{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-12-16-02", "volume": "bmtnabi_1854-12-16_02", "ocr_sha256": "9c235e0be8bb242fa04d013d7a0593c6025b4b4b1bc6bf6fe7cd8382e92ed831", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/12/16_02/bmtnabi_1854-12-16_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541216-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-12-16-02-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-12-16_02#c001", "volume": "bmtnabi_1854-12-16_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "24", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541216-02.2.1", "titre_corps": "Für Pianoforte mit Begleitung.", "titre_sommaire": "Für Pianoforte mit Begleitung.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541216-02.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3410, "texte": "Für Pianoforte mit Begleitung.\nH. Ferd. Kufferath, Grand Trio pour Piano, Yiolon &\nVioloncelle, dedie ä Mr. F. Fetis, Directeur du\nConservatoire royal de Bruxelles etc. Oeuvre 9.\nMayence, Anvers & Bruxelles, chez les fils de B.\nSchott. Preis 5 Fl. 24 Kr.\nH. F. Kufferath, Quatuor pour Piano, Violon, Alto &\nVioloncelle, dedie h Mr. C. F. Donner. Oeuvre\n12. Mayence etc., chez les fils de B. Schott. Pr.\n5 Fl. 24. Kr.\nBeide Werke sind eine schöne Bereicherung der Literatur der\nKammermusik für das Ciavier. Die rheinische Kritik steht bekannt-\nlich noch nicht auf der Höhe (oder Tiefe) der sächsisch-thüringi-\nschen, welche jedesmal in dem neuesten Erzeugnisse eines ihrer\nSchützlinge (oder ihrer Beschützer!) nicht nur das Niedage-\nwesene findet, sondern auch gewöhnlich dasselbe als eine umwäl-\nzende, bahnbrechende, Epoche machende Erscheinung ankündigt.\nLeider Gottes lassen die neu entdeckten Planeten in dem musicali-\nschen Sonnen-System dieser Kunst-Astronomen die Entdecker mei-\nstens im Stich, halten ihre Bahn nicht inne und erweisen sich als\nvorübereilende Sternschnuppen oder in den Sand fallende Me-\nteore. Weil wir also, wie gesagt, es noch nicht zur Inspiration\nund Prophezeiung gebracht haben, so sagen wir ganz einfach, dass\nwir auf einen Rheinländer wie Ferdinand Kufferath, nach den in\nobigen Werken von Neuem vorliegenden Beweisen seines hervor-\nragenden Talents, stolz sind und uns seiner Tonschöpfungen freuen,\nohne zu behaupten, dass sie eine neue Aera für die Clavier-Kam-\nmermusik begründen werden.\nWenn man aber meinte, dass damit gesagt wäre, diese Compo-\nsitionen gehörten in den Bereich der Gewöhnlichkeit, so würde\nman sehr fehlgreifen; sie zeugen im Gegentheil von grosser indi-\nvidueller Befähigung und von Originalität, wenngleich sie sehr\nlöblicher Weise das Originelle nicht in der Verachtung der Form\nbis zur widrigsten Formlosigkeit und nicht in der Abwesenheit der\nMelodie und in der Verschrobenheit der Harmonie suchen. Im Stil\nsind sie nicht originel; denn sie gehören zu der Gattung von Cla-\nvier-Trio's und Quartetten, welche nicht die eigenthümliche Klang-\nFarbe des Hammer-Instrumentes, wie Haydn, Mozart, Hummel und\nBeethoven, sondern seine harmonische, wir möchten sagen: orche-\nstrale Fülle zur Geltung bringen, wie dies bei Mendelssohn und\nSchumann der Fall ist. Allein die Originalität liegt in der Erfin-\ndung der Themen und Motive, und so sehr beide Werke de»\nSchüler Mcndelssohn's offenbaren, und das zweite, das Quartett,\nauch den Einfluss von Schumann's Manier auf den Componisten\nverräth, so erscheinen sie doch als eigenthümliche lonschöpfungen\nund verdienen eben desswegen volle Anerkennung und \"V crbieitung\nunter allen Freunden dieser Gattung.\nDas Trio, Op. 9, E-dur, beginnt mit einem Allegro agitato,\neinem lebhaften, feurigen Satze, dessen Charakter sich gleich in\ndem Haupt-Thema offenbart, welches Violine und Violoncell ein-\nander imitirend vortragen:\nDas zweite Thema ist melodisch, aber nicht so charakteristisch; bei\nder Durchführung wird eine Nebenfigur:\nsehr wirkungsvoll benutzt. Das 2'j-Tact, trägt\neigentlich seinen Namen mit Unrecht; denn von Scherz kann nur\nin so fern darin die Rede sein, als man an den Göthe'schen Vers\ndenkt:\n„Von allen Geistern, die verneinen,\nIst mir der Schalk am wenigsten verhasst.\"\nEs liegt etwas Dämonisches in diesem originellen Satze. 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Das Andante con moto, 6/g-Tact, B-dur, ist nicht ausgezeich-\nnet in der Erfindung, aber sehr ansprechend in der Ausführung.