{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-01-28-01", "volume": "bmtnabi_1854-01-28_01", "ocr_sha256": "ebd3b58d459f33ae0e0e61409f0703c67e745fed265854b8c60c4feb53c073dc", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/01/28_01/bmtnabi_1854-01-28_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-01-28-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-01-28_01#c001", "volume": "bmtnabi_1854-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "28", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.2.1", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. 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Gewiss ist es aber, dass hier Nie-\nmand von ihrem Dasein etwas wusste, bis es der Direction\nder grossen Oper einfiel, diesen geträumten Juwel auszu-\ngraben. Das Publicum verlangt Neues; zu Spectakel-\nOpern wollen sich entweder Meyerbeer und Auber und\nIlalevy nicht mehr hergeben, oder Scribe hat erklärt, er\nsei an neuen Ideen für Maschinerie und Decoration banke-\nrott, seitdem „ Der verlorene Sohn\" und „ Der ewige Jude\"\ndas Morgen- und Abendland, den Himmel und die Hölle\nbis auf die Neige ausgebeutet haben. Was also thun ? Einen\nComponisten von Kunstwerken der Zukunft hat Frankreich\nnoch nicht, darum frisch in die Vergangenheit zurückge-\ngriffen !\nGut solch eine Reaction thut wahrlich noth\naber, o weh! wie ungeschickt war der erste Griff! Dass ein\nberühmter Dichter oder Tonsetzer einmal etwas Mittel-\nmässiges oder ganz Verfehltes schreibt, begreift man; aber\ndass der hohe Rath einer kaiserlichen Akademie der Musik\ndie Grube wieder öffnet, in welche das Publicum die Fehl-\ngeburt bereits vor zwanzig Jahren versenkt hat, das gehört\nzu den unbegreiflichen Dingen. Nun kommt noch dazu, dass\ndie Handlung dieser Oper ganz dieselbe ist, wie in der ko-\nmischen Oper Le Chalet („Die Alpenhütte\"), einem der\nbeliebtesten Werke von Adam und Scribe. Um nun Herrn\nScribe nicht an seinem Autor-Rechte zu kränken der\neigentliche Autor dürfte übrigens ein gewisser Göthe in\nJery und Bätely sein —, musste der Donizetti'schen Musik\nein neuer Text untergelegt werden; dazu fand sich ein\nDichter, Herr Hippolyte Lucas, der die Schweizer-Idylle auf\nden Boden der Provence verpflanzte, und ein musikkundi-\nger Arrangeur kein anderer als Herr Adam selbst,\ndenn nicht nur „Zeit\", sondern auch „Noten sind Geld*\n—, der einige Schnitte und Flicke anbrachte und hier und\nda neues Futter in den alten Schlafrock setzte. Auch eine\nOuvertüre schrieb er dazu, welche mit ihrem chromatischen\nLärm eine wahre Ironie auf den Inhalt der Oper ist. Diese\nselbst ist eines der schwächsten Werke Donizetti's; ausser\nden Anklängen und förmlichen Copieen aus dem\nd'amore und der Lucia ist Alles trivial und auf die gewöhn-\nlichste italiänische Manier zusammengeleiert. Schade um\ndie Nachtigallen-Kehle der Madame Bosio, dass sie in die-\nsem Käfich schmettert! Sie trug den lautesten Beifall da-\nvon, der aber das Ganze nicht vom tiefen Fall retten konnte.\nDas geschah am 27. December in der\nperiale, und vier Tage darauf, am 31. December, brachte\ndas Theatre lyrique eine „Elisabeth\", ebenfalls ein Stück\nvon Donize tti, diesmal aber aus seinem Nachlass und in\nso fern doch mit etwas mehr Berechtigung, weil noch nir-\ngends aufgeführt, also wenigstens in der Musik eine Neuig-\nkeit, wenn auch nicht im Text. Das Buch ist nämlich von\nden Herren Brunswick und de Leuven, namentlich in den\nzwei ersten Acten, ganz nach einem alten Melodrama von\nPixerecourt, „La Fille de l'exil gemodelt. Dieser hatte\nsein Stück aus dem Roman der Mad. Cottin gemacht, wel-\nche ihren Roman wiederum aus einer einfachen Erzählung\nvon Joseph de Maistre herausgesponnen. Den Inhalt bildet\ndie bekannte rührende Geschichte einer Tochter, welche\nunter tausend Drangsalen und Gefahren von Sibirien nach\nPetersburg wanderte, um vom Czaaren die Begnadigung\nihres Vaters zu erbitten. Das Drama Pixerecourt's, des\nVorgängers der Frau Birch-Pfeiffer in Deutschland, erlebte\nüber hundert Vorstellungen. Donizetti liess sich daraus einen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5110, "texte": "taliänischen Opern-Text machen oder machte ihn sich\nselbst zurecht (denn er war auch Dichter) und schrieb\nschon im Jahre 1827 in Neapel eine Partitur dazu; allein\nsie kam nicht zur Aufführung. Wesshalb nicht, davon\nschweigen die Annalen. In Paris wurde sie von Donizetti\nim Jahre 1840 für den damaligen Director der komischen\nOper, der es auch einmal mit italiänischen Sängern versu-\nchen wollte, zurecht gemacht, aber von diesem aus Mangel\nan Vertrauen auf den Erlolg wieder zurückgelegt. Es be-\ndurfte erst noch zweier Dichter und eines Componisten,\nals musicalischen ()rdners, des Herrn Fontana, Schülers Do-\nnizetti's, um die nochmals umgeknetete Pastete den Pari-\nsern als neues Gericht vorzusetzen. Habent sua fata libelli!\nUnd was ist die Moral aus allem diesem? Dass derlei-\nchen Ausstattungen des Alten die Arnauth der französi-\nschen Oper an tüchtigen Kräften für Poesie und Compo-\nsition beweisen, und dass es zwar sehr schön ist, dass in\nFrankreich Schriftsteller UIK\\ Componisten reich werden\nkönnen, aber traurig, dass sie sich fürs Geld zu Allem\nhergeben.\nUeber die Musik kann man nichts weiter sagen, als\ndass sie etwas besser als die Composition der Betly ist,\naber keineswegs die Bewunderung für Donizetti's Talent,\nselbst bei seinen Freunden, vergrössern wird. An die fast\neinstimmig lobenden Berichte der hiesigen Blätter, beson-\nders in den Feuilletons, muss man sich nicht kehren; wir\nwissen hier, wie es damit zugeht, und wer in den Artikeln\nmit grossen Namen, wie 11. Berlioz und Ad. Adam, zwi-\nschen den Zeilen zu lesen versteht, den werden auch diese\nnicht blenden. Man wird von einer Donizetti'schen Ouver-\nture nicht viel verlangen; die zur Elisabeth ist aber gar zu\ntrivial, wie denn überhaupt von Anfang bis zu Ende der\nOper nichts Neues und nichts Edles zu finden ist, und nur\nsehr schwache Keime von dem Talente des Meisters, wie\nes sich in späteren Arbeiten zeigte. Es ist dies übrigens\nauch ganz natürlich, da Donizetti's Ruf eigentlich erst im\nJahre 1831 mit der Aufführung der Anna Bolena in Mai-\nland durchschlug.\nDie Ausstattung bewies, dass das Thealre lyrique sein\nPublicum kennt und bereits für überraschende Decorations-\nund Maschinerie-EtTecte zu sorgen weiss. Das Anschwellen\neines Bergstromes (im zweiten Acte), der Einsturz der\nBrücke, welcher den Kosaken-Führer in den Wellen be-\ngräbt, das Steigen der Fluten, welche nach und nach die\nganze Scene überschwemmen, während Elisabeth zu einem\nKreuze auf einem Felsen emporklimmt und der Nachen mit\nihrem Retter von den Wogen verschlungen wird das\nist alles so täuschend, dass jeden Augenblick das schäu-\nmende Wasser sich über das Orchester hinweg auf uns\nlos zu wälzen und das Publicum mitsammt der Kritik zu\nersäufen droht. Man athmet auf, wenn der Vorhang fällt.\nSehr naiv sagt ein hiesiges Blatt und noch dazu ein musi-\ncalisch-kritisches: „Das ganze Ilaus war ergriffen von die-\nsem erschütternden Schauspiel, welches schon allein den\nErfolg des Drama's sichert!\" Es hat denn auch in der\nThat schon zehn Vorstellungen erlebt.\nDie Concerte des Conservatoire haben am 8. Januar\nwieder begonnen. Den Eingang machte die Ouvertüre und\ndie Introduclion zum Don Juan. Ein Duett für zwei Flö-\nten wie? im Conservatoire-Concert? Ja wohl; noch\ndazu eine Fantaisie ponr deiix fliiles (von L. Magnier)\nfolgte auf Mozart, und es schien fast, als ob die Virtuosität\nder Herren Dorus und Brunot dem sonst so ernsten Publi-\ncum, dass man es hier oft das deutsche nennt, willkom-\nmen wäre, um einmal recht aus vollem Herzen applaudiren\nzu können! Man gab uns ferner den Opfer-Marsch mit\nChor aus Spöntini's Vestalin, die Pastoral-Sinfonie von\nBeethoven und den Schluss-Chor des zweiten Theiles von\nHaydn's Schöpfung. An Programme, welche nach irgend\neinem Princip gewählt und geordnet wären, ist also auch\ndiesen Winter wieder nicht zu denken, und man muss sich\nmit der vollendeten technischen Ausführung begnügen, die\nindess dieses Mal in der Sinfonie auch nicht ganz ohne\nMakel war.\nNoch in den Schluss des December fiel die Eröffnung\nder Concerte der Societe des jeunes Arlisles, eines musica-\nlischen Instituts, welches sich zum Zwecke gesetzt, die jün-\ngeren Künstler von Paris zu orchestralen Leistungen heran-\nzuziehen und den jungen Virtuosen, denen es so schwer\nfällt, zu eigenen Concerten zu gelangen, Gelegenheit zu\ngeben, sich Bahn zu brechen. Die Gesellschaft besteht jetzt\nim zweiten Jahre. Sie bietet das jedenfalls merkwürdige,\nwenn vielleicht von höheren Gesichtspuncten aus auch\ngerade nicht erfreuliche, Schauspiel der Frühreife des gegen-\nwärtigen Geschlechts dar; denn die Künstler, welche hier\ndie Werke unserer grossen Meister wiedergeben, sind gröss-\ntentheils sehr jung, zu jung, zum Theil fast kaum den Kna-\nbenjahren entwachsen. Sie führten Weber's Oberon-Ouver-\nture, ein Bruchstück aus einer Sinfonie von Lacombe und\nBeethoven's C-moll-S'miome auf; die Ouvertüre ging vor-\ntrefflich, und hier wie auch in der Beethoven'schen Sinfonie\nwar namentlich Ton und Zusammenspiel der Blas-Instru-\nmente bewundernswerth, während allerdings die Saiten-\nInstrumente, besonders die Celli und Contrabässe, viel an"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5148, "texte": "Egalität zu wünschen übrig Hessen. Ein Violinist, Namens\nViault, etwa 15 —l6 Jahre alt, spielte ein Concert von\nAlard mit wohlverdientem Beifall. Dirigent dieses jungen\nOrchesters ist Pa s d e1 o u p.\nDas erste Concert der Soc fand am 13.\nJanuar Statt. Die Auflührungen leitet Seghers, wie in\nden vorigen Jahren. Es brachte Mendelssohn s Ouvertüre\n„Die schöne Melusine\", die sechste Scene (Recitativ, Chor,\nMarsch und Arie) aus Mozart's Idomeneo, die 38. Sinfonie\nD-moll) von Haydn (anmuthig, elegant und frisch wieder-\ngegeben), Cherubini's Inclina Domine aurem tuam und die\ngrosse Leonoren-Ouverture von Beethoven.\nBesucht man auch die zwei Cirkel für Kammer-\nmusik, an deren Spitze Alard und Maurin stehen, so\nhat man Gelegenheit genug, gute Musik zu hören. Das\nAlard'sehe Quartett besteht im siebenten Jahre, hat\nsich aber jetzt den jungen Pianisten Francis Plante zuge-\nsellt, der mit Mozart's Sonate für Piano und Violine in\nA-dur auftrat; ausserdem hörten wir Haydn (B-dur)t Beet-\nhoven Nr. 10 (Es-dur)und Mozart's Quintett in\nMaurin und seine Genossen hatten vor zwei Jahren\ndie Kühnheit, einen Quartett-Cirkel ausschliesslich für die\nAufführung der Beethoven'schen Werke aus der letzten\nPeriode seines Schaffens zu gründen. Sie haben dieses aristo-\nkratische Princip zwei Winter hindurch festgehalten, gegen-\nwärtig jedoch sich bequemt, auch anderen Componisten die\nPforten zu öffnen, und, da es einmal ohne Ciavier nicht\ngeht, die Pianistin Louise Mattmann in ihren Verein gezo-\ngen. So enthielt denn ihre erste Sitzung Mendelssohn's Cla-\nvier-Trio in C-moll,Mozart's Violin-Quartett in eine\nSonate von Mozart in E-mollfür Piano und Violine und\nzum Schluss das grosse pathetische Drama für vier Streich-\nInstrumente von Beethoven, Op. 132, in A-moll.\nZuletzt denn von dem grössten Ereigniss des Tages,\nworüber man das wilde schwarze Meer und die zahmen\nFlotten vergisst: von dem Auftreten der Sophie Cru-\nvelli als Valentine in den Hugenotten. Wahrlich, sie hatte\neinen schweren Stand. Die Banquiers sagten: „Hundert-\ntausend Francs werden sich die rentiren?