{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-08-12-01", "volume": "bmtnabi_1854-08-12_01", "ocr_sha256": "607f60de7ce0a40e12b9ec1b093a5f0eeed627963029ba73bcca8c143ab5da0b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/08/12_01/bmtnabi_1854-08-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-08-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-08-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1854-08-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "249", "page_fin": "252", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.2.1", "titre_corps": "Ueber musicalische Zustände in London.", "titre_sommaire": "Ueber musicalische Zustände in London.", "signature_source": "L. Bischoff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3803, "texte": "Ueber musicalische Zustände in London.\nVon\nProf. L. Bischoff.\nIII.\n(S. Nr. 26 und Nr. 28.)\nDie Aufführung des Messias am 17. Mai d. J. fand\nzum Besten der Royal Society Statt, deren\nBestimmung und Verhältnisse wir im zweiten Artikel (Nr.\n28) besprochen haben. Das Orchester bestand aus 120\nbis 130, der Chor aus mehr als 500 Personen. Die Soli\nsangen Clara Novello und Louisa Fyne (Sopran),\nMiss Dolby und Miss Huddard (Alt), Sims-Reeves\nund Lockey (Tenor), Karl Form es und Belletti\n(Bass). Die Orgel spielte Brownsmith, und Costa diri-\ngirte das Ganze.\nDas Orchester in London ist sowohl bei den gros-\nsen Oratorien-Aufführungen als auch im Coventgardcn-\nTheater vortrefflich, besonders was den Haupt-Bestandtheil\ndesselben, die Saiten-Intrumente, betrifft. Violinisten und\nVorspieler wie Sainton, Cooper und Blagrove wür-\nden überall mit Auszeichnung den ersten Platz ausfüllen,\nHill ist ein ganz vorzüglicher Bratschist, und die Violon-\ncells und Contrabässe sind so gut besetzt, wie man es nur\nwünschen kann. Die Holz-Blasinstrumente haben wir im\nGanzen im Tone schärfer und herber gefunden, als in\nDeutschland; Hörner, Posaunen und Trompeten sind gut.\nDie Präcision, das Einsetzen und Accentuiren, die Kraft\nund Breite sind lobenswerth; weniger befriedigt das Piano,\nwelches fast immer ein Mezzo ist, und noch weniger\ndie feineren Schattirungen des Vortrags. Der Ton des gan-\nzen Orchesters ist schön und voll, wozu die vorzüg-\nlichen Instrumente, welche die meisten Spieler besitzen,\nsehr viel beitragen. Von ausserordentlicher Wirkung ist\nüberall die Orgel, ohne welche ein Concertsaal in England\ngar nicht denkbar ist.\nDer Chor steht an Frische und Wohllaut der Stim-\nmen den deutschen Chören nach, zeichnet sich aber durch\nPräcision, Sicherheit und Reinheit aus. Den Haupt-Bestand-\ntheil bilden auch in London Dilettanten, wie bei uns, doch\nzählt er auch mehrere professional Members, Choristen von\nFach, welche von den Oratorien-Vereinen angestellt sind\noder für einzelne Aufführungen bezahlt werden. Opern-\nChoristen werden nicht dazu genommen, wiewohl man zu\nden Soli ohne Bedenken Opernsänger einladet und hono-\nrirt, in der Regel mit zehn Guineen für jede Partie ein\nHonorar, welches bei den Musikfesten ausserhalb London\nbis zu 30 —5O Pfund für den Abend steigt. Ein grosser\nSJebelstand bei den Chören ist die Besetzung des Alts; wir\nhaben bei den grossen Aufrührungen (Messias, Elias, D-dur-\nMesse von Beethoven u. s. w.) stets nur etwa 26—30\nDamen im Alt bemerkt, daneben aber nicht nur Knaben,\ndie eine vortreffliche Verstärkung geben, sondern auch bär-\ntige Männer, welche entweder fistuliren oder eine Octav\ntiefer singen! Das klingt nichts weniger als schön. Am\nbesten erschien überall der Sopran, zumal wenn sich der\nAusländer erst an den englischen Text und die Aussprache\ngewöhnt hat, welche dem Gesänge eben nicht günstig ist;\ndie Männerstimmen sind an Fülle und Weiche den deut-\nschen Stimmen am wenigsten gewachsen.\nWas England aber vor Deutschland voraus hat, das\nsind die grossen und trefflich akustischen Concertsäle nr.it\nzweckmässigem Orchester-Bau und mit einer Orgel. Die\nweiten Tonhallen Exelerund St. in London,\ndie zu Bradford, Manchester uud Liverpool dürften an\nZweckmässigkeit und praktischer Einrichtung und vollends\nan Geräumigkeit keine ihres Gleichen auf dem Continent\nfinden. Um den Lesern eine Vorstellung davon zu geben,\nlasse ich einige nähere Angaben über Maass-Verhältnisse\nu. s. w. einiger von diesen kolossalen Sälen folgen.\nExetcr Hall ist im Jahre 1830 für 30,000 Pfund\nSterling (beinahe 200,000 Tlilr.) gebaut worden zu reli-\ngiösen, philanthropischen, wissenschaftlichen Versammlun-\ngen und musicalischen Aufführungen. Politische Meetings\nfinden nicht darin Statt. Ausser einer Menge von Zimmern\nfür Ausschuss-Versammlungen, Bureaux verschiedener"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5130, "texte": "Vereine u. s. w., enthält das Gebäude zwei grosse Säle.\nDer untere ist 58 Fuss lang und 31 breit und fasst 800\nPersonen; er wird zu kleineren Versammlungen und zu\nProben benutzt. Der obere, der Haupt-Saal, mit Orchester-\nBuhne und Orgel, hat 130 Fuss Länge, 76 Fuss Breite,\n56 Fuss Höhe und fasst 2500 Menschen.\nDie St. Georgs-Halle zu Bradford ist noch kolossa-\nler. Sie ist auf Actien im Jahre 1852 binnen eilf Monaten\nfür 16,000 Pfund erbaut. Der Unterschied der Kosten\ngegen den Bau von Exelcr H rührt daher, dass das Ge-\nbäude in Bradford nur Einen grossen Saal und in dem un-\nteren Stocke bloss Restaurations-Bäume und Probe-Zimmer\nenthält, dass es überhaupt nur zu musicalischen Zwecken\nbestimmt ist. Der Concertsaal im oberen Stocke ist 152\nFuss lang, 76 breit und 54 hoch und enthält drei Theile:\nden eigentlichen Saalraum, Area genannt, eine Galerie, 12\nFuss vom Boden erhöht (eine Art erster Ranglogen, jedoch\nohne Quer-Abtheilungen, sondern in fortlaufender, durch\nkeine Zwischenwand gehemmter Reihe von Sitzen, hier\nStallsgeheissen), und darüber die eigentlich so genannte\nGalerie.\nDie Area, 96 zu 45 Fuss, enthält 1000 Sitze, der\nerste Rang 550, und die Galerie fasst 1800 Menschen,\nwelche auf den terrassenförmig aufsteigenden Bänken be-\nquem sitzen können mithin der ganze Saal 3350 Per-\nsonen. In den Gängen darf Niemand stehen, und die Com-\nmünication ist durch nichts gehemmt. Die Galerieen umge-\nben nur drei Seiten des Saales und gehen nur bis an die\nVorsprünge des östlichen Haib-Cirkels, in welchem das\nOrchester aufgebaut ist.\nDie Möglichkeit, dass die obere Galerie allein beinahe\n300 Menschen mehr fasst als die untere und der Saalraum\nzusammengenommen, liegt darin, dass sie an den Langsei-\nten bis zur äusseren Hauptmauer des Gebäudes über die\nCorridors und Nebengemächer des Saales hinweg, und auf\nder Querseite (der westlichen, dem Orchester gegenüber)\nebenfalls bis an die Hauptmauer über den Erfrischungs-\nund Garderoben-Saal und das ganze Treppenhaus hinweg\ngeht. Diese sinnreiche Bauart, wodurch die obere Galerie\nan den Seitenwänden 5 6, dem Orchester gegenüber\naber 20 Reihen Bänke mehr hat als die untere, macht\nzugleich die Verwirklichung der schönen, echt menschen-\nfreundlichen Idee möglich, auch dem Volke den Eintritt in\nden Concertsaal zu gewähren, es an den edleren Genüssen\nder bevorzugten Classen Theil nehmen zu lassen und da-\ndurch auf seine Sittlichkeit zu wirken. Darauf sind die Ein-\ntritts-Preise berechnet, und während die Stalls 7 Shilling,\ndie numerirten Plätze in der Area 5, die nicht numerirten\n3 kosten, zahlen auf der Galerie nur die Personen auf den\nvordersten drei Bänken dem Orchester gegenüber 3 Shil-\nling 6 Pence, alle übrigen aber nicht mehr als einen\nShilling, was in demselben, fast noch in geringerem Ver-\nhältniss steht, als wenn sie bei uns fünf Groschen zahlten.\nDie östliche Seite des Saales füllt eine grosse Nische,\nein Halbkreis von 45 Fuss Durchmesser aus; zu beiden\nSeiten vorn tragen zwei korinthische Pilaster das Gewölbe,\nund im Hintergrunde nimmt eine Orgel die Mitte ein. In\ndiesen Halbkreis hinein ist das Orchester gebaut, zu wel-\nchem von beiden Seiten bequeme Eingänge führen. Der\nBau der Orchester ist in England ausserordentlich zweck-\nmässig eingerichtet, stets amphitheatralisch, und zwar in\nweit grösserem Verhältniss als bei uns stufenförmig bis\nzur Orgel ansteigend, deren im Prospect stehende Pfeifen\nbis an die Decke reichen. Wenn 6—700 Menschen auf\neiner solchen Tonbühne stehen, wie das zu London in\nEoceler Hall und St. Marlins Hall häufig der Fall ist, so\ngewährt das den Anblick eines bevölkerten Berges. Vorn\nbefindet sich eine Plateforme, auf welcher der Flügel und\ndie Stühle der Solisten stehen. Ganz vorn am Rande nach\ndem Saale hin ist der Standpunkt des Dirigenten; er steht\nam tiefsten von allen Ausführenden, wird aber von allen\nvon ihren hohen Stufen herab gesehen, und er selbst hat\nAlles Solisten, Chor, Orchester im Gesicht, denn\ner kehrt ohne Umstände dem Publicum den Rücken zu,\nworan auch die Anwesenheit der höchsten Personen, ja,\nder Königin selbst nichts ändert; denn Jeder ist so ver-\nnünftig, einzusehen, dass der Dirigent nicht für die Zuhö-\nrer, sondern für das Orchester und den Chor da ist. Unter\ndem Orchester und hinter demselben sind grosse Räume,\nvon denen der mittlere zum Stimmen der Instrumente und\nzur Aulbewahrung der Kasten, die anderen zu Garderoben-\nund Erfrischungs-Zimmern für die Künstler bestimmt sind.\nDie Decke des Saales wird weder hier, noch in irgend\neiner anderen jener grossen Tonhallen von Säulen getragen,\nsondern das Gewölbe ist frei über die ganze Breite von\nMauer zu Mauer gespannt. Die Decke ist nie flach, sondern\nstets mehr oder weniger gewölbt. So bricht nichts die von\nder Höhe des Orchesters herabströmenden Schallwellen,\nund es ist ein Klang in diesen Sälen, welcher namentlich\nfür den Sänger von unendlichem Vortheil ist.\nWas nun aber den Gesammt-Eindruck, den die St.\n' r k y \\ * i X\\4 ■* • i f i» r-\nGeorgs-Halle zu Bradford auf den Beschauer und Zuhörer\nmacht, am meisten erhöht, ist die neue und eigentümliche\nArt der Beleuchtung bei Abend, von der selbst Londons"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4973, "texte": "Grosse Säle noch kein Beispiel bieten, und die wir ausser-\ndem nur noch in der Halle von Liverpool gefunden haben,\nderen Architekten die erste Idee derselben angehören soll.\nMan sieht in dem ganzen Saale weder Kronenleuchter noch\nCandelaber, und eben so wenig Arme an den Wänden, um\nLichter zu tragen oder Gas auszuströmen. Aber auf dem\nGesims, auf welchem die Wölbung der Decke beginnt und\nwelches, etwa einen halben Fuss vorstehend, um den gan-\nzen Saal und den Halbkreis des Orchesters in gleicher Höhe\nhinläuft, liegt eine dem Publicum nicht sichtbare metallene\nRöhre; zwei Menschen berühren sie an zwei Endpunkten\nmit einem Lichte, und wie mit einem Zauberschlage er-\nscheint die ganze architektonische Linie des Gesimses in\nFeuer, und 1800 Gasflammen werfen ihr Licht wie die\nSonne von oben in den Saal hinab. Das ist so überraschend\nals prächtig und verbindet auf bewundernswerthe Weise\ndie Schönheit mit der Zweckmässigkeit; denn die Beleuch-\ntung erzeugt im ganzen Räume eine gleichmässige Helle\nund blendet Niemanden, da sie auch über die höchsten Sitze\nder Sänger auf dem Orchester und der Zuhörer auf der\nGalerie noch immer sechs bis acht Fuss empor ragt.