{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-01-27-01", "volume": "bmtnabi_1855-01-27_01", "ocr_sha256": "9924e9cab58b5cf3a2116ad703c816e0d0d26c3b9389eb4a1f2d008a7cd9de20", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/01/27_01/bmtnabi_1855-01-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-01-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-01-27_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-01-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "28", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.2.1", "titre_corps": "Musik und Theater in Wien.", "titre_sommaire": "Musik und Theater in Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3842, "texte": "Musik und Theater in Wien.\nII.\n„Von einem Opernsänger fordern wir zu allererst den\nWohlklang der Stimme sammt reiner Intonation,\nferner die technische Ausbildung derselben, sodann\naber, und zwar als Conditio die Kennt-\nniss des musicalischen Vortrages. Zur Erfüllung\ndieser letzteren Bedingung müssen die vorher genannten\nals erfüllt betrachtet werden können. Nur eine wohl-\nklingende, reine, gleichartig und biegsam gewordene Stimme\nist im Stande, die verschiedenen Schätzungen, welche\nzu einem guten Vortrage gehören, genau und richtig\nauszuführen, und nur ein guter Gesang-Unterricht kann\ndem Sänger den richtigen Gebrauch dieser Schätzungen\nbeibringen.\nIst nun einmal diese Bedingung des correcten\nSingens erfüllt, dann, aber auch nur dann, ist es an\nder Zeit, an schauspielerische Eigenschaften zu denken,\ndramatische Gestaltung zu verlangen. Sind wir aber jetzt\nso weit? Wo ist im Kärnthnerthor-Theater— seit\ndem Austritte Staudigl's ein Sänger, dessen Gesan-\nges-Vortrag geeignet wäre, den eben ausgesprochenen An-\nforderungen zu genügen? Wir schätzen die Kraft\nund Tüchtigkeit des Herrn Draxler den markigen Ton\nund das ehrenwerthe Streben des Herrn Beck—wir eh-\nren die sichere Intonation, die musicalische Festigkeit des\nHerrn Erl den Fleiss und Eifer des Herrn Kreutzer\nwir staunen ob der Stimmbildung des Herrn Steg er\nwir lühlen uns angezogen von der feinen Darstellungs-\nweise, von der intelligenten Auffassung, von der leiden-\nschaftlichen Gluth des Herrn Ander —aber alle diese\nmehr oder minder erfreulichen Zugaben sind weit ent-\nfernt von dem, was wir einen correcten, geschmack-\nund empfindungs vollen Vortrag nennen. Wir spra-\nchen eben von den männlichen Mitgliedern unserer Oper;\nmit den weiblichen steht es noch weit schlimmer.\n„Wir können übrigens den Leser nie oft genug auf-\nmerksam machen, dass wir in dieser Hinsicht eine nichts\nweniger als übertriebene, aussergewöhnliche\nForderung stellen; wir müssen bei der herrschenden\nBegriffs-Verwirrung eindringlich wiederholen, dass wir un-\nter richtigem Vortrage die Befolgung jener Regeln\nverstehen, deren Erklärung man in jedem Elementar-Unter-\nrichtsbuche für Musik finden kann, jener Regeln vom\nTempo, von der Tact-Eintheilung, von den guten und\nschlechten Tacttheilen, von der Wichtigkeit einzelner Noten,\nje nach ihrem Werthe oder ihrer Stellung u. s. w., jener\nRegeln, die jedes Kind begreifen kann, und die auch mei-\nstens in der Jugend gelernt, mit der Zeit aber, im Drange\neines falschen Ehrgeizes, einer verderblichen Effecthascherei,\nbei Seite gelegt werden. Kein vernünftiger Mensch wird es\nläugnen wollen, dass nur die strenge Befolgung dieser Re-\ngeln einen wahrhaft correcten Gesang zur Folge haben\nkönne, und dass diese Correctheit das eigentliche, unerläss-\nliche Fundament bildet zu einer schönen Gesangesleistung.\nAber die Correctheit allein macht es nicht aus, es muss\nauch Gefühl und Geschmack hinzugefügt werden und\nhierin liegt die von so Vielen als unüberwindlich betrach-\ntete Schwierigkeit lür den modernen Sänger —, die Schwie-\nrigkeit, jene vom guten Geschmack gebilligte, ja, verlangte\nSchattirung, jenen von dem Worte und der Situation\ngeforderten Gefühls-Ausdruck zu finden und anzu-\nwenden, ohne die natürlichen Regeln tactischer\nund rhythmischer Noten-Betonung aufzugeben.\n„Das Geg entheil, die höhere Intelligenz, welche dis-\ntonirt, die prägnante Charakter-Darstellung, welche über-\nhudelt, die zerfliessende, vornehmthuende Schwärmerei,\nwelche rallentirt, der hochpoetische Pathos, welcher keine\nordentliche Scala zu singen weiss, diese eben so lächerliche\nals schädliche Anmaassung, mit welcher die modernen\nOpernsänger im Allgemeinen, hauptsächlich aber die Re-\npräsentanten so genannter „ „ dramatischer\"\" (leidenschaft-\nlicher) Partieen, sich berechtigt, ja, sogar verpflichtet hal-\nten, „ „aller Regeln\"« zu spotten diese Anmaas-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5085, "texte": "sung muss unbarmherzig getadelt, überall, wo sie sich zeigt,\nverfolgt und ausgerottet werden.\n„Diese Herren und Damen sind grösstentheils noch\nnicht über die ersten Elemente des musicalischen Unter-\nrichts hinaus; Stimm-Ansatz, Intonation, Abstufung, Beto-\nnung lässt mehr oder weniger bei Jedem so viel zu wün-\nschen übrig, dass, wer nur lür reinen Gesang Verständniss\nhat, mitleidig lächelnd die Achsel zuckt, wenn von der Be-\nfriedigung höherer Anforderungen im Opernhause die\nRede ist. Höhere Anforderungen! An einem Orte, wo die\nersten, einfachsten, natürlichsten Gesetze der Vernunft alle\nAugenblicke von so genannten „ „ersten\" \" Sängern und\nSängerinnen mit Füssen getreten werden! wo\\ man den\nUnterschied zwischen einer Achtel- und einer Sechszehntel-\nNote, zwischen dieser und einer Triole, zwischen Noten\nmit und ohne Punkt kaum mehr vom Hörensagen kennt!\nwo das Schleppen, Zerren, Distoniren u. s. w. zur tägli-\nchen Gewohnheit und das Temp zur herrschenden\nNorm geworden ist! Höhere Anforderungen! Wo unge-\nstraft die ärgsten Verstösse gegen die Vernunft, den besse-\nren Geschmack, das feinere Gefühl unablässig und auf eine\nWeise begangen werden, welche im recitirenden Schau-\nspiel, nur halb so arg versucht, ihrer verdienten Strafe nicht\nentgehen würde! Der Schauspieler hat im Allgemeinen\nkein bestimmtes Zeitmaass zu beobachten, und dennoch,\nwie rasch empfindet es das Publicum, wie schärf rügt es\ndie Kritik, und zwar nicht mit Unrecht, wenn ein Schau-\nspieler oder eine Schauspielerin sich erlaubt, einen Satz\netwas gedehnt zu sprechen! Inder Oper ist das maass-\nund zwecklose Ritardiren zur stehenden Norm ge-\nworden; beinahe jeder dramatisch oder musicalisch wirk-\nsame, oder mindestens lür wirksam gehaltene Moment wird\ndurch ein plötzliches Aufhalten und Dehnen markirt, was\neben so unpraktisch in der Ausführung ist, als sträflich in\nder Theorie; denn dieses plötzliche Zurückhalten im Mo-\nmente der Spannung ermüdet die Aufmerksamkeit und ver-\nmindert die Wirkung des Ganzen, statt sie zu erhöhen, und\nzwar um so mehr, als wirklich ein gränzenloser Miss-\nbrauch damit getrieben wird. Das Gleiche gilt von den\nBetonungs-Fehlern. Reine Intonation, obwohl auch\nschon eine seltene Erscheinung, kommt doch noch zu Zei-\nten vor; aber gehörige Abstufung und richtige\nBetonung der Noten ist im Kärnthnerthor-Theater\nfast gänzlich zur Mythe geworden.\n„Gegenüber einer offenbaren Unkenntniss der musicali-\nschen Regeln erscheint es sonderbar, wenn man über Man-\ngel an Spiel und Auffassung klagen hört. Gebt uns zuerst\nSänger und Sängerinnen, die zu singen verstehen, dann\nkönnen dieselben, wenn sie schauspielerisches Talent be-\nsitzen und ihnen Gelegenheit zur weiteren Ausbildung ge-\nboten wird, auch diese letztere erlangen. Was nützt ihnen\naber Geschick und Talent, Feuer und Intelligenz, wenn sie\ndas nicht gelernt haben, was für sie die Hauptsache\nsein muss, wenn sie nicht singen gelernt haben? Leider\nkommen wir nach unserer langen Motivirung zu dem Aus-\nspruche, dass jene die ersten Fächer ausfüllenden Mitglie-\nder, wenn auch einige nicht ohne Begabung, doch was\nStimme und Gesang mit allen damit verbundenen Eigen-\nschaften betrifft, sämmtlich Naturalisten sind.\"\nWir brechen hier die scharfen, aber von wahrem Eifer\nfür die Kunst zeugenden Auslassungen über das wiener\nOpern-Personal ab, welche um so mehr gelesen zu werden\nverdienen, als sie das Uebel an der Wurzel angreifen, und\nfügen noch einige Mittheilungen über das Opern-Repertoire\nder beiden Hofbühnen unter Laube's und Cornet's\nLeitung hinzu.\n„Das Repertoire des Burgtheaters, obwohl zu Zeiten\nvernachlässigt, verlor auch in den mattesten Perioden nie-\nmals seine solide Grundlage. Es wäre ungerecht, zu ver-\nkennen, dass seit dem Ihrections-Antritte des Herrn Laube,\nalso seit fünf Jahren, diese Grundlage nicht nur nicht er-\nschüttert, sondern in vielfacher Beziehung gekräftigt wurde.\nEin unbedingtes Lob wäre hier freilich nicht gut an-\nwendbar; Herr Laube hat, wie in so manchem Anderen,\nauch in seiner Repertoire-Bildung Eigenheiten, welche, zu\nweit getrieben, leicht zu bedeutenden Fehlern anwachsen\nkönnten. Wir gehören auch zu den Ersten, welche dem\nartistischen Director des Burgtheaters das zu Zeiten her-\nvortretende Spielen mit dem Possenhaften, die beinahe un-\nwillkürliche Hinneigung zum Grobkörnigen vorgehalten ha-\nben; „ „aber\"\" pflegt der Feldherr zu sagen\nmuss immer das Ganze überschlagen\"\", und dieses\n* „ Ganze\" \" zeigt uns im Burgtheater einen Anblick, woran\nder Kunstfreund, der Kritiker und die grosse Menge ihre\nFreude haben können. Jene Stücke, welche da nicht mehr\nhineintaugen, bilden eine kleine Minderheit; gegen die grosse\nMehrzahl der aufgeführten Werke ist vom Standpunkte der\nstrengsten Theater-Kritik nichts einzuwenden, es sind dies\ndie beliebten Repertoire-Stücke der letzten Zeit, welche,\nwenn auch nicht von bleibendem Werthe, doch desswegen\nnicht werthlos sind, und überdies wenigstens durch eine\ngute Darstellung neu belebt werden; ferner mit weni-\ngen Ausnahmen die anregendsten neuen Producte ein-\nheimischer und fremder Autoren, endlich ein mit jedem"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5089, "texte": "Jahre vermehrter, dauernd erhaltener und fortwirkender\nKreis der classischen Dramen, daher ein Repertoire, wie\nman es, Alles in Allem genommen, vielleicht niemals, so\nreichhaltig und kräftig gesehen, und zwar um, so\nmehr, als das systematische Fortschreiten auf dieser Bahn\neine gute Bürgschaft des neuen Aufschwunges enthält.