{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-02-04-01", "volume": "bmtnabi_1854-02-04_01", "ocr_sha256": "205b469fb8904871769361bd1204b1f438a728a1eced1577f63f87ead977c942", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/02/04_01/bmtnabi_1854-02-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-02-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-02-04_01#c001", "volume": "bmtnabi_1854-02-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "36", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.2.1", "titre_corps": "Lohengrin, Oper von Richard Wagner.", "titre_sommaire": "Lohengrin, Oper von Richard Wagner.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4022, "texte": "Lohengrin, Oper von Richard Wagner.\nDie leipziger Wochenschrift „Die Grenzboten\" ent-\nhält (Nr. 3 und 4) einen Aufsatz über Wagner's Lohen-\ngrin, der die Schwächen dieses Werkes, das Verfehlte von\nWagner's System überhaupt und das Lächerliche seiner\nPrätentionen so gründlich ins Licht stellt, dass wir unsere\nLeser um so mehr darauf aufmerksam machen müssen, als\ndie von dem Verfasser ohne Zweifel Hrn. Prof. 0. Jahn\nausgesprochenen Ansichten derselben Richtung ange-\nhören, welche wir seit Jahren vertreten, und sie nicht nur\nin der Hauptsache, sondern auch in vielem Einzelnen mit\ndemjenigen übereinstimmen, was wir in unserer Kritik des\nTannhäuser (Rheinische Musik-Zeitung, 111. Jahrgang Nr.\n123 —140) gesagt haben.\nDer erste Abschnitt jenes Aufsatzes behandelt das\nTextbuch, welches eben so, wie die Bearbeitung des Tann-\nhäuser, „die Prätention macht, als eine selbstständige dra-\nmatische Dichtung zu gelten, und desswegen eine genauere\nBetrachtung fordert, weil die Bedeutung der Musik gerade\nin der Eigentümlichkeit des Textes gesucht wird\" —und\ngelangt zu demselben Resultate, zu welchem wir beim\nTannhäuser gekommen sind, dass nämlich von einem Drama\nals poetischem Kunstwerke und von selbstständigen, fest\nausgeprägten dramatischen Gestalten, als Trägern sittlicher\nIdeen, auch im Lohengrin gar nicht die Rede sei. Dies\nlässt sich in diesem noch viel schlagender nachweisen, als\nim Tannhäuser, und der Verfasser hat durch eine ausführ-\nliche Analyse mit Scharfsinn gezeigt, „ dass Lohengrin we-\nder in der Motivirung der Handlung noch in der Charak-\nteristik der Personen den Anforderungen genügt, welche\nman an ein Drama zu stellen hat\". Er weis't „selbst in\nden Motiven nicht allein den Mangel an eigener Erfindung,\nsondern in dem ungeschickten Zusammenkitten einander\nursprünglich fremder, aus verschiedenen Sagen entlehnter,\neinzelner Züge einen noch viel bedenklicheren Mangel an\nVerständniss iür das poetisch Bedeutsame und für poetischen\nZusammenhang\" nach, und vergisst auch nicht was\nwir im Tannhäuser nur beiläufig gerügt haben —, „das\nUnpoetische, die hausbackene Prosa des sprachlichen Aus-\ndrucks, die mit Kummer und Noth elend gereimt ist\",\ndurch viele Beispiele zu belegen.\n„Fragt man dagegen\" schliesst der Verfasser—,\n„ob das Buch als Textbuch, um Musik darauf zu machen,\nangemessen sei, so wird man anerkennen, dass es eine An-\nzahl von Situationen darbiete, welche für musicalische Dar-\nstellung dankbar sind, dass für Abwechslung, für Contraste,\nfür ein scenisches Arrangement gesorgt ist, welches man-\ncherlei musicalische Effecte begünstigt. Allein diese Vorzüge\nbeschränken sich auf die allgemeine Anordnung, und es ist\nleicht einzusehen, dass Wagner gerade durch die Anstren-\ngungen, welche er macht, statt eines Textbuches ein Drama\nzu dichten, die der Musik günstigen Momente schwächt\noder aufhebt; ja, es ist fast komisch, zu sehen, wie fast\nnur da, wo er, ohne daran zu denken, seinem Vorsatze\nuntreu wird und den Text nicht dramatisch, sondern opern-\nhaft behandelt, etwas musicalisch zu Stande kommt. In der\nThat hat Wagner den praktischen Beweis vollständig ge-\nliefert, dass sein Paradoxon, Oper und Drama seien iden-\ntisch und müssen in einander aufgehen, damit das wahre\nKunstwerk entstehe, falsch sei; denn das musicalische Ele-\nment und die Prätention des absolut Dramatischen stehen\neinander im Wege und bringen sich gegenseitig zu Fall.\"\nEs freut uns, in diesen Sätzen vollständig dasjenige,\nwas wir fast auf jeder Seite unserer Kritik des Tannhäuser\nausgesprochen und durch Beispiele erläutert haben, durch\ndie gleiche Ansicht eines so tüchtigen Kritikers bestätigt\nzu lesen.\nDie klare, mit genauer Kenntniss der alten Sagen,\nscharfer Logik und trefflichen ästhetischen und dramatur-\ngischen Kenntnissen ausgeführte Analyse des Gedichtes\nmuss bei dem Verfasser selbst nachgelesen werden. Wir\nkönnen hier nur auszugsweise einige Haupt-Momente der-\nselben angeben.\nDer Kern der Sage vom Lohengrin, einem Ritter des\nheiligen Gral, die ursprünglich in Flandern heimisch ist,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5237, "texte": "aber auch am Niederrheine (der Schwanenritter zu Cleve)\nlebte und in alldeutschen Gedichten vielfach besungen wor-\nden, ist, dass ein Ritter in einem Nachen, der von einem\nSchwan gezogen wird, ans Land kommt, die Liebe der\njungfräulichen Kronerbin gewinnt und sich mit ihr ver-\nmählt. Er nimmt ihr aber das Versprechen ab, nie nach\nseinem Namen und seiner Herkunft zu fragen; denn als-\ndann müsse er sie sogle'ch verlassen. Nach Jahren glück-\nlichen Zusammenlebens wird sie dennoch einstmals ihrem\nVersprechen untreu, und nun verlässt er sie und ihre Kin-\nder auf demselben vom Schwan gezogenen Nachen.\nDieses alte, in unzähligen Sagen aller Zeiten und Völker\nbehandelte Thema von der unbezähmbaren Neugierde der\nFrauen, welche, durch ein Verbot noch mehr gereizt, die\nschönsten Verhältnisse zerstört, tritt hier für unsere Ge-\nfühlsweise an und für sich schon verletzend auf; denn das\nVerbot widerspricht dem Wesen der Liebe, welches auf\ndem hingebenden gegenseitigen Vertrauen beruht. Als\nblosse Prüfung erscheint es lieblos; ist aber wirklich etwas\nzu verheimlichen, so zeigt es einen Mangel an Vertrauen.\nNur eine zwingende Nothwendigkeit kann es rechtfertigen.\nIn der Sage liegt diese nun in dem Mysterium vom heili-\ngen Gral, dessen Ritter als Wesen höherer Art der Un-\nschuld zu Hülfe kamen, deren wirkende Kraft aber an ihr\nUnbekanntbleiben geknüpft war; für uns aber ist sie kei-\nneswegs dadurch klar, denn wir glauben nicht mehr an\ndas Mysterium vom heiligen Gral, wir kennen es nicht ein-\nmal, und es steht unseren Vorstellungen, selbst dem Mysti-\ncismus unserer Zeit, ganz fremd gegenüber. „Für die dra-\nmatische Motivirung\" sagt der Verfasser wörtlich\n„reicht das historisch Factische so wenig aus, als das\nDogma*). Das Wesen des Drama's verlangt Handlung, die\naus bewussten sittlichen Motiven hervorgeht, und die\npsychologische Begründung kann nur aus den sittlichen\nGesetzen hervorgehen, welche unser Bewusstsein als die\nnothwendigen, unveräusserlichen erkennt. Wenn\ndaher ein Verehrer Wagner's meint, es wäre nicht zu ver-\nwundern, wenn beim Ende der Oper\nfest überzeugt von der Existenz des Gral u. s. w. wäre,\nso lässt sich freilich in unserer Zeit des Tischrückens und\nGeisterklopfens das Credo quia nicht ganz\nläugnen; allein eine ganze Partei Don Quixotes des heili-\ngen Gral nein, das kann man selbst Wagner's Musik,\nnicht einmal seinen Verehrern zutrauen*).\"\nDer Verfasser weis't dann nach, wie Wagner aller-\ndings gefühlt habe, den Stoff in einer mehr dem modernen\nBewusstsein entsprechenden Weise motiviren zu müssen, und\ndesshalb viel Zeugs über seinen Lohengrin als Symbol des\nMenschen (früher war Tannhäuser der reine Mensch), der\nsich aus der Verderbtheit der modernen Welt auf die Höhe\ndes Reinen gerettet hat, und über seine Elsa als Symbol\ndes wahrhaft Weiblichen geschrieben, aber die dramatische\nGestaltung der Sage dadurch um nichts gefördert habe.\nWie Telramund, der Prätendent von Brabant und der\nAnkläger Elsa's als einer traumseligen, buhlerischen Maid\nund Mörderin ihres Bruders Gottfried, von Wagner zu\neinem schwachen, kurzsichtigen, in sich unwahren Kerl\ngemacht worden, der uns als „Preis aller Tugend und\nEhre\" vorlügt, er habe „dem Rechte auf Elsa's Hand\nwillig und gern entsagt\", und kurz nachher als Mo-\ntiv seiner Anklage unter Anderem auch behauptet, dass\n„die eitle Magd seine Hand voll Hochmuth von sich\nstiess\", und dann unter Ortrud's, seiner Gattin, Leitung\n„die dümmsten und miserabelsten Streiche\" macht das\nist so ergötzlich dargestellt, dass wir eine wahre Freude\ndaran gehabt haben, da uns dieser Wagner'sche Telramund\nsowohl beim Lesen des Gedichtes als beim Anschauen der\nOper in Wiesbaden als ein so gemeiner Lutr.p vorgekom-\nmen, dass sich weder das geringste Mitleid für ihn regen,\nnoch er den moralisch berechtigten Hass des Galerie-Publi-\ncums gegen einen obligaten Bösewicht auf sich ziehen kann.\nEben so wird die Umbildung Elsa's aus der gesunden\nGestalt der Sage in eine Somnambule und Clairvoyante,\nund die Rührung des guten Königs der Deutschen (leider\nHeinrich der Vogler, von dem wir uns eine ganz andere\nVorstellung zu machen gewohnt sind) und des brabantischen\nVolkes über dieses Verhimmeln mit Fug und Recht ver-\nspottet, und wenn die Aeusserung des Verfassers bei dem\n\n*) \"V'erglwas wir Art. 111. über Tannhäuser in Bezug auf Ma-\nria, auf die Absolution durch den Papst, die Fürbitte der\nHeiligen, das Wunder mit dem Krummstab u. s. w. gesagt\nhaben.\n*) „Die Darstellung von menschlichen Erlebnissen macht noch\nkein Drama; dieses verlangt Charaktere und Thaten. Tann-\nhäuser ist leidend, keineswegs wirkend lind thatkräftig ein\nMensch ohne inneren Halt, ohne ein richtiges oder auch ver-\nfehltes Streben nach Einem Ziele hin, der von einem Seelen-\nZustande zum anderen schwankt, in welchem kein Funke\neiner sittlichen Idee lodert, an die er sein Leben setzt ein\nSpielball äusserer Eindrücke, die ihn ohne sein Zuthun von\neinem Extrem ins andere werfen das Interesse an der\nHandlung beruht auf einer Katastrophe im geheimnissvollen\nJenseits das Menschliche ist aber nicht das specifisch\nChristliche, und das Wunder kann für uns nie eine zu recht-\nfertigende Lösung des dramatischen Knotens sein, weil wir\nnicht mehr daran glauben.