{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-07-08-01", "volume": "bmtnabi_1854-07-08_01", "ocr_sha256": "6de8047c5b503eae844e2dad78c18e726894dc8823fe88ae608dbb776c0c953b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/07/08_01/bmtnabi_1854-07-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-07-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-07-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1854-07-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "211", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.2.1", "titre_corps": "Ueber Meyerbeer’s Stern des Nordens.", "titre_sommaire": "Ueber Meyerbeer’s Stern des Nordens.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4098, "texte": "Ueber Meyerbeer’s Stern des Nordens.\nP. Scudo hat einen zweiten Band seiner musicali-\nschen Schriften unter dem Titel: L'art ancien et l'art mo-\nderne, der uns übrigens sehr wenig gerechtfertigt erscheint,\nda er viel zu allgemein gehalten ist, herausgegeben; er\nenthält die Aufsätze, welche der zwar etwas oberflächliche,\naber doch geistreiche Kritiker in den letzten Jahren in die\nRevue des deux mondesund in das Journal wel-\nches in Deutschland wenig gelesen werden dürfte, geliefert\nhat, und schliesst mit einem Artikel über Meverbeer's\nletzte Oper, aus welchem wir einen kurzen Auszug geben\nwollen, der, wenn er auch nicht eben neue Ansichten über\nden berühmten Componisten enthält, doch von Interesse\nfür unsere Leser sein dürfte, zumal wenn sie sich der Ana-\nlyse derselben Oper durch unseren pariser Corresponden-\nten in Nr. 8, 9 und 10 des laufenden Jahrgangs dieser\nBlätter erinnern wollen.\nScudo nennt die Invasion Meverbeer's auf das Gebiet\nder Gretry, Boieldieu, Auber u. s. w. ein Ereigniss, das in\nder Kunstgeschichte Epoche machen werde. „Auf welchen\nGesichtspunkt man sich auch stelle, mag man Meyerbeer's\nSystem vollständig billigen oder dessen Tendenzen verdam-\nmen, so kann man doch die Tragweite dieses Versuchs\neines grossen Componisten, die Kluft, welche die Akademie\nder Musik von derjenigen bescheidenen Opernbühne trennt,\ndie aus der Fortbildung des Vaudevilles entstanden ist, zu\nüberspringen, nicht verkennen.\" Die letztere Ansicht ist\nnicht richtig; die französische komische Oper ist aus der\nitaliänischen derselben Gattung hervorgegangen, nicht aus\ndem Vaudeville, wie wir in einem Aufsatze „ Zur Geschichte\nder komischen Oper\" in der von uns herausgegebenen\nMusik-Zeitung (damals Rheinische Musik-Zeitung, Jahrg. 11.,\nNr. 23, vom 6. Dec. 1851) dargethan haben. Die italiäni-\nschen Intermezzi auf dem Thedtre de la Foire, und nament-\nlich Pergolese's La Serva Padrona (1732, aber erst\n1750 in Paris gegeben), gaben den Anstoss dazu. Danach\nkam Duni, der Italiäner, und dann die Franzosen Mon-\nsigny und Philidor, die Scudo richtig anlührt, aber dabei\nden Franzosen Antoine d'Auvergne vergisst, dessen Tro-\nqueursschon 1 753 Aufsehen machten. Dass sich die Fran-\nzosen den Geist der komischen Oper sehr leicht aneigneten\nund ihn eigenthümlich ausbildeten, ist allerdings wahr.\nEben so richtig ist die Eintheilung der Geschichte der\nkomischen Oper in Frankreich in drei Perioden, wie Scudo\nsie angibt. Die erste, Gretry mit eingerechnet, schliesst mit\nder Revolution von 1789. „In der zweiten erschienen\nComponisten höheren Ranges. Mehul in seiner Euphrosyne\nund Conradin, in der Stratonice und im Joseph, Le Sueur\nin La Caverne,Cherubini im Wasserträger, Berton in Mon-\ntano und Stephanie verwandelten die komische Oper in\ndramatische Gemälde, in denen die Tonkunst einen freieren\nLauf nimmt im Zuschnitt und in der Verwicklung der Ge-\nsammt-Musikstücke, in der Stärke und dem Colorit der\norchestralen Instrumentation. Dieser Aufschwung stieg bis\n1810, wo ein augenblicklicher Stillstand in der musicali-\nschen Entwicklung des lyrischen Lustspiels eintrat. Die\nUebergangs-Periode füllte das liebenswürdige Genie Boiel-\ndieu's und das glückliche Talent Nicolo's aus. Mit der\n„Weissen Dame\", welche den Einfluss Rossini's auf die\nfranzösische Schule offenbart (?), mit Herold's Zampa und\nAuber's Domino noir tritt sodann die dritte Umgestaltung\nder Gattung ein, die Periode, in welcher wir uns gegen-\nwärtig befinden.\"\nWenn dem also ist, was wir im Ganzen einräumen\n(nur dass wir die „Weisse Dame\" von Boieldieu keineswegs\nals den Anfangspunkt der dritten, sondern als den Gipfel-\npunkt der zweiten Periode betrachten, als den Höhepunkt\nder französischen Schule der komischen Oper, während\nmit „Zampa\", dem „Schwarzen Domino\", „Fra Diavolo\"\nu. s. w. die Verderbung derselben durch Raffinement und\nübermässige Instrumentation beginnt), wie kann alsdann\ndas Erscheinen von Meverbeer's Stern des Nordens „ein\n«j '\nEreigniss sein, das in der Geschichte der komischen Oper\nEpoche machen wird\"? Wir sehen darin nur eine Folge\ndes bisherigen Entwicklungsganges jener Oper in der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5113, "texte": "neuesten Zeit und wünschten gar sehr, und zwar zum\nBesten der echten komischen Oper, dass dieses so genannte\nEreigniss der Schlussstein eines Baues wäre, den man in\neine Höhe hinauf gelührt hat, wo er nicht hingehört, und\nauf welcher er nothwendig verwittern und zerbröckeln und\nam Ende einstürzen muss, weil sein Fundament aus einem\nMaterial besteht, welches die daraul gethürmte Last nicht\ntragen kann. Wenn Herr Scudo daher am Schlüsse sagt:\n„Der Stern des Nordens ist ein Werk, dem man Beifall\nspenden, das man aber nicht nachahmen muss, weil diese\nNachahmung die Verderbung der Kunst und der Un-\ntergang der französischen Schule sein würde,\" so stim-\nmen wir mit ihm überein und sehen in seinen Worten nur\neinen aus Rücksicht für den berühmten Namen des Com-\nfonisten auf artige französische Weise eingekleideten Aus-\nspruch der Ueberzeugung des Kritikers nicht nur von der\ngefährlichen Bedeutung des Werkes selbst, sondern auch\nvon dessen Werth als Kunstwerk einer bestimmten Gat-\ntung. Den Weg zu dieser Abart oder wohl richtiger Ent-\nartung der komischen Oper hat1 aber Meyerbeer nicht zu-\nerst betreten; er hat nur und das wieder ganz nach\nseiner Art und mit seinem ganzen Talente die Theil-\nnahme ausgebeutet, welche das grosse Publicum denen\nschenkte, die ihn immer breiter machten und mit Krachen\ndurch Felsen bahnten, während die älteren Franzosen uns\ndurch reizende Thäler und über blumige Wiesen führten.\nDennoch glauben wir nicht, dass sich diese Art der\nkomischen Oper, d. h. die hochtrabende, fast melodramati-\nsche, in Frankreich halten wird, und dieser Glaube stützt\nsich auf die Erfahrung, dass in der neuesten Zeit viele\nkleinere ein- und zweiactige Opern von Bazin, Masse und\nAnderen, welche zum einfachen Stil zurückgekehrt sind,\nausserordentlichen Beifall gefunden haben, und dass in\nParis selbst die Urtheile über die Spectakel-Geschichten\nund H eer-Musiken auf der Bühne der komischen National-\nOper sehr getheilt sind, und ein bedeutender Theil des\nPublicums, und zwar gerade der echt französische, wozu\nsämmtliche Habit uesdieses Theaters gehören, nichts weni-\nger als zufrieden damit ist. Ich erinnere mich selbst sehr\ngenau der Wuth eines solchen Theater-Besuchers, neben\nden ich vor zwei Jahren bei der Aufführung des\nneur de Bruges von St. Georges, Musik von Grisar, zufäl-\nlig zu sitzen kam. Bei den nervenpackenden Scenen dieser\nkomischen (!) Oper (in welcher man z B. den Schrei der\nTochter hört, die sich, während der Vater die Glocke zur\nRevolution läutet, oben vom Thurme herabstürzt, aber na-\ntürlich oder vielmehr unnatürlich gerettet wird) und bei\ndem Lärm des Orchesters rief mein Nachbar einmal über\ndas andere aus: „ Quelle horreu\ncomique! Nous voilä ä la Porte St. Marlin!\"\nWir übergehen die Analyse des Libretto, die un-\nser Correspondent in den angeführten Artikeln bereits über-\nsichtlicher und mit besserer Kenntniss der zwingenden Um-\nstände und der deutschen Opern, welche dazu allerlei In-\ngredienzien geliefert haben, gegeben hat. Ueber die einzel-\nnen Musikstücke stimmt Scudo's Urtheil so ziemlich mit\ndemjenigen, das in jenen Artikeln ausgesprochen wurde, über-\nein, und es ist zu loben, dass er bei aller Anerkennung\nvon Meyerbeer's Talent keineswegs blind für die Abwege\ndesselben ist, und namentlich ihm nicht so plump gewickelte\nSträusse von Lob ins Gesicht wirft, wie Berlioz in den\nDebats gethan hat. Ueber das Finale des zweiten Actes\nsagt er im Gegentheil, „dass der Lärm den musicalischen\nGedanken erdrücke, und dass der Effect dieses Tour de\nforce (mit den drei Orchestern) Manches zu wünschen lasse\nund mehr Feuer als Licht zeige.\"\nIm Ganzen spricht er sich über Meverbeer, nachdem\ner einen kurzen Abriss seiner tonschöpferischen Thätigkeit\ngegeben (Romilda e Costanza 1818 in Padua, Margarita\nd'Anjou 1822 in Mailand, II Crociato 1825 in Venedig\nRobert der Teufel den 21. Sept. 1831, die Huge-\nnotten den 29. Februar 1836, der Prophet im Mai\n1849) und den Gegensatz zwischen den „Erwählten der\nBegeisterung und höheren Eingebung einerseits und den\nMeistern der Reflexion und Berechnung andererseits\" von\nAlexander und Cäsar bis auf Rossini und Meyerbeer herab\nbesprochen hat, folgender Maassen aus:\n„Zwischen seinem Charakter als Musiker und als\nMensch findet ein enges Band Statt. Alles, was nur irgend\nmöglich vorauszusehen und den Launen der Fortuna zu\nentziehen ist, wird sowohl im Leben als in den Werken\ndes talentvollen und tiefen Meisters vorher bestimmt und\ngeordnet. Mßyerbeer ist nicht bloss ein grosser Componist,\ner ist auch ein Taktiker ersten Ranges. Er überlässt nichts\ndem Zufalle, dieses Wort hat für ihn gar keinen Sinn, und\nwann er sich endlich entscheidet, eine dramatische\nSchöpfung, über welcher er lange mit Liebe gebrütet, in\ndie Wrelt zu setzen, so ist er so ziemlich gewiss, ihr ein\nangenehmes und ruhmvolles Dasein bereits gesichert zu\nhaben. Alle günstigen Wechselfälle sind durch ein Exempel\nvon Wahrscheinlichkeits-Berechnung vorgesehen, welches\neinem Laplace Ehre machen würde. Als ein Mann von fei-\nnem Verstände, edlem Charakter, freigebig und klug, voll\nFestigkeit uud Nachgiebigkeit, voll Glauben an sich und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2958, "texte": "zögernder Aengstlichkeit, bringt Meyerbeer in seine Werke\nein sonderbares Gemisch von verschiedenen Tendenzen\nund Eigenschaften, von grossen Leidenschalten und abson-\nderlichen Effecten.\n„ Er ist ein gewaltiger Realist, dieser Schöpfer Robert's\nund der Hugenotten, und eben desswegen musste er mehr\nin Frankreich Glück machen als in Deutschland, dem Lande\nder Ideale, und als in Italien, dem Lande der schönen For-\nmen. Er jagt nach dem Erfolge so, wie ein unverdrossener\nJäger das Wild verfolgt, ohne sich an die Hindernisse zu\nkehren, auf die er stösst, noch an die Abgründe, über\nwelche er seine ebenfalls gehetzten Zuhörer setzen lässt.