{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-08-19-01", "volume": "bmtnabi_1854-08-19_01", "ocr_sha256": "2beca3afafb7207e1baf7793fc0d52df41e25fe4c0ec37d6f2f388849a062907", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/08/19_01/bmtnabi_1854-08-19_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-08-19-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-08-19_01#c001", "volume": "bmtnabi_1854-08-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "257", "page_fin": "259", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.2.1", "titre_corps": "Ueber musicalische Zustände in London.", "titre_sommaire": "Ueber musicalische Zustände in London.", "signature_source": "L. Bischoff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3605, "texte": "Ueber musicalische Zustände in London.\nVon\nProf. L. Bischoff.\nIV.\n(S. Nr. 26, 28 und 32.)\nDerjenige musicalische Verein, welcher gegenwärtig\nsowohl durch die Anzahl seiner Mitglieder und die Kraft\nder Geldmittel, als auch und zwar mit noch mehr Recht\ndurch die Gediegenheit seines Strebens und den Ein-\nfluss auf Erhaltung des Geschmacks an classischer Musik\nin London an der Spitze der Kunst-Vereine steht, ist die\nSacred Harmonie Society.\nDiese Gesellschaft ist zu dem Zwecke gegründet wor-\nden, nur Sacred Music, heilige oder geistliche Musik, auf-\nzuführen. Dies bestimmt gleich der zweite Paragraph ihres\nStatuts, und es wird mit der bekannten Orthodoxie der\nEngländer so fest daran gehalten, dass es einen grossen\nKampf gekostet hat, den „Jahreszeiten\" von J. Haydn\nEingang in Exeter Hall, wo die Gesellschaft ihre Concerte\ngibt, zu verschaffen. Erst seit einigen Jahren steht dieses\nWerk mit auf dem Programm. Es herrscht daher bei den\nAufführungen, welche der Verein veranstaltet, vorzugsweise\njene fast feierliche Stille und Aufmerksamkeit, von welcher\nich schon gesprochen, in der Zuhörerschaft; auch die mit-\nunter sehr stürmischen Beifalls-Aeusserungen des englischen\nPublicums an anderen Orten und die womit an-\nderwärts ein unausstehlicher Missbrauch getrieben wird,\nhören hier auf. Zuweilen macht auch der Vorstand noch\nbesonders darauf aufmerksam, wie denn z. B. auf dem Con-\ncertzettel zur grossen Messe von Beethoven der Zusatz\nstand: „In Betracht der kirchlichen Natur der Aufführung\nwird die Zuhörerschaft ersucht, dieselbe ohne Unterbrechung\ndurch Applaus oder Dacapo-Rufe ihren Fortgang nehmen\nzu lassen.\" Auch gehört eben dahin, dass das ausführliche\nProgramm den Titel führte: „Beethovens Grand Service\ninD\" (Gottesdienst, nicht Messe), und dass in\ndem Vorwort darauf hingewiesen wurde, „dass der Text\nauch in dem Gottesdienste der englischen Kirche enthalten\nsei, wie man sich durch die gegenüberstehende Uebersetzung\nüberzeugen könne\".\nDie Mitglieder des Vereins, welcher allwöchentlich\nFreitag Abends von B—lo Uhr seine Versammlungen\nund Chor-Uebungen hält, müssen musicalisch sein. Das\nEintrittsgeld beträgt zwei, der jährliche Beitrag eine Guinee.\nDafür aber erhält das Mitglied für jede öffentliche Auffüh-\nrung zwei Eintrittskarten zu den gewöhnlichen Plätzen;\nwünscht es numerirte Sitze, so muss es verhältnissmässig\ndarauf zahlen. Bei nachlässiger Theilnahme an den Uebun-\ngen, Proben und Aufführungen steht dem Vorstande das\nRecht zu, die Freikarten auf Zeit zurückzuhalten.\nDer Verein zählte am Ende de» vorigen Jahres 838\nMitglieder —im Jahre 1851 642, im Jahre 1852 750.\nSein Eigenthum an Bibliothek, Musicalien, Instrumenten\nu. s. w. und an Capitalien (1550 Pf. St.) beträgt nach der\nletzten Schätzung 4000 Pfund (über 26,000 Thlr.).\nDie Einnahme war im vorigen Jahre:\nLiv. Sh. »».\nCassen-Bestand am 31. Dec. 1852 . 152 12 1 1\nAn Zinsen . 4619 4\nAn Beiträgen und festen Subscriptionen 1453 14 P>\nAn zufälligen Einnahmen . . . . 59 11\nErtrag der Concerte 4898 15 11\n6611 13 S\nDie Ausgabe im Ganzen . . 6231 19 10\nMithin Ueberschuss für 1853 . . 379 13 10\nIn der Einzelrechnung der Ausgabe erscheinen unter\nAnderem für Localmiethe und Gasbeleuchtung 328 L.,\nfür Gebrauch der Orgel 115 L., Anschaffung von Musik\n278 L. (an 1900 Thlr. in Einem Jahre!), und ausserdem\nan Kosten der Aufführungen 5007 L. 6 Sh. 7 P.\nEs haben mithin die zwanzig Concerte des vorigen\nJahres dem Vereine zwar die schöne Summe von 31,850\nThlr. (das Pfund nur zu 6 Thlr. 15 Sgr. gerechnet) ein-\ngebracht, aber— ohne Local- und Orgelmiethe und Be-\nleuchtung, also bloss an so genannten Tageskosten"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5424, "texte": "32,545 Thlr. erfordert! Welches Institut kann damit\nwetteifert? ,{ , liw |pjJl s ..\nNun entsteht fi Vilich die Frage, ob unsere kleineren\nConcert-Institute in Deutschland, welche mit weit geringe-\nren Mitteln jeden Winter zwölf bis vierundzwanzig Con-\ncerte geben, nicht mehr leisten, als jene grossen englischen\nVereine. Da gilt es freilich, sich auf der einen Seite vor\nüeberschätzung des Fremden und Quantitativen, auf der\nanderen vor übertriebenem Patriotismus zu hüten. Der\n*• ' .. * • 5; ;• Jv '*! UU J ' £ >s■ > • ' j\nletztere leitet meistenteils die Federn der deutschen Cor-\nrespondenten aus London, deren Berichte wir in öffentlichen\n* .V/ 1 1 > ? \\ X V 4 Iv.* 1 I.m ■ VA 'L » »I 4 1 »Lr k Ä \\ 1 f} w 1 • . f * * ***ft J lii! 8 * T J O. .\nBlättern, namentlich jin den eigentlich musicalischen, lesen.\nJene Herren meinen, es gebe ihnen ein Kenner-Ansehen,\nwenn sie nur Alles recht herabsetzen und tadeln und auf\n' fl i • =; f j J • ' '■ ' IJ6! { \"\" It\nschlechte Witze über John Bull Jagd machen. So urthei-\nJen sie denn in den Tag hinein und brechen nach einer\neinzelnen Aufführung, die sie zufällig einmal mit angehört,\nüber die ganze musicalische Leistungsfähigkeit der Englän-\nder den Stab, während die, meisten von ihnen nomina\nXu ■\nsunt odiosa viel zu sehr mit dem Handwerk beschäftigt\nsind, um nur zu exisliren, als dass sie daran denken könn-\nten, die öffentlichen Aufführungen öfter zu besuchen und\nihrer Entwicklung und Wirkung zu folgen. Auch wir wis-\nsen recht wohl, dass es die Masse nicht thut in der Kunst;\nallein wenn es irgendwo einen Verein gibt, welcher für\nalle die grossen Werke, die für Massen geschrieben sind,\ndiese Massen mit grossen Opfern an Zeit, Mühe und Geld\nzusammenbringt und dadurch imposante und der Werke\nwürdige Aufführungen möglich macht, so wird der wahre\n• I . f - A t X\nKünstler vor einem solchen Vereine und dessen Bestrebun-\n> i > *L Q i i T\"| | *\\rt , _\ngen die höchste Achtung hegen, mag er seine Heimat ha-\nben, wo er wolle. Die Concerte der\n* ♦< * i 'f . . I - Üf\nciety sind förmliche Musikfeste, und eine Gesellschaft, welche\njährlich 20 bis 21 Musikfeste veranstaltet, bei denen\nnichts als classische Musik der kirchlichen Gattung aufge-\nführt wird, verdient nicht nur den Dank ihrer näheren Um-\ngebung, sondern der ganzen musicalischen Welt.\nj |\nDie Concerte des Vereins finden das ganze Jahr hin-\ndurch Statt, mit Ausnahme der Monate Juli, August, Sep-\ntember und October; gewöhnlich werden monatlich zwei,\nim März, April und Mai meistens drei bis vier gegeben. Im\nvergangenen Jahre Würden öffentlich aufgeführt: H ä Il-\nde l's Messias 3 Mal, Judas Maccäbäus, Samson, Israel in\nAegypten, das Dettinger To und die Krönungs-\nliymne; Mozart's Requiem 3 Mal und dessen Messe Nr.\nXII; Uaydn's Schöpfung 2 Mal; Mendelssohn's Elias\n5 Mal, Lobgesang 3 Mal. Ausserdem wurden in den Uebun-\ngen gesungen fländej's Deborah, Josua, Saul, Solomon;\nBeethoven's Messen in € und D; Haydn's Jahreszeiten und\nMesse Nr. III; Mendelssohns Paulus, Athalia, Laiida Sion,\nPsalm 42,95, 114; Spohr's Golgatha; Griesbachs Daniel.\n* M\nAls Solosänger lür diese Concerte finden wir fünfund-\nzwanzig honprirt, unter ihnen die Damen Clara Novello,\nViardot, Fiorcntini, Dolby u.s.w., die Herren Sims-Reeves,\nGardoni, Formes, Staudigl, u. s. w.\n• 1\nEinen merkwürdigen Beweis von dem zahlreichen Be-\nsuche der Oratorien-Concerte gibt die Notiz in der vor-\njährigen Rechnungs-Ablage, dass der Gewinn am Ver-\nkaufe der Textbücher (zu \" 6 Pente, fünf Groschen) seit\nsechs Jahren, wo man ihn begönnen, 888 L. eingebracht\nhat, im vorigen Jahre allein 152 L., über 1000 Thlr. an\nUeberschuss über die Druck- und Heftkosten.\n*\nDiese sehr schön gedruckten Textbücher unterscheiden\n4 4 K t\nsich von denen in anderen Ländern noch dadurch, dass sie\noft ausführliche Abhandlungen über das Werk, dessen Text\nsie liefern, enthalten. Für die\nschreibt diese in der Regel G. A. Macfarren, ein ausge-\nzeichneter, wissenschaftlich gebildeter Musiker, von dessen\nComposilionen auch schon in diesen Blättern rühmlichst\n■r ( 8\" r f Ci\nErwähnung geschehen ist. Wir haben von ihm historische\nEinleitungen und Analysen des Messias und der Beethoven'-\nschen D-duv-Messe in d,->n betreffenden Programmen °\"ele—\nsen, welche ganz vortrefflich sind und nicht nur eine ge-\nnaue Kenntniss desjenigen, was die deutsche Literatur da-\nfür bietet, bekunden, sondern auch auf selbstständigem\nUrtheil und eigenen Forschungen und Bestrebungen, in den\nGeist der Werke einzudringen, beruhen. Seine Aufsätze\nüber die neunte Sinfonie und über die Schöpfung sind mir\nnicht zu Gesicht gekommen, werden aber ebenfalls gelobt.\nDie Analyse der JJ-duv-Messe umfasst 38 Seiten m gross\nQuarto mit oti Noten-Beispielen. Trotz des dadurch weit\nkostspieliger gewordenen Druckes hat der Vorstand des\nVereins dennoch den Preis von fünf Groschen nicht erhöht,\n»um den Vortheil, welchen dergleichen Erläuterungen der\nrichtigen Würdigung eines Meisterwerkes bringen, so weit\nals möglich zu verbreiten-. >öniu»!