{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-02-24-01", "volume": "bmtnabi_1855-02-24_01", "ocr_sha256": "b892aab06dd7b5cd7ad05c9ba05e7d031ba584b9baf5631d3b4c6f3954f658cc", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/02/24_01/bmtnabi_1855-02-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-02-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-02-24_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-02-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "60", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.2.1", "titre_corps": "Eduard Hanslick.", "titre_sommaire": "Eduard Hanslick.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3992, "texte": "Eduard Hanslick.\nII.\nWir haben durch den Abdruck des letzten Abschnit-\ntes von Hanslick's Büchlein (in der vor. Nummer) den Leser\nsogleich in med'tas res, oder eigentlich in ultimas, hineinge-\nführt. Man könnte es sonderbar finden, mit dem Ende an-\nzufangen; unsere Absicht aber war, eines der schlagend-\nsten Resultate der ganzen Untersuchung des scharfsinnigen\nVerfassers sogleich mitzutheilen, um dadurch zu zeigen,\nwas man bei ihm zu erwarten habe. Auch läugnen wir\nnicht, dass die Befriedigung, dasjenige, was wir seit Beginn\nder Herausgabe unserer ehemals Rheinischen, jetzt Nieder-\nrheinischen Musik-Zeitung so oft deutlich, wiewohl apho-\nristisch, ausgesprochen und an zerstreuten Stellen angedeu-\ntet haben, hier in ein System gebracht und durch eine lo-\ngische Entwicklung festgestellt zu sehen, mit dazu beige-\ntragen hat, den Inhalt gerade dieses letzten Capitels zu-\nnächst mitzutheilen.\nSchon im I. Jahrgange 1850 der Rhein. Musik-Zeitung\nsagten wir in dem Aufsatze über J. Haydn's Musik (S.\n242): „Einer wahren künstlerischen Natur, wie Haydn,\nerscheint Alles musicalisch; seine Empfindung ist Musik, er\ndenkt nicht Philosophie, nicht Aesthetik, nicht Geschichte,\nnicht Romantik u. s. w., er den kt Musik seine An-\nschauungen und Vorstellungen sind Musik er hört\nin sich keine andere Sprache als Musik, und so redet er\ndenn auch keine andere darin ist er Original-Schrift-\nsteller, während Andere die musicalische Sprache zu reden\nvermeinen, wenn sie in diese zu übersetzen versuchen,\nwas sie in der gewöhnlichen Sprache gedacht haben.\" (Vgl.\nHanslick in der vor. Nr., S. 52, Sp. 2.)\nDasselbe Thema behandelte in Nr. 46 (vom 17. Mai\n1851) der Artikel „Plastische Musik\", in welchem die\n„lächerlichen Prätentionen der neueren Componisten, die\nuns zumuthen, durch ihre Musik die speciellen Vorstellun-\ngen in uns hervorzurufen, welche sie durch Ueberschriften\nu. dgl. bezeichnen\", so wie die Programme zu Musik-\nstücken verspottet werden, „bei denen man sich einstwei-\nlen noch des alltäglichen Mittels der Vermittlung der Ideen\nzwischen den Menschen bedient, bis völlig ausgebildete mu-\nsicalische Formen und Phrasen für „ „jede Gegenständlich-\nkeit\" \" erfunden sind\" —und wo es unter Anderem heisst:\n„Es klingt in Worten ganz prächtig, dass der Componist\nbei seinen Schöpfungen etwas Höheres (?) denken müsse,\nals Musik, dass er aus der Subjectivität in die Objectivität\ntreten müsse, ■ damit die Musik die Elemente der Zeit, die\nweltbewegenden Ideen der gegenwärtigen Menschheit in\nsich aufnehme und darstelle. Schade nur, dass Töne keine\nWorte sind und der Schlüssel noch nicht gefunden, die\nHieroglyphen der Notenschrift durch den Klang der Instru-\nmente urplötzlich in das Alphabet der Muttersprache der\nZuhörer zu verwandeln.\"\nMan vergleiche ferner das Programm zu dem 111. Jahr-\ngange in Nr. 1 vom 3. Juli 1852, die humoristische Po-\nlemik in den Artikeln „Stoppellese\" gegen die After-Philo-\nsophen, die Aufsätze über „Kunst und Kunststil\" (Nieder-\nrheinische Musik-Ztg., I. Jahrg., Nr. 9 v. 27. Aug. 185-3)\nbei Gelegenheit von A. Helfferich's Schrift u. s. w.—über-\nall wird auf den einzig möglichen Inhalt der Musik, nämlich\nden musicalischen, hingewiesen, was denn in dem Programm\nzum 11. Jahrgange derNiederrh. Musik-Ztg., unter der Ueber-\nschrift „Nichts Neues\", in Nr. Iv. 7. Januar 1854 auch\nmit dürren Worten ausgesprochen wird: „Wollt ihr wissen,\nwas der wahre Inhalt der Musik ist? Die Melodie ist\nes, der musicalische Gedanke, das Thema; und ein den-\nkender Tonkünstler ist nicht der, der einen Inhalt ausser-\nhalb der Musik sucht, sondern der in der Sphäre der\nMusik bleibt, nur Musik denkt und den Verstand nur ge-\nbraucht, die Thema's, die ihm aus der Seele gequol-\nlen, als musicalische Gedanken durch diejenigen Mittel\nzu entwickeln, welche ihm seine Kunst und sein Wissen\nin dieser darbieten.\"\nWir brauchen wohl kaum hinzuzufügen, dass Niemand\nglauben möge, wir wollten durch diese Anlührungen dem\nDr. Hanslick etwa beweisen, dass er nichts Neues gesagt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5047, "texte": "habe. Es kann kein Mensch ein abgesagterer Feind jenes\nSchlagwortes der heutigen Kritik in allen Kunstlächern:\n»Das ist zwar nicht neu, aber —\" u. s. w. sein, als wir\nselbst. Es ist mit dem wirklich Neuen in geistigen Dingen\nüberhaupt eine eigene Sache, und Ben Akiba's: „Das alles\nwar schon einmal da!\" enthält eine gewisse Wahrheit,\nwenngleich ebenfalls keine neue. Auf das eigentliche We-\nsen der Sache trifft Göthe, wenn er sagt: „Alles Gescheidte\nist schon gedacht worden; man muss nur versuchen, es\nnoch einmal zu denken.\" Ferner ist es auch viel leich-\nter, den Irrthum zu erkennen, als die Wahrheit zu finden;\nmit jenem wird man wohl fertig, aber dadurch hat man\nnoch lange nicht das Wahre an dessen Stelle gesetzt,\nvollends nicht in der Gestalt, dass Alle davon überzeugt\nwerden.\nWer also das Verfahren zur Erforschung der Wahr-\nheit und zur Erhärtung und evidenten Darlegung der ge-\nfundenen gründlich durchmacht, wer alles in Beziehung\nauf dieselbe in einem besonderen Falle Gedachte noch ein-\nmal denkt, d. h. logisch verfolgt, entwickelt, in ein System\nbringt, der ist als der wirkliche Schöffe oder Finder der-\nselben mit dem vollsten Rechte zu betrachten. Und dies\n\\ erdienst wollen gerade wir dem Dr. Hanslick im vorlie-\ngenden Fall am allerwenigsten schmälern. Seine kleine\nSchrift enthält offenbar die Saat zu einer Revision der\nAesthetik der Tonkunst; und nach der ganzen Art und\nWeise, wie er sich hier gibt, glauben wir nicht, dass er zu\ndenjenigen Reformatoren gehört, die da meinen, ihre Ori-\nginalität zu verlieren, wenn sie das Wahre anerkennen,\ndas schon von Anderen anerkannt worden ist.\nSeine Untersuchung beginnt, nach einigen einleitenden\nSätzen über den bisherigen wissenschaftlichen Standpunkt\nder Aesthetik der Tonkunst, die da noch nicht dahin ge-\nlangt sei, eben so wie die übrigen Kunstlehren vor Allem\n„das schöne Object, nicht das empfindende Subject\nzu erforschen\", mit der Polemik gegen den Satz, dass die\nBestimmung der Musik sei, Gefühle zu erregen. Das\nOrgan, womit das Schöne aufgenommen wird, ist nicht das\nGefühl, sondern die Phantasie, als die Thätigkeit des\nreinen Schauens (Vischer's Aesthetik §. 384) d. h.\neines Schauens mit Verstand, das ist Vorstellen und Ur-\ntheilen, welches letztere aber mit solcher Schnelligkeit ge-\nschieht, dass dessen einzelne Vorgänge uns gar nicht zum\nBewusstsein kommen. Der Hörer geniesst das Ton-\nstück in reiner Anschauung, jedes stoffliche Interesse muss\nihm fern liegen; ein solches ist aber die Tendenz, Affecte\nin sich erregen zu lassen.\nEine secnndäre Wirkung auf das Gefühl, nämlich\ndurch die Phantasie, kommt in jeder Kunst vor, also auch\nin der Musik, allein eine unmittelbare findet nicht Statt.\nIndem nun nachgewiesen wird, dass der Zusammenhang\neines Tonstückes mit der dadurch hervorgerufenen Gefühls-\nbewegung weder ein nothwendiger (vielmehr häufig\nein conventioneller, durch äussere Zwecke bis zu den lächer-\nlichsten Ueberschriften herab beeinflusster), noch ein\nstetiger, noch ein ausschliesslicher sei, so wird\ndamit der Eindruck der Musik auf das Gefühl keineswegs\ngeläugnet „zu den schönsten Mysterien der Tonkunst\ngehört es ja, dass sie solche Gefühle ohne irdischen An-\nlass, recht von Gottes Gnaden, hervorzurufen vermag\" (S.\n9) —, sondern nur gegen die Verwerthung dieser That-\nsachen für ästhetische Principien Verwahrung ein-\ngelegt. Nicht aus der unsicheren Wirkung, sondern aus\nden Kunstwerken selbst und aus den Gesetzen ihres Or-\nganismus ist zu erklären, was ihr Inhalt ist, worin ihr\nSchönes besteht.\nDiese Grundsätze hat Hegel bereits erschöpfend als\nallein richtig für alle und jede Aesthetik dargelegt und ge-\nzeigt, dass die Untersuchung der Empfindungen, welche\neine Kunst erweckt, nicht anders als ganz im Unbestimm-\nten stehen bleiben könne, wasllanslick auch erwähnt. Dass\ndieselben aber auf die Tonkunst bisher fast gar nicht oder\ndoch nur mangelhaft angewandt wurden, ist nicht zu läug-\nnen, und wie sehr sie in der neuesten Zeit durch das Un-\nkraut der philosophischen Unwissenheit in der Lehre von\nder Gegenständlichkeit der Musik unterdrückt worden sind,\nhaben wir in diesen Blättern oft genug dargethan.\nDer zweite Abschnitt hat es mit der Behauptung des\nSatzes zu thun, dass die Gefühle eben so wenig der In-\nhalt der Tonkunst sein können, als deren Erregung ihre\nBestimmung sei. Der Ideengang des Verfassers ist folgender:\nDie Gefühle stehen nicht isolirt in der Seele da, sie\nsind abhängig von physiologischen und pathologischen Vor-\naussetzungen, und bedingt durch das ganze Gebiet des Den-\nkens, welchem man so gern das Gefühl als Gegensätz-\nliches gegenüber stellt.\nDas Gefühl wird ein bestimmtes erst durch Vor-\nstellungen und Urtheile, es lässt sich als solches von con-\ncreten Vorstellungen und Begriffen nicht trennen, es ist\nohne einen historischen Inhalt nicht denkbar. Dieser ist\naber nur in Begriffen darzulegen. Begriffe kann jedoch ein-\ngestandener Maassen die Musik nicht wiedergeben, folglich\nvermag sie auch nicht, bestimmte Gefühle darzustellen\n(was natürlich nicht mit erregen zu verwechseln ist)."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5085, "texte": "Nur das Dynamische der Gefühle, die Bewegung\neines psychischen Vorganges nach den Momenten: schnell,\nlangsam, stark, schwach, steigend, fallend kann die Mu-\nsik ausdrücken. Was uns ausserdem in der Musik be-\nstimmte Seelenzustände zu malen scheint, ist durchaus\nsymbolisch (wie z. B. der Charakter der Tonarten oder\nAccorde eben so nur auf Deutung beruht, wie das Grün\nsich uns mit Hoffnung, das Blau mit Treue u. s. w. ver-\nbindet).\nAuch die Vocal-Musik, wiewohl ihre Theorie niemals\ndas Wesen der Musik bestimmen kann, ist nicht imStande,\nden aufgestellten Satz Lügen zu strafen. Nicht die Töne,\nsondern der Text stellt dar.\nAlles dies wird durch Beispiele erläutert, denen man,\nwenn man nur, wie es die Sache fordert, die Begriffe mit\nlogischer Schärle auf die Spitze stellt, ihre Beweiskraft\nnicht absprechen kann. Auch der Ausweg, dass die Musik\nzwar nicht bestimmte, aber wohl unbestimmte Gefühle\nerwecken und darstellen solle, wird gründlich verstopft.