{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-10-07-01", "volume": "bmtnabi_1854-10-07_01", "ocr_sha256": "32ab6ac2f6a147ae8cdfc68b2e64fee9508d915aaf86e5f34ad17d5ecfc18425", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/10/07_01/bmtnabi_1854-10-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-10-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-10-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1854-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "313", "page_fin": "315", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.2.1", "titre_corps": "Die Einweihung der St. Georgshalle in Liverpool.", "titre_sommaire": "Die Einweihung der St. Georgshalle in Liverpool.", "signature_source": "N. N. Z", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "313", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3964, "texte": "Die Einweihung der St. Georgshalle in Liverpool.\n\n(Wir haben im dritten Artikel über die musicalischen\nZustände in England [Nr. 32] die St. Georgshalle in Li-\nverpool erwähnt, deren Inneres im Frühjahre zur Zeit un-\nserer Anwesenheit daselbst noch nicht vollständig ausge-\nbaut war. Ueber ihre Vollendung und Einweihung durch\ngrosse Musik-Auflührungen theilen wir jetzt folgenden Be-\nricht mit. Die Redaction.)\nDer Bau der St. Georgshalle ist vollendet. Ein Denk-\nmal des Reichthums der Stadt Liverpool und der gross-\nsinnigen Verwendung desselben durch die Vertreter der\nGemeinde steht auf alle Zeit da. Im Mai des Jahres 1841\nbilligte der Stadtrath den Plan des Architekten Henry\nLonsdale Eimes, welcher von 86 Bewerbern den Preis\nerhielt. In demselben Jahre wurde der Grundstein gelegt,\nund im Jahre 1851 war der Bau in den Theilen, welche\ndie Gerichtssäle enthalten, so weit vollendet, dass die Er-\nöffnung derselben in Gegenwart der Königin Statt haben\nkonnte. Seitdem wurde unausgesetzt fortgearbeitet, und die\nEinweihung des ganzen Gebäudes fand jetzt unter grossen\nFeierlichkeiten Statt, die am Montag den 18. September\nbegannen und die ganze Woche durch dauerten.\nDas.Gebäude steht, wie Sie wissen, auf dem freien\nPlateau der mittleren Hohe der Abdachung des Hügels,\nauf welchem die Stadt gebaut ist und unter welchem die\ndrei unterirdischen Eisenbahnen von Edge Hill bis an die\nUfer der breiten und tiefen Mersey hinlaufen. Das Aeussere\nzeigt zwar nicht eine vollkommene Einheit des Stils, jedoch\neine grössere, als dies sonst bei den Prachtbauten in Eng-\nland der Fall ist. Die Hauptzierde sind korinthische Säu-\nlen, welche 45 Fuss Höhe und 4 Fuss 6 Zoll Durchmes-\nser haben. Die Haupt-Colonnade auf der Ostseite tritt 26\nFuss vor und ist 200 Fuss lang das ganze Gebäude\nmisst 498 Fuss Länge und die Höhe vom Grunde bis zum\nGiebel 96 Fuss. Auf dem Hauptgiebel steht die Inschrift:\n„Artibus Legibus Locum Mun\nDomini MDCCCLI.\" Die Bestimmung des Ganzen ist näm-\nlich eine doppelte: es ist zugleich ein Tempel der Kunst\nund ein Gerichtspalast, in welchem die Assisen gehalten\nwrerden. Der grösste und prächtigste Theil ist jedoch der\nKunst geweiht, und in diesem ist die grosse mittlere Halle\nwiederum der Hauptbau.\nSie ist fast 200 Fuss lang, 75 Fuss breit und 87\nFuss 6 Zoll hoch. DerFusgboden ist Mosaik von gebrann-\nten Ziegelsteinen in bunten Farben, welche die mannigfal-\ntigsten Figuren und Verzierungen darstellen. Die Galerieen\nund die Decke werden von 22 Pfeilern von geschliffenem\nGranit getragen, die Brustwehren und Geländer sind alle\nvon Stein und mit Marmor- und Serpentinstein-Platten be-\nlegt, wie denn überhaupt eine wahre Verschwendung von\nweissem, schwarzem und farbigem Marmor überall sichtbar\nist, was der Halle ein glänzendes und blendendes, aber\nauch etwas buntes Ansehen gibt. Alle die ungeheuren\nRäume werden mit Röhren mit heissem Wasser gebeizt,\nund für die Ventilation und Erneuerung der frischen Luft\nist ebenfalls gesorgt. Zu dem letzteren Zwecke, und um die\nGebläse der Orgel in Gang zu setzen, wirkt eine im Keller-\ngewölbe aufgestellte Dampfmaschine.\nDas Merkwürdigste und Grossartigste in dem ganzen\nGebäude ist die Orgel, ein Werk mit vier Manualen,\nfreiem Pedal (32 Fussion), 108 Registern und 8000\nPfeifen, erbaut von Willis. Die zwei grossen Blasebälge,\nwelche den Wind zwölf anderen Reservoirs zulühren, wer-\nden, wie gesagt, durch eine starke Dampfmaschine in Be-\nwegung gesetzt *).\nAm Tage der Einweihung füllten Tausende von Zuhö-\nrern die gewaltigen Hallen, und das Künstler-Personal auf\ndem Orchester zählte 400 Sänger und 300 Instrumen-\ntalisten. Kurz vor 11 Uhr führte Herr Formes die Da-\nmen Novello und Castellan auf das Proscenium des\nOrchesters; die übrigen Solisten, unter ihnen auch Frau\nViardot-Garcia, folgten, und Alle wurden mit rauschen-\ndem Applaus und Lebehoch begrüsst. Der Organist schlug\n\n*) Wir hoffen, später eine genauere Beschreibung dieses kolos-\nsalen Orgelwerkes inittheilen zu können."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "314", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5085, "texte": "das zweiunddreissiglüssige Cund darauf das eingestrichene\nf an, vervollständigte den F-dur-Accord und hielt ihn aus.\nDer Dirigent Sir Henry Bishop rief: „Dies C F gilt\ndem Carl Formes!\" und ein neuer Sturm von Hurrah\nbrach los eine echt englische Ehrenbezeigung.\nUm 11 Uhr erschien der Mayor, begleitet von den\nMitgliedern des Stadtrathes, dem Lord Bischof von Chester,\ndem Lord Lieutenant der Grafschaft u. s. w. Das Volks-\nlied God save the Queen! wurde theils von Solostimmen,\ntheils vom vollen Chor mit Orchester und Orgel ange-\nstimmt. Der Bischof sprach ein kurzes Gebet, worauf sich\nder Mayor erhob und sagte: ,1m Namen des Mayors, der\nAldermänner und der Bürgerschaft dieser alten und ge-\ntreuen Stadt erkläre ich diese Halle für eröffnet.\" Un-\nmittelbar darauf begann die Aufführung des Messias\nvon Händel.\nWie sich doch Alles bei diesem Volke national gestal-\ntet und, wenn es einmal historisch geworden, unabänder-\nlich und unerschütterlich feststeht! Den Händel haben sich\ndie Engländer als den Ihrigen angeeignet, die Tradition\nkennt ihn nicht anders, denn als Engländer, sein Denkmal\nsteht ja in Westminster, in dem Pantheon der Briten, und\nso wäre es eine Impietät, wenn irgend eine bedeutende\nFeierlichkeit in Grossbritannien ohne Musik von Händel,\nund namentlich ohne seinen Messias, begangen würde.\nDie erste Aufführung in der St. Georgshalle hat uns\naber leider manche Besorgniss darüber eingeflösst, ob sie\nfür musicalische Zwecke befriedigend geeignet sein möchte.\nSo einzig in seiner Art der architektonische Eindruck des\nPrachtsaales ist, so scheint er dennoch lür die akustische\nWirkung nicht so vorteilhaft zu sein, als man das sonst\nvon den Concertsälen in England gewohnt ist. Indess mö-\ngen manche von den Nachtheilen, welche eine fehlerhafte\nAufstellung jetzt hervorbrachte, künftig zu vermeiden sein.\nDie Monster-Orgel, allerdings stellenweise von ungeheurer\nWirkung, erdrückte im Ganzen die Tonkraft des Orchesters\nund des Chors, und die Urtheile waren sehr verschieden\nüber die Vorzüge oder Nachtheile ihrer Mitwirkung. Unsere\nMeinung ist, dass ein so furchtbares Instrument, zumal\nwenn es mit allen seinen Kanonenröhren losdonnerl, alle\nmenschlichen Stimmen erstickt, sämmtliche Bogenstriche\nder Geigen zu Schanden macht und sämmtliche Lungen\nder Bläser zum Bersten bringt, da ihr Athem es mit der\nKraft der Dampfmaschine unmöglich aushalten kann. Ich\ndachte dabei recht lebhaft an Ihre Aeusserung: „Hier bei\nEuch ist Alles kolossal, dass einem die Haare zu Berge\nstehen; aber das Herz bleibt kalt, und das Kunstschöne\nsuche ich meist vergebens.\"\nUebrigens war die Aufstellung des Orchesters schlecht,\ndie Chorstimmen weit von einander getrennt, so dass So-\npran und Alt von der Existenz der Tenöre und Bässe kaum\netwas wussten, und umgekehrt. Ferner waren der Proben\nzu wenig gewesen, und Sir Henry Bishop mag alles Mög-\nliche sein, ein Dirigent ist er nicht. Das öftere Schwanken\nund der Mangel an Präcision lagen offenbar an der schwa-\nchen und unsicheren Leitung des Ganzen. Es scheint aber,\ndass ein falsch verstandener Landes- oder vielmehr Local-\nPatriotismus auf die Einrichtung Einfluss gehabt hat: man\nwollte einen Engländer an der Spitze haben und zeigen,\ndass man die deutschen Tonmeister entbehren könne; dess-\nhalb durfte weder von Herrn Zeugher-Hermann, dem Diri-\ngenten der hiesigen philharmonischen Gesellschaft, noch\nvon Herrn Benedict aus London die Rede sein. Diese klein-\nstädtische Egoisterei ging sogar so weit, dass man im Elias\nhiesigen Dilettanten einzelne Solo-Partieen übergeben hatte!\nMit Recht fragt daher eine öffentliche Stimme: „Mussten\ndie Herren Formes, Weiss und Lockey spaziren gehen?\nWaren die Damen Novello und Castellan durch je eine\noder zwei Nummern zu sehr beschäftigt, dass wir für den\nheillosen Eintrittspreis von vierzehn Shilling (4 Thlr.\n20 Sgr.) schülerhafte Vorträge anhören mussten?\" Dies\nwar allerdings der Preis, und zwar nicht für die ganze\nFeierlichkeit, sondern lür jedes einzelne Concerl!\nUeber die Ausführung ins Einzelne zu gehen, halte\nich (ür zu wenig interessant für Ihre Leser in Deutschland.\nNur das will ich noch erwähnen, dass trotz der unsicheren\nLeitung und der gespaltenen Chormassen denn Orgel\nund Orchester waren fast ganz dazwischen geschoben\ndennoch einige Chöre, unter ihnen auch das Ilallelujah,\ngut gingen und grossen Eindruck machten; die innere Kraft\nderselben ist unsterblich, und ihr Geist steigt aus jeder Ver-\nhüllung am Ende stets glänzend empor.\nEinen Zug aber, der unser Publicum charakterisirt,\ndarf ich nicht verschweigen, um so weniger, da Aehnliches\nsonst in England bei Oratorien-Aufführungen unerhört ist.\nBeim Beginn des Schluss-Chores: „ Würdig ist das Lamm\",\nerhob sich, wie beim Hallelujah, die ganze Zuhörerschaft,\num den Chor stehend und in ehrfurchtsvoller Stille anzu-\nhören. Allein während dessen brachen viele Hunderte mit\nGeräusch auf, und bis zum Schlüsse der Aufführung waren\nüber die Hälfte der Zuhörer dem bösen Beispiele gefolgt.\n„AusserLiverpool\", schreibt selbst ein englischer Bericht-\nerstatter, „dürfte es wohl keine Stadt geben, welche ein"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "315", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4171, "texte": "solches Schauspiel und an einem solchen Tage darbieten\nwürde!\"\nSie kennen die englische Sitte, bei ähnlichen festlichen\nGelegenheiten einen dermaassen mit Musik zu übersättigen,\ndass man für das ganze Jahr genug hat, und werden Sich\nalso nicht wundern, wenn ich Ihnen sage, dass an demsel-\nben Abend in derselben Halle noch ein so genanntes Mis-\ncellaneous ConcertStatt fand, zu welchem ein endloser Rü-\nchenzettel von allen möglichen Gerichten entworfen war.\nDer Saal war ziemlich gefüllt. Die Vorträge der Solisten\nführten die gewöhnlichen Paradepferde derselben vor. „ Wie\nnahte mir der Schlummer\", wurde von der Viardot zwar\nmit dramatischem Ausdruck gesungen, konnte aber doch\ngegen die Leistungen der Novello und Castellan nicht auf-\nkommen. Das Orchester war Nebensache; an eine Sinfonie\nwar natürlich nicht zu denken, aber Mendelssohn's Hoch-\nzeitsmarsch durfte nicht fehlen.