\nDie Sitte dieser Analytical ist in London\nziemlich allgemein; auch die beiden philharmonischen Ge-\nseilschalten, die alte und die neue, geben dergleichen zu\nOuvertüren und Sinfonieen aus, und selbst die Unterneh-\nmer der Reunionen für Kammermusik bleiben damit nicht\nzurück. Dass die Sache ihr Gutes hat, ist keine Frage; da\nes aber keineswegs leicht ist, in diesem Fache etwas Tüch-\n- I- ...\ntiges zu liefern, so läuft natürlich viel dummes Zeug mit"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5332, "texte": "unter, das jedoch mehr'durch Flachheit und Nüchternheit\nlangweilt, als durch kunsfphilosophische, transscehdentale\nIntuition a la Wagner (Programm der Eroica) anwidert.\nWeil ich einmal von Textbüchern spreche, so will ich\nauch desjenigen vom Elias nicht vergessen, welches die\n' \\ Cl. öly HQÜJk ■ j Ui;. v; i.\nSacred Harmonie Society im April 1847 als Pracht-Exem-\nplar dem bald darauf vom Lehen abgerufenen Mendelssohn\n// 4 Ii ff 1 l + 'tlij - ** *\nnach den Aufführungen dieses Werkes, welche er selbst\ndiriffirt halte, verehrte. In dieses Textbuch schrieb Prinz\nö -i;H I V\nAlbert eigenhändig: , ° ,\nnM> rnn tj tjd e«ßb % -\n„Dem edlen Künstler* der, umgeben von dem Baals-\n\"i , I™'i. JCjtl 11/ Jllw' J Jl* J ™ • V. Mj >X J • i J U v . -J *. t.*j h\ndienste einer falschen Kunst, durch Genius und Studium\nJ 1 ■ 5. . • .1 \\i 3 ok.A 91 * ® \"*» f * \"1 r #\nes vermocht hat, den Dienst der wahren Kunst, wie ein\nanderer Elias, treu .zu.(bewahren und unser Ohr aus dem\nJL/ili-1 1 Oy*» IV* yJkLJ ä 'uu tur#\nTaumel eines gedankenlosen Tönegetändcls wieder an den\nO . : a 3.. J 1\nreinen Ton nachahmender Erfindung und gesetzmässiger\nHarmonie zu gewöhnen,,— dem grossen Meister, der\nalles sanfte Gesäusel, wie allen mächtigen Sturm der Ele-\nhf . • ■ Al* ■\nmente an dem ruhigen Faden seines Gedankens vor uns\naufrollt in dankbarer Erinnerung geschrieben von\njbjiatflöi flisJlßlö iraasib lii npif&f ibu »Albeit.\n„Buckingham Palace, April 24. 1847.\"\n- -' A ' •\nEs ist bekannt, wie hoch ganz England Mendelssohn's\nCompositionen schon bei »seinen Lebzeiten hielt. Diese Vor-\nliebe hat sich nach seinem Tode zu einem wahren Cuitus\ngesteigert, und zwar namentlich durch den „Elias\". Ucber-\nblickt man die Concertts und Musikfest-Listen der letzten\nsechs Jahre, so zählenl Händeln Messias und Mendelssohn's\nElias die meisten Aufführungen in England. Jedenfalls hat\nElias den „Paulus\" ckjrtrüberflügelt; das englische Volk\nhat mehr Sinn für die alttestamentliche Strenge, die im\nText des Elias und welcher Form und Geist der\nMusik entspricht, als -für die christliche Romantik, welche\nim Paulus auftritt und der musicalischen Phantasie mehr\nRaum gibt.\nDas Abonnement für die Concerte der Sacrcd Harmo-\nnie Society beträgt zwei, ''-für numerirte Sitze in der Mitte\ndes Saales drei Guineen jährlich. Eintrittskarten für Nicht-\nUnterzeichner kosten 3 Shilling (1 Thlr.), lür besondere\nReihen von Sitzen 5 und für numerirte Plätze in der Mitte\n10 Shill. 6 Pence (3 Thr. 1 5 Sgr.). Die besten Plätze\nfür den Eindruck des Ganzen in Exeter Hall sind auf den\nersten Bänken der Galerie, welche dem Orchester gegen-\nuberjjrtJ''. äAsI tei «Jud soJuö ibr>B gib wAI\nc •,* • . ; * . r-w \"[ f. -s-i -1 t/\"■ {iL\nWir haben daselbst ausser dem Messias, von dem\n*. .t ü I * ? . * . \"! . 4 v\nschon gesprochen, am 12. Mai die D-dur-Messevon Beet-\nhoven und am 26. den Elias von Mendelssohn gehört. In\nallen drei Aufführungen hatten wir dasselbe Orchester und\ndenselben Chor, nämlich die Inslrumentalisten und nament-\nlich die Sänger der Sacred Harmonie Society, im Ganzen\nstets an 7 00, immer mit 16 Contrabässen und mit Orgel.\nEs gilt desshalb, was wir im dritten Artikel über Orchester\nund Chor bei Gelegenheit des Messias gesagt haben, auch\nhier. Die Chöre der Messe waren vortrefflich studirt tind\nwurden mit einer Kraft und Sicherheit ausgeführt, welche\nJf I* r . f i r ii r ,t\nin Erstaunen setzte; das Eingreifen der Orgel macht dabei\neine Wirkung, welche gar nicht zu beschreiben und durch\nnichts auf der Welt zu ersetzen ist. Das Solo-Quartett\nwar durch Novello und Dolby, < Simsjßeeves und Formes\nr j a L i J.. J A /\nausgezeichnet besetzt; diese ausserordentlich klangvollen\nStimmen brachten besonders in den Sätzen, in welchen sie\nüber und neben dem Chor schweben, eine Klarheit' in die\nComposition, welche die Grossartigkeit und das volle Ge-\ndanken- und Gelühlsleben derselben erst recht anschaulich\nmachte. Die ganze Aufführung war vollkommen; ich habe\nviel Musik gehört, aber ich erinnere mich kaum eines so\nüberwältigenden Eindrucks. Die rühmlichste Erwähnung\nverdient auch der schöne Vortrag des Violin-Solo's im Be-\nnediclus durch Herrn Cooper; er erinnerte uns durch\nTon und Schmelz an unseren Ilartmann in Köln, der\nim Vortrag einfach edler Melodie nur Wenige seines\nGleichen hat.,*°c| ü'mu^: 11J* wlit-\n• f»nji uii'll ,JbX äs insriqO nsKepij: fim nyaseM Ab\nDie Aufführung des Elias blieb in manchem Einzelnen\ngegen die Erwartungen zurück, welche man nach dem An-\nhören der Messe hegen musste, w'ar jedoch im Ganzen\nebenfalls von grosser Wirkung. Unter den Solisten traten\nFormes als Elias und Clara Novello, welche sämmtliphc\nNummern der Sopran-Partie sang, hervor; diese vortreff-\nliche Sängerin reisst in Oratorien zur Bewunderung hin:\nihre volle, in jeder Tonlage gleich wohllautende, niemals\nscharf werdende Stimme stellt einem durchweg edeln, von\nKälte und Nüchternheit eben so weit als von theatralischem\n* ÄMlv/u** v/101 / '-M Vit» v ' t \"\nPrunk entfernten Vortrage ein nie versagendes Material\nzur Verfügung, das noch so frischen Klang hat, wie vor\nzehn Jahren, besonders in dem ungeheuren Saale von Exe-\nter Hall, dessen Akustik ganz ungemein vortheilhaft ist.\nUeber die tüchtige Leitung des Ganzen durch Costa habe\nich oben schon gesprochen; man muss ihr die grösste An-\nerkennung zollen. r : , i\n'.ifi .säaaM ifogädb bau ieM <» < , 'uuu\\-. {."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-08-19-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-08-19_01#c002", "volume": "bmtnabi_1854-08-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "260", "page_fin": "263", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.2.2", "titre_corps": "Ueber den jetzigen Zustand und die Leistungen des Conservatoires in Paris.", "titre_sommaire": "Ueber den jetzigen Zustand und die Leistungen des Conservatoires in Paris.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5038, "texte": "Ueber den jetzigen Zustand und die Leistungen des\nConservatoires in Paris.\nDie Jahres-Prüfung in dem Conservatoire zu Paris,\nwelche in den letzten Tagen des Juli Statt gefunden hat,\nwird in einigen französischen Blättern einer scharfen Kritik\nunterworfen. Wenn man bedenkt, wie stolz die Franzosen\nauf diese Anstalt sind, wenn man bisher von ihnen keine\nanderen Aeusserungen über dieselbe vernahm, als ruhm-\nredige, wenn man sie überall als den Sitz der wahren Me-\nthode und die Vereinigung der ersten Lehr-Talente der\nWelt und als die musicalische Normal-Anstalt von Europa\npreisen hörte, so muss es allerdings stutzig machen, wenn\nman jetzt auf einmal das Geständniss lies't, dass „gar Vie-\nles im Staate Dänemark faul\" sei, und die Anklage hört,\ndass die weltberühmte Anstalt einem Schlendrian verfalle,\nbei welchem von einer Wirksamkeit für die eigentliche\nKunst kaum noch die Rede sein könne.\nDiese Thatsache ist zu merkwürdig, als dass wir sie\nunberücksichtigt lassen könnten, da auch in Deutschland\nnoch vielfach das Vorurtheil herrscht, dass unsere Musik-\nschulen nur als die Vorhallen jenes Tempels der höheren\nmusicalischen Erleuchtung gelten dürften, die man allen-\nfalls mit Nutzen durchlaufen könne, um sich zum Eintritt\nin diesen würdig vorzubereiten. Hören wir desshalb die\nStimme eines Franzosen, des Herrn A. Giacomelli, über\nden gegenwärtigen baufälligen Zustand des Tempels, welche\ndieser in Paris selbst in einem der gelesensten Blätter, der\nFrance Musicale,ohne Scheu öffentlich abgibt. Wir theilen\nAuszüge aus seinem Artikel mit.\nJederman weiss, sagt er, was ein Prüfungs-Concurs\nauf dem Conservatoire ist. Die jungen Wettkämpfer sind\nein ganzes Jahr lang von ihrem Professor aufs zärtlichste\nund beste geschult worden; sein ganzes VVissen und Kön-\nnen hat er in den Kopf, in die Kehle oder in die Finger\ndes Zöglings einzufiltriren gestrebt, um den Triumph mit\nihm zu theilen. Da stehen sie nun alle, die Lehrer und\nSchüler, wir haben das Conservatorium in seinem Glänze,\nin seiner Kraft, und zugleich die musicalische Zukunft\nFrankreichs vor Augen,\nJa wir sprechen es mit Betrübniss aus, der An-\nblick hat uns wenig Freude gemacht. Wie viele Männer\ngibt es unter diesen Lehrern der Jugend, welche auf der\nHöhe ihrer Aufgabe stehen? und wer ist unter diesen Zög-\nlingen, von dem man sagen könnte: das ist ein Musiker?!\nMan macht die jungen Leute allerdings zu Componisten,\nSängern, Pianisten, Violinspielern, Flötisten u, s. w., aber\nzu Musikern? Freilich ist die Lage der Professoren\nschwierig. Einige unter ihnen begreifen sehr wohl, dass die\nmusicalische Erziehung, so wie sie seit Jahren auf dem\nConservatoire getrieben wird, grundfalsch und verderblich\nist. Aber vereinzelt und durch das Herkommen einsezwänet.\nO Ö '\nwiderstehen sie auf die Dauer dem Einflüsse des Halbdun-\nkels, in welchem sie leben, und des Schlendrians, dem sich\ndas Ganze ergibt, auch nicht. Sie lassen Alles gehen, wie\nes geht, und warten auf das Licht von oben. Sie befinden\nsich wie in einem klösterlichen Seminar: wer seine Stelle\nbehalten will, muss schweigen und sich resigniren.