\nDas Scherzo, F-dur, 3/4-Tact, ist lebendig und interessant durch die\nGegensätze seiner w eicheren, melodischen Stellen mit den kräftigen,\nscharf rhythmisirten. Das Finale, Allegro ma non Iroppo, 4/4-Tact,\nist mit grossem Talent gearbeitet; dieser Satz ist es aber, in dem\nwir einigen Einfluss des Studiums Schumann scher Werke zu be-\nmerken glauben, wodurch hier und da einige für das Auge zwar\nsehr interessante contrapunktische Combinationen entstanden sein\nmögen, denen es jedoch für das Ohr an Klarheit und an dem\neigentlich musicalischen Leben fehlt, welches uns sonst überall ent-\ngegen tritt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-12-16-02-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-12-16_02#c005", "volume": "bmtnabi_1854-12-16_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "25", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541216-02.2.2", "titre_corps": "Für die Orgel.", "titre_sommaire": "Für die Orgel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541216-02.1.2", "debut_caractere": 1407, "fin_caractere_exclue": 4403, "texte": "Für die Orgel.\nKarl Seeger, Zwölf Orgelstücke zum Gebrauche beim\nöffentlichen Gottesdienste. Op. 9. Offenbach, bei\nAndre.\nAeusserst harmlose und schwache Producte, die besser unge-\ndruckt geblieben wären. Der Wille ist gut, aber ——. Muss es\ndenn componirt sein, wenn es dazu ganz und gar am Zeuge fehlt?\nHoffentlich wird sich Herr S. als Sammler besser bewähren und\nan Geschmack ersetzen, was ihm an Talent abgeht.\nJ. G. Herzog, Sechszehn leichte Orgelstücke zur\nUebung und zum kirchlichen Gebrauche. Op. 24.\nEbendaselbst.\nSechs Orgelstücke (3 Präludien, 2 Nachspiele\nund 1 Fuge). Op. 27. Ebendaselbst.\nDas klingt schon anders. Wenn auch gerade nicht neu und\neigentümlich, erkennt man doch die sichere und kunstgeübte Hand\nund die gebührende Rücksichtnahme auf den Charakter des Instru-\nments. Hier und da kommen starke Anklänge an fremdes Eigen-\nthum vor, die Herr Herzog künftig vermeiden möge. So z. B. in\nOp. 24 der erste Tact von Nr. 8:\nWem fiele dabei nicht der erste Chor in Graun's Tod Jesu ein?\nEben so gehört der zweite Tact von Nr. 6, Op. 27, einer Fuge\nvon Seb. Bach an. Tadeinswerth, weil das Lesen ungemein er-\nschwerend, ist es auch, dass im Op. 24 Herr Herzog häufig die\ndritte Stimme mit ins erste System schreibt, anstatt sie ins zweite\nzu schreiben, zumal da, wo sie von der linken Hand gespielt wer-\nden muss oder die vierte Stimme mehrere Tacte pausirt, in wel-\nchem letzteren Falle ja die Anwendung des Violinschlüssels für das\nzweite System so nahe liegt.\ni \\ I i ;\nTheodor Grünberger, Neue (?) Orgelstücke, nach der\nOrdnung unter dem Amte der heiligen Messe zu\nspielen. Sechs Hefte, ä 1 Fl. Mainz, bei Schott's\nSöhnen.\nIst's möglich? Solches Zeug kann noch in der zweiten Hälfte\ndes neunzehnten Jahrhunderts gedruckt und verlegt werden? Ist\nsolches Dudeldumdei denn das Papier werth, welches dazu verbraucht\nwird ? Aber freilich, beim Lichte besehen verhält sich die Sache\nanders, und es ist nur auf eine absichtliche Täuschung abgesehen.\nDiese so genannten neuen Orgelstücke sind nämlich schon vor\nvielen Jahren (der schlechte Stich lässt wenigstens auf ein halbes\nJahrhundert schliessen) in dem nämlichen Verlage erschienen, und\nzwar als Orgelstücke schlechtwreg; neu sind sie erst im Liegen ge-\nworden. Vermuthlich waren die alten Platten noch da, Herr Schott\nhatte übertlüssiges Papier oder unbeschäftigte Arbeiter, denen er\naus Humanität Verdienst geben wollte: da macht man ein anderes\nTitelblatt, setzt das geduldige Wörtlein neu vorauf und schickt die\nalten Gesichter als junge, neugeborene Kindlein in die weite Welt\nhinaus, um die Gläubigen damit anzuführen. Eine ganz sinnreiche\nSpeculation das! Mit der Orgel haben übrigens diese grauen Kin-\nder nicht das Geringste gemein, es sind vielmehr elaviermässige\nDudeleien, wie sie vor 70—80 Jahren von gemüthiiehen Dorfschul-\nmeistern mögen geschrieben worden sein. Herzlich lachen musste\nReferent bei den so genannten Fugetios und Fugandos (sie!). Hier\nein paar Pröbchen von diesen Orgelstücken.\nUnter der Wandlung."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541216-02.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 26, "texte": "Und davon sechs Hefte!! **"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-12-16-02-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-12-16_02#c009", "volume": "bmtnabi_1854-12-16_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "26", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541216-02.2.3", "titre_corps": "Für Gesang.", "titre_sommaire": "Für Gesang.