\nWenn er nur den erforderlichen Ausdruck erreicht, Relief,\nFarbe und Leben, so kümmern ihn die Mittel zum Zwecke\nsehr wenig. Packende und complicirte Rhythmen, rauhe\nund schneidende Harmonie, fremdartige und häufige Modu-\nlation, Klang-Effecte der Instrumentation, welche die schroff-\nsten Contraste herausstellen er verschmäht nichts von\nallem dem, keinen Kunstgriff, um zu dem Erfolge zu gelan-\ngen, der ihm so sehr am Herzen liegt. Freilich ist seine\nKunst nicht jene erhabene, welche man in den Meister-\nschöpfungen des menschlichen Geistes nicht sieht, sondern\nfühlt und empfindet, sie tritt im Gegentheil in allen\nseinen Werken sehr sichtbar hervor. Alle seine Vorzüge\nund Fehler enthält denn auch der Stern des Nordens: er\nhat Reiz, Kraft, Leben, man muss ihm Beifall klatschen,\naber nicht ihn nachahmen.\"\nZuletzt redet der Kritiker den Componisten feierlich\nan: „Ja, mein theurer und ruhmgekrönter Meister, Sie\nsind ein grosser dramatischer Componist, eine gewaltige\nPersönlichkeit; aber der Weg, den Sie Sich gebahnt ha-\nben, ist ein gefährlicher und führt nicht ins Paradies. Wis-\nsen Sie, welches Ihre Nachkommenschaft in der Kunst sein\nwürde, wenn Sie eine haben könnten? Die Richard Wag-\nner und Genossen. Und Sie würden nicht das erste Haupt\neiner Schule sein, welches seine Kinder mit Zorn von sich\nwegstiesse. Es gibt beseligte Geister, welche, von Gott be-\ngabt, das allgemein Schöne darstellen und desshalb allein\nim Stande sind, eine ihrer würdige Schule zu bilden, wie\nRaphael, Correggio, Mozart, Cimarosa und Rossini; andere\naber tragen das Zeichen der Kühnheit und der Herrschaft\nan ihrer Stirn, und diese stolzen Geister, wie Dante, Michel\nAngelo, Shakspeare, Beethoven, müssen einsam und ohne\nNachkommen leben, sie können der Nachwelt nichts als\nihren unsterblichen Namen hinterlassen.\"\nDer letzte Gedanke enthält eine grosse Wahrheit; der\nEinfluss solcher Riesengeister, wie die zuletzt genannten,\ndenen auch Gluck hätte zugesellt werden können, auf die\nEntwicklung der Kunst ist immer tief und herrlich gewe-\nsen, aber ihre unmittelbare Nachahmung dient ge-\nwöhnlich nur dazu, die Unfähigkeit der Nachahmer, welche\nstatt der genialen Schöpfungen Jener verzwickte Caricatu-\nren in die Welt setzen, zu documentiren. An Beispielen\nfehlt es namentlich in der Tonkunst heutzutage leider\ngar nicht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-07-08-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-07-08_01#c002", "volume": "bmtnabi_1854-07-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "211", "page_fin": "212", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.2.2", "titre_corps": "Das Oratorium David, C. G. Reissiger’s neuestes und grösstes Werk.", "titre_sommaire": "Das Oratorium David, C. G. Reissiger’s neuestes und grösstes Werk.", "signature_source": "F. 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Sind seine veröffentlichten zahlreichen Compo-\nsitionen anderer Gattung durch den Reichthum an gefälli-\ngen Melodieen, so wie durch ihre klare Construction längst\nallgemein bekannt und beliebt, so ist es um so mehr zu\nbedauern, dass die grossartigsten Tondichtungen dieses\nMeisters bis jetzt unveröffentlicht und daher dem grössten\nTheile des deutschen musikliebenden Publicums fast gänz-\nlich unbekannt geblieben sind.\nReissiger hat für die königliche Flofkirche zu Dresden\nausser vielen Gradualen, Offertorien u.s.w. ein\ngrosses Requiem und zwölf Messen im edelsten\nStile geschrieben, welche Werke bis jetzt grösstentheils\nalleiniges Eigenthum der königlichen Hofkirche sind. In die-\nsen Tondichtungen bewährt er nicht nur ein grosses Ta-\nlent der Erfindung, sondern auch eine seltene Meister-\nschaft in allen contrapunktischen Formen. Unter den leben-\nden Tondichtern ist uns kein Meister bekannt, der so\ntreffliche Fugen geschrieben hätte, wie Reissiger in seinen\nMessen.\nNehmen nun schon diese Compositionen einen bedeu-\ntenden Standpunkt ein, so scheint doch der Tondichter in\nder Composition des Oratoriums David sein grösstes\nund erhabenstes Werk geliefert zu haben. lst dasselbe\nuns bis jetzt auch nur durch das Studium der Partitur, so\nwie durch eine Aufführung am Pianoforte näher bekannt\ngeworden, so treten wir doch in jeder Hinsicht dem Ur-\ntheile bei, welches C.Bank in Dresden über dasselbe\nnach einer daselbst Statt gefundenen grossartigen Auffüh-\nrung folgender Maassen ausspricht:\n„Es würde zu weit führen, hier auf Beantwortung der\nFrage einzugehen, in wie fern noch die protestantische"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4573, "texte": "Oralorien-Musik, das evangelische Epos, welches sich als\ngrosse Kunstform der volksmässigen protestantischen Cho-\nral-Lyrik anschloss, eine Aufgabe der Gegenwart in der\nTonkunst sein kann. Bezweifelt mag aber nicht werden,\ndass das Oratorium, aus dem begeisterten religiösen Ideen-\nschwunge hervorgehend, welcher im Anfange des achtzehn-\nten Jahrhunderts in der Musik seinen Ausdruck fand, durch\nden Geist und die innere Glaubens-Wahrheit dieser Periode\nund-die noch in allen Gemüthern anklingende Bedeutsam-\nkeit des Inhalts ein in jener Zeit tief wurzelndes organi-\nsches Leben fand, wie es der unsrigen entfremdet ist. In\nallen Kunst-Reproductionen wird alle Begabung des Ta-\nlentes, idealer Aufschwung, Reinheit des Geschmacks und\nkunstreich didaktische Technik nie die Kraft der Realität\nund naiven Ursprünglichkeit voll ersetzen können, eben so\nwenig, wie bei den Zuhörern ein geläuterter Kunstgeschmack\ndie warme Empfänglichkeit innerster Sympathie und Ueber-\nzeugung geben kann.\n„Abgesehen von der oben berührten Frage, ist die Auf-\ngabe des Oratorien-Componisten daher um so schwieriger.\nDenn in seiner Auffassung und Gestaltung gleichsam auf\neine illusorische Welt im Verhältnisse zum Zeitgeist ange-\nwiesen, stellen sich ihm zwei Haupt-Anforderungen, so\nentscheidend in ihrem Genügen als schwer in ihrer Ver-\nmittlung, entgegen. Er muss in Erfindung und Form sich\ndem Geschmack und der musicalischen Empfindungsweise\nder Gegenwart anschliessen, für die er schreibt, und die\nFortschritte der Instrumental-Mittel effectuirend benutzen;\nzugleich aber soll er auch dem würdigen Oratorien-Stile\nfrüherer Zeit treu bleiben, der, an sich schon balancirend\nzwischen religiös-kirchlichem Ernste und dramatischem\nfreiem Ausdrucke, durch diese modernen Bereicherungen\nnur um so leichter schwankend wird und vom rechten\nMaasse abirrt.\n„Die mit ausserordentlichem Talente, gediegenster Tech-\nnik und künstlerischer Erkenntniss gelungene Erfüllung\ndieser Bedingnisse in dem Oratorium Reissiger's erscheint\ndaher als jene seltene und vor Allem hervorzuhebende\nEigenschaft, welche ihm vor manchen anderen derartigen\nneueren Werken eine weit überlegene Berechtigung gibt\nund seinen übrigen Vorzügen eine lebendige Wirkung,\nTheilnahme und Anerkennung zuwendet. Der Componist\nhat im „David\" bei reicher und charakteristischer Erfin-\ndung, dramatischer Wahrheit des Ausdrucks und einer oft\nsehr reizenden und dabei einfachen Melodik die ernste und\nreligiöse Haltung und die Harmonie des Stils mit grosser\nMeisterschaft durchgeführt. Die Instrumentation einigt ihr\nmannigfaches und effectuirendes Colorit in würdevollem\nMaasse mit dem charakteristischen Ausdrucke des Inhalts;\ndie Durcharbeitung der Formen offenbart Geschmack und\neine gewandte und gediegene Technik ohne künstlich ge-\nsuchtes Machwerk und eine einfache und natürliche, oft\n/\ngrosse Conception in der Structur, mit Klarheit verbunden\nund ohne in zu grosse Dehnungen zu verfallen. Bilden diese\nallgemeinen Vorzüge der Composition das Werk zu einem\ntrefflichen Ganzen, das zugleich ohne auffällige reproductive\nAnlehnung die Individualität des Componisten vollkommen\nbewahrt, so erheben sich daraus einzelne Nummern durch\ncharakteristische Kraft und Originalität der Gedanken und\ngelungene Durchführung zu besonderen musicalischen\nSchönheiten. Wir rechnen dahin zum Beispiel gleich den\nersten Chor, den Sieges-Chor (Nr. 7), den Marsch und die\nKrönungDavid's (Nr. 12), den Chor „Frohlocket\" (Nr. 16),\n„Gott ist mein Hort\" (Nr. 20), die beiden Schlusssätze\netc., und in den Solosätzen ist es namentlich die Partie\nDavid's, die sich durch eine edle Empfindungsweise und\nWahrheit des melodischen Ausdrucks auszeichnet.\n„Das vorzügliche und für ähnliche Aufführungen höchst\nempfehlenswerthe Werk des geschätzten Meisters wurde\nmit ausserordentlichem Beifall aufgenommen, und die Auf-\nführung war unter der Direction des Componisten und un-\nter Mitwirkung der Dreyssig'schen Sing-Akademie und des\nSängerchors des Herrn Musik-Directors Schurig eine sehr\ngelungene. Besonders lobenswerth war der Vortrag des\n„David\" durch Herrn Tichatscheck und die vortreff-\nliche und glänzende Leistung des Fräulein Grosser in der\nSopran-Partie. Der Text die Geschichte des David in\nihren Haupt-Momenten ist den Worten des alten Te-\nstamentes (den Büchern des Samuel) entnommen; in einem\nwesentlichen Wendepunkte derselben, dem Sündenfalle Da-\nvid's, hat die Schwierigkeit des Ausdrucks zu einer Unklar-\nheit für die weniger Bibelkundigen verleitet, und es möchte\nnöthig sein, dieselbe durch Hinzufügung anderer Worte\nhinwegzuräumen.\"\n\nF. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-07-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-07-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1854-07-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "212", "page_fin": "213", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.2.3", "titre_corps": "Die Ouverture zu Beethoven’s Leonore (Fidelio),", "titre_sommaire": "Die Ouverture zu Beethoven’s Leonore (Fidelio),", "signature_source": "A. Schindler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.4", "debut_caractere": 4575, "fin_caractere_exclue": 5012, "texte": "Die Ouverture zu Beethoven’s Leonore (Fidelio),\n\nmit welcher die Oper 1805 zum ersten Male in Scene\ngegangen, ist nun in Partitur, und zwar vollständig in ur-\nsprünglicher Gestaltung, bei Breitkopf & Härtel erschie-\nnen und mit Nr. 2, wie in der Ordnung, bezeichnet wor-\nden. Schon um 1840 veröffentlichte diese Verlagshandlung\ndasselbe Werk nach der mir von Beethoven vor seinem\nHinscheiden in Abschrift übergebenen Partitur. Herr Prof."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2165, "texte": "Otto Jahn war bei seinen vor zwei Jahren in Wien un-\nternommenen Nachforschungen so glücklich, in der Rum-\npelkammer bei Artaria eine Partitur von dieser Ouvertüre\nin Reinschrift aufzufinden, welche wesentliche Stellen enthielt,\ndie in der bereits gedruckten fehlten. Verglichen mit den\nbei mir liegenden Orchester-Stimmen, die bei der ersten\nVorstellung der in zwei Acte zusammengezogenen Oper\n1814 wieder gebraucht worden, weil die neue Ouver-\ntüre in E-dur noch nicht fertig und erst zur zweiten Vor-\nstellung kam (s. Leipz. Allg. Musik-Zeitung, Jahrg. 16, S.\n420), ergab es sich unbezweifelt, dass die fehlenden Stel-\nlen von Beethoven selbst herrühren und offenbar als Ver-\nstümmelungen sich erweisen. In einem der neuen Auflage\nbeigegebenen Vorworte bemerkt Jahn: „So weit war Beet-\nhoven durch das unaufhörliche Drängen nach Kürzung ge-\nbracht, um auf diese Weise gegen sein eigen Fleisch und\nBlut zu wüthen.\" Möglich, dass darin allein der Grund der\nKürzung liegt; lür meinen Theil wäre ich wohl geneigt,\ndiesen Grund auch auf einer anderen Seite noch zu suchen.