\n„ Auf welch erschreckendem Standpunkte der Unfähig-\nkeit, der Selbsttäuschung oder der systematischen Lobhu-\ndelei müssen jene angelangt sein, welche nicht eingestehen\nwollen, wie sehr das Opern-Repertoire der Gegenwart von\nder Befriedigung ähnlicher Ansprüche entfernt ist!\n„Von den 34 Opern, welche im ersten Directions-\njahre des Herrn Cornet auf 224 Abende vertheilt wur-\nden, gehören 20 mit 114 Vorstellungen den Erzeugnissen\nder Herren Auber, Balfe, Bellini, D onizetti, Flo-\ntow, Thomas und Verdi. Die Geschmacklosigkeit eines\nsolchen Repertoires und dessen verderblicher Eintluss\nauf das Publicum, auf die Sänger, auf die Kunst des Ge-\nsanges, auf die Bestrebungen der Componisten u. s. W.ist\nausser allem Zweifel. Als das beste Wirkungsmittel dage-\ngen nannten wir eine Repertoire-Reform, welche mit dem\ngänzlichen Ausscheiden Balfe's und Verdi's und dem\nReduciren der übrigen Opern von zweifelhaftem Werthe\nauf die Hälfte, sammt der wohlthätigen Beschränkung der\nallzu häufigen Wiederholungen Meyer beer'scher Werke\nbeginnen sollte. Von den 34 Opern nennen wir vorerst\nfünf Werke: „„Don Juan\"\", „ „ Die Zauberflöte\"\", „„Die\nHochzeit des Figaro\"\", „„Fidelio\"\", „ „Der Freischütz\"\",\nwelche die Grundsäulen jedes guten Repertoires bilden,\nund fünf andere: „ „Die Vestalin\"\", „ „Die weisse Frau\" \",\n„ „Wilhelm Teil\"\", „ „Die Hugenotten\"\", „ „Robert der\nTeufel\" \", welche sich denselben bestens anschliessen und\ngegen deren Aufnahme wohl schwerlich etwas Vernünftiges\neinzuwenden wäre. Die übrigen 24 Opern alle unbedingt\nzu verwerfen, kann uns nicht einfallen; das wäre unprak-\ntisch. Wir wünschten bloss einen Theil davon gänzlich aus-\nzuscheiden und die anderen, besseren in längeren Zwischen-\nräumen und in möglichst guter Besetzung aufführen zu\nlassen. Bei allem Bestehen auf Reinerhaltung künstlerischer\nGrundsätze sind wir duldsam genug, um eine Verschieden-\nheit des Geschmacks zu Gunsten der neueren Compositionen\nfranzösischen oder italiänischen Ursprungs zu begreifen;\njene Sinnes-Abstumpfung aber, jenen Gefühls-Mangel, jene\nGeistes-Armuth und musicalische Urteilslosigkeit, welche\ndazu gehört, um Auber's Verlornen Sohn, Balfe's Zi-\ngeunerin, Verdi's Hernani schön zu finden, haben wir\nnoch nicht geduldig ertragen gelernt, und seitdem die ent-\nschiedene Vorliebe für Hernani im Gegensatze zu Fidelio\nganz ohne Scheu in einem wiener Journale ausgesprochen\nworden ist, (!) seitdem wird man es hoffentlich nicht ungerecht\nfinden, wenn wir, nach dem bescheidenen Maasse unserer\nKräfte, auf die grundsätzliche Verbannung jener und ande-\nrer, ähnlicher Opern dringen. Und mussten denn die drei\nneuen Opern gerade von Balfe, F1 o t o w und Thomas\nsein ? Ist es wohl denkbar, dass man sich befriedigt erklärt\noder sich gar in hohem Grade entzückt stellt, weil unter\n11 neuen oder neu in Scene gesetzten Werken ein ein-\nziges (Die weisse Frau) gut scenirt und studirt worden\nist?!\nFünf Monate sind verflossen seit dem Beginne des zweiten\nJahrgangs der Cornet'sehen Direction. Was finden wir?\nIn fünf Monaten einen gelungenen Wurf mit Spon-\ntini's Cortez, dem nicht einmal ein zweiter nachfolgen\ndürfte, indem nunmehr der Nordstern an die Reihe kom-\nmen soll, und man wohl weiss, dass seit jeher, sobald\neine neue Oper des Herrn Meyerbeer in Aussicht steht,\nalle anderen Rücksichten verschwinden, vorzugsweise aber\ndie Gestaltung des Repertoires davon leiden muss.\n„Wo sind die artistischen Leiter der wiener Hof-\nOpernbühne, dass wir ihnen unsere Entdeckungen mitthei-\nlen? Z. B. Mozart habe ausser seinem Don Juan, Figaro,\nZauberflöte noch andere Opern geschrieben, welche nie\nvom Repertoire verschwinden sollten, und es hätten noch\nin der Vor-Balfe'sehen und Vor-Flotow'schen Periode\nandere berühmte Componisten gelebt, mit Namen Cheru-\nbini, Cimarosa, Dittersdorf, Fioravanti, Gluck,\nGretry, Mehul, Nicolo Isouard, Paer, Paesiello,\nWeber, W ei gl, Winter u. s. w.\n„ Nicht minder gegründet ist die zweite Klage, nämlich\nin Betreff der Aufführung neuer Opern. Herr Cornet\nbeschäftigt sich nicht mit classischen Opern-Reprisen und\n\"ab bereits im ersten Jahre seines Wirkens drei neue\no\nOpern, und zwar die oft genannten: Keolanthe, Matrosen,\nSommernacht, von Balfe, Flotow, Thomas. Dass es Werke\ngibt, welche besser sind als Keolanthe, Sommernacht und\nMatrosen, dürfte wohl schwerlich bestritten werden kön-\nnen. Wir gehören nicht zu jenen, welche einheimische Com-\nponisten, bloss weil es einheimische sind, begün-\nstigt zu sehen wünschen; auch die verschiedenen Capell-\nmeister-Componisten in Deutschland flössen uns kein be-\nsonderes Vertrauen ein, und die künstlerische Richtung des\nHerrn Richard Wagner zu vertreten, sind wir weit\nentfernt, Nur behaupten wir, und werden fortfahren, es zu\nbehaupten, dass das wiener Opern-Theater verpflichtet sei,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 756, "texte": "jede bedeutendere Erscheinung im Fache der Opern-Com-\nposition (und diese Bezeichnung verdienen unstreitbar\n»„ Tannhäuser\"\", „ „ Lohengrin\" *u. s. w.) dem billigen-\nden oder abweisenden Urtheile des Publicums vorzulegen,\nund dass ausserdem von den benannten ausser-österreichi-\nschen, wie von den noch unbekannten einheimischen Com-\nponisten mehr als Ein Werk geliefert werden könnte, wel-\nches nicht nur an eigentlichem dramatisch-musi-\ncalischem Werthe weit über die flachen Erzeugnisse\nder Balfe-Flot ow' sehen Richtung zu stellen wäre, son-\ndern selbst in Hinsicht auf praktisch ergiebigen Erfolg, wenn\nauch nicht allen Wünschen entsprechen, doch jedenfalls\nmehr als die Novitäten, die uns Herr Cornet gebracht hat,\ngerechten Ansprüchen genügen würde.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-01-27-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-01-27_01#c002", "volume": "bmtnabi_1855-01-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "28", "page_fin": "29", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.4", "debut_caractere": 758, "fin_caractere_exclue": 4971, "texte": "Pariser Briefe.\nIch habe noch eine kleine Nachlese aus dem vorigen\nJahre zu halten, Nachlese im eigentlichen Sinne; denn von\neiner Aernte mit vollen Aehren kann auf dem Felde der\nMusik im Jahre 1854 hier in Paris nicht die Rede sein.\nDer Wind weht nur über Stoppeln, trotz Meyerbeer's Nord-\nstern, der höchstens einem Erzeugniss verständiger und ge-\nschmackvoller Gartenkunst zu vergleichen ist. Und selbst\nin diesen künstlichen Park sind die schönsten Blumen und\nGruppen ja aus einer deutschen Oper hieher versetzt und\nparisisch aufgefrischt worden.\nDie grosse Oper hat ausser Gounod's\nlantenur noch ein schlechtes Ballet als Neuigkeit\ngebracht, sonst nichts. Neu in Scene gesetzt hat sie die\nV e s t a 1 i n von Spontini, die Königin von Cypern\nvon II a 1 e v y und die Stumme von A u b e r. Die Auffüh-\nrung der Stummen war in musicalischer Hinsicht nichts\nweniger als gelungen. Gardoni ist kein Masanielio, wie denn\nüberhaupt die drei bis vier italiänischen Tenöre, welche man\nangestellt hat, alle zusammen Roger noch nicht halb er-\nsetzen, so dass sich nun endlich von allen Seiten Stimmen\nerheben, die seinen Zurücktritt einen „ ungeheuren VerlustK\nnennen, während zur Zeit seiner Aufkündigung ein cha-\nrakteristisches Merkmal der hiesigen Presse fast kein\nöffentliches Blatt für ihn auftrat. Da übrigens die Stumme\nmit grossem Pomp gegeben wird, das Duett Amour\nde la Patrie bei der jetzigen kriegerischen Stimmung zün-\ndet, wiewohl (oder vielleicht gerade weil) Gardoni darin von\nMassol überbrüllt wird, und weil endlich die Gerrite aus\nder stummen Fischerin Fenella eine vollendete, raffmirte,\ncoquette Ballet-Puppe macht, so macht sie volle Häuser.\nDagegen sind die Pariser iür die tragische Grösse derSpon-\ntini'schen Musik nicht mehr recht empfänglich, und ich bin\nüberzeugt, dass, wenn die kaiserliche Opern-Verwaltung,\nwie man sagt, eine oder die andere Oper von Gluck wie-\nder auf die Bühne bringt, diese sehr bald wieder von dem\nRepertoire verschwinden wird.\nDie komische Oper hat ausser der Etoile du Nord\nnoch drei bis vier Operetten gebracht, die sammt und son-\nders nichts zu bedeuten haben; sie hatte sich zur Wieder-\nAu In ahme von Halevy's Pre aux Clercs entschliessen müs-\nsen, deren Resultat ich nicht weiter kenne, als dass ich die\nAnkündigung davon mehrere Male gelesen habe; denn diese\nOper wieder mit anzuhören, kann man einem Deutschen,\nwenn er auch schon ein Dutzend Jahre in Paris wohnt,\ndoch nicht zumuthen.\nDesto üppiger sprosste die junge Saat am dritten\nOpern-Theater, dem Theälre lyrique. Da finden wir ein\nvolles Dutzend Neuigkeiten. An Opern von drei Acten sind\ndarunter: La Fille invisible von A. Boieldieu (den 24.\nFebruar), La Promise von Glapisson (den 16. März), Le\nMuletier de Toledevon Adam (den 16. December); die\nübrigen sind einactige Operetten, von denen Adam und Gla-\npisson jeder noch eine, und E. Reyer, Henrion. Ge-\nvaert, E. Gautier, P. Pascal die übrigen geliefert ha-\nben. Ausser der Promise und dem Muletier de Tolede ist\nalles Andere bereits wieder verschwunden. Damit soll aber\nnicht gesagt sein, dass diese beiden Opern Werke von blei-\nbendem Werthe sind; sie sind ebenfalls nichts als Mach-\nwerke, Gerichte aus geringem, sehr gewöhnlichem Stoffe,\nmit pikanter Sauce dem pariser Publicum aufgetischt, und\ndieses Publicum geht ins Theater wie in eine Restauration,\nweniger der Gerichte, als der hübschen Kellnerin wegen,\ndie sie aufträgt oder vorträgt, wie Madame Cabel ihre Vo-\ncal-Variationen. Diese Dame ist die Hauptstütze des\nlyrique; wesshalb? ja, wer das zu enträthseln wüsste! Sie\nhat eine schöne Figur und sieht hübsch aus, ist aber nicht\nmehr jung; ihre Stimme ist ein hoher Sopran, ziemlich\nstark und scharf in der Höhe, aber in der Mitte und gegen\ndie liefe hin hat sie jenen näselnden, nichts weniger als\nwohllautenden, dumpfen Klang, den man häufig bei franzö-\nsischen Sängerinnen findet. Ihre Coloratur ist blendend,\naber keineswegs correct, und der Vortrag wird durch das\nHerausstossen einzelner Töne und durch eine kolossale Ge-\nschmacklosigkeit oft geradezu unausstehlich. Trotz alle-\ndem ist sie der Liebling der Besucher des lyrischen Thea-\nters, welches auf dem Boulevard wo Paris auf-\nhört, aber das Land noch nicht anlängt, liegt."