\nAngenommen aber auch, dass musicalische Gefühls-\ndarstellung möglich sei was jedoch schlechtweg ge-\nläugnet wird —, so kann sie doch niemals das ästhe-\ntische Princip der Tonkunst abgeben. Es wird dies\nsodann an der Vocal-Musik, welcher das Betonen von See-\nlenzuständen zukommt, nachgewiesen und gezeigt, dass\ndas Schöne in der Musik mit der Genauigkeit der Ge-\nfühlsdarstellung auch dann nicht congruiren würde, wenn\ndiese möglich wäre. Was bei dieser Gelegenheit über das\nWesen der Oper und gegen R. Wagner, selbst gegen\nGluck gesagt wird, ist ganz vortrefflich. Gar Manches, was\nvon uns in der kritischen Analyse des „Tannhäuser\" in der\nRheinischen Musik-Zeitung (Jahrg. 115. vom Nov. 1852\nan), und von Prof. Jahn in dem Artikel „Lohengrin\" in\nden Grenzboten, ferner in unseren Aufsätzen über Gluck *)\ngesagt ist, findet hier seinen Wiederhall, seine Ausführung\nund Begründung.\nNachdem der Verfasser bis hieher negativ verfahren,\nwendet er sich im dritten dem ausführlichsten Ab-\nschnitte zu der positiven Frage: welcher Natur das\nSchöne einer Tondichtung sei.\n„ Es ist ein s p e c i fi s c h M u s i c a 1 i s c h e s, d. h. ein\nSchönes, das, unabhängig und unbedürftig eines von aussen\nher kommenden Inhalts, einzig in den Tönen und ihrer\nkünstlerischen Verbindung liegt.\"\n„Das Urelement der Musik ist Wohllaut, ihr We-\nsen Rhythmus. Unausgeschöpft und unerschöpflich wal-\ntet vor Allem die Melodie, als Grundgestalt musicalischer\nSchönheit. Immer neue Grundlagen bietet ihr die Har-\nmonie; beide vereint bewegt der Rhythmus, und es\nversehen sie mit mannigfaltigem Reiz die Klangfarben.\"\n„Was soll ausgedrückt werden? Musicalische\nIdeen, als Selbstzweck, als selbstständiges Schönes. Tö-\nnend bewegte Formen sind einzig und allein Inhalt\nund Gegenstand der Musik.\"\n„Wie das Schöne eines Tonstücks nur in dessen mu-\nsicalischen Bestimmungen würzelt, so folgen auch die Ge-\nsetze seiner Construction nur diesen,\"\nDies sind die Hauptsätze, deren Ausführung in der\nSchrift selbst nachzulesen ist. Es reihen sich daran eine\nMenge von treffenden Bemerkungen über das Sinnliche und\nGeistige in der Musik, über das Gemeine oder Edle der\nmusicalischen Gedanken, über das Hineindeuten und Hin-\neinlegen durch den Hörer, über das Verhältniss der Musik\nzur Sprache u. s. w. welche zwar grossentheils nicht\nso neu, wie sie vielleicht dem Verfasser vorgekommen, aber\neinzig wahr sind, und desshalb nicht oft und eindringlich\ngenug gemacht werden können. Wenn es S. 40 heisst:\n„Melodie und Harmonie eines Thema's entspringen zugleich\nin Einer Rüstung aus dem Haupte des Tondichters\", so\nsind wir um so sicherer derselben Ansicht, als wir in dem\nschon oben angeführten Aufsatz über „Haydn's Musik\" aus\ndem Jahre 1851, S. 243 sagten: „Die Melodie bringt\nihre Harmonisirung gewisser Maassen schon mit auf die\nWelt\" ; und wenn Hanslick S. 51 die Theorieen ver-\nwirft, „welche der Musik dieEntwicklungs- und Construc-\ntionsgesetze der Sprache auldringen wollen, wie es von den\nJüngern Wagner's versucht wird\", so verweisen wir auf\nunsere Beurtheiiung der Schrift von L. Köhler: „Die Me-\nlodie der Sprache\", in Nr. 14 vom I. Jahrgang dieser Blät-\nter (vom 1. Oct. 1853) und unterschreiben mit voller\nUeberzeugung seine Worte: „Dabei wird das wahrhalte\n\n*) Ygl. namentlich Art. IV. in Nr. 44 vom 4. Nov. 1854, vro\nes bei Gelegenheit der Dedication zu „Paris und Helena''\nheisst: „Wer möchte eine so gefährliche Lehre unterschrei-\nben, die das Wesen des musicalischen Kunstwerks zerstört,\nund zum Realismus führt!\" u. s. w. Und wenn Hanslick S.\n30 sagt, dass Gluck zwar die falsche Theorie aufgestellt habe:\ndie Opern-Musik habe nichts Anderes zu sein, als eine gestei-\ngerte Declamation, „in der Ausübung aber breche die mu-\nsicalische Natur des Mannes oft genug zum Vortheil sei-\nnes Werkes durch\", so stimmten wir mit ihm bereits völlig\nüberein, als wir a. a. 0. S. 345 äusserten: „Dass Gluck in der\nPraxis n i e vergass, dass die Mus i k in der Oper die Haupt-\nsache sei, und dies auch gar nicht vergessen konnte, weil er\neben ein musicalisches Genie war, welches (S. 347) die\nReflexion nur auf Augenblicke auf einen Abweg führen\nkonnte.\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 124, "texte": "Herz der Musik, die in sich seibst befriedigte Formschön-\nheit, durchstossen und dem Phantom der „ „Bedeutung\"\"\nnachgejagt.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-02-24-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-02-24_01#c002", "volume": "bmtnabi_1855-02-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "60", "page_fin": "62", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.2.2", "titre_corps": "Die gegenwärtige hohe Orchester-Stimmung und ihr Ausgang.", "titre_sommaire": "Die gegenwärtige hohe Orchester-Stimmung und ihr Ausgang.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.4", "debut_caractere": 126, "fin_caractere_exclue": 4870, "texte": "Die gegenwärtige hohe Orchester-Stimmung und\nihr Ausgang.\nMitgetheilt von A. Schindler.\nI.\nZu den Klagen über die vielen Missstände in unserer\nMusik-Epoche gehört auch die über die zu hohe Stimmung\naller Orchester, so verderblich für Sing-Organe, wie nicht\nminder für den Klang der Saiten-Instrumente jeglicher Gat-\ntung. Mancherlei Gründe und Ursachen werden dalür vor-\ngebracht. Während die Einen, und zwar die Kunst-Philo-\nsophen, die wesentliche Ursache in der höheren Erregbar-\nkeit der Gemüther im lebenden Geschlechte finden wollen,\nund daraus zugleich als nothwendige Folge die verschiedene\nAuffassung der Tempo-Bezeichnungen gegen eine frühere\nZeit herleiten, legen die Anderen die Stimmung lediglich\nin die Willkür der Orchester selber, oder unterstellen da-\nlür den leidigen Zufall. Erstere belehren zu wollen, dass\nsie sich mit ihrer Speculation auf einem Irrwege befinden,\ndass sie Ursache und Wirkung in unserem Falle nirgends\nals in den Werkstätten von Blas-Instrumenten zu suchen\nhaben, wäre wohl vergebliches Bemühen. Erspriesslicher\ndürfte es sein, den Andersglaubenden, der grossen Mehr-\nzahl der Musiktreibenden, zu zeigen, dass diese verdriess-\nliche Erscheinung in den Orchestern auf rein mechanischen\nWegen durch menschliche Einwirkung herbeigeführt wurde\nund noch wird, und zwar, wie den Gebildeten bekannt,\ndurch Bohrung der Holz-Blasinstrumente zunächst.\nEs soll meine Aufgabe sein, in gedrängter Kürze auf\nden ersten Impuls zu der gegenwärtigen Orchester-Stim-\nmung hinzuweisen, indem ich als gewesener Zeuge die ge-\nschichtlichen Vorgänge diesfalls der Wahrheit getreu zu\nerzählen beflissen sein werde. Das Geschäft wird mir um\nso leichter, als unter den allbekannten Musikern noch einige\nam Leben sind, die gleichfalls Zeugen jener Vorgänge ge-\nwesen, darunter Moscheies, Horzalka u. A. in Wien. Es\nbietet aber dieser Aufsatz in seinen mannigfachen Beziehun-\ngen zu Personen und Zuständen zugleich Gelegenheit zu\nmehreren, unsere Musik-Epoche nahe berührenden Paralle-\nlen. Es sei dem Verfasser gestattet, davon nur zwei, etwas\nausgeführt, folgen zu lassen.\nBis um die Zeit des wiener Congresses 1814 war die\nStimmung in allen österreichischen Orchestern, dessgleichen\nin allen Militär-Musikcorps, im reinsten Verhältnisse, aus\nkeinem anderen Grunde, als weil alle benöthigten Holz-\nBlasinstrumente aus Einer und derselben Fabrik, der des\nrühmlichst bekannten Stephan Koch in Wien, hervor-\ngegangen waren*). War dieses Stimm-Verhältniss gleich-\nwohl gegen das im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts\nschon ein erhöhtes, so hätte es unbeschadet für Sing-Or-\ngane und Saiten-Instrumente dennoch bestehen können,\nwäre es als Normal-Tonhöhe festgehalten worden. In dem\nZeitpunkte, von dem hier ausgegangen wird, konnte es\nnicht vorkommen, dass reisende Virtuosen wegen differiren-\nder Stimmung ihres Instrumentes irgendwo auf Hindernisse\ngestossen wären, was gegenwärtig an jedem Orte zu be-\nfürchten steht. Zu besserem Verständnisse jener Zeit darf\nindess doch bemerkt werden, dass reisende Virtuosen auf\nHolz-Blasinstrumenten zu den seltenen Erscheinungen ge-\nhörten, solche aber auf Blech-Instrumenten fast gar nicht\nvorkamen. Der ausgezeichnete Virtuose auf dem Waldhorn,\nPunto (eigentlich Stich), der schon 1803 verstorben, für\ndessen Meisterschaft Beethoven's Sonate, Op. 17 für\nihn geschrieben —, Zeugniss gibt, hatte nur an Gehring\neinen Rivalen; denn das Waldhorn war nicht sehr anziehend,\num sich darauf zum Virtuosen auszubilden. Diese Glorie\nwar der prophetischen Erscheinung der Ventilhörner und\nKlappen-Trompeten vorbehalten, welche (nebst anderen der-\nlei Erfindungen) die eigentliche Revolution im modernen\nOrchester bewirkt haben. Es wird ferner nicht überflüssig\nsein, zu bemerken, dass bei Verstärkung stehender Orche-\nster, dem Militär-Musikcorps entnommen, Störungen in der\ngleichmässigen Stimmung niemals vorgekommen sind.\nDer wiener Congress, der das schwierige Problem ge-\nlös't, eine Uebereinstimmung in den staatlichen Verhältnis-\nsen unseres Welttheils zu erzielen, ward doch andererseits\nindirecte Veranlassung (man entschuldige die Hyperbel) zum\nAuseinandergehen aller Verhältnisse in der europäischen\nOrchester-Stimmung. Wie ging das wohl zu?\nEs standen damals zu Wien in Garnison die Infanterie-\nRegimenter „Kaiser Alexander\" und ■„Hoch-und Deutsch-\nmeister\", deren Commandanten eben so grosse Musikfreunde,\nals in Beziehung auf die Leistungen ihrer Musikcorps ein-\n\n*) Der Verfasser will hierbei sogleich auf eine der sich entge-\ngenstellenden Parallelen hindeuten, nämlich auf die harmo-\nnischen Verhältnisse in der musicalischen Kritik, so lange\ndie leipziger Allg. Musik-Zeitung unter Redaction von Friedrich\nRochlitz das alleinige kritische Tribunal für ganz Deutschland\ngewesen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5272, "texte": "ander gegenüberstehende Rivalen waren. Der Oberst des\nzweitgenannten Regiments, beiläufig bemerkt, war der\nFreiherr v. Ertmann, Gemahl der als ausgezeichneten\n/\nKünstlerin auf dem Pianoforte geschätzten Frau Dorothea\nv. Ertmann, geh. Gratimann aus Frankfurt am Main, wel-\ncher Beethoven seine Sonate in Op. 101, gewidmet,\nüberhaupt für richtigen Vortrag seiner Clavier-Musik nicht\nwenig lür sie gethan hat, in der Hoffnung der Weiterver-\nbreitung. Dass unter solchen Auspicien diese beiden Musik-\ncorps damals schon auf einer gewissen Höhe künstlerischer\nAusbildung gestanden, die andere, nicht so begünstigt, kaum\nzwanzig Jahre später erreicht hatten, wird nicht überraschen.\nAuch wird man es begreiflich finden, in welch hohem Grade\ndie Leistungen dieser Musikcorps, jedes über sechszig Mann\nstark, die Aufmerksamkeit der fremden Monarchen und al-\nler anwesenden Grossen am Congress erregen mussten.\nMan weiss, dass Kaiser Alexander das Corps seines Regi-\nments fast täglich in der Hofburg hörte, und in Folge Al-\nlerhöchster Befriedigung dessen Commandanten namhafte\nSummen zur Förderung musicalischer Zwecke zustellen\nliess, oftmals aber auch selbe nnter die Mitglieder des Corps\nzu vertheilen befahl.