{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-11-25-01", "volume": "bmtnabi_1854-11-25_01", "ocr_sha256": "bd4cab34f92da807aed8bd0a935f670838c129d0285bb3379a89d364fd4e8a62", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/11/25_01/bmtnabi_1854-11-25_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-11-25-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-11-25_01#c001", "volume": "bmtnabi_1854-11-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "369", "page_fin": "372", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.2.1", "titre_corps": "Christoph Willibald Ritter von Gluck.", "titre_sommaire": "Christoph Willibald Ritter von Gluck.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3867, "texte": "Christoph Willibald Ritter von Gluck.\nV.\n(S. Nr. 41, 42, 43 und 44.)\nWir sind in dem letzten Artikel bis zur Aufführung\nder Oper „Paris und Helena\" im Jahre 1769 gekommen.\nIn der Zwischenzeit bis zur Composition der Iphigenie\nbeschäftigte sich Gluck viel mit dem Gedanken, Klopstock'-\nsche Poesie in Musik zu setzen, und componirte auch wirk-\nlich mehrere Oden und Lieder Klopstock's, auch einige\nScenen aus der Hermannsschlacht. Ueber seinen Verkehr\nmit dem Dichter selbst finden wir später Nachrichten in\nHerrn Schmid's Biographie.\nEs ist zu bedauern, dass die deutsche Poesie jener Zeit\ndem grossen Componisten, der seine Ansichten über die\nReform der Oper immer mehr läuterte, keinen würdigen\nStoff liefern konnte. Er war gezwungen, ihn auswärts zu\nsuchen, und konnte bei den damaligen Zuständen der Kunst-\nbildung sowohl diesen Stoff als die nothwendigen Bedin-\ngungen zu einer vollkommenen dramatischen Darstellung\nnirgend anders finden, als in Paris. Denn er hatte einge-\nsehen, erstens, dass das Widernatürliche der Besetzung männ-\nlicher Rollen durch Soprane (wie das noch im Paris und Helena\nder Fall war) ganz wegfallen müsse; zweitens, dass zu einem\ndurchgreifenden Erfolge seiner Musik ein schönes tragisches\nGedicht, ein prachtvolles Theater und vor Allem Sänger\ngehörten, welche mit der Kunst des dramatischen Gesan-\nges die Kunst des Schauspielers verbänden. Das war\nes, was ihn nach Paris zog, nicht eitle Ruhmsucht oder\nLiebe zum Gelde.\nDie Bekanntschaft mit einem geistvollen Franzosen,\nHerrn Bailly du Rollet, den Gluck schon vor Jahren\nin Rom kennen gelernt hatte und der sich jetzt in Wien\naufhielt, brachte den Plan zur Reife. Man kam überein,\nzum Stoffe Ra eine's Iphigenie zu wählen;\nBailly drängte die Handlung des Stückes zu einem Drama\niür musicalische Bearbeitung zusammen, Gluck ging mit\nBegeisterung an die Composition dieses französischen Tex-\ntes und schrieb eine Oper, welche weder in Deutschland\nnoch in Italien, den bisherigen Schauplätzen seines Ruhmes,\naufgeführt werden konnte ein Entschluss, der wahr-\nlich von entschiedener Thatkraft Zeugniss gibt und von\neiner Zuversicht des Gelingens, wie sie nur dem Genie\neigen ist.\nDie Oper war im August 1772 schon grösstenteils\nvollendet, wenn auch nicht in der Partitur, doch im Geiste;\nmehrere Scenen daraus wurden bei Hofe vorgetragen, und\ndem Dr. Burney, der sich um diese Zeit in Wien aufhielt,\nspielte und sang Gluck die bedeutendsten Stellen aus dem\nKopfe vor.\nBailly du Rollet wendete sich am 1. August 1772\nan Antoine d'Auvergne, Director der grossen Oper in Pa-\nris, schilderte Gluck's Ansichten über dramatische Musik\nund sein Genie und fragte um die Aufiührung an. D'Au-\nvergne Hess, anstatt zu antworten, den Brief im Mercure de\nFrance abdrucken was wir erwähnen, weil dieser Brief\ndadurch das erste Actenstück in dem grossen Process wurde,\nder sich späterhin über die Gluck'sche Musik entspann.\nDa Beide, Dichter und Componist, nichts von Paris\nhörten, so schrieb Gluck im Februar 1773 einen Brief an\ndie Redaction des Mercure,gleichsam als Antwort auf den\nBailly'schen, um sich in Erinneruug zu bringen wir ha-\nben oben im Artikel IV Stellen aus demselben mitgetheilt.\nZugleich übersandte Bailly die Partitur des ersten Actes an\nd'Auvergne, nach deren Durchsicht dieser die für beide\nTheile ehrenvolle Aeusserung zurückschrieb: „wenn sich\nder Ritter Gluck verbindlich mache, der pariser Akademie\nsechs solcher Opern zu liefern, so sei er der Erste, sich\nfür die Aufführung zu interessiren: ohne dies aber nicht;\ndenn eine solche Oper schlüge alle bisherigen nieder.\"\nDa wandte sich denn Gluck an seine frühere Schü-\nlerin, die Dauphine Marie Antoinette von Oesterreich;\ndie Kaiserin Maria Theresia und Joseph 11. empfahlen und\nunterstützten sein Gesuch, und erst durch diesen hohen\nSchutz wurden die Hindernisse gehoben, und Gluck wurde\neingeladen, nach Paris zu kommen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5096, "texte": "Im Spätsommer des Jahres 17 73 kam er mit seiner\nGattin und seiner Adoptiv-Tochter Marianne dahin. Die\nhuldvolle Aufnahme bei Hofe und das Entgegenkommen\nbedeutender Künstler und Schriftsteller erfreuten ihn; aber\ner erschrak über die barbarische Beschaffenheit des Gesan-\nges in der grossen Oper und fand seine Erwartungen in\ndieser Hinsicht entsetzlich getäuscht. Der Chor war eine\nSchar von Gliederpuppen, wie Castil-Blaze aus gleichzeiti-\ngen Blättern berichtet, die Sänger eben so leblos als die\nMusik, die sie sangen; sie mühten sich ab, die traurige,\nschwerlällige Psalmodie Lully's und Rameau's hören zu las-\nsen und sie durch Anstrengung der Lungen uud Verren-\nkung der Arme zu heben. Gluck musste gegen die zahllosen\nMängel und schlechten Gewohnheiten, die Rousseau bereits\nso scharf gerügt, von denen die meisten Sänger aber immer\nnoch wie von unreinen Geistern besessen waren, in einen\nVernichtungskampf treten, er musste nach den Grundsätzen\nseines Systems über musicalischen Ausdruck, Einfachheit\ndes Gesanges, Richtigkeit der Declamation u. s. w. eine\nganz neue Schule mit diesen Sängern rastlos durcharbeiten.\nEben so ging es ihm mit dem Orchester, und es gehörte\nder ganze Ruf, die gediegenen Kenntnisse und die energi-\nsche Persönlichkeit Gluck's dazu, um diese obenein noch\nsehr eingebildeten Künstler unter seinen Zepter zu beugen.\nDas Ganze war eine Hercules-Arbeit, und sie wurde\nnoch durch ein nie ruhendes Spiel von List und Ränken\ngegen den deutschen Meister unendlich erschwert.\nDagegen fand dieser aber in Paris ein Publicum, wie\nes kein zweites damals auf der Erde gab; es war an und\nfür sich selbst höchst angeregt und wurde von den geist-\nvollsten Schriftstellern und Kritikern bearbeitet. Von der\nTheilnahme oder vielmehr der Leidenschaft der damaligen\npariser gebildeten Welt für das Theater haben wir jetzt\ngar keine Vorstellung mehr.\nDie Schriften von Diderot, Grimm, Rousseau\nhatten Gluck vorgearbeitet, indem sie die Steifheit, Gefühls-\nleere und Unwahrheit der bisherigen französischen Musik\nder grossen Oper nachwiesen und namentlich Lully's mo-\nnotone, unerträgliche Psalmodie*) an den Pranger stellten\nund lächerlich machten. Ferner hatten die Componisten\nDuni, Philidor, Monsignv, bereits praktisch\nin der komischen Oper gezeigt, was wahre Empfindung\nmusicalisch ausgedrückt sei; der Streit der Buffonisten\n(Vertheidiger des neuen Stils, der sich in der Opera buffa\nder Italiäner zunächst durch Pergolese's La Serva Pa-\ndrona Bahn brach und durch ein ausgezeichnetes Sänger-\npaar, den Signor M a n e 11 i und die Signora T o n e 11 i,\nhauptsächlich vertreten wurde) und der Anti-Buffonisten\nhatte den Kampfplatz schon zurecht gemacht, auf welchem\nnachher der Sieg der neuen dramatischen Musik entschie-\nden wurde.\nDieser Streit wurde so hitzig und so öffentlich geführt,\ndass das Parterre sich sichtbar in zwei Parteien theilte, als\nerstes Vorspiel der späteren Linken und Rechten in den\npolitischen Versammlungen. Die Buffonisten hatten auf der\nSeite der Loge der Königin ihren Platz,\ndie Lullysten und Rameauisten unter der Loge des Königs,\nau coin du Roi. Vorkämpfer der Buffonisten war Grimm,\nein Deutscher, Secretär des Grafen Friesen, bekannt durch\ndie Correspondence de Grimm Sein Schriftchen\n„ Le petit prophete de Röhmischbrod8 erregte bedeuten-\ndes Aufsehen.\nDie Cabalen der Zunft-Musiker und der privilegirten\nBeherrscher der grossen Oper machten der Sache durch\ndie Erwirkung eines Verbotes der Vorstellungen der Ita-\nliäner ein Ende. Aber der angeregte Geist liess sich nicht\nunterdrücken, und als nun noch Rousseau's berühmter\nBrief „Sur la Musiqu efrangaise\",ein kriegerisches Mani-\nfest gegen die falsche Oper, dazu kam beiläufig gesagt,\nein Actenstück, welches, wie viele der gleichzeitigen Schrif-\nten, so manches enthält, was uns jetzt für neu und genial\nverkauft wird —, so war der Boden in Paris für die Auf-\nnahme der Gluck'schen Musik gehörig gelockert und be-\narbeitet.\nNach den mühsamsten Studien und Vorbereitungen\nwurde endlich die Aufführung der Iphigenie auf den 13.\nFebruar 1774 festgesetzt. Gluck versicherte, dass, wenn\ner für die Partitur 20 Livres verlangen wollte, er für die\nMühe des Einstudirens 20,000 haben müsse. Der Wider-\nstand der Cabale war aber noch nicht erschöpft; sie hatte\nihre Hauptmine zur Sprengung der Oper bis auf den letz-\nten Augenblick verspart. Am Morgen des bestimmten Ta-\nges wurde gemeldet, dass der erste Sänger plötzlich er-\nkrankt sei, dass mithin für diesen Abend ein anderer die\nPartie übernehmen müsse. Gluck witterte den Verrath und\nverlangte die Aufschiebung der Vorstellung. „Unmöglich!\"\n\n■>*) Wer sich heutzutage eine Vorstellung von dieser Psalmodie\nmachen will, der vergleiche die viervierteltactigen Litaneien\ndes guten Königs Heinrich im Lohengrin und des guten\nLandgrafen Hermann im Tannhäuser von R. Wagner. Die-\nser langweilige, unwahr declamatorische Gesang ist es ja ge-\nrade, den Gluck durch die wahre Gefühls-Declamation und\ndurch die Melodie der Empfindung und der Leidenschaft\nstürzte. Und nun will man uns Wagner gar lür den Nach-\nfolger und Fortsetzer Gluck's ausgeben!"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5037, "texte": "erwiderte man ihm: „das Stück sei angekündigt, dem Hofe\ngemeldet, plötzliche Aufschiebung einer angekündigten Vor-\nstellung ohne Beispiel, die Oper müsse in Scene gehen.\"\n„So werde ich die Partitur ins Feuer werfen, rief\nGluck, „ehe ich eine verstümmelte Vorstellung zugebe!\"\nMan benachrichtigte den Hof - und die Vorstellung\nwurde ausgesetzt.