{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-04-08-01", "volume": "bmtnabi_1854-04-08_01", "ocr_sha256": "fae2cf5d4e1272acbd506e718308131159846c1a7cf54b5294f344744df0b0f4", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/04/08_01/bmtnabi_1854-04-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-04-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-04-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1854-04-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "106", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.2.1", "titre_corps": "Musicalische Zustände in den Vereinigten Staaten von Nordamerica.", "titre_sommaire": "Musicalische Zustände in den Vereinigten Staaten von Nordamerica.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3983, "texte": "Musicalische Zustände in den Vereinigten Staaten\nvon Nordamerica.\nI.\nWenn ich daran gehe, Ihnen eine Skizze unserer mu-\nsicalischen Zustände zu entwerfen, so fühle ich sehr wohl,\nwelch eine schwierige Aufgabe ich mir stelle; denn es gilt\nvor Allem, Vorurtheile zu bekämpfen, welche in Europa,\nund besonders in Deutschland, über Nordamerica in Hin-\nsicht auf die Stufe der musicalischen Bildung, die wir\nerreicht haben, bestehen, und auf der anderen Seite den\neuropäischen Künstlern die Augen zu öffnen, welche jen-\nseit des atlantischen Meeres ein Californien vermuthen,\nwo man nur den Mund zu einiger Maassen erträglichem\nGesänge zu öffnen, oder die Finger auf die Tasten oder\nSaiten zu legen brauche, um Wolken von Goldstaub auf-\nzuregen, den man bequem in Säcke sammeln und nach\nHause tragen könne.\nEs ist das Loos von America, dass fast in jeder Be-\nziehung die Vorstellungen, die man sich davon macht, über-\ntrieben sind, sowohl von dessen Vorzügen als Mängeln, und\nes gibt sicher kein Land auf Erden, das mit mehr Hecht\ndas Land der Phantasie und der Illusion zu heissen ver-\ndient, als America, trotz seiner prosaischen Nüchternheit\nund seiner hausbackenen Realität, oder vielmehr eben we-\ngen derselben. Der Dichter, der Künstler, überhaupt der\ngebildete, fühlende Mensch, der ausser dem sieht- und\ngreifbaren Gute hier für Gemüth und Herz und Einbil-\ndungskraft noch etwas Anderes sucht, dessen Werth nicht\nvon der Materie, sondern von einer Idee bedingt wird, der\nwird sehr bald inne werden, dass Dante's Inschrift: „ Wer\nhier eintritt, lasse jede Hoffnung draussen!\" auf die War-\nnungstafeln an den americanischen Häfen gehöre.\nDass ein solcher Boden lür die Kunst günstig sei, wird\nNiemand behaupten wollen. Bei allen Völkern, wo die\ngeistige Cultur sich aus dem Gemüthe und der Phantasie\nentwickelt hat, ist ein organisches Leben und Wachsen der\nKunst naturgemäss; in America aber hat nur die Civili-\nsation alles, was vorhanden ist, erzeugt und empor getrie-\nben, und die Cultur muss erst auf diese gepfropft werden.\nNatürliche Blüthen kann die Kunst hier nicht treiben,\nihre Haine müssen angepflanzt werden, sie wachsen nicht\nvon selbst, und wir werden noch lange die hangenden\nGärten der Semiramis auf den Hachen Dächern bewundern\nund uns mit dem \\ankee-Stolze trösten müssen, dass wir\ndie Kärrner bezahlen können, welche das Erdreich hinauf\nschaffen, damit da droben etwas wachse.\nIn den Vereinigten Staaten muss man in Bezug auf\nalles, was höhere Bildung betrifft, einen grossen Unterschied\nmachen zwischen dem östlichen Küstenlande und dem In-\nnern. Es würde falsch sein, den Nordamericanern überhaupt\ndie Empfänglichkeit für Musik abzusprechen: sie findet sich\nüberall; aber die Stufe der Entwicklung, die der Sinn\nfür die Tonkunst bereits erreicht hat, und welche sich in\nGeschmack und Urtheil, wie in wirklicher Ausübung offen-\nbart, ist eine so himmelweit von einander verschiedene, je\nnach der verschiedenen geographischen Lage, dass in Europa\neine solche Kluft zwischen der Kunstbildung der verschie-\ndenen Nationen nicht einmal denkbar ist, wie sie hier\nzwischen den Bewohnern der einzelnen Provinzen, den\nFractionen eines und desselben Volkes besteht. Während\nman in New-York, Boston u. s. w. die höchsten Ansprüche\nan künstlerische Leistungen macht, Ansprüche, wie sie nur\neuropäische Residenzen machen, hält man zwanzig, oft\nkaum zehn Meilen weiter westlich die grösste Mittelmässig-\nkeit für Virtuosität und die erbärmlichste Stümperei für\nentzückende Kunst.\nDiese niedrige Stufe der musicalischen Bildung, dieser\ngänzliche Mangel an Urtheil in den Städten im Innern des\nLandes ist die morsche Stütze, auf die alle mittelmässi-\ngen einwandernden Talente ihre Hoffnung auf Gewinn,\nwelche gleich die ersten paar Wochen ihres Aufenthaltes\nin New-York für die grösseren Städte zertrümmert haben,\nbauen. Sie haben keine Vorstellung von der Menge von\nMusikern, oder richtiger Musicanten, aus allen Nationen,\nwelche Nordamerica wie die Zigeuner durchziehen und"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3590, "texte": "durch Geklimper und Gekrähe auszubeuten versuchen. Die\nMehrzahl von ihnen sind leider Deutsche, und über die Mittel,\nwelche sie anwenden, ein Auditorium zusammen zu trom-\nmeln oder zusammen zu läuten was hier buchstäb-\nlich zu verstehen ist , machen sie sich nicht das geringste\nGewissen. Da wird nichts verschmäht, was Theilnahme, ja,\nwenn auch nur Mitleid, erregen kann, wofern es nur dahin\nführt, ein oder zwei so genannte Concerte zu Stande zu\nbringen, und da die Deutschen keineswegs so beliebt sind,\nwie man bei Ihnen jenscit des Meeres glaubt, so nehmen\nsie häufig eine andere Maske vor. Es ist eine sonderbare\nEigenheit der Nordamericaner, dass sie bei ihrer Freiheit\nund Gleichheit einen wahrhaft lächerlichen Respect vor\nhohen Titeln der Ausländer haben; diese merken das bald,\nund so gibt es denn eine Menge von Grafen und Baronen,\nwelche durch wer weiss welche unglückliche Verhältnisse\ngezwungen worden sind, ihr musicalisches Talent, das sie\nsonst nur aus Liebhaberei in grossen Cirkeln hören Hessen,\nhier zum Lebensunterhalt zu benutzen. Dem Yankee macht\nes Spass, mit seinen republicanischen Dollars so einem\nhochgeborenen europäischen armen Teufel auf die Beine zu\nhelfen; ob dieser ein Stümper in der Kunst sei oder nicht,\ndas ist Nebensache. Der Mann hat eine Herrschaft, ein Gra-\nfen-, ein Fürstenthum verloren und wirft sich der america-\nnischen Demokratie in die Arme; das ist für den freien\nKleinbürger des Binnenlandes, gegen den der pariser Epi-\ncier in der Geographie noch ein glänzendes Examen be-\nstehen würde, hinreichend, um sich für sein Concert zu\ninteressiren.\nWill's mit den Stammbaum-Früchten nicht recht fort,\nso hat man so viel Englisch radbrechen gelernt, dass man\nsich für einen polnischen, ungarischen oder italiänischen\nVerbannten ausgibt, für einen politischen Flüchtling, und\ndas Martvrthum der Freiheit ist in der Regel noch ein\n%) O\nwirksameres Mittel, eine Subscription zu Stande zu bringen.\nIch habe auf meinen Reisen im Innern in kleinen Städten\nvon 2- bis 6000 Einwohnern, selbst in solchen, mit de-\nnen die Verbindung weder durch Eisenbahnen noch durch\nDampfschiffe erleichtert, sondern nur durch höchst unbe-\nqueme Transport-Mittel bewerkstelligt wird, sehr oft meh-\nrere dergleichen musicalische Freibeuter zugleich gefunden,\nwelche auf republicanische Sympathieen reis'ten.\nAber alles das hält nur auf kurze Dauer und nur für\nden Augenblick vor, und das ist es, was ich für Pflicht\nerachte, als ernste Warnung meinen Landsleuten, die\netwa Lust haben sollten, darauf zu speculiren, vorzuhalten.\nAn die Gründung auch nur einer erträglichen Existenz, ge-\nschweige denn an nachhaltigen Erwerb, ist durch ein der-\nartiges Kunstreisen in Nordamerica, selbst bei einigem mu-\nsicalischen Talente, nicht zu denken. Zweimal darf man\nnirgends damit an einen und denselben Ort kommen, das\nleidet der unverwüstliche praktische Sinn und die Verän-\nderlichkeit der Neigungen des Americaners nicht. Ein vaga-\nbundirendes Leben kann man allerdings eine Zeit lang\nunter unsäglichen Mühen und Demüthignngen auf diese\nArt führen; aber das Ende ist eine schreckliche Enttäu-\nschung und meistentheils eine hülflose, traurige Lage.\nDagegen bieten sich für einen Musiker, selbst bei ge-\nringem Wissen und Können, gerade im Binnenlande eine\nMenge Gelegenheiten dar, sich an einem Orte niederzulas-\nsen und durch Unterricht geben sich eine dauernde\nund sehr einträgliche Existenz zu gründen. Ich kenne gar\nmanche, die bei mittelmässigem Talente sich in kleinen\nStädten auf solide Weise binnen drei bis vier Jahren ein\nVermögen von B—lo,ooo Dollars erworben haben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-04-08-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-04-08_01#c002", "volume": "bmtnabi_1854-04-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "106", "page_fin": "108", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.2.2", "titre_corps": "Brüsseler Briefe.", "titre_sommaire": "Brüsseler Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.2", "debut_caractere": 3592, "fin_caractere_exclue": 5023, "texte": "Brüsseler Briefe.\nDen 30. März 1854.\nWir hatten während der letzten Monate über so we-\nnig Neues und für Sie Interessantes zu berichten, dass un-\nser Artikel von einem Concerte zum anderen aufgeschoben\nwurde, in der Hoffnung, noch etwas von Bedeutung hin-\nzufügen zu können. Arm sind wir aber doch, und werden\nes auch wohl noch lange bleiben. Das Conservatorium\nhat uns drei seiner regelmässigen Concerte gegeben und\neines, um Alex. Stadtfeld einGrab-Denkmal zu errich-\nten ; die vereinigten Musiker hatten ihre dritte Musik-Auf-\nführung, und damit sind wir am Ende der Orchester-Con-\ncerte. Das erste Concert des Conservatoriums war über\nalles Erwarten gelungen, sowohl was die Wahl als die\nAusführung der Stücke anbetrifft; wobei wir übrigens von\nSolo-Vorträgen abstrahiren, die meistens von Schülern des\nInstituts schülerhaft vorgetragen werden. Mendelssohn's\nvierte Sinfonie, zum ersten Male gegeben, machte den An-\nfang; dieses Werk voll frischer, jugendlicher Ideen versetzte\nuns und, wie es schien, alle Zuhörer in die angenehmste\nStimmung; es scheint vom Componisten in einem beson-\nders günstigen Augenblicke erdacht und mit grosser Liebe\nausgeführt zu sein; namentlich fühlt man dieses beim ersten\nSatze. Der zweite hat der Revue musicale de Bruxelles (ein\nBlatt, welches seit einigen Monaten eine kümmerliche\nExistenz angefangen hat) den Eindruck eines Trauermar-\nsches gemacht! Sehr musicalisch empfunden! Im lieblichen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5057, "texte": "Scherzo sieht man noch nicht, wie bedeutend und nament-\nlich wie selbstständig Mendelssohn gerade in dieser Form\nwerden sollte. Der letzte Satz verfehlte seine Wirkung\ndurch ein übertriebenes Tempo.\nBeethoven's grossartige Coriolan-Ouverture wurde vor-\ntrefflich vorgetragen; doch können wir Herrn Fetis über\ndie Art, wie er die Schluss-Tacte ausführen lässt, nicht\nbeistimmen. Das Ritardando ist in der Composition selbst\ndurch die Verlängerung der Achtel des Haupt-Motivs in\nViertel-Triolen und dann in halbe und ganze Noten ausge-\nschrieben, und ein äusserlich hinzugefügtes kann den Ein-\ndruck nur schmälern. Mozart's Finale zum ersten Acte aus\nFigaro's Hochzeit machte den Schluss des Concertes. Da\nes hier nie auf dem Theater gehört werden kann, so war\nes dankenswerth, uns mit dieser Gabe zu erfreuen.