\nWährend sich demnach durch die Munificenz der rus-\nsischen Majestät die Casse dieses Regiments mehr und mehr\nmit Ducaten gefüllt hatte, verblieb die des anderen in stets\nnormalem Zustande. Das Officiercorps, durch seinen Ober-\nsten fortan zu besonderen Beiträgen für Musikzwecke in\nAnspruch genommen, vermochte fürderhin nicht mehr, kai-\nserlichen Geschenken es gleich zu thun, zumal der Inhaber\ndes Regiments, der Erzherzog Anton, wenig von der Kunst-\nliebe seines erlauchten Bruders Rudolf in sich verspürend,\nan namhafter Unterstützung zu vorbenannten Zwecken es\nauch fehlen liess. Alsbald ergaben sich der gewichtigen\nGründe nicht wenige, die zum Vortheil einer guten Sache\nbestandene Rivalität zwischen beiden Musikcorps ihrem Ende\nzuzuführen, indem überdies noch eine gewisse compositori-\nsche Potenz, der das „Kaiser-Alexander-Musikcorps\" seine\nbis dahin erreichte Bedeutsamkeit wesentlich zu verdanken\ngehabt, mittels des blinkenden Genius, den die volle Cassen-\ntruhe barg, zu noch grösserer Thätigkeit für den Ruhm\ndieses Musikcorps angespornt wurde. Von dieser Persön-\nlichkeit ausführlicher weiter unten. Zur Stelle sei nur noch\nbemerkt, dass durch diese und noch andere Vorgänge der\nkünstlerische Ehrgeiz des Obersten v. Ertmann empfind-\nlich verletzt ward, daher ihn die Kaiserstadt nicht mehr an-\nmuthen konnte. Glücklicher Weise überraschte ihn das\nAvancement zum General, als welcher er 1818 nach Mai-\nland ging*)\nIn der ersten Hälfte von 1816 trat das Musikcorps\ndes Kaiser-Alexander-Regiments mit lauter neuen Instru-\nmenten auf eine Thatsache, deren Folgen alsbald in un-\nerfreulicher Weise von den Orchestern der Residenz em-\npfunden werden sollten. In der Masse der neuen Instrumente\nerregten vermehrte und verbesserte Clannetten besondere\nAufmerksamkeit, und täuscht mich das Gedächtniss nicht,\nso erschien auch darunter die Es-Clarinette als neue Erfin-\ndung. Die F-Clarinette war bereits da. Verfertiger aller\ndieser Instrumente war Stephan Koch. Das Basset-Horn\nwurde wegen seines schwachen Tones, aber auch wegen\nseiner die reine Stimmung im Ensemble gefährdenden Eigen-\nschaften aus der Gesellschaft der neuen Instrumente besei-\ntigt. Bekanntlich bleibt das Basset-Horn (wohl zu unterschei-\nden von dem in neuester Zeit unter diesem Namen erschie-\nnenen Instrumente von ähnlicher Form mit blechernem\nTrichter und Clarinetten-Toncharakter) unter allen Blas-In-\nstrumenten hartnäckig seiner ursprünglichen Abstimmung\ngetreu, während die anderen sich beim Gebrauche erwär-\nmen und dadurch etwas höher werden. Hieraus entstanden\noft verdriessliche Differenzen in der harmonischen Ge-\nsellschaft.\nWie es um die Tonhöhe dieser neuen Instrumente aus-\ngesehen, das ergab sich schon im Juni 1816. Zur Feier\nder Zurückkunft des Kaisers Franz nach beendigtem Feld-\nzuge veranstaltete der wiener Musik-Verein die Aufführung\nvon Abbe Stadler's Oratorium „Die Befreiung von Jerusa-\nlem\" mit grossen Kräften. Das Musikcorps des Kaiser-Ale-\nxander-Regiments ward ebenfalls zur Mitwirkung\nzogen. Nun erst erwies sich dessen Stimmung von so be-\ndeutender Höhe, dass von der Mitwirkung abgesehen wer-\nden musste. Der Vorfall rief lebhafte Debatten hervor; die\nEinen vertheidigten diese hohe Stimmung, die Anderen ver-\n\n*) Auf Beethoven wirkte die Trennung von diesem militärischen\nKünstlerpaare aus mehrfachen Gründen schm rzlich. Oberst\nv. Ertmann verstand es, den damals sehr verstimmten Künst-\nler zuweilen nach Soldaten-Manier aufzurichten, und Frau v.\nErtmann eine würdevolle Erscheinung hatte sich durch\nfleissiges Studium seiner Claviervverke nach seiner Anleitung\nihm bereits sehr werth gemacht. In Darstellung des Zarten,\nNaiven, auch Humoristischen, bestand ihre Hauptstärke. Diese\nFrau und Herr C. Czerny waren die Einzigen, die damals im\nStande gewesen, unseren Grossmeister im Vortrage seiner\nCompositionen zu befriedigen; erstere mehr, denn letzterer.\nDarüber sich ausführlicher zu erklären, soll für den Verfasser\nbei einer passenderen Gelegenheit besondere Sorge sein, da\nder Gegenstand von allgemeinem Interesse und keineswegs\nverjährt ist."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5262, "texte": "warfen sie. Die Vertheidiger brachten als Hauptgrund vor,\nes sei die nächste Bestimmung der Militär-Musikcorps, ihre\nWirksamkeit in freier Luft zu üben, dieselbe aber hier nur\ndurch den möglich hellsten Klang der Instrumente gehoben\nwerden könne, dieser jedoch mit der früheren Abstimmung\nnicht zu erzielen gewesen. Man antwortete ferner den Geg-\nnern, dass Militär-Musikcorps am allerwenigsten da seien,\num zur Begleitung von Singstimmen verwandt zu werden\nu. s. w. Alles Gründe, die in sich selbst festen Halt hatten\nund Gegengründen wenig Raum gestatteten.\nIn diesem Factum ist der erste Impuls zu der gegen-\nwärtigen Orchester-Stimmung zu suchen. Ob jedoch nicht\netwa gleichzeitig oder früher schon an Erhöhung des Stimm-\nverhältnisses in Paris gearbeitet worden, vermag ich nicht\nzu sagen; es ist indess nicht wahrscheinlich, weil die\nfranzösische Militär-Musik damals kaum geboren war, die\nBlas-Instrumente daher nur im Theater und Concertsaale\ngebraucht wurden. Wäre dies aber auch wirklich der Fall,\nso ist doch gewiss, dass die deutsche Orchester-Stimmung\ndurch das erste und zweite Decennium unseres Jahrhun-\nderts von Frankreich aus nicht behelligt wurde.\nDer nun einmal vorhandene Missstand wäre jedoch kei-\nneswegs von den üblen Folgen gewesen, die wir jetzt zu*\nbeklagen haben, wäre man über diesen Differenzpunkt nicht\nnoch weiter hinausgegangen. Aber die schon wenige Jahre\ndarauf erfolgte Erfindung des Ventilhorns und der Klappen-\nTrompete hat die Differenz nahe um einen Halbton gegen\ndie Tonhöhe des ersten Decenniums vergrössert, so dass es\num die reine Stimmung geschehen war, wo sich das Ven-\ntilhorn mit einem Orchester vergesellschaftet hatte. Im kai-\nserlichen Operntheater zu Wien ergab sich dieser Fall durch\nAnstellung der bekannten Brüder Lewy, die um das Jahr\n1821 das erste Ventilhorn dahin gebracht. Welche Stö-\nrung diese Erfindung in die pariser Orchester und Stimm-\nOrgane gebracht, ist bekannt durch die Vermittlung Ludwig's\nXVIIL, der, um das eingerissene Uebel radical zu heilen,\ndie Anschaffung von neuen Blas-Instrumenten, um einen\nHalbton tiefer abgestimmt, für sämmtliche Orchester der\nköniglichen Theater auf Kosten der Civilliste zu bewilligen\ngeruht hat. Daher die Anekdote, dass dieser halbe Ton dem\nKönig 50,000 Francs gekostet habe. Diese erniedrigte Stim-\nmung hat sich bis heute in ganz Frankreich erhalten und\ndifferirt mehr oder weniger gegen alle deutschen Orchester,\nunter denen, so viel mir durch eigenes Hören bekannt, die\nStimmung des königlichen Operntheaters in Berlin die\nhöchste sein dürfte. ~\nWer sich von der Differenz zwischen deutscher und\nfranzösischer Stimmung überzeugen will, der kaufe sich fite\nwenige Groschen die pariser Normal-Tonhöhe. Mittels einer\nm einem Rohr von ungefähr einem Zoll Länge befestigten\nStahlzunge ertönt beim leisesten Anhauchen das a der ein-\ngestrichenen Octave*). Deutsche Musiker, die nach Paris\nkommen, gerathen in Verwunderung über die wohlthuende\nKlangfülle der dortigen Orchester. Das Geheimniss liegt\nallein in der tieferen Stimmung, die den Saiten-Instrumen-\nten einen starken Bezug ermöglicht. Man höre die imponi-\nrende Toniülle und Kraftäusseruiig von lünfzehn bis zwan-\nzig pariser Violinen, sogar in der höchsten Applicatur, im\nGegensatze zu dem dünnen Getöne derselben Zahl oder noch\nviel mehr in unseren Orchestern. Der Akustiker wird uns\ndie Differenz in einer enormen Zahlengrösse von Schwin-\ngungsstössen (nach Scheibler's Theorie) zwischen dem fran-\nzösischen und dem deutschen eingestrichenen als physischen\nGrund der Gesammt-Tonfülle vor Augen legen. Der Musi-\nker aber hält sich an das Resultat der Differenz und erfreut\nsich an der ausserordentlichen, kaum gekannten Wirkung,\nvornehmlich bei Ausführung deutscher Meisterwerke in\nfremdem Lande. Das Centralisations-Svstem wirkt unstrei-\n•i\ntig auch in diesem Punkte zur Erhaltung des Bestehenden\nund von oben Ueberwachten mit. Wer sich», einstens mit\nAbfassung des geschichtlichen Entwicklungsganges aller\nBlas-Instrumente in industrieller und orchestraler Hinsicht\nbeschäftigen wird, wird allen darauf Bezug gehabten Ein-\nflüssen und Gründen weiter nachzuspüren haben. Unter\nletzteren dürfte sicherlich die Vielheit der über ganz\nDeutschland zerstreuten Instrumenten-Fabriken als Haupt-\nBeförderungsgrund des nach jeder Richtung hin zerstörten\nund unwiederbringlich verlorenenNormal-StunmVerhältnisses,\nwie es bis zum Jahre 1816 in ganz Deutschland ohne\nDifferenz bestanden hat, obenan stehen**).\n\n) Stimmgabeln aus Paris sind weniger verlässlich, am wenigsten\ndie von Pianoforte-Fabricanten versandten. Die Instrumente,\ndie nach Deutschland gehen, werden um ein Bedeutendes\nüber die Normal-Höhe gestellt.\n**) Neuester Zeit haben einige Instrumentenmacher es versucht,\ndem noch steten Fortschreiten der Stimmerhöhung Einhalt zu\n1,1,111 und die Feststellung einer Normal-Höhe zu bewirken.\nHerr Theobald Böhm in München meldete diesfalls seinem\nMitstrebenden G. A. Andre zu Frankfurt a. M.: „Leider ist\nalles bisher Gesagte und Geschriebene bezüglich der Annahme\neiner Normal-Stimmung unbeachtet geblieben, obschon unzäh-\nlige Ucbelstände durch die vielen und grossen Stimm-Ver-\nschiedenheiten immerwährend vorkommen. . . . Einstweilen\ndiene, dass ich im Einverständniss mit den meisten Autoritä-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-02-24-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-02-24_01#c003", "volume": "bmtnabi_1855-02-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "63", "page_fin": "63", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.2.3", "titre_corps": "Johann Joseph Schott.", "titre_sommaire": "Johann Joseph Schott.", "signature_source": "M. G. 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Februar 1855, also in seinem 73.\nLebensjahre, mit Hinterlassung mehrerer trefflichen Töchter und\neines Sohnes, des Herrn August Schott, der sich bereits durch Füh-\nrung der Detail-Musikhandlung in Mainz als tüchtiger Kaufmann\nbewährt hat.\nWas der Vater begonnen, das bauten die beiden Brüder, An-\ndreas*) und Johann Joseph, rüstig weiter, und sie hoben durch\nThätigkeit und Umsicht, zugleich auch durch das Glück begünstigt,\ntrotz den mannigfachen Stürmen der Zeiten das Geschäft, das eine\nMusik- und Verlagshandlung, eine Notendruckerei (auf Kupfer, Zinn\nund Stein), eine Instrumental-Fabrik und eine Pianoforte-Manufac-\ntur, alle in grösster Ausdehnung, umfasst, so sehr, dass dasselbe\neines der bedeutendsten nicht nur in ihrer Vaterstadt, sondern auch\nin ganz Deutschland ward, und dass die Firma „B. Schott's Söhne\"\neinen ehrenvollen Klang durch Europa und über dessen Gränzen\nhinaus erlangt hat.