\nAm folgenden Tage kam Mendelssohn's Elias\ndaran, im Morgen-Concert. Der Saal war schwach besetzt.\nDie höheren Classen in Liverpool haben nie Sinn lür Ora-\ntorien-Musik gehabt, was schon die Schluss-Scene im Mes-\nsias am vorigen Morgen beweis't, wenn es sonst noch nicht\nbekannt wäre. Die Halle war kaum zum dritten Theile ge-\nfüllt. Dass die Königin der Eröffnung nicht beiwohnte,\nwar die eine Ursache des schlechten Besuches denn\nbloss der Musik wegen verlässt der Adel um diese Jahres-\nzeit seine Schlösser und Jagdpartieen nicht; und die zweite\nlag in dem selbst für England Eintrittspreise.\nUnfehlbar wird die städtische Casse einen bedeutenden\nAusfall an der Einnahme zu decken haben.\nWider alle Erwartung war die Ausführung des Elias\nim Ganzen genommen eine glänzende, und man muss den\nChor loben, der trotz des Dirigenten die meisten Nummern\nfest und sicher und mit Begeisterung sang. Freilich würde\nAlles noch besser gegangen sein, wenn man tüchtige Ge-\nneralproben gehalten hätte. In dieser Beziehung handelt\nman oft in England mit einer ganz unverantwortlichen\nRücksichtslosigkeit, welche zum Theil in der Unwissenheit\nder Comite's in musicalischen Dingen liegt, die da meinen,\nwenn die Musiker nur gut bezahlt würden, so verstände\nsich das Zusammenspiel von selbst. Für die hiesigen Auf-\nlührungen ist Chor und Orchester erst am Freitag zusam-\nmengetreten; also in zwei Tagen, da bekanntlich am Sonn-\ntag nichts gethan wird, mussten probirt werden: Messias\nvon Händel, Elias von Mendelssohn, Die Schöpfung von\nHaydn, Die letzten Dinge von Spohr abgesehen von\nden Gerichten des Küchenzettels der Misch-Concerte! Von\nden Solisten wurden Formes, Sims-Reeves und Gardoni mit\nRecht durch Beifall ausgezeichnet. Uebrigens fielen im Or-\nchester Dinge vor, die wir in Deutschland Böcke zu nennen\npflegen, welche nur durch die Sicherheit und Gewandtheit\nder Solisten dem grossen Publicum vertuscht werden konn-\nten, wobei wir besonders Clara Novello bewundern mussten,\ndie mit einer unzerstörbaren Ruhe das Orchester dominirte.\nAn diesem Tage wurde eine Medaille ausgegeben,\nwelche das Andenken an das Fest verherrlichen soll.\nAm Abend fand das zweite Misch-Concert Statt. Das\nProgramm war nicht so bunt, als am vorigen Abend. Mo-\nzart herrschte vor, und wir hörten fast alles, was einige\nWochen vorher bei dem Musikfeste in Worcester gefallen\nhatte. Der Saal war weit mehr gefüllt als am Morgen. Das\nOrchester führte die Ouvertüre zum Sommernachtstraum,\nzur Leonore und zum Wasserträger gut aus; das Zusam-\nmenspiel am vorigen Tage hatte geholfen. Die Solisten san-\ngen ihre Lieblingsstücke; vortrefflich wurde das Schreib-\nDuett aus Figaro durch die Novello und Castellan vorge-\ntragen da zeigte sich einmal wieder recht klar, was\nschöne Stimmen durch einfachen Gesang auf Kenner und\ngrosse Menge zugleich vermögen! Dass die hiesige Kritik\ndas Duett in den Don Juan legte —je nun! wer wird\nAlles so genau nehmen?\nMeinen Sie, wir hätten nun genug gehabt? Keines-\nwegs. Mittwochs ein neues Morgen-Concert. Und was\nbrachte es? Nichts weniger als den ersten und zweiten\nTiieil von Haydn's Schöpfung und Spohr's Letzte\nDinge. Also vier Oratorien in drei Tagen!\nIch denke aber, Sie und Ihre Leser haben an meinem\nBerichte genug, und somit schliesse ich mit bekannter\nHochachtung.\n\nN. N. Z."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-10-07-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-10-07_01#c002", "volume": "bmtnabi_1854-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "315", "page_fin": "317", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.2.2", "titre_corps": "Rossini.", "titre_sommaire": "Rossini.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "315", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.3", "debut_caractere": 4173, "fin_caractere_exclue": 4834, "texte": "Rossini.\nDie neuesten Nachrichten*) über diesen unstreitig ge-\nnialen Componisten regen die Theilnahme aller Runstfreunde\nwieder für ihn an. Rossini zog sich von der Oeffentlichkeit\nseit Jahren zurück; hier und da tauchte eine Runde von\nerneuter Thätigkeit des Meisters auf, und mehr oder min-\nder wahr, machte sie den Weg durch ganz Europa. Jetzt\nsind die Nachrichten über ihn mit einem Trauerschleier\nverhüllt, der uns sein Bild in einem beklagenswerthen Zu-\nstande zeigt. Das furchtbare Geschick, welches so manchen\ngrossen Dichtergeist ergriffen hat, lastet auch auf ihm •\nder Genius, der am Schaffen seine Freude hatte, der gött-\n\n*) S. unten im Tagsblatt."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "316", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4991, "texte": "liehe Funke wird erstickt durch eine Revolution in der Ma-\nterie, die ihn einschliesst, der Stoff macht sein furchtbares\nRecht über den Geist geltend, und der Wahn schlägt den\nVerstand in Bande!\nRossini ist jetzt 62 Jahre alt. Zu Pesaro wurde er\nden 29. Februar 1702 geboren, und das unscheinbare\nPesaro hat durch ihn einen unsterblichen Namen gewonnen.\nSeine Eltern zogen mit ihm von Messe zu Messe. Sein\nVater, Giuseppe Rossini, war Hornist und verdiente sein\nBrod mit Blasen in den Orchestern der wandernden Opern-\ngesellschaften, bei denen seine Gattin, Anna Guidarini, sang.\nIn seinen ersten zehn Jahren hatte der Knabe keinen Leh-\nrer. Sich selbst überlassen, summte er mit auffällend schnell\nfassendem Gedächtniss die Melodieen nach, die er hörte,\nund zeigte bald eine ausserordentlich liebliche Stimme.\nDiese erregte endlich die Aufmerksamkeit der Eltern und\nihrer Freunde, und als er zwölf Jahre alt war, bekam er\neinen Gesanglehrer, Angelo Tessei von Bologna. Er lernte\nschnell und gut, und seine musicalische Naturanlage ent-\nwickelte sich alsbald so überraschend, dass er durch das\nVomblattsingen der schwierigsten Intervalle und Mittel-\nstimmen in Erstaunen setzte. Er sang hauptsächlich in Kir-\nchen; aber nach wenigen Jahren verlor die Stimme an\nReiz und Frische. Allein er war so weit voran geschritten,\ndass er als Gesanglehrer auftreten konnte, und schon in\nseinem sechszehnten Jahre war er Chor-Director an den\nBühnen von Lugo, Ferrara, Forli und Sinigaglia. Ein Jahr\ndarauf nahm ihn der Abt Matthei in die Lehre, um ihn in\nder Composition zu unterrichten.\nMan kann nicht sagen, dass er Tag und Nacht über\ndem Contrapunkt schwitzte. Faul im wissenschaftlichen\nStudium, ergab er sich den Launen seiner Phantasie und\nschwärmte in Melodieen, wie ein Liebender unter den Blü-\nthen der Bäume und den Blumen der Wiese.\nMatthei schalt ihn aus und warf ihm seine Faulheit\nvor. Als ihn aber Rossini fragte, ob er jetzt wohl genug\nvon der Musik verstände, um eine Oper zu schreiben, schlug\ner die Hände über den Kopf zusammen.\n„Du willst eine Oper schreiben? 0 ja, Talent hast\ndu; aber ein Mensch, der eine Oper schreiben will, muss\nalle Gattungen der Musik kennen, in allen Sätteln gerecht\nsein und mit Einem Wort ein Bisschen mehr lernen,\nals du verstehst.\"\nTrotzdem Hess Rossini von dem Gedanken nicht ab,\neine Oper zu componiren. Er lernte Haydn, er lernte Mo-\nzart kennen; er fiel über ihre Partituren her. In ihnen fand\ner die ideale Poesie, welche er geträumt, sie wurden seine\nLehrer; er begeisterte sich für die frische, jugendlich blü-\nhende Einfachheit Haydn's, an dem er mit Vorliebe hing,\nund für den reizenden Schmelz der Melodie Mozart's\nund so folgte er seinem Stern und entwickelte sich mehr\ndurch sich selber, als durch den Unterricht seines Lehrers\nex professo.\nIn seinem neunzehnten Jahre schreibt er für das Thea-\nter San Mose in Venedig die komische Oper II Cambialt\ndi Malrimonio, und im zwanzigsten für Bologna L'Equi-\nvoco extravagante. Beide Werke fallen durch. Schadet\nnichts: sein Muth wankt nicht; er fühlt nur, dass er den\nrechten Weg noch nicht gefunden.\nEr geht nach Rom, und dort beginnt die Umgestal-\ntung seiner Künstlernatur, die Entpuppung des Schmet-\nterlings. Sein Demetrio e Polibio erregt schon in einigen\nNummern die öffentliche Aufmerksamkeit; die ungeheure\nFruchtbarkeit seiner melodiösen Erfindungsgabe bricht mit\nEinem Male durch, und in seinem einundzwanzigsten Jahre\nschreibt er fünf Opern: L' Inganno felice für Venedig, Ciro\nin Babilonia für Ferrara, La Scala di Sela für Venedig,\nPietro del Paragone für die Scala in Mailand, L'Occasione\nfa il ladro für Venedig!\nUebrigens errang Rossini nicht mit jeder dieser Opern\neinen unbestrittenen Erfolg; es gab bedeutende Kämpfe in\nden Theatern zwischen den Klatschenden und den Pfeifen-\nden, und den vollständigen Sieg half ihm erst „Der Bar-\nbier von Sevilla\" erfechten einen Sieg, der um so ent-\nscheidender wirkte, je mächtiger der Gegner gewesen, der\nihn streitig machte. Dieser war kein Anderer als Paesiello,\ndessen Oper unter demselben Titel in ganz Italien als un-\nübertrefflich galt. Man klagt ihn sogar an, dass er gegen\ndie erste Aufführung des Rossini'schen Figaro zu Rom Um-\ntriebe gemacht und eine Schar von Pfeifern ins Theater\ngeschickt habe. Die Sache wurde bekannt und half den\nTriumph Rossini's vergrössern, und jetzt ist Paesiello's Bar-\nbier vergessen, während Rossini's Werk gerade dasjenige\nvon allen ist, die er geschrieben, über dessen Werth Ein-\nstimmigkeit herrscht. Habent sua fata libelli oder opera,\nwie man will.\nWas in Rom der Barbier, das wirkte in Venedig Tan-\ncredi, welcher die Venetianer in einen solchen Rausch ver-\nsetzte, dass sie überall, wo sie gingen und standen, nichts\nals Melodieen aus dem Tancred sangen. Nach einer Erzäh-\nlung des Grafen Orloff musste sogar bei einer öffentlichen\nGerichtssitzung der Präsident des Tribunals Stille gebieten,\nweil der mit Zuhörern gefüllte Saal von dem Summen des\nTi rivedröund Di tanti palpitiwiederhallte."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "317", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3552, "texte": "Eines Abends fuhr Hossini auf den Lagunen spaziren.\nAuf einmal hört er vom Lido her frische Stimmen, deren\nKlang ihn um so mehr anzog, als er Melodieen aus Tan-\ncred durch die Luft trug. Er fuhr näher heran. Die Gon-\ndoliere aber erkannten ihn, und bald sah er sich von einem\nKreise von Gondeln umzingelt, der immer grösser und\ndichter wurde. Gesänge aus seinen Opern erschallten, Fackeln\ntauchten aus der Dunkelheit der Nacht empor und gingen\nwie Sterne immer zahlreicher auf; der improvisirte Triumph-\nzug fuhr durch die Canäle nach Rossini's Wohnung; schnelle\nNachen und Boten waren vorausgeeilt, die anliegenden Häu-\nser wurden beleuchtet, eine unzählige Volksmenge rief ihr\nEvvita in die Lüfte und, an seiner Wohnung angekommen,\nfand er auch diese bereits geschmückt und erleuchtet, und\nwurde über Blumen und Kränze bis in seine Zimmer\ngeführt.\nMan erzählt gewöhnlich, dass Rossini sehr schnell ge-\narbeitet und sogar seine grösste Oper, „ Wilhelm Teil\", in\ndrei Monaten geschrieben habe, ferner, dass er componirte,\nwährend er Besuch hatte und sich selbst mit der Gesell-\nschaft unterhielt und Anekdoten erzählte. Das Wahre an\nder Sache ist, dass Rossini den Vorzug eines ganz ausser-\nordentlichen Gedächtnisses und das innere musicalische Le-\nben, welches das Genie ausmacht, mit Mozart gemein hatte.