{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-05-06-01", "volume": "bmtnabi_1854-05-06_01", "ocr_sha256": "e89fafac84de1fbddceaba4037d1b44e354867139f8554346dc849015b07914b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/05/06_01/bmtnabi_1854-05-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-05-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-05-06_01#c001", "volume": "bmtnabi_1854-05-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "140", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.2.1", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. 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Bringt sie ihr Alter auf drei oder gar vier\nMonate, so ist Alles zufrieden, Dichter, Componist und\nTheater-Director; sie haben dabei ihr tägliches Brod, und\ndie Kunst geht betteln.\nMan muss dem Herrn Seveste, dem Unternehmer des\nTheätre lyrique,einer zweiten Bühne für komische Opern,\ndas Verdienst lassen, dass er diese Neugier der Pariser aus-\nzubeuten versteht. Er lässt es nicht an Bestellungen fehlen,\nund die Fabrikgeschäfte der notablen Firmen, die in Li-\nbretti und Partituren machen, gehen gut. Sie liefern ihm\nalle Monate eine Oper. Im vorigen Winter:\nBrtsil (Felic. David), Täbarin (George Bousquet),\nLe Lutin de la Vallee (St. Leon und Gauthier), Les\namours du Diable(Alb. Grisar), (Ad.\nAdam), Le Collin-Maillard (Aristide Iliguart), L'Or-\nganiste dans l'Embarras(Weck her Ii n); in der jetzigen\nSaison: IM Moissonneüse(Vogel), (P oise),\nLe Bijou perdu (Ad. Adam), Georgette (Gevaert), Eli-\nsabeth (Donizetti), La Fille (Adrien B o i e I-\ndieu), La Promise(Clapisson),\nDanube (Paul Henrion), und nächstens zum Schlüsse:\nMai Ire Wolfram (Reyer).\nDas geht oder trabt so lustig in Einem fort, die Com-\nponisten voran, die Orgeldreher und die Polka-, Walzer-\nund Quadrillen-Bäcker hinterher. Die Kunst, und folglich\nauch die ernstere Kritik, hat mit alle dem Zeug nichts zu\nthun; selten taucht einmal ein Ding auf, das zu besprechen\nder Mühe werth wäre. Aber Eins lässt sich nicht läugnen:\nalles ist fliessend geschrieben, die Details sind häufig aller-\nliebst, und mehr bed-arf der Franzose nicht, um sich im\nTheater zu amüsiren.\nDas einactige Stück Une\nspeculirt durch das Wort Donau auf die Politiker der\nBoulevards, es könnte sonst eben so gut der Rhein oder\ndie Themse sein; denn der Kern des Dinges ist das Zusam-\nmentreffen eines Schwimmers mit einem Selbstmörder in\nder Donau; der erste rettet natürlich den letzteren, daher\nFreundschaft u. s. w. Clapisson's (Die Ver-\nlobte) füllt bis jetzt noch das Haus seit der ersten Vorstel-\nlung am 17. März.\nDas Buch ist arm an Erfindung, aber hat vieles Ein-\nzelne, das sehr komisch ist. Marie ist von ihrem sterben-\nden Vater einem fünfzigjährigen Meerwolf, einem Corsaren-\noder lvaper-Capitän versprochen, liebt aber einen jungen\nSeemann Pierre, der nach einer langen Abwesenheit gerade\nin dem Augenblicke wieder an's Land steigt, wo der Braut-\nzug sich zur Kirche in Bewegung setzt. Er fällt wie eine\nBombe mitten in die Festlichkeit hinein; aber die Bombe\nplatzt nicht, denn Pierre ist dem Corsaren, der zu der\nedlen sentimentalen Räubersorte gehört und aller Welt\nWohlthäter ist, zu grösster Dankbarkeit verpflichtet. Glück-\nlicher Weise platzt ein anderes Geschütz los, die Lärm-\nKanone, welche den alten Meerwolf aufs Schiff ruft, da ein.\nfeindliches Fahrzeug in Sicht ist. Er geht und übergibt\nseine Braut seinem Schützling Pierre zur Obhut. Dieser\nist auch ein Muster von Edelmuth und schickt sich unter\nrauhen Manieren zum Wrächteramte an, treu seinem Patron.\nDamit ist aber Marie nicht zufrieden. Sie ist so fein, den\ntugendhaften Pierre betrunken zu machen, und trägt dann\nseinen Hut in ihr Schlafzimmer, um bei dem alten Capitän\nbei dessen Rückkehr symbolisch sich selbst anzuklagen und\nihn von der Verbindung zurückzuschrecken für ein sie-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5069, "texte": "benzehnjähriges Mädchen, das nicht einmal in einer Pension\ngewesen, ein recht artiges Raffinement! Nun hat sie zwar\naus Versehen den Out eines anderen Trinkgenossen, eines\nmoschusduftenden, geckenhaften Sohnes der Douane, nach\nHause getragen; allein Hut bleibt Hut, der Corsar kehrt\nzurück, fürchtet beim Anblick desselben lür seine eigene\nKopfbedeckung und vermählt den wieder nüchtern gewor-\ndenen Pierre mit Marie, welche er mit 10,000 Francs\nausstattet. So schreiben die Herren Brunswick und de Leu-\nven Komödie.\nClapisson hat zu diesem Texte eine Musik gemacht —-\ndas ist der wahre Ausdruck , bei welcher man sich in\nGesellschaft vieler Bekannten befindet und den Mann von\nWelt und gewandter Tournure am Zuschnitt des Kleides\nund den correcten Manieren erkennt, von dem vollkommen\ngilt, was mir mein Nachbar im Theater sagte, als ich wie-\nderholt die Achseln zuckte:\ncien instruit il peut etre m\nhn l'occasion, il est vrai ; mais \"\nHätte sich der Componist nun noch an dem trivialen\nStil gehalten, so wäre doch wenigstens eine Einheit in dem\ndreiactigen Werke; aber nein, er verfällt eben so wie alle\nübrigen pariser Componisten des Tages in die Unart, in die\nkomische Oper pathetische Musik zu pfropfen und die In-\nstrumentirung durchweg so zu behandeln, als sollte das\nCapitol erstürmt oder Sebastopol bombordirt werden; ja,\nim Finale des ersten Actes borgt Herr Clapisson sogar\nseine Farbe sehr sichtbarlich dem Gewitter in der Pastoral-\nSinfonie ab! Trotz alledem läuft das Publicum nach der\nPromise,und wäre es auch nur, um die sehr hübsche Sän-\ngerin, Madame Gabel, zu hören, welche die Lerche des\ndiesjährigen pariser Frühlings ist.\nDie Orchester-Goncerte der verschiedenen Ge-\nsellschaften und die Matineen lür Kammermusik sind\nbeendigt. Das Conservafoire hat nichts Neues gebracht. In\nden drei letzten Concerten der machte sich der\nMangel eines guten Chors sehr fühlbar; überhaupt ist ciie\nVocal-Partie die schwache Seite dieser Concerte. Interessant\nwar die Sinfonie eines jungen Componisten, Namens Ca-\nmille Saint-Saens; das Scherzo ist klar und zierlich,\ndas Adagio im edel-romantischen Stile geschrieben zwei\nc 1\nvorzüglich gelungene Sätze; die beiden anderen fleissig ge-\nmacht, aber etwas nüchtern. Das fünfte Cöncert zierte eine\nbis auf die affectirte Behandlung der Pauken in dem Trauer-\nmarsche sehr gute Ausführung der und die\nallgemein verlangte und wiederum mit dem lebhaftesten\nO o\nBeifalle aulgenommene Wiederholung der Weber sehen\nPreciosa-Musik. Das sechste hatte ein reiches Programm:\nOuvertüre zum Freischütz, Marsch und Derwisch-Chor\nvon Beethoven aus den Ruinen von Athen, Ave Maria\nfür Tenor und obligates englisches Horn von Cherubini,\nneue Sinfonie in C-dur von The od. Gouvy, Mendel s-\nsoh n' s Finale aus Lorelei (zum ersten Male) die Solo-\nPartie vortrefflich von Fräul. Poinsot gesungen und\nBeethoven's Phantasie, Op. 80, für Soli, Chor und Or-\nchester, in welcher Saint-Saens die Clavier-Partie vortrug.\nGouvy's Sinfonie ist ein tüchtiges, ehrenwerthes Werk,\ndem jedoch jene thematische Arbeit, welche mit frisch er-\nfundenen Melodieen, nicht mit kleinen Motiven und nüch-\nternen contrapunktischen Zusammenstellungen ihr Werk\nschafft, in höherem Grade zu wünschen wäre.\nIn der Charwoche finden hier bekanntlich stets meh-\nrere geistliche Concerte Statt. Die Gesellschaft der Sie. Ce-\ncile beschloss denn auch ihre Saison mit einem solchen am\nCharfreitag, bei überaus voll besetztem Saale. Ihr Dirigent\nSeghers, unermüdlich im Vorlühren deutscher Musik,\nbrachte darin zum ersten Male Mendelssohn's Ouver-\ntüre zur Athalia und das Kyrie und Gloria aus der gros-\nsen D-elur-Messe von Beethoven zu Gehör. Die Ouver-\ntüre gefiel; wir erfuhren bei dieser Gelegenheit zufällig,\ndass Gossec und Boieldieu die Chöre zur Athalia compo-\nnirt haben, ihre Musik aber vergessen ist. In Deutschland\nwar, wenn ich nicht irre, Schulze der Vorgänger Mendels-\nsohn's. Die beiden Sätze aus der Beethoven'schen Messe\nwaren aber dem Publicum und der Kritik zu hoch. Die\neine unserer musicalischen Zeitungen sagt: „Diese Messe\ngehört zu derjenigen Gattung kirchlicher Musik, in welcher\nweder Seele noch Geist zu finden sind, aber wohl die alte\nForm und die steife Wissenschaft, die erlernte (!) und ge-\nheiligte, welche die reinen Classiker durchaus nicht durch\ndie Melodie verjüngt haben wollen\" —, und die andere\nmeint: „Das ist originelle und oft bizarre Phantasie, in\nwelcher aber kein Gedanke und kein Zweck klar hervor-\ntritt. Die Harmonie ist zuweilen sonderbar, um nichts\nSchlimmeres zu sagen, und der religiöse Charakter wird\nüberall vermisst. Doch ist es sehr interessant, den Pfaden\neines unsterblichen Genie's auch auf seinen Irrwegen zu\nfolgen.\" Was sagst Du dazu? Es wird gut sein, der-\ngleichen Urtheile lür diejenigen in Deutschland zu consta-\ntiren, welche noch zuweilen der Meinung sind, man müsse\nsich die richtige Auffassung Beethoven'scher Musik aus Pa-\nris holen. Den Kritiker des letzteren Blattes scheint übri-\ngens doch das Gewissen geschlagen zu haben; denn er sagt\nspäterhin über Beethoven überhaupt: „Sollte es nicht wahr"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4367, "texte": "sein, dass Beethoven uns manchmal ermüdet, weil er wahr-\nhaft erhaben ist, und weil das Erhabene das glückliche\nVorrecht hat, unser frivoles Geschlecht zu langweilen?\"\nDen Schluss machte die Pastoral-Sinfonie.