\nHerr J. J. Schott war ein in jeder Hinsicht achtbarer, einfa-\ncher und edler Mann, den die schätzbarsten Vorzüge des Geistes\nund Herzens, in Verbindung mit einer grossen Gemüthlichkeit,\nzierten. Ueber seinen Werth als Geschäftsmann herrscht bei allen,\ndie mit ihm in Verbindung getreten, nur Eine Stimme des Lobes;\nhöchst interessant ist, was Beethoven, der, wie in so Vielem, so\nauch hier das Wahre getroffen hat, in einem Briefe vom Jahre\n1824 (s. Cacilia, H. 97, S. 26) von ihm sagt: „Sie sind so offen\nund unverstellt, eine Eigenschaft, welche ich noch nie an Verlegern\nbemerkte\" u. s. w. Ja, offen und unverstellt zeigte er sich in sei-\nnem Handeln und Wandeln. Dabei entwickelte er eine ungemeine\nEnergie und Geschäftskenntniss, die sich jedoch niemals ausschliess-\nlich dem Erwerblichen, sondern auch immer dem Höheren der\nKunst zuwandte. Zeugniss dafür geben so manche Productionen,\ndie aus dem Schottischen Verlage hervorgegangen sind, wie die\n„Cäcilia\" (unter Gottfried Weber's, später unter Dehn's Redaction),\ndie Herausgabe der letzten Werke Beethoven's, die Begründung\nder Süddeutschen Musik-Zeitung u. s. f. Mit einem nie erkalten-\nden Sinne für die Kunst suchte er alle musicalischen Institute zu\nheben, und insbesondere verdanken die mainzer Liedertafel und\nder Damen-Gesangverein, deren vorzüglicher Stifter und langjähri-\nger Präsident er war, seiner liebenden Fürsorge Blüthe und Ge-\ndeihen. In seinem Umgange war er leutselig, ohne viele Worte,\ndabei aber fest und zuverlässig, der treueste und wärmste Freund\nseiner zahlreichen Freunde. Auch als Bürger stand er durchaus\nehrenhaft da; er bekleidete bis zum Ende seines Lebens das Ehren-\namt eines Stadtrathes und zuletzt noch das eines Beigeordneten des\nBürgermeisters.\n(Südd. M -Z)\nten (Fabricanten oder Musiker?) eine Stimmung für einge-\nstrichenes a mit 880 Oseillationen oder 440 ganzen Pendel-\nschwingungen pro Secunde für die geeignetste halte und auch\nam meisten Gründe dafür anzugeben sind.\"\nMöge es gelingen, dem schweren Uebel zu steuern. Ab-\nhülfe, wie einstens in Frankreich, ist von königlichen und\nfürstlichen Civillisten in Deutschland nicht zu erwarten. Hört\nman die Gesangmusik des achtzehnten Jahrhunderts mit der\ngegenwärtigen Stimmhöhe, z. B. Seb. Bach's H-moll-Messe, so\nkann man sich des Mitleids mit den Singenden nicht enthal-\nten. Offenbar hatte Beethoven eine frühere Tonhöhe in Ohren,\nals er die neunte Sinfonie und die Missa in D geschrieben.\nEs lässt sich sonst in keiner Weise erklären, was er darin\nden Singstimmen zumuthet. Ist doch in seinen früheren Ge-\nsangwerken weder in Solo-Stimmen noch in Chören irgend\neine Stelle zu finden, die selbst bei gegenwärtiger Tonhöhe\nnicht mit Leichtigkeit zu singen wäre. Wo liegt sonach der\nGrund seines maasslosen Ausschreitens in genannten Werken?\n*) Der ältere Bruder, Herr Andreas Schott, ein eben so prakti-\nscher als einsichtsvoller Geschäftsmann, ist schon im August\ndes Jahres 1840 gestorben, worauf dessen Sohn, Herr Franz\nSchott, Mit-Chef des Handlungshauses wurde, das auch ihm\nseinen Aufschwung mit verdankt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-02-24-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-02-24_01#c004", "volume": "bmtnabi_1855-02-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "63", "page_fin": "64", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.7", "debut_caractere": 4599, "fin_caractere_exclue": 7165, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nliiidensclteid.. Der städtische Gesang-Verein, unter Leitung\nseines Directors Herrn Louis Wreinbrenner, welcher unter\nden im verflossenen Jahre gegebenen Concerten zwei zum Besten\ndes Frauen-Vereins gab, gab sein Concert am 14. Januar c.,\naus dessen Programm wir besonders hervorheben: den Bergmanns-\nGruss von Anacker, das Trio, Op. 14, in Es von Mozart, eine Phan-\ntasie für Clarinette und Pianoforte, Op. 4, von Bärmann und eine\nComposition von Herrn Louis Weinbrenner, die Sehnsucht von\nSchiller für Solo- und Chorstimmen. Das Concert erfreute sich\nsowohl einer grossen Theilnahme, als auch eines ausserordentlichen\nallgemeinen Beifalls.\nMerlin, Folgende Bekanntmachung findet allgemeine Aner-\nkennung: Die Mitglieder des recitirenden Schauspiels haben sich\nan mich mit der Bitte gewandt, das Hervorrufen bei offener Scene\ndurch ein Verbot ihres Erscheinens unmöglich zu machen. So\ndurchdrungen ich längst von dem Nachtheil bin, den diese Art des\nBeifalls, so erfreulich an und für sich, für die Darstellungen mit\nsich bringt, indem ein auf mühsamen Proben mit Sorgsamkeit an-\ngestrebtes Ensemble gestört wird, kann ich mich doch zu einem\nderartigen Verbote nicht bestimmen lassen. Ich halte ein solches\nnicht für angemessen, da das Publicum unmittelbar dabei bethei-\nligt ist. Dem Bedenken, durch irgend einen Schritt in dieser Sache\nden darstellenden Künstlern einen Theil ihres schönsten Lohnes zu\nschmälern, bin ich durch deren eigenen Wunsch überhoben. Nun-\nmehr wähle ich den Weg, im Interesse der Sache, das geehrte\nPublicum zu ersuchen, das Hervorrufen bei offener Scene im reci-\ntirenden Schauspiel unterlassen und dem etwaigen Bestreben der\nleider oft fühlbaren so genannten Claque entgegentreten zu wollen.\nDurch den Beifall während der Scene und das Hervorrufen nach\ndem Fallen der Gardine dürften wohl genügende Beweise zur Zu-\nfriedenheit mit den Leistungen der Künstler gegeben werden können,\nvon Hülsen, General-Intendant der königl. Schauspiele.\nDas berliner Echo vom 18. Febr. enthält folgendes „Einge-\nsandt\": An die Herren p. p. Taubert und Ries! Am 20. Febr.\n1851, also vor fünf Jahren, fand, unter Mitwirkung der k. Capelle,\ndas Concert zum Besten der Hinterbliebenen Albert Lortzing's Statt,\nder sechste Theil der Einnahme musste statutenmässig dem Witwen-\nFonds der k. Capelle abgegeben werden, wogegen der Vorstand\nder k. Capelle der Witwe des verewigten deutschen Capellmeisters\ndie Einnahme eines zu ihrem Besten zu veranstaltenden Concertes\nversprach. Das Versprechen ist bis heute unerfüllt geblieben!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6119, "texte": "Ein Magistrats-Mitglied in Berlin beabsichtigte, eine Virtuo-\nsensteuer anstatt der Brennholzsteuer zu beantragen. Die Ein-\nsicht in die von den Virtuosen (mit Ausnahme von Roger und Vi-\nvier, Clara Schumann und J.) geleisteten Zuschüsse zu den Concert-\nkosten veranlasste, den Plan aufzugeben.\nAls Zwischengericht in dem Concerte des Herrn Rubinstein zu\nBerlin trat Fräulein Westerstrand, die ungemein coloraturfertige\nschwedische Sängerin, wieder auf und flötete die Prinzessinnen-Arie\naus Robert, nebst der verrufenen Polka von Alary. Der kalte Ge-\nsang dieser Dame hat uns aber noch nie die wohlthuende Empfin-\ndung eines Naturerzeugnisses verursacht, sondern stets nur die Be-\nwunderung abgedrungen, die wir dem Prof. Herrmann zollten, wenn\ner mit vollendeter Treue die Stimmen der Singvögel copirte. In\nähnlicher Wreise ahmt auch Fräulein Westerstrand eine gut ge-\nschulte Sopranstimme auf das täuschendste nach.\nHannover. Am 21. Januar ist hier Wagners „Tannhäu-\nser\" zum ersten Male unter der Direction des Capellmeisters F i-\nscher aufgeführt worden und hat gefallen.\nDresden. Se. Maj. der König hat dem G.-M.-D. Dr. Meyer-\nbeer das Commandeurkreuz des Albertus-Ordens, in Anerkennung\ndes mit Enthusiasmus aufgenommenen „Nordsterns\", verliehen.\na. M. Der „Volksfreund\" bringt in seiner Nr.\n20 vom 16. Febr. interessante Enthüllungen über hiesige Theater-\nzustände und über den Bericht des Commissarius des Senates, be-\ntreffend die Geschäftsführung des Directors Hoffmann. Trotz\ndieses sehr günstigen Berichtes ist dem Vernehmen nach die auf\ndrei Jahre verlangte Subvention von 15,000 Fl. jährlich abgelehnt\nund der Antrag gestellt wrorden, eine neue Bewerbung um die\nTheater-Direction auszuschreiben. Dieselbe Nummer enthält ei-\nnen scharfen Artikel „über die Kunstkritik in den frankfurter Jour-\nnalen\", wo es u. A. Heisst: „Leider bedürften wir, um die musi-\ncalische Kunstkritik, wie sie in den frankfurter belletristischen Zci-\ntungs- und Local-Blättern ausgeübt wird, entsprechend zu schildern,\nzu entlarven und (vielleicht?) zu bessern, der ätzendsten Dinte\nund der schärfsten Feder. Da wir diese reformatorische Kraft aber\nnicht besitzen, so glauben wir wenigstens unserem Gewissen, den\nWünschen der ehrlichen Kunstjünger und dem Interesse der Kunst\nselbst genug zu thun, wenn wir die faulen Flecke aufdecken und\nauf die Rückwirkungen, welche leider der corrumpirte Zustand un-\nserer kunstrichterlichen Journalistik auf das künstlerische und so-\nciale Musikleben Frankfurts ausgeübt hat, hinweisen, damit ge-\nschickte und ehrliche Aerzte, deren es unter dem Gremium der\nhiesigen Musikwelt und Künstlerschaft Gottlob noch so manche\ngibt, dadurch veranlasst und (sie mögen es uns nicht übeldeuten)\nermuthigt werden, um mit vereinter Kraft auf Beseitigung der\nfaulen Flecke, auf Hebung des musicalischen Lebens durch ver-\nedelte Kunst-Journalistik hinzuwirken.\" Nachdem mehrere ein-\nzelne Fälle namhaft gemacht, heisst es am Schlüsse: „Dass durch\neine solche corrumpirte öffentliche Kritik der Geschmack des Publi-\ncums, die Bildung und der Charakter so manches aufstrebenden\nTalents verdorben, und das gedeihliche Wirken ehrlicher und tüch-\ntiger Kunstgenossen erschwert oder neutralisirt wird, ist offenbar\nund bestätigt sich leider durch einen Blick auf das hiesige künst-\nlerische und sociale Musikleben, auf welches wir in unserer Be-\ntrachtung kommen werden, wenn wir durch diesen unseren ersten\nAufsatz einiges Interesse für die Sache erregt zu haben uns schmei-\ncheln dürfen. Ein Kunstfreund.\"\nWien. An der Ilof-Opernbühne gastirt Frau Doria-Lass-\nlow, bis jetzt als Norma und Lucrezia aufgetreten. Sie besitzt eine\nnicht grosse, aber sehr ansprechende Stimme und gute Gesangs-\nbildung. Der lyrische Ausdruck gelingt ihrf für den dramatischen\nreicht weder Gesang noch Spiel aus, und es ist dcsshalb zu ver-\nwundern, dass sie obige Rollen wählte. Beck war in der Lucre-\nzia vortrefflich, eben so Ander, welcher wegen Krankheit Steger's\nden Gennaro übernommen hatte.\nFräulein Clauss hat am 28. v. Mts. ihr zweites Concert vor\nzahlreichem und glänzendem Publicum gegeben. Programm: Men-\ndelssohn's Trio in C-tiioll, Händel's Variationen, J. S.B ach's\nPräludium und Fuge in Cis-dur, Notturno von Chopin und „Win-\ntermärchen\" von Dreyschock. Willmers hat einen Cyklus\nvon vier Abend-Unterhaltungen am 22. v. Mts. eröffnet.\nDas Thedtre roxyal in Brüssel, welches am 21. Januar bis auf\ndie vier Umfangsmauern niederbrannte, war in den Jahren 1817\nbis 1819 erbaut und kostete 1,600,000 Frcsi; seitdem hat es drei\nMal einen theilweisen Umbau und neue Ausstattung erfahren, wel-\nche zusammen auf 1,200,000 Frcs. anzuschlagen sind; neue Deco-\nrationen während der ganzen Periode für 110,000 Frcs., das Bas-\nrelief an der Vorderseite, gefertigt vom Bildhauer Simonis und\nerst vor einigen Monaten enthüllt, 90,000 Frcs. macht 3,000,000\nFrcs. Die Vorderseite mit dem Basrelief ist erhalten. Auch viele\nkostbare, alte Instrumente sind im Orchester mit verbrannt, z. B.\nzwei vorzügliche Contrabässe, mehrere treffliche Violinen, ein ganz\nausgezeichnetes Violoncell u. s. w.