\nAn Schönheit und sorgfältiger Berücksichtigung aller\nmöglichen Erfordernisse eines Gebäudes für musicalische\nZwecke übertrifft die Tonhalle der philharmonischen Ge-\nsellschaft zu Liverpool noch die so eben beschriebene\nund alle londoner Concertsäle. An Grösse steht sie der\nbradforder nach, indem sie nur 2500 Personen fasst, im-\nmerhin jedoch so viel, wie Exeter Hall in London.\nIhre Area bildet ein längliches Viereck von schönem\nVerhältniss, 125 Fuss lang, 64 breit. Das Orchester hat\nin amphitheatralischem Halbkreis zehn Terrassen bis zur\nOrgel empor, rechts und links Wartesäle für die mitwir-\nkenden Damen und Herren, neben jedem Saale ein grosses\nToiletten-Zimmer. Weder auf dem Orchester noch im Saale,\nwiewohl dieser acht Zugänge hat, eine Spur von Zugluft,\nda die Zugänge alle auf Corridors gehen, welche den Saal\nrings umgeben; und dennoch eine stete Erneuerung der\nLuft. Wie ist das möglich? Durch eine der sinnreichsten\nVorrichtungen, die man nur sehen kann. Die Mauern,\nwelche den Saal von den Corridors trennen, sind hohl und\nnach der Saalseite mit Zinkplatten versehen, welche wie\nmit Nadelstichen so fein durchlöchert sind, dass man es\nkaum bemerkt, und zugleich, da sie wie mattgeschliffenes\nGlas aussehen, eine geschmackvolle Verzierung der Wände\nbilden. Diese hohlen Mauern haben oben unter dem Dache\nihre gegen Regen und Schnee gedeckten Oeffnungen, im\nErdgeschoss aber treibt eine kleine Dampfmaschine durch\nein Gebläse unablässig den frischen Luftstrom durch die\nHöhlungen. Die Heizung im Winter wird durch Wasser-\ndämpfe bewirkt, die in eisernen Röhren durch das Gebäude\ngeleitet werden.\nDie Deeoralion ist sehr geschmackvoll, an Wänden\nund Pfeilern Weiss und Gold, alles Zeug an den Polstern\nder Sitze und den Draperieen dunkelroth. Die Beleuchtung\nmit 985 Gasflammen oben am Gesims ist noch feenhafter als\nin Bradford, weil die architektonischen Linien und Verhält-\nnisse hier schöner sind.\nDer Bau dieser Halle kostete 22,000 Pfund (145,000\nThlr.), und zwei Drittel dieser Summe brachte der Ver-\nkauf der festen Plätze als Eigenlhum ein! Man\nverstehe dies richtig: nicht von einem Abonnement ist die\nRede, auch nicht von einem Abonnement auf Lebenszeit,\nsondern vom Ankauf eines Platzes im Concertsaale als\nBesitz, den man auf Kind und Kindeskind vererben kann,\nwie ein Haus.\nAuch dieses Gebäude ist erst in neuerer Zeit errichtet;\nes wurde im August 1849 durch eine musicalische Fest-\nwoche eingeweiht, welche auch schwerlich ihres Gleichen\nfinden dürfte. Es wurden sechs Concerte und ein Ball ge-\ngeben, aufgeführt von Händel der Messias ganz, Israel\nin Aegypten und Salomon theilweise, Rossini's Stabat Mater,\nMendelssohn's Elias und Lauda acht Ouvertüren und\nBeethoven's Pastoral-Sinfonie, Gesang-Vorträge aus 25\nOpern, Instrumental-Soli von sechs berühmten Virtuosen\n(Ernst, Bottesini, Vivier, Halle u. s. w.). Von Sänger-Grös-\nsen war alles da, was nur für Geld zu haben war, Grisi,\nAlboni, Viardot, Mario, Formes, Lablache, Sims-Reeves\nu. s. w. Aber Dirigenten waren zwei Deutsche, Bene-\ndict und J. Zeugheer-Herrmann, der noch jetzt\nMusik-Director der philharmonischen Gesellschaft in Liver-\npool ist. Der Eintritts-Preis war 4 Pf. 4 Shill. (28 Thlr.)\nfür die sechs Concerte und 1 Pf. 1 Shill. (7 Thlr.) für den\nBall. Einer Familie von nur drei Personen kostete also diese\nmusicalische Uebersättigung 105 Thaler!\nUnd dennoch genügte der Stadt dieser Musiksaal nicht,\nund sie hat eine St. Georgs-Halle errichtet, deren Inneres\nnoch im Ausbau begriffen und welche sicher das einzige\nGebäude ist, das in Europa aus städtischen Mitteln in\nso kolossalen Verhältnissen und aus so kostbarem Material\naufgeführt worden. Die Länge desselben erreicht bis auf\neinige Fuss die des kölner Domes; die Prachthalle in der\nMitte ist 199 Fuss lang, 73 Fuss breit und 87 Fuss 6\nZoll hoch."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1997, "texte": "Um nach dieser Abschweifung über die Locale, welche\njedoch zur Sache gehört, wenn man eine richtige Vorstel-\nlung von den musicalischen Zuständen in England und von\nden ungeheuren Geldmitteln der dortigen Vereine und Cor-\nporatienen für musicalische Zwecke geben will, zu der\nAufführung des Messias in London zurückzukehren, so\nkönnen wir nicht anders sagen, als dass sie einen gross-\nartigen und feierlichen Eindruck auf uns machte, wozu\nausser der sehr befriedigenden Ausführung auch die Hal-\ntung des Publicums beitrug; denn der Engländer geht in\neine Sacred Music, in ein Oratorium, gerade so wie in eine\nKirche, und hört mit einer Andacht und bei Händel na-\nmentlich auch mit einer Pietät zu, welche höchst ehren-\nwerth sind. Der Dirigent Costa ist, obwohl ein Italiäner,\nder Leitung classischer Musik vollkommen gewachsen; er\nlasst richtig auf und weiss die grossen Massen ganz vor-\ntrefflich zusammen zu halten und ins Feuer zu führen. Die\nTempi nimmt man in England in den Oratorien im Ganzen\netwas schneller, als es Von den meisten Dirigenten in\nDeutschland geschieht. Die Behauptung, dass man für Hän-\ndel's Werke im Besitze der Tradition in dieser Beziehung\nsei, kann man freilich eben so wenig widerlegen, als ihre\nRichtigkeit erweisen; so viel ist aber gewiss, dass das Mo-\nnotone und Schleppende, welches dergleichen Aufführungen\nsonst haben, dadurch vermieden oder doch sehr gemildert\nwird. Hier und da im Messias schien uns jedoch Costa bei\nden Soli etwas zu weit darin zu gehen. Ueber seine Auf-\nführung der Beethoven'schen D-dur-Messe müssen wir\naber ein ganz unbeschränktes Lob aussprechen: wir haben\ndaher in London die merkwürdige Erscheinung eriebt, dass\nein Dirigent der italiänischen Oper die genannten kirchlichen\nMusiken sehr gut, dagegen im Theater den Don Juan und\nden Fidelio nichts weniger als gut dirigirte. Lag das Letz-\ntere vielleicht an der Unterwürfigkeit des Capellmeisters\nunter die Launen der Sänger, oder an dem Mangel an rich-\ntiger Auffassung jener Werke?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-08-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-08-12_01#c002", "volume": "bmtnabi_1854-08-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "252", "page_fin": "253", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.4", "debut_caractere": 1999, "fin_caractere_exclue": 4900, "texte": "Pariser Briefe.\n\n(Schluss. S. Nr. 30.)\nj Sina pazza per amore La Fiancee du Diable Cru-\nveiii als Alice.]\nDoch damit ich den Italiänern nicht Unrecht thue,\ndarf ich nicht vergessen, zu erwähnen, dass sie eine hier\nin Paris neue, in Italien aber auch bereits zwanzig Jahre\nalte Oper gebracht haben. Ein gewisser Coppola hat nära-\nlieh den alten Stoff, den schon Daleyrac (1786) und\nPaisiello (1811) benutzt, um das Jahr 1835 zu einer\ngrossen zweiactigen Oper „Nin verar-\nbeitet, und diese, welche damals in Italien, man begreift\nkaum, wodurch, Beifall erhalten, hat man uns jetzt wieder\naufgetischt. Buch und Musik sind unter aller Kritik, und\nes ist vielleicht für den feinen Ton des Publicums der\nSalle Venladourein gutes für dessen Geschmack aber\nein sehr schlechtes Zeichen, dass solch ein Machwerk nicht\nausgepfiffen wurde. Denke dir nun, dass das zarte, aus\nLiebe wahnsinnige, ewig leidende und schmachtende Mäd-\nchen, deren Umgebungen jeden Augenblick fürchten, dass\nsie vor Schmerz zusammensinke, keine Andere war, als die\ncompacte Alboni mit ihrer überreich entwickelten Taille,\nund du wirst begreilen, dass man eher den Papa und den\nArzt, welche ein solches Gestell für zerbrechlich halten,\nfür verrückt erklären musste, als diese Nina.\nDer heitere Eindruck dieser Erscheinung erinnerte\nmich an eine noch köstlichere Vernichtung aller Illusion\nbei einer Scene auf derselben Bühne. Vor einigen Jahren\nwurden Verdi's Masnadieri,deren Text bekanntlich nach\nSchillers „Räubern\" zurecht gemacht ist, gegeben. Im\nzweiten Acte steigt der alte Moor, ein abgezehrtes Skelet,\ndem Hungertode nahe, aus dem Thurm, und siehe, es ist\nLablache mit dem wohlgenährtesten, feistesten Leich-\nnam, den man auf Gottes schöner Erde finden kann!\nVon neuen Opern ist ausser einigen einactigen,\nwie Maiire Wolfram von Reyer, Les Trovatelles (die Fin-\ndelkinder) von Duprato (Erstlingswerk), welche eben\nüber die Bühne, aber nicht viel weiter gegangen sind\ndie Fiancee du Diable,in drei Acten, Text von Scribe &\nComp., Musik von Victor Masse, zu erwähnen. Der\nTeufel ist unsterblich auf der Bühne; sie bringt ihn in al-\nlen möglichen Gestalten, tragisch und komisch, und wenn\ner schon einmal einen geliebten Sohn gehabt hat, warum\nsoll er nicht auch eine Braut bekommen ? Und wenn Scribe\neinen sentimentalen Beelzebub geschaffen hat, warum soll\ner uns nicht auch einmal einen dummen Teufel vorführen,\ndas heisst einen Marquis, der sich durch ein Landmädchen,\ndas er verführt hat und das ihm ein Pistol unter die Nase\nhält, und durch einen Gerichtsvollzieher der Inquisition,\nder ihm, als dem Aller egodes Gottseibeiuns, mit dem\nScheiterhaufen droht, anführen und zur Hochzeit treiben\nlässt? In Avignon war zu der Zeit, als dieses Ländchen dem\nPapste gehörte, so etwas sehr wohl möglich, und ausserdem\nversteht Scribe es, so etwas mit pikanten Nebendingen, witzi-\ngem Dialog und komischen Scenen der Art zu würzen, dass"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3998, "texte": "man, einen ganzen Abend lang wenigstens, es gar nicht\nmerkt, dass das alles eigentlich dem Teufel nichts taugt.\nDer Componist hat durch einige kleinere Opern, na-\nmentlich durch die Chanteuse voilee und durch die aller-\nliebsten Noces de Jeannette,welche gewiss auch den Weg\nnach Deutschlands Bühnen gefunden haben*), sehr schnell\neinen Ruf erlangt, und mit Recht. Auch diese Teufelsbraut\nbewährt das Talent von Victor Masse, sowohl in der\nErfindung als in der Bearbeitung, welche mitunter recht\nfein ist und eine geschickte Anwendung contrapunktischer\nKenntnisse zeigt heutzutage eine seltene Sache bei den\nComponisten der komischen Oper in Frankreich. Ich halte\nihn mit Bazin, dem Componisten der zweiactigen Ope-\nrette Madeion, für den besten der lebenden Tonsetzer in\ndieser Gattung und ziehe Beide dem gegenwärtigen\nAd. Adam, der rein zum Fabrikarbeiter geworden ist, vor.\nDass auch Mass£ nicht frei von den Einflüssen der Atmo-\nsphäre ist, in welcher er lebt, will ich damit keineswegs\nläugnen; das zeigt sich gleich in der so genannten Ouver-\ntüre und besonders auch in dem Ueberladen der Haupt-\nPartie der Sopranistin mit schwierigen Coloraturen. Eine\njunge Sängerin, Demoiselle Boulart, zieht sich mit ziem-\nlicher Gewandtheit aus der Verlegenheit, in welche diese\nverzweifelten Vocalisen viele andere setzen würden. Was\nhat aber der Zuhörer davon? Nichts, als dass er am Ende\nfroh ist, dass das arme Mädchen bei dem rapiden Auf- und\nAbsteigen cler Leitern nicht den Hals gebrochen hat.