{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-05-13-01", "volume": "bmtnabi_1854-05-13_01", "ocr_sha256": "4dc1f351ae53786dd457c043a85dde3d1f2efebbbb3a1b9000f16bda73d67913", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/05/13_01/bmtnabi_1854-05-13_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-05-13-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-05-13_01#c001", "volume": "bmtnabi_1854-05-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "147", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.2.1", "titre_corps": "Musica sacra.", "titre_sommaire": "Musica sacra.", "signature_source": "Fetis", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3695, "texte": "Musica sacra.\n\nII.\n(Schluss. S. Nr. 18)\nDas Studium der Geschichte der Musik nach Original-\nQuellen und authentischen Denkmälern der Kunst wird\nnach und nach durch die eifrigen Bemühungen gründlicher\nForscher und Sammler auf dem Gebiete der Kirchenmusik\nerleichtert.\nSchon der Pater Martini sah ein, dass ein erfolg-\nreiches Eindringen in die historische Ausbildung der Ton-\nkunst ohne Bekanntschaft mit den «älteren Compositionen\nunmöglich sei; allein was er davon veröffentlichte ist zu\nfragmentarisch, und die verschiedenen Perioden sind nicht\ngehörig erkannt und gesondert. Denselben Vorwurf kann\nman der Sammlung von Paolucci machen, in welcher\nebenfalls eine grosse Verwirrung in der Classificirung\nherrscht. In den ersten Jahren des neunzehnten Jahrhun-\nderts fasste der Hofrath Sonnleithner in Wien einen\nPlan zu einer umfassenden Sammlung von musicalischen\nDenkmälern, welche nicht weniger als sechszig Foliobände\nfüllen sollte. Er gewann für sein kolossales Unternehmen\nden berühmten Forkel, und dieser begann damit, die\nMessen in Partitur zu setzen, welche das sehr seltene Buch\nLiber quindecim Missarumenthielt, Compositionen von\nMeistern der alten niederländischen Schule. Der Stich\nwurde in Leipzig begonnen und war so gut wie vollendet,\nals der unglückliche Krieg von 1806 die französischen\nHeere nach Norddeutschland führte. Die Platten fielen\ndurch einen sonderbaren Zufall einem unwissenden franzö-\nsischen Officier in die Hände, der nichts Eiligeres zu thun\nwusste, als Kugeln daraus giessen zu lassen. So war das\nUnternehmen in der Geburt erstickt. Einen einzigen Abzug\nhatte Forkel Behufs der Correctur erhalten; er sammelte\ndie Bogen und vereinigte sie zu einem Bande, welcher jetzt\nEigenthum der königlichen Bibliothek zu Berlin ist und\nschätzbare Monumente aus dem lünfzehnten Jahrhundert\nenthält.\nSeitdem wurden mehrere Sammlungen alter Denkmä-\nler der Tonkunst mit mehr oder weniger Kenntniss der\nSache und mit mehr oder weniger Glück unternommen.\nDie meisten jedoch beschränkten sich auf Werke des XVf.\nJahrhunderts. Rochlitz veranstaltete in Leipzig eine\nsolche, welche es bis auf mehrere Lieferungen brachte; der\nAbt Alfieri gab in Italien mehrere Werke von Palestrina\nin Partitur heraus. In unseren Tagen hat Co mm er in\nBerlin bekanntlich sehr werthvolle Sammlungen herausge-\ngeben, die eine, welche die niederländische Schule enthält,\nauf Kosten der niederländischen Gesellschaft zur Beförde-\nr\nrung der Tonkunst. Auch der gelehrte Custos der musica-\nlischen Abtheilung der berliner Bibliothek, Dehn, beschäf-\ntigt sich mit einer ähnlichen Arbeit, und die Schlesinger'-\nsche Verlagshandlung hat eine Sammlung unter dem Titel\nMusica sacrabegonnen.\nZu den bedeutendsten Erscheinungen der Zeit in die-\nsem Fache gehört das Unternehmen des Canonicus Karl\nProske in Regensburg, wovon Ende vorigen Jahres der\nerste Band erschienen ist. Er führt den Titel:\nMusica D i vina, sive Th es au rus concentuum se-\nleclissimorum, omni cultui divino totius ahni juxta\nritum sanclae Ecclesiae catholicae inservienlium,\nab excellentissimis superioris aevi musicis numeris\nharmonicis compositorum\nnalibus tarn editis quam ineditis accuratissime in\npartitionem redactos ad instanrandam polyphoniam\nvere ecclesiasticam,publiceoffert Carolus Proske.\nAnnus primus, Harmonias IV. vocurn conlinens.\nTom. 1. Liber missarum 1853. 4\nDer Herr Herausgeber beschäftigt sich seit dreissig\nJahren mit dem Studium der alten Meister der italiäni-\nschen, niederländischen und deutschen Schule. Er hat in\nseiner Bibliothek eine grosse Menge Werke derselben ge-\nsammelt, um sie in Partitur zu schreiben, nachdem er sich\nlange in Italien aufgehalten und die dortigen Kirchen-Ar-\nchive durchforscht hat."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4932, "texte": "Die Sammlung wird die vier- bis sechszehnstimmigen\nRirchen-Compositionen der berühmtesten Tonsetzer vom\nEnde des XV. bis zum XVII. Jahrhundert einschliesslich\numfassen. Sie wird in Jahrgängen erscheinen; jeder Jahr-\ngang soll vier Bände Partituren und ausgesetzte Stimmen\nenthalten. Jeder Band wird Werke einer Gattung bringen.\nDer erste enthält zwölf vierstimmige Messen und zugleich\nzwölf Hefte Stimmen. Darauf sollen die vierstimmigen Mo-\ntetten, Magnificals u. s. w. folgen dann die fünf- und\nso fort bis zu den sechszehnstimmigen Compositionen. Jeder\nBand enthält eine bibliographische und historische Einlei-\ntung; beim ersten Bande füllt dieselbe nicht weniger als\nsiebenzig Quartseiten.\nDer erste Band enthält drei Messen von Palestrina,\nzwei von Lassus, eine von Vittoria, eine von A. Ga-\nbriel i, eine von Joh. Leo Hasler, eine vonPitoni,\neine von Lo 11 i, ein Requiem von Aso 1 a und eins von\nP i t o n i.\nDie erste Messe von Palestrina ist eine von den\nam wenigsten bekannten; es ist die Missa brevis, welche\naus dem dritten Theile der Sammlung von getrennten Stim-\nmen, herausgegeben in Rom von den Gebrüdern Dorici\n1570, in Folio, genommen ist. Herr Proske hat die alten\nSchlüssel (namentlich den C-Schlüssel auf der zweiten und\nden F-Schlüssel auf der dritten Linie) und die alte Notirung\nin die heutige Schreibart übertragen. Jede Nummer ist\nauch von ihm metronomisirt worden. |Wir halten\ndieses für sehr zweckmässig, ja selbst vorausgesetzt,\ndass nicht immer das ganz entsprechende Zeitmaass getrof-\nfen wäre —, doch lür dos einzige Mittel, diesen älteren\nCompositionen durch Regelung und Uebereinstimmung des\nVortrags, wenigstens in einer Hauptbedingung desselben,\nEingang und Verbreitung zu verschaffen. Die Redact.]\nAuch an Bemerkungen und Fingerzeigen für den declama-\ntorischen und dynamischen Vortrag fehlt es nicht. Dieselbe\nBehandlung findet sich bei allen folgenden Messen.\nDie zweite, Iste confcssor,ist bekannter; es sind von\nihr eine Menge Abschriften vorhanden, und sie steht auch\nin dem lünften Buche der gedruckten Messen Palestrina's.\nSie ist eine der schönsten und besonders durch die Kunst\nberühmt, mit welcher rie Stimmen sich in dem Umfange\nvon höchstens einer Oclave bewegen.\nDie dritte, Dies sanctißcatus,ist selten von den älteren\ntheoretischen Schriftstellern angeführt worden, ist aber\nnichts desto weniger von grossem Interesse. Das ist\nein Meisterstück, namentlich das Quartett auf Crucifixus\nfür zwei Soprani und zwei Alti; auch das Quartett des\nBenediclus ist vortrefflich.\nDie erste Messe von Lassus (im achten Kirchentone)\nist in sehr kurzer Form geschrieben. Die Harmonie ist sehr\nrein, allein sonst bietet das Werk für das Studium nicht\nviel Interesse dar. Was Anderes ist es mit der zweiten\nMesse desselben Meisters, welche über das französische\nLied: Puisque j'ai perdu,in grösseren Proportionen ge-\nschrieben ist. Lassus' Stil ist sehr verschieden von dem\nStil Palestrina's. Man findet bei ihm weder dieselben ge-\nsuchten Formen, noch dasselbe Talent, interessante Episo-\nden in scheinbar unbedeutenden Phrasen zu erfinden; aber\nLassus hat mehr Phantasie, mehr Kühnheit und mehr Ge-\nsammt-Effect. Er legt weniger Werth auf den Reichthum\nan Imitationen; aber wenn er sie anwendet, versteht er\nihnen hinreissendes Leben zu verleihen, wie z. B. in dem\nzweiten Kyi de dieser Messe. In der Rhythmik ist Lassus\nauch seinen Zeitgenossen vorausgeeilt. Der Rhythmus ist\nin seinen Compositionen mehr ausgeprägt und charakteristi-\nscher, als bei Palestrina. Lassusist, in Vergleich zu Pa-\nlestrina, gewisser Maassen der Romantiker seiner Zeit in\nder Kirchenmusik.\nThomas Luis de Vittoria (Vergl. Art. I, in Nr.\n18), der spanische Componist, zeigt sich in der hier ge-\ndruckt vorliegenden Messe den grössten Meistern eben-\nbürtig. Der Charakter der Melodie und Harmonie ist voll\nSalbung, der Contrapunkt breit und feierlich behandelt, und\nobwohl ganz und gar im vierten Kirchentone gehalten, ent-\nhält sie doch nichts, was unsere an das neue Ton-Svstem\ngewöhnten Ohren verletzte. Eines der merkwürdigsten\nStücke ist das Agnus Dei, fünfstimmig, in welchem der\nerste und zweite Sopran einen Canon im Unisono durch-\nführen, der so glücklich gemacht ist, dass man ihn über\ndem melodisch und harmonisch trefflichen religiösen Aus-\ndruck des Ganzen fast kaum bemerkt.\nDie siebente Nummer ist eine kurze Messe von An-\ndrea Gabrieli. Der canonische Stil herrscht nur in dem\nKyrie, Cliriste, Sanclus, Benedictusund im\nria und Credo ist der Stil frei und fliessend.\nJohann Leo Hasler oder Hassler, Verfasser der\nachten Messe, war einer der grössten Musiker Deutschlands\nam Ende des XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts.\nSein Stil fliesst, wie bei den meisten Componisten jener\nZeit in Süddeutschland, aus der venetianischen Schule und\nist wesentlich von dem Charakter, den die Musik im pro-\ntestantischen Deutschland annahm, verschieden. Geboren\nzu Nürnberg im Jahre 1564, ging er mit zwanzig Jahren"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3234, "texte": "nach Venedig und wurde A. Gabrieli's Schüler, dessen har-\nmonische Klarheit er sich ganz und gar zu eigen gemacht\nhat. Seine Messe auf die Melodie ist ein schö-\nnes Werk im Geiste seines Lehrers; die Abwechslung des\nimitirenden und des rhythmischen Stils deutet schon auf\neinen bevorstehenden Fortschritt in der Kunst.\nObschon Pi toni, ein Meister der römischen Schule\nund Verfasser der neunten Messe dieser Sammlung\neiner Weihnachts-Messe —, bei Weitem jünger ist als\nHassler, so ist der Stil dieser Messe doch viel trockener\nund monotoner, als bei Jenem, und man begreift nicht recht,\nwas den Herausgeber zur Wahl gerade dieser Messe ver-\nanlasst hat, da man viel bedeutendere Werke von Pitoni\nbesitzt.