{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-04-29-02", "volume": "bmtnabi_1854-04-29_02", "ocr_sha256": "e7771a4d40bf14e3b772e5e3fe3abe61e154e8e372e6c1c769eb31490dabea2b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/04/29_02/bmtnabi_1854-04-29_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540429-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-04-29-02-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-04-29_02#c001", "volume": "bmtnabi_1854-04-29_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "14", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540429-02.2.1", "titre_corps": "Für Gesang-Unterricht.", "titre_sommaire": "Für Gesang-Unterricht.", "signature_source": "K", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540429-02.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4975, "texte": "Für Gesang-Unterricht.\n\nHenri Panofka, L'Art de chanter. Theorie et Pratique.\nParis, chez Brandus & Comp. L'ouvrage complet\npour Soprano, Mezzo Soprano ou T6nor, 40\nFrcs. Id. pour Alto, Baryton ou Basse, 40 Frcs.\nDieses neue Werk für die Gesanglehre, welches erst kürzlich\nErschienen ist, verdient in jeder Hinsicht die Aufmerksamkeit der\nKritik, der Conservatorien und der Gesanglehrer. Ganz im Gegen-\nsatze zu der Anmaassung der meisten unter den heutigen Pädago-\ngen der Kunst, von denen jeder in seiner funkelnagelneuen Me-\nthode das einzige Heil für den angehenden Künstler, ja, für die\nKunst überhaupt gefunden haben will, und welche desshalb, wie\nihre Gegenbilder, die Erfinder der wahren Inhalts-Musik und der\nmusicalischen Dramatik, auf alles Vorhandene und Dagewesene\ndummstolz herabblicken ganz im Gegensatze zu diesen Erobe-\nrern spricht der sehr unterrichtete und wissenschaftlich gebildete\nVerfasser an der Spitze seines Werkes den Grundsatz aus:\n„Die Wissenschaft bleibt nicht stehen; die Intelligenz schreitet\nimmer vorwärts. Es ist also die Pflicht des gebildeten Menschen,\nder von einem wissenschaftlichen oder künstlerischen Berufe durch-\ndrungen ist, den Fortschritt zu suchen, indem er seinen Vor-\ngängern Gerechtigkeit widerfahren las st.\"\nDiesem Grundsatze ist Herr Panofka durchweg treu geblieben.\nSeine Kenntniss fremder Sprachen setzte ihn in Stand, die acht-\nundvierzig Gesangschulen, welche das Verzeichniss am Ende seines\ntheoretischen Theiles aufzählt, zu benutzen. Er ist ihren Verfassern\ndankbar für das Gute und Richtige, welches sie ihn gelehrt, und\nselbst für das, was er als Irrthum erkennen musste, weil ihn die-\nses auf tiefere Forschung und neue Gedanken gebracht habe.\nSein Werk tritt daher nicht mit dem Ansprüche auf, eine neue\npersönliche Methode, eine weltumwälzende Idee dem gegenwärti-\ngen Geschlechte oder gar erst der Zukunft zu verkünden, sondern\nes ist eine logische Synthese der Gesetze der Gesangeskunst, wie\nsie die Natur, die Erfahrung und der denkende Verstand lehren,\nund im praktischen Theile eine Empfehlung der besten Mittel und\neine Anweisung zu ihrem Gebrauche, um jenen Gesetzen gemäss\ndie künstlerische Ausbildung der Stimme zu bewerkstelligen. Diese\nSynthese ist mit grossem Geschicke gemacht; sie zeichnet sich aus\ndurch Klarheit, Ordnung, Folgerichtigkeit, Entwicklung des Einen\naus dem Anderen, überhaupt durch einen gewissen philosophischen\nSinn, der uns stets Heber ist als philosophische Redensarten. Alles\nsteht an seinem gehörigen Platze, und die Darstellung ist frei von\nästhetischem Schwulst, populär und vertändlich gehalten, nur etwa\nin dem ersten Abschnitte, dem physiologischen, etwas affectirt\ngelehrt.\nWenn man aus dem bisher Gesagten aber schliessen wollte,\ndass hier gar nichts Neues zu holen sei, so würde man irren;\nwir werden im Gegentheil sehen, dass das Werk in der Methode\nviel Neues und oft wirklich Reformatorisches enthält.\nDer erste Theil enthält zunächst eine wissenschaftliche Beschrei-\nbung der verschiedenen Organe, welche zur Erzeugung des lo-\nnes zusammenwirken. Der Verfasser folgt darin einem speciellen\ndes Dr. Scgond über denselben Gegenstand. Das vierte\nCapitcl handelt von den Mitteln und Regeln, den wahren Cha-\nrakter einer Stimme erkennen zu lehren; die folgenden be-\nschäftigen sich mit der Klangfarbe (timbre) des loncs, mit der\nReinheit, Stärke und Schönheit desselben, mit dem Gehör\nund mit den Gesundheits-Regeln für den Sänger, leberall\nfinden wir hier treffliche Bemerkungen über die Stimme und de-\nren Bildung, über die nöthigen Anlagen zu einem guten Sänger,\nüber die Mittel, die Erzeugung des Tones zu erleichtern und die\nStimme vor allerlei Verderbnissen zu bewahren, indem eine ver-\nkehrte Beurtheilung des natürlichen Charakters derselben und\nzweckwidrige Studien sie eben so sehr zu Grunde richten können,\nals physische äussere Einflüsse.