\nDie grosse Oper hat Meyerbeer's Robert wieder in\nScene gesetzt mit durchaus neuer Besetzung, unter wel-\ncher die Cruvelli als Alice das meiste Interesse erregte.\nUeber ihre Leistung sind die Stimmen sehr getheilt; ich\nfür meine Person halte ihre Auffassung der Rolle für un-\nrichtig sie macht aus dem einfachen Landmädchen eine\nHeldin, sie erscheint nicht jungfräulich, sondern männlich,\nund überschreitet im leidenschaftlichen Gesänge das Maass\ndes Schönen. Wenn die hiesige Kritik sagt: „Sie hat, wie\nimmer, die Rolle mehr ihrem Talente untergeordnet, als\nihr Talent der Rolle, und Niemand hat wohl von dieser\nKünstlerin eine genaue Reproduction des ursprünglichen\nTypus der Alice erwartet\" —, so gehört eine merkwür-\ndige Interpretation dazu, um das für ein Lob zu nehmen.\nAber was stehen der sprachlichen Gewandtheit der hiesi-\ngen Kritiker nicht für Mittel zu Gebote, um ihre wahre\nUeberzeugung zu verstecken!\nDie neue kaiserliche Verwaltung will die alten Meister-\nwerke wieder in Scene setzen: sehr gut. Aber wer soll\nGluck und Picini und Sacchini singen? Da wird sich's erst\nzeigen, ob wir dramatische Sänger haben oder nicht. Hat\ndie Oper eine Rachel, wie das ? oder\nglaubt man etwa, dass Paris ohne jene an Corneille und\nRacine wieder Geschmack gefunden haben würde? Man\nhat, wie ich höre, die Stoltz wieder engagirt wird sie\naber noch denselben Zauber üben, wie vor Jahren, als sie\nin ihrer Blüthe war? Wird sie auch nur die Tedesco,\nwelche eine vortreffliche Sängerin war, die man hätte hal-\nten sollen, ersetzen?\nDas durch den kurz nach einander erfolgten Tod der\nGebrüder Seveste verwaiste Theätre Lyrique wird, wie es\nmit Bestimmtheit heisst, in die Hände des Herrn Perrin,\nDirectors der komischen Oper, übergehen, welcher dem-\nnächst beide Theater leiten würde. Bestätigt sich dies,\nso dürfte das dem Publicum zum Nachtheil gereichen;\ndenn mit der Concurrenz wäre es dann aus. Nach einem\nZusatz-Artikel des Gerüchtes soll indess Aussicht vorhan-\nden sein, dass die Civilliste des Kaisers auch die komische\nOper übernehmen werde.\n*) Durchaus nicht. Unsere Theater-Directionen lassen nur die\nSpectakel-Opern für Deutschland bearbeiten, und das Publi-\ncum hat den Geschmack an einactigen Opern verloren. Es\nkäme übrigens vielleicht nur darauf an, ihn durch interessante\nNeuigkeiten wieder zu wecken. In Berlin hat man es, und\nsogar mit älteren Operetten, wie z. B. Soulie's Geheimniss,\nmit Glück wieder versucht, aber freilich mit einem grossen\nBallet hinterher! Anm. der Redaetion.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-08-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-08-12_01#c003", "volume": "bmtnabi_1854-08-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "253", "page_fin": "254", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.2.3", "titre_corps": "Giuseppe Verdi.", "titre_sommaire": "Giuseppe Verdi.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.5", "debut_caractere": 4000, "fin_caractere_exclue": 4887, "texte": "Giuseppe Verdi.\nDie Geschichte der Musik wird den Namen Verdi\nnicht mit Stillschweigen übergehen können; denn dass er\neine Epoche der dramatischen Musik der Italiäner bezeich-\nnet, lässt sich nicht mehr läugnen, wenn auch das Urlheil\ndarüber, ob diese Epoche ein Fort- oder ein Rückschritt\nsei, bei Manchen noch schwankt, bei Anderen längst zum\nNachtheil des Componisten entschieden ist. Es ganz abzu-\nschliessen, dürfte noch zu früh sein; vor Allem ist die Er-\nscheinung der französischen Oper, welche er gegenwärtig\nin Paris auf einen Text von Scribe für die\nriale schreibt, abzuwarten.\nWir geben hier, zuvörderst den historischen Stand-\npunkt festhaltend, ein Verzeichniss seiner Compositionen\nnach einer turiner Zeitung.\nVerdi componirte von seinem dreizehnten Jahre au\nMusik aller Gattungen: Ouvertüren, Märsche, Concerte für\nPianoforte, welche er selbst spielte, Cantaten, Romanzen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1937, "texte": "u. s. w. Achtzehn Jahre alt, ging er nach Mailand, wo er\ndrei Jahre lang studirte und nur wenig componirte. Er\nwar 25 Jahre alt, als seine erste Oper aufgeführt wurde.\nSie hiess:\n1. Oberlo di San Bonifacio, Mailand (Scala), den 17.\nNovember 1839. Es folgten:\n2. II finto Stanislao,Opera bufTa, Mailand (Scala), den\n5. September 1840.\n3. Nabucodonosor,Mailand (Scala), den 9. März 1842,\nwelche zuerst Aufsehen erregte.\n4. I Lombardi alla prima ebendaselbst, den\n11. iFebruar 1843.\n5. Ernani,Venedig (Fenice), den 9. März 1844. Die\nLöwe sang darin die Elvira.\n_ - rr\n6. 1 due Foscari, Rom (Argentina), den 3. Nov. 1844.\n7. Giovanna d'Arco, Mailand (Scala), den 25. Februar\n1845 mit der Frezzolini.\n8. Alzira,Neapel (San Carlo), den 12. August 1845.\n9. Altila, Venedig (Fenice), den 17. März 1846.\n10. Macbeth, Florenz (Pergola) den 14. März 1847.\n11./ Masnadieri, London (Her Majest. Theatre), den\n22. Juli 1847 mit Jenny Lind.\n12. Jerusalem(/ Lombardi mit einem neuen franzö-\nsischen Text und einigen neuen Gesang- und Ballet-Num-\nmern), Paris (grosse Oper), den 26. November 1847.\n13. La Battaglia di Legnano (auch unter dem Titel\nL'Assedio di Ariern),llom (Argentina), den 27. Januar\n1849.\n14. II Corsaro,Triest 1849.\n15. Loisa Miller, Neapel (San Carlo), den 8. Decem-\nber 1849.\n16. Stiffelio, Triest, den 16. November 1850.\n17. Rigoletto, Venedig (Fenice), den 11. März 1851.\n18. II Trovatore, Rom (Apollo), den 19. Jan. 1853.\n19. La Traviata(nach der von\nAlex. Dumas d. J.), Venedig (Fenice), den 6. März 1853.\nAusser diesen neunzehn (eigentlich nur achtzehn\ns. Nr. 12) Opern meist ernsten Inhalts hat Verdi noch\neinige kleinere Stücke für Gesang und Pianoforte heraus-\ngegeben. Von seinen früheren, oben erwähnten Compo-\nsitionen hat er nichts veröffentlicht.\nEr ist den 9. October 1814 zu Busseto geboren\nund steht jetzt in seinem vierzigsten Jahre. Der Kaiser\nder Franzosen hat ihn zum Ritter des Ordens der Ehren-\nlegion ernannt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-08-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-08-12_01#c004", "volume": "bmtnabi_1854-08-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "254", "page_fin": "254", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.2.4", "titre_corps": "Aus Hamburg.", "titre_sommaire": "Aus Hamburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.6", "debut_caractere": 1939, "fin_caractere_exclue": 5608, "texte": "Aus Hamburg.\nAm 25. Juli erklärte der Advocat J. Eden im Namen der Di-\nrectoren der vereinigten Stadttheater (Stadt- und Thalia-Theater)\nvon Hamburg, der Herren Maurice und Wurda, sie seien nicht\nmehr im Stande, ihren Verpflichtungen nachzukommen, und stellte\ndem Personal den Antrag, his April 1855 auf Theilung zu spielen,\nund ihm in diesem Falle vorschussweise eine halbe Monats-Gage\nzu bezahlen. Und dies in dem Hamburg, das unter seinen mehr\ndenn 200,000 Einwohnern so viele Hochbegüterte zählt, denen es.\nohne Opfer zu bringen, möglich gewesen wäre, im Interesse der\nKunst, zur Ehre der Sladt eine Krisis fern zu halten, die man\nvorausgesehen. Selbst als die Dircctoren beim Senate um Lösung\nihrer Contracts-Verbindlichkeit vor Ablauf derselben ansuchten und\ndemselben die Gründe offen darlegten, deren endliche Folge das\ngegenwärtige betrübende Ereignissist, erhielten sie einen abschlä-\ngigen Bescheid, und während z. B. Frankfurt, Posen, jetzt auch\nLübeck u. s. f. ihre Direclionen durch namhafte Zuschüsse unter-\nstützen und zu halten suchen, hat die hiesige Stadttheater-Direction\nbei einem grossen Gagen-Etat noch enorme Miethc und Abgaben\nzu bezahlen. Was das Thalia-Theater etwa noch gewann, das ver-\nschlang das Stadttheatcr, bis der jetzige Sommer die Stützen vol-\nlends unterhöhlte, auf welchem das Gebäude lange schon nur\nkünstlich schwankte; sie brachen zusammen, und mit ihnen\nstürzten mehr als 150 Menschen momentan ins Unglück. So im\nreichen, stolzen Hamburg mit seiner Geld-Aristokratie, ob einer\nSumme von 103,000 Mark, das ist beiläufig 41,200 Thaler Preuss.\nCourant! Die Mitglieder wählten aus sich ein Comile, welches\nüber den Fragepunkt zu berathen hatte, ob auf den Antrag der\nDirection eingegangen werden solle oder nicht, und die Entschei-\ndung lautete: „Nein.\" Es ist nun die grösste Spannung eingetre-\nten, und auf allen Lippen schwebt die Frage: „Was wird gesche-\nhen? Was wird Hamburg und sein Senat beschliessen und machen?\"\nEs fehlt allerdings nicht an Stimmen, welche der Direction Vor-\nwürfe zu machen wissen, dass sie das berühmte Schröder'sehe\nKunst-Institut herabsinken gelassen von seiner früheren Glanz-\nEpoche ; allerdings macht man der Direction nicht ohne Unrecht\nden Vorwurf, dass sie das Repertoire ganz vernachlässigt und wenig\nNeues geboten hat, und wer nur ein paar Monate in Hamburg\nlebte und beobachtete, konnte sich die Wahrheit dieses Vorwurfes\nnicht wegtäuschen. Ich maasse mir, als mit der Vergangenheit der\nhamburger Bühnen nicht vertraut, keine Reflexion darüber an, nur\ndas glaube ich als das Resultat meiner Beobachtungen aussprechen\nzu dürfen, dass die enormen Anforderungen des Publicums, die es\nnach allen Richtungen hin stellt, in gar keinem Vcrhältniss stehen\nzu dem Wenigen, eigentlich zu dem Nichts, was von seiner Seite\nzur Unterstützung des Theaters geschieht; es verlangt die Kräfte\nund die Ausstattung einer Hofbühne, und gibt dafür weniger, als\nan anderen Orten für Provinz-Bühnen geschieht.\nIch schliesse nur noch die Notiz über jene Gäste bei, welche\nzuletzt noch in Hamburg über die Bühne zogen. Nach Frau'Her-\nmann-Gzillag von Wien, einer ausgezeichneten Sängerin, kam\nFrau H owitz-Steinau von Karlsruhe mit keinem Erfolge, Frau\nSchreiber-Kirchberger mit sehr mittelmässigem Beifalle, eine\n\\ audevillistin, 1< räul. Schmidt aus Hannover, mit günstigem\nSuccesse. \\on Herren: der coburg'sche Kammersänger Reer, wel-\ncher sich eines Succes d'eslimezu erfreuen hatte, jedoch ohne grös-\nsere Beachtung blieb, da der gefeierte Tenor Roger als „Eleazar\",\n„Edgardo\", „George Brown\" und in der „Favoritin\" Alles zum Ent-\nzücken hinriss durch die Allgewalt seines Vortrages und durch-\ndachten Spieles."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-08-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-08-12_01#c005", "volume": "bmtnabi_1854-08-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "255", "page_fin": "255", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.2.5", "titre_corps": "Aus München.", "titre_sommaire": "Aus München.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2980, "texte": "Aus München.\nDen 26. Juli 1854.\nVon musicalischen Notabilitäten befanden sich Spohr, Lind-\npaintner, Moscheies, Pianist E. Pauer, Capellmeister Tau-\nber t aus Berlin, Gade, die Virtuosen Gebrüder Wicniawski\nwährend der Industrie-Ausstellung hier; die Letzteren gedenken\nnächsten Freitag den 28. d. Mts. ihr erstes Conccrt zu geben. Wie\nman vernimmt, wird die Gattin des hiesigen lloftheater-Intendanlen,\nFrau Lutzer-Dingelsted t, wieder vor die Oeffenllichkeit treten\nund zunächst am Hoftheater in (jotha die I itel-Partie der neuen\nOper des Herzogs von Coburg übernehmen.