\nNoch nie hatte sich eine so lebhafte, bis zur aufgereg-\ntesten Ungeduld gesteigerte Theilnahme für eine Kunst-\nerscheinung in Paris gezeigt, als jetzt. Die neue Musik war\nder Mittelpunkt aller Unterhaltungen in allen Kreisen. End-\nlich erschien der Tag der Aufführung, der 19. Apiil.\nDie Besetzung der Oper war folgende: Iphigenie, So-\nphie Arnould, damals etwa 30 Jahre alt • • Agamemnon,\nHenri Larrivee Achilles, Jos. Legros Clytämnestra,\nMadlle. Duplan. Bei der ersten Vorstellung zeigten sich\ntrotz Gluck's unendlicher Mühe doch noch grosse Mängel\nder genannten Sänger; untadelhaft war nur Sophie Arnould.\nLarrivee, nachher berühmt als Agamemnon, stand ihr in\nBezug auf technische Ausführung am nächsten, nur seine\nCharakteristik des Helden war Anfangs nicht ohne Tadel.\n„Lassen Sie mich nur erst im Costume sein\" erwiderte\ner Gluck auf eine Bemerkung desselben , „dann werden\nSie mich gar nicht wiedererkennen.\" Bei der Generalprobe\nim Costume rief Glnck bei der fraglichen Stelle ihm aus der\nLoge zu: „Lieber Freund, ich erkenne Sie wieder!\" Legros\nhatte zwar eine wunderschöne Stimme, schrie aber, dass\neinem der Kopf weh that. Die Duplan genügte auch nicht\nvollkommen den Forderungen.\nDiese Mängel trugen viel dazu bei, dass sehr Vieles,\nja, eigentlich das Meiste, von der Oper kalt aufgenommen\nwurde, während andere Stücke rauschenden Beifall hervor-\nriefen. Aber schon die zweite Vorstellung machte einen weit\ngünstigeren Eindruck; das Publicum rief wohl eine halbe\nStunde lang nach dem Tonsetzer, der aber nicht erschien.\nEinen grossen Einfluss auf den Erfolg halte die heroische\nZorn-Arie des Achilles im dritten Acte, durch welche der\nmilitärische Theil der Zuhörerschaft ganz begeistert wurde,\nso dass die Officiere an ihre Schwerter schlugen und des\nBeifallrufens kein Ende war.\nWie heiss bald darauf der Streit der Parteien, hie\nGluck, hie Piccini, d. h. für und gegen deutsche oder ita-\nliänische Musik, entbrannte, ist bekannt. Wir können ihn\nin dieser Lebensskizze nur erwähnen.\nGluck schritt auf der Stelle zur Umarbeitung seines\n„Orpheus\", wobei er die Hauptpartie für den Tenor um-\nschrieb. Legros wurde in dieser Rolle berühmt, und das\nPublicum hörte die Oper mit Bewunderung an. Sie machte\nentschiedenes Glück. Die erste Aufführung fand am 2.\nAugust 1774 Statt. Zu verwundern ist, dass der sonst so\nstrenge Meister sich zu der Nachgiebigkeit gegen Legros\nherabliess, der Arie am Schlüsse des ersten Actes und so-\ngar auch der Arie im zweiten Acte, wo die l 1 urien ihr\n~Nonu dazwischen rufen, Bravourstellen hinzuzufügen!\nDie Erfolge von Paris fanden ihren Wiederklang in\nDeutschland, wiewohl es hier auch gar viele Kritiker gab\ndie Gluck's Musik nicht begriffen, zu denen z. B. auch dei\nberühmte Forkel gehörte. Aber die Kaiserin Maria Theresii\nernannte Gluck am 18. October 1774 zum „k. k. Compo1\nsiteur\" mit einem Gehalt von 2000 Gulden, „damit ci\nseine sich eigen gemachte ausnehmende Kunsterfahrenheil\nmit allmöglicher Beflissenheit erweitern möge.\"\nIm Januar 1775 wurde die Iphigenie von Neuem mit\neinigen Veränderungen wieder in Scene gesetzt. In Ver-\nsailles wurde am 27. Februar Gluck's einactige Oper\n~ L'Arbreenchante\" mit vorübergehendem Erfolg gegeben.\nSeine „ Cytkere assiegee\" (am 11. August) fiel durch, und\nmit Recht, denn er hätte dieses frühere Werk, welches dem\nnachherigen Standpunkte Gluck's gar nicht entsprach, nicht\nauf die Scene bringen sollen. Merkwürdig für uns ist daraus\nnur die Arie Nr. 36 in B-dur wegen ihrer Aehnlichkeit\nmit den Arien der Königin der Nacht von Mozart; sie ent-\nhält Äaccafo-Bravourstellen in derselben Weise und erfor-\ndert eben so eine bedeutende Höhe.\nAuf seiner Rückreise nach Wien traf 'duck in Strass-\nburg mit Klopstock zusammen. Der Dichter war sowohl\nvon Gluck's Musik als von dem Gesänge der „Erzzauberin\naus der Erzstadt des Erzhauses\", der Marianne Gluck, ent-\nzückt. Er bat sie, ihm einige Arien ihres Vaters mit ge-\nnauer Bezeichnung ihres Vortrags nach Hamburg zu sen-\nden. Diese Sendung wurde die Veranlassung zu folgendem\nBriefe von Gluck an Klopstock, den wir als eine Reliquie\nwort- und schriftgetreu hier wiedergeben:\n„Ich hoffe sie werden Von dem Hrn. GrafFen von Co-\nbentzl die Verlangte Arien richtig Erhalten haben, ich habe\nselbige durch diese gelegenheit wegen Erspahrung derer\nPostspesen ihnen geschickt, die anmerkungen habe ich müs-\nsen wecklassen, weilen ich nicht wüste mich ausszudrücken,\nwie ich Es Verlangte, ich glaube, Es würde ihnen Eben\nso schwer vorkommen, wan sie sollten jemanden durch\nBrieffe belehren, wie, und mit was vor Einen aussdruck Er\nihren Messias zu declamiren hätte, alles dieses bestehet in\nder Empfindung, und kan nicht wohl werden, wie\nsie bässer wissen, als ich;"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 922, "texte": "pflantzen, aber handien habe bis noch nicht können,\ndan kaum war ich in Wien angekommen, so verreiste der\nKaiser, und ist noch nicht zurücke gekommen, über dieses\nmuss man auch annoch die gutte Virtestunde beobachten,\numb Etwas effectuirenzu können, bey grosen Höffen findt\nman selten gelegcnheit Etwas guttes anzubringen, indessen\nhöre ich dannoch, das man will Eine Academie der schönen\nWiessenschaften allhier Errichten, und das der Eintrag Von\ndenen Zeitungen, und Calendern soll Eine portion des fondi\naussmachen, umb die Kosten zu bestreitten; wan ich werde\nbässer Von der sache unterrichtet seyn, werde nicht Er-\nmangeln ihnen alles zu berichten. Indessen haben sie mich\nEin wenig lieb, bies ich wiederumb so glücklich bin sie zu\nsehen. Mein Weib und Tochter machen ihnen Ihre Compli•\nmenten und freyen sich sehr Von ihnen Etwas zu hören,\nund ich Verbleibe dero\n„Ihnen Ergebenster\n„Gluck.\n„Wien, den 24. Juni,1775.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-11-25-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-11-25_01#c002", "volume": "bmtnabi_1854-11-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "372", "page_fin": "373", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.2.2", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. E", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.4", "debut_caractere": 924, "fin_caractere_exclue": 4905, "texte": "Berliner Briefe.\n\n10per ?,Jc toller, je besser\" Die Nibelungen\nBazzini Gebr. Doppler Frau Förster Concerte.]\nDen 16. November 1854.\nDie königliche Oper hatMehul's „Je toller, je bes-\nser\" wieder auf die Bühne gebracht. Das Theater-Reper-\ntoire bedarf solcher heiteren Kleinigkeiten, und die frühere\nZeit war auf dem musicalischen Gebiete viel fruchtbarer\ndarin, als die jetzige. Zwar sind Manche der Ansicht, daäs\nder Musik alles Komische widerstrebe, aber die italiänischen\nOpern dieses Genre's, Dittersdorfs Doctor und Apotheker\nund manches andere Werk scheinen doch das Gegentheil\nzu beweisen. Doch gesetzt auch, das burlesk Komische\nstehe der Musik nicht an, so bleibt noch das weite Gebiet\ndes heiteren, ungezwungenen Scherzes, der leichten, gra-\nziösen Gefühlserregung, wie es z. B. in Mozart's Figaro, in\nanderer Weise in der französischen Oper einen künstleri-\nschen Ausdruck gefunden hat. Alles dies ebenfalls der Mu-\nsik entziehen wollen, würde von zu schwerfälligem Ernste,\nvon übergrosser Sentimentalität zeugen. Doch ist für Werke\ndieser leichteren Gattung eine geringere Zeitdauer wün-\nschenswerth, und darum müssen wir die Composition neuer\nderartiger Operetten durchaus herbeiwünschen. In solchen\nSpielen würde das wirksamste Gegengift gegen alle Ueber-\nspannungen und Ausschreitungen der modernen Opern-\nmusik und des Operngesanges liegen. Wir sind in Kraft-\nEffecten allzu weit gegangen und müssen eine Gegeneur\ngebrauchen, die uns wieder an künstlerische Genüsse ganz\nanderer Art gewöhnt und lür die maassvolle, auf Selbstbe-\nherrschung begründete Schönheit von Neuem empfänglich\nmacht. So lange wir nun nichts Neues der Art haben, das\nim Text und in der Musik dem verfeinerten Standpunkte\nder heutigen Zeit entspricht, können wir die Wiederer-\nweckung der gewiss Wenigen noch bekannten Mehul'schen\nOperette gutheissen, obschon dieselbe heute etwas zu ein-\nfach und harmlos erscheint. Musicalisch ragt ausser einer\nRomanze lür Sopran noch ein Terzett im zweiten Act her-\nvor. Das Meiste aber ist etwas dürftig, arm an charakteri-\nstischem Gehalt. Die Ausführung bewies, dass man den\nleichten, kecken und dabei vornehm gebildeten Ton des\nSingens immer mehr verlernt. Fräul. Trietsch, die oft\nsehr Tüchtiges leistet, besitzt die Kunst, in gefälliger Weise\nmit dem Tone zu spielen, nicht hinreichend; ganz und\ngar nicht befriedigte Herr Krüger, an dem wir in letzter\nZeit keinerlei Forlschritt bemerken konnten. Herr Düffke\nspielte mit komischem Geschick.\nDie Nibelungen von Dorn sind in diesem Winter\nebenfalls wiederholt worden und hatten das Haus vollstän-\ndig gefüllt. Das Werk bewährt seine Bühnengeschicktheit;\nes kommt den Neigungen des Theater-Publicums entgegen\nund regt in vielen Einzelheiten auch den Musiker an. Fräul.\nWragner leistete sehr Tüchtiges als Brunhild. Ueberhaupt\nsind die Kunstleistungen dieser Sängerin im Laufe des Win-\nters wieder zu ihrer früheren Bedeutung zurückgekehrt.\nEs bewies dies namentlich am letzten Sonntag die Darstel-\nlung der Eglantine, die wir kaum früher so gut von Fräul.\nWagner gesehen haben. Die natürliche Fülle des Organs\nbrachte sich in ziemlich zwangloser Weise zur Geltung,\nund der weiche Schmelz der Stimme ist, wo sich die Sän-\ngerin bemüht, ihn hervorzurufen, unverletzt. Im Ganzen\nwar die Leistung so gross, natürlich und unverkümmert,\nwie es die geistige Kraft der Sängerin mit sich bringt.\nBazzini ist vor wenigen Tagen abgereis't, nachdem\ner circa fünfzehn Concerte gegeben, von denen noch das\nletzte die grossen Räume des Kroll'schen Locals vollstän-\ndig gefüllt hatte. In einem dieser Concerte spielte er auch\nBeethoven's Violin-Concert mit Ernst und Klarheit, wenn-\ngleich nicht mit der Tiefe und Eigentümlichkeit, die nur\ndurch ein vollständiges Eindringen in Beethoven's Genius\nerrungen werden kann. In den letzten Concerten unter-\nstützten ihn die Gebr. Doppler ausPesth, die durch ihre\nFlöten-Duo's einen zauberhaften Eindruck hervorbringen,\ndas heisst, man wird durch die Lieblichkeit des Klanges,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4257, "texte": "durch die eminente Fertigkeit und Gleichmässigkeit des\nSpiels, durch die zierlichen Combinationen von schmachten-\nden Melodieen und jubelnden Trillern, Passagen und Ar-\npeggien an jene Märchen erinnert, in denen wir von ver-\nständig singenden Vögeln u. dgl. mehr lesen. Es sind Na-\nturlaute in kunstgemässer Ausbildung, weiter nichts; aber\nauch dies hat seinen Werth, wenn es selten gehört wird;\nes ist ein harmlos freudiges Spiel.