\nWie dieser, trug auch der italiänische Meister nicht nur\neinzelne Arien und Duette, sondern ganze Finale, ja, man\nkann behaupten, ganze Opern so gut wie fertig mit sich\nim Kopfe herum; setzte er sich dann an den Arbeitstisch,\nso floss Alles freilich so schnell aus seiner Feder, dass der\nzufällig Zuschauende sich vor Erstaunen nicht lassen konnte,\nweil er natürlich glaubte, das Niedergeschriebene werde\nauch in demselben Augenblicke von dem Componisten ge-\ndacht und erfunden. Ein Instrument gebrauchte er dabei nie.\nAuch Mozart schreibt von sich in dem bekannten Briefe\nan den Baron: „Ich bringe die Composition, so gross und\nbedeutend sie auch sein mag, in meinem Kopfe schon so\nweit zu Ende, dass ich sie im Geiste mit Einem Blick über-\nsehe was ich einmal so gefasst habe, vergesse ich nicht\nwieder. Dann geht's mit dem Niederschreiben sehr ge-\nschwind ich kann dabei Alles um mich her vorgehen\nlassen und auch wohl mit einem von Hühnern und Gänsen\nsprechen.\"\nDasselbe war bei Rossini der Fall. Seine Freunde sa-\nhen ihn oft Tage lang, ohne aufzuhören, schreiben, und\ndann hiess es freilich: Diese Oper hat er in acht oder in\nvierzehn Tagen geschrieben. Eben so falsch war es, wenn\nman sich dann wieder erzählte, er faulenze Monate lang.\nDiese Monate, in denen er allerdings keine Noten schrieb,\naber desto mehr Musik dachte, waren gerade die Zeit der\nKeime und Blüthen, das Niederschreiben nur die Zeit der\nAernte.\nDen „Wilhelm Teil\" schrieb er fast ganz auf dem\nLandgute seines Freundes Arago bei Paris. Eines Tages\nwaren dieser und mehrere genauere Bekannte in seinem\nArbeitszimmer. Die Unterhaltung war sehr lebhaft, Rossini\nnahm daran Theil und erzählte selbst mit Lachen einige\nJugendgeschichten, blieb aber dabei immer am Schreiben.\nEndlich streute er Sand über das letzte Blatt, stand auf,\nrieb sich die Hände und rief: „Gut, endlich bin ich fertig!\"\n„Nun,\" rief Levasseur, der zugegen war, „du hast ge-\nwiss eine recht komische Scene während unseres Geplau-\nders entworfen!\" Wie erstaunte er aber, als er in die Par-\ntitur sah und ein grosses Terzett gewahrte, dessen Instru-\nmentirung und Füllung Rossini eben von Anfang bis Ende\nniedergeschrieben hatte es war das berühmte Terzett\nfür Tenor, Bariton und Bass in „Wilhelm Teil\"."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-10-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-10-07_01#c003", "volume": "bmtnabi_1854-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "317", "page_fin": "319", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.2.3", "titre_corps": "Aus Hannover.", "titre_sommaire": "Aus Hannover.", "signature_source": "C. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "317", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.5", "debut_caractere": 3554, "fin_caractere_exclue": 4880, "texte": "Aus Hannover.\n\nIch habe Ihnen über eine musicalische Produclion ganz\nneuer Art zu berichten, bei welcher es zweifelhaft sein\nkönnte, ob der Producent oder das Instrument, auf wel-\nchem er spielte, mehr Interesse zu wecken verdiente, wenn\nnicht die Neuheit und Wichtigkeit des letzteren für die Ent-\nwicklung der Instrumental-Musik überwiegend wäre. Wir\nhatten nämlich Gelegenheit, das Orchestrion des Herrn\nMerklin aus Brüssel zu hören, welches uns durch Herrn\nFerdinand Kufferath vorgeführt wurde, der uns be-\nreits durch seine Compositionen vortheilhaft bekannt war\nund sich uns nun auch als trefflicher Organist und ausge-\nzeichneter Pianist bewährte. Wir sagen: als trefflicher Or-\nganist, weil wir noch keine eigentümliche Bezeichnung\nfür einen Orchestrionspieler haben, und das Instrument vor\nAllem auch eine geschickte Behandlung des Pedals und der\nRegister verlangt.\nUeber das Instrument selbst sage ich Ihnen nichts, da\nSie es genau kennen; nur darf ich Ihnen nicht verschwei-\ngen, dass die musicalische Welt Ihnen dankbar sein muss,\ndass Sie die Aufmerksamkeit des Publicums zuerst in\nDeutschland auf diese herrliche Erfindung gelenkt haben,\nwelche eine bisher so fühlbare Lücke zwischen Orgel und\nPianoforte auf eine so gelungene Weise ausfüllt. Hier hat\ndieselbe nicht allein das höchste Interesse unserer Majestä-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "318", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5189, "texte": "ten des Königs und der Königin erregt, sondern unter al-\nlen Musikern, die Herren Marschner und Fischer, un-\nsere Capellmeister, an der Spitze, ist die bewundernde und\nfreudige Anerkennung allgemein und einstimmig. Doch ich\nmuss Ihnen ausführlich berichten.\nDie Herren Merklin und Kufferath waren auf ihrem\nWege nach Hamburg hier durchgereis't und hatten zwar\neinige Besuche gemacht, jedoch das Instrument nicht aus-\ngepackt, weil ihre Zeit beschränkt war. Unser König, des-\nsen hoher und gründlich gebildeter Kunstsinn alles, was\nMusik heisst, mit besonderer Liebe und Protection umfasst,\nvernahm zu seinem Bedauern die schnelle Abreise der Her-\nren und beauftragte auf der Stelle den Kammermusicus\nKuhn, nach Hamburg zu gehen, das neue Instrument zu\nhören und darüber unmittelbar an Se. Majestät zu berich-\nten. Herr Kuhn wohnte in Hamburg der Production des\nOrchestrions durch Herrn Kufferath in der Tonhalle bei\nund berichtete nicht nur sein eigenes, sehr günstiges Urtheil\nüber dasselbe, sondern schilderte auch den allgemeinen,\nausserordentlichen Eindruck, den dasselbe auf die eingela-\ndene Versammlung von mehr als 400 Zuhörern gemacht\nhatte, unter denen sich die ersten Kunst-Notabilitäten und\nKunstfreunde der Stadt, unter Anderen die Herren 0 tten,\nGrund, Schwenke, Armbrust u. s.w., wie auch aus-\ngezeichnete Kenner aus der Fremde, z. B. Gathy aus Pa-\nris, befanden.\nAuf seinen Bericht erfolgte eine Einladung von hier an\nHerrn Merklin durch den Herrn Intendanten der königlichen\nTheater und Concerte, und Sonntag den 1. October, Nach-\nmittags 3 Uhr, fand das Concert auf dem Orchestrion in\nGegenwart der beiden Majestäten Statt. Die königliche Ca-\npelle und das Sänger-Personal des Hoftheaters waren Herrn\nKufferath für das Arrangement des Programms zur Verfü-\ngung gestellt, und so wurde ihm durch die kunstsinnige\nLiberalität des Königs die Möglichkeit geboten, das neue\nInstrument des Herrn Merklin von allen seinen vortheilhaf-\nten Seiten vorzuführen, als Solo-Instrument und als Beglei-\ntungs-Instrument zu Gesang und zu Melodie-Instrumenten.\nHerr Kufferath benutzte diese Gelegenheit auf sehr\nsinnige Weise, indem er theils Solostücke auf meisterhafte\nWeise und mit sicherer Beherrschung aller Ausdrucksmit-\ntel des Instrumentes vortrug, theils beim Accompagnement\ndie glänzenden, wie die einschmeichelnden Tonfarben der\nverschiedenen Register in das hellste Licht stellte. Von den\nSolosachen gewannen seine eigenen, für das neue Instrument\nbesonders geschriebenen Compositionen, z. B. ein wunder-\nvolles Duo, eine Melodie im Pedal mit figurirter Begleitung,\neine Phantasie über das österreichische Volkslied u. s. w.\nAusserordentlichen Beifall, und in der Pedal-Melodie hörten\nwir eine Stimme von so neuer und wunderbarer Klans-\no\nfärbe, dass alle Musiker darüber erstaunt waren und dem\nHerrn Merklin die aufrichtigsten Complimente machten.\nAusserdem wurde eine Motette von Mendelssohn\nfür dreistimmigen Frauenchor gemacht, und Fräul. Jan da\nsang auf ausdrückliches Verlangen des Königs die herrliche\nSopran-Arie „Jerusalem\" aus Mendelssohn'sPaulus; beide\nStücke machten mit der Begleitung des Orchestrions eine\nherrliche Wirkung. Alsdann spielte Herr Kammermusicus\nMatlhes seine für das Violoncello eingerichtete Melodie\nzu einem Präludium von J. S. Bach mit bekanntem, vor-\ntrefflichem Vortrag, und unser erster Violinist Herr Köm-\npel trug das Adagio des Violin-Concerts von Mendelssohn\nmit so seelenvollem Ausdruck und so vollendet schönem\nTone vor, dass namentlich auch die Herren Kufferath und\nMerklin, welche die grössten Violinisten der belgischen\nSchule so oft gehört haben, ihm ihre Bewunderung zollten.\nDie Majestäten Hessen sich den Erbauer des Instru-\nmentes und den Spieler vorstellen und hatten die Gnade,\nin den schmeichelhaftesten Ausdrücken Ihre hohe Zufrie-\ndenheit wiederholt gegen Beide auszusprechen. Ihre Maje-\nstät die Königin zeigte die lebhafteste Theilnahme für das\nneue Kunstwerkzeug; Herr Merklin musste Ihr den inne-\nren Bau des Instruments, die Einrichtung des Mechanismus,\ndie Wirkung des Regulators u. s. w. zeigen und erklären,\nund er erstaunte über die Art und Weise, mit welcher die\nhohe Frau in alle Details einging und seine Auseinander-\nsetzungen auffasste. Herr Kufferath hatte die Ehre, per-\nsönlich von Sr. Majestät dem Könige auf den folgenden Tag\nzur musicalischen Production im Palais eingeladen zu wer-\nden, woselbst er als Pianist durch den Vortrag eigener\nCompositionen und einiger Mendelssohn'schen Sachen den\nAllerhöchsten Beifall von Neuem gewann, den Se. Majestät\nder König ihm in den huldvollsten Worten zu erkennen\ngab, auch schon während des Spiels zu äussern geruhte:\n„Man hört, dass Sie ein Schüler Mendelssohn's sind.\"\nSie können Sich kaum vorstellen, wie sehr die Herren\nMerklin und Kufferath von Musikern und Kunstfreunden,\ndie aus irgend welchen Gründen verhindert worden\nwaren, der ersten Production beizuwohnen, überlaufen wur-\nden, um das Instrument doch noch zu hören, und wir\nmüssen die grosse Bereitwilligkeit der Herren loben, mit\nwelcher sie den mitunter wirklich etwas zudringlichen Wün-\nschen entsprachen, um so mehr, da das Instrument nicht\nin ihrem Hotel, sondern im Concertsaale aufgestellt war."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2630, "texte": "Zu grosser Freude aller Kunstfreunde verbreitete sich da-\nher am Montag Abends die Nachricht, dass Herr Kufferath\nam Dinslag Morgen, den 3. d. Mts., das schöne Instrument\nnoch einmal vorführen werde, und zwar hauptsächlih für\ndie Mitglieder der königlichen Capelle, wiewohl keinem\nKunstfreunde der Eintritt in den Saal verwehrt sei. Das\nErstaunen über diese seltene Liberalität des Erfinders und\nErbauers des Instruments und des Künstlers, der es zur\nGeltung brachte, wurde noch durch das Vernehmen aus\nsicherster Quelle vermehrt, dass die beiden Herren jedes\nHonorar von Seiten der königlichen Intendanz entschieden\nverweigert hätten, indem es ihnen allein um Bekanntwer-\ndung und Anerkennung des neuen Instruments zu thun sei.\nEs sollte uns Hannoveranern aber am Dinstag-Morgen\nnoch eine andere Ueberraschung werden; denn nachdem\nwir uns von Neuem an den Vorträgen des Herrn Kufferath\nergötzt, trat ein Sänger neben das Instrument, und wir\nhörten ein Lied von Schubert so vortragen, wie wir es\nhier, trotz des trefflichen Ensemble unserer Opern- und\nConcertkräfte, noch nicht gehört haben. Dem rauschenden\nBeifall der Versammlung folgte ein lautes Gefrage: „Wer\nist das? wer ist das?* worauf uns die Auskunft wurde:\n„Das ist Ernst Koch, Professor des Gesanges an der\nRheinischen Musikschule zu Köln, der zufällig gestern\nAbends hier eingetroffen, und von dem uns Marschner schon\nso oft gesprochen, wenn er vom Rheine und von Köln er-\nzählt, „wo dieser erste Liedersänger Deutschlands wohne,\nund wo es ausserdem Dilettanten gäbe, die seinen Hans\nIleiling und Vampyr so sängen, dass er ihnen ganz begei-\nstert um den Hals gefallen sei.