\nDer zweite Theil enthält die eigentliche Singlehre, und hier\ndurchbricht Panofka in gar mancher Hinsicht die Schranken, in\nwelchen sich der Gesang-Unterricht bisher bewegte, und betritt\nnicht bloss in Nebendingen neue Bahnen. Seine reformatorischen\nVorschläge betreffen hauptsächlich die Reihenfolge der Uebungen,\ndie man zur Ausbildung der Stimme gewöhnlich anwendet, und\ndann auch einige wesentlich technische Dinge.\nEr verwirft die bisherige Art und Weise, den Gesang-Unterricht\nmit dem Studium der Messa di voce zu beginnen, als irrationel.\nUm den Ton aushalten zu können und vollends an- und abschwel-\nlen zu lassen (filer le son), müsse man so behauptet er -7- schon\nfolgende Eigenschaften besitzen: 1) Sicherheit der Intonation, 2)\nvollkommenen Ansatz des Tones, 3) eine solche Willfährigkeit und\nBiegsamkeit des Stimm-Organs, dass man Herr darüber sei, den\nTon nach Willkür zu- oder abnehmen zu lassen. Diese Eigenschaf-\nten fährt er fort sind aber keineswegs von der Natur gege-\nben, sie müssen erst durch Uebungen im Treffen und im Bilden\ndes reinen Tones und dem fertigen Ansätze desselben (emission pure"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540429-02.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3863, "texte": "et sonore), im Behandeln der verschiedenen Chorden des Organs\nbis zur Herrschaft über ihren Gebrauch, im Festhalten des gleich-\nbleibenden Tones, in der Egalität der auf einander folgenden Töne,\nin der Biegsamkeit der Stimme erworben werden. Es ist also na-\ntur- und vernunftgemäss, dem Studium der Messa di voce, des An-\nund Abschwellens des Tones, nach den genannten Hebungen seine\nStelle im Untcrrichts-System anzuweisen, nicht vor denselben.\nV\nDiese Schlussfolge des Verfassers scheint uns offenbar richtig\nund von grosser Bedeutung für den Gesang-Unterricht. Es ist in\nder That curios, dass die meisten Gesanglehrer mit der Messa di\nvoce und dem Portamento, also mit den schwierigsten, aber freilich\nwesentlichsten Leistungen des Sängers, den Unterricht beginnen\nund auf diese Weise gleichsam eine umgekehrte Pyramide bauen-\n— Kommt nun Panofka nach den vorhergegangenen Uebungen auf\ndie Messa di voce, so theilt er diese wieder nalurgemäss in ihre\nzwei Hälften und übt erst die Anschwellung des Piano zum Forte\nund das Abnehmen des Forte zum Piano, und dann, wann in Bei-\nden Fertigkeit erlangt ist, die Verbindung derselben. Dies ist nun\nwohl nichts absolut Neues, denn wir selbst und gewiss viele Ge-\nsanglehrer haben dieselbe Praxis oft befolgt; allein richtig und\nzweckmässig ist das Verfahren allerdings, und desshalb seine Auf-\nnahme in die Gesangschulen eine Notwendigkeit.\nEine zweite, ebenfalls wichtige Aenderung, welche wir aber aus\nGründen, deren Darlegung wir einer anderen Gelegenheit vorbe-\nhalten, nicht so unbedingt billigen, ist die, dass Panofka darauf\ndringt, alle Uebungen nicht diatonisch, sondern chromatisch\nvorzunehmen, und zu dem Zwecke eine Reihe sehr brauchbarer,\nin alle Tonarten transponirter Uebungen gibt. Auch in Bezug auf\nden Triller schlägt er (und befürwortet den Vorschlag auf eine\nArt, welche für seine feine Beobachtungsweise zeugt) eine neue\nmethodische Uebung vor, nämlich diese mit der Terz, anstatt mit\nder Secunde, beginnen zu lassen.\nZur Vervollständigung der Lehre folgt das Vademecum du Chan-\nteur. Es enthält über fünfzig Uebungen, welche nach den methodi-\nschen Grundsätzen des Verfassers geordnet sind und die praktische\nAnwendung derselben erleichtern. Wenn auch viele von diesen\nUebungen, im Ganzen genommen, dasselbe geben, was man bereits\nin anderen Schulen findet, so verdient doch die Zweckmässigkeit\nder Anordnung Lob, und mehrere derselben, z. B. Nummer 28,\nferner 36, 37, 38, 39 und 40 sind eigentümlicher Art und gehö-\nren allein dem Verfasser an. Sie umfassen alle Stimmen in allen\nTonarten.\nDie 24 Vocalisen sind eine Zugabe, welcher wir weniger eigen-\ntümliches Verdienst zusprechen können. Sie sind übrigens, eben\nso wie das Vademecum, auch besonders zu haben.\nWir schliessen die Anzeige dieses sehr beachtungswerthcn Wer-\nkes mit der Angabe der Forderungen, welche der Verfasser an\neinen guten Gesanglehrer macht:\n„Er muss den Charakter einer jeden von den verschiedenen\nStimmen, Sopran, Alt u. s. w., vollkommen kennen, so wie die\nOrgane, welche zu ihrer Bildung wirken; er muss deren Natur und\nVerrichtungen studirt haben; er muss verstehen, die Stimme und\nden Vortrag des Schülers nach dessen individuellem Organe und\nindividuellem Talente zu bilden; er darf die Stimme nicht anstren-\ngen oder forciren; er sei sehr vorsichtig bei der Ausarbeitung der\nStimme im Verbinden der zwei Hauptregister; er muss ein guter\nMusiker sein, ein Künstler von Urtheil und Geschmack, aber nicht\neinseitig und exclusiv, und ein scharfsinniger Beobachter; denn er\nmuss die intcllectuellen und moralischen Anlagen des Schülers\neben so gut als die musicalischen durchschauen, um sich ein rich-\ntiges Urtheil nicht nur über die Natur seiner Stimme, sondern\nauch seines Talentes und seines Charakters überhaupt zu bilden\nund danach die gleichmässig geistige und technische Entwicklung\ndesselben zu leiten.44\n\nK."