\nWie dem aber sei, die inhaltschwere und charakteri-\nstische Ouvertüre zu Fidelio deren Haupt-Tonart Che-\nrubini bei der ersten Auflührung 1805 nicht erkannt ha-\nben wollte —, sie liegt in ihrer ursprünglichen Gestaltung\nvor uns.\nMöge es Herrn Prof. Jahn gefallen, über alle vier\nOuvertüren zu Fidelio in nicht ferner Zeit niederzuschrei-\nben, was er dem Vernehmen nach darüber in petto trägt.\nEs wird diese Gabe gewiss von allen, die tiefer in diese\nWerke einzugehen wünschen, mit grossem Danke begrüsst\nwerden. Weder ist man im Allgemeinen über das Histori-\nsche derselben im Klaren, obwohl ich mich nicht unge-\nnügend darüber erklärt zu haben glaube, noch viel weniger\nist fast die gesammte Musikwelt mit dem Verständniss der\nPrimo- und .S'mmrfo-Genitur der beiden Ouvertüren in C\nüber Ein und dasselbe Motiv, von deren ersterer hier die\nRede, im Reinen. Daher denn das häufige Gefrage danach,\neben so wie das nach dem besten, ähnlichsten Bildnisse\nin der wahrhaft verwirrenden Menge der existirenden und\nwesentlich contrastirenden, unter denen der Name L. van\nBeethoven steht.\n\nA. Schindler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-07-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-07-08_01#c004", "volume": "bmtnabi_1854-07-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "213", "page_fin": "214", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.2.4", "titre_corps": "Ueber Beethoven’s Taubheit", "titre_sommaire": "Ueber Beethoven’s Taubheit", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.5", "debut_caractere": 2167, "fin_caractere_exclue": 4930, "texte": "Ueber Beethoven’s Taubheit\n)■\nGeschätzter Herr Redacteur!\nIn Nummer 24 Ihrer Zeitschrift findet sich die in-\nteressante Frage: In welcher Epoche ist Beethoven's Taub-\nheit zum Ausbruch gekommen? Ich kann Ihnen etwas\ndarüber mittheilen, wenn auch nichts Ergründendes, wie\nes denn überhaupt schwer, vielleicht unmöglich sein dürfte,\njenen Zeitpunct mit chronologischer Genauigkeit festzustel-\nlen, was zum Theil in der Natur der Sache liegt, zum Theil\nin dem Bestreben aller derjenigen, die von dem gleichen\nUebel befangen sind, es so lange als möglich den anderen\nMenschen zu verbergen.\nMeine erste Bekanntschaft mit Beethoven schreibt, sich\nvom Jahre 1808 her, in welchem er seine C-moll- und\ndie Pastoral-Sinfonie selbst dirigirte. Ich hörte ihn auch in\ndemselben Jahre sein Es-dur-Concert und die Phantasie mit\nChor und Orchester öffentlich vortragen. Letztere spielte\ner zuerst im Theater an der Wien, wo der bekannte Vor-\nfall Statt fand, dass ein Schwanken im Finale Beethoven\nveranlasste, Halt! zu rufen und den Satz noch einmal von\nAnfang zu beginnen.\nDamals war kaum etwas von seiner Harthörigkeit zu\nmerken. Dennoch dürfte der Umstand von Gewicht sein,\ndass er in einem vorhandenen Schreiben vom Jahre 1801\nbereits über Harthörigkeit klagte und darüber ganz me-\nlancholisch war. Erst mehrere Jahre nach 1808 fiel es\nmir auf, dass das Uebel schlimmer wurde, und Beethoven\nfing an, sich verschiedener Apparate, wie Ohrentrichter\nu. s. w., zu bedienen, wobei ihm sein Freund, der Mecha-\nniker Mälzel, hülfreiche Hand zu leisten suchte.\nDen meisten Umgang mit Beethoven hatte ich im Jahre\n1813, wo ich unter seiner Leitung eines seiner bedeu-\ntendsten Werke für das Ciavier bearbeitete. Auch in Mäl-\nzel's Werkstatt sah ich ihn häufig. Mälzel verfertigte da-\nmals mehrere Modelle seines Metronom und erbat sich oft'\nBeethoven's Meinung darüber. Diese Unterredungen, so\nwie Beethoven's Bemerkungen über meine Arbeit und meine\nErwiderungen darauf erheischten von unserer Seite ein\nseinem Ohre ganz nahe zu bringendes lautes Sprechen.\nAm 8. December 1813 dirigirte er trotz dem seine\nA-dur-Sinfonie und die „Schlacht bei Vittoria\" in seinem\nBenefice-Concert selbst. Ich wirkte im Orchester mit. Es\nist keine Frage, dass damals der Zustand seines Gehörs\nschon sehr bedenklich war. Schuppanzig, sein eingeweih-\ntester musicalischer Freund, war an der ersten Violine. Sie\nverstanden sich so und waren so sehr Eine Seele, dass\nBeethoven's Gebrechen keine schlimmen Folgen für die\nHaltung des Orchesters haben konnte. Die Massen mag\nBeethoven noch gehört haben, und er hielt sie durch sein\nüberirdisches Feuer in Blick und Geberden beim Tactiren\nzusammen; die feinerenPartieen dirigirte er mit einer Ruhe\n\n*) Diese Mittheilung fliesst aus der glaubwürdigsten Quelle."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 508, "texte": "und einem Seelenausdruck, als hörte er sie alle, und die\nsorgfältigen Proben, die das gesammte Orchester mit einer\nunermüdlichen Ausdauer gehalten hatte, steigerten die Aus-\nführung zu einer hinreissenden Vollkommenheit. Ich be-\nmerkte, dass, wenn Beethoven sich im Verfolgen von ge-\nwissen Violinfiguren während der Aufführung nicht ganz\nsicher fühlte, er nach Schuppanzig's Bogenführung blickte\nund dieser folgend tactirte.\nBis zu welchem Grade sein Uebel späterhin überhand\nnahm, ist leider bekannt genug."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-07-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-07-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1854-07-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "214", "page_fin": "215", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.2.5", "titre_corps": "Nekrolog.", "titre_sommaire": "Nekrolog.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.6", "debut_caractere": 510, "fin_caractere_exclue": 4799, "texte": "Nekrolog.\n\nParis hat einen seiner tüchtigsten Tonkünstler verloren.\nGeorges Bousquet ist in der Blüthe seines Alters und\nseiner Thätigkeit, im 36. Jahre seines Lebens, durch den\nTod dahingerafft worden.\nEr war zu Perpignan den 12. März 1818 geboren.\nSein musicalisches Talent entwickelte sich schon früh durch\ngrosse Fertigkeit auf der Violine. Als er fünfzehn Jahre\nalt war, stellte ihm sein Vater die Wahl, Zögling der po-\nlytechnischen Schule oder des Conservatoriums der Musik\nzu werden. Sein Entschluss schwankte keinen Augenblick.\n1834 trat er in das Conservatorium ein, und nach drei\nMonaten wurde er auch schon als Violinspieler in dem Or-\nchester der italiänischen Oper angestellt. Er studirte Har-\nmonie unter Elwart und Colet, und die Composition zuletzt\nvorzüglich unter Berton. Nach vier Jahren erhielt er den\ngrossen Preis des National-Instituts, mit welchem ein Sti-\npendium zu einem mehrjährigen Aufenthalt in Italien ver-\nbunden ist. Er hielt sich in Rom, Neapel und Venedig auf,\nreis'te dann nach Deutschland, brachte einige Zeit in Wien,\nnoch längere in Berlin zu, wo ihn besonders der Umgang\nmit Mendelssohn fesselte, den er schon früher hatte kennen\nlernen.\nNach einer Abwesenheit von drei Jahren kehrte er am\nEnde des Jahres 1840 nach Paris zurück. Wie alle fran-\nzösischen Componisten, versuchte auch er, wiewohl seine\nbisher eingesandten Arbeiten vorzüglich dem Gebiete der\nKammermusik angehörten, seine Laufbahn an der Oper zu\nmachen. Eine Operette von einem Acte,\nwurde im Mai 1844 von den Zöglingen des Conservato-\nriums gegeben, und im October desselben Jahres führte\ndas Theater der komischen Oper eine andere, ebenfalls ein-\nactige Oper von ihm, Le Mousqumit Beifall auf.\nEr überzeugte sich jedoch bald, dass das Talent allein\nnicht hinreicht, um auf den pariser Theatern durchzudrin-\ngen, und gab sich mehr der ernsten Richtung der Compo-\nsition hin, zu welcher ihn seine Neigung und das Studium\nder grossen deutschen Meister in der Instrumental-Musik\nvon Anfang an hingezogen hatte. Bousquet war einer von\nden wenigen Franzosen, welche der deutschen Musik nicht\neine oberflächliche Theilnahme widmen, um mit den Namen\nihrer Koryphäen und den Titeln ihrer Werke renommiren\nzu können, sondern er war tief in ihr Wesen eingedrun-\ngen und hegte namentlich vorllaydn, Beethoven und Men-\ndelssohn eine innige Verehrung, was nicht nur seine Ge-\nspräche mit Musikern und Kunstfreunden, sondern nament-\nlich auch seine Compositionen in der ernsten Gattung der\nKammermusik für Streich-Instrumente bewiesen.\nEr war aber nicht bloss Musiker, sondern auch Schrift-\nsteller und Kritiker von elegantem und geistvollem Stil,\nund die Gründlichkeit seiner musicalischen Kenntnisse zeich-\nnete seine Aufsätze sehr vortheilhaft vor so vielen anderen\naus, denen es nur um ein glänzendes Colorit zu thun ist.\nEr redigirte den musicalischen Theil der Illustration und\nlieferte in die musicalischen Kunstblätter von Paris meh-\nrere Artikel.\nAls A. Adam im Jahre 1847 das\nnational gründete, wählte er Bousquet zum Orchester-Di-\nrector. Die Revolution von 1848 richtete das Unterneh-\nmen zu Grunde, aber bald nachher trat Bousquet die gleiche\nStelle an der italiänischen Oper an und verwaltete sie zwei\nJahre lang. In der Association wurde\ner zum Vice-Präsidenten erwählt und diese Wahl alljähr-\nlich auf die ehrenvollste Weise für ihn erneuert. Sein Eifer\nfür dieses Institut kannte keine Gränzen. Im Jahre 1852\nernannte ihn das Ministerium zumMitgliede des\netudes musicales du Conservatoire.\nMitten unter den vielen Beschäftigungen seiner Stel-\nlung blieb er der echten Kunst treu und erholte sich von\ndem gewöhnlichen Berufstreiben am Composilions-Tische.\nDie Gründung des Theatre lyrique, als dessen vorzügliche\nBestimmung die Unterstützung jüngerer einheimischer Ta-\nlente verkündet wurde, lockte ihn wieder zur Opern-Com-\nposition, und er brachte 1852 eine zweiactige Oper, Ta-\nbarin, auf diese Bühne, welche Erfolg hatte und sich das\nganze Jahr auf dem Repertoire erhielt. Ermuthigt durch\ndas Glück, das ihm zu lächeln begann, schrieb er eine Oper\nin vier Acten, welche zwar angenommen wurde, aber de-\nren Aufführung er nicht erlebte. Auch der Dichter des\nLibretto zu „ Tabarin8 und zu der letzteren Oper, Namens\nAlboize, war ihm vor einigen Monaten ins Grab voraus-\ngegangen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1315, "texte": "Er hinterlässt eine Witwe und zwei Kinder. Die letzte\nComposition von ihm, welche öffentlich aufgeiührt wurde\n(in dem letzten Concerte der Gesellschaft Orpheon), war\ndie Gesang-Musik zu folgenden Versen von Gilbert:\nAu banquet de la vie,\nJ'apparus un jour, e\nAngestrengte Thätigkeit und ein verzehrendes Feuer\nfür die Kunst hatten seine Gesundheit schon längst unter-\ngraben. Er war diesen Sommer nach St. Cloud gezogen,\num der Ruhe und der stärkenden Landluft zu gemessen\nvergebens: er starb den 15. Juni, Morgens 9 Uhr. Die\nObsequien wurden am 17. in der Kirche St. Vincent-de-\nPaul gefeiert, die Zöglinge des Conservatoriums sangen das\nschöne Agnus Dei von seiner Composition, an seinem Grabe\nsprach der Baron Taylor.\nAusser den erwähnten Compositionen hat Bousquet\nmehrere Sachen für Kirchen-Musik und für Orchester ge-\nschrieben. Am schätzenswerthesten sind seine Quartette\nfür Streich-Instrumente. So viel ich weiss, ist nur Eines der-\nselben gedruckt; es ist den Manen Mendelssohn's gewidmet\nund in allen Sätzen, namentlich im Andante, Scherzo und\nFinale, vortrefflich. In der Matinee von Gouffe wurde in\nvoriger Woche auch ein Quintett aus seinem Nachlasse\naufgeiührt, dessen erster Satz manchen Zuhörern zu ge-\ndehnt und gelehrt schien, wogegen das Andante und die\nMenuet allgemeinen Beifall fanden.