\" Die lang-\njährigen Abonnenten der grossen Oper waren auf dem\nPosten, um jeden Ton, jede Note, jede Stellung, jede Be-\nwegung, jede Miene nach den Registern zu controliren,\nwelche sie sich zur Zeit der Falcon über die Darstellung\nder Valentine angelegt haben. Die Musiker zweifelten, ob\neine Prima Donna der italiänischen Oper die grossartige\nSchöpfung Meyerbeer's je richtig auffassen könne. Die Gram-\nmatiker lauerten auf den deutschen Accent. Der Neid end-\nlich doch still! den kennt man ja unter Künstlern nicht.\nAber der Genius der Kunst nahm die kühne Deutsche auf\nseine Schwingen und trug sie über alles das hinweg zu\neinem bisher fast unerhörten Triumphe.\nSophie Cruvelli konnte und wollte sich selbst nicht\nverläugnen, sie verschmähte alle Tradition; ihre Künstler-\nseele duldet kein Joch und keine Fessel, sie kann nur in\nder Freiheit athmen. Mit der glanzvollen, kräftigen und\ndoch wieder so weichen und biegsamen Stimme, deren na-\ntürliche Geläufigkeit durch eine, wenn auch nicht vollkom-\nmene, doch jedenfalls treffliche Schule gebildet ist, mit dem\nausdauerndsten Athem, dem wunderbaren Umfange, der nie\nwankenden Reinheit der Intonation würde sie als Sängerin\nallein schon entzücken, wenn nicht ihre gleichzeitige Grösse\nals tragische darstellende Künstlerin sie zur unwidersteh-\nlichen Beherrscherin des Publicums machte. Gleich nach\nihren ersten Gesang-Phrasen war ihr Erfolg entschieden;\nim Duett mit Marcel wuchs die Begeisterung für sie und\nbrach im vierten Acte in so kolossalem Maassstabe aus,\ndass auch die kälteste Natur mit fortgerissen wurde. Es\nregnete förmlich Blumen schon nach der Romanze im vier-\nten Acte, welche sonst weggelassen wird und in welcher\nsie eine wunderbare Tonfülle und bezaubernde Technik\nentwickelte; die ganze Vorderscene war mit Sträussen und\nKränzen wie von einer Lawine überschüttet, und wenn\nnicht die Regie so weise gewesen wäre, durch zwei Diener\naus St. Bri's Gefolge aufräumen zu lassen, so hätte die Ver-\nschwörung zur blutigen Bartholomäus-Nacht auf Rosen und\nCamelien begonnen. Der Eindruck der grossen Scene mit\nRaoul war in Gesang und Spiel ein überwältigender. Die\nCruvelli war in der letzten Zeit ihrer Anstellung an der\nitaliänischen Oper nach meinem Urtheile dessen Du\nDich aus meinen damaligen Briefen erinnern wirst in\ngrosser Gefahr, in eine Uebertreibung der Contraste des\nAusdrucks zu verfallen, welche Manier zu werden drohte;\nes scheint, als habe sie diese Gefahr überwunden, wozu\nman ihr nur Glück zu wünschen hätte; in der Valentine\nhält sie überall Maass, und doch macht ihre Leistung mehr\nden Eindruck einer von der Begeisterung des Augenblickes\nund der Leidenschaft ins Leben gerufenen Darstellung, als\nden einer durch das Studium der Kunstregeln zur Vollen-\ndung gebrachten. Daher aber auch das plötzlich Ergreifende,\ndas Hinreissende derselben, das uns gar nicht zum Abwä-\ngen und Abmessen kommen lässt. Ihre Costume waren\nhöchst geschmackvoll und (namentlich im dritten Acte) von\nfürstlicher Pracht, und das Französische spricht sie voll-\nkommen rein aus, so dass auch nicht der leiseste Tadel des"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 83, "texte": "in diesem Puncte sehr schwer zu befriedigenden Publicums\ndarüber laut wurde.\n\nB. 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Chevalier", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.4", "debut_caractere": 85, "fin_caractere_exclue": 4767, "texte": "Louis Lacombe.\n\nLacombe gehört zu den ausgezeichnetsten Pianisten\nin Paris und geniesst auch als Componist eines bedeuten-\nden Rufes in Frankreich. In Deutschland ist er weniger\nbekannt, wiewohl er es in seinen jüngeren Jahren durch-\nreis't und damals schon als Ciavierspieler Aufsehen ge-\nmacht hat*).\nLouis Lacombe ist zu Bourges im Jahre 1818 gebo-\nren. Sein Vater war nicht musicalisch, aber seine Mutter\nspielte Ciavier. Eines Abends sass der kaum vierjährige\nKnabe in einem Wmkel des Zimmers, während sein Vater\nund sein Grossvater Schach spielten. Dabei klopfte der Va-\nter mit den Fingern den Rhythmus einiger Chansons auf\nden Tisch, deren Melodie der Grossvater rathen musste.\nDa kam eine vor, die der Alte nicht heraushören konnte.\nAuf einmal läuft der kleine Knabe auf die Beiden zu und\nsingt die Melodie: Au clair de Es war die richtige.\nDer Vater klopft Marlb'rough s'en va-t-en guerre; das Kind\nsingt es auf der Stelle. Der Alte kramt sein ganzes Reper-\ntoire aus; der kleine Louis, der dieses Familien-Repertoire\nauswendig konnte, trifft jedesmal den Nagel auf den Kopf.\nKurze Zeit nachher kam ein damals berühmter Opern-\nsänger, Lavigne, nach Bourges, um Concerte zu geben.\nEr bat Frau Lacombe, ihn zu begleiten, und probirte mit\nihr in ihrem Hause. Es war des Abends, und Louis lag im\nNebenzimmer in seinem Bettchen. Aber bei den ersten Tö-\nnen des Sängers erwachte er, setzte sich aufrecht und\nschlich am Ende aus dem Bette nach der Thür, um desto\nbesser zu hören. Er erkältete sich, lag mehrere Monate\nkrank, und so wie er wieder aus dem Bette war, summte\ner die Romanzen, welche Lavigne jenen Abend probirt\nhatte.\nNun fing die Mutter an, ihn auf dem Ciavier zu unter-\nrichten. Sechs Jahre alt, spielte er zum ersten Male öffent-\nlich im Theater zum Besten von Abgebrannten, und zwar\nein Notturno von Bochsa für Piano und Violine. Die Violine\nspielte ein Dilettant, der es weder mit dem Tempo noch\nmit dem Tacte sehr gewissenhaft nahm. Wer ihm aber\nstets nachgab und das Duo zusammenhielt, war der kleine\nLouis. Das brachte ihm, da es von Allen bemerkt wurde,\nreichen Beifall und Blumenspenden ein, und als er hinter\nden Coulissen in die Arme seiner Mutter eilte, fiel er vor\nFreude in Ohnmacht.\nNach einer Krankheit, während welcher er ein ganzes\nJahr lang das Piano nicht anrühren durfte, begann er, als\ner zum ersten Male sich wieder daran setzte, zu phanta-\nsiren. Seine Phantasie war ein Dankgebet, und seitdem\nentwickelte sich bei ihm ein ausserordentliches Talent für\ndie musicalische Improvisation, welches ihn auch nie wieder\nverlassen hat.\nAls er das eilfte Jahr erreicht hatte, hrachten ihn seine\nEltern zur Aufnahme-Prüfung auf das Conservatorium nach\nParis. Nach dem Spiel der ersten Seite des Probestückes\nrief Cherubini: Genug, genug! und Lacombe kam zu Zim-\nmerman in die erste Classe. Am Ende des Jahres setzte\nihn sein Lehrer auf die Liste der Preisbewerber. „Das ist\nmir doch etwas zu stark,\" sagte Cherubini, „ich\nwill Keinen in den Windeln gekrönt wissen!\" Im folgen-\nden Jahre jedoch liess sich nichts dagegen thun, und La-\ncombe erschien vor dem musicalischen Areopagus und\nspielte das erste Allegro von Hummel's A-moll-Concert.\nIn dem Stücke, das zum Vomblattspielen vorgelegt wurde,\nverwandelte er augenblicklich die Octaven-Passagen, die er\nmit den kleinen Fingern nicht greifen konnte, in Terzen-\nund Sexten-Gänge. Liszt und Zimmerman konnten sich\nnicht enthalten, ihn zu umarmen, und er erhielt einstimmig\nden ersten Preis.\nSein Vater war indess gestorben. Mit Mutter und\nSchwester trat er eine Kunstreise an durch Frankreich,\nBelgien und Deutschland. Er wurde bewundert, man trug\nihn auf Händen, aber er machte kein Geld. In Töplitz lös'te\nihn der König von Preussen aus nach Wien kam er mit\nzwei Gulden in der Tasche— in Ungarn hielt ihn eine Ueber-\nschwemmung in einem kleinen Orte fest, wo er die erste\nIdee zu seiner Sinfonie Arvafasste und täglich sechszehn\nStunden arbeitete und spielte, meist bei trockenem Brode\nund Wasser.\nEndlich kam er wieder durch es ging ihm besser.\nAber in Frankfurt am Main war er schon wieder soweit, dass\ner seiner Wirthin einige Ringe und eine schöne goldene\nKette, ein Geschenk der Grossherzogin von Baden, zum\nPfände für seine und seiner Mutter und Schwester Zeche\nanbieten musste. Die brave Frau nahm das aber nicht an.\nLacombe wandelte trübsinnig durch die Strassen, da er sei-\nner Wirthin an Gesinnung nicht nachstehen und keineswegs\n\n*) Erst kürzlich, am 19. Januar, ist er in Leipzig auf Einla-\ndung des Vorstandes der Gewand haus-Concerte wieder aufgetreten\nund hat ausser einigen glänzenden Salonstücken von seiner Com-\nposition Webers Concertstück mit ausserordentlichem Beifalle\ngespielt."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2561, "texte": "ohne zu bezahlen abreisen wollte. Da klopft ihm ein Be-\nkannter, ein Franzose, Namens Goudchaux, auf die Schulter,\npresst ihm die Ursache seiner Melancholie ab und hilft ihm\nmit 600 Francs aus dem Gebiete der Ireien Stadt hinaus\nund auf den Postwagen nach Metz.\nNeues Unglück in Metz: alle Plätze in der Postkutsche\nnach Paris sind auf acht Tage vergeben! Was nun anfan-\ngen? Lacombe schlendert durch die Strassen, lies't die Schil-\ncs\nder und bleibt vor einem stehen, das die Aufschrift trägt:\n„Baumann; Piano's zu Kauf und Miethe.\" Da leuchtet\nihm ein Stern der Hoffnung. Er geht ins Haus, und eine\nartige Dame führt ihn in den Saal. Herr Baumann tritt bald\ndarauf ein, öffnet dem jungen Manne drei Piano's zur Ansicht\nund legt sich ins offene Fenster, wie einer, der gewohnt ist,\ndie Käufer und ihr musicalisches Radebrechen nicht zu stören.\nWarte! dachte Lacombe, du sollst dich schon umdrehen!\nund begann eine Sonate von seiner Composition.\nHerr Baumann wird aufmerksam und nähert sich. Der\njunge Künstler beginnt das Finale der Sonate und lässt sei-\nnem ganzen Talente die Zügel schiessen.\nUeberraschung Verständigung über Namen u. s. w.\nfolgen.\nSie werden ohne Zweifel ein Concert in Metz geben?\nIch glaube kaum, antwortete der Künstler mit so viel\nkaltem Blute, als möglich.\nAh, Sie kommen ohne das nicht aus der Stadt!\nDas ist leider sehr wahr! dachte Lacombe bei sich\nselbst.\nKurz ich will ein Concert! Thun Sie mir den\nGefallen, heute bei mir zu speisen; ich lade einige\nFreunde, auch den Theater-Director, ein, und die Sache\nist so gut wie abgemacht.\nLacombe gab zwei Concerte, die ihn reichlich in Stand\nsetzten, mit seiner Familie nach Paris zurückzureisen.\nAber das war nicht das einzige Gute, was er dem lo-\nthringischen Lande schuldete; es führte ihm auch bald darauf\neine edle Gattin zu, welche durch ihr unabhängiges Ver-\nmögen seine Künstler-Laufbahn sicher stellte. Es gibt einen\nGott für die Künstler, und das Frauenherz ist sein Prophet.\nVon den Compositionen Lacombe's haben viele Salon-\nstücke grosses Glück gemacht; von grösseren Werken\nschätzt man in Frankreich seine zwei Clavier-Trio's, beson-\nders das in D-moll, ein Quintett in Fis-dur und die zwei\nSinfonieen „Arva\" und „Manfred\". Ein Theil der franzö-\nsischen Kritik wirft ihm in Bezug auf diese Orchesterwerke\nvor, zu sehr nach deutschen Vorbildern gearbeitet zu ha-\nben, während ein anderer Theil behauptet, dass die von\nihm eingeschlagene Richtung das einzige Mittel sei, die In-\nstrumental-Musik der Franzosen auf die Höhe der deut-\nschen Tonkunst zu bringen.\n\nP. Chevalier."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-01-28-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-01-28_01#c003", "volume": "bmtnabi_1854-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "29", "page_fin": "30", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.2.3", "titre_corps": "Die Opposition Süddeutschlands", "titre_sommaire": "Die Opposition Süddeutschlands", "signature_source": "J. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.5", "debut_caractere": 2563, "fin_caractere_exclue": 4765, "texte": "Die Opposition Süddeutschlands\n\nmuss den Vertretern der Zukunfts-Musik ein gewaltiger\nDorn im Auge sein, da sie sich so ganz absonderlich dar-\nüber geberden. Dieser Dorn, wie tief muss er sitzen, wie\nsehr muss er schmerzen, da er sie zu wahrhaft verzweif-\nlungsvollem Toben bringt! Gar absonderlich stürmt Einer\ndieser Unglücklichen auf uns arme Süddeutsche ein; sein\nWüthen, es könnte fürchterlich erscheinen, wenn es nicht\ngar zu lächerlich wäre. Der arme Herr Peltast! Wie gross\nmuss sein Aerger gewesen sein! wie muss ihm derselbe\ndas Blut zu Kopfe getrieben und seine Augen verdunkelt\nhaben, bis er in ohnmächtigem Grimm seine papierne Keule\nschwang und damit loshieb wie weiland Don Quixote, ohne\nzu sehen, wohin seine hohlen Streiche eigentlich fielen!\nWoher kommt wohl diese ungemessene Wuth auf\nuns Süddeutsche ? von wo aus datirt sich dieser ungeheure\nZorn, der sich mit Einem Male in einem Strome von\nSchmähungen auf uns ergiesst?\nDas karlsruher Musikfest —• das ist der böse,, böse\nDorn, der im Auge steckt, und, ach, so tief, so schmerzlich!\nInniges Bedauern ergreift uns Süddeutsche, mögen wir\nsonst auch noch so sehr in „Stumpfheit des Gelühls\" ver-\nsunken sein, sehen wir sie leiden, die „intelligenten\" Ver-\ntreter norddeutscher Zukunfts-Musik; sehen wir, wie nur\ntiefer und tiefer sich dieser böse Dorn ins Auge gräbt, je\nmehr sie sich bestreben, ihn zu entfernen — ihn, den\nBringer so vieler Schmerzen, ihn, den Vernichter so glor-\nreicher Erwartungen.\nDas karlsruher Musikfest — wie schön war das ein-\ngeleitet, wie herrlich Alles vorbereitet, wie planmässig Alles\ngeordnet, um mit Einem Schlage uns Süddeutsche zu ge-\nwinnen für das Kunstwerk der Zukunft! So sicher war\nman des glücklichen Gelingens, dass Alles auf diesen Einen\nWurf gesetzt wurde. Nun, da er misslungen, gerathen die\nVäter des Kunstwerkes der Zukunft in ein Wüthen, das\ngar ergötzlich mit anzusehen ist. Ganze Meere von Dinte\nwurden vergossen, um das Schifflein der Zukunfts-Musik\nwieder flott zu bringen, das der Steuermann selbst aus Un-\nkenntniss des Fahrwassers stranden machte. Doch, ach! das\nSchifflein hatte einen Leck bekommen, der es ganz und gar\nuntauglich machte zu einer Weiterfahrt auf offenem Meere,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2104, "texte": "*\nes musste zurückgebracht werden in den schützenden Hafen\nWeimars, um auf den Werften Leipzigs nach Kräften wie-\nder ausgebessert zu werden. Bei dieser mühevollen Beschäf-\ntigung wird nun gar übel mitgenommen das trügerisch\nfalsche Meer, der Schauplatz dieses so ganz unerwarteten\nUnfalls. In den blühendsten Metaphern eines kunstphiloso-\nphischen Galimathias schreiben sie Broschüren über Broschü-\nren, des Schiffleins Leck damit zu stopfen. Selbst der\nSteuermann sucht sich zu rechtfertigen und beweis't, dass\nein Dirigent kein Ruderknecht sein dürfe. uns „ stumpf-\nsinnigen Süddeutschen\" solch hoher Intelligenz gegenüber\neine Bemerkung erlaubt, so würden wir hinzulügen, ein Diri-\ngent dürfe auch nicht bald eine Salzsäule, bald eine Wind-\nmühle sein. Doch wollen wir uns auch hierin gern beschei-\nden und erst „ ein belehrendes Entgegenkommen der Nord-\ndeutschen\" abwarten; „im Voraus documentiren\" wir den\n„besten Willen, uns belehren zu lassen, Belehrung aufzu-\nnehmen\", nur bitten wir um Nachsicht, falls uns diese\nBelehrungen durch ihren zu hohen Flug unbegreiflich er-\nscheinen sollten. Wir „Collectiv-Schwaben\", bei denen das\n„wichtige Ereigniss einer glücklichen Ueberschreitung des\nachten Lustrums\" noch nicht „eingetreten\" ist, müssen\nleider verzichten auf Verstandes- und Gefühls-Intelligenz\nder Norddeutschen*); aber nicht wollen wir verzichten auf\neigene Anschauungs- und Gefühlsweise, um gleich ihnen\nnur nachzubeten und in tiefster Unterwürfigkeit hinzuneh-\nmen, was von den Propheten des grossen Baal geboten\nwird. Baal mag ein grosser Götze sein, würdig eines fort-\nwährenden Beräucherns allein erst thue er Wunder,\nwie unsere alten Götter sie gethan, und wir glauben dann\ngern an ihn. Bis jetzt aber hat Baal noch kein Wunder\ngethan, so sehr seine Propheten auch weissagten von Zei-\nchen und Wundern, die Baal bei seinem grossen Feste in\nKarlsruhe thun würde; und desshalb halten wir Schwaben\ntreu unsere alten Götter in Ehren und wollen ihren gehei-\nligten Tempel nicht entweihen durch Errichtung eines\nOpfer-Altars für den Götzen Baal, das Kunstwerk der Zu-\nkunft genannt.\n\nJ. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-01-28-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-01-28_01#c004", "volume": "bmtnabi_1854-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "32", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.6", "debut_caractere": 2106, "fin_caractere_exclue": 6537, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Das Theater brachte als Neuigkeit Nicolai s „Lustige\nWeiber von Windsor\". Die Oper fand weniger Beifall, als die Mu-\nsik derselben verdient. Es lag das hauptsächlich an der Handlung.\nObgleich unser Publicum viel Sinn für carnevalistische Possen hat,\nso war ihm doch dieser so genannte Shakespearc'sche Ilurnor zu\nderb und durch die ewige Wiederholung derselben Situationen\nlangweilig. Der eigentliche Humor ist aber auch freilich aus der\nMosenthal'schcn Bearbeitung des Lustspiels als Oper verschwunden\nund musste verschwinden, da er nicht so sehr auf komischen Si-\ntuationen, welche (für uns und unsere Sitten wenigstens) doch gar\nzu plump sind, als auf dem witzigen, launigen und stets sehr le-\nbendigen Dialog beruht. Dieser musste geopfert werden; wozu\naber noch Dinge, wie die durchaus widrige Saufsccne, welche im\nOriginal gar nicht vorkommt, hinein bringen? Die Musik hatte die\nschwere Aufgabe, die Laune und den Geist des Dialogs zu ersetzen.\nDas ist ihr nur theilweise gelungen, trotzdem, dass sie zu denen\ngehört, welche nicht bloss für den grossen Haufen, sondern auch\nzugleich für den Genuss des Musikers geschrieben sind. Sie enthält\nMusikstücke von hübscher Erfindung und kunstvollem Bau, bei\nwelchem nur das zu tadeln sein dürfte, dass die Detail-Arbeit und\ndas Streben, durch dieselbe zu reizen und zu glänzen, zu sichtbar\nhervortritt und zu Missgriffen verleitet, wie z. B. die Cadenz in\ndem Duett von Fenton und Anna mit obligater Violine. Um gerecht\nzu sein, dürfen wir aber auch nicht verschweigen, dass diese Detail-\nArbeit oft sehr gelungen und wirklich reizend ist und ein besonderes\nTalent des Componisten für melodiöse Instrumentirung bekundet.\nUns* hat die Musik des ersten Actes am meisten angesprochen, zu-\nmal da die beiden Frauen in Frau Schmidt-Kellberg und Frl.\nMarschalk sehr gut vertreten waren. Ein ausgezeichnetes Stück\nist das Intermezzo des Orchesters zu der Mondschein-Scene im\ndritten Acte. Auch an Komik fehlte es Nicolai nicht, wofür das\nDuett im zweiten Acte zwischen Falstaff und dem eifersüchtigen\nFluth spricht, das nur etwas lebendiger und bewegter hätte wie-\ndergegeben werden müssen. Im Ganzen aber ist die Neigung zu\ngefälligen, populären Mclodicen zu vorherrschend, und es man-\ngelt bei allem Talente an der Kraft, diesen Hang durch geniale\nErfindung zu befriedigen.\nAm 23. d. Mts. hatte der k. Musik-Director F. Weber eine\nöffentliche Versammlung der von ihm geleiteten Sing- Aka demi e\nim grossen Casinosaale veranstaltet, in welcher dieses Institut sei-\nnen wohlverdienten Ruf bewährte und uns wiederholt die Ueber-\nzeugung gab, dass es die festeste Stütze unseres Concert-Chors bil-\ndet. Vorzüglich schön wurden Mich. Haydn's Tenebrae faclae sunt\nund ein kurzer religiöser Gesang, „Du Hirtc Israels\", von Bort-\nnianski a Capella gesungen. Es folgten aus Mendelssohn's\nElias die Tenor-Soli Nr. 3 und 4 und der Chor Nr. 5, darauf Nr.\n0 und 7 (das Doppel-Quartett in G-clur) und aus dem zweiten\nTheile Nr. 27—29 (Terzett der Engel und Chor in D-dur). Wir\nhörten einige sehr wohllautende Frauenstimmen, überhaupt sprach\nder Vortrag der sämmtlichen Soli sehr an, während bei den Chö-\nren, namentlich dem breiten Grave von Nr. 5, der Mangel des Or-\nchesters, den gerade bei Mendelssohn's Paulus und Elias das Cia-\nvier auch nicht einmal annähernd ersetzen kann, zu fühlbar erschien.\nDas grosse, mit gewaltigem contrapunktischem Aufwand geschrie-\nbene und in den Soli dem alten Imitations-Stil huldigende Matjni-\nficat von B. Klein war vortrefflich studirt und ging sehr gut,\nkonnte aber bei der Trockenheit und dem Mangel an Schwung der\nComposition keinen erhebenden Eindruck machen und wurde durch\ndie Ausführungen von Hiller's „O weint um sie\" und von Men-\ndelssohns Psalm, „Wie der Hirsch schreit\", bedeutend in den\nHintergrund gt stellt.\nDie v i c r t e Soiree für K a m m e r m u s i k brachte ein Quartett\nvon J. II a y d n (G-dur) und eines von F. Schubert (D-moll\nwelches letztere ganz ausserordentlichen Beifall erhielt, und mit\nHecht; denn die herrliche Composition wurde von den Herren\nPixis, Derckum, Peters und Breuer, trotz des beengten\nRaumes, auf welchen sie physisch beschränkt waren, mit geistiger\nFreiheit aufgefasst und meisterhaft durchgeführt; der Vortrag der\n\n*)\" So oft Avir hier von Norddeutschen sprechen, meinen wir ganz\nspcciel die Propheten der Zukunfts-Musik in Weimar und\nLeipzig sammt ihrem jugendlichen Anhange."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7466, "texte": "wundervollen Variationen des Andanle verdient besondere Aus-\nzeichnung. Hiller erquickte uns durch Mo zart's Quintett für\nCiavier und Blas-Instrumentc und gab am Schlüsse des Abends\nvier kleine Solo-Stücke für Pianoforte von seiner Composition zum\nBesten (so viel wir wissen, neu), welche alle vier lebhaft beklitscht\nwurden. Uns sprachen jedoch die beiden Märsche Marcia giocosa\nund Marcia elegiaca weniger an, wogegen wir in dem Capriccieilo\nund dem Impromptu ein originelles Leben, und namentlich bei\ndem letzten auch eine ausserordentliche Virtuosität des Spiels be-\nwunderten. Die beliebte Aufstellung ist in einem Saale, der we-\nder ein Quadrat noch eine Rotunde bildet, weder akustisch gerecht-\nfertigt, noch bequem für die Spieler.\nIn einer der letzten Versammlungen der musiealisehen Gesell-\nschaft hörten wir ein Duo appassionalo für Piano und Violine von\nHill er, eine in der That leidenschaftlich bewegte Composition\nvoll Phantasie und Geist, von ihm selbst und dem Concertmeister\nH artmann ganz vorzüglich ausgeführt; ferner eine Sinfonie\nvon C. Rein ecke, ein frisches Werk, das einen bedeutenden\nFortschritt auf der Componisten-Laufbahn des wackeren Tonkünst-\nIcrs bekundet.\nBoim, 23. Januar. Am vergangenen Sonnabend hat hier\nFräulein Wilhelm ine Clauss ein Concert gegeben und die\nFreunde der Kunst durch ihre in mannigfacher Hinsicht bewun-\ndernswerthen Leistungen aufs höchste erfreut. Der ungewöhnliche\nRuf, welcher der jungen Dame vorausging, bewährte sich an ihrem\nSpiel aufs glänzendste. Zum Vortrage hatte Frl. Clauss das C-moll-\nTrio von Mendelssohn (unter Mitwirkung der Herren v. Wasielcwski\nund Reimers), ein Salonstück von Heller, Notturno von Chopin,\ndie D-moll-Sonate von Beethoven, Lied ohne Worte von Mendels-\nsohn und Schubert's Erlkönig gewählt. Alle diese die verschiede-\nnen Arten der Clavier-Musik repräsentirenden Musikstücke trug die\nKünstlerin mit vollendeter Technik und durchaus geistvoller Auf-\nfassung unter dem ungeteilten Beifallc der Zuhörerschaft vor, und\nman muss gestehen, dass sich in ihr die seltensten Talente, glück-\nlich entwickelt durch ernstes Studium, vereinigen.