\nDas Concert zur Errichtung eines Grab-Denkmals für\nAlex. Stadtfeld enthielt fast nur Compositionen dieses\nzu früh dahingeschiedenen jungen Talentes. Eine Oper,\n„Hamlet\", aus der wir mehrere Gesang-Nummern, so wie\ndie Ouvertüre hörten, ist sein letztes Werk gewesen. Man\nsieht darin einen bedeutenden Fortschritt im Vergleiche zu\nfrüheren Compositionen. Die Richtung, welche Stadtfeld\neingeschlagen hatte, war die Meyerbeer's und Halevy's. Die\nOuvertüre enthielt manches Neue in Beziehung auf Instru-\nmentation, doch mangelt seinen Compositionen das eigent-\nliche melodische Element. Leonard, erster Lehrer der Vio-\nline am Conservatorium, unterstützte das Concert mit gros-\nser Bereitwilligkeit und ärntete den grössten und verdien-\ntesten Beifall.\nDas zweite Conservatoire-Concert bestand aus: Ouver-\ntüre zu Leonore, leidlich ausgeführt, Schlummerlied für\nTenor aus der Stummen, L Phantasie von\nLiszt für Piano, sehr mittelmässig vorgetragen, und die\nWüste von Felicien David. Das Programm stand, wie\nSie sehen, dem ersten bedeutend nach. Ueber die „ Wüste\"\nkann man nichts mehr sagen. Das Interesse konnte nur\nnoch erhalten werden durch eine Neuerung, wrelche Herr\nFetis für nöthig erachtete, um dem ganzen Werke den\nlocalen Wüsten-Charakter zu geben. Nämlich also: Mlle.\nBeernaert hatte das Gebet des Muezzin vorzutragen. Als\nAnmerkung stand: Le chant\ncantatrice doit imiter la voix\nEs war traurig für die Sängerin, dass sie gezwungen war,\nihre schöne Stimme ganz bei Seite zu stellen. Herr Fetis\nhatte bei ihr einen Ton erzielt, der dem ähnlich war, wel-\nchen man bei Sängerinnen vmit dem Ausdrucke zu\nbezeichnen pflegt: sie singt, als ob sie eine Kartoffel im\nHalse hätte. —■ Im Concerte der vereinigten Künstler hör-\nten wir die Tannhäuser-Ouverture zum zweiten Male und\nwurden in unserem früheren Urtheile bestärkt. Diese Musik\nist aber lauteres Gold gegen eine Sinfonie von Hanssens,\ndie wir in diesem Concerte anhören mussten. Ein brillanter\nUnsinn! Doch müssen wir gestehen, dass wir nie unkluges\nZeug nobler wiedergegeben hörten. Das Orchester that\nsein Bestes, um das Gewirr von Tönen so klar als möglich\nzu machen. Uebrigens ist die Instrumentation angenehm,\nund viele Klang-Effecte sind den Beethoven'schen so ähn-\nlich, dass sie durch die Erinnerung an diesen Meister den\nWunsch nach einem ausgesprochenen Gedanken bis zur\ngrössten Ungeduld steigern, bis die unbefriedigte Erwar-\ntung die Nerven abspannt und eine schreckliche Langeweile\neintritt. Mad. Pleyel spielte mit ihrer unglaublichen Bra-\nvour Mendelssohn's\nuns nicht immer, namentlich im Andante, angenehm, doch\nhört man schwerlich je eine grössere Reinheit und Leich-\ntigkeit der Ausführung. Wenig Eindruck machte Mad. Pleyel\nmit der Liszt'schen Phantasie Les patineurs. Die Coquetterie\nund Spielerei ist gar zu handgreiflich. Diese unglückliche\nPhantasie ist, wie es scheint, eine Notwendigkeit für alle\nPianisten geworden; hier in Brüssel verschont uns kaum\nnoch Einer damit. Mad. Pleyel hatte schon lange ihr Parade-\npferd daraus gemacht, und spielte sie jetzt wieder, weil\nkurz vorher Fräul. Rosa Kastner in ihrem Concerte\ngrossen Beifall damit geärntet hatte. Uns gefiel die Auffas-\nsung der jüngeren Dame besser, wenn diese auch vielleicht\nnicht ganz so geschwinde Finger hat, als die andere. Fräul.\nKästner's bester Vortrag war jedoch das D-moll-Trio von\nMendelssohn, das sie im Verein mit den Herren Karl\nDeichmann und V. Müller, einem Schüler von Servais,\nmit seltener Meisterschaft ausführte.\nAm letzten Sonntage den 19. März fand das dritte\nConservatoire-Concert Statt. Den Anfang machte eine Sin-\nfonie von Soubre, von der man nur sagen kann, dass\nder Stil zu opernmässig ist. Der Beifall war gross, der\nComponist wurde gerufen, doch zweifeln wir, dass dieser\nFall anderswo auch eingetreten sein würde. Soubre ist\nLaureat des Conservatoriums, und so erklärt sich das. Er\nhatte das Werk auch zu der bekannten Preis-Bewerbung\neingesandt. Die Instrumentation ist überladen; die drei\nersten Sätze sind in E-dur, der letzte in A-dur. Warum?\nWo ist der Grund dazu? Mlle. Bern aer t sang eine grosse\nArie aus Semiramide sehr falsch, und ein vielversprechen-\nder zehnjähriger Knabe, Camille Demunck, spielte den\nersten Satz eines de Beriot'schen Concertes. Cherubini's"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2619, "texte": "Ouvertüre zum Wasserträger ging sehr flau, eben so eine\nArie,vorgetragen von Mad. Deligne. Dupont spielte eine\ndramatische Phantasie mit Orchester von seiner Compo-\nsition. Er hat viel Fertigkeit; die Composition ist, wenn\nman sie gegen die Prätention hält, die sie macht, unbe-\ndeutend. Den Schluss des Concertes bildete ein Duett aus\nMeyer beer's L'eloile du dessen Eindruck sehr\nCJ *\nschwach war. Wir finden es sehr ungeeignet, nur eine\neinzelne Nummer von einem noch unbekannten Werke\nzu geben.\nEhe wir unseren Artikel schliessen, müssen wir Ihnen\nnoch im Allgemeinen die Künstler nennen, die sich hier im\nLaufe des Winters aufhielten, und das können wir nicht\nbesser, als wenn wir Sie in den Salon des Herrn F. Kuf-\nferath einführen, wo alle fremden und viele der hier an-\nsässigen Künstler sich regelmässig zusammenfinden. Man\nbezeichnet diese Gesellschaft gewöhnlich mit dem Spitz-\nnamen La clique allemande, den sich die Herren aber zum\nEhrentitel anrechnen. Sie haben es sich zum Grundsatze\ngemacht, alles, was in Deutschland Neues erscheint, kennen\nzu lernen und nach besten Kräften zu verbreiten. So hör-\nten wir dort drei Trio's von Schumann, eines von Karl\nRein ecke, ausgeführt von Kufferath, Deich mann\nund Müller, dann Mendelssohn's Quintett und Quar-\ntette, und die letzten Werke ß e e t h o v e n' s, die Leonard\nund Deich mann (Violine), Kufferath (Bratsche) und\nMüller (Violoncell) mit wahrhaft künstlerischer Vollendung\nvortragen. D a m c k e war den ganzen Winter hindurch\nhier; wir hörten eine vierhändige Fuge von ihm, so wie ein\nansprechendes Salonstück für Violine. Fräul. Rosa Kast-\nner haben wir schon genannt. liier hörten wir auch zu-\nerst ein neu erfundenes Instrument der Instrumentenbauer\nMerklin u. Schütze, das durch eine Zusammenstellung\nder Principe des Harmoniums und der Orgel nach, wie\nman sagt, Kufferath's Andeutung entstanden ist. Am kür-\nzesten kann man es mit dem Namen Zimmer-Orgel bezeich-\nnen ; es heisst Orchestrium und hat in seiner besten Form\nzwei Claviaturen und ein freies Pedal. Alle Orgel-Compo-\nsitionen lassen sich daher darauf ausführen, und es wird\nden Organisten dadurch Gelegenheit werden, sich in Con-\ncerten hören zu lassen; jedoch klingt auch weniger ernste\nMusik sehr gut darauf. Wir sind überzeugt, dass das In-\nstrument namentlich in Deutschland viel Anklang finden\nwird; es verlangt übrigens einen guten Musiker, um es zur\nGeltung zu bringen. In acht Tagen haben wir noch ein\nConcert der Association des welches so\neben angekündigt wird. Servais, unser berühmter Cellist,\nhat seine Mitwirkung zugesagt; wir werden Ihnen später\ndarüber berichten.\n-3 —"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-04-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-04-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1854-04-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "109", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.2.3", "titre_corps": "Die Gebrüder Heinrich und Joseph Wieniawski.", "titre_sommaire": "Die Gebrüder Heinrich und Joseph Wieniawski.", "signature_source": "Leipz. Ill. Ztg", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.4", "debut_caractere": 2621, "fin_caractere_exclue": 5052, "texte": "Die Gebrüder Heinrich und Joseph Wieniawski.\n\nDie Brüder Heinrich und Joseph Wieniawski, die neu-\nerdings in Berlin trotz der gleichzeitigen Anwesenheit\nvon Vieuxtemps so grosse Erfolge errungen haben, stam-\nmen aus einer Familie, die sich bereits von mütterlicher\nSeite in den Annalen der Kunstgeschichte einen guten\nKlang erworben. Ausserdem, dass die Mutter dieser musi-\ncalischen Dioskuren vor ihrer Verehelichung in ihrem Va-\nterlande Polen als gern gehörte Pianistin öffentlich auftrat,\nerfreut sich der Bruder derselben, Eduard Wolff (schon\nseit Jahren in Paris ansässig), als Pianoforte-Spieler auch\nin weiteren Kreisen eines bedeutenden Namens. Der älteste\nund bis jetzt hervorragendste des reichbegabten Brüder-\npaares, Heinrich Wieniawski, wurde am 10. Juli 1835 zu\nLublin geboren, wo sich sein Vater als angesehener Arzt\nnoch gegenwärtig aufhält. Bereits in dem zarten Alter von\nfünf Jahren zeigte Heinrich grosse Anlagen für die Violine,\nso dass er nach kurzem Unterrichte als siebenjähriger Knabe\nöffentlich in einem Quartette von Haslinger seine Stimme\nbeifallswürdig durchführen konnte. Auf Veranlassung des\nViolinspielers Michael Hauser, der sich eine Zeit lang in\nLublin aufhielt und Ileinrich's Talente mit gerechtem Stau-\nnen bemerkte, entschlossen sich die Eltern, das zarte Reis\nin einen, wiewohl weit entlegenen, Boden zu verpflanzen,\nin dem der keimende Genius die herrlichsten Knospen trei-\nben sollte. Heinrich Wieniawski kam im Jahre 1843 nach\nParis, um die Anleitung des musicalischen Conservatoriums,\nwie die specielle Schule des Prof. Massart, eines Zöglings\ndes durch seinen Violin - Unterricht berühmten Rudolf\nKreuzer, zu gemessen. Sofort entfalteten sich die geweck-\nten Anlagen des seinen Jahren weit vorangeeilten Knaben\nauf das glänzendste. Schon 1846 bewarb er sich um den\nersten Preis des Conservatoriums und erhielt denselben in\ndem für dieses Institut bisher unerhörten Alter von eilf\nJahren. Er cursirte von nun an in der pariser Kunstwelt\nunter dem Beinamen: „ Der kleine polnische Wunderknabe\".\nHeinrich Wieniawski sollte indessen bald zum Manne wer-\nden. Da ihm Schwierigkeiten wegen Verlängerung seiner\nAufenthalts-Bewilligung in den Weg gelegt wurden, so\nfand eine directe Ansprache an den Kaiser von Russland\nStatt, welcher nicht nur die gewünschte Vergünstigung so-\nfort ertheilte, sondern auch dem vielversprechenden Jüng-\nlinge ein Jahrgehalt zur Vollendung seiner Studien auf das"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5070, "texte": "freigebigste anwies. Während der Zeit hatte sich im Kreise\nseiner Familie eine zweite Künstlerblüthe erschlossen. Sein\njüngerer Bruder Joseph, im Jahre 18-38 geboren, zeigte\nschon als fünfjähriger Knabe eine eben so besondere Vor-\nliebe als merkwürdige Anlage für das Piano, in Folge de-\nren er in diesem kindlichen Alter viele polnische und andere\nLieder nach dem Gehör spielte, ohne das Instrument zu\nkennen. Er hatte Gelegenheit, zu Hause einigen Ciavier-\nUnterricht zu geniessen, und sein musicalischer Genius trieb\nihn so rasch vorwärts, dass er in kurzer Zeit schon das\nA-moll-Concert von Hummel recht nett vortrug. Das be-\nwog die Eltern, aufgemuntert durch Heinrich's Erfolge, auch\nJoseph die Früchte des pariser Unterrichtes zu Theil wer-\nden zu lassen. Die Mutter brachte sogar das grosse Opfer,\nsich einem behaglichen und selbst glänzenden Familienleben\nzu entreissen, um ihren zweiten Sohn als treue Führerin in\ndie klippenvolle Seinestadt zu geleiten. Ihr Eintreffen in\nParis war von dem interessanten Zufalle begünstigt, dass\nsie den lange entbehrten Sohn und Bruder in dem Moment\naufsuchen mussten, in welchem er unter den enthusiasti-\nschen Acclamationen der versammelten Kunstrichter den\nersten Preis des Conservatoriums erhielt. Auch Joseph's\nTalent fand im Conservatorium allgemeine Anerkennung,\nund der Unterricht bei Chopin, WolfT undZimmerman Hess\nihn rasche Fortschritte machen, während Heinrich um diese\nZeit von dem „Vereine der Künste\" eine grosse Medaille\nerhielt und zum Ehren-Mitgliede des philharmonischen Cä-\ncilien-Vereins ernannt wurde. Im Jahre 1848 unternahm\nHeinrich in Begleitung seiner Mutter eine Kunstreise durch\nRussland, auf der er bedeutende Erfolge errang; später\nliess er sich mit gleichem Erfolge in Breslau, Weimar,\nHamburg und Dresden hören. In letzterer Stadt hielt er\nsich zwei Monate auf und profitirte noch von dem Unter-\nrichte Lipinski's, der sich ihm mit grosser Theilnahme zu-\nwendete. lm Jahre 1849 kehrte Heinrich Wieniawski\nnach Paris zurück. Erst vierzehn Jahre alt, nahm er bereits\neinen Platz unter den ersten Violinisten der Gegenwart ein.