\nDeutsche Tonhalle\nDie um den Preis wegen des Liedes: „An eine Blume das\nHerz\" eingekommenen 79 Bewerbungen haben den nach den Ver-\neins-Satzungen (14bc) erwählten Herren Preisrichtern: Herrn Mu-\nsik-Director Hetsch, Herrn Capellmeister Hiller und Herrn General-\nMusik-Director Dr. L. Spohr, zur Beurtheilung vorgelegen. Nach\nden uns zugekommenen Beurteilungen ist der Preis keiner dieser\nBewerbungen zuerkannt. Besonders belobt hingegen wurden die\ndes Herrn Zimmermann, Musiklehrer hier, und des Herrn\nSpeidel, Musik-Director in Ulm. Belobt wurden die Bewerbungen\nfolgend benannter Herren Verfasser: J. M. H. Beltjens, Musik-Di-\nrector in Roermond; W.Bus, Pfarrer in Hammelbach (Grossherzog-\nthum Hessen); Herrn. Jaeschke in Breslau; F. WT. Markuli, k. Mu-\nsik-Director in Danzig; E. Methfessel, Musik-Director in Winter-\nthur; W. Nick, Musiklehrer in Fulda, und Hugo Schwantzer in\nBerlin.\n> Wegen Rückgabe der hier nicht aufgeführten 70 Werke haben\nwir uns nach den Satzungen (14 i) zu achten.\nMannheim, den 8. Februar 1855.\nDer Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.1", "texte": "Eduard Hanslick.\nII.\nWir haben durch den Abdruck des letzten Abschnit-\ntes von Hanslick's Büchlein (in der vor. Nummer) den Leser\nsogleich in med'tas res, oder eigentlich in ultimas, hineinge-\nführt. Man könnte es sonderbar finden, mit dem Ende an-\nzufangen; unsere Absicht aber war, eines der schlagend-\nsten Resultate der ganzen Untersuchung des scharfsinnigen\nVerfassers sogleich mitzutheilen, um dadurch zu zeigen,\nwas man bei ihm zu erwarten habe. Auch läugnen wir\nnicht, dass die Befriedigung, dasjenige, was wir seit Beginn\nder Herausgabe unserer ehemals Rheinischen, jetzt Nieder-\nrheinischen Musik-Zeitung so oft deutlich, wiewohl apho-\nristisch, ausgesprochen und an zerstreuten Stellen angedeu-\ntet haben, hier in ein System gebracht und durch eine lo-\ngische Entwicklung festgestellt zu sehen, mit dazu beige-\ntragen hat, den Inhalt gerade dieses letzten Capitels zu-\nnächst mitzutheilen.\nSchon im I. Jahrgange 1850 der Rhein. Musik-Zeitung\nsagten wir in dem Aufsatze über J. Haydn's Musik (S.\n242): „Einer wahren künstlerischen Natur, wie Haydn,\nerscheint Alles musicalisch; seine Empfindung ist Musik, er\ndenkt nicht Philosophie, nicht Aesthetik, nicht Geschichte,\nnicht Romantik u. s. w., er den kt Musik seine An-\nschauungen und Vorstellungen sind Musik er hört\nin sich keine andere Sprache als Musik, und so redet er\ndenn auch keine andere darin ist er Original-Schrift-\nsteller, während Andere die musicalische Sprache zu reden\nvermeinen, wenn sie in diese zu übersetzen versuchen,\nwas sie in der gewöhnlichen Sprache gedacht haben.\" (Vgl.\nHanslick in der vor. Nr., S. 52, Sp. 2.)\nDasselbe Thema behandelte in Nr. 46 (vom 17. Mai\n1851) der Artikel „Plastische Musik\", in welchem die\n„lächerlichen Prätentionen der neueren Componisten, die\nuns zumuthen, durch ihre Musik die speciellen Vorstellun-\ngen in uns hervorzurufen, welche sie durch Ueberschriften\nu. dgl. bezeichnen\", so wie die Programme zu Musik-\nstücken verspottet werden, „bei denen man sich einstwei-\nlen noch des alltäglichen Mittels der Vermittlung der Ideen\nzwischen den Menschen bedient, bis völlig ausgebildete mu-\nsicalische Formen und Phrasen für „ „jede Gegenständlich-\nkeit\" \" erfunden sind\" —und wo es unter Anderem heisst:\n„Es klingt in Worten ganz prächtig, dass der Componist\nbei seinen Schöpfungen etwas Höheres (?) denken müsse,\nals Musik, dass er aus der Subjectivität in die Objectivität\ntreten müsse, ■ damit die Musik die Elemente der Zeit, die\nweltbewegenden Ideen der gegenwärtigen Menschheit in\nsich aufnehme und darstelle. Schade nur, dass Töne keine\nWorte sind und der Schlüssel noch nicht gefunden, die\nHieroglyphen der Notenschrift durch den Klang der Instru-\nmente urplötzlich in das Alphabet der Muttersprache der\nZuhörer zu verwandeln.\"\nMan vergleiche ferner das Programm zu dem 111. Jahr-\ngange in Nr. 1 vom 3. Juli 1852, die humoristische Po-\nlemik in den Artikeln „Stoppellese\" gegen die After-Philo-\nsophen, die Aufsätze über „Kunst und Kunststil\" (Nieder-\nrheinische Musik-Ztg., I. Jahrg., Nr. 9 v. 27. Aug. 185-3)\nbei Gelegenheit von A. Helfferich's Schrift u. s. w.—über-\nall wird auf den einzig möglichen Inhalt der Musik, nämlich\nden musicalischen, hingewiesen, was denn in dem Programm\nzum 11. Jahrgange derNiederrh. Musik-Ztg., unter der Ueber-\nschrift „Nichts Neues\", in Nr. Iv. 7. Januar 1854 auch\nmit dürren Worten ausgesprochen wird: „Wollt ihr wissen,\nwas der wahre Inhalt der Musik ist? Die Melodie ist\nes, der musicalische Gedanke, das Thema; und ein den-\nkender Tonkünstler ist nicht der, der einen Inhalt ausser-\nhalb der Musik sucht, sondern der in der Sphäre der\nMusik bleibt, nur Musik denkt und den Verstand nur ge-\nbraucht, die Thema's, die ihm aus der Seele gequol-\nlen, als musicalische Gedanken durch diejenigen Mittel\nzu entwickeln, welche ihm seine Kunst und sein Wissen\nin dieser darbieten.\"\nWir brauchen wohl kaum hinzuzufügen, dass Niemand\nglauben möge, wir wollten durch diese Anlührungen dem\nDr. Hanslick etwa beweisen, dass er nichts Neues gesagt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.2", "texte": "habe. Es kann kein Mensch ein abgesagterer Feind jenes\nSchlagwortes der heutigen Kritik in allen Kunstlächern:\n»Das ist zwar nicht neu, aber —\" u. s. w. sein, als wir\nselbst. Es ist mit dem wirklich Neuen in geistigen Dingen\nüberhaupt eine eigene Sache, und Ben Akiba's: „Das alles\nwar schon einmal da!\" enthält eine gewisse Wahrheit,\nwenngleich ebenfalls keine neue. Auf das eigentliche We-\nsen der Sache trifft Göthe, wenn er sagt: „Alles Gescheidte\nist schon gedacht worden; man muss nur versuchen, es\nnoch einmal zu denken.\" Ferner ist es auch viel leich-\nter, den Irrthum zu erkennen, als die Wahrheit zu finden;\nmit jenem wird man wohl fertig, aber dadurch hat man\nnoch lange nicht das Wahre an dessen Stelle gesetzt,\nvollends nicht in der Gestalt, dass Alle davon überzeugt\nwerden.\nWer also das Verfahren zur Erforschung der Wahr-\nheit und zur Erhärtung und evidenten Darlegung der ge-\nfundenen gründlich durchmacht, wer alles in Beziehung\nauf dieselbe in einem besonderen Falle Gedachte noch ein-\nmal denkt, d. h. logisch verfolgt, entwickelt, in ein System\nbringt, der ist als der wirkliche Schöffe oder Finder der-\nselben mit dem vollsten Rechte zu betrachten. Und dies\n\\ erdienst wollen gerade wir dem Dr. Hanslick im vorlie-\ngenden Fall am allerwenigsten schmälern. Seine kleine\nSchrift enthält offenbar die Saat zu einer Revision der\nAesthetik der Tonkunst; und nach der ganzen Art und\nWeise, wie er sich hier gibt, glauben wir nicht, dass er zu\ndenjenigen Reformatoren gehört, die da meinen, ihre Ori-\nginalität zu verlieren, wenn sie das Wahre anerkennen,\ndas schon von Anderen anerkannt worden ist.\nSeine Untersuchung beginnt, nach einigen einleitenden\nSätzen über den bisherigen wissenschaftlichen Standpunkt\nder Aesthetik der Tonkunst, die da noch nicht dahin ge-\nlangt sei, eben so wie die übrigen Kunstlehren vor Allem\n„das schöne Object, nicht das empfindende Subject\nzu erforschen\", mit der Polemik gegen den Satz, dass die\nBestimmung der Musik sei, Gefühle zu erregen. Das\nOrgan, womit das Schöne aufgenommen wird, ist nicht das\nGefühl, sondern die Phantasie, als die Thätigkeit des\nreinen Schauens (Vischer's Aesthetik §. 384) d. h.\neines Schauens mit Verstand, das ist Vorstellen und Ur-\ntheilen, welches letztere aber mit solcher Schnelligkeit ge-\nschieht, dass dessen einzelne Vorgänge uns gar nicht zum\nBewusstsein kommen. Der Hörer geniesst das Ton-\nstück in reiner Anschauung, jedes stoffliche Interesse muss\nihm fern liegen; ein solches ist aber die Tendenz, Affecte\nin sich erregen zu lassen.\nEine secnndäre Wirkung auf das Gefühl, nämlich\ndurch die Phantasie, kommt in jeder Kunst vor, also auch\nin der Musik, allein eine unmittelbare findet nicht Statt.\nIndem nun nachgewiesen wird, dass der Zusammenhang\neines Tonstückes mit der dadurch hervorgerufenen Gefühls-\nbewegung weder ein nothwendiger (vielmehr häufig\nein conventioneller, durch äussere Zwecke bis zu den lächer-\nlichsten Ueberschriften herab beeinflusster), noch ein\nstetiger, noch ein ausschliesslicher sei, so wird\ndamit der Eindruck der Musik auf das Gefühl keineswegs\ngeläugnet „zu den schönsten Mysterien der Tonkunst\ngehört es ja, dass sie solche Gefühle ohne irdischen An-\nlass, recht von Gottes Gnaden, hervorzurufen vermag\" (S.\n9) —, sondern nur gegen die Verwerthung dieser That-\nsachen für ästhetische Principien Verwahrung ein-\ngelegt. Nicht aus der unsicheren Wirkung, sondern aus\nden Kunstwerken selbst und aus den Gesetzen ihres Or-\nganismus ist zu erklären, was ihr Inhalt ist, worin ihr\nSchönes besteht.\nDiese Grundsätze hat Hegel bereits erschöpfend als\nallein richtig für alle und jede Aesthetik dargelegt und ge-\nzeigt, dass die Untersuchung der Empfindungen, welche\neine Kunst erweckt, nicht anders als ganz im Unbestimm-\nten stehen bleiben könne, wasllanslick auch erwähnt. Dass\ndieselben aber auf die Tonkunst bisher fast gar nicht oder\ndoch nur mangelhaft angewandt wurden, ist nicht zu läug-\nnen, und wie sehr sie in der neuesten Zeit durch das Un-\nkraut der philosophischen Unwissenheit in der Lehre von\nder Gegenständlichkeit der Musik unterdrückt worden sind,\nhaben wir in diesen Blättern oft genug dargethan.\nDer zweite Abschnitt hat es mit der Behauptung des\nSatzes zu thun, dass die Gefühle eben so wenig der In-\nhalt der Tonkunst sein können, als deren Erregung ihre\nBestimmung sei. Der Ideengang des Verfassers ist folgender:\nDie Gefühle stehen nicht isolirt in der Seele da, sie\nsind abhängig von physiologischen und pathologischen Vor-\naussetzungen, und bedingt durch das ganze Gebiet des Den-\nkens, welchem man so gern das Gefühl als Gegensätz-\nliches gegenüber stellt.\nDas Gefühl wird ein bestimmtes erst durch Vor-\nstellungen und Urtheile, es lässt sich als solches von con-\ncreten Vorstellungen und Begriffen nicht trennen, es ist\nohne einen historischen Inhalt nicht denkbar. Dieser ist\naber nur in Begriffen darzulegen. Begriffe kann jedoch ein-\ngestandener Maassen die Musik nicht wiedergeben, folglich\nvermag sie auch nicht, bestimmte Gefühle darzustellen\n(was natürlich nicht mit erregen zu verwechseln ist)."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.3", "texte": "Nur das Dynamische der Gefühle, die Bewegung\neines psychischen Vorganges nach den Momenten: schnell,\nlangsam, stark, schwach, steigend, fallend kann die Mu-\nsik ausdrücken. Was uns ausserdem in der Musik be-\nstimmte Seelenzustände zu malen scheint, ist durchaus\nsymbolisch (wie z. B. der Charakter der Tonarten oder\nAccorde eben so nur auf Deutung beruht, wie das Grün\nsich uns mit Hoffnung, das Blau mit Treue u. s. w. ver-\nbindet).\nAuch die Vocal-Musik, wiewohl ihre Theorie niemals\ndas Wesen der Musik bestimmen kann, ist nicht imStande,\nden aufgestellten Satz Lügen zu strafen. Nicht die Töne,\nsondern der Text stellt dar.\nAlles dies wird durch Beispiele erläutert, denen man,\nwenn man nur, wie es die Sache fordert, die Begriffe mit\nlogischer Schärle auf die Spitze stellt, ihre Beweiskraft\nnicht absprechen kann. Auch der Ausweg, dass die Musik\nzwar nicht bestimmte, aber wohl unbestimmte Gefühle\nerwecken und darstellen solle, wird gründlich verstopft.