\" Tannhäuser, Art. IX. a. o. 0."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5017, "texte": "Moment des Auftrittes, in welchem Lohengrin, nachdem er\ndas bekannte Verbot zweimal wiederholt, Elsa entzückt an\nseine Brust drückt und ruft: „Elsa, ich liebe dich!1' wenn\ndie Aeusserung, dass man nämlich dabei unwillkürlich an\ndie naive Prinzessin Pumphia im Puppenspiel erinnert werde,\netwas boshaft erscheinen könnte, so versichern wir aufs\nWort, dass wir bei der Aufführung des Lohengrin in Wies-\nbaden unserem Nachbar bei dieser Stelle unwillkürlich ins\nOhr raunten: „Ja, Prinz, ich liebe dir!\"\nMit vollem Rechte wird ferner die Einführung des\nheidnischen Elements in der Person der Ortrud, Telra-\nmund's Gattin, getadelt. In dem ehrgeizigen, neidischen,\nrachsüchtigen Charakter dieses Weibes (des Nachbildes der\nEglantine) liegen alle Motive, die der Dichter für ihr Auf-\ntreten braucht. Da hört man auf einmal eine „Explosion\ndes Heidenthums\", einen Anruf des Wodan und der\nFreia, deren Schmach Ortrud rächen will! (Dabei die\nPhrase:\n„Segnet mir Trug und Heuchelei,\nDass glücklich meine Ilache sei\"\ndie an Caspar in der Wolfsschlucht erinnert.) Was soll\ndas? In dem ganzen Drama ist von dem Dasein des Hei-\ndenthums keine Spur weiter vorhanden, geschweige denn,\ndass es als ein lebenskräftiges Element in die Handlung\neingriffe. Und der Graf von Brabant soll (ein Jahrhundert\nnach Unterwerfung der Friesen durch Karl den Grossen!)\neine offenkundige Heidin geheirathet haben? Ganz und\ngar lächerlich wird diese Sache, wenn nun diese Heidin\nin der folgenden Spene in die Kirche geht, dabei sogar\nden Vortritt vor Elsa verlangt und diese rechtmässige und\nchristliche Fürstin verhöhnt und beleidigt, ohne dass sich\neine Christenhand zu deren Schutze erhebt! Diesen Auf-\ntritt wahr oder nur wahrscheinlich zu finden, dazu gehört\nein starker Glaube. Er ist übrigens nur „ein schlecht ge-\nrathener Abklatsch von der Begegnung Brunhild's und\nChriemhild's in den Nibelungen\".\nDass die Zumuthung Telramund's an Elsa, dass sie\nihm behülflich sein solle, ihrem Gemahl nur das kleinste\nGlied abzuschneiden, um dessen Zauber zu brechen\n„Ich bin dir nah' zur Nacht\nRufst du, ohn' Schaden ist es schnell vollbracht\"\neine der widrigsten und befremdendsten sei, die je an eine\nBraut am Hochzeitstage gemacht, dass ferner die Scene, in\nwelcher Elsa ihr Versprechen bricht und die verhängniss-\nvolle Frage an Lohengrin thut, den Zuschauer durchaus\nnicht zur Empfindung einer wahrhaft tragischen Situation\ngelangen lässt, wird genügend, auch durch die Gegenüber-\nstellung der eigentlichen Sage, erläutert. Eben so wahr ist,\nwas sich übrigens einem jeden Zuschauer auf der Stelle\ndarbietet, dass die Scene, in welcher Telramund ins Zim-\nmer hineinstürzt, um Lohengrin zu überfallen, und Elsa\ndiesem sein Schwert reicht, mit welchem er jenen nieder-\nhaut, der Situation in der Euryanthe, wo diese sich der\nSchlange entgegenwirft, um Adolar zu schützen, nachge-\nbildet, hier im Lohengrin nach der bereits eingetretenen\nKatastrophe ohne alle dramatische Bedeutung sei. Für\nuns hatte dieser Auftritt bei der Aufführung auch noch\ndesswegen etwas ganz besonders Widriges, weil man nicht\nbegreift, wie Telramund ins Schloss und vollends ins Braut-\neemach er stürzt durch eine Scitenthür herein habe\nO\ndringen können, und dadurch unwillkürlich ein Verdacht\nauf Elsa's Mitwirkung rege wird, den die oben ausgespro-\nchene Zumuthung des Geächteten und der Wankelmuth\nder nervenschwachen Elsa, deren Urtheil und Vertrauen alle\nAugenblicke durch jede Erregung umdunkelt und erschüt-\ntert wird, rechtfertigen.\nZum Schluss des Drama's klagt Lohengrin Elsa des ge-\nbrochenen Gelübdes an und erklärt in langer Rede, wer\ner sei und was es mit dem heiligen Gral für eine Bewandt-\nniss habe. Dass er seinen Namen nennt, ist in der Ord-\nnung; aber dass er seine Zeitgenossen wie uns Menschen\ndes neunzehnten Jahrhunderts über den Gral belehrt, ist\nkomisch. Der Schwan erscheint, ihn abzuholen; da stürzt\nOrtrud, man weiss nicht, woher und warum, hervor und\ngesteht, dass jener Schwan der verzauberte Bruder Elsa's,\nGottfried, der Erbe von Brabant, sei. Lohengrin sinkt aufs\nKnie und betet, eine weisse Taube senkt sich nieder, er\nlös't dem Schwan die Kette, der taucht unter, und Gott-\nfried kommt herauf. Ortrud stürzt zu Boden, Elsa sinkt,\nals Lohengrin im Nachen sich entfernt, entseelt nieder, und\nes bleibt nur der gute König (der im ganzen Drama nichts\nthut, als sich wundert und dann und wann den Kopf schüt-\ntelt) und der stets gerührte Chor übrig. Ueber alles das\nbemerkt der Verfasser sehr richtig:\n„Die Einmischung Gottfried's, die schon im Eingange\nstörend ist, wird es noch viel mehr am Schlüsse, der an-\nstatt eine Lösung oder Sühne des tragischen Conflictes zu\nbringen, unser Interesse auf einen Gegenstand richtet, wel-\ncher der eigentlichen Handlung fremd ist. Was geht den\nZuschauer, welchen Elsa und Lohengrin beschäftigen, die\nSuccession in Brabant an? Und nun gar der ganze Zauber-\nund Verwandlungs-Apparat, wie aus der\nwie widerwärtig kindisch schliesst er ein Drama, das die\nPrätention macht, poetische Aufgaben poetisch zu lösen!"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 776, "texte": "Und Lohengrin, der überhaupt nichts weiter thut, als\ndass er den Telramund im Zweikampfe besiegt und ihn\nnachher niederstreckt, übrigens bloss dazu da ist, um Elsa\nzu verbieten, ihn zu fragen, und sie vor dem Ungehorsam\nzu behüten, ergeht sich in seinen letzten Reden in einer\nsolchen Salbung und verliert sich in eine so breiweiche\nSentimentalität, dass vom Ritter und Helden auch gar\nnichts übrig bleibt.\"\nEndlich erscheint der Chor in diesem Drama der Zu-\nkunft „ohne alle dramatische Individualität; er hat gar keine\nMein un g, kaum eine eigene Stimmung, davon abge-\nsehen, dass er immer bereit ist, über Lohengrin gerührt\nzu werden; sonst ist er das getreue Echo dessen, was er\nzuletzt gehört hat, und führt stets einen trivialen Gemein-\nplatz im Munde.\"\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-02-04-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-02-04_01#c002", "volume": "bmtnabi_1854-02-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "38", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.2.2", "titre_corps": "Gaetano Donizetti.", "titre_sommaire": "Gaetano Donizetti.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.4", "debut_caractere": 778, "fin_caractere_exclue": 4816, "texte": "Gaetano Donizetti.\nDonizetti ist zu Bergamo im Jahre 1798 geboren.\nHervorragende musicalische Anlagen bestimmten schon früh\nseinen Beruf zum Tonkünstler, zu welchem ihn Simon Mavr\nmit besonderem Gefallen und Wohlwollen ausbildete. Spä-\nterhin genoss er auch den Unterricht des berühmten Pater\nMatei zu Bologna, dessen Schule auch Rossini, der nur\nsechs Jahre älter als Donizetti war, eine Zeit lang benutzt\nhatte. Trotz dieses geringen Unterschiedes an Jahren kann\nman dennoch beide Componisten nur im Leben, aber nicht\nin der Geschichte der Musik als Zeitgenossen betrachten;\nobwohl Donizetti todt und Rossini noch am Leben ist, so\nmuss doch der letztere als Vorläufer Donizetti's, als Grün-\nder der neueren italienischen Schule gelten, als derjenige,\nder die Reaction der Melodie, der absoluten Melodie, möch-\nten wir sagen, gegen die declamatorische Musik ins Leben\ngerufen hat. Dass diese an sich wohlthätige Reaction eben\nso wie ihre politische Schwester das Maass überschritt und\nneben dem Guten, das sie hatte, auch gar viel Unheil\nbrachte, daran brauchen wir nur in so fern noch einmal zu\nerinnern, als Donizetti seinen reichen Antheil daran im Gu-\nten und Bösen und seinen Lohn dafür dahin hat.\nAls Donizetti seine erste Oper, Enrico di Burgogna,\nim Jahre 1818 zu Venedig aufs Theater brachte, hatte\nRossini bereits deren 15 —l6 geschrieben, und darunter\nWerke wie Tancredi und die lialiana in Algieri (1812),\nII Barbiere de Seviglia und Otello (1816), Cenerentola und\nGossa ladra (1817) u. s. w. Donizetti's erstes Auftreten\nwar kein glückliches; das Publicum nahm seine Oper\nsehr kalt und mit nur zu ausdrucksvollem Stillschweigen\nauf, während die Kenner jedoch in dem jungen Compo-\nnisten Talent erkannten und ihn zum Beharren auf der be-\ngonnenen Bahn ermunterten.\nUnd in der That rechtfertigte schon im folgenden\nJahre die zweite Oper desselben,\nihr Vertrauen; denn diese hatte wiewohl nachher bald\nvergessen im Jahre 1819 auf derselben Bühne zu Ve-\nnedig einen Erfolg, der Donizetti's Namen bei den\nsari der vorzüglichsten Theater in Italien bekannt machte.\nSimon Mayr, der bis zu Bossini's Auftreten ein unbestritte-\nnes Ansehen als Maestro in Italien genoss, schrieb dem\nUnternehmer in Neapel, der ihn einlud, dort eine Oper für\nihn zu schreiben: „Ich schicke Ihnen Donizetti, und Sie\nwerden bei dem Tausche nicht zu kurz kommen.\"\nSeine Befreiung vom Kriegsdienste verdankte der junge\nTonkünstler der Composition der Oper\nnada, welche im Jahre 1822 in Rom einen ungeheuren\nErfolg hatte. Man bereitete ihm einen förmlichen Triumph-\nzug, bei welchem er auf einem mit acht Pferden bespann-\nten Wagen erschien. In den folgenden fünf Jahren schrieb\ner nicht weniger als zwölf Opern (zwei für Rom, eine für\nMailand, die übrigen neun für Neapel), deren Erfolge sehr\nverschieden waren; entscheidend war kein einziger, und es\nhat sich auch nichts aus dieser Periode auf dem Repertoire\nerhalten.\nAllein der überquellende Reichthum an melodischem\nStoffe und die fabelhafte Leichtigkeit und Schnelligkeit der\nArbeit vergrösserten seinen Ruf, so dass ihm Barbaja in\nNeapel einen glänzenden Contract. anbot, durch dessen An-\nnahme er sein Talent auf vier Jahre, 1827 1830, dem\nberühmten Unternehmer zur Verfügung stellte. Während\ndieser Dienstzeit lieferte Donizetti fünfzehn Partituren, unter\ndenen L'Esule di Borna und ein grosses dramatisches Ora^\ntorium, II Diluvio universale (die Sündflut) am meisten\ngefielen, aber auch nicht über die Gränzen Italiens hinaus-\ngekommen sind. Interessant dürfte vielleicht für uns, zum\nVergleich mit Lortzing's Czaar und Zimmermann, die Ein-\nsicht der Partitur von II Borgomaslro di Sardam sein, wel-\nches die erste Oper war, die er in dieser Periode für Bar-\nbaja schrieb (1827).