\nDie zehnte Messe ist von Lotti (f 1 740), dem gros-\nsen venetianischen Componisten, dessen Schreibart uns\nschon näher tritt.\nDas Requiem von Asola ist für Männerstimmen\ngeschrieben. Asola war Priester in Verona und lebte in der\nzweiten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts, was den\nCharakter seiner Schreibart bezeichnet. Die ganze Messe\nhat den römischen Choralgesang zur Basis, und die Prose\nDies irae ist geschrieben, um mit dem Chor, welcher die\neinfache Melodie führt, zu wechseln. Das ganze Wrerk hat\neinen sehr ernsten und schwermüthigen Charakter. Im\ngrellen Gegensatze zu modernen Dramen, welche man\nTodten-Messen nennt, gibt Asola's Werk uns den richtigen\nund tief gefühlten Ausdruck der religiösen Entsagung und\nHingebung, welche der heilige Text ausspricht. Der Heraus-\ngeber hat darauf ein Adoremus le Christe von Vincenzo\nRuffo folgen lassen, dessen Stimmen-Vertheilung und Cha-\nrakter zu der Messe von Asola stimmen.\nDas Requiem von Pitoni ist das letzte Werk in die-\nsem Bande, ein Meisterstück in seiner Gattung. Die Art\nder Auffassung ist durchaus originel und, so viel mir be-\nkannt, von keinem anderen Componisten nachgeahmt wor-\nden. Der Kirchengesang ist, wie bei Asola, die Basis des\nGanzen, aber mit dem Unterschiede, dass die Strophen,\nwelche in schönem und breitem Contrapunkt für den Chor\ngeschrieben sind, mit anderen abwechseln, die als Trios\nfür Solostimmen behandelt sind. Diese letzteren sind in der\nneueren Tonart und Harmonie freien Stils componirt und\nhaben an vielen Stellen Aehnlichkeit mit dem Charakter der\nPsalmen von Marcello. Einige dieser Trios sind für Männer-\nstimmen geschrieben. Es gibt nichts Ausdrucksvolleres und\nKirchlicheres als den Stil dieses schönen, der musicalischen\nWelt bis jetzt unbekannten Werkes.\nDiese kurze Analvse des Inhaltes der neuen Samni^\n%)\nlung wird hinreichen, die Wichtigkeit des Unternehmens\nund die Notwendigkeit der Theilnahme aller Freunde und\nBeförderer der alten Kirchenmusik an demselben darzu-\nthun, welche Theilnahme durch Ankauf des bereits Er-\nschienenen und durch Hinzutreten zu der Unterzeichnung,\nwelche die Fortsetzung der Herausgabe sichert, sich am\nwirksamsten bethätigen wird.\nDie Sammlung ist in dem bequemeren Quart-Format\nnicht gestochen, sondern gedruckt, auch die Noten in\nTypendruck; Beides, Text und Noten, klar und rein und\nauf schönem Papier. Die einzelnen Stimmen jeder Messe\nin besonderem Umschlag kosten nur 4 Groschen, der ganze\nBand (Partitur 450, Stimmen an 350 Seiten) noch nicht\n4 Thaler im Subscriptions-Preise.\n\nFetis."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-05-13-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-05-13_01#c002", "volume": "bmtnabi_1854-05-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "147", "page_fin": "150", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.2.2", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "Severus", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.3", "debut_caractere": 3236, "fin_caractere_exclue": 4856, "texte": "Aus Aachen.\n\nDen 1. Mai 1854.\nIch komme endlich meinem so lange gegebenen Verspre-\nchen nach, Ihnen über das musicalische Leben und Treiben\nin Aachen Einiges für Ihre, den edleren Richtungen der\nmusicalischen Kunst gewidmete und falsche Theoremen,\ndie sich in neuerer Zeit aufdrängen wollen, muthig und er-\nfolgreich bekämpfende Zeitschrift mitzutheilen. Viel Gutes\nwerde ich Ihnen allerdings nicht zu sagen haben; denn, ab-\ngesehen von Männergesang-Vereinen, die hier wie aller-\nwärts blühen, auch recht Tüchtiges in ihrem Fache leisten,\ngeschieht für die höheren Zweige der Musik wenig, und\nman interessirt sich für eine gute Curhaus-Musik während\nder Badezeit mehr, als für die Einrichtung eines stabilen\ngemischten Gesangchors und damit in Verbindung stehen-\nder Concerte, die geeignet wären, den Sinn für das Grosse\nin der Kunst mehr zu verbreiten. Dann sind es leider hier\nwie an manchen anderen Orten die Coterieen, welche ein\nordentliches, einhelliges, musicalisches Leben nicht aufkom-\nmen lassen; bald ist es irgend eine Corporation, welcher\nman mit einem gewissen Fanatismus anhängt, und alles hin-\ntertreibt, was sich dem heissgeliebten Vereine nicht unter-\nordnet oder anschmiegt; bald ist es die Vorliebe für die\neinzelnen dirigirenden Personen, welche die dilettantischen\nKräfte zerklüftet, indem Dieser unter des Einen Leitung,\nJener unter des Anderen Tactstock nicht mitwirken will.\nDas zuhörende musicalische Publicum seinerseits wird da-\ndurch an dem ganzen Treiben irre oder nimmt auch je\nnach den verschiedenen wirkenden Einflüssen Partei, und\ndie Folge davon ist, dass kein Concert, so wenige deren"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5255, "texte": "auch gegeben werden, besucht wird, wie es bei der Grösse\nund Intelligenz Aachens zu erwarten wäre.\nDiese Uebelslände haben sich wie nie zuvor breit ge-\nmacht, seitdem vor etwa zwei Jahren auf Betreiben mehre-\nrer Mitglieder der hiesigen Liedertafel Herr Fr. Wenig-\nmann aus seinem Wirkungskreise in Bonn nach Aachen\nberufen wurde, um hier die Vorgeigcr-Stelle im Orchester\nzu übernehmen und gleichzeitig die erwähnte Curhaus-\nMusik zu dirigiren, hauptsächlich aber, um neben dieser\nstädtischen Anstellung die Leitung ihres geliebten, neuen\nLebensgeistes bedürfenden Schoosskindes, der Liedertafel,\nzu übernehmen. Herr Wenigmann hat, das ist nicht zu\nläugnen, sein Möglichstes zur Ausfüllung dieser verschiede-\nnen Chargen gethan und sich in mancher Beziehung als\ntalentvollen Musiker gezeigt; allein die Partei, die ihn auf\nihren Schild genommen, ging immer weiter. Getreu ihrer\nTendenz, der Liedertafel Alles unterzuordnen und sich selbst\nvermittelst dieser Gesellschaft als diejenigen emporzuschwin-\ngen, von denen alles Glück und Heil in musicalischen Din-\ngen für Aachen ausgehe, suchten jene Herren nun die Stel-\nlung des hier fungirenden, über den Parteien stehenden\nstädtischenMusik-Directors, Herrn von Turanyi, zu un-\ntergraben, mit der schlecht verhehlten Absicht, einst ihren\nSchützling Wenigmann auf diese Stelle zu erheben; sie\narrangirten Concerte mit gemischtem Chor und grösseren\nInstrumentalwerken, an deren Spitze sie Herrn Wenigmann\nstellten, während es bisher hier üblich war, dass solche\n%\nConcerte vom städtischen Musik-Director geleitet wurden;\nkurz, sie bahnen ihrem Schützling den Weg und suchen, so\nviel wie möglich, diejenigen musicalischen Bestrebungen,\nwelche vom städtischen Musik-Director ausgehen oder diri-\ngirt werden, zu unterbinden. Sie werden unter solchen Be-\nwandtnissen es sich leicht versinnlichen können, dass hier-\norts in rebus musicalibusfortwährend Streit und Hader ist,\ndass der Eine hier, der Andere dort Partei nimmt, und\ndass, je nachdem Dieser oder Jener dirigirt, die Leistungen\nvon dem Einen in den Himmel gehoben, von dem Anderen\nin den Staub gezogen werden. Dass dabei nichts Rechtes\ngedeiht, ist natürlich. .\nUnser städtischer, schon seit 1842 hier wirkender\nMusik-Director von Turanyi, Ungar von Geburt, ist ein\nMann von gediegener musicalischer Bildung, studirte in\nWien, dieser alten Hochschule der Tonkunst, unter ver-\nschiedenen der ersten Meister, spielt ausgezeichnet Partitur\nund ist der. Componist einer nicht unbedeutenden Anzahl\ntrefflicher Werke ernsteren Stils, namentlich Kammermusik,\nvon denen er jedoch bisher nur Weniges der OefTentlich-\nkeit übergeben hat, weil die Verleger nicht sehr bereitwil-\nlig sind, solche Werke zu ediren, wenn nicht ein weltbe-\nrühmter Name auf dem Titel steht, oder man es wenig-\nstens verstanden hat, recht viel in der Oeffentlichkeit von\nsich sprechen zu machen. Ein u. A. bei Schubert in Ham-\nburg von ihm herausgekommenes schönes Trio für Piano,\nVioline und Cello dürfte Ihnen bekannt sein. Ausserdem\nist er ein tüchtiger, in seinem Anschlag nicht allzu gross-\nartiger, aber feiner Ciavierspieler aus der Hummel'schen\nSchule, und es ist immer ein hoher Genuss, von ihm irgend\nein Clavier-Concert von Mozart, Hummel oder C. M. von\nWeber zu hören. In seiner Eigenschaft als Musik-Director\naber weiss er sowohl den Chor als das Orchester recht\nschön einzustudiren, hört fein und besitzt die Gabe, seine\nAuffassung des Tonstückes leicht mitzutheilen, wenn sich\nauch über die Auffassung selbst in einzelnen Fällen mit ihm\nstreiten lassen dürfte. Was man ihm aber zum Vorwurf\nmacht, ist einige Unbestimmtheit im äusseren Tactiren, und\nes gab hauptsächlich dieser Umstand vor einigen Jahren\nVeranlassung zu einem Antrage bei dem Gemeinderathe,\nden abgelaufenen Vertrag mit dem Herrn v. Turanyi nicht\nmehr zu erneuern, sondern eine freie Concurrenz zur Be-\nsetzung des wichtigen Amtes auszuschreiben. Es hat dieser\nAntrag seiner Zeit grosse Sensation erregt, viele Animosi-\ntät geweckt, obgleich er im städtisch-musicalischen In-\nteresse gut gemeint war. Der Gemeinderath ging indess\nnicht darauf ein, der Vertrag wurde auf längere Dauer er-\nneuert, und vom selben Augenblick an bewies der Antrag-\nsteller durch um so festeres Anschliessen und Unterstützen\nder Wirksamkeit des Herrn v. Turanvi, dass es ihm nur\n«; 7\num die Sache, nicht um die Person zu thun war, während\nmanche der Herren, welche jetzt seine (v. Turanyi's) Anta-\ngonisten sind, zu jener Zeit ihm kräftigst die Stange hielten.\nTempora mutantur et nos mutam —Es hinderte\njedoch jener Mangel nicht, dass manche recht gute Con-\ncerte unter v. Turanyi's Leitung zu Stande kamen, wozu\nauch wesentlich beitrug, dass bald nachher die bis dahin\nunsicheren Orchester-Zustände durch die städtische Ver-\nwaltung der Art geregelt wurden, dass das ganze Orchester\nin städtischen Sold trat, so dass es möglich wurde, die\nLücken mit mehr oder weniger tüchtigen Kräften zu be-\nsetzen und das Corps einheitlicher heranzubilden. Und so\nwürde ohne Zweifel das ganze hiesige Musikwesen einer\nschönen Zukunft entgegen gegangen sein, wenn nicht jene,\nAnfangs genannte Partei nun wieder das Zerwürfniss her-\nbeigeführt hätte. lndess wollen wir hoffen, dass sie\nnach und nach zu der Einsicht gelangen möge, dass ihre"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5200, "texte": "Projecte der gesunden Grundlage entbehren, dass Herr\nWenigmann, obgleich guter Geiger und wohl befähigt, ein\nMänner-Quartett einzustudiren, doch nicht die musicalische\nBildung und Fähigkeit besitzt, um an der Spitze des ge-\nsammten Musikwesens einer Stadt wie Aachen zu stehen,\nund dass jene Partei dann wieder zu dem gemeinsamen\nMittelpunkte unserer musicalischen Interessen zurückkeh-\nren werde.