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-04-29-02-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-04-29_02#c002", "volume": "bmtnabi_1854-04-29_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "16", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540429-02.2.2", "titre_corps": "Geistliche Musik.", "titre_sommaire": "Geistliche Musik.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540429-02.1.2", "debut_caractere": 3865, "fin_caractere_exclue": 5481, "texte": "Geistliche Musik.\nJoseph Schnabel, Vespern für 4 Singstimmen, 2 Viol.,\nViola, 2 Ob., 2 Corn., 2 Trompeten, Pauken,\nßass und Orgel. Breslau, bei Jul. Hainauer.\nPreis 3 Thlr.\nJoseph Schnabel, bei seinen Lebzeiten Dom-Capcllmeister\nin Breslau, genoss eines nicht unverdienten Rufes als Kirchen-'\nComponist. Die espern\" sind ein Opus posthnmum, und ihre Be-\nkanntmachung wird den Kirchen-Capellen nicht unwillkommen sein.\nEs sind deren sechs: Dixit Dominus — Confitebor — Beatus vir —\nLauclate pucri — Laudate Dominum — Magnificcit; die drei erstell\naus A-, die drei letzten aus D-dur. Eine Partitur ist nicht dabei;\ndie Orgelstimme enthält den bezifferten Bass. Der1 Stich ist zwar\ngross und scharf und das Papier stark, jedoch finden wir den Preis\netwas hoch.\nSimon Sechter, Vierte Landmesse sammt Tantum ergo,\nGracluale und Offertorium, für eine Singstimme\nund Orgel. 77. Werk. Wien, bei P. Mechetti\nWitwe. Preis 1 Thlr.\nEin junger Mann stiess seinen Nachbar an und sagte: „Sieh\nmal den X an — ein wahrer Christuskopf!\" — „0 ja!\" — ant-\nwortete der Nachbar —: „so fürs Land.\" Dies fiel mir bei oben\ngenannter Messe ebenfalls ein; aber bei alledem hätte Herr Sech-\nter, der „k. k. erste Hof-Organist und Professor der Harmonielehre\nam Conservatorium der Musik zu Wien\", die Composition trotz\nihrer Bestimmung — oder vielmehr gerade wegen ihrer Bestim-\nmung für das einfache Landvolk, das noch nicht durch italiänisches\nZuckerbrod verwöhnt ist — doch würdiger halten sollen. Denn\nbei der grössten Liberalität der Ansichten über Kirchenstil kann\nman doch den Ausdruck eines religiösen Gefühls z. B. in folgen-\nder Weise:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540429-02.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4048, "texte": "unmöglich auffinden. Die Leiercrei ist zu arg; sie kann übrigens\nauch dreistimmig gesungen werden, wesshalb Stimmen für Sopran,\nAlt und Bass beiliegen (für zwei Jungen und den Küster).\nWenn man den Gottesdienst durch volksmässigen Gesang\nverschönern will, was eine höchst würdige Aufgabe ist, so\nmuss man es doch anders anfangen, als der Herr Professor am\n* * \"N - ,\nConservatorium zu Wien es in diesem seinem 77. Werke (!) ge-\nthan hat.\nW. A. Mozart, Misericordias Domini. Clavier-Auszug\nvon G. Nottebohm. Wien, bei P. Mechetti\nWitwe. Auszug und Singstimmen 25 Ngr.\nDasselbe für das Ciavier zu vier Händen\ngesetzt von J. Ho ven. Ebendaselbst. Pr. 1 5 Ngr.\nDas vortreffliche Mozart'sche Misericordias erscheint hier in\neinem guten Clavier-Auszuge, der von allen Gesang-Vereinen gern\nangeschafft werden wird. Auch die vierhändige Einrichtung für\nPianoforte, sehr geschickt gemacht, wie schon der Name Hoven\nverbürgt, wird den Freunden solcher Arrangements willkommen sein.\nBeim Durchlesen frappirte mich eine Stelle in der Begleitung,\ndie mir früher nicht aufgefallen war; sie kommt (zum ersten Male)\n*.o . • !\nin F-dur vor, da, wo Sopran und Alt die Dominante aushalten,\nund sieht so aus:\nNun? Aendere die zwei letzten Achtel des zweiten Tacles in\ng und im vierten Tacte die vier letzten Achtel in\nund du hast die vollständige erste Hälfte der Melodie\ndes letzten Satzes der neunten Sinfonie von Beethoven:\n„Freude, schöner Götterfunken!44 Das ist in der That ein\ninteressantes Curiosum und ein merkwürdiges Beispiel vonj\nwohl jedenfalls unwillkürlicher Uebereinstimmung zweier Com-\nponisten, und zwar der zwei grössten in der Welt! Anklänge an\nMozart und seinen Stil sind bekanntlich in den ersten Werken Bect-\nhoven's leicht nachzuweisen; aber dass sich in einem seiner letzten\nund am meisten eigenthümlichen, ja, für Viele immer noch für\nexcentrisch geltenden Werke, wie die neunte Sinfonie, ein ganzes\nMotiv Mozart s fast Note für Note wiederfinde, das sollte man sich\nnicht träumen lassen! Wer Beethoven eines wirklichen Diebstahls be-\nschuldigen wollte, könnte zur Begründung seiner Anklage allerdings\nanführen, dass dasselbe Motiv in Mozarts Misericordias ausser dem\nersten Male in F-dur noch vier Mal vorkommt, in A-moll, in\nC-moll, zwei Mal in D-moll. Wir sagen aber dagegen: Wie viele\nvon denen, die seit 1825 die neunte Sinfonie gehört, haben bei\ndem „Freude, schöner Götterfunken44 an Mozart's i Misericordias ge-\ndacht? WTarum hätte es denn Beethoven gerade einfallen müssen,\ndass dieses schon einmal da gewesen sei ?