\nAber die Kritik müsste reden. Sie müsste den Schleier\nlüften, damit diejenigen, die in der Pflicht und im Rechte\nsind, zu helfen und zu bessern, hell in das Uebel hinein\nschauen könnten. Sie müsste die geringen Resultate, die\nnotorische Ohnmacht des öffentlichen musicalischen Unter-\nrichts darthun, laut und dreist sprechen über jene athem-\nlosen Wettläufer, über jene Treibhaus-Producte, welche\nalljährlich zur selben Zeit aus dem Conservatorium aus-\nbrechen und wie Sternschnuppen durch die Welt fahren,\nohne zu erleuchten und zu wärmen und ohne eine Spur\nhinter sich zu lassen. Man könnte ein Buch darüber schrei-\nben; es würde sicher gelesen werden, selbst von denen,\ndie stündlich für ihren Ruf zittern und gern die Flügel der\nZeit an ihre Thür festnageln möchten. Aber wo ist der\nSchriftsteller, der kühn genug wäre, einen solchen Kreuz-\nzug für die Wahrheit zu unternehmen und durchzuführen,\nMann gegen Mann Ungeheuer zu bekämpfen, wie Schlen-\ndrian, Vorurtheil, Clique, Ignoranz ? Wir für unsere Per-\nson, wir haben nicht den Muth dazu.\nUnd, aufrichtig gestanden, unsere Stimme würde die\neines Predigers in der Wüste sein. Wie ist es zu verlan-\ngen, dass die Professoren, die Ellern und die Schüler einen\nSchriftsteller begreifen sollen, der bei einem Wettstreite\nauf dem Conservatoire von der Wahrheit und der Zukunft\nder Tonkunst spräche? Als wenn davon an einem so feier-\nlichen Tage die Rede sein könnte! Es handelt sich um die\nPreise damit Punctum. Weiter gibt es nichts auf der\nWelt. Warum dieser Blüthe der ersten Gassen, warum\ndiesen Kindern des Genie's den schönen Tag verderben?\nEs kommt nur darauf an, dass wir, wie einst die Byzan-\ntiner, erfahren, ob die Blauen oder die Grünen gesiegt, ob\nHerr Revial oder Herr Bataille, Herr Herz oder Madame\nCoche, Herr Marmontel oder Herr Laurent die Gekrönten\ngeliefert haben. Das ist die Hauptsache. Also den Mund\ngehalten! Die Jury ist vollzählig, Auber hat das Zeichen\nzum Anfangen gegeben."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5112, "texte": "Zuerst Harfe ein vorsündflutliches Instrument,\ndas nur noch im Conservatoire und in England gespielt\nwird. Am anderen Tage Gesang-Wettstreit von achtzehn\nmännlichen Concurrenten! Also achtzehn vorzügliche Sän-\nger, sonst würden sie nicht zur Bewerbung zugelassen\nwerden; und so geht es, nein, es steigt alle Jahre und\ndoch klagen die Menschen, dass der Tenor stirbt, dass der\ntiefe Bass nur noch eine Fabel ist, und die Thcatcr-Direc-\ntoren in der Provinz schreien Jahr aus, Jahr ein in Ver-\nzweiflung nach Sängern für erste Partie m! Die-böse Welt!\n- Den ersten Preis erhielt ein Herr Archambault, Schü-\nler der Classe des Herrn Revial, sechs Monate lang auf\ndem Conservatoire. Sapperment! wenn dieser junge Mann\nmit einer schönen Baritonstimme, der rein und kunstgerecht\nsingt und durch seinen Vortrag zeigt, dass er ein Musiker\nist, das alles in sechs Monaten gelernt hat, so müssen wir\nihn bitten, der Wrelt und dem Conservatoire das\nGeheimniss seiner Methode zu offenbaren.\nWenn wir die Wahrheit sagen sollen, so gibt es gar\nkeine Gesangschule auf dem Conservatoire. Mit Ausnahme\nvon einem oder zwei Professoren verschanzen sich d.e an-\nderen in alte Systeme und machen gegen alles Front, was\ndas Gepräge des Neuen und des Fortschrittes trägt. Wir\nwollen keineswegs das Verdienst dieser ehrenwerthen Mu-\nsiker läugnen; aber es ist doch nicht so gross, dass die\nWelt über der Bewunderung desselben einschlafen müsste.\n(Hiernach ergeht sich der Verfasser des Weiteren in An-\npreisung der neueren italienischen Schule, wobei wir ihm\nnur in dem Grundsatze Recht geben können, dass der\nwahre Vortrag alle Gefühle Und alle Leidenschaften zum\nObject habe, keineswegs aber mit ihm übereinstimmen,\nwenn er die gegenwärtigen Koryphäen der Italiäner als\nMuster des dramatischen Gesanges aufstellt, wobei er auch\nnoch vergisst, dass Sänger wie Mario, Tamberlik, die Frez-\nzolini, Tedesco, die Grisi der ältefen italiänischen Schule\nangehören und nicht der heutigen, durch Verdi inlluenzir-\nten. Alsdann lährt er fort:)\nWenn wir keine Gesangschule haben, so haben wir\ndalür eine Pianoforte-Schule oder etwas Annäherndes an\neine solche, weil einige jüngere Lehrer die Hülfsquellen\nder neueren Methode mit den Traditionen der älteren Mei-\nster zu vereinigen wissen. Das Prüfungsstück lür die Schü-\nler war der erste Satz der Sonate von Schulhoff; in der\nMechanik wurde weniger gefehlt als in der Auffassung und\nim Stil. Eigentlich hätte gar kein erster Preis zuerkannt\nwerden müssen: es erhielt ihn ein kleines Kerlchen von 12\nbis 13 Jahren. Freilich hatte er auch alles Ernstes erklärt,\ner würde sich in die Seine stürzen, wenn er nicht gekrönt\nwürde. Der Wettstreit der Schülerinnen war glänzen*\nder, der Prüfst« in das zweite Concert von Field. Die Piano-\nPrüfung dauerte von des Morgens um 9 bis Abends 5\nUhr; 41 Zöglinge (14 Schüler und 2 7 Schülerinnen) spiel-\nten jeder 2 Stücke, das stüdirte Concurrenz-Stück und ein\nStück vom Blatt zwei Stücke musste man also 14 Und\n27 Mal hören! Gegen Mittag schienen die Richter bereits\nsehr ermattet zu sein! Kein Wunder!\nAm folgenden Tage kamen die Damen im Gesänge\ndaran. Das Resultat war ein trauriges: es zeigte sich kein\neinziges Talent; höchstens konnte man von keimenden An-\nlagen sprechen. Der Director Auber soll darüber einige\nharte Worte haben fallen lassen. Aber, mein Gott, es\nmussten doch Preise vertheilt werden! Also fort damit\nin der That, man bewilligte am Ende zwei Preise und noch\ndrei Accessite obenein. *\nDie Prüfung lür die komische Oper lieferte höchst\nmittelmässige Resultate. Gewiss darf man nicht vergessen,\ndass man Schüler, nicht vollendete Schauspieler und Sänger\nvor sich hat. Aber dagegen darf man auch die Nachsicht\ngegen Zöglinge, welche ihre Lehrer als reif zur Bewerbung\num die höchsten Belohnungen vor das Publicum hingestellt\nhaben, nicht zu weit treiben. Ein erster Preis vom pariser\nConservatoire gilt wenigstens (ür ein Zeugniss der Belähi-\ngung, wenn er es auch nicht immer ist. Vron denen, die\nsich darum bewerben, ist man also berechtigt, eine Art von\nTalent oder wenigstens doch bedeutende Anlagen zu ver-\n«\nlangen, und es ist erlaubt, von den Professoren Rechen-\nschaft zu fordern, warum sie die Zöglinge in die Arena\nhinausstellen. Desshalb sind wir also verpflichtet, zu erklä-\nren, dass der Preis-Wettstreit in dem genannten Fache\njämmerlich war. Unter der Menge von jungen Künstlern,\nwelche in einzelnen Acten oder abgerissenen Stückchen\nvon komischen Opern auftraten, fand man keinen einzigen,\nder nicht an grossen Fehlern laborirte; der Eine sah aus,\nals sagte er eine Fabel her, der Andere sprach, ohne eine\nIdee von der Situation und dem dramatischen Gedanken zu\nhaben; die Eine sang, wenn sie sprach, und sprach, wenn\nsie sang, die Andere schnitt Gesichter, weinte, wenn sie\nlachen, und lachte, wenn sie weinen musste. Nirgends die\nSpur von einer ernsten, verständigen, fleissigen Unterrichts-\nWeise; dabei bei Allen ein steifleinenes Wesen, eine ange-\nstammte Urtbehplfenheit, vermischt mit hochtrabendem Ko-\nmödiantenTWesen und einem theilweisen Zurschautragen\neiner grossen Tradition! Und dennoch Preise und\nKronen ! J"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4667, "texte": "(Mit den Ergebnissen der Prüfungen auf den Rias-In-\nstrumenten ist unser Censor zufrieden; aber er bedauert\ndie jungen Virtuosen, weil das Pianoforte niemals zugeben\nwird, dass eine Oboe oder eine Clarinette zum Auftreten\nin einem Concertsaale zugelassen werde.)\nAm achten Tage gelangten wir zum Concurs lür die\ngrosse Oper. Es ist dabei kein erster Preis zuerkannt wor-\n) C J r. !) 5 5% k wll)- \". JSJVJI • Ol- /II Mi «K •*.** •\nden. Und doch Ihaten die Damen namentlich das Ihrige\nund bewiesen mehr als zu viel durch die Macht ihrer Stim-\nmen, dass sie fähig wären, in der grossen Oper zu singen.\nNoch nie haben wir, selbst nicht auf der Bühne, solche\nKraft-Anstrengungen gehört. Es war wirklich eine Qual,\ndas mit anzuhören, und solchen Proben von dem Unter-\nrichte im Conservatoire gegenüber war es unmöglich, sich\nder traurigsten Betrachtungen zu enthalten. Wer in aller\nWelt konnte die Damen diesen Stil, diese Methode, welche\ndie einfachsten Grundlagen des Gesanges über den Haufen\nwirft, gelehrt haben? Doch gewiss nicht die Professoren\ndes Conservatoires! Ihre heilige Scheu vor Uebertreibung\nund ihre Liebe zu den Nuancen und zu dem akademischen\nStil ist bekannt genug. Und trotzdem vergessen die Schü-\nlerinnen in dem entscheidenden Augenblicke jene heilsamen\nLehren, verlassen die Fiorituren und den getragenen Ton\nund stossen phantastische Töne, bald in der Tiefe, bald in\nder Höhe aus, auf allen Noten, in allen Octaven, mit Ver-\nachtung aller gesunden Ueberlieferung und aller Elementar-\nRegeln des Gesanges.\nMan wird gestehen, dass das ein besonderes Unglück\nlür die Anstalt war. Was würde man von den Lehrern sa-\ngen, wenn man sie nicht so gut kännte und nicht wüsste,\ndass sie ganz andere Erfolge durch ihren Unterricht erzielt\nhaben ! Man könnte wahrhaftig dahin kommen, ihnen vor-\nzuwerfen, was sie einer anderen Schule vorwerfen, welche\nsie übrigens gar nicht kennen, und was wollten sie antwor-\nten, wenn ihnen einer ganz frech ins Gesicht sagte: „Eure\nSchülerinnen schreien um die Wette, und das nennt ihr\nbreiten und dramatischen Stil?\"\nIm Ernst gesprochen, man müsste bis zu den schlech-\ntesten Zeiten der Vocal-Musik zurückgehen, um Beispiele\neines mangelhafteren Unterrichts-Systems zu finden, als es\ndas gegenwärtig im Conservatoire gebräuchliche ist. Fal-\nsche Nuancen, ungehöriges Schreien und Herausplatzen,\nfehlerhaftes Athemholen, das die Phrase zerstückelt, ein\nübermässiges Aushalten des Tones, das bringt dieses System\nhervor, und das haben uns die meisten Bewerberinnen um\nden Preis für die grosse Oper aufgetischt. Nimmt man\ndazu eine fehlerhafte Aussprache, ferner, dass die Stimmen\nsich noch kaum gesetzt haben, dass sie Ungleich lind wenig\ngeschult sind, so dass die verschiedenen Register die wider-\nlichsten Contrasie hervorbringen, so wird man begreifen,\ndass die Jury keinen ersten Preis zuerkennen konnte. Wir\nkönnen sie wegen dieser Festigkeit nur loben ; sie hat voll-\nkommen Recht gehabt, Lehrer und Schüler bis zum näch-\nsten Jahre wieder in die Schule zu schicken.