\nMit der Composition der für Mailand im\nJahre 1831 erreichte er eine bedeutend höhere Stufe des\nRuhmes, indem sich von nun an besonders auch ein ge-\nwisses Talent für die musicalische Darstellung tragischer\nSituationen entwickelte, welches ihm durchaus nicht abge-\nsprochen werden kann. Auch gab ihm Rossini nachmals"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4869, "texte": "das Zeugniss, dass von allen Componisten, die er gekannt\nhabe, Donizetti der einzige sei, der Athem genug habe, um\nmit andauernder Begeisterung bis ans Ende einer Oper\nzu gelangen.\nEs folgten als Opern, welche dauernden Erfolg hatten\nund eben sowohl in Frankreich und Deutschland, wie in\nItalien Glück machten: L'Elisire d'Amore (Mailand 1832),\nTorquato Tasso (Rom 1833), Lucrezia Borgia (Mailand\n1834), welche merkwürdiger Weise in Italien nur lang-\nsam Boden fasste, Lucia di (Neapel 1835)\nBelisario (Venedig 1836).\nIm Jahre 1835 war Donizetti zum ersten Male, je-\ndoch nur kurze Zeit, in Paris gewesen und hatte da seinen\nMarino Falierigeschrieben, welcher kein Glück machte,\nein Fall, über den sich Niemand leichter tröstet, als ein\nitaliänischer Maestro, und den übrigens Donizetti noch in\ndemselben Jahre zu Neapel durch die Lucia glänzend wie-\nder gut machte. Das Jahr 1840 brachte er in Paris zu\nund schrieb dort die „Regimentstochter\", „Die Märtyrer\"\nund „Die Favorite\". Die beiden folgenden Jahre lebte er\nabwechselnd in Rom, Mailand und Wien; für Wien schrieb\ner 1842 seine Linda diChamouni und 1843\nRohan, für Paris in demselben Jahre Don Pasquale und Don\nSebastien. Weder die Regimentstochter noch Don Sebastian\nhatten in Paris grossen Erfolg, während das letztere Werk\nin Wien eine lange Reihe von Vorstellungen erlebte, und\ndie Regimentstochter bekanntlich in Deutschland die belieb-\nteste Oper Donizetti's wurde.\nDonizetti ist unstreitig der fruchtbarste Componist un-\nserer Zeit gewesen. Von 1818 bis 1844, also in sechs-\nundzwanzig Jahren, hat er 65 Opern geschrieben, deren\njede einen ganzen Abend füllte; ausserdem zwölf Cantaten\nund Festspiele, mehrere Messen (auch zwei Requiem),\nOuvertüren für Orchester und für Militär-Musik, viele\nSammlungen von Arien, Romanzen, Duetten, einige Violin-\nQuartette, endlich mehrere Sonaten und Variationen für\nPianoforte. Er hob alles auf, was er aufs Papier warf, und\nschob es in besondere Mappen, welche je nach dem Inhalt\nder Musikstücke bestimmte Aufschriften hatten.\nIn Paris besuchte ihn der grosse Musicalien-Verleger\nRicordi aus Mailand. Es war gerade um die Zeit, als Don\nPasquale probirt wurde. Die Oper wollte bei den Orchester-\nMitgliedern keinen rechten Anklang finden; die General-\nProbe ging ohne Aeusserungen des Beifalls vorüber. Nur\nDonizetti hatte Vertrauen auf den Erfolg, sagte aber zu\nRicordi: „Komm einmal eben mit, ich muss in den dritten\nAct noch eine Serenade einlegen; sei so gut und bringe\nsie zu Mario ich bin zu erschöpft, um noch herumzu-\nlaufen.\" Zu Hause angekommen, nimmt er ein Noten-\nblatt aus der Mappe Nr. I, überlies't es kaum noch einmal,\ndrückt es Ricordi in die Hand und drängt ihn zur Thür.\nDieser nimmt sich nur eben noch Zeit, ihn zu fragen,\nob die Mappen, die er da sehe, lauter Manuscripte enthielten.\n„Ja wohl,\" sagte Donizetti „das sind Hobel-\nspäne, der Abfall meiner Opern; in Nr. I liegen Romanzen\nund Arien, in Nr. II allerhand Melodieen unbestimmten In-\nhalts, in Nr. 111 Bruchstücke von Ensembles und Finalen.\nMach, dass du fort kommst. Um 5 Uhr lasse ich ihn bitten,\nmit mir zu probiren.\"\nDon Pasquale machte Glück, und Mario's Serenade im\ndritten Acte wurde ungeheuer beklatscht.\nAm anderen Morgen fand sich Ricordi wieder ein,\nwünschte dem Freunde zu dem neuen Erfolge Glück, zeigte\nauf die Mappen und sagte: „Ich kaufe dir die ganze Mappe\nNr. I ungesehen ab.\"\nDein Ernst? erwidert Donizetti: Gut! gib\nmir die Brustnadel mit dem grossen Diamant, die du da\nträgst.\nSie tauschen wirklich, und Ricordi fand in der Mappe\nan 8 lO Melodieen, mit denen er gute Geschäfte machte.\nDer Zufall wollte, dass einige Zeit darauf ein Juwelier die\nBrustnadel Donizetti's bewunderte. Der Componist reichte\nsie ihm zu genauerer Betrachtung hin, und jener rief aus:\n„In der That wunderbar! Es ist unmöglich, die Kunst der\nNachahmung des Echten weiter zu treiben!\" Wer er-\nstaunte mehr, als unser Künstler! Er schrieb nach Mai-\nland. Ricordi war in London angelührt worden, wo man\nbei einer Reparatur der Fassung ihm den echten Diamant\nvertauscht hatte. Er sandte Donizetti einen Wechsel von\n200 Louisd'or auf Rothschild.\nDonizetti war nicht nur Musiker, sondern auch Dich-\nter; die Textbücher der Regimentstochter und des Don\nPasquale sind von ihm selbst, eben so Betly und Oliva e\nPasquale. Wie schnell er als Musiker arbeitete, ist schon\nerwähnt; die Regimentstochter soll er in 8 —lO Tagen,\nDon Pasquale in 1 1 Tagen componirt haben. Sobald er\neine Oper angefangen, blieb er wie in einer Art von Rausch\ndaran und hatte bis zu deren Vollendung für nichts Anderes\nauf der Welt Sinn. Er konnte seine Gedanken in solchem\nGrade von dem, was um ihn her vorging, mochte dies\nauch die rauschendste oder anziehendste Musik sein, isoli-\nren, dass man oft gesehen hat, wie er während der Proben\nmit ganzem Orchester Cavatinen und Duette, ja, lange\nStellen eines Finale umarbeitete."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3774, "texte": "Diese ungeheure, fieberhafte Thätigkeit seines schaf-\nfenden Geistes brach endlich unter der eigenen Last, die\nsie fort und fort anhäufte, zusammen. Sein überreizter Zu-\nstand und der damit verbundene Aerger bei den letzten\nProben zur Oper Don Sebastian in Paris brachten plötzlich\neine erste Erschütterung des Gehirnnerven-Systems her-\nvor, deren Möglichkeit früher auch nicht durch das geringste\nSymptom angedeutet worden war. Zwar kehrten nicht nur\nlichte Augenblicke, sondern auch ganze Zeiträume zurück,\nin denen er den vollen Gebrauch seiner Verstandeskräfte\nwieder in der Gewalt hatte; aber dennoch waren die letz-\nten fünf Jahre seines Lebens eine furchtbare Kehrseite des\nGeschicks eines Mannes, den Glück und Ruhm mit ihren\nreichsten Gaben überschüttet hatten. Beim Nachhausegehen\naus einer der letzten Proben zu Don Sebastian, in welcher\nder damalige Director der grossen Oper wiederum allerlei\nForderungen über Weglassung oder Aenderung von Musik-\nstücken an ihn gestellt hatte, traf ihn der erste paralytische\nAnfall. Man gewahrte bald, dass nicht nur sein Körper,\nsondern auch sein Verstand gelitten.\nDie pariser Presse war eben nicht sehr eingenommen\nfür Don Sebastian. Donizetti, diesmal äusserst reizbar, theils\ndurch den Einfluss der Krankheit, theils weil er auf diese\nOper viele Mühe verwandt hatte und sie für eine seiner besten\nArbeiten hielt, verliess Paris und ging nach Wien. Hier\nfand er volle Entschädigung für sein gekränktes Gefühl\ndurch eine Reihe von zahlreich besuchten Vorstellungen\nund den andauernden Beifall des Publicums. Er schrieb\ndarüber nach Paris im Jahre 1846:\n„Meine lieben Freunde!\n„Ich kann euch noch keine Einzelheiten über die\nAufführung von Don Sebastian melden, welche vorgestern\nhier Statt gefunden hat; allein die Oper ist mit weit mehr\nWärme als in Paris aufgenommen worden. Drei Stücke\nwurden da capo verlangt; der Beifall tönt noch in meinem\nKopfe fort. Man hat mich auf die Bühne geschleppt und\nmich gezwungen, ich weiss nicht, wie viel Mal, herauszu-\ntreten, was mir gar nicht recht war. Glaubt mir, man wird\nin Paris wieder auf Don Sebastian zurückkommen, den ich\nsorgfältiger als alle meine anderen Partituren gearbeitet\nhabe, und den ich für ein vorzügliches Werk\ncapital) halte. Ich spreche nicht gern von mir; aber die\nArt, wie eure Journale meine Oper behandelt haben, hat\nmich gekränkt und mir viele schlaflose Nächte verursacht.\nMit dem Herrn Director (Leon Pillet) bin ich auch unzu-\nfrieden; er hat mir unglückliche Aenderungen abgenöthigt,\nund Herr Scribe hätte uns auch besser zur Seite stehen\nkönnen, als er gethan hat. Nun, ich will Niemandem wei-\ntere Vorwürfe machen; mit der Zeit wird man vielleicht\ndem, was in Don Sebastian nicht ganz übel ist, Gerechtig-\nkeit widerfahren lassen.\n„Das wiener Klima ist mir nicht günstig; mein Kopf\nbessert sich nicht, und wenn das so fortgeht, so werde ich\nmich gezwungen sehen, auf einige Monate nach Bergamo\nzu gehen, um dort auszuruhen*).\"\nJa wohl, um dort auszuruhen! —Er kam krän-\nker als je nach Paris zurück; man musste ihn in das Irren-\nhaus zu Ivry bringen, und die Wissenschaft versuchte um-\nsonst, seine regelmässige Geistesthätigkeit wieder herzu-\nstellen. Sein Neffe kam auf den Gedanken, ihn nach seiner\nHeimat zurückzubringen, um vielleicht von dem milden\nHimmel Italiens noch eine Heilung zu erwarten.\nEs war im April des Jahres 1848 ; die politische Be-\nwegung war in Italien auf ihre Höhe gestiegen. Bei einer\nNachricht von einem Vortheile über die Gegner belebten\nsich die Strassen in Bergamo, man läutete die Glocken,\nman feuerte Freudenschüsse ab. Da richtet sich Donizetti\nvon seinem Lager auf, Vernunft und Sprache kehren ihm\nauf einen Augenblick zurück, er haucht die Worte „Vater-\nland! Freiheit!\" aus und sinkt todt auf das Kissen zurück."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-02-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-02-04_01#c003", "volume": "bmtnabi_1854-02-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "38", "page_fin": "39", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.2.3", "titre_corps": "Aus Paris.", "titre_sommaire": "Aus Paris.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.6", "debut_caractere": 3776, "fin_caractere_exclue": 5445, "texte": "Aus Paris.\n\nDen 28. Januar 1854.\nAm Dinstag gaben die Italiäner Bellini's Sonnambida mit der\nFrezzolini und Mario in den Hauptrollen und einer Schü-\nlerin der Rh ei n i schen Musikschuie in Köln, Francisca\nVeith, als Lisa. Die ganze Arorstellung war leider eine verfehlte.