\nFrau Sophie Förster, die Ihnen von dem letzten\nRheinischen Musikfeste bekannt ist,, gab zwei Concerte im\nSaale der Sing-Akademie und erwarb sich den Ruf einer\nSängerin von solider Schule und zartem, weiblichem Wesen.\nDie Stimme besitzt mehr Schmelz, als reines Metall, mehr\nLieblichkeit, als Kraft. Im Ganzen ist diese Richtung nur\nzu billigen; doch wäre in den hohen Tönen mehr Energie\nund Fülle, die Möglichkeit einer stärkeren Accentuation zu\nwünschen. Hier liegen die Höhepunkte der Stimme, die\nauch in der That als Höhepunkte hervortreten und nicht\nzu Gunsten einer schulmeisterlichen Egalität aufgeopfert\nwerden sollen. Die Theorie treibt die Egalität oft so weit,\ndass aller innere Gegensatz, alles Leben, jede Steigerung\nund Accentuation ausgerottet wird; so weit soll der wahre\nKünstler nicht folgen; er folge dem Zuge der Phantasie,\ndie sich durch den ausgleichenden Verstand nicht unter-\ndrücken lässt. In dieser Hinsicht lässt der Gesang von Frau\nFörster zu wünschen übrig. Alles aber, was musicalisch\nsich in engeren Gränzen der Mannigfaltigkeit bewegt, das\nleichtere Lied, der italiänische Coloratur-Gesang, gelingt\nsehr sauber und wohlthuend, und mit Recht fanden ihre\nLeistungen allseitigen und warmen Beifall. Eine interes-\nsante, aber nicht öffentliche Aufführung fand durch den\nStern'schen Verein zur Todesfeier Mendelssohn's Statt;\nMozart's Requiem, der 114. Psalm von Mendelssohn („Da\nIsrael aus Aegypten zog\") und die nachgelassenen Chöre\nund Soli aus „Christus\" wurden am Ciavier mit der Prä-\ncision und Frische gesungen, die diesen Verein stets aus-\nzeichnet. Die Sinfonie-Soireen brachten die Lustspiel-\nOuverture von Jul. Rietz, die zwar vom Publicum etwas\nkühl aufgenommen wurde, aber bei der Kritik durchweg\ndie verdiente Anerkennung gefunden hat. Im Tone und\nCharakter finden wir im Ganzen den Geist Mendelssohn's\ndarin. Die Auslührung zeugt von grosser Formgewandtheit\nund feinem Geschmack. Man darf übrigens nicht an ein\nmodernes, verständiges, sondern an ein phantastisch-poeti-\nsches Lustspiel denken; als Einleitung zu irgend einem\nLustspiele von Shakspeare würde sie sich sehr gut eignen.\nDie letzte Sinfonie-Soiree brachte unter Anderem Sponti-\nni's Ouvertüre zum Cortez, von der Relistab mit Recht\nsagt, dass sie zwischen den £-<Z?/r-Sinfonieen von Beethoven\nund Mozart und dem Scherzo aus dem Sommernachtstraum\nwie ein scythisches Werk zwischen hellenischen geklungen\nhätte. Die Trio-Soireen der Herren Löschhorn und\nGebr. Stahlknecht haben ebenfalls begonnen; sie brach-\nten ein neues Trio von Marschner, das allerdings fliessend\nund edel gehalten ist, aber den feinen und innerlich leben-\ndigen Stil echter Kammermusik nicht in sich trägt; am\nmeisten Eigenthümlichkeit und Frische hat das Scherzo,\ndoch lässt sich auch hier eine Phantasie erkennen, die vor-\nzugsweise an Formwirkungen sich gebildet hat. Die\nQuartett-Soireen, an deren Spitze der C.-M. Zimmer-\nmann steht, haben ebenfalls begonnen, aber bis jetzt nichts\nNeues gebracht; ein Cyklus von Trio- und Quartett-Soireen,\nden der C.-M. Birnbach unternommen hat, zeichnetsich,\nwie die anderen, durch treffliche Ausführung aas; doch ha-\nben wir auch hier nur ältere Werke gehört. Am interessan-\ntesten war in so fern das erste der von den Herren Grün-\nwald, Redern und v. d. Osten unternommenen Con-\ncerte, dessen Programm mit Sorgfalt aus seltener gehörten\nWerken zusammengestellt war: Beethoven's G-dur-Sonate\nfür Piano und Violine, Schumann's £!s-cZur-Quartett, Beet-\nhoven's Liederkreis an die ferne Geliebte. Wir freuen\nuns namentlich, dass das Interesse für Schumann im Wach-\n»J\nsen ist. Wer solche Stücke geschrieben hat, wie z. B. den\nersten Satz eben dieses Quartetts, darf nicht vornehm igno-\nrirt werden. Beethoven's Liederkreis ist für die Stimme\nwenig dankbar; um so mehr ist die Wahl desselben anzu-\nerkennen.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-11-25-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-11-25_01#c003", "volume": "bmtnabi_1854-11-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "373", "page_fin": "375", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.2.3", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. Schindler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.5", "debut_caractere": 4259, "fin_caractere_exclue": 5006, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n\nDem aufmerksamen Beobachter der Erscheinungen auf\nunserem Gebiete ist es gewiss keine geringe Ueberraschung,\nzu gewahren, dass die vielgeschwätzige Fama doch zuwei-\nlen noch Wahrheit redet. Als die Allgemeine Zeitung vor\neinigen Jahren dem noch in zartem Jugendalter stehenden\nViolinspieler Ferdinand Laub einen besonderen Artikel\nwidmete und seine demnächstige Bedeutendheit prognosti-\ncirte, musste dies die Erinnerung wachrufen an so viele da-\ngewesene frühreife Tal inte und deren baldiges Verschwin-\nden vom Schauplatze, und die Bewährung der Zukunft an-\nheim gegeben werden. Sie hat diesmal nicht getäuscht, wie\nwir Gelegenheit hatten, uns im zweiten Museums-Concerte\nam 17. November zu überzeugen. Herr Laub, wiewohl"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5180, "texte": "noch Jüngling, hat als Violinspieler dennoch schon die\nMannbarkeit erreicht und steht bereits in der vordersten\nReihe jener echten Künstler auf seinem Instrumente, denen\nwir diesen Ehrentitel mit Recht zuerkennen müssen. Er\nbrachte zum Vortrag Mendelssohn's Concert, die Chaconne\nvon Seb. Bach urid eine Röverie von Vieuxtemps. Makel-\nlose Reinheit des Stils, fern von leisester Mahnung\nan die zahllosen Unarten vieler Koryphäen der modernen\nGeigerei; vollendete Schönheit des Tones in allen\nLagen, deren verschiedenartige Klangfärbung völlig ver-\nschwindet, wogegen jene Celebritäten absichtlich dieselben\nhervorheben, um damit Heulen, Seufzen und Flennen zu\nerzeugen; schwungvolle Begeisterung in den\nSchranken der Besonnenheit, mit steter Rücksicht auf Klar-\nheit und Deutlichkeit des Gegebenen, dazu noch Wärme\ndes Gefühls ohne Affectation dies wären die Cardi-\nnal-Eigenschaften, die im schönsten harmonischen Vereine\naus den Vorträgen des Herrn Laub in die Erscheinung ge-\ntreten. Es versteht sich sonach wohl von selbst, dass alle\nweiteren Anforderungen an die wahrhafte Künstlerschaft in\nvollem Maasse vorhanden sind.\nDie Ton-Qualität bezüglich auf Dynamik anlangend,\ndarf man bei den Virtuosen unserer Zeit nicht die Fülle\nvoraussetzen, welche die Meister früherer Jahrzehende:\nRode, Spohr, Mayseder, Jos. Böhm, Maurer, Rovelli, Li-\npinsky und Andere noch bis zu Paganini's Auftreten\nausserhalb seines Vaterlandes, 1828 ausgezeichnet hat.\nDie gegenwärtig hohe Orchester-Stimmung gestattet der\nVioline nur dünne Besaitung, die der Tonfülle, nach den\nBegriffen jener Meister und ihrer Zeitgenossen, ganz und\ngar hinderlich wird. Hierzu kommt die Bemüssigung für\nunsere Violinisten, sehr viele Noten in rapider Bewegung\nzu spielen, überdies noch der bis zur Uebertreibung ge-\nsteigerte Mechanismus des Instruments —: diesen leidigen\nUrsachen ist die Verminderung der Ton-Qualität zuzuschrei-\nben, darunter selbst der markigste Arm in seiner Kraftent-\nwicklung gehemmt wird. Dennoch dürfen wir den Ton des\nHerrn Laub für gross erklären, und stellt er sich in dieser\nEigenschaft unter allen den bekannten Virtuosen dem viel-\nleicht grössten Meister in der Tonbildung, Vieuxtemps, am\nnächsten. Laub's Violinspiel charakterisirt sich überhaupt\nmit wenig Worten: gediegene, edle Männlichkeit, natürliche\nWürde. In seiner Hand ist die Violine die wahrhafte Kö-\nnigin unter den Instrumenten.\nUeber die Aufnahme, die der hierorts gänzlich unbe-\nkannte Künstler erfahren, der darum bei seinem Vortreten\nvon keiner Hand bewillkoramt worden, ist sehr Erfreuliches\nzu berichten. Schon nach dem ersten Satze des Mendels-\nsohn'schen Concertes brach ein allgemeiner Beifall los, der\nsich weiterhin der Maassen gesteigert hat, dass sich Nie-\nmand eines ähnlichen Enthusiasmus in diesen Räumen zu\nerinnern weiss. Hoffentlich werden nun die Klagen über\nKälte und Mangel an Empfänglichkeit unseres Concert-Pu-\nblicums für lange Zeit verstummen; denn sie haben einen\nzu empfindlichen Niederschlag erlitten. Seid nur das wirk-\nlich, wofür ihr euch ausgebt, ihr Virtuosen jedes Geschlechts,\nentsprechet dem von der vielzüngigen Fama über eure Mei-\nsterschaft verbreiteten Rufe, und ihr findet hier ein dank-\nbares und anerkennendes Publicum, nach Umständen auch\ndie wohlverdiente Belohnung. Den Beweis hiefür möge das\nQuartett der Brüder Müller aus Braunschweig liefern, die\nzwei Jahre zurück unsere Musikfreunde mit ihren Vorträ-\ngen erfreut haben.\nDer ausserordentliche Beifall, der den Leistungen des\nHerrn Laub zu Theil geworden, dürfte ihm wohl hinrei-\nchende Aufmunterung zu einer zweiten Production geben.\nDa er seine Stellung als Concertmeister zu Weimar der zu\nbeschränkten Verhältnisse wegen verlassen, um die grosse\nWelt zu sehen, so wird ein Widerkehren sich vielleicht bald\nermöglichen. Auch Herrn Joachim hoffen wir in laufender\nSaison im Museum zu hören; die Einladung soll bereits an\nihn abgegangen sein. War auch die frühere Zeit an gros-\nsen Meistern auf der Violine (wie wohl auf allen Instrumen-\nten) reicher als unsere, so dürfen wir uns denn doch im-\nmer noch freuen, Künstler zu besitzen wie die Herren\nVieuxtemps, Laub und Joachim, die im Ganzen die Würde\nihres Instrumentes zu wahren wissen und dem modernen\nGeschmack wenig huldigen, Herr Laub gar nicht. Gäbe es\nin der übergrossen Schar der Pianisten nur noch ein paar\nThalberg und Kalkbrenner, welche die Leute durch ihr Bei-\nspiel belehrten, was Clavierspielen heisst, wenn es sich um\nDarstellung grosser Tongebilde handelt! Armes Pianoforte\nmit deiner nun vollendeten Mechanik, womit hast du es\nverdient, grossentheils so arg misshandelt zu werden!