selbst und des innigen Verhält-\nnisses zwischen dem Componisten und dem Kritiker, als\nwegen allgemein interessanter Ansichten anziehend."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.4", "texte": "„Den 3. Februar 1819.\n„Guten Morgen!\n„Eben erhalte ich den Zettel fürs morgende Concert\nund darauf die Anzeige Ihrer neuesten Sinfonie. Darum\nsende ich Ihnen die Partitur und auch Partitur und Text\ndes Weltgerichts. Meine Meinung von beiden mir sehr\nwerthen Werken kann ich nicht schreiben, da das Bogen\nforderte und da ich zu jeder Ihnen gefälligen Stunde mit\nIhnen darüber sprechen kann. Nur das einzige Wort: In\nder Sinfonie (A-dur) verspreche ich mir vom dritten und\nvierten Satze die meiste Wirkung; im Oratorium muss ich\nbesonders Nr. 9 und alles, was folgt, wahrhaft bewundern,\nes für das Höchste erklären, wozu Sie Sich emporgeschwun-\ngen, und den schönsten Effect ohne alles Bedenken garan-\ntiren. Aber wie und womit, was der dritte Act dem Aus-\ndruck im Allgemeinen Verwandtes enthält, und dessen\ndurch Schuld des Dichters nur allzu viel ist wie und\nwomit dies noch gesteigert werden soll: das gestehe ich\nnicht einzusehen. Indess ist das Ihre Sorge; und mögen\nsie nur darauf bedacht sein, die contrastirenden milderen\nSätze durch recht eigentümliche und eindringende Mel o-\ndieen und durch ungewöhnliche Hüllsmittel den Zuhörern\ngleichfalls mehr ans Herz zu legen und möglichst bedeu-\ntend zu machen. Sie werden sonst mit Heftigem und Rau-\nschendem nicht nur, sondern auch mit Fülle, Masse allzu\nsehr überhäuft, als dass sie dessen im Denken und Empfin-\nden Herr werden könnten was doch zu eigentlichem\nGenüsse nöthig ist. Doch das wissen Sie ja besser, als ich!\nUnd so fahren Sie doch ja in guten Stunden mit Gott und\nIhrem Genius in diesem wahrhaft verdienstlichen Werke fort!\n„Ihr\n„ Rochlitz. *\n„Den 19. Februar 1819.\n„Ich schicke Ihnen hier, lieber Freund, den zweiten\nAct Ihres Oratoriums zurück mit Dank lür die zutrauliche\nMittheilung. Was ich Ihnen hier darüber sage, nehmen Sie\nnur als erste Linien eines Urtheils oder vielmehr einer\nMeinung.\n„Ich bin diesen Act, ohne den ersten in seinen Haupt-\ntheilen vergessen zu haben, mehrmals sorgsam durchgegan-\ngen, und jedesmal theilten sich meine Empfindungen beim\nSchlüsse in grosse Freude und in störende Sorge. Ich er-\nkläre mich über Beides aufrichtig. Grosse Freude macht\nmir dieser Act, erst als Musikstück im Ganzen, dann in\nmehreren Haupttheilen ganz besonders, wo ich Sie zugleich\nbewundern und uneingeschränkt preisen muss; wo\nich auch gar nicht begreife, wie Sic es wenn auch noch\nso vorbereitet in so kurzer Zeit haben zuStande brin-\ngen können, da Sie obendrein durch Ihr Amt so sehr ge-\nbunden und beschäftigt sind. Ich hebe einige Hauptsätze\naus. Die Bass-Arie Nr. 2 wird, was den Effect anlangt,\nvornehmlich vom Vortrag des Sängers abhangen. Nr. 3 thut\neinem wohl und noth. Die Fuge in Nr. 6 ist trefflich ge-\narbeitet, und ich bewundere, welche Gewalt und Freiheit\nSie in diesem Stile erlangt haben. Das Quartett Nr. 7 finde\nich durch Gesang und Stimmenlührung ausgezeichnet. Nr.