\nMario, dem sonst« angebeteten Tenor, versagte die Stimme zwei-\nmal in der Arie im zweiten Acte; die Frezzolini wollte mit Gewalt\ndie Frische und das Feuer der Tugend zurückrufen und wurde da-\ndurch an den meisten Stellen unausstehlich, während an anderen\ndie beanx restes uns mehr eine Achtung für das Gewesene, als eine\nBewunderung des Vorhandenen abnöthigten. Frl. Veith war sehr\nbefangen im Spiel; allein ihre äussere Erscheinung gefiel, und man\nrühmte die bewundernswerthe Stimme der jungen Deutschen, welche\nüberhaupt Aufmunterung auf der theatralischen Laufbahn verdiene,\nwenngleich nicht zu verkennen sei, dass sie noch sehr lernen\nmüsse, ihre schöne Stimme zu benutzen. Ich glaube, Frl. Veith\nkann mit dieser Kritik über ihr erstes Auftreten zufrieden sein; bei\nfortgesetztem Studium wird sie gewiss eine bedeutende Zukunft\nhaben. Ob aber das Engagement bei der italiänischen Oper ihr die\ndurchaus nothwendige Gelegenheit zur Erlangung der Bühnen-\nRoutine verschaffen wird, ist sehr zu bezweifeln. Voraussichtlich\nwird sie nur wenig beschäftigt werden, und das ist sehr schade,\nsowohl für sie selbst, als für das Publicum, welches trotz seiner\nLiebhaberei für Ruinen doch auch gern einmal eine frische Blume\ndaneben aufblühen sieht.\nEine andere junge Deutsche, Frl. Wertheimber, früher an\nder komischen Oper, ist bei der Academie imperiale angestellt und\n\n*) France Musicalc, 1854, Nr. 1."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1057, "texte": "wird als Fides im Propheten auftreten; die dritte, oder vielmehr\ndie erste, Sophie Cruvelli, feiert fortwährend als Valentine ihre\nTriumphe. Es ist dies allerdings schmeichelhaft für unseren künst-\nlerischen Nationalstolz, aber bedauernswert!], dass die deutschen\nHofbühnen sich solche Talente entgehen lassen. Spontini's Vcstalin\nwird eifrig studirt; allein wer der Licinius der neuen Julia sein\nsolle, that is the quesiion. —lm hohen Rathe der grossen Oper\nkann man noch nicht darüber einig werden, ob der Licinius mehr\nVortrag oder mehr Lunge erfordere, d. h. ob ihn Roger oder\nGueymard singen müsse.\nAls einen Stern erster Grösse kündigt die italiänische Oper Frau\nEmilie von Petro w itsch-Wa 1 tcr, Enkelin des berühmten\nSerbiers Kara Georg, als Prima Donna assoluta im Fache des dra-\nmatischen Gesanges an. Sie wird zuerst die Lucrezia singen, dann\ndie Norma, Donna Anna, Semiramis und Desdemona. Sie soll noch\njung sein was die Abonnenten nicht eher glauben wollen, als\nbis sie sie gesehen haben. Da;lle Aste wird in der Gazza hulra\nauftreten.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-02-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-02-04_01#c004", "volume": "bmtnabi_1854-02-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "39", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.2.4", "titre_corps": "Sechstes Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale.", "titre_sommaire": "Sechstes Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.7", "debut_caractere": 1059, "fin_caractere_exclue": 4953, "texte": "Sechstes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale.\nDinstag, den 31. Januar.\nEine gute Ausführung der Fr e ischütz -0u vcrtu r c eröff-\nnete den Abend. Ihr folgte das achte Yiolin-Conccrt von Rode,\nvom Concertmeister F. Hartmann ganz vortrefflich gespielt. Wir\nbewunderten von Neuem seinen grossen, breiten Ton, dieses herr-\nliche Erbtheil der Spohr'schen Schule, in so weit überhaupt eine\nSchule den Ton lehren kann; denn wahrlich, der schöne volle Ton\nauf der Violine ist fast eben so sehr Naturgabe, als der Ton der\nmenschlichen Stimme.\nDie Lieder für vierstimmigen gemischten Chor: „Sonntag4,\nvon Hill er, „Auf dem See\" und „Abschied vom Walde (0 Thä-\nler weit u. s. w.)\" von Mendelssohn, machen sich nicht bei\neinem Chor von 200 Stimmen; wir möchten nicht zur Wiederho-\nlung eines ahnlichen Versuches rathen.\nHillers Sinfonie in G-dur, „Im Freien\" betitelt, beschloss die\nerste Abtheilung des Conccrts. Sie erscheint uns jetzt, nachdem der\nComponist die letzte Hand daran gelegt, als ein so bedeutendes\nWerk, wie kaum eines seit Mendelssohns yl-7/?o//-Sinfonie geschrie-\nben worden, Schumann und Gade keineswegs ausgenommen. Wir\nwerden ausführlicher darauf zurückkommen. Die Ausführung der\nSinfonie ist schwierig; trotzdem gingen die drei ersten Sätze vor-\ntrefflich; der letzte schien, wegen Mangels an Zeit zu wiederholten\nProben, noch nicht so ganz in Saft und Blut der Orchester-Mit-\nglieder übergegangen zu sein.\nDie zweite Abtheilung eröffnete eine neue Composition von\nFranz Derckum, eine Fest-Ouvcrturc in D-dur. Nach einer\nkurzen Einleitung, einem zum Theil marschartigen Maestoso, tritt\ndas Allegro, mit einem frisch und kräftig aufjubelnden\nThema in voller Instrumentirung ein; ein zartes, recht melodiöses\nzweites Thema verbindet und verwebt sich mit einzelnen aus dem\nHaupt-Thema genommenen Motiven auf anmuthige Weise, und\nwird mit Modulationen durchgeführt, welche keineswegs herbeige-\nzerrt sind, sondern natürlichen Fluss haben und, was freilich die\nHauptsache ist, aber nichts desto weniger von den Neueren so oft\nvergessen wird, auch wissen, was und wohin sie wollen (wie\nz. B. vor dem sehr wirkungsvollen Eintritt des Haupt-Thema's in\nC-dur). Das Ganze macht besonders durch die Klarheit der Gedan-\nkenfolge und der harmonischen Arbeit, welche an die hohe Ein-\nfachheit der Cherubinischen Ouvertüren erinnern und in erfreu-\nlichem Gegensatze zu dem dissonirenden Getöse so mancher Zeit-\ngenossen stehen, einen wohlthuenden Eindruck.\nZum Schlüsse kam HändeTs Te Deum zur Feier des Siemes\nbei Dettingen zur Aufführung. Bei manchen grossen Schönhei-\nten dieses Werkes, wie das bei Händel nicht wohl anders sein\nkann, leidet dasselbe doch an zwei Dingen, welche eine durchschla-\ngende Wirkung in unserer Zeit unmöglich machen: an Eintönig-\nkeit, welche sowohl durch den Stil der Chöre als durch den Man-\ngel an Abwechselung zwischen Chören und Solostücken verursacht\nwird, und an einer gar zu altvaterischen Behandlung des Orchesters\n(mit ewigen kleinen Zwischenspielen zwischen dem Gesänge) und\ngar zu dürftiger Instrumentirung. Händel hat es mit den Trompe-\nten zwingen wollen; da aber kein Mensch heut zu Tage das blasen\nkann, was er von ihnen verlangt, so müsste wenigstens eine Er-\ngänzung durch vollere Instrumentirung an ihre Stelle treten. Die-\njenige Bearbeitung aber, welche hier gegeben wurde, war grausig;\nvon einem hiesigen Musiker rührt sie nicht her aber warum\nkümmerte man sich nicht zu rechter Zeit um das, was sie enthielt\noder vielmehr nicht enthielt? Wir zweifeln indess, ob auch eine\nbessere dem Te Deum aufhelfen könne; ausser einem oder zwei\nChören trägt es das Gepräge eines Gelegenheits-Werkes, obwohl\nes im Jahre 1743, d. h. nach dem Messias und Samson, componirt\nist. Die Aufführung Hess an Festigkeit und einschlagender Präcision\ndes Chors auch Manches zu wünschen übrig. Herr DuMont\ndie Bass-Soli sehr gut und war ganz vorzüglich bei Stimme."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-02-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-02-04_01#c005", "volume": "bmtnabi_1854-02-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "40", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.2.5", "titre_corps": "Zweites Concert des Männergesang-Vereins in Köln im Casinosaale.", "titre_sommaire": "Zweites Concert des Männergesang-Vereins in Köln im Casinosaale.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.7", "debut_caractere": 4955, "fin_caractere_exclue": 7204, "texte": "Zweites Concert des Männergesang-Vereins\nin Köln\nim Casinosaale.\nDonnerstag, den 2. Februar.\nDas zweite Concert des Männergesang-Vereins unter Leitung\ndes k. Musik-Directors Herrn F. Weber war, wo möglich, noch\nstärker besucht, als das erste, und doch wird von allen Zuhörern\nkeiner den Saal unbefriedigt verlassen haben. Der Verein, zahlreich\nvertreten, zeigte sich einmal recht wieder im vollen Glänze seiner\nvorzüglichen Eigenschaften, und die Wahl der Lieder war glück-\nlich getroffen, um diese Vorzüge ins Licht zu stellen. Wenn die\nKrone der Leistungen des Vereins das Zarte, Weiche, Duftige und\ndas Sentimentale im edleren Sinne bleibt wic der vollendete Vor-\ntrag von Fr. Otto's „Weit, weit über das Thal\" und dessen „Lebe-\nwohl\", von Mcndelssohn's „Schlafe Liebchen\" und dreier Volks-\nlieder von Silcher von Neuem bewies —, so gelingt ihm doch\nauch das Fein-Humoristische, wie in Girschner's „Hüte dich\",\nund das Männlich-Feurige, wie in „Lützow's wilder Jagd\" von C.\nM. von Weber, ganz vortrefflich.\nInteressant war das Concert auch durch die Mitwirkung zweier\njungen Künstlerinnen aus Brüssel, einer Sängerin und einer Vio-\nlinspiclerin. Die erste, Fräulein Serneels. gekrönte Schülerin des\ndortigen Conservatoirc's, sang Bellini's Casta Diva und die Arie der\nMarie aus dem zweiten Acte der Regimentstochter von Donizetti,\nwelche letztere freilich nicht in den Concertsaal passt. Sie ist im\nBesitze eines schönen Mezzo-Soprans von bedeutendem Umfange,\ndessen Ausbildung jedoch noch des Studiums und der Schule, be-\nsonders im Portamcnto, in der Egalität und im Vortrage der Me-\nlodie bedarf, während die Coloratur abgesehen von der Methode,\nmit welcher wir uns nicht befreunden können - schon eine lobens-\nwerte Fertigkeit zeigt. Fräulein Louise Singelee, die drei-\nzehnjährige allerliebste Tochter des Herrn Singelee aus Brüssel, der\nuns als tüchtiger Violinist von den niederrheinischen Musikfesten\nher bekannt ist, spielte ein Beriot'sches Concert und eine Phantasie\nvon Vicuxtemps. Schülerin ihres Vaters und des Conservatoire's\n(wo sie ebenfalls den ersten Preis erhalten), bewährte die jugend-\nliche Violinistin ein wirklich künstlerisches Talent, und ihr reines,\nglattes, ausdrucksvolles und bereits technisch sehr rundes Spiel be-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 280, "texte": "rechtigt zu den schönsten Hoffnungen. Beide erhielten lebhaften\nBeifall; Frl. Singelee wurde gerufen.