\nDa der ausübende Künstler erst in dem Maasse zum\nBesten der Kunst mustergebend wird, als er sein Programm\nnur mit wahrhaft guten Compositionen auszustatten ver-\nsteht, so wollen wir in Betracht dessen Herrn Laub freund-\nlichst rathen, von nun an auf diesen Punkt sein Augenmerk\nzu richten. Darum keine Chaconne, denn sie gehört ins An-\ntiquitäten-Cabinet und passt eben so wenig in den Concert-\nsaal, als ein Gemälde aus der altdeutschen Schule in einen\nBildersaal aus neuer und neuester Zeit passt. Auch keine\nRöverieen! Derlei Niaiserieen, bestehend aus lauter abge-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 855, "texte": "nutzten, hypersentimentalen Phrasen und Cadenzen aus ita-\nliänischen Opern, gehören dem Trödelmarkte an und pas-\nsen nur für Virtuosen, denen es unser jugendlicher Künst-\nler im Angesichte eines sinnigen deutschen Publicums\nsicherlich nicht gleich thun will. Für den deutschen Cha-\nrakter seines Spiels eignet sich nur kerndeutsche Musik.\nFür seinen Bogen hat Spohr seine grossartigen Tongemälde\ngeschrieben, Maurer, Molique und Lipinsky ihre vortrefl-\nlichen Concerte, die nur den rechten Mann erwarten, um\nwieder neu geboren aus dem Staube zu erstehen und ein\ngebildetes Auditorium zu erfreuen. Wir sprechen es mit\nGewissheit aus, dass Herr Laub dieser rechte Mann für jene\nSchöpfungen ist, und werden somit erst dann der Kunst-\nwelt zu seinem Erscheinen Glück wünschen, wenn wir ihn\nim Verein mit den genannten Componisten wandeln sehen.\n\nA. Schindler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-11-25-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-11-25_01#c004", "volume": "bmtnabi_1854-11-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "375", "page_fin": "375", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.2.4", "titre_corps": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale.", "titre_sommaire": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.7", "debut_caractere": 857, "fin_caractere_exclue": 4930, "texte": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale.\nDinstag, den 21. November.\nDas Programm brachte: 1) Ouvertüre zu Ruy Blas von Men-\ndelssohn; 2) Aria di Chiesa von Stradella, vorgetragen von\nFrau Nissen-Saloman; 3) Concert in Es-dur für Pianoforte von\nBeethoven, gespielt von Herrn F. Breunung; 4) Lorelei,\nGedicht von Dr. Wolfgang Müller, für Solostimmen, Chor und\nOrchester componirt von F. Hiller (Manuscript). Im zweiten\nTheile: 5) Ouvertüre zum Wasserträger von Cherubini; 6) Schwe-\ndische Lieder, vorgetragen von Frau N i s s e n - S a 1 o m a n; 7) Sin-\nfonie in C-moll von Nils W. Gade.\nDie Mendelssohn'sche Ouvertüre wurde gut und mit Feuer ge-\nspielt; nach öfterem Hören sind wir indess auch dahin gekommen,\nMendelssohn Recht zu geben, dass er sie nicht veröffentlicht haben\nwollte. Stradella's Kirchen-Arie, obwohl sie recht schön vorgetragen\nwurde und für die Stimme der Frau Saloman vorteilhaft war, ist\nkeine Musik für ein so grosses Publicum, als unsere Concerte jetzt\nhaben übrigens sind wir der Meinung, dass durch den Vortrag\neines Tenors die Melodie besser mit der Begleitung verschmilzt.\nHill er s „Lorelei\" hat, besonders in den Chören, grosse mu-\nsicalische Schönheiten, das Orchester ist überall meisterhaft behan-\ndelt, auch der Sang des zum Opfer bestimmten Fischerknaben ist\nschön; allein die Lorelei, die das Opfer motivirende Sirene, bleibt\nuns den Beweis schuldig, dass ihr Gesang den süss bethörenden,\nverderblichen Zauber übe. In wie fern der Dichter an der rein\ndramatischen Auffassung der Lorelei durch den Componisten, die\nwir hier nicht an der Stelle finden, schuld ist, vermögen wir nicht\nzu sagen, da dem Vernehmen nach der Text nicht mehr derselbe\nist, wie er aus der Hand des Dichters hervorgegangen. Die Chöre\nder „Wasserfrauen4' und der „Rebengeister\" (?) treten theils einzeln\nals Frauen- und Männerchor, theils in vierstimmigem Gesammtchor\nauf und haben Phantasie, Schwung und echte Romantik. Nur der\nCharakter des Schlusschors, welcher übrigens, bloss musicalisch ge-\nnommen, auch ein schönes Stück ist, scheint nicht richtig aufge-\nfasst, denn er drückt das „neue Leben des Versunkenen, den Tanz\nder wonnigsten Freude, umleuchtet von Schönheit und Liebe\", nicht\naus, sondern eine Art von Trauer um ihn, welche dem Inhalt der\nSchluss-Strophe widerspricht.\nDas Es-dur-Concert von Beethoven verlangt zum vollendeten\nVortrage eine grosse künstlerische Ruhe. So hoch wir das Talent\ndes Herrn Breunung schätzen und es bei Mendelssohn scher und\nChopin'scher Musik als ein glänzendes anerkannt haben, so können\nwir uns doch mit dem gehörten Vortrage der genannten erhabenen\nComposition Beethoven's nicht einverstanden erklären. Vielleicht\nmachte auch die Ungewohntheit, vor einem grossen Publicum zu\nspielen, Avas Herr Breunung seit Jahren nicht gethan, den beschei-\ndenen und tüchtigen Künstler etwas befangen.\nDie Ausführung der Ouvertüre von Cherubini war eine treff-\nliche Leistung des Orchesters, welches sich auch in der Sinfonie\nvon Gade als tüchtig bewährte. Diese C-mo//-Sinfonie, welche zu\nihrer Zeit in Leipzig Enthusiasmus erregte, Hess hier das Publicum\nziemlich kalt; wir können es desshalb nicht tadeln, indem wir nie\nhaben begreifen können, wie einige hübsche und originelle Melo-\ndieen von einer Art Nationalfarbe, und eine mehr durch Anwen-\ndung äusserer Mittel als von innen aus eigenthümliche Instrumen-\ntirung oder Zusammenstellung bisher wenig combinirter Klangfar-\nben jene Begeisterung der Kritik hervorrufen konnten, welche neben\nGade eine Zeit lang selbst Mendelssohn und Schumann vergessen\nliess. Wir denken, man hat jetzt eingesehen, dass Gade's Schreib-\nart nicht Stil, sondern Manier war, welche er übrigens seitdem\nselbst wieder aufgegeben hat. Wir ziehen seine späteren Sinfonieen,\nnamentlich die aus A-moll, bei Weitem vor.\nFrau Nissen-Saloman nahm durch den Vortrag schwedi-\nscher Lieder, in denen sie ihre grosse Kunstfertigkeit noch einmal\nglänzend entwickelte, Abschied von uns. Sic verlässt uns, indem\nsie den ehrenvollen Einladungen von Amsterdam und anderen\nnamhaften Städten Hollands folgt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-11-25-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-11-25_01#c005", "volume": "bmtnabi_1854-11-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "375", "page_fin": "376", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.7", "debut_caractere": 4932, "fin_caractere_exclue": 6060, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Am 17. November gab der Contrabassist Herr Alfeo\nGilardoni, den wir bereits in Herrn Ludwig Schreibers\nAbschieds-Concert in voriger Woche gehört hatten, ein Concert im\nStollwerek'schen Theatersaale, wo wir von Neuem die eminente\nVirtuosität desselben sowohl im Passagenspiel als im Vortrag der\nMelodie und in der Zartheit des Flageolets bewunderten. Nament-\nlich erhielt das bekannte Violin-Duett von Dancia, für Contrabass\nund Violine arrangirt, grossen Beifall. Herr Venth vom hiesigen\nOrchester trug die Violinstimme recht befriedigend vor. In demsel-\nben Concerte hörten wir Herrn Schreiber, der auf der Trom-\npete schwerlich seines Gleichen hat, zum letzten Male vor seiner\nAbreise denn er ist im Begriff, sich nach America einzuschiffen.\nEs ist tief zu bedauern, dass unsere Zustände den Gedanken nicht\naufkommen lassen können, einen solchen Künstler unserem Or-\nchester zu erhalten. Die Gebrüder Steinhaus von Elberfeld tru-\ngen einige Vocal-Quartette mit Beifall vor.\nDem jungen Componisten Max Bruch ist das Stipendium des\nfrankfurter Mozart-Vereins auf ein Jahr verlängert worden."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4025, "texte": "Bonn* Unser erstes Abonnemcnts-Concert im Saale\nmm goldenen Stern fand am 15. November unter der Leitung des\nMusik-Directors Herrn von Wasielewski Statt. Von Orchester-\nsachen hörten wir Cherubin i's Ouvertüre zur Fanisca und M o-\nzart's £s-dwr-Sinfonie. Frau Nissen-Saloman trug Stradella's\nKirchen-Arie, die Cavatinc aus Ernani von Verdi und schwedische\nNationallieder mit grossem Beifall vor. Herr Ed. Frank aus Köln\nspielte Beethoven's C-moll-Concert, in welches er eine vortreff-\nliche Cadenz eingelegt hatte, ferner eine Fuge von J. S. Bach und\nein Lied ohne Worte von seiner eigenen Composition, Alles auf\nvollendete Weise.\nElberfeld. Am 11. November, in unserem ersten Ab'on-\nnements-Concerte, hörten wir unter der Leitung des städti-\nschen Musik-Directors Herrn Schornstein die vierte Sinfonie\nvon Rob. Schumann, Mendelssohn's Finale aus der Lorelei,\nCherubin i's Ouvertüre zu Anakreon und mehrere Gesangs-Vor-\nträge der Frau Nissen-Saloman, welche auch die Partie der\nLorelei vortrug. Leider wurde Herr C. Reinecke durch eine\nVerletzung am Finger verhindert, das Es-dur-Concext von Beetho-\nven zu spielen. Herr Mus.-Dir. Langenbach hatte die Gefällig-\nkeit, statt dessen die Romanze für Violine und Orchester von Beet-\nhöven vorzutragen.\n*» > .\nDarmstaclt. Fräul. E. Krall aus Wien, gegenwärtig erste\nSängerin am hiesigen Hoftheater, erregt in hohem Grade die Auf-\nmerksamkeit und Theilnahme der hiesigen Kunstfreunde. Einfach-\nheit, Correctheit des Gesanges und Feinheit des Vortrags einen sich\nmit anmuthigem Spiel. Am meisten gelingen ihr die zarten, elegi-\nschen Stellen, wesshalb ihre Emmeline in der Schweizerfamilie und\nihre Agathe im Freischütz den meisten Erfolg hatten.\nMUnciien. Wir laboriren so eben an der Gründung eines\nGesang-Vereins für gemischten Chor, dessen Director der als Com-\nponist bekannte Freiherr von Perfall sein soll. Flüssige und feste\nGründe traten bisher der Existenz eines solchen Instituts peremp-\ntorisch entgegen, das seit 30—40 Jahren in fast keiner deutschen\nStadt mehr fehlt. Es ist zu wünschen, dass es nur feste Gründe\nsein mögen, denen das neue Institut Bestehen und Gedeihen zu\ndanken haben wird. Wird man es verstehen, die Novizen mit leich-\nter Gesangmusik aus unserer Zeit einzuschulen, dann dürfte es\nwohl gelingen, das Interesse dafür bei unseren jungen Damen fest\nzu halten, woran alles Ucbrige gelegen.\nDie berühmte Sängerin Anna Zerr ist jetzt wieder in Deutsch-\nland; sie wird in Leipzig und in Zürich Gastrollen geben.\nAn die Stelle des abgegangenen Directors der grossen Oper zu\nParis, des Herrn Roqueplan, ist Herr C r o s n i e r, Abgeordneter\nzum Corps legislatif, vom Ministerium des kaiserlichen Hauses zum\nAdministrateur general ernannt worden. Herr Crosnicr ist der Thea-\nter-Leitung keineswegs fremd; er hatte um 1830 das Theater an\nder Porte St. Martin und von 1834 bis 1845 das Theater der Opera\ncomique, bei dessen Verwaltung er ein vermögender Mann wurde.