\n(Die Aehnlichkcit der beiden Stellen ist auch schon früher von\neinzelnen Musikern bemerkt worden, doch wissen wir nicht, ob\nirgendwo in einem öffentlichen Blatte davon die Bede gewesen.\nOffenbar ist sie zufällig. x Die Beda et ion.)\nWilhelm von Redern, Graf, Liturgie, gesungen\ndurch den königlichen Dom-Chor in Berlin. Par-\ntitur und Stimmen. Berlin, bei Schlesinger. Ohne\nPreisangabe.\nAus der protestantischen Liturgie, wie sie in Preussen vorge-\nschrieben ist, kann schwerlich in musiealischer Hinsicht jemals\netwas Ordentliches werden; was dazu componirt wird, wird immer\nein Zwitterding zwischen katholischer Messe nnd evangelischem\nChoralgesang bleiben. Herr Graf von Redern, General-Intendant\nder Hofmusiken, hat daraus gemacht, was sich machen lässt, nur\ndürfte der Charakter dieser Gesänge a capella hier und da etwas\nzu weichlich oder sentimental erscheinen. Es ist aber immer sehr\nehren- und anerkennungswerth, wenn ein Mann in solcher Stellung\nauch durch die That den Beweis gibt, dass er in dem Kunstzweige,\nder seiner Pflege anvertraut ist, auch wirklich zu Hause ist.\nVon der Sammlung:\nMusica sacra, kirchliche Musik der älteren Com-\nponisten nach Handschriften und gedruckten\nWerken der k. berliner Bibliothek Verlag von\nSchlesinger,\nist die Nummer 40, enthaltend ein dreistimmiges Jesu Salvator von\nCordans, mit lateinischem und deutschem Text, Partitur und\nStimmen (zwei Tenüre und Bass), erschienen. Es ist ein kurzer\n(nur 32 Tacte), aber schöner Gesang. Partitur 5 Sgr., drei Stim-\nmen 2 [/>i Sgr."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540429-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1807, "texte": "Karl Feye, Dreissig rhythmische Choräle der evange-\nlischen Kirche, für drei Kinder stimmen be-\narbeitet. Op. 16. Offenbach a. M., bei J. Andre.\nHeft 1. Pr. 36 Kr.\nDas Heft enthält nicht einige, sondern sämmtliche dreissig Cho-\nräle, die Zahl 1 soll also wohl auf eine Fortsetzung der Sammlung\ndeuten, und „rhythmische\" Choräle soll heissen: rhythmisch bear-\nbeitet. Der Gedanke, Choräle für Kinderstimmen zu setzen, ist ganz\ngut; da unsere Schulen immer besser eingerichtet werden, so kann\nes der Hülfsmittel nicht zu viele geben, um in ihnen den mehr-\nstimmigen Gesang so früh wie möglich einzubürgern. Dazu sind\naber vor Allem wohlfeile Ausgaben in einzelnen Stimmen nöthig.\nIn diesem Hefte ist nur die Partitur für 2 Sopran und Alt ohne\nText gegeben; der Bearbeiter hat also bloss dem Lehrer ein\nHülfsmittel bieten wollen, und dieser wird es mit Dank annehmen.\nGefällt ihm die Rhythmisirung nicht, so kann er doch die Harmo-\nnie benutzen. Uns behagt, aufrichtig gesagt, die erstere nur selten,\nz. B. in Nr. 12: „Nun danket Alle Gott\". Den meisten Chorälen\nnimmt sie nach unserem Gefühle viel von ihrer Würde, z. B. Nr.\n11: „Wer nur den lieben Gott lässt walten\", C-moll, in 3/4-Tact.\nUnd was ist aus der vorletzten Zeile von dem herrlichen „W7ie\nschön leucht't uns der Morgenstern\" auf folgende Weise ge-\nworden ?\nLudwig Erk, Zwei Weihnachtsliedlein aus dem Munde\ndes Volkes fünfstimmig für gemischten Chor ge-\nsetzt. Berlin, bei Schlesinger. Partitur und Stim-\nmen. Pr. netto 8 Sgr. Stimmen einzeln ä (?) Sgr.\nDas erste: „Stille Nacht, heilige Nacht!\" ist ein gar liebliches\nVolkslied aus dem Zillerthal; das zweite: „Schlaf' wohl, du Him-\nmelsknabe\", ein Lied der Hirten an der Krippe beide recht gut\nfür Sopran, zwei Alt (wovon der zweite auch vom Tenor gesungen\nwerden kann), Tenor und Bass gesetzt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-04-29-02-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-04-29_02#c008", "volume": "bmtnabi_1854-04-29_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540429-02.2.3", "titre_corps": "Für Gesang.", "titre_sommaire": "Für Gesang.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540429-02.1.4", "debut_caractere": 1809, "fin_caractere_exclue": 4161, "texte": "Für Gesang.\nArmonia. Auserlesene Gesänge für All oder Mezzo-\nsopran, herausgegeben von A. G. Ritter.