\nAngenommen aber auch, dass musicalische Gefühls-\ndarstellung möglich sei was jedoch schlechtweg ge-\nläugnet wird —, so kann sie doch niemals das ästhe-\ntische Princip der Tonkunst abgeben. Es wird dies\nsodann an der Vocal-Musik, welcher das Betonen von See-\nlenzuständen zukommt, nachgewiesen und gezeigt, dass\ndas Schöne in der Musik mit der Genauigkeit der Ge-\nfühlsdarstellung auch dann nicht congruiren würde, wenn\ndiese möglich wäre. Was bei dieser Gelegenheit über das\nWesen der Oper und gegen R. Wagner, selbst gegen\nGluck gesagt wird, ist ganz vortrefflich. Gar Manches, was\nvon uns in der kritischen Analyse des „Tannhäuser\" in der\nRheinischen Musik-Zeitung (Jahrg. 115. vom Nov. 1852\nan), und von Prof. Jahn in dem Artikel „Lohengrin\" in\nden Grenzboten, ferner in unseren Aufsätzen über Gluck *)\ngesagt ist, findet hier seinen Wiederhall, seine Ausführung\nund Begründung.\nNachdem der Verfasser bis hieher negativ verfahren,\nwendet er sich im dritten dem ausführlichsten Ab-\nschnitte zu der positiven Frage: welcher Natur das\nSchöne einer Tondichtung sei.\n„ Es ist ein s p e c i fi s c h M u s i c a 1 i s c h e s, d. h. ein\nSchönes, das, unabhängig und unbedürftig eines von aussen\nher kommenden Inhalts, einzig in den Tönen und ihrer\nkünstlerischen Verbindung liegt.\"\n„Das Urelement der Musik ist Wohllaut, ihr We-\nsen Rhythmus. Unausgeschöpft und unerschöpflich wal-\ntet vor Allem die Melodie, als Grundgestalt musicalischer\nSchönheit. Immer neue Grundlagen bietet ihr die Har-\nmonie; beide vereint bewegt der Rhythmus, und es\nversehen sie mit mannigfaltigem Reiz die Klangfarben.\"\n„Was soll ausgedrückt werden? Musicalische\nIdeen, als Selbstzweck, als selbstständiges Schönes. Tö-\nnend bewegte Formen sind einzig und allein Inhalt\nund Gegenstand der Musik.\"\n„Wie das Schöne eines Tonstücks nur in dessen mu-\nsicalischen Bestimmungen würzelt, so folgen auch die Ge-\nsetze seiner Construction nur diesen,\"\nDies sind die Hauptsätze, deren Ausführung in der\nSchrift selbst nachzulesen ist. Es reihen sich daran eine\nMenge von treffenden Bemerkungen über das Sinnliche und\nGeistige in der Musik, über das Gemeine oder Edle der\nmusicalischen Gedanken, über das Hineindeuten und Hin-\neinlegen durch den Hörer, über das Verhältniss der Musik\nzur Sprache u. s. w. welche zwar grossentheils nicht\nso neu, wie sie vielleicht dem Verfasser vorgekommen, aber\neinzig wahr sind, und desshalb nicht oft und eindringlich\ngenug gemacht werden können. Wenn es S. 40 heisst:\n„Melodie und Harmonie eines Thema's entspringen zugleich\nin Einer Rüstung aus dem Haupte des Tondichters\", so\nsind wir um so sicherer derselben Ansicht, als wir in dem\nschon oben angeführten Aufsatz über „Haydn's Musik\" aus\ndem Jahre 1851, S. 243 sagten: „Die Melodie bringt\nihre Harmonisirung gewisser Maassen schon mit auf die\nWelt\" ; und wenn Hanslick S. 51 die Theorieen ver-\nwirft, „welche der Musik dieEntwicklungs- und Construc-\ntionsgesetze der Sprache auldringen wollen, wie es von den\nJüngern Wagner's versucht wird\", so verweisen wir auf\nunsere Beurtheiiung der Schrift von L. Köhler: „Die Me-\nlodie der Sprache\", in Nr. 14 vom I. Jahrgang dieser Blät-\nter (vom 1. Oct. 1853) und unterschreiben mit voller\nUeberzeugung seine Worte: „Dabei wird das wahrhalte\n\n*) Ygl. namentlich Art. IV. in Nr. 44 vom 4. Nov. 1854, vro\nes bei Gelegenheit der Dedication zu „Paris und Helena''\nheisst: „Wer möchte eine so gefährliche Lehre unterschrei-\nben, die das Wesen des musicalischen Kunstwerks zerstört,\nund zum Realismus führt!\" u. s. w. Und wenn Hanslick S.\n30 sagt, dass Gluck zwar die falsche Theorie aufgestellt habe:\ndie Opern-Musik habe nichts Anderes zu sein, als eine gestei-\ngerte Declamation, „in der Ausübung aber breche die mu-\nsicalische Natur des Mannes oft genug zum Vortheil sei-\nnes Werkes durch\", so stimmten wir mit ihm bereits völlig\nüberein, als wir a. a. 0. S. 345 äusserten: „Dass Gluck in der\nPraxis n i e vergass, dass die Mus i k in der Oper die Haupt-\nsache sei, und dies auch gar nicht vergessen konnte, weil er\neben ein musicalisches Genie war, welches (S. 347) die\nReflexion nur auf Augenblicke auf einen Abweg führen\nkonnte.\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.4", "texte": "Herz der Musik, die in sich seibst befriedigte Formschön-\nheit, durchstossen und dem Phantom der „ „Bedeutung\"\"\nnachgejagt.\"\n\nDie gegenwärtige hohe Orchester-Stimmung und\nihr Ausgang.\nMitgetheilt von A. Schindler.\nI.\nZu den Klagen über die vielen Missstände in unserer\nMusik-Epoche gehört auch die über die zu hohe Stimmung\naller Orchester, so verderblich für Sing-Organe, wie nicht\nminder für den Klang der Saiten-Instrumente jeglicher Gat-\ntung. Mancherlei Gründe und Ursachen werden dalür vor-\ngebracht. Während die Einen, und zwar die Kunst-Philo-\nsophen, die wesentliche Ursache in der höheren Erregbar-\nkeit der Gemüther im lebenden Geschlechte finden wollen,\nund daraus zugleich als nothwendige Folge die verschiedene\nAuffassung der Tempo-Bezeichnungen gegen eine frühere\nZeit herleiten, legen die Anderen die Stimmung lediglich\nin die Willkür der Orchester selber, oder unterstellen da-\nlür den leidigen Zufall. Erstere belehren zu wollen, dass\nsie sich mit ihrer Speculation auf einem Irrwege befinden,\ndass sie Ursache und Wirkung in unserem Falle nirgends\nals in den Werkstätten von Blas-Instrumenten zu suchen\nhaben, wäre wohl vergebliches Bemühen. Erspriesslicher\ndürfte es sein, den Andersglaubenden, der grossen Mehr-\nzahl der Musiktreibenden, zu zeigen, dass diese verdriess-\nliche Erscheinung in den Orchestern auf rein mechanischen\nWegen durch menschliche Einwirkung herbeigeführt wurde\nund noch wird, und zwar, wie den Gebildeten bekannt,\ndurch Bohrung der Holz-Blasinstrumente zunächst.\nEs soll meine Aufgabe sein, in gedrängter Kürze auf\nden ersten Impuls zu der gegenwärtigen Orchester-Stim-\nmung hinzuweisen, indem ich als gewesener Zeuge die ge-\nschichtlichen Vorgänge diesfalls der Wahrheit getreu zu\nerzählen beflissen sein werde. Das Geschäft wird mir um\nso leichter, als unter den allbekannten Musikern noch einige\nam Leben sind, die gleichfalls Zeugen jener Vorgänge ge-\nwesen, darunter Moscheies, Horzalka u. A. in Wien. Es\nbietet aber dieser Aufsatz in seinen mannigfachen Beziehun-\ngen zu Personen und Zuständen zugleich Gelegenheit zu\nmehreren, unsere Musik-Epoche nahe berührenden Paralle-\nlen. Es sei dem Verfasser gestattet, davon nur zwei, etwas\nausgeführt, folgen zu lassen.\nBis um die Zeit des wiener Congresses 1814 war die\nStimmung in allen österreichischen Orchestern, dessgleichen\nin allen Militär-Musikcorps, im reinsten Verhältnisse, aus\nkeinem anderen Grunde, als weil alle benöthigten Holz-\nBlasinstrumente aus Einer und derselben Fabrik, der des\nrühmlichst bekannten Stephan Koch in Wien, hervor-\ngegangen waren*). War dieses Stimm-Verhältniss gleich-\nwohl gegen das im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts\nschon ein erhöhtes, so hätte es unbeschadet für Sing-Or-\ngane und Saiten-Instrumente dennoch bestehen können,\nwäre es als Normal-Tonhöhe festgehalten worden. In dem\nZeitpunkte, von dem hier ausgegangen wird, konnte es\nnicht vorkommen, dass reisende Virtuosen wegen differiren-\nder Stimmung ihres Instrumentes irgendwo auf Hindernisse\ngestossen wären, was gegenwärtig an jedem Orte zu be-\nfürchten steht. Zu besserem Verständnisse jener Zeit darf\nindess doch bemerkt werden, dass reisende Virtuosen auf\nHolz-Blasinstrumenten zu den seltenen Erscheinungen ge-\nhörten, solche aber auf Blech-Instrumenten fast gar nicht\nvorkamen. Der ausgezeichnete Virtuose auf dem Waldhorn,\nPunto (eigentlich Stich), der schon 1803 verstorben, für\ndessen Meisterschaft Beethoven's Sonate, Op. 17 für\nihn geschrieben —, Zeugniss gibt, hatte nur an Gehring\neinen Rivalen; denn das Waldhorn war nicht sehr anziehend,\num sich darauf zum Virtuosen auszubilden. Diese Glorie\nwar der prophetischen Erscheinung der Ventilhörner und\nKlappen-Trompeten vorbehalten, welche (nebst anderen der-\nlei Erfindungen) die eigentliche Revolution im modernen\nOrchester bewirkt haben. Es wird ferner nicht überflüssig\nsein, zu bemerken, dass bei Verstärkung stehender Orche-\nster, dem Militär-Musikcorps entnommen, Störungen in der\ngleichmässigen Stimmung niemals vorgekommen sind.\nDer wiener Congress, der das schwierige Problem ge-\nlös't, eine Uebereinstimmung in den staatlichen Verhältnis-\nsen unseres Welttheils zu erzielen, ward doch andererseits\nindirecte Veranlassung (man entschuldige die Hyperbel) zum\nAuseinandergehen aller Verhältnisse in der europäischen\nOrchester-Stimmung. Wie ging das wohl zu?\nEs standen damals zu Wien in Garnison die Infanterie-\nRegimenter „Kaiser Alexander\" und ■„Hoch-und Deutsch-\nmeister\", deren Commandanten eben so grosse Musikfreunde,\nals in Beziehung auf die Leistungen ihrer Musikcorps ein-\n\n*) Der Verfasser will hierbei sogleich auf eine der sich entge-\ngenstellenden Parallelen hindeuten, nämlich auf die harmo-\nnischen Verhältnisse in der musicalischen Kritik, so lange\ndie leipziger Allg. Musik-Zeitung unter Redaction von Friedrich\nRochlitz das alleinige kritische Tribunal für ganz Deutschland\ngewesen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.5", "texte": "ander gegenüberstehende Rivalen waren. Der Oberst des\nzweitgenannten Regiments, beiläufig bemerkt, war der\nFreiherr v. Ertmann, Gemahl der als ausgezeichneten\n/\nKünstlerin auf dem Pianoforte geschätzten Frau Dorothea\nv. Ertmann, geh. Gratimann aus Frankfurt am Main, wel-\ncher Beethoven seine Sonate in Op. 101, gewidmet,\nüberhaupt für richtigen Vortrag seiner Clavier-Musik nicht\nwenig lür sie gethan hat, in der Hoffnung der Weiterver-\nbreitung. Dass unter solchen Auspicien diese beiden Musik-\ncorps damals schon auf einer gewissen Höhe künstlerischer\nAusbildung gestanden, die andere, nicht so begünstigt, kaum\nzwanzig Jahre später erreicht hatten, wird nicht überraschen.\nAuch wird man es begreiflich finden, in welch hohem Grade\ndie Leistungen dieser Musikcorps, jedes über sechszig Mann\nstark, die Aufmerksamkeit der fremden Monarchen und al-\nler anwesenden Grossen am Congress erregen mussten.\nMan weiss, dass Kaiser Alexander das Corps seines Regi-\nments fast täglich in der Hofburg hörte, und in Folge Al-\nlerhöchster Befriedigung dessen Commandanten namhafte\nSummen zur Förderung musicalischer Zwecke zustellen\nliess, oftmals aber auch selbe nnter die Mitglieder des Corps\nzu vertheilen befahl.