\nElberfeld, Der unternehmenden Thätigkeit des Herrn A.\nKüpper verdanken wir es, die gefeierte Künstlerin Frl. Wilh.\nClauss auch hier bewundert zu haben. Sie spielte am 13. und\n19. d. Mts. von grösseren Sachen das G- moll- Concert von Moschc-\nIcs und das Es-dur-Concert von Beethoven, von Salonstücken Meh-\nreres von Chopin, Mendelssohn, Stephen Heller und Liszt's Erl-\nkönig. Wenn bei dein Concert von Moscheies hier und da Kraft\nvermisst wurde, so entzückte sowohl Auffassung als Vortrag aller\nübrigen Stücke um so mehr. Namentlich erregte der „Erlkönig\"\nSturm von Beifall und wurde da capo gerufen, dem sich die junge\nVirtuosin denn auch freundlich fügte.\nDie „M use\", eine von C. Dräxler-Manfred in Darmstadt\nherausgegebene Wochenschrift, enthält in ihrer Nr. 3 vom 17. Ja-\nnuar d. J. die „Antwort eines alten Musikers aus Baden auf den\nBrief des Hof-Capellmeisters Dr. Liszt\", welcher in Hoplit's Po-\nsaune über das karlsruhcr Musikfest leider veröffentlicht worien\nist. Die Antwort geisselt die Aeusscrungen Liszt's, der sich offen-\nbar durch gereizte Empfindlichkeit zu ganz unverantwortlichen Be-\nhauptungen hat hinreissen lassen, zuweilen mit bitterer Ironie;\nz. B.: „Bisher wusste man in der That noch gar nicht, dass das\nWesen des Orchcsterspiels eben so im Vortrage beruht, wie das\nWesen aller Musik überhaupt. Man liess überall nur die Noten ab-\nspielen und schlug den Tact dazu. Wenn aber auch schon früher\neinem Capellmeister Aehnliches eingefallen wäre, so boten doch die\nWerke von Ilaydn, Mozart, Beethoven, Weber, Spohr, Mendels-\nsohn u. s. w. u. s. w. zu wenig Gelegenheit zu „„richtiger Beto-\nnunguu, zu „„verständlicher Rhythmisirung\"\", zum „„Phrasiren und\nDeclamiren\"\" en gros et en detail dar. Dazu mussten erst 11. Bcrlioz,\nRoh. Schumann und R. Wagner kommen, und dennoch ging das\nLicht erst im October 1853 zu Karlsruhe auf!\" U. s. w.\na,. M. Die Stadt hat der Theater-Unternehmung\nendlich eine jährliche Unterstützung von 15,000 Gulden bewilligt.\nS*rescleai, 18. Januar. Durch Wiedererweckung der Mozart'-\nschen Oper „Idomeneus\" hat sich die Direction unseres Theaters\nein schönes Verdienst erworben, das man ihr allgemein hoch an-\nrechnet und das ohne Zweifel von Seiten anderer Bühnen Nach-\neiferung finden wird. Das grossartige Tonwerk ist von so hinreis-\nsender Schönheit, von so wunderbarer Anmuth und entzückender\nFrische, dass man kaum begreift, wrarum sich nicht schon längst\nein Kenner classischer Musik gefunden, welcher der Oper den Weg\nauf die Bühne gebahnt, auf der sie, der Längen im Texte wegen,\nniemals heimisch gewesen. Nachdem sie im Januar 1781 zum er-\nsten Male in München mit dem ausscrordentlichsten Beifall in Scene\ngegangen, fand sie dennoch, mit Ausnahme einiger kaum erwäh-\nnenswerthen Versuche in Prag, Petersburg und Kassel, keine wei-\ntere Verbreitung. Dass aber die nun bereits über siebenzig Jahre\nalte Tondichtung noch für die Gegenwart alle geniale Fülle der\nJugend besitzt, davon hat die hiesige Aufführung ein glänzendes,\nunwiderlegliches Zcugniss abgelegt. Freilich ist diese Aufführung auch\nso vollendet, wie sie jetzt nur auf unserem Theater möglich, das nicht\nallein eine Ney und einen Tichatscheck, sondern alle Kräfte zur würdig-\nsten Besetzung die seinigen nennt. Mehrere Berliner äusserten mit\nRecht, der Gcnuss, den sie gehabt, sei noch eine grössere Reise werth,\nals von Berlin nach Dresden. Um so mehr verdient ausser dem\nCapellmeister Rcissiger auch der Ungenannte öffentliche Anerken-\nnung, welcher zu der Aufführung des „Idomeneus\" die thätigste\nAnregung gegeben und der auch der Verfasser einer kleinen Bro-\nschüre ist, welche als „Vorwort zur ersten Aufführung dieser Oper\nam königlichen Hoftheater zu Dresden\" den Separat-Abdruck eines\nin der Sächsischen Constitutioncllen Zeitung erschienenen Artikels\nenthält. Das Schriftchen ist nicht allein allen Musikfreunden, son-\ndern auch zunächst allen Thcater-Directionen zu empfehlen, welche\ndas Mozart'sche Werk zur Darstellung zu bringen gedenken.\n** fieipzig*. Herr Heinrich Ricci us, Mitglied der dres-\ndener Ilofcapelle, spielte im fünften Concerte der Eutcrpe ein\nViolin-Concert eigener Composition und eine Tarantella von F.\nSchubert mit allgemeinem Beifall, der sowohl der Virtuosität des\nSpiels (nur an Ton fehlte es, woran wohl das eben nicht vorzüg-\nliche Instrument schuld war) als dem Inhalt der Composition galt.\nLetztere unterschied sich von vielen unreifen Früchten einer ab-\nsonderlichen Richtung zum Auffallenden und Chaotischen auf sehr\nvortheilhafte Weise. Schubert's grosse C-dur-Sinfonie wurde\nschwungvoll ausgeführt.\nWagners Lohengrin ist vom 12. bis 20. d. Mts. dreimal\naufgeführt worden. Von einem durchschlagenden Erfolge war nichts\nzu spüren; die Partei schob das Ausbleiben desselben auf die Män-\ngel der Darstellung; mit Unrecht denn wenn auch Einzelnes\nnicht der Aufgabe entsprechend war, so wurde doch geleistet, was\nman von den Kräften eines Stadt-Theaters billiger Weise nur ver-\nlangen kann. Nächstens mehr darüber.\nDas Harmonium. Zwei Söhne des Chefs der Pianoforte-\nFabrik Schiedmai er und Söhne in Stuttgart haben ein Instru-\nment gebaut, welches die französische Orgue expressif nach Deutsch-\nland verpflanzt und verbessert haben, und sich auch vor der Phys-\nharmonica durch grösseren Reichthum an Klangfarbe und durch\npräcisere nnd schnellere Ansprache der Töne auszeichnen soll, wie-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5838, "texte": "wohl sein Mechanismus auf demselben Princip, dem Schwingen\nvon Metallzungen durch den Luftstrahl, beruht. Das Harmonium,\nso nennen es die Erfinder, hat Register, wie die Orgel, deren Zahl\nbis zu fünfundzwanzig gesteigert werden kann. Die gewöhnliche\nZahl derselben ist sechszehn bei sechszehn Fusston im Principal,\nworunter z. B. Bordun, Flöte, Clarinette, Oboe, Trompete, Vox\nhiimana u. s. w. Sie bestehen aus verschiedenen „Spielen\" oder\nZungenreihen, und den Unterschied ihrer Klangfarbe hervorgebracht\nzu haben, ist eben das Verdienst der Herren Schicdmaier. Der-\ngleichen Instrumente mit B—2o Registern liefern sie für 250—400\nGulden. Der zum Spiel nöthige Wind wird vom Spieler selbst\ndurch einen sehr bequemen Mechanismus erzeugt.\nT|%rien. R. Willmers wird einen zweiten Cyklus von Con-\ncerten und von Soirees musicales für Kammer- (oder Salon-?) Mu-\nsik veranstalten. Leop. v. Mayer gibt sein erstes Conccrt den 5.\nFebruar. Frau Marlow bleibt an der Oper zu Wien auf fünf\nJahre mit jährlich 10,000 Fl. und drei Monaten Urlaub; die 6000 Fl.\nStrafe für den Contractbruch in Stuttgart zahlt sie aus eigenen\nMitteln.\nDas Repertoire des llof-Opern-Theaters von 1853 zeigt 29 Opern\nund 10 Ballets. Es erschienen Meyerbeer 30 mal (Prophet 13,\nHugenotten 9, Robert 8 mal), Donizetti 25, Mozart 17, Auber\n13, Beethoven 8 und Rossini 8 mal.\nV\nDas Comite für das eidgenössische Sängerfest in Win-\nterthur, wo eine Sängerhalle für 5000 Menschen gebaut werden\nsoll, hat den Beschluss gefasst, dass nur Compositionen schwei-\nzerischer oder in der Schweiz lebender Componisten zur\nAufführung kommen sollen. Sehr patriotisch! Wir werden also\nkünftig schweizerische, badische, baierischc, liechtenstein'sche Mu-\nsik etc. haben. Hat das Comite denn auch wohl daran gedacht, dass\nohne die Compositionen der in der Schweiz lebenden deutschen\nComponisten das patriotische Fest unmöglich sein würde und folg-\nlich die Ausschliesslichkeit mit jenem Zusätze eine Lächer-\nlichkeit ist ?\nDer Violinist Camillo Sivori bereist diesen Winter sein\nVaterland Italien und macht als Paganini 11. Furore.\nliiitticli« Aug. Dupont, Professor des Ciavierspiels am Con-\nservatorium zu Brüssel, hat hier in einem Concerte für die Armen\neine Fantaisie clramatique für Piano und Orchester und eine Phan-\ntasie über Motive aus Robert dem Teufel, beide von seiner Com-\nposition, mit grossem Beifalle gespielt. Eben so Leonard sein drit-\ntes Concert für die Violine und eine neue Composition, Los Echos,\neine elegische Schweizer-Sccne.\nArnlieim. In dem Berichte aus Holland in Nr. 1 Ihrer Zei-\ntung vom 7. Januar wird gesagt, dass Frau Dr. Schumann auch\nhier in Arnheim gespielt habe. Dies ist ein Irrthum. Die projec-\ntirte Soiree kam wegen allzu hoher Ansprüche nicht zu Stande.\nIhr u. s. w. W. T.\nParis. Die Italiäner leben von aufgefrischten Gerichten, unter\ndenen der Barbiere noch am meisten zieht. Die Alboni als Ita-\nliana in Algieri (worin ehemals H. Sontag eine der reizendsten Er-\nscheinungen war) ist eine wahre Satire auf Grazie und Beweglich-\nkeit. Weder Frl. Veith noch Hr. Dalle Aste sind bis jetzt zum\nAuftreten gekommen. Der famose Pianist Fumagalli ist aus\nItalien hieher zurückgekehrt.\nDie Proben von Meyerbeer's Etoile du Nord an der komi-\nschen Oper waren durch Krankheit der Sängerin Dlle. Lefebvre\nunterbrochen worden; jetzt hofft man jedoch bis zum 15. Februar\nfertig zu werden.\nEin zwölfjähriger Pianist, dem Namen nach ein Deutscher,\nTheodor Ritter, ist auf einmal in die hiesige Musikwelt wie\nvom Himmel gefallen. Die Zeitungen überbieten sich in seinem\nLobe; ob Reclame, ob Wahrheit? Nous verrons!\nHenriette Sontag ist Ende Deccmber v. J. nach den west-\nlichen und südlichen Staaten der Union abgereis't. Sic gedenkt\nüber Neu-Orlcans nach der II av a n n a h zu gehen und im Juni oder\nJuli nach Europa zurückzukehren.\nPreis-Ausschreiben. Die Sehl es inger'sche Buch- und\nMusikhandlung in Berlin hat drei Preise für die Composition von\nMärschen zum dienstlichen Gebrauche ausgesetzt, nämlich für:\n1) einen Dcfilir-Marsch für Infanterie-Musik fünfzehn\nDucaten;\n2) einen Parade-Marsch für Cavallcrie-Musik im langsa-\nmen Schritt zehn Ducaten;\n3) einen Defilir-Marsch für die Musikchöre der Füsilier-\nKläger-) Bataillone und Artillerie-Abtheilungen zu Fuss\nzehn Ducaten.\nDie Jnslrumental-Besetzung dieser Märsche wird folgender Maas-\nsen erfordert:\n1) Für Infanterie-Musik: 2 Piccolo-Flöten, 2 Oboen (oder\n2 Cornets ä piston), 2 Sopran-Cornets (oder 2 Flügelhörner), 2 Alt-\nCornets (oder 2 Alt-Flügelhörner), 2 Tenor-Horner (oder 2 Bass-\nFlügelhÖrner), 1 Baryton-Tuba (oder 1 Euphoneon), 1 Bass-Tuba,\n1 Piccolo-Clarinette, 2 Mittel-Clarinetten, 2 grosse Clarinetten (vier-\nfach besetzt), 2 Fagotts, 4 Contra-Bässe (Harmonie-Bässe, Bass-Tu-\nba's oder Bombardons), 4 Waldhorner ad lib., 4 Trompeten (jede\nzweifach besetzt), 2 Tenor-Posaunen, 2 Bass-Posauncn und die üb-\nlichen Schlag-Instrumente: kleine und grosse Trommel, Becken,\nTriangel oder Glockenspiel.\nNB. Die eingeklammerten Instrumente führen diesen Namen in\nder österreichischen und russischen Militär-Musik.\n2) Für Cavallerie-Musik: 1 Piccolo-Cornet, 2 Sopran-Cor-\nnets, 2 Alt-Cornets, 2 Tenor-Hörner, 1 Baryton-Tuba, 4 Trompeten\n(jede doppelt besetzt), 3 Bass-Tuba's (1 la, 2 IIa) und Pauken.\n3) Für Horn-Musik: 1 Piccolo-Cornet, 2 Sopran-Cornets, 2\nAlt-Cornets, 2 Tenor-Hörner, 1 Baryton-Tuba, 2 Trompeten, 4 Bass-\nTubas (2 Ia und 2 IIa).