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541216-02.1.3", "debut_caractere": 28, "fin_caractere_exclue": 4722, "texte": "Für Gesang.\nl\nAlbum-Blätter, Acht Lieder mit Pianoforte-Beglei-\ntung von Louis Spohr, M.Hauptmann, Otto Bahr,\nKarl Reinecke, Arnold Wehner, J. Joachim, Joh.\nBrahms, Hans v. Bülow. Göttingen, George H.\nWigand. Erstes Heft. Preis 1 Thlr.\nWenn man das Lied von Otto Bahr abrechnet, welches eine\ngewiss wohlgemeinte, aber durchaus dilettantische Gabe ist, so bie-\ntet das vorliegende Heft grosses Interesse. Von dem Altmeister\nSpohr bis zum jugendlichen Stürmer Johann es Brahms ist\nein weiter Schritt, und, ist's Zufall oder Absicht? wir finden diese\nExtreme hier einiger Maassen vermittelt, namentlich durch Haupt-\nmann, Reinecke und Wehner, während H. v. Bülow, wel-\ncher auch in der That den Schluss des Heftes bildet, noch über\nBrahms hinausgehend, uns ein Lied gibt, welches (ganz im Sinne\ndieser jüngsten Generation) aller Natur bar und ledig ist, jedem\nAnspruch, den man an Gesangmusik zu machen gewohnt und be-\nrechtigt ist, Hohn spricht und pure, blanke Declamation bringt,\nüberdies aber in rhythmischer Beziehung von so schülerhafter Mo-\nnotonie ist, dass man wahrhaftig nicht begreift, wie ein Musiker so\nblind und taub für seine eigene Schöpfung sein kann, um derglei-\nchen Mängel übersehen und überhören zu können. Mit Ausnahme\ndieses Liedes aber und des obenerwähnten von Bahr bringt das\nHeft lauter werthvolle Gaben und wird sich desshalb einer weiten\nVerbreitung erfreuen, die es durchaus verdient. Auch die Lieder\nvon Brahms und Joachim gefallen uns besser als andere Sa-\nchen von beiden Componisten, die wir bis dahin zu hören oder zu\nsehen Gelegenheit hatten. Dem Eindrucke, den das Brahmssche\nLied machen könnte, geschieht dadurch freilich Eintrag, dass er\neinen Text wählte, welcher Schumann den Stoff zu einem seiner\nherrlichsten Lieder gab: Mondnacht von Eichendorff. Der genaue\nInhalt des Heftes ist folgender: „Erwartung\" von Karl Bassewitz von\nLouis Spohr. —„Dicht von Felsen eingeschlossen\", aus „Genovefa\",\nvon Fieck, von M. Hauptmann. „Du mit den schwarzen Augen\"\nvon E. Geibel, von Otto Bahr. „Lass mir dein Auge leuchten\"\nvon Adolf Strodtmann, von Karl Reinecke. „Hochland-Lieb\" von\nArnold Wehner. „lch habe im Traum geweint\" von Heine, von\nJ. Joachim.— „Mondnacht\" von Eichendorff, von J. Brahms. „lch\nglaubte, die Schwalbe träumte schon\", von Karl Beck, von Hans\nv. Bülow. Die Ausstattung ist ganz vortrefflieh, sehr correct, ele-\ngant und splendid und macht der jungen Verlagshandlung alle Ehre.\nc.\nEl ementi di Vocalizzazione,\nN a v a, professore di canlo delV J. R. Conservatorio\ndi Musica in Milano. Erster Gesang-Un-\nterricht für junge Mädchen und Knaben, in 12\nLectionen enthaltend 104 fortschreitende Vocali-\nsen und 35 Cadenzen oder Fermaten, nebst Ge-\nsangsregeln. Deutsche Bearbeitung von J. C.\nGrünbaum. Berlin, Verlag der Schlesinger'schen\nBuch- u. Mus.-Handlung. 3 Lieferungen, h 1 Thlr.\nYon diesem sehr empfchlungswerthen Elementarwerke für den\nGesang-Unterricht liegt uns die erste Lieferung vor, welche auf 8\nSeiten in Folio allgemeine Erläuterungen über die Gesangs-Werk-\nzeuge, Methode, Behandlung und Erhaltung der Stimme u. s. w.,\nund auf 15 Seiten 23 Uehungen (sie brechen in der V. Lection ab)\nmit Begleitung des Pianoforte enthält. Der Text ist sowohl in der\nEinleitung als bei den Noten-Beispielen der verschiedenen Lectio-\nnen italiänisch und deutsch. Man darf jedoch den Ausdruck „Ele-\nmente\" und „für junge Mädchen und Knaben\" nicht in zu be-\nschränkter Bedeutung nehmen und etwa nur an eine Gesangschule\nfür Kinder denken; der Zusatz auf dem Original:\nfanciulle\",will nur sagen, dass diese Gesangschule für Frauenstim-\nmen, für Sopran und Alt, bestimmt ist.\nIn dem theoretischen Theile darf man natürlich nichts Erschö-\npfendes suchen; allein er enthält in Kürze sehr deutliche Erklä-\nrungen und vortreffliche praktische Winke in 18 Paragraphen. Von\nden eigentlichen Lectionen beginnt die erste mit den Uebungen in\nder Messa di voce.Man hat in neueren Zeiten (vgl. besonders die\nGesangschule von Panofka) gegen das Anfangen des Unterrichts\nmit diesen Uebungen protestirt, weil die vollendete\ndie schwierigste Aufgabe für den Sänger und das Endziel des Ge-\nsang-Unterrichts sei, folglich nicht in den Anfang gehöre. Dies „folg-\nlich\" scheint uns jedoch durch den Vordersatz keineswegs erwie-\nsen. Man könnte sogar umgekehrt schliessen: weil