\nIm Ausstellungs-Gebäude befinden sich 107 Clavicre verschie-\ndenster Art. Vorzüglich an Ton, Stärke, trcfllicher Spielart und\nguter Mechanik, wie an brillantem Aeusseren reiche Instru-\nmente lieferte Herr Ed. Seuffert aus Wien mit sechs Flügeln,\ntheils mit wiener, mit Stosszungen, mit englischer und französischer\nMechanik, und Pianino's. Die Letzteren zeichnen sich ebenfalls\ndurch kräftigen vollen Ton, solide Bauart und sorgfältige Arbeit\nvor den übrigen aus; Rausch und Sohn aus Wien, welche dici\nFlügel ausgezeichnet guter Art ausstellten. Ein Hügel davon ist\nmit der neu patentirten Mechanik des Herrn F. Rausch jun. ver-\nsehen. Die beiden anderen Flügel sind mit wiener und französi-\nscher Mechanik versehen und zeichnen sich durch Ton und Klang-\nfülle aus, und haben bereits alle Anerkennung gefunden. Herr\nBetty aus Wien hat zwei Flügel hieher geschickt, die an Ton\nund Klangfülle wohl nicht so glücklich sind, wie die \\on den\nObengenannten, aber die überaus schöne und sorglältige Ausaibci-\ntung. die Nettigkeit der einzelnen Bcstandtheile zeugen von dem\ndaran gewandten Fleisse und verdienen desswegen Anerkennung.\nBachmann aus Wien hat einen Flügel ausgestellt. Gute, solide\nBauart, aber eben nicht sehr grosse Klangstärke macht sich an\ndemselben bemerkbar. Schweighofer in Wien hat ebenfalls\nzwei sehr sorgfältig ausgearbeitete Flügel geliefert. Aber was lon\nund Klang betrifft, so stehen sie jenen der Obengenannten weit\nzurück. Noch haben die Herren Schneider und Heitzmann\naus Wien, Fritz aus Gratz, Schmidt und Beregszaszy aus\nPesth ausgestellt. Andre in Frankfurt a. M. hat einen weich klin-\ngenden „Mozart-Flügel\", Schott in Mainz einen sehr hellen,\nKlems in Düsseldorf einen eben so rein ausgearbeiteten wie gut\nklingenden Flügel ausgestellt. Breitkopf & Härtels ausge-\nstellte Flügel lassen an Ton und Bauart wenig zu wünschen übrig.\nAuch Schiedmayer und Söhne in Stuttgart haben sich mit ihren\nexponirten Ciavieren als treffliche Fabricanten bekundet. Von be-\nsonderem Interesse sind jedoch ihre „Harmoniums\", deren vier\nausgestellt sind, eines davon ist in Palisandcr mit 15, zwei mit 8\nRegisterzügen versehen. Baierns Glavicr-Industiie lässt den hiesigen\nVerfertiger Llb e r in den Vordergrund treten. Im Ganzen haben\naus Oesterreich 20, aus Preussen 9, aus Baiern 8 Instrumenten-\nmacher Piano's geschickt; aus jedem dieser drei Länder sind auch\nzwei Orgeln da, aus Würtemberg vier."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-08-12-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-08-12_01#c006", "volume": "bmtnabi_1854-08-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "255", "page_fin": "256", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.7", "debut_caractere": 2982, "fin_caractere_exclue": 6721, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIi;; I». Karl Form es hat in diesen Tagen seine hiesigen\nFreunde mit einem Besuche überrascht. Er gedenkt den Monat\nAugust in einem Bade in Deutschland zuzubringen.\n** Berlin, 4. August. Ich kann Ihnen aus der sichersten\nQuelle mittheilen, dass die Aufführung von R. Wagners Tann-\nhäuser auf der königlichen Bühne durchaus nicht aus Rücksicht\nauf die politischen und socialen Grundsätze Wagner's gehemmt\noder hintertrieben ist, indem Se. Majestät der König viel zu erha-\nben über solche Dinge denkt und Höchstselbst die Auflührung be-\nfohlen hat; ferner, dass noch weniger Umtriebe von Künstlern oder\nRivalen Wagner's derselben entgegen getreten sind, sondern dass\neinzig und allein die Forderung von Wagner und Liszt, dass\nLiszt die Oper in Berlin einstudiren und dirigiren solle, die Sache\ndahin gebracht hat, dass an eine Erscheinung des Tannhäuser auf\nunserer Bühne nun fürs Erste gar nicht mehr zu denken ist, da\nan der Festigkeit der Intendanz selbst Vermittlungs-Vcrsuchc.\nwelche anderswo imponirt haben mögen, gänzlich gescheitert sind.\nSe. Majestät der König haben allcrgnädigst geruht, dem Gene-\nral-Musik-Director Meyer beer die Erlaubniss zur Anlegung des\nihm vom Könige von Baiern verliehenen Verdienst-Ordens für\nKunst und Wissenschaft zu crtheilcn.\nIv. J. Bisch off, Trio lür Violine, Viola und Violoncell, ist hei\nHeckel in Mannheim erschienen. Dieses Trio wurde durch das\neinstimmige Urtheil der Herren Fr. Lachner, Dr. L. Spohr\nund Joseph Strauss mit dem von der deutschen Tonhalle aus-\ngeschriebenen Preise gekrönt.\nWien. Die Italiäner haben in der diesjährigen Theaterzeit\naufgelührt: Rossini 14 Mal (Cenerenl7, 6, 1),\nDonizetti 12 (Lucia 1, Anna Dolena 2, Lucrezia 4, Don Pasquale\n2, Elisire2, Maria cli Rohan 1), Mercadante 4\nBellini 3 (Norma)und Verdi 30 Mal 10, 4, II\nTrovalare 13, I Masnadieri 3)! Merkwürdiges Barometer des Ge-\nschmacks! Während Verdi weder in Paris noch in London auf-\nkommen kann, dringt er bei den Deutschen in Wien durch in\nder That, das nniss ihn stolz machen. Der Stern der Oper war die\nMedori. Sie soll um eine fabelhafte Summe für die nächste Sai-\nson wieder engagirt sein.\nDie diesjährige Sammlung der Schriften der k. k. Akademie der\nWissenschaften (Seclion für Geschichte und Philosophie) enthält\neinen Aufsatz von Schlager über die Geschichte des Hoftheaters\nseit 1560, welcher sehr interessante Nachrichten mittheilt. In den\nRechnungen der Hcfcassc sind besonders die Zahlungen an Schau-\nspieler-Gesellschaften und einzelne Künstler im Vergleich zu unse-\nren Tagen merkwürdig, z. B. aus 1500: „Befehl, dem Herrn Pil-\nmann und seiner Bande lür eine Komödie vor Kaiserlicher Maje-\nstät zu zahlen vier Thaler ä 70 Kreuzer.\" Im Jahre 1617 erhielt\ndie k. Kammersängerin und Prima der Oper, Angela Stamp,\n20 Gulden monatlich. Auch erfahren wir daraus, dass in dem\nArchiv der Burg eine Opern-Partitur von Kaiser Ferdinand 111.\nvorhanden ist: Drama musicum,\nnando 111., Romanorum Imperatore Der Text ist italienisch und\nder Inhalt Hercules am Scheidewege zwischen Tugend und Laster.\nDie Begleitung besteht aus zwei Violinen, und\nContrabass.\n• *\nDer Fürst Joseph von Dietrich stein, einer der ausge-\nzeichnetsten Musikfreunde und Beschützer der Kunst, ist in Wien\nim vorigen Monate, 88 Jahre alt, gestorben.\nAugust Schäffer hat eine dreiactige Oper: „Zum goldenen\nKreuz\", Dichtung von Rudolph Löwenstein, vollendet, welche in\nWien zuerst zur Auflührung kommen wird.\nHugo Ulrich ist mit der Composition einer ernsten Oper,\nDichtung von Max Ring, beschäftigt.\n__ .\nParis. Die Wiedereröffnung der grossen Oper ist auf den 15.\nAugust festgesetzt. Man wird ein Festspiel mit Musik von der Com-\nposition der Königin Hortense und Meycrbeers Robert der Teu-\nfel geben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3312, "texte": "Als Neuigkeiten, welche diesen Winter gegeben werden sollen,\nnennt man La Nonne sangfante von Scribe und Gounod, und\neine grosse Oper in fünf Acten von Scribe und Verdi! Da-\nneben soll aber Gluck wieder erscheinen (Wird Verdi den An-\nblick dieser Geister-Erscheinung ertragen?), und man rechnet dabei\nauf die Sängerin Stoltz; anlik ist sie wenigstens auch. Uebrigens\nhat sie sich ausbedungen, in Donizctti's ~Fovorite\" aufzutreten.\nAuf dem Theater der komischen Oper wird ebenfalls eine neue\nOper probirt, Musik von Ad. Adam, Text? Ei nun, von Scribe,\nder wie sein Bertrand de Ranzau in dem Lustspiel Bertrand et Ra-\nton mit lächelnder Miene sagt: „Eh bien oui! Vami de tont le\nmondeoder: de toutes les ecoles, de tous les genres. Nun, das muss\nman ihm aber lassen, er kann zusetzen: excepte le genre ennuyeux!\nDer Pfarrer der Madelaine hat eine Seelenmesse für die Gräfin\nRossi-Sontag gelesen, welche einst bei ihrer Anwesenheit in\nParis für die Armen seiner Gemeinde gesungen hatte. Die Kirche\nwar ganz gefüllt.\nAm 22. Juli ist Halevy an Raoul Rochette's Stelle zum im-\nmerwährenden Secretär der Academie des Beaux-Arts ernannt wor-\nden. Diese Wahl ist sehr ehrenvoll; Halevy ist der erste Musiker,\nwelcher diese Stelle bekleidet, die bisher immer durch einen Ge-\nlehrten aus der Academie des lnscriplions et des Beiles Lettres besetzt\nwurde. Unter den vorgeschlagenen Concurrenten befand sich auch\nliittorf. üöt> flsif ihifliä wwj\nWilhelm ine Claussist nach Beendigung der Saison in\nLondon nach Frankreich zurückgekehrt und wird den Rest des\nSommers auf dem Lande bei Paris zubringen.\nMario und die Grisi haben sich nun wirklich am 9. d. Mts.\nauf dem Dampfschiffe The Baltic nach America eingeschifft. Sie\nerhalten 17,000 Pfund (über 110,000 Thlr.) für sechs Monate.\nDavon sind 11,600 Pfund bei einem Banquier in London nieder-\ngelegt, das übrige Gehalt wird monatlich mit circa 1000 Pfund\nvorausbezahlt. Sobald eine dieser Zahlungen am Ersten des Monats\nnicht geleistet wird, ist die niedergelegte Summe den beiden Künst-\nlern verfallen und der Contract gelös't. Nun, wir rathen dem\nUnternehmer, das Künstlerpaar wenigstens nicht im Krystall-Palast\nin New-York singen zu lassen, da würde man nichts von ihren\nStimmen hören. Es scheint, als hätten die Americaner eine unge-\nheure Vorliebe für Ruinen!\nDie Opern-Unternehmung im Drurylane-Theater zu Lon-\ndon ist eingegangen. Sie hat sich dadurch, dass sie zu viel um-\nfassen wollte, ruinirt während die deutsche Oper (mit Frau\nRudersdorf, Agnes Burv, Karl Form es u.s.w.) volle\nHäuser machte, zog die italiänische weniger an, und da nun gar\nauch noch eine englische dazwischen gepfropft werden sollte (d. h.\neine in englischer Sprache gesungene, z.B. Fra Diavolo, die Stumme\nvon Porlici, beide mit dem Tenor Sims-Reeves), so zog sich\nForm es, die hauptsächlichste Stütze des Ganzen, zurück, und da-\nmit war die Sache aus. Uebrigens waren die Unternehmer, die\nHerren Jarrct und S eager-O.s wal.d, auch nicht die Leute dazu,\n# *\neine Anstalt zu leiten, die der Coventgarden-Oper Concurrenz ma-\nchen sollte. Ob namentlich der Herr Seager die Kenntnisse zu\neiner Theater-Geschäftsführung gehabt habe, dürfte zu bezweifeln\nsein; die dazu notwendigen Fonds hatte er sicherlich nicht, wo-\nfür hier in Köln Beweise existiren, welche ihm keineswegs zum\nRuhme gereichen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-08-12-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-08-12_01#c007", "volume": "bmtnabi_1854-08-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "256", "page_fin": "256", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.2.7", "titre_corps": "Deutsche Tonhalle.", "titre_sommaire": "Deutsche Tonhalle.", "signature_source": "Friedr. Götz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.8", "debut_caractere": 3314, "fin_caractere_exclue": 5049, "texte": "Deutsche Tonhalle.\nFriedr. Götz.\nDurch ein Ycrcins-Mitglied, den Herrn Verfasser beigehenden\nGedichtes, sind wir in Stand gesetzt, für die beste Composition\ndesselben für eine Singstimme und Ciavier den Preis von\nsieben Ducaten hiermit auszuschreiben ohne Eigentums-\nAnspruch.