\nSehr wünschenswerth wäre es, wenn die Märsche in den B-\nTonarten geschrieben würden.\nDie Einlieferung der Preis-Compositionen (in Partitur, Stimmen-\nund Clavier-Auszug) geschieht versiegelt, mit einem Motto versehen,\nnebst versiegelter Adresse, worin Namen, Stand, Wrohnort nebst\nMotto angegeben ist, bis Ende September 1854, per Post franco,\nauch durch Buchhändler-Gelegenheit per Adresse der Schlesinger'-\nschen Buch- und Musikhandlung in Berlin."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.1", "texte": "Pariser Briefe.\n\n[Betly, Elisabeth, zwei Opern von Donizetti Con-\ncerte Sophie Cruvelli.]\nDie letzten Tage des vergangenen Jahres haben uns\nnoch zwei alte Neuigkeiten im Fache der Oper gebracht.\nAlt sind sie in so fern, als sie aus den Jahren 1826—1836\nherrühren und Kinder der Muse Donizetti's sind; neu,\nweil sie hier noch nicht zur Aufführung gekommen.\nBetly ist eine Partitur, welche Donizetti im Jahre\n1836 für das Teatro Nuovoin Neapel schrieb, auf wel-\nchem die Opern der leichteren Gattung gegeben werden,\nwährend San Carlo den ernsten und heroischen Stoffen\nvorbehalten bleibt. Ob sie damals Glück gemacht oder\nnicht, weiss ich nicht. Gewiss ist es aber, dass hier Nie-\nmand von ihrem Dasein etwas wusste, bis es der Direction\nder grossen Oper einfiel, diesen geträumten Juwel auszu-\ngraben. Das Publicum verlangt Neues; zu Spectakel-\nOpern wollen sich entweder Meyerbeer und Auber und\nIlalevy nicht mehr hergeben, oder Scribe hat erklärt, er\nsei an neuen Ideen für Maschinerie und Decoration banke-\nrott, seitdem „ Der verlorene Sohn\" und „ Der ewige Jude\"\ndas Morgen- und Abendland, den Himmel und die Hölle\nbis auf die Neige ausgebeutet haben. Was also thun ? Einen\nComponisten von Kunstwerken der Zukunft hat Frankreich\nnoch nicht, darum frisch in die Vergangenheit zurückge-\ngriffen !\nGut solch eine Reaction thut wahrlich noth\naber, o weh! wie ungeschickt war der erste Griff! Dass ein\nberühmter Dichter oder Tonsetzer einmal etwas Mittel-\nmässiges oder ganz Verfehltes schreibt, begreift man; aber\ndass der hohe Rath einer kaiserlichen Akademie der Musik\ndie Grube wieder öffnet, in welche das Publicum die Fehl-\ngeburt bereits vor zwanzig Jahren versenkt hat, das gehört\nzu den unbegreiflichen Dingen. Nun kommt noch dazu, dass\ndie Handlung dieser Oper ganz dieselbe ist, wie in der ko-\nmischen Oper Le Chalet („Die Alpenhütte\"), einem der\nbeliebtesten Werke von Adam und Scribe. Um nun Herrn\nScribe nicht an seinem Autor-Rechte zu kränken der\neigentliche Autor dürfte übrigens ein gewisser Göthe in\nJery und Bätely sein —, musste der Donizetti'schen Musik\nein neuer Text untergelegt werden; dazu fand sich ein\nDichter, Herr Hippolyte Lucas, der die Schweizer-Idylle auf\nden Boden der Provence verpflanzte, und ein musikkundi-\nger Arrangeur kein anderer als Herr Adam selbst,\ndenn nicht nur „Zeit\", sondern auch „Noten sind Geld*\n—, der einige Schnitte und Flicke anbrachte und hier und\nda neues Futter in den alten Schlafrock setzte. Auch eine\nOuvertüre schrieb er dazu, welche mit ihrem chromatischen\nLärm eine wahre Ironie auf den Inhalt der Oper ist. Diese\nselbst ist eines der schwächsten Werke Donizetti's; ausser\nden Anklängen und förmlichen Copieen aus dem\nd'amore und der Lucia ist Alles trivial und auf die gewöhn-\nlichste italiänische Manier zusammengeleiert. Schade um\ndie Nachtigallen-Kehle der Madame Bosio, dass sie in die-\nsem Käfich schmettert! Sie trug den lautesten Beifall da-\nvon, der aber das Ganze nicht vom tiefen Fall retten konnte.\nDas geschah am 27. December in der\nperiale, und vier Tage darauf, am 31. December, brachte\ndas Theatre lyrique eine „Elisabeth\", ebenfalls ein Stück\nvon Donize tti, diesmal aber aus seinem Nachlass und in\nso fern doch mit etwas mehr Berechtigung, weil noch nir-\ngends aufgeführt, also wenigstens in der Musik eine Neuig-\nkeit, wenn auch nicht im Text. Das Buch ist nämlich von\nden Herren Brunswick und de Leuven, namentlich in den\nzwei ersten Acten, ganz nach einem alten Melodrama von\nPixerecourt, „La Fille de l'exil gemodelt. Dieser hatte\nsein Stück aus dem Roman der Mad. Cottin gemacht, wel-\nche ihren Roman wiederum aus einer einfachen Erzählung\nvon Joseph de Maistre herausgesponnen. Den Inhalt bildet\ndie bekannte rührende Geschichte einer Tochter, welche\nunter tausend Drangsalen und Gefahren von Sibirien nach\nPetersburg wanderte, um vom Czaaren die Begnadigung\nihres Vaters zu erbitten. Das Drama Pixerecourt's, des\nVorgängers der Frau Birch-Pfeiffer in Deutschland, erlebte\nüber hundert Vorstellungen. Donizetti liess sich daraus einen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.2", "texte": "taliänischen Opern-Text machen oder machte ihn sich\nselbst zurecht (denn er war auch Dichter) und schrieb\nschon im Jahre 1827 in Neapel eine Partitur dazu; allein\nsie kam nicht zur Aufführung. Wesshalb nicht, davon\nschweigen die Annalen. In Paris wurde sie von Donizetti\nim Jahre 1840 für den damaligen Director der komischen\nOper, der es auch einmal mit italiänischen Sängern versu-\nchen wollte, zurecht gemacht, aber von diesem aus Mangel\nan Vertrauen auf den Erlolg wieder zurückgelegt. Es be-\ndurfte erst noch zweier Dichter und eines Componisten,\nals musicalischen ()rdners, des Herrn Fontana, Schülers Do-\nnizetti's, um die nochmals umgeknetete Pastete den Pari-\nsern als neues Gericht vorzusetzen. Habent sua fata libelli!\nUnd was ist die Moral aus allem diesem? Dass derlei-\nchen Ausstattungen des Alten die Arnauth der französi-\nschen Oper an tüchtigen Kräften für Poesie und Compo-\nsition beweisen, und dass es zwar sehr schön ist, dass in\nFrankreich Schriftsteller UIK\\ Componisten reich werden\nkönnen, aber traurig, dass sie sich fürs Geld zu Allem\nhergeben.\nUeber die Musik kann man nichts weiter sagen, als\ndass sie etwas besser als die Composition der Betly ist,\naber keineswegs die Bewunderung für Donizetti's Talent,\nselbst bei seinen Freunden, vergrössern wird. An die fast\neinstimmig lobenden Berichte der hiesigen Blätter, beson-\nders in den Feuilletons, muss man sich nicht kehren; wir\nwissen hier, wie es damit zugeht, und wer in den Artikeln\nmit grossen Namen, wie 11. Berlioz und Ad. Adam, zwi-\nschen den Zeilen zu lesen versteht, den werden auch diese\nnicht blenden. Man wird von einer Donizetti'schen Ouver-\nture nicht viel verlangen; die zur Elisabeth ist aber gar zu\ntrivial, wie denn überhaupt von Anfang bis zu Ende der\nOper nichts Neues und nichts Edles zu finden ist, und nur\nsehr schwache Keime von dem Talente des Meisters, wie\nes sich in späteren Arbeiten zeigte. Es ist dies übrigens\nauch ganz natürlich, da Donizetti's Ruf eigentlich erst im\nJahre 1831 mit der Aufführung der Anna Bolena in Mai-\nland durchschlug.\nDie Ausstattung bewies, dass das Thealre lyrique sein\nPublicum kennt und bereits für überraschende Decorations-\nund Maschinerie-EtTecte zu sorgen weiss. Das Anschwellen\neines Bergstromes (im zweiten Acte), der Einsturz der\nBrücke, welcher den Kosaken-Führer in den Wellen be-\ngräbt, das Steigen der Fluten, welche nach und nach die\nganze Scene überschwemmen, während Elisabeth zu einem\nKreuze auf einem Felsen emporklimmt und der Nachen mit\nihrem Retter von den Wogen verschlungen wird das\nist alles so täuschend, dass jeden Augenblick das schäu-\nmende Wasser sich über das Orchester hinweg auf uns\nlos zu wälzen und das Publicum mitsammt der Kritik zu\nersäufen droht. Man athmet auf, wenn der Vorhang fällt.\nSehr naiv sagt ein hiesiges Blatt und noch dazu ein musi-\ncalisch-kritisches: „Das ganze Ilaus war ergriffen von die-\nsem erschütternden Schauspiel, welches schon allein den\nErfolg des Drama's sichert!\" Es hat denn auch in der\nThat schon zehn Vorstellungen erlebt.\nDie Concerte des Conservatoire haben am 8. Januar\nwieder begonnen. Den Eingang machte die Ouvertüre und\ndie Introduclion zum Don Juan. Ein Duett für zwei Flö-\nten wie? im Conservatoire-Concert? Ja wohl; noch\ndazu eine Fantaisie ponr deiix fliiles (von L. Magnier)\nfolgte auf Mozart, und es schien fast, als ob die Virtuosität\nder Herren Dorus und Brunot dem sonst so ernsten Publi-\ncum, dass man es hier oft das deutsche nennt, willkom-\nmen wäre, um einmal recht aus vollem Herzen applaudiren\nzu können! Man gab uns ferner den Opfer-Marsch mit\nChor aus Spöntini's Vestalin, die Pastoral-Sinfonie von\nBeethoven und den Schluss-Chor des zweiten Theiles von\nHaydn's Schöpfung. An Programme, welche nach irgend\neinem Princip gewählt und geordnet wären, ist also auch\ndiesen Winter wieder nicht zu denken, und man muss sich\nmit der vollendeten technischen Ausführung begnügen, die\nindess dieses Mal in der Sinfonie auch nicht ganz ohne\nMakel war.\nNoch in den Schluss des December fiel die Eröffnung\nder Concerte der Societe des jeunes Arlisles, eines musica-\nlischen Instituts, welches sich zum Zwecke gesetzt, die jün-\ngeren Künstler von Paris zu orchestralen Leistungen heran-\nzuziehen und den jungen Virtuosen, denen es so schwer\nfällt, zu eigenen Concerten zu gelangen, Gelegenheit zu\ngeben, sich Bahn zu brechen. Die Gesellschaft besteht jetzt\nim zweiten Jahre. Sie bietet das jedenfalls merkwürdige,\nwenn vielleicht von höheren Gesichtspuncten aus auch\ngerade nicht erfreuliche, Schauspiel der Frühreife des gegen-\nwärtigen Geschlechts dar; denn die Künstler, welche hier\ndie Werke unserer grossen Meister wiedergeben, sind gröss-\ntentheils sehr jung, zu jung, zum Theil fast kaum den Kna-\nbenjahren entwachsen. Sie führten Weber's Oberon-Ouver-\nture, ein Bruchstück aus einer Sinfonie von Lacombe und\nBeethoven's C-moll-S'miome auf; die Ouvertüre ging vor-\ntrefflich, und hier wie auch in der Beethoven'schen Sinfonie\nwar namentlich Ton und Zusammenspiel der Blas-Instru-\nmente bewundernswerth, während allerdings die Saiten-\nInstrumente, besonders die Celli und Contrabässe, viel an"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.3", "texte": "Egalität zu wünschen übrig Hessen. Ein Violinist, Namens\nViault, etwa 15 —l6 Jahre alt, spielte ein Concert von\nAlard mit wohlverdientem Beifall. Dirigent dieses jungen\nOrchesters ist Pa s d e1 o u p.\nDas erste Concert der Soc fand am 13.\nJanuar Statt. Die Auflührungen leitet Seghers, wie in\nden vorigen Jahren. Es brachte Mendelssohn s Ouvertüre\n„Die schöne Melusine\", die sechste Scene (Recitativ, Chor,\nMarsch und Arie) aus Mozart's Idomeneo, die 38. Sinfonie\nD-moll) von Haydn (anmuthig, elegant und frisch wieder-\ngegeben), Cherubini's Inclina Domine aurem tuam und die\ngrosse Leonoren-Ouverture von Beethoven.\nBesucht man auch die zwei Cirkel für Kammer-\nmusik, an deren Spitze Alard und Maurin stehen, so\nhat man Gelegenheit genug, gute Musik zu hören. Das\nAlard'sehe Quartett besteht im siebenten Jahre, hat\nsich aber jetzt den jungen Pianisten Francis Plante zuge-\nsellt, der mit Mozart's Sonate für Piano und Violine in\nA-dur auftrat; ausserdem hörten wir Haydn (B-dur)t Beet-\nhoven Nr. 10 (Es-dur)und Mozart's Quintett in\nMaurin und seine Genossen hatten vor zwei Jahren\ndie Kühnheit, einen Quartett-Cirkel ausschliesslich für die\nAufführung der Beethoven'schen Werke aus der letzten\nPeriode seines Schaffens zu gründen. Sie haben dieses aristo-\nkratische Princip zwei Winter hindurch festgehalten, gegen-\nwärtig jedoch sich bequemt, auch anderen Componisten die\nPforten zu öffnen, und, da es einmal ohne Ciavier nicht\ngeht, die Pianistin Louise Mattmann in ihren Verein gezo-\ngen. So enthielt denn ihre erste Sitzung Mendelssohn's Cla-\nvier-Trio in C-moll,Mozart's Violin-Quartett in eine\nSonate von Mozart in E-mollfür Piano und Violine und\nzum Schluss das grosse pathetische Drama für vier Streich-\nInstrumente von Beethoven, Op. 132, in A-moll.