\nDie Reihe der winterlichen Abonnements-Con-\ncerte, welche in den beiden vorhergehenden Jahren auf\nsechs ausgedehnt worden war, schrumpfte im eben abge-\nlaufenen Winter durch jene oppositionellen Bestrebungen\nwieder auf zwei zusammen. (!) Das erste brachte eine Ouver-\ntüre von Ferd. Ries, zwei Lieder für Sopran, eine grosse\nViolin-Phantasie von Leonard, den 100. Psalm von\nHändel und die A-moll-Sinfonie von Mendelssohn;\ndas zweite war zusammengesetzt aus der Ouvertüre zu\nKönig Stephan von Beethoven, einigen Chören (gemisch-\nten) ohne Begleitung, dem Concert-Rondo lür Pianoforte\nvon Hummel und einer Sinfonie in F-moll von C. v. Tu-\nranyi. Die Ausiührung der meisten dieser Sachen, beson-\nders aber der beiden Sinfonieen, war frisch und gelungen.\nIn Bezug auf den Violin-Vortrag im ersten dieser Concerte\nhabe ich Sie mit einem tüchtigen Künstler, der unserem\nOrchester angehört, von dem aber bis jetzt in auswärtigen\nBlättern, so viel ich weiss, noch nicht die Rede war, be-\nkannt zu machen. Der junge, mit Fleiss, Talent und Ge-\nschmack reich begabte Mann heisst Wipplinger, ist aus\nHalle gebürtig, hat bereits manche der früher hier Statt ge-\nhabten Concerte mit seiner Violine ausgeschmückt, aber\nsich in letzter Zeit auf einen so entschiedenen Höhepunkt\ngeschwungen, dass wir ihn unbezweifelt mit zu den besten\nKünstlern des Rheinlandes zählen dürfen. Die besagte Piece,\n„Regrets et Friereu betitelt, trug er in allen Theilen so\nnett, correct und mit so vielem poetischen Zauber vor, dass\ner unser sonst eben nicht sehr empfängliches Publicum fast\nelektrisirte; und ein Violin-Concert von David, welches\nwir neulich in einem Privatkreise von ihm hörten, bewies\nin seiner ganzen tonkräftigen und gediegenen Ausiührung,\ndass er auch dem grossen Concert-Stil nun gewachsen ist.\nAls nächste Production hat er sich das Beethoven'sche Con-\ncert mit den Joachim'schen Cadenzen gewählt; er wird\ndaran einen harten Probirstein haben. Zudem bildet er einen\nder Glanzpunkte unserer musicalischen Privat-Soireen, in-\ndem er die Violin-Partieen der Sonaten, Trios, etc. (u. A.\njene der grossen Sonate in A, Op. 47, von Beethoven) sehr\nschön ausführt. Als Primarius in Streich-Quartetten steht\ner hier, was Schönheit des Tones, Ausdruck und Fertigkeit\nanbelangt, unbedingt oben an und ist dazu ein äusserst\nfester und präciser Geiger im Orchester, so dass er in jeder\ngrösseren Stadt als Vorgeiger und Concertmeister am Platze\nwäre, und hier nur nicht dazu gekommen ist, weil er\ndie Liedertafel nicht dirigiren konnte oder mochte. Im\nbesagten zweiten Concerte spielte Herr v. Turanyi die\nHummersche Clavier-Piece mit gewohnter Fertigkeit und\nschönem, perlengleichen Vortrage. Was aber das Concert\nzu einem Ehren-Abende für ihn gestaltete, war die Auffüh-\nrung seiner Sinfonie in F-moll,eines Werkes von tief-\nernstem Charakter, sich in Form und Gestaltung an die\nalten Meister anlehnend, nicht allein schöne Themen auf-\nweisend, sondern dieselben auch in kunstgerechter Verar-\nbeitung, in stets neuen Wendungen durchlührend. Nach\neiner getragenen Einleitung folgt als\nzweiter Satz eine Romanze in als dritter das unver-\nmeidliche Scherzo, welches sich in dem F-moll-Gewmde\netwas curios ausnimmt, jedoch von einem wunderschönen\nTrio gefolgt ist, in welchem sich zwei liebliche Melodieen,\ndie eine von den Violinen, die andere von den Rohr-Instru-\nmenten getragen, beständig durchkreuzen, als ob eine der\nanderen die Einwirkung auf das Gemüth nicht gönnen könne.\nDas Finale ist wieder ein Allegro con fuoco und reisst den\nZuhörer mit sich fort durch eine Reihe wilder harmonischer\nCombinationen, so wie denn das ganze Werk der Ausdruck\neines zerrissenen Gemüthes, stellenweise tiefer, stiller Trauer\nnachhängend, genannt werden kann. Dass dasselbe bei der\nMasse der Zuhörer besonders gezündet hätte, kann ich\nnicht sagen; das grosse Publicum gibt auf derartige Cha-\nrakter-Gemälde, namentlich düsterer Art, nicht viel. Indess\nbei denjenigen Naturen, welche zu der lebendigen Auffas-\nsung eines solchen disponirt sind, hat es grosses Interesse\nerregt, so wie nicht minder bei den Kunstverständigen,\nwelche die Handhabung der Mittel zu beurtheilen wissen.\nWünschenswerth wäre es, dieses geistvolle Kunst-Product\nauch in weiteren Kreisen bekannt zu sehen.\nSonst brachte uns der Winter in der OelTentlichkeit,\nausser den monatlichen Quasi-Concerten des Instrumental-\nVereins, über dessen Wirken ich Sie in einem künftigen\nBriefe unterhalten will, noch zwei Streich-Quartett-Unter-\nhaltungen der Herren Gebr. Wenigmann und Nütten,\nso wie ein paar Concerte der Liedertafel (unter Direction\ndes Herrn F. Wenigmann), denen noch ein drittes folgen\nsoll. Abgesehen von dem Ihnen bereits oben angedeuteten\noppositionellen Standpunkte dieser letzteren Concerte, wel-\nche noch dazu die Eigentümlichkeit haben, dass sie von"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1864, "texte": "einem Männergesang-Vereine ausgehen, aber nur gemischte\nChöre vorlühren, ist das Streben anerkennungswerth, dem\nPublicum (welches nur schwach vertreten war) recht viel\nNeues und Interessantes zu bieten. Eines derselben brachte\nz. B. Hiller's Phädra-Ouverture und „0 weint um sie\",\ndie Christus-Chöre von Mendelssohn und die vorige\nPfingsten in Düsseldorf gehörte Sinfonie in D-moll von\nSchumann, welches alles auch leidlich vom Stapel lief,\nwenngleich allenthalben, wie es mir schien, der Geist der\nSache fehlte, so namentlich in der Sinfonie, welche, obgleich\neines der populärsten und klarsten Werke Schumann's,\ndoch nur einen matten Eindruck hinterliess.\nDie Streich-Quartett-Productionen der Herren Gebr.\nWenigmann etc. haben etwas Manierirtes, so wie auch die\nmeisten der Männerchöre, welche Herr F. Wenigmann ein-\nstudirt; er arbeitet zu sehr auf den äusseren Effect hin.\nHiervon abgesehen, sind mehrere der Quartette recht\nhübsch ausgeführt worden, wenngleich noch viel fehlt, um\nden Anforderungen zu genügen, die man an ein öffentlich\nauftretendes, künstlerisches Quartett stellt, wie sie z. B.\nvon Ihrem kölner Quartett stets, wann ich es zu hören\nGelegenheit hatte, so schön erfüllt wurden. Indess, das\nStreben ist löblich. Auf die einzelnen Instrumente zurück-\ngehend, dürfte der ersten Geige ein schönerer, ausgiebige-\nrer Ton und der zweiten ein mehr sauberes Spiel zu wün-\nschen sein; Bratsche und Cello sind dagegen in ganz guten\nHänden.\nVon einigen anderen sehr beachtenswerthen Künstlern\naus unserer Mitte, so z. B. von unserem ersten Cellisten\nSuhr, von unserem wackeren Pianisten Bött eher etc.,\nbehalte ich mir vor, Ihnen bei nächster Gelegenheit Einiges\nzu berichten, um die Skizze zu vervollständigen von dem,\nwas bei uns in musicalischer Beziehung lebt und webt.\nMein heutiger Brief ist ohnehin lang genug. Und somit\nGott befohlen!\n\nSeverus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-05-13-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-05-13_01#c003", "volume": "bmtnabi_1854-05-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "150", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.2.3", "titre_corps": "Aus München.", "titre_sommaire": "Aus München.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.6", "debut_caractere": 1866, "fin_caractere_exclue": 4462, "texte": "Aus München.\nDen 29. April 1854.\n„Ein junger Componist und Clavierspieler, Franz\nWüllner aus Westfalen, gewann sich in letzter Zeit viel-\nfach die lebhafte Theilnahme der münchener Musikfreunde\ndurch seinen gediegenen und durchdachten Vortrag classi-\nscher Ciavierwerke. Es ist durch Liszt und die Neu-Roman-\ntiker Mode geworden, die Beethoven'schen Concertstücke\nin einem möglichst renommistischen, überpathetischen Cha-\nrakter vorzutragen, ähnlich wie mittelmässige Schauspieler\nim Geiste der Schiller'schen Dichtung zu declamiren glau-\nben, wenn sie jedes Schlagwort mit dem gewaltigsten Pa-\nthos betonen. Man sollte umgekehrt bei Schiller wie bei\nBeethoven das Pathos des Vortrags am allermeisten massi-\ngen, weil die schwache Seite beider (?) Meister gerade\nim Hinneigen zur declamatorischen Uebertreibung liegt.\nIm Gegensatz zu jener falschen modernen Manier sucht\neben Herr Wüllner in den Deethoven'schen Werken den\nclassischen Geist, den Geist des Maasscs und der in sich\nbefriedigten Schönheit klar und anspruchslos hervorzuheben.\nWer mit uns die kunstgeschichtliche Grösse Beethoven's\nnicht darin erblickt, dass er ein Vorläufer von Meyerbeer,\nBerlioz und Wagner, sondern dass er der Vollender unse-\nrer classischen Musik-Epoche gewesen ist, der wird jener\nAuffassung des genannten jungen Künstlers seinen Beifall\nnicht versagen.\"\nWir stimmen in dieses Urtheil der Allg. Zeitung über\nHerrn Franz Wüllner vollkommen ein; er hat hier durch\nsein Talent sehr freundliche Aufnahme, besonders auch bei\nMeister Kaulbach und bei Lachner gefunden. Die Quelle\naber, aus welcher der junge Künstler zu solcher Auffassung\nund Darstellung Beethoven'scher Ciaviermusik gekommen,\nscheint die Allg. Zeitung nicht zu kennen; es ist diese der\nUnterricht von A. Schindler, welchen er an sechs Jahre\nlang in Münster genossen hat. Da dessen Studien bei\nSchindler noch fast in seinem Knabenalter (Franz Wüllner\nwar damals dreizehn Jahre alt) begannen, so war es ein\nGlück, dass der zum Virtuosen bereits gelegte Unterbau\nnoch zerstört und für eine edlere Richtung unschädlich ge-\nmacht werden konnte. Der Lehrer nahm sich des Schülers,\nin welchem er alsbald die Fähigkeit zu einem höheren\nKünstler-Berule als dem eines Virtuosen entdeckte, mit\nvoller Liebe an und hoffte, in ihm ein würdiges Talent ge-\nfunden zu haben, auf das er nach methodisch geordnetem\nBildungsgange endlich das geistige Vermächtniss Beetho-\nven's übertragen könne. Seine Hoffnung hat ihn nicht ge-\ntäuscht; Franz Wüllner liefert durch seine Vorträge den\nBeweis, dass er die heilige Tradition vollständig in sich auf-\ngenommen hat.