\n»> ' .\nParis. Der Tenorist Gardoni ist an der grossen Oper an-\ngestellt. Meyerbeer's Etoile du Nord hat bereits die 77. Vor-\nstellung erlebt.\n11. Berlioz wird Anfangs December ein Concert geben, in\nwelchem er ein neues Werk, „VEnfance du Christzur Auffüh-\nrung bringen will. Er nennt es eine Trilogie sacree, Gedicht und\nMusik von H. Berlioz. 1 Theil. „Der Traum des Herodes\", Erzäh-\nlung (Tenor); Marchs nocturne; Bass-Arie, Scene mit Chor, Conju-\nration des Devins (Orchester); der Stall zu Bethlehem (Duett für\nSopran und Bariton); Chor der Engel. 2. Theil. Die Flucht\nnach Aegypten (Ouvertüre); VAdieu des Bergers (Chor); le Repos de\nla Sie. famille (Tenor und Chor). 3. Theil. Die Ankunft in Sais\n(Erzählung, Tenor); die Strassen von Sais (Duett für Sopran und\nBariton); die Ismaeliter-Familie (Bass mit Chor); Recitativ-Scene\n(Bariton und Bass); Trio für zwei Flöten und Harfe; Terzett für\nSopran, Bariton und Bass mit Chor; Erzählung im Tact (Tenor):\nmystischer Chor ohne Begleitung mit Tenor-Solo. Haupt-Perso-\nnen: die Jungfrau Maria, Joseph, Herodes, der Familienvater, der\nErzähler."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.1", "texte": "Christoph Willibald Ritter von Gluck.\nV.\n(S. Nr. 41, 42, 43 und 44.)\nWir sind in dem letzten Artikel bis zur Aufführung\nder Oper „Paris und Helena\" im Jahre 1769 gekommen.\nIn der Zwischenzeit bis zur Composition der Iphigenie\nbeschäftigte sich Gluck viel mit dem Gedanken, Klopstock'-\nsche Poesie in Musik zu setzen, und componirte auch wirk-\nlich mehrere Oden und Lieder Klopstock's, auch einige\nScenen aus der Hermannsschlacht. Ueber seinen Verkehr\nmit dem Dichter selbst finden wir später Nachrichten in\nHerrn Schmid's Biographie.\nEs ist zu bedauern, dass die deutsche Poesie jener Zeit\ndem grossen Componisten, der seine Ansichten über die\nReform der Oper immer mehr läuterte, keinen würdigen\nStoff liefern konnte. Er war gezwungen, ihn auswärts zu\nsuchen, und konnte bei den damaligen Zuständen der Kunst-\nbildung sowohl diesen Stoff als die nothwendigen Bedin-\ngungen zu einer vollkommenen dramatischen Darstellung\nnirgend anders finden, als in Paris. Denn er hatte einge-\nsehen, erstens, dass das Widernatürliche der Besetzung männ-\nlicher Rollen durch Soprane (wie das noch im Paris und Helena\nder Fall war) ganz wegfallen müsse; zweitens, dass zu einem\ndurchgreifenden Erfolge seiner Musik ein schönes tragisches\nGedicht, ein prachtvolles Theater und vor Allem Sänger\ngehörten, welche mit der Kunst des dramatischen Gesan-\nges die Kunst des Schauspielers verbänden. Das war\nes, was ihn nach Paris zog, nicht eitle Ruhmsucht oder\nLiebe zum Gelde.\nDie Bekanntschaft mit einem geistvollen Franzosen,\nHerrn Bailly du Rollet, den Gluck schon vor Jahren\nin Rom kennen gelernt hatte und der sich jetzt in Wien\naufhielt, brachte den Plan zur Reife. Man kam überein,\nzum Stoffe Ra eine's Iphigenie zu wählen;\nBailly drängte die Handlung des Stückes zu einem Drama\niür musicalische Bearbeitung zusammen, Gluck ging mit\nBegeisterung an die Composition dieses französischen Tex-\ntes und schrieb eine Oper, welche weder in Deutschland\nnoch in Italien, den bisherigen Schauplätzen seines Ruhmes,\naufgeführt werden konnte ein Entschluss, der wahr-\nlich von entschiedener Thatkraft Zeugniss gibt und von\neiner Zuversicht des Gelingens, wie sie nur dem Genie\neigen ist.\nDie Oper war im August 1772 schon grösstenteils\nvollendet, wenn auch nicht in der Partitur, doch im Geiste;\nmehrere Scenen daraus wurden bei Hofe vorgetragen, und\ndem Dr. Burney, der sich um diese Zeit in Wien aufhielt,\nspielte und sang Gluck die bedeutendsten Stellen aus dem\nKopfe vor.\nBailly du Rollet wendete sich am 1. August 1772\nan Antoine d'Auvergne, Director der grossen Oper in Pa-\nris, schilderte Gluck's Ansichten über dramatische Musik\nund sein Genie und fragte um die Aufiührung an. D'Au-\nvergne Hess, anstatt zu antworten, den Brief im Mercure de\nFrance abdrucken was wir erwähnen, weil dieser Brief\ndadurch das erste Actenstück in dem grossen Process wurde,\nder sich späterhin über die Gluck'sche Musik entspann.\nDa Beide, Dichter und Componist, nichts von Paris\nhörten, so schrieb Gluck im Februar 1773 einen Brief an\ndie Redaction des Mercure,gleichsam als Antwort auf den\nBailly'schen, um sich in Erinneruug zu bringen wir ha-\nben oben im Artikel IV Stellen aus demselben mitgetheilt.\nZugleich übersandte Bailly die Partitur des ersten Actes an\nd'Auvergne, nach deren Durchsicht dieser die für beide\nTheile ehrenvolle Aeusserung zurückschrieb: „wenn sich\nder Ritter Gluck verbindlich mache, der pariser Akademie\nsechs solcher Opern zu liefern, so sei er der Erste, sich\nfür die Aufführung zu interessiren: ohne dies aber nicht;\ndenn eine solche Oper schlüge alle bisherigen nieder.\"\nDa wandte sich denn Gluck an seine frühere Schü-\nlerin, die Dauphine Marie Antoinette von Oesterreich;\ndie Kaiserin Maria Theresia und Joseph 11. empfahlen und\nunterstützten sein Gesuch, und erst durch diesen hohen\nSchutz wurden die Hindernisse gehoben, und Gluck wurde\neingeladen, nach Paris zu kommen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.2", "texte": "Im Spätsommer des Jahres 17 73 kam er mit seiner\nGattin und seiner Adoptiv-Tochter Marianne dahin. Die\nhuldvolle Aufnahme bei Hofe und das Entgegenkommen\nbedeutender Künstler und Schriftsteller erfreuten ihn; aber\ner erschrak über die barbarische Beschaffenheit des Gesan-\nges in der grossen Oper und fand seine Erwartungen in\ndieser Hinsicht entsetzlich getäuscht. Der Chor war eine\nSchar von Gliederpuppen, wie Castil-Blaze aus gleichzeiti-\ngen Blättern berichtet, die Sänger eben so leblos als die\nMusik, die sie sangen; sie mühten sich ab, die traurige,\nschwerlällige Psalmodie Lully's und Rameau's hören zu las-\nsen und sie durch Anstrengung der Lungen uud Verren-\nkung der Arme zu heben. Gluck musste gegen die zahllosen\nMängel und schlechten Gewohnheiten, die Rousseau bereits\nso scharf gerügt, von denen die meisten Sänger aber immer\nnoch wie von unreinen Geistern besessen waren, in einen\nVernichtungskampf treten, er musste nach den Grundsätzen\nseines Systems über musicalischen Ausdruck, Einfachheit\ndes Gesanges, Richtigkeit der Declamation u. s. w. eine\nganz neue Schule mit diesen Sängern rastlos durcharbeiten.\nEben so ging es ihm mit dem Orchester, und es gehörte\nder ganze Ruf, die gediegenen Kenntnisse und die energi-\nsche Persönlichkeit Gluck's dazu, um diese obenein noch\nsehr eingebildeten Künstler unter seinen Zepter zu beugen.\nDas Ganze war eine Hercules-Arbeit, und sie wurde\nnoch durch ein nie ruhendes Spiel von List und Ränken\ngegen den deutschen Meister unendlich erschwert.\nDagegen fand dieser aber in Paris ein Publicum, wie\nes kein zweites damals auf der Erde gab; es war an und\nfür sich selbst höchst angeregt und wurde von den geist-\nvollsten Schriftstellern und Kritikern bearbeitet. Von der\nTheilnahme oder vielmehr der Leidenschaft der damaligen\npariser gebildeten Welt für das Theater haben wir jetzt\ngar keine Vorstellung mehr.\nDie Schriften von Diderot, Grimm, Rousseau\nhatten Gluck vorgearbeitet, indem sie die Steifheit, Gefühls-\nleere und Unwahrheit der bisherigen französischen Musik\nder grossen Oper nachwiesen und namentlich Lully's mo-\nnotone, unerträgliche Psalmodie*) an den Pranger stellten\nund lächerlich machten. Ferner hatten die Componisten\nDuni, Philidor, Monsignv, bereits praktisch\nin der komischen Oper gezeigt, was wahre Empfindung\nmusicalisch ausgedrückt sei; der Streit der Buffonisten\n(Vertheidiger des neuen Stils, der sich in der Opera buffa\nder Italiäner zunächst durch Pergolese's La Serva Pa-\ndrona Bahn brach und durch ein ausgezeichnetes Sänger-\npaar, den Signor M a n e 11 i und die Signora T o n e 11 i,\nhauptsächlich vertreten wurde) und der Anti-Buffonisten\nhatte den Kampfplatz schon zurecht gemacht, auf welchem\nnachher der Sieg der neuen dramatischen Musik entschie-\nden wurde.\nDieser Streit wurde so hitzig und so öffentlich geführt,\ndass das Parterre sich sichtbar in zwei Parteien theilte, als\nerstes Vorspiel der späteren Linken und Rechten in den\npolitischen Versammlungen. Die Buffonisten hatten auf der\nSeite der Loge der Königin ihren Platz,\ndie Lullysten und Rameauisten unter der Loge des Königs,\nau coin du Roi. Vorkämpfer der Buffonisten war Grimm,\nein Deutscher, Secretär des Grafen Friesen, bekannt durch\ndie Correspondence de Grimm Sein Schriftchen\n„ Le petit prophete de Röhmischbrod8 erregte bedeuten-\ndes Aufsehen.\nDie Cabalen der Zunft-Musiker und der privilegirten\nBeherrscher der grossen Oper machten der Sache durch\ndie Erwirkung eines Verbotes der Vorstellungen der Ita-\nliäner ein Ende. Aber der angeregte Geist liess sich nicht\nunterdrücken, und als nun noch Rousseau's berühmter\nBrief „Sur la Musiqu efrangaise\",ein kriegerisches Mani-\nfest gegen die falsche Oper, dazu kam beiläufig gesagt,\nein Actenstück, welches, wie viele der gleichzeitigen Schrif-\nten, so manches enthält, was uns jetzt für neu und genial\nverkauft wird —, so war der Boden in Paris für die Auf-\nnahme der Gluck'schen Musik gehörig gelockert und be-\narbeitet.\nNach den mühsamsten Studien und Vorbereitungen\nwurde endlich die Aufführung der Iphigenie auf den 13.\nFebruar 1774 festgesetzt. Gluck versicherte, dass, wenn\ner für die Partitur 20 Livres verlangen wollte, er für die\nMühe des Einstudirens 20,000 haben müsse. Der Wider-\nstand der Cabale war aber noch nicht erschöpft; sie hatte\nihre Hauptmine zur Sprengung der Oper bis auf den letz-\nten Augenblick verspart. Am Morgen des bestimmten Ta-\nges wurde gemeldet, dass der erste Sänger plötzlich er-\nkrankt sei, dass mithin für diesen Abend ein anderer die\nPartie übernehmen müsse. Gluck witterte den Verrath und\nverlangte die Aufschiebung der Vorstellung. „Unmöglich!\"\n\n■>*) Wer sich heutzutage eine Vorstellung von dieser Psalmodie\nmachen will, der vergleiche die viervierteltactigen Litaneien\ndes guten Königs Heinrich im Lohengrin und des guten\nLandgrafen Hermann im Tannhäuser von R. Wagner. Die-\nser langweilige, unwahr declamatorische Gesang ist es ja ge-\nrade, den Gluck durch die wahre Gefühls-Declamation und\ndurch die Melodie der Empfindung und der Leidenschaft\nstürzte. Und nun will man uns Wagner gar lür den Nach-\nfolger und Fortsetzer Gluck's ausgeben!"