\nZuletzt denn von dem grössten Ereigniss des Tages,\nworüber man das wilde schwarze Meer und die zahmen\nFlotten vergisst: von dem Auftreten der Sophie Cru-\nvelli als Valentine in den Hugenotten. Wahrlich, sie hatte\neinen schweren Stand. Die Banquiers sagten: „Hundert-\ntausend Francs werden sich die rentiren?\" Die lang-\njährigen Abonnenten der grossen Oper waren auf dem\nPosten, um jeden Ton, jede Note, jede Stellung, jede Be-\nwegung, jede Miene nach den Registern zu controliren,\nwelche sie sich zur Zeit der Falcon über die Darstellung\nder Valentine angelegt haben. Die Musiker zweifelten, ob\neine Prima Donna der italiänischen Oper die grossartige\nSchöpfung Meyerbeer's je richtig auffassen könne. Die Gram-\nmatiker lauerten auf den deutschen Accent. Der Neid end-\nlich doch still! den kennt man ja unter Künstlern nicht.\nAber der Genius der Kunst nahm die kühne Deutsche auf\nseine Schwingen und trug sie über alles das hinweg zu\neinem bisher fast unerhörten Triumphe.\nSophie Cruvelli konnte und wollte sich selbst nicht\nverläugnen, sie verschmähte alle Tradition; ihre Künstler-\nseele duldet kein Joch und keine Fessel, sie kann nur in\nder Freiheit athmen. Mit der glanzvollen, kräftigen und\ndoch wieder so weichen und biegsamen Stimme, deren na-\ntürliche Geläufigkeit durch eine, wenn auch nicht vollkom-\nmene, doch jedenfalls treffliche Schule gebildet ist, mit dem\nausdauerndsten Athem, dem wunderbaren Umfange, der nie\nwankenden Reinheit der Intonation würde sie als Sängerin\nallein schon entzücken, wenn nicht ihre gleichzeitige Grösse\nals tragische darstellende Künstlerin sie zur unwidersteh-\nlichen Beherrscherin des Publicums machte. Gleich nach\nihren ersten Gesang-Phrasen war ihr Erfolg entschieden;\nim Duett mit Marcel wuchs die Begeisterung für sie und\nbrach im vierten Acte in so kolossalem Maassstabe aus,\ndass auch die kälteste Natur mit fortgerissen wurde. Es\nregnete förmlich Blumen schon nach der Romanze im vier-\nten Acte, welche sonst weggelassen wird und in welcher\nsie eine wunderbare Tonfülle und bezaubernde Technik\nentwickelte; die ganze Vorderscene war mit Sträussen und\nKränzen wie von einer Lawine überschüttet, und wenn\nnicht die Regie so weise gewesen wäre, durch zwei Diener\naus St. Bri's Gefolge aufräumen zu lassen, so hätte die Ver-\nschwörung zur blutigen Bartholomäus-Nacht auf Rosen und\nCamelien begonnen. Der Eindruck der grossen Scene mit\nRaoul war in Gesang und Spiel ein überwältigender. Die\nCruvelli war in der letzten Zeit ihrer Anstellung an der\nitaliänischen Oper nach meinem Urtheile dessen Du\nDich aus meinen damaligen Briefen erinnern wirst in\ngrosser Gefahr, in eine Uebertreibung der Contraste des\nAusdrucks zu verfallen, welche Manier zu werden drohte;\nes scheint, als habe sie diese Gefahr überwunden, wozu\nman ihr nur Glück zu wünschen hätte; in der Valentine\nhält sie überall Maass, und doch macht ihre Leistung mehr\nden Eindruck einer von der Begeisterung des Augenblickes\nund der Leidenschaft ins Leben gerufenen Darstellung, als\nden einer durch das Studium der Kunstregeln zur Vollen-\ndung gebrachten. Daher aber auch das plötzlich Ergreifende,\ndas Hinreissende derselben, das uns gar nicht zum Abwä-\ngen und Abmessen kommen lässt. Ihre Costume waren\nhöchst geschmackvoll und (namentlich im dritten Acte) von\nfürstlicher Pracht, und das Französische spricht sie voll-\nkommen rein aus, so dass auch nicht der leiseste Tadel des"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.4", "texte": "in diesem Puncte sehr schwer zu befriedigenden Publicums\ndarüber laut wurde.\n\nB. P.\n\nLouis Lacombe.\n\nLacombe gehört zu den ausgezeichnetsten Pianisten\nin Paris und geniesst auch als Componist eines bedeuten-\nden Rufes in Frankreich. In Deutschland ist er weniger\nbekannt, wiewohl er es in seinen jüngeren Jahren durch-\nreis't und damals schon als Ciavierspieler Aufsehen ge-\nmacht hat*).\nLouis Lacombe ist zu Bourges im Jahre 1818 gebo-\nren. Sein Vater war nicht musicalisch, aber seine Mutter\nspielte Ciavier. Eines Abends sass der kaum vierjährige\nKnabe in einem Wmkel des Zimmers, während sein Vater\nund sein Grossvater Schach spielten. Dabei klopfte der Va-\nter mit den Fingern den Rhythmus einiger Chansons auf\nden Tisch, deren Melodie der Grossvater rathen musste.\nDa kam eine vor, die der Alte nicht heraushören konnte.\nAuf einmal läuft der kleine Knabe auf die Beiden zu und\nsingt die Melodie: Au clair de Es war die richtige.\nDer Vater klopft Marlb'rough s'en va-t-en guerre; das Kind\nsingt es auf der Stelle. Der Alte kramt sein ganzes Reper-\ntoire aus; der kleine Louis, der dieses Familien-Repertoire\nauswendig konnte, trifft jedesmal den Nagel auf den Kopf.\nKurze Zeit nachher kam ein damals berühmter Opern-\nsänger, Lavigne, nach Bourges, um Concerte zu geben.\nEr bat Frau Lacombe, ihn zu begleiten, und probirte mit\nihr in ihrem Hause. Es war des Abends, und Louis lag im\nNebenzimmer in seinem Bettchen. Aber bei den ersten Tö-\nnen des Sängers erwachte er, setzte sich aufrecht und\nschlich am Ende aus dem Bette nach der Thür, um desto\nbesser zu hören. Er erkältete sich, lag mehrere Monate\nkrank, und so wie er wieder aus dem Bette war, summte\ner die Romanzen, welche Lavigne jenen Abend probirt\nhatte.\nNun fing die Mutter an, ihn auf dem Ciavier zu unter-\nrichten. Sechs Jahre alt, spielte er zum ersten Male öffent-\nlich im Theater zum Besten von Abgebrannten, und zwar\nein Notturno von Bochsa für Piano und Violine. Die Violine\nspielte ein Dilettant, der es weder mit dem Tempo noch\nmit dem Tacte sehr gewissenhaft nahm. Wer ihm aber\nstets nachgab und das Duo zusammenhielt, war der kleine\nLouis. Das brachte ihm, da es von Allen bemerkt wurde,\nreichen Beifall und Blumenspenden ein, und als er hinter\nden Coulissen in die Arme seiner Mutter eilte, fiel er vor\nFreude in Ohnmacht.\nNach einer Krankheit, während welcher er ein ganzes\nJahr lang das Piano nicht anrühren durfte, begann er, als\ner zum ersten Male sich wieder daran setzte, zu phanta-\nsiren. Seine Phantasie war ein Dankgebet, und seitdem\nentwickelte sich bei ihm ein ausserordentliches Talent für\ndie musicalische Improvisation, welches ihn auch nie wieder\nverlassen hat.\nAls er das eilfte Jahr erreicht hatte, hrachten ihn seine\nEltern zur Aufnahme-Prüfung auf das Conservatorium nach\nParis. Nach dem Spiel der ersten Seite des Probestückes\nrief Cherubini: Genug, genug! und Lacombe kam zu Zim-\nmerman in die erste Classe. Am Ende des Jahres setzte\nihn sein Lehrer auf die Liste der Preisbewerber. „Das ist\nmir doch etwas zu stark,\" sagte Cherubini, „ich\nwill Keinen in den Windeln gekrönt wissen!\" Im folgen-\nden Jahre jedoch liess sich nichts dagegen thun, und La-\ncombe erschien vor dem musicalischen Areopagus und\nspielte das erste Allegro von Hummel's A-moll-Concert.\nIn dem Stücke, das zum Vomblattspielen vorgelegt wurde,\nverwandelte er augenblicklich die Octaven-Passagen, die er\nmit den kleinen Fingern nicht greifen konnte, in Terzen-\nund Sexten-Gänge. Liszt und Zimmerman konnten sich\nnicht enthalten, ihn zu umarmen, und er erhielt einstimmig\nden ersten Preis.\nSein Vater war indess gestorben. Mit Mutter und\nSchwester trat er eine Kunstreise an durch Frankreich,\nBelgien und Deutschland. Er wurde bewundert, man trug\nihn auf Händen, aber er machte kein Geld. In Töplitz lös'te\nihn der König von Preussen aus nach Wien kam er mit\nzwei Gulden in der Tasche— in Ungarn hielt ihn eine Ueber-\nschwemmung in einem kleinen Orte fest, wo er die erste\nIdee zu seiner Sinfonie Arvafasste und täglich sechszehn\nStunden arbeitete und spielte, meist bei trockenem Brode\nund Wasser.\nEndlich kam er wieder durch es ging ihm besser.\nAber in Frankfurt am Main war er schon wieder soweit, dass\ner seiner Wirthin einige Ringe und eine schöne goldene\nKette, ein Geschenk der Grossherzogin von Baden, zum\nPfände für seine und seiner Mutter und Schwester Zeche\nanbieten musste. Die brave Frau nahm das aber nicht an.\nLacombe wandelte trübsinnig durch die Strassen, da er sei-\nner Wirthin an Gesinnung nicht nachstehen und keineswegs\n\n*) Erst kürzlich, am 19. Januar, ist er in Leipzig auf Einla-\ndung des Vorstandes der Gewand haus-Concerte wieder aufgetreten\nund hat ausser einigen glänzenden Salonstücken von seiner Com-\nposition Webers Concertstück mit ausserordentlichem Beifalle\ngespielt."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.5", "texte": "ohne zu bezahlen abreisen wollte. Da klopft ihm ein Be-\nkannter, ein Franzose, Namens Goudchaux, auf die Schulter,\npresst ihm die Ursache seiner Melancholie ab und hilft ihm\nmit 600 Francs aus dem Gebiete der Ireien Stadt hinaus\nund auf den Postwagen nach Metz.\nNeues Unglück in Metz: alle Plätze in der Postkutsche\nnach Paris sind auf acht Tage vergeben! Was nun anfan-\ngen? Lacombe schlendert durch die Strassen, lies't die Schil-\ncs\nder und bleibt vor einem stehen, das die Aufschrift trägt:\n„Baumann; Piano's zu Kauf und Miethe.\" Da leuchtet\nihm ein Stern der Hoffnung. Er geht ins Haus, und eine\nartige Dame führt ihn in den Saal. Herr Baumann tritt bald\ndarauf ein, öffnet dem jungen Manne drei Piano's zur Ansicht\nund legt sich ins offene Fenster, wie einer, der gewohnt ist,\ndie Käufer und ihr musicalisches Radebrechen nicht zu stören.\nWarte! dachte Lacombe, du sollst dich schon umdrehen!\nund begann eine Sonate von seiner Composition.\nHerr Baumann wird aufmerksam und nähert sich. Der\njunge Künstler beginnt das Finale der Sonate und lässt sei-\nnem ganzen Talente die Zügel schiessen.\nUeberraschung Verständigung über Namen u. s. w.\nfolgen.\nSie werden ohne Zweifel ein Concert in Metz geben?\nIch glaube kaum, antwortete der Künstler mit so viel\nkaltem Blute, als möglich.\nAh, Sie kommen ohne das nicht aus der Stadt!\nDas ist leider sehr wahr! dachte Lacombe bei sich\nselbst.\nKurz ich will ein Concert! Thun Sie mir den\nGefallen, heute bei mir zu speisen; ich lade einige\nFreunde, auch den Theater-Director, ein, und die Sache\nist so gut wie abgemacht.\nLacombe gab zwei Concerte, die ihn reichlich in Stand\nsetzten, mit seiner Familie nach Paris zurückzureisen.\nAber das war nicht das einzige Gute, was er dem lo-\nthringischen Lande schuldete; es führte ihm auch bald darauf\neine edle Gattin zu, welche durch ihr unabhängiges Ver-\nmögen seine Künstler-Laufbahn sicher stellte. Es gibt einen\nGott für die Künstler, und das Frauenherz ist sein Prophet.\nVon den Compositionen Lacombe's haben viele Salon-\nstücke grosses Glück gemacht; von grösseren Werken\nschätzt man in Frankreich seine zwei Clavier-Trio's, beson-\nders das in D-moll, ein Quintett in Fis-dur und die zwei\nSinfonieen „Arva\" und „Manfred\". Ein Theil der franzö-\nsischen Kritik wirft ihm in Bezug auf diese Orchesterwerke\nvor, zu sehr nach deutschen Vorbildern gearbeitet zu ha-\nben, während ein anderer Theil behauptet, dass die von\nihm eingeschlagene Richtung das einzige Mittel sei, die In-\nstrumental-Musik der Franzosen auf die Höhe der deut-\nschen Tonkunst zu bringen.