es ohne Virtuo-\nsität in Messa di voce keinen vollendeten Gesang gibt, so muss die\nVorbereitung derselben durch verständig geleitete Uebungen die\nGrundlage des Unterrichts sein. Das Wahre liegt, wie so oft, auch\nhier in der Mitte; dass die fraglichen Uebungen aber, wie der Ver-\nfasser richtig sagt, „nur mit massigen Ansprüchen, um die\nBrust nicht frühzeitig zu ermüden und Gefahr zu laufen, die"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541216-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5800, "texte": "Stimme zu Grunde zu richten\" von Anfang an angestellt\nwrerden müssen, scheint ausser Zweifel nothwendig; jedoch wird kein\nvernünftiger Lehrer den Elementar-Unterricht darauf beschränken.\nDie zweite Lection enthält Uebungen in der „Vibration der\nStimme\", wie der Verfasser die letzte Hälfte der Messa di voce\nnennt, nämlich den accentuirten Einsatz im Forte mit dem Abneh-\nmen zum Piano. Hier finden sich Uebungen, welche für die An-\nfängerin schwierig in der Intonation sind. Man kann aber in der\nGesang-Grammatik eben so wenig wie in der Sprachlehre im prak-\ntischen Unterrichte die Reihenfolge der Capitel festhalten; der Leh-\nrer muss wissen, aus ihnen dasjenige auszuwählen, was in seinen\nersten, zweiten, dritten Cursus u. s. w. gehört. Dies ist freilich ge-\nrade beim Gesang-Unterrichte nicht leicht, und eine Menge \\on den\nheutigen Gesanglehrern hat kaum eine Idee von diesem wichtigen\nTheile der Methode.\nDie dritte Lection behandelt die Uebungen in der freien und\nreinen Intonation; die vierte das Portamento. Der Verfasser ver-\nsteht darunter im Allgemeinen den Gegensatz zum Staccato; sonach\nzerfällt es bei ihm erstens in das Ligato, in das Tragen und Ver-\nbinden aller Töne einer gegebenen Phrase; zweitens in das Hin-\nüberschleifen des Tones von einem Intervall zum anderen. Er gibt\nhier die goldene Regel: „dass die erste Art des Portamento die all-\ngemeine Regel für den Gesang sein muss; der Sänger von guter\nSchule wird nie von der Vorschrift abweichen, den Gesang zu tra-\ngen und zu binden, wenn ihm nicht ausdrücklich das Gegentheil\nvorgeschrieben ist.\" Wenn das doch die pariser Gesanglehrer in\nBezug auf ihre neueste Mode des ~Martellirens\", wodurch die Co-\nloratur nicht mehr gesungen, sondern gelacht wird, beherzigen\nwollten! >\nDie Vorübungen zu den diatonischen Tonleitern, womit die\nfünfte Lection beginnt, sind sehr zweckmässig; sie beginnen mit\n3 verbundenen Tonstufen:\nu. s. w., und gehen dann in derselben Art zu 4, 5 u. s. w. bis\nzur Octave und darüber hinaus fort.\nWir sind auf die Fortsetzung des Werkes begierig, welches in\nden noch fehlenden Lectionen die Verzierungen und den Triller\ndie chromatischen Tonleitern Uebung in Triolen im Staccato\nin harpeggirten Noten in wiederholt angeschlagenen Noten\nnebst verschiedenen Gorgheggi und Fermaten und Cadenzen ent-\nhalten wird.\nFerd. Sieber, Hundert Vocalisen und Solfeggien nebst\neinleitenden Studien, mit Begleitung des Piano-\nforte. Op. 30 35. Magdeburg, bei Heinrichs-\nhofen. VI Hefte, zusammen 6 Thlr., jedes ein-\nzelne Heft \\x/i Thlr.\nDieses Werk, welches allen Gesanglehrcrn willkommen sein\nwird, zeichnet sich schon dadurch vor ähnlichen vorteilhaft aus,\ndass die Vocalisen und Solfeggien für jede der sechs Abstufungen\nder Gesangstimme besonders componirt sind; sie bilden da-\nher sechs Hefte, und zwar für Sopran, Mezzo-Sopran, Alt,\nTenor, Bariton, Bass. Ein jedes Heft ist besonders zu haben;\ngemeinschaftlich ist ihnen nur das Vorwort über den Gebrauch\nund Inhalt derselben (4 Seiten in Fol.) und die einleitenden\nStudien (6 Seiten) beide aber, Vorwort und Studien, sind in\njedem Hefte wieder abgedruckt, die letzteren natürlich auf ver-\nschiedener Tonhöhe. So bildet jedes Heft durch die Liberalität der\nVerlagshandlung, welche ausserdem das Ganze glänzend ausgestat-\ntet hat, ein selbstständiges Studienwerk.\nJedes Heft enthält ausser den einleitenden Studien (einfache und\nfigurirte Tonleitern) 16 —lB Vocalisen, und der Verfasser hat voll-\nkommen Recht, wenn er gegen das Transponiren hoher Uebungen\nfür tiefe Stimmen oder umgekehrt eifert und gegen die Benutzung\nvon Studien für eine gegebene Stimme in tieferer oder höherer Oc-\ntave, was ja sogar öfters selbst von bedeutenden Gesanglehrern auf\nden Titel ihrer Solfeggien gesetzt wird, z. B. für Sopran oder Te-\nnor, Bass oder Alt. Die hier gegebenen Vocalisen schliessen sich\nzunächst an das „Vollständige Lehrbuch der Gesangs-\nkunst\" des Verfassers an, können jedoch selbstredend nach jeder\nGesangschule als Uebungsstücke gebraucht werden.