\nAusserdem war im Conservatoire, im Saale Barthelemv,\nin dem Vereine der jungen Künstler, in der italianischen,\nin der komischen Oper, kurzum überall, selbst im\ncVhiver, geistliche Musik, bei welcher Rossini's\ndie Hauptrolle spielte, von den Italiänern drei Tage hinter\neinander ganz, von den anderen Instituten bruchstückweise\naufgeiührt. Bei allem, was ich davon mit angehört habe,\nwaren die Soli meist gut, oft vorzüglich, der Chor überall\nschlecht. In dem Concerte im Theater der komischen Oper\nspielte Fräulein Clauss Mendelssohn's G-moll-Concert;\nein Ave Maria vom Fürsten von der Moskowa gefiel durch\nseine Einfachheit und Annäherung an den älteren melo-\ndiösen Stil der Italiäner. Wie die schwere Artillerie des\nSax-Orchesters mit dem brausenden Vortrage von Mever-\nbeer's Fackeltanz und gar einer Tyrolienne von Mohr, ihrem\nGommandeur, zu einem Concert Spirituel am heiligen Abend\nvor Ostern passt, kann nur derjenige begreiflich finden, der\nin den französischen Kirchen zwischen dem Hochamte die\nMärsche und Potpourri's der Communalgarden-Musik in\nder Provinz und manchmal selbst in Paris gehört hat.\nMöchten doch die Bischöfe, welche den reinen gregoriani-\nschen Gesang wieder einführen wollen, erst einmal den Ser-\npent und die türkische Musik aus den Kirchen hinaus-\nstäupen!\nIn den letzten Sitzungen für Kammermusik erleb-\nten wir in beiden Cirkeln Verfälschungen und Verstümme-\nlungen von Meisterwerken, welche nur in Paris möglich\nsind. Im Cirkel von Alard spielten G. Mathias und Alard\neine „grosse Sonate von C. M. von Weber für Piano und\nVioline\". Was war es? Das Duo für Piano und Clarinette!\nNoch toller ging es bei Maurin her, wo wir zwar Beet-\nhoven's grosses B-dur-Trio, Op. 97 (Piano: Madame\nMattmann), und dessen Violin-Quartett in F (Nr. 7) ganz\nhörten, aber daneben das Andante und Scherzo aus Men-\ndelssohn's Sonate für Piano und Violoncell und\nbile die tu den Marsch und das Finale aus Beethoven's\nViolin-Quartett, Op. 132! Das ist denn doch zu arg, zu-\nmal für einen Cirkel, der sich selbst als Haupt-Aufgabe die\nAusführung der letzten Werke Beethoven's gestellt hat.\nEine solche Zerstückelung ist ein wahrer Frevel. Halten\ndiese Herren denn jene grossen Quartette für italiänische\nOpern, aus denen man einen Act auftischen kann? Alle\nwahren Kunstfreunde müssen aufrichtig bedauern, dass ein\nVerein, von so guten Künstlern und zu so gutem Zwecke\ngebildet, seine diesjährigen Leistungen durch einen solchen\nMissgrifF belleckt hat. Wenn es so fortgeht, so hören wir\nvielleicht nächstes Jahr ein Quartett, dessen vier Sätze aus\nHaydn, Mozart, Mendelssohn und Beethoven zusammen-\ngeflickt sind!\nWenn ich in meinem letzten Briefe erwähnte, dass die\nFlut der Einzel-Concerte dieses Jahr nicht so hoch stiege,\nals früher, so konnte ich Unglücklicher nicht ahnen, dass\nvom 20. März bis Ende April noch ein tägliches Kirch-\nthurm-Rennen auf allen möglichen musicalischen Rossen\nStatt finden werde! Diese fünf Wochen haben meine Be-\nrechnung umgestürzt, und mich selbst habe ich nur da-\ndurch aufrecht erhalten, dass ich mich nicht in die Gefahr\nbegeben habe. Selbst Julius Schulhoff habe ich noch\nnicht gehört; denn er ist der sechsund sie benzigste\nPianist dieser Saison! Du schüttelst ungläubig den Kopf?\nNun, so erlaube, dass ich den Lesern der Niederrlieinischen\nMusik-Zeitung, wie Leporello, „dieses kleine Register\" von\nKünstlern auf dem Hammer-Clavier vorlege, welche seit\ndem 1. Januar bis Ende April 1854 hier öffentlich ge-\nspielt haben. Die Pianisten der ersten Monate der Saison\n(October December 1853) sind nicht einmal dabei, weil\nich die Liste erst seit Januar angelegt habe. Indem ich\ndiese Namen hiermit der Unsterblichkeit übergebe, bemerke\nich nur noch, dass die Besternten unter ihnen Virtuosen\nvon 4 bis 17 Jahren sind.\nPianisten, welche in Paris vom 1. Januar bis\n30. April 1854 öffentlich gespielt haben.\nA. Damen.\nMadame Farrenc.\n„ Deloffre. :•\n„ Louise Mattmann.\n„ Tardieu (Malleville).\n„ Pleyel.\n„ Abel.\nDemoiselle Marie Mira. *\n„ Louise Contamin. *\n„ Langlümee.*\n„ Sophie Dulcken.\n~ Wilhelmine Claus s.\n„ Octavie Hers ant. *\n„ Rosalie Roux. *\n„ Azeline Vautier. *\n„ Nege 1e n.\n„ Marie Galtier.* (8 Jahre alt.)"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1521, "texte": "Prinzessin Czartorvska. *\n«j\nDemoiselle Josephine Martin.\n„ Laura Dancia.\n„ F1 o r e n s.\n„ Judith Lion.\n„ Rosa Kastner.\n„ Sophie L a c o u t. * (9 Jahre.)\n„ Louise Guenee.*\n„ Nina P ol a k.\nOctavie Passerieu.\n„ Ida B o u 11 e e. *\n„ Louise S c h e i b e 1. ' (6 Jahre.)\n„ Adrienne P i c a r t.\n\" Philibert.\n„ Mariquita de Biarrote (Spanierin).\n„• Rosa Baraibar* (Spanierin, 4/2 J. alt).\nB. Herren.\nH. Herz. Em. Albert.\nCam. Stamaty. C. Billema.\nBrisson. R. Billema.\nEm. Prüdent. L. Lambert.\nJak. Blumenthal. Gottschalk.\nC. Evers. Tellefsen.\nRavina. Ad. Schimon.\nLefebure-W elv. Membree. ;\nSt. Heller. Lecouppey.\nL. L a c o m b e. Anat. Petit.\nGeo. Mathias. Marmontel.\nTheod. Ritter * (9 Jahre). E. H a b e r b i e r.\nF u m a g a 11 i.. Herrenschneider.\nC.Mehle. Ed. Wolf.\nPaul D o 11 i n g e n * (11 J.). F. II i 11er.\nGoria. J. M. Rosenhain.\nKetterer. , Cam. Saint-Saens.\nCh. V o s s. Ranieri V i 1 a n o v a.\nJ.Ascher. Ad.Blanc.\nRhein. Ad. Reichel.\nRob. Goldbeck. . W. Krüger.\nL.Hall. . Jul. Schulhoff.\nDas sind in Summa 76, und zwar 25 Deutsche (6\nDamen und 19 Herren), 2 Spanierinnen, 6 Italiäner, 1\nPolin und 43 Franzosen (worunter 24 Damen). Von allen\nGenannten sind 57 58 hier ansässig. Schlägt man die-\njenigen an, die ich zu notiren vergessen habe, ferner 15 20\naus den letzten Monaten des vorigen Jahres, so haben wir\nun Escadron sacrc von mehr als 100 Con cert-Pianisten.\nNimm dazu an 2—300 miltelmässige Spieler und Cla-\nvierlehrer und an 3-4000 Dilettanten, und Du hast eine\nArmee von Schlagfertigen!\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-05-06-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-05-06_01#c002", "volume": "bmtnabi_1854-05-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "140", "page_fin": "141", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.2.2", "titre_corps": "Musica sacra.", "titre_sommaire": "Musica sacra.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.4", "debut_caractere": 1523, "fin_caractere_exclue": 3617, "texte": "Musica sacra.\nI.\nWir wissen fast eben so wenig von der Geschichte\nder Musik in Spanien, als von den musicalischen Zustän-\nden der Gegenwart in diesem Laude. Kaum erinnert man\nsich, dass schon vor Palestrina Spanien in Cr ist oval Mo-\nral es und Bartolomeo Escobedo bedeutende Kir-\nchen-Componistenbesass, und dass Thoma de Yittoria\nund Francisco Guerrero Zeitgenossen jenes italiäni-\nschen Meisters waren. Seitdem ist nur geringe oder gar\nkeine Kunde über die Pyrenäen gekommen, ob die Kirchen-\nmusik in diesem Lande noch ihre Gönner und Vertreter\nhabe, und ob irgend ein Name eines Componisten durch-\ngedrungen sei zu allgemeiner Anerkennung wenigstens in\nseinem Vaterlande. Sind die reichlich ausgestatteten Capell-\nmeister- und Organisten-Stellen an den Kathedralen und\ngrossen Klöstern in den politischen Stürmen untergegan-\ngen? Verschmäht die Geistlichkeit die Mitwirkung der Ton-\nkunst beim Cultus? Ist die Anlage und der Sinn-im Volke\nfür diese ernste Gattung der Musik verloren gegangen ?\nWir vermögen diese Fragen zur Zeit nicht genügend\nzu beantworten; sie scheinen aber verneint werden zu müs-\nsen, wenn wir erfahren, dass sich in Madrid eine Gesell-\nschaft zur Herausgabe einer Sammlung von geistlicher Mu-\nsik gebildet hat, in welche nur Werke spanischer Compo-\nnisten aufgenommen werden sollen. Sie führt den Titel:\nLi ra Sacro-H isp an a. Gran colleccion de obras\nde musica religiosa,\ntados maestros espanoles\nlarion Eslava. 1853.\nEs sind bereits mehrere Lieferungen erschienen. Das\nWerk ist in vier Abtheilungen nach den Jahrhunderten ge-\ntheilt, so dass die Compositionen aus dem XVI., XVII.,\nXVIII. und XIX. Jahrhundert je einen Band oder eine Reihe\nvon zusammengehörigen Bänden bilden. Die bisherigen\nLieferungen bringen Beiträge zu allen vier Abtheilungen,\nund in derselben Weise wird fortgefahren werden.\nAus dem XVI. Jahrhundert erhalten wir eine Messe\nvon Thoma Luis de Vittoria, den man zu seiner Zeit\nel mono de Palestrina,den Affen von Palestrina, nannte,\nwas jedoch mehr ein Lob als ein Tadel sein sollte, wie\ndenn auch der gelehrte Abbate Baini namentlich in dessen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2284, "texte": "Missae brevesihn dem Italiäner gleichstellt. Die vorliegende\nMesse ist vierstimmig ohne Instrumental-Begleitung und\nauf den Chorgesang von Ave Maris Stella gearbeitet.\nAus dem XYSI. Jahrhundert erhalten wir zwei Messen\nvon bis jetzt unbekannten spanischen Componisten: eine\nMissa brcvisvon Don Diego Ponta c, vierstimmig\npella, über die Psalmodie In exilu Israel, und eine grosse\nMesse von Don Carlos Patino, Capellmeister an der\nKirche De la Incarnacion in Madrid, achtstimmig mit Basso\ncontinuo, ebenfalls auf das Thema eines Kirchenliedes gear-\nbeitet. Die beiden Chöre sind wohl disponirt, und die Har-\nmonie ist sehr correct; das Ganze scheint aber doch etwas\nmonoton.\nDie Composition aus dem XVIII. Jahrhundert ist eine\nTodtenmesse von dem ebenfalls unbekannten Don Jose\nde Nebra. Sie ist über den Kirchengesang geschrieben,\nwelcher den Introiluszum Req bildet, und zwar acht-\nstimncig und mit Begleitung von zwei Violinen, Alto, Bass\nund zwei Flöten. Die Instrumente gehen in der Begel\nmit den Singstimmen, doch hemerkt man hier und da schon\neinige gelungene selbstständige Intentionen. Der erste Chor\nist für zwei Soprane, Alt und Tenor geschrieben, der zweite\nfür die vier gewöhnlichen Stimmen. Es ist ein merkwürdi-\nges und verdienstvolles Werk.