\n\nP. Chevalier.\n\nDie Opposition Süddeutschlands\n\nmuss den Vertretern der Zukunfts-Musik ein gewaltiger\nDorn im Auge sein, da sie sich so ganz absonderlich dar-\nüber geberden. Dieser Dorn, wie tief muss er sitzen, wie\nsehr muss er schmerzen, da er sie zu wahrhaft verzweif-\nlungsvollem Toben bringt! Gar absonderlich stürmt Einer\ndieser Unglücklichen auf uns arme Süddeutsche ein; sein\nWüthen, es könnte fürchterlich erscheinen, wenn es nicht\ngar zu lächerlich wäre. Der arme Herr Peltast! Wie gross\nmuss sein Aerger gewesen sein! wie muss ihm derselbe\ndas Blut zu Kopfe getrieben und seine Augen verdunkelt\nhaben, bis er in ohnmächtigem Grimm seine papierne Keule\nschwang und damit loshieb wie weiland Don Quixote, ohne\nzu sehen, wohin seine hohlen Streiche eigentlich fielen!\nWoher kommt wohl diese ungemessene Wuth auf\nuns Süddeutsche ? von wo aus datirt sich dieser ungeheure\nZorn, der sich mit Einem Male in einem Strome von\nSchmähungen auf uns ergiesst?\nDas karlsruher Musikfest —• das ist der böse,, böse\nDorn, der im Auge steckt, und, ach, so tief, so schmerzlich!\nInniges Bedauern ergreift uns Süddeutsche, mögen wir\nsonst auch noch so sehr in „Stumpfheit des Gelühls\" ver-\nsunken sein, sehen wir sie leiden, die „intelligenten\" Ver-\ntreter norddeutscher Zukunfts-Musik; sehen wir, wie nur\ntiefer und tiefer sich dieser böse Dorn ins Auge gräbt, je\nmehr sie sich bestreben, ihn zu entfernen — ihn, den\nBringer so vieler Schmerzen, ihn, den Vernichter so glor-\nreicher Erwartungen.\nDas karlsruher Musikfest — wie schön war das ein-\ngeleitet, wie herrlich Alles vorbereitet, wie planmässig Alles\ngeordnet, um mit Einem Schlage uns Süddeutsche zu ge-\nwinnen für das Kunstwerk der Zukunft! So sicher war\nman des glücklichen Gelingens, dass Alles auf diesen Einen\nWurf gesetzt wurde. Nun, da er misslungen, gerathen die\nVäter des Kunstwerkes der Zukunft in ein Wüthen, das\ngar ergötzlich mit anzusehen ist. Ganze Meere von Dinte\nwurden vergossen, um das Schifflein der Zukunfts-Musik\nwieder flott zu bringen, das der Steuermann selbst aus Un-\nkenntniss des Fahrwassers stranden machte. Doch, ach! das\nSchifflein hatte einen Leck bekommen, der es ganz und gar\nuntauglich machte zu einer Weiterfahrt auf offenem Meere,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.6", "texte": "*\nes musste zurückgebracht werden in den schützenden Hafen\nWeimars, um auf den Werften Leipzigs nach Kräften wie-\nder ausgebessert zu werden. Bei dieser mühevollen Beschäf-\ntigung wird nun gar übel mitgenommen das trügerisch\nfalsche Meer, der Schauplatz dieses so ganz unerwarteten\nUnfalls. In den blühendsten Metaphern eines kunstphiloso-\nphischen Galimathias schreiben sie Broschüren über Broschü-\nren, des Schiffleins Leck damit zu stopfen. Selbst der\nSteuermann sucht sich zu rechtfertigen und beweis't, dass\nein Dirigent kein Ruderknecht sein dürfe. uns „ stumpf-\nsinnigen Süddeutschen\" solch hoher Intelligenz gegenüber\neine Bemerkung erlaubt, so würden wir hinzulügen, ein Diri-\ngent dürfe auch nicht bald eine Salzsäule, bald eine Wind-\nmühle sein. Doch wollen wir uns auch hierin gern beschei-\nden und erst „ ein belehrendes Entgegenkommen der Nord-\ndeutschen\" abwarten; „im Voraus documentiren\" wir den\n„besten Willen, uns belehren zu lassen, Belehrung aufzu-\nnehmen\", nur bitten wir um Nachsicht, falls uns diese\nBelehrungen durch ihren zu hohen Flug unbegreiflich er-\nscheinen sollten. Wir „Collectiv-Schwaben\", bei denen das\n„wichtige Ereigniss einer glücklichen Ueberschreitung des\nachten Lustrums\" noch nicht „eingetreten\" ist, müssen\nleider verzichten auf Verstandes- und Gefühls-Intelligenz\nder Norddeutschen*); aber nicht wollen wir verzichten auf\neigene Anschauungs- und Gefühlsweise, um gleich ihnen\nnur nachzubeten und in tiefster Unterwürfigkeit hinzuneh-\nmen, was von den Propheten des grossen Baal geboten\nwird. Baal mag ein grosser Götze sein, würdig eines fort-\nwährenden Beräucherns allein erst thue er Wunder,\nwie unsere alten Götter sie gethan, und wir glauben dann\ngern an ihn. Bis jetzt aber hat Baal noch kein Wunder\ngethan, so sehr seine Propheten auch weissagten von Zei-\nchen und Wundern, die Baal bei seinem grossen Feste in\nKarlsruhe thun würde; und desshalb halten wir Schwaben\ntreu unsere alten Götter in Ehren und wollen ihren gehei-\nligten Tempel nicht entweihen durch Errichtung eines\nOpfer-Altars für den Götzen Baal, das Kunstwerk der Zu-\nkunft genannt.\n\nJ. B.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Das Theater brachte als Neuigkeit Nicolai s „Lustige\nWeiber von Windsor\". Die Oper fand weniger Beifall, als die Mu-\nsik derselben verdient. Es lag das hauptsächlich an der Handlung.\nObgleich unser Publicum viel Sinn für carnevalistische Possen hat,\nso war ihm doch dieser so genannte Shakespearc'sche Ilurnor zu\nderb und durch die ewige Wiederholung derselben Situationen\nlangweilig. Der eigentliche Humor ist aber auch freilich aus der\nMosenthal'schcn Bearbeitung des Lustspiels als Oper verschwunden\nund musste verschwinden, da er nicht so sehr auf komischen Si-\ntuationen, welche (für uns und unsere Sitten wenigstens) doch gar\nzu plump sind, als auf dem witzigen, launigen und stets sehr le-\nbendigen Dialog beruht. Dieser musste geopfert werden; wozu\naber noch Dinge, wie die durchaus widrige Saufsccne, welche im\nOriginal gar nicht vorkommt, hinein bringen? Die Musik hatte die\nschwere Aufgabe, die Laune und den Geist des Dialogs zu ersetzen.\nDas ist ihr nur theilweise gelungen, trotzdem, dass sie zu denen\ngehört, welche nicht bloss für den grossen Haufen, sondern auch\nzugleich für den Genuss des Musikers geschrieben sind. Sie enthält\nMusikstücke von hübscher Erfindung und kunstvollem Bau, bei\nwelchem nur das zu tadeln sein dürfte, dass die Detail-Arbeit und\ndas Streben, durch dieselbe zu reizen und zu glänzen, zu sichtbar\nhervortritt und zu Missgriffen verleitet, wie z. B. die Cadenz in\ndem Duett von Fenton und Anna mit obligater Violine. Um gerecht\nzu sein, dürfen wir aber auch nicht verschweigen, dass diese Detail-\nArbeit oft sehr gelungen und wirklich reizend ist und ein besonderes\nTalent des Componisten für melodiöse Instrumentirung bekundet.\nUns* hat die Musik des ersten Actes am meisten angesprochen, zu-\nmal da die beiden Frauen in Frau Schmidt-Kellberg und Frl.\nMarschalk sehr gut vertreten waren. Ein ausgezeichnetes Stück\nist das Intermezzo des Orchesters zu der Mondschein-Scene im\ndritten Acte. Auch an Komik fehlte es Nicolai nicht, wofür das\nDuett im zweiten Acte zwischen Falstaff und dem eifersüchtigen\nFluth spricht, das nur etwas lebendiger und bewegter hätte wie-\ndergegeben werden müssen. Im Ganzen aber ist die Neigung zu\ngefälligen, populären Mclodicen zu vorherrschend, und es man-\ngelt bei allem Talente an der Kraft, diesen Hang durch geniale\nErfindung zu befriedigen.\nAm 23. d. Mts. hatte der k. Musik-Director F. Weber eine\nöffentliche Versammlung der von ihm geleiteten Sing- Aka demi e\nim grossen Casinosaale veranstaltet, in welcher dieses Institut sei-\nnen wohlverdienten Ruf bewährte und uns wiederholt die Ueber-\nzeugung gab, dass es die festeste Stütze unseres Concert-Chors bil-\ndet. Vorzüglich schön wurden Mich. Haydn's Tenebrae faclae sunt\nund ein kurzer religiöser Gesang, „Du Hirtc Israels\", von Bort-\nnianski a Capella gesungen. Es folgten aus Mendelssohn's\nElias die Tenor-Soli Nr. 3 und 4 und der Chor Nr. 5, darauf Nr.\n0 und 7 (das Doppel-Quartett in G-clur) und aus dem zweiten\nTheile Nr. 27—29 (Terzett der Engel und Chor in D-dur). Wir\nhörten einige sehr wohllautende Frauenstimmen, überhaupt sprach\nder Vortrag der sämmtlichen Soli sehr an, während bei den Chö-\nren, namentlich dem breiten Grave von Nr. 5, der Mangel des Or-\nchesters, den gerade bei Mendelssohn's Paulus und Elias das Cia-\nvier auch nicht einmal annähernd ersetzen kann, zu fühlbar erschien.\nDas grosse, mit gewaltigem contrapunktischem Aufwand geschrie-\nbene und in den Soli dem alten Imitations-Stil huldigende Matjni-\nficat von B. Klein war vortrefflich studirt und ging sehr gut,\nkonnte aber bei der Trockenheit und dem Mangel an Schwung der\nComposition keinen erhebenden Eindruck machen und wurde durch\ndie Ausführungen von Hiller's „O weint um sie\" und von Men-\ndelssohns Psalm, „Wie der Hirsch schreit\", bedeutend in den\nHintergrund gt stellt.\nDie v i c r t e Soiree für K a m m e r m u s i k brachte ein Quartett\nvon J. II a y d n (G-dur) und eines von F. Schubert (D-moll\nwelches letztere ganz ausserordentlichen Beifall erhielt, und mit\nHecht; denn die herrliche Composition wurde von den Herren\nPixis, Derckum, Peters und Breuer, trotz des beengten\nRaumes, auf welchen sie physisch beschränkt waren, mit geistiger\nFreiheit aufgefasst und meisterhaft durchgeführt; der Vortrag der\n\n*)\" So oft Avir hier von Norddeutschen sprechen, meinen wir ganz\nspcciel die Propheten der Zukunfts-Musik in Weimar und\nLeipzig sammt ihrem jugendlichen Anhange."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.7", "texte": "wundervollen Variationen des Andanle verdient besondere Aus-\nzeichnung. Hiller erquickte uns durch Mo zart's Quintett für\nCiavier und Blas-Instrumentc und gab am Schlüsse des Abends\nvier kleine Solo-Stücke für Pianoforte von seiner Composition zum\nBesten (so viel wir wissen, neu), welche alle vier lebhaft beklitscht\nwurden. Uns sprachen jedoch die beiden Märsche Marcia giocosa\nund Marcia elegiaca weniger an, wogegen wir in dem Capriccieilo\nund dem Impromptu ein originelles Leben, und namentlich bei\ndem letzten auch eine ausserordentliche Virtuosität des Spiels be-\nwunderten. Die beliebte Aufstellung ist in einem Saale, der we-\nder ein Quadrat noch eine Rotunde bildet, weder akustisch gerecht-\nfertigt, noch bequem für die Spieler.\nIn einer der letzten Versammlungen der musiealisehen Gesell-\nschaft hörten wir ein Duo appassionalo für Piano und Violine von\nHill er, eine in der That leidenschaftlich bewegte Composition\nvoll Phantasie und Geist, von ihm selbst und dem Concertmeister\nH artmann ganz vorzüglich ausgeführt; ferner eine Sinfonie\nvon C. Rein ecke, ein frisches Werk, das einen bedeutenden\nFortschritt auf der Componisten-Laufbahn des wackeren Tonkünst-\nIcrs bekundet.\nBoim, 23. Januar. Am vergangenen Sonnabend hat hier\nFräulein Wilhelm ine Clauss ein Concert gegeben und die\nFreunde der Kunst durch ihre in mannigfacher Hinsicht bewun-\ndernswerthen Leistungen aufs höchste erfreut. Der ungewöhnliche\nRuf, welcher der jungen Dame vorausging, bewährte sich an ihrem\nSpiel aufs glänzendste. Zum Vortrage hatte Frl. Clauss das C-moll-\nTrio von Mendelssohn (unter Mitwirkung der Herren v. Wasielcwski\nund Reimers), ein Salonstück von Heller, Notturno von Chopin,\ndie D-moll-Sonate von Beethoven, Lied ohne Worte von Mendels-\nsohn und Schubert's Erlkönig gewählt. Alle diese die verschiede-\nnen Arten der Clavier-Musik repräsentirenden Musikstücke trug die\nKünstlerin mit vollendeter Technik und durchaus geistvoller Auf-\nfassung unter dem ungeteilten Beifallc der Zuhörerschaft vor, und\nman muss gestehen, dass sich in ihr die seltensten Talente, glück-\nlich entwickelt durch ernstes Studium, vereinigen.\nElberfeld, Der unternehmenden Thätigkeit des Herrn A.