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3067, "texte": "Der Haupt-Lieferant iür diese Bühne bleibt stets Herr\nAdam; man nennt sie desshalb auch nur /je\nMr. Adam.Er hat in den letzten zwei Jahren lür dasselbe\ngeschrieben: Si jelüis Roi\njou perdu Le Muleticr,alles Opern von drei Acten, und\ndaneben drei oder vier kleinere von Einem Acte. Und das\ngeht fabrikmässig; so wurde z. B. am 16. December v. J.\nDer Maulthiertreiber, und acht Tage darauf, am 24., die\nOperette A Clichyzum ersten Male gegeben. Die\nartisle hat daher nicht Unrecht, wenn sie das Repertoire\ndes lyrischen Theaters mit den Worten charakterisirt: Heute\nOper von Adolf Adam, morgen Oper von Adam Adolf,\nübermorgen von Adolf Adam u. s. w. und wenn sie\nihm (olgendeNeujahrs-Karte, sarkastisch genug,unterschiebt:\n„ Adolf Adam, Mitglied des Instituts. Patentirter Lie-\nferant des lyrischen Theaters, ohne Garantie lür musicali-\nsches Genie. Verfertigt Duos, Trios, Arien, Couplets, En-\nsemble-Stücke und alles,- was in sein Fach schlägt, zu bil-\nligstem Preise und nach aller Welt Geschmack. Alle Be-\nstellungen werden mit der grössten Schnelligkeit ausge-\nführt, eine dreiactige Oper binnen 24 Stunden, eine zwei-\nactige in 12, eine einactige in 6 Stunden, indem der Fa-\nbricant genau genommen nur so v.el Zeit dazu in Anspruch\nnimmt, als nöthig ist, die Noten aufzuschreiben.\nBei dieser musicalischen Fruchtbarkeit, in welcher frei-\nlich das Unkraut überwuchert, ist es fast unbegreiflich, dass\nauf demselben Boden auch noch ein kritisches Feuilleton\nerwächst, und man muss die Thätigkeit und noch etwas\nmehr des berühmten Mitgliedes der Akademie bewundern,\nwenn man z. B. von ihm selbst geschrieben, mit A. Adam\nunterzeichnet, lies't: „Der allgemeine Tonkünstler-Verein\nhat sehr wohl daran gethan, das Fest der h. Cacilia wieder\nzu beleben. Zwei gewichtige Werke sind bereits für diese\nFeier geschrieben worden, die Messe von A. Thomas und\ndie meinige.\" Dergleichen ist übrigens bei Herrn\nAdam nicht selten; es gibt ausser ihm in Frankreich und\nWagner in Deutschland keinen Musiker, der sich selbst für\nseine eigene Nase so unverschämt dicke Weihrauchwolken\nanzündete, dass ein Rhinoceros davon Kopfweh bekommen\nkönnte. -\nDas jüngste Kind des Vielschreibers, dessen ursprüng-\nliches Talent für die leichte Musik-Gattung nach und nach\nsich so mit der Trivialität gemein macht, dass es bald gar\nnicht mehr zu erkennen sein wird, ist der oben genannte\n„Maulthiertreiber von Toledo\". Das Buch ist selbst für\nden, der an die gegenwärtigen Texte der französischen ko-\nmischen Oper gewohnt ist, eine ungeniessbare Pastete von\nReminiscenzen aus Johann von Paris und fabelhaftem Un-\nsinn, und wenn der Componist sich durch die Poesie be-\ngeistern, oder gar das Gedicht die Musik erzeugen soll, wie\nWagner will, so ist Adam sehr zu entschuldigen, dass er\neine so erbärmliche Musik zu Tage gefördert hat. Vielleicht\nhat er wegen des schlechten Textes vorgezogen, der Cabel\neine Menge von schulmässigen Vocalisations-Uebungen ohne\nWorte in den Mund zu legen ? Dieses ewige Einerlei einer .\nSpieldose ohne Ausdruck und Geschmack wird geradezu\nwiderlich.\n(Schiuss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-01-27-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-01-27_01#c003", "volume": "bmtnabi_1855-01-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "29", "page_fin": "30", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.2.3", "titre_corps": "Aus Münster.", "titre_sommaire": "Aus Münster.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.5", "debut_caractere": 3069, "fin_caractere_exclue": 4815, "texte": "Aus Münster.\nDen 12. Januar 1855.\nSie wissen, verehrter Herr, wie selten ich die Feder\nzur Hand nehme, um Ihnen über Musicalisches von hier zu\nberichten, und so werden Sie auch beim Erhalten dieser\nZeilen voraussetzen, dass ein Gegenstand von besonderem\nInteresse mich dazu veranlasst hat. Es herrscht übrigens\nim Ganzen bei uns, wenn wir auch nicht so viel Wesens\ndavon machen, wie wohl anderwärts geschieht, eine sehr\nlobenswerlhe Thätigkeit auf dem musicalischen Felde; als\neinen Beweis davon muss man allein schon die Thatsache\nanerkennen, dass wir seit mehreren Jahren in jeder Saison\nsechszehn Abonnements-Concerte haben, in denen uns\neine reiche Auswahl schöner und gediegener Werke vor-\ngeführt wird. Dass die Leitung eines solchen Instituts eine\nangestrengte Thätigkeit, aufrichtige Liebe zur Sache, eine\nbegeisterte Hingebung erfordert, um die Meisterwerke wür-\ndig auszuführen, ist eine Sache, die durch sich selbst be-\ndingt ist; und mit Recht und mit Stolz können wir sagen,\ndass diese vortrefflichen Eigenschaften in unserem verdienst-\nvollen Dirigenten Karl Müller vereinigt sind, dessen\nrühmlicher Ausdauer wir gar schöne und vielfältige Ge-\nnüsse zu danken haben. Dazu kommt, dass unsere musica-\nlischen Kräfte eine Einheit bilden, was uns einen Vorthei!\nvor manchen Städten gibt, wo Spaltungen ein Zusammen-\nwirken grosser Massen gar häufig hindern.\nGanz besondere Aufmerksamkeit widmet man hier der\nCäcilien-Feier, zu deren Verherrlichung immer ein Orato-\nrium zur Aufführung gebracht wird, und hatte man für\ndieses Jahr Samson von Händel gewählt, ein Werk,\nwelches nicht nur iür die Sänger höchst dankbar, sondern\nauch dem Publicum durch seine Kürze und seine dramati-\nsche Handlung am verständlichsten ist. Dass zu einer aus-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3908, "texte": "serordentlichen Auffuhrung auch ausserordentliche Krälte\ngehören, weiss man hier zu gut, um nicht dafür auch ge-\nhörige Sorge zu tragen, und so hatte man zu den Solo-\nPartieen die betreffenden Persönlichkeiten aus Köln ge-\nwählt: die Damen Fräul. Nina Hartmann und LeVy,\ndie Herren E. Koch und Schiffer. Vortrefflich vorbe-\nreitet, kam der Tag der Aufführung, der 9. Januar*), heran,\nund waren unsere Erwartungen durch die Generalprobe,\nwelcher schon über 300 Personen beiwohnten, völlig be-\nfriedigt, so wurden sie durch die Aufführung noch bei Wei-\ntem übertroffen. Die Hauptstärke Händel's beruht in der\nGewalt seiner Chöre, die so grossartig und erhaben sind,\ndass er bis auf den heutigen Tag noch unerreicht dasteht\nund wohl auch schwerlich jemals erreicht werden wird, be-\nsonders wenn sich die Componisten der Ansicht einer ge-\nwissen Partei anschliessen, welche den Standpunkt Hän-\ndel's, so wie den Haydn's und Mozart's für längst über-\nwunden hält, ö ihr Thoren, die ihr die Sonne zu sein\nglaubt und doch nur deren Flecken bildet!\nDie Aufführung selbst war mit Einem Worte vollen-\ndet ; so vortrefflich ist uns noch kein Werk zu Gehör ge-\nbracht worden, als dieses Mal Händel's Samson, Die Chöre\nwurden mit so feiner Nuancirung gesungen, dass wir sämmt-\nlichen Mitwirkenden unsere vollste Anerkennung zollen\nmüssen über die Sicherheit und Leichtigkeit, womit sie den\nmusicalischen Stoff beherrschten. Ehre dem Dirigenten, der\nseine Umgebung so in den Geist des Componisten einweihte\nund dem zahlreich versammelten Publicum den Beweis aufs\nNeue lieferte, wie unter seiner Leitung die musicalischen\nLeistungen sich immer vollkommener gestalten.\nDass die Solosänger nicht wenig zur Hebung des Gan-\nzen beitrugen, müssen wir allerdings dankbar anerkennen,\nund stand Herr Koch in der Partie des Samson als wür-\ndiger Repräsentant oben an. Aus früherer Zeit noch in gu-\ntem Andenken, war er nach mehrjähriger Abwesenheit uns\nein herzlich willkommener Gast, und müssen wir bekennen,\ndass seine Stimm-Mittel jetzt in noch grösserer Frische her-\nvortraten, was sich in den beiden Arien zeigte, von denen\ner besonders die erste: „Nacht ist's umher\" auf ergrei-\nfende Weise sang. Als declamatorischer Sänger ist Herr\nKoch gleich bedeutend, wovon er in den herrlichen Recita-\ntiven den Beweis lieferte. Interessant war es, zu gleicher\nZeit zwei Schülerinnen von Herrn Koch zu hören. Fräul.\nN. Hart mann brachte die De lila so vortrefflich zur\nAustührung, dass wir nur bedauerten, dass die Partie\nso klein, und uns der Genuss dieser schönen Stimme\ndadurch verkürzt wurde. Wenn Frl. Hartmann, die noch so\njung, mit gleichem Eifer, wie bisher, ihre Studien fortsetzt,\nwird ihr eine bedeutende Zukunft nicht fehlen. Fräul. Levy\n(Mi call) hat, wenn auch keine so grosse, doch eine schöne,\nklang- und seelenvolle Stimme, die sich den Weg zum Her-\nzen der Hörer bahnt, welches mit der Arie: „0, hör' mein\nFlehn\", unverkennbar der Fall war; und hier, als der Chor\nhinzutrat, brachte dieser mit den Worten: „Und zählen ihn\nden Todten zu\", mit seinem vortrefflichen Pianissimo eine\nWirkung hervor, wie wir sie noch nie gehört. Was uns\nbei Frl. Levy aufgefallen, war ein häufiges Tremoliren, in\nder Aufführung jedoch weniger, als in der Probe, Sollte es\nBefangenheit gewesen sein? An der Methode des Lehrers\nkann es nicht liegen, da man weder bei Herrn Koch, noch\nbei Frl. Hartmann eine solche Bemerkung machte. Herr\nSchiffer (Manoah) sang seine Partie mit Kraft und Aus-\ndauer, welche zu der oft hohen Lage erforderlich ist, wo\nsonst der Sänger gar leicht ermattet. Ein heiteres Mahl\nbeschloss den Abend, und wollen wir dem Wunsche unse-\nres wackeren Dirigenten, „dass die Eintracht stets unter\nuns bleibe\", von Herzen beistimmen, damit wir noch viele\nsolcher vortrefflichen Aufführungen zu Stande bringen.