\nDie Bewerbungen, mit einem deutschen Spruche versehen, wol-\nlen uns im Monat November d. J. frei zugeschickt werden, be-\ngleitet von einem versiegelten Zettel, der Namen und Wohnort des\n\\ erlassers enthält, aussen denselben Spruch führt und einen\nKünstler nennt, welchen der Einsender als Preisrichter wählt.\nDie Satzungen der Tonhaie sind zu beziehen von:\nHerrn Magistrats-Secrctär Becker in Würzburg,\n„ Musiklehrer Deland in Rostock,\n„ Grützmacher, Lehrer am Musik-Conserv. in Leipzig, und\n„ Musik-\\ erleger G. W. Körner in Erfurt,\nauch bei dem Lntcrzeichnetcn und den Herren Fr. Götz und K.\nF. Meckel hier. — Demnächst wird der V erein ein Preis-Ausschrei-\nben über eine Sinfonie erlassen.\nMannheim, August 1854.\nDer Vereins-Vorstand.\nAn eine Blume — das Herz.\n1. Blätter wanken, Wolken zieho,\nKeine Dauer kennt das Leben.\nMit dem Flug der Stunden fliehri\nGram und Lust, von ihm gegeben.\nWelkend steht die Sommerau,\nWenn sich mild das Grab bernoos'te,\nWehmuth ist dein Blüthenthau,\nLeid im Tröste!\n2. Dennoch ob der WTolkenbahn,\nOb dem Zeitenkreis, der Schwüle,\nUnd dem bunten Erdenwahn\nWalten ewige Gefühle!\nSei die Sonne noch so fern,\niSimmer wird ihr Abbild scheiden ;\nHoffnung ist dein Blüthenstern,\nTrost im Leiden! *\n3. Und ein Hauch, so frühlingsmikL\nWeht herab aus lichten Räumen, s\nLässt im Leben, lasst im Bild\nUns vom ewig Schönen träumen.\nTrinkend diese Himmelsluft,\nEinen sich die Gottestriebe.\nHerz, es ist dein Blüthenduft\nGlaub' und Liebe."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.1", "texte": "Ueber musicalische Zustände in London.\nVon\nProf. L. Bischoff.\nIII.\n(S. Nr. 26 und Nr. 28.)\nDie Aufführung des Messias am 17. Mai d. J. fand\nzum Besten der Royal Society Statt, deren\nBestimmung und Verhältnisse wir im zweiten Artikel (Nr.\n28) besprochen haben. Das Orchester bestand aus 120\nbis 130, der Chor aus mehr als 500 Personen. Die Soli\nsangen Clara Novello und Louisa Fyne (Sopran),\nMiss Dolby und Miss Huddard (Alt), Sims-Reeves\nund Lockey (Tenor), Karl Form es und Belletti\n(Bass). Die Orgel spielte Brownsmith, und Costa diri-\ngirte das Ganze.\nDas Orchester in London ist sowohl bei den gros-\nsen Oratorien-Aufführungen als auch im Coventgardcn-\nTheater vortrefflich, besonders was den Haupt-Bestandtheil\ndesselben, die Saiten-Intrumente, betrifft. Violinisten und\nVorspieler wie Sainton, Cooper und Blagrove wür-\nden überall mit Auszeichnung den ersten Platz ausfüllen,\nHill ist ein ganz vorzüglicher Bratschist, und die Violon-\ncells und Contrabässe sind so gut besetzt, wie man es nur\nwünschen kann. Die Holz-Blasinstrumente haben wir im\nGanzen im Tone schärfer und herber gefunden, als in\nDeutschland; Hörner, Posaunen und Trompeten sind gut.\nDie Präcision, das Einsetzen und Accentuiren, die Kraft\nund Breite sind lobenswerth; weniger befriedigt das Piano,\nwelches fast immer ein Mezzo ist, und noch weniger\ndie feineren Schattirungen des Vortrags. Der Ton des gan-\nzen Orchesters ist schön und voll, wozu die vorzüg-\nlichen Instrumente, welche die meisten Spieler besitzen,\nsehr viel beitragen. Von ausserordentlicher Wirkung ist\nüberall die Orgel, ohne welche ein Concertsaal in England\ngar nicht denkbar ist.\nDer Chor steht an Frische und Wohllaut der Stim-\nmen den deutschen Chören nach, zeichnet sich aber durch\nPräcision, Sicherheit und Reinheit aus. Den Haupt-Bestand-\ntheil bilden auch in London Dilettanten, wie bei uns, doch\nzählt er auch mehrere professional Members, Choristen von\nFach, welche von den Oratorien-Vereinen angestellt sind\noder für einzelne Aufführungen bezahlt werden. Opern-\nChoristen werden nicht dazu genommen, wiewohl man zu\nden Soli ohne Bedenken Opernsänger einladet und hono-\nrirt, in der Regel mit zehn Guineen für jede Partie ein\nHonorar, welches bei den Musikfesten ausserhalb London\nbis zu 30 —5O Pfund für den Abend steigt. Ein grosser\nSJebelstand bei den Chören ist die Besetzung des Alts; wir\nhaben bei den grossen Aufrührungen (Messias, Elias, D-dur-\nMesse von Beethoven u. s. w.) stets nur etwa 26—30\nDamen im Alt bemerkt, daneben aber nicht nur Knaben,\ndie eine vortreffliche Verstärkung geben, sondern auch bär-\ntige Männer, welche entweder fistuliren oder eine Octav\ntiefer singen! Das klingt nichts weniger als schön. Am\nbesten erschien überall der Sopran, zumal wenn sich der\nAusländer erst an den englischen Text und die Aussprache\ngewöhnt hat, welche dem Gesänge eben nicht günstig ist;\ndie Männerstimmen sind an Fülle und Weiche den deut-\nschen Stimmen am wenigsten gewachsen.\nWas England aber vor Deutschland voraus hat, das\nsind die grossen und trefflich akustischen Concertsäle nr.it\nzweckmässigem Orchester-Bau und mit einer Orgel. Die\nweiten Tonhallen Exelerund St. in London,\ndie zu Bradford, Manchester uud Liverpool dürften an\nZweckmässigkeit und praktischer Einrichtung und vollends\nan Geräumigkeit keine ihres Gleichen auf dem Continent\nfinden. Um den Lesern eine Vorstellung davon zu geben,\nlasse ich einige nähere Angaben über Maass-Verhältnisse\nu. s. w. einiger von diesen kolossalen Sälen folgen.\nExetcr Hall ist im Jahre 1830 für 30,000 Pfund\nSterling (beinahe 200,000 Tlilr.) gebaut worden zu reli-\ngiösen, philanthropischen, wissenschaftlichen Versammlun-\ngen und musicalischen Aufführungen. Politische Meetings\nfinden nicht darin Statt. Ausser einer Menge von Zimmern\nfür Ausschuss-Versammlungen, Bureaux verschiedener"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.2", "texte": "Vereine u. s. w., enthält das Gebäude zwei grosse Säle.\nDer untere ist 58 Fuss lang und 31 breit und fasst 800\nPersonen; er wird zu kleineren Versammlungen und zu\nProben benutzt. Der obere, der Haupt-Saal, mit Orchester-\nBuhne und Orgel, hat 130 Fuss Länge, 76 Fuss Breite,\n56 Fuss Höhe und fasst 2500 Menschen.\nDie St. Georgs-Halle zu Bradford ist noch kolossa-\nler. Sie ist auf Actien im Jahre 1852 binnen eilf Monaten\nfür 16,000 Pfund erbaut. Der Unterschied der Kosten\ngegen den Bau von Exelcr H rührt daher, dass das Ge-\nbäude in Bradford nur Einen grossen Saal und in dem un-\nteren Stocke bloss Restaurations-Bäume und Probe-Zimmer\nenthält, dass es überhaupt nur zu musicalischen Zwecken\nbestimmt ist. Der Concertsaal im oberen Stocke ist 152\nFuss lang, 76 breit und 54 hoch und enthält drei Theile:\nden eigentlichen Saalraum, Area genannt, eine Galerie, 12\nFuss vom Boden erhöht (eine Art erster Ranglogen, jedoch\nohne Quer-Abtheilungen, sondern in fortlaufender, durch\nkeine Zwischenwand gehemmter Reihe von Sitzen, hier\nStallsgeheissen), und darüber die eigentlich so genannte\nGalerie.\nDie Area, 96 zu 45 Fuss, enthält 1000 Sitze, der\nerste Rang 550, und die Galerie fasst 1800 Menschen,\nwelche auf den terrassenförmig aufsteigenden Bänken be-\nquem sitzen können mithin der ganze Saal 3350 Per-\nsonen. In den Gängen darf Niemand stehen, und die Com-\nmünication ist durch nichts gehemmt. Die Galerieen umge-\nben nur drei Seiten des Saales und gehen nur bis an die\nVorsprünge des östlichen Haib-Cirkels, in welchem das\nOrchester aufgebaut ist.\nDie Möglichkeit, dass die obere Galerie allein beinahe\n300 Menschen mehr fasst als die untere und der Saalraum\nzusammengenommen, liegt darin, dass sie an den Langsei-\nten bis zur äusseren Hauptmauer des Gebäudes über die\nCorridors und Nebengemächer des Saales hinweg, und auf\nder Querseite (der westlichen, dem Orchester gegenüber)\nebenfalls bis an die Hauptmauer über den Erfrischungs-\nund Garderoben-Saal und das ganze Treppenhaus hinweg\ngeht. Diese sinnreiche Bauart, wodurch die obere Galerie\nan den Seitenwänden 5 6, dem Orchester gegenüber\naber 20 Reihen Bänke mehr hat als die untere, macht\nzugleich die Verwirklichung der schönen, echt menschen-\nfreundlichen Idee möglich, auch dem Volke den Eintritt in\nden Concertsaal zu gewähren, es an den edleren Genüssen\nder bevorzugten Classen Theil nehmen zu lassen und da-\ndurch auf seine Sittlichkeit zu wirken. Darauf sind die Ein-\ntritts-Preise berechnet, und während die Stalls 7 Shilling,\ndie numerirten Plätze in der Area 5, die nicht numerirten\n3 kosten, zahlen auf der Galerie nur die Personen auf den\nvordersten drei Bänken dem Orchester gegenüber 3 Shil-\nling 6 Pence, alle übrigen aber nicht mehr als einen\nShilling, was in demselben, fast noch in geringerem Ver-\nhältniss steht, als wenn sie bei uns fünf Groschen zahlten.\nDie östliche Seite des Saales füllt eine grosse Nische,\nein Halbkreis von 45 Fuss Durchmesser aus; zu beiden\nSeiten vorn tragen zwei korinthische Pilaster das Gewölbe,\nund im Hintergrunde nimmt eine Orgel die Mitte ein. In\ndiesen Halbkreis hinein ist das Orchester gebaut, zu wel-\nchem von beiden Seiten bequeme Eingänge führen. Der\nBau der Orchester ist in England ausserordentlich zweck-\nmässig eingerichtet, stets amphitheatralisch, und zwar in\nweit grösserem Verhältniss als bei uns stufenförmig bis\nzur Orgel ansteigend, deren im Prospect stehende Pfeifen\nbis an die Decke reichen. Wenn 6—700 Menschen auf\neiner solchen Tonbühne stehen, wie das zu London in\nEoceler Hall und St. Marlins Hall häufig der Fall ist, so\ngewährt das den Anblick eines bevölkerten Berges. Vorn\nbefindet sich eine Plateforme, auf welcher der Flügel und\ndie Stühle der Solisten stehen. Ganz vorn am Rande nach\ndem Saale hin ist der Standpunkt des Dirigenten; er steht\nam tiefsten von allen Ausführenden, wird aber von allen\nvon ihren hohen Stufen herab gesehen, und er selbst hat\nAlles Solisten, Chor, Orchester im Gesicht, denn\ner kehrt ohne Umstände dem Publicum den Rücken zu,\nworan auch die Anwesenheit der höchsten Personen, ja,\nder Königin selbst nichts ändert; denn Jeder ist so ver-\nnünftig, einzusehen, dass der Dirigent nicht für die Zuhö-\nrer, sondern für das Orchester und den Chor da ist. Unter\ndem Orchester und hinter demselben sind grosse Räume,\nvon denen der mittlere zum Stimmen der Instrumente und\nzur Aulbewahrung der Kasten, die anderen zu Garderoben-\nund Erfrischungs-Zimmern für die Künstler bestimmt sind.\nDie Decke des Saales wird weder hier, noch in irgend\neiner anderen jener grossen Tonhallen von Säulen getragen,\nsondern das Gewölbe ist frei über die ganze Breite von\nMauer zu Mauer gespannt. Die Decke ist nie flach, sondern\nstets mehr oder weniger gewölbt. So bricht nichts die von\nder Höhe des Orchesters herabströmenden Schallwellen,\nund es ist ein Klang in diesen Sälen, welcher namentlich\nfür den Sänger von unendlichem Vortheil ist.\nWas nun aber den Gesammt-Eindruck, den die St.\n' r k y \\ * i X\\4 ■* • i f i» r-\nGeorgs-Halle zu Bradford auf den Beschauer und Zuhörer\nmacht, am meisten erhöht, ist die neue und eigentümliche\nArt der Beleuchtung bei Abend, von der selbst Londons"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.3", "texte": "Grosse Säle noch kein Beispiel bieten, und die wir ausser-\ndem nur noch in der Halle von Liverpool gefunden haben,\nderen Architekten die erste Idee derselben angehören soll.