\nMagdeburg, bei Heinrichshofen. 1854. Band 111.\nComplet 1 % Thlr. Lieferung 1. V 3 Thlr., 2. 1/2\nThlr., 3. % Thlr.\nDie vorliegende Lieferung des dritten Bandes dieser sehr zweck-\nmässigen Sammlung gediegener Compositionen älterer Meister für\ndie Altstimme enthält sieben Arien, von denen einige auch ganz\ngut für Baryton benutzt werden können. Es sind folgende: 1) Arie\naus Orpheus von Graun, mit italiänischem und deutschem Texte,\nC-moll, schön, aber etwas lang; der Abdruck des ersten Adagio\nstatt des da Capo ist Luxus. 2) Eine herrliche Arie von Ph. Em.\nBach: „Wende dich zu meinem Schmerze\", in H-mott, aus einem\nPassions-Oratorium. 3) Pergolese's Eia maier fons amoris, aus\ndessen Stabat maier. 4) Mozart's „Abend-Empfindung\", in E-dur\n(nach der Anmerkung des Herausgebers ,in Rücksicht der frühe-\nren tieferen Stimmung um einen halben Ton tiefer gesetzt\" sol-\nlen wir diesen Grundsatz auch auf Mozart's Opern anwenden??)\n5) Aus Belsazar von Händel: „0 heü'ger Wahrheit hohes WTort\"\nin Es-dur, „nach der Original-Partitur\". 6) Arie in Fis-moll aus\nder Matthäus-Passion von J. S. Bach. 7) „Aus einer Passion von\n(?) Bach\" so lautet die Ueberschrift dieser Arie in G-moll,\nwelche wir mit ihrem langen Vor-, Nach- nnd Zwischenspiel und\nihren zopfigen Virtuosen-Stückchen und Malereien, wie\nnur als ein Curiosum hinnehmen können.\nDie ganze Sammlung, deren zwei erste Bände, jeder a l'(/6 Thlr.,\nzehn Nummern auf je 30 Seiten enthält, ist empfehlungswerth.\nAdolph Köckert, Drei Lieder für eine Sopran- oder\nTenorstimme mit Begleitung des Pianoforte.\nOp. 16. Dem Fräul. Louise Meyer. Prag, bei\nJoh. Hoffmann. Pr. 45 Kr.\nDer Herr Componist, als trefflicher Violinspieler bekannt, gibt\nuns hier drei Lieder, von denen namentlich die beiden ersten:\n„Wie gerne dir zu Füssen\", von Strachwitz, und: „So halt' ich\nendlich dich umfangen\", von Geibel, recht schön aufgefasst sind.\nIn dem ersten (Allegro appassionato, 6/g, E-dur) hätten wir für die\nzweite Strophe, oder wenigstens für den Vers: „Dein Mitleid will\nich nicht\" eine Aenderung der Melodie gewünscht. Das dritte,\n„Wintertrauer\", von Adelh. von Stolterfoth, Lento, 3/4> C-moll und\nF-dur, steht an Erfindung den anderen wohl nach, und die Beglei-\ntung ist unserer Ansicht nach etwas zu anspruchsvoll."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540429-02.1.1", "texte": "Für Gesang-Unterricht.\n\nHenri Panofka, L'Art de chanter. Theorie et Pratique.\nParis, chez Brandus & Comp. L'ouvrage complet\npour Soprano, Mezzo Soprano ou T6nor, 40\nFrcs. Id. pour Alto, Baryton ou Basse, 40 Frcs.\nDieses neue Werk für die Gesanglehre, welches erst kürzlich\nErschienen ist, verdient in jeder Hinsicht die Aufmerksamkeit der\nKritik, der Conservatorien und der Gesanglehrer. 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Das vierte\nCapitcl handelt von den Mitteln und Regeln, den wahren Cha-\nrakter einer Stimme erkennen zu lehren; die folgenden be-\nschäftigen sich mit der Klangfarbe (timbre) des loncs, mit der\nReinheit, Stärke und Schönheit desselben, mit dem Gehör\nund mit den Gesundheits-Regeln für den Sänger, leberall\nfinden wir hier treffliche Bemerkungen über die Stimme und de-\nren Bildung, über die nöthigen Anlagen zu einem guten Sänger,\nüber die Mittel, die Erzeugung des Tones zu erleichtern und die\nStimme vor allerlei Verderbnissen zu bewahren, indem eine ver-\nkehrte Beurtheilung des natürlichen Charakters derselben und\nzweckwidrige Studien sie eben so sehr zu Grunde richten können,\nals physische äussere Einflüsse.\nDer zweite Theil enthält die eigentliche Singlehre, und hier\ndurchbricht Panofka in gar mancher Hinsicht die Schranken, in\nwelchen sich der Gesang-Unterricht bisher bewegte, und betritt\nnicht bloss in Nebendingen neue Bahnen. Seine reformatorischen\nVorschläge betreffen hauptsächlich die Reihenfolge der Uebungen,\ndie man zur Ausbildung der Stimme gewöhnlich anwendet, und\ndann auch einige wesentlich technische Dinge.\nEr verwirft die bisherige Art und Weise, den Gesang-Unterricht\nmit dem Studium der Messa di voce zu beginnen, als irrationel.\nUm den Ton aushalten zu können und vollends an- und abschwel-\nlen zu lassen (filer le son), müsse man so behauptet er -7- schon\nfolgende Eigenschaften besitzen: 1) Sicherheit der Intonation, 2)\nvollkommenen Ansatz des Tones, 3) eine solche Willfährigkeit und\nBiegsamkeit des Stimm-Organs, dass man Herr darüber sei, den\nTon nach Willkür zu- oder abnehmen zu lassen. Diese Eigenschaf-\nten fährt er fort sind aber keineswegs von der Natur gege-\nben, sie müssen erst durch Uebungen im Treffen und im Bilden\ndes reinen Tones und dem fertigen Ansätze desselben (emission pure"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540429-02.1.2", "texte": "et sonore), im Behandeln der verschiedenen Chorden des Organs\nbis zur Herrschaft über ihren Gebrauch, im Festhalten des gleich-\nbleibenden Tones, in der Egalität der auf einander folgenden Töne,\nin der Biegsamkeit der Stimme erworben werden. Es ist also na-\ntur- und vernunftgemäss, dem Studium der Messa di voce, des An-\nund Abschwellens des Tones, nach den genannten Hebungen seine\nStelle im Untcrrichts-System anzuweisen, nicht vor denselben.