\n8, 9, 10 ist ein gewaltiges, tief ergreifendes, kunstreiches\nund doch nicht schwer zu fassendes, ja, meist sogar ziem-\nlich einfaches Stück; mir scheint es zugleich eines der ori-\nginellsten im ganzen Werke und die hier nicht leicht zu\nhaltende Gränze zwischen Drama und Oratorium vollkom-\nmen beobachtet. Gerade so weit, däucht mich, durften\nSie gehen, als Sie gegangen sind. Auch die Zwischen-Musik\nzum Schlussist in jeder Hinsicht meisterhaft. In Nr. 11\nist die Fuge mit der lebendigen, musterhaften Figurirung\nder Geigen wieder uneingeschränkt zu rühmen, und durch\nden Schluss wird sie auch d i e wieder in die Sache führen,\ndie alle Fugen nicht viel anders als ein unvermeidliches\nUebel betrachten, in das man sich dumpf resignirend ergibt.\n„ Und dennoch bin ich nicht ohne Sorge, wenn ich näm-\nlich daran denke, dass das Werk vor einer sehr gemischten\nMenge und auch vor Gebildeten nur einmal, dann wahr-\nscheinlich geraume Zeit nicht wieder aufgeführt wird. Nicht\nnur für jene, sondern selbst für diese bei nicht mehrmals\nwiederholter Aufführung hat es vielleicht der Musik\nüberhaupt, gewiss aber der unruhigen, rauschenden,\naffectvollen, reich instrumentirten und im Chor zu singen-\nden zu viele. Der Ungebildete wird betäubt und damit ver-\ndumpft, der Gebildete kann doch auch nicht Alles Herr\nwerden und verhält sich nur mit Mühe und Anstrengung\nin vollständiger Aufmerksamkeit. Und da das Gedicht, wenn\nes auch fortschreitet, doch nicht dramatisch ist, so geht\nauch dieses Hülfs- und Erleichterungsmittel ab, und jenes\nUnerwünschte ist um so mehr zu besorgen. Freilich konn-\nten Sie das nicht ändern, und kaum einige Sätze im ersten,\nvielleicht ein einziger im zweiten Acte konnten kürzer ge-\nhalten, einfacher zusammengestellt werden. Es würde Un-\nrecht sein, Ihnen dieses jetzt anzutühren, da Sie für den\nschwierigen dritten Act noch Lust, Feuer, Muth und Ver-\ntrauen brauchen; aber ich thue es in der Voraussetzung,\ndass diese Lust etc. durch meine eines Einzelnen\nüberdies nur durch Lesen veranlassten Anmerkungen ohne-\nhin nicht gestört werde, und in der guten Absicht, mei-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.5", "texte": "ner Bitte Nachdruck zu geben meiner Bitte, dass Sie\nden dritten Act 1) so kurz und gedrängt als möglich\nvielleicht bloss das letzte Finale ganz breit und ausgearbei-\ntet, schreiben, 2) in den wenigen sanfteren, ruhigeren\nStücken durch ganz besonders neue, anziehende Melo-\ndieen den Zuhörer erleichtern und fesseln, und 3) wo es\nsein kann, die Instrumentation theils vereinfachen, theils\ndurch ungewöhnliche Auswege oder Zusammenstellungen\nauffrischen und zugleich eben damit wieder für das Zusam-\nmenwirken Aller, wo sie dann auftreten, empfänglich machen.\nDiese Bitte glaube ich unter allen Umständen, und auch\nwenn ich mich in meinen Bedenklichkeiten geirrt hätte,\nverantworten zu können; darum thue ich sie so getrost\nund geradezu. Eine zweite aber kann ich nur frageweise\nvorbringen. „ Der Prophet gilt nirgends weniger, als in sei-\nnem Vaterlande\", ausser wenn er zuvor auswärts recht\nviel gilt und davon ins Vaterland hereingeschrieen wird.