\n★ * ★\n*) Die Aufführung war wegen eines Trauerfalles, welcher Herrn\nDirector Müller getroffen, verschoben worden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-01-27-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-01-27_01#c004", "volume": "bmtnabi_1855-01-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "31", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.2.4", "titre_corps": "Aus Darmstadt.", "titre_sommaire": "Aus Darmstadt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.6", "debut_caractere": 3910, "fin_caractere_exclue": 4982, "texte": "Aus Darmstadt.\nAm 26. December v. J. fand die erste Vorstellung\nder schon längst erwarteten dreiactigen Oper „Die letz-\nten Tage von Pompeji\" nebst Nachspiel Statt (die seit-\ndem am 1 1. Jan. eine Wiederholung erlebt hat). Der Compo-\nnist, Herr Peter M ü 11 er, so wie der Verfasser des Textes,\nHeir Adolf Müller, Vater und Sohn, sind Staatsbürger\ndes Grossherzogthums. Ersterer war lange Jahre Lehrer\nder Musik am grossherzoglichen Schullehrer-Seminar zu\nFriedberg und ist gegenwärtig Pfarrer auf einem benach-\nbarten Dorfe. Der Sohn ist grossherzoglicher Forstbeamter\nUmstände, die auf die Inscenesetzung ihres gemein-\nschaftlichen Werkes grossen Einfluss geübt. Das Buch ist\nnach dem Roman ,von Bulwer bearbeitet und hat ausser\nder durchweg edlen Sprache gar wenig anderes Verdienst;\nja, um dem Componisten gerecht zu sein, müsste man das-\nselbe Klagelied anstimmen, wie bei dem allergrössten Theile\nähnlicher Bearbeitungen. Ein Gemengsei von längst ver-\nbrauchten Situationen, in die sogar Episoden von Christen-\nChören verflochten sind, bildet den unzusammenhancenden"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1251, "texte": "Zusammenhang dieser Oper. rPeter Müller's Musik\", re-\nferirt „ „Die Muse\" \" in Nr. 3, „erinnert unwillkürlich an\njenen Jüngling, der, zur günstigen Stunde an dem Zauber-\nberge vorüberkommend, eine OelFnung gewahrte, eintrat\nund selige Stunden darin verbrachte; als er wieder heraus-\ntrat, war die Welt inzwischen um fünfzig Jahre älter ge-\nworden. ... In landlicher Abgeschiedenheit, fast unberührt\nvon dem Ivata racten - Gebrau s e der musicalischen Mode, an\nder blandusischen Quelle classischer Vorbilder, sind diese\nlieblichen musicalischen Rhythmen entstanden, während der\nTondichter vom Jünglings- ins Mannes- und Greisenalter\nvorschritt, und noch in dieses die ganze Frische, Feinheit\nund Elasticität der jungen Einbildungskraft mit hinüber-\nbrachte. . . . Man denke dabei ja nicht an Veraltetes oder\nüberaus Idyllisches; Müller versteht es, die Leidenschaft so\nergreifend zu malen, als der Lyrik ihren Schmelz zu geben;\ner weiss die echt künstlerischen, auf Wahrheit beruhenden\nEffecte so glücklich hervorzuheben, als irgend ein neuer\nCompositeur, wenn er auch nicht zu den gewagten und\ngepfefferten Mitteln seine Zuflucht nimmt\" u. s. w. Die\nOper hatte sich in beiden Vorstellungen grossen Beifalls zu\nerfreuen und ist prachtvoll ausgestattet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-01-27-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-01-27_01#c005", "volume": "bmtnabi_1855-01-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.2.5", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.7", "debut_caractere": 1253, "fin_caractere_exclue": 3775, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\nS.\nOefters schon haben gewisse musicalische und belletristische\nBlätter, die Richard Wagner-'s Musik das Wort reden, dem Gene-\nral-Musik-Director Lachner zu München die alleinige Schuld bei-\ngemessen, dass Wagner's Opern vom dortigen Repertoire ausge-\nschlossen bleiben. Wiederum begegnen wir in Nr. 15 der Didas-\nkalia einer ähnlichen Anklage aus München. Diesem Gekläffe ge-\ngenüber dürfte es wohl an der Zeit sein, durch dieses Organ in\nErinnerung zu bringen, welches Urtheil über R. Wagner's Musik\nsich der Intendant des münchener Hoftheaters, Dr. Dingelstedt,\nnach Anhörung des Lohengrin zu Weimar gebildet hat.\nDie Allgemeine Zeitung vom 3. September 1853 mit dem Be-\nrichte über das Gehörte liegt dem Einsender vor. Daraus entneh-\nmen wir folgende bezeichnende Stellen: „Statt der Sänger declami-\nren und vegetiren die Instrumente; die Flöten girren um Liebe,\ndie Geigen streiten, Bässe und Pauken grollen gegen sich; dazwi-\nschen schreit das Blech, die Trompete, plötzlich grell auf, dass dem\nZuhörer und Zuschauer Hören und Sehen vergeht. Das geht ohne\nAbsatz so fort, bis der Vorhang fällt; kein Recitativ, kein Andante,\nkeine Cabaletta, auch kein Duett, sondern nur ein Wechselgesang\nzwischen Personen, auch kein Ensemble-Stück im alten Stil, nir-\ngends ein Ruhepunkt, überall Bewegung, Hätz und Hast, eine\nwilde Kraft, die zuweilen zum Schwulst sich überspannt, eine süsse\nEmpfindsamkeit, die in süsser Empfmdelei nicht selten erschlafft.\nWas wir anderwärts als musicalischen Gedanken, als melodisches\nElement in der Oper festzuhalten wussten, taucht nur stellenweise\nauf; die Woge der Harmonie, die Sturmflut der Instrumentation\nerfasst, entführt, verschlingt es gleich wieder. Wir fühlen uns, wie\nauf einer grossen Seefahrt, elementarischen Kräften, dämonischen\nNaturgewalten zum Spiel hir.gcgeben, zum Himmel gehoben und\nin den Abgrund gestürzt, vom Sturme geschüttelt, von der Welle\ngeschaukelt, alles feste Land, alle gewohnte Umgebung weit, weit\ndahinten, und vor uns unbekannte Küsten, ungeahnte Ziele.\"\nBedarf es wohl noch mehr, um F. Lachner der Schuld entho-\nben zu sehen, dass R. Wagner bis nun keinen Zutritt in München\ngefunden? Wenn der Intendant selbst in solcher Weise den Stab\nüber Wagner's Musik gebrochen, was könnte es wohl nützen, sie\ngegen ihn zu vertheidigen ? Die Propagandamacher müssen sich\ndaher zunächst bemühen, den Intendanten für den neuen Messias\nzu gewinnen. Das dürfte aber bei Dingelstedt's Gesinnung in sol-\nchen Sachen ein saures Stück Arbeit werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-01-27-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-01-27_01#c006", "volume": "bmtnabi_1855-01-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "32", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.7", "debut_caractere": 3777, "fin_caractere_exclue": 6096, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBiöln. Die wöchentlichen musicalischen Nachrichten über\nKöln und den Bericht über das siebente Gesellschaft s-\nConcert am 23. d. Mts. müssen wir wegen Unwohlseins des Re-\nferenten auf die nächste Nummer verschieben.\nMarie Cruvelli, die jüngere Schwester der berühmten Sän-\ngerin, ist Ende December v. J. in Frankfurt am Main als Fi-\ndes im Propheten aufgetreten.\nWien. Die Gast-Vorstellung des Fräul. Westerstrand aus\nStockholm als Amine in der Nachtwandlerin war eine durchaus\nverunglückte. Der dünne Faden ihrer Stimme reicht nicht einmal\nfür den rein lyrischen Gesanges-Vortrag aus und kann nur im\nMezza voce sich nothdürftig behaupten. So oft es gilt, das Wort\ndramatisch zu betonen, zeigt sich ihre beinahe gänzliche Stimmlo-\nsigkeit auf die traurigste Weise. Das charakteristische Kennzeichen\nihres Vortrages ist Mattigkeit und Gedehntheit; selbst die hübschen\nelegischen Weisen in der Musik Bellini's, denen ihre Stimm-Mittel\nnoch am besten gewachsen wären, verlieren durch die Art ihres\nVortrages alle Wirksamkeit. Das ist keine künstlerische, schöne\nKlage mehr, das ist ein unschmackhaftes, widerliches Weinen, dem\ndie zäheste Geduld nicht Stand hält. Triller, Läufe und andere Co-\nloraturen gelingen ihr noch am besten; allein es fehlt auch diesem\nverzierten Gesänge an Reiz und Schwung, das Publicum war offen-\nbar sehr verstimmt, und mit Recht.\nWilhelmine Clauss hat grosse Triumphe in Holland\ngefeiert; jede Stadt wollte die treffliche Künstlerin hören, und sie\nkonnte kaum allen Einladungen genügen. Sie ist gegenwärtig in\nWien.\nAlexander Dreyschock hat kürzlich in Kopenhagen\nsehr besuchte Concerte gegeben und besonders durch seine Va-\nriationen für die linke Hand auf G Aufsehen erregt.\nIn Turin sind am 26. December v. J. Meyerbeer's Huge-\nnotten zum ersten Male gegeben worden und haben grossen Bei-\nfall gefunden. Luther hat sich wohl nicht träumen lassen, dass sein\nChoral einst werde in einer Hauptstadt von Italien auf der Bühne\ngesungen werden! Den Marcel sang Beletti, die Valentine die\nLa Grua, den Raoul Bettini.\nParis. Der Tenor Neri-Baraldi ist in der grossen Oper\nals Fernand .in der Favorite (neben Mad. Stoltz, welche sich wie-\nder mit der Direction geeinigt hat) aufgetreten, in welcher Rolle\nbekanntlich Roger ausgezeichnet war. Im vorigen Jahre genügte"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 709, "texte": "Herr Neri-Baraldi kaum als zweiter Tenor bei den Italiänern; wie\nkommt er dazu, als erster Tenor in der kaiserlichen Akademie gel-\nten zu wollen? Er hat eine dünne Stimme, singt zwar correct, aber\nentsetzlich kalt, und seine Züge haben nicht den geringsten Aus-\ndruck. Als Schauspieler ist er vollends gar nichts.\nNach der einen musicalischen Zeitung von Paris reis't Ber-\nüoz nach Brüssel, um dort drei Mal hinter einander seine En-\nfance du Christ aufzuführen, nach der anderen aber nach Deutsch-\nland, wo die Pforten aller Concertsäle und aller Theater ihm offen\nstehen. „Schon wird das Werk in Weimar studirt, wo Liszt die\nProben leitet.\" Das Letztere ist sehr möglich. Berlioz ist übrigens\nnoch in Paris."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-01-27-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-01-27_01#c007", "volume": "bmtnabi_1855-01-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.2.7", "titre_corps": "Zur Aufklärung.", "titre_sommaire": "Zur Aufklärung.", "signature_source": "A. Schindler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.8", "debut_caractere": 711, "fin_caractere_exclue": 2611, "texte": "Zur Aufklärung.\nA. Schindler.\nDas musicalische Publicum erwartet mit Grund, dass Seitens\ndes Unterzeichneten auf den von Herrn Musik-Director Messer in\nNr. 50 der Niederrheinischen Musik-Zeitung vor. Jahrgangs veröf-\nentlichten Brief eine Aufklärung erfolgen müsse. Verschiedene Ur-\nsachen haben diese bis heute verzögert, und wäre ich noch ausser\nStande, sie genau zu geben, hätte nicht der Zufall beim Aufsuchen\nder erforderlichen Daten mitgewirkt.