\nMan sieht in dem ganzen Saale weder Kronenleuchter noch\nCandelaber, und eben so wenig Arme an den Wänden, um\nLichter zu tragen oder Gas auszuströmen. Aber auf dem\nGesims, auf welchem die Wölbung der Decke beginnt und\nwelches, etwa einen halben Fuss vorstehend, um den gan-\nzen Saal und den Halbkreis des Orchesters in gleicher Höhe\nhinläuft, liegt eine dem Publicum nicht sichtbare metallene\nRöhre; zwei Menschen berühren sie an zwei Endpunkten\nmit einem Lichte, und wie mit einem Zauberschlage er-\nscheint die ganze architektonische Linie des Gesimses in\nFeuer, und 1800 Gasflammen werfen ihr Licht wie die\nSonne von oben in den Saal hinab. Das ist so überraschend\nals prächtig und verbindet auf bewundernswerthe Weise\ndie Schönheit mit der Zweckmässigkeit; denn die Beleuch-\ntung erzeugt im ganzen Räume eine gleichmässige Helle\nund blendet Niemanden, da sie auch über die höchsten Sitze\nder Sänger auf dem Orchester und der Zuhörer auf der\nGalerie noch immer sechs bis acht Fuss empor ragt.\nAn Schönheit und sorgfältiger Berücksichtigung aller\nmöglichen Erfordernisse eines Gebäudes für musicalische\nZwecke übertrifft die Tonhalle der philharmonischen Ge-\nsellschaft zu Liverpool noch die so eben beschriebene\nund alle londoner Concertsäle. An Grösse steht sie der\nbradforder nach, indem sie nur 2500 Personen fasst, im-\nmerhin jedoch so viel, wie Exeter Hall in London.\nIhre Area bildet ein längliches Viereck von schönem\nVerhältniss, 125 Fuss lang, 64 breit. Das Orchester hat\nin amphitheatralischem Halbkreis zehn Terrassen bis zur\nOrgel empor, rechts und links Wartesäle für die mitwir-\nkenden Damen und Herren, neben jedem Saale ein grosses\nToiletten-Zimmer. Weder auf dem Orchester noch im Saale,\nwiewohl dieser acht Zugänge hat, eine Spur von Zugluft,\nda die Zugänge alle auf Corridors gehen, welche den Saal\nrings umgeben; und dennoch eine stete Erneuerung der\nLuft. Wie ist das möglich? Durch eine der sinnreichsten\nVorrichtungen, die man nur sehen kann. Die Mauern,\nwelche den Saal von den Corridors trennen, sind hohl und\nnach der Saalseite mit Zinkplatten versehen, welche wie\nmit Nadelstichen so fein durchlöchert sind, dass man es\nkaum bemerkt, und zugleich, da sie wie mattgeschliffenes\nGlas aussehen, eine geschmackvolle Verzierung der Wände\nbilden. Diese hohlen Mauern haben oben unter dem Dache\nihre gegen Regen und Schnee gedeckten Oeffnungen, im\nErdgeschoss aber treibt eine kleine Dampfmaschine durch\nein Gebläse unablässig den frischen Luftstrom durch die\nHöhlungen. Die Heizung im Winter wird durch Wasser-\ndämpfe bewirkt, die in eisernen Röhren durch das Gebäude\ngeleitet werden.\nDie Deeoralion ist sehr geschmackvoll, an Wänden\nund Pfeilern Weiss und Gold, alles Zeug an den Polstern\nder Sitze und den Draperieen dunkelroth. Die Beleuchtung\nmit 985 Gasflammen oben am Gesims ist noch feenhafter als\nin Bradford, weil die architektonischen Linien und Verhält-\nnisse hier schöner sind.\nDer Bau dieser Halle kostete 22,000 Pfund (145,000\nThlr.), und zwei Drittel dieser Summe brachte der Ver-\nkauf der festen Plätze als Eigenlhum ein! Man\nverstehe dies richtig: nicht von einem Abonnement ist die\nRede, auch nicht von einem Abonnement auf Lebenszeit,\nsondern vom Ankauf eines Platzes im Concertsaale als\nBesitz, den man auf Kind und Kindeskind vererben kann,\nwie ein Haus.\nAuch dieses Gebäude ist erst in neuerer Zeit errichtet;\nes wurde im August 1849 durch eine musicalische Fest-\nwoche eingeweiht, welche auch schwerlich ihres Gleichen\nfinden dürfte. Es wurden sechs Concerte und ein Ball ge-\ngeben, aufgeführt von Händel der Messias ganz, Israel\nin Aegypten und Salomon theilweise, Rossini's Stabat Mater,\nMendelssohn's Elias und Lauda acht Ouvertüren und\nBeethoven's Pastoral-Sinfonie, Gesang-Vorträge aus 25\nOpern, Instrumental-Soli von sechs berühmten Virtuosen\n(Ernst, Bottesini, Vivier, Halle u. s. w.). Von Sänger-Grös-\nsen war alles da, was nur für Geld zu haben war, Grisi,\nAlboni, Viardot, Mario, Formes, Lablache, Sims-Reeves\nu. s. w. Aber Dirigenten waren zwei Deutsche, Bene-\ndict und J. Zeugheer-Herrmann, der noch jetzt\nMusik-Director der philharmonischen Gesellschaft in Liver-\npool ist. Der Eintritts-Preis war 4 Pf. 4 Shill. (28 Thlr.)\nfür die sechs Concerte und 1 Pf. 1 Shill. (7 Thlr.) für den\nBall. Einer Familie von nur drei Personen kostete also diese\nmusicalische Uebersättigung 105 Thaler!\nUnd dennoch genügte der Stadt dieser Musiksaal nicht,\nund sie hat eine St. Georgs-Halle errichtet, deren Inneres\nnoch im Ausbau begriffen und welche sicher das einzige\nGebäude ist, das in Europa aus städtischen Mitteln in\nso kolossalen Verhältnissen und aus so kostbarem Material\naufgeführt worden. Die Länge desselben erreicht bis auf\neinige Fuss die des kölner Domes; die Prachthalle in der\nMitte ist 199 Fuss lang, 73 Fuss breit und 87 Fuss 6\nZoll hoch."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.4", "texte": "Um nach dieser Abschweifung über die Locale, welche\njedoch zur Sache gehört, wenn man eine richtige Vorstel-\nlung von den musicalischen Zuständen in England und von\nden ungeheuren Geldmitteln der dortigen Vereine und Cor-\nporatienen für musicalische Zwecke geben will, zu der\nAufführung des Messias in London zurückzukehren, so\nkönnen wir nicht anders sagen, als dass sie einen gross-\nartigen und feierlichen Eindruck auf uns machte, wozu\nausser der sehr befriedigenden Ausführung auch die Hal-\ntung des Publicums beitrug; denn der Engländer geht in\neine Sacred Music, in ein Oratorium, gerade so wie in eine\nKirche, und hört mit einer Andacht und bei Händel na-\nmentlich auch mit einer Pietät zu, welche höchst ehren-\nwerth sind. Der Dirigent Costa ist, obwohl ein Italiäner,\nder Leitung classischer Musik vollkommen gewachsen; er\nlasst richtig auf und weiss die grossen Massen ganz vor-\ntrefflich zusammen zu halten und ins Feuer zu führen. Die\nTempi nimmt man in England in den Oratorien im Ganzen\netwas schneller, als es Von den meisten Dirigenten in\nDeutschland geschieht. Die Behauptung, dass man für Hän-\ndel's Werke im Besitze der Tradition in dieser Beziehung\nsei, kann man freilich eben so wenig widerlegen, als ihre\nRichtigkeit erweisen; so viel ist aber gewiss, dass das Mo-\nnotone und Schleppende, welches dergleichen Aufführungen\nsonst haben, dadurch vermieden oder doch sehr gemildert\nwird. Hier und da im Messias schien uns jedoch Costa bei\nden Soli etwas zu weit darin zu gehen. Ueber seine Auf-\nführung der Beethoven'schen D-dur-Messe müssen wir\naber ein ganz unbeschränktes Lob aussprechen: wir haben\ndaher in London die merkwürdige Erscheinung eriebt, dass\nein Dirigent der italiänischen Oper die genannten kirchlichen\nMusiken sehr gut, dagegen im Theater den Don Juan und\nden Fidelio nichts weniger als gut dirigirte. Lag das Letz-\ntere vielleicht an der Unterwürfigkeit des Capellmeisters\nunter die Launen der Sänger, oder an dem Mangel an rich-\ntiger Auffassung jener Werke?\n\nPariser Briefe.\n\n(Schluss. S. Nr. 30.)\nj Sina pazza per amore La Fiancee du Diable Cru-\nveiii als Alice.]\nDoch damit ich den Italiänern nicht Unrecht thue,\ndarf ich nicht vergessen, zu erwähnen, dass sie eine hier\nin Paris neue, in Italien aber auch bereits zwanzig Jahre\nalte Oper gebracht haben. Ein gewisser Coppola hat nära-\nlieh den alten Stoff, den schon Daleyrac (1786) und\nPaisiello (1811) benutzt, um das Jahr 1835 zu einer\ngrossen zweiactigen Oper „Nin verar-\nbeitet, und diese, welche damals in Italien, man begreift\nkaum, wodurch, Beifall erhalten, hat man uns jetzt wieder\naufgetischt. Buch und Musik sind unter aller Kritik, und\nes ist vielleicht für den feinen Ton des Publicums der\nSalle Venladourein gutes für dessen Geschmack aber\nein sehr schlechtes Zeichen, dass solch ein Machwerk nicht\nausgepfiffen wurde. Denke dir nun, dass das zarte, aus\nLiebe wahnsinnige, ewig leidende und schmachtende Mäd-\nchen, deren Umgebungen jeden Augenblick fürchten, dass\nsie vor Schmerz zusammensinke, keine Andere war, als die\ncompacte Alboni mit ihrer überreich entwickelten Taille,\nund du wirst begreilen, dass man eher den Papa und den\nArzt, welche ein solches Gestell für zerbrechlich halten,\nfür verrückt erklären musste, als diese Nina.\nDer heitere Eindruck dieser Erscheinung erinnerte\nmich an eine noch köstlichere Vernichtung aller Illusion\nbei einer Scene auf derselben Bühne. Vor einigen Jahren\nwurden Verdi's Masnadieri,deren Text bekanntlich nach\nSchillers „Räubern\" zurecht gemacht ist, gegeben. Im\nzweiten Acte steigt der alte Moor, ein abgezehrtes Skelet,\ndem Hungertode nahe, aus dem Thurm, und siehe, es ist\nLablache mit dem wohlgenährtesten, feistesten Leich-\nnam, den man auf Gottes schöner Erde finden kann!\nVon neuen Opern ist ausser einigen einactigen,\nwie Maiire Wolfram von Reyer, Les Trovatelles (die Fin-\ndelkinder) von Duprato (Erstlingswerk), welche eben\nüber die Bühne, aber nicht viel weiter gegangen sind\ndie Fiancee du Diable,in drei Acten, Text von Scribe &\nComp., Musik von Victor Masse, zu erwähnen. Der\nTeufel ist unsterblich auf der Bühne; sie bringt ihn in al-\nlen möglichen Gestalten, tragisch und komisch, und wenn\ner schon einmal einen geliebten Sohn gehabt hat, warum\nsoll er nicht auch eine Braut bekommen ? Und wenn Scribe\neinen sentimentalen Beelzebub geschaffen hat, warum soll\ner uns nicht auch einmal einen dummen Teufel vorführen,\ndas heisst einen Marquis, der sich durch ein Landmädchen,\ndas er verführt hat und das ihm ein Pistol unter die Nase\nhält, und durch einen Gerichtsvollzieher der Inquisition,\nder ihm, als dem Aller egodes Gottseibeiuns, mit dem\nScheiterhaufen droht, anführen und zur Hochzeit treiben\nlässt? In Avignon war zu der Zeit, als dieses Ländchen dem\nPapste gehörte, so etwas sehr wohl möglich, und ausserdem\nversteht Scribe es, so etwas mit pikanten Nebendingen, witzi-\ngem Dialog und komischen Scenen der Art zu würzen, dass"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.5", "texte": "man, einen ganzen Abend lang wenigstens, es gar nicht\nmerkt, dass das alles eigentlich dem Teufel nichts taugt.\nDer Componist hat durch einige kleinere Opern, na-\nmentlich durch die Chanteuse voilee und durch die aller-\nliebsten Noces de Jeannette,welche gewiss auch den Weg\nnach Deutschlands Bühnen gefunden haben*), sehr schnell\neinen Ruf erlangt, und mit Recht. Auch diese Teufelsbraut\nbewährt das Talent von Victor Masse, sowohl in der\nErfindung als in der Bearbeitung, welche mitunter recht\nfein ist und eine geschickte Anwendung contrapunktischer\nKenntnisse zeigt heutzutage eine seltene Sache bei den\nComponisten der komischen Oper in Frankreich. Ich halte\nihn mit Bazin, dem Componisten der zweiactigen Ope-\nrette Madeion, für den besten der lebenden Tonsetzer in\ndieser Gattung und ziehe Beide dem gegenwärtigen\nAd. Adam, der rein zum Fabrikarbeiter geworden ist, vor.