\n•kick"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-05-13-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-05-13_01#c004", "volume": "bmtnabi_1854-05-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "151", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.2.4", "titre_corps": "Deutsche Tonhalle.", "titre_sommaire": "Deutsche Tonhalle.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.6", "debut_caractere": 4464, "fin_caractere_exclue": 4893, "texte": "Deutsche Tonhalle.\nDer zweite Jahresbericht der Deutschen Tonhalle, ausge-\ngeben Mannheim, im Ostermonat 1854, zeigt uns als hohe Gön-\nner des vaterländischen Unternehmens: Se. Königl. Hoheit Fried-\nrich, Prinz-Regent von Baden, Se. Königl. Hoheit Ludwig 111.,\nGrossherzog von Hessen, Se. Hoheit Ernst 11., regierenden Her-\nzog von Sachsen-Coburg-Gotha, Se. Durchlaucht Karl\nEgon, Fürst zu Fürstenberg, und Ihre Durchlaucht Maria"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1287, "texte": "Magdalena, Fürstin von Vscnburg-Birstein, und ausserdem 264\nMitglieder, theils musicalische Vereine, theils Künstler und Kunst-\nfreunde. Die Cassen-Uebersieht über das zweite Jahr 1853\n1854 ergibt folgendes Resultat:\nEinnahme:\nAus voriger Rechnung . . , . . * .... 102 Fl. 48 Kr.\nEintrittsgeld von im zweiten Jahre beigetretenen\nMitgliedern . * 53 „ 5 „\nBeiträge in diesem Vereinsjahrc 128 „ 45 „\nMehrleistungen und ausserordentliche Geschenke\nzur Vereins-Casse 260 „ 6 „\nVerschiedenes 3 „ 23 „\n548 Fl. 7 Kr.\nAusgabe:\nFür Schreib-Bedürfnisse 5 „ 6 „\nDruckkosten und Schreib-Gebührcn 42 „ 19 „\nPost- und Send-Gebühren 28 „ 27 „\nAuf Preise verwendet (Man sehe unten.) .... 151 „42 „\nBedienung und Verschiedenes 27 „ 47 „\nDcrmaliger Cassen-Vorrath, zur nächsten\nRechnung kommend 292 ~ 46 „\n548 Fl. 7 Kr.\nDer Verein hat bisher für folgend benannte Aufgaben die bei-\ngesetzten Preise ertheilt, beziehungsweise ausgesetzt: I. für eine\nFest-Ouverture 15 Ducaten; IL für eine Hymne 15 Ducaten; 111.\nfür ein Yiolin-Trio 12 Ducaten; IV. für einen Quintettsatz für\nBlas-Instrumente ausgeschrieben 10 Ducaten, und V. für drei Kir-\nchengesänge 12 Ducaten. Beide letztgenannte Preis-Ausschreiben\nwerden im Monat Juni und September 1854 zur Erledigung kom-\nmen und die Ergebnisse dann angezeigt werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-05-13-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-05-13_01#c005", "volume": "bmtnabi_1854-05-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "151", "page_fin": "152", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.7", "debut_caractere": 1289, "fin_caractere_exclue": 5825, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHüllt. An die Stelle des Herrn Karl Rei necke (welcher\nbekanntlich als Musik-Director nach Barmen geht) ist Herr Ferdi-\nnand Breuning als Lehrer an der Rheinischen Musikschule an-\ngestellt worden. Dieser junge, äusserst talentvolle Mann, welcher\nsich früher unter Mendelssohn, Moscheies und Hauptmann in Leip-\nzig ausgebildet, steht daselbst, wo er in den Gewandhaus-Concerten\noft und mit grossem Erfolg aufgetreten ist, noch im besten Anden-\nken. Köln gewinnt an ihm einen höchst ausgezeichneten Pianisten\nund Organisten, einen in jeder Hinsicht durchgebildeten Ton-\ntünstler.\nH\n** Elberfeld. Wenn ich nicht irre, haben Ihre Blätter be-\nreits die Mittheilung gebracht, dass der ausgezeichnete Organist\nJ. A. van Eyken, Schüler Mendelssohn's und Joh. Schneiders,\ndie von unserem verewigten Schornstein durch 47 Jahre bekleidete\nStelle an der hiesigen reformirten Kirche erhalten hat. Am 21.\nApril gab er vor mehr als 1000 Zuhörern sein Abschieds-Concert\nin Rotterdam, worin er die grossartigsten Compositionen von\nBach, Schumann und Mendelssohn, so wie einige eigene Orgel-\nwerke vortrug. Seine Uebersiedelung nach Elberfeld wird in der\nersten Hälfte Mai Statt finden, also gleichzeitig mit Rein ecke's\nUebersiedelung nach Barmen. Das Wupperthal erhält an diesen\nbeiden Künstlern und unserem Herrn. Schornstein eine musi-\ncalische Trias, wie sie wenige rheinische Städte glänzender auf-\nweisen können.\n** 31 iiiist er. Wir haben in unseren letzten Abonncments-\nConcerten den Genuss gehabt, die Herren Ed. Fr an et und Karl\n11 ei necke von Köln zu hören und zugleich einige ihrer neuesten\nWerke kennen zu lernen. Ed. Franck trug am 7. April ein Cla-\nvier-Concert von seiner Composition und sein vortreffliches Arran-\ngement der Zauberflöten-Ouverture für Pianoforte vor; in beiden\nbewährte er sich als ausgezeichneter Pianist, namentlich riss die\nmeisterhafte Ausführung der Ouvertüre zur Bewunderung hin. Auch\nein Adagio aus einer seiner Sinfonieen erhielt verdienten Bei-\nfall. Karl Rein ecke luhrte am 22. April seine Sinfonie\nin G-dur auf, welche unter lebhaftem Beifall als ein vorzügliches\nWerk allgemein anerkannt wurde, und sowohl durch melodische\nErfindung als thematische Arbeit und wirkungsvolle Instrumentirung\nden grossen Fortschritt des Componisten in der edelsten Richtung\nbekundete. Sein Vortrag des Cr-mo//-Concertes von M e n dels s o h n,\neines Notturno von Chopin und der Ballade von seiner eigenen\nComposition zeigte uns den Pianisten ersten Ranges, der seines In-\nstrumentes in jeder Hinsicht Meister ist.\nILHdeiisclieid. Am 30. April gab der Städtische Gesang-\nVerein seinem Director, Herrn Louis Weinbren ner, ein Be-\nnefiz-Concert. Das Programm war gut gewählt, und vergeben wir\ngern zwei darin aufgenommene Nummern, welche offenbar eine\nkleine Concession dem hiesigen Publicum gegenüber wa-\nren. WTir heben daraus hervor Beethovens grosse Ouvertüre in C,\nOp. 124 (achthändig für zwei Pianoforte), womit das Concert ein-\ngeleitet, welche aber wenig verstanden wurde. Ferner Ililler's treff-\nliche lyrische Composition: „0 weint um sie\", und das herrliche\nFinale zur Lorelei von Mendelssohn. Alle, hier noch unbekannt,\nfanden bei gelungener Aufführung den wohlverdienten Beifall.\nAusserdem trug Herr Weinbrenner mit einer hiesigen tüchtigen\nDilettantin, der Frau Kreisrichter S , die reizenden Variatio-\nnen über das Glockenspiel aus der Zauberflöte von H. Herz für\nzwei Pianoforte vor, welche einen ausserordentlichen Beifall fanden\nund die, eines der ersten Opus des Componisten, noch fern von\naller Finger-Seiltänzerei, zu der soliden, brillanten Hummerschen\nSchule gehören.\nUariiistaclt. Wagners Lohengrin ist am 17. v. Mts. unter\nSchindelrneisser s Direction zur Aufführung gekommen. Die Aus-\nführung und Ausstattung war eine durchweg gelungene und von\nder Kritik mit vollem Lobe anzuerkennende. Der Erfolg der Oper\nwar Seitens des Publicums ein massiger.\nFranz Liszt ist vom Herzog von Coburg zum Commandeur\ndes Verdienst-Ordens der Ernestinischen Linie ernannt worden.\nFräulein Jenny Ney hat bei ihren Gastspielen in Braun-\nschweig und Frankfurt das Publicum jedesmal zu dem stürmisch-\nsten Beifall hingerissen. Fräul. Ney ist allerdings eine dramatische\nSängerin ersten Ranges, die keiner lebenden Nebenbuhlerin im\nIn- und Auslande den Rang über sich einzuräumen braucht.\nVerdi's Rigoletto ist in München mit Beifall gegeben\nworden.\nDie italiänische Oper in Wien missfällt gänzlich. Die wiener\nBlätter sprechen sich übereinstimmend sehr ungünstig über deren\nLeistungen aus."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3826, "texte": "Meyerbeer hat Herrn Cornet in Wien das Recht der ersten\nAufführung des L'etoile du Nord in Deutschland zugestanden. Die\nübrigen deutschen Theater werden also warten müssen, bis Herr\nCornet die vielbesprochene Oper herausgebracht hat, ehe sie die-\nselbe geben dürfen.\nParis» Die 25 ersten Vorstellungen von Meyerbcers Eloile du\nNord haben 150,000 Francs brutto eingetragen, also in mittlerer\nSumme 6200 Frcs. jeden Abend. Dabei ist das Abonnement nicht\nmitgerechnet, welches die Gesammt-Einnahmc noch um 5—6000\nFrcs. vergrössert. Bei diesen 25 Vorstellungen ist die Casse kein\neinziges Mal geöffnet worden, weil alle Plätze immer im Voraus\ngenommen waren, was in den Annalen der komischen Oper noch\nnie vorgekommen ist.\nEmile Prudent geht nach London; Fräulein Wilh.\nClaussist schon dort, eben so Vi vier mit seinem Zauberhorn.\nDie France Musicale der Herren Escudier lässt sich aus London\nbei Gelegenheit des Auftretens von Sophie Cruvelli in Coventgar-\nden über Fidelio schreiben: „Dieses dramatische Werk von Beet-\nhoven hat hier wie überall nur einen succes d'estime gehabt.\" Ein\nsucces d'estime ist eine verblümte Redensart für Durchfallen. Nun\naber ist Fidelio schon seit lange in London auf dem Repertoire\nder italiänischen Oper. Das Finale des zweiten Actes ist oft\ndoppelt begehrt worden. Heisst das ein succes d'estime? Werke, die\nsich auf dem Repertoire halten, kann man nicht so bezeichnen,\nwenn man nicht lügen will.\nDer Kölner Männergesang-Verein ist am 5. Mai nach London\nabgercis't und dort glücklich angekommen. Das erste Concert des-\nselben fand Montag den 8. d. Mts. Statt und hatte bei vollem Saale\nden günstigsten Erfolg.\nIn Paris kam eine junge Choristin zu einem ihr bekannten\nLehrer mit der Bitte, sie doch in den Noten zu unterrichten.\n„Wozu?\" fragte er. „Ich bin bei der Oper als Choristin mit\n1000 Frcs. Gage angestellt.\" „Sie haben ja keine Stimme!\"\n„Ich kann nicht einen Ton gurgeln.\" „Sie müssen aber doch\nsingen; wie machen Sie das?\" —„Wenn Alle zusammen schreien,\nso öffne ich nur den Mund und klappe ihn wieder zu; nun denkt\nalso, wer mich sieht, ich sänge mit.\" „Aber der Chor-Director ?\"\n„Von ihm eben bin ich empfohlen.\"\nDer ehemalige Director des Conservatoriurns in Warschau, Jo-\nseph E1 s n e r, ist im 84. Lebensjahre auf seinem Landsitze bei\nWarschau gestorben.\nDer Pianist Morticr de Fontaine, der auch in Köln vor\nmehreren Jahren einige Concerte gab und sich mit der hier in gu-\ntem Andenken stehenden Sängerin Limbach verbunden hat,\nweilt dauernd in Petersburg. Er hat dort eine Reihe histori-\nscher Concerte gegeben, die aber vom Publicum ziemlich unbe-\nachtet blieben. Die Russen machen allerdings eben selbst historische\nMusik, wo die Sechs- und Zwölfpfünder den Grundbass haben.