{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-09-09-01", "volume": "bmtnabi_1854-09-09_01", "ocr_sha256": "c1641c68e0a85356c8f39909a93fdfbabb26e78dfb1ff62ac3642e082fd2c867", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/09/09_01/bmtnabi_1854-09-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-09-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-09-09_01#c001", "volume": "bmtnabi_1854-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "284", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.2.1", "titre_corps": "Das Gesangfest in Brühl.", "titre_sommaire": "Das Gesangfest in Brühl.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3925, "texte": "Das Gesangfest in Brühl.\nIn so fern das Sieg-Rheinische Lehrer-Gesangfest in\nBrühl einen liturgisch-religiösen Charakter hatte, entzieht\nes sich der Beurtheilung dieser Blätter; da demselben in-\ndessen eine Bedeutung gegeben wird, welche einflussreich\nauf die Gestaltung der musicalischen Zustände in\nder Kirche wirken soll, da sich seine Theilnehmer unter\ngrossen Schwierigkeiten zur Ausführung von classischen\nKunstwerken vereinigten, so dürfte dennoch eine Bespre-\nchung nicht überflüssig, ja, in Hinsicht auf die eigentliche\nTendenz dieser Feste, sogar nothwendig sein.\nEs handelt sich nämlich nicht sowohl um die mehr\noder minder gelungene Ausführung einer Messe u. s. w.,\nsondern es handelt sich um ein Princip, um die Wieder-\neinführung der Kirchenmusik des 16. und 17. Jahrhun-\nderts (die niederländische, venetiariische, römische Schule),\nd. h. der Figural-Musik a capella, während der heiligen\nHandlung des Gottesdienstes, und nicht um diese allein,\nsondern um die mögliche Ausschliessung des Orchesters\nvon der kirchlichen Feier.\nGesungen wurden dieses Mal (am *23. August) „ohne\njede Begleitung\", wie in der Ankündigung besonders her-\nvorgehoben war:\nVon Palestrina: 1) die sechsstimmige Missa solem-\nnis Papae Marcelli („auf Verlangen wiederholt\" vom vori-\ngen Jahre her) 2) das Alm zwei-\nchörig— 3) derachtstimmige, zweichörige Psalm Jubilate Deo.\nFerner von Joh. Eccard: „Der heilige Geist vom\nHimmel kam\" und von Joh. Gabrieli der sieben-\nstimmige Psalm Exaudi Deus.\nDie Leser wissen bereits aus den früheren Berichten\nüber die brühler Feste, dass die Sopran- und Altstimmen\nvon mehr als 200 Kindern aus den Elementarschulen der\nLandkreise Bonn, Köln, Mülheim am Rheine und Ahrweiler,\ndie Tenor- und Bassstimmen durch die Lehrer des Vereins\nund die Zöglinge des brühler Lehrer-Seminars ausgeführt\nwerden.\nEs ist bekannt, dass die Figural-Musik jener Epoche\nunmittelbar mit Entstehung der Harmonie aus dem\nGregorianushervorwuchs, dass sie, wie ein begeisterter und\nkenntnissreicher Schriftsteller treffend sich ausdrückte, „die\ndurch die Kunst zu Stande gekommene Verklärung dessel-\nben ist\". In der Tliat ist eine Würdigung der Figural-Mu-\nsik ohne gründliche Kenntniss des katholischen Choralge-\nsanges unvollständig, und der Cantus Gregorianus selbst,\ndie erste hervorbrechende Knospe zu der Frühlingspracht\nder Musik, bleibt ohne seine Entfaltung in der Figural-\nMusik ein ungelöstes Räthsel. Das Verhältniss beider ist so\ninnig als möglich. Von einfacher Ilarmonisirung des Cantus\nfirmus selbst in den strengen Fesseln der alten Schule bis\nzur reichsten Polyphonie derselben ertönt überall das Thema\nder Kirche, und ist es nicht ein Gregorianisches Thema\nselbst, so ist es doch ihm stammverwandt. Die Gegen-The-\nmen umschlingen zuweilen in reichem Kranze den Grund-\ngedanken, öfters stehen sie ihm gleichartig geformt gegen-\nüber, so dass das Ganze in festgeschlossener Gliederung dem\nWesen der Kirche selbst sehr wohl entspricht.\nInnerhalb dieser Schranken, welche der damaligen\nKunstentwicklung nicht von aussen aufgelegt waren, son-\ndern welche ihr die Welt selber ausmachten, so lange man\nden grossen Ocean freier Harmonie und Polyphonie noch\nnicht durchschifft hatte, hat eine Reihe religiös begeisterter\nund rastlos arbeitender Männer einen Schatz unsterblicher\nWerke niedergelegt, welche an und für sich bei kirchlicher\nWeihe eine Fülle musicalischer Schönheit in sich tragen,\nim Verhältniss zur neueren Kunst dagegen die Grundlage\nbilden, auf der sich reichere Gestalten in Formfreiheit und\nmit der Farbenpracht des neu entdeckten Orchesters auf-\nbauen konnten.\nDie ersteren will man nun neu in das Leben der Kirche\nhineinziehen, die letzteren davon ausschliessen, indem sie\ndurch sinnlich anregendes, glänzendes Wesen der Würde\nder Kirche zuwider seien und sich von dem Stamme, auf\ndem sie gewachsen, losgerissen hätten. Dass sie in herr-\nlichen Farben glänzen, wird Niemand läugnen; dass sie da-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5301, "texte": "gegen der Kirche unwürdig seien, kann man nur von einem\nTheile derselben zugeben.\nDer innere pragmatische Zusammenhang zwischen den\nbesten Werken der verschiedenen Epochen hat nie gefehlt,\ndie Uebergange sind organisch und oft nur feinen Ohren\nbemerkbar; von allen bedeutenden Künstlern ist das Stu-\ndium der alten Schule nie aufgegeben worden; an einer\nReihe von Meister-Schöpfungen, die in immer breiterer Ent-\nfaltung die katholische wie die evangelische Kirche in ihrem\nSchoosse entstehen sah, Hesse sich das aufs bestimmteste\nnachweisen*). Sogar die scheinbar entferntesten Punkte\nhalten diesen Zusammenhang fest; wir wollen hier nur Che-\nrubini nennen, dem es kaum ein Meister des 16. und 17.\nJahrhunderts in der Kenntniss und Beherrschung der Fi-\ngural-Musik zuvorgethan hat; den als weltlich-sinnlich ver-\nschrieenen Mozart, der von sich sagte, dass er jegliche\nwerthvolle Note, die aus der Vergangenheit ihm zu Gesicht\ngekommen, mit Aufmerksamkeit gelesen, über dessen Be-\nherrschung der gebundenen Schreibart Pater Martini zu\nBologna ein vollgültiges Zeugniss gegeben, der endlich in\nsein Requiem,ein Werk, dem nur völliger Mangel religiö-\nsen Gefühls echte Religiosität absprechen kann, die feinsten\nBeziehungen zum Gregorianischen Gesänge geistvoll an-\nbrachte und überall die strengen Formen des Canons und\nder Fuge mit Raphael'scher Anmuth und Grazie vermählte;\nwir wollen zuletzt Beethoven nennen, dessen Missa solem-\nnis in einer so nahen Verwandtschaft zu Palestrina steht,\ndass das „Et incarnalus est\" die unmittelbare Abstammung\nvon demselben gar nicht läugnet. Freilich erscheint hier die\nKirchen-Tonart umwebt von zartem Schleier; das Geheim-\nniss der Menschwerdung verkündet sich, wie der Morgen-\nstern aus der Dämmerung in mildem Glänze leuchtet.\nDas innere Wesen unserer grossen Kunstschöpfungen ist\nallerdings nicht allgemein erkannt. Wenn diese Männer\nsich nicht noch enger an das Kirchliche anschlössen, so ist\nnoch sehr die Frage, in wie fern es ihre Schuld war; denn\nsie haben manche Werke so gut wie Palestrina, den man\naus der päpstlichen Capelle ausstiess **), weil er verheirathet\nwar oft in Noth und ohne Belohnung geschrieben, al-\nlein zur Ehre Gottes. Es ist nicht wahr, dass den classi-\nschen Werken der neueren Schule christlicher Geist mangele;\nwenn sie ihn auch nicht ostensiv vor sich her tragen, so liegt\ner doch in ihnen verborgen, so gut wie die ältere typische\nForm der Madonna und der Heiligen in Raphaela späteren\nWerken zu allgemein idealer Schönheit verklärt wurde,\naber dennoch in ihnen enthalten blieb und dem feinen Sinn\nerkennbar das unaussprechliche Etwas bildet, das seine Ge-\nstalten von der Antike unterscheidet.\nZwar hat es zu allen Zeiten Pfuscher gegeben, welche,\nohne die Geschichte ihrer Kunst zu kennen oder die Ver-\ngangenheit zu ehren, den subjectiven Dilettantismus auf den\nThron zu setzen unternahmen, und auch die Kirche hat ein\ngutes Theil derselben in ihrer Mitte geduldet; will man\naber zur Vergeltung dafür die Kunst selbst aus ihren Hal-\nlen verbannen ?\nDie Musik befindet sich solchen Anmuthungen gegen-\nüber noch in gleicher Lage wie zu Palestrina's Zeit, nur\nsteht sie auf der jetzigen Stufe ihrer Ausbildung parallel\nmit der Malerei und Baukunst des IG. Jahrhunderts. Ob-\nwohl Vergleiche dieser Art nicht bis ins Einzelne durchzu-\nführen sind, so geben sie doch belehrenden Aufschluss über\ndie Gegenwart.\nEine Reihe grosssinniger Päpste hatte damals die Kräfte\nder Welt der Kirche dienstbar gemacht. Die Pfeiler von St.\nPeter aus kostbaren Steinen strebten empor, darüber wölbte\nMichel Angelo das Wunder seines Jahrhunderts, von wel-\nchem wie aus glänzender Himmelshöhe in farbiger Pracht\ndie Heiligen und Propheten herniederschauen sollten; an\nden Wänden arbeitete man in heiteren Mosaiken nach Ra-\nphaela und anderer Meister Bildern; über dem Begräbniss-\norte des Apostelfürsten stiegen eherne, laubumrankte Säu-\nlen zu schwindelnder Höhe empor, den Baldachin zu tra-\ngen, den man aus dem Erze des Tempels geformt, welchen\neinst Mäcenas erbaute; der Palast der Päpste war geziert\nin buntem Arabeskenschmuck, die Wände überkleidet von\nRaphael's Stanzen, in denen alles, was einst die Wrelt Schö-\nnes geleistet und erstrebt, durch seinen Genius zu Einem\nkünstlerischen Gedanken verbunden ward, welcher die Herr-\nschaft des Reiches Gottes über den Erdkreis ausdrückte;\nwas die Natur in ihrer Tiefe geboren, der Menschengeist\nin seinen Wundern hervorgebracht, hielt man lür würdig,\n\n*) Wie weit die Lebenden mit dem Stile der Alten noch vertraut\nund desselben mächtig sind, dafür dienen als Beleg die zahl-\nreichen Arbeiten von Grell, Wilsing's scchszehnstimmiges\nDe prufundisund viele Arbeiten von deutschen Componisten\nwährend ihres Aufenthaltes in Rom, z. B. von d e W i 11,\nR einthaler, und vor Allen F. Hiller (s. dessen Biogra-\nphie in der Rhein. Musik-Zeitung, 1852, Nr. 15, S. 946).\n**) Palestrina, nachdem er bereits in St. Peter Capellmeister ge-\nwesen und in die päpstliche Capelle herüber zu kommen ein-\ngeladen war, wurde aus ihr auf Veranlassung einer strengeren\nRichtung entlassen, weil er verheirathet war. Er litt Noth,\nhatte hierauf eine Anstellung mit B—lo Rthlr. monatlichem\nGehalt und erhielt erst nach langen Jahren die erste Stellung\nzu St. Peter wieder. S. Baini (Director der Sixtina)\nPalestrina\" etc."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5613, "texte": "das Haus Gottes zu verherrlichen. Aehnliches war zu Ve-\ngpt '■ li ■■ •' 'Ol' K \\ '*V *•! ' ' ' ' •-> \" •\nnedig in San Marco, zu Florenz und an anderen Orlen Ita-\nliens und Deutschlands geschehen. In dieser kühn aufstre-\nbenden Zeit erwachte die jüngste der Himmelstöchter aus\nden ersten Kinderträumen, und derselbe Geist, der jedem\nfreien menschlichen Schaffen würdig die Iland bot, nahm\nsich auch ihrer Pllege an. Schon rankten um den alten\nCantusfirmus die jungen Laubgewinde des Contrapunktes\nund mochten ihn zuweilen überdecken, als auf dem Con-\ncilium zu Trient auch die Angelegenheit der Kunst in der\nKirche zur Sprache kam.