\nBei den Solfeggien hat der Verfasser die Solmisationssilben un-\nter die Noten als Text drucken lassen, weil er den Hauptzweck\nund Nutzen des Solfeggirens als einen rein sprachlichen be-\ntrachtet, als der Deutlichkeit der Aussprache dienend. Wir können\nuns damit nicht ganz einverstanden erklären. Die Erfahrung zeigt,\ndass das lange und gut geübte Solfeggiren (das Angeben des Tones\nmit seinem Namen, clo, re, mi etc.) durch die schwer zu erklärende,\naber offenbar Statt findende Verbindung des Namens mit dem\nKlang das richtige Treffen ausserordentlich befördert. Ich habe Schü-\nlerinnen gehabt, welche irgend ein schwierig zu treffendes Inter-\nvall, das sie mit der Textsilbe nicht sicher hatten, mit der Sol-\nmisationssilbe jedesmal richtig ansetzten. Da nun Solfeggien ohne\ndarunter geschriebene Solmisationssilben neben der Uebung in\nder Verbindung des Namens mit dem Tone auch die Uebung in\nreiner Aussprache durchaus nicht ausschHessen, so sehe ich\nnicht ein, warum man nicht bei der alten Weise der italiänischen\nGesanglehrer, die Solfeggien ohne Textsilben zu schreiben, bleiben\nsolle. - Rühmliche Vorzüge der Sieber'schen Uebungen (von de-\nnen uns übrigens nur die drei ersten Hefte für die drei Frauen-\nstimmen vorliegen) sind ferner, dass jede einen besonderen\ntechnischen Zweck vorzugsweise im Auge hat, z. B. Nr. 1, 2,\n3 die Messa di voce, das Legato und Portamento, Nr. 4 das Gritp-\npetto, Nr. 7 die Apoggiaturen, Nr. 11 die Arpeggien, Nr. 14 die\nchromatische Tonleiter u. s. w. u. s. w.; ferner dass sie nicht durch\nihre Länge ermüden, sondern die Wiederholung (und repetitio est\nmater studiomm) erleichtern, da sie meistens nur eine Seite und\nnie über zwei Seiten lang sind, dass in jedem Hefte die zwölf Dur-\nTonarten vertreten, die Melodieen angenehm sind und die Beglei-\ntung leicht ist."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541216-02.1.1", "texte": "Für Pianoforte mit Begleitung.\nH. Ferd. Kufferath, Grand Trio pour Piano, Yiolon &\nVioloncelle, dedie ä Mr. F. Fetis, Directeur du\nConservatoire royal de Bruxelles etc. Oeuvre 9.\nMayence, Anvers & Bruxelles, chez les fils de B.\nSchott. Preis 5 Fl. 24 Kr.\nH. F. 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Das 2'j-Tact, trägt\neigentlich seinen Namen mit Unrecht; denn von Scherz kann nur\nin so fern darin die Rede sein, als man an den Göthe'schen Vers\ndenkt:\n„Von allen Geistern, die verneinen,\nIst mir der Schalk am wenigsten verhasst.\"\nEs liegt etwas Dämonisches in diesem originellen Satze. Schon der\nGegensatz der Triolen-Bewegung und des Vierachtel-Rhythmus ist"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541216-02.1.2", "texte": "pikant, und noch mehr der fugirte Satz an der Stelle des Trio,\nwelcher sein Thema dem ersten Theil auf neue Weise entnimmt:\nDas Adagio, 2/4-Tact, A-dur, erinnert am meisten an Mendels-\nsohn; das Finale, Allegro molto, E-dur, ist glänzend sym-\nphonistisch, modulirt jedoch in der Mitte etwas zu viel.\nDas Quartett, Op. 12, ist ebenfalls ein sehr beachtungswer-\nthes Werk voll Geist und Phantasie; der Componist hat sich hier\nnoch mehr als im Trio von dem Mendelssohn'schen Typus eman-\neipirt. Der erste Satz, Allegro, 4/4\"Tact aua ireve9 F-dur, ist von\nganz eigenthümlichem Gepräge, hat dabei Guss und Fluss und\nzeigt unserer Meinung nach die meiste Originalität in der Erfin-\ndung. Das Andante con moto, 6/g-Tact, B-dur, ist nicht ausgezeich-\nnet in der Erfindung, aber sehr ansprechend in der Ausführung.\nDas Scherzo, F-dur, 3/4-Tact, ist lebendig und interessant durch die\nGegensätze seiner w eicheren, melodischen Stellen mit den kräftigen,\nscharf rhythmisirten. Das Finale, Allegro ma non Iroppo, 4/4-Tact,\nist mit grossem Talent gearbeitet; dieser Satz ist es aber, in dem\nwir einigen Einfluss des Studiums Schumann scher Werke zu be-\nmerken glauben, wodurch hier und da einige für das Auge zwar\nsehr interessante contrapunktische Combinationen entstanden sein\nmögen, denen es jedoch für das Ohr an Klarheit und an dem\neigentlich musicalischen Leben fehlt, welches uns sonst überall ent-\ngegen tritt.\n\nFür die Orgel.\nKarl Seeger, Zwölf Orgelstücke zum Gebrauche beim\nöffentlichen Gottesdienste. Op. 9. Offenbach, bei\nAndre.\nAeusserst harmlose und schwache Producte, die besser unge-\ndruckt geblieben wären. Der Wille ist gut, aber ——. Muss es\ndenn componirt sein, wenn es dazu ganz und gar am Zeuge fehlt?