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.3", "texte": "erwiderte man ihm: „das Stück sei angekündigt, dem Hofe\ngemeldet, plötzliche Aufschiebung einer angekündigten Vor-\nstellung ohne Beispiel, die Oper müsse in Scene gehen.\"\n„So werde ich die Partitur ins Feuer werfen, rief\nGluck, „ehe ich eine verstümmelte Vorstellung zugebe!\"\nMan benachrichtigte den Hof - und die Vorstellung\nwurde ausgesetzt.\nNoch nie hatte sich eine so lebhafte, bis zur aufgereg-\ntesten Ungeduld gesteigerte Theilnahme für eine Kunst-\nerscheinung in Paris gezeigt, als jetzt. Die neue Musik war\nder Mittelpunkt aller Unterhaltungen in allen Kreisen. End-\nlich erschien der Tag der Aufführung, der 19. Apiil.\nDie Besetzung der Oper war folgende: Iphigenie, So-\nphie Arnould, damals etwa 30 Jahre alt • • Agamemnon,\nHenri Larrivee Achilles, Jos. Legros Clytämnestra,\nMadlle. Duplan. Bei der ersten Vorstellung zeigten sich\ntrotz Gluck's unendlicher Mühe doch noch grosse Mängel\nder genannten Sänger; untadelhaft war nur Sophie Arnould.\nLarrivee, nachher berühmt als Agamemnon, stand ihr in\nBezug auf technische Ausführung am nächsten, nur seine\nCharakteristik des Helden war Anfangs nicht ohne Tadel.\n„Lassen Sie mich nur erst im Costume sein\" erwiderte\ner Gluck auf eine Bemerkung desselben , „dann werden\nSie mich gar nicht wiedererkennen.\" Bei der Generalprobe\nim Costume rief Glnck bei der fraglichen Stelle ihm aus der\nLoge zu: „Lieber Freund, ich erkenne Sie wieder!\" Legros\nhatte zwar eine wunderschöne Stimme, schrie aber, dass\neinem der Kopf weh that. Die Duplan genügte auch nicht\nvollkommen den Forderungen.\nDiese Mängel trugen viel dazu bei, dass sehr Vieles,\nja, eigentlich das Meiste, von der Oper kalt aufgenommen\nwurde, während andere Stücke rauschenden Beifall hervor-\nriefen. Aber schon die zweite Vorstellung machte einen weit\ngünstigeren Eindruck; das Publicum rief wohl eine halbe\nStunde lang nach dem Tonsetzer, der aber nicht erschien.\nEinen grossen Einfluss auf den Erfolg halte die heroische\nZorn-Arie des Achilles im dritten Acte, durch welche der\nmilitärische Theil der Zuhörerschaft ganz begeistert wurde,\nso dass die Officiere an ihre Schwerter schlugen und des\nBeifallrufens kein Ende war.\nWie heiss bald darauf der Streit der Parteien, hie\nGluck, hie Piccini, d. h. für und gegen deutsche oder ita-\nliänische Musik, entbrannte, ist bekannt. Wir können ihn\nin dieser Lebensskizze nur erwähnen.\nGluck schritt auf der Stelle zur Umarbeitung seines\n„Orpheus\", wobei er die Hauptpartie für den Tenor um-\nschrieb. Legros wurde in dieser Rolle berühmt, und das\nPublicum hörte die Oper mit Bewunderung an. Sie machte\nentschiedenes Glück. Die erste Aufführung fand am 2.\nAugust 1774 Statt. Zu verwundern ist, dass der sonst so\nstrenge Meister sich zu der Nachgiebigkeit gegen Legros\nherabliess, der Arie am Schlüsse des ersten Actes und so-\ngar auch der Arie im zweiten Acte, wo die l 1 urien ihr\n~Nonu dazwischen rufen, Bravourstellen hinzuzufügen!\nDie Erfolge von Paris fanden ihren Wiederklang in\nDeutschland, wiewohl es hier auch gar viele Kritiker gab\ndie Gluck's Musik nicht begriffen, zu denen z. B. auch dei\nberühmte Forkel gehörte. Aber die Kaiserin Maria Theresii\nernannte Gluck am 18. October 1774 zum „k. k. Compo1\nsiteur\" mit einem Gehalt von 2000 Gulden, „damit ci\nseine sich eigen gemachte ausnehmende Kunsterfahrenheil\nmit allmöglicher Beflissenheit erweitern möge.\"\nIm Januar 1775 wurde die Iphigenie von Neuem mit\neinigen Veränderungen wieder in Scene gesetzt. In Ver-\nsailles wurde am 27. Februar Gluck's einactige Oper\n~ L'Arbreenchante\" mit vorübergehendem Erfolg gegeben.\nSeine „ Cytkere assiegee\" (am 11. August) fiel durch, und\nmit Recht, denn er hätte dieses frühere Werk, welches dem\nnachherigen Standpunkte Gluck's gar nicht entsprach, nicht\nauf die Scene bringen sollen. Merkwürdig für uns ist daraus\nnur die Arie Nr. 36 in B-dur wegen ihrer Aehnlichkeit\nmit den Arien der Königin der Nacht von Mozart; sie ent-\nhält Äaccafo-Bravourstellen in derselben Weise und erfor-\ndert eben so eine bedeutende Höhe.\nAuf seiner Rückreise nach Wien traf 'duck in Strass-\nburg mit Klopstock zusammen. Der Dichter war sowohl\nvon Gluck's Musik als von dem Gesänge der „Erzzauberin\naus der Erzstadt des Erzhauses\", der Marianne Gluck, ent-\nzückt. Er bat sie, ihm einige Arien ihres Vaters mit ge-\nnauer Bezeichnung ihres Vortrags nach Hamburg zu sen-\nden. Diese Sendung wurde die Veranlassung zu folgendem\nBriefe von Gluck an Klopstock, den wir als eine Reliquie\nwort- und schriftgetreu hier wiedergeben:\n„Ich hoffe sie werden Von dem Hrn. GrafFen von Co-\nbentzl die Verlangte Arien richtig Erhalten haben, ich habe\nselbige durch diese gelegenheit wegen Erspahrung derer\nPostspesen ihnen geschickt, die anmerkungen habe ich müs-\nsen wecklassen, weilen ich nicht wüste mich ausszudrücken,\nwie ich Es Verlangte, ich glaube, Es würde ihnen Eben\nso schwer vorkommen, wan sie sollten jemanden durch\nBrieffe belehren, wie, und mit was vor Einen aussdruck Er\nihren Messias zu declamiren hätte, alles dieses bestehet in\nder Empfindung, und kan nicht wohl werden, wie\nsie bässer wissen, als ich;"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.4", "texte": "pflantzen, aber handien habe bis noch nicht können,\ndan kaum war ich in Wien angekommen, so verreiste der\nKaiser, und ist noch nicht zurücke gekommen, über dieses\nmuss man auch annoch die gutte Virtestunde beobachten,\numb Etwas effectuirenzu können, bey grosen Höffen findt\nman selten gelegcnheit Etwas guttes anzubringen, indessen\nhöre ich dannoch, das man will Eine Academie der schönen\nWiessenschaften allhier Errichten, und das der Eintrag Von\ndenen Zeitungen, und Calendern soll Eine portion des fondi\naussmachen, umb die Kosten zu bestreitten; wan ich werde\nbässer Von der sache unterrichtet seyn, werde nicht Er-\nmangeln ihnen alles zu berichten. Indessen haben sie mich\nEin wenig lieb, bies ich wiederumb so glücklich bin sie zu\nsehen. Mein Weib und Tochter machen ihnen Ihre Compli•\nmenten und freyen sich sehr Von ihnen Etwas zu hören,\nund ich Verbleibe dero\n„Ihnen Ergebenster\n„Gluck.\n„Wien, den 24. Juni,1775.\"\n\nBerliner Briefe.\n\n10per ?,Jc toller, je besser\" Die Nibelungen\nBazzini Gebr. Doppler Frau Förster Concerte.]\nDen 16. November 1854.\nDie königliche Oper hatMehul's „Je toller, je bes-\nser\" wieder auf die Bühne gebracht. Das Theater-Reper-\ntoire bedarf solcher heiteren Kleinigkeiten, und die frühere\nZeit war auf dem musicalischen Gebiete viel fruchtbarer\ndarin, als die jetzige. Zwar sind Manche der Ansicht, daäs\nder Musik alles Komische widerstrebe, aber die italiänischen\nOpern dieses Genre's, Dittersdorfs Doctor und Apotheker\nund manches andere Werk scheinen doch das Gegentheil\nzu beweisen. Doch gesetzt auch, das burlesk Komische\nstehe der Musik nicht an, so bleibt noch das weite Gebiet\ndes heiteren, ungezwungenen Scherzes, der leichten, gra-\nziösen Gefühlserregung, wie es z. B. in Mozart's Figaro, in\nanderer Weise in der französischen Oper einen künstleri-\nschen Ausdruck gefunden hat. Alles dies ebenfalls der Mu-\nsik entziehen wollen, würde von zu schwerfälligem Ernste,\nvon übergrosser Sentimentalität zeugen. Doch ist für Werke\ndieser leichteren Gattung eine geringere Zeitdauer wün-\nschenswerth, und darum müssen wir die Composition neuer\nderartiger Operetten durchaus herbeiwünschen. In solchen\nSpielen würde das wirksamste Gegengift gegen alle Ueber-\nspannungen und Ausschreitungen der modernen Opern-\nmusik und des Operngesanges liegen. Wir sind in Kraft-\nEffecten allzu weit gegangen und müssen eine Gegeneur\ngebrauchen, die uns wieder an künstlerische Genüsse ganz\nanderer Art gewöhnt und lür die maassvolle, auf Selbstbe-\nherrschung begründete Schönheit von Neuem empfänglich\nmacht. So lange wir nun nichts Neues der Art haben, das\nim Text und in der Musik dem verfeinerten Standpunkte\nder heutigen Zeit entspricht, können wir die Wiederer-\nweckung der gewiss Wenigen noch bekannten Mehul'schen\nOperette gutheissen, obschon dieselbe heute etwas zu ein-\nfach und harmlos erscheint. Musicalisch ragt ausser einer\nRomanze lür Sopran noch ein Terzett im zweiten Act her-\nvor. Das Meiste aber ist etwas dürftig, arm an charakteri-\nstischem Gehalt. Die Ausführung bewies, dass man den\nleichten, kecken und dabei vornehm gebildeten Ton des\nSingens immer mehr verlernt. Fräul. Trietsch, die oft\nsehr Tüchtiges leistet, besitzt die Kunst, in gefälliger Weise\nmit dem Tone zu spielen, nicht hinreichend; ganz und\ngar nicht befriedigte Herr Krüger, an dem wir in letzter\nZeit keinerlei Forlschritt bemerken konnten. Herr Düffke\nspielte mit komischem Geschick.\nDie Nibelungen von Dorn sind in diesem Winter\nebenfalls wiederholt worden und hatten das Haus vollstän-\ndig gefüllt. Das Werk bewährt seine Bühnengeschicktheit;\nes kommt den Neigungen des Theater-Publicums entgegen\nund regt in vielen Einzelheiten auch den Musiker an. Fräul.\nWragner leistete sehr Tüchtiges als Brunhild. Ueberhaupt\nsind die Kunstleistungen dieser Sängerin im Laufe des Win-\nters wieder zu ihrer früheren Bedeutung zurückgekehrt.\nEs bewies dies namentlich am letzten Sonntag die Darstel-\nlung der Eglantine, die wir kaum früher so gut von Fräul.\nWagner gesehen haben. Die natürliche Fülle des Organs\nbrachte sich in ziemlich zwangloser Weise zur Geltung,\nund der weiche Schmelz der Stimme ist, wo sich die Sän-\ngerin bemüht, ihn hervorzurufen, unverletzt. Im Ganzen\nwar die Leistung so gross, natürlich und unverkümmert,\nwie es die geistige Kraft der Sängerin mit sich bringt.\nBazzini ist vor wenigen Tagen abgereis't, nachdem\ner circa fünfzehn Concerte gegeben, von denen noch das\nletzte die grossen Räume des Kroll'schen Locals vollstän-\ndig gefüllt hatte. In einem dieser Concerte spielte er auch\nBeethoven's Violin-Concert mit Ernst und Klarheit, wenn-\ngleich nicht mit der Tiefe und Eigentümlichkeit, die nur\ndurch ein vollständiges Eindringen in Beethoven's Genius\nerrungen werden kann. In den letzten Concerten unter-\nstützten ihn die Gebr. Doppler ausPesth, die durch ihre\nFlöten-Duo's einen zauberhaften Eindruck hervorbringen,\ndas heisst, man wird durch die Lieblichkeit des Klanges,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.5", "texte": "durch die eminente Fertigkeit und Gleichmässigkeit des\nSpiels, durch die zierlichen Combinationen von schmachten-\nden Melodieen und jubelnden Trillern, Passagen und Ar-\npeggien an jene Märchen erinnert, in denen wir von ver-\nständig singenden Vögeln u. dgl. mehr lesen. Es sind Na-\nturlaute in kunstgemässer Ausbildung, weiter nichts; aber\nauch dies hat seinen Werth, wenn es selten gehört wird;\nes ist ein harmlos freudiges Spiel.