\" Als nun aber vollends die\nherrliche Kirchen-Arie von Stradella zu den sanften\nund mystischen Tonfarben des Orchestrions mit solcher\nKlangfülle der Bruststimme, so edlem Tone, so getragenem\nVortrage, der den Sänger auf der höchsten Stufe der Kunst\noffenbarte, ihres erhabenen Stils in jeder Hinsicht würdig\nertönte, da war Alles wahrhaft hingerissen, und der Wunsch,\nHerrn Koch im Concert zu hören, sprach sich laut aus.\nLeider war es Herrn Koch nicht möglich, diesem Wunsche\nzu entsprechen, da ihn seine Verpachtungen schon am\nfolgenden Tage an den Rhein zurückriefen. Wir hoffen aber\nzuversichtlich, dass unsere Concert-Direction dem hiesigen\nPublicum noch diesen Winter die Gelegenheit verschaffen wird,\nden trefflichen Sänger in grösserem Kreise zu bewundern.\nAuch die Herren Merklin und Kufferath sind von hier wie-\nder in die Heimat zurückgereist und haben, da das Instrument\nnach Hamburg verkauft ist, den Plan einer grösseren Reise\ndurch Deutschland für jetzt wenigstens vertagt.\n\nC. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-10-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-10-07_01#c004", "volume": "bmtnabi_1854-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "319", "page_fin": "320", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.7", "debut_caractere": 2632, "fin_caractere_exclue": 6597, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMÜSBi. Karl Formes hat in voriger Woche das Stadt-Thea-\ntor an drei Abenden so gefüllt, wie wir es seit langer Zeit nicht\ngesehen haben. Bekanntlich trat er vor etwa zehn Jahren hier zu-\nerst auf und begann unter der Direction von Spiclberger seine\ntheatralische Laufbahn. Das Material der Stimme war allerdings\nauch damals schon bewundernswerth, aber dass Formes diejenige\nkünstlerische Höhe erreichen würde, auf welcher er jetzt steht, das\nahnte man hier nicht, und weil man es damals nicht ahnte, so\nwollte man es auch lange nachher noch nicht wissen, wenn auch\ndie Kunstberichte aus allen Hauptstädten Europa's vom Preise sei-\nner Leistungen voll waren. Das Spruch wort; „Der Prophet gilt iu\nseinem \\ aterlande nichts !u bewährte sich hier noch über seine\nWahrheit hinaus: denn man hatte ihn, seitdem er Prophet gewor-\nden, gar noch nicht wieder gehört und glaubte sich dennoch zum\nUrlheil berechtigt.\nNun, man erinnerte sich eben nicht, dass es Menschen gibt, bei\ndenen die ursprüngliche Natur trotz aller äusseren Hemmnisse und\nBelastungen dennoch durchbricht, denen nicht Familie und Unter-\nricht und Vermögen die Bahn ebnen, deren Ausstattung aber die\nNatur schon bei ihrer Geburt gespendet hat und deren Erziehung\nfür ihren durch eine Gottesgabe bestimmten Beruf nicht die Schule,\nsondern das Leben übernimmt. Man nennt sie gewöhnlich Genies,\nund Karl Formes ist unstreitig ein solches für die Specialität der\nmusicalisch-dramatischen Kunst. Bei einem Genie ist das Kunst-\nwerk da, ehe der Künstler darüber nachgedacht hat, wie es zu\nschaffen sei; die Reflexion kommt nachher, das Studium, der Fleiss\nalles das kommt erst nach und dient nur dazu, die Idee des\nKunstwerkes, die schon von Natur zu erster Erscheinung gekom-\nmen, zu einer vollendeten abzurunden. Das ist nicht bloss bei dem\nMaler, dem Bildhauer, dem Componisten der Fall, es tritt auch\nbeim dramatischen Künstler, beim Sänger und ausübenden Musiker\nein, und überall steht der geniale Künstler über dem reflectirenden.\nAlles, was Formes ist, ist er durch sich selbst; er hat sich von\ninnen heraus entwickelt, nichts ist von aussen in ihn hineindocirt\nworden, und die Natur hat in ihm durch ihre eigene Kraft so lange\ngewirkt, bis sie ihn zum Bewusstsein über diese Kraft erhoben\nhat, das heisst zu dem Willen und dem Vermögen, die Mittel der\nNatur zur Darstellung von Gebilden der Kunst veredelnd zu be-\nnutzen. Eben so wie er, ohne je ein Gymnasium oder eine Real-\nschule oder eine Pension durchgemacht zu haben, deutschen, ita-\nliänischen und englischen Text mit reiner, tadelloser und ausneh-\nmend deutlicher Aussprache singt, eben so hat er die kolossalen\nund schwer zu handhabenden Stimmmittel nach und nach richtig\nverwenden, das rohe Metall schleifen und glätten gelernt, ohne je\nin den Werkstätten der Garcia, Bordogni etc. gemodelt worden zu\nsein. Das ist freilich nicht Jedem gegeben, und wir sind weit ent-\nfernt, den Werth der Schule in der Kunst herabsetzen zu wollen ;\nwir sprechen nur von dem, was bei diesem Künstler so ist, von\ndem Historischen einer bestimmten Erscheinung.\nSehen wir nun, wie Formes gerade dadurch sich als einen gros-\nsen dramatischen Sänger zeigt, dass er das geistige Element\ndes Gesanges vor Allem zur Geltung bringt, mag er das verkör-\nperte Princip des starren Glaubens, wie im Marcel, oder den\nTeufel mit menschlichem Gctünl, wie im Bertram, oder die ru-\nhige Würde des Priesters der Weisheit, wie im Sarastro, zu ver-\nanschaulichen haben, so müssen wir in der That ihn um so mehr\nbewundern, je genauer wir den Gang kennen, den seine Entwick-\nlung genommen hat. Desshalb hat er denn auch jetzt hier, in sei-\nner zweiten Vaterstadt, einen vollständigen Triumph gefeiert, und\nes herrscht nur Eine Stimme darüber, dass Rheinland stolz darauf\nsein muss, einen Mann den Seinigen zu nennen, der auf eine so\nwürdige Weise in die Reihe der tonkünsllerischen Berühmtheiten\ntritt, welche unser speciellcs Vaterland verherrlichen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6711, "texte": "Köln. Unsere Abonnements-Concerte werden am 17.\nOctober unter der Direction des städtischen Capellmeisters Herrn\nF. Hill er wieder beginnen. Als Sängerin für die ersten vierCon-\ncerte ist Frau Nissen-Saloman von dem Vorstande der Con-\ncert-Gesellschaft engagirt. Der neue Cursus an der Rheinischen\nMusikschule hat diese Woche begonnen. Das Lehrer-Personal\nist durch Herrn Christian Reimers, früher in Düsseldorf und\nBonn, vervollständigt worden, an welchem, als bravem Violon-\ncellisten, unser Orchester zugleich eine gute Erwerbung gemacht hat.\nCoblenz. Unser Männergesang-Verein Concordia gab am\nMittwoch den 20. September in Vereinigung mit dem Musikcorps\ndes königlichen 39. Infanterie-Regiments und unter gefälliger Mit-\nwirkung einiger auswärtigen musicalischen Kräfte zum Besten der\nUeberschwemmten in Schlesien im Theatersaale ein Concert. Das\nProgramm war sehr gut gewählt, versammelte daher auch ein zahl-\nreiches Publicum, und die Ausführung war durch den guten\nVortrag mehrerer Sachen für Militär-Musik, durch zwei Arien von\nWeber und Meyerbeer, von Fräul. Hartmann aus Köln sehr\nschön und schulgerecht gesungen, durch zwei Lieder von Schubert\nund Esser, von einer vorzüglichen Tenorstimme, und durch zwei\nGesang&tücke von Kalliwoda und Marschner, von einer kräftigen\nBaritonstimme, Beides mit der Kunst verwandte Dilettanten aus Bonn\nund Köln in allen Theilen durchaus lobenswerth. Die Chöre\nund ein Solo-Quartett von Mendelssohn, Abt und Schärtlich wur-\nden von unserer Concordia mit besonders guter Präcision und schö-\nnem Portamento vorgetragen, so dass das ganze Auditorium nach\njeder einzelnen Leistung seinen vollen Beifall zu erkennen gab und\ndadurch allen denen, die sich für den edlen Zweck bei dem Ar-\nrangement und der gelungenen Ausführung des Ganzen thälig be-\nwiesen haben, seinen wärmsten Dank aussprach.\nIn Baden-Baden ist die diesjährige Saison an wirklich be-\ndeutenden nuisicalischcn Künstler-Productionen sehr arm gewesen.\nZuletzt licss sich noch ein Italiäner Bianchi auf der Violine hö-\nren, der sich einen Schüler (?) Paganini's nennt er hat guten\nTon und grosse Fertigkeit. Wenn ihn aber ein dortiges Blatt das\nFinale aus der Lucia auf der G-Saite spielen lässt, so muss\nes den Mann wirklich für einen Hexenmeister halten, eben so wie\njenen Tenoristen, der allein vierstimmig sang.\nMan schreibt uns aus Wien bei Gelegenheit einer Aufführung\ndes Don Juan: „Unter allem Neuen, welches uns die Opern-Di-\nrection an Personal vor einem Jahre mitbrachte, hat sich Beck\nam schnellsten und gelungensten zu wirklicher Bedeutung empor-\ngeschwungen, und wir sehen das Prognostikon, welches Sie ihm in\nIhrer Musik-Zeitung bei Beurtheilung seines Gastspiels in Köln so\ngünstig stellten, auf eine sehr erfreuliche Weise in Erfüllung gehen.\nDie künstlerische Ausbildung seiner herrlichen Stimme schreitet\ntäglich vor, die Wirkung seines \"\\ ortrags ist oft eine wahrhaft er-\ngreifende, und auch im Spiel hat er bereits bedeutend gewonnen.\nSein Don Juan, der im Anfang des vorigen Jahres noch gar eckig\nwar, hat sich jetzt zu einem schönen Ganzen abgerundet. Von dem\nübrigen Personal kann ich nicht so viel rühmen, wiewohl die\nDonna Anna der La Grua vor strengem Richterstuhl bestehen\nkonnte. Die Zerline der berühmten Wildau er war mir gera-\ndezu widerlich; das Spiel war durchweg übertrieben und sprach\naller Wahrheit und allem Maasse Hohn, und der Gesang entbehrte\ndes feinen Reizes und der Nuancirungen, welche diese Partie und\nbesonders der Vortrag der beiden Arien verlangen. Im Ballet ma-\nchen gegenwärtig Marie Taglioni und Karl Müller aus Ber-\nlin die Wiener verrückt; ich kann das Ballet zwar nicht leiden,\nHess mich aber doch verführen, in die „Satanella\" zu gehen, und\nich versichere Ihnen, dass ich mich recht fest auf meine Grund-\nsätze steifen musste, sonst hätte mir dieses reizende, anmuthige\nund geschmeidige Teufelchen auch den Kopf etwas Weniges auf\ndie Seite geschoben.\"\nDie augsb. Allgemeine Zeitung berichtet aus Livorno vom 13.\nSeptember: „Während meines Aufenthaltes in den Bädern von\nLucca gab ich Ihnen Nachricht von Gioachimo Rossini, der\ndort den Sommer zubrachte, und schilderte seinen trostlosen Ge-\nsundheits-Zustand. Es ist damit immer schlimmer gegangen, so dass\ngegenwärtig die Hoffnung auf Wiederherstellung gänzlich geschwun-\nden scheint. Ein heftiger Krankheits-Anfall, welcher nur durch die\nstärksten Arzneimittel abgewandt werden konnte, drohte, seinem\nLeben ein Ende zu machen; er wurde dann so weit hergestellt,\ndass er die Bäder verlassen konnte, um in die Umgebung von Flo-\nrenz zurückzukehren. Aber nie wird er wohl wieder Geistesklarheit\ngewinnen, wenn sich auch sein Dasein noch hinschleppen sollte.\nDie tiefste Melancholie hat einen schwarzen Schleier um ihn gezo-\ngen, den vielleicht keine Hand mehr lüftet. Die Geisteskrankheit\nhat Rossini in vorgerückten Jahren angegriffen, in seinem zweiund-\nsechszigsten (er ist 1792 in Pesaro geboren und somit ein Zeitge-\nnosse der französischen Revolution er, der grosse Revolutionär\nin der Musik), und auffallender Weise, nachdem er längst aufgehört\nhatte, schöpferisch thätig zu sein. Manche sind der Ansicht, dass\ngerade diese Unthätigkeit bei einer rastlosen, stets nach Objecten\nsuchenden Einbildungskraft seine Krankheit herbeigeführt habe,\nwovon sich indess früher schon deutliche Spuren gezeigt haben\nsollen. Im vorigen Sommer, bevor die Cholera den livornesischcn\nVergnügungen ein Ziel steckte, sang man hier im Theater San\nMarco die Cenerentola, deren einschmeichelnde Melodieen einen\nseltsamen Contrast mit der Verdi'schen Musik bildeten, welche man\nheutzutage auf der grössten, wie auf der kleinsten Bühne Italiens\ngut wie schlecht fast ausschliesslich zu hören bekommt. Einen noch\nschärferen Contrast aber machte es mir, als ich, diese hüpfenden\nund tändelnden, süssen und polternden Töne noch in den Ohren,\nbeim Ponte a Serraglio an der Lima den unglücklichen Maestro in\nBegleitung seiner Frau und eines Bekannten wandern sah, mit\neinem Blicke, der zu erkennen gab, dass die Natur für ihn alle\nihre heitere Schönheit umsonst ausbreitete und er in dumpfem\nBrüten untergegangen war.