\nDie Lieferung für das XIX. Jahrhundert ist die stärkste,\nenthält aber nur Compositionen eines Componisten, näm-\nlich des Don Hilarion Eslava, in dessen Hände die\nLeitung der Herausgabe des Ganzen gelegt ist. Don Es-\nlava, früher Capellmeister an der Kathedrale von Sevilla,\nbekleidet dieselbe Stelle an der Capelle der Königin in\nMadrid. Er gibt uns hier ein Te Deum, vierstimmig mit\nOrchester-Begleitung, mit freier Benutzung des Ambrosiani-\nschen Lobgesangs, dessen Melodie zuweilen von einer zwei-\nten Bassstimme, wodurch der Chor alsdann fünfstimmig\nwird, geführt wird. Darauf folgen zwei vierstimmige und\neine achtstimmige Motette ohne Begleitung, endlich noch\neine grosse Todtenmesse für achtstimmigen Chor und Or-\nchester Alle diese Werke geben Zeugniss von gründlichem\nmusicalischen Wissen, fleissigem Studium des Stils der al-\nten Schulen und lobenswerther Beherrschung der Form\nund der Mittel; sie sichern dem spanischen Tonkünstler\neinen ehrenvollen Platz unter den Componisten der Ge-\ngenwart. • ' '\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-05-06-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-05-06_01#c003", "volume": "bmtnabi_1854-05-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "141", "page_fin": "142", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.2.3", "titre_corps": "Londoner Briefe.", "titre_sommaire": "Londoner Briefe.", "signature_source": "C. A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.5", "debut_caractere": 2286, "fin_caractere_exclue": 4670, "texte": "Londoner Briefe.\n\nDen 30. April 1854.\nDas Concert der philharmonischen Gesell-\nschaft am 24. April war durch Wahl und Ausführung\nder Musikstücke sehr interessant. Es wurde mit einer Sin-\nfonie (Manuscript) von J. Bosenhain, dem bekannten\nPianisten und Componisten, eröffnet. Das Werk ist hübsch\nund verständig geschrieben und geschickt instrumentirt,\naber weder durch Originalität der Gedanken, noch durch\nneue Wirkungen oder echte Inspiration ausgezeichnet. Der\nerste Satz und das Scherzo sind am gelungensten, letzteres\nunter sehr deutlichem Einflüsse Mendelssohn's entstanden.\nWir billigen übrigens, dass die Direction endlich von ihrem\nstereotypen Musik-Catalog abweicht und ein Werk der Ge-\ngenwart vorführt, wenngleich die Zuhörer, an die Pro-\ngramme des alten Raths gewöhnt, es kalt aufnahmen. Frei-\nlich hätte man auch lieber eine Sinfonie von Schumann,\nGade oder Hiller wählen können. Ausserdem wurden von\nOrchester-Werken aufgeführt: Mendels soh n' s Fingals-\nhöhle, Beethoven's B-dur-Sinfonie Nr. IV und Ons-\nlow's Colporteur-Ouverture. Das genannte Mendelssohn'-\nsche Werk hält die hiesige Kennerschaft, und wohl nicht\nmit Unrecht, für die beste der Concert-Ouverturen des\nMeisters. \"\nMolique trug sein A-moll-vor, eine Compo-\nsition, welche besonders reich an Schönheiten und wir-\nkungsvollen Stellen für die Violine ist. Er wurde mit dem\nlebhaftesten Beifallsrufe begrüsst und am Schlüsse enthu-\nsiastisch applaudirt, und hat auch wohl selten mit mehr\nAnmuth, edlerem Ausdruck, reinerem Tone und vollende-\nterer Technik gespielt. Der Gesang war durch Frau Clara\nNovello (welche- die grosse Scene aus Gluck's Alceste:\n»Nein, in den Tod % mit. deutschem Text sang) und\nHerrn Beletti (Arie des Grafen aus Figaro: „\ntr'io sospiro\")sehr gut vertreten.\nUnter dem Titel: „Modern\ntions and Criticisms\", hat Chor 1e y. ein zweibändiges\nBuch herausgegeben, welches die Frucht seiner musicali-\nschen Beobachtungen während seines Aufenthaltes in\nDeutschland ist. Trotz des Titels\nsucht man über die neueste Bewegung auf dem deutschen\nMusikfelde vergebens Nachricht oder interessante Ansich-\nten, indem Herr Chorlev mit Mendelssohn's Tode abschliesst.\n7\nDas Schluss-Capitel, welches über diesen Tod berichtet und\nBetrachtungen über Mendelssohn's Verdienst und Einfluss\nenthält, ist der beste Abschnitt des ganzen Buches, wel-\nches sonst eine Menge, theils sehr bekannter, theils sehr"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4061, "texte": "gleichgültiger Dinge enthält und mit Erzählungen von lang-\nweiligen Reise-Begegnissen, Sitten-Schilderungen der Deut-\nschen nach Postwagen- und Table-d'höte-Erfahrungen und\neinem bunten Allerlei gespickt ist, das mit der Musik\nnichts zu thun hat. Das kritische Urtheil des Herrn Chor-\nley möchten wir keineswegs für unfehlbar halten, obwohl\ner sehr häufig mit grossem Selbstvertrauen wie vom Ka-\ntheder herab spricht. Wer z. B. Mozart's Melodieen nicht\ndurch unnöthige und gekünstelte Verzierungen verunstaltet\nwissen will, ist ihm „ein Purist\" ; Uübitscheff und je-\nder, der in Mozart's Quartetten und Quintetten und in\ndessen Sinfonieen die reinste und schönste Form findet, ist\n- „ein Formalist\"; wer sich aber für Beethoven's letzte\nWerke begeistern kann, ist „ein Rhapsodist\" !?\nUebri gens spricht er über Alles und Jedes und noch\nüber etwas mehr, über Job. Seb. Bach („den Ben Johnson\nunter den Musikern !!), Händel, Beethoven, Strauss, May-\nseder, die Tanzmusik im wiener Sperl, Concerte im Ge-\nwandhaus zu Leipzig, u. s. w. u. s. w. Beiläufig lällt es\nihm auch ein, vor Beethoven's neunter Sinfonie und seinen\ngrossen Quartetten zu warnen, Spohr herabzusetzen, einige\nFlanken-Angriffe auf Schumann und Wagner zu machen,\naber trotzdem Liszt auf den Schild zu heben. Der Stil ist\nmeist gewöhnlich, oft aber barock und unverständlich.\nNur dasSchluss-Capitel, „Die letzten Tage Mendelssohn's\",\nist mit Wärme und verständiger Würdigung des dahinge-\nschiedenen Meisters geschrieben.\nAm 27. April trat Sophie Cruvelli in Covent-\ngarden als Desdemona in Rossini's Othello zum ersten\nMale auf. Ihre Leistung in dieser Rolle hat zunächst das\nunbestreitbare Verdienst der Originalität; es ist keineswegs\neine Nachahmung der Grisi und zeigte Schönheiten in der\nAuffassung, welche nur dem Genie entspringen können, und\nVorzüge in der Ausführung, welche eine warme Liebe zu\nihrem Berufe und ein sehr fleissiges Studium ihrer Kunst\nbekunden. Der erste Act war der schwächste; aber im\nzweiten und dritten entfaltete sie ein grosses dramatisches\nTalent, und bewies durch ihren Gesang, dass sie jetzt mehr\nMaass zu halten versteht, dass sie eine richtigere Behand-\nlung ihrer gewaltigen Mittel kennen gelernt hat. Am Ende\ndes zweiten Actes wurde sie bei offener Scene gerufen. Ihre\nDesdemona war, wenn auch nicht frei von Mängeln, wozu\nwir, trotz der oben ausgesprochenen Anerkennung eines\nFortschrittes in dieser Hinsicht, immer noch das zuweilen\nurplötzliche Hervorbrechen eines durch die Kunst nicht be-\nrechtigten, zu lebhaften Gefühls und das ebenfalls unkünst-\nlerische Verweilen auf den Vorhalten rechnen eine Dar-\nStellung von hohem Werthe, durchweg anziehend und meist\nhinreissend. Tamberlik's Othello ist wohl die grösste\nund vollkommenste Leistung dieses dramatischen Sängers.\nDie Königin Victoria und Prinz Albert wohnten der Vor-\nstellung von Anfang bis zu Ende bei.\nEine doppelt merkwürdige Vorstellung auf dem Dru-\nryla ne - Theater war der Freischütz, erstens weil es\ndie erste Oper in deutscher Sprache war, welche von der\nneuen Gesellschaft gegeben wurde, und zweitens, weil\nForm es, der grosse Liebling des londoner Pubücums,\ndarin auftrat. Er wurde mit einstimmigem, lang anhalten-\ndem Beifalle begrüsst; und in der That, es kann keinen\nSänger geben, der den wild-romantischen Charakter und die\nTeufels-Natur dieses Caspar so poetisch zur Anschauung\nbringt, wie Formes, dessen unvergleichliche Bassstimme die\nWeber'sehe Musik erst in ihrem ganzen vollen Werthe und\nGlänze zeigt. R eichart ist ein sinniger Darsteller des Max\nund ein gebildeter Sänger; er wurde auch sehr freundlich\nempfangen. Die Caradori als Agathe (das Gebet „Leise,\nleise\" wurde da capo verlangt, und am Schlüsse der Arie\nwurde die Sängerin gerufen), die Sedla tz e k als Aenn-\nchen, Hölzl als Ottokar waren trefflich. Das Publicum\nwar fortwährend in Enthusiasmus; von Gesammtstücken muss-\nten die Ouvertüre (Lindpai ntner dirigirte) und der Jä-\ngerchor wiederholt werden, und am Schlüsse der Vorstel-\nlung wurden die Caradori und Formes und dann Alle stür-\no\nmisch gerufen.\n\nC. A."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-05-06-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-05-06_01#c004", "volume": "bmtnabi_1854-05-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "142", "page_fin": "143", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.2.4", "titre_corps": "Aus Kassel.", "titre_sommaire": "Aus Kassel.", "signature_source": "O. K", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.6", "debut_caractere": 4063, "fin_caractere_exclue": 5012, "texte": "Aus Kassel.\n\nAm 8. April kam die neu einstudirte Oper „Faust\"\nvon Spohr mit den vom Componisten hinzugefügten neuen\nRecitativen und Zusätzen wiederholt zur Aufführung und\nerfreute sich vielen und verdienten Beifalls von Seiten des\nzahlreich versammelten Pubücums. Die neuen Recitative\nsind an die Stelle des bisher in der Oper enthaltenen Dia-\nlogs getreten, und die früher zweiactige ist nun in eine\ndreiactige Oper umgestaltet worden, wobei der erste Act\nhinsichtlich seines Umfanges unverändert geblieben ist, da-\ngegen der zweite mit dem Tode Hugo's und der dritte mit\nFaust's Höllenfahrt schliesst. Einer der bedeutendsten Zu-\nsätze ist die Introduction des dritten Actes, gebildet aus\nvorhergehenden Motiven, deren Beziehung auf einzelne\nScenen des zweiten Actes bekannt ist.