\nWährend sich demnach durch die Munificenz der rus-\nsischen Majestät die Casse dieses Regiments mehr und mehr\nmit Ducaten gefüllt hatte, verblieb die des anderen in stets\nnormalem Zustande. Das Officiercorps, durch seinen Ober-\nsten fortan zu besonderen Beiträgen für Musikzwecke in\nAnspruch genommen, vermochte fürderhin nicht mehr, kai-\nserlichen Geschenken es gleich zu thun, zumal der Inhaber\ndes Regiments, der Erzherzog Anton, wenig von der Kunst-\nliebe seines erlauchten Bruders Rudolf in sich verspürend,\nan namhafter Unterstützung zu vorbenannten Zwecken es\nauch fehlen liess. Alsbald ergaben sich der gewichtigen\nGründe nicht wenige, die zum Vortheil einer guten Sache\nbestandene Rivalität zwischen beiden Musikcorps ihrem Ende\nzuzuführen, indem überdies noch eine gewisse compositori-\nsche Potenz, der das „Kaiser-Alexander-Musikcorps\" seine\nbis dahin erreichte Bedeutsamkeit wesentlich zu verdanken\ngehabt, mittels des blinkenden Genius, den die volle Cassen-\ntruhe barg, zu noch grösserer Thätigkeit für den Ruhm\ndieses Musikcorps angespornt wurde. Von dieser Persön-\nlichkeit ausführlicher weiter unten. Zur Stelle sei nur noch\nbemerkt, dass durch diese und noch andere Vorgänge der\nkünstlerische Ehrgeiz des Obersten v. Ertmann empfind-\nlich verletzt ward, daher ihn die Kaiserstadt nicht mehr an-\nmuthen konnte. Glücklicher Weise überraschte ihn das\nAvancement zum General, als welcher er 1818 nach Mai-\nland ging*)\nIn der ersten Hälfte von 1816 trat das Musikcorps\ndes Kaiser-Alexander-Regiments mit lauter neuen Instru-\nmenten auf eine Thatsache, deren Folgen alsbald in un-\nerfreulicher Weise von den Orchestern der Residenz em-\npfunden werden sollten. In der Masse der neuen Instrumente\nerregten vermehrte und verbesserte Clannetten besondere\nAufmerksamkeit, und täuscht mich das Gedächtniss nicht,\nso erschien auch darunter die Es-Clarinette als neue Erfin-\ndung. Die F-Clarinette war bereits da. Verfertiger aller\ndieser Instrumente war Stephan Koch. Das Basset-Horn\nwurde wegen seines schwachen Tones, aber auch wegen\nseiner die reine Stimmung im Ensemble gefährdenden Eigen-\nschaften aus der Gesellschaft der neuen Instrumente besei-\ntigt. Bekanntlich bleibt das Basset-Horn (wohl zu unterschei-\nden von dem in neuester Zeit unter diesem Namen erschie-\nnenen Instrumente von ähnlicher Form mit blechernem\nTrichter und Clarinetten-Toncharakter) unter allen Blas-In-\nstrumenten hartnäckig seiner ursprünglichen Abstimmung\ngetreu, während die anderen sich beim Gebrauche erwär-\nmen und dadurch etwas höher werden. Hieraus entstanden\noft verdriessliche Differenzen in der harmonischen Ge-\nsellschaft.\nWie es um die Tonhöhe dieser neuen Instrumente aus-\ngesehen, das ergab sich schon im Juni 1816. Zur Feier\nder Zurückkunft des Kaisers Franz nach beendigtem Feld-\nzuge veranstaltete der wiener Musik-Verein die Aufführung\nvon Abbe Stadler's Oratorium „Die Befreiung von Jerusa-\nlem\" mit grossen Kräften. Das Musikcorps des Kaiser-Ale-\nxander-Regiments ward ebenfalls zur Mitwirkung\nzogen. Nun erst erwies sich dessen Stimmung von so be-\ndeutender Höhe, dass von der Mitwirkung abgesehen wer-\nden musste. Der Vorfall rief lebhafte Debatten hervor; die\nEinen vertheidigten diese hohe Stimmung, die Anderen ver-\n\n*) Auf Beethoven wirkte die Trennung von diesem militärischen\nKünstlerpaare aus mehrfachen Gründen schm rzlich. Oberst\nv. Ertmann verstand es, den damals sehr verstimmten Künst-\nler zuweilen nach Soldaten-Manier aufzurichten, und Frau v.\nErtmann eine würdevolle Erscheinung hatte sich durch\nfleissiges Studium seiner Claviervverke nach seiner Anleitung\nihm bereits sehr werth gemacht. In Darstellung des Zarten,\nNaiven, auch Humoristischen, bestand ihre Hauptstärke. Diese\nFrau und Herr C. Czerny waren die Einzigen, die damals im\nStande gewesen, unseren Grossmeister im Vortrage seiner\nCompositionen zu befriedigen; erstere mehr, denn letzterer.\nDarüber sich ausführlicher zu erklären, soll für den Verfasser\nbei einer passenderen Gelegenheit besondere Sorge sein, da\nder Gegenstand von allgemeinem Interesse und keineswegs\nverjährt ist."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.6", "texte": "warfen sie. Die Vertheidiger brachten als Hauptgrund vor,\nes sei die nächste Bestimmung der Militär-Musikcorps, ihre\nWirksamkeit in freier Luft zu üben, dieselbe aber hier nur\ndurch den möglich hellsten Klang der Instrumente gehoben\nwerden könne, dieser jedoch mit der früheren Abstimmung\nnicht zu erzielen gewesen. Man antwortete ferner den Geg-\nnern, dass Militär-Musikcorps am allerwenigsten da seien,\num zur Begleitung von Singstimmen verwandt zu werden\nu. s. w. Alles Gründe, die in sich selbst festen Halt hatten\nund Gegengründen wenig Raum gestatteten.\nIn diesem Factum ist der erste Impuls zu der gegen-\nwärtigen Orchester-Stimmung zu suchen. Ob jedoch nicht\netwa gleichzeitig oder früher schon an Erhöhung des Stimm-\nverhältnisses in Paris gearbeitet worden, vermag ich nicht\nzu sagen; es ist indess nicht wahrscheinlich, weil die\nfranzösische Militär-Musik damals kaum geboren war, die\nBlas-Instrumente daher nur im Theater und Concertsaale\ngebraucht wurden. Wäre dies aber auch wirklich der Fall,\nso ist doch gewiss, dass die deutsche Orchester-Stimmung\ndurch das erste und zweite Decennium unseres Jahrhun-\nderts von Frankreich aus nicht behelligt wurde.\nDer nun einmal vorhandene Missstand wäre jedoch kei-\nneswegs von den üblen Folgen gewesen, die wir jetzt zu*\nbeklagen haben, wäre man über diesen Differenzpunkt nicht\nnoch weiter hinausgegangen. Aber die schon wenige Jahre\ndarauf erfolgte Erfindung des Ventilhorns und der Klappen-\nTrompete hat die Differenz nahe um einen Halbton gegen\ndie Tonhöhe des ersten Decenniums vergrössert, so dass es\num die reine Stimmung geschehen war, wo sich das Ven-\ntilhorn mit einem Orchester vergesellschaftet hatte. Im kai-\nserlichen Operntheater zu Wien ergab sich dieser Fall durch\nAnstellung der bekannten Brüder Lewy, die um das Jahr\n1821 das erste Ventilhorn dahin gebracht. Welche Stö-\nrung diese Erfindung in die pariser Orchester und Stimm-\nOrgane gebracht, ist bekannt durch die Vermittlung Ludwig's\nXVIIL, der, um das eingerissene Uebel radical zu heilen,\ndie Anschaffung von neuen Blas-Instrumenten, um einen\nHalbton tiefer abgestimmt, für sämmtliche Orchester der\nköniglichen Theater auf Kosten der Civilliste zu bewilligen\ngeruht hat. Daher die Anekdote, dass dieser halbe Ton dem\nKönig 50,000 Francs gekostet habe. Diese erniedrigte Stim-\nmung hat sich bis heute in ganz Frankreich erhalten und\ndifferirt mehr oder weniger gegen alle deutschen Orchester,\nunter denen, so viel mir durch eigenes Hören bekannt, die\nStimmung des königlichen Operntheaters in Berlin die\nhöchste sein dürfte. ~\nWer sich von der Differenz zwischen deutscher und\nfranzösischer Stimmung überzeugen will, der kaufe sich fite\nwenige Groschen die pariser Normal-Tonhöhe. Mittels einer\nm einem Rohr von ungefähr einem Zoll Länge befestigten\nStahlzunge ertönt beim leisesten Anhauchen das a der ein-\ngestrichenen Octave*). Deutsche Musiker, die nach Paris\nkommen, gerathen in Verwunderung über die wohlthuende\nKlangfülle der dortigen Orchester. Das Geheimniss liegt\nallein in der tieferen Stimmung, die den Saiten-Instrumen-\nten einen starken Bezug ermöglicht. Man höre die imponi-\nrende Toniülle und Kraftäusseruiig von lünfzehn bis zwan-\nzig pariser Violinen, sogar in der höchsten Applicatur, im\nGegensatze zu dem dünnen Getöne derselben Zahl oder noch\nviel mehr in unseren Orchestern. Der Akustiker wird uns\ndie Differenz in einer enormen Zahlengrösse von Schwin-\ngungsstössen (nach Scheibler's Theorie) zwischen dem fran-\nzösischen und dem deutschen eingestrichenen als physischen\nGrund der Gesammt-Tonfülle vor Augen legen. Der Musi-\nker aber hält sich an das Resultat der Differenz und erfreut\nsich an der ausserordentlichen, kaum gekannten Wirkung,\nvornehmlich bei Ausführung deutscher Meisterwerke in\nfremdem Lande. Das Centralisations-Svstem wirkt unstrei-\n•i\ntig auch in diesem Punkte zur Erhaltung des Bestehenden\nund von oben Ueberwachten mit. Wer sich», einstens mit\nAbfassung des geschichtlichen Entwicklungsganges aller\nBlas-Instrumente in industrieller und orchestraler Hinsicht\nbeschäftigen wird, wird allen darauf Bezug gehabten Ein-\nflüssen und Gründen weiter nachzuspüren haben. Unter\nletzteren dürfte sicherlich die Vielheit der über ganz\nDeutschland zerstreuten Instrumenten-Fabriken als Haupt-\nBeförderungsgrund des nach jeder Richtung hin zerstörten\nund unwiederbringlich verlorenenNormal-StunmVerhältnisses,\nwie es bis zum Jahre 1816 in ganz Deutschland ohne\nDifferenz bestanden hat, obenan stehen**).\n\n) Stimmgabeln aus Paris sind weniger verlässlich, am wenigsten\ndie von Pianoforte-Fabricanten versandten. Die Instrumente,\ndie nach Deutschland gehen, werden um ein Bedeutendes\nüber die Normal-Höhe gestellt.\n**) Neuester Zeit haben einige Instrumentenmacher es versucht,\ndem noch steten Fortschreiten der Stimmerhöhung Einhalt zu\n1,1,111 und die Feststellung einer Normal-Höhe zu bewirken.\nHerr Theobald Böhm in München meldete diesfalls seinem\nMitstrebenden G. A. Andre zu Frankfurt a. M.: „Leider ist\nalles bisher Gesagte und Geschriebene bezüglich der Annahme\neiner Normal-Stimmung unbeachtet geblieben, obschon unzäh-\nlige Ucbelstände durch die vielen und grossen Stimm-Ver-\nschiedenheiten immerwährend vorkommen. . . . Einstweilen\ndiene, dass ich im Einverständniss mit den meisten Autoritä-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.7", "texte": "Johann Joseph Schott.\nNekrolog.\nM. G. Friedrich.\nEin in der Kunstwelt weithin bekannter, unzähligen Tonkünst-\nlern und Tonsetzern persönlich befreundeter Mann, Herr Johann\nJjoseph Schott, wurde vor einigen Tagen von seinen tief betrüb-\nten Verwandten und Freunden zur letzten Ruhestätte begleitet.\nEr war zu Mainz den 12. December 1782 geboren, der Sohn\ndes kurfürstlich mainzischen Hof-Musikstechers und Musikalien-\nhändlers Herrn Bernhard Schott. Nach emem mehr als fünfund-\nfünfzigjährigen Wirken in dem von dem Vater gegründeten Ge-\nschäfte und nach einem an Schicksalen und Erfolgen überreichen\nLeben entschlief er sanft den 4. Februar 1855, also in seinem 73.\nLebensjahre, mit Hinterlassung mehrerer trefflichen Töchter und\neines Sohnes, des Herrn August Schott, der sich bereits durch Füh-\nrung der Detail-Musikhandlung in Mainz als tüchtiger Kaufmann\nbewährt hat.\nWas der Vater begonnen, das bauten die beiden Brüder, An-\ndreas*) und Johann Joseph, rüstig weiter, und sie hoben durch\nThätigkeit und Umsicht, zugleich auch durch das Glück begünstigt,\ntrotz den mannigfachen Stürmen der Zeiten das Geschäft, das eine\nMusik- und Verlagshandlung, eine Notendruckerei (auf Kupfer, Zinn\nund Stein), eine Instrumental-Fabrik und eine Pianoforte-Manufac-\ntur, alle in grösster Ausdehnung, umfasst, so sehr, dass dasselbe\neines der bedeutendsten nicht nur in ihrer Vaterstadt, sondern auch\nin ganz Deutschland ward, und dass die Firma „B. Schott's Söhne\"\neinen ehrenvollen Klang durch Europa und über dessen Gränzen\nhinaus erlangt hat.