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-07-08-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-07-08_01#c006", "volume": "bmtnabi_1854-07-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "215", "page_fin": "216", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.2.6", "titre_corps": "Aus Bonn.", "titre_sommaire": "Aus Bonn.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.7", "debut_caractere": 1317, "fin_caractere_exclue": 6662, "texte": "Aus Bonn.\nDa ich voraussetze, dass die Leser und die Redaction der Nie-\nderrheinischen Musik-Zeitung besonders auch alles dasjenige inter-\nessirt, was einen richtigen Rlick in die musicalischen Zustände der\nnamhaftesten Rheinstädte thun lässt, so theile ich Ihnen einen ge-\ntreuen Bericht über die Aufregung mit, in welche unsere Stadt in\nden letztvergangenen Wochen durch musicalische Interessen ver-\nsetzt worden ist. Der Zweck dieser Mittheilung ist einzig und al-\nlein die Besprechung einer an und für sich guten Sache, welche,\nauf richtige Weise angegriffen, vielleicht zu dauernder Besse-\nrung unserer Musik-Zustände führen könnte.\nDrei hiesige Dilettanten hatten nämlich bei dem Gemeinderathe\neine Eingabe gemacht, in welcher sie die Anstellung eines städti-\nschen Musik-Directors beantragten, dessen ganze Beschäfti-\ngung als solcher in der Direction der Winter-Concerte bestehen\nsollte. Gleichzeitig war für diese Stelle eine bestimmte Persönlich-\nkeit in Aussicht genommen. Es zeigte sich aber eine starke Oppo-\nsition, theils gegen die Creirung der Stelle überhaupt, theils gegen\ndie Person. Jene, die überhaupt nichts davon wissen wollten, mach-\nten geltend, dass es ungleich dringendere Bedürfnisse gäbe, die\nvorerst zu befriedigen wären, dass es bisher an Musik-Dirigenten\nfür die Concerte nicht allein nicht gefehlt, sondern dass wir daran\neinen wahren Uebcrfluss gehabt hätten, ja, dass ein städtischer\nMusik-Director in Bonn ein fünftes Rad am Wagen sei, da Bonn\nkeine Capelle habe, und es ausser den durch Privat-Vereine arran-\ngirten Concerten füglich nichts zu dirigiren gebe. Die Anderen\nverlangten vor Allem freie Concurrenz für die Bewerbung, da\nes ja möglich sei, dass ein bedeutender und in jeder Hinsicht be-\nfähigter Künstler bei gesichertem Anhaltspunkte für seine Sub-\nsistenz und bei zusagendem Wirkungskreise in dem schönen Bonn\nzu leben sich entschliessen möchte, und es wurde beispielsweise\nauf Karl Reinecke hingewiesen, dessen Acquisition noch kürzlich\nder Stadt Barmen gelungen sei. Ausserdem wurde noch hervorge-\nhoben, dass ein Director eines Gesang-Vereins von gemischten\nStimmen, falls er vollständig zu diesem Geschäfte befähigt sein\nsolle, Clavierspieler sein müsse, wie das bekanntlich überall\nder Fall sei, und zwar aus von selbst einleuchtenden Gründen. Und\nwenn, hiess es ferner, der hiesige städtische Musik-Director sich\nauch der Kirchen-Musik, und zwar bei der überwiegenden ka-\ntholischen Bevölkerung vornehmlich der katholischen Kirchen-Musik,\nannehmen solle (man hätte noch hinzufügen können, dass die Evan-\ngelischen ohnehin keine Kirchen-Musik haben), so müsse er ka-\ntholischer Confession sein, indem „zur Leitung von kirch-\nlichen, die Erhöhung der Andacht und die Verherrlichung des\nGottesdienstes bezweckenden Handlungen und Gebräuchen nur der-\njenige dauernd berufen sein könne, dessen Glaube damit im Ein-\nklang stehe, und der darin seine eigene Erbauung finde/4 Alle die\nangeführten Einwände erschienen als Inserate in der Bonner Zei-\ntung. Nebenbei wurde aber auch in mündlicher Besprechung noch\nAnderes zur Sprache gebracht, wie namentlich, dass die beiden\nhiesigen Gesang-Vereine sich in einem Zustande befänden, der (bei\ngänzlichem Mangel an Rivalen) nichts weniger als befriedigend ge-\nnannt werden dürfte. Denn der eine, der vordem rühmlichst be-\nkannte Männergesang-Verein Concordia, habe in einem ganzen\nJahre es nicht zum öffentlichen Auftreten bringen können; nur bei\nder vorübergehenden Anwesenheit seines früheren Directors We-\nnigmann und unter dessen Leitung habe er sich wieder einmal\nin einem Concerte für die Armen vernehmen lassen. Der andere,\nder Gesang-Verein für gemischten Chor, obgleich von der einfluss-\nreichsten Unterstützung getragen, wie sich deren früher nie ein\nhiesiger Verein zu erfreuen gehabt, habe zwar in den Concerten\ndes verflossenen Winters fleissig mitgewirkt, es habe ihm aber bis\nzur Stunde am Besten gefehlt, nämlich an Mitgliedern, was um\nso auffallender sei, als, wie schon gesagt, kein zweiter Verein eine\nTheilung der Kräfte in Anspruch genommen habe. So sei denn in\ndiesem Winter HändeFs Messias mit einem Chor zur Aufführung\ngekommen, der kaum die Hälfte von dem betragen, womit dieses\nWerk schon vor sechszehn Jahren durch den einen der beiden da-\nmals hier bestehenden Gesang-Vereine zu Gehör gebracht worden,\nund zwar, nachdem einige Tage zuvor Mendelssohn's Paulus\ndurch den anderen Verein mit eben so grossen, wenn nicht noch\ngrösseren Kräften wäre aufgeführt worden. Freilich, fügte man\nhinzu, gaben sich jene Dirigenten viele Mühe; aber das thut der\ngegenwärtige Dirigent, Herr von Wasielewski, wie nicht ge-\nläugnet werden soll, ebenfalls, und doch ist der Erfolg nicht so,\nwie man ihn im Interesse der Kunst zu wünschen berechtigt ist.\nEs müssen also andere Ursachen nachtheilig einwirken *).\nAls Ihr Nachfolger in der Direction des allein die Instrumental-\nMusik cultivirenden Beethoven-Vereins gebührt Herrn von Wa-\nsielewski ebenfalls volle Anerkennung; indessen beruht diese\nStellung auf freier Wahl des Vereins und ist dieselbe mit-\nhin von der eines städtischen Musik-Directors völlig unabhän-\ngig. Um nun wieder auf diesen und den bonner Gemeinde-\n\n*) Warum sie nicht nennen? Werden jene „anderen Ursachen\"\neinmal klar aufgedeckt, so können auch ihre Wirkungen\nparalysirt werden, sollten wir denken.\nAnm. der Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1211, "texte": "rath zurück zu kommen, so fahre ich fort, zu berichten, dass letz-\nterer eine Commission ernannte, um zuvörderst über die Zweck-\nmässigkeit und das Bedürfniss der Anstellung eines stadtbonnischen\nMusik-Directors ihr Gutachten abzugeben. Die Commission sprach sich\nmit vier Stimmen gegen eine dafür aus, aber nichts desto weniger\nwurde der Antrag vom Gcmeinderathe abgelehnt. Das Haupt-\nMotiv dieser Ablehnung scheint die Besorgniss gewesen zu sein,\ndass bei der sich mittlerweile vielfach kund gebenden gereizten\nStimmung sich ein unerquicklicher Parteikampf entspinnen möge,\nden zu verhüten, es vorzuziehen sei, die Ausführung des Projectes\nauf einen günstigeren Zeitpunkt zu verschieben. Mag nun dieser\nZeitpunkt eintreten, wann er wolle jedenfalls dürfen wir von\ndem gesunden und unparteiischen Sinne unseres Gemeinderathes\nmit Zuversicht erwarten, dass er nicht diesem oder jenem Protector\nzu Gefallen einen Entschluss fassen, sondern unter allen Umständen\nden Grundsatz der freien Concurrenz aufrecht erhalten wird.\nSo viel für diesmal; vielleicht schreibe ich Ihnen nächstens wieder,\num Ihnen noch Einiges, sowohl über gegenwärtige Zustände, wie\nauch nachträglich über schon Vergangenes, mitzutheilcn.\n* *"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-07-08-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-07-08_01#c007", "volume": "bmtnabi_1854-07-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "216", "page_fin": "216", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.8", "debut_caractere": 1213, "fin_caractere_exclue": 6178, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nFrau Amalie Beer, die Mutter von Michael und Jakob Meyer\nBeer ist in Berlin im Alter von 87 Jahren gestorben.\nNach Briefen aus Florenz ist Bossini seit mehreren Wo-\nchen sehr leidend.\nPa ris. Der Dircctor des Thedtre lyrique, Herr Jul. Seveste,\nist am 30. Juni plötzlich auf seinem Landsitze bei Meudon gestor-\nben. Ein eigenes Schicksal verfolgt diese Familie. Der ältere Bru-\nder gründete vor drei Jahren die neue Unternehmung einer dritten\nOpernbühne in Paris: ein Jahr darauf starb er. Sein Bruder über-\nnahm das Theater, und das letzte Jahr fing an, sich erfolgreich zu\ngestalten, da rafft auch ihn der Tod durch einen Schlagfluss dahin.\nDie grosse Oper in Paris tritt in ein neues Stadium ihrer\nGeschichte. Durch kaiserliches Decret vom 29. Juni wird die Oper\nvon der kaiserlichen Civilliste bestritten und unter das Bessort des\nMinisters des kaiserlichen Hauses (gegenwärtig Achille Fould)\ngestellt. Unter dem Vorsitze des Ministers wird eine stehende Com-\nmission ihr „Gutachten über alle Kunstfragen und über die geeig-\nneten Maassregeln, das Gedeihen der Oper zu sichern, abgeben\".\nZu Mitgliedern dieser Commission sind ernannt die Herren Troplong,\nBaroche, Graf Bacciochi (Kammerherr und Ober-Intendant der\nSchauspiele des Hofes, der Capelle und Kammermusik), Bouher,\nde Morny, Chaix d'Estange; Gautier, General-Secretär des Ministe-\nriums des kaiserlichen Hauses, ist zu gleicher Zeit zum Secretär der\nCommission ernannt. Herr Boqueplan, der bisherige Unternehmer,\nbleibt mit 25,000 Francs Gehalt geschäftsführender Dircctor der\nOper. Dieselbe Commission war bereits vor einiger Zeit ernannt,\num den Zustand der Oper zu untersuchen. Ihr Bericht ist vortreff-\nlich und in mehrfacher Hinsicht für die Geschichte der Musik und\ndie gegenwärtigen Kunst-Zustände in Paris interessant. Wir werden\nihn unseren Lesern im Auszuge mitthcilen.\nMeyerbeer s Etoile du Nord hat bereits über 60 Vorstellun-\ngen an der Opera comique erlebt.\nEmil Naumann's Oratorium, Christus, der Friedens-\nbote, ist am 14. Juni zu London in Exeter Hall unter Leitung\ndes Componisten aufgeführt worden. Der Name Mendelssohns, als\ndes Lehrers des jungen Componisten, erweckte ein günstiges Vor-\nurtheil für diesen, und er kann mit der Aufnahme, die seinem\nWerke geworden, sehr zufrieden sein. Einige öffentliche Blätter\nstimmen einen Ton darüber an, der von den bisherigen Kritiken\nin Deutschland sehr zum Vortheil des Tonsetzers absticht. Etwas\nnüchterner drücken sich andere aus, z. B. der musicalische Refe-\nrent der Daily News: „Das Oratorium des Herrn Naumann ist das\nWerk eines talentvollen und geschickten Musikers, der darin offen-\nbar die Bekanntschaft mit den Schöpfungen der besten Meister\nverräth und in der Technik seiner Kunst bewandert ist. Allein es\nfehlt jener Schwung und. jone Erhabenheit des Gedankens, durch\nwelche allein ein so ehrgeiziger Versuch seine Rechtfertigung finden\nkann. Der Stil ist durchgehends einfach mit vielfachen Reminiscen-\nzen an Mendelssohn. Wiewohl häufig ansprechend und melodiös,\nbringt die Musik doch selten einen tieferen Eindruck hervor. In\nden Chören ist der Fugenstil mehrfach angewandt; doch sind die\nThemata im Ganzen gewöhnlich, und ihre Behandlung lässt in Be-\nzug auf Durchführung und Ausarbeitung viel zu wünschen übrig.