\n_ f. i | • <* f. g\nZu dieser strengen Beurtheilung macht der Heraus-\ngeber des Blattes noch folgende Bemerkungen:\nDer alte Cherubini würde, wie früher einmal, nach\nsolcher Prüfung gesagt haben: „Mal, tres mal!\"\nund hinterher: „Ze zuis Ilalien, ze ne sais pas si vous me\ncomprenez.\"\nWo sind denn diese Schüler und besonders diese\nSchülerinnen, die man uns vorgeführt hat, in die Schule ge-\ngangen? Können sie auch nur ihre Muttersprache? Vor\nAllem frage man jeden aufzunehmenden Zögling alles Ernstes,\nob er lesen könne. Und dann verlange män ausser der Ele-\nmenlar-Rildung eine anständige Erziehung; die Kunst, und\nvollends die idealste von allen, die Musik, gewinnt unend-\nlich durch Bildung und feine Sitte ihrer Träger.\nAnstatt der 863 Schüler, welche das Conservatoire\njetzt zählt, müsste die Zahl auf 500 beschränkt werden.\nAnstatt 392 zum Concors zuzulassen (!), wie in diesem\nJahre, wäre es mit 150 genug und schon zu viel.\nWenn durch strengere Prüfung bei der Aufnahme die\nSchülerzahl vermindert wird, so bedarf man auch nicht so\nvieler Lehrer.\nWir haben jetzt\n4 Professoren für Composition, Contrapunkt und Fuge,\n2 „ „ Harmonielehre,\n4 „ „ Generalbass und Accompagnement,\n16 , „ Solfeggien, 1\n8 „ „ Gesang (und eben so viel verschiedene\nMethoden!), '\n11 „ „ Pianoforte (!),\n4 „ „ die Oper,\n1 » \" » äussere Haltung (Wo ist der in diesem\nJahre gewesen?),\n3 „ „Rollen-Studium, Declamation, Fecht-\nkunst,\n1 » „ den Volksgesang, besonders den Män-\nnergesang,\n2 „ Ensemblestücke,\n18 „ „ Violine, Harfe, Violoncell, Orgel, Con-\nSi / ' »1 et' i t ' * \"t 4 ■<'•}\"» ?\" ;\ntrabass, Flöte, Oboe, Clarinette, Fagott,\nHorn, Cor ä pistons, Trompete, Posaune,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2002, "texte": "also in Summa 7 4 Professoren, wovon -3 1 mit dem Ge-\n-7\nsang-Unterrichte jn seiner, ganzen Ausdehnung beschäftigt\nsind! Hierauf macht der Verfasser seine Glossen über\ndie Concursc und Preis-Verlheilungen, und erwähnt aller-\nlei Menschlichkeiten, welche dabei unterlaufen. Vor Allem,\nmeint er, sei zuerst die Frage an jeden Preisrichter zu stel-\nlen: „Sind Sie ein Verwandter oder Verbündeter des Be-\nwerbers? Sind Sie nicht vielleicht sein Patlie?- Dann\nfährt er fort: eoh\n„ Selbst bei den verstandigsten und von Charakter ehren-\nwerthesten Richtern gibt es eine schwache Seite, wir wollen\nsie die väterliche nennen, welche sehr liebenswürdig im Fa-\nmilienleben ist, aber für den Richterstuhl nichts taugt. So\nwird man gemüthlich milde für ein junges Mädchen, weil sie\nbald zweiundzwanzig Jahre alt und es Zeit wird, dass sie\nihren Eltern das lang' erwartete Zeugniss mit nach Hause\nbringe; für eine andere, weil sie in vierzehn Tagen heirathet,\nund es doch grausam wäre, ihr keinen Preis als Mitgift zu\nschenken; für einen jungen Mann, weil er dienstpflichtig ist\nund man durch einen Preis beweisen muss, dass er dem\nStaate besser mit der Stimme als mit der Flinte dienen\nwerde; für einen anderen, weil er sich das Leben nehmen\nwill\" u. s. w. u. s. w.\n■ M\\- ff.\nDer ganze Aufsatz, der sich durch drei Nummern des\nBlattes fortzieht, lässt, wenn wir auch einige persönliche Ab-\nsichten und Beweggründe bei seiner Abfassung recht wohl\ndurchschauen, dennoch einen tiefen Blick in die jetzigen Zu-\nstände der berühmten Anstalt thun, und jedenfalls ist die\nFreimüthigkeit, mit welcher eine so bedeutende Autoritäts-\nFestung angegriffen wird, lobenswerth. Es kann nicht feh-\nlen, dass dieser Angriff ungeheures Aufsehen in Paris machen\nwird, und da der Kaiser bereits eine Commission ernannt hat,\nl 5? O 11 ** *•- 1/ * 1\num Vorschläge über die zu verbessernde Einrichtung des\nConservatoires zu machen, so wird diese nicht umhin kön-\n» 1 >. £ f * r g 1 \" .' /\nnen, tief und gründlich in die Sache einzugehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-08-19-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-08-19_01#c003", "volume": "bmtnabi_1854-08-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "263", "page_fin": "264", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.2.3", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.7", "debut_caractere": 2004, "fin_caractere_exclue": 6187, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMölii. Eine der ersten Neuigkeiten auf unserem Stadttheater\nwird die neue komische Oper in zwei x\\cten von Ferdinand\nHill er, „Der Advocat\", Text von Roderich Benedi x, sein.\nDem Vernehmen nach soll die sehr gelungene Quodlibet-\nOper, deren Text eine alte kölnische Sage dramatisirt und die\nvon einem hiesigen Kunstfreunde zusammengestellt und bearbeitet\nist, demnächst zu einem wohltätigen Zwecke zu öffentlicher Auf-\nführung kommen.\n>r'M t f\\\\i\\iV*11 rt'ili'tf'4 kjt ■'oi\nIn Berlin wird zum Geburtstage Sr. Majestät des Königs We-\nbers Oberon ganz neu ausgestattet in Scene gehen.\nI&assel. „Der Unbekanntem Oper von J. J. Rott, kurfürst-\nlich hessischem Iluf-Capellmeister, Text von E. Bieberhofcr, kommt\nam Geburtsfeste Sr. K. Hoheit des Kurfürsten hier zum ersten\nMale zur Aufführung. Die Proben haben bereits begonnen, und\nhaben sich die an denselben Theil nehmenden Musiker, so wie\ndie Sänger auf das vorteilhafteste für die Composition geäussert.\nEs steht zu erwarten, dass die Aufmhrung eine glänzende wer-\nden wird.\nISarien-SSadeii. Die Sängerin Nissen- Sal orm a n hat in\nLondon während der Saison in 23 öffentlichen Concerten und iii\nvielen Privat-Cirkchj gesungen, auch vor der Königin auf der Insel\nWight; sie befindet sich gegenwärtig hier. Auch Marie und jSo-\nphie Cruvelli halten sich hier zum Vergnügen auf; Madame\nDe la G ränge war auch drei Wochen hier, ohne öffentlich auf-\nzutreten. i•• j V *\n\" ' »' vf> ■' ' > ii »■> >\nMusik-Director Julius Rietz hat nun die Direc-\ntion der Gcwandhaus-Concerte contractlich auf drei Jahre über-\n-9'\nnominell. Beim Stadttheater tritt Herr Witt, zuletzt in Königs-\nberg, an dessen Stelle.\n__________ , ■ ri . . iUi ■\nMiincSieai, G. August. Nächstens werden im Hofthqater die\nConcerte der Hofcapelle wieder beginnen. Herr Gold Schmidt\nund seine Gattin Jenny Lind sind hier angekommen.\nMmffatJitufell ip'* »j \\A\\ ! a'i'yote'nosuioD #>L\nDer Pianist Blumenthal hat London verlassen und beabsich-\ntigt einige Zeit in Deutschland zu reisen.\nDO < ° »-\n■ xj in, „r , . rr . 'ttSt.\nDer Senior der Violoncellisten in Paris, Martiji-Norken,\nehemals Professor am Conservatorium, ist, 72 Jahre alt, gestorben.\n,r . f- ,01*1 iV-\nFräulein Julictte Dillon, eine Orgelspielerin von Ruf in\nParis, welche besonders im Phantasmen sich auszeichnete, ist^da-\nselbst gestorben. Sie war auch Schriftstellerin und hatte vor Kur-\nzem ein artistisches Journal, L'Avcnir Musical, gegründet. ?.< Unter\nihren Compositionen für Pianoforte zeichnet man besonders die mu-\nsicalischen Interpretationen von Iloffmann's Erzählungen - mit\ndem Titel Les Contes d'Ho/fiiiaiin aus.\n< •» ym r »f & II *ff\n—»inu/; gfe FF JwenAßM 'VJ\nMan meldet, dass der Violinist Ernst sich in London mit\nFräulein Siona Levv vermählt habe,\nEine vor einigen Monaten erschienene Hisioirc de la Sooiete\nfratic//isc pendant la Reeoliiliun von E. und J. von Goncourt ent-\nhalt in 17 .Capitata sehr anziehende Thalsachen und Beobachtun-\ngen. welche die Sitten, die Gesellschaft, die Theater u. s. w. der\ndamaligen Zeit schildern. Was die Tonkunst betrifft, so ist die\nBih'rzigung dessen, was das Btlcli darüber enthält, besonders de-\nnen anzuempfehlen, welche die Blüthe der Kunst, das Kunstwerk\nder Zukunft, aus der Umwälzung der politischen und socialen;'.Ver-\nhältnisse hervorgehen lassen wollen, welche die Möglichkeit eines\nvolkstümlichen Kunstlebens erst darin slatuiren, „wann es keine\nStaaten mehr gibi\". Während der ganzen Periode der Herrschaft\nder Demokratie entstand auch nicht ein einziges musicalisches\nDrama, welches dem, was Gluck, ja, nur dem, was Picini und Sac-\nchini geschaffen hat!e:\\ auch nur von Weitem an die Seite zu\nstellen wäre; selbst Gretry, Mehul und Gossec erhoben sich\nin jener Zeit nicht über Gelegenheits-Compositionen, und statt der\nIphi genien und Armiden erschienen „Huldigungen der Freiheit4',\n„Dionys der Tyrann als Schulmeister44 u. s. w. u. s. wr. auf der ly-\nrischen Bühne. Auch die Wagner'sche Lehre, dass Jeder ein Genie\nsein könne, war damals schon da; die Zeitschriften eiferten z. P.\ngegen Gossec, dass es „einem freien Manne nicht zieme, besser zu\ncomponiren, als seine Mitbürger, dass darin eine Aristokratie vom"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1615, "texte": "anrieft regime liege, und dass ein Cömponist sich seines Glei-\nchen annehmen müsse\" als wenn die Mozart, Gluck, llaydn,\nBeethoven ihres Gleichen hätten!\nMitten in einer Oper rief eine Stentorstimme von der Galerie\nherab: „Bürger! ich ersuche euch, meine neue Chanson civique an-\nzuhören!44 und sofort producirt sich der Rufer mit seinem Ge-\nsänge. „Dieses Lied\", fahrt er nach dem Schlüsse zu reden fort, „ist\naus einem patriotischen Liederspiel, welches die aristokratischen\nTheater unter schändlichem Vorwande zurückgewiesen haben! Ich\nverlange Gerechtigkeit!\" „Dein Werk soll aufgeführt werden!\"\nbrüllt das Publicum. Da haben wir es, das ersehnte Schiedsrichter-\nAmt des Volkes über die Zulassung des Kunstwerkes zur Oeffent-\nlichkeit, „wodurch der nationale Dichter allein zum Durchdringen\nkommen kann!