\nV\nDiese Schlussfolge des Verfassers scheint uns offenbar richtig\nund von grosser Bedeutung für den Gesang-Unterricht. Es ist in\nder That curios, dass die meisten Gesanglehrer mit der Messa di\nvoce und dem Portamento, also mit den schwierigsten, aber freilich\nwesentlichsten Leistungen des Sängers, den Unterricht beginnen\nund auf diese Weise gleichsam eine umgekehrte Pyramide bauen-\n— Kommt nun Panofka nach den vorhergegangenen Uebungen auf\ndie Messa di voce, so theilt er diese wieder nalurgemäss in ihre\nzwei Hälften und übt erst die Anschwellung des Piano zum Forte\nund das Abnehmen des Forte zum Piano, und dann, wann in Bei-\nden Fertigkeit erlangt ist, die Verbindung derselben. Dies ist nun\nwohl nichts absolut Neues, denn wir selbst und gewiss viele Ge-\nsanglehrer haben dieselbe Praxis oft befolgt; allein richtig und\nzweckmässig ist das Verfahren allerdings, und desshalb seine Auf-\nnahme in die Gesangschulen eine Notwendigkeit.\nEine zweite, ebenfalls wichtige Aenderung, welche wir aber aus\nGründen, deren Darlegung wir einer anderen Gelegenheit vorbe-\nhalten, nicht so unbedingt billigen, ist die, dass Panofka darauf\ndringt, alle Uebungen nicht diatonisch, sondern chromatisch\nvorzunehmen, und zu dem Zwecke eine Reihe sehr brauchbarer,\nin alle Tonarten transponirter Uebungen gibt. Auch in Bezug auf\nden Triller schlägt er (und befürwortet den Vorschlag auf eine\nArt, welche für seine feine Beobachtungsweise zeugt) eine neue\nmethodische Uebung vor, nämlich diese mit der Terz, anstatt mit\nder Secunde, beginnen zu lassen.\nZur Vervollständigung der Lehre folgt das Vademecum du Chan-\nteur. Es enthält über fünfzig Uebungen, welche nach den methodi-\nschen Grundsätzen des Verfassers geordnet sind und die praktische\nAnwendung derselben erleichtern. Wenn auch viele von diesen\nUebungen, im Ganzen genommen, dasselbe geben, was man bereits\nin anderen Schulen findet, so verdient doch die Zweckmässigkeit\nder Anordnung Lob, und mehrere derselben, z. B. Nummer 28,\nferner 36, 37, 38, 39 und 40 sind eigentümlicher Art und gehö-\nren allein dem Verfasser an. Sie umfassen alle Stimmen in allen\nTonarten.\nDie 24 Vocalisen sind eine Zugabe, welcher wir weniger eigen-\ntümliches Verdienst zusprechen können. Sie sind übrigens, eben\nso wie das Vademecum, auch besonders zu haben.\nWir schliessen die Anzeige dieses sehr beachtungswerthcn Wer-\nkes mit der Angabe der Forderungen, welche der Verfasser an\neinen guten Gesanglehrer macht:\n„Er muss den Charakter einer jeden von den verschiedenen\nStimmen, Sopran, Alt u. s. w., vollkommen kennen, so wie die\nOrgane, welche zu ihrer Bildung wirken; er muss deren Natur und\nVerrichtungen studirt haben; er muss verstehen, die Stimme und\nden Vortrag des Schülers nach dessen individuellem Organe und\nindividuellem Talente zu bilden; er darf die Stimme nicht anstren-\ngen oder forciren; er sei sehr vorsichtig bei der Ausarbeitung der\nStimme im Verbinden der zwei Hauptregister; er muss ein guter\nMusiker sein, ein Künstler von Urtheil und Geschmack, aber nicht\neinseitig und exclusiv, und ein scharfsinniger Beobachter; denn er\nmuss die intcllectuellen und moralischen Anlagen des Schülers\neben so gut als die musicalischen durchschauen, um sich ein rich-\ntiges Urtheil nicht nur über die Natur seiner Stimme, sondern\nauch seines Talentes und seines Charakters überhaupt zu bilden\nund danach die gleichmässig geistige und technische Entwicklung\ndesselben zu leiten.44\n\nK.\n\nGeistliche Musik.\nJoseph Schnabel, Vespern für 4 Singstimmen, 2 Viol.,\nViola, 2 Ob., 2 Corn., 2 Trompeten, Pauken,\nßass und Orgel. Breslau, bei Jul. Hainauer.\nPreis 3 Thlr.\nJoseph Schnabel, bei seinen Lebzeiten Dom-Capcllmeister\nin Breslau, genoss eines nicht unverdienten Rufes als Kirchen-'\nComponist. Die espern\" sind ein Opus posthnmum, und ihre Be-\nkanntmachung wird den Kirchen-Capellen nicht unwillkommen sein.\nEs sind deren sechs: Dixit Dominus — Confitebor — Beatus vir —\nLauclate pucri — Laudate Dominum — Magnificcit; die drei erstell\naus A-, die drei letzten aus D-dur. Eine Partitur ist nicht dabei;\ndie Orgelstimme enthält den bezifferten Bass. Der1 Stich ist zwar\ngross und scharf und das Papier stark, jedoch finden wir den Preis\netwas hoch.