\nEs ist uns nicht bekannt, dass sich damals gegen die\nglänzenden und unvertilgbaren Monumente der Malerei und\nBaukunst obwohl wir sie nicht lür kirchlicher halten können,\nals Cherubini's und Beethoven's Messen, und sie von dem alten\nStile der Basiliken und ihrer Malereien mindestens eben so weit\nentfernt stehen als diese vom Choralgesang Einsprüche er-\nhoben hätten; das steht allerdings fest, dass Michel Angelo's\nWeltgericht mehr als einmal in Gefahr war, seiner sinn-\nlichen Nacktheit wegen heruntergeschlagen und übermalt\nzu werden. Bis jetzt haben einsichtsvolle Männer dies Un-\nglück zu verhüten gewusst. Gegen die junge Musik dage-\ngen, welche mit der gottesdienstlichen Handlung innig ver-\nwachsen war, erhoben sich Stimmen, dass die heiligen Tex-\ntesworte durch das contrapunktische Gewebe verdunkelt\nwürden und die Harmonie mit der Einfachheit des Chorals\n.\nunvereinbarlich sei.\n»f<V '• . / ' ' \\ ' ' ; < t t\nDurch den Vorschlag der billiger denkenden Väter,\ndass man zuvörderst noch einen Versuch machen müsse,\nwurde Palestrina (ein damals lebender noch junger Ton-\nkünstler) mit der Komposition von drei Messen beauftragt,\nvon denen man die Missa Papae Marcelli, dem Andenken\nseines grossen Gönners gewidmet, genügend fand. So wurde\ndie Musik lür die Kirche gerettet. Vergleicht man nun diese\nArbeit Palestrina's mit früheren von ihm und mit denen\nseiner Vorgänger, so findet sich in ihr ein fast gleicher\nI iJiAvJL lii ff <Jifßt.gu 1 UU J&uio i • Uuvi U JClll>7\nReichthum des Contrapunktes mit grosser Klarheit und\nWürde des Ausdrucks gepaart; im Wesen ist sie nicht ver-\nschieden vom Früheren noch vom Späteren, unter den erste-\ncJJSflSv fljiliöo ilOi UD Li«lJ JJJcitHJj tf3il\nren sind im Gegentheil einzelne Sachen, die nie an Einfachheit\nund kirchlicher Majestät übertrolTen worden sind. Das Ver-\ndienst Palestrina's bestand also nicht darin, dass er die vor-\n* Q \"}jj je* (I.' •>.«, '• 0 ' . I)- ..vl « t TS*. \\* J 7; »T cX\nhandenen Kunstmittel verschmähte, sondern dass er\nuj nc(\nsie richtig zu gebrauchen verstand*).\nDie heutige Kunst befindet sich in derselben Lage, wie\ndamals. Warum soll am Todtcnfeste die weltgerichtliche\nPosaune schweigen? Warum soll die helle Trompete nicht\ndie Auferstehung verkünden? warum die Flöte am Weih-\nnachtsfeste nicht um den Hymnus in sanftem Klange sich\nschmiegen? Warum soll die Instrumenten-Welt, schon im\nalten Testamente durch kirchliches Gebot geweiht, im neuen\nBunde verstummen? Wenn jene ehrenwertben Män-\nner, denen die Reinigung der Kirchenmusik am Herzen\nliegt, in dem reichen Schatze derselben mit Umsicht zu\nsuchen unternähmen, sie würden aus den verschiedensten\nEpochen eine genügende Anzahl kirchlicher und mit den\nvorhandenen Mitteln leicht ausführbarer Werke finden; ja,\nwir fügen hinzu, wollten sie es daran wagen, Preisbewer-\nbungen auszuschreiben und der lebenden Künstlerwelt die\nAufgabe Palestrina's stellen, echte Kirchlichkeit mit dem\nReichthume der vorhandenen Kunstmittel in Einklang zu\nbringen, sie würden nicht ohne Verwunderung sehen, dass\nunter den Musikern so gut wie unter den Malern noch\nmanche im Besitze der Technik, so wie des nöthigen\nGeistes sind, um sich der Aufgabe mit Glück zu unterziehen.\nStatt dessen handelt es sich jetzt bei diesen Bestre-\nbungen darum, organisirte Institute aufzuheben, die trotz man-\nchem Mangel Lebensfähigkeit bewiesen haben und mit leichter\nMühe zu verbessern sind, während es noch gar nicht fest-\nsteht, wie dasjenige auf die Dauer beschaffen\nsein möchte, welches man an die Stelle des Alten zu\nsetzen vorhat. Dies führt uns auf das Fest in Brühl zurück.\nZu demselben haben sich bekanntlich seit einigen Jah-\nren eine grosse Anzahl Lehrer mit dem Gefolge ihrer Schü-\nler verbunden, und der Eifer, den sie bei den schwierigen\nVorübungen in den einzelnen Dörfern und Flecken, man\nsagt, fast das ganze Jahr hindurch, beweisen, verdient die\nvollste Anerkennung. Was sich durch Fleiss und Hingebung\nan die Sache erreichen lässt, Correctheit, Reinheit, das ist\nredlich zu Stande gebracht worden. Aber die Einsicht der\nDirection hielt mit ihrem warmen Interesse nicht Schritt.\nDass sie für ein gleichmässiges Studium durch die genauesten\ngedruckten Vortrags-Bezeichnungen in Hieroglyphen und\nWorten, welche die Musik peinlich Note für Note begleiten,\nSorge trug, ist gewiss anerkennenswerth; dass sie aber\nci ix i iT» ,11 'i*i no* njjiyuia ii9flji9i\nhierbei von su bj ecti v e n Anschauungen eingestandener\n\n\\ .jfinofli 'ilutH Ol—o Jirn ■.: . ■ xjpl tiiiid dijßfi\n*) Wie es gekommen, dass die Figural-Musik aus Palestrina's\nZeit in der päpstlichen Capelle und nur in derselben zum Ca-\nnon erhoben wurde, so dass bei dem Erscheinen des heiligen\nVaters die Instrumente schweigen und nur bei der Messe in\nSt. Peter an den höchsten Festen zu Gunsten eines wunder-\nbar wirkenden Posaunenchors eine Ausnahme gemacht wird\neine Einrichtung, von der wir nicht wissen, ob die Kirche\nsie „instituit, concessit oder passa est\" —, das gehört nicht in\nden Bereich dieser Blätter."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4911, "texte": "Maassen ausging, ist wenig zu entschuldigen; denn es gab\nmannigfache Gelegenheit, sich über die Vortrags-Art Pa-\nlestrina'scher Musik zu unterrichten; wir führen unter vie-\nlen nur die Vorrede aus Proske's neuem Werke „Musica\ndivina\" an. Hat der Dirigent dieses Werk gekannt, so gibt\ndieses Factum einen Beweis dafür, wie wenig sich durch ge-\nschriebene Anweisung der richtige Vortrag einer Sache im\nEinzelnen andeuten lässt, wenn die praktische Lehre unter-\nrichteter Männer mit ihm nicht Hand in Hand geht; es\nwar merkwürdig, zu beobachten, wie viele dieser Bezeich-\nnungen, richtig auf dem Papier, durch peinliche und miss-\nverstandene Anwendung zu kümmerlichem, zerrissenem\nWesen, statt zu künstlerischer Abrundung hinzuleiten ver-\nmochten. Unter dem Drucke dieses knechtischen Gehor-\nsams litten namentlich die ersten Sätze der Messe, beson-\n*** 3 o\nders der Anfang des Credo.Freier und flüssiger machten\nsich einzelne Theile des Sanclus,so wie des\nmanche Piano's wären vortrefflich gewesen, hätte ihrem\nSchatten ein breiteres Forte als Lichtmasse gegenüber ge-\nstanden. Dasselbe fühlte man bei dem 99. Psalm „Jubi-\nlale uund der Antiphone rA I die\nals Ganzes am besten herauskam.\nLeichter als die unserer Zeit fern liegende Majestät\ndes grossen Römers, wurde die deutsche Frömmigkeit des\nprotestantischen Eccard empfunden (Choral: „Der heilig\nGeist vom Himmel kam\") und zum Ausdruck gebracht.\nDiesen einzelnen Unvollkommenheiten kann abgeholfen\nwerden; dennoch wird der wahre Charakter der alten Fi-\ngural-Musik, namentlich der von Palestrina, unter den ge-\ngebenen Verhältnissen schwerlich zur Erscheinung kommen.\nDenn die Figural-Musik ist nicht geschrieben lür einen\ngrossen Chor von Naturalisten, sondern für einen kleinen\nChor vollendeter Kunstsänger, und ist an classischer Stelle\nniemals anders ausgeführt worden. Der Charakter dieser\nMusik kommt nicht durch Massenwirkung zur Geltung, son-\ndern durch innere Kraft und Transparenz des Klanges;\nseine Ausführung beruht nicht allein auf Correctheit der\nNuancen, sondern auf höchster künstlerischer Freiheit. Wenn\ndies im einzelnen Falle von einem grossen Dilettanten-Chor\nannähernd erreicht wird, so bleibt es ein Concert-Kunst-\nstück, auf dessen Höhe derselbe sich bei vielfacher Verwen-\n-7\ndung nicht halten kann. Wo dagegen die inneren Lebens-\nbedingungen mangeln, führt äussere Nachahmung leicht an\ndie Gränze der Caricalur.i .gJdaöm adldohais liilßb\nFür den Kirchensänger, der dem regelmässigen Vor-\ntrage der Figural-Musik beim Gottesdienste sich widmet,\nist aber vollständige Kenntniss des Gregorianischen Gesan-\nges und seiner öffentlichen Ausfuhrung im grossen Kirchen-\n». 1 n , '\nräume eben so wesentlich eriorderlich, wie eine schöne\nStimme und künstlerische Beherrschung dersel-\nben ; durch die erste Eigenschaft gehört er der Kirche an,\ndurch die andere der Kunst. Nur durch die Verbindung\ndieser beiden Dinge wird die Masse des im Kirchenjahre\nvorkommenden Stoffes zu überwinden sein, nur durch die\ngrösste Leichtigkeit des Vortrages wird tödtende Monotonie\nverbannt werden können. f9i9r/ß13\nDer Charakter der Chöre ist kleinlich und zudringlich,\nwenn seine Harmonieen nicht von veredelter natürlicher\nKraft ausgehen, wenn nicht Cresc und lang-\n-9 O\nathmend in breiten Schwingungen sich erheben und be-\nsänftigen, wenn der Gesang, des Orchesterschmuckes be-\nraubt, in sich selbst nicht höchste Würde und Anmuth\nvereinigt; die Sologesänge, und es sind deren sehr viele,\nklingen kümmerlich, wenn sie nicht von metallreichen und\ngebildeten Organen ausgeführt werden.\nWo den Italiänern die glänzende Natur zu Hülfe\nkommt, müssen die Deutschen durch gründliches Studium\nder Gesangskunst nachhelfen. Dann sind freilich Vortrags-\nBezeichnungen, wie die zu Brühl angewandten, überflüssig.\nWas ein deutscher Chor vermag, beweis't der Dom-Chor\nzu Berlin, und doch ist bekannt, wie nicht nur der grösste\nEifer seiner Mitglieder, die umsichtige und wahrhaft vor-\ntreffliche Leitung des Directors Neidhardt, sondern auch\ndie grosse Schatulle eines kunstliebenden Königs nöthig ist,\num ihn zu halten. Und wie wenig hat er der Masse nach\nzu leisten gegenüber den Erfordernissen des katholischen\nCultus! Doch die Erfahrung wird belehren! Wir gehören\nkeineswegs zu denen, welche dem Wiederaufleben der al-\nten Kunst missgünstig zusehen, wir nehmen Theil an der\nEreude, die man an den reinen Schätzen der Vergangen-\nheit findet, wir hören sie gern in den Räumen der Kirche,\nwenn ihre Aufführung vielleicht für bestimmte Tage des\nKirchenjahres die Stelle neuerer Kunstwerke einnehmen\nkönnte: sollen sie aber zur alleinigen Herrschaft kom-\nmen, und zwar als Schild empor gehoben von denen, wel-\nche die Schwierigkeiten ihrer Einführung kaum zu ahnen\nscheinen, sollen sie verdrängen, was sich in unserem Va-\nterlande in nationaler Weise naturgemäss gebildet und be-\nwährt hat, so können wir eine solche Einseitigkeit nur\n(19II08 gnulüil i9ni9 nsbntraildigoN"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-09-09-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-09-09_01#c002", "volume": "bmtnabi_1854-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "285", "page_fin": "287", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.2.2", "titre_corps": "Die münchener Industrie-Ausstellung.", "titre_sommaire": "Die münchener Industrie-Ausstellung.", "signature_source": "A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5158, "texte": "Die münchener Industrie-Ausstellung.\n\nI.\nDie Industie-Halle in Bezug auf Clavier-INstrumente\nund Akustik.