\nAm 27. Februar 1852 fand die erste Aufführung der drei Sätze\nder neunten Sinfonie Statt. Schon im nächstfolgenden, und zwar\nletzten Museums-Concerte der Saison, am 12. März, wurden sie\nwiederholt. Diese rasche Aufeinanderfolge der beiden Aufführungen\nist als Grund anzunehmen, dass sich Niemand mehr dieser That-\nsachen erinnert hat, der Unterzeichnete gleichfalls nicht, daher für\njene Musik-Saison nur eine Aufführung im Gedächtniss verblie-\nben ist. Aber in diesem Concerte vom 12. März 1852 hatte zu-\ngleich die Aufführung des Hummel'schen Septuors Statt, vorgetra-\ngen von Herrn Schoch und Anderen. Diese Thatsache ist in mei-\nnem Briefe vom 14. März an Herrn Messer ebenfalls erwähnt. Und\ndarin liegt der stärkste Beweis, dass sich das in diesem Briefe\n(daraus wohlweislich nur eine Stelle veröffentlicht erscheint) vor-\nfmdliche Lob auf jene Aufführung der Sinfonie-Sätze bezieht,\nnicht aber auf die am 11. März 1853 Statt gehabte, die ich irr-\nthümlich für die zweite gehalten, da es die dritte gewesen. Die-\nser letzten aber gilt der in Nr. 46 der Niederrheinischen Musik-\nZeitung von mir ausgesprochene Tadel; diese Aufführung nannte\nich mit gutem Gewissen „eine Blasphemie auf den Geist des\nWerkes\".\nSomit wäre das von Herrn Messer hingestellte Nebelbild zer-\nflossen und der Widerspruch einfach aufgehoben. Das Nachlesen\nder betreffenden Stellen in genannter Nummer der Musik-Zeitung\nwird diese Auseinandersetzung erst recht bekräftigen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.1", "texte": "Musik und Theater in Wien.\nII.\n„Von einem Opernsänger fordern wir zu allererst den\nWohlklang der Stimme sammt reiner Intonation,\nferner die technische Ausbildung derselben, sodann\naber, und zwar als Conditio die Kennt-\nniss des musicalischen Vortrages. Zur Erfüllung\ndieser letzteren Bedingung müssen die vorher genannten\nals erfüllt betrachtet werden können. Nur eine wohl-\nklingende, reine, gleichartig und biegsam gewordene Stimme\nist im Stande, die verschiedenen Schätzungen, welche\nzu einem guten Vortrage gehören, genau und richtig\nauszuführen, und nur ein guter Gesang-Unterricht kann\ndem Sänger den richtigen Gebrauch dieser Schätzungen\nbeibringen.\nIst nun einmal diese Bedingung des correcten\nSingens erfüllt, dann, aber auch nur dann, ist es an\nder Zeit, an schauspielerische Eigenschaften zu denken,\ndramatische Gestaltung zu verlangen. Sind wir aber jetzt\nso weit? Wo ist im Kärnthnerthor-Theater— seit\ndem Austritte Staudigl's ein Sänger, dessen Gesan-\nges-Vortrag geeignet wäre, den eben ausgesprochenen An-\nforderungen zu genügen? Wir schätzen die Kraft\nund Tüchtigkeit des Herrn Draxler den markigen Ton\nund das ehrenwerthe Streben des Herrn Beck—wir eh-\nren die sichere Intonation, die musicalische Festigkeit des\nHerrn Erl den Fleiss und Eifer des Herrn Kreutzer\nwir staunen ob der Stimmbildung des Herrn Steg er\nwir lühlen uns angezogen von der feinen Darstellungs-\nweise, von der intelligenten Auffassung, von der leiden-\nschaftlichen Gluth des Herrn Ander —aber alle diese\nmehr oder minder erfreulichen Zugaben sind weit ent-\nfernt von dem, was wir einen correcten, geschmack-\nund empfindungs vollen Vortrag nennen. Wir spra-\nchen eben von den männlichen Mitgliedern unserer Oper;\nmit den weiblichen steht es noch weit schlimmer.\n„Wir können übrigens den Leser nie oft genug auf-\nmerksam machen, dass wir in dieser Hinsicht eine nichts\nweniger als übertriebene, aussergewöhnliche\nForderung stellen; wir müssen bei der herrschenden\nBegriffs-Verwirrung eindringlich wiederholen, dass wir un-\nter richtigem Vortrage die Befolgung jener Regeln\nverstehen, deren Erklärung man in jedem Elementar-Unter-\nrichtsbuche für Musik finden kann, jener Regeln vom\nTempo, von der Tact-Eintheilung, von den guten und\nschlechten Tacttheilen, von der Wichtigkeit einzelner Noten,\nje nach ihrem Werthe oder ihrer Stellung u. s. w., jener\nRegeln, die jedes Kind begreifen kann, und die auch mei-\nstens in der Jugend gelernt, mit der Zeit aber, im Drange\neines falschen Ehrgeizes, einer verderblichen Effecthascherei,\nbei Seite gelegt werden. Kein vernünftiger Mensch wird es\nläugnen wollen, dass nur die strenge Befolgung dieser Re-\ngeln einen wahrhaft correcten Gesang zur Folge haben\nkönne, und dass diese Correctheit das eigentliche, unerläss-\nliche Fundament bildet zu einer schönen Gesangesleistung.\nAber die Correctheit allein macht es nicht aus, es muss\nauch Gefühl und Geschmack hinzugefügt werden und\nhierin liegt die von so Vielen als unüberwindlich betrach-\ntete Schwierigkeit lür den modernen Sänger —, die Schwie-\nrigkeit, jene vom guten Geschmack gebilligte, ja, verlangte\nSchattirung, jenen von dem Worte und der Situation\ngeforderten Gefühls-Ausdruck zu finden und anzu-\nwenden, ohne die natürlichen Regeln tactischer\nund rhythmischer Noten-Betonung aufzugeben.\n„Das Geg entheil, die höhere Intelligenz, welche dis-\ntonirt, die prägnante Charakter-Darstellung, welche über-\nhudelt, die zerfliessende, vornehmthuende Schwärmerei,\nwelche rallentirt, der hochpoetische Pathos, welcher keine\nordentliche Scala zu singen weiss, diese eben so lächerliche\nals schädliche Anmaassung, mit welcher die modernen\nOpernsänger im Allgemeinen, hauptsächlich aber die Re-\npräsentanten so genannter „ „ dramatischer\"\" (leidenschaft-\nlicher) Partieen, sich berechtigt, ja, sogar verpflichtet hal-\nten, „ „aller Regeln\"« zu spotten diese Anmaas-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.2", "texte": "sung muss unbarmherzig getadelt, überall, wo sie sich zeigt,\nverfolgt und ausgerottet werden.\n„Diese Herren und Damen sind grösstentheils noch\nnicht über die ersten Elemente des musicalischen Unter-\nrichts hinaus; Stimm-Ansatz, Intonation, Abstufung, Beto-\nnung lässt mehr oder weniger bei Jedem so viel zu wün-\nschen übrig, dass, wer nur lür reinen Gesang Verständniss\nhat, mitleidig lächelnd die Achsel zuckt, wenn von der Be-\nfriedigung höherer Anforderungen im Opernhause die\nRede ist. Höhere Anforderungen! An einem Orte, wo die\nersten, einfachsten, natürlichsten Gesetze der Vernunft alle\nAugenblicke von so genannten „ „ersten\" \" Sängern und\nSängerinnen mit Füssen getreten werden! wo\\ man den\nUnterschied zwischen einer Achtel- und einer Sechszehntel-\nNote, zwischen dieser und einer Triole, zwischen Noten\nmit und ohne Punkt kaum mehr vom Hörensagen kennt!\nwo das Schleppen, Zerren, Distoniren u. s. w. zur tägli-\nchen Gewohnheit und das Temp zur herrschenden\nNorm geworden ist! Höhere Anforderungen! Wo unge-\nstraft die ärgsten Verstösse gegen die Vernunft, den besse-\nren Geschmack, das feinere Gefühl unablässig und auf eine\nWeise begangen werden, welche im recitirenden Schau-\nspiel, nur halb so arg versucht, ihrer verdienten Strafe nicht\nentgehen würde! Der Schauspieler hat im Allgemeinen\nkein bestimmtes Zeitmaass zu beobachten, und dennoch,\nwie rasch empfindet es das Publicum, wie schärf rügt es\ndie Kritik, und zwar nicht mit Unrecht, wenn ein Schau-\nspieler oder eine Schauspielerin sich erlaubt, einen Satz\netwas gedehnt zu sprechen! Inder Oper ist das maass-\nund zwecklose Ritardiren zur stehenden Norm ge-\nworden; beinahe jeder dramatisch oder musicalisch wirk-\nsame, oder mindestens lür wirksam gehaltene Moment wird\ndurch ein plötzliches Aufhalten und Dehnen markirt, was\neben so unpraktisch in der Ausführung ist, als sträflich in\nder Theorie; denn dieses plötzliche Zurückhalten im Mo-\nmente der Spannung ermüdet die Aufmerksamkeit und ver-\nmindert die Wirkung des Ganzen, statt sie zu erhöhen, und\nzwar um so mehr, als wirklich ein gränzenloser Miss-\nbrauch damit getrieben wird. Das Gleiche gilt von den\nBetonungs-Fehlern. Reine Intonation, obwohl auch\nschon eine seltene Erscheinung, kommt doch noch zu Zei-\nten vor; aber gehörige Abstufung und richtige\nBetonung der Noten ist im Kärnthnerthor-Theater\nfast gänzlich zur Mythe geworden.\n„Gegenüber einer offenbaren Unkenntniss der musicali-\nschen Regeln erscheint es sonderbar, wenn man über Man-\ngel an Spiel und Auffassung klagen hört. Gebt uns zuerst\nSänger und Sängerinnen, die zu singen verstehen, dann\nkönnen dieselben, wenn sie schauspielerisches Talent be-\nsitzen und ihnen Gelegenheit zur weiteren Ausbildung ge-\nboten wird, auch diese letztere erlangen. Was nützt ihnen\naber Geschick und Talent, Feuer und Intelligenz, wenn sie\ndas nicht gelernt haben, was für sie die Hauptsache\nsein muss, wenn sie nicht singen gelernt haben? Leider\nkommen wir nach unserer langen Motivirung zu dem Aus-\nspruche, dass jene die ersten Fächer ausfüllenden Mitglie-\nder, wenn auch einige nicht ohne Begabung, doch was\nStimme und Gesang mit allen damit verbundenen Eigen-\nschaften betrifft, sämmtlich Naturalisten sind.\"\nWir brechen hier die scharfen, aber von wahrem Eifer\nfür die Kunst zeugenden Auslassungen über das wiener\nOpern-Personal ab, welche um so mehr gelesen zu werden\nverdienen, als sie das Uebel an der Wurzel angreifen, und\nfügen noch einige Mittheilungen über das Opern-Repertoire\nder beiden Hofbühnen unter Laube's und Cornet's\nLeitung hinzu.\n„Das Repertoire des Burgtheaters, obwohl zu Zeiten\nvernachlässigt, verlor auch in den mattesten Perioden nie-\nmals seine solide Grundlage. Es wäre ungerecht, zu ver-\nkennen, dass seit dem Ihrections-Antritte des Herrn Laube,\nalso seit fünf Jahren, diese Grundlage nicht nur nicht er-\nschüttert, sondern in vielfacher Beziehung gekräftigt wurde.