\" Nach dem Sturm der Tuilerieen durfte eine\nlange Zeit hindurch kein Schauspieler auf der Scene durch eine\nThür ins Zimmer kommen, das war zu aristokratisch; man kam\ndurchs Fenster, durch einen zerbrochenen Spiegel, durch den Ka-\nmin herein und entfernte sich auf dieselbe Weise. In einem Stücke,\n„Process des Sokrates\", lagen holländische Pfeifen auf dem Tisch\nim Kerker; der Schauspieler des Sokrates zog dann und wann ganz\nruhig einen Operngucker aus der Tasche und sah sich die Zu-\nschauer an. Eines Abends fing in der komischen Oper ein Contra-\nba&s-Spieler, dem der Dialog zu lange dauerte, von freien Stücken\ndie folgende Nummer an, und das Orchester folgte. Auf den Vor-\nwurf des Dirigenten erwiderte er: „Glaubst du, dass die Bürger\nMusiker dazu da sind, um auf dich zu warten?\" Glückselige\nZustände!"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.1", "texte": "Ueber musicalische Zustände in London.\nVon\nProf. L. Bischoff.\nIV.\n(S. Nr. 26, 28 und 32.)\nDerjenige musicalische Verein, welcher gegenwärtig\nsowohl durch die Anzahl seiner Mitglieder und die Kraft\nder Geldmittel, als auch und zwar mit noch mehr Recht\ndurch die Gediegenheit seines Strebens und den Ein-\nfluss auf Erhaltung des Geschmacks an classischer Musik\nin London an der Spitze der Kunst-Vereine steht, ist die\nSacred Harmonie Society.\nDiese Gesellschaft ist zu dem Zwecke gegründet wor-\nden, nur Sacred Music, heilige oder geistliche Musik, auf-\nzuführen. Dies bestimmt gleich der zweite Paragraph ihres\nStatuts, und es wird mit der bekannten Orthodoxie der\nEngländer so fest daran gehalten, dass es einen grossen\nKampf gekostet hat, den „Jahreszeiten\" von J. Haydn\nEingang in Exeter Hall, wo die Gesellschaft ihre Concerte\ngibt, zu verschaffen. Erst seit einigen Jahren steht dieses\nWerk mit auf dem Programm. Es herrscht daher bei den\nAufführungen, welche der Verein veranstaltet, vorzugsweise\njene fast feierliche Stille und Aufmerksamkeit, von welcher\nich schon gesprochen, in der Zuhörerschaft; auch die mit-\nunter sehr stürmischen Beifalls-Aeusserungen des englischen\nPublicums an anderen Orten und die womit an-\nderwärts ein unausstehlicher Missbrauch getrieben wird,\nhören hier auf. Zuweilen macht auch der Vorstand noch\nbesonders darauf aufmerksam, wie denn z. B. auf dem Con-\ncertzettel zur grossen Messe von Beethoven der Zusatz\nstand: „In Betracht der kirchlichen Natur der Aufführung\nwird die Zuhörerschaft ersucht, dieselbe ohne Unterbrechung\ndurch Applaus oder Dacapo-Rufe ihren Fortgang nehmen\nzu lassen.\" Auch gehört eben dahin, dass das ausführliche\nProgramm den Titel führte: „Beethovens Grand Service\ninD\" (Gottesdienst, nicht Messe), und dass in\ndem Vorwort darauf hingewiesen wurde, „dass der Text\nauch in dem Gottesdienste der englischen Kirche enthalten\nsei, wie man sich durch die gegenüberstehende Uebersetzung\nüberzeugen könne\".\nDie Mitglieder des Vereins, welcher allwöchentlich\nFreitag Abends von B—lo Uhr seine Versammlungen\nund Chor-Uebungen hält, müssen musicalisch sein. Das\nEintrittsgeld beträgt zwei, der jährliche Beitrag eine Guinee.\nDafür aber erhält das Mitglied für jede öffentliche Auffüh-\nrung zwei Eintrittskarten zu den gewöhnlichen Plätzen;\nwünscht es numerirte Sitze, so muss es verhältnissmässig\ndarauf zahlen. Bei nachlässiger Theilnahme an den Uebun-\ngen, Proben und Aufführungen steht dem Vorstande das\nRecht zu, die Freikarten auf Zeit zurückzuhalten.\nDer Verein zählte am Ende de» vorigen Jahres 838\nMitglieder —im Jahre 1851 642, im Jahre 1852 750.\nSein Eigenthum an Bibliothek, Musicalien, Instrumenten\nu. s. w. und an Capitalien (1550 Pf. St.) beträgt nach der\nletzten Schätzung 4000 Pfund (über 26,000 Thlr.).\nDie Einnahme war im vorigen Jahre:\nLiv. Sh. »».\nCassen-Bestand am 31. Dec. 1852 . 152 12 1 1\nAn Zinsen . 4619 4\nAn Beiträgen und festen Subscriptionen 1453 14 P>\nAn zufälligen Einnahmen . . . . 59 11\nErtrag der Concerte 4898 15 11\n6611 13 S\nDie Ausgabe im Ganzen . . 6231 19 10\nMithin Ueberschuss für 1853 . . 379 13 10\nIn der Einzelrechnung der Ausgabe erscheinen unter\nAnderem für Localmiethe und Gasbeleuchtung 328 L.,\nfür Gebrauch der Orgel 115 L., Anschaffung von Musik\n278 L. (an 1900 Thlr. in Einem Jahre!), und ausserdem\nan Kosten der Aufführungen 5007 L. 6 Sh. 7 P.\nEs haben mithin die zwanzig Concerte des vorigen\nJahres dem Vereine zwar die schöne Summe von 31,850\nThlr. (das Pfund nur zu 6 Thlr. 15 Sgr. gerechnet) ein-\ngebracht, aber— ohne Local- und Orgelmiethe und Be-\nleuchtung, also bloss an so genannten Tageskosten"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.2", "texte": "32,545 Thlr. erfordert! Welches Institut kann damit\nwetteifert? ,{ , liw |pjJl s ..\nNun entsteht fi Vilich die Frage, ob unsere kleineren\nConcert-Institute in Deutschland, welche mit weit geringe-\nren Mitteln jeden Winter zwölf bis vierundzwanzig Con-\ncerte geben, nicht mehr leisten, als jene grossen englischen\nVereine. Da gilt es freilich, sich auf der einen Seite vor\nüeberschätzung des Fremden und Quantitativen, auf der\nanderen vor übertriebenem Patriotismus zu hüten. Der\n*• ' .. * • 5; ;• Jv '*! UU J ' £ >s■ > • ' j\nletztere leitet meistenteils die Federn der deutschen Cor-\nrespondenten aus London, deren Berichte wir in öffentlichen\n* .V/ 1 1 > ? \\ X V 4 Iv.* 1 I.m ■ VA 'L » »I 4 1 »Lr k Ä \\ 1 f} w 1 • . f * * ***ft J lii! 8 * T J O. .\nBlättern, namentlich jin den eigentlich musicalischen, lesen.\nJene Herren meinen, es gebe ihnen ein Kenner-Ansehen,\nwenn sie nur Alles recht herabsetzen und tadeln und auf\n' fl i • =; f j J • ' '■ ' IJ6! { \"\" It\nschlechte Witze über John Bull Jagd machen. So urthei-\nJen sie denn in den Tag hinein und brechen nach einer\neinzelnen Aufführung, die sie zufällig einmal mit angehört,\nüber die ganze musicalische Leistungsfähigkeit der Englän-\nder den Stab, während die, meisten von ihnen nomina\nXu ■\nsunt odiosa viel zu sehr mit dem Handwerk beschäftigt\nsind, um nur zu exisliren, als dass sie daran denken könn-\nten, die öffentlichen Aufführungen öfter zu besuchen und\nihrer Entwicklung und Wirkung zu folgen. Auch wir wis-\nsen recht wohl, dass es die Masse nicht thut in der Kunst;\nallein wenn es irgendwo einen Verein gibt, welcher für\nalle die grossen Werke, die für Massen geschrieben sind,\ndiese Massen mit grossen Opfern an Zeit, Mühe und Geld\nzusammenbringt und dadurch imposante und der Werke\nwürdige Aufführungen möglich macht, so wird der wahre\n• I . f - A t X\nKünstler vor einem solchen Vereine und dessen Bestrebun-\n> i > *L Q i i T\"| | *\\rt , _\ngen die höchste Achtung hegen, mag er seine Heimat ha-\nben, wo er wolle. Die Concerte der\n* ♦< * i 'f . . I - Üf\nciety sind förmliche Musikfeste, und eine Gesellschaft, welche\njährlich 20 bis 21 Musikfeste veranstaltet, bei denen\nnichts als classische Musik der kirchlichen Gattung aufge-\nführt wird, verdient nicht nur den Dank ihrer näheren Um-\ngebung, sondern der ganzen musicalischen Welt.\nj |\nDie Concerte des Vereins finden das ganze Jahr hin-\ndurch Statt, mit Ausnahme der Monate Juli, August, Sep-\ntember und October; gewöhnlich werden monatlich zwei,\nim März, April und Mai meistens drei bis vier gegeben. Im\nvergangenen Jahre Würden öffentlich aufgeführt: H ä Il-\nde l's Messias 3 Mal, Judas Maccäbäus, Samson, Israel in\nAegypten, das Dettinger To und die Krönungs-\nliymne; Mozart's Requiem 3 Mal und dessen Messe Nr.\nXII; Uaydn's Schöpfung 2 Mal; Mendelssohn's Elias\n5 Mal, Lobgesang 3 Mal. Ausserdem wurden in den Uebun-\ngen gesungen fländej's Deborah, Josua, Saul, Solomon;\nBeethoven's Messen in € und D; Haydn's Jahreszeiten und\nMesse Nr. III; Mendelssohns Paulus, Athalia, Laiida Sion,\nPsalm 42,95, 114; Spohr's Golgatha; Griesbachs Daniel.\n* M\nAls Solosänger lür diese Concerte finden wir fünfund-\nzwanzig honprirt, unter ihnen die Damen Clara Novello,\nViardot, Fiorcntini, Dolby u.s.w., die Herren Sims-Reeves,\nGardoni, Formes, Staudigl, u. s. w.\n• 1\nEinen merkwürdigen Beweis von dem zahlreichen Be-\nsuche der Oratorien-Concerte gibt die Notiz in der vor-\njährigen Rechnungs-Ablage, dass der Gewinn am Ver-\nkaufe der Textbücher (zu \" 6 Pente, fünf Groschen) seit\nsechs Jahren, wo man ihn begönnen, 888 L. eingebracht\nhat, im vorigen Jahre allein 152 L., über 1000 Thlr. an\nUeberschuss über die Druck- und Heftkosten.\n*\nDiese sehr schön gedruckten Textbücher unterscheiden\n4 4 K t\nsich von denen in anderen Ländern noch dadurch, dass sie\noft ausführliche Abhandlungen über das Werk, dessen Text\nsie liefern, enthalten. Für die\nschreibt diese in der Regel G. A. Macfarren, ein ausge-\nzeichneter, wissenschaftlich gebildeter Musiker, von dessen\nComposilionen auch schon in diesen Blättern rühmlichst\n■r ( 8\" r f Ci\nErwähnung geschehen ist. Wir haben von ihm historische\nEinleitungen und Analysen des Messias und der Beethoven'-\nschen D-duv-Messe in d,->n betreffenden Programmen °\"ele—\nsen, welche ganz vortrefflich sind und nicht nur eine ge-\nnaue Kenntniss desjenigen, was die deutsche Literatur da-\nfür bietet, bekunden, sondern auch auf selbstständigem\nUrtheil und eigenen Forschungen und Bestrebungen, in den\nGeist der Werke einzudringen, beruhen. Seine Aufsätze\nüber die neunte Sinfonie und über die Schöpfung sind mir\nnicht zu Gesicht gekommen, werden aber ebenfalls gelobt.\nDie Analyse der JJ-duv-Messe umfasst 38 Seiten m gross\nQuarto mit oti Noten-Beispielen. Trotz des dadurch weit\nkostspieliger gewordenen Druckes hat der Vorstand des\nVereins dennoch den Preis von fünf Groschen nicht erhöht,\n»um den Vortheil, welchen dergleichen Erläuterungen der\nrichtigen Würdigung eines Meisterwerkes bringen, so weit\nals möglich zu verbreiten-. >öniu»!