\nDass auch Mass£ nicht frei von den Einflüssen der Atmo-\nsphäre ist, in welcher er lebt, will ich damit keineswegs\nläugnen; das zeigt sich gleich in der so genannten Ouver-\ntüre und besonders auch in dem Ueberladen der Haupt-\nPartie der Sopranistin mit schwierigen Coloraturen. Eine\njunge Sängerin, Demoiselle Boulart, zieht sich mit ziem-\nlicher Gewandtheit aus der Verlegenheit, in welche diese\nverzweifelten Vocalisen viele andere setzen würden. Was\nhat aber der Zuhörer davon? Nichts, als dass er am Ende\nfroh ist, dass das arme Mädchen bei dem rapiden Auf- und\nAbsteigen cler Leitern nicht den Hals gebrochen hat.\nDie grosse Oper hat Meyerbeer's Robert wieder in\nScene gesetzt mit durchaus neuer Besetzung, unter wel-\ncher die Cruvelli als Alice das meiste Interesse erregte.\nUeber ihre Leistung sind die Stimmen sehr getheilt; ich\nfür meine Person halte ihre Auffassung der Rolle für un-\nrichtig sie macht aus dem einfachen Landmädchen eine\nHeldin, sie erscheint nicht jungfräulich, sondern männlich,\nund überschreitet im leidenschaftlichen Gesänge das Maass\ndes Schönen. Wenn die hiesige Kritik sagt: „Sie hat, wie\nimmer, die Rolle mehr ihrem Talente untergeordnet, als\nihr Talent der Rolle, und Niemand hat wohl von dieser\nKünstlerin eine genaue Reproduction des ursprünglichen\nTypus der Alice erwartet\" —, so gehört eine merkwür-\ndige Interpretation dazu, um das für ein Lob zu nehmen.\nAber was stehen der sprachlichen Gewandtheit der hiesi-\ngen Kritiker nicht für Mittel zu Gebote, um ihre wahre\nUeberzeugung zu verstecken!\nDie neue kaiserliche Verwaltung will die alten Meister-\nwerke wieder in Scene setzen: sehr gut. Aber wer soll\nGluck und Picini und Sacchini singen? Da wird sich's erst\nzeigen, ob wir dramatische Sänger haben oder nicht. Hat\ndie Oper eine Rachel, wie das ? oder\nglaubt man etwa, dass Paris ohne jene an Corneille und\nRacine wieder Geschmack gefunden haben würde? Man\nhat, wie ich höre, die Stoltz wieder engagirt wird sie\naber noch denselben Zauber üben, wie vor Jahren, als sie\nin ihrer Blüthe war? Wird sie auch nur die Tedesco,\nwelche eine vortreffliche Sängerin war, die man hätte hal-\nten sollen, ersetzen?\nDas durch den kurz nach einander erfolgten Tod der\nGebrüder Seveste verwaiste Theätre Lyrique wird, wie es\nmit Bestimmtheit heisst, in die Hände des Herrn Perrin,\nDirectors der komischen Oper, übergehen, welcher dem-\nnächst beide Theater leiten würde. Bestätigt sich dies,\nso dürfte das dem Publicum zum Nachtheil gereichen;\ndenn mit der Concurrenz wäre es dann aus. Nach einem\nZusatz-Artikel des Gerüchtes soll indess Aussicht vorhan-\nden sein, dass die Civilliste des Kaisers auch die komische\nOper übernehmen werde.\n*) Durchaus nicht. Unsere Theater-Directionen lassen nur die\nSpectakel-Opern für Deutschland bearbeiten, und das Publi-\ncum hat den Geschmack an einactigen Opern verloren. Es\nkäme übrigens vielleicht nur darauf an, ihn durch interessante\nNeuigkeiten wieder zu wecken. In Berlin hat man es, und\nsogar mit älteren Operetten, wie z. B. Soulie's Geheimniss,\nmit Glück wieder versucht, aber freilich mit einem grossen\nBallet hinterher! Anm. der Redaetion.\n\nB. P.\n\nGiuseppe Verdi.\nDie Geschichte der Musik wird den Namen Verdi\nnicht mit Stillschweigen übergehen können; denn dass er\neine Epoche der dramatischen Musik der Italiäner bezeich-\nnet, lässt sich nicht mehr läugnen, wenn auch das Urlheil\ndarüber, ob diese Epoche ein Fort- oder ein Rückschritt\nsei, bei Manchen noch schwankt, bei Anderen längst zum\nNachtheil des Componisten entschieden ist. Es ganz abzu-\nschliessen, dürfte noch zu früh sein; vor Allem ist die Er-\nscheinung der französischen Oper, welche er gegenwärtig\nin Paris auf einen Text von Scribe für die\nriale schreibt, abzuwarten.\nWir geben hier, zuvörderst den historischen Stand-\npunkt festhaltend, ein Verzeichniss seiner Compositionen\nnach einer turiner Zeitung.\nVerdi componirte von seinem dreizehnten Jahre au\nMusik aller Gattungen: Ouvertüren, Märsche, Concerte für\nPianoforte, welche er selbst spielte, Cantaten, Romanzen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.6", "texte": "u. s. w. Achtzehn Jahre alt, ging er nach Mailand, wo er\ndrei Jahre lang studirte und nur wenig componirte. Er\nwar 25 Jahre alt, als seine erste Oper aufgeführt wurde.\nSie hiess:\n1. Oberlo di San Bonifacio, Mailand (Scala), den 17.\nNovember 1839. Es folgten:\n2. II finto Stanislao,Opera bufTa, Mailand (Scala), den\n5. September 1840.\n3. Nabucodonosor,Mailand (Scala), den 9. März 1842,\nwelche zuerst Aufsehen erregte.\n4. I Lombardi alla prima ebendaselbst, den\n11. iFebruar 1843.\n5. Ernani,Venedig (Fenice), den 9. März 1844. Die\nLöwe sang darin die Elvira.\n_ - rr\n6. 1 due Foscari, Rom (Argentina), den 3. Nov. 1844.\n7. Giovanna d'Arco, Mailand (Scala), den 25. Februar\n1845 mit der Frezzolini.\n8. Alzira,Neapel (San Carlo), den 12. August 1845.\n9. Altila, Venedig (Fenice), den 17. März 1846.\n10. Macbeth, Florenz (Pergola) den 14. März 1847.\n11./ Masnadieri, London (Her Majest. Theatre), den\n22. Juli 1847 mit Jenny Lind.\n12. Jerusalem(/ Lombardi mit einem neuen franzö-\nsischen Text und einigen neuen Gesang- und Ballet-Num-\nmern), Paris (grosse Oper), den 26. November 1847.\n13. La Battaglia di Legnano (auch unter dem Titel\nL'Assedio di Ariern),llom (Argentina), den 27. Januar\n1849.\n14. II Corsaro,Triest 1849.\n15. Loisa Miller, Neapel (San Carlo), den 8. Decem-\nber 1849.\n16. Stiffelio, Triest, den 16. November 1850.\n17. Rigoletto, Venedig (Fenice), den 11. März 1851.\n18. II Trovatore, Rom (Apollo), den 19. Jan. 1853.\n19. La Traviata(nach der von\nAlex. Dumas d. J.), Venedig (Fenice), den 6. März 1853.\nAusser diesen neunzehn (eigentlich nur achtzehn\ns. Nr. 12) Opern meist ernsten Inhalts hat Verdi noch\neinige kleinere Stücke für Gesang und Pianoforte heraus-\ngegeben. Von seinen früheren, oben erwähnten Compo-\nsitionen hat er nichts veröffentlicht.\nEr ist den 9. October 1814 zu Busseto geboren\nund steht jetzt in seinem vierzigsten Jahre. Der Kaiser\nder Franzosen hat ihn zum Ritter des Ordens der Ehren-\nlegion ernannt.\n\nAus Hamburg.\nAm 25. Juli erklärte der Advocat J. Eden im Namen der Di-\nrectoren der vereinigten Stadttheater (Stadt- und Thalia-Theater)\nvon Hamburg, der Herren Maurice und Wurda, sie seien nicht\nmehr im Stande, ihren Verpflichtungen nachzukommen, und stellte\ndem Personal den Antrag, his April 1855 auf Theilung zu spielen,\nund ihm in diesem Falle vorschussweise eine halbe Monats-Gage\nzu bezahlen. Und dies in dem Hamburg, das unter seinen mehr\ndenn 200,000 Einwohnern so viele Hochbegüterte zählt, denen es.\nohne Opfer zu bringen, möglich gewesen wäre, im Interesse der\nKunst, zur Ehre der Sladt eine Krisis fern zu halten, die man\nvorausgesehen. Selbst als die Dircctoren beim Senate um Lösung\nihrer Contracts-Verbindlichkeit vor Ablauf derselben ansuchten und\ndemselben die Gründe offen darlegten, deren endliche Folge das\ngegenwärtige betrübende Ereignissist, erhielten sie einen abschlä-\ngigen Bescheid, und während z. B. Frankfurt, Posen, jetzt auch\nLübeck u. s. f. ihre Direclionen durch namhafte Zuschüsse unter-\nstützen und zu halten suchen, hat die hiesige Stadttheater-Direction\nbei einem grossen Gagen-Etat noch enorme Miethc und Abgaben\nzu bezahlen. Was das Thalia-Theater etwa noch gewann, das ver-\nschlang das Stadttheatcr, bis der jetzige Sommer die Stützen vol-\nlends unterhöhlte, auf welchem das Gebäude lange schon nur\nkünstlich schwankte; sie brachen zusammen, und mit ihnen\nstürzten mehr als 150 Menschen momentan ins Unglück. So im\nreichen, stolzen Hamburg mit seiner Geld-Aristokratie, ob einer\nSumme von 103,000 Mark, das ist beiläufig 41,200 Thaler Preuss.\nCourant! Die Mitglieder wählten aus sich ein Comile, welches\nüber den Fragepunkt zu berathen hatte, ob auf den Antrag der\nDirection eingegangen werden solle oder nicht, und die Entschei-\ndung lautete: „Nein.\" Es ist nun die grösste Spannung eingetre-\nten, und auf allen Lippen schwebt die Frage: „Was wird gesche-\nhen? Was wird Hamburg und sein Senat beschliessen und machen?\"\nEs fehlt allerdings nicht an Stimmen, welche der Direction Vor-\nwürfe zu machen wissen, dass sie das berühmte Schröder'sehe\nKunst-Institut herabsinken gelassen von seiner früheren Glanz-\nEpoche ; allerdings macht man der Direction nicht ohne Unrecht\nden Vorwurf, dass sie das Repertoire ganz vernachlässigt und wenig\nNeues geboten hat, und wer nur ein paar Monate in Hamburg\nlebte und beobachtete, konnte sich die Wahrheit dieses Vorwurfes\nnicht wegtäuschen. Ich maasse mir, als mit der Vergangenheit der\nhamburger Bühnen nicht vertraut, keine Reflexion darüber an, nur\ndas glaube ich als das Resultat meiner Beobachtungen aussprechen\nzu dürfen, dass die enormen Anforderungen des Publicums, die es\nnach allen Richtungen hin stellt, in gar keinem Vcrhältniss stehen\nzu dem Wenigen, eigentlich zu dem Nichts, was von seiner Seite\nzur Unterstützung des Theaters geschieht; es verlangt die Kräfte\nund die Ausstattung einer Hofbühne, und gibt dafür weniger, als\nan anderen Orten für Provinz-Bühnen geschieht.\nIch schliesse nur noch die Notiz über jene Gäste bei, welche\nzuletzt noch in Hamburg über die Bühne zogen. Nach Frau'Her-\nmann-Gzillag von Wien, einer ausgezeichneten Sängerin, kam\nFrau H owitz-Steinau von Karlsruhe mit keinem Erfolge, Frau\nSchreiber-Kirchberger mit sehr mittelmässigem Beifalle, eine\n\\ audevillistin, 1< räul. Schmidt aus Hannover, mit günstigem\nSuccesse. \\on Herren: der coburg'sche Kammersänger Reer, wel-\ncher sich eines Succes d'eslimezu erfreuen hatte, jedoch ohne grös-\nsere Beachtung blieb, da der gefeierte Tenor Roger als „Eleazar\",\n„Edgardo\", „George Brown\" und in der „Favoritin\" Alles zum Ent-\nzücken hinriss durch die Allgewalt seines Vortrages und durch-\ndachten Spieles."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.7", "texte": "Aus München.\nDen 26. Juli 1854.\nVon musicalischen Notabilitäten befanden sich Spohr, Lind-\npaintner, Moscheies, Pianist E. Pauer, Capellmeister Tau-\nber t aus Berlin, Gade, die Virtuosen Gebrüder Wicniawski\nwährend der Industrie-Ausstellung hier; die Letzteren gedenken\nnächsten Freitag den 28. d. Mts. ihr erstes Conccrt zu geben. Wie\nman vernimmt, wird die Gattin des hiesigen lloftheater-Intendanlen,\nFrau Lutzer-Dingelsted t, wieder vor die Oeffenllichkeit treten\nund zunächst am Hoftheater in (jotha die I itel-Partie der neuen\nOper des Herzogs von Coburg übernehmen.