\nUnterdessen erhielt sein Bruder Joseph, kaum eilf Jahre\nalt, den grossen Preis des Conservatoriums für das Piano,\nund im dreizehnten auch für die Composition. Im Jahre\n1850 traten beide Brüder ihre erste europäische Rund-\nreise an, die sich zunächst nach Russland wendete. Sie Hes-\nsen sich mit einem ungemein glänzenden Ergebnisse am\nrussischen Hofe hören und wurden mit kaiserlichen Ge-\nschenken überhäuft. Nun gaben sie der Reihe nach in Russ-\nland 194 Concerte und bereis'ten theilweise Städte, zu\ndenen wohl noch nie ein Virtuose ihrer Geltung gedrungen\nwar. Warschau, Kiew, Petersburg, Wilna, Riga, Milau,\nReval, Helsingfors, Moskau, Tula, Orel, Kursk, Penza, Wo-\nronesch, Tamboy, Saratow, Simbirsk, Kasan, Odessa und\nandere waren Zeugen ihrer Triumphe. Im März 1853\ntraten die Gebrüder Wieniawski zum ersten Male in Deutsch-\nland und zwar in Wien auf, wo ihr Erfolg ein ungeheurer\nwar. Trotz der bekannten Verhältnisse dortiger Kritik\nschlugen die genialen Leistungen des Brüderpaares vollkom-\nmen durch. Nachdem sie mit immer steigendem Beifalle\nsechs Concerte gegeben und bei Anwesenheit des Kaisers\nvon Oesterreich im Kärnthnerthor-Theater die Ovationen\nder enthusiasmirten Residenz im höchsten Grade erfahren,\nbegaben sie sich nach Krakau, wo eben so sehr der hohe\nGrad ihrer Virtuosität, als der Umstand, vor einem Publi-\ncum von Landsleuten zu spielen, die Fülle des Beifalls er-\nklärte, mit der sie überschüttet wurden. Alsdann führte sie\ndie Saison nach Baden-Baden, wo sich für Heinrich Wie-\nniawski zwar gerade ein ebenbürtiger Rival in dem berühm-\nten Ernst aufhielt, ersterem aber nichts desto weniger bei\nseinem Auftreten nicht im Lichte stand. Ihre dortigen Er-\nfolge veranlassten eine Einladung an den münchener Hof\nSeitens eines hohen Mitgliedes der baierischen Königs-Fa-\nmilie, der die Brüder im Spätherbste Folge leisteten, nach-\ndem sie nach viermaligem, reich belohntem Auftreten in der\nalten Kaiserstadt Aachen und nach einem kurzen Aufent-\nhalte in Weimar, wo sich Joseph Wieniawski durch den\ngenialen und kunstverständigen Vortrag von Liszt's Wer-\nken die herzliche Theilnahme dieses grossen Meisters er-\nwarb, auch Leipzig besucht und hier die vollgültigsten Be-\nweise der Anerkennung mitgenommen. Heinrich Wieniawski\nist offenbar ein Phänomen. Bezüglich der Technik ist er\nvielleicht der erste jetzt lebende Violinspieler, in seiner all-\ngemein künstlerischen Geltung ist derselbe das unter den\nfranzösischen Violin-Virtuosen, was Joachim unter den\ndeutschen. Joseph Wieniawski reiht sich den guten Ciavier-\nVirtuosen der Gegenwart an. Auch als Componisten ent-\nwickeln beide Brüder namhafte Gaben; Heinrich's Fis-moll-\nConcert, sein Souvenir de Moscou, sein grossartiges Adagio\nund Polonaise brillante,sein russischer Carneval,\nderne, seine heimischen Klänge in zierlicher Masurka-Form\nJoseph's Concert in E-moll, Phantasieen, Etüden, Im-\npromptus und noch andere Salonstücke liefern dafür spre-\nchende Zeugnisse.\n\n(Leipz. Ill. Ztg.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-04-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-04-08_01#c004", "volume": "bmtnabi_1854-04-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "110", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.2.4", "titre_corps": "Aus Gotha.", "titre_sommaire": "Aus Gotha.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3522, "texte": "Aus Gotha.\nDen Mittelpunkt unseres Musiklebens in den Monaten Januar\nbis April bildet die Oper. Regelmässig zwei Aufführungen finden\nwöchentlich Statt, wozu bisweilen noch eine Benefiz-Vorstellung\nkommt. Die Fortsetzung des Repertoire's seit Mitte Februar bildeten\ndie Krön-Diamanten, Und ine von Lortzing (bis jetzt vier-\nmal), die Hugenotten (zweimal), die Nachtwandlerin, Mar-\ntha (zweimal), der Barbier von Sevilla (zweimal). Undine macht\nstets ein volles Haus, trotz der erhöhten Preise, welche durch die\nprächtige, wahrhaft fürstliche Ausstattung gerechtfertigt sind. Diese\nzieht denn auch eigentlich mehr an als die Musik, wiewohl es\nnicht an gefälligen Melodieen fehlt und die Klarheit und Natürlich-\nkeit oder, vielleicht richtiger negativ ausgedrückt, die Abwesenheit\naller Affeclation heut zu Tage immer wohlthuend ist. Die Decora-\ntionen und Maschinerieen im dritten und vierten Acte sind von\nJos. Mühldorfer in Mannheim, die übrigen Decorationen von\ndem Hoftheater-Maler Brückner. Besonders gelungen waren die\nbeiden Vorstellungen der Hugenotten. Auber's Kron-Diamanten,\nzum Vortheil des Fräul. Westerstrand, gingen fast spurlos vor-\nüber. Bei der zweiten Aufführung des Barbiers trat Herr Fried-\nhoff als Gast in der Rolle des Doctor Bartolo auf und erwarb\ndurch Spiel und Gesang Beifall.\nAm 24. Februar hörten wir im Theater den berühmten Violon-\ncellisten Servais aus Brüssel; mit ihm zugleich trat der Pianist\nGregoire, ebenfalls ein Belgier, auf. Es war zu bedauern, dass\ndie Ankunft beider Virtuosen zu spät angekündigt wurde, so dass\nein grosser Theil des Publicums erst post festum im eigentlichen\nSinne von ihrer Anwesenheit etwas erfuhr. An demselben Abend\nwaren auch die Gesang-Vorträge des Fräul. Falconi und des\nHerrn Reer vorzüglich.\nFranz Liszt ist hier, um die neueste Oper unseres Herzogs,\n~Santa Chiara\", einzustudiren und zu dirigiren. Ueber den Er-\nfolg werde ich Ihnen später berichten.\nDrouet, der einst hochgefeierte Flötist, seit einer Reihe von\nJahren bekanntlich Capcllmeister an unserem Hoftheater, hat mit\nseinem Sohne, Pianist und Schüler des Conservatoriums zu Leipzig,\neine Kunslreise nach America angetreten, nachdem er zuvor noch\nin dem benachbarten Eisen ach ein glänzendes Concert gegeben.\nUnser verdienstvoller Musik-Director Wandersieb wird nicht\nmüde, die hiesigen musicalischen Zustände in edelster Richtung\nund uneigennützigster Thätigkeit zu fördern, und setzt die seit Jah-\nren geführte unentgeltliche Leitung des Gesang-Vereins und der\nLiedertafel mit stets gleichem Eifer und Opfern an Zeit und Mühe\nfort. Seine Bemühungen, ein Concert für die Hinterbliebenen von\nFriedr. Schneider zu Stande zu bringen, sind leider bis jetzt auf\nmancherlei unerwartete Hindernisse gestossen. Es ist dies um so\nmehr zu bedauern, als gerade jetzt durch die Mitwirkung der her-\nzoglichen Capelle eine befriedigende Aufführung zu erzielen gewe-\nsen wäre; mit dem Schlüsse der Theater-Saison, Mitte April, geht\ndie Capelle mit dem Theater-Personale nach Coburg zurück, und\ndie hiesigen Instrumentalkräfte genügen in keiner Hinsicht zu einer\ngrossen Leistung, am wenigsten zu einer Aufführung des Welt-\ngerichtes.\nZu der letzten Quartett-Unterhaltung der Herren Krämer\nnicht Prämer, wie in meinem letzten Berichte irrthümlich gedruckt\nist), Mündt, Töpler und Rösler hatte sich ein ausserordentlich\nzahlreiches Publicum eingefunden. Der Vortrag eines Quartetts\nvon Veit und des Septctts von Beethoven elektrisirte die Zu-\nhörer. Auch Liszt spendete reichen Beifall.\nDen 23. März 1854.\n12."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-04-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-04-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1854-04-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "111", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.2.5", "titre_corps": "Prüfungs-Concert der Rheinischen Musikschule.", "titre_sommaire": "Prüfungs-Concert der Rheinischen Musikschule.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.6", "debut_caractere": 3524, "fin_caractere_exclue": 6871, "texte": "Prüfungs-Concert der Rheinischen Musik-\nschule.\nDinstag, den 4. April.\nDas statutmässige jährliche Prüfungs-Concert der Rheinischen\nMusikschule begann mit Beethovcn's Ouvertüre zum Ballet Prome-\ntheus, deren Ausführung von Zöglingen der Anstalt unter Leitung\ndes Herrn Concertmeisters Hartmann einen Beweis von dem\nErfolg der Hebungen im Zusammenspiel gab, wofür noch be-\nsonders Nr. 5 des Programms, der Vortrag des ersten Allegro\neines Quintetts von Mozart, erfreuliches Zeugniss ablegte.\nVon Compositionen von Schülern hörten wir zwei Lieder\nvon Karoline Bleibtreu für eine Singstimme mit Ciavier, von\nansprechender Melodie, und das erste Allegro eines Trio's in G-\nmoll für Piano, Violine und Violoncell von Joseph Brambach\naus Bonn, welches, wrenn auch nicht gerade originel, doch ein\nrecht hübsches Talent und einen regelrechten Satz bekundete. Auch\nder Vortrag der Ciavierstimme durch den jungen Componisten\nselbst verdient Lob.\nAls Clavierspicler traten ausserdem auf: Gerh. Trier\naus Urbach mit dem Allegro des ersten Concertes von Beetho-\nve n, welches er recht reinlich und gewissenhaft spielte; Wilhelm\nSchau seil aus Düsseldorf mit dem ersten Satze von Mosch e-\nles' G-moll-Concert, sehr brav ausgeführt, und die Fräulein\nMinna Lorent und Eveline Kirschbach von Köln mit\nMoscheies' Duo für zwei Pianos, „Hommage ä Händeleiner\ncorrecten, sehr beifallswürdigen Leistung.\nVon den Gesangschülerinnen trug Fräulein Ida Danne-\nmann aus Elberfeld die oben erwähnten Lieder von Karoline\nBleibtreu befriedigend vor. Fräulein Nina Hartmann von hier\nsang die grosse Scene der Agathe aus Webers Freischütz, freilich\neine schwierige Aufgabe für eine so junge Schülerin; sie wurde\njedoch von ihr in Betracht der kurzen Zeit ihres Unterrichtes, be-\nsonders in der ersten Hälfte des Musikstückes, recht genügend lind\nmit unverkennbarem Talente gelöst. Fräulein Hartmann hat eine\nhelle, ausgebende Sopranstimme, welche der gründlichen Ausbil-\ndung und des ernstesten Fleisses gar sehr werlh ist, und da ihr\nVortrag von Uhland's Gedicht: „Des Sängers Fluch\", in vieler Hin-\nsicht ebenfalls befriedigle (nur muss auf die Reinheit der Aus-\nsprache einiger Consonant-Verbindungen die grösste Sorgfalt ver-\nwendet werden), so berechtigt sie zu schönen Hoffnungen für eine\ntheatralische Laufbahn.\nFräulein Pels-Leusten aus Duisburg trug die grosse Arie\ndes Orpheus von Gluck zwar etwas kalt und monoton vor, aber\nmit einer Altstimme, welche an Fülle und Klang und Kraft in der\nTiefe eine der bedeutendsten ist, die wir je gehört haben. Es wäre\nin der That zu bedauern, wenn diese seltene Stimme nicht zu\nkünstlerischer Ausbildung gebracht und für die Oeffentlichkeit ver-\nloren gehen sollte.\nIn dem Vortrage zweier Lieder von Mendelssohn zeigte\nFräulein Hermine Mann aus Luxemburg eine lobenswerthe mu-\nsicalische Bildung. Die Declamation von Schillert „Bürgschaft\"\ndurch Fräulein Mathilde Sudhaus aus Iserlohn verdient eben-\nfalls anerkennende Erwähnung.\nJoseph Auweiler aus Bonn bewährte seinen Fortschritt auf\nder Laufbahn zur Virtuosität auf der Trompete. Die Wahl des\nStückes [Una voce poco fä, die Rosine auf der Ventil-Trompete)\nwar eines Conservatoriums unwürdig.\nDen Schluss machte die recht befriedigende und mit grossem\nBeifall belohnte Ausführung des Duo Concertant von Kalliwoda\nfür zwei Violinen durch Ferdinand Bach und Nestor\nHagen aus Bonn."