\nAuch in einer Musik-Zeitung wird über die münchener\nIndustrie-Ausstellung zu sprechen gestattet sein, zumal\ndort eine Reihe der verschiedensten musicalischen In-\nstrumente, besonders Claviere, die Augen des Beschauers\nauf sich ziehen. Ueber das Ausstellungs-Gebäude selbst,\ndiese grossartige Halle, ist in allen deutschen Blättern schon\nso viel mitgetheilt worden, dass wir uns einer Beschreibung\nderselben hier füglich überheben können. Auch herrscht\nwohl nur eine Stimme des Dankes für den hochsinnigen\nKönig Maximilian, wie für die Anordner der leider jetzt\ndurch eine gefürchtete Krankheit gestörten Ausstellung,\nwelche sicherlich Jedermann, dem die deutsche Industrie\nnnd mit ihr des Vaterlandes Erblühen am Herzen liegt,\nmit hohen Erwartungen betreten hat. Die Reichhal-\ntigkeit der darin ausgestellten Erzeugnisse entspricht aber\nauch solchen Erwartungen und gibt herrliches Zeugniss,\ndass der Deutsche es in vielen Fächern der Industrie zu\nhoher Stufe gebracht. Bei der ungeheuren Zahl von Ge-\ngenständen, welche in dem grossen Glaspalaste zur Aus-\nstellung gekommen, sind übrigens noch nicht alle in starkem\nBetrieb befindlichen Etablissements repräsentirt, wohl zum\nTheil aus Gründen, welche eine Muster-Lieferung nicht rath-\nsam erscheinen Hessen. Andererseits sind in grossen Hallen\nauch nicht alle Erzeugnisse mit Vortheil aufzustellen, wozu\nwir vornehmlich Clavier-Instrumente zählen, ein Umstand,\ndem wegen der jetzt durch die ganze bekannte Welt gehenden\nVerbreitung der Claviere wohl mehr Wichtigkeit beizulegen\nsein möchte, als es auf den ersten Blick scheint. Schon im\nJahre 1850 sprach sich in der Monats-Versammlung des\nniederösterreichischen Gewerb-Vereins (1. Juli) der einen\neuropäischen Ruf geniessende Hof-Claviermacher J. B. Strei-\ncher in Wien bezüglich der londoner Industrie-Ausstellung\n(1851) lür Nichtbeschickung derselben aus, und auch die\nmeisten anderen wiener Claviermicher stimmten mit ihm\nüberein aus Gründen, die Streicher genau angab. Vor Al-\nlem fasste derselbe die Instandhaltung der Instrumente ins\nAuge, weil eine solche durchaus nöthig, wenn Claviere von\nMusikfreunden jederzeit einer Prüfung sollen unterzogen\nwerden können. Eine Instandhaltung in einem Ausstellungs-\nGebäude ist aber an und lür sich viel schwieriger, als unter\ngewöhnlichen Umständen; denn das Forte-Piano ist, wie\nStreicher ebenfalls richtig bemerkt, daselbst den Einflüssen\nnicht seltener Misshandlung von Seilen der Spieler, so wie\ndes durch die Menge der Besucher und der ausgestellten ver-\nschiedenartigen Gegenstände nöthigen Lüftens ausgesetzt.\nEin Ausstellungs-Clavier fordert daher eine stete Pflege\nvon sachkundiger Hand. Freilich ist dies eine in München\neher zu lösende Schwierigkeit, als sie es auf weiter entfern-\nten Ausstellungen, z. B. in London, gewesen sein mochte.\nWir stellen daher noch einen anderen Grund nebenan, den\nder geeigneten Localität, zumal, wie jener Meister sagt, das\nCiavier kein Fabricat ist, welches, wie alle anderen, dein\nPublicum gegenüber nur der Anschauung unterliegt und,\num in Ordnung zu sein, nur des Abstaubens bedarf. Das\nCiavier will mehr mit dem Gehör, mit den Fingern, als mit\nden Augen beurtheilt sein und muss desshalb gespielt wer-\nden dürfen und können. Zu einem Erfolge genügt aber die\nMöglichkeit des Spielens allein noch nicht. Ohne geeignetes\nLocal kann das beste Ciavier nicht die durch seine Con-\nstruction sonst gesicherte Wirkung machen. Desshalb ste-\nhen Claviere gegen andere Industrie-Gegenstände bei Aus-\nstellungen im Nachlheil, von dem man durchaus nicht ab-\nsehen sollte, selbst wenn man als wahr annimmt, dass alle\nin Einem und demselben Räume ausgestellten Instrumente\nvöllig gleich davon betroffen werden. Denn dies wäre nur\nin so fern richtig, als keines vor dem anderen sich auszeich-\nnen könnte, während jedoch gerade der Nachtheil, um den\nes sich handelt, immer für alle verbleiben würde. Wün-\nschens- und ohne Zweifel auch beachtenswerth wäre es\nsonach, dass bei Ausstellungs-Gebäuden den Fortepiano's\ndie ihrem Wesen nothwendige Berücksichtigung geschenkt\nwerden möchte. Es ist ja allbekannt, dass jeder klingende\nKörper für seine Schwingungen der Repercussion bedarf,\num den Ton vernehmbar zu machen, so wie denn die Aku-\nstik überhaupt lehrt, dass der Clavier-Ton in sehr weit\nausgedehnten Hallen, wo er keinen Widerstand findet, im\nMoment seines Entstehens sich in seiner Fortpflanzung ge-\nwisser Maassen ohne Wirkung verflüchtigt. Mit dem hier\nGesagten über tonbegünstigende Localitäten soll indes-\nsen nicht ein Tadel gegen die Einrichtung des münche-\nner Glaspalastes ausgesprochen werden; vielmehr möchten\nwir denselben in Bezug auf Akustik für so entsprechend\nhalten, als dies überhaupt bei so grossen Gebäuden im\nBereiche der Möglichkeit liegt, sofern man nicht, wie wir\nweiter unten näher auslühren werden, überhaupt kleinere\nRäume dafür einrichten möchte. Nur dürfte uns gestattet\nsein, darauf aufmerksam zu machen, dass die Galerie des\nTransepts, in welcher sich die Claviere befinden, durch die\nhin und her wogende Menge von Besuchern der Halle zu"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5530, "texte": "geräuschvoll und daher den Ton der darin aufgestellten\nClaviere sehr beeinträchtigend ist. Dazu kommt noch, dass\nein Gegenstand, während.oanzen einen eigenthüinv\nliehen Zauber durch seine Nähe an den Clavier-\nRämsr nicht minder Störung verursacht. Es ist dies die\nherrliche Haupt-Fontaine, deren beständig niederstürzende\nWasser das Ohr beirren, welches die Töne der Claviere\naufzunehmen bereit ist. Die Anbauten an den Länge-Enden\ndes Palastes dagegen würden in beiden Fällen den Ciavie-\nren günstiger gewesen sein, indem sie durch ihre Aufstel-\nlung darin vom Geräusche mehr entfernt worden wären.\nSage man etwa nicht, es seien Clavier-Instrumente\neben auch nichts Anderes, als je nach dem Fleisse, der ihrem\nGesammt-Organismus gewidmet worden, mehr oder weni-\nger schön und gut gearbeitete technische Gegenstände, und\ndaher einer vorzugsweise weiter gehenden Aufmerksamkeit\nnicht bedürftig. In ihrer äusseren Erscheinung, ja; aber wie\nverschieden sind sie in ihrem Innern, und dann, wem die-\nnen sie überhaupt? Unbestritten auch dem Geiste des Men-\nschen zu seiner Kundwerdung. Wir berufen uns hierbei\nauf einen noch heute hochverehrten Mann, auf Herder.\n„Von der Musik muss jede Kunst, die am Sichtbaren haf-\ntet, an innerer Wirklichkeit iibertrofien werden, wie\nder Körper vom Geiste; denn sie ist Geist, verwandt mit\nder grossen Natur innerster Kraft, der Bewegung. Was\nanschaulich dem Menschen nicht werden kann, wird ihm in\nihrer Weise mittheilbar, die Welt des Unsichtbaren.\nVorübergehend ist jeder Augenblick dieser Kunst, denn\neben das Kürzer und Länger, Stärker und Schwächer,\nHöher und Tiefer, Mehr und Minder ist seine Bedeutung,\nsein Eindruck. Im Kommen und Fliehen, im Werden und\nGewesensein liegt die Siegeskraft des Tones und der Em-\npfindung. Dagegen jede Kunst des Anschauens, die an be-\nschränkten Gegenständen und Geberden, gar an Localfar-\nben haftet, obwohl sie auf einmal Alles zeigt, dennoch nur\nlangsam begriffen wird.\" (So Herder in seiner Kalügone,\n11. Theil, in der Abhandlung von der Musik.)\nAllerdings existirt diese geistige Beziehung nach unse-\nrer Ansicht nicht bei der Musik allein, sondern jede schöne\nKunst äussert sich in irgend einem Körper als Geist, der\njenen beseelt. Wer könnte auch jemals glauben, dass es\nein geistloses Kunstwerk zu geben vermöchte, eben weil\ndas als Geist anerkannte belebende Princip allein das Ge-\nnie in seinen Producten offenbart und diesen somit der\ni\nName wahrer Kunstproducte erworben wird! Wenn als\nwahr angenommen, dass bei allen Künsten der Körper das\nOrgan ist, durch das der Künstler sich ausdrückt, so ist dies\nu ' 7\nbesonders auch bei der Musik der Fall. Denn wenn diese\nentstehen soll, so muss der Schall zum Klange, dieser zum\nTone und die Masse der Töne zur Melodie und Harmonie\nge'ihiWeJ werden. Durch das Geistige der Musik allein wird\nsie zur TonkuiVbi* .weil nur durch jenes die Massen des\n- -**\" «Lä . .\nblossen Schalles und Klanges Bestimmung .Maass, Ord-\nnung und in ihren Wechselbeziehungen die Einheit erhalten.\nNatürlich ist hier nur der höhere Geist der Musik gemeint,\nnicht der, welcher sich allein in einer gewissen Regelmäs-\nsigkeit gefällt, weil eine lediglich durch diese geschaffene\nMusik richtig und rein erscheinen mag, aber trotz-\ndem doch sehr leer und nichtssagend sein kann. Darum\nlässt sich das beseelende Princip der Musik nicht in Wer-\nten erklären; es gibt sich kund je nach dem Grade seines\nVorhandenseins in dem ästhetischen Gelühle, oder, wenn\nman es anders nennen will, in dem feinen Geschmack. Die-\nser offenbart sich auch bei dem Vortrage der Musik, wel-\n—- - | lii ff v\neher ein an Armuth und Schwäche leidendes Tonstück\nheben, während ein treffliches durch geistlosen, matten\nVortrag den beabsichtigten Eindruck gänzlich verlieren kann.\nliier erinnern wir wieder an das Fortepiano, welches der\nKünstler zu seinem Ausdrucke gebraucht, wie ein solches\nin der That ein Kunstwerk sein muss, wenn dessen Schwin-\ngen das Genie auf seinem Fluge begleiten und unterstützen\nsollen; das Genie, dessen freie, schöpferische Einbildungs-\nkraft sich in wahrer Schönheit und Erhabenheit verkündet,\nJfljvi ff 11 JUJiiwl) 11 Uk?lJ »UmY? lllvG iJ ff 11 Je \\jll Jsll JIII)Ii^TJoIJJS\nund welches wiederum nur recht eigentlich von einem ähn-\nlichen Genie ganz erfasst zu werden vermag; das Genie,\ndas frei und mächtig in dem Reiche der Töne waltet und\nsich ihren Gesetzen schmiegt, ohne sich mit ihren Fesseln\nzu belasten.\nnnßünpfüiir?/ mn .fliopionß lux muc/i q isi/Bijf aso\nRousseau, eben so geistreich wie gefühlvoll, sprach\nsich über den Werth des Contrapunktes und das System\nder Harmonie nicht sonderlich günstig aus; allein es hatte\nseine Abneigung ihren Grund wohl nur in einem verfehlten.