\nSollte es nicht gut sein, von dieser Ihrer Arbeit hier Nie-\nmandem zu sagen und das Werk erst in Berlin, München\nund Wien aufzuführen? Haben Sie so eine Idee, so will\nich gern mit Rath und, so weit ich's vermag, auch mit der\nThat behülflich sein. Denn ich wiederhole es mei-\nner Bedenklichkeit ungeachtet, halte ich Ihr Werk für so\nausgezeichnet und trefflich, dass ich mich dafür möglichst\nverwenden würde, wäre der Verfasser auch mir fremd;\nnun aber ist er mir ja ein lieber Freund, dem ich auch\nso viele schöne Kunstgenüsse zu verdanken habe!\n„Ihr\n(Schluss folgt.)\n\n„Rochlitz.“\n\nEin Besuch in Florenz.\nDie Eisenbahn II wie die Italiäner\nschlechtweg sagen - brachte mich in drei Stunden von\nLivorno nach Florenz. Mein Aufenthalt sollte hier nur kurz\nsein; aber Florenz ist eine Zauberin, sie bannt dich mit\nihren Reizen und Wundern, und es gehört nicht zu den\nSeltenheiten, dass Fremde, welche einige Wochen da zu-\nbringen wollten, die Stadt ihr ganzes Leben lang nicht\nwieder verlassen haben.\nEs ist bekannt, dass Rossini seit den Unruhen in der\nRomagna im Jahre 1848 seine Penaten nach Toscana ge-\nScgen hat. Florenz zog ihn vor Allem an, und er wählte\nlvu seinem festen Wohnsitze. Wenn man durch die Via\nD rgageht, so zeigt der Cicerone auf einen von aussen\nRichtigen Palast und sagt: Dies ist Rossini's Wohnung.\nIm Innern herrscht jedoch nichts weniger als verschwen-\nderischer Luxus; Rossini begnügt sich mit ein paar Zim-\nmern und lässt die übrigen Gemächer ungeschmückt und\nunbewohnt.\nMein freundlicher Wirth, Herr Deila Ripa, wie Rossini\naus Pesaro gebürtig, ist nicht nur ein Landsmann, sondern\nauch ein vertrauter Freund des Maestro.\nMeine erste Frage in dem häuslichen Cirkel am Abend\nmeiner Ankunft war nach Rossini und dem Gerüchte von seiner\nwieder erwachten Compositions-Lust. „Werden wir wirk-\nlich\", sagte ich zu Herrn Deila Ripa. „bald einen neuen\nWilhelm Teil erhalten?\"\n„Wir hoffen es!\" erwiderte er. „Das hängt von\nRanzi ab.\"\nRanzi ist eine wissenschaftliche Berühmtheit in Italien;\ner theilt mit seinen Lehrern Buffalini und Regnoli den\nThron der Heilkunde. Ich war sehr neugierig, zu erfahren,\nwas die Arzneikunst mit der Composition zu schaffen habe,\nund hatte diese Frage auf den Lippen, als ein Bedienter mit\nden Worten: „II Signor Commendalorc Rossini!\" die Saal-\nthür öffnete.\nIch fühlte einen freudigen Schauer in meinen Gliedern,\nund wie mit elektrischer Schnelligkeit schössen meine Blicke\nauf den schönen, ausdrucksvollen Kopf des berühmten\nMannes. Mein Wirth liess mir keine Zeit, mich von meiner\nUeberraschung zu erholen, sondern stellte mich ihm auf\nder Stelle vor. Rossini hat ein so einnehmendes, wohlwol-\nlendes Wesen in seiner Art, Fremde aufzunehmen, dass\nman sehr bald vergisst, einer so ruhmgekrönten Grösse ge-\ngenüber zu stehen, und sich mit ihm, wie in alter Bekannt-\nschaft, ganz behaglich fühlt. Seine geistvolle Unterhaltung\nist fast eben so berühmt wie seine Musik, und mit demsel-\nben Rechte. Da ist Wärme, Leben, Feuer, Ueberlluss an\nwitzigen und treffenden Einfällen, und die häufigen Streife-\nreien auf das Gebiet der Politik, der Literatur, der Ge-\nschichte und Kunst-Philosophie beweisen, dass er in allen\nFragen und Ereignissen, welche die Zeit bewegen, zu\nHause ist.