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 187, "texte": "tm Ganzen gab das Prüfungs-Concert einen unverkennbaren\nBeweis von dem fortwahrenden Wachsen der Bedeutung der Rhei-\nnischen Musikschule und von dem Erfolg des Unterrichtes auf\nderselben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-04-08-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-04-08_01#c006", "volume": "bmtnabi_1854-04-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "111", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.2.6", "titre_corps": "Geesetz über das geistige Eigenthum.", "titre_sommaire": "Geesetz über das geistige Eigenthum.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.7", "debut_caractere": 189, "fin_caractere_exclue": 2321, "texte": "Geesetz über das geistige Eigenthum.\nWir Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden König von\nPreussen etc. etc., verordnen zur Abänderung des Gesetzes zum\nSchutze des Eigenthums an Werken der Wissenschaft und Kunst\ngegen Nachdruck und Nachbildung vom 11. Juni 1837 (Ge-\nsetz-Sammlung von 1837, S. 165 ff.), unter Zustimmung der Kam-\nmern, für den ganzen Umfang der Monarchie, was folgt:\n§. 1. Wird ein Kunstwerk, das durch die Malerei oder eine der\nzeichnenden Künste hervorgebracht ist, mittels der plastischen\nKunst oder umgekehrt dargestellt, so ist eine solche Darstellung\nnur dann als eine verbotene Nachbildung zu betrachten, wenn sie\nauf rein mechanischem Wege erfolgt.\n§. 2. Veröffentlicht der Autor eines dramatischen oder drama-\ntisch-musicalischen Werkes sein Werk durch den\nDruck, so kann er sich und seinen Erben das aus-\nschliessende Recht, die Erlaubniss zur öffentlichen\nAufführung zu ertheilen, durch eine mit seinem dar-\nunter gedruckten Namen versehene Erklärung vorbe-\nhalten, die jedem einzelnen Exemplare seines Wer-\nkes auf dem Titelblatte vorgedruckt sein muss. Ein\nsolcher Vorbehalt bleibt wirksam auf Lebenszeit des Autors selbst\nund zu Gunsten seiner Erben oder Rechts-Nachfolger noch zehn\nJahre nach seinem Tode.\n§. 3. Wer ohne die nach §. 2 erforderliche Erlaubniss ge-\ndruckte dramatische oder dramatisch-musicalische\nWerke öffentlich aufführt, hat eine Geldbusse von fünf bis\nfünfzig Thalern verwirkt. Findet die unbefugte Aufführung auf\neiner stehenden Bühne Statt, so ist die Hälfte der Einnahme von\njeder Aufführung, ohne Abzug der auf dieselbe verwendeten Kosten\nund ohne Unterschied, ob das Stück allein oder verbunden mit\neinem anderen, den Gegenstand der Aufführung ausgemacht hat,\nzur Strafe zu entrichten. Von diesen Geldbussen fallen zwei Drit-\ntheile dem Autor oder seinen Erben und ein Drittheil der Armen-\ncasse des Ortes, an welchem die Aufführung Statt gefunden, zu.\ng. 4. Die §§. 24 und 33 des Gesetzes vom 11. Juni 1837 treten\nausser Kraft.\nGegeben Berlin, den 20. Februar 1854.\nFriedrich Wilhelm.\nv. Manteuffel. v. d. Hevdt. Simons, v. Raumer.\nv. WTestphalen. v. Bodelschwingh. v. Bon in."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-04-08-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-04-08_01#c007", "volume": "bmtnabi_1854-04-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "112", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.7", "debut_caractere": 2323, "fin_caractere_exclue": 6933, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMölu. Der Schluss der diesjährigen Theaterzeit fällt sehr\nglänzend aus. Im Schauspiel ist Emil Dcvrient als Rubens (in\nMadrid), Wilhelm Teil, Bolingbroke, Bergheim in „Ein Lustspiel44\nvon Benedix, Lord Rochester in der Waise von Lowood (zweimal),\nHamlet und Marquis Posa aufgetreten, bei stets überfülltem und\nvon Beifall wiederhallendem Hause. In der Oper gab Fräulein\nAgnes Burv die Nachtwandlerin, die Rosine im Barbier,\ndie Martha und die Lucia. Die Künstlerin hat an Ausbildung\ndes Trillers und der Coloratur gewonnen, jedoch ist jener der\nvollendeten Technik näher, als diese. Auch die Intensität der\nStimme scheint uns im Zunehmen begriffen, was wir besonders in\nder Lucia bemerkten, welche Partie wir überhaupt für ihre beste\nLeistung unter den hier vorgeführten halten, sowohl was Gesang,\nals was Spiel betrifft Die Rosine liegt nicht in ihrer Stimme, in-\ndem weder das mittlere noch das tiefe Register bei ihr das von\nder Natur bevorzugte ist. Um nun namentlich das letztere so wenig\nwie möglich ins Spiel zu bringen und dagegen der wahrhaft schö-\nnen hohen Lage des Soprans einigen Raum zu geben, musste die\nRosine gar zu sehr anders erscheinen, als Rossini sie geschrieben,\nDie Martha war dagegen auch eine vortreffliche Leistung und trug\nder liebenswürdigen und stets, besonders aber in dieser Rolle,\nsehr anmuthigen Sängerin mit Recht rauschenden Beifall, Trom-\npeten-Tusch und Blumensträusse ein.\nDie Vorstellung der Lucia von Donizetti war in jeder Hin-\nsicht eine ausgezeichnete; Fräulein Bury war, wie schon erwähnt,\ndarin ganz vorzüglich. Herr Kahle trat nach einer Heiserkeit, die\nihn uns eine Zeit lang entzogen hatte, als Edgardo mit frischer\nStimme wieder auf, und Herr Beck von dem kaiserlichen Opern-\nTheater in Wien verlieh dem Ganzen durch die vortreffliche Aus-\nführung der Partie des Asthon einen ganz ungewöhnlichen Glanz.\nBeck erregte gleich von vorn herein Furore oder, wie die Italiäner\njetzt sagen, Fanatis7no im Publicum. Er ist unstreitig einer der\nersten Baritonisten, die wir in Deutschland besitzen, wo nicht der\nerste. Das volle Material der Stimme und die treffliche Behandlung\ndesselben geben ihm gegründeten Anspruch auf diesen Rang.\nMorgen Sonntag, den 9. April, wird Fräulein Jenny Ney ihr\nGastspiel mit der Valentine in den Hugenotten beginnen und dem-\nnächst noch die Donna Anna und die Norma geben. Auch der\nberühmte Tenorist Ander aus WTien wird in diesen Tagen\neintreffen.\nHerr Capellmeister Fischer aus Hannover verweilte einige\nTage hier bei seinen zahlreichen Freunden.\nBerlin« Herr Louis Lacombe, dem von Paris der Ruf\neines sehr tüchtigen Componisten vorausgeht und dessen Sinfonie,\nCantaten und Quintetto bei den Concert-Aufführungen in Leipzig\nund Hamburg volle Anerkennung geworden, ist hier angekommen.\nDas in Paris und hier bereits erschienene Textbuch von Mey-\nerbeer's L'Etoile du Nord (Der Nordstern) enthält auf dem Titel\neine Bemerkung, nach welcher sich, den neuesten Staats-Verträgen\ngemäss, die Autoren sowohl als die Herausgeber des Stückes das\nRecht der Vorstellung, des Druckes und der Uebersetzung in fremde\nSprachen vorbehalten; die deutsche Bearbeitung ist Herrn Reil-\nstab von dem Verleger (Schlesinger'sche Buch- und Musikhand-\nlung) übergeben worden.\nDie beiden ersten Vorstellungen von Dorn's Oper „Die Ni-\nbelungen44, Text von Gerber, waren gedrängt voll und regten\ndas Publicum zu grossem Beifall auf. Die k. Intendanz hat keine\nKosten zur Ausstattung derselben gespart. Die Besetzung ist fol-\ngende: Brunhild, Fräul. Wagner; Chriemhild, Frau Herrcn-\nburger-Tuczek (Frau Köster war dem Vernehmen nach durch\nUnwohlsein gehindert, diese für sie bestimmte Partie zu Studiren);\nSiegfried, Herr Salomon; Günther, Herr Pfister; Hagen von\nTronegg, Herr Bost; Volker der Fiedler. Herr Formes; König\nEtzel, Herr Zschiesche.\nMainz. Bereits werden von dem Vorstande der hiesigen Lie-\ndertafel die nöthigen einleitenden Schritte gethan, um bei Gelegen-\nheit der im August dieses Jahres hier Statt findenden grossen\nKunst- und Industrie-Ausstellung und Verloosung ein grosses\nMusikfest abzuhalten. Da dem Unternehmen eine sehr bedeu-\ntende Geld-Unterstützung von Seiten jener Industrie-Commission in\nAussicht gestellt ist, so wird Alles aufgeboten werden können, die-\nsem Musikfeste jenen Glanz zu verleihen, der es den früheren,\nnoch allenthalben in freudigem Andenken stehenden ähnlichen\nFesten sich würdig anreihen und sowohl dem Künstler wie dem\nKunstfreunde von hohem Interesse erscheinen lässt. Vorläufig mag\nerwähnt werden, dass am ersten Tage Händefs Judas Maccabäus\nzur Aufführung gebracht werden soll."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5161, "texte": "*** Braunsclnveig. Das erste Sinfonie-Concert der herzog-\nlichen Capelle fand unter Leitung des Capellmeisters Müller in\ndem Altstadthaus-Saale Statt, der durch die Munificenz unserer Re-\ngierung in einen prächtigen Concertsaal umgewandelt ist. Weber s\nJubel-Ouverture, Bcrlioz's Vehmrichter und Mendelssohns\ndritte Sinfonie wurden ganz vortrefflich ausgeführt. Im Theater\nconcertirte Frau Cornet aus Hamburg mit ihren Schülerinnen\nFräul. Adele und Fanny Cornet und Fräul. Holm. Sie er-\nwarben sich sämmtlich grossen Beifall, namentlich entzückte der\ngraziöse Vortrag von Fräul. Adele Cornet. Verdi s Rigo-\nletto übt hier fort und fort Anziehungskraft und hat schon o—B\nWiederholungen erlebt. ln einem Concerte der Liedertafel\nfanden Bruchstücke aus A b t' s Lieder-Cyklus „Die Kirine su\ngrossen Beifall. Der Pianist Herr von Bülow gab ein Concert\nohne bedeutenden Erfolg.\nVieuxtemps gab am 14. März in Frankfurt ein Concert mit\nso grossem Beifall, dass viele Hörer ihm nach Liegnitz folgten,\num ihn auch dort zu hören. Von dem kunstsinnigen Fürsten\nvon Hohenzollern-Hechingen nach Schloss Hohenstein bei Löwen-\nberg eingeladen, spielte er dort, und die Bewohner der Stadt hat-\nten durch die Huld des Fürsten den Vortheil, sich in dem\nneu von Sr. Hoheit eingerichteten Concert - Locale als einge-\nladene Hörer an dem ausserordentlichen Spiele des Künstlers stau-\nnend zu erfreuen. Das Concert war in jeder Beziehung eines der\nausgezeichnetsten. Es wurden von der trefflichen Capelle unter der\nLeitung des Capellmeisters Täglichsbeck die Ouvertüren zu\nRuy Blas und Freischütz meisterhaft aufgeführt. Der Kammersän-\nger des Fürsten, Herr Kluth, trug zwei von Sr. Höh. componirte\nLieder und eine Arie vor: Mad. Vieuxtemps, ausgezeichnet als\nClavicrspielerin, begleitete ihren Gatten. Sc. Iloh. der Fürst von\nHcchingen überreichte selbst dem Künstlerpaare beim Abschied\neine Brillant-Busennadel und ein Brillant-Armband.\nVjetpzig-, 31. März. Sechstes Abonnements-Quartett.\nEnde gut Alles gut. Die letzte Abend-Unterhaltung der schei-\ndenden Saison, welche das Gewandhaus der Kammermusik öffnete,\nbrachte uns noch eine Fülle von Schönem und Preiswürdigem, um\ndem Auditorium den Abschied recht schwer zu machen. Ein neues\nSeptett von S p o h r für Pianoforte, zwei Streich- und vier Blas-\ninstrumente leitete die Soiree ein. Es h it nicht viel ideal Tiefes,\ndieses Septett, aber seine Factur ist solid, seine pastorale Haltung\nwohlthucnd für Zuhörer, die sich auch einmal gern an populärer\nMusik ergötzen. Uns gemahnte es wie eine lobenswürdige Erinne-\nrung an die guten allen Zeiten, daher wohl auch die Pietät der\näusserst günstigen Aufnahme, die zur Hälfte der trefflichen Aus-\nführung galt. Altmeister Mose hei es, der aus freundschaftlicher\nHochachtung vor dem Altmeister Spohr seine vorsätzliche Zurück-\ngezogenheit von der Kunstbühne für diesen Abend unterbrochen\nhatte, sass am Piano, vor seinem Erard, einem der trefflichsten\nInstrumente aus dieser Fabrik; Violine, Cello, Flöte, Clarinette, Fa-\ngott, Horn waren durch die Herren David, Wittmann, Grenser,\nLandgraf, Weissenborn und Rothe tüchtig vertreten. Dem Septuor\nfolgte das duftige, interessante Capriccio für Streich-Instrumente\n(Op. 81) von Mendelssohn. Dieses, wie das grosse Quartett in\nCis-moll von Beethoven, ein Werk seiner allerletzten Periode\n(Op. 131), eben so schwer verständlich, wie schwer zu executiren,\nward durch die Herren David, Röntgen, Hermann und Grützmacher\nzu vollständiger Geltung gebracht. Das Trio für Ciavier, Violine\nund Cello, welches der Componist, Professor Moscheies, in Ver-\nein mit den Herren David und Grützmacher ganz ausgezeichnet\nvortrug, gehört jedenfalls zu den bedeutendsten Schöpfungen des\nTonsetzers, so wie in die Kategorie jener gediegenen Kammermu-\nsik, von der leider die Neuzeit im Sturm und Drang unabgeklärter\nRomantik so ganz absieht. Das Auditorium nahm in dieser letzten\nSoiree an den Leistungen der ausübenden Künstler doppelt leb-\nhaften Antheil, und ward namentlich der Nestor unter ihnen mit\nherzlichem Empfange begrüsst.