\nUnter den Zuhörern befand sich Fr. Abt aus Braunschweig,\ndem der Verein nach dem Conccrte in fröhlicher Gesellschaft\ndurch Gesänge und Toaste die ehrenvollste Anerkennung zollte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-02-04-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-02-04_01#c006", "volume": "bmtnabi_1854-02-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "40", "page_fin": "40", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.8", "debut_caractere": 282, "fin_caractere_exclue": 1339, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIi öl li. F. Hiller hat die Carnevalszeit, in welcher kein Ge-\nsellschafts-Concert Statt finden wird, zu einem Ausfluge nach Paris\nbenutzt.\nFräulein Johanna Wagner hat vom Könige von Preussen\nden Titel einer Kammersängerin erhalten.\nVon Dr. E. 0. Lindner wird nächstens ein musikgeschicht-\nliches Werk, „Die erste stehende Oper in Deutschland\",\nerscheinen, mit Beilagen ungedruckter Compositionen von Reinhold\nKaiser.\nMailand, Die Eröffnung der Carnevalszeit hat einen trauri-\ngen Anfang gehabt; an der Scala wurde eine neue Oper vom\nMaestro Buzzi sehr kalt aufgenommen und das Ballet „Uriella\"\nunbarmherzig ausgepfiffen.\nDer Violoncellist Alex. Batta hat im December v. J. auf der\nSeefahrt von Marseille nach Nizza, die man gewöhnlich in\nzwölf Stunden macht, einen viertägigen Sturm ausgestanden. Das\nSchiff ist nur mit grosser Mühe qnd durch Ueberbordwerfcn der\nLadung gerettet worden.\nFrau Nissen-Saloman ist zu Paris an der italienischen\nOper als Elvira in Verdi's Ernani aufgetreten und hat einen Succes\nd'estime gehabt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.1", "texte": "Lohengrin, Oper von Richard Wagner.\nDie leipziger Wochenschrift „Die Grenzboten\" ent-\nhält (Nr. 3 und 4) einen Aufsatz über Wagner's Lohen-\ngrin, der die Schwächen dieses Werkes, das Verfehlte von\nWagner's System überhaupt und das Lächerliche seiner\nPrätentionen so gründlich ins Licht stellt, dass wir unsere\nLeser um so mehr darauf aufmerksam machen müssen, als\ndie von dem Verfasser ohne Zweifel Hrn. Prof. 0. Jahn\nausgesprochenen Ansichten derselben Richtung ange-\nhören, welche wir seit Jahren vertreten, und sie nicht nur\nin der Hauptsache, sondern auch in vielem Einzelnen mit\ndemjenigen übereinstimmen, was wir in unserer Kritik des\nTannhäuser (Rheinische Musik-Zeitung, 111. Jahrgang Nr.\n123 —140) gesagt haben.\nDer erste Abschnitt jenes Aufsatzes behandelt das\nTextbuch, welches eben so, wie die Bearbeitung des Tann-\nhäuser, „die Prätention macht, als eine selbstständige dra-\nmatische Dichtung zu gelten, und desswegen eine genauere\nBetrachtung fordert, weil die Bedeutung der Musik gerade\nin der Eigentümlichkeit des Textes gesucht wird\" —und\ngelangt zu demselben Resultate, zu welchem wir beim\nTannhäuser gekommen sind, dass nämlich von einem Drama\nals poetischem Kunstwerke und von selbstständigen, fest\nausgeprägten dramatischen Gestalten, als Trägern sittlicher\nIdeen, auch im Lohengrin gar nicht die Rede sei. Dies\nlässt sich in diesem noch viel schlagender nachweisen, als\nim Tannhäuser, und der Verfasser hat durch eine ausführ-\nliche Analyse mit Scharfsinn gezeigt, „ dass Lohengrin we-\nder in der Motivirung der Handlung noch in der Charak-\nteristik der Personen den Anforderungen genügt, welche\nman an ein Drama zu stellen hat\". Er weis't „selbst in\nden Motiven nicht allein den Mangel an eigener Erfindung,\nsondern in dem ungeschickten Zusammenkitten einander\nursprünglich fremder, aus verschiedenen Sagen entlehnter,\neinzelner Züge einen noch viel bedenklicheren Mangel an\nVerständniss iür das poetisch Bedeutsame und für poetischen\nZusammenhang\" nach, und vergisst auch nicht was\nwir im Tannhäuser nur beiläufig gerügt haben —, „das\nUnpoetische, die hausbackene Prosa des sprachlichen Aus-\ndrucks, die mit Kummer und Noth elend gereimt ist\",\ndurch viele Beispiele zu belegen.\n„Fragt man dagegen\" schliesst der Verfasser—,\n„ob das Buch als Textbuch, um Musik darauf zu machen,\nangemessen sei, so wird man anerkennen, dass es eine An-\nzahl von Situationen darbiete, welche für musicalische Dar-\nstellung dankbar sind, dass für Abwechslung, für Contraste,\nfür ein scenisches Arrangement gesorgt ist, welches man-\ncherlei musicalische Effecte begünstigt. Allein diese Vorzüge\nbeschränken sich auf die allgemeine Anordnung, und es ist\nleicht einzusehen, dass Wagner gerade durch die Anstren-\ngungen, welche er macht, statt eines Textbuches ein Drama\nzu dichten, die der Musik günstigen Momente schwächt\noder aufhebt; ja, es ist fast komisch, zu sehen, wie fast\nnur da, wo er, ohne daran zu denken, seinem Vorsatze\nuntreu wird und den Text nicht dramatisch, sondern opern-\nhaft behandelt, etwas musicalisch zu Stande kommt. In der\nThat hat Wagner den praktischen Beweis vollständig ge-\nliefert, dass sein Paradoxon, Oper und Drama seien iden-\ntisch und müssen in einander aufgehen, damit das wahre\nKunstwerk entstehe, falsch sei; denn das musicalische Ele-\nment und die Prätention des absolut Dramatischen stehen\neinander im Wege und bringen sich gegenseitig zu Fall.\"\nEs freut uns, in diesen Sätzen vollständig dasjenige,\nwas wir fast auf jeder Seite unserer Kritik des Tannhäuser\nausgesprochen und durch Beispiele erläutert haben, durch\ndie gleiche Ansicht eines so tüchtigen Kritikers bestätigt\nzu lesen.\nDie klare, mit genauer Kenntniss der alten Sagen,\nscharfer Logik und trefflichen ästhetischen und dramatur-\ngischen Kenntnissen ausgeführte Analyse des Gedichtes\nmuss bei dem Verfasser selbst nachgelesen werden. Wir\nkönnen hier nur auszugsweise einige Haupt-Momente der-\nselben angeben.\nDer Kern der Sage vom Lohengrin, einem Ritter des\nheiligen Gral, die ursprünglich in Flandern heimisch ist,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.2", "texte": "aber auch am Niederrheine (der Schwanenritter zu Cleve)\nlebte und in alldeutschen Gedichten vielfach besungen wor-\nden, ist, dass ein Ritter in einem Nachen, der von einem\nSchwan gezogen wird, ans Land kommt, die Liebe der\njungfräulichen Kronerbin gewinnt und sich mit ihr ver-\nmählt. Er nimmt ihr aber das Versprechen ab, nie nach\nseinem Namen und seiner Herkunft zu fragen; denn als-\ndann müsse er sie sogle'ch verlassen. Nach Jahren glück-\nlichen Zusammenlebens wird sie dennoch einstmals ihrem\nVersprechen untreu, und nun verlässt er sie und ihre Kin-\nder auf demselben vom Schwan gezogenen Nachen.\nDieses alte, in unzähligen Sagen aller Zeiten und Völker\nbehandelte Thema von der unbezähmbaren Neugierde der\nFrauen, welche, durch ein Verbot noch mehr gereizt, die\nschönsten Verhältnisse zerstört, tritt hier für unsere Ge-\nfühlsweise an und für sich schon verletzend auf; denn das\nVerbot widerspricht dem Wesen der Liebe, welches auf\ndem hingebenden gegenseitigen Vertrauen beruht. Als\nblosse Prüfung erscheint es lieblos; ist aber wirklich etwas\nzu verheimlichen, so zeigt es einen Mangel an Vertrauen.\nNur eine zwingende Nothwendigkeit kann es rechtfertigen.\nIn der Sage liegt diese nun in dem Mysterium vom heili-\ngen Gral, dessen Ritter als Wesen höherer Art der Un-\nschuld zu Hülfe kamen, deren wirkende Kraft aber an ihr\nUnbekanntbleiben geknüpft war; für uns aber ist sie kei-\nneswegs dadurch klar, denn wir glauben nicht mehr an\ndas Mysterium vom heiligen Gral, wir kennen es nicht ein-\nmal, und es steht unseren Vorstellungen, selbst dem Mysti-\ncismus unserer Zeit, ganz fremd gegenüber. „Für die dra-\nmatische Motivirung\" sagt der Verfasser wörtlich\n„reicht das historisch Factische so wenig aus, als das\nDogma*). Das Wesen des Drama's verlangt Handlung, die\naus bewussten sittlichen Motiven hervorgeht, und die\npsychologische Begründung kann nur aus den sittlichen\nGesetzen hervorgehen, welche unser Bewusstsein als die\nnothwendigen, unveräusserlichen erkennt. Wenn\ndaher ein Verehrer Wagner's meint, es wäre nicht zu ver-\nwundern, wenn beim Ende der Oper\nfest überzeugt von der Existenz des Gral u. s. w. wäre,\nso lässt sich freilich in unserer Zeit des Tischrückens und\nGeisterklopfens das Credo quia nicht ganz\nläugnen; allein eine ganze Partei Don Quixotes des heili-\ngen Gral nein, das kann man selbst Wagner's Musik,\nnicht einmal seinen Verehrern zutrauen*).\"\nDer Verfasser weis't dann nach, wie Wagner aller-\ndings gefühlt habe, den Stoff in einer mehr dem modernen\nBewusstsein entsprechenden Weise motiviren zu müssen, und\ndesshalb viel Zeugs über seinen Lohengrin als Symbol des\nMenschen (früher war Tannhäuser der reine Mensch), der\nsich aus der Verderbtheit der modernen Welt auf die Höhe\ndes Reinen gerettet hat, und über seine Elsa als Symbol\ndes wahrhaft Weiblichen geschrieben, aber die dramatische\nGestaltung der Sage dadurch um nichts gefördert habe.\nWie Telramund, der Prätendent von Brabant und der\nAnkläger Elsa's als einer traumseligen, buhlerischen Maid\nund Mörderin ihres Bruders Gottfried, von Wagner zu\neinem schwachen, kurzsichtigen, in sich unwahren Kerl\ngemacht worden, der uns als „Preis aller Tugend und\nEhre\" vorlügt, er habe „dem Rechte auf Elsa's Hand\nwillig und gern entsagt\", und kurz nachher als Mo-\ntiv seiner Anklage unter Anderem auch behauptet, dass\n„die eitle Magd seine Hand voll Hochmuth von sich\nstiess\", und dann unter Ortrud's, seiner Gattin, Leitung\n„die dümmsten und miserabelsten Streiche\" macht das\nist so ergötzlich dargestellt, dass wir eine wahre Freude\ndaran gehabt haben, da uns dieser Wagner'sche Telramund\nsowohl beim Lesen des Gedichtes als beim Anschauen der\nOper in Wiesbaden als ein so gemeiner Lutr.p vorgekom-\nmen, dass sich weder das geringste Mitleid für ihn regen,\nnoch er den moralisch berechtigten Hass des Galerie-Publi-\ncums gegen einen obligaten Bösewicht auf sich ziehen kann.\nEben so wird die Umbildung Elsa's aus der gesunden\nGestalt der Sage in eine Somnambule und Clairvoyante,\nund die Rührung des guten Königs der Deutschen (leider\nHeinrich der Vogler, von dem wir uns eine ganz andere\nVorstellung zu machen gewohnt sind) und des brabantischen\nVolkes über dieses Verhimmeln mit Fug und Recht ver-\nspottet, und wenn die Aeusserung des Verfassers bei dem\n\n*) \"V'erglwas wir Art. 111. über Tannhäuser in Bezug auf Ma-\nria, auf die Absolution durch den Papst, die Fürbitte der\nHeiligen, das Wunder mit dem Krummstab u. s. w. gesagt\nhaben.