\neben so melodie- wie geist- und kraftlosen Gebrauche der\nHarmonie und einem starre Fesseln anlegenden schulsteifen\nWesen der Musik, das aller Begeisterung und Dichterkraft\nO\ndes Genies bar, des Genies, dessen Kraft in ihren Tiefen\n1\"' CtJIJ JJiiOJoiHvJ Iv.'M ÜUIIJC Im jJlf) IkJDhJ\nunergründlich und in deren Dunkel der Tonkunst Zauber-\nw/i V J oiu IJI TOIL/ tj jii /ujiiijc ij f ijju cI JiircfulünixGi.rjTiv?jit\nmacht waltet, welche bald mit furchtbaren Gigantenschrit-\nten einhergeht, bald über dem wogenden Meere wie Sturm-\nwind braus't, und wieder anders in schauerlichen Tönen her-\nI.lJff J« J JT» llm~7l>\nvorhallt, wie aus Katakomben, und die Phantasie erschüt-\ntert, wie mit allen dunkeln, so mit den erhabenen Bildern\nder Gräber, des Todtenschlafes und der Auferstehung. Man\nhöreMozart's Tuba miriim!Mozart hat überdies den Ruhm,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2786, "texte": "dem Clavier-Instrument seine gegenwärtige Stellung zu-\nnächst angebahnt zu haben, und da das < -lavier eines der\nausgebildetsten, meistgepflegten Instrumente geworden, so\nkommen wir am Schlüsse noch einmal auf die passendsten\nRäume für dasselbe zurück, nachdem wir oben darüber nur\nim Allgemeinen gesprochen. Hat doch schon Abt Vogler\nfür grosse Tonmassen, wie die der Orgel und ganzer Chöre,\nnicht zu ausgedehnte Räume als die zweckmässigeren be-\nzeichnet, um die Klänge in voller Wirkung zu gemessen;\nwie viel mehr ist dies aber bei einem Clavier-Instrumente\nerforderlich, das beim Spiele die Luft nur leicht und kurz\nüber die Dauer des Hammerschlages erzittern macht! Daher\nsind die geeignetsten Locale in einer Industriehalle für diese\nGattung Instrumente, wenn deren Töne nicht ganz ver-\nschwinden sollen, unstreitig kleinere, welche der Stärke der\ndurch das Vibriren der Saiten erzeugten geringen Luft-\nschwingungen entsprechen, und ferner so gelegene Locale,\ndass sie von störendem Geräusch, wie das weiter vorn an-\ngedeutete, nicht beherrscht werden.\nIndem wir diese unsere Ansicht mittheilen, wollen wir,\nwie gesagt, nicht einen Tadel gegen die Einrichtung des\njetzigen münchener Industrie-Palastes aussprechen, zumal\nderselbe durch Ueberhäufung mit Gegenständen aller Art\nsogar noch mehr Anbauten bekommen musste; sondern wir\nhoffen nur, dass es dem Erbauer irgend einer späteren In-\ndustriehalle nicht schwer sein wird, dem fraglichen Zwecke\nzu entsprechen. Nehmen wir z. B. an, ein Anbau einer sol-\nchen Halle sei 60 Fuss hoch, so könnte derselbe in der\nHöhe in drei Abtheilungen zerfallen, von welchen die bei-\nden oberen so weit auszudehnen wären, als die aufzustellen-\nden Claviere Raum zur Aufnahme erfordern. Sie würden dann\nFussböden von eng an einander schliessenden Bohlen ha-\nben, damit die Schallwellen weniger störend von einem\nRäume zum anderen zu dringen vermöchten, und zu den\nSeiten des grossen Hallenraumes von diesem, wie auch un-\nter sich, durch Glaswände geschieden und vor zu argem\näusserem Geräusch geschützt werden. Für Abscheidung\neines grösseren Raumes in mehrere kleinere spricht übri-\ngens auch allein schon der Umstand des öfter vorkommen-\no\nden Zusammenspiels auf verschiedenen Ciavieren. Wie aber\nimmerhin man die Abtheilungen für Claviere zu construiren\ndie Absicht hätte, würde gleich gelten, wenn nur damit\ndem guten Zwecke genügt würde, die Ausstellung von Cla-\nvier-Instrumenten in grossen Hallen so einzurichten, wie sie\nes beanspruchen dürfen, um in der Offenbarung ihrer Eigen-\nschaften nicht gehemmt zu sein. Dadurch würde zugleich\nauch demjenigen Zweige der Industrie, dessen Erzeugnisse\nin ihrer geistigen Ausführung zu den Kunstwerken gehö-\nren, ein mächtiger Sporn gegeben zu rüstigem Fortschrei-\nten auf der Bahn der Veredlung.\n\nA."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-09-09-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-09-09_01#c003", "volume": "bmtnabi_1854-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "287", "page_fin": "288", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.2.3", "titre_corps": "Aus Brüssel.", "titre_sommaire": "Aus Brüssel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.7", "debut_caractere": 2788, "fin_caractere_exclue": 6087, "texte": "Aus Brüssel.\n[Orch est er -Concor te Das Orchestrion F. Kuffe-\nrath' s G i r k e 1 für Kammermusik Max Bruch —Li m-\nnander Glinka L i s z t R u b i n s t e i n Rosa\nKastner Lern mens.J\nEnde August.\nObgleich die Musik-Saison weit hinter uns liegt und wir be-\nfürchten müssen,*dass unsere heutigen Mittheilungen, als verspätet,\nvon geringerem Interesse für Ihre Leser sind, so glauben wir Ihnen\ndoch über unsere letzten Concerte und sonstige musicalische Vor-\nfallenheiten berichten zu müssen, um Sie mit dem Leben und Trei-\nben unserer Musikwelt au courant zu halten. Der chronologischen\nReihenfolge gemäss und imAnschluss an unseren Bericht vom ver-\ngangenen Frühjahre erwähnen wir zuerst das vierte Conccrt des\nMusiker-Vereins, dasausserden Solo-Vorträgen von Servais wenig\nAnziehendes bot. Die Ausführung der beiden Orchester-Stücke,\nBcethoven's Ouvertüre zu Leonore und der früher besprochenen\ngrossen Sinfonie von Hanssens war mittelmässig. Letztere verur-\nsachte uns dieselbe, wo möglich noch gründlichere Langeweile, als\nbei der ersten Aufführung.\nEin Conccrt der Grande Harmonie verdient in so fern Erwäh-\nnung, als dasselbe quasi zu Ehren der königlichen Familie veran-\nstaltet und desshall) besser als die gewöhnlichen Gesellschafts-Con-\ncerte ausstaffirt wurde. Die königliche Familie war durch den Her-\nzog von Brabant vertreten, der, als nicht besonderer Verehrer der\nMusik, erst beim zweiten Theile eintrat. Die Orchesterstückc sind\nbei derartigen Festen, die hauptsächlich besucht werden, um schöne\nToiletten zu zeigen oder einen Virtuosen ä la mode zu hören,\ndie Lückenbüsser und werden mit vielem Eifer zur Conversation\nbenutzt. Ausser der Freischütz-Ouverture, auf der man, beiläufig\nbemerkt, hier seit zwanzig Jahren herumreitet, hörten wir ein Ar-\nrangement von Webers Aufforderung zum Tanze, so wie eine Ro-\nmanesca, von Hanssens arrangirt, oder besser derangirt, so zwar,\ndass die Melodie gänzlich verloren ging. Leonard bezauberte durch\nseine Fantasie-Militaire und seine „Echo's\" Stücke, die in Deutsch-\nland wenig Anklang finden würden, das Publicum in hohem Grade\nund bildete nebst unserer früheren Prima Donna, Mad. Laborde,\njetzt ersten Sängerin der kaiserlichen Akademie in Paris, die Glanz-\npunkte des Abends. Der Vortrag der Letzteren ist etwas kalt, aber\nstets rein und durchaus künstlerisch. Sic sang mit unbeschreiblicher\nLeichtigkeit die Cavatinc aus Norma und ausser Variationen von\nBonoldi die bekannten lihode'schen, welche letzteren besonders gros-\nsen Applaus hervorriefen. Wir hörten einen Chor von Limnander,\n„Les Jannissair es wirkliche Janitscharen-, aber auch Liebhaber-\nMusik, ferner einen hebräischen Gesang, Chor mit Orchester von\nLoubu, dem wahrscheinlich dadurch der bezeichnete Charakter ver-\nliehen werden soll, dass die Becken /ohne Trommel fungiren\ngeistreiche Instrumentation, die das Publicum aber nicht verstand\nund das ganze Stück erfolglos an sich vorübergehen liess.\nDas letzte Concert des Conservatoires glänzte am wenigsten\ndurch die Neuheit der vorgeführten Stücke. Wenn man sich con-\nsequent bleiben und angeben wollte, wie oft ein Stück nach dem\nimmer mit grossen Buchstaben angekündigten ersten Male aufge-\nführt wird, so würden wir die fünfte Sinfonie von Beethoven we-\nnigstens unter Nr. 100 erblicken; nichts desto weniger ist Herr"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2043, "texte": "Felis noch nicht zu der Erkenntniss gelangt, dass die ersten drei\nAchtel nicht Triolen, sondern wirkliche Achtel sind, und dass die\ndialogisch verminderten Septimen-Accorde in der Durchführung\nnicht auf eine unmusicalische Weise geschleppt werden müssen.\nDer zweite Satz liefert uns wieder den Beweis, dass unser gelehr-\nter Director nicht im Stande ist, ein langsames Tempo zu leiten,\nohne bei jedem Crescendo zu eilen und beim Diminuendo zurück zu\nhalten. Das Scherzo, so wie das Stringendo im letzten Satze, dessen\nBewegung viel zu langsam war, wurden ungeschickt ausgeführt,\nerhielten aber nichts desto weniger allgemeinen Beifall. Ein Bene-\ndiclus von Herrn Fetis, der uns hier einmal als Componist auf-\nstösst, ist nichts mehr und nichts weniger als eine fade, moderne,\nitaliänische Arie; an Alltags-Cadenzen im Stile Verdi's fehlt es\ndarin auch nicht. Ein Solo für Violine, vorgetragen von einem\nSchüler des Conservatoires, und ein eben so schwach besetzter, als\nschwach ausgeführter Chor von Mozart, „Ave verum\", complettirten\nden ersten Theil. Der zweite bestand aus Fragmenten von Meyer-\nbeer's Musik zu Struensce, die vermöge der Trommelwirbel und\nKanonenschüsse und der dem Programm beigefügten erläuternden\nNotizen ihre Wirkung nicht verfehlten. Hiermit schloss der Cyklus\nunserer Orchester-Concerte.\nSie haben in Ihrem Blatte schon eine Notiz über das neu er-\nfundene Instrument von den hiesigen Instrumentenmachern Merk-\nlin, Schütze & Comp, gebracht; dasselbe findet auch auswärts vie-\nlen Anklang. Die in Paris und Amsterdam darauf gehaltenen Vor-\nträge werden sehr lobend besprochen. Dieses so genannte Or-\nchestrion ist seit seiner Entstehung bedeutend vervollkommnet wor-\nden und hat in seiner jetzigen Form zwei Manuale mit Koppel\nund freies Pedal. Herr Kufferath hat es übernommen, dasselbe in\nDeutschland bekannt zu machen, und wird zu dem Ende in näch-\nster Zeit nach Köln, Berlin, Dresden und Wien gehen. Wir glau-\nben, dass das Instrument namentlich in Deutschland eine günstige\nAufnahme finden wird.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-09-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-09-09_01#c004", "volume": "bmtnabi_1854-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "288", "page_fin": "288", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.8", "debut_caractere": 2045, "fin_caractere_exclue": 4559, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n14öln. Morgen, den 10. d. Mts., werden die Theater-Vorstel-\nlungen der diesjährigen Saison beginnen. Mit dem 20. fängt das\nAbonnement an. Die berühmte Tänzerin Pepita de Oliva wird\nam Montag den 11. auftreten.\nDie öffentliche Aufführung der Quodlibet-Oper „Richmodis,\noder der Sängerkrieg auf dem Neumarkt\", welche von hiesigen Di-\nlettanten (beinahe 40 an der Zahl) in Gesang und Spiel auf eine\nsehr gelungene und selbst die Künstler von Fach überraschende\nWeise ausgelührt wurde, hat zwei Mal ein volles Haus gemacht.\nDie Einnahme war zur Stiftung eines Stipendiums an der Rheini-\nschen Musikschule bestimmt.\na. cl. Rulir. Am 3. d. Mts. wurde hier F. Hil-\nlers „Zerstörung von Jerusalem44 unter Leitung des Herrn Hu-\nbert Engels sehr gelungen aufgeführt. Wegen Mangels an Raum\nkönnen wir den Bericht darüber erst in der nächsten Nummer\ngeben.\nI*aris. Das Haus Brandus & Comp., bekanntlich die\ngrösste Musicalien-Yerlagshandlung in Frankreich, macht bedeutende\nAenderungen des Gesellschafts-Vertrages bekannt, auf welchem das\nGeschäft beruht. In der General-Versammlung der Actionäre am\n30. August ist beschlossen worden: 1. Herr L. Brandus tritt die\nFührung des Geschäftes an Herrn Gemmy Brandus, seinen Bru-\nder, und Herrn S. Dufour, Gerant des Hauses Brandus in Peters-\nbürg, ab. 2. Die Dauer der Gesellschaft wird bis zum 1. Sepf,\n1864 verlängert. 3. Die Firma ist G. Brandus, Dufour &\nComp. 4. Der Betriebs-Fonds ist auf 1,500,000 Frcs. in 3100\nActien zu 500 Frcs. gebracht. 5. Ein Reserve-Fonds ist gegrün-\ndet, 6. ein Verwaltungsrath gewählt worden. 