\nDie drei jungen Sohne des hiesigen Sängers Brassin, die bei-\nden älteren Ciavierspieler, der jüngste Violinist, ausgezeichnet be-\ngabte musicalische Talente, werden für diese Saison nach Lon-\ndon gehen.\nAm Charfreitage wird hier Händel's Israel in Aegypten\nzu einem wohlthätigen Zwecke zur Aufführung kommen.\nLondon. Am 1. April ist die italienische Oper in Co-\nventgarden mit Rossinis Wilhelm Teil eröffnet worden. Die\nBesetzung war folgende: Dlle. Marai, Mathilde; Olle. N. Didiee,\nGemmi; Tamberlik, Arnold; Ronconi, Teil; Tagliafico,\nGessler. Das Publicum war zahlreich, aber blieb im Ganzen kalt.\nNur die National-Hymne wurde mit Begeisterung aufgenommen.\nMein ausführlicherer Jiericht folgt nach.\nEine zweite Oper im Theater der Königin wird schwerlich zu\nStande kommen. Das Gerücht behauptet jedoch, sie sei im Plane,\nund der Mittelpunkt derselben würde Formes sein.\nLindpaintner ist hier und wird die Concerte der neuen\nphilharmonischen Gesellschaft dirigiren. Jenny Lind hat alle An-\nerbietungen der Herren Gye und Mitchell ausgeschlagen, wird\naber hieher kommen und in Oratorien und eigenen Coneerten\nsingen. C. A."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.1", "texte": "Musicalische Zustände in den Vereinigten Staaten\nvon Nordamerica.\nI.\nWenn ich daran gehe, Ihnen eine Skizze unserer mu-\nsicalischen Zustände zu entwerfen, so fühle ich sehr wohl,\nwelch eine schwierige Aufgabe ich mir stelle; denn es gilt\nvor Allem, Vorurtheile zu bekämpfen, welche in Europa,\nund besonders in Deutschland, über Nordamerica in Hin-\nsicht auf die Stufe der musicalischen Bildung, die wir\nerreicht haben, bestehen, und auf der anderen Seite den\neuropäischen Künstlern die Augen zu öffnen, welche jen-\nseit des atlantischen Meeres ein Californien vermuthen,\nwo man nur den Mund zu einiger Maassen erträglichem\nGesänge zu öffnen, oder die Finger auf die Tasten oder\nSaiten zu legen brauche, um Wolken von Goldstaub auf-\nzuregen, den man bequem in Säcke sammeln und nach\nHause tragen könne.\nEs ist das Loos von America, dass fast in jeder Be-\nziehung die Vorstellungen, die man sich davon macht, über-\ntrieben sind, sowohl von dessen Vorzügen als Mängeln, und\nes gibt sicher kein Land auf Erden, das mit mehr Hecht\ndas Land der Phantasie und der Illusion zu heissen ver-\ndient, als America, trotz seiner prosaischen Nüchternheit\nund seiner hausbackenen Realität, oder vielmehr eben we-\ngen derselben. Der Dichter, der Künstler, überhaupt der\ngebildete, fühlende Mensch, der ausser dem sieht- und\ngreifbaren Gute hier für Gemüth und Herz und Einbil-\ndungskraft noch etwas Anderes sucht, dessen Werth nicht\nvon der Materie, sondern von einer Idee bedingt wird, der\nwird sehr bald inne werden, dass Dante's Inschrift: „ Wer\nhier eintritt, lasse jede Hoffnung draussen!\" auf die War-\nnungstafeln an den americanischen Häfen gehöre.\nDass ein solcher Boden lür die Kunst günstig sei, wird\nNiemand behaupten wollen. Bei allen Völkern, wo die\ngeistige Cultur sich aus dem Gemüthe und der Phantasie\nentwickelt hat, ist ein organisches Leben und Wachsen der\nKunst naturgemäss; in America aber hat nur die Civili-\nsation alles, was vorhanden ist, erzeugt und empor getrie-\nben, und die Cultur muss erst auf diese gepfropft werden.\nNatürliche Blüthen kann die Kunst hier nicht treiben,\nihre Haine müssen angepflanzt werden, sie wachsen nicht\nvon selbst, und wir werden noch lange die hangenden\nGärten der Semiramis auf den Hachen Dächern bewundern\nund uns mit dem \\ankee-Stolze trösten müssen, dass wir\ndie Kärrner bezahlen können, welche das Erdreich hinauf\nschaffen, damit da droben etwas wachse.\nIn den Vereinigten Staaten muss man in Bezug auf\nalles, was höhere Bildung betrifft, einen grossen Unterschied\nmachen zwischen dem östlichen Küstenlande und dem In-\nnern. Es würde falsch sein, den Nordamericanern überhaupt\ndie Empfänglichkeit für Musik abzusprechen: sie findet sich\nüberall; aber die Stufe der Entwicklung, die der Sinn\nfür die Tonkunst bereits erreicht hat, und welche sich in\nGeschmack und Urtheil, wie in wirklicher Ausübung offen-\nbart, ist eine so himmelweit von einander verschiedene, je\nnach der verschiedenen geographischen Lage, dass in Europa\neine solche Kluft zwischen der Kunstbildung der verschie-\ndenen Nationen nicht einmal denkbar ist, wie sie hier\nzwischen den Bewohnern der einzelnen Provinzen, den\nFractionen eines und desselben Volkes besteht. Während\nman in New-York, Boston u. s. w. die höchsten Ansprüche\nan künstlerische Leistungen macht, Ansprüche, wie sie nur\neuropäische Residenzen machen, hält man zwanzig, oft\nkaum zehn Meilen weiter westlich die grösste Mittelmässig-\nkeit für Virtuosität und die erbärmlichste Stümperei für\nentzückende Kunst.\nDiese niedrige Stufe der musicalischen Bildung, dieser\ngänzliche Mangel an Urtheil in den Städten im Innern des\nLandes ist die morsche Stütze, auf die alle mittelmässi-\ngen einwandernden Talente ihre Hoffnung auf Gewinn,\nwelche gleich die ersten paar Wochen ihres Aufenthaltes\nin New-York für die grösseren Städte zertrümmert haben,\nbauen. Sie haben keine Vorstellung von der Menge von\nMusikern, oder richtiger Musicanten, aus allen Nationen,\nwelche Nordamerica wie die Zigeuner durchziehen und"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.2", "texte": "durch Geklimper und Gekrähe auszubeuten versuchen. Die\nMehrzahl von ihnen sind leider Deutsche, und über die Mittel,\nwelche sie anwenden, ein Auditorium zusammen zu trom-\nmeln oder zusammen zu läuten was hier buchstäb-\nlich zu verstehen ist , machen sie sich nicht das geringste\nGewissen. Da wird nichts verschmäht, was Theilnahme, ja,\nwenn auch nur Mitleid, erregen kann, wofern es nur dahin\nführt, ein oder zwei so genannte Concerte zu Stande zu\nbringen, und da die Deutschen keineswegs so beliebt sind,\nwie man bei Ihnen jenscit des Meeres glaubt, so nehmen\nsie häufig eine andere Maske vor. Es ist eine sonderbare\nEigenheit der Nordamericaner, dass sie bei ihrer Freiheit\nund Gleichheit einen wahrhaft lächerlichen Respect vor\nhohen Titeln der Ausländer haben; diese merken das bald,\nund so gibt es denn eine Menge von Grafen und Baronen,\nwelche durch wer weiss welche unglückliche Verhältnisse\ngezwungen worden sind, ihr musicalisches Talent, das sie\nsonst nur aus Liebhaberei in grossen Cirkeln hören Hessen,\nhier zum Lebensunterhalt zu benutzen. Dem Yankee macht\nes Spass, mit seinen republicanischen Dollars so einem\nhochgeborenen europäischen armen Teufel auf die Beine zu\nhelfen; ob dieser ein Stümper in der Kunst sei oder nicht,\ndas ist Nebensache. Der Mann hat eine Herrschaft, ein Gra-\nfen-, ein Fürstenthum verloren und wirft sich der america-\nnischen Demokratie in die Arme; das ist für den freien\nKleinbürger des Binnenlandes, gegen den der pariser Epi-\ncier in der Geographie noch ein glänzendes Examen be-\nstehen würde, hinreichend, um sich für sein Concert zu\ninteressiren.\nWill's mit den Stammbaum-Früchten nicht recht fort,\nso hat man so viel Englisch radbrechen gelernt, dass man\nsich für einen polnischen, ungarischen oder italiänischen\nVerbannten ausgibt, für einen politischen Flüchtling, und\ndas Martvrthum der Freiheit ist in der Regel noch ein\n%) O\nwirksameres Mittel, eine Subscription zu Stande zu bringen.\nIch habe auf meinen Reisen im Innern in kleinen Städten\nvon 2- bis 6000 Einwohnern, selbst in solchen, mit de-\nnen die Verbindung weder durch Eisenbahnen noch durch\nDampfschiffe erleichtert, sondern nur durch höchst unbe-\nqueme Transport-Mittel bewerkstelligt wird, sehr oft meh-\nrere dergleichen musicalische Freibeuter zugleich gefunden,\nwelche auf republicanische Sympathieen reis'ten.\nAber alles das hält nur auf kurze Dauer und nur für\nden Augenblick vor, und das ist es, was ich für Pflicht\nerachte, als ernste Warnung meinen Landsleuten, die\netwa Lust haben sollten, darauf zu speculiren, vorzuhalten.\nAn die Gründung auch nur einer erträglichen Existenz, ge-\nschweige denn an nachhaltigen Erwerb, ist durch ein der-\nartiges Kunstreisen in Nordamerica, selbst bei einigem mu-\nsicalischen Talente, nicht zu denken. Zweimal darf man\nnirgends damit an einen und denselben Ort kommen, das\nleidet der unverwüstliche praktische Sinn und die Verän-\nderlichkeit der Neigungen des Americaners nicht. Ein vaga-\nbundirendes Leben kann man allerdings eine Zeit lang\nunter unsäglichen Mühen und Demüthignngen auf diese\nArt führen; aber das Ende ist eine schreckliche Enttäu-\nschung und meistentheils eine hülflose, traurige Lage.\nDagegen bieten sich für einen Musiker, selbst bei ge-\nringem Wissen und Können, gerade im Binnenlande eine\nMenge Gelegenheiten dar, sich an einem Orte niederzulas-\nsen und durch Unterricht geben sich eine dauernde\nund sehr einträgliche Existenz zu gründen. Ich kenne gar\nmanche, die bei mittelmässigem Talente sich in kleinen\nStädten auf solide Weise binnen drei bis vier Jahren ein\nVermögen von B—lo,ooo Dollars erworben haben.\n\nBrüsseler Briefe.\nDen 30. März 1854.\nWir hatten während der letzten Monate über so we-\nnig Neues und für Sie Interessantes zu berichten, dass un-\nser Artikel von einem Concerte zum anderen aufgeschoben\nwurde, in der Hoffnung, noch etwas von Bedeutung hin-\nzufügen zu können. Arm sind wir aber doch, und werden\nes auch wohl noch lange bleiben. Das Conservatorium\nhat uns drei seiner regelmässigen Concerte gegeben und\neines, um Alex. Stadtfeld einGrab-Denkmal zu errich-\nten ; die vereinigten Musiker hatten ihre dritte Musik-Auf-\nführung, und damit sind wir am Ende der Orchester-Con-\ncerte. Das erste Concert des Conservatoriums war über\nalles Erwarten gelungen, sowohl was die Wahl als die\nAusführung der Stücke anbetrifft; wobei wir übrigens von\nSolo-Vorträgen abstrahiren, die meistens von Schülern des\nInstituts schülerhaft vorgetragen werden. Mendelssohn's\nvierte Sinfonie, zum ersten Male gegeben, machte den An-\nfang; dieses Werk voll frischer, jugendlicher Ideen versetzte\nuns und, wie es schien, alle Zuhörer in die angenehmste\nStimmung; es scheint vom Componisten in einem beson-\nders günstigen Augenblicke erdacht und mit grosser Liebe\nausgeführt zu sein; namentlich fühlt man dieses beim ersten\nSatze. Der zweite hat der Revue musicale de Bruxelles (ein\nBlatt, welches seit einigen Monaten eine kümmerliche\nExistenz angefangen hat) den Eindruck eines Trauermar-\nsches gemacht! Sehr musicalisch empfunden! Im lieblichen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.3", "texte": "Scherzo sieht man noch nicht, wie bedeutend und nament-\nlich wie selbstständig Mendelssohn gerade in dieser Form\nwerden sollte. Der letzte Satz verfehlte seine Wirkung\ndurch ein übertriebenes Tempo.