\nEin unbedingtes Lob wäre hier freilich nicht gut an-\nwendbar; Herr Laube hat, wie in so manchem Anderen,\nauch in seiner Repertoire-Bildung Eigenheiten, welche, zu\nweit getrieben, leicht zu bedeutenden Fehlern anwachsen\nkönnten. Wir gehören auch zu den Ersten, welche dem\nartistischen Director des Burgtheaters das zu Zeiten her-\nvortretende Spielen mit dem Possenhaften, die beinahe un-\nwillkürliche Hinneigung zum Grobkörnigen vorgehalten ha-\nben; „ „aber\"\" pflegt der Feldherr zu sagen\nmuss immer das Ganze überschlagen\"\", und dieses\n* „ Ganze\" \" zeigt uns im Burgtheater einen Anblick, woran\nder Kunstfreund, der Kritiker und die grosse Menge ihre\nFreude haben können. Jene Stücke, welche da nicht mehr\nhineintaugen, bilden eine kleine Minderheit; gegen die grosse\nMehrzahl der aufgeführten Werke ist vom Standpunkte der\nstrengsten Theater-Kritik nichts einzuwenden, es sind dies\ndie beliebten Repertoire-Stücke der letzten Zeit, welche,\nwenn auch nicht von bleibendem Werthe, doch desswegen\nnicht werthlos sind, und überdies wenigstens durch eine\ngute Darstellung neu belebt werden; ferner mit weni-\ngen Ausnahmen die anregendsten neuen Producte ein-\nheimischer und fremder Autoren, endlich ein mit jedem"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.3", "texte": "Jahre vermehrter, dauernd erhaltener und fortwirkender\nKreis der classischen Dramen, daher ein Repertoire, wie\nman es, Alles in Allem genommen, vielleicht niemals, so\nreichhaltig und kräftig gesehen, und zwar um, so\nmehr, als das systematische Fortschreiten auf dieser Bahn\neine gute Bürgschaft des neuen Aufschwunges enthält.\n„ Auf welch erschreckendem Standpunkte der Unfähig-\nkeit, der Selbsttäuschung oder der systematischen Lobhu-\ndelei müssen jene angelangt sein, welche nicht eingestehen\nwollen, wie sehr das Opern-Repertoire der Gegenwart von\nder Befriedigung ähnlicher Ansprüche entfernt ist!\n„Von den 34 Opern, welche im ersten Directions-\njahre des Herrn Cornet auf 224 Abende vertheilt wur-\nden, gehören 20 mit 114 Vorstellungen den Erzeugnissen\nder Herren Auber, Balfe, Bellini, D onizetti, Flo-\ntow, Thomas und Verdi. Die Geschmacklosigkeit eines\nsolchen Repertoires und dessen verderblicher Eintluss\nauf das Publicum, auf die Sänger, auf die Kunst des Ge-\nsanges, auf die Bestrebungen der Componisten u. s. W.ist\nausser allem Zweifel. Als das beste Wirkungsmittel dage-\ngen nannten wir eine Repertoire-Reform, welche mit dem\ngänzlichen Ausscheiden Balfe's und Verdi's und dem\nReduciren der übrigen Opern von zweifelhaftem Werthe\nauf die Hälfte, sammt der wohlthätigen Beschränkung der\nallzu häufigen Wiederholungen Meyer beer'scher Werke\nbeginnen sollte. Von den 34 Opern nennen wir vorerst\nfünf Werke: „„Don Juan\"\", „ „ Die Zauberflöte\"\", „„Die\nHochzeit des Figaro\"\", „„Fidelio\"\", „ „Der Freischütz\"\",\nwelche die Grundsäulen jedes guten Repertoires bilden,\nund fünf andere: „ „Die Vestalin\"\", „ „Die weisse Frau\" \",\n„ „Wilhelm Teil\"\", „ „Die Hugenotten\"\", „ „Robert der\nTeufel\" \", welche sich denselben bestens anschliessen und\ngegen deren Aufnahme wohl schwerlich etwas Vernünftiges\neinzuwenden wäre. Die übrigen 24 Opern alle unbedingt\nzu verwerfen, kann uns nicht einfallen; das wäre unprak-\ntisch. Wir wünschten bloss einen Theil davon gänzlich aus-\nzuscheiden und die anderen, besseren in längeren Zwischen-\nräumen und in möglichst guter Besetzung aufführen zu\nlassen. Bei allem Bestehen auf Reinerhaltung künstlerischer\nGrundsätze sind wir duldsam genug, um eine Verschieden-\nheit des Geschmacks zu Gunsten der neueren Compositionen\nfranzösischen oder italiänischen Ursprungs zu begreifen;\njene Sinnes-Abstumpfung aber, jenen Gefühls-Mangel, jene\nGeistes-Armuth und musicalische Urteilslosigkeit, welche\ndazu gehört, um Auber's Verlornen Sohn, Balfe's Zi-\ngeunerin, Verdi's Hernani schön zu finden, haben wir\nnoch nicht geduldig ertragen gelernt, und seitdem die ent-\nschiedene Vorliebe für Hernani im Gegensatze zu Fidelio\nganz ohne Scheu in einem wiener Journale ausgesprochen\nworden ist, (!) seitdem wird man es hoffentlich nicht ungerecht\nfinden, wenn wir, nach dem bescheidenen Maasse unserer\nKräfte, auf die grundsätzliche Verbannung jener und ande-\nrer, ähnlicher Opern dringen. Und mussten denn die drei\nneuen Opern gerade von Balfe, F1 o t o w und Thomas\nsein ? Ist es wohl denkbar, dass man sich befriedigt erklärt\noder sich gar in hohem Grade entzückt stellt, weil unter\n11 neuen oder neu in Scene gesetzten Werken ein ein-\nziges (Die weisse Frau) gut scenirt und studirt worden\nist?!\nFünf Monate sind verflossen seit dem Beginne des zweiten\nJahrgangs der Cornet'sehen Direction. Was finden wir?\nIn fünf Monaten einen gelungenen Wurf mit Spon-\ntini's Cortez, dem nicht einmal ein zweiter nachfolgen\ndürfte, indem nunmehr der Nordstern an die Reihe kom-\nmen soll, und man wohl weiss, dass seit jeher, sobald\neine neue Oper des Herrn Meyerbeer in Aussicht steht,\nalle anderen Rücksichten verschwinden, vorzugsweise aber\ndie Gestaltung des Repertoires davon leiden muss.\n„Wo sind die artistischen Leiter der wiener Hof-\nOpernbühne, dass wir ihnen unsere Entdeckungen mitthei-\nlen? Z. B. Mozart habe ausser seinem Don Juan, Figaro,\nZauberflöte noch andere Opern geschrieben, welche nie\nvom Repertoire verschwinden sollten, und es hätten noch\nin der Vor-Balfe'sehen und Vor-Flotow'schen Periode\nandere berühmte Componisten gelebt, mit Namen Cheru-\nbini, Cimarosa, Dittersdorf, Fioravanti, Gluck,\nGretry, Mehul, Nicolo Isouard, Paer, Paesiello,\nWeber, W ei gl, Winter u. s. w.\n„ Nicht minder gegründet ist die zweite Klage, nämlich\nin Betreff der Aufführung neuer Opern. Herr Cornet\nbeschäftigt sich nicht mit classischen Opern-Reprisen und\n\"ab bereits im ersten Jahre seines Wirkens drei neue\no\nOpern, und zwar die oft genannten: Keolanthe, Matrosen,\nSommernacht, von Balfe, Flotow, Thomas. Dass es Werke\ngibt, welche besser sind als Keolanthe, Sommernacht und\nMatrosen, dürfte wohl schwerlich bestritten werden kön-\nnen. Wir gehören nicht zu jenen, welche einheimische Com-\nponisten, bloss weil es einheimische sind, begün-\nstigt zu sehen wünschen; auch die verschiedenen Capell-\nmeister-Componisten in Deutschland flössen uns kein be-\nsonderes Vertrauen ein, und die künstlerische Richtung des\nHerrn Richard Wagner zu vertreten, sind wir weit\nentfernt, Nur behaupten wir, und werden fortfahren, es zu\nbehaupten, dass das wiener Opern-Theater verpflichtet sei,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.4", "texte": "jede bedeutendere Erscheinung im Fache der Opern-Com-\nposition (und diese Bezeichnung verdienen unstreitbar\n»„ Tannhäuser\"\", „ „ Lohengrin\" *u. s. w.) dem billigen-\nden oder abweisenden Urtheile des Publicums vorzulegen,\nund dass ausserdem von den benannten ausser-österreichi-\nschen, wie von den noch unbekannten einheimischen Com-\nponisten mehr als Ein Werk geliefert werden könnte, wel-\nches nicht nur an eigentlichem dramatisch-musi-\ncalischem Werthe weit über die flachen Erzeugnisse\nder Balfe-Flot ow' sehen Richtung zu stellen wäre, son-\ndern selbst in Hinsicht auf praktisch ergiebigen Erfolg, wenn\nauch nicht allen Wünschen entsprechen, doch jedenfalls\nmehr als die Novitäten, die uns Herr Cornet gebracht hat,\ngerechten Ansprüchen genügen würde.\"\n\nPariser Briefe.\nIch habe noch eine kleine Nachlese aus dem vorigen\nJahre zu halten, Nachlese im eigentlichen Sinne; denn von\neiner Aernte mit vollen Aehren kann auf dem Felde der\nMusik im Jahre 1854 hier in Paris nicht die Rede sein.\nDer Wind weht nur über Stoppeln, trotz Meyerbeer's Nord-\nstern, der höchstens einem Erzeugniss verständiger und ge-\nschmackvoller Gartenkunst zu vergleichen ist. Und selbst\nin diesen künstlichen Park sind die schönsten Blumen und\nGruppen ja aus einer deutschen Oper hieher versetzt und\nparisisch aufgefrischt worden.\nDie grosse Oper hat ausser Gounod's\nlantenur noch ein schlechtes Ballet als Neuigkeit\ngebracht, sonst nichts. Neu in Scene gesetzt hat sie die\nV e s t a 1 i n von Spontini, die Königin von Cypern\nvon II a 1 e v y und die Stumme von A u b e r. Die Auffüh-\nrung der Stummen war in musicalischer Hinsicht nichts\nweniger als gelungen. Gardoni ist kein Masanielio, wie denn\nüberhaupt die drei bis vier italiänischen Tenöre, welche man\nangestellt hat, alle zusammen Roger noch nicht halb er-\nsetzen, so dass sich nun endlich von allen Seiten Stimmen\nerheben, die seinen Zurücktritt einen „ ungeheuren VerlustK\nnennen, während zur Zeit seiner Aufkündigung ein cha-\nrakteristisches Merkmal der hiesigen Presse fast kein\nöffentliches Blatt für ihn auftrat. Da übrigens die Stumme\nmit grossem Pomp gegeben wird, das Duett Amour\nde la Patrie bei der jetzigen kriegerischen Stimmung zün-\ndet, wiewohl (oder vielleicht gerade weil) Gardoni darin von\nMassol überbrüllt wird, und weil endlich die Gerrite aus\nder stummen Fischerin Fenella eine vollendete, raffmirte,\ncoquette Ballet-Puppe macht, so macht sie volle Häuser.\nDagegen sind die Pariser iür die tragische Grösse derSpon-\ntini'schen Musik nicht mehr recht empfänglich, und ich bin\nüberzeugt, dass, wenn die kaiserliche Opern-Verwaltung,\nwie man sagt, eine oder die andere Oper von Gluck wie-\nder auf die Bühne bringt, diese sehr bald wieder von dem\nRepertoire verschwinden wird.\nDie komische Oper hat ausser der Etoile du Nord\nnoch drei bis vier Operetten gebracht, die sammt und son-\nders nichts zu bedeuten haben; sie hatte sich zur Wieder-\nAu In ahme von Halevy's Pre aux Clercs entschliessen müs-\nsen, deren Resultat ich nicht weiter kenne, als dass ich die\nAnkündigung davon mehrere Male gelesen habe; denn diese\nOper wieder mit anzuhören, kann man einem Deutschen,\nwenn er auch schon ein Dutzend Jahre in Paris wohnt,\ndoch nicht zumuthen.\nDesto üppiger sprosste die junge Saat am dritten\nOpern-Theater, dem Theälre lyrique. Da finden wir ein\nvolles Dutzend Neuigkeiten. An Opern von drei Acten sind\ndarunter: La Fille invisible von A. Boieldieu (den 24.