\nWas nun die Einführung der neuen Recitative betrifft,\nso ist nicht zu läugnen, dass die Oper dadurch an innerem\nmusicalischen Zusammenhang gewonnen hat, indem die frü-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2629, "texte": "her durch den Dialog getrennten Musikstücke jetzt mit\neinander verbunden sind und das Unnatürliche und ästhetisch\nUnzulässige des momentan wechselnden, theils gesanglichen,\ntheils sprachlichen Ausdrucks wegfällt. Aber der an sich\nunbedeutende Text, in so weit er bisher den Dialog bildete,\nist weder seiner Form, noch seinem Inhalte nach für die\nmusicalische Bearbeitung geeignet, und wenngleich manches\nGehaltlose durch die Musik verdeckt erscheint, so ist doch\nAnderes eben dadurch weit mehr als früher hervorgeho-\nben, namentlich das, was, obwohl abstract, doch nicht eben\ngeistreich ist und theihveise über das Gebiet des durch\nMusik Auszudrückenden hinausgeht.\nNur ein so hochbegabter Tonmeister wie Spohr\nkonnte da Ausgleichungen versuchen und vermochte Schwie-\nrigkeiten eigentümlicher Art zu besiegen, wo der Inhalt\no v? w\ndes Textes die Musik, als dessen Gegenbild, gleichsam von\nsich stösst. So beispielsweise der den dritten Act eröffnende\nMonolog des Mephistopheles: „Wie bin ich dieser Men-\nschenmaske satt!\", welcher in Recitativ-F orm gehalten ist\nund der grossen Arie: „Stille noch dies Wuthverlangen\",\nvorhergeht, die, gleich der Kunigundens: „Ja, ich fühl' es\",\nim ersten Acte, als ein für alle Zeiten gültiges Musikstück\nzu bezeichnen ist. Der eben erwähnte Monolog ist kein\nVorwurf für die musicalische Composition, und hier wäre\nzum Vorthei! des übrigen, so unvergleichlich Schönen der\nganzen Oper, welche wir als die phantasiereichste Spohr's\nbezeichnen möchten, eine bedeutende Verkürzung und\ngünstigere formelle Gestaltung zu wünschen gewesen. Auch\nhätten sich, unserer unmaassgeblichen Ansicht nach, zum\nVortheil der Totalwirkung der Recitativ-Sätze wohl an noch\nzwei anderen Stellen des ersten Actes, nämlich vor dem\nDuett: „Folg' dem Freunde mit Vertrauen\", wie auch\ndem Terzett: „Ich kann nicht ruh'n, ich kann nicht rasten\",\nText-Verkürzungen anbringen lassen.\nDavon abgesehen, so möchte wohl keiner der jetzt le-\nbenden Componisten im Stande sein, eine Opern-Musik zu\nschaffen, die an Gediegenheit und nachhaltig anziehender\nWirkung der Musik zu „Faust\" auch nur annähernd gleich-\nkäme. Von dieser Ueberzeugung waren wohl alle Mitwir-\nkenden durchdrungen und von hoher Begeisterung für das\nvortreffliche Tonwerk erfüllt. Sänger und Orchester waren\nnach Kräften um das Gelingen der Aufführung der Oper\nbemüht, nur waren die Gesangskräfte leider nicht für alle\nPartieen vollkommen ausreichend.\nDie Haupt-Partieen befanden sich in den Händen der\nDamen Bamberg (Kunigunde) und Amen dt (Röschen)\nund der Herren Schloss (Hugo), Curti (Franz), Biber-\nIi oTer (Faust) und Thomasczek (Mephistopheles).\n\nO. K."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-05-06-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-05-06_01#c005", "volume": "bmtnabi_1854-05-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "143", "page_fin": "143", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.2.5", "titre_corps": "Nachricht über das Niederrheinische Musikfest in Aachen.", "titre_sommaire": "Nachricht über das Niederrheinische Musikfest in Aachen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.7", "debut_caractere": 2631, "fin_caractere_exclue": 3970, "texte": "Nachricht über das Niederrheinische\nMusikfest in Aachen.\nFest-Dirigent: Hof-Capellmeister vOll Lindpaintner. Chor-\nDirigent: Städtischer Musik-Dircctor von Turanvi.\nA uff ühr u n g a m 4. Juni: Ouvertüre zu Iphigenie i n\nAulis von Gluck. Israel in Egypten von Händel. (Die Soli\nhaben übernommen: Frau Sophie Förster Sopran, Frau Fin-\ndorff Alt, Herr Schlösser Tenor, die Herren Pischek und\nBüsscl Bass.)\nAufführung am 5. Juni: Ouvertüre zur Genueserin von\nv. Lindpaintner. Finale zum Vampyr von Demselben. Sinfonie\nvon Beethoven in A-dur. Ouvertüre zu Anacreon von Cheru-\nbim*. David de penil etile von Mozart. (Die Soli werden vorge-\ntragen von den Damen Caradori und Förster, so wie von den\nHerren Schlösser, Pischck und Büsscl.)\nAm 6. Juni wird noch ein Concert gegeben, welches mit der\nOuvertüre zum Sommernachtstraum von Mendelssohn beginnt\nund mit einem Chor aus Israel schliesst. Herr Vieuxtemps\nwird darin sein grosses Violin-Concert in D-moll, so wrie „Le\nstreghe\" von Paganini, und Herr von Turanyi das Pianoforte-\nConcert in Es-dur von Beethoven spielen. Von den vorzutragenden\nSolo-Gesängen sind bis jetzt ausgewählt: Kirchen-Arie von Alcs-\nsandro Stradella (Frau Förster), Arie von Vincenz Lachncr (Herr\nSchlösser), Arie in E-dur aus Hans Ilciling von Marschner (Herr\nPischek). Die weiteren Gesangstücke sind noch vorbehalten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-05-06-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-05-06_01#c006", "volume": "bmtnabi_1854-05-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "143", "page_fin": "144", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.7", "debut_caractere": 3972, "fin_caractere_exclue": 5780, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöln. Am Dinstag den 2. d. Mts. war die letzte Soiree\nfür Kammermusik im Hotel Disch. Wir hörten zwei \\iolin-\nQuartette, eins von Haydn (B-dur) und eins von Beethoven\n{A~dur, Op. 18), welche das Ciavier-Quartett von Ro b. Schu-\nmann, Op. 47, in die Mitte nahmen. Herr Th. Pixis, dem ein\nneidischer Dämon, wahrscheinlich ein Verwandter desjenigen, der\neinst dem Tartini erschien, einen Rheumatismus in den Arm ge-\nhext hatte, der uns den geschätzten Künstler eine geraume Zeit\ndurch für die Mitwirkung zu öffentlichen Productioncn entzog,\nspielte wieder die erste Violine, und zwar mit ganz vorzüglichem\nAusdruck, wie denn überhaupt beide Quartette, und namentlich\ndas Beethoven'sche, von allen vier Künstlern trefflich ausgeführt\nwurden. Die Krone war der Vortrag der herrlichen Variationen\ndes Andante in D-dur von Beethoven.\nDie Clavier-Partie hatte diesen Abend Herr C. Reinecke\nübernommen, und somit war sie allerdings in Meisterhänden; aber\ndie Wahl des Schumann'schen Quartetts von seiner Seite können\nwir nicht billigen. Der Künstler muss seine Zuhörerschaft kennen;\nalle bisherigen Versuche, das hiesige Publicum für Schumann'sche\nClavier-Musik zu gewinnen, sind gescheitert; es bleibt kalt dabei,\nund wir können es nicht läugnen es geht uns und fast allen\nhiesigen Musikern eben so. Wir können darin keine geniale, son-\ndern nur eine gesuchte Neuheit finden; wir vermissen iluss und\nGuss im Ganzen und das beseelende Element der eigentlichen\nMusik im Einzelnen, d. h. in den Themen und Motiven, wofür uns\neine absonderliche Rhythmik und eine phantasielose, contrapunkti-\nsche Arbeit keineswegs entschädigt. Das Alles ist grösstenthcils\nMusik für die Augen und nimmt sich in der Partitur recht artig\naus: es hat aber keine Lebensfähigkeit in sich, es klingt nicht, und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4049, "texte": "so lange wir uns bei dem Mangel alles sinnlichen Reizes kein\nKunstwerk denken können, so lange werden uns auch dergleichen\nTonwerke des Verstandes nicht befriedigen. Was nicht aus dem\nHerzen kommt, dringt auch nicht zum Herzen.\nZum Schluss des Abends spielte Herr Carl Rein ecke die\nallerliebsten Variationen von Händel mit einer Rundung\nund Eleganz in der Applicatur beider Hände, welche ganz\nvorzüglich ansprach. In dem Vortrage der Mozart'sehen F-moll-\nPhantasie für vier Hände, von Th. Kullak für zwei Hände einge-\nrichtet, zeigte er eine ausserordentliche Bravour. Möge der uns so\nwerth gewordene, verdienstvolle Künstler, der uns nun leider bald\nverlässt, recht oft zu uns zurückkehren, um uns den freudigen Ge-\nnuss an seinem schönen Talente zu bieten.\nIn der letzten Versammlung der musicalischen Gesell-\nschaft wurde eine Sinfonie von Schnyder von Warten-\nsee (C-moll und C-dur, mit der „Erinnerung an Haydn\" im letzten\nSatze) aufgeführt, und gewann durch ihre Klarheit und als Beweis\neines tüchtigen musicalischen Wissens des Componisten Beifall.\n* Fraiilifiirl 11., 1. Mai. Echte Kunst in schöner Dar-\nstellung findet überall sichere Würdigung. Das sehen wir jetzt\nwieder an Fräulein Jenny Ney, die nun bei uns Triumpfe feiert.\nWelch schöne Stimme! welch ein edler, tief durchdachter Vortrag!\nwelches Maass in ihren Bewegungen! Seit Frau Köster's Gast-Dar-\nstellungen vor drei Jahren haben wir nichts Aehnliches wieder\ngehört. Norma, Donna Anna und Valentine waren es, die\nsie uns bis heute vorgeführt hat, wesentlich verschiedene Charak-\ntere, wie Gesanges-Aufgaben, aber in allen dreien war sie gleich\ngross nach jeder Seile hin. Wie hoch muss sich die Bedeutung\ndieser Künstlerin erst steigern, wenn sie im Vereine mit anderen\nausgezeichneten Talenten wirkt, Avas denn hier leider nicht der\nFall ist. In der Norma stand ihr allein Fräulein Jenny Hoff-\nmann als Adalgisa würdig zur Seite.\nRieh. Wagner's Lohengrin hat drei Vorstellungen erlebt,\nwelche gut besucht waren.\n*** gdresdeii, 1. Mai. Hector Berlioz hat hier drei Con-\ncertc mit steigendem Beifalle gegeben. Das letzte am 29. April\nbrachte seine Sinfonie mit Chören und Chor-Prolog „Romeo und\nJulie\" und die Legende: „Die Ruhe der heiligen Familie\", ein\nwirklich liebliches, einfaches Ton-Gemälde, das man dem Instru-\nmental-Stürmer Berlioz kaum zutrauen sollte. Der Schluss, ein\nTenor-Solo, wurde von dem Hof-Opernsänger Weix el stor fer\nreizend vorgetragen und musste wiederholt werden. Anfang und\nEnde des Concertes bildeten die zwei Ouvertüren zu Benvenuto\nCellini. Im ersten und zweiten Concerte führte uns der Componist\nsein, musicalisch-dramatisches Werk: „Faust's Verdammung\",\nvor, welches der hiesige Volkswitz mit Hinsicht auf das Drama von\nGöthe „Faust's Verdummung\" getauft hat. Die Local-Kritik fällt\ngewaltig über den Text her, verschüttet aber, was die Musik be-\ntrifft, meiner Meinung nach das Kind mit dem Bade. Trotz aller\nBizarrerie ist doch neben der anerkannten instrumentalen Kunst\nBerlioz's auch die Sicherheit zu rühmen, mit welcher er den Zu-\nhörer gleich mit wenigen Taeten in die gewünschte Stimmung ver-\nsetzt. Es ist das doch mehr als bloss sinnlicher Tonreiz. Uebrr-\nhaupt, was poetische Intention und technische Factur betrifft, steht\nBerlioz immer noch weit über dem oft nur dilettantischen Richard\nWagner, mit dem man ihn unrechter Weise allzu sehr vergleicht.