\nBeethoven's grossartige Coriolan-Ouverture wurde vor-\ntrefflich vorgetragen; doch können wir Herrn Fetis über\ndie Art, wie er die Schluss-Tacte ausführen lässt, nicht\nbeistimmen. Das Ritardando ist in der Composition selbst\ndurch die Verlängerung der Achtel des Haupt-Motivs in\nViertel-Triolen und dann in halbe und ganze Noten ausge-\nschrieben, und ein äusserlich hinzugefügtes kann den Ein-\ndruck nur schmälern. Mozart's Finale zum ersten Acte aus\nFigaro's Hochzeit machte den Schluss des Concertes. Da\nes hier nie auf dem Theater gehört werden kann, so war\nes dankenswerth, uns mit dieser Gabe zu erfreuen.\nDas Concert zur Errichtung eines Grab-Denkmals für\nAlex. Stadtfeld enthielt fast nur Compositionen dieses\nzu früh dahingeschiedenen jungen Talentes. Eine Oper,\n„Hamlet\", aus der wir mehrere Gesang-Nummern, so wie\ndie Ouvertüre hörten, ist sein letztes Werk gewesen. Man\nsieht darin einen bedeutenden Fortschritt im Vergleiche zu\nfrüheren Compositionen. Die Richtung, welche Stadtfeld\neingeschlagen hatte, war die Meyerbeer's und Halevy's. Die\nOuvertüre enthielt manches Neue in Beziehung auf Instru-\nmentation, doch mangelt seinen Compositionen das eigent-\nliche melodische Element. Leonard, erster Lehrer der Vio-\nline am Conservatorium, unterstützte das Concert mit gros-\nser Bereitwilligkeit und ärntete den grössten und verdien-\ntesten Beifall.\nDas zweite Conservatoire-Concert bestand aus: Ouver-\ntüre zu Leonore, leidlich ausgeführt, Schlummerlied für\nTenor aus der Stummen, L Phantasie von\nLiszt für Piano, sehr mittelmässig vorgetragen, und die\nWüste von Felicien David. Das Programm stand, wie\nSie sehen, dem ersten bedeutend nach. Ueber die „ Wüste\"\nkann man nichts mehr sagen. Das Interesse konnte nur\nnoch erhalten werden durch eine Neuerung, wrelche Herr\nFetis für nöthig erachtete, um dem ganzen Werke den\nlocalen Wüsten-Charakter zu geben. Nämlich also: Mlle.\nBeernaert hatte das Gebet des Muezzin vorzutragen. Als\nAnmerkung stand: Le chant\ncantatrice doit imiter la voix\nEs war traurig für die Sängerin, dass sie gezwungen war,\nihre schöne Stimme ganz bei Seite zu stellen. Herr Fetis\nhatte bei ihr einen Ton erzielt, der dem ähnlich war, wel-\nchen man bei Sängerinnen vmit dem Ausdrucke zu\nbezeichnen pflegt: sie singt, als ob sie eine Kartoffel im\nHalse hätte. —■ Im Concerte der vereinigten Künstler hör-\nten wir die Tannhäuser-Ouverture zum zweiten Male und\nwurden in unserem früheren Urtheile bestärkt. Diese Musik\nist aber lauteres Gold gegen eine Sinfonie von Hanssens,\ndie wir in diesem Concerte anhören mussten. Ein brillanter\nUnsinn! Doch müssen wir gestehen, dass wir nie unkluges\nZeug nobler wiedergegeben hörten. Das Orchester that\nsein Bestes, um das Gewirr von Tönen so klar als möglich\nzu machen. Uebrigens ist die Instrumentation angenehm,\nund viele Klang-Effecte sind den Beethoven'schen so ähn-\nlich, dass sie durch die Erinnerung an diesen Meister den\nWunsch nach einem ausgesprochenen Gedanken bis zur\ngrössten Ungeduld steigern, bis die unbefriedigte Erwar-\ntung die Nerven abspannt und eine schreckliche Langeweile\neintritt. Mad. Pleyel spielte mit ihrer unglaublichen Bra-\nvour Mendelssohn's\nuns nicht immer, namentlich im Andante, angenehm, doch\nhört man schwerlich je eine grössere Reinheit und Leich-\ntigkeit der Ausführung. Wenig Eindruck machte Mad. Pleyel\nmit der Liszt'schen Phantasie Les patineurs. Die Coquetterie\nund Spielerei ist gar zu handgreiflich. Diese unglückliche\nPhantasie ist, wie es scheint, eine Notwendigkeit für alle\nPianisten geworden; hier in Brüssel verschont uns kaum\nnoch Einer damit. Mad. Pleyel hatte schon lange ihr Parade-\npferd daraus gemacht, und spielte sie jetzt wieder, weil\nkurz vorher Fräul. Rosa Kastner in ihrem Concerte\ngrossen Beifall damit geärntet hatte. Uns gefiel die Auffas-\nsung der jüngeren Dame besser, wenn diese auch vielleicht\nnicht ganz so geschwinde Finger hat, als die andere. Fräul.\nKästner's bester Vortrag war jedoch das D-moll-Trio von\nMendelssohn, das sie im Verein mit den Herren Karl\nDeichmann und V. Müller, einem Schüler von Servais,\nmit seltener Meisterschaft ausführte.\nAm letzten Sonntage den 19. März fand das dritte\nConservatoire-Concert Statt. Den Anfang machte eine Sin-\nfonie von Soubre, von der man nur sagen kann, dass\nder Stil zu opernmässig ist. Der Beifall war gross, der\nComponist wurde gerufen, doch zweifeln wir, dass dieser\nFall anderswo auch eingetreten sein würde. Soubre ist\nLaureat des Conservatoriums, und so erklärt sich das. Er\nhatte das Werk auch zu der bekannten Preis-Bewerbung\neingesandt. Die Instrumentation ist überladen; die drei\nersten Sätze sind in E-dur, der letzte in A-dur. Warum?\nWo ist der Grund dazu? Mlle. Bern aer t sang eine grosse\nArie aus Semiramide sehr falsch, und ein vielversprechen-\nder zehnjähriger Knabe, Camille Demunck, spielte den\nersten Satz eines de Beriot'schen Concertes. Cherubini's"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.4", "texte": "Ouvertüre zum Wasserträger ging sehr flau, eben so eine\nArie,vorgetragen von Mad. Deligne. Dupont spielte eine\ndramatische Phantasie mit Orchester von seiner Compo-\nsition. Er hat viel Fertigkeit; die Composition ist, wenn\nman sie gegen die Prätention hält, die sie macht, unbe-\ndeutend. Den Schluss des Concertes bildete ein Duett aus\nMeyer beer's L'eloile du dessen Eindruck sehr\nCJ *\nschwach war. Wir finden es sehr ungeeignet, nur eine\neinzelne Nummer von einem noch unbekannten Werke\nzu geben.\nEhe wir unseren Artikel schliessen, müssen wir Ihnen\nnoch im Allgemeinen die Künstler nennen, die sich hier im\nLaufe des Winters aufhielten, und das können wir nicht\nbesser, als wenn wir Sie in den Salon des Herrn F. Kuf-\nferath einführen, wo alle fremden und viele der hier an-\nsässigen Künstler sich regelmässig zusammenfinden. Man\nbezeichnet diese Gesellschaft gewöhnlich mit dem Spitz-\nnamen La clique allemande, den sich die Herren aber zum\nEhrentitel anrechnen. Sie haben es sich zum Grundsatze\ngemacht, alles, was in Deutschland Neues erscheint, kennen\nzu lernen und nach besten Kräften zu verbreiten. So hör-\nten wir dort drei Trio's von Schumann, eines von Karl\nRein ecke, ausgeführt von Kufferath, Deich mann\nund Müller, dann Mendelssohn's Quintett und Quar-\ntette, und die letzten Werke ß e e t h o v e n' s, die Leonard\nund Deich mann (Violine), Kufferath (Bratsche) und\nMüller (Violoncell) mit wahrhaft künstlerischer Vollendung\nvortragen. D a m c k e war den ganzen Winter hindurch\nhier; wir hörten eine vierhändige Fuge von ihm, so wie ein\nansprechendes Salonstück für Violine. Fräul. Rosa Kast-\nner haben wir schon genannt. liier hörten wir auch zu-\nerst ein neu erfundenes Instrument der Instrumentenbauer\nMerklin u. Schütze, das durch eine Zusammenstellung\nder Principe des Harmoniums und der Orgel nach, wie\nman sagt, Kufferath's Andeutung entstanden ist. Am kür-\nzesten kann man es mit dem Namen Zimmer-Orgel bezeich-\nnen ; es heisst Orchestrium und hat in seiner besten Form\nzwei Claviaturen und ein freies Pedal. Alle Orgel-Compo-\nsitionen lassen sich daher darauf ausführen, und es wird\nden Organisten dadurch Gelegenheit werden, sich in Con-\ncerten hören zu lassen; jedoch klingt auch weniger ernste\nMusik sehr gut darauf. Wir sind überzeugt, dass das In-\nstrument namentlich in Deutschland viel Anklang finden\nwird; es verlangt übrigens einen guten Musiker, um es zur\nGeltung zu bringen. In acht Tagen haben wir noch ein\nConcert der Association des welches so\neben angekündigt wird. Servais, unser berühmter Cellist,\nhat seine Mitwirkung zugesagt; wir werden Ihnen später\ndarüber berichten.\n-3 —\n\nDie Gebrüder Heinrich und Joseph Wieniawski.\n\nDie Brüder Heinrich und Joseph Wieniawski, die neu-\nerdings in Berlin trotz der gleichzeitigen Anwesenheit\nvon Vieuxtemps so grosse Erfolge errungen haben, stam-\nmen aus einer Familie, die sich bereits von mütterlicher\nSeite in den Annalen der Kunstgeschichte einen guten\nKlang erworben. Ausserdem, dass die Mutter dieser musi-\ncalischen Dioskuren vor ihrer Verehelichung in ihrem Va-\nterlande Polen als gern gehörte Pianistin öffentlich auftrat,\nerfreut sich der Bruder derselben, Eduard Wolff (schon\nseit Jahren in Paris ansässig), als Pianoforte-Spieler auch\nin weiteren Kreisen eines bedeutenden Namens. Der älteste\nund bis jetzt hervorragendste des reichbegabten Brüder-\npaares, Heinrich Wieniawski, wurde am 10. Juli 1835 zu\nLublin geboren, wo sich sein Vater als angesehener Arzt\nnoch gegenwärtig aufhält. Bereits in dem zarten Alter von\nfünf Jahren zeigte Heinrich grosse Anlagen für die Violine,\nso dass er nach kurzem Unterrichte als siebenjähriger Knabe\nöffentlich in einem Quartette von Haslinger seine Stimme\nbeifallswürdig durchführen konnte. Auf Veranlassung des\nViolinspielers Michael Hauser, der sich eine Zeit lang in\nLublin aufhielt und Ileinrich's Talente mit gerechtem Stau-\nnen bemerkte, entschlossen sich die Eltern, das zarte Reis\nin einen, wiewohl weit entlegenen, Boden zu verpflanzen,\nin dem der keimende Genius die herrlichsten Knospen trei-\nben sollte. Heinrich Wieniawski kam im Jahre 1843 nach\nParis, um die Anleitung des musicalischen Conservatoriums,\nwie die specielle Schule des Prof. Massart, eines Zöglings\ndes durch seinen Violin - Unterricht berühmten Rudolf\nKreuzer, zu gemessen. Sofort entfalteten sich die geweck-\nten Anlagen des seinen Jahren weit vorangeeilten Knaben\nauf das glänzendste. Schon 1846 bewarb er sich um den\nersten Preis des Conservatoriums und erhielt denselben in\ndem für dieses Institut bisher unerhörten Alter von eilf\nJahren. Er cursirte von nun an in der pariser Kunstwelt\nunter dem Beinamen: „ Der kleine polnische Wunderknabe\".\nHeinrich Wieniawski sollte indessen bald zum Manne wer-\nden. Da ihm Schwierigkeiten wegen Verlängerung seiner\nAufenthalts-Bewilligung in den Weg gelegt wurden, so\nfand eine directe Ansprache an den Kaiser von Russland\nStatt, welcher nicht nur die gewünschte Vergünstigung so-\nfort ertheilte, sondern auch dem vielversprechenden Jüng-\nlinge ein Jahrgehalt zur Vollendung seiner Studien auf das"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.5", "texte": "freigebigste anwies. Während der Zeit hatte sich im Kreise\nseiner Familie eine zweite Künstlerblüthe erschlossen. Sein\njüngerer Bruder Joseph, im Jahre 18-38 geboren, zeigte\nschon als fünfjähriger Knabe eine eben so besondere Vor-\nliebe als merkwürdige Anlage für das Piano, in Folge de-\nren er in diesem kindlichen Alter viele polnische und andere\nLieder nach dem Gehör spielte, ohne das Instrument zu\nkennen. Er hatte Gelegenheit, zu Hause einigen Ciavier-\nUnterricht zu geniessen, und sein musicalischer Genius trieb\nihn so rasch vorwärts, dass er in kurzer Zeit schon das\nA-moll-Concert von Hummel recht nett vortrug. Das be-\nwog die Eltern, aufgemuntert durch Heinrich's Erfolge, auch\nJoseph die Früchte des pariser Unterrichtes zu Theil wer-\nden zu lassen. Die Mutter brachte sogar das grosse Opfer,\nsich einem behaglichen und selbst glänzenden Familienleben\nzu entreissen, um ihren zweiten Sohn als treue Führerin in\ndie klippenvolle Seinestadt zu geleiten. Ihr Eintreffen in\nParis war von dem interessanten Zufalle begünstigt, dass\nsie den lange entbehrten Sohn und Bruder in dem Moment\naufsuchen mussten, in welchem er unter den enthusiasti-\nschen Acclamationen der versammelten Kunstrichter den\nersten Preis des Conservatoriums erhielt. Auch Joseph's\nTalent fand im Conservatorium allgemeine Anerkennung,\nund der Unterricht bei Chopin, WolfT undZimmerman Hess\nihn rasche Fortschritte machen, während Heinrich um diese\nZeit von dem „Vereine der Künste\" eine grosse Medaille\nerhielt und zum Ehren-Mitgliede des philharmonischen Cä-\ncilien-Vereins ernannt wurde. Im Jahre 1848 unternahm\nHeinrich in Begleitung seiner Mutter eine Kunstreise durch\nRussland, auf der er bedeutende Erfolge errang; später\nliess er sich mit gleichem Erfolge in Breslau, Weimar,\nHamburg und Dresden hören. In letzterer Stadt hielt er\nsich zwei Monate auf und profitirte noch von dem Unter-\nrichte Lipinski's, der sich ihm mit grosser Theilnahme zu-\nwendete. lm Jahre 1849 kehrte Heinrich Wieniawski\nnach Paris zurück. Erst vierzehn Jahre alt, nahm er bereits\neinen Platz unter den ersten Violinisten der Gegenwart ein.