\nSimon Sechter, Vierte Landmesse sammt Tantum ergo,\nGracluale und Offertorium, für eine Singstimme\nund Orgel. 77. Werk. Wien, bei P. Mechetti\nWitwe. Preis 1 Thlr.\nEin junger Mann stiess seinen Nachbar an und sagte: „Sieh\nmal den X an — ein wahrer Christuskopf!\" — „0 ja!\" — ant-\nwortete der Nachbar —: „so fürs Land.\" Dies fiel mir bei oben\ngenannter Messe ebenfalls ein; aber bei alledem hätte Herr Sech-\nter, der „k. k. erste Hof-Organist und Professor der Harmonielehre\nam Conservatorium der Musik zu Wien\", die Composition trotz\nihrer Bestimmung — oder vielmehr gerade wegen ihrer Bestim-\nmung für das einfache Landvolk, das noch nicht durch italiänisches\nZuckerbrod verwöhnt ist — doch würdiger halten sollen. Denn\nbei der grössten Liberalität der Ansichten über Kirchenstil kann\nman doch den Ausdruck eines religiösen Gefühls z. B. in folgen-\nder Weise:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540429-02.1.3", "texte": "unmöglich auffinden. Die Leiercrei ist zu arg; sie kann übrigens\nauch dreistimmig gesungen werden, wesshalb Stimmen für Sopran,\nAlt und Bass beiliegen (für zwei Jungen und den Küster).\nWenn man den Gottesdienst durch volksmässigen Gesang\nverschönern will, was eine höchst würdige Aufgabe ist, so\nmuss man es doch anders anfangen, als der Herr Professor am\n* * \"N - ,\nConservatorium zu Wien es in diesem seinem 77. Werke (!) ge-\nthan hat.\nW. A. Mozart, Misericordias Domini. Clavier-Auszug\nvon G. Nottebohm. Wien, bei P. Mechetti\nWitwe. Auszug und Singstimmen 25 Ngr.\nDasselbe für das Ciavier zu vier Händen\ngesetzt von J. Ho ven. Ebendaselbst. Pr. 1 5 Ngr.\nDas vortreffliche Mozart'sche Misericordias erscheint hier in\neinem guten Clavier-Auszuge, der von allen Gesang-Vereinen gern\nangeschafft werden wird. Auch die vierhändige Einrichtung für\nPianoforte, sehr geschickt gemacht, wie schon der Name Hoven\nverbürgt, wird den Freunden solcher Arrangements willkommen sein.\nBeim Durchlesen frappirte mich eine Stelle in der Begleitung,\ndie mir früher nicht aufgefallen war; sie kommt (zum ersten Male)\n*.o . • !\nin F-dur vor, da, wo Sopran und Alt die Dominante aushalten,\nund sieht so aus:\nNun? Aendere die zwei letzten Achtel des zweiten Tacles in\ng und im vierten Tacte die vier letzten Achtel in\nund du hast die vollständige erste Hälfte der Melodie\ndes letzten Satzes der neunten Sinfonie von Beethoven:\n„Freude, schöner Götterfunken!44 Das ist in der That ein\ninteressantes Curiosum und ein merkwürdiges Beispiel vonj\nwohl jedenfalls unwillkürlicher Uebereinstimmung zweier Com-\nponisten, und zwar der zwei grössten in der Welt! Anklänge an\nMozart und seinen Stil sind bekanntlich in den ersten Werken Bect-\nhoven's leicht nachzuweisen; aber dass sich in einem seiner letzten\nund am meisten eigenthümlichen, ja, für Viele immer noch für\nexcentrisch geltenden Werke, wie die neunte Sinfonie, ein ganzes\nMotiv Mozart s fast Note für Note wiederfinde, das sollte man sich\nnicht träumen lassen! Wer Beethoven eines wirklichen Diebstahls be-\nschuldigen wollte, könnte zur Begründung seiner Anklage allerdings\nanführen, dass dasselbe Motiv in Mozarts Misericordias ausser dem\nersten Male in F-dur noch vier Mal vorkommt, in A-moll, in\nC-moll, zwei Mal in D-moll. Wir sagen aber dagegen: Wie viele\nvon denen, die seit 1825 die neunte Sinfonie gehört, haben bei\ndem „Freude, schöner Götterfunken44 an Mozart's i Misericordias ge-\ndacht? WTarum hätte es denn Beethoven gerade einfallen müssen,\ndass dieses schon einmal da gewesen sei ?\n(Die Aehnlichkcit der beiden Stellen ist auch schon früher von\neinzelnen Musikern bemerkt worden, doch wissen wir nicht, ob\nirgendwo in einem öffentlichen Blatte davon die Bede gewesen.\nOffenbar ist sie zufällig. x Die Beda et ion.)\nWilhelm von Redern, Graf, Liturgie, gesungen\ndurch den königlichen Dom-Chor in Berlin. Par-\ntitur und Stimmen. Berlin, bei Schlesinger. Ohne\nPreisangabe.\nAus der protestantischen Liturgie, wie sie in Preussen vorge-\nschrieben ist, kann schwerlich in musiealischer Hinsicht jemals\netwas Ordentliches werden; was dazu componirt wird, wird immer\nein Zwitterding zwischen katholischer Messe nnd evangelischem\nChoralgesang bleiben. Herr Graf von Redern, General-Intendant\nder Hofmusiken, hat daraus gemacht, was sich machen lässt, nur\ndürfte der Charakter dieser Gesänge a capella hier und da etwas\nzu weichlich oder sentimental erscheinen. Es ist aber immer sehr\nehren- und anerkennungswerth, wenn ein Mann in solcher Stellung\nauch durch die That den Beweis gibt, dass er in dem Kunstzweige,\nder seiner Pflege anvertraut ist, auch wirklich zu Hause ist.