\n*) „Die Darstellung von menschlichen Erlebnissen macht noch\nkein Drama; dieses verlangt Charaktere und Thaten. Tann-\nhäuser ist leidend, keineswegs wirkend lind thatkräftig ein\nMensch ohne inneren Halt, ohne ein richtiges oder auch ver-\nfehltes Streben nach Einem Ziele hin, der von einem Seelen-\nZustande zum anderen schwankt, in welchem kein Funke\neiner sittlichen Idee lodert, an die er sein Leben setzt ein\nSpielball äusserer Eindrücke, die ihn ohne sein Zuthun von\neinem Extrem ins andere werfen das Interesse an der\nHandlung beruht auf einer Katastrophe im geheimnissvollen\nJenseits das Menschliche ist aber nicht das specifisch\nChristliche, und das Wunder kann für uns nie eine zu recht-\nfertigende Lösung des dramatischen Knotens sein, weil wir\nnicht mehr daran glauben.\" Tannhäuser, Art. IX. a. o. 0."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.3", "texte": "Moment des Auftrittes, in welchem Lohengrin, nachdem er\ndas bekannte Verbot zweimal wiederholt, Elsa entzückt an\nseine Brust drückt und ruft: „Elsa, ich liebe dich!1' wenn\ndie Aeusserung, dass man nämlich dabei unwillkürlich an\ndie naive Prinzessin Pumphia im Puppenspiel erinnert werde,\netwas boshaft erscheinen könnte, so versichern wir aufs\nWort, dass wir bei der Aufführung des Lohengrin in Wies-\nbaden unserem Nachbar bei dieser Stelle unwillkürlich ins\nOhr raunten: „Ja, Prinz, ich liebe dir!\"\nMit vollem Rechte wird ferner die Einführung des\nheidnischen Elements in der Person der Ortrud, Telra-\nmund's Gattin, getadelt. In dem ehrgeizigen, neidischen,\nrachsüchtigen Charakter dieses Weibes (des Nachbildes der\nEglantine) liegen alle Motive, die der Dichter für ihr Auf-\ntreten braucht. Da hört man auf einmal eine „Explosion\ndes Heidenthums\", einen Anruf des Wodan und der\nFreia, deren Schmach Ortrud rächen will! (Dabei die\nPhrase:\n„Segnet mir Trug und Heuchelei,\nDass glücklich meine Ilache sei\"\ndie an Caspar in der Wolfsschlucht erinnert.) Was soll\ndas? In dem ganzen Drama ist von dem Dasein des Hei-\ndenthums keine Spur weiter vorhanden, geschweige denn,\ndass es als ein lebenskräftiges Element in die Handlung\neingriffe. Und der Graf von Brabant soll (ein Jahrhundert\nnach Unterwerfung der Friesen durch Karl den Grossen!)\neine offenkundige Heidin geheirathet haben? Ganz und\ngar lächerlich wird diese Sache, wenn nun diese Heidin\nin der folgenden Spene in die Kirche geht, dabei sogar\nden Vortritt vor Elsa verlangt und diese rechtmässige und\nchristliche Fürstin verhöhnt und beleidigt, ohne dass sich\neine Christenhand zu deren Schutze erhebt! Diesen Auf-\ntritt wahr oder nur wahrscheinlich zu finden, dazu gehört\nein starker Glaube. Er ist übrigens nur „ein schlecht ge-\nrathener Abklatsch von der Begegnung Brunhild's und\nChriemhild's in den Nibelungen\".\nDass die Zumuthung Telramund's an Elsa, dass sie\nihm behülflich sein solle, ihrem Gemahl nur das kleinste\nGlied abzuschneiden, um dessen Zauber zu brechen\n„Ich bin dir nah' zur Nacht\nRufst du, ohn' Schaden ist es schnell vollbracht\"\neine der widrigsten und befremdendsten sei, die je an eine\nBraut am Hochzeitstage gemacht, dass ferner die Scene, in\nwelcher Elsa ihr Versprechen bricht und die verhängniss-\nvolle Frage an Lohengrin thut, den Zuschauer durchaus\nnicht zur Empfindung einer wahrhaft tragischen Situation\ngelangen lässt, wird genügend, auch durch die Gegenüber-\nstellung der eigentlichen Sage, erläutert. Eben so wahr ist,\nwas sich übrigens einem jeden Zuschauer auf der Stelle\ndarbietet, dass die Scene, in welcher Telramund ins Zim-\nmer hineinstürzt, um Lohengrin zu überfallen, und Elsa\ndiesem sein Schwert reicht, mit welchem er jenen nieder-\nhaut, der Situation in der Euryanthe, wo diese sich der\nSchlange entgegenwirft, um Adolar zu schützen, nachge-\nbildet, hier im Lohengrin nach der bereits eingetretenen\nKatastrophe ohne alle dramatische Bedeutung sei. Für\nuns hatte dieser Auftritt bei der Aufführung auch noch\ndesswegen etwas ganz besonders Widriges, weil man nicht\nbegreift, wie Telramund ins Schloss und vollends ins Braut-\neemach er stürzt durch eine Scitenthür herein habe\nO\ndringen können, und dadurch unwillkürlich ein Verdacht\nauf Elsa's Mitwirkung rege wird, den die oben ausgespro-\nchene Zumuthung des Geächteten und der Wankelmuth\nder nervenschwachen Elsa, deren Urtheil und Vertrauen alle\nAugenblicke durch jede Erregung umdunkelt und erschüt-\ntert wird, rechtfertigen.\nZum Schluss des Drama's klagt Lohengrin Elsa des ge-\nbrochenen Gelübdes an und erklärt in langer Rede, wer\ner sei und was es mit dem heiligen Gral für eine Bewandt-\nniss habe. Dass er seinen Namen nennt, ist in der Ord-\nnung; aber dass er seine Zeitgenossen wie uns Menschen\ndes neunzehnten Jahrhunderts über den Gral belehrt, ist\nkomisch. Der Schwan erscheint, ihn abzuholen; da stürzt\nOrtrud, man weiss nicht, woher und warum, hervor und\ngesteht, dass jener Schwan der verzauberte Bruder Elsa's,\nGottfried, der Erbe von Brabant, sei. Lohengrin sinkt aufs\nKnie und betet, eine weisse Taube senkt sich nieder, er\nlös't dem Schwan die Kette, der taucht unter, und Gott-\nfried kommt herauf. Ortrud stürzt zu Boden, Elsa sinkt,\nals Lohengrin im Nachen sich entfernt, entseelt nieder, und\nes bleibt nur der gute König (der im ganzen Drama nichts\nthut, als sich wundert und dann und wann den Kopf schüt-\ntelt) und der stets gerührte Chor übrig. Ueber alles das\nbemerkt der Verfasser sehr richtig:\n„Die Einmischung Gottfried's, die schon im Eingange\nstörend ist, wird es noch viel mehr am Schlüsse, der an-\nstatt eine Lösung oder Sühne des tragischen Conflictes zu\nbringen, unser Interesse auf einen Gegenstand richtet, wel-\ncher der eigentlichen Handlung fremd ist. Was geht den\nZuschauer, welchen Elsa und Lohengrin beschäftigen, die\nSuccession in Brabant an? Und nun gar der ganze Zauber-\nund Verwandlungs-Apparat, wie aus der\nwie widerwärtig kindisch schliesst er ein Drama, das die\nPrätention macht, poetische Aufgaben poetisch zu lösen!"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.4", "texte": "Und Lohengrin, der überhaupt nichts weiter thut, als\ndass er den Telramund im Zweikampfe besiegt und ihn\nnachher niederstreckt, übrigens bloss dazu da ist, um Elsa\nzu verbieten, ihn zu fragen, und sie vor dem Ungehorsam\nzu behüten, ergeht sich in seinen letzten Reden in einer\nsolchen Salbung und verliert sich in eine so breiweiche\nSentimentalität, dass vom Ritter und Helden auch gar\nnichts übrig bleibt.\"\nEndlich erscheint der Chor in diesem Drama der Zu-\nkunft „ohne alle dramatische Individualität; er hat gar keine\nMein un g, kaum eine eigene Stimmung, davon abge-\nsehen, dass er immer bereit ist, über Lohengrin gerührt\nzu werden; sonst ist er das getreue Echo dessen, was er\nzuletzt gehört hat, und führt stets einen trivialen Gemein-\nplatz im Munde.\"\n(Schluss folgt.)\n\nGaetano Donizetti.\nDonizetti ist zu Bergamo im Jahre 1798 geboren.\nHervorragende musicalische Anlagen bestimmten schon früh\nseinen Beruf zum Tonkünstler, zu welchem ihn Simon Mavr\nmit besonderem Gefallen und Wohlwollen ausbildete. Spä-\nterhin genoss er auch den Unterricht des berühmten Pater\nMatei zu Bologna, dessen Schule auch Rossini, der nur\nsechs Jahre älter als Donizetti war, eine Zeit lang benutzt\nhatte. Trotz dieses geringen Unterschiedes an Jahren kann\nman dennoch beide Componisten nur im Leben, aber nicht\nin der Geschichte der Musik als Zeitgenossen betrachten;\nobwohl Donizetti todt und Rossini noch am Leben ist, so\nmuss doch der letztere als Vorläufer Donizetti's, als Grün-\nder der neueren italienischen Schule gelten, als derjenige,\nder die Reaction der Melodie, der absoluten Melodie, möch-\nten wir sagen, gegen die declamatorische Musik ins Leben\ngerufen hat. Dass diese an sich wohlthätige Reaction eben\nso wie ihre politische Schwester das Maass überschritt und\nneben dem Guten, das sie hatte, auch gar viel Unheil\nbrachte, daran brauchen wir nur in so fern noch einmal zu\nerinnern, als Donizetti seinen reichen Antheil daran im Gu-\nten und Bösen und seinen Lohn dafür dahin hat.\nAls Donizetti seine erste Oper, Enrico di Burgogna,\nim Jahre 1818 zu Venedig aufs Theater brachte, hatte\nRossini bereits deren 15 —l6 geschrieben, und darunter\nWerke wie Tancredi und die lialiana in Algieri (1812),\nII Barbiere de Seviglia und Otello (1816), Cenerentola und\nGossa ladra (1817) u. s. w. Donizetti's erstes Auftreten\nwar kein glückliches; das Publicum nahm seine Oper\nsehr kalt und mit nur zu ausdrucksvollem Stillschweigen\nauf, während die Kenner jedoch in dem jungen Compo-\nnisten Talent erkannten und ihn zum Beharren auf der be-\ngonnenen Bahn ermunterten.\nUnd in der That rechtfertigte schon im folgenden\nJahre die zweite Oper desselben,\nihr Vertrauen; denn diese hatte wiewohl nachher bald\nvergessen im Jahre 1819 auf derselben Bühne zu Ve-\nnedig einen Erfolg, der Donizetti's Namen bei den\nsari der vorzüglichsten Theater in Italien bekannt machte.\nSimon Mayr, der bis zu Bossini's Auftreten ein unbestritte-\nnes Ansehen als Maestro in Italien genoss, schrieb dem\nUnternehmer in Neapel, der ihn einlud, dort eine Oper für\nihn zu schreiben: „Ich schicke Ihnen Donizetti, und Sie\nwerden bei dem Tausche nicht zu kurz kommen.\"\nSeine Befreiung vom Kriegsdienste verdankte der junge\nTonkünstler der Composition der Oper\nnada, welche im Jahre 1822 in Rom einen ungeheuren\nErfolg hatte. Man bereitete ihm einen förmlichen Triumph-\nzug, bei welchem er auf einem mit acht Pferden bespann-\nten Wagen erschien. In den folgenden fünf Jahren schrieb\ner nicht weniger als zwölf Opern (zwei für Rom, eine für\nMailand, die übrigen neun für Neapel), deren Erfolge sehr\nverschieden waren; entscheidend war kein einziger, und es\nhat sich auch nichts aus dieser Periode auf dem Repertoire\nerhalten.