\"\nIn New-York baut man jetzt ein Theater, welches 4500 Zu-\nschauer fassen wird. Die Höhe des Zuschauerraumes beträgt 64\nFuss, die Breite des Prosceniums 60 Fuss; im Orchester werden\n100 Musiker sitzen können. Charakteristisch ist aber Folgendes:\n„Hinter den Logen des zweiten Ranges wird eine Reihe von Re-\nstaurationss'alen erbaut, welche durch Glaswände den Blick auf die\nBühne frei lassen, so dass man die Genüsse der Tafel mit denen\nder Kunst vereinigen kann. Diese Säle werden Raum für 1000 Per-\nsonen haben.\" Das Gebäude wird den Namen Phönix-Theater füh-\nren und ist auf 300,000 Dollars veranschlagt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "313", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.1", "texte": "Die Einweihung der St. Georgshalle in Liverpool.\n\n(Wir haben im dritten Artikel über die musicalischen\nZustände in England [Nr. 32] die St. Georgshalle in Li-\nverpool erwähnt, deren Inneres im Frühjahre zur Zeit un-\nserer Anwesenheit daselbst noch nicht vollständig ausge-\nbaut war. Ueber ihre Vollendung und Einweihung durch\ngrosse Musik-Auflührungen theilen wir jetzt folgenden Be-\nricht mit. Die Redaction.)\nDer Bau der St. Georgshalle ist vollendet. Ein Denk-\nmal des Reichthums der Stadt Liverpool und der gross-\nsinnigen Verwendung desselben durch die Vertreter der\nGemeinde steht auf alle Zeit da. Im Mai des Jahres 1841\nbilligte der Stadtrath den Plan des Architekten Henry\nLonsdale Eimes, welcher von 86 Bewerbern den Preis\nerhielt. In demselben Jahre wurde der Grundstein gelegt,\nund im Jahre 1851 war der Bau in den Theilen, welche\ndie Gerichtssäle enthalten, so weit vollendet, dass die Er-\nöffnung derselben in Gegenwart der Königin Statt haben\nkonnte. Seitdem wurde unausgesetzt fortgearbeitet, und die\nEinweihung des ganzen Gebäudes fand jetzt unter grossen\nFeierlichkeiten Statt, die am Montag den 18. September\nbegannen und die ganze Woche durch dauerten.\nDas.Gebäude steht, wie Sie wissen, auf dem freien\nPlateau der mittleren Hohe der Abdachung des Hügels,\nauf welchem die Stadt gebaut ist und unter welchem die\ndrei unterirdischen Eisenbahnen von Edge Hill bis an die\nUfer der breiten und tiefen Mersey hinlaufen. Das Aeussere\nzeigt zwar nicht eine vollkommene Einheit des Stils, jedoch\neine grössere, als dies sonst bei den Prachtbauten in Eng-\nland der Fall ist. Die Hauptzierde sind korinthische Säu-\nlen, welche 45 Fuss Höhe und 4 Fuss 6 Zoll Durchmes-\nser haben. Die Haupt-Colonnade auf der Ostseite tritt 26\nFuss vor und ist 200 Fuss lang das ganze Gebäude\nmisst 498 Fuss Länge und die Höhe vom Grunde bis zum\nGiebel 96 Fuss. Auf dem Hauptgiebel steht die Inschrift:\n„Artibus Legibus Locum Mun\nDomini MDCCCLI.\" Die Bestimmung des Ganzen ist näm-\nlich eine doppelte: es ist zugleich ein Tempel der Kunst\nund ein Gerichtspalast, in welchem die Assisen gehalten\nwrerden. Der grösste und prächtigste Theil ist jedoch der\nKunst geweiht, und in diesem ist die grosse mittlere Halle\nwiederum der Hauptbau.\nSie ist fast 200 Fuss lang, 75 Fuss breit und 87\nFuss 6 Zoll hoch. DerFusgboden ist Mosaik von gebrann-\nten Ziegelsteinen in bunten Farben, welche die mannigfal-\ntigsten Figuren und Verzierungen darstellen. Die Galerieen\nund die Decke werden von 22 Pfeilern von geschliffenem\nGranit getragen, die Brustwehren und Geländer sind alle\nvon Stein und mit Marmor- und Serpentinstein-Platten be-\nlegt, wie denn überhaupt eine wahre Verschwendung von\nweissem, schwarzem und farbigem Marmor überall sichtbar\nist, was der Halle ein glänzendes und blendendes, aber\nauch etwas buntes Ansehen gibt. Alle die ungeheuren\nRäume werden mit Röhren mit heissem Wasser gebeizt,\nund für die Ventilation und Erneuerung der frischen Luft\nist ebenfalls gesorgt. Zu dem letzteren Zwecke, und um die\nGebläse der Orgel in Gang zu setzen, wirkt eine im Keller-\ngewölbe aufgestellte Dampfmaschine.\nDas Merkwürdigste und Grossartigste in dem ganzen\nGebäude ist die Orgel, ein Werk mit vier Manualen,\nfreiem Pedal (32 Fussion), 108 Registern und 8000\nPfeifen, erbaut von Willis. Die zwei grossen Blasebälge,\nwelche den Wind zwölf anderen Reservoirs zulühren, wer-\nden, wie gesagt, durch eine starke Dampfmaschine in Be-\nwegung gesetzt *).\nAm Tage der Einweihung füllten Tausende von Zuhö-\nrern die gewaltigen Hallen, und das Künstler-Personal auf\ndem Orchester zählte 400 Sänger und 300 Instrumen-\ntalisten. Kurz vor 11 Uhr führte Herr Formes die Da-\nmen Novello und Castellan auf das Proscenium des\nOrchesters; die übrigen Solisten, unter ihnen auch Frau\nViardot-Garcia, folgten, und Alle wurden mit rauschen-\ndem Applaus und Lebehoch begrüsst. Der Organist schlug\n\n*) Wir hoffen, später eine genauere Beschreibung dieses kolos-\nsalen Orgelwerkes inittheilen zu können."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "314", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.2", "texte": "das zweiunddreissiglüssige Cund darauf das eingestrichene\nf an, vervollständigte den F-dur-Accord und hielt ihn aus.\nDer Dirigent Sir Henry Bishop rief: „Dies C F gilt\ndem Carl Formes!\" und ein neuer Sturm von Hurrah\nbrach los eine echt englische Ehrenbezeigung.\nUm 11 Uhr erschien der Mayor, begleitet von den\nMitgliedern des Stadtrathes, dem Lord Bischof von Chester,\ndem Lord Lieutenant der Grafschaft u. s. w. Das Volks-\nlied God save the Queen! wurde theils von Solostimmen,\ntheils vom vollen Chor mit Orchester und Orgel ange-\nstimmt. Der Bischof sprach ein kurzes Gebet, worauf sich\nder Mayor erhob und sagte: ,1m Namen des Mayors, der\nAldermänner und der Bürgerschaft dieser alten und ge-\ntreuen Stadt erkläre ich diese Halle für eröffnet.\" Un-\nmittelbar darauf begann die Aufführung des Messias\nvon Händel.\nWie sich doch Alles bei diesem Volke national gestal-\ntet und, wenn es einmal historisch geworden, unabänder-\nlich und unerschütterlich feststeht! Den Händel haben sich\ndie Engländer als den Ihrigen angeeignet, die Tradition\nkennt ihn nicht anders, denn als Engländer, sein Denkmal\nsteht ja in Westminster, in dem Pantheon der Briten, und\nso wäre es eine Impietät, wenn irgend eine bedeutende\nFeierlichkeit in Grossbritannien ohne Musik von Händel,\nund namentlich ohne seinen Messias, begangen würde.\nDie erste Aufführung in der St. Georgshalle hat uns\naber leider manche Besorgniss darüber eingeflösst, ob sie\nfür musicalische Zwecke befriedigend geeignet sein möchte.\nSo einzig in seiner Art der architektonische Eindruck des\nPrachtsaales ist, so scheint er dennoch lür die akustische\nWirkung nicht so vorteilhaft zu sein, als man das sonst\nvon den Concertsälen in England gewohnt ist. Indess mö-\ngen manche von den Nachtheilen, welche eine fehlerhafte\nAufstellung jetzt hervorbrachte, künftig zu vermeiden sein.\nDie Monster-Orgel, allerdings stellenweise von ungeheurer\nWirkung, erdrückte im Ganzen die Tonkraft des Orchesters\nund des Chors, und die Urtheile waren sehr verschieden\nüber die Vorzüge oder Nachtheile ihrer Mitwirkung. Unsere\nMeinung ist, dass ein so furchtbares Instrument, zumal\nwenn es mit allen seinen Kanonenröhren losdonnerl, alle\nmenschlichen Stimmen erstickt, sämmtliche Bogenstriche\nder Geigen zu Schanden macht und sämmtliche Lungen\nder Bläser zum Bersten bringt, da ihr Athem es mit der\nKraft der Dampfmaschine unmöglich aushalten kann. Ich\ndachte dabei recht lebhaft an Ihre Aeusserung: „Hier bei\nEuch ist Alles kolossal, dass einem die Haare zu Berge\nstehen; aber das Herz bleibt kalt, und das Kunstschöne\nsuche ich meist vergebens.\"\nUebrigens war die Aufstellung des Orchesters schlecht,\ndie Chorstimmen weit von einander getrennt, so dass So-\npran und Alt von der Existenz der Tenöre und Bässe kaum\netwas wussten, und umgekehrt. Ferner waren der Proben\nzu wenig gewesen, und Sir Henry Bishop mag alles Mög-\nliche sein, ein Dirigent ist er nicht. Das öftere Schwanken\nund der Mangel an Präcision lagen offenbar an der schwa-\nchen und unsicheren Leitung des Ganzen. Es scheint aber,\ndass ein falsch verstandener Landes- oder vielmehr Local-\nPatriotismus auf die Einrichtung Einfluss gehabt hat: man\nwollte einen Engländer an der Spitze haben und zeigen,\ndass man die deutschen Tonmeister entbehren könne; dess-\nhalb durfte weder von Herrn Zeugher-Hermann, dem Diri-\ngenten der hiesigen philharmonischen Gesellschaft, noch\nvon Herrn Benedict aus London die Rede sein. Diese klein-\nstädtische Egoisterei ging sogar so weit, dass man im Elias\nhiesigen Dilettanten einzelne Solo-Partieen übergeben hatte!\nMit Recht fragt daher eine öffentliche Stimme: „Mussten\ndie Herren Formes, Weiss und Lockey spaziren gehen?\nWaren die Damen Novello und Castellan durch je eine\noder zwei Nummern zu sehr beschäftigt, dass wir für den\nheillosen Eintrittspreis von vierzehn Shilling (4 Thlr.\n20 Sgr.) schülerhafte Vorträge anhören mussten?\" Dies\nwar allerdings der Preis, und zwar nicht für die ganze\nFeierlichkeit, sondern lür jedes einzelne Concerl!\nUeber die Ausführung ins Einzelne zu gehen, halte\nich (ür zu wenig interessant für Ihre Leser in Deutschland.\nNur das will ich noch erwähnen, dass trotz der unsicheren\nLeitung und der gespaltenen Chormassen denn Orgel\nund Orchester waren fast ganz dazwischen geschoben\ndennoch einige Chöre, unter ihnen auch das Ilallelujah,\ngut gingen und grossen Eindruck machten; die innere Kraft\nderselben ist unsterblich, und ihr Geist steigt aus jeder Ver-\nhüllung am Ende stets glänzend empor.\nEinen Zug aber, der unser Publicum charakterisirt,\ndarf ich nicht verschweigen, um so weniger, da Aehnliches\nsonst in England bei Oratorien-Aufführungen unerhört ist.\nBeim Beginn des Schluss-Chores: „ Würdig ist das Lamm\",\nerhob sich, wie beim Hallelujah, die ganze Zuhörerschaft,\num den Chor stehend und in ehrfurchtsvoller Stille anzu-\nhören. Allein während dessen brachen viele Hunderte mit\nGeräusch auf, und bis zum Schlüsse der Aufführung waren\nüber die Hälfte der Zuhörer dem bösen Beispiele gefolgt.\n„AusserLiverpool\", schreibt selbst ein englischer Bericht-\nerstatter, „dürfte es wohl keine Stadt geben, welche ein"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "315", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.3", "texte": "solches Schauspiel und an einem solchen Tage darbieten\nwürde!\"\nSie kennen die englische Sitte, bei ähnlichen festlichen\nGelegenheiten einen dermaassen mit Musik zu übersättigen,\ndass man für das ganze Jahr genug hat, und werden Sich\nalso nicht wundern, wenn ich Ihnen sage, dass an demsel-\nben Abend in derselben Halle noch ein so genanntes Mis-\ncellaneous ConcertStatt fand, zu welchem ein endloser Rü-\nchenzettel von allen möglichen Gerichten entworfen war.