\nDie Sitte dieser Analytical ist in London\nziemlich allgemein; auch die beiden philharmonischen Ge-\nseilschalten, die alte und die neue, geben dergleichen zu\nOuvertüren und Sinfonieen aus, und selbst die Unterneh-\nmer der Reunionen für Kammermusik bleiben damit nicht\nzurück. Dass die Sache ihr Gutes hat, ist keine Frage; da\nes aber keineswegs leicht ist, in diesem Fache etwas Tüch-\n- I- ...\ntiges zu liefern, so läuft natürlich viel dummes Zeug mit"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.3", "texte": "unter, das jedoch mehr'durch Flachheit und Nüchternheit\nlangweilt, als durch kunsfphilosophische, transscehdentale\nIntuition a la Wagner (Programm der Eroica) anwidert.\nWeil ich einmal von Textbüchern spreche, so will ich\nauch desjenigen vom Elias nicht vergessen, welches die\n' \\ Cl. öly HQÜJk ■ j Ui;. v; i.\nSacred Harmonie Society im April 1847 als Pracht-Exem-\nplar dem bald darauf vom Lehen abgerufenen Mendelssohn\n// 4 Ii ff 1 l + 'tlij - ** *\nnach den Aufführungen dieses Werkes, welche er selbst\ndiriffirt halte, verehrte. In dieses Textbuch schrieb Prinz\nö -i;H I V\nAlbert eigenhändig: , ° ,\nnM> rnn tj tjd e«ßb % -\n„Dem edlen Künstler* der, umgeben von dem Baals-\n\"i , I™'i. JCjtl 11/ Jllw' J Jl* J ™ • V. Mj >X J • i J U v . -J *. t.*j h\ndienste einer falschen Kunst, durch Genius und Studium\nJ 1 ■ 5. . • .1 \\i 3 ok.A 91 * ® \"*» f * \"1 r #\nes vermocht hat, den Dienst der wahren Kunst, wie ein\nanderer Elias, treu .zu.(bewahren und unser Ohr aus dem\nJL/ili-1 1 Oy*» IV* yJkLJ ä 'uu tur#\nTaumel eines gedankenlosen Tönegetändcls wieder an den\nO . : a 3.. J 1\nreinen Ton nachahmender Erfindung und gesetzmässiger\nHarmonie zu gewöhnen,,— dem grossen Meister, der\nalles sanfte Gesäusel, wie allen mächtigen Sturm der Ele-\nhf . • ■ Al* ■\nmente an dem ruhigen Faden seines Gedankens vor uns\naufrollt in dankbarer Erinnerung geschrieben von\njbjiatflöi flisJlßlö iraasib lii npif&f ibu »Albeit.\n„Buckingham Palace, April 24. 1847.\"\n- -' A ' •\nEs ist bekannt, wie hoch ganz England Mendelssohn's\nCompositionen schon bei »seinen Lebzeiten hielt. Diese Vor-\nliebe hat sich nach seinem Tode zu einem wahren Cuitus\ngesteigert, und zwar namentlich durch den „Elias\". Ucber-\nblickt man die Concertts und Musikfest-Listen der letzten\nsechs Jahre, so zählenl Händeln Messias und Mendelssohn's\nElias die meisten Aufführungen in England. Jedenfalls hat\nElias den „Paulus\" ckjrtrüberflügelt; das englische Volk\nhat mehr Sinn für die alttestamentliche Strenge, die im\nText des Elias und welcher Form und Geist der\nMusik entspricht, als -für die christliche Romantik, welche\nim Paulus auftritt und der musicalischen Phantasie mehr\nRaum gibt.\nDas Abonnement für die Concerte der Sacrcd Harmo-\nnie Society beträgt zwei, ''-für numerirte Sitze in der Mitte\ndes Saales drei Guineen jährlich. Eintrittskarten für Nicht-\nUnterzeichner kosten 3 Shilling (1 Thlr.), lür besondere\nReihen von Sitzen 5 und für numerirte Plätze in der Mitte\n10 Shill. 6 Pence (3 Thr. 1 5 Sgr.). Die besten Plätze\nfür den Eindruck des Ganzen in Exeter Hall sind auf den\nersten Bänken der Galerie, welche dem Orchester gegen-\nuberjjrtJ''. äAsI tei «Jud soJuö ibr>B gib wAI\nc •,* • . ; * . r-w \"[ f. -s-i -1 t/\"■ {iL\nWir haben daselbst ausser dem Messias, von dem\n*. .t ü I * ? . * . \"! . 4 v\nschon gesprochen, am 12. Mai die D-dur-Messevon Beet-\nhoven und am 26. den Elias von Mendelssohn gehört. In\nallen drei Aufführungen hatten wir dasselbe Orchester und\ndenselben Chor, nämlich die Inslrumentalisten und nament-\nlich die Sänger der Sacred Harmonie Society, im Ganzen\nstets an 7 00, immer mit 16 Contrabässen und mit Orgel.\nEs gilt desshalb, was wir im dritten Artikel über Orchester\nund Chor bei Gelegenheit des Messias gesagt haben, auch\nhier. Die Chöre der Messe waren vortrefflich studirt tind\nwurden mit einer Kraft und Sicherheit ausgeführt, welche\nJf I* r . f i r ii r ,t\nin Erstaunen setzte; das Eingreifen der Orgel macht dabei\neine Wirkung, welche gar nicht zu beschreiben und durch\nnichts auf der Welt zu ersetzen ist. Das Solo-Quartett\nwar durch Novello und Dolby, < Simsjßeeves und Formes\nr j a L i J.. J A /\nausgezeichnet besetzt; diese ausserordentlich klangvollen\nStimmen brachten besonders in den Sätzen, in welchen sie\nüber und neben dem Chor schweben, eine Klarheit' in die\nComposition, welche die Grossartigkeit und das volle Ge-\ndanken- und Gelühlsleben derselben erst recht anschaulich\nmachte. Die ganze Aufführung war vollkommen; ich habe\nviel Musik gehört, aber ich erinnere mich kaum eines so\nüberwältigenden Eindrucks. Die rühmlichste Erwähnung\nverdient auch der schöne Vortrag des Violin-Solo's im Be-\nnediclus durch Herrn Cooper; er erinnerte uns durch\nTon und Schmelz an unseren Ilartmann in Köln, der\nim Vortrag einfach edler Melodie nur Wenige seines\nGleichen hat.,*°c| ü'mu^: 11J* wlit-\n• f»nji uii'll ,JbX äs insriqO nsKepij: fim nyaseM Ab\nDie Aufführung des Elias blieb in manchem Einzelnen\ngegen die Erwartungen zurück, welche man nach dem An-\nhören der Messe hegen musste, w'ar jedoch im Ganzen\nebenfalls von grosser Wirkung. Unter den Solisten traten\nFormes als Elias und Clara Novello, welche sämmtliphc\nNummern der Sopran-Partie sang, hervor; diese vortreff-\nliche Sängerin reisst in Oratorien zur Bewunderung hin:\nihre volle, in jeder Tonlage gleich wohllautende, niemals\nscharf werdende Stimme stellt einem durchweg edeln, von\nKälte und Nüchternheit eben so weit als von theatralischem\n* ÄMlv/u** v/101 / '-M Vit» v ' t \"\nPrunk entfernten Vortrage ein nie versagendes Material\nzur Verfügung, das noch so frischen Klang hat, wie vor\nzehn Jahren, besonders in dem ungeheuren Saale von Exe-\nter Hall, dessen Akustik ganz ungemein vortheilhaft ist.\nUeber die tüchtige Leitung des Ganzen durch Costa habe\nich oben schon gesprochen; man muss ihr die grösste An-\nerkennung zollen. r : , i\n'.ifi .säaaM ifogädb bau ieM <» < , 'uuu\\-. {."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.4", "texte": "Ueber den jetzigen Zustand und die Leistungen des\nConservatoires in Paris.\nDie Jahres-Prüfung in dem Conservatoire zu Paris,\nwelche in den letzten Tagen des Juli Statt gefunden hat,\nwird in einigen französischen Blättern einer scharfen Kritik\nunterworfen. Wenn man bedenkt, wie stolz die Franzosen\nauf diese Anstalt sind, wenn man bisher von ihnen keine\nanderen Aeusserungen über dieselbe vernahm, als ruhm-\nredige, wenn man sie überall als den Sitz der wahren Me-\nthode und die Vereinigung der ersten Lehr-Talente der\nWelt und als die musicalische Normal-Anstalt von Europa\npreisen hörte, so muss es allerdings stutzig machen, wenn\nman jetzt auf einmal das Geständniss lies't, dass „gar Vie-\nles im Staate Dänemark faul\" sei, und die Anklage hört,\ndass die weltberühmte Anstalt einem Schlendrian verfalle,\nbei welchem von einer Wirksamkeit für die eigentliche\nKunst kaum noch die Rede sein könne.\nDiese Thatsache ist zu merkwürdig, als dass wir sie\nunberücksichtigt lassen könnten, da auch in Deutschland\nnoch vielfach das Vorurtheil herrscht, dass unsere Musik-\nschulen nur als die Vorhallen jenes Tempels der höheren\nmusicalischen Erleuchtung gelten dürften, die man allen-\nfalls mit Nutzen durchlaufen könne, um sich zum Eintritt\nin diesen würdig vorzubereiten. Hören wir desshalb die\nStimme eines Franzosen, des Herrn A. Giacomelli, über\nden gegenwärtigen baufälligen Zustand des Tempels, welche\ndieser in Paris selbst in einem der gelesensten Blätter, der\nFrance Musicale,ohne Scheu öffentlich abgibt. Wir theilen\nAuszüge aus seinem Artikel mit.\nJederman weiss, sagt er, was ein Prüfungs-Concurs\nauf dem Conservatoire ist. Die jungen Wettkämpfer sind\nein ganzes Jahr lang von ihrem Professor aufs zärtlichste\nund beste geschult worden; sein ganzes VVissen und Kön-\nnen hat er in den Kopf, in die Kehle oder in die Finger\ndes Zöglings einzufiltriren gestrebt, um den Triumph mit\nihm zu theilen. Da stehen sie nun alle, die Lehrer und\nSchüler, wir haben das Conservatorium in seinem Glänze,\nin seiner Kraft, und zugleich die musicalische Zukunft\nFrankreichs vor Augen,\nJa wir sprechen es mit Betrübniss aus, der An-\nblick hat uns wenig Freude gemacht. Wie viele Männer\ngibt es unter diesen Lehrern der Jugend, welche auf der\nHöhe ihrer Aufgabe stehen? und wer ist unter diesen Zög-\nlingen, von dem man sagen könnte: das ist ein Musiker?!\nMan macht die jungen Leute allerdings zu Componisten,\nSängern, Pianisten, Violinspielern, Flötisten u, s. w., aber\nzu Musikern? Freilich ist die Lage der Professoren\nschwierig. Einige unter ihnen begreifen sehr wohl, dass die\nmusicalische Erziehung, so wie sie seit Jahren auf dem\nConservatoire getrieben wird, grundfalsch und verderblich\nist. Aber vereinzelt und durch das Herkommen einsezwänet.\nO Ö '\nwiderstehen sie auf die Dauer dem Einflüsse des Halbdun-\nkels, in welchem sie leben, und des Schlendrians, dem sich\ndas Ganze ergibt, auch nicht. Sie lassen Alles gehen, wie\nes geht, und warten auf das Licht von oben. Sie befinden\nsich wie in einem klösterlichen Seminar: wer seine Stelle\nbehalten will, muss schweigen und sich resigniren.\nAber die Kritik müsste reden. Sie müsste den Schleier\nlüften, damit diejenigen, die in der Pflicht und im Rechte\nsind, zu helfen und zu bessern, hell in das Uebel hinein\nschauen könnten. Sie müsste die geringen Resultate, die\nnotorische Ohnmacht des öffentlichen musicalischen Unter-\nrichts darthun, laut und dreist sprechen über jene athem-\nlosen Wettläufer, über jene Treibhaus-Producte, welche\nalljährlich zur selben Zeit aus dem Conservatorium aus-\nbrechen und wie Sternschnuppen durch die Welt fahren,\nohne zu erleuchten und zu wärmen und ohne eine Spur\nhinter sich zu lassen. Man könnte ein Buch darüber schrei-\nben; es würde sicher gelesen werden, selbst von denen,\ndie stündlich für ihren Ruf zittern und gern die Flügel der\nZeit an ihre Thür festnageln möchten. Aber wo ist der\nSchriftsteller, der kühn genug wäre, einen solchen Kreuz-\nzug für die Wahrheit zu unternehmen und durchzuführen,\nMann gegen Mann Ungeheuer zu bekämpfen, wie Schlen-\ndrian, Vorurtheil, Clique, Ignoranz ? Wir für unsere Per-\nson, wir haben nicht den Muth dazu.