\nDie besten Theile des Werkes sind diejenigen, welche mit den\nwenigsten Ansprüchen auftreten.44\nDie Gräfin Rossi-Sontag war Ende April und Anfang Mai\nin Mexico. Bei jeder Vorstellung war das grosse Theater stets\nvoll; es regnete Blumen, Gedichte und werthvolle Schmucksachen\nauf sie herab.\nBriefwechsel.\nNach Leipzig (vom 25. Juni): Besten Dank. Bitte um Zusen-\ndung der Beschreibung des Prof. D. aus E. unter der Adresse der\nM. DuMont-Schauberg'schen Buchhandlung für die Bedaction der\nNiederrheinischen Musik-Zeitung. Nach Hildes he im: Ihren\nWunsch wegen St. Eustache in Paris werde ich zu erfüllen suchen.\nDas Versprochene wird willkommen sein. - Nach Zweibrücken,\nHerrn H. Lützel: Ist durch die Verlagshandlung besorgt worden.\nAn Dixi: Rheinthaler's „Jephtha\" ist noch nicht in Druck er-\nschienen. Das Gewünschte werde ich Ihnen zu besorgen suchen\nSie glauben nicht, wie zähe manche Musik-Verleger sind, zumal\nwenn sie wissen, dass man nicht zur Coterie gehört. Habe\nich doch die Partitur eines „Werkes der Zukunft\" von einem der\nältesten und ehrenwerthesten Verlagshäuser in Deutschland selbst\nnur zur Ansicht, nicht etwa als Becensions-Exemplar bis jetzt\nnicht erhalten können! Ich bitte um gefällige Zusendung der Schrift\nvon 1847. Ein humoristischer Freund schreibt mir:\n„Ist das ein geharnischter Kumpan, der Dixi!\nWer's nit glaubt, sagt der Wiener, den wix' i.\nHerrn W. W. in W.: Stets willkommen, aber ohne die zeit-\nraubendste Bedaction schwer zu benutzen, weil zu weitläufig\nund zu eng: jenes in Bezug auf den Inhalt im Verhältniss zu der\nBedeutung des Ortes, dieses in Hinsicht der Schrift. Desshalb keine\nFeindschaft! Nach Paris: Es wird Zeit, sollt' ich denken!"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.1", "texte": "Ueber Meyerbeer’s Stern des Nordens.\nP. Scudo hat einen zweiten Band seiner musicali-\nschen Schriften unter dem Titel: L'art ancien et l'art mo-\nderne, der uns übrigens sehr wenig gerechtfertigt erscheint,\nda er viel zu allgemein gehalten ist, herausgegeben; er\nenthält die Aufsätze, welche der zwar etwas oberflächliche,\naber doch geistreiche Kritiker in den letzten Jahren in die\nRevue des deux mondesund in das Journal wel-\nches in Deutschland wenig gelesen werden dürfte, geliefert\nhat, und schliesst mit einem Artikel über Meverbeer's\nletzte Oper, aus welchem wir einen kurzen Auszug geben\nwollen, der, wenn er auch nicht eben neue Ansichten über\nden berühmten Componisten enthält, doch von Interesse\nfür unsere Leser sein dürfte, zumal wenn sie sich der Ana-\nlyse derselben Oper durch unseren pariser Corresponden-\nten in Nr. 8, 9 und 10 des laufenden Jahrgangs dieser\nBlätter erinnern wollen.\nScudo nennt die Invasion Meverbeer's auf das Gebiet\nder Gretry, Boieldieu, Auber u. s. w. ein Ereigniss, das in\nder Kunstgeschichte Epoche machen werde. „Auf welchen\nGesichtspunkt man sich auch stelle, mag man Meyerbeer's\nSystem vollständig billigen oder dessen Tendenzen verdam-\nmen, so kann man doch die Tragweite dieses Versuchs\neines grossen Componisten, die Kluft, welche die Akademie\nder Musik von derjenigen bescheidenen Opernbühne trennt,\ndie aus der Fortbildung des Vaudevilles entstanden ist, zu\nüberspringen, nicht verkennen.\" Die letztere Ansicht ist\nnicht richtig; die französische komische Oper ist aus der\nitaliänischen derselben Gattung hervorgegangen, nicht aus\ndem Vaudeville, wie wir in einem Aufsatze „ Zur Geschichte\nder komischen Oper\" in der von uns herausgegebenen\nMusik-Zeitung (damals Rheinische Musik-Zeitung, Jahrg. 11.,\nNr. 23, vom 6. Dec. 1851) dargethan haben. Die italiäni-\nschen Intermezzi auf dem Thedtre de la Foire, und nament-\nlich Pergolese's La Serva Padrona (1732, aber erst\n1750 in Paris gegeben), gaben den Anstoss dazu. Danach\nkam Duni, der Italiäner, und dann die Franzosen Mon-\nsigny und Philidor, die Scudo richtig anlührt, aber dabei\nden Franzosen Antoine d'Auvergne vergisst, dessen Tro-\nqueursschon 1 753 Aufsehen machten. Dass sich die Fran-\nzosen den Geist der komischen Oper sehr leicht aneigneten\nund ihn eigenthümlich ausbildeten, ist allerdings wahr.\nEben so richtig ist die Eintheilung der Geschichte der\nkomischen Oper in Frankreich in drei Perioden, wie Scudo\nsie angibt. Die erste, Gretry mit eingerechnet, schliesst mit\nder Revolution von 1789. „In der zweiten erschienen\nComponisten höheren Ranges. Mehul in seiner Euphrosyne\nund Conradin, in der Stratonice und im Joseph, Le Sueur\nin La Caverne,Cherubini im Wasserträger, Berton in Mon-\ntano und Stephanie verwandelten die komische Oper in\ndramatische Gemälde, in denen die Tonkunst einen freieren\nLauf nimmt im Zuschnitt und in der Verwicklung der Ge-\nsammt-Musikstücke, in der Stärke und dem Colorit der\norchestralen Instrumentation. Dieser Aufschwung stieg bis\n1810, wo ein augenblicklicher Stillstand in der musicali-\nschen Entwicklung des lyrischen Lustspiels eintrat. Die\nUebergangs-Periode füllte das liebenswürdige Genie Boiel-\ndieu's und das glückliche Talent Nicolo's aus. Mit der\n„Weissen Dame\", welche den Einfluss Rossini's auf die\nfranzösische Schule offenbart (?), mit Herold's Zampa und\nAuber's Domino noir tritt sodann die dritte Umgestaltung\nder Gattung ein, die Periode, in welcher wir uns gegen-\nwärtig befinden.\"\nWenn dem also ist, was wir im Ganzen einräumen\n(nur dass wir die „Weisse Dame\" von Boieldieu keineswegs\nals den Anfangspunkt der dritten, sondern als den Gipfel-\npunkt der zweiten Periode betrachten, als den Höhepunkt\nder französischen Schule der komischen Oper, während\nmit „Zampa\", dem „Schwarzen Domino\", „Fra Diavolo\"\nu. s. w. die Verderbung derselben durch Raffinement und\nübermässige Instrumentation beginnt), wie kann alsdann\ndas Erscheinen von Meverbeer's Stern des Nordens „ein\n«j '\nEreigniss sein, das in der Geschichte der komischen Oper\nEpoche machen wird\"? Wir sehen darin nur eine Folge\ndes bisherigen Entwicklungsganges jener Oper in der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.2", "texte": "neuesten Zeit und wünschten gar sehr, und zwar zum\nBesten der echten komischen Oper, dass dieses so genannte\nEreigniss der Schlussstein eines Baues wäre, den man in\neine Höhe hinauf gelührt hat, wo er nicht hingehört, und\nauf welcher er nothwendig verwittern und zerbröckeln und\nam Ende einstürzen muss, weil sein Fundament aus einem\nMaterial besteht, welches die daraul gethürmte Last nicht\ntragen kann. Wenn Herr Scudo daher am Schlüsse sagt:\n„Der Stern des Nordens ist ein Werk, dem man Beifall\nspenden, das man aber nicht nachahmen muss, weil diese\nNachahmung die Verderbung der Kunst und der Un-\ntergang der französischen Schule sein würde,\" so stim-\nmen wir mit ihm überein und sehen in seinen Worten nur\neinen aus Rücksicht für den berühmten Namen des Com-\nfonisten auf artige französische Weise eingekleideten Aus-\nspruch der Ueberzeugung des Kritikers nicht nur von der\ngefährlichen Bedeutung des Werkes selbst, sondern auch\nvon dessen Werth als Kunstwerk einer bestimmten Gat-\ntung. Den Weg zu dieser Abart oder wohl richtiger Ent-\nartung der komischen Oper hat1 aber Meyerbeer nicht zu-\nerst betreten; er hat nur und das wieder ganz nach\nseiner Art und mit seinem ganzen Talente die Theil-\nnahme ausgebeutet, welche das grosse Publicum denen\nschenkte, die ihn immer breiter machten und mit Krachen\ndurch Felsen bahnten, während die älteren Franzosen uns\ndurch reizende Thäler und über blumige Wiesen führten.\nDennoch glauben wir nicht, dass sich diese Art der\nkomischen Oper, d. h. die hochtrabende, fast melodramati-\nsche, in Frankreich halten wird, und dieser Glaube stützt\nsich auf die Erfahrung, dass in der neuesten Zeit viele\nkleinere ein- und zweiactige Opern von Bazin, Masse und\nAnderen, welche zum einfachen Stil zurückgekehrt sind,\nausserordentlichen Beifall gefunden haben, und dass in\nParis selbst die Urtheile über die Spectakel-Geschichten\nund H eer-Musiken auf der Bühne der komischen National-\nOper sehr getheilt sind, und ein bedeutender Theil des\nPublicums, und zwar gerade der echt französische, wozu\nsämmtliche Habit uesdieses Theaters gehören, nichts weni-\nger als zufrieden damit ist. Ich erinnere mich selbst sehr\ngenau der Wuth eines solchen Theater-Besuchers, neben\nden ich vor zwei Jahren bei der Aufführung des\nneur de Bruges von St. Georges, Musik von Grisar, zufäl-\nlig zu sitzen kam. Bei den nervenpackenden Scenen dieser\nkomischen (!) Oper (in welcher man z B. den Schrei der\nTochter hört, die sich, während der Vater die Glocke zur\nRevolution läutet, oben vom Thurme herabstürzt, aber na-\ntürlich oder vielmehr unnatürlich gerettet wird) und bei\ndem Lärm des Orchesters rief mein Nachbar einmal über\ndas andere aus: „ Quelle horreu\ncomique! Nous voilä ä la Porte St. Marlin!\"\nWir übergehen die Analyse des Libretto, die un-\nser Correspondent in den angeführten Artikeln bereits über-\nsichtlicher und mit besserer Kenntniss der zwingenden Um-\nstände und der deutschen Opern, welche dazu allerlei In-\ngredienzien geliefert haben, gegeben hat. Ueber die einzel-\nnen Musikstücke stimmt Scudo's Urtheil so ziemlich mit\ndemjenigen, das in jenen Artikeln ausgesprochen wurde, über-\nein, und es ist zu loben, dass er bei aller Anerkennung\nvon Meyerbeer's Talent keineswegs blind für die Abwege\ndesselben ist, und namentlich ihm nicht so plump gewickelte\nSträusse von Lob ins Gesicht wirft, wie Berlioz in den\nDebats gethan hat. Ueber das Finale des zweiten Actes\nsagt er im Gegentheil, „dass der Lärm den musicalischen\nGedanken erdrücke, und dass der Effect dieses Tour de\nforce (mit den drei Orchestern) Manches zu wünschen lasse\nund mehr Feuer als Licht zeige.\"\nIm Ganzen spricht er sich über Meverbeer, nachdem\ner einen kurzen Abriss seiner tonschöpferischen Thätigkeit\ngegeben (Romilda e Costanza 1818 in Padua, Margarita\nd'Anjou 1822 in Mailand, II Crociato 1825 in Venedig\nRobert der Teufel den 21. Sept. 1831, die Huge-\nnotten den 29. Februar 1836, der Prophet im Mai\n1849) und den Gegensatz zwischen den „Erwählten der\nBegeisterung und höheren Eingebung einerseits und den\nMeistern der Reflexion und Berechnung andererseits\" von\nAlexander und Cäsar bis auf Rossini und Meyerbeer herab\nbesprochen hat, folgender Maassen aus:\n„Zwischen seinem Charakter als Musiker und als\nMensch findet ein enges Band Statt. Alles, was nur irgend\nmöglich vorauszusehen und den Launen der Fortuna zu\nentziehen ist, wird sowohl im Leben als in den Werken\ndes talentvollen und tiefen Meisters vorher bestimmt und\ngeordnet. Mßyerbeer ist nicht bloss ein grosser Componist,\ner ist auch ein Taktiker ersten Ranges. Er überlässt nichts\ndem Zufalle, dieses Wort hat für ihn gar keinen Sinn, und\nwann er sich endlich entscheidet, eine dramatische\nSchöpfung, über welcher er lange mit Liebe gebrütet, in\ndie Wrelt zu setzen, so ist er so ziemlich gewiss, ihr ein\nangenehmes und ruhmvolles Dasein bereits gesichert zu\nhaben. Alle günstigen Wechselfälle sind durch ein Exempel\nvon Wahrscheinlichkeits-Berechnung vorgesehen, welches\neinem Laplace Ehre machen würde. Als ein Mann von fei-\nnem Verstände, edlem Charakter, freigebig und klug, voll\nFestigkeit uud Nachgiebigkeit, voll Glauben an sich und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.3", "texte": "zögernder Aengstlichkeit, bringt Meyerbeer in seine Werke\nein sonderbares Gemisch von verschiedenen Tendenzen\nund Eigenschaften, von grossen Leidenschalten und abson-\nderlichen Effecten.