\nDer Saal war ziemlich gefüllt. Die Vorträge der Solisten\nführten die gewöhnlichen Paradepferde derselben vor. „ Wie\nnahte mir der Schlummer\", wurde von der Viardot zwar\nmit dramatischem Ausdruck gesungen, konnte aber doch\ngegen die Leistungen der Novello und Castellan nicht auf-\nkommen. Das Orchester war Nebensache; an eine Sinfonie\nwar natürlich nicht zu denken, aber Mendelssohn's Hoch-\nzeitsmarsch durfte nicht fehlen.\nAm folgenden Tage kam Mendelssohn's Elias\ndaran, im Morgen-Concert. Der Saal war schwach besetzt.\nDie höheren Classen in Liverpool haben nie Sinn lür Ora-\ntorien-Musik gehabt, was schon die Schluss-Scene im Mes-\nsias am vorigen Morgen beweis't, wenn es sonst noch nicht\nbekannt wäre. Die Halle war kaum zum dritten Theile ge-\nfüllt. Dass die Königin der Eröffnung nicht beiwohnte,\nwar die eine Ursache des schlechten Besuches denn\nbloss der Musik wegen verlässt der Adel um diese Jahres-\nzeit seine Schlösser und Jagdpartieen nicht; und die zweite\nlag in dem selbst für England Eintrittspreise.\nUnfehlbar wird die städtische Casse einen bedeutenden\nAusfall an der Einnahme zu decken haben.\nWider alle Erwartung war die Ausführung des Elias\nim Ganzen genommen eine glänzende, und man muss den\nChor loben, der trotz des Dirigenten die meisten Nummern\nfest und sicher und mit Begeisterung sang. Freilich würde\nAlles noch besser gegangen sein, wenn man tüchtige Ge-\nneralproben gehalten hätte. In dieser Beziehung handelt\nman oft in England mit einer ganz unverantwortlichen\nRücksichtslosigkeit, welche zum Theil in der Unwissenheit\nder Comite's in musicalischen Dingen liegt, die da meinen,\nwenn die Musiker nur gut bezahlt würden, so verstände\nsich das Zusammenspiel von selbst. Für die hiesigen Auf-\nlührungen ist Chor und Orchester erst am Freitag zusam-\nmengetreten; also in zwei Tagen, da bekanntlich am Sonn-\ntag nichts gethan wird, mussten probirt werden: Messias\nvon Händel, Elias von Mendelssohn, Die Schöpfung von\nHaydn, Die letzten Dinge von Spohr abgesehen von\nden Gerichten des Küchenzettels der Misch-Concerte! Von\nden Solisten wurden Formes, Sims-Reeves und Gardoni mit\nRecht durch Beifall ausgezeichnet. Uebrigens fielen im Or-\nchester Dinge vor, die wir in Deutschland Böcke zu nennen\npflegen, welche nur durch die Sicherheit und Gewandtheit\nder Solisten dem grossen Publicum vertuscht werden konn-\nten, wobei wir besonders Clara Novello bewundern mussten,\ndie mit einer unzerstörbaren Ruhe das Orchester dominirte.\nAn diesem Tage wurde eine Medaille ausgegeben,\nwelche das Andenken an das Fest verherrlichen soll.\nAm Abend fand das zweite Misch-Concert Statt. Das\nProgramm war nicht so bunt, als am vorigen Abend. Mo-\nzart herrschte vor, und wir hörten fast alles, was einige\nWochen vorher bei dem Musikfeste in Worcester gefallen\nhatte. Der Saal war weit mehr gefüllt als am Morgen. Das\nOrchester führte die Ouvertüre zum Sommernachtstraum,\nzur Leonore und zum Wasserträger gut aus; das Zusam-\nmenspiel am vorigen Tage hatte geholfen. Die Solisten san-\ngen ihre Lieblingsstücke; vortrefflich wurde das Schreib-\nDuett aus Figaro durch die Novello und Castellan vorge-\ntragen da zeigte sich einmal wieder recht klar, was\nschöne Stimmen durch einfachen Gesang auf Kenner und\ngrosse Menge zugleich vermögen! Dass die hiesige Kritik\ndas Duett in den Don Juan legte —je nun! wer wird\nAlles so genau nehmen?\nMeinen Sie, wir hätten nun genug gehabt? Keines-\nwegs. Mittwochs ein neues Morgen-Concert. Und was\nbrachte es? Nichts weniger als den ersten und zweiten\nTiieil von Haydn's Schöpfung und Spohr's Letzte\nDinge. Also vier Oratorien in drei Tagen!\nIch denke aber, Sie und Ihre Leser haben an meinem\nBerichte genug, und somit schliesse ich mit bekannter\nHochachtung.\n\nN. N. Z.\n\nRossini.\nDie neuesten Nachrichten*) über diesen unstreitig ge-\nnialen Componisten regen die Theilnahme aller Runstfreunde\nwieder für ihn an. Rossini zog sich von der Oeffentlichkeit\nseit Jahren zurück; hier und da tauchte eine Runde von\nerneuter Thätigkeit des Meisters auf, und mehr oder min-\nder wahr, machte sie den Weg durch ganz Europa. Jetzt\nsind die Nachrichten über ihn mit einem Trauerschleier\nverhüllt, der uns sein Bild in einem beklagenswerthen Zu-\nstande zeigt. Das furchtbare Geschick, welches so manchen\ngrossen Dichtergeist ergriffen hat, lastet auch auf ihm •\nder Genius, der am Schaffen seine Freude hatte, der gött-\n\n*) S. unten im Tagsblatt."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "316", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.4", "texte": "liehe Funke wird erstickt durch eine Revolution in der Ma-\nterie, die ihn einschliesst, der Stoff macht sein furchtbares\nRecht über den Geist geltend, und der Wahn schlägt den\nVerstand in Bande!\nRossini ist jetzt 62 Jahre alt. Zu Pesaro wurde er\nden 29. Februar 1702 geboren, und das unscheinbare\nPesaro hat durch ihn einen unsterblichen Namen gewonnen.\nSeine Eltern zogen mit ihm von Messe zu Messe. Sein\nVater, Giuseppe Rossini, war Hornist und verdiente sein\nBrod mit Blasen in den Orchestern der wandernden Opern-\ngesellschaften, bei denen seine Gattin, Anna Guidarini, sang.\nIn seinen ersten zehn Jahren hatte der Knabe keinen Leh-\nrer. Sich selbst überlassen, summte er mit auffällend schnell\nfassendem Gedächtniss die Melodieen nach, die er hörte,\nund zeigte bald eine ausserordentlich liebliche Stimme.\nDiese erregte endlich die Aufmerksamkeit der Eltern und\nihrer Freunde, und als er zwölf Jahre alt war, bekam er\neinen Gesanglehrer, Angelo Tessei von Bologna. Er lernte\nschnell und gut, und seine musicalische Naturanlage ent-\nwickelte sich alsbald so überraschend, dass er durch das\nVomblattsingen der schwierigsten Intervalle und Mittel-\nstimmen in Erstaunen setzte. Er sang hauptsächlich in Kir-\nchen; aber nach wenigen Jahren verlor die Stimme an\nReiz und Frische. Allein er war so weit voran geschritten,\ndass er als Gesanglehrer auftreten konnte, und schon in\nseinem sechszehnten Jahre war er Chor-Director an den\nBühnen von Lugo, Ferrara, Forli und Sinigaglia. Ein Jahr\ndarauf nahm ihn der Abt Matthei in die Lehre, um ihn in\nder Composition zu unterrichten.\nMan kann nicht sagen, dass er Tag und Nacht über\ndem Contrapunkt schwitzte. Faul im wissenschaftlichen\nStudium, ergab er sich den Launen seiner Phantasie und\nschwärmte in Melodieen, wie ein Liebender unter den Blü-\nthen der Bäume und den Blumen der Wiese.\nMatthei schalt ihn aus und warf ihm seine Faulheit\nvor. Als ihn aber Rossini fragte, ob er jetzt wohl genug\nvon der Musik verstände, um eine Oper zu schreiben, schlug\ner die Hände über den Kopf zusammen.\n„Du willst eine Oper schreiben? 0 ja, Talent hast\ndu; aber ein Mensch, der eine Oper schreiben will, muss\nalle Gattungen der Musik kennen, in allen Sätteln gerecht\nsein und mit Einem Wort ein Bisschen mehr lernen,\nals du verstehst.\"\nTrotzdem Hess Rossini von dem Gedanken nicht ab,\neine Oper zu componiren. Er lernte Haydn, er lernte Mo-\nzart kennen; er fiel über ihre Partituren her. In ihnen fand\ner die ideale Poesie, welche er geträumt, sie wurden seine\nLehrer; er begeisterte sich für die frische, jugendlich blü-\nhende Einfachheit Haydn's, an dem er mit Vorliebe hing,\nund für den reizenden Schmelz der Melodie Mozart's\nund so folgte er seinem Stern und entwickelte sich mehr\ndurch sich selber, als durch den Unterricht seines Lehrers\nex professo.\nIn seinem neunzehnten Jahre schreibt er für das Thea-\nter San Mose in Venedig die komische Oper II Cambialt\ndi Malrimonio, und im zwanzigsten für Bologna L'Equi-\nvoco extravagante. Beide Werke fallen durch. Schadet\nnichts: sein Muth wankt nicht; er fühlt nur, dass er den\nrechten Weg noch nicht gefunden.\nEr geht nach Rom, und dort beginnt die Umgestal-\ntung seiner Künstlernatur, die Entpuppung des Schmet-\nterlings. Sein Demetrio e Polibio erregt schon in einigen\nNummern die öffentliche Aufmerksamkeit; die ungeheure\nFruchtbarkeit seiner melodiösen Erfindungsgabe bricht mit\nEinem Male durch, und in seinem einundzwanzigsten Jahre\nschreibt er fünf Opern: L' Inganno felice für Venedig, Ciro\nin Babilonia für Ferrara, La Scala di Sela für Venedig,\nPietro del Paragone für die Scala in Mailand, L'Occasione\nfa il ladro für Venedig!\nUebrigens errang Rossini nicht mit jeder dieser Opern\neinen unbestrittenen Erfolg; es gab bedeutende Kämpfe in\nden Theatern zwischen den Klatschenden und den Pfeifen-\nden, und den vollständigen Sieg half ihm erst „Der Bar-\nbier von Sevilla\" erfechten einen Sieg, der um so ent-\nscheidender wirkte, je mächtiger der Gegner gewesen, der\nihn streitig machte. Dieser war kein Anderer als Paesiello,\ndessen Oper unter demselben Titel in ganz Italien als un-\nübertrefflich galt. Man klagt ihn sogar an, dass er gegen\ndie erste Aufführung des Rossini'schen Figaro zu Rom Um-\ntriebe gemacht und eine Schar von Pfeifern ins Theater\ngeschickt habe. Die Sache wurde bekannt und half den\nTriumph Rossini's vergrössern, und jetzt ist Paesiello's Bar-\nbier vergessen, während Rossini's Werk gerade dasjenige\nvon allen ist, die er geschrieben, über dessen Werth Ein-\nstimmigkeit herrscht. Habent sua fata libelli oder opera,\nwie man will.\nWas in Rom der Barbier, das wirkte in Venedig Tan-\ncredi, welcher die Venetianer in einen solchen Rausch ver-\nsetzte, dass sie überall, wo sie gingen und standen, nichts\nals Melodieen aus dem Tancred sangen. Nach einer Erzäh-\nlung des Grafen Orloff musste sogar bei einer öffentlichen\nGerichtssitzung der Präsident des Tribunals Stille gebieten,\nweil der mit Zuhörern gefüllte Saal von dem Summen des\nTi rivedröund Di tanti palpitiwiederhallte."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "317", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.5", "texte": "Eines Abends fuhr Hossini auf den Lagunen spaziren.\nAuf einmal hört er vom Lido her frische Stimmen, deren\nKlang ihn um so mehr anzog, als er Melodieen aus Tan-\ncred durch die Luft trug. Er fuhr näher heran. Die Gon-\ndoliere aber erkannten ihn, und bald sah er sich von einem\nKreise von Gondeln umzingelt, der immer grösser und\ndichter wurde. Gesänge aus seinen Opern erschallten, Fackeln\ntauchten aus der Dunkelheit der Nacht empor und gingen\nwie Sterne immer zahlreicher auf; der improvisirte Triumph-\nzug fuhr durch die Canäle nach Rossini's Wohnung; schnelle\nNachen und Boten waren vorausgeeilt, die anliegenden Häu-\nser wurden beleuchtet, eine unzählige Volksmenge rief ihr\nEvvita in die Lüfte und, an seiner Wohnung angekommen,\nfand er auch diese bereits geschmückt und erleuchtet, und\nwurde über Blumen und Kränze bis in seine Zimmer\ngeführt.\nMan erzählt gewöhnlich, dass Rossini sehr schnell ge-\narbeitet und sogar seine grösste Oper, „ Wilhelm Teil\", in\ndrei Monaten geschrieben habe, ferner, dass er componirte,\nwährend er Besuch hatte und sich selbst mit der Gesell-\nschaft unterhielt und Anekdoten erzählte. Das Wahre an\nder Sache ist, dass Rossini den Vorzug eines ganz ausser-\nordentlichen Gedächtnisses und das innere musicalische Le-\nben, welches das Genie ausmacht, mit Mozart gemein hatte.