\nViel näher steht er dem Guten, was R. Schumann hat.\n** Biübeck. 29. April. Hitlers „Zerstörung von Jeru-\nsalem\" ist hier im März durch unseren wackeren Capellmeister\nIle rrmann mit grosser Lust und Liebe einstudirt worden und\nhat bei der Aufführung einen grossen Erfolg gehabt. Herr\nSchüttky aus Hamburg (gegenwärtig in Stuttgart) riss durch\nden herrlichen Vortrag der Partie des Jeremias ganz ausnehmend\nhin, das ganze Werk machte einen ausserordentlichen Eindruck,\nund alle Welt bedauerte, dass es nicht mit derselben Besetzung\nnoch einmal gegeben werden konnte. Auf allgemeines Verlangen\nmussten aber in dem letzten Abonnements-Concerte mehrere Num-\nmern daraus wiederholt werden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.1", "texte": "Pariser Briefe.\n\n[Komische Opern La Promise von Clapisson Or-\nchester-Concerte Charwoche Pariser Urtheile\nüber Beethoven's Missa solemnis Einzel-Concerte\nPianisten und Pianistinnen.]\nDen 1. Mai 1854.\nDer Vortheil einer Theater-Unternehmung in Paris\nliegt in der Kunst, die Neugier des Publicums zu befriedi-\ngen; nur recht viel Neues gegeben, und das Geschäft ge-\ndeiht. Ob das Neue alt werde, das heisst, ob es einen Keim\ndes Lebens in sich trage, darauf kommt es nicht an; mit\neinem pikanten Texte, einem routinirten Zuschnitt der Mu-\nsik und mit vorzüglichen Sängern und Schauspielern ist\neine so genannte komische Oper stets eines momentanen\nErfolges sicher. Bringt sie ihr Alter auf drei oder gar vier\nMonate, so ist Alles zufrieden, Dichter, Componist und\nTheater-Director; sie haben dabei ihr tägliches Brod, und\ndie Kunst geht betteln.\nMan muss dem Herrn Seveste, dem Unternehmer des\nTheätre lyrique,einer zweiten Bühne für komische Opern,\ndas Verdienst lassen, dass er diese Neugier der Pariser aus-\nzubeuten versteht. Er lässt es nicht an Bestellungen fehlen,\nund die Fabrikgeschäfte der notablen Firmen, die in Li-\nbretti und Partituren machen, gehen gut. Sie liefern ihm\nalle Monate eine Oper. Im vorigen Winter:\nBrtsil (Felic. David), Täbarin (George Bousquet),\nLe Lutin de la Vallee (St. Leon und Gauthier), Les\namours du Diable(Alb. Grisar), (Ad.\nAdam), Le Collin-Maillard (Aristide Iliguart), L'Or-\nganiste dans l'Embarras(Weck her Ii n); in der jetzigen\nSaison: IM Moissonneüse(Vogel), (P oise),\nLe Bijou perdu (Ad. Adam), Georgette (Gevaert), Eli-\nsabeth (Donizetti), La Fille (Adrien B o i e I-\ndieu), La Promise(Clapisson),\nDanube (Paul Henrion), und nächstens zum Schlüsse:\nMai Ire Wolfram (Reyer).\nDas geht oder trabt so lustig in Einem fort, die Com-\nponisten voran, die Orgeldreher und die Polka-, Walzer-\nund Quadrillen-Bäcker hinterher. Die Kunst, und folglich\nauch die ernstere Kritik, hat mit alle dem Zeug nichts zu\nthun; selten taucht einmal ein Ding auf, das zu besprechen\nder Mühe werth wäre. Aber Eins lässt sich nicht läugnen:\nalles ist fliessend geschrieben, die Details sind häufig aller-\nliebst, und mehr bed-arf der Franzose nicht, um sich im\nTheater zu amüsiren.\nDas einactige Stück Une\nspeculirt durch das Wort Donau auf die Politiker der\nBoulevards, es könnte sonst eben so gut der Rhein oder\ndie Themse sein; denn der Kern des Dinges ist das Zusam-\nmentreffen eines Schwimmers mit einem Selbstmörder in\nder Donau; der erste rettet natürlich den letzteren, daher\nFreundschaft u. s. w. Clapisson's (Die Ver-\nlobte) füllt bis jetzt noch das Haus seit der ersten Vorstel-\nlung am 17. März.\nDas Buch ist arm an Erfindung, aber hat vieles Ein-\nzelne, das sehr komisch ist. Marie ist von ihrem sterben-\nden Vater einem fünfzigjährigen Meerwolf, einem Corsaren-\noder lvaper-Capitän versprochen, liebt aber einen jungen\nSeemann Pierre, der nach einer langen Abwesenheit gerade\nin dem Augenblicke wieder an's Land steigt, wo der Braut-\nzug sich zur Kirche in Bewegung setzt. Er fällt wie eine\nBombe mitten in die Festlichkeit hinein; aber die Bombe\nplatzt nicht, denn Pierre ist dem Corsaren, der zu der\nedlen sentimentalen Räubersorte gehört und aller Welt\nWohlthäter ist, zu grösster Dankbarkeit verpflichtet. Glück-\nlicher Weise platzt ein anderes Geschütz los, die Lärm-\nKanone, welche den alten Meerwolf aufs Schiff ruft, da ein.\nfeindliches Fahrzeug in Sicht ist. Er geht und übergibt\nseine Braut seinem Schützling Pierre zur Obhut. Dieser\nist auch ein Muster von Edelmuth und schickt sich unter\nrauhen Manieren zum Wrächteramte an, treu seinem Patron.\nDamit ist aber Marie nicht zufrieden. Sie ist so fein, den\ntugendhaften Pierre betrunken zu machen, und trägt dann\nseinen Hut in ihr Schlafzimmer, um bei dem alten Capitän\nbei dessen Rückkehr symbolisch sich selbst anzuklagen und\nihn von der Verbindung zurückzuschrecken für ein sie-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.2", "texte": "benzehnjähriges Mädchen, das nicht einmal in einer Pension\ngewesen, ein recht artiges Raffinement! Nun hat sie zwar\naus Versehen den Out eines anderen Trinkgenossen, eines\nmoschusduftenden, geckenhaften Sohnes der Douane, nach\nHause getragen; allein Hut bleibt Hut, der Corsar kehrt\nzurück, fürchtet beim Anblick desselben lür seine eigene\nKopfbedeckung und vermählt den wieder nüchtern gewor-\ndenen Pierre mit Marie, welche er mit 10,000 Francs\nausstattet. So schreiben die Herren Brunswick und de Leu-\nven Komödie.\nClapisson hat zu diesem Texte eine Musik gemacht —-\ndas ist der wahre Ausdruck , bei welcher man sich in\nGesellschaft vieler Bekannten befindet und den Mann von\nWelt und gewandter Tournure am Zuschnitt des Kleides\nund den correcten Manieren erkennt, von dem vollkommen\ngilt, was mir mein Nachbar im Theater sagte, als ich wie-\nderholt die Achseln zuckte:\ncien instruit il peut etre m\nhn l'occasion, il est vrai ; mais \"\nHätte sich der Componist nun noch an dem trivialen\nStil gehalten, so wäre doch wenigstens eine Einheit in dem\ndreiactigen Werke; aber nein, er verfällt eben so wie alle\nübrigen pariser Componisten des Tages in die Unart, in die\nkomische Oper pathetische Musik zu pfropfen und die In-\nstrumentirung durchweg so zu behandeln, als sollte das\nCapitol erstürmt oder Sebastopol bombordirt werden; ja,\nim Finale des ersten Actes borgt Herr Clapisson sogar\nseine Farbe sehr sichtbarlich dem Gewitter in der Pastoral-\nSinfonie ab! Trotz alledem läuft das Publicum nach der\nPromise,und wäre es auch nur, um die sehr hübsche Sän-\ngerin, Madame Gabel, zu hören, welche die Lerche des\ndiesjährigen pariser Frühlings ist.\nDie Orchester-Goncerte der verschiedenen Ge-\nsellschaften und die Matineen lür Kammermusik sind\nbeendigt. Das Conservafoire hat nichts Neues gebracht. In\nden drei letzten Concerten der machte sich der\nMangel eines guten Chors sehr fühlbar; überhaupt ist ciie\nVocal-Partie die schwache Seite dieser Concerte. Interessant\nwar die Sinfonie eines jungen Componisten, Namens Ca-\nmille Saint-Saens; das Scherzo ist klar und zierlich,\ndas Adagio im edel-romantischen Stile geschrieben zwei\nc 1\nvorzüglich gelungene Sätze; die beiden anderen fleissig ge-\nmacht, aber etwas nüchtern. Das fünfte Cöncert zierte eine\nbis auf die affectirte Behandlung der Pauken in dem Trauer-\nmarsche sehr gute Ausführung der und die\nallgemein verlangte und wiederum mit dem lebhaftesten\nO o\nBeifalle aulgenommene Wiederholung der Weber sehen\nPreciosa-Musik. Das sechste hatte ein reiches Programm:\nOuvertüre zum Freischütz, Marsch und Derwisch-Chor\nvon Beethoven aus den Ruinen von Athen, Ave Maria\nfür Tenor und obligates englisches Horn von Cherubini,\nneue Sinfonie in C-dur von The od. Gouvy, Mendel s-\nsoh n' s Finale aus Lorelei (zum ersten Male) die Solo-\nPartie vortrefflich von Fräul. Poinsot gesungen und\nBeethoven's Phantasie, Op. 80, für Soli, Chor und Or-\nchester, in welcher Saint-Saens die Clavier-Partie vortrug.\nGouvy's Sinfonie ist ein tüchtiges, ehrenwerthes Werk,\ndem jedoch jene thematische Arbeit, welche mit frisch er-\nfundenen Melodieen, nicht mit kleinen Motiven und nüch-\nternen contrapunktischen Zusammenstellungen ihr Werk\nschafft, in höherem Grade zu wünschen wäre.\nIn der Charwoche finden hier bekanntlich stets meh-\nrere geistliche Concerte Statt. Die Gesellschaft der Sie. Ce-\ncile beschloss denn auch ihre Saison mit einem solchen am\nCharfreitag, bei überaus voll besetztem Saale. Ihr Dirigent\nSeghers, unermüdlich im Vorlühren deutscher Musik,\nbrachte darin zum ersten Male Mendelssohn's Ouver-\ntüre zur Athalia und das Kyrie und Gloria aus der gros-\nsen D-elur-Messe von Beethoven zu Gehör. Die Ouver-\ntüre gefiel; wir erfuhren bei dieser Gelegenheit zufällig,\ndass Gossec und Boieldieu die Chöre zur Athalia compo-\nnirt haben, ihre Musik aber vergessen ist. In Deutschland\nwar, wenn ich nicht irre, Schulze der Vorgänger Mendels-\nsohn's. Die beiden Sätze aus der Beethoven'schen Messe\nwaren aber dem Publicum und der Kritik zu hoch. Die\neine unserer musicalischen Zeitungen sagt: „Diese Messe\ngehört zu derjenigen Gattung kirchlicher Musik, in welcher\nweder Seele noch Geist zu finden sind, aber wohl die alte\nForm und die steife Wissenschaft, die erlernte (!) und ge-\nheiligte, welche die reinen Classiker durchaus nicht durch\ndie Melodie verjüngt haben wollen\" —, und die andere\nmeint: „Das ist originelle und oft bizarre Phantasie, in\nwelcher aber kein Gedanke und kein Zweck klar hervor-\ntritt. Die Harmonie ist zuweilen sonderbar, um nichts\nSchlimmeres zu sagen, und der religiöse Charakter wird\nüberall vermisst. Doch ist es sehr interessant, den Pfaden\neines unsterblichen Genie's auch auf seinen Irrwegen zu\nfolgen.