\nUnterdessen erhielt sein Bruder Joseph, kaum eilf Jahre\nalt, den grossen Preis des Conservatoriums für das Piano,\nund im dreizehnten auch für die Composition. Im Jahre\n1850 traten beide Brüder ihre erste europäische Rund-\nreise an, die sich zunächst nach Russland wendete. Sie Hes-\nsen sich mit einem ungemein glänzenden Ergebnisse am\nrussischen Hofe hören und wurden mit kaiserlichen Ge-\nschenken überhäuft. Nun gaben sie der Reihe nach in Russ-\nland 194 Concerte und bereis'ten theilweise Städte, zu\ndenen wohl noch nie ein Virtuose ihrer Geltung gedrungen\nwar. Warschau, Kiew, Petersburg, Wilna, Riga, Milau,\nReval, Helsingfors, Moskau, Tula, Orel, Kursk, Penza, Wo-\nronesch, Tamboy, Saratow, Simbirsk, Kasan, Odessa und\nandere waren Zeugen ihrer Triumphe. Im März 1853\ntraten die Gebrüder Wieniawski zum ersten Male in Deutsch-\nland und zwar in Wien auf, wo ihr Erfolg ein ungeheurer\nwar. Trotz der bekannten Verhältnisse dortiger Kritik\nschlugen die genialen Leistungen des Brüderpaares vollkom-\nmen durch. Nachdem sie mit immer steigendem Beifalle\nsechs Concerte gegeben und bei Anwesenheit des Kaisers\nvon Oesterreich im Kärnthnerthor-Theater die Ovationen\nder enthusiasmirten Residenz im höchsten Grade erfahren,\nbegaben sie sich nach Krakau, wo eben so sehr der hohe\nGrad ihrer Virtuosität, als der Umstand, vor einem Publi-\ncum von Landsleuten zu spielen, die Fülle des Beifalls er-\nklärte, mit der sie überschüttet wurden. Alsdann führte sie\ndie Saison nach Baden-Baden, wo sich für Heinrich Wie-\nniawski zwar gerade ein ebenbürtiger Rival in dem berühm-\nten Ernst aufhielt, ersterem aber nichts desto weniger bei\nseinem Auftreten nicht im Lichte stand. Ihre dortigen Er-\nfolge veranlassten eine Einladung an den münchener Hof\nSeitens eines hohen Mitgliedes der baierischen Königs-Fa-\nmilie, der die Brüder im Spätherbste Folge leisteten, nach-\ndem sie nach viermaligem, reich belohntem Auftreten in der\nalten Kaiserstadt Aachen und nach einem kurzen Aufent-\nhalte in Weimar, wo sich Joseph Wieniawski durch den\ngenialen und kunstverständigen Vortrag von Liszt's Wer-\nken die herzliche Theilnahme dieses grossen Meisters er-\nwarb, auch Leipzig besucht und hier die vollgültigsten Be-\nweise der Anerkennung mitgenommen. Heinrich Wieniawski\nist offenbar ein Phänomen. Bezüglich der Technik ist er\nvielleicht der erste jetzt lebende Violinspieler, in seiner all-\ngemein künstlerischen Geltung ist derselbe das unter den\nfranzösischen Violin-Virtuosen, was Joachim unter den\ndeutschen. Joseph Wieniawski reiht sich den guten Ciavier-\nVirtuosen der Gegenwart an. Auch als Componisten ent-\nwickeln beide Brüder namhafte Gaben; Heinrich's Fis-moll-\nConcert, sein Souvenir de Moscou, sein grossartiges Adagio\nund Polonaise brillante,sein russischer Carneval,\nderne, seine heimischen Klänge in zierlicher Masurka-Form\nJoseph's Concert in E-moll, Phantasieen, Etüden, Im-\npromptus und noch andere Salonstücke liefern dafür spre-\nchende Zeugnisse.\n\n(Leipz. Ill. Ztg.)"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.6", "texte": "Aus Gotha.\nDen Mittelpunkt unseres Musiklebens in den Monaten Januar\nbis April bildet die Oper. Regelmässig zwei Aufführungen finden\nwöchentlich Statt, wozu bisweilen noch eine Benefiz-Vorstellung\nkommt. Die Fortsetzung des Repertoire's seit Mitte Februar bildeten\ndie Krön-Diamanten, Und ine von Lortzing (bis jetzt vier-\nmal), die Hugenotten (zweimal), die Nachtwandlerin, Mar-\ntha (zweimal), der Barbier von Sevilla (zweimal). Undine macht\nstets ein volles Haus, trotz der erhöhten Preise, welche durch die\nprächtige, wahrhaft fürstliche Ausstattung gerechtfertigt sind. Diese\nzieht denn auch eigentlich mehr an als die Musik, wiewohl es\nnicht an gefälligen Melodieen fehlt und die Klarheit und Natürlich-\nkeit oder, vielleicht richtiger negativ ausgedrückt, die Abwesenheit\naller Affeclation heut zu Tage immer wohlthuend ist. Die Decora-\ntionen und Maschinerieen im dritten und vierten Acte sind von\nJos. Mühldorfer in Mannheim, die übrigen Decorationen von\ndem Hoftheater-Maler Brückner. Besonders gelungen waren die\nbeiden Vorstellungen der Hugenotten. Auber's Kron-Diamanten,\nzum Vortheil des Fräul. Westerstrand, gingen fast spurlos vor-\nüber. Bei der zweiten Aufführung des Barbiers trat Herr Fried-\nhoff als Gast in der Rolle des Doctor Bartolo auf und erwarb\ndurch Spiel und Gesang Beifall.\nAm 24. Februar hörten wir im Theater den berühmten Violon-\ncellisten Servais aus Brüssel; mit ihm zugleich trat der Pianist\nGregoire, ebenfalls ein Belgier, auf. Es war zu bedauern, dass\ndie Ankunft beider Virtuosen zu spät angekündigt wurde, so dass\nein grosser Theil des Publicums erst post festum im eigentlichen\nSinne von ihrer Anwesenheit etwas erfuhr. An demselben Abend\nwaren auch die Gesang-Vorträge des Fräul. Falconi und des\nHerrn Reer vorzüglich.\nFranz Liszt ist hier, um die neueste Oper unseres Herzogs,\n~Santa Chiara\", einzustudiren und zu dirigiren. Ueber den Er-\nfolg werde ich Ihnen später berichten.\nDrouet, der einst hochgefeierte Flötist, seit einer Reihe von\nJahren bekanntlich Capcllmeister an unserem Hoftheater, hat mit\nseinem Sohne, Pianist und Schüler des Conservatoriums zu Leipzig,\neine Kunslreise nach America angetreten, nachdem er zuvor noch\nin dem benachbarten Eisen ach ein glänzendes Concert gegeben.\nUnser verdienstvoller Musik-Director Wandersieb wird nicht\nmüde, die hiesigen musicalischen Zustände in edelster Richtung\nund uneigennützigster Thätigkeit zu fördern, und setzt die seit Jah-\nren geführte unentgeltliche Leitung des Gesang-Vereins und der\nLiedertafel mit stets gleichem Eifer und Opfern an Zeit und Mühe\nfort. Seine Bemühungen, ein Concert für die Hinterbliebenen von\nFriedr. Schneider zu Stande zu bringen, sind leider bis jetzt auf\nmancherlei unerwartete Hindernisse gestossen. Es ist dies um so\nmehr zu bedauern, als gerade jetzt durch die Mitwirkung der her-\nzoglichen Capelle eine befriedigende Aufführung zu erzielen gewe-\nsen wäre; mit dem Schlüsse der Theater-Saison, Mitte April, geht\ndie Capelle mit dem Theater-Personale nach Coburg zurück, und\ndie hiesigen Instrumentalkräfte genügen in keiner Hinsicht zu einer\ngrossen Leistung, am wenigsten zu einer Aufführung des Welt-\ngerichtes.\nZu der letzten Quartett-Unterhaltung der Herren Krämer\nnicht Prämer, wie in meinem letzten Berichte irrthümlich gedruckt\nist), Mündt, Töpler und Rösler hatte sich ein ausserordentlich\nzahlreiches Publicum eingefunden. Der Vortrag eines Quartetts\nvon Veit und des Septctts von Beethoven elektrisirte die Zu-\nhörer. Auch Liszt spendete reichen Beifall.\nDen 23. März 1854.\n12.\n\nPrüfungs-Concert der Rheinischen Musik-\nschule.\nDinstag, den 4. April.\nDas statutmässige jährliche Prüfungs-Concert der Rheinischen\nMusikschule begann mit Beethovcn's Ouvertüre zum Ballet Prome-\ntheus, deren Ausführung von Zöglingen der Anstalt unter Leitung\ndes Herrn Concertmeisters Hartmann einen Beweis von dem\nErfolg der Hebungen im Zusammenspiel gab, wofür noch be-\nsonders Nr. 5 des Programms, der Vortrag des ersten Allegro\neines Quintetts von Mozart, erfreuliches Zeugniss ablegte.\nVon Compositionen von Schülern hörten wir zwei Lieder\nvon Karoline Bleibtreu für eine Singstimme mit Ciavier, von\nansprechender Melodie, und das erste Allegro eines Trio's in G-\nmoll für Piano, Violine und Violoncell von Joseph Brambach\naus Bonn, welches, wrenn auch nicht gerade originel, doch ein\nrecht hübsches Talent und einen regelrechten Satz bekundete. Auch\nder Vortrag der Ciavierstimme durch den jungen Componisten\nselbst verdient Lob.\nAls Clavierspicler traten ausserdem auf: Gerh. Trier\naus Urbach mit dem Allegro des ersten Concertes von Beetho-\nve n, welches er recht reinlich und gewissenhaft spielte; Wilhelm\nSchau seil aus Düsseldorf mit dem ersten Satze von Mosch e-\nles' G-moll-Concert, sehr brav ausgeführt, und die Fräulein\nMinna Lorent und Eveline Kirschbach von Köln mit\nMoscheies' Duo für zwei Pianos, „Hommage ä Händeleiner\ncorrecten, sehr beifallswürdigen Leistung.\nVon den Gesangschülerinnen trug Fräulein Ida Danne-\nmann aus Elberfeld die oben erwähnten Lieder von Karoline\nBleibtreu befriedigend vor. Fräulein Nina Hartmann von hier\nsang die grosse Scene der Agathe aus Webers Freischütz, freilich\neine schwierige Aufgabe für eine so junge Schülerin; sie wurde\njedoch von ihr in Betracht der kurzen Zeit ihres Unterrichtes, be-\nsonders in der ersten Hälfte des Musikstückes, recht genügend lind\nmit unverkennbarem Talente gelöst. Fräulein Hartmann hat eine\nhelle, ausgebende Sopranstimme, welche der gründlichen Ausbil-\ndung und des ernstesten Fleisses gar sehr werlh ist, und da ihr\nVortrag von Uhland's Gedicht: „Des Sängers Fluch\", in vieler Hin-\nsicht ebenfalls befriedigle (nur muss auf die Reinheit der Aus-\nsprache einiger Consonant-Verbindungen die grösste Sorgfalt ver-\nwendet werden), so berechtigt sie zu schönen Hoffnungen für eine\ntheatralische Laufbahn.\nFräulein Pels-Leusten aus Duisburg trug die grosse Arie\ndes Orpheus von Gluck zwar etwas kalt und monoton vor, aber\nmit einer Altstimme, welche an Fülle und Klang und Kraft in der\nTiefe eine der bedeutendsten ist, die wir je gehört haben. Es wäre\nin der That zu bedauern, wenn diese seltene Stimme nicht zu\nkünstlerischer Ausbildung gebracht und für die Oeffentlichkeit ver-\nloren gehen sollte.\nIn dem Vortrage zweier Lieder von Mendelssohn zeigte\nFräulein Hermine Mann aus Luxemburg eine lobenswerthe mu-\nsicalische Bildung. Die Declamation von Schillert „Bürgschaft\"\ndurch Fräulein Mathilde Sudhaus aus Iserlohn verdient eben-\nfalls anerkennende Erwähnung.\nJoseph Auweiler aus Bonn bewährte seinen Fortschritt auf\nder Laufbahn zur Virtuosität auf der Trompete. Die Wahl des\nStückes [Una voce poco fä, die Rosine auf der Ventil-Trompete)\nwar eines Conservatoriums unwürdig.\nDen Schluss machte die recht befriedigende und mit grossem\nBeifall belohnte Ausführung des Duo Concertant von Kalliwoda\nfür zwei Violinen durch Ferdinand Bach und Nestor\nHagen aus Bonn."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.7", "texte": "tm Ganzen gab das Prüfungs-Concert einen unverkennbaren\nBeweis von dem fortwahrenden Wachsen der Bedeutung der Rhei-\nnischen Musikschule und von dem Erfolg des Unterrichtes auf\nderselben.\n\nGeesetz über das geistige Eigenthum.\nWir Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden König von\nPreussen etc. etc., verordnen zur Abänderung des Gesetzes zum\nSchutze des Eigenthums an Werken der Wissenschaft und Kunst\ngegen Nachdruck und Nachbildung vom 11. Juni 1837 (Ge-\nsetz-Sammlung von 1837, S. 165 ff.), unter Zustimmung der Kam-\nmern, für den ganzen Umfang der Monarchie, was folgt:\n§. 1. Wird ein Kunstwerk, das durch die Malerei oder eine der\nzeichnenden Künste hervorgebracht ist, mittels der plastischen\nKunst oder umgekehrt dargestellt, so ist eine solche Darstellung\nnur dann als eine verbotene Nachbildung zu betrachten, wenn sie\nauf rein mechanischem Wege erfolgt.