\nNur über Einen Punkt ist er einsylbig; ja, er bricht\nwohl sogar, mit einem leichten Anfluge von Missbehagen\nauf seinem Antlitze, die Unterhaltung ab, wenn man sie\nauf Musik und Composition bringt. Er fragte mich, da ich\ngeraden Weges von Paris kam, nach Neuigkeiten über den\nKaiser Napoleon 111., über den er sich sehr dankbar aus-\ndrückte und die grosse Freude gestand, welche ihm die\nUebersendung des Commandeur-Kreuzes der Ehrenlegion\ngemacht habe. Ich beeilte mich, diese Wendung des Ge-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.6", "texte": "spräches zu benutzen, um dem Ziele meiner Neugierde\nnäher zu rücken. Ich erzählte ihm, wie die neuen Wieder-\nholungen seines Moses und Teil die Pariser entzückten,\nwie dankbar sie wären, indem sie eine Strasse nach ihm\nbenannt und seine Bildsäule in der Vorhalle des Opern-\nhauses aufgestellt und die Auszeichnung, die ihm der Kai-\nser verliehen, mit allgemeinem Beifall begrüsst hätten.\n„Und auch Ihr Vaterland,\" fuhr ich fort, „das einen\nAugenblick verblendet war, kehrt zu Ihrer Muse mit neuer\nBegeisterung zurück. Binnen einem Jahre wird Ihre Musik\nwieder auf allen Bühnen Italiens herrschen. Ist es Ihnen\ndenn möglich, noch lange so grausame Rache an Ihren\nBewunderern zu üben und die Welt um neue Meisterwerke\nzu bringen?\"\n„Fragen Sie Ranzi!\" antwortete Rossini: „er weiss\ndarüber jetzt so gut Bescheid, wie ich.\"\nUnd damit war die Unterhaltung aus.\nEinige Tage später sass1 ich mit Deila Ripa auf der\nTerrasse seiner herrlichen Villa Lorreltino und brachte das\nGespräch auf den Doctor Ranzi und sein Verhältniss zu\nRossini.\n„Sie werden wohl schon gehört haben,\" sagte er,\n„ dass der Doctor Ranzi auf dem Punkte steht, nach Aegyp-\nten zu reisen, wo er auf die Einladung des Vicekönigs drei\nMonate an dessen Hofe zubringen wird. Nun müssen Sie\nwissen, dass Rossini, Ranzi und ich sehr vertraute Freunde\nsind, die kein Geheimniss vor einander haben. Jüngst sassen\nwir zusammen, und Rossini war so recht im Fluss der\nRede, welche übrigens nichts Anderes war, als eine Para-\nphrase der Worte eines italiänischen Dichters: „„Willst\ndu, dass ich wieder liebe, so gib mir meine Jugend wieder.\"\"\nSie glauben nicht, wie sehr die Jugend der Gegenstand\newiger Sehnsucht bei ihm ist, was man bei einem Manne\nvon solchem Genie und solchem Ruhme kaum glauben sollte.\n- Ja, ja! rief er am Ende seiner Elegie auf die Unwie-\nderbringlichkeit des Lebens-Frühlings aus, Liebe ist Alles\nauf der Welt; nur sie ist die Schöpferin von Meisterwerken\nder Kunst! Sprecht mir doch nicht, und Ihr thut es bis\nzum Ueberdruss, von der Herrlichkeit des Ruhmes, von\nden Freuden der Arbeit! Was ist Ruhm? Ein Schattenbild.\nWas ist Arbeit? Mühe. Nur die Jugend gibt dem Ruhme\nReiz und macht uns die Arbeit leicht, sie schmückt Beide\nmit dem Zauber, der nur ihr eigen ist. Wessen Sinne und\nHerz das Eis der Jahre bedeckt, der ist schon halb todt.