\nAllein der überquellende Reichthum an melodischem\nStoffe und die fabelhafte Leichtigkeit und Schnelligkeit der\nArbeit vergrösserten seinen Ruf, so dass ihm Barbaja in\nNeapel einen glänzenden Contract. anbot, durch dessen An-\nnahme er sein Talent auf vier Jahre, 1827 1830, dem\nberühmten Unternehmer zur Verfügung stellte. Während\ndieser Dienstzeit lieferte Donizetti fünfzehn Partituren, unter\ndenen L'Esule di Borna und ein grosses dramatisches Ora^\ntorium, II Diluvio universale (die Sündflut) am meisten\ngefielen, aber auch nicht über die Gränzen Italiens hinaus-\ngekommen sind. Interessant dürfte vielleicht für uns, zum\nVergleich mit Lortzing's Czaar und Zimmermann, die Ein-\nsicht der Partitur von II Borgomaslro di Sardam sein, wel-\nches die erste Oper war, die er in dieser Periode für Bar-\nbaja schrieb (1827).\nMit der Composition der für Mailand im\nJahre 1831 erreichte er eine bedeutend höhere Stufe des\nRuhmes, indem sich von nun an besonders auch ein ge-\nwisses Talent für die musicalische Darstellung tragischer\nSituationen entwickelte, welches ihm durchaus nicht abge-\nsprochen werden kann. Auch gab ihm Rossini nachmals"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.5", "texte": "das Zeugniss, dass von allen Componisten, die er gekannt\nhabe, Donizetti der einzige sei, der Athem genug habe, um\nmit andauernder Begeisterung bis ans Ende einer Oper\nzu gelangen.\nEs folgten als Opern, welche dauernden Erfolg hatten\nund eben sowohl in Frankreich und Deutschland, wie in\nItalien Glück machten: L'Elisire d'Amore (Mailand 1832),\nTorquato Tasso (Rom 1833), Lucrezia Borgia (Mailand\n1834), welche merkwürdiger Weise in Italien nur lang-\nsam Boden fasste, Lucia di (Neapel 1835)\nBelisario (Venedig 1836).\nIm Jahre 1835 war Donizetti zum ersten Male, je-\ndoch nur kurze Zeit, in Paris gewesen und hatte da seinen\nMarino Falierigeschrieben, welcher kein Glück machte,\nein Fall, über den sich Niemand leichter tröstet, als ein\nitaliänischer Maestro, und den übrigens Donizetti noch in\ndemselben Jahre zu Neapel durch die Lucia glänzend wie-\nder gut machte. Das Jahr 1840 brachte er in Paris zu\nund schrieb dort die „Regimentstochter\", „Die Märtyrer\"\nund „Die Favorite\". Die beiden folgenden Jahre lebte er\nabwechselnd in Rom, Mailand und Wien; für Wien schrieb\ner 1842 seine Linda diChamouni und 1843\nRohan, für Paris in demselben Jahre Don Pasquale und Don\nSebastien. Weder die Regimentstochter noch Don Sebastian\nhatten in Paris grossen Erfolg, während das letztere Werk\nin Wien eine lange Reihe von Vorstellungen erlebte, und\ndie Regimentstochter bekanntlich in Deutschland die belieb-\nteste Oper Donizetti's wurde.\nDonizetti ist unstreitig der fruchtbarste Componist un-\nserer Zeit gewesen. Von 1818 bis 1844, also in sechs-\nundzwanzig Jahren, hat er 65 Opern geschrieben, deren\njede einen ganzen Abend füllte; ausserdem zwölf Cantaten\nund Festspiele, mehrere Messen (auch zwei Requiem),\nOuvertüren für Orchester und für Militär-Musik, viele\nSammlungen von Arien, Romanzen, Duetten, einige Violin-\nQuartette, endlich mehrere Sonaten und Variationen für\nPianoforte. Er hob alles auf, was er aufs Papier warf, und\nschob es in besondere Mappen, welche je nach dem Inhalt\nder Musikstücke bestimmte Aufschriften hatten.\nIn Paris besuchte ihn der grosse Musicalien-Verleger\nRicordi aus Mailand. Es war gerade um die Zeit, als Don\nPasquale probirt wurde. Die Oper wollte bei den Orchester-\nMitgliedern keinen rechten Anklang finden; die General-\nProbe ging ohne Aeusserungen des Beifalls vorüber. Nur\nDonizetti hatte Vertrauen auf den Erfolg, sagte aber zu\nRicordi: „Komm einmal eben mit, ich muss in den dritten\nAct noch eine Serenade einlegen; sei so gut und bringe\nsie zu Mario ich bin zu erschöpft, um noch herumzu-\nlaufen.\" Zu Hause angekommen, nimmt er ein Noten-\nblatt aus der Mappe Nr. I, überlies't es kaum noch einmal,\ndrückt es Ricordi in die Hand und drängt ihn zur Thür.\nDieser nimmt sich nur eben noch Zeit, ihn zu fragen,\nob die Mappen, die er da sehe, lauter Manuscripte enthielten.\n„Ja wohl,\" sagte Donizetti „das sind Hobel-\nspäne, der Abfall meiner Opern; in Nr. I liegen Romanzen\nund Arien, in Nr. II allerhand Melodieen unbestimmten In-\nhalts, in Nr. 111 Bruchstücke von Ensembles und Finalen.\nMach, dass du fort kommst. Um 5 Uhr lasse ich ihn bitten,\nmit mir zu probiren.\"\nDon Pasquale machte Glück, und Mario's Serenade im\ndritten Acte wurde ungeheuer beklatscht.\nAm anderen Morgen fand sich Ricordi wieder ein,\nwünschte dem Freunde zu dem neuen Erfolge Glück, zeigte\nauf die Mappen und sagte: „Ich kaufe dir die ganze Mappe\nNr. I ungesehen ab.\"\nDein Ernst? erwidert Donizetti: Gut! gib\nmir die Brustnadel mit dem grossen Diamant, die du da\nträgst.\nSie tauschen wirklich, und Ricordi fand in der Mappe\nan 8 lO Melodieen, mit denen er gute Geschäfte machte.\nDer Zufall wollte, dass einige Zeit darauf ein Juwelier die\nBrustnadel Donizetti's bewunderte. Der Componist reichte\nsie ihm zu genauerer Betrachtung hin, und jener rief aus:\n„In der That wunderbar! Es ist unmöglich, die Kunst der\nNachahmung des Echten weiter zu treiben!\" Wer er-\nstaunte mehr, als unser Künstler! Er schrieb nach Mai-\nland. Ricordi war in London angelührt worden, wo man\nbei einer Reparatur der Fassung ihm den echten Diamant\nvertauscht hatte. Er sandte Donizetti einen Wechsel von\n200 Louisd'or auf Rothschild.\nDonizetti war nicht nur Musiker, sondern auch Dich-\nter; die Textbücher der Regimentstochter und des Don\nPasquale sind von ihm selbst, eben so Betly und Oliva e\nPasquale. Wie schnell er als Musiker arbeitete, ist schon\nerwähnt; die Regimentstochter soll er in 8 —lO Tagen,\nDon Pasquale in 1 1 Tagen componirt haben. Sobald er\neine Oper angefangen, blieb er wie in einer Art von Rausch\ndaran und hatte bis zu deren Vollendung für nichts Anderes\nauf der Welt Sinn. Er konnte seine Gedanken in solchem\nGrade von dem, was um ihn her vorging, mochte dies\nauch die rauschendste oder anziehendste Musik sein, isoli-\nren, dass man oft gesehen hat, wie er während der Proben\nmit ganzem Orchester Cavatinen und Duette, ja, lange\nStellen eines Finale umarbeitete."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.6", "texte": "Diese ungeheure, fieberhafte Thätigkeit seines schaf-\nfenden Geistes brach endlich unter der eigenen Last, die\nsie fort und fort anhäufte, zusammen. Sein überreizter Zu-\nstand und der damit verbundene Aerger bei den letzten\nProben zur Oper Don Sebastian in Paris brachten plötzlich\neine erste Erschütterung des Gehirnnerven-Systems her-\nvor, deren Möglichkeit früher auch nicht durch das geringste\nSymptom angedeutet worden war. Zwar kehrten nicht nur\nlichte Augenblicke, sondern auch ganze Zeiträume zurück,\nin denen er den vollen Gebrauch seiner Verstandeskräfte\nwieder in der Gewalt hatte; aber dennoch waren die letz-\nten fünf Jahre seines Lebens eine furchtbare Kehrseite des\nGeschicks eines Mannes, den Glück und Ruhm mit ihren\nreichsten Gaben überschüttet hatten. Beim Nachhausegehen\naus einer der letzten Proben zu Don Sebastian, in welcher\nder damalige Director der grossen Oper wiederum allerlei\nForderungen über Weglassung oder Aenderung von Musik-\nstücken an ihn gestellt hatte, traf ihn der erste paralytische\nAnfall. Man gewahrte bald, dass nicht nur sein Körper,\nsondern auch sein Verstand gelitten.\nDie pariser Presse war eben nicht sehr eingenommen\nfür Don Sebastian. Donizetti, diesmal äusserst reizbar, theils\ndurch den Einfluss der Krankheit, theils weil er auf diese\nOper viele Mühe verwandt hatte und sie für eine seiner besten\nArbeiten hielt, verliess Paris und ging nach Wien. Hier\nfand er volle Entschädigung für sein gekränktes Gefühl\ndurch eine Reihe von zahlreich besuchten Vorstellungen\nund den andauernden Beifall des Publicums. Er schrieb\ndarüber nach Paris im Jahre 1846:\n„Meine lieben Freunde!\n„Ich kann euch noch keine Einzelheiten über die\nAufführung von Don Sebastian melden, welche vorgestern\nhier Statt gefunden hat; allein die Oper ist mit weit mehr\nWärme als in Paris aufgenommen worden. Drei Stücke\nwurden da capo verlangt; der Beifall tönt noch in meinem\nKopfe fort. Man hat mich auf die Bühne geschleppt und\nmich gezwungen, ich weiss nicht, wie viel Mal, herauszu-\ntreten, was mir gar nicht recht war. Glaubt mir, man wird\nin Paris wieder auf Don Sebastian zurückkommen, den ich\nsorgfältiger als alle meine anderen Partituren gearbeitet\nhabe, und den ich für ein vorzügliches Werk\ncapital) halte. Ich spreche nicht gern von mir; aber die\nArt, wie eure Journale meine Oper behandelt haben, hat\nmich gekränkt und mir viele schlaflose Nächte verursacht.\nMit dem Herrn Director (Leon Pillet) bin ich auch unzu-\nfrieden; er hat mir unglückliche Aenderungen abgenöthigt,\nund Herr Scribe hätte uns auch besser zur Seite stehen\nkönnen, als er gethan hat. Nun, ich will Niemandem wei-\ntere Vorwürfe machen; mit der Zeit wird man vielleicht\ndem, was in Don Sebastian nicht ganz übel ist, Gerechtig-\nkeit widerfahren lassen.\n„Das wiener Klima ist mir nicht günstig; mein Kopf\nbessert sich nicht, und wenn das so fortgeht, so werde ich\nmich gezwungen sehen, auf einige Monate nach Bergamo\nzu gehen, um dort auszuruhen*).\"\nJa wohl, um dort auszuruhen! —Er kam krän-\nker als je nach Paris zurück; man musste ihn in das Irren-\nhaus zu Ivry bringen, und die Wissenschaft versuchte um-\nsonst, seine regelmässige Geistesthätigkeit wieder herzu-\nstellen. Sein Neffe kam auf den Gedanken, ihn nach seiner\nHeimat zurückzubringen, um vielleicht von dem milden\nHimmel Italiens noch eine Heilung zu erwarten.\nEs war im April des Jahres 1848 ; die politische Be-\nwegung war in Italien auf ihre Höhe gestiegen. Bei einer\nNachricht von einem Vortheile über die Gegner belebten\nsich die Strassen in Bergamo, man läutete die Glocken,\nman feuerte Freudenschüsse ab. Da richtet sich Donizetti\nvon seinem Lager auf, Vernunft und Sprache kehren ihm\nauf einen Augenblick zurück, er haucht die Worte „Vater-\nland! Freiheit!\" aus und sinkt todt auf das Kissen zurück.\n\nAus Paris.\n\nDen 28. Januar 1854.\nAm Dinstag gaben die Italiäner Bellini's Sonnambida mit der\nFrezzolini und Mario in den Hauptrollen und einer Schü-\nlerin der Rh ei n i schen Musikschuie in Köln, Francisca\nVeith, als Lisa. Die ganze Arorstellung war leider eine verfehlte.