\nWie dieser, trug auch der italiänische Meister nicht nur\neinzelne Arien und Duette, sondern ganze Finale, ja, man\nkann behaupten, ganze Opern so gut wie fertig mit sich\nim Kopfe herum; setzte er sich dann an den Arbeitstisch,\nso floss Alles freilich so schnell aus seiner Feder, dass der\nzufällig Zuschauende sich vor Erstaunen nicht lassen konnte,\nweil er natürlich glaubte, das Niedergeschriebene werde\nauch in demselben Augenblicke von dem Componisten ge-\ndacht und erfunden. Ein Instrument gebrauchte er dabei nie.\nAuch Mozart schreibt von sich in dem bekannten Briefe\nan den Baron: „Ich bringe die Composition, so gross und\nbedeutend sie auch sein mag, in meinem Kopfe schon so\nweit zu Ende, dass ich sie im Geiste mit Einem Blick über-\nsehe was ich einmal so gefasst habe, vergesse ich nicht\nwieder. Dann geht's mit dem Niederschreiben sehr ge-\nschwind ich kann dabei Alles um mich her vorgehen\nlassen und auch wohl mit einem von Hühnern und Gänsen\nsprechen.\"\nDasselbe war bei Rossini der Fall. Seine Freunde sa-\nhen ihn oft Tage lang, ohne aufzuhören, schreiben, und\ndann hiess es freilich: Diese Oper hat er in acht oder in\nvierzehn Tagen geschrieben. Eben so falsch war es, wenn\nman sich dann wieder erzählte, er faulenze Monate lang.\nDiese Monate, in denen er allerdings keine Noten schrieb,\naber desto mehr Musik dachte, waren gerade die Zeit der\nKeime und Blüthen, das Niederschreiben nur die Zeit der\nAernte.\nDen „Wilhelm Teil\" schrieb er fast ganz auf dem\nLandgute seines Freundes Arago bei Paris. Eines Tages\nwaren dieser und mehrere genauere Bekannte in seinem\nArbeitszimmer. Die Unterhaltung war sehr lebhaft, Rossini\nnahm daran Theil und erzählte selbst mit Lachen einige\nJugendgeschichten, blieb aber dabei immer am Schreiben.\nEndlich streute er Sand über das letzte Blatt, stand auf,\nrieb sich die Hände und rief: „Gut, endlich bin ich fertig!\"\n„Nun,\" rief Levasseur, der zugegen war, „du hast ge-\nwiss eine recht komische Scene während unseres Geplau-\nders entworfen!\" Wie erstaunte er aber, als er in die Par-\ntitur sah und ein grosses Terzett gewahrte, dessen Instru-\nmentirung und Füllung Rossini eben von Anfang bis Ende\nniedergeschrieben hatte es war das berühmte Terzett\nfür Tenor, Bariton und Bass in „Wilhelm Teil\".\n\nAus Hannover.\n\nIch habe Ihnen über eine musicalische Produclion ganz\nneuer Art zu berichten, bei welcher es zweifelhaft sein\nkönnte, ob der Producent oder das Instrument, auf wel-\nchem er spielte, mehr Interesse zu wecken verdiente, wenn\nnicht die Neuheit und Wichtigkeit des letzteren für die Ent-\nwicklung der Instrumental-Musik überwiegend wäre. Wir\nhatten nämlich Gelegenheit, das Orchestrion des Herrn\nMerklin aus Brüssel zu hören, welches uns durch Herrn\nFerdinand Kufferath vorgeführt wurde, der uns be-\nreits durch seine Compositionen vortheilhaft bekannt war\nund sich uns nun auch als trefflicher Organist und ausge-\nzeichneter Pianist bewährte. Wir sagen: als trefflicher Or-\nganist, weil wir noch keine eigentümliche Bezeichnung\nfür einen Orchestrionspieler haben, und das Instrument vor\nAllem auch eine geschickte Behandlung des Pedals und der\nRegister verlangt.\nUeber das Instrument selbst sage ich Ihnen nichts, da\nSie es genau kennen; nur darf ich Ihnen nicht verschwei-\ngen, dass die musicalische Welt Ihnen dankbar sein muss,\ndass Sie die Aufmerksamkeit des Publicums zuerst in\nDeutschland auf diese herrliche Erfindung gelenkt haben,\nwelche eine bisher so fühlbare Lücke zwischen Orgel und\nPianoforte auf eine so gelungene Weise ausfüllt. Hier hat\ndieselbe nicht allein das höchste Interesse unserer Majestä-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "318", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.6", "texte": "ten des Königs und der Königin erregt, sondern unter al-\nlen Musikern, die Herren Marschner und Fischer, un-\nsere Capellmeister, an der Spitze, ist die bewundernde und\nfreudige Anerkennung allgemein und einstimmig. Doch ich\nmuss Ihnen ausführlich berichten.\nDie Herren Merklin und Kufferath waren auf ihrem\nWege nach Hamburg hier durchgereis't und hatten zwar\neinige Besuche gemacht, jedoch das Instrument nicht aus-\ngepackt, weil ihre Zeit beschränkt war. Unser König, des-\nsen hoher und gründlich gebildeter Kunstsinn alles, was\nMusik heisst, mit besonderer Liebe und Protection umfasst,\nvernahm zu seinem Bedauern die schnelle Abreise der Her-\nren und beauftragte auf der Stelle den Kammermusicus\nKuhn, nach Hamburg zu gehen, das neue Instrument zu\nhören und darüber unmittelbar an Se. Majestät zu berich-\nten. Herr Kuhn wohnte in Hamburg der Production des\nOrchestrions durch Herrn Kufferath in der Tonhalle bei\nund berichtete nicht nur sein eigenes, sehr günstiges Urtheil\nüber dasselbe, sondern schilderte auch den allgemeinen,\nausserordentlichen Eindruck, den dasselbe auf die eingela-\ndene Versammlung von mehr als 400 Zuhörern gemacht\nhatte, unter denen sich die ersten Kunst-Notabilitäten und\nKunstfreunde der Stadt, unter Anderen die Herren 0 tten,\nGrund, Schwenke, Armbrust u. s.w., wie auch aus-\ngezeichnete Kenner aus der Fremde, z. B. Gathy aus Pa-\nris, befanden.\nAuf seinen Bericht erfolgte eine Einladung von hier an\nHerrn Merklin durch den Herrn Intendanten der königlichen\nTheater und Concerte, und Sonntag den 1. October, Nach-\nmittags 3 Uhr, fand das Concert auf dem Orchestrion in\nGegenwart der beiden Majestäten Statt. Die königliche Ca-\npelle und das Sänger-Personal des Hoftheaters waren Herrn\nKufferath für das Arrangement des Programms zur Verfü-\ngung gestellt, und so wurde ihm durch die kunstsinnige\nLiberalität des Königs die Möglichkeit geboten, das neue\nInstrument des Herrn Merklin von allen seinen vortheilhaf-\nten Seiten vorzuführen, als Solo-Instrument und als Beglei-\ntungs-Instrument zu Gesang und zu Melodie-Instrumenten.\nHerr Kufferath benutzte diese Gelegenheit auf sehr\nsinnige Weise, indem er theils Solostücke auf meisterhafte\nWeise und mit sicherer Beherrschung aller Ausdrucksmit-\ntel des Instrumentes vortrug, theils beim Accompagnement\ndie glänzenden, wie die einschmeichelnden Tonfarben der\nverschiedenen Register in das hellste Licht stellte. Von den\nSolosachen gewannen seine eigenen, für das neue Instrument\nbesonders geschriebenen Compositionen, z. B. ein wunder-\nvolles Duo, eine Melodie im Pedal mit figurirter Begleitung,\neine Phantasie über das österreichische Volkslied u. s. w.\nAusserordentlichen Beifall, und in der Pedal-Melodie hörten\nwir eine Stimme von so neuer und wunderbarer Klans-\no\nfärbe, dass alle Musiker darüber erstaunt waren und dem\nHerrn Merklin die aufrichtigsten Complimente machten.\nAusserdem wurde eine Motette von Mendelssohn\nfür dreistimmigen Frauenchor gemacht, und Fräul. Jan da\nsang auf ausdrückliches Verlangen des Königs die herrliche\nSopran-Arie „Jerusalem\" aus Mendelssohn'sPaulus; beide\nStücke machten mit der Begleitung des Orchestrions eine\nherrliche Wirkung. Alsdann spielte Herr Kammermusicus\nMatlhes seine für das Violoncello eingerichtete Melodie\nzu einem Präludium von J. S. Bach mit bekanntem, vor-\ntrefflichem Vortrag, und unser erster Violinist Herr Köm-\npel trug das Adagio des Violin-Concerts von Mendelssohn\nmit so seelenvollem Ausdruck und so vollendet schönem\nTone vor, dass namentlich auch die Herren Kufferath und\nMerklin, welche die grössten Violinisten der belgischen\nSchule so oft gehört haben, ihm ihre Bewunderung zollten.\nDie Majestäten Hessen sich den Erbauer des Instru-\nmentes und den Spieler vorstellen und hatten die Gnade,\nin den schmeichelhaftesten Ausdrücken Ihre hohe Zufrie-\ndenheit wiederholt gegen Beide auszusprechen. Ihre Maje-\nstät die Königin zeigte die lebhafteste Theilnahme für das\nneue Kunstwerkzeug; Herr Merklin musste Ihr den inne-\nren Bau des Instruments, die Einrichtung des Mechanismus,\ndie Wirkung des Regulators u. s. w. zeigen und erklären,\nund er erstaunte über die Art und Weise, mit welcher die\nhohe Frau in alle Details einging und seine Auseinander-\nsetzungen auffasste. Herr Kufferath hatte die Ehre, per-\nsönlich von Sr. Majestät dem Könige auf den folgenden Tag\nzur musicalischen Production im Palais eingeladen zu wer-\nden, woselbst er als Pianist durch den Vortrag eigener\nCompositionen und einiger Mendelssohn'schen Sachen den\nAllerhöchsten Beifall von Neuem gewann, den Se. Majestät\nder König ihm in den huldvollsten Worten zu erkennen\ngab, auch schon während des Spiels zu äussern geruhte:\n„Man hört, dass Sie ein Schüler Mendelssohn's sind.\"\nSie können Sich kaum vorstellen, wie sehr die Herren\nMerklin und Kufferath von Musikern und Kunstfreunden,\ndie aus irgend welchen Gründen verhindert worden\nwaren, der ersten Production beizuwohnen, überlaufen wur-\nden, um das Instrument doch noch zu hören, und wir\nmüssen die grosse Bereitwilligkeit der Herren loben, mit\nwelcher sie den mitunter wirklich etwas zudringlichen Wün-\nschen entsprachen, um so mehr, da das Instrument nicht\nin ihrem Hotel, sondern im Concertsaale aufgestellt war."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.7", "texte": "Zu grosser Freude aller Kunstfreunde verbreitete sich da-\nher am Montag Abends die Nachricht, dass Herr Kufferath\nam Dinslag Morgen, den 3. d. Mts., das schöne Instrument\nnoch einmal vorführen werde, und zwar hauptsächlih für\ndie Mitglieder der königlichen Capelle, wiewohl keinem\nKunstfreunde der Eintritt in den Saal verwehrt sei. Das\nErstaunen über diese seltene Liberalität des Erfinders und\nErbauers des Instruments und des Künstlers, der es zur\nGeltung brachte, wurde noch durch das Vernehmen aus\nsicherster Quelle vermehrt, dass die beiden Herren jedes\nHonorar von Seiten der königlichen Intendanz entschieden\nverweigert hätten, indem es ihnen allein um Bekanntwer-\ndung und Anerkennung des neuen Instruments zu thun sei.\nEs sollte uns Hannoveranern aber am Dinstag-Morgen\nnoch eine andere Ueberraschung werden; denn nachdem\nwir uns von Neuem an den Vorträgen des Herrn Kufferath\nergötzt, trat ein Sänger neben das Instrument, und wir\nhörten ein Lied von Schubert so vortragen, wie wir es\nhier, trotz des trefflichen Ensemble unserer Opern- und\nConcertkräfte, noch nicht gehört haben. Dem rauschenden\nBeifall der Versammlung folgte ein lautes Gefrage: „Wer\nist das? wer ist das?* worauf uns die Auskunft wurde:\n„Das ist Ernst Koch, Professor des Gesanges an der\nRheinischen Musikschule zu Köln, der zufällig gestern\nAbends hier eingetroffen, und von dem uns Marschner schon\nso oft gesprochen, wenn er vom Rheine und von Köln er-\nzählt, „wo dieser erste Liedersänger Deutschlands wohne,\nund wo es ausserdem Dilettanten gäbe, die seinen Hans\nIleiling und Vampyr so sängen, dass er ihnen ganz begei-\nstert um den Hals gefallen sei.\" Als nun aber vollends die\nherrliche Kirchen-Arie von Stradella zu den sanften\nund mystischen Tonfarben des Orchestrions mit solcher\nKlangfülle der Bruststimme, so edlem Tone, so getragenem\nVortrage, der den Sänger auf der höchsten Stufe der Kunst\noffenbarte, ihres erhabenen Stils in jeder Hinsicht würdig\nertönte, da war Alles wahrhaft hingerissen, und der Wunsch,\nHerrn Koch im Concert zu hören, sprach sich laut aus.\nLeider war es Herrn Koch nicht möglich, diesem Wunsche\nzu entsprechen, da ihn seine Verpachtungen schon am\nfolgenden Tage an den Rhein zurückriefen. Wir hoffen aber\nzuversichtlich, dass unsere Concert-Direction dem hiesigen\nPublicum noch diesen Winter die Gelegenheit verschaffen wird,\nden trefflichen Sänger in grösserem Kreise zu bewundern.