\nHoffentlich wird sich Herr S. als Sammler besser bewähren und\nan Geschmack ersetzen, was ihm an Talent abgeht.\nJ. G. Herzog, Sechszehn leichte Orgelstücke zur\nUebung und zum kirchlichen Gebrauche. Op. 24.\nEbendaselbst.\nSechs Orgelstücke (3 Präludien, 2 Nachspiele\nund 1 Fuge). Op. 27. Ebendaselbst.\nDas klingt schon anders. Wenn auch gerade nicht neu und\neigentümlich, erkennt man doch die sichere und kunstgeübte Hand\nund die gebührende Rücksichtnahme auf den Charakter des Instru-\nments. Hier und da kommen starke Anklänge an fremdes Eigen-\nthum vor, die Herr Herzog künftig vermeiden möge. So z. B. in\nOp. 24 der erste Tact von Nr. 8:\nWem fiele dabei nicht der erste Chor in Graun's Tod Jesu ein?\nEben so gehört der zweite Tact von Nr. 6, Op. 27, einer Fuge\nvon Seb. Bach an. Tadeinswerth, weil das Lesen ungemein er-\nschwerend, ist es auch, dass im Op. 24 Herr Herzog häufig die\ndritte Stimme mit ins erste System schreibt, anstatt sie ins zweite\nzu schreiben, zumal da, wo sie von der linken Hand gespielt wer-\nden muss oder die vierte Stimme mehrere Tacte pausirt, in wel-\nchem letzteren Falle ja die Anwendung des Violinschlüssels für das\nzweite System so nahe liegt.\ni \\ I i ;\nTheodor Grünberger, Neue (?) Orgelstücke, nach der\nOrdnung unter dem Amte der heiligen Messe zu\nspielen. Sechs Hefte, ä 1 Fl. Mainz, bei Schott's\nSöhnen.\nIst's möglich? Solches Zeug kann noch in der zweiten Hälfte\ndes neunzehnten Jahrhunderts gedruckt und verlegt werden? Ist\nsolches Dudeldumdei denn das Papier werth, welches dazu verbraucht\nwird ? Aber freilich, beim Lichte besehen verhält sich die Sache\nanders, und es ist nur auf eine absichtliche Täuschung abgesehen.\nDiese so genannten neuen Orgelstücke sind nämlich schon vor\nvielen Jahren (der schlechte Stich lässt wenigstens auf ein halbes\nJahrhundert schliessen) in dem nämlichen Verlage erschienen, und\nzwar als Orgelstücke schlechtwreg; neu sind sie erst im Liegen ge-\nworden. Vermuthlich waren die alten Platten noch da, Herr Schott\nhatte übertlüssiges Papier oder unbeschäftigte Arbeiter, denen er\naus Humanität Verdienst geben wollte: da macht man ein anderes\nTitelblatt, setzt das geduldige Wörtlein neu vorauf und schickt die\nalten Gesichter als junge, neugeborene Kindlein in die weite Welt\nhinaus, um die Gläubigen damit anzuführen. Eine ganz sinnreiche\nSpeculation das! Mit der Orgel haben übrigens diese grauen Kin-\nder nicht das Geringste gemein, es sind vielmehr elaviermässige\nDudeleien, wie sie vor 70—80 Jahren von gemüthiiehen Dorfschul-\nmeistern mögen geschrieben worden sein. Herzlich lachen musste\nReferent bei den so genannten Fugetios und Fugandos (sie!). Hier\nein paar Pröbchen von diesen Orgelstücken.\nUnter der Wandlung."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541216-02.1.3", "texte": "Und davon sechs Hefte!! **\n\nFür Gesang.\nl\nAlbum-Blätter, Acht Lieder mit Pianoforte-Beglei-\ntung von Louis Spohr, M.Hauptmann, Otto Bahr,\nKarl Reinecke, Arnold Wehner, J. Joachim, Joh.\nBrahms, Hans v. Bülow. Göttingen, George H.\nWigand. Erstes Heft. Preis 1 Thlr.\nWenn man das Lied von Otto Bahr abrechnet, welches eine\ngewiss wohlgemeinte, aber durchaus dilettantische Gabe ist, so bie-\ntet das vorliegende Heft grosses Interesse. Von dem Altmeister\nSpohr bis zum jugendlichen Stürmer Johann es Brahms ist\nein weiter Schritt, und, ist's Zufall oder Absicht? wir finden diese\nExtreme hier einiger Maassen vermittelt, namentlich durch Haupt-\nmann, Reinecke und Wehner, während H. v. Bülow, wel-\ncher auch in der That den Schluss des Heftes bildet, noch über\nBrahms hinausgehend, uns ein Lied gibt, welches (ganz im Sinne\ndieser jüngsten Generation) aller Natur bar und ledig ist, jedem\nAnspruch, den man an Gesangmusik zu machen gewohnt und be-\nrechtigt ist, Hohn spricht und pure, blanke Declamation bringt,\nüberdies aber in rhythmischer Beziehung von so schülerhafter Mo-\nnotonie ist, dass man wahrhaftig nicht begreift, wie ein Musiker so\nblind und taub für seine eigene Schöpfung sein kann, um derglei-\nchen Mängel übersehen und überhören zu können. Mit Ausnahme\ndieses Liedes aber und des obenerwähnten von Bahr bringt das\nHeft lauter werthvolle Gaben und wird sich desshalb einer weiten\nVerbreitung erfreuen, die es durchaus verdient. Auch die Lieder\nvon Brahms und Joachim gefallen uns besser als andere Sa-\nchen von beiden Componisten, die wir bis dahin zu hören oder zu\nsehen Gelegenheit hatten. Dem Eindrucke, den das Brahmssche\nLied machen könnte, geschieht dadurch freilich Eintrag, dass er\neinen Text wählte, welcher Schumann den Stoff zu einem seiner\nherrlichsten Lieder gab: Mondnacht von Eichendorff. Der genaue\nInhalt des Heftes ist folgender: „Erwartung\" von Karl Bassewitz von\nLouis Spohr. —„Dicht von Felsen eingeschlossen\", aus „Genovefa\",\nvon Fieck, von M. Hauptmann. „Du mit den schwarzen Augen\"\nvon E. Geibel, von Otto Bahr. „Lass mir dein Auge leuchten\"\nvon Adolf Strodtmann, von Karl Reinecke. „Hochland-Lieb\" von\nArnold Wehner. „lch habe im Traum geweint\" von Heine, von\nJ. Joachim.