\nFrau Sophie Förster, die Ihnen von dem letzten\nRheinischen Musikfeste bekannt ist,, gab zwei Concerte im\nSaale der Sing-Akademie und erwarb sich den Ruf einer\nSängerin von solider Schule und zartem, weiblichem Wesen.\nDie Stimme besitzt mehr Schmelz, als reines Metall, mehr\nLieblichkeit, als Kraft. Im Ganzen ist diese Richtung nur\nzu billigen; doch wäre in den hohen Tönen mehr Energie\nund Fülle, die Möglichkeit einer stärkeren Accentuation zu\nwünschen. Hier liegen die Höhepunkte der Stimme, die\nauch in der That als Höhepunkte hervortreten und nicht\nzu Gunsten einer schulmeisterlichen Egalität aufgeopfert\nwerden sollen. Die Theorie treibt die Egalität oft so weit,\ndass aller innere Gegensatz, alles Leben, jede Steigerung\nund Accentuation ausgerottet wird; so weit soll der wahre\nKünstler nicht folgen; er folge dem Zuge der Phantasie,\ndie sich durch den ausgleichenden Verstand nicht unter-\ndrücken lässt. In dieser Hinsicht lässt der Gesang von Frau\nFörster zu wünschen übrig. Alles aber, was musicalisch\nsich in engeren Gränzen der Mannigfaltigkeit bewegt, das\nleichtere Lied, der italiänische Coloratur-Gesang, gelingt\nsehr sauber und wohlthuend, und mit Recht fanden ihre\nLeistungen allseitigen und warmen Beifall. Eine interes-\nsante, aber nicht öffentliche Aufführung fand durch den\nStern'schen Verein zur Todesfeier Mendelssohn's Statt;\nMozart's Requiem, der 114. Psalm von Mendelssohn („Da\nIsrael aus Aegypten zog\") und die nachgelassenen Chöre\nund Soli aus „Christus\" wurden am Ciavier mit der Prä-\ncision und Frische gesungen, die diesen Verein stets aus-\nzeichnet. Die Sinfonie-Soireen brachten die Lustspiel-\nOuverture von Jul. Rietz, die zwar vom Publicum etwas\nkühl aufgenommen wurde, aber bei der Kritik durchweg\ndie verdiente Anerkennung gefunden hat. Im Tone und\nCharakter finden wir im Ganzen den Geist Mendelssohn's\ndarin. Die Auslührung zeugt von grosser Formgewandtheit\nund feinem Geschmack. Man darf übrigens nicht an ein\nmodernes, verständiges, sondern an ein phantastisch-poeti-\nsches Lustspiel denken; als Einleitung zu irgend einem\nLustspiele von Shakspeare würde sie sich sehr gut eignen.\nDie letzte Sinfonie-Soiree brachte unter Anderem Sponti-\nni's Ouvertüre zum Cortez, von der Relistab mit Recht\nsagt, dass sie zwischen den £-<Z?/r-Sinfonieen von Beethoven\nund Mozart und dem Scherzo aus dem Sommernachtstraum\nwie ein scythisches Werk zwischen hellenischen geklungen\nhätte. Die Trio-Soireen der Herren Löschhorn und\nGebr. Stahlknecht haben ebenfalls begonnen; sie brach-\nten ein neues Trio von Marschner, das allerdings fliessend\nund edel gehalten ist, aber den feinen und innerlich leben-\ndigen Stil echter Kammermusik nicht in sich trägt; am\nmeisten Eigenthümlichkeit und Frische hat das Scherzo,\ndoch lässt sich auch hier eine Phantasie erkennen, die vor-\nzugsweise an Formwirkungen sich gebildet hat. Die\nQuartett-Soireen, an deren Spitze der C.-M. Zimmer-\nmann steht, haben ebenfalls begonnen, aber bis jetzt nichts\nNeues gebracht; ein Cyklus von Trio- und Quartett-Soireen,\nden der C.-M. Birnbach unternommen hat, zeichnetsich,\nwie die anderen, durch treffliche Ausführung aas; doch ha-\nben wir auch hier nur ältere Werke gehört. Am interessan-\ntesten war in so fern das erste der von den Herren Grün-\nwald, Redern und v. d. Osten unternommenen Con-\ncerte, dessen Programm mit Sorgfalt aus seltener gehörten\nWerken zusammengestellt war: Beethoven's G-dur-Sonate\nfür Piano und Violine, Schumann's £!s-cZur-Quartett, Beet-\nhoven's Liederkreis an die ferne Geliebte. Wir freuen\nuns namentlich, dass das Interesse für Schumann im Wach-\n»J\nsen ist. Wer solche Stücke geschrieben hat, wie z. B. den\nersten Satz eben dieses Quartetts, darf nicht vornehm igno-\nrirt werden. Beethoven's Liederkreis ist für die Stimme\nwenig dankbar; um so mehr ist die Wahl desselben anzu-\nerkennen.\n\nG. E.\n\nAus Frankfurt am Main.\n\nDem aufmerksamen Beobachter der Erscheinungen auf\nunserem Gebiete ist es gewiss keine geringe Ueberraschung,\nzu gewahren, dass die vielgeschwätzige Fama doch zuwei-\nlen noch Wahrheit redet. Als die Allgemeine Zeitung vor\neinigen Jahren dem noch in zartem Jugendalter stehenden\nViolinspieler Ferdinand Laub einen besonderen Artikel\nwidmete und seine demnächstige Bedeutendheit prognosti-\ncirte, musste dies die Erinnerung wachrufen an so viele da-\ngewesene frühreife Tal inte und deren baldiges Verschwin-\nden vom Schauplatze, und die Bewährung der Zukunft an-\nheim gegeben werden. Sie hat diesmal nicht getäuscht, wie\nwir Gelegenheit hatten, uns im zweiten Museums-Concerte\nam 17. November zu überzeugen. Herr Laub, wiewohl"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.6", "texte": "noch Jüngling, hat als Violinspieler dennoch schon die\nMannbarkeit erreicht und steht bereits in der vordersten\nReihe jener echten Künstler auf seinem Instrumente, denen\nwir diesen Ehrentitel mit Recht zuerkennen müssen. Er\nbrachte zum Vortrag Mendelssohn's Concert, die Chaconne\nvon Seb. Bach urid eine Röverie von Vieuxtemps. Makel-\nlose Reinheit des Stils, fern von leisester Mahnung\nan die zahllosen Unarten vieler Koryphäen der modernen\nGeigerei; vollendete Schönheit des Tones in allen\nLagen, deren verschiedenartige Klangfärbung völlig ver-\nschwindet, wogegen jene Celebritäten absichtlich dieselben\nhervorheben, um damit Heulen, Seufzen und Flennen zu\nerzeugen; schwungvolle Begeisterung in den\nSchranken der Besonnenheit, mit steter Rücksicht auf Klar-\nheit und Deutlichkeit des Gegebenen, dazu noch Wärme\ndes Gefühls ohne Affectation dies wären die Cardi-\nnal-Eigenschaften, die im schönsten harmonischen Vereine\naus den Vorträgen des Herrn Laub in die Erscheinung ge-\ntreten. Es versteht sich sonach wohl von selbst, dass alle\nweiteren Anforderungen an die wahrhafte Künstlerschaft in\nvollem Maasse vorhanden sind.\nDie Ton-Qualität bezüglich auf Dynamik anlangend,\ndarf man bei den Virtuosen unserer Zeit nicht die Fülle\nvoraussetzen, welche die Meister früherer Jahrzehende:\nRode, Spohr, Mayseder, Jos. Böhm, Maurer, Rovelli, Li-\npinsky und Andere noch bis zu Paganini's Auftreten\nausserhalb seines Vaterlandes, 1828 ausgezeichnet hat.\nDie gegenwärtig hohe Orchester-Stimmung gestattet der\nVioline nur dünne Besaitung, die der Tonfülle, nach den\nBegriffen jener Meister und ihrer Zeitgenossen, ganz und\ngar hinderlich wird. Hierzu kommt die Bemüssigung für\nunsere Violinisten, sehr viele Noten in rapider Bewegung\nzu spielen, überdies noch der bis zur Uebertreibung ge-\nsteigerte Mechanismus des Instruments —: diesen leidigen\nUrsachen ist die Verminderung der Ton-Qualität zuzuschrei-\nben, darunter selbst der markigste Arm in seiner Kraftent-\nwicklung gehemmt wird. Dennoch dürfen wir den Ton des\nHerrn Laub für gross erklären, und stellt er sich in dieser\nEigenschaft unter allen den bekannten Virtuosen dem viel-\nleicht grössten Meister in der Tonbildung, Vieuxtemps, am\nnächsten. Laub's Violinspiel charakterisirt sich überhaupt\nmit wenig Worten: gediegene, edle Männlichkeit, natürliche\nWürde. In seiner Hand ist die Violine die wahrhafte Kö-\nnigin unter den Instrumenten.\nUeber die Aufnahme, die der hierorts gänzlich unbe-\nkannte Künstler erfahren, der darum bei seinem Vortreten\nvon keiner Hand bewillkoramt worden, ist sehr Erfreuliches\nzu berichten. Schon nach dem ersten Satze des Mendels-\nsohn'schen Concertes brach ein allgemeiner Beifall los, der\nsich weiterhin der Maassen gesteigert hat, dass sich Nie-\nmand eines ähnlichen Enthusiasmus in diesen Räumen zu\nerinnern weiss. Hoffentlich werden nun die Klagen über\nKälte und Mangel an Empfänglichkeit unseres Concert-Pu-\nblicums für lange Zeit verstummen; denn sie haben einen\nzu empfindlichen Niederschlag erlitten. Seid nur das wirk-\nlich, wofür ihr euch ausgebt, ihr Virtuosen jedes Geschlechts,\nentsprechet dem von der vielzüngigen Fama über eure Mei-\nsterschaft verbreiteten Rufe, und ihr findet hier ein dank-\nbares und anerkennendes Publicum, nach Umständen auch\ndie wohlverdiente Belohnung. Den Beweis hiefür möge das\nQuartett der Brüder Müller aus Braunschweig liefern, die\nzwei Jahre zurück unsere Musikfreunde mit ihren Vorträ-\ngen erfreut haben.\nDer ausserordentliche Beifall, der den Leistungen des\nHerrn Laub zu Theil geworden, dürfte ihm wohl hinrei-\nchende Aufmunterung zu einer zweiten Production geben.\nDa er seine Stellung als Concertmeister zu Weimar der zu\nbeschränkten Verhältnisse wegen verlassen, um die grosse\nWelt zu sehen, so wird ein Widerkehren sich vielleicht bald\nermöglichen. Auch Herrn Joachim hoffen wir in laufender\nSaison im Museum zu hören; die Einladung soll bereits an\nihn abgegangen sein. War auch die frühere Zeit an gros-\nsen Meistern auf der Violine (wie wohl auf allen Instrumen-\nten) reicher als unsere, so dürfen wir uns denn doch im-\nmer noch freuen, Künstler zu besitzen wie die Herren\nVieuxtemps, Laub und Joachim, die im Ganzen die Würde\nihres Instrumentes zu wahren wissen und dem modernen\nGeschmack wenig huldigen, Herr Laub gar nicht. Gäbe es\nin der übergrossen Schar der Pianisten nur noch ein paar\nThalberg und Kalkbrenner, welche die Leute durch ihr Bei-\nspiel belehrten, was Clavierspielen heisst, wenn es sich um\nDarstellung grosser Tongebilde handelt! Armes Pianoforte\nmit deiner nun vollendeten Mechanik, womit hast du es\nverdient, grossentheils so arg misshandelt zu werden!\nDa der ausübende Künstler erst in dem Maasse zum\nBesten der Kunst mustergebend wird, als er sein Programm\nnur mit wahrhaft guten Compositionen auszustatten ver-\nsteht, so wollen wir in Betracht dessen Herrn Laub freund-\nlichst rathen, von nun an auf diesen Punkt sein Augenmerk\nzu richten. Darum keine Chaconne, denn sie gehört ins An-\ntiquitäten-Cabinet und passt eben so wenig in den Concert-\nsaal, als ein Gemälde aus der altdeutschen Schule in einen\nBildersaal aus neuer und neuester Zeit passt. Auch keine\nRöverieen! Derlei Niaiserieen, bestehend aus lauter abge-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.7", "texte": "nutzten, hypersentimentalen Phrasen und Cadenzen aus ita-\nliänischen Opern, gehören dem Trödelmarkte an und pas-\nsen nur für Virtuosen, denen es unser jugendlicher Künst-\nler im Angesichte eines sinnigen deutschen Publicums\nsicherlich nicht gleich thun will. Für den deutschen Cha-\nrakter seines Spiels eignet sich nur kerndeutsche Musik.