\nAuch die Herren Merklin und Kufferath sind von hier wie-\nder in die Heimat zurückgereist und haben, da das Instrument\nnach Hamburg verkauft ist, den Plan einer grösseren Reise\ndurch Deutschland für jetzt wenigstens vertagt.\n\nC. B.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMÜSBi. Karl Formes hat in voriger Woche das Stadt-Thea-\ntor an drei Abenden so gefüllt, wie wir es seit langer Zeit nicht\ngesehen haben. Bekanntlich trat er vor etwa zehn Jahren hier zu-\nerst auf und begann unter der Direction von Spiclberger seine\ntheatralische Laufbahn. Das Material der Stimme war allerdings\nauch damals schon bewundernswerth, aber dass Formes diejenige\nkünstlerische Höhe erreichen würde, auf welcher er jetzt steht, das\nahnte man hier nicht, und weil man es damals nicht ahnte, so\nwollte man es auch lange nachher noch nicht wissen, wenn auch\ndie Kunstberichte aus allen Hauptstädten Europa's vom Preise sei-\nner Leistungen voll waren. Das Spruch wort; „Der Prophet gilt iu\nseinem \\ aterlande nichts !u bewährte sich hier noch über seine\nWahrheit hinaus: denn man hatte ihn, seitdem er Prophet gewor-\nden, gar noch nicht wieder gehört und glaubte sich dennoch zum\nUrlheil berechtigt.\nNun, man erinnerte sich eben nicht, dass es Menschen gibt, bei\ndenen die ursprüngliche Natur trotz aller äusseren Hemmnisse und\nBelastungen dennoch durchbricht, denen nicht Familie und Unter-\nricht und Vermögen die Bahn ebnen, deren Ausstattung aber die\nNatur schon bei ihrer Geburt gespendet hat und deren Erziehung\nfür ihren durch eine Gottesgabe bestimmten Beruf nicht die Schule,\nsondern das Leben übernimmt. Man nennt sie gewöhnlich Genies,\nund Karl Formes ist unstreitig ein solches für die Specialität der\nmusicalisch-dramatischen Kunst. Bei einem Genie ist das Kunst-\nwerk da, ehe der Künstler darüber nachgedacht hat, wie es zu\nschaffen sei; die Reflexion kommt nachher, das Studium, der Fleiss\nalles das kommt erst nach und dient nur dazu, die Idee des\nKunstwerkes, die schon von Natur zu erster Erscheinung gekom-\nmen, zu einer vollendeten abzurunden. Das ist nicht bloss bei dem\nMaler, dem Bildhauer, dem Componisten der Fall, es tritt auch\nbeim dramatischen Künstler, beim Sänger und ausübenden Musiker\nein, und überall steht der geniale Künstler über dem reflectirenden.\nAlles, was Formes ist, ist er durch sich selbst; er hat sich von\ninnen heraus entwickelt, nichts ist von aussen in ihn hineindocirt\nworden, und die Natur hat in ihm durch ihre eigene Kraft so lange\ngewirkt, bis sie ihn zum Bewusstsein über diese Kraft erhoben\nhat, das heisst zu dem Willen und dem Vermögen, die Mittel der\nNatur zur Darstellung von Gebilden der Kunst veredelnd zu be-\nnutzen. Eben so wie er, ohne je ein Gymnasium oder eine Real-\nschule oder eine Pension durchgemacht zu haben, deutschen, ita-\nliänischen und englischen Text mit reiner, tadelloser und ausneh-\nmend deutlicher Aussprache singt, eben so hat er die kolossalen\nund schwer zu handhabenden Stimmmittel nach und nach richtig\nverwenden, das rohe Metall schleifen und glätten gelernt, ohne je\nin den Werkstätten der Garcia, Bordogni etc. gemodelt worden zu\nsein. Das ist freilich nicht Jedem gegeben, und wir sind weit ent-\nfernt, den Werth der Schule in der Kunst herabsetzen zu wollen ;\nwir sprechen nur von dem, was bei diesem Künstler so ist, von\ndem Historischen einer bestimmten Erscheinung.\nSehen wir nun, wie Formes gerade dadurch sich als einen gros-\nsen dramatischen Sänger zeigt, dass er das geistige Element\ndes Gesanges vor Allem zur Geltung bringt, mag er das verkör-\nperte Princip des starren Glaubens, wie im Marcel, oder den\nTeufel mit menschlichem Gctünl, wie im Bertram, oder die ru-\nhige Würde des Priesters der Weisheit, wie im Sarastro, zu ver-\nanschaulichen haben, so müssen wir in der That ihn um so mehr\nbewundern, je genauer wir den Gang kennen, den seine Entwick-\nlung genommen hat. Desshalb hat er denn auch jetzt hier, in sei-\nner zweiten Vaterstadt, einen vollständigen Triumph gefeiert, und\nes herrscht nur Eine Stimme darüber, dass Rheinland stolz darauf\nsein muss, einen Mann den Seinigen zu nennen, der auf eine so\nwürdige Weise in die Reihe der tonkünsllerischen Berühmtheiten\ntritt, welche unser speciellcs Vaterland verherrlichen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541007-01.1.8", "texte": "Köln. Unsere Abonnements-Concerte werden am 17.\nOctober unter der Direction des städtischen Capellmeisters Herrn\nF. Hill er wieder beginnen. Als Sängerin für die ersten vierCon-\ncerte ist Frau Nissen-Saloman von dem Vorstande der Con-\ncert-Gesellschaft engagirt. Der neue Cursus an der Rheinischen\nMusikschule hat diese Woche begonnen. Das Lehrer-Personal\nist durch Herrn Christian Reimers, früher in Düsseldorf und\nBonn, vervollständigt worden, an welchem, als bravem Violon-\ncellisten, unser Orchester zugleich eine gute Erwerbung gemacht hat.\nCoblenz. Unser Männergesang-Verein Concordia gab am\nMittwoch den 20. September in Vereinigung mit dem Musikcorps\ndes königlichen 39. Infanterie-Regiments und unter gefälliger Mit-\nwirkung einiger auswärtigen musicalischen Kräfte zum Besten der\nUeberschwemmten in Schlesien im Theatersaale ein Concert. Das\nProgramm war sehr gut gewählt, versammelte daher auch ein zahl-\nreiches Publicum, und die Ausführung war durch den guten\nVortrag mehrerer Sachen für Militär-Musik, durch zwei Arien von\nWeber und Meyerbeer, von Fräul. Hartmann aus Köln sehr\nschön und schulgerecht gesungen, durch zwei Lieder von Schubert\nund Esser, von einer vorzüglichen Tenorstimme, und durch zwei\nGesang&tücke von Kalliwoda und Marschner, von einer kräftigen\nBaritonstimme, Beides mit der Kunst verwandte Dilettanten aus Bonn\nund Köln in allen Theilen durchaus lobenswerth. Die Chöre\nund ein Solo-Quartett von Mendelssohn, Abt und Schärtlich wur-\nden von unserer Concordia mit besonders guter Präcision und schö-\nnem Portamento vorgetragen, so dass das ganze Auditorium nach\njeder einzelnen Leistung seinen vollen Beifall zu erkennen gab und\ndadurch allen denen, die sich für den edlen Zweck bei dem Ar-\nrangement und der gelungenen Ausführung des Ganzen thälig be-\nwiesen haben, seinen wärmsten Dank aussprach.\nIn Baden-Baden ist die diesjährige Saison an wirklich be-\ndeutenden nuisicalischcn Künstler-Productionen sehr arm gewesen.\nZuletzt licss sich noch ein Italiäner Bianchi auf der Violine hö-\nren, der sich einen Schüler (?) Paganini's nennt er hat guten\nTon und grosse Fertigkeit. Wenn ihn aber ein dortiges Blatt das\nFinale aus der Lucia auf der G-Saite spielen lässt, so muss\nes den Mann wirklich für einen Hexenmeister halten, eben so wie\njenen Tenoristen, der allein vierstimmig sang.\nMan schreibt uns aus Wien bei Gelegenheit einer Aufführung\ndes Don Juan: „Unter allem Neuen, welches uns die Opern-Di-\nrection an Personal vor einem Jahre mitbrachte, hat sich Beck\nam schnellsten und gelungensten zu wirklicher Bedeutung empor-\ngeschwungen, und wir sehen das Prognostikon, welches Sie ihm in\nIhrer Musik-Zeitung bei Beurtheilung seines Gastspiels in Köln so\ngünstig stellten, auf eine sehr erfreuliche Weise in Erfüllung gehen.\nDie künstlerische Ausbildung seiner herrlichen Stimme schreitet\ntäglich vor, die Wirkung seines \"\\ ortrags ist oft eine wahrhaft er-\ngreifende, und auch im Spiel hat er bereits bedeutend gewonnen.\nSein Don Juan, der im Anfang des vorigen Jahres noch gar eckig\nwar, hat sich jetzt zu einem schönen Ganzen abgerundet. Von dem\nübrigen Personal kann ich nicht so viel rühmen, wiewohl die\nDonna Anna der La Grua vor strengem Richterstuhl bestehen\nkonnte. Die Zerline der berühmten Wildau er war mir gera-\ndezu widerlich; das Spiel war durchweg übertrieben und sprach\naller Wahrheit und allem Maasse Hohn, und der Gesang entbehrte\ndes feinen Reizes und der Nuancirungen, welche diese Partie und\nbesonders der Vortrag der beiden Arien verlangen. Im Ballet ma-\nchen gegenwärtig Marie Taglioni und Karl Müller aus Ber-\nlin die Wiener verrückt; ich kann das Ballet zwar nicht leiden,\nHess mich aber doch verführen, in die „Satanella\" zu gehen, und\nich versichere Ihnen, dass ich mich recht fest auf meine Grund-\nsätze steifen musste, sonst hätte mir dieses reizende, anmuthige\nund geschmeidige Teufelchen auch den Kopf etwas Weniges auf\ndie Seite geschoben.\"\nDie augsb. Allgemeine Zeitung berichtet aus Livorno vom 13.\nSeptember: „Während meines Aufenthaltes in den Bädern von\nLucca gab ich Ihnen Nachricht von Gioachimo Rossini, der\ndort den Sommer zubrachte, und schilderte seinen trostlosen Ge-\nsundheits-Zustand. Es ist damit immer schlimmer gegangen, so dass\ngegenwärtig die Hoffnung auf Wiederherstellung gänzlich geschwun-\nden scheint. Ein heftiger Krankheits-Anfall, welcher nur durch die\nstärksten Arzneimittel abgewandt werden konnte, drohte, seinem\nLeben ein Ende zu machen; er wurde dann so weit hergestellt,\ndass er die Bäder verlassen konnte, um in die Umgebung von Flo-\nrenz zurückzukehren. Aber nie wird er wohl wieder Geistesklarheit\ngewinnen, wenn sich auch sein Dasein noch hinschleppen sollte.\nDie tiefste Melancholie hat einen schwarzen Schleier um ihn gezo-\ngen, den vielleicht keine Hand mehr lüftet. Die Geisteskrankheit\nhat Rossini in vorgerückten Jahren angegriffen, in seinem zweiund-\nsechszigsten (er ist 1792 in Pesaro geboren und somit ein Zeitge-\nnosse der französischen Revolution er, der grosse Revolutionär\nin der Musik), und auffallender Weise, nachdem er längst aufgehört\nhatte, schöpferisch thätig zu sein. Manche sind der Ansicht, dass\ngerade diese Unthätigkeit bei einer rastlosen, stets nach Objecten\nsuchenden Einbildungskraft seine Krankheit herbeigeführt habe,\nwovon sich indess früher schon deutliche Spuren gezeigt haben\nsollen. Im vorigen Sommer, bevor die Cholera den livornesischcn\nVergnügungen ein Ziel steckte, sang man hier im Theater San\nMarco die Cenerentola, deren einschmeichelnde Melodieen einen\nseltsamen Contrast mit der Verdi'schen Musik bildeten, welche man\nheutzutage auf der grössten, wie auf der kleinsten Bühne Italiens\ngut wie schlecht fast ausschliesslich zu hören bekommt. Einen noch\nschärferen Contrast aber machte es mir, als ich, diese hüpfenden\nund tändelnden, süssen und polternden Töne noch in den Ohren,\nbeim Ponte a Serraglio an der Lima den unglücklichen Maestro in\nBegleitung seiner Frau und eines Bekannten wandern sah, mit\neinem Blicke, der zu erkennen gab, dass die Natur für ihn alle\nihre heitere Schönheit umsonst ausbreitete und er in dumpfem\nBrüten untergegangen war.\"\nIn New-York baut man jetzt ein Theater, welches 4500 Zu-\nschauer fassen wird. Die Höhe des Zuschauerraumes beträgt 64\nFuss, die Breite des Prosceniums 60 Fuss; im Orchester werden\n100 Musiker sitzen können. Charakteristisch ist aber Folgendes:\n„Hinter den Logen des zweiten Ranges wird eine Reihe von Re-\nstaurationss'alen erbaut, welche durch Glaswände den Blick auf die\nBühne frei lassen, so dass man die Genüsse der Tafel mit denen\nder Kunst vereinigen kann. Diese Säle werden Raum für 1000 Per-\nsonen haben.\" Das Gebäude wird den Namen Phönix-Theater füh-\nren und ist auf 300,000 Dollars veranschlagt."}]}