\n„ Er ist ein gewaltiger Realist, dieser Schöpfer Robert's\nund der Hugenotten, und eben desswegen musste er mehr\nin Frankreich Glück machen als in Deutschland, dem Lande\nder Ideale, und als in Italien, dem Lande der schönen For-\nmen. Er jagt nach dem Erfolge so, wie ein unverdrossener\nJäger das Wild verfolgt, ohne sich an die Hindernisse zu\nkehren, auf die er stösst, noch an die Abgründe, über\nwelche er seine ebenfalls gehetzten Zuhörer setzen lässt.\nWenn er nur den erforderlichen Ausdruck erreicht, Relief,\nFarbe und Leben, so kümmern ihn die Mittel zum Zwecke\nsehr wenig. Packende und complicirte Rhythmen, rauhe\nund schneidende Harmonie, fremdartige und häufige Modu-\nlation, Klang-Effecte der Instrumentation, welche die schroff-\nsten Contraste herausstellen er verschmäht nichts von\nallem dem, keinen Kunstgriff, um zu dem Erfolge zu gelan-\ngen, der ihm so sehr am Herzen liegt. Freilich ist seine\nKunst nicht jene erhabene, welche man in den Meister-\nschöpfungen des menschlichen Geistes nicht sieht, sondern\nfühlt und empfindet, sie tritt im Gegentheil in allen\nseinen Werken sehr sichtbar hervor. Alle seine Vorzüge\nund Fehler enthält denn auch der Stern des Nordens: er\nhat Reiz, Kraft, Leben, man muss ihm Beifall klatschen,\naber nicht ihn nachahmen.\"\nZuletzt redet der Kritiker den Componisten feierlich\nan: „Ja, mein theurer und ruhmgekrönter Meister, Sie\nsind ein grosser dramatischer Componist, eine gewaltige\nPersönlichkeit; aber der Weg, den Sie Sich gebahnt ha-\nben, ist ein gefährlicher und führt nicht ins Paradies. Wis-\nsen Sie, welches Ihre Nachkommenschaft in der Kunst sein\nwürde, wenn Sie eine haben könnten? Die Richard Wag-\nner und Genossen. Und Sie würden nicht das erste Haupt\neiner Schule sein, welches seine Kinder mit Zorn von sich\nwegstiesse. Es gibt beseligte Geister, welche, von Gott be-\ngabt, das allgemein Schöne darstellen und desshalb allein\nim Stande sind, eine ihrer würdige Schule zu bilden, wie\nRaphael, Correggio, Mozart, Cimarosa und Rossini; andere\naber tragen das Zeichen der Kühnheit und der Herrschaft\nan ihrer Stirn, und diese stolzen Geister, wie Dante, Michel\nAngelo, Shakspeare, Beethoven, müssen einsam und ohne\nNachkommen leben, sie können der Nachwelt nichts als\nihren unsterblichen Namen hinterlassen.\"\nDer letzte Gedanke enthält eine grosse Wahrheit; der\nEinfluss solcher Riesengeister, wie die zuletzt genannten,\ndenen auch Gluck hätte zugesellt werden können, auf die\nEntwicklung der Kunst ist immer tief und herrlich gewe-\nsen, aber ihre unmittelbare Nachahmung dient ge-\nwöhnlich nur dazu, die Unfähigkeit der Nachahmer, welche\nstatt der genialen Schöpfungen Jener verzwickte Caricatu-\nren in die Welt setzen, zu documentiren. An Beispielen\nfehlt es namentlich in der Tonkunst heutzutage leider\ngar nicht.\n\nDas Oratorium David,\nC. G. Reissiger’s neuestes und grösstes Werk.\n\nUnter allen jetzt lebenden Tondichtern Deutschlands\nhat wohl Niemand so viele und treffliche Werke für die\nKirche, und namentlich für die katholische Kirche, geschrie-\nben, als der in Dresden lebende Hof-Capellmeister Reissi-\nger. Sind seine veröffentlichten zahlreichen Compo-\nsitionen anderer Gattung durch den Reichthum an gefälli-\ngen Melodieen, so wie durch ihre klare Construction längst\nallgemein bekannt und beliebt, so ist es um so mehr zu\nbedauern, dass die grossartigsten Tondichtungen dieses\nMeisters bis jetzt unveröffentlicht und daher dem grössten\nTheile des deutschen musikliebenden Publicums fast gänz-\nlich unbekannt geblieben sind.\nReissiger hat für die königliche Flofkirche zu Dresden\nausser vielen Gradualen, Offertorien u.s.w. ein\ngrosses Requiem und zwölf Messen im edelsten\nStile geschrieben, welche Werke bis jetzt grösstentheils\nalleiniges Eigenthum der königlichen Hofkirche sind. In die-\nsen Tondichtungen bewährt er nicht nur ein grosses Ta-\nlent der Erfindung, sondern auch eine seltene Meister-\nschaft in allen contrapunktischen Formen. Unter den leben-\nden Tondichtern ist uns kein Meister bekannt, der so\ntreffliche Fugen geschrieben hätte, wie Reissiger in seinen\nMessen.\nNehmen nun schon diese Compositionen einen bedeu-\ntenden Standpunkt ein, so scheint doch der Tondichter in\nder Composition des Oratoriums David sein grösstes\nund erhabenstes Werk geliefert zu haben. lst dasselbe\nuns bis jetzt auch nur durch das Studium der Partitur, so\nwie durch eine Aufführung am Pianoforte näher bekannt\ngeworden, so treten wir doch in jeder Hinsicht dem Ur-\ntheile bei, welches C.Bank in Dresden über dasselbe\nnach einer daselbst Statt gefundenen grossartigen Auffüh-\nrung folgender Maassen ausspricht:\n„Es würde zu weit führen, hier auf Beantwortung der\nFrage einzugehen, in wie fern noch die protestantische"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.4", "texte": "Oralorien-Musik, das evangelische Epos, welches sich als\ngrosse Kunstform der volksmässigen protestantischen Cho-\nral-Lyrik anschloss, eine Aufgabe der Gegenwart in der\nTonkunst sein kann. Bezweifelt mag aber nicht werden,\ndass das Oratorium, aus dem begeisterten religiösen Ideen-\nschwunge hervorgehend, welcher im Anfange des achtzehn-\nten Jahrhunderts in der Musik seinen Ausdruck fand, durch\nden Geist und die innere Glaubens-Wahrheit dieser Periode\nund-die noch in allen Gemüthern anklingende Bedeutsam-\nkeit des Inhalts ein in jener Zeit tief wurzelndes organi-\nsches Leben fand, wie es der unsrigen entfremdet ist. In\nallen Kunst-Reproductionen wird alle Begabung des Ta-\nlentes, idealer Aufschwung, Reinheit des Geschmacks und\nkunstreich didaktische Technik nie die Kraft der Realität\nund naiven Ursprünglichkeit voll ersetzen können, eben so\nwenig, wie bei den Zuhörern ein geläuterter Kunstgeschmack\ndie warme Empfänglichkeit innerster Sympathie und Ueber-\nzeugung geben kann.\n„Abgesehen von der oben berührten Frage, ist die Auf-\ngabe des Oratorien-Componisten daher um so schwieriger.\nDenn in seiner Auffassung und Gestaltung gleichsam auf\neine illusorische Welt im Verhältnisse zum Zeitgeist ange-\nwiesen, stellen sich ihm zwei Haupt-Anforderungen, so\nentscheidend in ihrem Genügen als schwer in ihrer Ver-\nmittlung, entgegen. Er muss in Erfindung und Form sich\ndem Geschmack und der musicalischen Empfindungsweise\nder Gegenwart anschliessen, für die er schreibt, und die\nFortschritte der Instrumental-Mittel effectuirend benutzen;\nzugleich aber soll er auch dem würdigen Oratorien-Stile\nfrüherer Zeit treu bleiben, der, an sich schon balancirend\nzwischen religiös-kirchlichem Ernste und dramatischem\nfreiem Ausdrucke, durch diese modernen Bereicherungen\nnur um so leichter schwankend wird und vom rechten\nMaasse abirrt.\n„Die mit ausserordentlichem Talente, gediegenster Tech-\nnik und künstlerischer Erkenntniss gelungene Erfüllung\ndieser Bedingnisse in dem Oratorium Reissiger's erscheint\ndaher als jene seltene und vor Allem hervorzuhebende\nEigenschaft, welche ihm vor manchen anderen derartigen\nneueren Werken eine weit überlegene Berechtigung gibt\nund seinen übrigen Vorzügen eine lebendige Wirkung,\nTheilnahme und Anerkennung zuwendet. Der Componist\nhat im „David\" bei reicher und charakteristischer Erfin-\ndung, dramatischer Wahrheit des Ausdrucks und einer oft\nsehr reizenden und dabei einfachen Melodik die ernste und\nreligiöse Haltung und die Harmonie des Stils mit grosser\nMeisterschaft durchgeführt. Die Instrumentation einigt ihr\nmannigfaches und effectuirendes Colorit in würdevollem\nMaasse mit dem charakteristischen Ausdrucke des Inhalts;\ndie Durcharbeitung der Formen offenbart Geschmack und\neine gewandte und gediegene Technik ohne künstlich ge-\nsuchtes Machwerk und eine einfache und natürliche, oft\n/\ngrosse Conception in der Structur, mit Klarheit verbunden\nund ohne in zu grosse Dehnungen zu verfallen. Bilden diese\nallgemeinen Vorzüge der Composition das Werk zu einem\ntrefflichen Ganzen, das zugleich ohne auffällige reproductive\nAnlehnung die Individualität des Componisten vollkommen\nbewahrt, so erheben sich daraus einzelne Nummern durch\ncharakteristische Kraft und Originalität der Gedanken und\ngelungene Durchführung zu besonderen musicalischen\nSchönheiten. Wir rechnen dahin zum Beispiel gleich den\nersten Chor, den Sieges-Chor (Nr. 7), den Marsch und die\nKrönungDavid's (Nr. 12), den Chor „Frohlocket\" (Nr. 16),\n„Gott ist mein Hort\" (Nr. 20), die beiden Schlusssätze\netc., und in den Solosätzen ist es namentlich die Partie\nDavid's, die sich durch eine edle Empfindungsweise und\nWahrheit des melodischen Ausdrucks auszeichnet.\n„Das vorzügliche und für ähnliche Aufführungen höchst\nempfehlenswerthe Werk des geschätzten Meisters wurde\nmit ausserordentlichem Beifall aufgenommen, und die Auf-\nführung war unter der Direction des Componisten und un-\nter Mitwirkung der Dreyssig'schen Sing-Akademie und des\nSängerchors des Herrn Musik-Directors Schurig eine sehr\ngelungene. Besonders lobenswerth war der Vortrag des\n„David\" durch Herrn Tichatscheck und die vortreff-\nliche und glänzende Leistung des Fräulein Grosser in der\nSopran-Partie. Der Text die Geschichte des David in\nihren Haupt-Momenten ist den Worten des alten Te-\nstamentes (den Büchern des Samuel) entnommen; in einem\nwesentlichen Wendepunkte derselben, dem Sündenfalle Da-\nvid's, hat die Schwierigkeit des Ausdrucks zu einer Unklar-\nheit für die weniger Bibelkundigen verleitet, und es möchte\nnöthig sein, dieselbe durch Hinzufügung anderer Worte\nhinwegzuräumen.\"\n\nF. B.\n\nDie Ouverture zu Beethoven’s Leonore (Fidelio),\n\nmit welcher die Oper 1805 zum ersten Male in Scene\ngegangen, ist nun in Partitur, und zwar vollständig in ur-\nsprünglicher Gestaltung, bei Breitkopf & Härtel erschie-\nnen und mit Nr. 2, wie in der Ordnung, bezeichnet wor-\nden. Schon um 1840 veröffentlichte diese Verlagshandlung\ndasselbe Werk nach der mir von Beethoven vor seinem\nHinscheiden in Abschrift übergebenen Partitur. Herr Prof."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.5", "texte": "Otto Jahn war bei seinen vor zwei Jahren in Wien un-\nternommenen Nachforschungen so glücklich, in der Rum-\npelkammer bei Artaria eine Partitur von dieser Ouvertüre\nin Reinschrift aufzufinden, welche wesentliche Stellen enthielt,\ndie in der bereits gedruckten fehlten. Verglichen mit den\nbei mir liegenden Orchester-Stimmen, die bei der ersten\nVorstellung der in zwei Acte zusammengezogenen Oper\n1814 wieder gebraucht worden, weil die neue Ouver-\ntüre in E-dur noch nicht fertig und erst zur zweiten Vor-\nstellung kam (s. Leipz. Allg. Musik-Zeitung, Jahrg. 16, S.\n420), ergab es sich unbezweifelt, dass die fehlenden Stel-\nlen von Beethoven selbst herrühren und offenbar als Ver-\nstümmelungen sich erweisen. In einem der neuen Auflage\nbeigegebenen Vorworte bemerkt Jahn: „So weit war Beet-\nhoven durch das unaufhörliche Drängen nach Kürzung ge-\nbracht, um auf diese Weise gegen sein eigen Fleisch und\nBlut zu wüthen.