\nFebruar), La Promise von Glapisson (den 16. März), Le\nMuletier de Toledevon Adam (den 16. December); die\nübrigen sind einactige Operetten, von denen Adam und Gla-\npisson jeder noch eine, und E. Reyer, Henrion. Ge-\nvaert, E. Gautier, P. Pascal die übrigen geliefert ha-\nben. Ausser der Promise und dem Muletier de Tolede ist\nalles Andere bereits wieder verschwunden. Damit soll aber\nnicht gesagt sein, dass diese beiden Opern Werke von blei-\nbendem Werthe sind; sie sind ebenfalls nichts als Mach-\nwerke, Gerichte aus geringem, sehr gewöhnlichem Stoffe,\nmit pikanter Sauce dem pariser Publicum aufgetischt, und\ndieses Publicum geht ins Theater wie in eine Restauration,\nweniger der Gerichte, als der hübschen Kellnerin wegen,\ndie sie aufträgt oder vorträgt, wie Madame Cabel ihre Vo-\ncal-Variationen. Diese Dame ist die Hauptstütze des\nlyrique; wesshalb? ja, wer das zu enträthseln wüsste! Sie\nhat eine schöne Figur und sieht hübsch aus, ist aber nicht\nmehr jung; ihre Stimme ist ein hoher Sopran, ziemlich\nstark und scharf in der Höhe, aber in der Mitte und gegen\ndie liefe hin hat sie jenen näselnden, nichts weniger als\nwohllautenden, dumpfen Klang, den man häufig bei franzö-\nsischen Sängerinnen findet. Ihre Coloratur ist blendend,\naber keineswegs correct, und der Vortrag wird durch das\nHerausstossen einzelner Töne und durch eine kolossale Ge-\nschmacklosigkeit oft geradezu unausstehlich. Trotz alle-\ndem ist sie der Liebling der Besucher des lyrischen Thea-\nters, welches auf dem Boulevard wo Paris auf-\nhört, aber das Land noch nicht anlängt, liegt."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.5", "texte": "Der Haupt-Lieferant iür diese Bühne bleibt stets Herr\nAdam; man nennt sie desshalb auch nur /je\nMr. Adam.Er hat in den letzten zwei Jahren lür dasselbe\ngeschrieben: Si jelüis Roi\njou perdu Le Muleticr,alles Opern von drei Acten, und\ndaneben drei oder vier kleinere von Einem Acte. Und das\ngeht fabrikmässig; so wurde z. B. am 16. December v. J.\nDer Maulthiertreiber, und acht Tage darauf, am 24., die\nOperette A Clichyzum ersten Male gegeben. Die\nartisle hat daher nicht Unrecht, wenn sie das Repertoire\ndes lyrischen Theaters mit den Worten charakterisirt: Heute\nOper von Adolf Adam, morgen Oper von Adam Adolf,\nübermorgen von Adolf Adam u. s. w. und wenn sie\nihm (olgendeNeujahrs-Karte, sarkastisch genug,unterschiebt:\n„ Adolf Adam, Mitglied des Instituts. Patentirter Lie-\nferant des lyrischen Theaters, ohne Garantie lür musicali-\nsches Genie. Verfertigt Duos, Trios, Arien, Couplets, En-\nsemble-Stücke und alles,- was in sein Fach schlägt, zu bil-\nligstem Preise und nach aller Welt Geschmack. Alle Be-\nstellungen werden mit der grössten Schnelligkeit ausge-\nführt, eine dreiactige Oper binnen 24 Stunden, eine zwei-\nactige in 12, eine einactige in 6 Stunden, indem der Fa-\nbricant genau genommen nur so v.el Zeit dazu in Anspruch\nnimmt, als nöthig ist, die Noten aufzuschreiben.\nBei dieser musicalischen Fruchtbarkeit, in welcher frei-\nlich das Unkraut überwuchert, ist es fast unbegreiflich, dass\nauf demselben Boden auch noch ein kritisches Feuilleton\nerwächst, und man muss die Thätigkeit und noch etwas\nmehr des berühmten Mitgliedes der Akademie bewundern,\nwenn man z. B. von ihm selbst geschrieben, mit A. Adam\nunterzeichnet, lies't: „Der allgemeine Tonkünstler-Verein\nhat sehr wohl daran gethan, das Fest der h. Cacilia wieder\nzu beleben. Zwei gewichtige Werke sind bereits für diese\nFeier geschrieben worden, die Messe von A. Thomas und\ndie meinige.\" Dergleichen ist übrigens bei Herrn\nAdam nicht selten; es gibt ausser ihm in Frankreich und\nWagner in Deutschland keinen Musiker, der sich selbst für\nseine eigene Nase so unverschämt dicke Weihrauchwolken\nanzündete, dass ein Rhinoceros davon Kopfweh bekommen\nkönnte. -\nDas jüngste Kind des Vielschreibers, dessen ursprüng-\nliches Talent für die leichte Musik-Gattung nach und nach\nsich so mit der Trivialität gemein macht, dass es bald gar\nnicht mehr zu erkennen sein wird, ist der oben genannte\n„Maulthiertreiber von Toledo\". Das Buch ist selbst für\nden, der an die gegenwärtigen Texte der französischen ko-\nmischen Oper gewohnt ist, eine ungeniessbare Pastete von\nReminiscenzen aus Johann von Paris und fabelhaftem Un-\nsinn, und wenn der Componist sich durch die Poesie be-\ngeistern, oder gar das Gedicht die Musik erzeugen soll, wie\nWagner will, so ist Adam sehr zu entschuldigen, dass er\neine so erbärmliche Musik zu Tage gefördert hat. Vielleicht\nhat er wegen des schlechten Textes vorgezogen, der Cabel\neine Menge von schulmässigen Vocalisations-Uebungen ohne\nWorte in den Mund zu legen ? Dieses ewige Einerlei einer .\nSpieldose ohne Ausdruck und Geschmack wird geradezu\nwiderlich.\n(Schiuss folgt.)\n\nAus Münster.\nDen 12. Januar 1855.\nSie wissen, verehrter Herr, wie selten ich die Feder\nzur Hand nehme, um Ihnen über Musicalisches von hier zu\nberichten, und so werden Sie auch beim Erhalten dieser\nZeilen voraussetzen, dass ein Gegenstand von besonderem\nInteresse mich dazu veranlasst hat. Es herrscht übrigens\nim Ganzen bei uns, wenn wir auch nicht so viel Wesens\ndavon machen, wie wohl anderwärts geschieht, eine sehr\nlobenswerlhe Thätigkeit auf dem musicalischen Felde; als\neinen Beweis davon muss man allein schon die Thatsache\nanerkennen, dass wir seit mehreren Jahren in jeder Saison\nsechszehn Abonnements-Concerte haben, in denen uns\neine reiche Auswahl schöner und gediegener Werke vor-\ngeführt wird. Dass die Leitung eines solchen Instituts eine\nangestrengte Thätigkeit, aufrichtige Liebe zur Sache, eine\nbegeisterte Hingebung erfordert, um die Meisterwerke wür-\ndig auszuführen, ist eine Sache, die durch sich selbst be-\ndingt ist; und mit Recht und mit Stolz können wir sagen,\ndass diese vortrefflichen Eigenschaften in unserem verdienst-\nvollen Dirigenten Karl Müller vereinigt sind, dessen\nrühmlicher Ausdauer wir gar schöne und vielfältige Ge-\nnüsse zu danken haben. Dazu kommt, dass unsere musica-\nlischen Kräfte eine Einheit bilden, was uns einen Vorthei!\nvor manchen Städten gibt, wo Spaltungen ein Zusammen-\nwirken grosser Massen gar häufig hindern.\nGanz besondere Aufmerksamkeit widmet man hier der\nCäcilien-Feier, zu deren Verherrlichung immer ein Orato-\nrium zur Aufführung gebracht wird, und hatte man für\ndieses Jahr Samson von Händel gewählt, ein Werk,\nwelches nicht nur iür die Sänger höchst dankbar, sondern\nauch dem Publicum durch seine Kürze und seine dramati-\nsche Handlung am verständlichsten ist. Dass zu einer aus-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.6", "texte": "serordentlichen Auffuhrung auch ausserordentliche Krälte\ngehören, weiss man hier zu gut, um nicht dafür auch ge-\nhörige Sorge zu tragen, und so hatte man zu den Solo-\nPartieen die betreffenden Persönlichkeiten aus Köln ge-\nwählt: die Damen Fräul. Nina Hartmann und LeVy,\ndie Herren E. Koch und Schiffer. Vortrefflich vorbe-\nreitet, kam der Tag der Aufführung, der 9. Januar*), heran,\nund waren unsere Erwartungen durch die Generalprobe,\nwelcher schon über 300 Personen beiwohnten, völlig be-\nfriedigt, so wurden sie durch die Aufführung noch bei Wei-\ntem übertroffen. Die Hauptstärke Händel's beruht in der\nGewalt seiner Chöre, die so grossartig und erhaben sind,\ndass er bis auf den heutigen Tag noch unerreicht dasteht\nund wohl auch schwerlich jemals erreicht werden wird, be-\nsonders wenn sich die Componisten der Ansicht einer ge-\nwissen Partei anschliessen, welche den Standpunkt Hän-\ndel's, so wie den Haydn's und Mozart's für längst über-\nwunden hält, ö ihr Thoren, die ihr die Sonne zu sein\nglaubt und doch nur deren Flecken bildet!\nDie Aufführung selbst war mit Einem Worte vollen-\ndet ; so vortrefflich ist uns noch kein Werk zu Gehör ge-\nbracht worden, als dieses Mal Händel's Samson, Die Chöre\nwurden mit so feiner Nuancirung gesungen, dass wir sämmt-\nlichen Mitwirkenden unsere vollste Anerkennung zollen\nmüssen über die Sicherheit und Leichtigkeit, womit sie den\nmusicalischen Stoff beherrschten. Ehre dem Dirigenten, der\nseine Umgebung so in den Geist des Componisten einweihte\nund dem zahlreich versammelten Publicum den Beweis aufs\nNeue lieferte, wie unter seiner Leitung die musicalischen\nLeistungen sich immer vollkommener gestalten.\nDass die Solosänger nicht wenig zur Hebung des Gan-\nzen beitrugen, müssen wir allerdings dankbar anerkennen,\nund stand Herr Koch in der Partie des Samson als wür-\ndiger Repräsentant oben an. Aus früherer Zeit noch in gu-\ntem Andenken, war er nach mehrjähriger Abwesenheit uns\nein herzlich willkommener Gast, und müssen wir bekennen,\ndass seine Stimm-Mittel jetzt in noch grösserer Frische her-\nvortraten, was sich in den beiden Arien zeigte, von denen\ner besonders die erste: „Nacht ist's umher\" auf ergrei-\nfende Weise sang. Als declamatorischer Sänger ist Herr\nKoch gleich bedeutend, wovon er in den herrlichen Recita-\ntiven den Beweis lieferte. Interessant war es, zu gleicher\nZeit zwei Schülerinnen von Herrn Koch zu hören. Fräul.\nN. Hart mann brachte die De lila so vortrefflich zur\nAustührung, dass wir nur bedauerten, dass die Partie\nso klein, und uns der Genuss dieser schönen Stimme\ndadurch verkürzt wurde. Wenn Frl. Hartmann, die noch so\njung, mit gleichem Eifer, wie bisher, ihre Studien fortsetzt,\nwird ihr eine bedeutende Zukunft nicht fehlen. Fräul. Levy\n(Mi call) hat, wenn auch keine so grosse, doch eine schöne,\nklang- und seelenvolle Stimme, die sich den Weg zum Her-\nzen der Hörer bahnt, welches mit der Arie: „0, hör' mein\nFlehn\", unverkennbar der Fall war; und hier, als der Chor\nhinzutrat, brachte dieser mit den Worten: „Und zählen ihn\nden Todten zu\", mit seinem vortrefflichen Pianissimo eine\nWirkung hervor, wie wir sie noch nie gehört. Was uns\nbei Frl. Levy aufgefallen, war ein häufiges Tremoliren, in\nder Aufführung jedoch weniger, als in der Probe, Sollte es\nBefangenheit gewesen sein? An der Methode des Lehrers\nkann es nicht liegen, da man weder bei Herrn Koch, noch\nbei Frl. Hartmann eine solche Bemerkung machte. Herr\nSchiffer (Manoah) sang seine Partie mit Kraft und Aus-\ndauer, welche zu der oft hohen Lage erforderlich ist, wo\nsonst der Sänger gar leicht ermattet. Ein heiteres Mahl\nbeschloss den Abend, und wollen wir dem Wunsche unse-\nres wackeren Dirigenten, „dass die Eintracht stets unter\nuns bleibe\", von Herzen beistimmen, damit wir noch viele\nsolcher vortrefflichen Aufführungen zu Stande bringen.\n★ * ★\n*) Die Aufführung war wegen eines Trauerfalles, welcher Herrn\nDirector Müller getroffen, verschoben worden.\n\nAus Darmstadt.