7. Die neuen\nGeschäftsführer haben 100,000 Frcs. Caution in Actien gestellt.\n0. Eine General-Versammlung der Actionäre wird alljährlich im\nOctober den Bericht über die Operationen der Gesellschaft hören\nund die Dividende bestimmen. Durch diese öffentliche Bekannt-\nmachung, welche die Revue et Gazette Musicale an der Spitze ihrer\nNr. 36 vom 3. d. Mts. trägt, sind die Gerüchte von dem Falliment\ndieses Hauses widerlegt.\nDie italiänische Oper zu Coventgarden in London hat schon\nam 8. August geschlossen. Da sie erst am 1. April, einen ganzen\nMonat später als sonst, begonnen, so hat Herr Gye diesmal nur\neine sehr kurze Saison gehabt. Die versprochenen Opern: Die Ve-\nstalin, Der schwarze Domino, Don Sebastian, Oberon sind nicht\ngegeben worden, und gegen Ende hat sich die Unternehmung nur\nnoch durch die Abschieds-Vorstellungen der Grisi und Mario's und\nallerlei Humbug, der darum herum gemacht wurde, dürftig er-\nhalten."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.1", "texte": "Das Gesangfest in Brühl.\nIn so fern das Sieg-Rheinische Lehrer-Gesangfest in\nBrühl einen liturgisch-religiösen Charakter hatte, entzieht\nes sich der Beurtheilung dieser Blätter; da demselben in-\ndessen eine Bedeutung gegeben wird, welche einflussreich\nauf die Gestaltung der musicalischen Zustände in\nder Kirche wirken soll, da sich seine Theilnehmer unter\ngrossen Schwierigkeiten zur Ausführung von classischen\nKunstwerken vereinigten, so dürfte dennoch eine Bespre-\nchung nicht überflüssig, ja, in Hinsicht auf die eigentliche\nTendenz dieser Feste, sogar nothwendig sein.\nEs handelt sich nämlich nicht sowohl um die mehr\noder minder gelungene Ausführung einer Messe u. s. w.,\nsondern es handelt sich um ein Princip, um die Wieder-\neinführung der Kirchenmusik des 16. und 17. Jahrhun-\nderts (die niederländische, venetiariische, römische Schule),\nd. h. der Figural-Musik a capella, während der heiligen\nHandlung des Gottesdienstes, und nicht um diese allein,\nsondern um die mögliche Ausschliessung des Orchesters\nvon der kirchlichen Feier.\nGesungen wurden dieses Mal (am *23. August) „ohne\njede Begleitung\", wie in der Ankündigung besonders her-\nvorgehoben war:\nVon Palestrina: 1) die sechsstimmige Missa solem-\nnis Papae Marcelli („auf Verlangen wiederholt\" vom vori-\ngen Jahre her) 2) das Alm zwei-\nchörig— 3) derachtstimmige, zweichörige Psalm Jubilate Deo.\nFerner von Joh. Eccard: „Der heilige Geist vom\nHimmel kam\" und von Joh. Gabrieli der sieben-\nstimmige Psalm Exaudi Deus.\nDie Leser wissen bereits aus den früheren Berichten\nüber die brühler Feste, dass die Sopran- und Altstimmen\nvon mehr als 200 Kindern aus den Elementarschulen der\nLandkreise Bonn, Köln, Mülheim am Rheine und Ahrweiler,\ndie Tenor- und Bassstimmen durch die Lehrer des Vereins\nund die Zöglinge des brühler Lehrer-Seminars ausgeführt\nwerden.\nEs ist bekannt, dass die Figural-Musik jener Epoche\nunmittelbar mit Entstehung der Harmonie aus dem\nGregorianushervorwuchs, dass sie, wie ein begeisterter und\nkenntnissreicher Schriftsteller treffend sich ausdrückte, „die\ndurch die Kunst zu Stande gekommene Verklärung dessel-\nben ist\". In der Tliat ist eine Würdigung der Figural-Mu-\nsik ohne gründliche Kenntniss des katholischen Choralge-\nsanges unvollständig, und der Cantus Gregorianus selbst,\ndie erste hervorbrechende Knospe zu der Frühlingspracht\nder Musik, bleibt ohne seine Entfaltung in der Figural-\nMusik ein ungelöstes Räthsel. Das Verhältniss beider ist so\ninnig als möglich. Von einfacher Ilarmonisirung des Cantus\nfirmus selbst in den strengen Fesseln der alten Schule bis\nzur reichsten Polyphonie derselben ertönt überall das Thema\nder Kirche, und ist es nicht ein Gregorianisches Thema\nselbst, so ist es doch ihm stammverwandt. Die Gegen-The-\nmen umschlingen zuweilen in reichem Kranze den Grund-\ngedanken, öfters stehen sie ihm gleichartig geformt gegen-\nüber, so dass das Ganze in festgeschlossener Gliederung dem\nWesen der Kirche selbst sehr wohl entspricht.\nInnerhalb dieser Schranken, welche der damaligen\nKunstentwicklung nicht von aussen aufgelegt waren, son-\ndern welche ihr die Welt selber ausmachten, so lange man\nden grossen Ocean freier Harmonie und Polyphonie noch\nnicht durchschifft hatte, hat eine Reihe religiös begeisterter\nund rastlos arbeitender Männer einen Schatz unsterblicher\nWerke niedergelegt, welche an und für sich bei kirchlicher\nWeihe eine Fülle musicalischer Schönheit in sich tragen,\nim Verhältniss zur neueren Kunst dagegen die Grundlage\nbilden, auf der sich reichere Gestalten in Formfreiheit und\nmit der Farbenpracht des neu entdeckten Orchesters auf-\nbauen konnten.\nDie ersteren will man nun neu in das Leben der Kirche\nhineinziehen, die letzteren davon ausschliessen, indem sie\ndurch sinnlich anregendes, glänzendes Wesen der Würde\nder Kirche zuwider seien und sich von dem Stamme, auf\ndem sie gewachsen, losgerissen hätten. Dass sie in herr-\nlichen Farben glänzen, wird Niemand läugnen; dass sie da-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.2", "texte": "gegen der Kirche unwürdig seien, kann man nur von einem\nTheile derselben zugeben.\nDer innere pragmatische Zusammenhang zwischen den\nbesten Werken der verschiedenen Epochen hat nie gefehlt,\ndie Uebergange sind organisch und oft nur feinen Ohren\nbemerkbar; von allen bedeutenden Künstlern ist das Stu-\ndium der alten Schule nie aufgegeben worden; an einer\nReihe von Meister-Schöpfungen, die in immer breiterer Ent-\nfaltung die katholische wie die evangelische Kirche in ihrem\nSchoosse entstehen sah, Hesse sich das aufs bestimmteste\nnachweisen*). Sogar die scheinbar entferntesten Punkte\nhalten diesen Zusammenhang fest; wir wollen hier nur Che-\nrubini nennen, dem es kaum ein Meister des 16. und 17.\nJahrhunderts in der Kenntniss und Beherrschung der Fi-\ngural-Musik zuvorgethan hat; den als weltlich-sinnlich ver-\nschrieenen Mozart, der von sich sagte, dass er jegliche\nwerthvolle Note, die aus der Vergangenheit ihm zu Gesicht\ngekommen, mit Aufmerksamkeit gelesen, über dessen Be-\nherrschung der gebundenen Schreibart Pater Martini zu\nBologna ein vollgültiges Zeugniss gegeben, der endlich in\nsein Requiem,ein Werk, dem nur völliger Mangel religiö-\nsen Gefühls echte Religiosität absprechen kann, die feinsten\nBeziehungen zum Gregorianischen Gesänge geistvoll an-\nbrachte und überall die strengen Formen des Canons und\nder Fuge mit Raphael'scher Anmuth und Grazie vermählte;\nwir wollen zuletzt Beethoven nennen, dessen Missa solem-\nnis in einer so nahen Verwandtschaft zu Palestrina steht,\ndass das „Et incarnalus est\" die unmittelbare Abstammung\nvon demselben gar nicht läugnet. Freilich erscheint hier die\nKirchen-Tonart umwebt von zartem Schleier; das Geheim-\nniss der Menschwerdung verkündet sich, wie der Morgen-\nstern aus der Dämmerung in mildem Glänze leuchtet.\nDas innere Wesen unserer grossen Kunstschöpfungen ist\nallerdings nicht allgemein erkannt. Wenn diese Männer\nsich nicht noch enger an das Kirchliche anschlössen, so ist\nnoch sehr die Frage, in wie fern es ihre Schuld war; denn\nsie haben manche Werke so gut wie Palestrina, den man\naus der päpstlichen Capelle ausstiess **), weil er verheirathet\nwar oft in Noth und ohne Belohnung geschrieben, al-\nlein zur Ehre Gottes. Es ist nicht wahr, dass den classi-\nschen Werken der neueren Schule christlicher Geist mangele;\nwenn sie ihn auch nicht ostensiv vor sich her tragen, so liegt\ner doch in ihnen verborgen, so gut wie die ältere typische\nForm der Madonna und der Heiligen in Raphaela späteren\nWerken zu allgemein idealer Schönheit verklärt wurde,\naber dennoch in ihnen enthalten blieb und dem feinen Sinn\nerkennbar das unaussprechliche Etwas bildet, das seine Ge-\nstalten von der Antike unterscheidet.\nZwar hat es zu allen Zeiten Pfuscher gegeben, welche,\nohne die Geschichte ihrer Kunst zu kennen oder die Ver-\ngangenheit zu ehren, den subjectiven Dilettantismus auf den\nThron zu setzen unternahmen, und auch die Kirche hat ein\ngutes Theil derselben in ihrer Mitte geduldet; will man\naber zur Vergeltung dafür die Kunst selbst aus ihren Hal-\nlen verbannen ?\nDie Musik befindet sich solchen Anmuthungen gegen-\nüber noch in gleicher Lage wie zu Palestrina's Zeit, nur\nsteht sie auf der jetzigen Stufe ihrer Ausbildung parallel\nmit der Malerei und Baukunst des IG. Jahrhunderts. Ob-\nwohl Vergleiche dieser Art nicht bis ins Einzelne durchzu-\nführen sind, so geben sie doch belehrenden Aufschluss über\ndie Gegenwart.\nEine Reihe grosssinniger Päpste hatte damals die Kräfte\nder Welt der Kirche dienstbar gemacht. Die Pfeiler von St.\nPeter aus kostbaren Steinen strebten empor, darüber wölbte\nMichel Angelo das Wunder seines Jahrhunderts, von wel-\nchem wie aus glänzender Himmelshöhe in farbiger Pracht\ndie Heiligen und Propheten herniederschauen sollten; an\nden Wänden arbeitete man in heiteren Mosaiken nach Ra-\nphaela und anderer Meister Bildern; über dem Begräbniss-\norte des Apostelfürsten stiegen eherne, laubumrankte Säu-\nlen zu schwindelnder Höhe empor, den Baldachin zu tra-\ngen, den man aus dem Erze des Tempels geformt, welchen\neinst Mäcenas erbaute; der Palast der Päpste war geziert\nin buntem Arabeskenschmuck, die Wände überkleidet von\nRaphael's Stanzen, in denen alles, was einst die Wrelt Schö-\nnes geleistet und erstrebt, durch seinen Genius zu Einem\nkünstlerischen Gedanken verbunden ward, welcher die Herr-\nschaft des Reiches Gottes über den Erdkreis ausdrückte;\nwas die Natur in ihrer Tiefe geboren, der Menschengeist\nin seinen Wundern hervorgebracht, hielt man lür würdig,\n\n*) Wie weit die Lebenden mit dem Stile der Alten noch vertraut\nund desselben mächtig sind, dafür dienen als Beleg die zahl-\nreichen Arbeiten von Grell, Wilsing's scchszehnstimmiges\nDe prufundisund viele Arbeiten von deutschen Componisten\nwährend ihres Aufenthaltes in Rom, z. B. von d e W i 11,\nR einthaler, und vor Allen F. Hiller (s. dessen Biogra-\nphie in der Rhein. Musik-Zeitung, 1852, Nr. 15, S. 946).\n**) Palestrina, nachdem er bereits in St. Peter Capellmeister ge-\nwesen und in die päpstliche Capelle herüber zu kommen ein-\ngeladen war, wurde aus ihr auf Veranlassung einer strengeren\nRichtung entlassen, weil er verheirathet war. Er litt Noth,\nhatte hierauf eine Anstellung mit B—lo Rthlr. monatlichem\nGehalt und erhielt erst nach langen Jahren die erste Stellung\nzu St. Peter wieder. S. Baini (Director der Sixtina)\nPalestrina\" etc."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.3", "texte": "das Haus Gottes zu verherrlichen. Aehnliches war zu Ve-\ngpt '■ li ■■ •' 'Ol' K \\ '*V *•! ' ' ' ' •-> \" •\nnedig in San Marco, zu Florenz und an anderen Orlen Ita-\nliens und Deutschlands geschehen. In dieser kühn aufstre-\nbenden Zeit erwachte die jüngste der Himmelstöchter aus\nden ersten Kinderträumen, und derselbe Geist, der jedem\nfreien menschlichen Schaffen würdig die Iland bot, nahm\nsich auch ihrer Pllege an. Schon rankten um den alten\nCantusfirmus die jungen Laubgewinde des Contrapunktes\nund mochten ihn zuweilen überdecken, als auf dem Con-\ncilium zu Trient auch die Angelegenheit der Kunst in der\nKirche zur Sprache kam.