\" Was sagst Du dazu? Es wird gut sein, der-\ngleichen Urtheile lür diejenigen in Deutschland zu consta-\ntiren, welche noch zuweilen der Meinung sind, man müsse\nsich die richtige Auffassung Beethoven'scher Musik aus Pa-\nris holen. Den Kritiker des letzteren Blattes scheint übri-\ngens doch das Gewissen geschlagen zu haben; denn er sagt\nspäterhin über Beethoven überhaupt: „Sollte es nicht wahr"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.3", "texte": "sein, dass Beethoven uns manchmal ermüdet, weil er wahr-\nhaft erhaben ist, und weil das Erhabene das glückliche\nVorrecht hat, unser frivoles Geschlecht zu langweilen?\"\nDen Schluss machte die Pastoral-Sinfonie.\nAusserdem war im Conservatoire, im Saale Barthelemv,\nin dem Vereine der jungen Künstler, in der italianischen,\nin der komischen Oper, kurzum überall, selbst im\ncVhiver, geistliche Musik, bei welcher Rossini's\ndie Hauptrolle spielte, von den Italiänern drei Tage hinter\neinander ganz, von den anderen Instituten bruchstückweise\naufgeiührt. Bei allem, was ich davon mit angehört habe,\nwaren die Soli meist gut, oft vorzüglich, der Chor überall\nschlecht. In dem Concerte im Theater der komischen Oper\nspielte Fräulein Clauss Mendelssohn's G-moll-Concert;\nein Ave Maria vom Fürsten von der Moskowa gefiel durch\nseine Einfachheit und Annäherung an den älteren melo-\ndiösen Stil der Italiäner. Wie die schwere Artillerie des\nSax-Orchesters mit dem brausenden Vortrage von Mever-\nbeer's Fackeltanz und gar einer Tyrolienne von Mohr, ihrem\nGommandeur, zu einem Concert Spirituel am heiligen Abend\nvor Ostern passt, kann nur derjenige begreiflich finden, der\nin den französischen Kirchen zwischen dem Hochamte die\nMärsche und Potpourri's der Communalgarden-Musik in\nder Provinz und manchmal selbst in Paris gehört hat.\nMöchten doch die Bischöfe, welche den reinen gregoriani-\nschen Gesang wieder einführen wollen, erst einmal den Ser-\npent und die türkische Musik aus den Kirchen hinaus-\nstäupen!\nIn den letzten Sitzungen für Kammermusik erleb-\nten wir in beiden Cirkeln Verfälschungen und Verstümme-\nlungen von Meisterwerken, welche nur in Paris möglich\nsind. Im Cirkel von Alard spielten G. Mathias und Alard\neine „grosse Sonate von C. M. von Weber für Piano und\nVioline\". Was war es? Das Duo für Piano und Clarinette!\nNoch toller ging es bei Maurin her, wo wir zwar Beet-\nhoven's grosses B-dur-Trio, Op. 97 (Piano: Madame\nMattmann), und dessen Violin-Quartett in F (Nr. 7) ganz\nhörten, aber daneben das Andante und Scherzo aus Men-\ndelssohn's Sonate für Piano und Violoncell und\nbile die tu den Marsch und das Finale aus Beethoven's\nViolin-Quartett, Op. 132! Das ist denn doch zu arg, zu-\nmal für einen Cirkel, der sich selbst als Haupt-Aufgabe die\nAusführung der letzten Werke Beethoven's gestellt hat.\nEine solche Zerstückelung ist ein wahrer Frevel. Halten\ndiese Herren denn jene grossen Quartette für italiänische\nOpern, aus denen man einen Act auftischen kann? Alle\nwahren Kunstfreunde müssen aufrichtig bedauern, dass ein\nVerein, von so guten Künstlern und zu so gutem Zwecke\ngebildet, seine diesjährigen Leistungen durch einen solchen\nMissgrifF belleckt hat. Wenn es so fortgeht, so hören wir\nvielleicht nächstes Jahr ein Quartett, dessen vier Sätze aus\nHaydn, Mozart, Mendelssohn und Beethoven zusammen-\ngeflickt sind!\nWenn ich in meinem letzten Briefe erwähnte, dass die\nFlut der Einzel-Concerte dieses Jahr nicht so hoch stiege,\nals früher, so konnte ich Unglücklicher nicht ahnen, dass\nvom 20. März bis Ende April noch ein tägliches Kirch-\nthurm-Rennen auf allen möglichen musicalischen Rossen\nStatt finden werde! Diese fünf Wochen haben meine Be-\nrechnung umgestürzt, und mich selbst habe ich nur da-\ndurch aufrecht erhalten, dass ich mich nicht in die Gefahr\nbegeben habe. Selbst Julius Schulhoff habe ich noch\nnicht gehört; denn er ist der sechsund sie benzigste\nPianist dieser Saison! Du schüttelst ungläubig den Kopf?\nNun, so erlaube, dass ich den Lesern der Niederrlieinischen\nMusik-Zeitung, wie Leporello, „dieses kleine Register\" von\nKünstlern auf dem Hammer-Clavier vorlege, welche seit\ndem 1. Januar bis Ende April 1854 hier öffentlich ge-\nspielt haben. Die Pianisten der ersten Monate der Saison\n(October December 1853) sind nicht einmal dabei, weil\nich die Liste erst seit Januar angelegt habe. Indem ich\ndiese Namen hiermit der Unsterblichkeit übergebe, bemerke\nich nur noch, dass die Besternten unter ihnen Virtuosen\nvon 4 bis 17 Jahren sind.\nPianisten, welche in Paris vom 1. Januar bis\n30. April 1854 öffentlich gespielt haben.\nA. Damen.\nMadame Farrenc.\n„ Deloffre. :•\n„ Louise Mattmann.\n„ Tardieu (Malleville).\n„ Pleyel.\n„ Abel.\nDemoiselle Marie Mira. *\n„ Louise Contamin. *\n„ Langlümee.*\n„ Sophie Dulcken.\n~ Wilhelmine Claus s.\n„ Octavie Hers ant. *\n„ Rosalie Roux. *\n„ Azeline Vautier. *\n„ Nege 1e n.\n„ Marie Galtier.* (8 Jahre alt.)"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.4", "texte": "Prinzessin Czartorvska. *\n«j\nDemoiselle Josephine Martin.\n„ Laura Dancia.\n„ F1 o r e n s.\n„ Judith Lion.\n„ Rosa Kastner.\n„ Sophie L a c o u t. * (9 Jahre.)\n„ Louise Guenee.*\n„ Nina P ol a k.\nOctavie Passerieu.\n„ Ida B o u 11 e e. *\n„ Louise S c h e i b e 1. ' (6 Jahre.)\n„ Adrienne P i c a r t.\n\" Philibert.\n„ Mariquita de Biarrote (Spanierin).\n„• Rosa Baraibar* (Spanierin, 4/2 J. alt).\nB. Herren.\nH. Herz. Em. Albert.\nCam. Stamaty. C. Billema.\nBrisson. R. Billema.\nEm. Prüdent. L. Lambert.\nJak. Blumenthal. Gottschalk.\nC. Evers. Tellefsen.\nRavina. Ad. Schimon.\nLefebure-W elv. Membree. ;\nSt. Heller. Lecouppey.\nL. L a c o m b e. Anat. Petit.\nGeo. Mathias. Marmontel.\nTheod. Ritter * (9 Jahre). E. H a b e r b i e r.\nF u m a g a 11 i.. Herrenschneider.\nC.Mehle. Ed. Wolf.\nPaul D o 11 i n g e n * (11 J.). F. II i 11er.\nGoria. J. M. Rosenhain.\nKetterer. , Cam. Saint-Saens.\nCh. V o s s. Ranieri V i 1 a n o v a.\nJ.Ascher. Ad.Blanc.\nRhein. Ad. Reichel.\nRob. Goldbeck. . W. Krüger.\nL.Hall. . Jul. Schulhoff.\nDas sind in Summa 76, und zwar 25 Deutsche (6\nDamen und 19 Herren), 2 Spanierinnen, 6 Italiäner, 1\nPolin und 43 Franzosen (worunter 24 Damen). Von allen\nGenannten sind 57 58 hier ansässig. Schlägt man die-\njenigen an, die ich zu notiren vergessen habe, ferner 15 20\naus den letzten Monaten des vorigen Jahres, so haben wir\nun Escadron sacrc von mehr als 100 Con cert-Pianisten.\nNimm dazu an 2—300 miltelmässige Spieler und Cla-\nvierlehrer und an 3-4000 Dilettanten, und Du hast eine\nArmee von Schlagfertigen!\n\nB. P.\n\nMusica sacra.\nI.\nWir wissen fast eben so wenig von der Geschichte\nder Musik in Spanien, als von den musicalischen Zustän-\nden der Gegenwart in diesem Laude. Kaum erinnert man\nsich, dass schon vor Palestrina Spanien in Cr ist oval Mo-\nral es und Bartolomeo Escobedo bedeutende Kir-\nchen-Componistenbesass, und dass Thoma de Yittoria\nund Francisco Guerrero Zeitgenossen jenes italiäni-\nschen Meisters waren. Seitdem ist nur geringe oder gar\nkeine Kunde über die Pyrenäen gekommen, ob die Kirchen-\nmusik in diesem Lande noch ihre Gönner und Vertreter\nhabe, und ob irgend ein Name eines Componisten durch-\ngedrungen sei zu allgemeiner Anerkennung wenigstens in\nseinem Vaterlande. Sind die reichlich ausgestatteten Capell-\nmeister- und Organisten-Stellen an den Kathedralen und\ngrossen Klöstern in den politischen Stürmen untergegan-\ngen? Verschmäht die Geistlichkeit die Mitwirkung der Ton-\nkunst beim Cultus? Ist die Anlage und der Sinn-im Volke\nfür diese ernste Gattung der Musik verloren gegangen ?\nWir vermögen diese Fragen zur Zeit nicht genügend\nzu beantworten; sie scheinen aber verneint werden zu müs-\nsen, wenn wir erfahren, dass sich in Madrid eine Gesell-\nschaft zur Herausgabe einer Sammlung von geistlicher Mu-\nsik gebildet hat, in welche nur Werke spanischer Compo-\nnisten aufgenommen werden sollen. Sie führt den Titel:\nLi ra Sacro-H isp an a. Gran colleccion de obras\nde musica religiosa,\ntados maestros espanoles\nlarion Eslava. 1853.\nEs sind bereits mehrere Lieferungen erschienen. Das\nWerk ist in vier Abtheilungen nach den Jahrhunderten ge-\ntheilt, so dass die Compositionen aus dem XVI., XVII.,\nXVIII. und XIX. Jahrhundert je einen Band oder eine Reihe\nvon zusammengehörigen Bänden bilden. Die bisherigen\nLieferungen bringen Beiträge zu allen vier Abtheilungen,\nund in derselben Weise wird fortgefahren werden.\nAus dem XVI. Jahrhundert erhalten wir eine Messe\nvon Thoma Luis de Vittoria, den man zu seiner Zeit\nel mono de Palestrina,den Affen von Palestrina, nannte,\nwas jedoch mehr ein Lob als ein Tadel sein sollte, wie\ndenn auch der gelehrte Abbate Baini namentlich in dessen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.5", "texte": "Missae brevesihn dem Italiäner gleichstellt. Die vorliegende\nMesse ist vierstimmig ohne Instrumental-Begleitung und\nauf den Chorgesang von Ave Maris Stella gearbeitet.\nAus dem XYSI. Jahrhundert erhalten wir zwei Messen\nvon bis jetzt unbekannten spanischen Componisten: eine\nMissa brcvisvon Don Diego Ponta c, vierstimmig\npella, über die Psalmodie In exilu Israel, und eine grosse\nMesse von Don Carlos Patino, Capellmeister an der\nKirche De la Incarnacion in Madrid, achtstimmig mit Basso\ncontinuo, ebenfalls auf das Thema eines Kirchenliedes gear-\nbeitet. Die beiden Chöre sind wohl disponirt, und die Har-\nmonie ist sehr correct; das Ganze scheint aber doch etwas\nmonoton.