\nJullien gibt mit seinem Orchester gegenwärtig Concerte in\nNeu-Orlean s.\nCuriosum. Es existiren bekanntlich von Beethoven mehr\nals ein volles Dutzend Abbildungen, darunter nach dem bewährten\nUrtheilc eines langjährigen Freundes und Umgangs-Genossen Beet-\nhoven s nur drei als ähnlich zu beachten sind. Da kommt kürzlich\nein münchener Maler zu eben diesem Freunde und theilt ihm mit,\ndass er den Auftrag von einer renommirten Musikhandlung in\nMainz erhalten habe, ihr ein Portrait Beethoven's zu liefern. „Wa-\nrum? WTesshalb? da schon so viele da sind?\" fragt jener. „Die\nHerren ***** wollen ein eigenes besitzen; ich muss also eins an-\nfertigen, gleichviel, wo ich es hernehme.\" „Aber wie wollen Sie\ndenn das anfangen, um ein gutes, ähnliches aufs Papier zu brin-\ngen ?\" „Ach, um das handelt es sich nicht. Sind, wie Sie sa-\ngen, unter den vorhandenen die meisten unähnlich, so braucht ja\ndas meinige auch nicht ähnlich zu sein, wenn es nur gut gemacht\nist und der Name Beethoven darunter steht. Natürlich erlaubte\nsich der Fragesteller gegen diese speculative Beweisführung weiter\nkein Aber und Wenn."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.1", "texte": "Musica sacra.\n\nII.\n(Schluss. S. Nr. 18)\nDas Studium der Geschichte der Musik nach Original-\nQuellen und authentischen Denkmälern der Kunst wird\nnach und nach durch die eifrigen Bemühungen gründlicher\nForscher und Sammler auf dem Gebiete der Kirchenmusik\nerleichtert.\nSchon der Pater Martini sah ein, dass ein erfolg-\nreiches Eindringen in die historische Ausbildung der Ton-\nkunst ohne Bekanntschaft mit den «älteren Compositionen\nunmöglich sei; allein was er davon veröffentlichte ist zu\nfragmentarisch, und die verschiedenen Perioden sind nicht\ngehörig erkannt und gesondert. Denselben Vorwurf kann\nman der Sammlung von Paolucci machen, in welcher\nebenfalls eine grosse Verwirrung in der Classificirung\nherrscht. In den ersten Jahren des neunzehnten Jahrhun-\nderts fasste der Hofrath Sonnleithner in Wien einen\nPlan zu einer umfassenden Sammlung von musicalischen\nDenkmälern, welche nicht weniger als sechszig Foliobände\nfüllen sollte. Er gewann für sein kolossales Unternehmen\nden berühmten Forkel, und dieser begann damit, die\nMessen in Partitur zu setzen, welche das sehr seltene Buch\nLiber quindecim Missarumenthielt, Compositionen von\nMeistern der alten niederländischen Schule. Der Stich\nwurde in Leipzig begonnen und war so gut wie vollendet,\nals der unglückliche Krieg von 1806 die französischen\nHeere nach Norddeutschland führte. Die Platten fielen\ndurch einen sonderbaren Zufall einem unwissenden franzö-\nsischen Officier in die Hände, der nichts Eiligeres zu thun\nwusste, als Kugeln daraus giessen zu lassen. So war das\nUnternehmen in der Geburt erstickt. Einen einzigen Abzug\nhatte Forkel Behufs der Correctur erhalten; er sammelte\ndie Bogen und vereinigte sie zu einem Bande, welcher jetzt\nEigenthum der königlichen Bibliothek zu Berlin ist und\nschätzbare Monumente aus dem lünfzehnten Jahrhundert\nenthält.\nSeitdem wurden mehrere Sammlungen alter Denkmä-\nler der Tonkunst mit mehr oder weniger Kenntniss der\nSache und mit mehr oder weniger Glück unternommen.\nDie meisten jedoch beschränkten sich auf Werke des XVf.\nJahrhunderts. Rochlitz veranstaltete in Leipzig eine\nsolche, welche es bis auf mehrere Lieferungen brachte; der\nAbt Alfieri gab in Italien mehrere Werke von Palestrina\nin Partitur heraus. In unseren Tagen hat Co mm er in\nBerlin bekanntlich sehr werthvolle Sammlungen herausge-\ngeben, die eine, welche die niederländische Schule enthält,\nauf Kosten der niederländischen Gesellschaft zur Beförde-\nr\nrung der Tonkunst. Auch der gelehrte Custos der musica-\nlischen Abtheilung der berliner Bibliothek, Dehn, beschäf-\ntigt sich mit einer ähnlichen Arbeit, und die Schlesinger'-\nsche Verlagshandlung hat eine Sammlung unter dem Titel\nMusica sacrabegonnen.\nZu den bedeutendsten Erscheinungen der Zeit in die-\nsem Fache gehört das Unternehmen des Canonicus Karl\nProske in Regensburg, wovon Ende vorigen Jahres der\nerste Band erschienen ist. Er führt den Titel:\nMusica D i vina, sive Th es au rus concentuum se-\nleclissimorum, omni cultui divino totius ahni juxta\nritum sanclae Ecclesiae catholicae inservienlium,\nab excellentissimis superioris aevi musicis numeris\nharmonicis compositorum\nnalibus tarn editis quam ineditis accuratissime in\npartitionem redactos ad instanrandam polyphoniam\nvere ecclesiasticam,publiceoffert Carolus Proske.\nAnnus primus, Harmonias IV. vocurn conlinens.\nTom. 1. Liber missarum 1853. 4\nDer Herr Herausgeber beschäftigt sich seit dreissig\nJahren mit dem Studium der alten Meister der italiäni-\nschen, niederländischen und deutschen Schule. Er hat in\nseiner Bibliothek eine grosse Menge Werke derselben ge-\nsammelt, um sie in Partitur zu schreiben, nachdem er sich\nlange in Italien aufgehalten und die dortigen Kirchen-Ar-\nchive durchforscht hat."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.2", "texte": "Die Sammlung wird die vier- bis sechszehnstimmigen\nRirchen-Compositionen der berühmtesten Tonsetzer vom\nEnde des XV. bis zum XVII. Jahrhundert einschliesslich\numfassen. Sie wird in Jahrgängen erscheinen; jeder Jahr-\ngang soll vier Bände Partituren und ausgesetzte Stimmen\nenthalten. Jeder Band wird Werke einer Gattung bringen.\nDer erste enthält zwölf vierstimmige Messen und zugleich\nzwölf Hefte Stimmen. Darauf sollen die vierstimmigen Mo-\ntetten, Magnificals u. s. w. folgen dann die fünf- und\nso fort bis zu den sechszehnstimmigen Compositionen. Jeder\nBand enthält eine bibliographische und historische Einlei-\ntung; beim ersten Bande füllt dieselbe nicht weniger als\nsiebenzig Quartseiten.\nDer erste Band enthält drei Messen von Palestrina,\nzwei von Lassus, eine von Vittoria, eine von A. Ga-\nbriel i, eine von Joh. Leo Hasler, eine vonPitoni,\neine von Lo 11 i, ein Requiem von Aso 1 a und eins von\nP i t o n i.\nDie erste Messe von Palestrina ist eine von den\nam wenigsten bekannten; es ist die Missa brevis, welche\naus dem dritten Theile der Sammlung von getrennten Stim-\nmen, herausgegeben in Rom von den Gebrüdern Dorici\n1570, in Folio, genommen ist. Herr Proske hat die alten\nSchlüssel (namentlich den C-Schlüssel auf der zweiten und\nden F-Schlüssel auf der dritten Linie) und die alte Notirung\nin die heutige Schreibart übertragen. Jede Nummer ist\nauch von ihm metronomisirt worden. |Wir halten\ndieses für sehr zweckmässig, ja selbst vorausgesetzt,\ndass nicht immer das ganz entsprechende Zeitmaass getrof-\nfen wäre —, doch lür dos einzige Mittel, diesen älteren\nCompositionen durch Regelung und Uebereinstimmung des\nVortrags, wenigstens in einer Hauptbedingung desselben,\nEingang und Verbreitung zu verschaffen. Die Redact.]\nAuch an Bemerkungen und Fingerzeigen für den declama-\ntorischen und dynamischen Vortrag fehlt es nicht. Dieselbe\nBehandlung findet sich bei allen folgenden Messen.\nDie zweite, Iste confcssor,ist bekannter; es sind von\nihr eine Menge Abschriften vorhanden, und sie steht auch\nin dem lünften Buche der gedruckten Messen Palestrina's.\nSie ist eine der schönsten und besonders durch die Kunst\nberühmt, mit welcher rie Stimmen sich in dem Umfange\nvon höchstens einer Oclave bewegen.\nDie dritte, Dies sanctißcatus,ist selten von den älteren\ntheoretischen Schriftstellern angeführt worden, ist aber\nnichts desto weniger von grossem Interesse. Das ist\nein Meisterstück, namentlich das Quartett auf Crucifixus\nfür zwei Soprani und zwei Alti; auch das Quartett des\nBenediclus ist vortrefflich.\nDie erste Messe von Lassus (im achten Kirchentone)\nist in sehr kurzer Form geschrieben. Die Harmonie ist sehr\nrein, allein sonst bietet das Werk für das Studium nicht\nviel Interesse dar. Was Anderes ist es mit der zweiten\nMesse desselben Meisters, welche über das französische\nLied: Puisque j'ai perdu,in grösseren Proportionen ge-\nschrieben ist. Lassus' Stil ist sehr verschieden von dem\nStil Palestrina's. Man findet bei ihm weder dieselben ge-\nsuchten Formen, noch dasselbe Talent, interessante Episo-\nden in scheinbar unbedeutenden Phrasen zu erfinden; aber\nLassus hat mehr Phantasie, mehr Kühnheit und mehr Ge-\nsammt-Effect. Er legt weniger Werth auf den Reichthum\nan Imitationen; aber wenn er sie anwendet, versteht er\nihnen hinreissendes Leben zu verleihen, wie z. B. in dem\nzweiten Kyi de dieser Messe. In der Rhythmik ist Lassus\nauch seinen Zeitgenossen vorausgeeilt. Der Rhythmus ist\nin seinen Compositionen mehr ausgeprägt und charakteristi-\nscher, als bei Palestrina. Lassusist, in Vergleich zu Pa-\nlestrina, gewisser Maassen der Romantiker seiner Zeit in\nder Kirchenmusik.\nThomas Luis de Vittoria (Vergl. Art. I, in Nr.\n18), der spanische Componist, zeigt sich in der hier ge-\ndruckt vorliegenden Messe den grössten Meistern eben-\nbürtig. Der Charakter der Melodie und Harmonie ist voll\nSalbung, der Contrapunkt breit und feierlich behandelt, und\nobwohl ganz und gar im vierten Kirchentone gehalten, ent-\nhält sie doch nichts, was unsere an das neue Ton-Svstem\ngewöhnten Ohren verletzte. Eines der merkwürdigsten\nStücke ist das Agnus Dei, fünfstimmig, in welchem der\nerste und zweite Sopran einen Canon im Unisono durch-\nführen, der so glücklich gemacht ist, dass man ihn über\ndem melodisch und harmonisch trefflichen religiösen Aus-\ndruck des Ganzen fast kaum bemerkt.\nDie siebente Nummer ist eine kurze Messe von An-\ndrea Gabrieli. Der canonische Stil herrscht nur in dem\nKyrie, Cliriste, Sanclus, Benedictusund im\nria und Credo ist der Stil frei und fliessend.\nJohann Leo Hasler oder Hassler, Verfasser der\nachten Messe, war einer der grössten Musiker Deutschlands\nam Ende des XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts.\nSein Stil fliesst, wie bei den meisten Componisten jener\nZeit in Süddeutschland, aus der venetianischen Schule und\nist wesentlich von dem Charakter, den die Musik im pro-\ntestantischen Deutschland annahm, verschieden. Geboren\nzu Nürnberg im Jahre 1564, ging er mit zwanzig Jahren"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.3", "texte": "nach Venedig und wurde A. Gabrieli's Schüler, dessen har-\nmonische Klarheit er sich ganz und gar zu eigen gemacht\nhat. Seine Messe auf die Melodie ist ein schö-\nnes Werk im Geiste seines Lehrers; die Abwechslung des\nimitirenden und des rhythmischen Stils deutet schon auf\neinen bevorstehenden Fortschritt in der Kunst.