\nIhr meint, auch die Erinnerung der Jugend und der Liebe\nsei ein Glück? Nein. Nessun maggior dolore che ricordarsi\ndeltempo felice nella miseria!sagt Dante, ich weiss nicht,\nob im Fegfeuer oder in der Hölle, und das heisst mit an-\nderen Worten: Es gibt nichts Traurigeres, als einer schö-\nnen Frau gegenüber ein Fünfziger zu sein.\n„Der Doctor lächelte und sagte; Aber wenn dir nun\nEiner die theuren dreissiger Jahre wiedergäbe?\n„Ach was! Es gibt keino Wunder mehr.\n„So? Hat die Wissenschaft nicht ihre Wunder, wenn\nauch der Himmel für uns sündige Menschen nichts mehr\ndavon wissen will?\n„Das wohl! aber\n„Nun, lass uns im Ernst sprechen. Was würdest du\neinem Manne geben, der dich zwanzig Jahre jünger machte?\n„Alles, was ich zu geben vermag!\n„Alles? Auch eine neue Oper?\n„Rossini sprang auf. Doctor! rief er, gibst du mir\nmeine Jugend wieder, nur auf ein Jahr, was sage ich ? nur\nauf einen Monat, auf eine Woche, so liefere ich dir eine\nvollständige Oper in zwei Acten!\n„Du hörst es! wandte sich Ranzi an mich du\nbist Zeuge seiner Verpflichtung. Ich gehe nach Aegypten;\nder Orient ist das Land der Wunder, da liegen Geheim-\nnisse verborgen, die nur auf den geeigneten Forscher war-\nten. Du bist noch lange keine hundert Jahre alt, wie Abra-\nham. Ich halte dich beim Worte; mache nur deine Par-\ntitur fertig, denn bei meiner Rückkehr ist sie mein.\n„Ja! rief Rossini: und ich will die Proben selbst ab-\nhalten und am Ciavier die erste Aufführung dirigiren.\"\nDas war im October vorigen Jahres. Noch ist der\nDoctor Ranzi nicht zurück; die Welt kann also noch hoffen\nauf die Wundercur und auf die neue Rossini'sche Oper.\n(Nach einer Mittheilung von Salvator\nZabran in der France mus.)\n\nHoftheater in München.\nDie k. Hoftheater-Intendanz veröffentlicht jeden 1.\nJanuar eine statistische Uebersicht der Vorstellungen (Neuig-\nkeiten, Gastspiele) des vergangenen Jahres, eine löbliche\nund nachahmenswerthe Sitte. Man hat da auf einem einzi-\ngen Folio-Bogen, der noch dazu gratis vertheilt und ver-\nsandt wird, alle Notizen beisammen, welche den Kunstfreund\ninteressiren, während man sich diese von anderen Hof-\ntheatern aus kostspieligen Jahrbüchern oder Theater-Alma-\nnachen herausziehen muss. Dergleichen Statistiken sind\naber von Werth, denn sie erscheinen als eine Art von Ba-\nrometer über den Stand der dramatischen Kunst, als histo-\nrische Zeugnisse für das Streben der Intendanz und für"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.7", "texte": "den Geschmack und die Bildungsstufe des betreffenden\nTheater-Publicums. In beiden Hinsichten braucht München\nnicht scheu zurückzutreten, wenn auch für Aufführung\nneuer Opern vielleicht mehr hätte geschehen können.\nNamentlich vermissen wir Wagner's Tannhäuser auf der\nListe. Jedoch muss man bedenken, dass das k. Hoftheater\nwegen neuer Instandsetzung zwei Monate geschlossen war,\nund während eines Theils dieses Zeitraumes im Odeon nur\nLustspiele und komische Opern gegeben werden konnten.\nIn der Gesammtzahl von 233 Vorstellungen im Jahre\n1853 wurden 145 Schauspiele und Possen, 119 Opern\nund Singspiele und 22 Ballets gegeben.\nZum ersten Male aufgeführt wurden 21 Nummern,\ndarunter Mathilde und Ein Lustspiel von Bene di x, Ze-\nnobia von May, Maria von Burgund, historisches Lustspiel\nvon Hersch, Philipp und Perez von Gutzkow, Bichard\n11. von Shakespeare, Sully von von Meies vi 11 e u. s.