\nDie Composition aus dem XVIII. Jahrhundert ist eine\nTodtenmesse von dem ebenfalls unbekannten Don Jose\nde Nebra. Sie ist über den Kirchengesang geschrieben,\nwelcher den Introiluszum Req bildet, und zwar acht-\nstimncig und mit Begleitung von zwei Violinen, Alto, Bass\nund zwei Flöten. Die Instrumente gehen in der Begel\nmit den Singstimmen, doch hemerkt man hier und da schon\neinige gelungene selbstständige Intentionen. Der erste Chor\nist für zwei Soprane, Alt und Tenor geschrieben, der zweite\nfür die vier gewöhnlichen Stimmen. Es ist ein merkwürdi-\nges und verdienstvolles Werk.\nDie Lieferung für das XIX. Jahrhundert ist die stärkste,\nenthält aber nur Compositionen eines Componisten, näm-\nlich des Don Hilarion Eslava, in dessen Hände die\nLeitung der Herausgabe des Ganzen gelegt ist. Don Es-\nlava, früher Capellmeister an der Kathedrale von Sevilla,\nbekleidet dieselbe Stelle an der Capelle der Königin in\nMadrid. Er gibt uns hier ein Te Deum, vierstimmig mit\nOrchester-Begleitung, mit freier Benutzung des Ambrosiani-\nschen Lobgesangs, dessen Melodie zuweilen von einer zwei-\nten Bassstimme, wodurch der Chor alsdann fünfstimmig\nwird, geführt wird. Darauf folgen zwei vierstimmige und\neine achtstimmige Motette ohne Begleitung, endlich noch\neine grosse Todtenmesse für achtstimmigen Chor und Or-\nchester Alle diese Werke geben Zeugniss von gründlichem\nmusicalischen Wissen, fleissigem Studium des Stils der al-\nten Schulen und lobenswerther Beherrschung der Form\nund der Mittel; sie sichern dem spanischen Tonkünstler\neinen ehrenvollen Platz unter den Componisten der Ge-\ngenwart. • ' '\n(Schluss folgt.)\n\nLondoner Briefe.\n\nDen 30. April 1854.\nDas Concert der philharmonischen Gesell-\nschaft am 24. April war durch Wahl und Ausführung\nder Musikstücke sehr interessant. Es wurde mit einer Sin-\nfonie (Manuscript) von J. Bosenhain, dem bekannten\nPianisten und Componisten, eröffnet. Das Werk ist hübsch\nund verständig geschrieben und geschickt instrumentirt,\naber weder durch Originalität der Gedanken, noch durch\nneue Wirkungen oder echte Inspiration ausgezeichnet. Der\nerste Satz und das Scherzo sind am gelungensten, letzteres\nunter sehr deutlichem Einflüsse Mendelssohn's entstanden.\nWir billigen übrigens, dass die Direction endlich von ihrem\nstereotypen Musik-Catalog abweicht und ein Werk der Ge-\ngenwart vorführt, wenngleich die Zuhörer, an die Pro-\ngramme des alten Raths gewöhnt, es kalt aufnahmen. Frei-\nlich hätte man auch lieber eine Sinfonie von Schumann,\nGade oder Hiller wählen können. Ausserdem wurden von\nOrchester-Werken aufgeführt: Mendels soh n' s Fingals-\nhöhle, Beethoven's B-dur-Sinfonie Nr. IV und Ons-\nlow's Colporteur-Ouverture. Das genannte Mendelssohn'-\nsche Werk hält die hiesige Kennerschaft, und wohl nicht\nmit Unrecht, für die beste der Concert-Ouverturen des\nMeisters. \"\nMolique trug sein A-moll-vor, eine Compo-\nsition, welche besonders reich an Schönheiten und wir-\nkungsvollen Stellen für die Violine ist. Er wurde mit dem\nlebhaftesten Beifallsrufe begrüsst und am Schlüsse enthu-\nsiastisch applaudirt, und hat auch wohl selten mit mehr\nAnmuth, edlerem Ausdruck, reinerem Tone und vollende-\nterer Technik gespielt. Der Gesang war durch Frau Clara\nNovello (welche- die grosse Scene aus Gluck's Alceste:\n»Nein, in den Tod % mit. deutschem Text sang) und\nHerrn Beletti (Arie des Grafen aus Figaro: „\ntr'io sospiro\")sehr gut vertreten.\nUnter dem Titel: „Modern\ntions and Criticisms\", hat Chor 1e y. ein zweibändiges\nBuch herausgegeben, welches die Frucht seiner musicali-\nschen Beobachtungen während seines Aufenthaltes in\nDeutschland ist. Trotz des Titels\nsucht man über die neueste Bewegung auf dem deutschen\nMusikfelde vergebens Nachricht oder interessante Ansich-\nten, indem Herr Chorlev mit Mendelssohn's Tode abschliesst.\n7\nDas Schluss-Capitel, welches über diesen Tod berichtet und\nBetrachtungen über Mendelssohn's Verdienst und Einfluss\nenthält, ist der beste Abschnitt des ganzen Buches, wel-\nches sonst eine Menge, theils sehr bekannter, theils sehr"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.6", "texte": "gleichgültiger Dinge enthält und mit Erzählungen von lang-\nweiligen Reise-Begegnissen, Sitten-Schilderungen der Deut-\nschen nach Postwagen- und Table-d'höte-Erfahrungen und\neinem bunten Allerlei gespickt ist, das mit der Musik\nnichts zu thun hat. Das kritische Urtheil des Herrn Chor-\nley möchten wir keineswegs für unfehlbar halten, obwohl\ner sehr häufig mit grossem Selbstvertrauen wie vom Ka-\ntheder herab spricht. Wer z. B. Mozart's Melodieen nicht\ndurch unnöthige und gekünstelte Verzierungen verunstaltet\nwissen will, ist ihm „ein Purist\" ; Uübitscheff und je-\nder, der in Mozart's Quartetten und Quintetten und in\ndessen Sinfonieen die reinste und schönste Form findet, ist\n- „ein Formalist\"; wer sich aber für Beethoven's letzte\nWerke begeistern kann, ist „ein Rhapsodist\" !?\nUebri gens spricht er über Alles und Jedes und noch\nüber etwas mehr, über Job. Seb. Bach („den Ben Johnson\nunter den Musikern !!), Händel, Beethoven, Strauss, May-\nseder, die Tanzmusik im wiener Sperl, Concerte im Ge-\nwandhaus zu Leipzig, u. s. w. u. s. w. Beiläufig lällt es\nihm auch ein, vor Beethoven's neunter Sinfonie und seinen\ngrossen Quartetten zu warnen, Spohr herabzusetzen, einige\nFlanken-Angriffe auf Schumann und Wagner zu machen,\naber trotzdem Liszt auf den Schild zu heben. Der Stil ist\nmeist gewöhnlich, oft aber barock und unverständlich.\nNur dasSchluss-Capitel, „Die letzten Tage Mendelssohn's\",\nist mit Wärme und verständiger Würdigung des dahinge-\nschiedenen Meisters geschrieben.\nAm 27. April trat Sophie Cruvelli in Covent-\ngarden als Desdemona in Rossini's Othello zum ersten\nMale auf. Ihre Leistung in dieser Rolle hat zunächst das\nunbestreitbare Verdienst der Originalität; es ist keineswegs\neine Nachahmung der Grisi und zeigte Schönheiten in der\nAuffassung, welche nur dem Genie entspringen können, und\nVorzüge in der Ausführung, welche eine warme Liebe zu\nihrem Berufe und ein sehr fleissiges Studium ihrer Kunst\nbekunden. Der erste Act war der schwächste; aber im\nzweiten und dritten entfaltete sie ein grosses dramatisches\nTalent, und bewies durch ihren Gesang, dass sie jetzt mehr\nMaass zu halten versteht, dass sie eine richtigere Behand-\nlung ihrer gewaltigen Mittel kennen gelernt hat. Am Ende\ndes zweiten Actes wurde sie bei offener Scene gerufen. Ihre\nDesdemona war, wenn auch nicht frei von Mängeln, wozu\nwir, trotz der oben ausgesprochenen Anerkennung eines\nFortschrittes in dieser Hinsicht, immer noch das zuweilen\nurplötzliche Hervorbrechen eines durch die Kunst nicht be-\nrechtigten, zu lebhaften Gefühls und das ebenfalls unkünst-\nlerische Verweilen auf den Vorhalten rechnen eine Dar-\nStellung von hohem Werthe, durchweg anziehend und meist\nhinreissend. Tamberlik's Othello ist wohl die grösste\nund vollkommenste Leistung dieses dramatischen Sängers.\nDie Königin Victoria und Prinz Albert wohnten der Vor-\nstellung von Anfang bis zu Ende bei.\nEine doppelt merkwürdige Vorstellung auf dem Dru-\nryla ne - Theater war der Freischütz, erstens weil es\ndie erste Oper in deutscher Sprache war, welche von der\nneuen Gesellschaft gegeben wurde, und zweitens, weil\nForm es, der grosse Liebling des londoner Pubücums,\ndarin auftrat. Er wurde mit einstimmigem, lang anhalten-\ndem Beifalle begrüsst; und in der That, es kann keinen\nSänger geben, der den wild-romantischen Charakter und die\nTeufels-Natur dieses Caspar so poetisch zur Anschauung\nbringt, wie Formes, dessen unvergleichliche Bassstimme die\nWeber'sehe Musik erst in ihrem ganzen vollen Werthe und\nGlänze zeigt. R eichart ist ein sinniger Darsteller des Max\nund ein gebildeter Sänger; er wurde auch sehr freundlich\nempfangen. Die Caradori als Agathe (das Gebet „Leise,\nleise\" wurde da capo verlangt, und am Schlüsse der Arie\nwurde die Sängerin gerufen), die Sedla tz e k als Aenn-\nchen, Hölzl als Ottokar waren trefflich. Das Publicum\nwar fortwährend in Enthusiasmus; von Gesammtstücken muss-\nten die Ouvertüre (Lindpai ntner dirigirte) und der Jä-\ngerchor wiederholt werden, und am Schlüsse der Vorstel-\nlung wurden die Caradori und Formes und dann Alle stür-\no\nmisch gerufen.\n\nC. A.\n\nAus Kassel.\n\nAm 8. April kam die neu einstudirte Oper „Faust\"\nvon Spohr mit den vom Componisten hinzugefügten neuen\nRecitativen und Zusätzen wiederholt zur Aufführung und\nerfreute sich vielen und verdienten Beifalls von Seiten des\nzahlreich versammelten Pubücums. Die neuen Recitative\nsind an die Stelle des bisher in der Oper enthaltenen Dia-\nlogs getreten, und die früher zweiactige ist nun in eine\ndreiactige Oper umgestaltet worden, wobei der erste Act\nhinsichtlich seines Umfanges unverändert geblieben ist, da-\ngegen der zweite mit dem Tode Hugo's und der dritte mit\nFaust's Höllenfahrt schliesst. Einer der bedeutendsten Zu-\nsätze ist die Introduction des dritten Actes, gebildet aus\nvorhergehenden Motiven, deren Beziehung auf einzelne\nScenen des zweiten Actes bekannt ist.\nWas nun die Einführung der neuen Recitative betrifft,\nso ist nicht zu läugnen, dass die Oper dadurch an innerem\nmusicalischen Zusammenhang gewonnen hat, indem die frü-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.7", "texte": "her durch den Dialog getrennten Musikstücke jetzt mit\neinander verbunden sind und das Unnatürliche und ästhetisch\nUnzulässige des momentan wechselnden, theils gesanglichen,\ntheils sprachlichen Ausdrucks wegfällt. Aber der an sich\nunbedeutende Text, in so weit er bisher den Dialog bildete,\nist weder seiner Form, noch seinem Inhalte nach für die\nmusicalische Bearbeitung geeignet, und wenngleich manches\nGehaltlose durch die Musik verdeckt erscheint, so ist doch\nAnderes eben dadurch weit mehr als früher hervorgeho-\nben, namentlich das, was, obwohl abstract, doch nicht eben\ngeistreich ist und theihveise über das Gebiet des durch\nMusik Auszudrückenden hinausgeht.