\nUnd, aufrichtig gestanden, unsere Stimme würde die\neines Predigers in der Wüste sein. Wie ist es zu verlan-\ngen, dass die Professoren, die Ellern und die Schüler einen\nSchriftsteller begreifen sollen, der bei einem Wettstreite\nauf dem Conservatoire von der Wahrheit und der Zukunft\nder Tonkunst spräche? Als wenn davon an einem so feier-\nlichen Tage die Rede sein könnte! Es handelt sich um die\nPreise damit Punctum. Weiter gibt es nichts auf der\nWelt. Warum dieser Blüthe der ersten Gassen, warum\ndiesen Kindern des Genie's den schönen Tag verderben?\nEs kommt nur darauf an, dass wir, wie einst die Byzan-\ntiner, erfahren, ob die Blauen oder die Grünen gesiegt, ob\nHerr Revial oder Herr Bataille, Herr Herz oder Madame\nCoche, Herr Marmontel oder Herr Laurent die Gekrönten\ngeliefert haben. Das ist die Hauptsache. Also den Mund\ngehalten! Die Jury ist vollzählig, Auber hat das Zeichen\nzum Anfangen gegeben."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.5", "texte": "Zuerst Harfe ein vorsündflutliches Instrument,\ndas nur noch im Conservatoire und in England gespielt\nwird. Am anderen Tage Gesang-Wettstreit von achtzehn\nmännlichen Concurrenten! Also achtzehn vorzügliche Sän-\nger, sonst würden sie nicht zur Bewerbung zugelassen\nwerden; und so geht es, nein, es steigt alle Jahre und\ndoch klagen die Menschen, dass der Tenor stirbt, dass der\ntiefe Bass nur noch eine Fabel ist, und die Thcatcr-Direc-\ntoren in der Provinz schreien Jahr aus, Jahr ein in Ver-\nzweiflung nach Sängern für erste Partie m! Die-böse Welt!\n- Den ersten Preis erhielt ein Herr Archambault, Schü-\nler der Classe des Herrn Revial, sechs Monate lang auf\ndem Conservatoire. Sapperment! wenn dieser junge Mann\nmit einer schönen Baritonstimme, der rein und kunstgerecht\nsingt und durch seinen Vortrag zeigt, dass er ein Musiker\nist, das alles in sechs Monaten gelernt hat, so müssen wir\nihn bitten, der Wrelt und dem Conservatoire das\nGeheimniss seiner Methode zu offenbaren.\nWenn wir die Wahrheit sagen sollen, so gibt es gar\nkeine Gesangschule auf dem Conservatoire. Mit Ausnahme\nvon einem oder zwei Professoren verschanzen sich d.e an-\nderen in alte Systeme und machen gegen alles Front, was\ndas Gepräge des Neuen und des Fortschrittes trägt. Wir\nwollen keineswegs das Verdienst dieser ehrenwerthen Mu-\nsiker läugnen; aber es ist doch nicht so gross, dass die\nWelt über der Bewunderung desselben einschlafen müsste.\n(Hiernach ergeht sich der Verfasser des Weiteren in An-\npreisung der neueren italienischen Schule, wobei wir ihm\nnur in dem Grundsatze Recht geben können, dass der\nwahre Vortrag alle Gefühle Und alle Leidenschaften zum\nObject habe, keineswegs aber mit ihm übereinstimmen,\nwenn er die gegenwärtigen Koryphäen der Italiäner als\nMuster des dramatischen Gesanges aufstellt, wobei er auch\nnoch vergisst, dass Sänger wie Mario, Tamberlik, die Frez-\nzolini, Tedesco, die Grisi der ältefen italiänischen Schule\nangehören und nicht der heutigen, durch Verdi inlluenzir-\nten. Alsdann lährt er fort:)\nWenn wir keine Gesangschule haben, so haben wir\ndalür eine Pianoforte-Schule oder etwas Annäherndes an\neine solche, weil einige jüngere Lehrer die Hülfsquellen\nder neueren Methode mit den Traditionen der älteren Mei-\nster zu vereinigen wissen. Das Prüfungsstück lür die Schü-\nler war der erste Satz der Sonate von Schulhoff; in der\nMechanik wurde weniger gefehlt als in der Auffassung und\nim Stil. Eigentlich hätte gar kein erster Preis zuerkannt\nwerden müssen: es erhielt ihn ein kleines Kerlchen von 12\nbis 13 Jahren. Freilich hatte er auch alles Ernstes erklärt,\ner würde sich in die Seine stürzen, wenn er nicht gekrönt\nwürde. Der Wettstreit der Schülerinnen war glänzen*\nder, der Prüfst« in das zweite Concert von Field. Die Piano-\nPrüfung dauerte von des Morgens um 9 bis Abends 5\nUhr; 41 Zöglinge (14 Schüler und 2 7 Schülerinnen) spiel-\nten jeder 2 Stücke, das stüdirte Concurrenz-Stück und ein\nStück vom Blatt zwei Stücke musste man also 14 Und\n27 Mal hören! Gegen Mittag schienen die Richter bereits\nsehr ermattet zu sein! Kein Wunder!\nAm folgenden Tage kamen die Damen im Gesänge\ndaran. Das Resultat war ein trauriges: es zeigte sich kein\neinziges Talent; höchstens konnte man von keimenden An-\nlagen sprechen. Der Director Auber soll darüber einige\nharte Worte haben fallen lassen. Aber, mein Gott, es\nmussten doch Preise vertheilt werden! Also fort damit\nin der That, man bewilligte am Ende zwei Preise und noch\ndrei Accessite obenein. *\nDie Prüfung lür die komische Oper lieferte höchst\nmittelmässige Resultate. Gewiss darf man nicht vergessen,\ndass man Schüler, nicht vollendete Schauspieler und Sänger\nvor sich hat. Aber dagegen darf man auch die Nachsicht\ngegen Zöglinge, welche ihre Lehrer als reif zur Bewerbung\num die höchsten Belohnungen vor das Publicum hingestellt\nhaben, nicht zu weit treiben. Ein erster Preis vom pariser\nConservatoire gilt wenigstens (ür ein Zeugniss der Belähi-\ngung, wenn er es auch nicht immer ist. Vron denen, die\nsich darum bewerben, ist man also berechtigt, eine Art von\nTalent oder wenigstens doch bedeutende Anlagen zu ver-\n«\nlangen, und es ist erlaubt, von den Professoren Rechen-\nschaft zu fordern, warum sie die Zöglinge in die Arena\nhinausstellen. Desshalb sind wir also verpflichtet, zu erklä-\nren, dass der Preis-Wettstreit in dem genannten Fache\njämmerlich war. Unter der Menge von jungen Künstlern,\nwelche in einzelnen Acten oder abgerissenen Stückchen\nvon komischen Opern auftraten, fand man keinen einzigen,\nder nicht an grossen Fehlern laborirte; der Eine sah aus,\nals sagte er eine Fabel her, der Andere sprach, ohne eine\nIdee von der Situation und dem dramatischen Gedanken zu\nhaben; die Eine sang, wenn sie sprach, und sprach, wenn\nsie sang, die Andere schnitt Gesichter, weinte, wenn sie\nlachen, und lachte, wenn sie weinen musste. Nirgends die\nSpur von einer ernsten, verständigen, fleissigen Unterrichts-\nWeise; dabei bei Allen ein steifleinenes Wesen, eine ange-\nstammte Urtbehplfenheit, vermischt mit hochtrabendem Ko-\nmödiantenTWesen und einem theilweisen Zurschautragen\neiner grossen Tradition! Und dennoch Preise und\nKronen ! J"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.6", "texte": "(Mit den Ergebnissen der Prüfungen auf den Rias-In-\nstrumenten ist unser Censor zufrieden; aber er bedauert\ndie jungen Virtuosen, weil das Pianoforte niemals zugeben\nwird, dass eine Oboe oder eine Clarinette zum Auftreten\nin einem Concertsaale zugelassen werde.)\nAm achten Tage gelangten wir zum Concurs lür die\ngrosse Oper. Es ist dabei kein erster Preis zuerkannt wor-\n) C J r. !) 5 5% k wll)- \". JSJVJI • Ol- /II Mi «K •*.** •\nden. Und doch Ihaten die Damen namentlich das Ihrige\nund bewiesen mehr als zu viel durch die Macht ihrer Stim-\nmen, dass sie fähig wären, in der grossen Oper zu singen.\nNoch nie haben wir, selbst nicht auf der Bühne, solche\nKraft-Anstrengungen gehört. Es war wirklich eine Qual,\ndas mit anzuhören, und solchen Proben von dem Unter-\nrichte im Conservatoire gegenüber war es unmöglich, sich\nder traurigsten Betrachtungen zu enthalten. Wer in aller\nWelt konnte die Damen diesen Stil, diese Methode, welche\ndie einfachsten Grundlagen des Gesanges über den Haufen\nwirft, gelehrt haben? Doch gewiss nicht die Professoren\ndes Conservatoires! Ihre heilige Scheu vor Uebertreibung\nund ihre Liebe zu den Nuancen und zu dem akademischen\nStil ist bekannt genug. Und trotzdem vergessen die Schü-\nlerinnen in dem entscheidenden Augenblicke jene heilsamen\nLehren, verlassen die Fiorituren und den getragenen Ton\nund stossen phantastische Töne, bald in der Tiefe, bald in\nder Höhe aus, auf allen Noten, in allen Octaven, mit Ver-\nachtung aller gesunden Ueberlieferung und aller Elementar-\nRegeln des Gesanges.\nMan wird gestehen, dass das ein besonderes Unglück\nlür die Anstalt war. Was würde man von den Lehrern sa-\ngen, wenn man sie nicht so gut kännte und nicht wüsste,\ndass sie ganz andere Erfolge durch ihren Unterricht erzielt\nhaben ! Man könnte wahrhaftig dahin kommen, ihnen vor-\nzuwerfen, was sie einer anderen Schule vorwerfen, welche\nsie übrigens gar nicht kennen, und was wollten sie antwor-\nten, wenn ihnen einer ganz frech ins Gesicht sagte: „Eure\nSchülerinnen schreien um die Wette, und das nennt ihr\nbreiten und dramatischen Stil?\"\nIm Ernst gesprochen, man müsste bis zu den schlech-\ntesten Zeiten der Vocal-Musik zurückgehen, um Beispiele\neines mangelhafteren Unterrichts-Systems zu finden, als es\ndas gegenwärtig im Conservatoire gebräuchliche ist. Fal-\nsche Nuancen, ungehöriges Schreien und Herausplatzen,\nfehlerhaftes Athemholen, das die Phrase zerstückelt, ein\nübermässiges Aushalten des Tones, das bringt dieses System\nhervor, und das haben uns die meisten Bewerberinnen um\nden Preis für die grosse Oper aufgetischt. Nimmt man\ndazu eine fehlerhafte Aussprache, ferner, dass die Stimmen\nsich noch kaum gesetzt haben, dass sie Ungleich lind wenig\ngeschult sind, so dass die verschiedenen Register die wider-\nlichsten Contrasie hervorbringen, so wird man begreifen,\ndass die Jury keinen ersten Preis zuerkennen konnte. Wir\nkönnen sie wegen dieser Festigkeit nur loben ; sie hat voll-\nkommen Recht gehabt, Lehrer und Schüler bis zum näch-\nsten Jahre wieder in die Schule zu schicken.