\nFür seinen Bogen hat Spohr seine grossartigen Tongemälde\ngeschrieben, Maurer, Molique und Lipinsky ihre vortrefl-\nlichen Concerte, die nur den rechten Mann erwarten, um\nwieder neu geboren aus dem Staube zu erstehen und ein\ngebildetes Auditorium zu erfreuen. Wir sprechen es mit\nGewissheit aus, dass Herr Laub dieser rechte Mann für jene\nSchöpfungen ist, und werden somit erst dann der Kunst-\nwelt zu seinem Erscheinen Glück wünschen, wenn wir ihn\nim Verein mit den genannten Componisten wandeln sehen.\n\nA. Schindler.\n\nDrittes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale.\nDinstag, den 21. November.\nDas Programm brachte: 1) Ouvertüre zu Ruy Blas von Men-\ndelssohn; 2) Aria di Chiesa von Stradella, vorgetragen von\nFrau Nissen-Saloman; 3) Concert in Es-dur für Pianoforte von\nBeethoven, gespielt von Herrn F. Breunung; 4) Lorelei,\nGedicht von Dr. Wolfgang Müller, für Solostimmen, Chor und\nOrchester componirt von F. Hiller (Manuscript). Im zweiten\nTheile: 5) Ouvertüre zum Wasserträger von Cherubini; 6) Schwe-\ndische Lieder, vorgetragen von Frau N i s s e n - S a 1 o m a n; 7) Sin-\nfonie in C-moll von Nils W. Gade.\nDie Mendelssohn'sche Ouvertüre wurde gut und mit Feuer ge-\nspielt; nach öfterem Hören sind wir indess auch dahin gekommen,\nMendelssohn Recht zu geben, dass er sie nicht veröffentlicht haben\nwollte. Stradella's Kirchen-Arie, obwohl sie recht schön vorgetragen\nwurde und für die Stimme der Frau Saloman vorteilhaft war, ist\nkeine Musik für ein so grosses Publicum, als unsere Concerte jetzt\nhaben übrigens sind wir der Meinung, dass durch den Vortrag\neines Tenors die Melodie besser mit der Begleitung verschmilzt.\nHill er s „Lorelei\" hat, besonders in den Chören, grosse mu-\nsicalische Schönheiten, das Orchester ist überall meisterhaft behan-\ndelt, auch der Sang des zum Opfer bestimmten Fischerknaben ist\nschön; allein die Lorelei, die das Opfer motivirende Sirene, bleibt\nuns den Beweis schuldig, dass ihr Gesang den süss bethörenden,\nverderblichen Zauber übe. In wie fern der Dichter an der rein\ndramatischen Auffassung der Lorelei durch den Componisten, die\nwir hier nicht an der Stelle finden, schuld ist, vermögen wir nicht\nzu sagen, da dem Vernehmen nach der Text nicht mehr derselbe\nist, wie er aus der Hand des Dichters hervorgegangen. Die Chöre\nder „Wasserfrauen4' und der „Rebengeister\" (?) treten theils einzeln\nals Frauen- und Männerchor, theils in vierstimmigem Gesammtchor\nauf und haben Phantasie, Schwung und echte Romantik. Nur der\nCharakter des Schlusschors, welcher übrigens, bloss musicalisch ge-\nnommen, auch ein schönes Stück ist, scheint nicht richtig aufge-\nfasst, denn er drückt das „neue Leben des Versunkenen, den Tanz\nder wonnigsten Freude, umleuchtet von Schönheit und Liebe\", nicht\naus, sondern eine Art von Trauer um ihn, welche dem Inhalt der\nSchluss-Strophe widerspricht.\nDas Es-dur-Concert von Beethoven verlangt zum vollendeten\nVortrage eine grosse künstlerische Ruhe. So hoch wir das Talent\ndes Herrn Breunung schätzen und es bei Mendelssohn scher und\nChopin'scher Musik als ein glänzendes anerkannt haben, so können\nwir uns doch mit dem gehörten Vortrage der genannten erhabenen\nComposition Beethoven's nicht einverstanden erklären. Vielleicht\nmachte auch die Ungewohntheit, vor einem grossen Publicum zu\nspielen, Avas Herr Breunung seit Jahren nicht gethan, den beschei-\ndenen und tüchtigen Künstler etwas befangen.\nDie Ausführung der Ouvertüre von Cherubini war eine treff-\nliche Leistung des Orchesters, welches sich auch in der Sinfonie\nvon Gade als tüchtig bewährte. Diese C-mo//-Sinfonie, welche zu\nihrer Zeit in Leipzig Enthusiasmus erregte, Hess hier das Publicum\nziemlich kalt; wir können es desshalb nicht tadeln, indem wir nie\nhaben begreifen können, wie einige hübsche und originelle Melo-\ndieen von einer Art Nationalfarbe, und eine mehr durch Anwen-\ndung äusserer Mittel als von innen aus eigenthümliche Instrumen-\ntirung oder Zusammenstellung bisher wenig combinirter Klangfar-\nben jene Begeisterung der Kritik hervorrufen konnten, welche neben\nGade eine Zeit lang selbst Mendelssohn und Schumann vergessen\nliess. Wir denken, man hat jetzt eingesehen, dass Gade's Schreib-\nart nicht Stil, sondern Manier war, welche er übrigens seitdem\nselbst wieder aufgegeben hat. Wir ziehen seine späteren Sinfonieen,\nnamentlich die aus A-moll, bei Weitem vor.\nFrau Nissen-Saloman nahm durch den Vortrag schwedi-\nscher Lieder, in denen sie ihre grosse Kunstfertigkeit noch einmal\nglänzend entwickelte, Abschied von uns. Sic verlässt uns, indem\nsie den ehrenvollen Einladungen von Amsterdam und anderen\nnamhaften Städten Hollands folgt.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Am 17. November gab der Contrabassist Herr Alfeo\nGilardoni, den wir bereits in Herrn Ludwig Schreibers\nAbschieds-Concert in voriger Woche gehört hatten, ein Concert im\nStollwerek'schen Theatersaale, wo wir von Neuem die eminente\nVirtuosität desselben sowohl im Passagenspiel als im Vortrag der\nMelodie und in der Zartheit des Flageolets bewunderten. Nament-\nlich erhielt das bekannte Violin-Duett von Dancia, für Contrabass\nund Violine arrangirt, grossen Beifall. Herr Venth vom hiesigen\nOrchester trug die Violinstimme recht befriedigend vor. In demsel-\nben Concerte hörten wir Herrn Schreiber, der auf der Trom-\npete schwerlich seines Gleichen hat, zum letzten Male vor seiner\nAbreise denn er ist im Begriff, sich nach America einzuschiffen.\nEs ist tief zu bedauern, dass unsere Zustände den Gedanken nicht\naufkommen lassen können, einen solchen Künstler unserem Or-\nchester zu erhalten. Die Gebrüder Steinhaus von Elberfeld tru-\ngen einige Vocal-Quartette mit Beifall vor.\nDem jungen Componisten Max Bruch ist das Stipendium des\nfrankfurter Mozart-Vereins auf ein Jahr verlängert worden."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541125-01.1.8", "texte": "Bonn* Unser erstes Abonnemcnts-Concert im Saale\nmm goldenen Stern fand am 15. November unter der Leitung des\nMusik-Directors Herrn von Wasielewski Statt. Von Orchester-\nsachen hörten wir Cherubin i's Ouvertüre zur Fanisca und M o-\nzart's £s-dwr-Sinfonie. Frau Nissen-Saloman trug Stradella's\nKirchen-Arie, die Cavatinc aus Ernani von Verdi und schwedische\nNationallieder mit grossem Beifall vor. Herr Ed. Frank aus Köln\nspielte Beethoven's C-moll-Concert, in welches er eine vortreff-\nliche Cadenz eingelegt hatte, ferner eine Fuge von J. S. Bach und\nein Lied ohne Worte von seiner eigenen Composition, Alles auf\nvollendete Weise.\nElberfeld. Am 11. November, in unserem ersten Ab'on-\nnements-Concerte, hörten wir unter der Leitung des städti-\nschen Musik-Directors Herrn Schornstein die vierte Sinfonie\nvon Rob. Schumann, Mendelssohn's Finale aus der Lorelei,\nCherubin i's Ouvertüre zu Anakreon und mehrere Gesangs-Vor-\nträge der Frau Nissen-Saloman, welche auch die Partie der\nLorelei vortrug. Leider wurde Herr C. Reinecke durch eine\nVerletzung am Finger verhindert, das Es-dur-Concext von Beetho-\nven zu spielen. Herr Mus.-Dir. Langenbach hatte die Gefällig-\nkeit, statt dessen die Romanze für Violine und Orchester von Beet-\nhöven vorzutragen.\n*» > .\nDarmstaclt. Fräul. E. Krall aus Wien, gegenwärtig erste\nSängerin am hiesigen Hoftheater, erregt in hohem Grade die Auf-\nmerksamkeit und Theilnahme der hiesigen Kunstfreunde. Einfach-\nheit, Correctheit des Gesanges und Feinheit des Vortrags einen sich\nmit anmuthigem Spiel. Am meisten gelingen ihr die zarten, elegi-\nschen Stellen, wesshalb ihre Emmeline in der Schweizerfamilie und\nihre Agathe im Freischütz den meisten Erfolg hatten.\nMUnciien. Wir laboriren so eben an der Gründung eines\nGesang-Vereins für gemischten Chor, dessen Director der als Com-\nponist bekannte Freiherr von Perfall sein soll. Flüssige und feste\nGründe traten bisher der Existenz eines solchen Instituts peremp-\ntorisch entgegen, das seit 30—40 Jahren in fast keiner deutschen\nStadt mehr fehlt. Es ist zu wünschen, dass es nur feste Gründe\nsein mögen, denen das neue Institut Bestehen und Gedeihen zu\ndanken haben wird. Wird man es verstehen, die Novizen mit leich-\nter Gesangmusik aus unserer Zeit einzuschulen, dann dürfte es\nwohl gelingen, das Interesse dafür bei unseren jungen Damen fest\nzu halten, woran alles Ucbrige gelegen.\nDie berühmte Sängerin Anna Zerr ist jetzt wieder in Deutsch-\nland; sie wird in Leipzig und in Zürich Gastrollen geben.\nAn die Stelle des abgegangenen Directors der grossen Oper zu\nParis, des Herrn Roqueplan, ist Herr C r o s n i e r, Abgeordneter\nzum Corps legislatif, vom Ministerium des kaiserlichen Hauses zum\nAdministrateur general ernannt worden. Herr Crosnicr ist der Thea-\nter-Leitung keineswegs fremd; er hatte um 1830 das Theater an\nder Porte St. Martin und von 1834 bis 1845 das Theater der Opera\ncomique, bei dessen Verwaltung er ein vermögender Mann wurde.\n»> ' .\nParis. Der Tenorist Gardoni ist an der grossen Oper an-\ngestellt. Meyerbeer's Etoile du Nord hat bereits die 77. Vor-\nstellung erlebt.\n11. Berlioz wird Anfangs December ein Concert geben, in\nwelchem er ein neues Werk, „VEnfance du Christzur Auffüh-\nrung bringen will. Er nennt es eine Trilogie sacree, Gedicht und\nMusik von H. Berlioz. 1 Theil. „Der Traum des Herodes\", Erzäh-\nlung (Tenor); Marchs nocturne; Bass-Arie, Scene mit Chor, Conju-\nration des Devins (Orchester); der Stall zu Bethlehem (Duett für\nSopran und Bariton); Chor der Engel. 2. Theil. Die Flucht\nnach Aegypten (Ouvertüre); VAdieu des Bergers (Chor); le Repos de\nla Sie. famille (Tenor und Chor). 3. Theil. Die Ankunft in Sais\n(Erzählung, Tenor); die Strassen von Sais (Duett für Sopran und\nBariton); die Ismaeliter-Familie (Bass mit Chor); Recitativ-Scene\n(Bariton und Bass); Trio für zwei Flöten und Harfe; Terzett für\nSopran, Bariton und Bass mit Chor; Erzählung im Tact (Tenor):\nmystischer Chor ohne Begleitung mit Tenor-Solo. Haupt-Perso-\nnen: die Jungfrau Maria, Joseph, Herodes, der Familienvater, der\nErzähler."}]}