\nEs ist uns nicht bekannt, dass sich damals gegen die\nglänzenden und unvertilgbaren Monumente der Malerei und\nBaukunst obwohl wir sie nicht lür kirchlicher halten können,\nals Cherubini's und Beethoven's Messen, und sie von dem alten\nStile der Basiliken und ihrer Malereien mindestens eben so weit\nentfernt stehen als diese vom Choralgesang Einsprüche er-\nhoben hätten; das steht allerdings fest, dass Michel Angelo's\nWeltgericht mehr als einmal in Gefahr war, seiner sinn-\nlichen Nacktheit wegen heruntergeschlagen und übermalt\nzu werden. Bis jetzt haben einsichtsvolle Männer dies Un-\nglück zu verhüten gewusst. Gegen die junge Musik dage-\ngen, welche mit der gottesdienstlichen Handlung innig ver-\nwachsen war, erhoben sich Stimmen, dass die heiligen Tex-\ntesworte durch das contrapunktische Gewebe verdunkelt\nwürden und die Harmonie mit der Einfachheit des Chorals\n.\nunvereinbarlich sei.\n»f<V '• . / ' ' \\ ' ' ; < t t\nDurch den Vorschlag der billiger denkenden Väter,\ndass man zuvörderst noch einen Versuch machen müsse,\nwurde Palestrina (ein damals lebender noch junger Ton-\nkünstler) mit der Komposition von drei Messen beauftragt,\nvon denen man die Missa Papae Marcelli, dem Andenken\nseines grossen Gönners gewidmet, genügend fand. So wurde\ndie Musik lür die Kirche gerettet. Vergleicht man nun diese\nArbeit Palestrina's mit früheren von ihm und mit denen\nseiner Vorgänger, so findet sich in ihr ein fast gleicher\nI iJiAvJL lii ff <Jifßt.gu 1 UU J&uio i • Uuvi U JClll>7\nReichthum des Contrapunktes mit grosser Klarheit und\nWürde des Ausdrucks gepaart; im Wesen ist sie nicht ver-\nschieden vom Früheren noch vom Späteren, unter den erste-\ncJJSflSv fljiliöo ilOi UD Li«lJ JJJcitHJj tf3il\nren sind im Gegentheil einzelne Sachen, die nie an Einfachheit\nund kirchlicher Majestät übertrolTen worden sind. Das Ver-\ndienst Palestrina's bestand also nicht darin, dass er die vor-\n* Q \"}jj je* (I.' •>.«, '• 0 ' . I)- ..vl « t TS*. \\* J 7; »T cX\nhandenen Kunstmittel verschmähte, sondern dass er\nuj nc(\nsie richtig zu gebrauchen verstand*).\nDie heutige Kunst befindet sich in derselben Lage, wie\ndamals. Warum soll am Todtcnfeste die weltgerichtliche\nPosaune schweigen? Warum soll die helle Trompete nicht\ndie Auferstehung verkünden? warum die Flöte am Weih-\nnachtsfeste nicht um den Hymnus in sanftem Klange sich\nschmiegen? Warum soll die Instrumenten-Welt, schon im\nalten Testamente durch kirchliches Gebot geweiht, im neuen\nBunde verstummen? Wenn jene ehrenwertben Män-\nner, denen die Reinigung der Kirchenmusik am Herzen\nliegt, in dem reichen Schatze derselben mit Umsicht zu\nsuchen unternähmen, sie würden aus den verschiedensten\nEpochen eine genügende Anzahl kirchlicher und mit den\nvorhandenen Mitteln leicht ausführbarer Werke finden; ja,\nwir fügen hinzu, wollten sie es daran wagen, Preisbewer-\nbungen auszuschreiben und der lebenden Künstlerwelt die\nAufgabe Palestrina's stellen, echte Kirchlichkeit mit dem\nReichthume der vorhandenen Kunstmittel in Einklang zu\nbringen, sie würden nicht ohne Verwunderung sehen, dass\nunter den Musikern so gut wie unter den Malern noch\nmanche im Besitze der Technik, so wie des nöthigen\nGeistes sind, um sich der Aufgabe mit Glück zu unterziehen.\nStatt dessen handelt es sich jetzt bei diesen Bestre-\nbungen darum, organisirte Institute aufzuheben, die trotz man-\nchem Mangel Lebensfähigkeit bewiesen haben und mit leichter\nMühe zu verbessern sind, während es noch gar nicht fest-\nsteht, wie dasjenige auf die Dauer beschaffen\nsein möchte, welches man an die Stelle des Alten zu\nsetzen vorhat. Dies führt uns auf das Fest in Brühl zurück.\nZu demselben haben sich bekanntlich seit einigen Jah-\nren eine grosse Anzahl Lehrer mit dem Gefolge ihrer Schü-\nler verbunden, und der Eifer, den sie bei den schwierigen\nVorübungen in den einzelnen Dörfern und Flecken, man\nsagt, fast das ganze Jahr hindurch, beweisen, verdient die\nvollste Anerkennung. Was sich durch Fleiss und Hingebung\nan die Sache erreichen lässt, Correctheit, Reinheit, das ist\nredlich zu Stande gebracht worden. Aber die Einsicht der\nDirection hielt mit ihrem warmen Interesse nicht Schritt.\nDass sie für ein gleichmässiges Studium durch die genauesten\ngedruckten Vortrags-Bezeichnungen in Hieroglyphen und\nWorten, welche die Musik peinlich Note für Note begleiten,\nSorge trug, ist gewiss anerkennenswerth; dass sie aber\nci ix i iT» ,11 'i*i no* njjiyuia ii9flji9i\nhierbei von su bj ecti v e n Anschauungen eingestandener\n\n\\ .jfinofli 'ilutH Ol—o Jirn ■.: . ■ xjpl tiiiid dijßfi\n*) Wie es gekommen, dass die Figural-Musik aus Palestrina's\nZeit in der päpstlichen Capelle und nur in derselben zum Ca-\nnon erhoben wurde, so dass bei dem Erscheinen des heiligen\nVaters die Instrumente schweigen und nur bei der Messe in\nSt. Peter an den höchsten Festen zu Gunsten eines wunder-\nbar wirkenden Posaunenchors eine Ausnahme gemacht wird\neine Einrichtung, von der wir nicht wissen, ob die Kirche\nsie „instituit, concessit oder passa est\" —, das gehört nicht in\nden Bereich dieser Blätter."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.4", "texte": "Maassen ausging, ist wenig zu entschuldigen; denn es gab\nmannigfache Gelegenheit, sich über die Vortrags-Art Pa-\nlestrina'scher Musik zu unterrichten; wir führen unter vie-\nlen nur die Vorrede aus Proske's neuem Werke „Musica\ndivina\" an. Hat der Dirigent dieses Werk gekannt, so gibt\ndieses Factum einen Beweis dafür, wie wenig sich durch ge-\nschriebene Anweisung der richtige Vortrag einer Sache im\nEinzelnen andeuten lässt, wenn die praktische Lehre unter-\nrichteter Männer mit ihm nicht Hand in Hand geht; es\nwar merkwürdig, zu beobachten, wie viele dieser Bezeich-\nnungen, richtig auf dem Papier, durch peinliche und miss-\nverstandene Anwendung zu kümmerlichem, zerrissenem\nWesen, statt zu künstlerischer Abrundung hinzuleiten ver-\nmochten. Unter dem Drucke dieses knechtischen Gehor-\nsams litten namentlich die ersten Sätze der Messe, beson-\n*** 3 o\nders der Anfang des Credo.Freier und flüssiger machten\nsich einzelne Theile des Sanclus,so wie des\nmanche Piano's wären vortrefflich gewesen, hätte ihrem\nSchatten ein breiteres Forte als Lichtmasse gegenüber ge-\nstanden. Dasselbe fühlte man bei dem 99. Psalm „Jubi-\nlale uund der Antiphone rA I die\nals Ganzes am besten herauskam.\nLeichter als die unserer Zeit fern liegende Majestät\ndes grossen Römers, wurde die deutsche Frömmigkeit des\nprotestantischen Eccard empfunden (Choral: „Der heilig\nGeist vom Himmel kam\") und zum Ausdruck gebracht.\nDiesen einzelnen Unvollkommenheiten kann abgeholfen\nwerden; dennoch wird der wahre Charakter der alten Fi-\ngural-Musik, namentlich der von Palestrina, unter den ge-\ngebenen Verhältnissen schwerlich zur Erscheinung kommen.\nDenn die Figural-Musik ist nicht geschrieben lür einen\ngrossen Chor von Naturalisten, sondern für einen kleinen\nChor vollendeter Kunstsänger, und ist an classischer Stelle\nniemals anders ausgeführt worden. Der Charakter dieser\nMusik kommt nicht durch Massenwirkung zur Geltung, son-\ndern durch innere Kraft und Transparenz des Klanges;\nseine Ausführung beruht nicht allein auf Correctheit der\nNuancen, sondern auf höchster künstlerischer Freiheit. Wenn\ndies im einzelnen Falle von einem grossen Dilettanten-Chor\nannähernd erreicht wird, so bleibt es ein Concert-Kunst-\nstück, auf dessen Höhe derselbe sich bei vielfacher Verwen-\n-7\ndung nicht halten kann. Wo dagegen die inneren Lebens-\nbedingungen mangeln, führt äussere Nachahmung leicht an\ndie Gränze der Caricalur.i .gJdaöm adldohais liilßb\nFür den Kirchensänger, der dem regelmässigen Vor-\ntrage der Figural-Musik beim Gottesdienste sich widmet,\nist aber vollständige Kenntniss des Gregorianischen Gesan-\nges und seiner öffentlichen Ausfuhrung im grossen Kirchen-\n». 1 n , '\nräume eben so wesentlich eriorderlich, wie eine schöne\nStimme und künstlerische Beherrschung dersel-\nben ; durch die erste Eigenschaft gehört er der Kirche an,\ndurch die andere der Kunst. Nur durch die Verbindung\ndieser beiden Dinge wird die Masse des im Kirchenjahre\nvorkommenden Stoffes zu überwinden sein, nur durch die\ngrösste Leichtigkeit des Vortrages wird tödtende Monotonie\nverbannt werden können. f9i9r/ß13\nDer Charakter der Chöre ist kleinlich und zudringlich,\nwenn seine Harmonieen nicht von veredelter natürlicher\nKraft ausgehen, wenn nicht Cresc und lang-\n-9 O\nathmend in breiten Schwingungen sich erheben und be-\nsänftigen, wenn der Gesang, des Orchesterschmuckes be-\nraubt, in sich selbst nicht höchste Würde und Anmuth\nvereinigt; die Sologesänge, und es sind deren sehr viele,\nklingen kümmerlich, wenn sie nicht von metallreichen und\ngebildeten Organen ausgeführt werden.\nWo den Italiänern die glänzende Natur zu Hülfe\nkommt, müssen die Deutschen durch gründliches Studium\nder Gesangskunst nachhelfen. Dann sind freilich Vortrags-\nBezeichnungen, wie die zu Brühl angewandten, überflüssig.\nWas ein deutscher Chor vermag, beweis't der Dom-Chor\nzu Berlin, und doch ist bekannt, wie nicht nur der grösste\nEifer seiner Mitglieder, die umsichtige und wahrhaft vor-\ntreffliche Leitung des Directors Neidhardt, sondern auch\ndie grosse Schatulle eines kunstliebenden Königs nöthig ist,\num ihn zu halten. Und wie wenig hat er der Masse nach\nzu leisten gegenüber den Erfordernissen des katholischen\nCultus! Doch die Erfahrung wird belehren! Wir gehören\nkeineswegs zu denen, welche dem Wiederaufleben der al-\nten Kunst missgünstig zusehen, wir nehmen Theil an der\nEreude, die man an den reinen Schätzen der Vergangen-\nheit findet, wir hören sie gern in den Räumen der Kirche,\nwenn ihre Aufführung vielleicht für bestimmte Tage des\nKirchenjahres die Stelle neuerer Kunstwerke einnehmen\nkönnte: sollen sie aber zur alleinigen Herrschaft kom-\nmen, und zwar als Schild empor gehoben von denen, wel-\nche die Schwierigkeiten ihrer Einführung kaum zu ahnen\nscheinen, sollen sie verdrängen, was sich in unserem Va-\nterlande in nationaler Weise naturgemäss gebildet und be-\nwährt hat, so können wir eine solche Einseitigkeit nur\n(19II08 gnulüil i9ni9 nsbntraildigoN"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.5", "texte": "Die münchener Industrie-Ausstellung.\n\nI.\nDie Industie-Halle in Bezug auf Clavier-INstrumente\nund Akustik.