\nw. von Opern nur Sakontala von Perfall (2mal) und\nFaust von Spohr (1 mal).\nNeu einstudirt und in Scene gesetzt wurden 15 Num-\nmern, darunter sieben Opern: Mehul, Jakob und seine\nSöhne, Halevy, Guido und Ginevra, Auber, Maskenball,\nBoieldieu, Der neue Gutsherr (seit 1826 nicht gege-\nben), Mozart, Entführung, W. Müller, Schwestern von\nPrag, Marsehner, Hans Heiling. Unter den Dramen\ntreffen wir Shakespeare's Othello und Schi 11 er's\nWilhelm Teil.\nBetrachten wir die sämmtlichen Vorstellungen des\nSchauspiels, so erschienen im Jahre 1853 auf dem\nmünchener Höftheater: Angely 5 mal, Bauernfeld 2,\nBenedix 7, Birch-Pfeiffer 1, Freytag 2, Göthe\n8, Gutzkow 5, Hackländer 1, Hebbel 1, Kleist\n1, Kotzebue 3, Lessing 2, Raimund 3, Schiller\n13, Scribe 5, Sophokles (Antigone), Shakespeare\n28 (darunter 14 mal Lustspiel, nämlich: Sommernachts-\ntraum, Viel Lärmen um nichts, Komödie der Irrungen,\nWas Ihr wollt, Widerspänstige), Terenz (Die Brüder),\nTöpfer 1 mal u. s. w.\nAuf der Liste der Oper finden wir Auber 8, Beet-\nhoven 2, Bellini 7, Boieldieu 4, Cherubini 1,\nCimarosa 2, Donizetti 6, Flotow 6, Gluck 1,\nGretry 2, Halevy 6, Kreutzer 1, F. Lachner 2,\nLortzing 2, Marschner 2, Mehul 11 (Jakob 5,\nSchatzgräber 3, Die beiden Füchse 3 mal), Meyerbeer\n1 2(Prophet 6 mal), Mozart 13 (auch 1 mal,\nDerSchauspiel-Director 3 mal), Rossini 1, Spontini 1,\nVerdi 2 (Nabuco), Weber 4, Weigl 3 mal.\nUnter den Gästen waren die berühmtesten Em. De-\nvrient 7, Davison 7 mal; Johanna Wagner 5,\nRoger 6 mal.\nZählen wir die 22 Ballets mit zur Oper, so halten\nsich die musicalischen und recitirenden Stücke an Zahl\ndie Wage: 141 zu 145. Allein unter den 36 neuen\noder neu einstudirten Aufführungen befinden sich nur 9\nOpern.\n\nFünftes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale.\nDinstag, den 10. Januar.\nDas fünfte Conccrt war durch die Aufführung der Hauptsätze\naus Cherubinis Missa solemnis, qomponirt zur Krönungsfeier\nKarl's X., und durch die Vorträge des Fräuleins Wilhelm ine\nClauss ausgezeichnet.\nEs begann mit einer Ouvertüre zur Oper „Naim\" von Re-\nber. Neuerdings an Onslow's Stelle zum Mitgliede des Instituts\nernannt, geniesst Reber eines bedeutenden musicalischen Rufes in\nParis. Seine letzte Arbeit tür die komische Oper ist eine einactige\nOperette, Les Papillotes de Mr. Benohl, welche einen Succes tfeslime\noder de curiosite gehabt hat, wie die Franzosen sich ausdrücken.\nSeine Compositionen iür Instrumental-Musik sind wegen ihrer\nKlarheit und gründlichen Arbeit und wegen des Strebens nach der\nEinfachheit der älteren Meister geschätzt. Die hier aufgeführte\nOuvertüre bekundet allerdings ebenfalls diese löblichen Eigenschaf-\nten, verräth aber keine bedeutende Erfindungsgabe.