\nMario, dem sonst« angebeteten Tenor, versagte die Stimme zwei-\nmal in der Arie im zweiten Acte; die Frezzolini wollte mit Gewalt\ndie Frische und das Feuer der Tugend zurückrufen und wurde da-\ndurch an den meisten Stellen unausstehlich, während an anderen\ndie beanx restes uns mehr eine Achtung für das Gewesene, als eine\nBewunderung des Vorhandenen abnöthigten. Frl. Veith war sehr\nbefangen im Spiel; allein ihre äussere Erscheinung gefiel, und man\nrühmte die bewundernswerthe Stimme der jungen Deutschen, welche\nüberhaupt Aufmunterung auf der theatralischen Laufbahn verdiene,\nwenngleich nicht zu verkennen sei, dass sie noch sehr lernen\nmüsse, ihre schöne Stimme zu benutzen. Ich glaube, Frl. Veith\nkann mit dieser Kritik über ihr erstes Auftreten zufrieden sein; bei\nfortgesetztem Studium wird sie gewiss eine bedeutende Zukunft\nhaben. Ob aber das Engagement bei der italiänischen Oper ihr die\ndurchaus nothwendige Gelegenheit zur Erlangung der Bühnen-\nRoutine verschaffen wird, ist sehr zu bezweifeln. Voraussichtlich\nwird sie nur wenig beschäftigt werden, und das ist sehr schade,\nsowohl für sie selbst, als für das Publicum, welches trotz seiner\nLiebhaberei für Ruinen doch auch gern einmal eine frische Blume\ndaneben aufblühen sieht.\nEine andere junge Deutsche, Frl. Wertheimber, früher an\nder komischen Oper, ist bei der Academie imperiale angestellt und\n\n*) France Musicalc, 1854, Nr. 1."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.7", "texte": "wird als Fides im Propheten auftreten; die dritte, oder vielmehr\ndie erste, Sophie Cruvelli, feiert fortwährend als Valentine ihre\nTriumphe. Es ist dies allerdings schmeichelhaft für unseren künst-\nlerischen Nationalstolz, aber bedauernswert!], dass die deutschen\nHofbühnen sich solche Talente entgehen lassen. Spontini's Vcstalin\nwird eifrig studirt; allein wer der Licinius der neuen Julia sein\nsolle, that is the quesiion. —lm hohen Rathe der grossen Oper\nkann man noch nicht darüber einig werden, ob der Licinius mehr\nVortrag oder mehr Lunge erfordere, d. h. ob ihn Roger oder\nGueymard singen müsse.\nAls einen Stern erster Grösse kündigt die italiänische Oper Frau\nEmilie von Petro w itsch-Wa 1 tcr, Enkelin des berühmten\nSerbiers Kara Georg, als Prima Donna assoluta im Fache des dra-\nmatischen Gesanges an. Sie wird zuerst die Lucrezia singen, dann\ndie Norma, Donna Anna, Semiramis und Desdemona. Sie soll noch\njung sein was die Abonnenten nicht eher glauben wollen, als\nbis sie sie gesehen haben. Da;lle Aste wird in der Gazza hulra\nauftreten.\n\nB. P.\n\nSechstes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale.\nDinstag, den 31. Januar.\nEine gute Ausführung der Fr e ischütz -0u vcrtu r c eröff-\nnete den Abend. Ihr folgte das achte Yiolin-Conccrt von Rode,\nvom Concertmeister F. Hartmann ganz vortrefflich gespielt. Wir\nbewunderten von Neuem seinen grossen, breiten Ton, dieses herr-\nliche Erbtheil der Spohr'schen Schule, in so weit überhaupt eine\nSchule den Ton lehren kann; denn wahrlich, der schöne volle Ton\nauf der Violine ist fast eben so sehr Naturgabe, als der Ton der\nmenschlichen Stimme.\nDie Lieder für vierstimmigen gemischten Chor: „Sonntag4,\nvon Hill er, „Auf dem See\" und „Abschied vom Walde (0 Thä-\nler weit u. s. w.)\" von Mendelssohn, machen sich nicht bei\neinem Chor von 200 Stimmen; wir möchten nicht zur Wiederho-\nlung eines ahnlichen Versuches rathen.\nHillers Sinfonie in G-dur, „Im Freien\" betitelt, beschloss die\nerste Abtheilung des Conccrts. Sie erscheint uns jetzt, nachdem der\nComponist die letzte Hand daran gelegt, als ein so bedeutendes\nWerk, wie kaum eines seit Mendelssohns yl-7/?o//-Sinfonie geschrie-\nben worden, Schumann und Gade keineswegs ausgenommen. Wir\nwerden ausführlicher darauf zurückkommen. Die Ausführung der\nSinfonie ist schwierig; trotzdem gingen die drei ersten Sätze vor-\ntrefflich; der letzte schien, wegen Mangels an Zeit zu wiederholten\nProben, noch nicht so ganz in Saft und Blut der Orchester-Mit-\nglieder übergegangen zu sein.\nDie zweite Abtheilung eröffnete eine neue Composition von\nFranz Derckum, eine Fest-Ouvcrturc in D-dur. Nach einer\nkurzen Einleitung, einem zum Theil marschartigen Maestoso, tritt\ndas Allegro, mit einem frisch und kräftig aufjubelnden\nThema in voller Instrumentirung ein; ein zartes, recht melodiöses\nzweites Thema verbindet und verwebt sich mit einzelnen aus dem\nHaupt-Thema genommenen Motiven auf anmuthige Weise, und\nwird mit Modulationen durchgeführt, welche keineswegs herbeige-\nzerrt sind, sondern natürlichen Fluss haben und, was freilich die\nHauptsache ist, aber nichts desto weniger von den Neueren so oft\nvergessen wird, auch wissen, was und wohin sie wollen (wie\nz. B. vor dem sehr wirkungsvollen Eintritt des Haupt-Thema's in\nC-dur). Das Ganze macht besonders durch die Klarheit der Gedan-\nkenfolge und der harmonischen Arbeit, welche an die hohe Ein-\nfachheit der Cherubinischen Ouvertüren erinnern und in erfreu-\nlichem Gegensatze zu dem dissonirenden Getöse so mancher Zeit-\ngenossen stehen, einen wohlthuenden Eindruck.\nZum Schlüsse kam HändeTs Te Deum zur Feier des Siemes\nbei Dettingen zur Aufführung. Bei manchen grossen Schönhei-\nten dieses Werkes, wie das bei Händel nicht wohl anders sein\nkann, leidet dasselbe doch an zwei Dingen, welche eine durchschla-\ngende Wirkung in unserer Zeit unmöglich machen: an Eintönig-\nkeit, welche sowohl durch den Stil der Chöre als durch den Man-\ngel an Abwechselung zwischen Chören und Solostücken verursacht\nwird, und an einer gar zu altvaterischen Behandlung des Orchesters\n(mit ewigen kleinen Zwischenspielen zwischen dem Gesänge) und\ngar zu dürftiger Instrumentirung. Händel hat es mit den Trompe-\nten zwingen wollen; da aber kein Mensch heut zu Tage das blasen\nkann, was er von ihnen verlangt, so müsste wenigstens eine Er-\ngänzung durch vollere Instrumentirung an ihre Stelle treten. Die-\njenige Bearbeitung aber, welche hier gegeben wurde, war grausig;\nvon einem hiesigen Musiker rührt sie nicht her aber warum\nkümmerte man sich nicht zu rechter Zeit um das, was sie enthielt\noder vielmehr nicht enthielt? Wir zweifeln indess, ob auch eine\nbessere dem Te Deum aufhelfen könne; ausser einem oder zwei\nChören trägt es das Gepräge eines Gelegenheits-Werkes, obwohl\nes im Jahre 1743, d. h. nach dem Messias und Samson, componirt\nist. Die Aufführung Hess an Festigkeit und einschlagender Präcision\ndes Chors auch Manches zu wünschen übrig. Herr DuMont\ndie Bass-Soli sehr gut und war ganz vorzüglich bei Stimme.\n\nZweites Concert des Männergesang-Vereins\nin Köln\nim Casinosaale.\nDonnerstag, den 2. Februar.\nDas zweite Concert des Männergesang-Vereins unter Leitung\ndes k. Musik-Directors Herrn F. Weber war, wo möglich, noch\nstärker besucht, als das erste, und doch wird von allen Zuhörern\nkeiner den Saal unbefriedigt verlassen haben. Der Verein, zahlreich\nvertreten, zeigte sich einmal recht wieder im vollen Glänze seiner\nvorzüglichen Eigenschaften, und die Wahl der Lieder war glück-\nlich getroffen, um diese Vorzüge ins Licht zu stellen. Wenn die\nKrone der Leistungen des Vereins das Zarte, Weiche, Duftige und\ndas Sentimentale im edleren Sinne bleibt wic der vollendete Vor-\ntrag von Fr. Otto's „Weit, weit über das Thal\" und dessen „Lebe-\nwohl\", von Mcndelssohn's „Schlafe Liebchen\" und dreier Volks-\nlieder von Silcher von Neuem bewies —, so gelingt ihm doch\nauch das Fein-Humoristische, wie in Girschner's „Hüte dich\",\nund das Männlich-Feurige, wie in „Lützow's wilder Jagd\" von C.\nM. von Weber, ganz vortrefflich.\nInteressant war das Concert auch durch die Mitwirkung zweier\njungen Künstlerinnen aus Brüssel, einer Sängerin und einer Vio-\nlinspiclerin. Die erste, Fräulein Serneels. gekrönte Schülerin des\ndortigen Conservatoirc's, sang Bellini's Casta Diva und die Arie der\nMarie aus dem zweiten Acte der Regimentstochter von Donizetti,\nwelche letztere freilich nicht in den Concertsaal passt. Sie ist im\nBesitze eines schönen Mezzo-Soprans von bedeutendem Umfange,\ndessen Ausbildung jedoch noch des Studiums und der Schule, be-\nsonders im Portamcnto, in der Egalität und im Vortrage der Me-\nlodie bedarf, während die Coloratur abgesehen von der Methode,\nmit welcher wir uns nicht befreunden können - schon eine lobens-\nwerte Fertigkeit zeigt. Fräulein Louise Singelee, die drei-\nzehnjährige allerliebste Tochter des Herrn Singelee aus Brüssel, der\nuns als tüchtiger Violinist von den niederrheinischen Musikfesten\nher bekannt ist, spielte ein Beriot'sches Concert und eine Phantasie\nvon Vicuxtemps. Schülerin ihres Vaters und des Conservatoire's\n(wo sie ebenfalls den ersten Preis erhalten), bewährte die jugend-\nliche Violinistin ein wirklich künstlerisches Talent, und ihr reines,\nglattes, ausdrucksvolles und bereits technisch sehr rundes Spiel be-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540204-01.1.8", "texte": "rechtigt zu den schönsten Hoffnungen. Beide erhielten lebhaften\nBeifall; Frl. Singelee wurde gerufen.\nUnter den Zuhörern befand sich Fr. Abt aus Braunschweig,\ndem der Verein nach dem Conccrte in fröhlicher Gesellschaft\ndurch Gesänge und Toaste die ehrenvollste Anerkennung zollte.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIi öl li. F. Hiller hat die Carnevalszeit, in welcher kein Ge-\nsellschafts-Concert Statt finden wird, zu einem Ausfluge nach Paris\nbenutzt.\nFräulein Johanna Wagner hat vom Könige von Preussen\nden Titel einer Kammersängerin erhalten.\nVon Dr. E. 0. Lindner wird nächstens ein musikgeschicht-\nliches Werk, „Die erste stehende Oper in Deutschland\",\nerscheinen, mit Beilagen ungedruckter Compositionen von Reinhold\nKaiser.\nMailand, Die Eröffnung der Carnevalszeit hat einen trauri-\ngen Anfang gehabt; an der Scala wurde eine neue Oper vom\nMaestro Buzzi sehr kalt aufgenommen und das Ballet „Uriella\"\nunbarmherzig ausgepfiffen.\nDer Violoncellist Alex. Batta hat im December v. J. auf der\nSeefahrt von Marseille nach Nizza, die man gewöhnlich in\nzwölf Stunden macht, einen viertägigen Sturm ausgestanden. Das\nSchiff ist nur mit grosser Mühe qnd durch Ueberbordwerfcn der\nLadung gerettet worden.\nFrau Nissen-Saloman ist zu Paris an der italienischen\nOper als Elvira in Verdi's Ernani aufgetreten und hat einen Succes\nd'estime gehabt."}]}