— „Mondnacht\" von Eichendorff, von J. Brahms. „lch\nglaubte, die Schwalbe träumte schon\", von Karl Beck, von Hans\nv. Bülow. Die Ausstattung ist ganz vortrefflieh, sehr correct, ele-\ngant und splendid und macht der jungen Verlagshandlung alle Ehre.\nc.\nEl ementi di Vocalizzazione,\nN a v a, professore di canlo delV J. R. Conservatorio\ndi Musica in Milano. Erster Gesang-Un-\nterricht für junge Mädchen und Knaben, in 12\nLectionen enthaltend 104 fortschreitende Vocali-\nsen und 35 Cadenzen oder Fermaten, nebst Ge-\nsangsregeln. Deutsche Bearbeitung von J. C.\nGrünbaum. Berlin, Verlag der Schlesinger'schen\nBuch- u. Mus.-Handlung. 3 Lieferungen, h 1 Thlr.\nYon diesem sehr empfchlungswerthen Elementarwerke für den\nGesang-Unterricht liegt uns die erste Lieferung vor, welche auf 8\nSeiten in Folio allgemeine Erläuterungen über die Gesangs-Werk-\nzeuge, Methode, Behandlung und Erhaltung der Stimme u. s. w.,\nund auf 15 Seiten 23 Uehungen (sie brechen in der V. Lection ab)\nmit Begleitung des Pianoforte enthält. Der Text ist sowohl in der\nEinleitung als bei den Noten-Beispielen der verschiedenen Lectio-\nnen italiänisch und deutsch. Man darf jedoch den Ausdruck „Ele-\nmente\" und „für junge Mädchen und Knaben\" nicht in zu be-\nschränkter Bedeutung nehmen und etwa nur an eine Gesangschule\nfür Kinder denken; der Zusatz auf dem Original:\nfanciulle\",will nur sagen, dass diese Gesangschule für Frauenstim-\nmen, für Sopran und Alt, bestimmt ist.\nIn dem theoretischen Theile darf man natürlich nichts Erschö-\npfendes suchen; allein er enthält in Kürze sehr deutliche Erklä-\nrungen und vortreffliche praktische Winke in 18 Paragraphen. Von\nden eigentlichen Lectionen beginnt die erste mit den Uebungen in\nder Messa di voce.Man hat in neueren Zeiten (vgl. besonders die\nGesangschule von Panofka) gegen das Anfangen des Unterrichts\nmit diesen Uebungen protestirt, weil die vollendete\ndie schwierigste Aufgabe für den Sänger und das Endziel des Ge-\nsang-Unterrichts sei, folglich nicht in den Anfang gehöre. Dies „folg-\nlich\" scheint uns jedoch durch den Vordersatz keineswegs erwie-\nsen. Man könnte sogar umgekehrt schliessen: weil es ohne Virtuo-\nsität in Messa di voce keinen vollendeten Gesang gibt, so muss die\nVorbereitung derselben durch verständig geleitete Uebungen die\nGrundlage des Unterrichts sein. Das Wahre liegt, wie so oft, auch\nhier in der Mitte; dass die fraglichen Uebungen aber, wie der Ver-\nfasser richtig sagt, „nur mit massigen Ansprüchen, um die\nBrust nicht frühzeitig zu ermüden und Gefahr zu laufen, die"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18541216-02.1.4", "texte": "Stimme zu Grunde zu richten\" von Anfang an angestellt\nwrerden müssen, scheint ausser Zweifel nothwendig; jedoch wird kein\nvernünftiger Lehrer den Elementar-Unterricht darauf beschränken.\nDie zweite Lection enthält Uebungen in der „Vibration der\nStimme\", wie der Verfasser die letzte Hälfte der Messa di voce\nnennt, nämlich den accentuirten Einsatz im Forte mit dem Abneh-\nmen zum Piano. Hier finden sich Uebungen, welche für die An-\nfängerin schwierig in der Intonation sind. Man kann aber in der\nGesang-Grammatik eben so wenig wie in der Sprachlehre im prak-\ntischen Unterrichte die Reihenfolge der Capitel festhalten; der Leh-\nrer muss wissen, aus ihnen dasjenige auszuwählen, was in seinen\nersten, zweiten, dritten Cursus u. s. w. gehört. Dies ist freilich ge-\nrade beim Gesang-Unterrichte nicht leicht, und eine Menge \\on den\nheutigen Gesanglehrern hat kaum eine Idee von diesem wichtigen\nTheile der Methode.\nDie dritte Lection behandelt die Uebungen in der freien und\nreinen Intonation; die vierte das Portamento. Der Verfasser ver-\nsteht darunter im Allgemeinen den Gegensatz zum Staccato; sonach\nzerfällt es bei ihm erstens in das Ligato, in das Tragen und Ver-\nbinden aller Töne einer gegebenen Phrase; zweitens in das Hin-\nüberschleifen des Tones von einem Intervall zum anderen. Er gibt\nhier die goldene Regel: „dass die erste Art des Portamento die all-\ngemeine Regel für den Gesang sein muss; der Sänger von guter\nSchule wird nie von der Vorschrift abweichen, den Gesang zu tra-\ngen und zu binden, wenn ihm nicht ausdrücklich das Gegentheil\nvorgeschrieben ist.