\nObschon Pi toni, ein Meister der römischen Schule\nund Verfasser der neunten Messe dieser Sammlung\neiner Weihnachts-Messe —, bei Weitem jünger ist als\nHassler, so ist der Stil dieser Messe doch viel trockener\nund monotoner, als bei Jenem, und man begreift nicht recht,\nwas den Herausgeber zur Wahl gerade dieser Messe ver-\nanlasst hat, da man viel bedeutendere Werke von Pitoni\nbesitzt.\nDie zehnte Messe ist von Lotti (f 1 740), dem gros-\nsen venetianischen Componisten, dessen Schreibart uns\nschon näher tritt.\nDas Requiem von Asola ist für Männerstimmen\ngeschrieben. Asola war Priester in Verona und lebte in der\nzweiten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts, was den\nCharakter seiner Schreibart bezeichnet. Die ganze Messe\nhat den römischen Choralgesang zur Basis, und die Prose\nDies irae ist geschrieben, um mit dem Chor, welcher die\neinfache Melodie führt, zu wechseln. Das ganze Wrerk hat\neinen sehr ernsten und schwermüthigen Charakter. Im\ngrellen Gegensatze zu modernen Dramen, welche man\nTodten-Messen nennt, gibt Asola's Werk uns den richtigen\nund tief gefühlten Ausdruck der religiösen Entsagung und\nHingebung, welche der heilige Text ausspricht. Der Heraus-\ngeber hat darauf ein Adoremus le Christe von Vincenzo\nRuffo folgen lassen, dessen Stimmen-Vertheilung und Cha-\nrakter zu der Messe von Asola stimmen.\nDas Requiem von Pitoni ist das letzte Werk in die-\nsem Bande, ein Meisterstück in seiner Gattung. Die Art\nder Auffassung ist durchaus originel und, so viel mir be-\nkannt, von keinem anderen Componisten nachgeahmt wor-\nden. Der Kirchengesang ist, wie bei Asola, die Basis des\nGanzen, aber mit dem Unterschiede, dass die Strophen,\nwelche in schönem und breitem Contrapunkt für den Chor\ngeschrieben sind, mit anderen abwechseln, die als Trios\nfür Solostimmen behandelt sind. Diese letzteren sind in der\nneueren Tonart und Harmonie freien Stils componirt und\nhaben an vielen Stellen Aehnlichkeit mit dem Charakter der\nPsalmen von Marcello. Einige dieser Trios sind für Männer-\nstimmen geschrieben. Es gibt nichts Ausdrucksvolleres und\nKirchlicheres als den Stil dieses schönen, der musicalischen\nWelt bis jetzt unbekannten Werkes.\nDiese kurze Analvse des Inhaltes der neuen Samni^\n%)\nlung wird hinreichen, die Wichtigkeit des Unternehmens\nund die Notwendigkeit der Theilnahme aller Freunde und\nBeförderer der alten Kirchenmusik an demselben darzu-\nthun, welche Theilnahme durch Ankauf des bereits Er-\nschienenen und durch Hinzutreten zu der Unterzeichnung,\nwelche die Fortsetzung der Herausgabe sichert, sich am\nwirksamsten bethätigen wird.\nDie Sammlung ist in dem bequemeren Quart-Format\nnicht gestochen, sondern gedruckt, auch die Noten in\nTypendruck; Beides, Text und Noten, klar und rein und\nauf schönem Papier. Die einzelnen Stimmen jeder Messe\nin besonderem Umschlag kosten nur 4 Groschen, der ganze\nBand (Partitur 450, Stimmen an 350 Seiten) noch nicht\n4 Thaler im Subscriptions-Preise.\n\nFetis.\n\nAus Aachen.\n\nDen 1. Mai 1854.\nIch komme endlich meinem so lange gegebenen Verspre-\nchen nach, Ihnen über das musicalische Leben und Treiben\nin Aachen Einiges für Ihre, den edleren Richtungen der\nmusicalischen Kunst gewidmete und falsche Theoremen,\ndie sich in neuerer Zeit aufdrängen wollen, muthig und er-\nfolgreich bekämpfende Zeitschrift mitzutheilen. Viel Gutes\nwerde ich Ihnen allerdings nicht zu sagen haben; denn, ab-\ngesehen von Männergesang-Vereinen, die hier wie aller-\nwärts blühen, auch recht Tüchtiges in ihrem Fache leisten,\ngeschieht für die höheren Zweige der Musik wenig, und\nman interessirt sich für eine gute Curhaus-Musik während\nder Badezeit mehr, als für die Einrichtung eines stabilen\ngemischten Gesangchors und damit in Verbindung stehen-\nder Concerte, die geeignet wären, den Sinn für das Grosse\nin der Kunst mehr zu verbreiten. Dann sind es leider hier\nwie an manchen anderen Orten die Coterieen, welche ein\nordentliches, einhelliges, musicalisches Leben nicht aufkom-\nmen lassen; bald ist es irgend eine Corporation, welcher\nman mit einem gewissen Fanatismus anhängt, und alles hin-\ntertreibt, was sich dem heissgeliebten Vereine nicht unter-\nordnet oder anschmiegt; bald ist es die Vorliebe für die\neinzelnen dirigirenden Personen, welche die dilettantischen\nKräfte zerklüftet, indem Dieser unter des Einen Leitung,\nJener unter des Anderen Tactstock nicht mitwirken will.\nDas zuhörende musicalische Publicum seinerseits wird da-\ndurch an dem ganzen Treiben irre oder nimmt auch je\nnach den verschiedenen wirkenden Einflüssen Partei, und\ndie Folge davon ist, dass kein Concert, so wenige deren"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.4", "texte": "auch gegeben werden, besucht wird, wie es bei der Grösse\nund Intelligenz Aachens zu erwarten wäre.\nDiese Uebelslände haben sich wie nie zuvor breit ge-\nmacht, seitdem vor etwa zwei Jahren auf Betreiben mehre-\nrer Mitglieder der hiesigen Liedertafel Herr Fr. Wenig-\nmann aus seinem Wirkungskreise in Bonn nach Aachen\nberufen wurde, um hier die Vorgeigcr-Stelle im Orchester\nzu übernehmen und gleichzeitig die erwähnte Curhaus-\nMusik zu dirigiren, hauptsächlich aber, um neben dieser\nstädtischen Anstellung die Leitung ihres geliebten, neuen\nLebensgeistes bedürfenden Schoosskindes, der Liedertafel,\nzu übernehmen. Herr Wenigmann hat, das ist nicht zu\nläugnen, sein Möglichstes zur Ausfüllung dieser verschiede-\nnen Chargen gethan und sich in mancher Beziehung als\ntalentvollen Musiker gezeigt; allein die Partei, die ihn auf\nihren Schild genommen, ging immer weiter. Getreu ihrer\nTendenz, der Liedertafel Alles unterzuordnen und sich selbst\nvermittelst dieser Gesellschaft als diejenigen emporzuschwin-\ngen, von denen alles Glück und Heil in musicalischen Din-\ngen für Aachen ausgehe, suchten jene Herren nun die Stel-\nlung des hier fungirenden, über den Parteien stehenden\nstädtischenMusik-Directors, Herrn von Turanyi, zu un-\ntergraben, mit der schlecht verhehlten Absicht, einst ihren\nSchützling Wenigmann auf diese Stelle zu erheben; sie\narrangirten Concerte mit gemischtem Chor und grösseren\nInstrumentalwerken, an deren Spitze sie Herrn Wenigmann\nstellten, während es bisher hier üblich war, dass solche\n%\nConcerte vom städtischen Musik-Director geleitet wurden;\nkurz, sie bahnen ihrem Schützling den Weg und suchen, so\nviel wie möglich, diejenigen musicalischen Bestrebungen,\nwelche vom städtischen Musik-Director ausgehen oder diri-\ngirt werden, zu unterbinden. Sie werden unter solchen Be-\nwandtnissen es sich leicht versinnlichen können, dass hier-\norts in rebus musicalibusfortwährend Streit und Hader ist,\ndass der Eine hier, der Andere dort Partei nimmt, und\ndass, je nachdem Dieser oder Jener dirigirt, die Leistungen\nvon dem Einen in den Himmel gehoben, von dem Anderen\nin den Staub gezogen werden. Dass dabei nichts Rechtes\ngedeiht, ist natürlich. .\nUnser städtischer, schon seit 1842 hier wirkender\nMusik-Director von Turanyi, Ungar von Geburt, ist ein\nMann von gediegener musicalischer Bildung, studirte in\nWien, dieser alten Hochschule der Tonkunst, unter ver-\nschiedenen der ersten Meister, spielt ausgezeichnet Partitur\nund ist der. Componist einer nicht unbedeutenden Anzahl\ntrefflicher Werke ernsteren Stils, namentlich Kammermusik,\nvon denen er jedoch bisher nur Weniges der OefTentlich-\nkeit übergeben hat, weil die Verleger nicht sehr bereitwil-\nlig sind, solche Werke zu ediren, wenn nicht ein weltbe-\nrühmter Name auf dem Titel steht, oder man es wenig-\nstens verstanden hat, recht viel in der Oeffentlichkeit von\nsich sprechen zu machen. Ein u. A. bei Schubert in Ham-\nburg von ihm herausgekommenes schönes Trio für Piano,\nVioline und Cello dürfte Ihnen bekannt sein. Ausserdem\nist er ein tüchtiger, in seinem Anschlag nicht allzu gross-\nartiger, aber feiner Ciavierspieler aus der Hummel'schen\nSchule, und es ist immer ein hoher Genuss, von ihm irgend\nein Clavier-Concert von Mozart, Hummel oder C. M. von\nWeber zu hören. In seiner Eigenschaft als Musik-Director\naber weiss er sowohl den Chor als das Orchester recht\nschön einzustudiren, hört fein und besitzt die Gabe, seine\nAuffassung des Tonstückes leicht mitzutheilen, wenn sich\nauch über die Auffassung selbst in einzelnen Fällen mit ihm\nstreiten lassen dürfte. Was man ihm aber zum Vorwurf\nmacht, ist einige Unbestimmtheit im äusseren Tactiren, und\nes gab hauptsächlich dieser Umstand vor einigen Jahren\nVeranlassung zu einem Antrage bei dem Gemeinderathe,\nden abgelaufenen Vertrag mit dem Herrn v. Turanyi nicht\nmehr zu erneuern, sondern eine freie Concurrenz zur Be-\nsetzung des wichtigen Amtes auszuschreiben. Es hat dieser\nAntrag seiner Zeit grosse Sensation erregt, viele Animosi-\ntät geweckt, obgleich er im städtisch-musicalischen In-\nteresse gut gemeint war. Der Gemeinderath ging indess\nnicht darauf ein, der Vertrag wurde auf längere Dauer er-\nneuert, und vom selben Augenblick an bewies der Antrag-\nsteller durch um so festeres Anschliessen und Unterstützen\nder Wirksamkeit des Herrn v. Turanvi, dass es ihm nur\n«; 7\num die Sache, nicht um die Person zu thun war, während\nmanche der Herren, welche jetzt seine (v. Turanyi's) Anta-\ngonisten sind, zu jener Zeit ihm kräftigst die Stange hielten.\nTempora mutantur et nos mutam —Es hinderte\njedoch jener Mangel nicht, dass manche recht gute Con-\ncerte unter v. Turanyi's Leitung zu Stande kamen, wozu\nauch wesentlich beitrug, dass bald nachher die bis dahin\nunsicheren Orchester-Zustände durch die städtische Ver-\nwaltung der Art geregelt wurden, dass das ganze Orchester\nin städtischen Sold trat, so dass es möglich wurde, die\nLücken mit mehr oder weniger tüchtigen Kräften zu be-\nsetzen und das Corps einheitlicher heranzubilden. Und so\nwürde ohne Zweifel das ganze hiesige Musikwesen einer\nschönen Zukunft entgegen gegangen sein, wenn nicht jene,\nAnfangs genannte Partei nun wieder das Zerwürfniss her-\nbeigeführt hätte. lndess wollen wir hoffen, dass sie\nnach und nach zu der Einsicht gelangen möge, dass ihre"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.5", "texte": "Projecte der gesunden Grundlage entbehren, dass Herr\nWenigmann, obgleich guter Geiger und wohl befähigt, ein\nMänner-Quartett einzustudiren, doch nicht die musicalische\nBildung und Fähigkeit besitzt, um an der Spitze des ge-\nsammten Musikwesens einer Stadt wie Aachen zu stehen,\nund dass jene Partei dann wieder zu dem gemeinsamen\nMittelpunkte unserer musicalischen Interessen zurückkeh-\nren werde.