\nFräulein Clauss spielte Mendelssohns G-moll-Concert und\nim zweiten Theile zwei Notturni von Chopin, ein Impromptu\nvon Hill er und die -A-wo/Z-Etude vonThalbcrg. Die junge\nKünstlerin, welche einen grossen Ruf in kurzer Zeit an den Cen-\ntral-Punkten der \\ irtuosen-Berühmtheit, in Paris und London, er-\nrungen hat, bewährte denselben auch hier uritcr lebhaftem Beifall\ndes Publicums. Seit den drei Jahren, wo wir sie hier hörten, hat\nsie sich zu einer bedeutenden Höhe emporgeschwungen. In der\nThalberg'schen Etüde einem freilich an musicalischem Gehalte\nsehr leeren Bravourstücke zeigte sie eine eminente technische\nFertigkeit, eine zu bewundernde Gleichheit und Elasticität des An-\nschlags im schnellsten Tempo. Auch der Vortrag der Chopiiischcn\nSachen war vortrefflich, wie denn überhaupt der Vortrag der mo-\ndernen Schule, und in dieser besonders des Zarten und Duftigen,\ndas Talent der jugendlichen Künstlerin am glänzendsten ins Licht\nstellt.\nDie Messe von Cherub ini ist ein wahres Prachtwerk, der\nFeier einer Königskrönung aufs würdigste entsprechend und selber\neiner Krönung werth. Der grossartige Stil des Credo namentlich\nmacht eine der erhabensten Wirkungen, welche wir je von einem\nmusicalischen Werke empfunden haben. Der „Krönungsmarsch\",\nwohl weniger ein Marsch als ein Instrumental-Satz während der\nCeremonie der Krönung, ist ein wundervolles Musikstück, welches\neine heilige Stimmung ganz anders zu Gefühl und Wahrheit bringt,\nals die neueste symbolische Gral-Musik. Eben so eindrucksvoll und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540114-01.1.8", "texte": "originel ist am Schlüsse die Bitte des Dona nobis pacem ausge-\nsprochen. Die Ausführung war sehr gelungen.\nDen Schluss des Concertes machte eine bis auf unbedeutende\nKleinigkeiten ganz vortreffliche Ausführung der vierten Sinfonie\nB-dur von Beethoven.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n** Bonn. Wir haben hier im vorigen Monat eine musicalische\nFeier von Beethoven's Geburtstag veranstaltet, welche mit\ndem dritten Abonnements-Coneerte zusammenfiel. Es wurden nur\nBeethoven'sche Compositionen aufgeführt: die Fest-Ouverture in C,\nOp. 124, die Chöre und der türkische Marsch aus den Ruinen von\nAthen nnd die Sinfonia Eroica. Die Ausführung dieser Sachen,\nunter der Direction des Herrn von Wasielewski, war gelungen\nund stand in keiner Hinsicht den beifallswürdigen Leistungen des\nChors und des Orchesters in den beiden ersten Conccrten nach.\nDie Krone des Abends war jedoch der Vortrag des Es-dur-\nConcertes für Pianoforte und Orchester durch Karl Reinecke\naus Köln, den wir fast noch nie mit solcher Meisterschaft haben\nspielen hören, wie an diesem Abend. Die allgemeinste Anerken-\nnung des Publicums konnte nicht fehlen und gab sich durch wie-\nderholtes Beifallspenden kund.\nMiiiiclieit. Die am Montag im Museum veranstaltete Soiree\ndes Dichters Herrn Franz Stelzhammer bot eine recht ange-\nnehme Unterhaltung. In München hat Stelzhammer zuerst es ge-\nwagt, als „Erzähler\" aufzutreten, und wir können versichern, dem\nobderensischen Dichter ist sein Wagestück gelungen. Sein Vortrag\nist sehr angenehm und sein Märchen recht gemüthlich. Von den\nübrigen Kunstleistungen erwähnen wir die des Fräuleins Therese\nStöhr, welche durch den Vortrag zweier Piecen auf dem Piano-\nforte ihr Talent für dieses Instrument kund gab und durch die be-\nwiesene Kunstfertigkeit eine gründliche und gute Schule zeigte,\nwas ihrem Lehrer, Herrn Professor Doctor, zur besonderen Ehre\ngereicht.