\nHerr J. J. Schott war ein in jeder Hinsicht achtbarer, einfa-\ncher und edler Mann, den die schätzbarsten Vorzüge des Geistes\nund Herzens, in Verbindung mit einer grossen Gemüthlichkeit,\nzierten. Ueber seinen Werth als Geschäftsmann herrscht bei allen,\ndie mit ihm in Verbindung getreten, nur Eine Stimme des Lobes;\nhöchst interessant ist, was Beethoven, der, wie in so Vielem, so\nauch hier das Wahre getroffen hat, in einem Briefe vom Jahre\n1824 (s. Cacilia, H. 97, S. 26) von ihm sagt: „Sie sind so offen\nund unverstellt, eine Eigenschaft, welche ich noch nie an Verlegern\nbemerkte\" u. s. w. Ja, offen und unverstellt zeigte er sich in sei-\nnem Handeln und Wandeln. Dabei entwickelte er eine ungemeine\nEnergie und Geschäftskenntniss, die sich jedoch niemals ausschliess-\nlich dem Erwerblichen, sondern auch immer dem Höheren der\nKunst zuwandte. Zeugniss dafür geben so manche Productionen,\ndie aus dem Schottischen Verlage hervorgegangen sind, wie die\n„Cäcilia\" (unter Gottfried Weber's, später unter Dehn's Redaction),\ndie Herausgabe der letzten Werke Beethoven's, die Begründung\nder Süddeutschen Musik-Zeitung u. s. f. Mit einem nie erkalten-\nden Sinne für die Kunst suchte er alle musicalischen Institute zu\nheben, und insbesondere verdanken die mainzer Liedertafel und\nder Damen-Gesangverein, deren vorzüglicher Stifter und langjähri-\nger Präsident er war, seiner liebenden Fürsorge Blüthe und Ge-\ndeihen. In seinem Umgange war er leutselig, ohne viele Worte,\ndabei aber fest und zuverlässig, der treueste und wärmste Freund\nseiner zahlreichen Freunde. Auch als Bürger stand er durchaus\nehrenhaft da; er bekleidete bis zum Ende seines Lebens das Ehren-\namt eines Stadtrathes und zuletzt noch das eines Beigeordneten des\nBürgermeisters.\n(Südd. M -Z)\nten (Fabricanten oder Musiker?) eine Stimmung für einge-\nstrichenes a mit 880 Oseillationen oder 440 ganzen Pendel-\nschwingungen pro Secunde für die geeignetste halte und auch\nam meisten Gründe dafür anzugeben sind.\"\nMöge es gelingen, dem schweren Uebel zu steuern. Ab-\nhülfe, wie einstens in Frankreich, ist von königlichen und\nfürstlichen Civillisten in Deutschland nicht zu erwarten. Hört\nman die Gesangmusik des achtzehnten Jahrhunderts mit der\ngegenwärtigen Stimmhöhe, z. B. Seb. Bach's H-moll-Messe, so\nkann man sich des Mitleids mit den Singenden nicht enthal-\nten. Offenbar hatte Beethoven eine frühere Tonhöhe in Ohren,\nals er die neunte Sinfonie und die Missa in D geschrieben.\nEs lässt sich sonst in keiner Weise erklären, was er darin\nden Singstimmen zumuthet. Ist doch in seinen früheren Ge-\nsangwerken weder in Solo-Stimmen noch in Chören irgend\neine Stelle zu finden, die selbst bei gegenwärtiger Tonhöhe\nnicht mit Leichtigkeit zu singen wäre. Wo liegt sonach der\nGrund seines maasslosen Ausschreitens in genannten Werken?\n*) Der ältere Bruder, Herr Andreas Schott, ein eben so prakti-\nscher als einsichtsvoller Geschäftsmann, ist schon im August\ndes Jahres 1840 gestorben, worauf dessen Sohn, Herr Franz\nSchott, Mit-Chef des Handlungshauses wurde, das auch ihm\nseinen Aufschwung mit verdankt.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nliiidensclteid.. Der städtische Gesang-Verein, unter Leitung\nseines Directors Herrn Louis Wreinbrenner, welcher unter\nden im verflossenen Jahre gegebenen Concerten zwei zum Besten\ndes Frauen-Vereins gab, gab sein Concert am 14. Januar c.,\naus dessen Programm wir besonders hervorheben: den Bergmanns-\nGruss von Anacker, das Trio, Op. 14, in Es von Mozart, eine Phan-\ntasie für Clarinette und Pianoforte, Op. 4, von Bärmann und eine\nComposition von Herrn Louis Weinbrenner, die Sehnsucht von\nSchiller für Solo- und Chorstimmen. Das Concert erfreute sich\nsowohl einer grossen Theilnahme, als auch eines ausserordentlichen\nallgemeinen Beifalls.\nMerlin, Folgende Bekanntmachung findet allgemeine Aner-\nkennung: Die Mitglieder des recitirenden Schauspiels haben sich\nan mich mit der Bitte gewandt, das Hervorrufen bei offener Scene\ndurch ein Verbot ihres Erscheinens unmöglich zu machen. So\ndurchdrungen ich längst von dem Nachtheil bin, den diese Art des\nBeifalls, so erfreulich an und für sich, für die Darstellungen mit\nsich bringt, indem ein auf mühsamen Proben mit Sorgsamkeit an-\ngestrebtes Ensemble gestört wird, kann ich mich doch zu einem\nderartigen Verbote nicht bestimmen lassen. Ich halte ein solches\nnicht für angemessen, da das Publicum unmittelbar dabei bethei-\nligt ist. Dem Bedenken, durch irgend einen Schritt in dieser Sache\nden darstellenden Künstlern einen Theil ihres schönsten Lohnes zu\nschmälern, bin ich durch deren eigenen Wunsch überhoben. Nun-\nmehr wähle ich den Weg, im Interesse der Sache, das geehrte\nPublicum zu ersuchen, das Hervorrufen bei offener Scene im reci-\ntirenden Schauspiel unterlassen und dem etwaigen Bestreben der\nleider oft fühlbaren so genannten Claque entgegentreten zu wollen.\nDurch den Beifall während der Scene und das Hervorrufen nach\ndem Fallen der Gardine dürften wohl genügende Beweise zur Zu-\nfriedenheit mit den Leistungen der Künstler gegeben werden können,\nvon Hülsen, General-Intendant der königl. Schauspiele.\nDas berliner Echo vom 18. Febr. enthält folgendes „Einge-\nsandt\": An die Herren p. p. Taubert und Ries! Am 20. Febr.\n1851, also vor fünf Jahren, fand, unter Mitwirkung der k. Capelle,\ndas Concert zum Besten der Hinterbliebenen Albert Lortzing's Statt,\nder sechste Theil der Einnahme musste statutenmässig dem Witwen-\nFonds der k. Capelle abgegeben werden, wogegen der Vorstand\nder k. Capelle der Witwe des verewigten deutschen Capellmeisters\ndie Einnahme eines zu ihrem Besten zu veranstaltenden Concertes\nversprach. Das Versprechen ist bis heute unerfüllt geblieben!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550224-01.1.8", "texte": "Ein Magistrats-Mitglied in Berlin beabsichtigte, eine Virtuo-\nsensteuer anstatt der Brennholzsteuer zu beantragen. Die Ein-\nsicht in die von den Virtuosen (mit Ausnahme von Roger und Vi-\nvier, Clara Schumann und J.) geleisteten Zuschüsse zu den Concert-\nkosten veranlasste, den Plan aufzugeben.\nAls Zwischengericht in dem Concerte des Herrn Rubinstein zu\nBerlin trat Fräulein Westerstrand, die ungemein coloraturfertige\nschwedische Sängerin, wieder auf und flötete die Prinzessinnen-Arie\naus Robert, nebst der verrufenen Polka von Alary. Der kalte Ge-\nsang dieser Dame hat uns aber noch nie die wohlthuende Empfin-\ndung eines Naturerzeugnisses verursacht, sondern stets nur die Be-\nwunderung abgedrungen, die wir dem Prof. Herrmann zollten, wenn\ner mit vollendeter Treue die Stimmen der Singvögel copirte. In\nähnlicher Wreise ahmt auch Fräulein Westerstrand eine gut ge-\nschulte Sopranstimme auf das täuschendste nach.\nHannover. Am 21. Januar ist hier Wagners „Tannhäu-\nser\" zum ersten Male unter der Direction des Capellmeisters F i-\nscher aufgeführt worden und hat gefallen.\nDresden. Se. Maj. der König hat dem G.-M.-D. Dr. Meyer-\nbeer das Commandeurkreuz des Albertus-Ordens, in Anerkennung\ndes mit Enthusiasmus aufgenommenen „Nordsterns\", verliehen.\na. M. Der „Volksfreund\" bringt in seiner Nr.\n20 vom 16. Febr. interessante Enthüllungen über hiesige Theater-\nzustände und über den Bericht des Commissarius des Senates, be-\ntreffend die Geschäftsführung des Directors Hoffmann. Trotz\ndieses sehr günstigen Berichtes ist dem Vernehmen nach die auf\ndrei Jahre verlangte Subvention von 15,000 Fl. jährlich abgelehnt\nund der Antrag gestellt wrorden, eine neue Bewerbung um die\nTheater-Direction auszuschreiben. Dieselbe Nummer enthält ei-\nnen scharfen Artikel „über die Kunstkritik in den frankfurter Jour-\nnalen\", wo es u. A. Heisst: „Leider bedürften wir, um die musi-\ncalische Kunstkritik, wie sie in den frankfurter belletristischen Zci-\ntungs- und Local-Blättern ausgeübt wird, entsprechend zu schildern,\nzu entlarven und (vielleicht?) zu bessern, der ätzendsten Dinte\nund der schärfsten Feder. Da wir diese reformatorische Kraft aber\nnicht besitzen, so glauben wir wenigstens unserem Gewissen, den\nWünschen der ehrlichen Kunstjünger und dem Interesse der Kunst\nselbst genug zu thun, wenn wir die faulen Flecke aufdecken und\nauf die Rückwirkungen, welche leider der corrumpirte Zustand un-\nserer kunstrichterlichen Journalistik auf das künstlerische und so-\nciale Musikleben Frankfurts ausgeübt hat, hinweisen, damit ge-\nschickte und ehrliche Aerzte, deren es unter dem Gremium der\nhiesigen Musikwelt und Künstlerschaft Gottlob noch so manche\ngibt, dadurch veranlasst und (sie mögen es uns nicht übeldeuten)\nermuthigt werden, um mit vereinter Kraft auf Beseitigung der\nfaulen Flecke, auf Hebung des musicalischen Lebens durch ver-\nedelte Kunst-Journalistik hinzuwirken.\" Nachdem mehrere ein-\nzelne Fälle namhaft gemacht, heisst es am Schlüsse: „Dass durch\neine solche corrumpirte öffentliche Kritik der Geschmack des Publi-\ncums, die Bildung und der Charakter so manches aufstrebenden\nTalents verdorben, und das gedeihliche Wirken ehrlicher und tüch-\ntiger Kunstgenossen erschwert oder neutralisirt wird, ist offenbar\nund bestätigt sich leider durch einen Blick auf das hiesige künst-\nlerische und sociale Musikleben, auf welches wir in unserer Be-\ntrachtung kommen werden, wenn wir durch diesen unseren ersten\nAufsatz einiges Interesse für die Sache erregt zu haben uns schmei-\ncheln dürfen. Ein Kunstfreund.\"\nWien. An der Ilof-Opernbühne gastirt Frau Doria-Lass-\nlow, bis jetzt als Norma und Lucrezia aufgetreten. Sie besitzt eine\nnicht grosse, aber sehr ansprechende Stimme und gute Gesangs-\nbildung. Der lyrische Ausdruck gelingt ihrf für den dramatischen\nreicht weder Gesang noch Spiel aus, und es ist dcsshalb zu ver-\nwundern, dass sie obige Rollen wählte. Beck war in der Lucre-\nzia vortrefflich, eben so Ander, welcher wegen Krankheit Steger's\nden Gennaro übernommen hatte.\nFräulein Clauss hat am 28. v. Mts. ihr zweites Concert vor\nzahlreichem und glänzendem Publicum gegeben. Programm: Men-\ndelssohn's Trio in C-tiioll, Händel's Variationen, J. S.B ach's\nPräludium und Fuge in Cis-dur, Notturno von Chopin und „Win-\ntermärchen\" von Dreyschock. Willmers hat einen Cyklus\nvon vier Abend-Unterhaltungen am 22. v. Mts. eröffnet.\nDas Thedtre roxyal in Brüssel, welches am 21. Januar bis auf\ndie vier Umfangsmauern niederbrannte, war in den Jahren 1817\nbis 1819 erbaut und kostete 1,600,000 Frcsi; seitdem hat es drei\nMal einen theilweisen Umbau und neue Ausstattung erfahren, wel-\nche zusammen auf 1,200,000 Frcs. anzuschlagen sind; neue Deco-\nrationen während der ganzen Periode für 110,000 Frcs., das Bas-\nrelief an der Vorderseite, gefertigt vom Bildhauer Simonis und\nerst vor einigen Monaten enthüllt, 90,000 Frcs. macht 3,000,000\nFrcs. Die Vorderseite mit dem Basrelief ist erhalten. Auch viele\nkostbare, alte Instrumente sind im Orchester mit verbrannt, z. B.\nzwei vorzügliche Contrabässe, mehrere treffliche Violinen, ein ganz\nausgezeichnetes Violoncell u. s. w.\nDeutsche Tonhalle\nDie um den Preis wegen des Liedes: „An eine Blume das\nHerz\" eingekommenen 79 Bewerbungen haben den nach den Ver-\neins-Satzungen (14bc) erwählten Herren Preisrichtern: Herrn Mu-\nsik-Director Hetsch, Herrn Capellmeister Hiller und Herrn General-\nMusik-Director Dr. L. Spohr, zur Beurtheilung vorgelegen. Nach\nden uns zugekommenen Beurteilungen ist der Preis keiner dieser\nBewerbungen zuerkannt. Besonders belobt hingegen wurden die\ndes Herrn Zimmermann, Musiklehrer hier, und des Herrn\nSpeidel, Musik-Director in Ulm. Belobt wurden die Bewerbungen\nfolgend benannter Herren Verfasser: J. M. H. Beltjens, Musik-Di-\nrector in Roermond; W.Bus, Pfarrer in Hammelbach (Grossherzog-\nthum Hessen); Herrn. Jaeschke in Breslau; F. WT. Markuli, k. Mu-\nsik-Director in Danzig; E. Methfessel, Musik-Director in Winter-\nthur; W. Nick, Musiklehrer in Fulda, und Hugo Schwantzer in\nBerlin.\n> Wegen Rückgabe der hier nicht aufgeführten 70 Werke haben\nwir uns nach den Satzungen (14 i) zu achten.\nMannheim, den 8. Februar 1855.\nDer Vorstand."}]}