\nAuch in einer Musik-Zeitung wird über die münchener\nIndustrie-Ausstellung zu sprechen gestattet sein, zumal\ndort eine Reihe der verschiedensten musicalischen In-\nstrumente, besonders Claviere, die Augen des Beschauers\nauf sich ziehen. Ueber das Ausstellungs-Gebäude selbst,\ndiese grossartige Halle, ist in allen deutschen Blättern schon\nso viel mitgetheilt worden, dass wir uns einer Beschreibung\nderselben hier füglich überheben können. Auch herrscht\nwohl nur eine Stimme des Dankes für den hochsinnigen\nKönig Maximilian, wie für die Anordner der leider jetzt\ndurch eine gefürchtete Krankheit gestörten Ausstellung,\nwelche sicherlich Jedermann, dem die deutsche Industrie\nnnd mit ihr des Vaterlandes Erblühen am Herzen liegt,\nmit hohen Erwartungen betreten hat. Die Reichhal-\ntigkeit der darin ausgestellten Erzeugnisse entspricht aber\nauch solchen Erwartungen und gibt herrliches Zeugniss,\ndass der Deutsche es in vielen Fächern der Industrie zu\nhoher Stufe gebracht. Bei der ungeheuren Zahl von Ge-\ngenständen, welche in dem grossen Glaspalaste zur Aus-\nstellung gekommen, sind übrigens noch nicht alle in starkem\nBetrieb befindlichen Etablissements repräsentirt, wohl zum\nTheil aus Gründen, welche eine Muster-Lieferung nicht rath-\nsam erscheinen Hessen. Andererseits sind in grossen Hallen\nauch nicht alle Erzeugnisse mit Vortheil aufzustellen, wozu\nwir vornehmlich Clavier-Instrumente zählen, ein Umstand,\ndem wegen der jetzt durch die ganze bekannte Welt gehenden\nVerbreitung der Claviere wohl mehr Wichtigkeit beizulegen\nsein möchte, als es auf den ersten Blick scheint. Schon im\nJahre 1850 sprach sich in der Monats-Versammlung des\nniederösterreichischen Gewerb-Vereins (1. Juli) der einen\neuropäischen Ruf geniessende Hof-Claviermacher J. B. Strei-\ncher in Wien bezüglich der londoner Industrie-Ausstellung\n(1851) lür Nichtbeschickung derselben aus, und auch die\nmeisten anderen wiener Claviermicher stimmten mit ihm\nüberein aus Gründen, die Streicher genau angab. Vor Al-\nlem fasste derselbe die Instandhaltung der Instrumente ins\nAuge, weil eine solche durchaus nöthig, wenn Claviere von\nMusikfreunden jederzeit einer Prüfung sollen unterzogen\nwerden können. Eine Instandhaltung in einem Ausstellungs-\nGebäude ist aber an und lür sich viel schwieriger, als unter\ngewöhnlichen Umständen; denn das Forte-Piano ist, wie\nStreicher ebenfalls richtig bemerkt, daselbst den Einflüssen\nnicht seltener Misshandlung von Seilen der Spieler, so wie\ndes durch die Menge der Besucher und der ausgestellten ver-\nschiedenartigen Gegenstände nöthigen Lüftens ausgesetzt.\nEin Ausstellungs-Clavier fordert daher eine stete Pflege\nvon sachkundiger Hand. Freilich ist dies eine in München\neher zu lösende Schwierigkeit, als sie es auf weiter entfern-\nten Ausstellungen, z. B. in London, gewesen sein mochte.\nWir stellen daher noch einen anderen Grund nebenan, den\nder geeigneten Localität, zumal, wie jener Meister sagt, das\nCiavier kein Fabricat ist, welches, wie alle anderen, dein\nPublicum gegenüber nur der Anschauung unterliegt und,\num in Ordnung zu sein, nur des Abstaubens bedarf. Das\nCiavier will mehr mit dem Gehör, mit den Fingern, als mit\nden Augen beurtheilt sein und muss desshalb gespielt wer-\nden dürfen und können. Zu einem Erfolge genügt aber die\nMöglichkeit des Spielens allein noch nicht. Ohne geeignetes\nLocal kann das beste Ciavier nicht die durch seine Con-\nstruction sonst gesicherte Wirkung machen. Desshalb ste-\nhen Claviere gegen andere Industrie-Gegenstände bei Aus-\nstellungen im Nachlheil, von dem man durchaus nicht ab-\nsehen sollte, selbst wenn man als wahr annimmt, dass alle\nin Einem und demselben Räume ausgestellten Instrumente\nvöllig gleich davon betroffen werden. Denn dies wäre nur\nin so fern richtig, als keines vor dem anderen sich auszeich-\nnen könnte, während jedoch gerade der Nachtheil, um den\nes sich handelt, immer für alle verbleiben würde. Wün-\nschens- und ohne Zweifel auch beachtenswerth wäre es\nsonach, dass bei Ausstellungs-Gebäuden den Fortepiano's\ndie ihrem Wesen nothwendige Berücksichtigung geschenkt\nwerden möchte. Es ist ja allbekannt, dass jeder klingende\nKörper für seine Schwingungen der Repercussion bedarf,\num den Ton vernehmbar zu machen, so wie denn die Aku-\nstik überhaupt lehrt, dass der Clavier-Ton in sehr weit\nausgedehnten Hallen, wo er keinen Widerstand findet, im\nMoment seines Entstehens sich in seiner Fortpflanzung ge-\nwisser Maassen ohne Wirkung verflüchtigt. Mit dem hier\nGesagten über tonbegünstigende Localitäten soll indes-\nsen nicht ein Tadel gegen die Einrichtung des münche-\nner Glaspalastes ausgesprochen werden; vielmehr möchten\nwir denselben in Bezug auf Akustik für so entsprechend\nhalten, als dies überhaupt bei so grossen Gebäuden im\nBereiche der Möglichkeit liegt, sofern man nicht, wie wir\nweiter unten näher auslühren werden, überhaupt kleinere\nRäume dafür einrichten möchte. Nur dürfte uns gestattet\nsein, darauf aufmerksam zu machen, dass die Galerie des\nTransepts, in welcher sich die Claviere befinden, durch die\nhin und her wogende Menge von Besuchern der Halle zu"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.6", "texte": "geräuschvoll und daher den Ton der darin aufgestellten\nClaviere sehr beeinträchtigend ist. Dazu kommt noch, dass\nein Gegenstand, während.oanzen einen eigenthüinv\nliehen Zauber durch seine Nähe an den Clavier-\nRämsr nicht minder Störung verursacht. Es ist dies die\nherrliche Haupt-Fontaine, deren beständig niederstürzende\nWasser das Ohr beirren, welches die Töne der Claviere\naufzunehmen bereit ist. Die Anbauten an den Länge-Enden\ndes Palastes dagegen würden in beiden Fällen den Ciavie-\nren günstiger gewesen sein, indem sie durch ihre Aufstel-\nlung darin vom Geräusche mehr entfernt worden wären.\nSage man etwa nicht, es seien Clavier-Instrumente\neben auch nichts Anderes, als je nach dem Fleisse, der ihrem\nGesammt-Organismus gewidmet worden, mehr oder weni-\nger schön und gut gearbeitete technische Gegenstände, und\ndaher einer vorzugsweise weiter gehenden Aufmerksamkeit\nnicht bedürftig. In ihrer äusseren Erscheinung, ja; aber wie\nverschieden sind sie in ihrem Innern, und dann, wem die-\nnen sie überhaupt? Unbestritten auch dem Geiste des Men-\nschen zu seiner Kundwerdung. Wir berufen uns hierbei\nauf einen noch heute hochverehrten Mann, auf Herder.\n„Von der Musik muss jede Kunst, die am Sichtbaren haf-\ntet, an innerer Wirklichkeit iibertrofien werden, wie\nder Körper vom Geiste; denn sie ist Geist, verwandt mit\nder grossen Natur innerster Kraft, der Bewegung. Was\nanschaulich dem Menschen nicht werden kann, wird ihm in\nihrer Weise mittheilbar, die Welt des Unsichtbaren.\nVorübergehend ist jeder Augenblick dieser Kunst, denn\neben das Kürzer und Länger, Stärker und Schwächer,\nHöher und Tiefer, Mehr und Minder ist seine Bedeutung,\nsein Eindruck. Im Kommen und Fliehen, im Werden und\nGewesensein liegt die Siegeskraft des Tones und der Em-\npfindung. Dagegen jede Kunst des Anschauens, die an be-\nschränkten Gegenständen und Geberden, gar an Localfar-\nben haftet, obwohl sie auf einmal Alles zeigt, dennoch nur\nlangsam begriffen wird.\" (So Herder in seiner Kalügone,\n11. Theil, in der Abhandlung von der Musik.)\nAllerdings existirt diese geistige Beziehung nach unse-\nrer Ansicht nicht bei der Musik allein, sondern jede schöne\nKunst äussert sich in irgend einem Körper als Geist, der\njenen beseelt. Wer könnte auch jemals glauben, dass es\nein geistloses Kunstwerk zu geben vermöchte, eben weil\ndas als Geist anerkannte belebende Princip allein das Ge-\nnie in seinen Producten offenbart und diesen somit der\ni\nName wahrer Kunstproducte erworben wird! Wenn als\nwahr angenommen, dass bei allen Künsten der Körper das\nOrgan ist, durch das der Künstler sich ausdrückt, so ist dies\nu ' 7\nbesonders auch bei der Musik der Fall. Denn wenn diese\nentstehen soll, so muss der Schall zum Klange, dieser zum\nTone und die Masse der Töne zur Melodie und Harmonie\nge'ihiWeJ werden. Durch das Geistige der Musik allein wird\nsie zur TonkuiVbi* .weil nur durch jenes die Massen des\n- -**\" «Lä . .\nblossen Schalles und Klanges Bestimmung .Maass, Ord-\nnung und in ihren Wechselbeziehungen die Einheit erhalten.\nNatürlich ist hier nur der höhere Geist der Musik gemeint,\nnicht der, welcher sich allein in einer gewissen Regelmäs-\nsigkeit gefällt, weil eine lediglich durch diese geschaffene\nMusik richtig und rein erscheinen mag, aber trotz-\ndem doch sehr leer und nichtssagend sein kann. Darum\nlässt sich das beseelende Princip der Musik nicht in Wer-\nten erklären; es gibt sich kund je nach dem Grade seines\nVorhandenseins in dem ästhetischen Gelühle, oder, wenn\nman es anders nennen will, in dem feinen Geschmack. Die-\nser offenbart sich auch bei dem Vortrage der Musik, wel-\n—- - | lii ff v\neher ein an Armuth und Schwäche leidendes Tonstück\nheben, während ein treffliches durch geistlosen, matten\nVortrag den beabsichtigten Eindruck gänzlich verlieren kann.\nliier erinnern wir wieder an das Fortepiano, welches der\nKünstler zu seinem Ausdrucke gebraucht, wie ein solches\nin der That ein Kunstwerk sein muss, wenn dessen Schwin-\ngen das Genie auf seinem Fluge begleiten und unterstützen\nsollen; das Genie, dessen freie, schöpferische Einbildungs-\nkraft sich in wahrer Schönheit und Erhabenheit verkündet,\nJfljvi ff 11 JUJiiwl) 11 Uk?lJ »UmY? lllvG iJ ff 11 Je \\jll Jsll JIII)Ii^TJoIJJS\nund welches wiederum nur recht eigentlich von einem ähn-\nlichen Genie ganz erfasst zu werden vermag; das Genie,\ndas frei und mächtig in dem Reiche der Töne waltet und\nsich ihren Gesetzen schmiegt, ohne sich mit ihren Fesseln\nzu belasten.\nnnßünpfüiir?/ mn .fliopionß lux muc/i q isi/Bijf aso\nRousseau, eben so geistreich wie gefühlvoll, sprach\nsich über den Werth des Contrapunktes und das System\nder Harmonie nicht sonderlich günstig aus; allein es hatte\nseine Abneigung ihren Grund wohl nur in einem verfehlten.\neben so melodie- wie geist- und kraftlosen Gebrauche der\nHarmonie und einem starre Fesseln anlegenden schulsteifen\nWesen der Musik, das aller Begeisterung und Dichterkraft\nO\ndes Genies bar, des Genies, dessen Kraft in ihren Tiefen\n1\"' CtJIJ JJiiOJoiHvJ Iv.'M ÜUIIJC Im jJlf) IkJDhJ\nunergründlich und in deren Dunkel der Tonkunst Zauber-\nw/i V J oiu IJI TOIL/ tj jii /ujiiijc ij f ijju cI JiircfulünixGi.rjTiv?jit\nmacht waltet, welche bald mit furchtbaren Gigantenschrit-\nten einhergeht, bald über dem wogenden Meere wie Sturm-\nwind braus't, und wieder anders in schauerlichen Tönen her-\nI.lJff J« J JT» llm~7l>\nvorhallt, wie aus Katakomben, und die Phantasie erschüt-\ntert, wie mit allen dunkeln, so mit den erhabenen Bildern\nder Gräber, des Todtenschlafes und der Auferstehung. Man\nhöreMozart's Tuba miriim!Mozart hat überdies den Ruhm,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.7", "texte": "dem Clavier-Instrument seine gegenwärtige Stellung zu-\nnächst angebahnt zu haben, und da das < -lavier eines der\nausgebildetsten, meistgepflegten Instrumente geworden, so\nkommen wir am Schlüsse noch einmal auf die passendsten\nRäume für dasselbe zurück, nachdem wir oben darüber nur\nim Allgemeinen gesprochen. Hat doch schon Abt Vogler\nfür grosse Tonmassen, wie die der Orgel und ganzer Chöre,\nnicht zu ausgedehnte Räume als die zweckmässigeren be-\nzeichnet, um die Klänge in voller Wirkung zu gemessen;\nwie viel mehr ist dies aber bei einem Clavier-Instrumente\nerforderlich, das beim Spiele die Luft nur leicht und kurz\nüber die Dauer des Hammerschlages erzittern macht! Daher\nsind die geeignetsten Locale in einer Industriehalle für diese\nGattung Instrumente, wenn deren Töne nicht ganz ver-\nschwinden sollen, unstreitig kleinere, welche der Stärke der\ndurch das Vibriren der Saiten erzeugten geringen Luft-\nschwingungen entsprechen, und ferner so gelegene Locale,\ndass sie von störendem Geräusch, wie das weiter vorn an-\ngedeutete, nicht beherrscht werden.