\nAus Hamburg schreibt man, dass die Tannhä user-\\or-\nstellungen in der Weihnachtszeit zwar noch immer gezogen haben,\njedoch nicht so stark, als die Theater-Direction erwartete und nö-\nthig hatte, da die erste bis neunte Vorstellung die Kosten der\nüberaus prachtvollen Ausstattung noch nicht gedeckt hatten. Das\nFür und Wider in den dortigen Blättern hat zu mancherlei Witzen\nAnlass gegeben, z. B. zu folgendem Epigramm:\nDie Componisten unsrer Zeit\nVereinen sich aus Dankbarkeit,\nUm Wagner ein Geschenk zu schicken.\nWarum? könnt' er sie so entzücken?\nJa! denn seit man ihn angehört,\nErkennt man erst der Andern Werth.\nIn einer Gesellschaft, in welcher der Hauptkämpfer für die\nWagner'sche Musik den Leuten bewies, dass erst die künftigen Ge-\nschlechter diese verstehen würden, erwiderte endlich Einer, indem\ner auf ihn losschritt: „Kat schuk puff allo Backbückpumm!\"\n„Mein Herr,\" sagte jener verblüfft, „was soll das heissen, was reden\nSie da?44 „Ei, die Sprache der Zukunft!a war die ruhige Ant-\nwort. (N. W. M.-Z.)\nBrüssel. Am 24. December v. J. fand hier unter der Direc-\ntion von Fetis ein Concert Statt, dessen Ertrag zur Errichtung\neines Grabdenkmals lür AI. Stadtfeld bestimmt war. Es wur-\nden fast nur Compositionen des zu früh verschiedenen Componisten\naufgeführt, Ouvertüren, Bruchstücke aus seiner Oper Hamlet und\nLieder. Das zahlreiche Publicum zeigte grosse Thcilnahme.\nB. Damcke, der in Petersburg eine bedeutende Stellung\nals Musiker und Kritiker einnimmt und auch unseren Lesern aus\nmehreren Artikeln bekannt ist, hat Russland aus Gesundheits-Rück-\nsichten auf einige Zeit verlassen und verweilt gegenwärtig in Brüssel.\nAmsterdam. Wir haben hier die Bekanntschaft eines jungen\ndeutschen Künstlers, des Violinspielers Ad. Köckert, gemacht,\ndessen erstes Auftreten bei uns ihm eine sehr gute Empfehlung\nlür ganz Holland sein wird. Er hat am 6. Januar in Felix Meritis\nund einige Tage darauf in dem Concerte der Gesellschaft Eruditio\nmusica mit grossem Erfolg gespielt\nAmedee Be au plan, ein berühmter und fruchtbarer Dichter\nund Componist im Fache der Chansons, Romances und Vaudevilles,\nist zu Paris, 63 Jahre alt, gestorben.\nDie Sängerin Clara Novello ist gegenwärtig zu Mailand\nan der Scala; die Castcllan in Lissabon am Theater Don\nCarlos.\nDie neue philharmonische Gesellschaft in London\nkündet schon jetzt die Eröffnung ihrer Concerte im Monat März\nan und dass darin Beethoven's Missa solemnis in D zur Auffüh-\nrung kommen wird.\nStockholm. Hier sind die Compositionen Sr. K. Höh. des\nPrinzen Gustav erschienen, der in seinem 26. Jahre gestorben ist\nund grosse musicalische Anlagen besass. Sie enthalten ein- und\nmehrstimmige Lieder, auch Quartette lür Männerstimmen und einige\nMärsche.\nDas Opernhaus in Paris fasst 1800 Personen, das Thedtre\nfranqais 1186, die komische Oper 1500, das Odeon 1550, die ita-\nliänische Oper 1300; das Burg-Theater in Wien 1670, das Kärnth-\nnerthor-Theater 1800; das Opernhaus in Berlin 2078; das Theater\nin Dresden 2000, in München 2500, in Hannover 2000, in\nHamburg 2300; San Carlo in Neapel 4000."}]}