\n_ f. i | • <* f. g\nZu dieser strengen Beurtheilung macht der Heraus-\ngeber des Blattes noch folgende Bemerkungen:\nDer alte Cherubini würde, wie früher einmal, nach\nsolcher Prüfung gesagt haben: „Mal, tres mal!\"\nund hinterher: „Ze zuis Ilalien, ze ne sais pas si vous me\ncomprenez.\"\nWo sind denn diese Schüler und besonders diese\nSchülerinnen, die man uns vorgeführt hat, in die Schule ge-\ngangen? Können sie auch nur ihre Muttersprache? Vor\nAllem frage man jeden aufzunehmenden Zögling alles Ernstes,\nob er lesen könne. Und dann verlange män ausser der Ele-\nmenlar-Rildung eine anständige Erziehung; die Kunst, und\nvollends die idealste von allen, die Musik, gewinnt unend-\nlich durch Bildung und feine Sitte ihrer Träger.\nAnstatt der 863 Schüler, welche das Conservatoire\njetzt zählt, müsste die Zahl auf 500 beschränkt werden.\nAnstatt 392 zum Concors zuzulassen (!), wie in diesem\nJahre, wäre es mit 150 genug und schon zu viel.\nWenn durch strengere Prüfung bei der Aufnahme die\nSchülerzahl vermindert wird, so bedarf man auch nicht so\nvieler Lehrer.\nWir haben jetzt\n4 Professoren für Composition, Contrapunkt und Fuge,\n2 „ „ Harmonielehre,\n4 „ „ Generalbass und Accompagnement,\n16 , „ Solfeggien, 1\n8 „ „ Gesang (und eben so viel verschiedene\nMethoden!), '\n11 „ „ Pianoforte (!),\n4 „ „ die Oper,\n1 » \" » äussere Haltung (Wo ist der in diesem\nJahre gewesen?),\n3 „ „Rollen-Studium, Declamation, Fecht-\nkunst,\n1 » „ den Volksgesang, besonders den Män-\nnergesang,\n2 „ Ensemblestücke,\n18 „ „ Violine, Harfe, Violoncell, Orgel, Con-\nSi / ' »1 et' i t ' * \"t 4 ■<'•}\"» ?\" ;\ntrabass, Flöte, Oboe, Clarinette, Fagott,\nHorn, Cor ä pistons, Trompete, Posaune,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.7", "texte": "also in Summa 7 4 Professoren, wovon -3 1 mit dem Ge-\n-7\nsang-Unterrichte jn seiner, ganzen Ausdehnung beschäftigt\nsind! Hierauf macht der Verfasser seine Glossen über\ndie Concursc und Preis-Verlheilungen, und erwähnt aller-\nlei Menschlichkeiten, welche dabei unterlaufen. Vor Allem,\nmeint er, sei zuerst die Frage an jeden Preisrichter zu stel-\nlen: „Sind Sie ein Verwandter oder Verbündeter des Be-\nwerbers? Sind Sie nicht vielleicht sein Patlie?- Dann\nfährt er fort: eoh\n„ Selbst bei den verstandigsten und von Charakter ehren-\nwerthesten Richtern gibt es eine schwache Seite, wir wollen\nsie die väterliche nennen, welche sehr liebenswürdig im Fa-\nmilienleben ist, aber für den Richterstuhl nichts taugt. So\nwird man gemüthlich milde für ein junges Mädchen, weil sie\nbald zweiundzwanzig Jahre alt und es Zeit wird, dass sie\nihren Eltern das lang' erwartete Zeugniss mit nach Hause\nbringe; für eine andere, weil sie in vierzehn Tagen heirathet,\nund es doch grausam wäre, ihr keinen Preis als Mitgift zu\nschenken; für einen jungen Mann, weil er dienstpflichtig ist\nund man durch einen Preis beweisen muss, dass er dem\nStaate besser mit der Stimme als mit der Flinte dienen\nwerde; für einen anderen, weil er sich das Leben nehmen\nwill\" u. s. w. u. s. w.\n■ M\\- ff.\nDer ganze Aufsatz, der sich durch drei Nummern des\nBlattes fortzieht, lässt, wenn wir auch einige persönliche Ab-\nsichten und Beweggründe bei seiner Abfassung recht wohl\ndurchschauen, dennoch einen tiefen Blick in die jetzigen Zu-\nstände der berühmten Anstalt thun, und jedenfalls ist die\nFreimüthigkeit, mit welcher eine so bedeutende Autoritäts-\nFestung angegriffen wird, lobenswerth. Es kann nicht feh-\nlen, dass dieser Angriff ungeheures Aufsehen in Paris machen\nwird, und da der Kaiser bereits eine Commission ernannt hat,\nl 5? O 11 ** *•- 1/ * 1\num Vorschläge über die zu verbessernde Einrichtung des\nConservatoires zu machen, so wird diese nicht umhin kön-\n» 1 >. £ f * r g 1 \" .' /\nnen, tief und gründlich in die Sache einzugehen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMölii. Eine der ersten Neuigkeiten auf unserem Stadttheater\nwird die neue komische Oper in zwei x\\cten von Ferdinand\nHill er, „Der Advocat\", Text von Roderich Benedi x, sein.\nDem Vernehmen nach soll die sehr gelungene Quodlibet-\nOper, deren Text eine alte kölnische Sage dramatisirt und die\nvon einem hiesigen Kunstfreunde zusammengestellt und bearbeitet\nist, demnächst zu einem wohltätigen Zwecke zu öffentlicher Auf-\nführung kommen.\n>r'M t f\\\\i\\iV*11 rt'ili'tf'4 kjt ■'oi\nIn Berlin wird zum Geburtstage Sr. Majestät des Königs We-\nbers Oberon ganz neu ausgestattet in Scene gehen.\nI&assel. „Der Unbekanntem Oper von J. J. Rott, kurfürst-\nlich hessischem Iluf-Capellmeister, Text von E. Bieberhofcr, kommt\nam Geburtsfeste Sr. K. Hoheit des Kurfürsten hier zum ersten\nMale zur Aufführung. Die Proben haben bereits begonnen, und\nhaben sich die an denselben Theil nehmenden Musiker, so wie\ndie Sänger auf das vorteilhafteste für die Composition geäussert.\nEs steht zu erwarten, dass die Aufmhrung eine glänzende wer-\nden wird.\nISarien-SSadeii. Die Sängerin Nissen- Sal orm a n hat in\nLondon während der Saison in 23 öffentlichen Concerten und iii\nvielen Privat-Cirkchj gesungen, auch vor der Königin auf der Insel\nWight; sie befindet sich gegenwärtig hier. Auch Marie und jSo-\nphie Cruvelli halten sich hier zum Vergnügen auf; Madame\nDe la G ränge war auch drei Wochen hier, ohne öffentlich auf-\nzutreten. i•• j V *\n\" ' »' vf> ■' ' > ii »■> >\nMusik-Director Julius Rietz hat nun die Direc-\ntion der Gcwandhaus-Concerte contractlich auf drei Jahre über-\n-9'\nnominell. Beim Stadttheater tritt Herr Witt, zuletzt in Königs-\nberg, an dessen Stelle.\n__________ , ■ ri . . iUi ■\nMiincSieai, G. August. Nächstens werden im Hofthqater die\nConcerte der Hofcapelle wieder beginnen. Herr Gold Schmidt\nund seine Gattin Jenny Lind sind hier angekommen.\nMmffatJitufell ip'* »j \\A\\ ! a'i'yote'nosuioD #>L\nDer Pianist Blumenthal hat London verlassen und beabsich-\ntigt einige Zeit in Deutschland zu reisen.\nDO < ° »-\n■ xj in, „r , . rr . 'ttSt.\nDer Senior der Violoncellisten in Paris, Martiji-Norken,\nehemals Professor am Conservatorium, ist, 72 Jahre alt, gestorben.\n,r . f- ,01*1 iV-\nFräulein Julictte Dillon, eine Orgelspielerin von Ruf in\nParis, welche besonders im Phantasmen sich auszeichnete, ist^da-\nselbst gestorben. Sie war auch Schriftstellerin und hatte vor Kur-\nzem ein artistisches Journal, L'Avcnir Musical, gegründet. ?.< Unter\nihren Compositionen für Pianoforte zeichnet man besonders die mu-\nsicalischen Interpretationen von Iloffmann's Erzählungen - mit\ndem Titel Les Contes d'Ho/fiiiaiin aus.\n< •» ym r »f & II *ff\n—»inu/; gfe FF JwenAßM 'VJ\nMan meldet, dass der Violinist Ernst sich in London mit\nFräulein Siona Levv vermählt habe,\nEine vor einigen Monaten erschienene Hisioirc de la Sooiete\nfratic//isc pendant la Reeoliiliun von E. und J. von Goncourt ent-\nhalt in 17 .Capitata sehr anziehende Thalsachen und Beobachtun-\ngen. welche die Sitten, die Gesellschaft, die Theater u. s. w. der\ndamaligen Zeit schildern. Was die Tonkunst betrifft, so ist die\nBih'rzigung dessen, was das Btlcli darüber enthält, besonders de-\nnen anzuempfehlen, welche die Blüthe der Kunst, das Kunstwerk\nder Zukunft, aus der Umwälzung der politischen und socialen;'.Ver-\nhältnisse hervorgehen lassen wollen, welche die Möglichkeit eines\nvolkstümlichen Kunstlebens erst darin slatuiren, „wann es keine\nStaaten mehr gibi\". Während der ganzen Periode der Herrschaft\nder Demokratie entstand auch nicht ein einziges musicalisches\nDrama, welches dem, was Gluck, ja, nur dem, was Picini und Sac-\nchini geschaffen hat!e:\\ auch nur von Weitem an die Seite zu\nstellen wäre; selbst Gretry, Mehul und Gossec erhoben sich\nin jener Zeit nicht über Gelegenheits-Compositionen, und statt der\nIphi genien und Armiden erschienen „Huldigungen der Freiheit4',\n„Dionys der Tyrann als Schulmeister44 u. s. w. u. s. wr. auf der ly-\nrischen Bühne. Auch die Wagner'sche Lehre, dass Jeder ein Genie\nsein könne, war damals schon da; die Zeitschriften eiferten z. P.\ngegen Gossec, dass es „einem freien Manne nicht zieme, besser zu\ncomponiren, als seine Mitbürger, dass darin eine Aristokratie vom"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540819-01.1.8", "texte": "anrieft regime liege, und dass ein Cömponist sich seines Glei-\nchen annehmen müsse\" als wenn die Mozart, Gluck, llaydn,\nBeethoven ihres Gleichen hätten!\nMitten in einer Oper rief eine Stentorstimme von der Galerie\nherab: „Bürger! ich ersuche euch, meine neue Chanson civique an-\nzuhören!44 und sofort producirt sich der Rufer mit seinem Ge-\nsänge. „Dieses Lied\", fahrt er nach dem Schlüsse zu reden fort, „ist\naus einem patriotischen Liederspiel, welches die aristokratischen\nTheater unter schändlichem Vorwande zurückgewiesen haben! Ich\nverlange Gerechtigkeit!\" „Dein Werk soll aufgeführt werden!\"\nbrüllt das Publicum. Da haben wir es, das ersehnte Schiedsrichter-\nAmt des Volkes über die Zulassung des Kunstwerkes zur Oeffent-\nlichkeit, „wodurch der nationale Dichter allein zum Durchdringen\nkommen kann!\" Nach dem Sturm der Tuilerieen durfte eine\nlange Zeit hindurch kein Schauspieler auf der Scene durch eine\nThür ins Zimmer kommen, das war zu aristokratisch; man kam\ndurchs Fenster, durch einen zerbrochenen Spiegel, durch den Ka-\nmin herein und entfernte sich auf dieselbe Weise. In einem Stücke,\n„Process des Sokrates\", lagen holländische Pfeifen auf dem Tisch\nim Kerker; der Schauspieler des Sokrates zog dann und wann ganz\nruhig einen Operngucker aus der Tasche und sah sich die Zu-\nschauer an. Eines Abends fing in der komischen Oper ein Contra-\nba&s-Spieler, dem der Dialog zu lange dauerte, von freien Stücken\ndie folgende Nummer an, und das Orchester folgte. Auf den Vor-\nwurf des Dirigenten erwiderte er: „Glaubst du, dass die Bürger\nMusiker dazu da sind, um auf dich zu warten?\" Glückselige\nZustände!"}]}