\nIm Ausstellungs-Gebäude befinden sich 107 Clavicre verschie-\ndenster Art. Vorzüglich an Ton, Stärke, trcfllicher Spielart und\nguter Mechanik, wie an brillantem Aeusseren reiche Instru-\nmente lieferte Herr Ed. Seuffert aus Wien mit sechs Flügeln,\ntheils mit wiener, mit Stosszungen, mit englischer und französischer\nMechanik, und Pianino's. Die Letzteren zeichnen sich ebenfalls\ndurch kräftigen vollen Ton, solide Bauart und sorgfältige Arbeit\nvor den übrigen aus; Rausch und Sohn aus Wien, welche dici\nFlügel ausgezeichnet guter Art ausstellten. Ein Hügel davon ist\nmit der neu patentirten Mechanik des Herrn F. Rausch jun. ver-\nsehen. Die beiden anderen Flügel sind mit wiener und französi-\nscher Mechanik versehen und zeichnen sich durch Ton und Klang-\nfülle aus, und haben bereits alle Anerkennung gefunden. Herr\nBetty aus Wien hat zwei Flügel hieher geschickt, die an Ton\nund Klangfülle wohl nicht so glücklich sind, wie die \\on den\nObengenannten, aber die überaus schöne und sorglältige Ausaibci-\ntung. die Nettigkeit der einzelnen Bcstandtheile zeugen von dem\ndaran gewandten Fleisse und verdienen desswegen Anerkennung.\nBachmann aus Wien hat einen Flügel ausgestellt. Gute, solide\nBauart, aber eben nicht sehr grosse Klangstärke macht sich an\ndemselben bemerkbar. Schweighofer in Wien hat ebenfalls\nzwei sehr sorgfältig ausgearbeitete Flügel geliefert. Aber was lon\nund Klang betrifft, so stehen sie jenen der Obengenannten weit\nzurück. Noch haben die Herren Schneider und Heitzmann\naus Wien, Fritz aus Gratz, Schmidt und Beregszaszy aus\nPesth ausgestellt. Andre in Frankfurt a. M. hat einen weich klin-\ngenden „Mozart-Flügel\", Schott in Mainz einen sehr hellen,\nKlems in Düsseldorf einen eben so rein ausgearbeiteten wie gut\nklingenden Flügel ausgestellt. Breitkopf & Härtels ausge-\nstellte Flügel lassen an Ton und Bauart wenig zu wünschen übrig.\nAuch Schiedmayer und Söhne in Stuttgart haben sich mit ihren\nexponirten Ciavieren als treffliche Fabricanten bekundet. Von be-\nsonderem Interesse sind jedoch ihre „Harmoniums\", deren vier\nausgestellt sind, eines davon ist in Palisandcr mit 15, zwei mit 8\nRegisterzügen versehen. Baierns Glavicr-Industiie lässt den hiesigen\nVerfertiger Llb e r in den Vordergrund treten. Im Ganzen haben\naus Oesterreich 20, aus Preussen 9, aus Baiern 8 Instrumenten-\nmacher Piano's geschickt; aus jedem dieser drei Länder sind auch\nzwei Orgeln da, aus Würtemberg vier.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIi;; I». Karl Form es hat in diesen Tagen seine hiesigen\nFreunde mit einem Besuche überrascht. Er gedenkt den Monat\nAugust in einem Bade in Deutschland zuzubringen.\n** Berlin, 4. August. Ich kann Ihnen aus der sichersten\nQuelle mittheilen, dass die Aufführung von R. Wagners Tann-\nhäuser auf der königlichen Bühne durchaus nicht aus Rücksicht\nauf die politischen und socialen Grundsätze Wagner's gehemmt\noder hintertrieben ist, indem Se. Majestät der König viel zu erha-\nben über solche Dinge denkt und Höchstselbst die Auflührung be-\nfohlen hat; ferner, dass noch weniger Umtriebe von Künstlern oder\nRivalen Wagner's derselben entgegen getreten sind, sondern dass\neinzig und allein die Forderung von Wagner und Liszt, dass\nLiszt die Oper in Berlin einstudiren und dirigiren solle, die Sache\ndahin gebracht hat, dass an eine Erscheinung des Tannhäuser auf\nunserer Bühne nun fürs Erste gar nicht mehr zu denken ist, da\nan der Festigkeit der Intendanz selbst Vermittlungs-Vcrsuchc.\nwelche anderswo imponirt haben mögen, gänzlich gescheitert sind.\nSe. Majestät der König haben allcrgnädigst geruht, dem Gene-\nral-Musik-Director Meyer beer die Erlaubniss zur Anlegung des\nihm vom Könige von Baiern verliehenen Verdienst-Ordens für\nKunst und Wissenschaft zu crtheilcn.\nIv. J. Bisch off, Trio lür Violine, Viola und Violoncell, ist hei\nHeckel in Mannheim erschienen. Dieses Trio wurde durch das\neinstimmige Urtheil der Herren Fr. Lachner, Dr. L. Spohr\nund Joseph Strauss mit dem von der deutschen Tonhalle aus-\ngeschriebenen Preise gekrönt.\nWien. Die Italiäner haben in der diesjährigen Theaterzeit\naufgelührt: Rossini 14 Mal (Cenerenl7, 6, 1),\nDonizetti 12 (Lucia 1, Anna Dolena 2, Lucrezia 4, Don Pasquale\n2, Elisire2, Maria cli Rohan 1), Mercadante 4\nBellini 3 (Norma)und Verdi 30 Mal 10, 4, II\nTrovalare 13, I Masnadieri 3)! Merkwürdiges Barometer des Ge-\nschmacks! Während Verdi weder in Paris noch in London auf-\nkommen kann, dringt er bei den Deutschen in Wien durch in\nder That, das nniss ihn stolz machen. Der Stern der Oper war die\nMedori. Sie soll um eine fabelhafte Summe für die nächste Sai-\nson wieder engagirt sein.\nDie diesjährige Sammlung der Schriften der k. k. Akademie der\nWissenschaften (Seclion für Geschichte und Philosophie) enthält\neinen Aufsatz von Schlager über die Geschichte des Hoftheaters\nseit 1560, welcher sehr interessante Nachrichten mittheilt. In den\nRechnungen der Hcfcassc sind besonders die Zahlungen an Schau-\nspieler-Gesellschaften und einzelne Künstler im Vergleich zu unse-\nren Tagen merkwürdig, z. B. aus 1500: „Befehl, dem Herrn Pil-\nmann und seiner Bande lür eine Komödie vor Kaiserlicher Maje-\nstät zu zahlen vier Thaler ä 70 Kreuzer.\" Im Jahre 1617 erhielt\ndie k. Kammersängerin und Prima der Oper, Angela Stamp,\n20 Gulden monatlich. Auch erfahren wir daraus, dass in dem\nArchiv der Burg eine Opern-Partitur von Kaiser Ferdinand 111.\nvorhanden ist: Drama musicum,\nnando 111., Romanorum Imperatore Der Text ist italienisch und\nder Inhalt Hercules am Scheidewege zwischen Tugend und Laster.\nDie Begleitung besteht aus zwei Violinen, und\nContrabass.\n• *\nDer Fürst Joseph von Dietrich stein, einer der ausge-\nzeichnetsten Musikfreunde und Beschützer der Kunst, ist in Wien\nim vorigen Monate, 88 Jahre alt, gestorben.\nAugust Schäffer hat eine dreiactige Oper: „Zum goldenen\nKreuz\", Dichtung von Rudolph Löwenstein, vollendet, welche in\nWien zuerst zur Auflührung kommen wird.\nHugo Ulrich ist mit der Composition einer ernsten Oper,\nDichtung von Max Ring, beschäftigt.\n__ .\nParis. Die Wiedereröffnung der grossen Oper ist auf den 15.\nAugust festgesetzt. Man wird ein Festspiel mit Musik von der Com-\nposition der Königin Hortense und Meycrbeers Robert der Teu-\nfel geben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540812-01.1.8", "texte": "Als Neuigkeiten, welche diesen Winter gegeben werden sollen,\nnennt man La Nonne sangfante von Scribe und Gounod, und\neine grosse Oper in fünf Acten von Scribe und Verdi! Da-\nneben soll aber Gluck wieder erscheinen (Wird Verdi den An-\nblick dieser Geister-Erscheinung ertragen?), und man rechnet dabei\nauf die Sängerin Stoltz; anlik ist sie wenigstens auch. Uebrigens\nhat sie sich ausbedungen, in Donizctti's ~Fovorite\" aufzutreten.\nAuf dem Theater der komischen Oper wird ebenfalls eine neue\nOper probirt, Musik von Ad. Adam, Text? Ei nun, von Scribe,\nder wie sein Bertrand de Ranzau in dem Lustspiel Bertrand et Ra-\nton mit lächelnder Miene sagt: „Eh bien oui! Vami de tont le\nmondeoder: de toutes les ecoles, de tous les genres. Nun, das muss\nman ihm aber lassen, er kann zusetzen: excepte le genre ennuyeux!\nDer Pfarrer der Madelaine hat eine Seelenmesse für die Gräfin\nRossi-Sontag gelesen, welche einst bei ihrer Anwesenheit in\nParis für die Armen seiner Gemeinde gesungen hatte. Die Kirche\nwar ganz gefüllt.\nAm 22. Juli ist Halevy an Raoul Rochette's Stelle zum im-\nmerwährenden Secretär der Academie des Beaux-Arts ernannt wor-\nden. Diese Wahl ist sehr ehrenvoll; Halevy ist der erste Musiker,\nwelcher diese Stelle bekleidet, die bisher immer durch einen Ge-\nlehrten aus der Academie des lnscriplions et des Beiles Lettres besetzt\nwurde. Unter den vorgeschlagenen Concurrenten befand sich auch\nliittorf. üöt> flsif ihifliä wwj\nWilhelm ine Claussist nach Beendigung der Saison in\nLondon nach Frankreich zurückgekehrt und wird den Rest des\nSommers auf dem Lande bei Paris zubringen.\nMario und die Grisi haben sich nun wirklich am 9. d. Mts.\nauf dem Dampfschiffe The Baltic nach America eingeschifft. Sie\nerhalten 17,000 Pfund (über 110,000 Thlr.) für sechs Monate.\nDavon sind 11,600 Pfund bei einem Banquier in London nieder-\ngelegt, das übrige Gehalt wird monatlich mit circa 1000 Pfund\nvorausbezahlt. Sobald eine dieser Zahlungen am Ersten des Monats\nnicht geleistet wird, ist die niedergelegte Summe den beiden Künst-\nlern verfallen und der Contract gelös't. Nun, wir rathen dem\nUnternehmer, das Künstlerpaar wenigstens nicht im Krystall-Palast\nin New-York singen zu lassen, da würde man nichts von ihren\nStimmen hören. Es scheint, als hätten die Americaner eine unge-\nheure Vorliebe für Ruinen!\nDie Opern-Unternehmung im Drurylane-Theater zu Lon-\ndon ist eingegangen. Sie hat sich dadurch, dass sie zu viel um-\nfassen wollte, ruinirt während die deutsche Oper (mit Frau\nRudersdorf, Agnes Burv, Karl Form es u.s.w.) volle\nHäuser machte, zog die italiänische weniger an, und da nun gar\nauch noch eine englische dazwischen gepfropft werden sollte (d. h.\neine in englischer Sprache gesungene, z.B. Fra Diavolo, die Stumme\nvon Porlici, beide mit dem Tenor Sims-Reeves), so zog sich\nForm es, die hauptsächlichste Stütze des Ganzen, zurück, und da-\nmit war die Sache aus. Uebrigens waren die Unternehmer, die\nHerren Jarrct und S eager-O.s wal.d, auch nicht die Leute dazu,\n# *\neine Anstalt zu leiten, die der Coventgarden-Oper Concurrenz ma-\nchen sollte. Ob namentlich der Herr Seager die Kenntnisse zu\neiner Theater-Geschäftsführung gehabt habe, dürfte zu bezweifeln\nsein; die dazu notwendigen Fonds hatte er sicherlich nicht, wo-\nfür hier in Köln Beweise existiren, welche ihm keineswegs zum\nRuhme gereichen.\n\nDeutsche Tonhalle.\nFriedr. Götz.\nDurch ein Ycrcins-Mitglied, den Herrn Verfasser beigehenden\nGedichtes, sind wir in Stand gesetzt, für die beste Composition\ndesselben für eine Singstimme und Ciavier den Preis von\nsieben Ducaten hiermit auszuschreiben ohne Eigentums-\nAnspruch.\nDie Bewerbungen, mit einem deutschen Spruche versehen, wol-\nlen uns im Monat November d. J. frei zugeschickt werden, be-\ngleitet von einem versiegelten Zettel, der Namen und Wohnort des\n\\ erlassers enthält, aussen denselben Spruch führt und einen\nKünstler nennt, welchen der Einsender als Preisrichter wählt.\nDie Satzungen der Tonhaie sind zu beziehen von:\nHerrn Magistrats-Secrctär Becker in Würzburg,\n„ Musiklehrer Deland in Rostock,\n„ Grützmacher, Lehrer am Musik-Conserv. in Leipzig, und\n„ Musik-\\ erleger G. W. Körner in Erfurt,\nauch bei dem Lntcrzeichnetcn und den Herren Fr. Götz und K.\nF. Meckel hier. — Demnächst wird der V erein ein Preis-Ausschrei-\nben über eine Sinfonie erlassen.\nMannheim, August 1854.\nDer Vereins-Vorstand.\nAn eine Blume — das Herz.\n1. Blätter wanken, Wolken zieho,\nKeine Dauer kennt das Leben.\nMit dem Flug der Stunden fliehri\nGram und Lust, von ihm gegeben.\nWelkend steht die Sommerau,\nWenn sich mild das Grab bernoos'te,\nWehmuth ist dein Blüthenthau,\nLeid im Tröste!\n2. Dennoch ob der WTolkenbahn,\nOb dem Zeitenkreis, der Schwüle,\nUnd dem bunten Erdenwahn\nWalten ewige Gefühle!\nSei die Sonne noch so fern,\niSimmer wird ihr Abbild scheiden ;\nHoffnung ist dein Blüthenstern,\nTrost im Leiden! *\n3. Und ein Hauch, so frühlingsmikL\nWeht herab aus lichten Räumen, s\nLässt im Leben, lasst im Bild\nUns vom ewig Schönen träumen.\nTrinkend diese Himmelsluft,\nEinen sich die Gottestriebe.\nHerz, es ist dein Blüthenduft\nGlaub' und Liebe."}]}