\nIndem wir diese unsere Ansicht mittheilen, wollen wir,\nwie gesagt, nicht einen Tadel gegen die Einrichtung des\njetzigen münchener Industrie-Palastes aussprechen, zumal\nderselbe durch Ueberhäufung mit Gegenständen aller Art\nsogar noch mehr Anbauten bekommen musste; sondern wir\nhoffen nur, dass es dem Erbauer irgend einer späteren In-\ndustriehalle nicht schwer sein wird, dem fraglichen Zwecke\nzu entsprechen. Nehmen wir z. B. an, ein Anbau einer sol-\nchen Halle sei 60 Fuss hoch, so könnte derselbe in der\nHöhe in drei Abtheilungen zerfallen, von welchen die bei-\nden oberen so weit auszudehnen wären, als die aufzustellen-\nden Claviere Raum zur Aufnahme erfordern. Sie würden dann\nFussböden von eng an einander schliessenden Bohlen ha-\nben, damit die Schallwellen weniger störend von einem\nRäume zum anderen zu dringen vermöchten, und zu den\nSeiten des grossen Hallenraumes von diesem, wie auch un-\nter sich, durch Glaswände geschieden und vor zu argem\näusserem Geräusch geschützt werden. Für Abscheidung\neines grösseren Raumes in mehrere kleinere spricht übri-\ngens auch allein schon der Umstand des öfter vorkommen-\no\nden Zusammenspiels auf verschiedenen Ciavieren. Wie aber\nimmerhin man die Abtheilungen für Claviere zu construiren\ndie Absicht hätte, würde gleich gelten, wenn nur damit\ndem guten Zwecke genügt würde, die Ausstellung von Cla-\nvier-Instrumenten in grossen Hallen so einzurichten, wie sie\nes beanspruchen dürfen, um in der Offenbarung ihrer Eigen-\nschaften nicht gehemmt zu sein. Dadurch würde zugleich\nauch demjenigen Zweige der Industrie, dessen Erzeugnisse\nin ihrer geistigen Ausführung zu den Kunstwerken gehö-\nren, ein mächtiger Sporn gegeben zu rüstigem Fortschrei-\nten auf der Bahn der Veredlung.\n\nA.\n\nAus Brüssel.\n[Orch est er -Concor te Das Orchestrion F. Kuffe-\nrath' s G i r k e 1 für Kammermusik Max Bruch —Li m-\nnander Glinka L i s z t R u b i n s t e i n Rosa\nKastner Lern mens.J\nEnde August.\nObgleich die Musik-Saison weit hinter uns liegt und wir be-\nfürchten müssen,*dass unsere heutigen Mittheilungen, als verspätet,\nvon geringerem Interesse für Ihre Leser sind, so glauben wir Ihnen\ndoch über unsere letzten Concerte und sonstige musicalische Vor-\nfallenheiten berichten zu müssen, um Sie mit dem Leben und Trei-\nben unserer Musikwelt au courant zu halten. Der chronologischen\nReihenfolge gemäss und imAnschluss an unseren Bericht vom ver-\ngangenen Frühjahre erwähnen wir zuerst das vierte Conccrt des\nMusiker-Vereins, dasausserden Solo-Vorträgen von Servais wenig\nAnziehendes bot. Die Ausführung der beiden Orchester-Stücke,\nBcethoven's Ouvertüre zu Leonore und der früher besprochenen\ngrossen Sinfonie von Hanssens war mittelmässig. Letztere verur-\nsachte uns dieselbe, wo möglich noch gründlichere Langeweile, als\nbei der ersten Aufführung.\nEin Conccrt der Grande Harmonie verdient in so fern Erwäh-\nnung, als dasselbe quasi zu Ehren der königlichen Familie veran-\nstaltet und desshall) besser als die gewöhnlichen Gesellschafts-Con-\ncerte ausstaffirt wurde. Die königliche Familie war durch den Her-\nzog von Brabant vertreten, der, als nicht besonderer Verehrer der\nMusik, erst beim zweiten Theile eintrat. Die Orchesterstückc sind\nbei derartigen Festen, die hauptsächlich besucht werden, um schöne\nToiletten zu zeigen oder einen Virtuosen ä la mode zu hören,\ndie Lückenbüsser und werden mit vielem Eifer zur Conversation\nbenutzt. Ausser der Freischütz-Ouverture, auf der man, beiläufig\nbemerkt, hier seit zwanzig Jahren herumreitet, hörten wir ein Ar-\nrangement von Webers Aufforderung zum Tanze, so wie eine Ro-\nmanesca, von Hanssens arrangirt, oder besser derangirt, so zwar,\ndass die Melodie gänzlich verloren ging. Leonard bezauberte durch\nseine Fantasie-Militaire und seine „Echo's\" Stücke, die in Deutsch-\nland wenig Anklang finden würden, das Publicum in hohem Grade\nund bildete nebst unserer früheren Prima Donna, Mad. Laborde,\njetzt ersten Sängerin der kaiserlichen Akademie in Paris, die Glanz-\npunkte des Abends. Der Vortrag der Letzteren ist etwas kalt, aber\nstets rein und durchaus künstlerisch. Sic sang mit unbeschreiblicher\nLeichtigkeit die Cavatinc aus Norma und ausser Variationen von\nBonoldi die bekannten lihode'schen, welche letzteren besonders gros-\nsen Applaus hervorriefen. Wir hörten einen Chor von Limnander,\n„Les Jannissair es wirkliche Janitscharen-, aber auch Liebhaber-\nMusik, ferner einen hebräischen Gesang, Chor mit Orchester von\nLoubu, dem wahrscheinlich dadurch der bezeichnete Charakter ver-\nliehen werden soll, dass die Becken /ohne Trommel fungiren\ngeistreiche Instrumentation, die das Publicum aber nicht verstand\nund das ganze Stück erfolglos an sich vorübergehen liess.\nDas letzte Concert des Conservatoires glänzte am wenigsten\ndurch die Neuheit der vorgeführten Stücke. Wenn man sich con-\nsequent bleiben und angeben wollte, wie oft ein Stück nach dem\nimmer mit grossen Buchstaben angekündigten ersten Male aufge-\nführt wird, so würden wir die fünfte Sinfonie von Beethoven we-\nnigstens unter Nr. 100 erblicken; nichts desto weniger ist Herr"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540909-01.1.8", "texte": "Felis noch nicht zu der Erkenntniss gelangt, dass die ersten drei\nAchtel nicht Triolen, sondern wirkliche Achtel sind, und dass die\ndialogisch verminderten Septimen-Accorde in der Durchführung\nnicht auf eine unmusicalische Weise geschleppt werden müssen.\nDer zweite Satz liefert uns wieder den Beweis, dass unser gelehr-\nter Director nicht im Stande ist, ein langsames Tempo zu leiten,\nohne bei jedem Crescendo zu eilen und beim Diminuendo zurück zu\nhalten. Das Scherzo, so wie das Stringendo im letzten Satze, dessen\nBewegung viel zu langsam war, wurden ungeschickt ausgeführt,\nerhielten aber nichts desto weniger allgemeinen Beifall. Ein Bene-\ndiclus von Herrn Fetis, der uns hier einmal als Componist auf-\nstösst, ist nichts mehr und nichts weniger als eine fade, moderne,\nitaliänische Arie; an Alltags-Cadenzen im Stile Verdi's fehlt es\ndarin auch nicht. Ein Solo für Violine, vorgetragen von einem\nSchüler des Conservatoires, und ein eben so schwach besetzter, als\nschwach ausgeführter Chor von Mozart, „Ave verum\", complettirten\nden ersten Theil. Der zweite bestand aus Fragmenten von Meyer-\nbeer's Musik zu Struensce, die vermöge der Trommelwirbel und\nKanonenschüsse und der dem Programm beigefügten erläuternden\nNotizen ihre Wirkung nicht verfehlten. Hiermit schloss der Cyklus\nunserer Orchester-Concerte.\nSie haben in Ihrem Blatte schon eine Notiz über das neu er-\nfundene Instrument von den hiesigen Instrumentenmachern Merk-\nlin, Schütze & Comp, gebracht; dasselbe findet auch auswärts vie-\nlen Anklang. Die in Paris und Amsterdam darauf gehaltenen Vor-\nträge werden sehr lobend besprochen. Dieses so genannte Or-\nchestrion ist seit seiner Entstehung bedeutend vervollkommnet wor-\nden und hat in seiner jetzigen Form zwei Manuale mit Koppel\nund freies Pedal. Herr Kufferath hat es übernommen, dasselbe in\nDeutschland bekannt zu machen, und wird zu dem Ende in näch-\nster Zeit nach Köln, Berlin, Dresden und Wien gehen. Wir glau-\nben, dass das Instrument namentlich in Deutschland eine günstige\nAufnahme finden wird.\n(Schluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n14öln. Morgen, den 10. d. Mts., werden die Theater-Vorstel-\nlungen der diesjährigen Saison beginnen. Mit dem 20. fängt das\nAbonnement an. Die berühmte Tänzerin Pepita de Oliva wird\nam Montag den 11. auftreten.\nDie öffentliche Aufführung der Quodlibet-Oper „Richmodis,\noder der Sängerkrieg auf dem Neumarkt\", welche von hiesigen Di-\nlettanten (beinahe 40 an der Zahl) in Gesang und Spiel auf eine\nsehr gelungene und selbst die Künstler von Fach überraschende\nWeise ausgelührt wurde, hat zwei Mal ein volles Haus gemacht.\nDie Einnahme war zur Stiftung eines Stipendiums an der Rheini-\nschen Musikschule bestimmt.\na. cl. Rulir. Am 3. d. Mts. wurde hier F. Hil-\nlers „Zerstörung von Jerusalem44 unter Leitung des Herrn Hu-\nbert Engels sehr gelungen aufgeführt. Wegen Mangels an Raum\nkönnen wir den Bericht darüber erst in der nächsten Nummer\ngeben.\nI*aris. Das Haus Brandus & Comp., bekanntlich die\ngrösste Musicalien-Yerlagshandlung in Frankreich, macht bedeutende\nAenderungen des Gesellschafts-Vertrages bekannt, auf welchem das\nGeschäft beruht. In der General-Versammlung der Actionäre am\n30. August ist beschlossen worden: 1. Herr L. Brandus tritt die\nFührung des Geschäftes an Herrn Gemmy Brandus, seinen Bru-\nder, und Herrn S. Dufour, Gerant des Hauses Brandus in Peters-\nbürg, ab. 2. Die Dauer der Gesellschaft wird bis zum 1. Sepf,\n1864 verlängert. 3. Die Firma ist G. Brandus, Dufour &\nComp. 4. Der Betriebs-Fonds ist auf 1,500,000 Frcs. in 3100\nActien zu 500 Frcs. gebracht. 5. Ein Reserve-Fonds ist gegrün-\ndet, 6. ein Verwaltungsrath gewählt worden. 7. Die neuen\nGeschäftsführer haben 100,000 Frcs. Caution in Actien gestellt.\n0. Eine General-Versammlung der Actionäre wird alljährlich im\nOctober den Bericht über die Operationen der Gesellschaft hören\nund die Dividende bestimmen. Durch diese öffentliche Bekannt-\nmachung, welche die Revue et Gazette Musicale an der Spitze ihrer\nNr. 36 vom 3. d. Mts. trägt, sind die Gerüchte von dem Falliment\ndieses Hauses widerlegt.\nDie italiänische Oper zu Coventgarden in London hat schon\nam 8. August geschlossen. Da sie erst am 1. April, einen ganzen\nMonat später als sonst, begonnen, so hat Herr Gye diesmal nur\neine sehr kurze Saison gehabt. Die versprochenen Opern: Die Ve-\nstalin, Der schwarze Domino, Don Sebastian, Oberon sind nicht\ngegeben worden, und gegen Ende hat sich die Unternehmung nur\nnoch durch die Abschieds-Vorstellungen der Grisi und Mario's und\nallerlei Humbug, der darum herum gemacht wurde, dürftig er-\nhalten."}]}