\nVon der Sammlung:\nMusica sacra, kirchliche Musik der älteren Com-\nponisten nach Handschriften und gedruckten\nWerken der k. berliner Bibliothek Verlag von\nSchlesinger,\nist die Nummer 40, enthaltend ein dreistimmiges Jesu Salvator von\nCordans, mit lateinischem und deutschem Text, Partitur und\nStimmen (zwei Tenüre und Bass), erschienen. Es ist ein kurzer\n(nur 32 Tacte), aber schöner Gesang. Partitur 5 Sgr., drei Stim-\nmen 2 [/>i Sgr."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540429-02.1.4", "texte": "Karl Feye, Dreissig rhythmische Choräle der evange-\nlischen Kirche, für drei Kinder stimmen be-\narbeitet. Op. 16. Offenbach a. M., bei J. Andre.\nHeft 1. Pr. 36 Kr.\nDas Heft enthält nicht einige, sondern sämmtliche dreissig Cho-\nräle, die Zahl 1 soll also wohl auf eine Fortsetzung der Sammlung\ndeuten, und „rhythmische\" Choräle soll heissen: rhythmisch bear-\nbeitet. Der Gedanke, Choräle für Kinderstimmen zu setzen, ist ganz\ngut; da unsere Schulen immer besser eingerichtet werden, so kann\nes der Hülfsmittel nicht zu viele geben, um in ihnen den mehr-\nstimmigen Gesang so früh wie möglich einzubürgern. Dazu sind\naber vor Allem wohlfeile Ausgaben in einzelnen Stimmen nöthig.\nIn diesem Hefte ist nur die Partitur für 2 Sopran und Alt ohne\nText gegeben; der Bearbeiter hat also bloss dem Lehrer ein\nHülfsmittel bieten wollen, und dieser wird es mit Dank annehmen.\nGefällt ihm die Rhythmisirung nicht, so kann er doch die Harmo-\nnie benutzen. Uns behagt, aufrichtig gesagt, die erstere nur selten,\nz. B. in Nr. 12: „Nun danket Alle Gott\". Den meisten Chorälen\nnimmt sie nach unserem Gefühle viel von ihrer Würde, z. B. Nr.\n11: „Wer nur den lieben Gott lässt walten\", C-moll, in 3/4-Tact.\nUnd was ist aus der vorletzten Zeile von dem herrlichen „W7ie\nschön leucht't uns der Morgenstern\" auf folgende Weise ge-\nworden ?\nLudwig Erk, Zwei Weihnachtsliedlein aus dem Munde\ndes Volkes fünfstimmig für gemischten Chor ge-\nsetzt. Berlin, bei Schlesinger. Partitur und Stim-\nmen. Pr. netto 8 Sgr. Stimmen einzeln ä (?) Sgr.\nDas erste: „Stille Nacht, heilige Nacht!\" ist ein gar liebliches\nVolkslied aus dem Zillerthal; das zweite: „Schlaf' wohl, du Him-\nmelsknabe\", ein Lied der Hirten an der Krippe beide recht gut\nfür Sopran, zwei Alt (wovon der zweite auch vom Tenor gesungen\nwerden kann), Tenor und Bass gesetzt.\n\nFür Gesang.\nArmonia. Auserlesene Gesänge für All oder Mezzo-\nsopran, herausgegeben von A. G. Ritter.\nMagdeburg, bei Heinrichshofen. 1854. Band 111.\nComplet 1 % Thlr. Lieferung 1. V 3 Thlr., 2. 1/2\nThlr., 3. % Thlr.\nDie vorliegende Lieferung des dritten Bandes dieser sehr zweck-\nmässigen Sammlung gediegener Compositionen älterer Meister für\ndie Altstimme enthält sieben Arien, von denen einige auch ganz\ngut für Baryton benutzt werden können. Es sind folgende: 1) Arie\naus Orpheus von Graun, mit italiänischem und deutschem Texte,\nC-moll, schön, aber etwas lang; der Abdruck des ersten Adagio\nstatt des da Capo ist Luxus. 2) Eine herrliche Arie von Ph. Em.\nBach: „Wende dich zu meinem Schmerze\", in H-mott, aus einem\nPassions-Oratorium. 3) Pergolese's Eia maier fons amoris, aus\ndessen Stabat maier. 4) Mozart's „Abend-Empfindung\", in E-dur\n(nach der Anmerkung des Herausgebers ,in Rücksicht der frühe-\nren tieferen Stimmung um einen halben Ton tiefer gesetzt\" sol-\nlen wir diesen Grundsatz auch auf Mozart's Opern anwenden??)\n5) Aus Belsazar von Händel: „0 heü'ger Wahrheit hohes WTort\"\nin Es-dur, „nach der Original-Partitur\". 6) Arie in Fis-moll aus\nder Matthäus-Passion von J. S. Bach. 7) „Aus einer Passion von\n(?) Bach\" so lautet die Ueberschrift dieser Arie in G-moll,\nwelche wir mit ihrem langen Vor-, Nach- nnd Zwischenspiel und\nihren zopfigen Virtuosen-Stückchen und Malereien, wie\nnur als ein Curiosum hinnehmen können.\nDie ganze Sammlung, deren zwei erste Bände, jeder a l'(/6 Thlr.,\nzehn Nummern auf je 30 Seiten enthält, ist empfehlungswerth.\nAdolph Köckert, Drei Lieder für eine Sopran- oder\nTenorstimme mit Begleitung des Pianoforte.\nOp. 16. Dem Fräul. Louise Meyer. Prag, bei\nJoh. Hoffmann. Pr. 45 Kr.\nDer Herr Componist, als trefflicher Violinspieler bekannt, gibt\nuns hier drei Lieder, von denen namentlich die beiden ersten:\n„Wie gerne dir zu Füssen\", von Strachwitz, und: „So halt' ich\nendlich dich umfangen\", von Geibel, recht schön aufgefasst sind.\nIn dem ersten (Allegro appassionato, 6/g, E-dur) hätten wir für die\nzweite Strophe, oder wenigstens für den Vers: „Dein Mitleid will\nich nicht\" eine Aenderung der Melodie gewünscht. Das dritte,\n„Wintertrauer\", von Adelh. von Stolterfoth, Lento, 3/4> C-moll und\nF-dur, steht an Erfindung den anderen wohl nach, und die Beglei-\ntung ist unserer Ansicht nach etwas zu anspruchsvoll."}]}