\nDie Reihe der winterlichen Abonnements-Con-\ncerte, welche in den beiden vorhergehenden Jahren auf\nsechs ausgedehnt worden war, schrumpfte im eben abge-\nlaufenen Winter durch jene oppositionellen Bestrebungen\nwieder auf zwei zusammen. (!) Das erste brachte eine Ouver-\ntüre von Ferd. Ries, zwei Lieder für Sopran, eine grosse\nViolin-Phantasie von Leonard, den 100. Psalm von\nHändel und die A-moll-Sinfonie von Mendelssohn;\ndas zweite war zusammengesetzt aus der Ouvertüre zu\nKönig Stephan von Beethoven, einigen Chören (gemisch-\nten) ohne Begleitung, dem Concert-Rondo lür Pianoforte\nvon Hummel und einer Sinfonie in F-moll von C. v. Tu-\nranyi. Die Ausiührung der meisten dieser Sachen, beson-\nders aber der beiden Sinfonieen, war frisch und gelungen.\nIn Bezug auf den Violin-Vortrag im ersten dieser Concerte\nhabe ich Sie mit einem tüchtigen Künstler, der unserem\nOrchester angehört, von dem aber bis jetzt in auswärtigen\nBlättern, so viel ich weiss, noch nicht die Rede war, be-\nkannt zu machen. Der junge, mit Fleiss, Talent und Ge-\nschmack reich begabte Mann heisst Wipplinger, ist aus\nHalle gebürtig, hat bereits manche der früher hier Statt ge-\nhabten Concerte mit seiner Violine ausgeschmückt, aber\nsich in letzter Zeit auf einen so entschiedenen Höhepunkt\ngeschwungen, dass wir ihn unbezweifelt mit zu den besten\nKünstlern des Rheinlandes zählen dürfen. Die besagte Piece,\n„Regrets et Friereu betitelt, trug er in allen Theilen so\nnett, correct und mit so vielem poetischen Zauber vor, dass\ner unser sonst eben nicht sehr empfängliches Publicum fast\nelektrisirte; und ein Violin-Concert von David, welches\nwir neulich in einem Privatkreise von ihm hörten, bewies\nin seiner ganzen tonkräftigen und gediegenen Ausiührung,\ndass er auch dem grossen Concert-Stil nun gewachsen ist.\nAls nächste Production hat er sich das Beethoven'sche Con-\ncert mit den Joachim'schen Cadenzen gewählt; er wird\ndaran einen harten Probirstein haben. Zudem bildet er einen\nder Glanzpunkte unserer musicalischen Privat-Soireen, in-\ndem er die Violin-Partieen der Sonaten, Trios, etc. (u. A.\njene der grossen Sonate in A, Op. 47, von Beethoven) sehr\nschön ausführt. Als Primarius in Streich-Quartetten steht\ner hier, was Schönheit des Tones, Ausdruck und Fertigkeit\nanbelangt, unbedingt oben an und ist dazu ein äusserst\nfester und präciser Geiger im Orchester, so dass er in jeder\ngrösseren Stadt als Vorgeiger und Concertmeister am Platze\nwäre, und hier nur nicht dazu gekommen ist, weil er\ndie Liedertafel nicht dirigiren konnte oder mochte. Im\nbesagten zweiten Concerte spielte Herr v. Turanyi die\nHummersche Clavier-Piece mit gewohnter Fertigkeit und\nschönem, perlengleichen Vortrage. Was aber das Concert\nzu einem Ehren-Abende für ihn gestaltete, war die Auffüh-\nrung seiner Sinfonie in F-moll,eines Werkes von tief-\nernstem Charakter, sich in Form und Gestaltung an die\nalten Meister anlehnend, nicht allein schöne Themen auf-\nweisend, sondern dieselben auch in kunstgerechter Verar-\nbeitung, in stets neuen Wendungen durchlührend. Nach\neiner getragenen Einleitung folgt als\nzweiter Satz eine Romanze in als dritter das unver-\nmeidliche Scherzo, welches sich in dem F-moll-Gewmde\netwas curios ausnimmt, jedoch von einem wunderschönen\nTrio gefolgt ist, in welchem sich zwei liebliche Melodieen,\ndie eine von den Violinen, die andere von den Rohr-Instru-\nmenten getragen, beständig durchkreuzen, als ob eine der\nanderen die Einwirkung auf das Gemüth nicht gönnen könne.\nDas Finale ist wieder ein Allegro con fuoco und reisst den\nZuhörer mit sich fort durch eine Reihe wilder harmonischer\nCombinationen, so wie denn das ganze Werk der Ausdruck\neines zerrissenen Gemüthes, stellenweise tiefer, stiller Trauer\nnachhängend, genannt werden kann. Dass dasselbe bei der\nMasse der Zuhörer besonders gezündet hätte, kann ich\nnicht sagen; das grosse Publicum gibt auf derartige Cha-\nrakter-Gemälde, namentlich düsterer Art, nicht viel. Indess\nbei denjenigen Naturen, welche zu der lebendigen Auffas-\nsung eines solchen disponirt sind, hat es grosses Interesse\nerregt, so wie nicht minder bei den Kunstverständigen,\nwelche die Handhabung der Mittel zu beurtheilen wissen.\nWünschenswerth wäre es, dieses geistvolle Kunst-Product\nauch in weiteren Kreisen bekannt zu sehen.\nSonst brachte uns der Winter in der OelTentlichkeit,\nausser den monatlichen Quasi-Concerten des Instrumental-\nVereins, über dessen Wirken ich Sie in einem künftigen\nBriefe unterhalten will, noch zwei Streich-Quartett-Unter-\nhaltungen der Herren Gebr. Wenigmann und Nütten,\nso wie ein paar Concerte der Liedertafel (unter Direction\ndes Herrn F. Wenigmann), denen noch ein drittes folgen\nsoll. Abgesehen von dem Ihnen bereits oben angedeuteten\noppositionellen Standpunkte dieser letzteren Concerte, wel-\nche noch dazu die Eigentümlichkeit haben, dass sie von"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.6", "texte": "einem Männergesang-Vereine ausgehen, aber nur gemischte\nChöre vorlühren, ist das Streben anerkennungswerth, dem\nPublicum (welches nur schwach vertreten war) recht viel\nNeues und Interessantes zu bieten. Eines derselben brachte\nz. B. Hiller's Phädra-Ouverture und „0 weint um sie\",\ndie Christus-Chöre von Mendelssohn und die vorige\nPfingsten in Düsseldorf gehörte Sinfonie in D-moll von\nSchumann, welches alles auch leidlich vom Stapel lief,\nwenngleich allenthalben, wie es mir schien, der Geist der\nSache fehlte, so namentlich in der Sinfonie, welche, obgleich\neines der populärsten und klarsten Werke Schumann's,\ndoch nur einen matten Eindruck hinterliess.\nDie Streich-Quartett-Productionen der Herren Gebr.\nWenigmann etc. haben etwas Manierirtes, so wie auch die\nmeisten der Männerchöre, welche Herr F. Wenigmann ein-\nstudirt; er arbeitet zu sehr auf den äusseren Effect hin.\nHiervon abgesehen, sind mehrere der Quartette recht\nhübsch ausgeführt worden, wenngleich noch viel fehlt, um\nden Anforderungen zu genügen, die man an ein öffentlich\nauftretendes, künstlerisches Quartett stellt, wie sie z. B.\nvon Ihrem kölner Quartett stets, wann ich es zu hören\nGelegenheit hatte, so schön erfüllt wurden. Indess, das\nStreben ist löblich. Auf die einzelnen Instrumente zurück-\ngehend, dürfte der ersten Geige ein schönerer, ausgiebige-\nrer Ton und der zweiten ein mehr sauberes Spiel zu wün-\nschen sein; Bratsche und Cello sind dagegen in ganz guten\nHänden.\nVon einigen anderen sehr beachtenswerthen Künstlern\naus unserer Mitte, so z. B. von unserem ersten Cellisten\nSuhr, von unserem wackeren Pianisten Bött eher etc.,\nbehalte ich mir vor, Ihnen bei nächster Gelegenheit Einiges\nzu berichten, um die Skizze zu vervollständigen von dem,\nwas bei uns in musicalischer Beziehung lebt und webt.\nMein heutiger Brief ist ohnehin lang genug. Und somit\nGott befohlen!\n\nSeverus.\n\nAus München.\nDen 29. April 1854.\n„Ein junger Componist und Clavierspieler, Franz\nWüllner aus Westfalen, gewann sich in letzter Zeit viel-\nfach die lebhafte Theilnahme der münchener Musikfreunde\ndurch seinen gediegenen und durchdachten Vortrag classi-\nscher Ciavierwerke. Es ist durch Liszt und die Neu-Roman-\ntiker Mode geworden, die Beethoven'schen Concertstücke\nin einem möglichst renommistischen, überpathetischen Cha-\nrakter vorzutragen, ähnlich wie mittelmässige Schauspieler\nim Geiste der Schiller'schen Dichtung zu declamiren glau-\nben, wenn sie jedes Schlagwort mit dem gewaltigsten Pa-\nthos betonen. Man sollte umgekehrt bei Schiller wie bei\nBeethoven das Pathos des Vortrags am allermeisten massi-\ngen, weil die schwache Seite beider (?) Meister gerade\nim Hinneigen zur declamatorischen Uebertreibung liegt.\nIm Gegensatz zu jener falschen modernen Manier sucht\neben Herr Wüllner in den Deethoven'schen Werken den\nclassischen Geist, den Geist des Maasscs und der in sich\nbefriedigten Schönheit klar und anspruchslos hervorzuheben.\nWer mit uns die kunstgeschichtliche Grösse Beethoven's\nnicht darin erblickt, dass er ein Vorläufer von Meyerbeer,\nBerlioz und Wagner, sondern dass er der Vollender unse-\nrer classischen Musik-Epoche gewesen ist, der wird jener\nAuffassung des genannten jungen Künstlers seinen Beifall\nnicht versagen.\"\nWir stimmen in dieses Urtheil der Allg. Zeitung über\nHerrn Franz Wüllner vollkommen ein; er hat hier durch\nsein Talent sehr freundliche Aufnahme, besonders auch bei\nMeister Kaulbach und bei Lachner gefunden. Die Quelle\naber, aus welcher der junge Künstler zu solcher Auffassung\nund Darstellung Beethoven'scher Ciaviermusik gekommen,\nscheint die Allg. Zeitung nicht zu kennen; es ist diese der\nUnterricht von A. Schindler, welchen er an sechs Jahre\nlang in Münster genossen hat. Da dessen Studien bei\nSchindler noch fast in seinem Knabenalter (Franz Wüllner\nwar damals dreizehn Jahre alt) begannen, so war es ein\nGlück, dass der zum Virtuosen bereits gelegte Unterbau\nnoch zerstört und für eine edlere Richtung unschädlich ge-\nmacht werden konnte. Der Lehrer nahm sich des Schülers,\nin welchem er alsbald die Fähigkeit zu einem höheren\nKünstler-Berule als dem eines Virtuosen entdeckte, mit\nvoller Liebe an und hoffte, in ihm ein würdiges Talent ge-\nfunden zu haben, auf das er nach methodisch geordnetem\nBildungsgange endlich das geistige Vermächtniss Beetho-\nven's übertragen könne. Seine Hoffnung hat ihn nicht ge-\ntäuscht; Franz Wüllner liefert durch seine Vorträge den\nBeweis, dass er die heilige Tradition vollständig in sich auf-\ngenommen hat.\n•kick\n\nDeutsche Tonhalle.