\" Möglich, dass darin allein der Grund der\nKürzung liegt; lür meinen Theil wäre ich wohl geneigt,\ndiesen Grund auch auf einer anderen Seite noch zu suchen.\nWie dem aber sei, die inhaltschwere und charakteri-\nstische Ouvertüre zu Fidelio deren Haupt-Tonart Che-\nrubini bei der ersten Auflührung 1805 nicht erkannt ha-\nben wollte —, sie liegt in ihrer ursprünglichen Gestaltung\nvor uns.\nMöge es Herrn Prof. Jahn gefallen, über alle vier\nOuvertüren zu Fidelio in nicht ferner Zeit niederzuschrei-\nben, was er dem Vernehmen nach darüber in petto trägt.\nEs wird diese Gabe gewiss von allen, die tiefer in diese\nWerke einzugehen wünschen, mit grossem Danke begrüsst\nwerden. Weder ist man im Allgemeinen über das Histori-\nsche derselben im Klaren, obwohl ich mich nicht unge-\nnügend darüber erklärt zu haben glaube, noch viel weniger\nist fast die gesammte Musikwelt mit dem Verständniss der\nPrimo- und .S'mmrfo-Genitur der beiden Ouvertüren in C\nüber Ein und dasselbe Motiv, von deren ersterer hier die\nRede, im Reinen. Daher denn das häufige Gefrage danach,\neben so wie das nach dem besten, ähnlichsten Bildnisse\nin der wahrhaft verwirrenden Menge der existirenden und\nwesentlich contrastirenden, unter denen der Name L. van\nBeethoven steht.\n\nA. Schindler.\n\nUeber Beethoven’s Taubheit\n)■\nGeschätzter Herr Redacteur!\nIn Nummer 24 Ihrer Zeitschrift findet sich die in-\nteressante Frage: In welcher Epoche ist Beethoven's Taub-\nheit zum Ausbruch gekommen? Ich kann Ihnen etwas\ndarüber mittheilen, wenn auch nichts Ergründendes, wie\nes denn überhaupt schwer, vielleicht unmöglich sein dürfte,\njenen Zeitpunct mit chronologischer Genauigkeit festzustel-\nlen, was zum Theil in der Natur der Sache liegt, zum Theil\nin dem Bestreben aller derjenigen, die von dem gleichen\nUebel befangen sind, es so lange als möglich den anderen\nMenschen zu verbergen.\nMeine erste Bekanntschaft mit Beethoven schreibt, sich\nvom Jahre 1808 her, in welchem er seine C-moll- und\ndie Pastoral-Sinfonie selbst dirigirte. Ich hörte ihn auch in\ndemselben Jahre sein Es-dur-Concert und die Phantasie mit\nChor und Orchester öffentlich vortragen. Letztere spielte\ner zuerst im Theater an der Wien, wo der bekannte Vor-\nfall Statt fand, dass ein Schwanken im Finale Beethoven\nveranlasste, Halt! zu rufen und den Satz noch einmal von\nAnfang zu beginnen.\nDamals war kaum etwas von seiner Harthörigkeit zu\nmerken. Dennoch dürfte der Umstand von Gewicht sein,\ndass er in einem vorhandenen Schreiben vom Jahre 1801\nbereits über Harthörigkeit klagte und darüber ganz me-\nlancholisch war. Erst mehrere Jahre nach 1808 fiel es\nmir auf, dass das Uebel schlimmer wurde, und Beethoven\nfing an, sich verschiedener Apparate, wie Ohrentrichter\nu. s. w., zu bedienen, wobei ihm sein Freund, der Mecha-\nniker Mälzel, hülfreiche Hand zu leisten suchte.\nDen meisten Umgang mit Beethoven hatte ich im Jahre\n1813, wo ich unter seiner Leitung eines seiner bedeu-\ntendsten Werke für das Ciavier bearbeitete. Auch in Mäl-\nzel's Werkstatt sah ich ihn häufig. Mälzel verfertigte da-\nmals mehrere Modelle seines Metronom und erbat sich oft'\nBeethoven's Meinung darüber. Diese Unterredungen, so\nwie Beethoven's Bemerkungen über meine Arbeit und meine\nErwiderungen darauf erheischten von unserer Seite ein\nseinem Ohre ganz nahe zu bringendes lautes Sprechen.\nAm 8. December 1813 dirigirte er trotz dem seine\nA-dur-Sinfonie und die „Schlacht bei Vittoria\" in seinem\nBenefice-Concert selbst. Ich wirkte im Orchester mit. Es\nist keine Frage, dass damals der Zustand seines Gehörs\nschon sehr bedenklich war. Schuppanzig, sein eingeweih-\ntester musicalischer Freund, war an der ersten Violine. Sie\nverstanden sich so und waren so sehr Eine Seele, dass\nBeethoven's Gebrechen keine schlimmen Folgen für die\nHaltung des Orchesters haben konnte. Die Massen mag\nBeethoven noch gehört haben, und er hielt sie durch sein\nüberirdisches Feuer in Blick und Geberden beim Tactiren\nzusammen; die feinerenPartieen dirigirte er mit einer Ruhe\n\n*) Diese Mittheilung fliesst aus der glaubwürdigsten Quelle."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.6", "texte": "und einem Seelenausdruck, als hörte er sie alle, und die\nsorgfältigen Proben, die das gesammte Orchester mit einer\nunermüdlichen Ausdauer gehalten hatte, steigerten die Aus-\nführung zu einer hinreissenden Vollkommenheit. Ich be-\nmerkte, dass, wenn Beethoven sich im Verfolgen von ge-\nwissen Violinfiguren während der Aufführung nicht ganz\nsicher fühlte, er nach Schuppanzig's Bogenführung blickte\nund dieser folgend tactirte.\nBis zu welchem Grade sein Uebel späterhin überhand\nnahm, ist leider bekannt genug.\n\nNekrolog.\n\nParis hat einen seiner tüchtigsten Tonkünstler verloren.\nGeorges Bousquet ist in der Blüthe seines Alters und\nseiner Thätigkeit, im 36. Jahre seines Lebens, durch den\nTod dahingerafft worden.\nEr war zu Perpignan den 12. März 1818 geboren.\nSein musicalisches Talent entwickelte sich schon früh durch\ngrosse Fertigkeit auf der Violine. Als er fünfzehn Jahre\nalt war, stellte ihm sein Vater die Wahl, Zögling der po-\nlytechnischen Schule oder des Conservatoriums der Musik\nzu werden. Sein Entschluss schwankte keinen Augenblick.\n1834 trat er in das Conservatorium ein, und nach drei\nMonaten wurde er auch schon als Violinspieler in dem Or-\nchester der italiänischen Oper angestellt. Er studirte Har-\nmonie unter Elwart und Colet, und die Composition zuletzt\nvorzüglich unter Berton. Nach vier Jahren erhielt er den\ngrossen Preis des National-Instituts, mit welchem ein Sti-\npendium zu einem mehrjährigen Aufenthalt in Italien ver-\nbunden ist. Er hielt sich in Rom, Neapel und Venedig auf,\nreis'te dann nach Deutschland, brachte einige Zeit in Wien,\nnoch längere in Berlin zu, wo ihn besonders der Umgang\nmit Mendelssohn fesselte, den er schon früher hatte kennen\nlernen.\nNach einer Abwesenheit von drei Jahren kehrte er am\nEnde des Jahres 1840 nach Paris zurück. Wie alle fran-\nzösischen Componisten, versuchte auch er, wiewohl seine\nbisher eingesandten Arbeiten vorzüglich dem Gebiete der\nKammermusik angehörten, seine Laufbahn an der Oper zu\nmachen. Eine Operette von einem Acte,\nwurde im Mai 1844 von den Zöglingen des Conservato-\nriums gegeben, und im October desselben Jahres führte\ndas Theater der komischen Oper eine andere, ebenfalls ein-\nactige Oper von ihm, Le Mousqumit Beifall auf.\nEr überzeugte sich jedoch bald, dass das Talent allein\nnicht hinreicht, um auf den pariser Theatern durchzudrin-\ngen, und gab sich mehr der ernsten Richtung der Compo-\nsition hin, zu welcher ihn seine Neigung und das Studium\nder grossen deutschen Meister in der Instrumental-Musik\nvon Anfang an hingezogen hatte. Bousquet war einer von\nden wenigen Franzosen, welche der deutschen Musik nicht\neine oberflächliche Theilnahme widmen, um mit den Namen\nihrer Koryphäen und den Titeln ihrer Werke renommiren\nzu können, sondern er war tief in ihr Wesen eingedrun-\ngen und hegte namentlich vorllaydn, Beethoven und Men-\ndelssohn eine innige Verehrung, was nicht nur seine Ge-\nspräche mit Musikern und Kunstfreunden, sondern nament-\nlich auch seine Compositionen in der ernsten Gattung der\nKammermusik für Streich-Instrumente bewiesen.\nEr war aber nicht bloss Musiker, sondern auch Schrift-\nsteller und Kritiker von elegantem und geistvollem Stil,\nund die Gründlichkeit seiner musicalischen Kenntnisse zeich-\nnete seine Aufsätze sehr vortheilhaft vor so vielen anderen\naus, denen es nur um ein glänzendes Colorit zu thun ist.\nEr redigirte den musicalischen Theil der Illustration und\nlieferte in die musicalischen Kunstblätter von Paris meh-\nrere Artikel.\nAls A. Adam im Jahre 1847 das\nnational gründete, wählte er Bousquet zum Orchester-Di-\nrector. Die Revolution von 1848 richtete das Unterneh-\nmen zu Grunde, aber bald nachher trat Bousquet die gleiche\nStelle an der italiänischen Oper an und verwaltete sie zwei\nJahre lang. In der Association wurde\ner zum Vice-Präsidenten erwählt und diese Wahl alljähr-\nlich auf die ehrenvollste Weise für ihn erneuert. Sein Eifer\nfür dieses Institut kannte keine Gränzen. Im Jahre 1852\nernannte ihn das Ministerium zumMitgliede des\netudes musicales du Conservatoire.\nMitten unter den vielen Beschäftigungen seiner Stel-\nlung blieb er der echten Kunst treu und erholte sich von\ndem gewöhnlichen Berufstreiben am Composilions-Tische.\nDie Gründung des Theatre lyrique, als dessen vorzügliche\nBestimmung die Unterstützung jüngerer einheimischer Ta-\nlente verkündet wurde, lockte ihn wieder zur Opern-Com-\nposition, und er brachte 1852 eine zweiactige Oper, Ta-\nbarin, auf diese Bühne, welche Erfolg hatte und sich das\nganze Jahr auf dem Repertoire erhielt. Ermuthigt durch\ndas Glück, das ihm zu lächeln begann, schrieb er eine Oper\nin vier Acten, welche zwar angenommen wurde, aber de-\nren Aufführung er nicht erlebte. Auch der Dichter des\nLibretto zu „ Tabarin8 und zu der letzteren Oper, Namens\nAlboize, war ihm vor einigen Monaten ins Grab voraus-\ngegangen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.7", "texte": "Er hinterlässt eine Witwe und zwei Kinder. Die letzte\nComposition von ihm, welche öffentlich aufgeiührt wurde\n(in dem letzten Concerte der Gesellschaft Orpheon), war\ndie Gesang-Musik zu folgenden Versen von Gilbert:\nAu banquet de la vie,\nJ'apparus un jour, e\nAngestrengte Thätigkeit und ein verzehrendes Feuer\nfür die Kunst hatten seine Gesundheit schon längst unter-\ngraben. Er war diesen Sommer nach St. Cloud gezogen,\num der Ruhe und der stärkenden Landluft zu gemessen\nvergebens: er starb den 15. Juni, Morgens 9 Uhr. Die\nObsequien wurden am 17. in der Kirche St. Vincent-de-\nPaul gefeiert, die Zöglinge des Conservatoriums sangen das\nschöne Agnus Dei von seiner Composition, an seinem Grabe\nsprach der Baron Taylor.\nAusser den erwähnten Compositionen hat Bousquet\nmehrere Sachen für Kirchen-Musik und für Orchester ge-\nschrieben. Am schätzenswerthesten sind seine Quartette\nfür Streich-Instrumente. So viel ich weiss, ist nur Eines der-\nselben gedruckt; es ist den Manen Mendelssohn's gewidmet\nund in allen Sätzen, namentlich im Andante, Scherzo und\nFinale, vortrefflich. In der Matinee von Gouffe wurde in\nvoriger Woche auch ein Quintett aus seinem Nachlasse\naufgeiührt, dessen erster Satz manchen Zuhörern zu ge-\ndehnt und gelehrt schien, wogegen das Andante und die\nMenuet allgemeinen Beifall fanden.\n\nB. P.\n\nAus Bonn.\nDa ich voraussetze, dass die Leser und die Redaction der Nie-\nderrheinischen Musik-Zeitung besonders auch alles dasjenige inter-\nessirt, was einen richtigen Rlick in die musicalischen Zustände der\nnamhaftesten Rheinstädte thun lässt, so theile ich Ihnen einen ge-\ntreuen Bericht über die Aufregung mit, in welche unsere Stadt in\nden letztvergangenen Wochen durch musicalische Interessen ver-\nsetzt worden ist. Der Zweck dieser Mittheilung ist einzig und al-\nlein die Besprechung einer an und für sich guten Sache, welche,\nauf richtige Weise angegriffen, vielleicht zu dauernder Besse-\nrung unserer Musik-Zustände führen könnte.