\n§. 2. Veröffentlicht der Autor eines dramatischen oder drama-\ntisch-musicalischen Werkes sein Werk durch den\nDruck, so kann er sich und seinen Erben das aus-\nschliessende Recht, die Erlaubniss zur öffentlichen\nAufführung zu ertheilen, durch eine mit seinem dar-\nunter gedruckten Namen versehene Erklärung vorbe-\nhalten, die jedem einzelnen Exemplare seines Wer-\nkes auf dem Titelblatte vorgedruckt sein muss. Ein\nsolcher Vorbehalt bleibt wirksam auf Lebenszeit des Autors selbst\nund zu Gunsten seiner Erben oder Rechts-Nachfolger noch zehn\nJahre nach seinem Tode.\n§. 3. Wer ohne die nach §. 2 erforderliche Erlaubniss ge-\ndruckte dramatische oder dramatisch-musicalische\nWerke öffentlich aufführt, hat eine Geldbusse von fünf bis\nfünfzig Thalern verwirkt. Findet die unbefugte Aufführung auf\neiner stehenden Bühne Statt, so ist die Hälfte der Einnahme von\njeder Aufführung, ohne Abzug der auf dieselbe verwendeten Kosten\nund ohne Unterschied, ob das Stück allein oder verbunden mit\neinem anderen, den Gegenstand der Aufführung ausgemacht hat,\nzur Strafe zu entrichten. Von diesen Geldbussen fallen zwei Drit-\ntheile dem Autor oder seinen Erben und ein Drittheil der Armen-\ncasse des Ortes, an welchem die Aufführung Statt gefunden, zu.\ng. 4. Die §§. 24 und 33 des Gesetzes vom 11. Juni 1837 treten\nausser Kraft.\nGegeben Berlin, den 20. Februar 1854.\nFriedrich Wilhelm.\nv. Manteuffel. v. d. Hevdt. Simons, v. Raumer.\nv. WTestphalen. v. Bodelschwingh. v. Bon in.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMölu. Der Schluss der diesjährigen Theaterzeit fällt sehr\nglänzend aus. Im Schauspiel ist Emil Dcvrient als Rubens (in\nMadrid), Wilhelm Teil, Bolingbroke, Bergheim in „Ein Lustspiel44\nvon Benedix, Lord Rochester in der Waise von Lowood (zweimal),\nHamlet und Marquis Posa aufgetreten, bei stets überfülltem und\nvon Beifall wiederhallendem Hause. In der Oper gab Fräulein\nAgnes Burv die Nachtwandlerin, die Rosine im Barbier,\ndie Martha und die Lucia. Die Künstlerin hat an Ausbildung\ndes Trillers und der Coloratur gewonnen, jedoch ist jener der\nvollendeten Technik näher, als diese. Auch die Intensität der\nStimme scheint uns im Zunehmen begriffen, was wir besonders in\nder Lucia bemerkten, welche Partie wir überhaupt für ihre beste\nLeistung unter den hier vorgeführten halten, sowohl was Gesang,\nals was Spiel betrifft Die Rosine liegt nicht in ihrer Stimme, in-\ndem weder das mittlere noch das tiefe Register bei ihr das von\nder Natur bevorzugte ist. Um nun namentlich das letztere so wenig\nwie möglich ins Spiel zu bringen und dagegen der wahrhaft schö-\nnen hohen Lage des Soprans einigen Raum zu geben, musste die\nRosine gar zu sehr anders erscheinen, als Rossini sie geschrieben,\nDie Martha war dagegen auch eine vortreffliche Leistung und trug\nder liebenswürdigen und stets, besonders aber in dieser Rolle,\nsehr anmuthigen Sängerin mit Recht rauschenden Beifall, Trom-\npeten-Tusch und Blumensträusse ein.\nDie Vorstellung der Lucia von Donizetti war in jeder Hin-\nsicht eine ausgezeichnete; Fräulein Bury war, wie schon erwähnt,\ndarin ganz vorzüglich. Herr Kahle trat nach einer Heiserkeit, die\nihn uns eine Zeit lang entzogen hatte, als Edgardo mit frischer\nStimme wieder auf, und Herr Beck von dem kaiserlichen Opern-\nTheater in Wien verlieh dem Ganzen durch die vortreffliche Aus-\nführung der Partie des Asthon einen ganz ungewöhnlichen Glanz.\nBeck erregte gleich von vorn herein Furore oder, wie die Italiäner\njetzt sagen, Fanatis7no im Publicum. Er ist unstreitig einer der\nersten Baritonisten, die wir in Deutschland besitzen, wo nicht der\nerste. Das volle Material der Stimme und die treffliche Behandlung\ndesselben geben ihm gegründeten Anspruch auf diesen Rang.\nMorgen Sonntag, den 9. April, wird Fräulein Jenny Ney ihr\nGastspiel mit der Valentine in den Hugenotten beginnen und dem-\nnächst noch die Donna Anna und die Norma geben. Auch der\nberühmte Tenorist Ander aus WTien wird in diesen Tagen\neintreffen.\nHerr Capellmeister Fischer aus Hannover verweilte einige\nTage hier bei seinen zahlreichen Freunden.\nBerlin« Herr Louis Lacombe, dem von Paris der Ruf\neines sehr tüchtigen Componisten vorausgeht und dessen Sinfonie,\nCantaten und Quintetto bei den Concert-Aufführungen in Leipzig\nund Hamburg volle Anerkennung geworden, ist hier angekommen.\nDas in Paris und hier bereits erschienene Textbuch von Mey-\nerbeer's L'Etoile du Nord (Der Nordstern) enthält auf dem Titel\neine Bemerkung, nach welcher sich, den neuesten Staats-Verträgen\ngemäss, die Autoren sowohl als die Herausgeber des Stückes das\nRecht der Vorstellung, des Druckes und der Uebersetzung in fremde\nSprachen vorbehalten; die deutsche Bearbeitung ist Herrn Reil-\nstab von dem Verleger (Schlesinger'sche Buch- und Musikhand-\nlung) übergeben worden.\nDie beiden ersten Vorstellungen von Dorn's Oper „Die Ni-\nbelungen44, Text von Gerber, waren gedrängt voll und regten\ndas Publicum zu grossem Beifall auf. Die k. Intendanz hat keine\nKosten zur Ausstattung derselben gespart. Die Besetzung ist fol-\ngende: Brunhild, Fräul. Wagner; Chriemhild, Frau Herrcn-\nburger-Tuczek (Frau Köster war dem Vernehmen nach durch\nUnwohlsein gehindert, diese für sie bestimmte Partie zu Studiren);\nSiegfried, Herr Salomon; Günther, Herr Pfister; Hagen von\nTronegg, Herr Bost; Volker der Fiedler. Herr Formes; König\nEtzel, Herr Zschiesche.\nMainz. Bereits werden von dem Vorstande der hiesigen Lie-\ndertafel die nöthigen einleitenden Schritte gethan, um bei Gelegen-\nheit der im August dieses Jahres hier Statt findenden grossen\nKunst- und Industrie-Ausstellung und Verloosung ein grosses\nMusikfest abzuhalten. Da dem Unternehmen eine sehr bedeu-\ntende Geld-Unterstützung von Seiten jener Industrie-Commission in\nAussicht gestellt ist, so wird Alles aufgeboten werden können, die-\nsem Musikfeste jenen Glanz zu verleihen, der es den früheren,\nnoch allenthalben in freudigem Andenken stehenden ähnlichen\nFesten sich würdig anreihen und sowohl dem Künstler wie dem\nKunstfreunde von hohem Interesse erscheinen lässt. Vorläufig mag\nerwähnt werden, dass am ersten Tage Händefs Judas Maccabäus\nzur Aufführung gebracht werden soll."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540408-01.1.8", "texte": "*** Braunsclnveig. Das erste Sinfonie-Concert der herzog-\nlichen Capelle fand unter Leitung des Capellmeisters Müller in\ndem Altstadthaus-Saale Statt, der durch die Munificenz unserer Re-\ngierung in einen prächtigen Concertsaal umgewandelt ist. Weber s\nJubel-Ouverture, Bcrlioz's Vehmrichter und Mendelssohns\ndritte Sinfonie wurden ganz vortrefflich ausgeführt. Im Theater\nconcertirte Frau Cornet aus Hamburg mit ihren Schülerinnen\nFräul. Adele und Fanny Cornet und Fräul. Holm. Sie er-\nwarben sich sämmtlich grossen Beifall, namentlich entzückte der\ngraziöse Vortrag von Fräul. Adele Cornet. Verdi s Rigo-\nletto übt hier fort und fort Anziehungskraft und hat schon o—B\nWiederholungen erlebt. ln einem Concerte der Liedertafel\nfanden Bruchstücke aus A b t' s Lieder-Cyklus „Die Kirine su\ngrossen Beifall. Der Pianist Herr von Bülow gab ein Concert\nohne bedeutenden Erfolg.\nVieuxtemps gab am 14. März in Frankfurt ein Concert mit\nso grossem Beifall, dass viele Hörer ihm nach Liegnitz folgten,\num ihn auch dort zu hören. Von dem kunstsinnigen Fürsten\nvon Hohenzollern-Hechingen nach Schloss Hohenstein bei Löwen-\nberg eingeladen, spielte er dort, und die Bewohner der Stadt hat-\nten durch die Huld des Fürsten den Vortheil, sich in dem\nneu von Sr. Hoheit eingerichteten Concert - Locale als einge-\nladene Hörer an dem ausserordentlichen Spiele des Künstlers stau-\nnend zu erfreuen. Das Concert war in jeder Beziehung eines der\nausgezeichnetsten. Es wurden von der trefflichen Capelle unter der\nLeitung des Capellmeisters Täglichsbeck die Ouvertüren zu\nRuy Blas und Freischütz meisterhaft aufgeführt. Der Kammersän-\nger des Fürsten, Herr Kluth, trug zwei von Sr. Höh. componirte\nLieder und eine Arie vor: Mad. Vieuxtemps, ausgezeichnet als\nClavicrspielerin, begleitete ihren Gatten. Sc. Iloh. der Fürst von\nHcchingen überreichte selbst dem Künstlerpaare beim Abschied\neine Brillant-Busennadel und ein Brillant-Armband.\nVjetpzig-, 31. März. Sechstes Abonnements-Quartett.\nEnde gut Alles gut. Die letzte Abend-Unterhaltung der schei-\ndenden Saison, welche das Gewandhaus der Kammermusik öffnete,\nbrachte uns noch eine Fülle von Schönem und Preiswürdigem, um\ndem Auditorium den Abschied recht schwer zu machen. Ein neues\nSeptett von S p o h r für Pianoforte, zwei Streich- und vier Blas-\ninstrumente leitete die Soiree ein. Es h it nicht viel ideal Tiefes,\ndieses Septett, aber seine Factur ist solid, seine pastorale Haltung\nwohlthucnd für Zuhörer, die sich auch einmal gern an populärer\nMusik ergötzen. Uns gemahnte es wie eine lobenswürdige Erinne-\nrung an die guten allen Zeiten, daher wohl auch die Pietät der\näusserst günstigen Aufnahme, die zur Hälfte der trefflichen Aus-\nführung galt. Altmeister Mose hei es, der aus freundschaftlicher\nHochachtung vor dem Altmeister Spohr seine vorsätzliche Zurück-\ngezogenheit von der Kunstbühne für diesen Abend unterbrochen\nhatte, sass am Piano, vor seinem Erard, einem der trefflichsten\nInstrumente aus dieser Fabrik; Violine, Cello, Flöte, Clarinette, Fa-\ngott, Horn waren durch die Herren David, Wittmann, Grenser,\nLandgraf, Weissenborn und Rothe tüchtig vertreten. Dem Septuor\nfolgte das duftige, interessante Capriccio für Streich-Instrumente\n(Op. 81) von Mendelssohn. Dieses, wie das grosse Quartett in\nCis-moll von Beethoven, ein Werk seiner allerletzten Periode\n(Op. 131), eben so schwer verständlich, wie schwer zu executiren,\nward durch die Herren David, Röntgen, Hermann und Grützmacher\nzu vollständiger Geltung gebracht. Das Trio für Ciavier, Violine\nund Cello, welches der Componist, Professor Moscheies, in Ver-\nein mit den Herren David und Grützmacher ganz ausgezeichnet\nvortrug, gehört jedenfalls zu den bedeutendsten Schöpfungen des\nTonsetzers, so wie in die Kategorie jener gediegenen Kammermu-\nsik, von der leider die Neuzeit im Sturm und Drang unabgeklärter\nRomantik so ganz absieht. Das Auditorium nahm in dieser letzten\nSoiree an den Leistungen der ausübenden Künstler doppelt leb-\nhaften Antheil, und ward namentlich der Nestor unter ihnen mit\nherzlichem Empfange begrüsst.\nDie drei jungen Sohne des hiesigen Sängers Brassin, die bei-\nden älteren Ciavierspieler, der jüngste Violinist, ausgezeichnet be-\ngabte musicalische Talente, werden für diese Saison nach Lon-\ndon gehen.\nAm Charfreitage wird hier Händel's Israel in Aegypten\nzu einem wohlthätigen Zwecke zur Aufführung kommen.\nLondon. Am 1. April ist die italienische Oper in Co-\nventgarden mit Rossinis Wilhelm Teil eröffnet worden. Die\nBesetzung war folgende: Dlle. Marai, Mathilde; Olle. N. Didiee,\nGemmi; Tamberlik, Arnold; Ronconi, Teil; Tagliafico,\nGessler. Das Publicum war zahlreich, aber blieb im Ganzen kalt.\nNur die National-Hymne wurde mit Begeisterung aufgenommen.\nMein ausführlicherer Jiericht folgt nach.\nEine zweite Oper im Theater der Königin wird schwerlich zu\nStande kommen. Das Gerücht behauptet jedoch, sie sei im Plane,\nund der Mittelpunkt derselben würde Formes sein.\nLindpaintner ist hier und wird die Concerte der neuen\nphilharmonischen Gesellschaft dirigiren. Jenny Lind hat alle An-\nerbietungen der Herren Gye und Mitchell ausgeschlagen, wird\naber hieher kommen und in Oratorien und eigenen Coneerten\nsingen. C. A."}]}