\nKüpper verdanken wir es, die gefeierte Künstlerin Frl. Wilh.\nClauss auch hier bewundert zu haben. Sie spielte am 13. und\n19. d. Mts. von grösseren Sachen das G- moll- Concert von Moschc-\nIcs und das Es-dur-Concert von Beethoven, von Salonstücken Meh-\nreres von Chopin, Mendelssohn, Stephen Heller und Liszt's Erl-\nkönig. Wenn bei dein Concert von Moscheies hier und da Kraft\nvermisst wurde, so entzückte sowohl Auffassung als Vortrag aller\nübrigen Stücke um so mehr. Namentlich erregte der „Erlkönig\"\nSturm von Beifall und wurde da capo gerufen, dem sich die junge\nVirtuosin denn auch freundlich fügte.\nDie „M use\", eine von C. Dräxler-Manfred in Darmstadt\nherausgegebene Wochenschrift, enthält in ihrer Nr. 3 vom 17. Ja-\nnuar d. J. die „Antwort eines alten Musikers aus Baden auf den\nBrief des Hof-Capellmeisters Dr. Liszt\", welcher in Hoplit's Po-\nsaune über das karlsruhcr Musikfest leider veröffentlicht worien\nist. Die Antwort geisselt die Aeusscrungen Liszt's, der sich offen-\nbar durch gereizte Empfindlichkeit zu ganz unverantwortlichen Be-\nhauptungen hat hinreissen lassen, zuweilen mit bitterer Ironie;\nz. B.: „Bisher wusste man in der That noch gar nicht, dass das\nWesen des Orchcsterspiels eben so im Vortrage beruht, wie das\nWesen aller Musik überhaupt. Man liess überall nur die Noten ab-\nspielen und schlug den Tact dazu. Wenn aber auch schon früher\neinem Capellmeister Aehnliches eingefallen wäre, so boten doch die\nWerke von Ilaydn, Mozart, Beethoven, Weber, Spohr, Mendels-\nsohn u. s. w. u. s. w. zu wenig Gelegenheit zu „„richtiger Beto-\nnunguu, zu „„verständlicher Rhythmisirung\"\", zum „„Phrasiren und\nDeclamiren\"\" en gros et en detail dar. Dazu mussten erst 11. Bcrlioz,\nRoh. Schumann und R. Wagner kommen, und dennoch ging das\nLicht erst im October 1853 zu Karlsruhe auf!\" U. s. w.\na,. M. Die Stadt hat der Theater-Unternehmung\nendlich eine jährliche Unterstützung von 15,000 Gulden bewilligt.\nS*rescleai, 18. Januar. Durch Wiedererweckung der Mozart'-\nschen Oper „Idomeneus\" hat sich die Direction unseres Theaters\nein schönes Verdienst erworben, das man ihr allgemein hoch an-\nrechnet und das ohne Zweifel von Seiten anderer Bühnen Nach-\neiferung finden wird. Das grossartige Tonwerk ist von so hinreis-\nsender Schönheit, von so wunderbarer Anmuth und entzückender\nFrische, dass man kaum begreift, wrarum sich nicht schon längst\nein Kenner classischer Musik gefunden, welcher der Oper den Weg\nauf die Bühne gebahnt, auf der sie, der Längen im Texte wegen,\nniemals heimisch gewesen. Nachdem sie im Januar 1781 zum er-\nsten Male in München mit dem ausscrordentlichsten Beifall in Scene\ngegangen, fand sie dennoch, mit Ausnahme einiger kaum erwäh-\nnenswerthen Versuche in Prag, Petersburg und Kassel, keine wei-\ntere Verbreitung. Dass aber die nun bereits über siebenzig Jahre\nalte Tondichtung noch für die Gegenwart alle geniale Fülle der\nJugend besitzt, davon hat die hiesige Aufführung ein glänzendes,\nunwiderlegliches Zcugniss abgelegt. Freilich ist diese Aufführung auch\nso vollendet, wie sie jetzt nur auf unserem Theater möglich, das nicht\nallein eine Ney und einen Tichatscheck, sondern alle Kräfte zur würdig-\nsten Besetzung die seinigen nennt. Mehrere Berliner äusserten mit\nRecht, der Gcnuss, den sie gehabt, sei noch eine grössere Reise werth,\nals von Berlin nach Dresden. Um so mehr verdient ausser dem\nCapellmeister Rcissiger auch der Ungenannte öffentliche Anerken-\nnung, welcher zu der Aufführung des „Idomeneus\" die thätigste\nAnregung gegeben und der auch der Verfasser einer kleinen Bro-\nschüre ist, welche als „Vorwort zur ersten Aufführung dieser Oper\nam königlichen Hoftheater zu Dresden\" den Separat-Abdruck eines\nin der Sächsischen Constitutioncllen Zeitung erschienenen Artikels\nenthält. Das Schriftchen ist nicht allein allen Musikfreunden, son-\ndern auch zunächst allen Thcater-Directionen zu empfehlen, welche\ndas Mozart'sche Werk zur Darstellung zu bringen gedenken.\n** fieipzig*. Herr Heinrich Ricci us, Mitglied der dres-\ndener Ilofcapelle, spielte im fünften Concerte der Eutcrpe ein\nViolin-Concert eigener Composition und eine Tarantella von F.\nSchubert mit allgemeinem Beifall, der sowohl der Virtuosität des\nSpiels (nur an Ton fehlte es, woran wohl das eben nicht vorzüg-\nliche Instrument schuld war) als dem Inhalt der Composition galt.\nLetztere unterschied sich von vielen unreifen Früchten einer ab-\nsonderlichen Richtung zum Auffallenden und Chaotischen auf sehr\nvortheilhafte Weise. Schubert's grosse C-dur-Sinfonie wurde\nschwungvoll ausgeführt.\nWagners Lohengrin ist vom 12. bis 20. d. Mts. dreimal\naufgeführt worden. Von einem durchschlagenden Erfolge war nichts\nzu spüren; die Partei schob das Ausbleiben desselben auf die Män-\ngel der Darstellung; mit Unrecht denn wenn auch Einzelnes\nnicht der Aufgabe entsprechend war, so wurde doch geleistet, was\nman von den Kräften eines Stadt-Theaters billiger Weise nur ver-\nlangen kann. Nächstens mehr darüber.\nDas Harmonium. Zwei Söhne des Chefs der Pianoforte-\nFabrik Schiedmai er und Söhne in Stuttgart haben ein Instru-\nment gebaut, welches die französische Orgue expressif nach Deutsch-\nland verpflanzt und verbessert haben, und sich auch vor der Phys-\nharmonica durch grösseren Reichthum an Klangfarbe und durch\npräcisere nnd schnellere Ansprache der Töne auszeichnen soll, wie-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540128-01.1.8", "texte": "wohl sein Mechanismus auf demselben Princip, dem Schwingen\nvon Metallzungen durch den Luftstrahl, beruht. Das Harmonium,\nso nennen es die Erfinder, hat Register, wie die Orgel, deren Zahl\nbis zu fünfundzwanzig gesteigert werden kann. Die gewöhnliche\nZahl derselben ist sechszehn bei sechszehn Fusston im Principal,\nworunter z. B. Bordun, Flöte, Clarinette, Oboe, Trompete, Vox\nhiimana u. s. w. Sie bestehen aus verschiedenen „Spielen\" oder\nZungenreihen, und den Unterschied ihrer Klangfarbe hervorgebracht\nzu haben, ist eben das Verdienst der Herren Schicdmaier. Der-\ngleichen Instrumente mit B—2o Registern liefern sie für 250—400\nGulden. Der zum Spiel nöthige Wind wird vom Spieler selbst\ndurch einen sehr bequemen Mechanismus erzeugt.\nT|%rien. R. Willmers wird einen zweiten Cyklus von Con-\ncerten und von Soirees musicales für Kammer- (oder Salon-?) Mu-\nsik veranstalten. Leop. v. Mayer gibt sein erstes Conccrt den 5.\nFebruar. Frau Marlow bleibt an der Oper zu Wien auf fünf\nJahre mit jährlich 10,000 Fl. und drei Monaten Urlaub; die 6000 Fl.\nStrafe für den Contractbruch in Stuttgart zahlt sie aus eigenen\nMitteln.\nDas Repertoire des llof-Opern-Theaters von 1853 zeigt 29 Opern\nund 10 Ballets. Es erschienen Meyerbeer 30 mal (Prophet 13,\nHugenotten 9, Robert 8 mal), Donizetti 25, Mozart 17, Auber\n13, Beethoven 8 und Rossini 8 mal.\nV\nDas Comite für das eidgenössische Sängerfest in Win-\nterthur, wo eine Sängerhalle für 5000 Menschen gebaut werden\nsoll, hat den Beschluss gefasst, dass nur Compositionen schwei-\nzerischer oder in der Schweiz lebender Componisten zur\nAufführung kommen sollen. Sehr patriotisch! Wir werden also\nkünftig schweizerische, badische, baierischc, liechtenstein'sche Mu-\nsik etc. haben. Hat das Comite denn auch wohl daran gedacht, dass\nohne die Compositionen der in der Schweiz lebenden deutschen\nComponisten das patriotische Fest unmöglich sein würde und folg-\nlich die Ausschliesslichkeit mit jenem Zusätze eine Lächer-\nlichkeit ist ?\nDer Violinist Camillo Sivori bereist diesen Winter sein\nVaterland Italien und macht als Paganini 11. Furore.\nliiitticli« Aug. Dupont, Professor des Ciavierspiels am Con-\nservatorium zu Brüssel, hat hier in einem Concerte für die Armen\neine Fantaisie clramatique für Piano und Orchester und eine Phan-\ntasie über Motive aus Robert dem Teufel, beide von seiner Com-\nposition, mit grossem Beifalle gespielt. Eben so Leonard sein drit-\ntes Concert für die Violine und eine neue Composition, Los Echos,\neine elegische Schweizer-Sccne.\nArnlieim. In dem Berichte aus Holland in Nr. 1 Ihrer Zei-\ntung vom 7. Januar wird gesagt, dass Frau Dr. Schumann auch\nhier in Arnheim gespielt habe. Dies ist ein Irrthum. Die projec-\ntirte Soiree kam wegen allzu hoher Ansprüche nicht zu Stande.\nIhr u. s. w. W. T.\nParis. Die Italiäner leben von aufgefrischten Gerichten, unter\ndenen der Barbiere noch am meisten zieht. Die Alboni als Ita-\nliana in Algieri (worin ehemals H. Sontag eine der reizendsten Er-\nscheinungen war) ist eine wahre Satire auf Grazie und Beweglich-\nkeit. Weder Frl. Veith noch Hr. Dalle Aste sind bis jetzt zum\nAuftreten gekommen. Der famose Pianist Fumagalli ist aus\nItalien hieher zurückgekehrt.\nDie Proben von Meyerbeer's Etoile du Nord an der komi-\nschen Oper waren durch Krankheit der Sängerin Dlle. Lefebvre\nunterbrochen worden; jetzt hofft man jedoch bis zum 15. Februar\nfertig zu werden.\nEin zwölfjähriger Pianist, dem Namen nach ein Deutscher,\nTheodor Ritter, ist auf einmal in die hiesige Musikwelt wie\nvom Himmel gefallen. Die Zeitungen überbieten sich in seinem\nLobe; ob Reclame, ob Wahrheit? Nous verrons!\nHenriette Sontag ist Ende Deccmber v. J. nach den west-\nlichen und südlichen Staaten der Union abgereis't. Sic gedenkt\nüber Neu-Orlcans nach der II av a n n a h zu gehen und im Juni oder\nJuli nach Europa zurückzukehren.\nPreis-Ausschreiben. Die Sehl es inger'sche Buch- und\nMusikhandlung in Berlin hat drei Preise für die Composition von\nMärschen zum dienstlichen Gebrauche ausgesetzt, nämlich für:\n1) einen Dcfilir-Marsch für Infanterie-Musik fünfzehn\nDucaten;\n2) einen Parade-Marsch für Cavallcrie-Musik im langsa-\nmen Schritt zehn Ducaten;\n3) einen Defilir-Marsch für die Musikchöre der Füsilier-\nKläger-) Bataillone und Artillerie-Abtheilungen zu Fuss\nzehn Ducaten.\nDie Jnslrumental-Besetzung dieser Märsche wird folgender Maas-\nsen erfordert:\n1) Für Infanterie-Musik: 2 Piccolo-Flöten, 2 Oboen (oder\n2 Cornets ä piston), 2 Sopran-Cornets (oder 2 Flügelhörner), 2 Alt-\nCornets (oder 2 Alt-Flügelhörner), 2 Tenor-Horner (oder 2 Bass-\nFlügelhÖrner), 1 Baryton-Tuba (oder 1 Euphoneon), 1 Bass-Tuba,\n1 Piccolo-Clarinette, 2 Mittel-Clarinetten, 2 grosse Clarinetten (vier-\nfach besetzt), 2 Fagotts, 4 Contra-Bässe (Harmonie-Bässe, Bass-Tu-\nba's oder Bombardons), 4 Waldhorner ad lib., 4 Trompeten (jede\nzweifach besetzt), 2 Tenor-Posaunen, 2 Bass-Posauncn und die üb-\nlichen Schlag-Instrumente: kleine und grosse Trommel, Becken,\nTriangel oder Glockenspiel.\nNB. Die eingeklammerten Instrumente führen diesen Namen in\nder österreichischen und russischen Militär-Musik.\n2) Für Cavallerie-Musik: 1 Piccolo-Cornet, 2 Sopran-Cor-\nnets, 2 Alt-Cornets, 2 Tenor-Hörner, 1 Baryton-Tuba, 4 Trompeten\n(jede doppelt besetzt), 3 Bass-Tuba's (1 la, 2 IIa) und Pauken.\n3) Für Horn-Musik: 1 Piccolo-Cornet, 2 Sopran-Cornets, 2\nAlt-Cornets, 2 Tenor-Hörner, 1 Baryton-Tuba, 2 Trompeten, 4 Bass-\nTubas (2 Ia und 2 IIa).\nSehr wünschenswerth wäre es, wenn die Märsche in den B-\nTonarten geschrieben würden.\nDie Einlieferung der Preis-Compositionen (in Partitur, Stimmen-\nund Clavier-Auszug) geschieht versiegelt, mit einem Motto versehen,\nnebst versiegelter Adresse, worin Namen, Stand, Wrohnort nebst\nMotto angegeben ist, bis Ende September 1854, per Post franco,\nauch durch Buchhändler-Gelegenheit per Adresse der Schlesinger'-\nschen Buch- und Musikhandlung in Berlin."}]}