\nDrei hiesige Dilettanten hatten nämlich bei dem Gemeinderathe\neine Eingabe gemacht, in welcher sie die Anstellung eines städti-\nschen Musik-Directors beantragten, dessen ganze Beschäfti-\ngung als solcher in der Direction der Winter-Concerte bestehen\nsollte. Gleichzeitig war für diese Stelle eine bestimmte Persönlich-\nkeit in Aussicht genommen. Es zeigte sich aber eine starke Oppo-\nsition, theils gegen die Creirung der Stelle überhaupt, theils gegen\ndie Person. Jene, die überhaupt nichts davon wissen wollten, mach-\nten geltend, dass es ungleich dringendere Bedürfnisse gäbe, die\nvorerst zu befriedigen wären, dass es bisher an Musik-Dirigenten\nfür die Concerte nicht allein nicht gefehlt, sondern dass wir daran\neinen wahren Uebcrfluss gehabt hätten, ja, dass ein städtischer\nMusik-Director in Bonn ein fünftes Rad am Wagen sei, da Bonn\nkeine Capelle habe, und es ausser den durch Privat-Vereine arran-\ngirten Concerten füglich nichts zu dirigiren gebe. Die Anderen\nverlangten vor Allem freie Concurrenz für die Bewerbung, da\nes ja möglich sei, dass ein bedeutender und in jeder Hinsicht be-\nfähigter Künstler bei gesichertem Anhaltspunkte für seine Sub-\nsistenz und bei zusagendem Wirkungskreise in dem schönen Bonn\nzu leben sich entschliessen möchte, und es wurde beispielsweise\nauf Karl Reinecke hingewiesen, dessen Acquisition noch kürzlich\nder Stadt Barmen gelungen sei. Ausserdem wurde noch hervorge-\nhoben, dass ein Director eines Gesang-Vereins von gemischten\nStimmen, falls er vollständig zu diesem Geschäfte befähigt sein\nsolle, Clavierspieler sein müsse, wie das bekanntlich überall\nder Fall sei, und zwar aus von selbst einleuchtenden Gründen. Und\nwenn, hiess es ferner, der hiesige städtische Musik-Director sich\nauch der Kirchen-Musik, und zwar bei der überwiegenden ka-\ntholischen Bevölkerung vornehmlich der katholischen Kirchen-Musik,\nannehmen solle (man hätte noch hinzufügen können, dass die Evan-\ngelischen ohnehin keine Kirchen-Musik haben), so müsse er ka-\ntholischer Confession sein, indem „zur Leitung von kirch-\nlichen, die Erhöhung der Andacht und die Verherrlichung des\nGottesdienstes bezweckenden Handlungen und Gebräuchen nur der-\njenige dauernd berufen sein könne, dessen Glaube damit im Ein-\nklang stehe, und der darin seine eigene Erbauung finde/4 Alle die\nangeführten Einwände erschienen als Inserate in der Bonner Zei-\ntung. Nebenbei wurde aber auch in mündlicher Besprechung noch\nAnderes zur Sprache gebracht, wie namentlich, dass die beiden\nhiesigen Gesang-Vereine sich in einem Zustande befänden, der (bei\ngänzlichem Mangel an Rivalen) nichts weniger als befriedigend ge-\nnannt werden dürfte. Denn der eine, der vordem rühmlichst be-\nkannte Männergesang-Verein Concordia, habe in einem ganzen\nJahre es nicht zum öffentlichen Auftreten bringen können; nur bei\nder vorübergehenden Anwesenheit seines früheren Directors We-\nnigmann und unter dessen Leitung habe er sich wieder einmal\nin einem Concerte für die Armen vernehmen lassen. Der andere,\nder Gesang-Verein für gemischten Chor, obgleich von der einfluss-\nreichsten Unterstützung getragen, wie sich deren früher nie ein\nhiesiger Verein zu erfreuen gehabt, habe zwar in den Concerten\ndes verflossenen Winters fleissig mitgewirkt, es habe ihm aber bis\nzur Stunde am Besten gefehlt, nämlich an Mitgliedern, was um\nso auffallender sei, als, wie schon gesagt, kein zweiter Verein eine\nTheilung der Kräfte in Anspruch genommen habe. So sei denn in\ndiesem Winter HändeFs Messias mit einem Chor zur Aufführung\ngekommen, der kaum die Hälfte von dem betragen, womit dieses\nWerk schon vor sechszehn Jahren durch den einen der beiden da-\nmals hier bestehenden Gesang-Vereine zu Gehör gebracht worden,\nund zwar, nachdem einige Tage zuvor Mendelssohn's Paulus\ndurch den anderen Verein mit eben so grossen, wenn nicht noch\ngrösseren Kräften wäre aufgeführt worden. Freilich, fügte man\nhinzu, gaben sich jene Dirigenten viele Mühe; aber das thut der\ngegenwärtige Dirigent, Herr von Wasielewski, wie nicht ge-\nläugnet werden soll, ebenfalls, und doch ist der Erfolg nicht so,\nwie man ihn im Interesse der Kunst zu wünschen berechtigt ist.\nEs müssen also andere Ursachen nachtheilig einwirken *).\nAls Ihr Nachfolger in der Direction des allein die Instrumental-\nMusik cultivirenden Beethoven-Vereins gebührt Herrn von Wa-\nsielewski ebenfalls volle Anerkennung; indessen beruht diese\nStellung auf freier Wahl des Vereins und ist dieselbe mit-\nhin von der eines städtischen Musik-Directors völlig unabhän-\ngig. Um nun wieder auf diesen und den bonner Gemeinde-\n\n*) Warum sie nicht nennen? Werden jene „anderen Ursachen\"\neinmal klar aufgedeckt, so können auch ihre Wirkungen\nparalysirt werden, sollten wir denken.\nAnm. der Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540708-01.1.8", "texte": "rath zurück zu kommen, so fahre ich fort, zu berichten, dass letz-\nterer eine Commission ernannte, um zuvörderst über die Zweck-\nmässigkeit und das Bedürfniss der Anstellung eines stadtbonnischen\nMusik-Directors ihr Gutachten abzugeben. Die Commission sprach sich\nmit vier Stimmen gegen eine dafür aus, aber nichts desto weniger\nwurde der Antrag vom Gcmeinderathe abgelehnt. Das Haupt-\nMotiv dieser Ablehnung scheint die Besorgniss gewesen zu sein,\ndass bei der sich mittlerweile vielfach kund gebenden gereizten\nStimmung sich ein unerquicklicher Parteikampf entspinnen möge,\nden zu verhüten, es vorzuziehen sei, die Ausführung des Projectes\nauf einen günstigeren Zeitpunkt zu verschieben. Mag nun dieser\nZeitpunkt eintreten, wann er wolle jedenfalls dürfen wir von\ndem gesunden und unparteiischen Sinne unseres Gemeinderathes\nmit Zuversicht erwarten, dass er nicht diesem oder jenem Protector\nzu Gefallen einen Entschluss fassen, sondern unter allen Umständen\nden Grundsatz der freien Concurrenz aufrecht erhalten wird.\nSo viel für diesmal; vielleicht schreibe ich Ihnen nächstens wieder,\num Ihnen noch Einiges, sowohl über gegenwärtige Zustände, wie\nauch nachträglich über schon Vergangenes, mitzutheilcn.\n* *\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nFrau Amalie Beer, die Mutter von Michael und Jakob Meyer\nBeer ist in Berlin im Alter von 87 Jahren gestorben.\nNach Briefen aus Florenz ist Bossini seit mehreren Wo-\nchen sehr leidend.\nPa ris. Der Dircctor des Thedtre lyrique, Herr Jul. Seveste,\nist am 30. Juni plötzlich auf seinem Landsitze bei Meudon gestor-\nben. Ein eigenes Schicksal verfolgt diese Familie. Der ältere Bru-\nder gründete vor drei Jahren die neue Unternehmung einer dritten\nOpernbühne in Paris: ein Jahr darauf starb er. Sein Bruder über-\nnahm das Theater, und das letzte Jahr fing an, sich erfolgreich zu\ngestalten, da rafft auch ihn der Tod durch einen Schlagfluss dahin.\nDie grosse Oper in Paris tritt in ein neues Stadium ihrer\nGeschichte. Durch kaiserliches Decret vom 29. Juni wird die Oper\nvon der kaiserlichen Civilliste bestritten und unter das Bessort des\nMinisters des kaiserlichen Hauses (gegenwärtig Achille Fould)\ngestellt. Unter dem Vorsitze des Ministers wird eine stehende Com-\nmission ihr „Gutachten über alle Kunstfragen und über die geeig-\nneten Maassregeln, das Gedeihen der Oper zu sichern, abgeben\".\nZu Mitgliedern dieser Commission sind ernannt die Herren Troplong,\nBaroche, Graf Bacciochi (Kammerherr und Ober-Intendant der\nSchauspiele des Hofes, der Capelle und Kammermusik), Bouher,\nde Morny, Chaix d'Estange; Gautier, General-Secretär des Ministe-\nriums des kaiserlichen Hauses, ist zu gleicher Zeit zum Secretär der\nCommission ernannt. Herr Boqueplan, der bisherige Unternehmer,\nbleibt mit 25,000 Francs Gehalt geschäftsführender Dircctor der\nOper. Dieselbe Commission war bereits vor einiger Zeit ernannt,\num den Zustand der Oper zu untersuchen. Ihr Bericht ist vortreff-\nlich und in mehrfacher Hinsicht für die Geschichte der Musik und\ndie gegenwärtigen Kunst-Zustände in Paris interessant. Wir werden\nihn unseren Lesern im Auszuge mitthcilen.\nMeyerbeer s Etoile du Nord hat bereits über 60 Vorstellun-\ngen an der Opera comique erlebt.\nEmil Naumann's Oratorium, Christus, der Friedens-\nbote, ist am 14. Juni zu London in Exeter Hall unter Leitung\ndes Componisten aufgeführt worden. Der Name Mendelssohns, als\ndes Lehrers des jungen Componisten, erweckte ein günstiges Vor-\nurtheil für diesen, und er kann mit der Aufnahme, die seinem\nWerke geworden, sehr zufrieden sein. Einige öffentliche Blätter\nstimmen einen Ton darüber an, der von den bisherigen Kritiken\nin Deutschland sehr zum Vortheil des Tonsetzers absticht. Etwas\nnüchterner drücken sich andere aus, z. B. der musicalische Refe-\nrent der Daily News: „Das Oratorium des Herrn Naumann ist das\nWerk eines talentvollen und geschickten Musikers, der darin offen-\nbar die Bekanntschaft mit den Schöpfungen der besten Meister\nverräth und in der Technik seiner Kunst bewandert ist. Allein es\nfehlt jener Schwung und. jone Erhabenheit des Gedankens, durch\nwelche allein ein so ehrgeiziger Versuch seine Rechtfertigung finden\nkann. Der Stil ist durchgehends einfach mit vielfachen Reminiscen-\nzen an Mendelssohn. Wiewohl häufig ansprechend und melodiös,\nbringt die Musik doch selten einen tieferen Eindruck hervor. In\nden Chören ist der Fugenstil mehrfach angewandt; doch sind die\nThemata im Ganzen gewöhnlich, und ihre Behandlung lässt in Be-\nzug auf Durchführung und Ausarbeitung viel zu wünschen übrig.\nDie besten Theile des Werkes sind diejenigen, welche mit den\nwenigsten Ansprüchen auftreten.44\nDie Gräfin Rossi-Sontag war Ende April und Anfang Mai\nin Mexico. Bei jeder Vorstellung war das grosse Theater stets\nvoll; es regnete Blumen, Gedichte und werthvolle Schmucksachen\nauf sie herab.\nBriefwechsel.\nNach Leipzig (vom 25. Juni): Besten Dank. Bitte um Zusen-\ndung der Beschreibung des Prof. D. aus E. unter der Adresse der\nM. DuMont-Schauberg'schen Buchhandlung für die Bedaction der\nNiederrheinischen Musik-Zeitung. Nach Hildes he im: Ihren\nWunsch wegen St. Eustache in Paris werde ich zu erfüllen suchen.\nDas Versprochene wird willkommen sein. - Nach Zweibrücken,\nHerrn H. Lützel: Ist durch die Verlagshandlung besorgt worden.\nAn Dixi: Rheinthaler's „Jephtha\" ist noch nicht in Druck er-\nschienen. Das Gewünschte werde ich Ihnen zu besorgen suchen\nSie glauben nicht, wie zähe manche Musik-Verleger sind, zumal\nwenn sie wissen, dass man nicht zur Coterie gehört. Habe\nich doch die Partitur eines „Werkes der Zukunft\" von einem der\nältesten und ehrenwerthesten Verlagshäuser in Deutschland selbst\nnur zur Ansicht, nicht etwa als Becensions-Exemplar bis jetzt\nnicht erhalten können! Ich bitte um gefällige Zusendung der Schrift\nvon 1847. Ein humoristischer Freund schreibt mir:\n„Ist das ein geharnischter Kumpan, der Dixi!\nWer's nit glaubt, sagt der Wiener, den wix' i.\nHerrn W. W. in W.: Stets willkommen, aber ohne die zeit-\nraubendste Bedaction schwer zu benutzen, weil zu weitläufig\nund zu eng: jenes in Bezug auf den Inhalt im Verhältniss zu der\nBedeutung des Ortes, dieses in Hinsicht der Schrift. Desshalb keine\nFeindschaft! Nach Paris: Es wird Zeit, sollt' ich denken!"}]}