\" Wenn das doch die pariser Gesanglehrer in\nBezug auf ihre neueste Mode des ~Martellirens\", wodurch die Co-\nloratur nicht mehr gesungen, sondern gelacht wird, beherzigen\nwollten! >\nDie Vorübungen zu den diatonischen Tonleitern, womit die\nfünfte Lection beginnt, sind sehr zweckmässig; sie beginnen mit\n3 verbundenen Tonstufen:\nu. s. w., und gehen dann in derselben Art zu 4, 5 u. s. w. bis\nzur Octave und darüber hinaus fort.\nWir sind auf die Fortsetzung des Werkes begierig, welches in\nden noch fehlenden Lectionen die Verzierungen und den Triller\ndie chromatischen Tonleitern Uebung in Triolen im Staccato\nin harpeggirten Noten in wiederholt angeschlagenen Noten\nnebst verschiedenen Gorgheggi und Fermaten und Cadenzen ent-\nhalten wird.\nFerd. Sieber, Hundert Vocalisen und Solfeggien nebst\neinleitenden Studien, mit Begleitung des Piano-\nforte. Op. 30 35. Magdeburg, bei Heinrichs-\nhofen. VI Hefte, zusammen 6 Thlr., jedes ein-\nzelne Heft \\x/i Thlr.\nDieses Werk, welches allen Gesanglehrcrn willkommen sein\nwird, zeichnet sich schon dadurch vor ähnlichen vorteilhaft aus,\ndass die Vocalisen und Solfeggien für jede der sechs Abstufungen\nder Gesangstimme besonders componirt sind; sie bilden da-\nher sechs Hefte, und zwar für Sopran, Mezzo-Sopran, Alt,\nTenor, Bariton, Bass. Ein jedes Heft ist besonders zu haben;\ngemeinschaftlich ist ihnen nur das Vorwort über den Gebrauch\nund Inhalt derselben (4 Seiten in Fol.) und die einleitenden\nStudien (6 Seiten) beide aber, Vorwort und Studien, sind in\njedem Hefte wieder abgedruckt, die letzteren natürlich auf ver-\nschiedener Tonhöhe. So bildet jedes Heft durch die Liberalität der\nVerlagshandlung, welche ausserdem das Ganze glänzend ausgestat-\ntet hat, ein selbstständiges Studienwerk.\nJedes Heft enthält ausser den einleitenden Studien (einfache und\nfigurirte Tonleitern) 16 —lB Vocalisen, und der Verfasser hat voll-\nkommen Recht, wenn er gegen das Transponiren hoher Uebungen\nfür tiefe Stimmen oder umgekehrt eifert und gegen die Benutzung\nvon Studien für eine gegebene Stimme in tieferer oder höherer Oc-\ntave, was ja sogar öfters selbst von bedeutenden Gesanglehrern auf\nden Titel ihrer Solfeggien gesetzt wird, z. B. für Sopran oder Te-\nnor, Bass oder Alt. Die hier gegebenen Vocalisen schliessen sich\nzunächst an das „Vollständige Lehrbuch der Gesangs-\nkunst\" des Verfassers an, können jedoch selbstredend nach jeder\nGesangschule als Uebungsstücke gebraucht werden.\nBei den Solfeggien hat der Verfasser die Solmisationssilben un-\nter die Noten als Text drucken lassen, weil er den Hauptzweck\nund Nutzen des Solfeggirens als einen rein sprachlichen be-\ntrachtet, als der Deutlichkeit der Aussprache dienend. Wir können\nuns damit nicht ganz einverstanden erklären. Die Erfahrung zeigt,\ndass das lange und gut geübte Solfeggiren (das Angeben des Tones\nmit seinem Namen, clo, re, mi etc.) durch die schwer zu erklärende,\naber offenbar Statt findende Verbindung des Namens mit dem\nKlang das richtige Treffen ausserordentlich befördert. Ich habe Schü-\nlerinnen gehabt, welche irgend ein schwierig zu treffendes Inter-\nvall, das sie mit der Textsilbe nicht sicher hatten, mit der Sol-\nmisationssilbe jedesmal richtig ansetzten. Da nun Solfeggien ohne\ndarunter geschriebene Solmisationssilben neben der Uebung in\nder Verbindung des Namens mit dem Tone auch die Uebung in\nreiner Aussprache durchaus nicht ausschHessen, so sehe ich\nnicht ein, warum man nicht bei der alten Weise der italiänischen\nGesanglehrer, die Solfeggien ohne Textsilben zu schreiben, bleiben\nsolle. - Rühmliche Vorzüge der Sieber'schen Uebungen (von de-\nnen uns übrigens nur die drei ersten Hefte für die drei Frauen-\nstimmen vorliegen) sind ferner, dass jede einen besonderen\ntechnischen Zweck vorzugsweise im Auge hat, z. B. Nr. 1, 2,\n3 die Messa di voce, das Legato und Portamento, Nr. 4 das Gritp-\npetto, Nr. 7 die Apoggiaturen, Nr. 11 die Arpeggien, Nr. 14 die\nchromatische Tonleiter u. s. w. u. s. w.; ferner dass sie nicht durch\nihre Länge ermüden, sondern die Wiederholung (und repetitio est\nmater studiomm) erleichtern, da sie meistens nur eine Seite und\nnie über zwei Seiten lang sind, dass in jedem Hefte die zwölf Dur-\nTonarten vertreten, die Melodieen angenehm sind und die Beglei-\ntung leicht ist."}]}