\nNur ein so hochbegabter Tonmeister wie Spohr\nkonnte da Ausgleichungen versuchen und vermochte Schwie-\nrigkeiten eigentümlicher Art zu besiegen, wo der Inhalt\no v? w\ndes Textes die Musik, als dessen Gegenbild, gleichsam von\nsich stösst. So beispielsweise der den dritten Act eröffnende\nMonolog des Mephistopheles: „Wie bin ich dieser Men-\nschenmaske satt!\", welcher in Recitativ-F orm gehalten ist\nund der grossen Arie: „Stille noch dies Wuthverlangen\",\nvorhergeht, die, gleich der Kunigundens: „Ja, ich fühl' es\",\nim ersten Acte, als ein für alle Zeiten gültiges Musikstück\nzu bezeichnen ist. Der eben erwähnte Monolog ist kein\nVorwurf für die musicalische Composition, und hier wäre\nzum Vorthei! des übrigen, so unvergleichlich Schönen der\nganzen Oper, welche wir als die phantasiereichste Spohr's\nbezeichnen möchten, eine bedeutende Verkürzung und\ngünstigere formelle Gestaltung zu wünschen gewesen. Auch\nhätten sich, unserer unmaassgeblichen Ansicht nach, zum\nVortheil der Totalwirkung der Recitativ-Sätze wohl an noch\nzwei anderen Stellen des ersten Actes, nämlich vor dem\nDuett: „Folg' dem Freunde mit Vertrauen\", wie auch\ndem Terzett: „Ich kann nicht ruh'n, ich kann nicht rasten\",\nText-Verkürzungen anbringen lassen.\nDavon abgesehen, so möchte wohl keiner der jetzt le-\nbenden Componisten im Stande sein, eine Opern-Musik zu\nschaffen, die an Gediegenheit und nachhaltig anziehender\nWirkung der Musik zu „Faust\" auch nur annähernd gleich-\nkäme. Von dieser Ueberzeugung waren wohl alle Mitwir-\nkenden durchdrungen und von hoher Begeisterung für das\nvortreffliche Tonwerk erfüllt. Sänger und Orchester waren\nnach Kräften um das Gelingen der Aufführung der Oper\nbemüht, nur waren die Gesangskräfte leider nicht für alle\nPartieen vollkommen ausreichend.\nDie Haupt-Partieen befanden sich in den Händen der\nDamen Bamberg (Kunigunde) und Amen dt (Röschen)\nund der Herren Schloss (Hugo), Curti (Franz), Biber-\nIi oTer (Faust) und Thomasczek (Mephistopheles).\n\nO. K.\n\nNachricht über das Niederrheinische\nMusikfest in Aachen.\nFest-Dirigent: Hof-Capellmeister vOll Lindpaintner. Chor-\nDirigent: Städtischer Musik-Dircctor von Turanvi.\nA uff ühr u n g a m 4. Juni: Ouvertüre zu Iphigenie i n\nAulis von Gluck. Israel in Egypten von Händel. (Die Soli\nhaben übernommen: Frau Sophie Förster Sopran, Frau Fin-\ndorff Alt, Herr Schlösser Tenor, die Herren Pischek und\nBüsscl Bass.)\nAufführung am 5. Juni: Ouvertüre zur Genueserin von\nv. Lindpaintner. Finale zum Vampyr von Demselben. Sinfonie\nvon Beethoven in A-dur. Ouvertüre zu Anacreon von Cheru-\nbim*. David de penil etile von Mozart. (Die Soli werden vorge-\ntragen von den Damen Caradori und Förster, so wie von den\nHerren Schlösser, Pischck und Büsscl.)\nAm 6. Juni wird noch ein Concert gegeben, welches mit der\nOuvertüre zum Sommernachtstraum von Mendelssohn beginnt\nund mit einem Chor aus Israel schliesst. Herr Vieuxtemps\nwird darin sein grosses Violin-Concert in D-moll, so wrie „Le\nstreghe\" von Paganini, und Herr von Turanyi das Pianoforte-\nConcert in Es-dur von Beethoven spielen. Von den vorzutragenden\nSolo-Gesängen sind bis jetzt ausgewählt: Kirchen-Arie von Alcs-\nsandro Stradella (Frau Förster), Arie von Vincenz Lachncr (Herr\nSchlösser), Arie in E-dur aus Hans Ilciling von Marschner (Herr\nPischek). Die weiteren Gesangstücke sind noch vorbehalten.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöln. Am Dinstag den 2. d. Mts. war die letzte Soiree\nfür Kammermusik im Hotel Disch. Wir hörten zwei \\iolin-\nQuartette, eins von Haydn (B-dur) und eins von Beethoven\n{A~dur, Op. 18), welche das Ciavier-Quartett von Ro b. Schu-\nmann, Op. 47, in die Mitte nahmen. Herr Th. Pixis, dem ein\nneidischer Dämon, wahrscheinlich ein Verwandter desjenigen, der\neinst dem Tartini erschien, einen Rheumatismus in den Arm ge-\nhext hatte, der uns den geschätzten Künstler eine geraume Zeit\ndurch für die Mitwirkung zu öffentlichen Productioncn entzog,\nspielte wieder die erste Violine, und zwar mit ganz vorzüglichem\nAusdruck, wie denn überhaupt beide Quartette, und namentlich\ndas Beethoven'sche, von allen vier Künstlern trefflich ausgeführt\nwurden. Die Krone war der Vortrag der herrlichen Variationen\ndes Andante in D-dur von Beethoven.\nDie Clavier-Partie hatte diesen Abend Herr C. Reinecke\nübernommen, und somit war sie allerdings in Meisterhänden; aber\ndie Wahl des Schumann'schen Quartetts von seiner Seite können\nwir nicht billigen. Der Künstler muss seine Zuhörerschaft kennen;\nalle bisherigen Versuche, das hiesige Publicum für Schumann'sche\nClavier-Musik zu gewinnen, sind gescheitert; es bleibt kalt dabei,\nund wir können es nicht läugnen es geht uns und fast allen\nhiesigen Musikern eben so. Wir können darin keine geniale, son-\ndern nur eine gesuchte Neuheit finden; wir vermissen iluss und\nGuss im Ganzen und das beseelende Element der eigentlichen\nMusik im Einzelnen, d. h. in den Themen und Motiven, wofür uns\neine absonderliche Rhythmik und eine phantasielose, contrapunkti-\nsche Arbeit keineswegs entschädigt. Das Alles ist grösstenthcils\nMusik für die Augen und nimmt sich in der Partitur recht artig\naus: es hat aber keine Lebensfähigkeit in sich, es klingt nicht, und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540506-01.1.8", "texte": "so lange wir uns bei dem Mangel alles sinnlichen Reizes kein\nKunstwerk denken können, so lange werden uns auch dergleichen\nTonwerke des Verstandes nicht befriedigen. Was nicht aus dem\nHerzen kommt, dringt auch nicht zum Herzen.\nZum Schluss des Abends spielte Herr Carl Rein ecke die\nallerliebsten Variationen von Händel mit einer Rundung\nund Eleganz in der Applicatur beider Hände, welche ganz\nvorzüglich ansprach. In dem Vortrage der Mozart'sehen F-moll-\nPhantasie für vier Hände, von Th. Kullak für zwei Hände einge-\nrichtet, zeigte er eine ausserordentliche Bravour. Möge der uns so\nwerth gewordene, verdienstvolle Künstler, der uns nun leider bald\nverlässt, recht oft zu uns zurückkehren, um uns den freudigen Ge-\nnuss an seinem schönen Talente zu bieten.\nIn der letzten Versammlung der musicalischen Gesell-\nschaft wurde eine Sinfonie von Schnyder von Warten-\nsee (C-moll und C-dur, mit der „Erinnerung an Haydn\" im letzten\nSatze) aufgeführt, und gewann durch ihre Klarheit und als Beweis\neines tüchtigen musicalischen Wissens des Componisten Beifall.\n* Fraiilifiirl 11., 1. Mai. Echte Kunst in schöner Dar-\nstellung findet überall sichere Würdigung. Das sehen wir jetzt\nwieder an Fräulein Jenny Ney, die nun bei uns Triumpfe feiert.\nWelch schöne Stimme! welch ein edler, tief durchdachter Vortrag!\nwelches Maass in ihren Bewegungen! Seit Frau Köster's Gast-Dar-\nstellungen vor drei Jahren haben wir nichts Aehnliches wieder\ngehört. Norma, Donna Anna und Valentine waren es, die\nsie uns bis heute vorgeführt hat, wesentlich verschiedene Charak-\ntere, wie Gesanges-Aufgaben, aber in allen dreien war sie gleich\ngross nach jeder Seile hin. Wie hoch muss sich die Bedeutung\ndieser Künstlerin erst steigern, wenn sie im Vereine mit anderen\nausgezeichneten Talenten wirkt, Avas denn hier leider nicht der\nFall ist. In der Norma stand ihr allein Fräulein Jenny Hoff-\nmann als Adalgisa würdig zur Seite.\nRieh. Wagner's Lohengrin hat drei Vorstellungen erlebt,\nwelche gut besucht waren.\n*** gdresdeii, 1. Mai. Hector Berlioz hat hier drei Con-\ncertc mit steigendem Beifalle gegeben. Das letzte am 29. April\nbrachte seine Sinfonie mit Chören und Chor-Prolog „Romeo und\nJulie\" und die Legende: „Die Ruhe der heiligen Familie\", ein\nwirklich liebliches, einfaches Ton-Gemälde, das man dem Instru-\nmental-Stürmer Berlioz kaum zutrauen sollte. Der Schluss, ein\nTenor-Solo, wurde von dem Hof-Opernsänger Weix el stor fer\nreizend vorgetragen und musste wiederholt werden. Anfang und\nEnde des Concertes bildeten die zwei Ouvertüren zu Benvenuto\nCellini. Im ersten und zweiten Concerte führte uns der Componist\nsein, musicalisch-dramatisches Werk: „Faust's Verdammung\",\nvor, welches der hiesige Volkswitz mit Hinsicht auf das Drama von\nGöthe „Faust's Verdummung\" getauft hat. Die Local-Kritik fällt\ngewaltig über den Text her, verschüttet aber, was die Musik be-\ntrifft, meiner Meinung nach das Kind mit dem Bade. Trotz aller\nBizarrerie ist doch neben der anerkannten instrumentalen Kunst\nBerlioz's auch die Sicherheit zu rühmen, mit welcher er den Zu-\nhörer gleich mit wenigen Taeten in die gewünschte Stimmung ver-\nsetzt. Es ist das doch mehr als bloss sinnlicher Tonreiz. Uebrr-\nhaupt, was poetische Intention und technische Factur betrifft, steht\nBerlioz immer noch weit über dem oft nur dilettantischen Richard\nWagner, mit dem man ihn unrechter Weise allzu sehr vergleicht.\nViel näher steht er dem Guten, was R. Schumann hat.\n** Biübeck. 29. April. Hitlers „Zerstörung von Jeru-\nsalem\" ist hier im März durch unseren wackeren Capellmeister\nIle rrmann mit grosser Lust und Liebe einstudirt worden und\nhat bei der Aufführung einen grossen Erfolg gehabt. Herr\nSchüttky aus Hamburg (gegenwärtig in Stuttgart) riss durch\nden herrlichen Vortrag der Partie des Jeremias ganz ausnehmend\nhin, das ganze Werk machte einen ausserordentlichen Eindruck,\nund alle Welt bedauerte, dass es nicht mit derselben Besetzung\nnoch einmal gegeben werden konnte. Auf allgemeines Verlangen\nmussten aber in dem letzten Abonnements-Concerte mehrere Num-\nmern daraus wiederholt werden."}]}