\nAm 26. December v. J. fand die erste Vorstellung\nder schon längst erwarteten dreiactigen Oper „Die letz-\nten Tage von Pompeji\" nebst Nachspiel Statt (die seit-\ndem am 1 1. Jan. eine Wiederholung erlebt hat). Der Compo-\nnist, Herr Peter M ü 11 er, so wie der Verfasser des Textes,\nHeir Adolf Müller, Vater und Sohn, sind Staatsbürger\ndes Grossherzogthums. Ersterer war lange Jahre Lehrer\nder Musik am grossherzoglichen Schullehrer-Seminar zu\nFriedberg und ist gegenwärtig Pfarrer auf einem benach-\nbarten Dorfe. Der Sohn ist grossherzoglicher Forstbeamter\nUmstände, die auf die Inscenesetzung ihres gemein-\nschaftlichen Werkes grossen Einfluss geübt. Das Buch ist\nnach dem Roman ,von Bulwer bearbeitet und hat ausser\nder durchweg edlen Sprache gar wenig anderes Verdienst;\nja, um dem Componisten gerecht zu sein, müsste man das-\nselbe Klagelied anstimmen, wie bei dem allergrössten Theile\nähnlicher Bearbeitungen. Ein Gemengsei von längst ver-\nbrauchten Situationen, in die sogar Episoden von Christen-\nChören verflochten sind, bildet den unzusammenhancenden"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.7", "texte": "Zusammenhang dieser Oper. rPeter Müller's Musik\", re-\nferirt „ „Die Muse\" \" in Nr. 3, „erinnert unwillkürlich an\njenen Jüngling, der, zur günstigen Stunde an dem Zauber-\nberge vorüberkommend, eine OelFnung gewahrte, eintrat\nund selige Stunden darin verbrachte; als er wieder heraus-\ntrat, war die Welt inzwischen um fünfzig Jahre älter ge-\nworden. ... In landlicher Abgeschiedenheit, fast unberührt\nvon dem Ivata racten - Gebrau s e der musicalischen Mode, an\nder blandusischen Quelle classischer Vorbilder, sind diese\nlieblichen musicalischen Rhythmen entstanden, während der\nTondichter vom Jünglings- ins Mannes- und Greisenalter\nvorschritt, und noch in dieses die ganze Frische, Feinheit\nund Elasticität der jungen Einbildungskraft mit hinüber-\nbrachte. . . . Man denke dabei ja nicht an Veraltetes oder\nüberaus Idyllisches; Müller versteht es, die Leidenschaft so\nergreifend zu malen, als der Lyrik ihren Schmelz zu geben;\ner weiss die echt künstlerischen, auf Wahrheit beruhenden\nEffecte so glücklich hervorzuheben, als irgend ein neuer\nCompositeur, wenn er auch nicht zu den gewagten und\ngepfefferten Mitteln seine Zuflucht nimmt\" u. s. w. Die\nOper hatte sich in beiden Vorstellungen grossen Beifalls zu\nerfreuen und ist prachtvoll ausgestattet.\n\nAus Frankfurt am Main.\nS.\nOefters schon haben gewisse musicalische und belletristische\nBlätter, die Richard Wagner-'s Musik das Wort reden, dem Gene-\nral-Musik-Director Lachner zu München die alleinige Schuld bei-\ngemessen, dass Wagner's Opern vom dortigen Repertoire ausge-\nschlossen bleiben. Wiederum begegnen wir in Nr. 15 der Didas-\nkalia einer ähnlichen Anklage aus München. Diesem Gekläffe ge-\ngenüber dürfte es wohl an der Zeit sein, durch dieses Organ in\nErinnerung zu bringen, welches Urtheil über R. Wagner's Musik\nsich der Intendant des münchener Hoftheaters, Dr. Dingelstedt,\nnach Anhörung des Lohengrin zu Weimar gebildet hat.\nDie Allgemeine Zeitung vom 3. September 1853 mit dem Be-\nrichte über das Gehörte liegt dem Einsender vor. Daraus entneh-\nmen wir folgende bezeichnende Stellen: „Statt der Sänger declami-\nren und vegetiren die Instrumente; die Flöten girren um Liebe,\ndie Geigen streiten, Bässe und Pauken grollen gegen sich; dazwi-\nschen schreit das Blech, die Trompete, plötzlich grell auf, dass dem\nZuhörer und Zuschauer Hören und Sehen vergeht. Das geht ohne\nAbsatz so fort, bis der Vorhang fällt; kein Recitativ, kein Andante,\nkeine Cabaletta, auch kein Duett, sondern nur ein Wechselgesang\nzwischen Personen, auch kein Ensemble-Stück im alten Stil, nir-\ngends ein Ruhepunkt, überall Bewegung, Hätz und Hast, eine\nwilde Kraft, die zuweilen zum Schwulst sich überspannt, eine süsse\nEmpfindsamkeit, die in süsser Empfmdelei nicht selten erschlafft.\nWas wir anderwärts als musicalischen Gedanken, als melodisches\nElement in der Oper festzuhalten wussten, taucht nur stellenweise\nauf; die Woge der Harmonie, die Sturmflut der Instrumentation\nerfasst, entführt, verschlingt es gleich wieder. Wir fühlen uns, wie\nauf einer grossen Seefahrt, elementarischen Kräften, dämonischen\nNaturgewalten zum Spiel hir.gcgeben, zum Himmel gehoben und\nin den Abgrund gestürzt, vom Sturme geschüttelt, von der Welle\ngeschaukelt, alles feste Land, alle gewohnte Umgebung weit, weit\ndahinten, und vor uns unbekannte Küsten, ungeahnte Ziele.\"\nBedarf es wohl noch mehr, um F. Lachner der Schuld entho-\nben zu sehen, dass R. Wagner bis nun keinen Zutritt in München\ngefunden? Wenn der Intendant selbst in solcher Weise den Stab\nüber Wagner's Musik gebrochen, was könnte es wohl nützen, sie\ngegen ihn zu vertheidigen ? Die Propagandamacher müssen sich\ndaher zunächst bemühen, den Intendanten für den neuen Messias\nzu gewinnen. Das dürfte aber bei Dingelstedt's Gesinnung in sol-\nchen Sachen ein saures Stück Arbeit werden.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBiöln. Die wöchentlichen musicalischen Nachrichten über\nKöln und den Bericht über das siebente Gesellschaft s-\nConcert am 23. d. Mts. müssen wir wegen Unwohlseins des Re-\nferenten auf die nächste Nummer verschieben.\nMarie Cruvelli, die jüngere Schwester der berühmten Sän-\ngerin, ist Ende December v. J. in Frankfurt am Main als Fi-\ndes im Propheten aufgetreten.\nWien. Die Gast-Vorstellung des Fräul. Westerstrand aus\nStockholm als Amine in der Nachtwandlerin war eine durchaus\nverunglückte. Der dünne Faden ihrer Stimme reicht nicht einmal\nfür den rein lyrischen Gesanges-Vortrag aus und kann nur im\nMezza voce sich nothdürftig behaupten. So oft es gilt, das Wort\ndramatisch zu betonen, zeigt sich ihre beinahe gänzliche Stimmlo-\nsigkeit auf die traurigste Weise. Das charakteristische Kennzeichen\nihres Vortrages ist Mattigkeit und Gedehntheit; selbst die hübschen\nelegischen Weisen in der Musik Bellini's, denen ihre Stimm-Mittel\nnoch am besten gewachsen wären, verlieren durch die Art ihres\nVortrages alle Wirksamkeit. Das ist keine künstlerische, schöne\nKlage mehr, das ist ein unschmackhaftes, widerliches Weinen, dem\ndie zäheste Geduld nicht Stand hält. Triller, Läufe und andere Co-\nloraturen gelingen ihr noch am besten; allein es fehlt auch diesem\nverzierten Gesänge an Reiz und Schwung, das Publicum war offen-\nbar sehr verstimmt, und mit Recht.\nWilhelmine Clauss hat grosse Triumphe in Holland\ngefeiert; jede Stadt wollte die treffliche Künstlerin hören, und sie\nkonnte kaum allen Einladungen genügen. Sie ist gegenwärtig in\nWien.\nAlexander Dreyschock hat kürzlich in Kopenhagen\nsehr besuchte Concerte gegeben und besonders durch seine Va-\nriationen für die linke Hand auf G Aufsehen erregt.\nIn Turin sind am 26. December v. J. Meyerbeer's Huge-\nnotten zum ersten Male gegeben worden und haben grossen Bei-\nfall gefunden. Luther hat sich wohl nicht träumen lassen, dass sein\nChoral einst werde in einer Hauptstadt von Italien auf der Bühne\ngesungen werden! Den Marcel sang Beletti, die Valentine die\nLa Grua, den Raoul Bettini.\nParis. Der Tenor Neri-Baraldi ist in der grossen Oper\nals Fernand .in der Favorite (neben Mad. Stoltz, welche sich wie-\nder mit der Direction geeinigt hat) aufgetreten, in welcher Rolle\nbekanntlich Roger ausgezeichnet war. Im vorigen Jahre genügte"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550127-01.1.8", "texte": "Herr Neri-Baraldi kaum als zweiter Tenor bei den Italiänern; wie\nkommt er dazu, als erster Tenor in der kaiserlichen Akademie gel-\nten zu wollen? Er hat eine dünne Stimme, singt zwar correct, aber\nentsetzlich kalt, und seine Züge haben nicht den geringsten Aus-\ndruck. Als Schauspieler ist er vollends gar nichts.\nNach der einen musicalischen Zeitung von Paris reis't Ber-\nüoz nach Brüssel, um dort drei Mal hinter einander seine En-\nfance du Christ aufzuführen, nach der anderen aber nach Deutsch-\nland, wo die Pforten aller Concertsäle und aller Theater ihm offen\nstehen. „Schon wird das Werk in Weimar studirt, wo Liszt die\nProben leitet.\" Das Letztere ist sehr möglich. Berlioz ist übrigens\nnoch in Paris.\n\nZur Aufklärung.\nA. Schindler.\nDas musicalische Publicum erwartet mit Grund, dass Seitens\ndes Unterzeichneten auf den von Herrn Musik-Director Messer in\nNr. 50 der Niederrheinischen Musik-Zeitung vor. Jahrgangs veröf-\nentlichten Brief eine Aufklärung erfolgen müsse. Verschiedene Ur-\nsachen haben diese bis heute verzögert, und wäre ich noch ausser\nStande, sie genau zu geben, hätte nicht der Zufall beim Aufsuchen\nder erforderlichen Daten mitgewirkt.\nAm 27. Februar 1852 fand die erste Aufführung der drei Sätze\nder neunten Sinfonie Statt. Schon im nächstfolgenden, und zwar\nletzten Museums-Concerte der Saison, am 12. März, wurden sie\nwiederholt. Diese rasche Aufeinanderfolge der beiden Aufführungen\nist als Grund anzunehmen, dass sich Niemand mehr dieser That-\nsachen erinnert hat, der Unterzeichnete gleichfalls nicht, daher für\njene Musik-Saison nur eine Aufführung im Gedächtniss verblie-\nben ist. Aber in diesem Concerte vom 12. März 1852 hatte zu-\ngleich die Aufführung des Hummel'schen Septuors Statt, vorgetra-\ngen von Herrn Schoch und Anderen. Diese Thatsache ist in mei-\nnem Briefe vom 14. März an Herrn Messer ebenfalls erwähnt. Und\ndarin liegt der stärkste Beweis, dass sich das in diesem Briefe\n(daraus wohlweislich nur eine Stelle veröffentlicht erscheint) vor-\nfmdliche Lob auf jene Aufführung der Sinfonie-Sätze bezieht,\nnicht aber auf die am 11. März 1853 Statt gehabte, die ich irr-\nthümlich für die zweite gehalten, da es die dritte gewesen. Die-\nser letzten aber gilt der in Nr. 46 der Niederrheinischen Musik-\nZeitung von mir ausgesprochene Tadel; diese Aufführung nannte\nich mit gutem Gewissen „eine Blasphemie auf den Geist des\nWerkes\".\nSomit wäre das von Herrn Messer hingestellte Nebelbild zer-\nflossen und der Widerspruch einfach aufgehoben. Das Nachlesen\nder betreffenden Stellen in genannter Nummer der Musik-Zeitung\nwird diese Auseinandersetzung erst recht bekräftigen."}]}