\nDer zweite Jahresbericht der Deutschen Tonhalle, ausge-\ngeben Mannheim, im Ostermonat 1854, zeigt uns als hohe Gön-\nner des vaterländischen Unternehmens: Se. Königl. Hoheit Fried-\nrich, Prinz-Regent von Baden, Se. Königl. Hoheit Ludwig 111.,\nGrossherzog von Hessen, Se. Hoheit Ernst 11., regierenden Her-\nzog von Sachsen-Coburg-Gotha, Se. Durchlaucht Karl\nEgon, Fürst zu Fürstenberg, und Ihre Durchlaucht Maria"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.7", "texte": "Magdalena, Fürstin von Vscnburg-Birstein, und ausserdem 264\nMitglieder, theils musicalische Vereine, theils Künstler und Kunst-\nfreunde. Die Cassen-Uebersieht über das zweite Jahr 1853\n1854 ergibt folgendes Resultat:\nEinnahme:\nAus voriger Rechnung . . , . . * .... 102 Fl. 48 Kr.\nEintrittsgeld von im zweiten Jahre beigetretenen\nMitgliedern . * 53 „ 5 „\nBeiträge in diesem Vereinsjahrc 128 „ 45 „\nMehrleistungen und ausserordentliche Geschenke\nzur Vereins-Casse 260 „ 6 „\nVerschiedenes 3 „ 23 „\n548 Fl. 7 Kr.\nAusgabe:\nFür Schreib-Bedürfnisse 5 „ 6 „\nDruckkosten und Schreib-Gebührcn 42 „ 19 „\nPost- und Send-Gebühren 28 „ 27 „\nAuf Preise verwendet (Man sehe unten.) .... 151 „42 „\nBedienung und Verschiedenes 27 „ 47 „\nDcrmaliger Cassen-Vorrath, zur nächsten\nRechnung kommend 292 ~ 46 „\n548 Fl. 7 Kr.\nDer Verein hat bisher für folgend benannte Aufgaben die bei-\ngesetzten Preise ertheilt, beziehungsweise ausgesetzt: I. für eine\nFest-Ouverture 15 Ducaten; IL für eine Hymne 15 Ducaten; 111.\nfür ein Yiolin-Trio 12 Ducaten; IV. für einen Quintettsatz für\nBlas-Instrumente ausgeschrieben 10 Ducaten, und V. für drei Kir-\nchengesänge 12 Ducaten. Beide letztgenannte Preis-Ausschreiben\nwerden im Monat Juni und September 1854 zur Erledigung kom-\nmen und die Ergebnisse dann angezeigt werden.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHüllt. An die Stelle des Herrn Karl Rei necke (welcher\nbekanntlich als Musik-Director nach Barmen geht) ist Herr Ferdi-\nnand Breuning als Lehrer an der Rheinischen Musikschule an-\ngestellt worden. Dieser junge, äusserst talentvolle Mann, welcher\nsich früher unter Mendelssohn, Moscheies und Hauptmann in Leip-\nzig ausgebildet, steht daselbst, wo er in den Gewandhaus-Concerten\noft und mit grossem Erfolg aufgetreten ist, noch im besten Anden-\nken. Köln gewinnt an ihm einen höchst ausgezeichneten Pianisten\nund Organisten, einen in jeder Hinsicht durchgebildeten Ton-\ntünstler.\nH\n** Elberfeld. Wenn ich nicht irre, haben Ihre Blätter be-\nreits die Mittheilung gebracht, dass der ausgezeichnete Organist\nJ. A. van Eyken, Schüler Mendelssohn's und Joh. Schneiders,\ndie von unserem verewigten Schornstein durch 47 Jahre bekleidete\nStelle an der hiesigen reformirten Kirche erhalten hat. Am 21.\nApril gab er vor mehr als 1000 Zuhörern sein Abschieds-Concert\nin Rotterdam, worin er die grossartigsten Compositionen von\nBach, Schumann und Mendelssohn, so wie einige eigene Orgel-\nwerke vortrug. Seine Uebersiedelung nach Elberfeld wird in der\nersten Hälfte Mai Statt finden, also gleichzeitig mit Rein ecke's\nUebersiedelung nach Barmen. Das Wupperthal erhält an diesen\nbeiden Künstlern und unserem Herrn. Schornstein eine musi-\ncalische Trias, wie sie wenige rheinische Städte glänzender auf-\nweisen können.\n** 31 iiiist er. Wir haben in unseren letzten Abonncments-\nConcerten den Genuss gehabt, die Herren Ed. Fr an et und Karl\n11 ei necke von Köln zu hören und zugleich einige ihrer neuesten\nWerke kennen zu lernen. Ed. Franck trug am 7. April ein Cla-\nvier-Concert von seiner Composition und sein vortreffliches Arran-\ngement der Zauberflöten-Ouverture für Pianoforte vor; in beiden\nbewährte er sich als ausgezeichneter Pianist, namentlich riss die\nmeisterhafte Ausführung der Ouvertüre zur Bewunderung hin. Auch\nein Adagio aus einer seiner Sinfonieen erhielt verdienten Bei-\nfall. Karl Rein ecke luhrte am 22. April seine Sinfonie\nin G-dur auf, welche unter lebhaftem Beifall als ein vorzügliches\nWerk allgemein anerkannt wurde, und sowohl durch melodische\nErfindung als thematische Arbeit und wirkungsvolle Instrumentirung\nden grossen Fortschritt des Componisten in der edelsten Richtung\nbekundete. Sein Vortrag des Cr-mo//-Concertes von M e n dels s o h n,\neines Notturno von Chopin und der Ballade von seiner eigenen\nComposition zeigte uns den Pianisten ersten Ranges, der seines In-\nstrumentes in jeder Hinsicht Meister ist.\nILHdeiisclieid. Am 30. April gab der Städtische Gesang-\nVerein seinem Director, Herrn Louis Weinbren ner, ein Be-\nnefiz-Concert. Das Programm war gut gewählt, und vergeben wir\ngern zwei darin aufgenommene Nummern, welche offenbar eine\nkleine Concession dem hiesigen Publicum gegenüber wa-\nren. WTir heben daraus hervor Beethovens grosse Ouvertüre in C,\nOp. 124 (achthändig für zwei Pianoforte), womit das Concert ein-\ngeleitet, welche aber wenig verstanden wurde. Ferner Ililler's treff-\nliche lyrische Composition: „0 weint um sie\", und das herrliche\nFinale zur Lorelei von Mendelssohn. Alle, hier noch unbekannt,\nfanden bei gelungener Aufführung den wohlverdienten Beifall.\nAusserdem trug Herr Weinbrenner mit einer hiesigen tüchtigen\nDilettantin, der Frau Kreisrichter S , die reizenden Variatio-\nnen über das Glockenspiel aus der Zauberflöte von H. Herz für\nzwei Pianoforte vor, welche einen ausserordentlichen Beifall fanden\nund die, eines der ersten Opus des Componisten, noch fern von\naller Finger-Seiltänzerei, zu der soliden, brillanten Hummerschen\nSchule gehören.\nUariiistaclt. Wagners Lohengrin ist am 17. v. Mts. unter\nSchindelrneisser s Direction zur Aufführung gekommen. Die Aus-\nführung und Ausstattung war eine durchweg gelungene und von\nder Kritik mit vollem Lobe anzuerkennende. Der Erfolg der Oper\nwar Seitens des Publicums ein massiger.\nFranz Liszt ist vom Herzog von Coburg zum Commandeur\ndes Verdienst-Ordens der Ernestinischen Linie ernannt worden.\nFräulein Jenny Ney hat bei ihren Gastspielen in Braun-\nschweig und Frankfurt das Publicum jedesmal zu dem stürmisch-\nsten Beifall hingerissen. Fräul. Ney ist allerdings eine dramatische\nSängerin ersten Ranges, die keiner lebenden Nebenbuhlerin im\nIn- und Auslande den Rang über sich einzuräumen braucht.\nVerdi's Rigoletto ist in München mit Beifall gegeben\nworden.\nDie italiänische Oper in Wien missfällt gänzlich. Die wiener\nBlätter sprechen sich übereinstimmend sehr ungünstig über deren\nLeistungen aus."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540513-01.1.8", "texte": "Meyerbeer hat Herrn Cornet in Wien das Recht der ersten\nAufführung des L'etoile du Nord in Deutschland zugestanden. Die\nübrigen deutschen Theater werden also warten müssen, bis Herr\nCornet die vielbesprochene Oper herausgebracht hat, ehe sie die-\nselbe geben dürfen.\nParis» Die 25 ersten Vorstellungen von Meyerbcers Eloile du\nNord haben 150,000 Francs brutto eingetragen, also in mittlerer\nSumme 6200 Frcs. jeden Abend. Dabei ist das Abonnement nicht\nmitgerechnet, welches die Gesammt-Einnahmc noch um 5—6000\nFrcs. vergrössert. Bei diesen 25 Vorstellungen ist die Casse kein\neinziges Mal geöffnet worden, weil alle Plätze immer im Voraus\ngenommen waren, was in den Annalen der komischen Oper noch\nnie vorgekommen ist.\nEmile Prudent geht nach London; Fräulein Wilh.\nClaussist schon dort, eben so Vi vier mit seinem Zauberhorn.\nDie France Musicale der Herren Escudier lässt sich aus London\nbei Gelegenheit des Auftretens von Sophie Cruvelli in Coventgar-\nden über Fidelio schreiben: „Dieses dramatische Werk von Beet-\nhoven hat hier wie überall nur einen succes d'estime gehabt.\" Ein\nsucces d'estime ist eine verblümte Redensart für Durchfallen. Nun\naber ist Fidelio schon seit lange in London auf dem Repertoire\nder italiänischen Oper. Das Finale des zweiten Actes ist oft\ndoppelt begehrt worden. Heisst das ein succes d'estime? Werke, die\nsich auf dem Repertoire halten, kann man nicht so bezeichnen,\nwenn man nicht lügen will.\nDer Kölner Männergesang-Verein ist am 5. Mai nach London\nabgercis't und dort glücklich angekommen. Das erste Concert des-\nselben fand Montag den 8. d. Mts. Statt und hatte bei vollem Saale\nden günstigsten Erfolg.\nIn Paris kam eine junge Choristin zu einem ihr bekannten\nLehrer mit der Bitte, sie doch in den Noten zu unterrichten.\n„Wozu?\" fragte er. „Ich bin bei der Oper als Choristin mit\n1000 Frcs. Gage angestellt.\" „Sie haben ja keine Stimme!\"\n„Ich kann nicht einen Ton gurgeln.\" „Sie müssen aber doch\nsingen; wie machen Sie das?\" —„Wenn Alle zusammen schreien,\nso öffne ich nur den Mund und klappe ihn wieder zu; nun denkt\nalso, wer mich sieht, ich sänge mit.\" „Aber der Chor-Director ?\"\n„Von ihm eben bin ich empfohlen.\"\nDer ehemalige Director des Conservatoriurns in Warschau, Jo-\nseph E1 s n e r, ist im 84. Lebensjahre auf seinem Landsitze bei\nWarschau gestorben.\nDer Pianist Morticr de Fontaine, der auch in Köln vor\nmehreren Jahren einige Concerte gab und sich mit der hier in gu-\ntem Andenken stehenden Sängerin Limbach verbunden hat,\nweilt dauernd in Petersburg. Er hat dort eine Reihe histori-\nscher Concerte gegeben, die aber vom Publicum ziemlich unbe-\nachtet blieben. Die Russen machen allerdings eben selbst historische\nMusik, wo die Sechs- und Zwölfpfünder den Grundbass haben.\nJullien gibt mit seinem Orchester gegenwärtig Concerte in\nNeu-Orlean s.\nCuriosum. Es existiren bekanntlich von Beethoven mehr\nals ein volles Dutzend Abbildungen, darunter nach dem bewährten\nUrtheilc eines langjährigen Freundes und Umgangs-Genossen Beet-\nhoven s nur drei als ähnlich zu beachten sind. Da kommt kürzlich\nein münchener Maler zu eben diesem Freunde und theilt ihm mit,\ndass er den Auftrag von einer renommirten Musikhandlung in\nMainz erhalten habe, ihr ein Portrait Beethoven's zu liefern. „Wa-\nrum? WTesshalb? da schon so viele da sind?\" fragt jener. „Die\nHerren ***** wollen ein eigenes besitzen; ich muss also eins an-\nfertigen, gleichviel, wo ich es hernehme.\" „Aber wie wollen Sie\ndenn das anfangen, um ein gutes, ähnliches aufs Papier zu brin-\ngen ?\" „Ach, um das handelt es sich nicht. Sind, wie Sie sa-\ngen, unter den vorhandenen die meisten unähnlich, so braucht ja\ndas meinige auch nicht ähnlich zu sein, wenn es nur gut gemacht\nist und der Name Beethoven darunter steht. Natürlich erlaubte\nsich der Fragesteller gegen diese speculative Beweisführung weiter\nkein Aber und Wenn."}]}