{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-03-03-01", "volume": "bmtnabi_1855-03-03_01", "ocr_sha256": "181bbb600ae0f590919b23e0a4439b98fdc24093e6dedd9f9dc57c036571f29d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/03/03_01/bmtnabi_1855-03-03_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-03-03-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-03-03_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-03-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "65", "page_fin": "66", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.2.1", "titre_corps": "Eduard Hanslick.", "titre_sommaire": "Eduard Hanslick.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3852, "texte": "Eduard Hanslick.\nIII.\nDer vierte Abschnitt behandelt den subjectiven\nEindruck der Musik.\nDie Phantasie, als das Organ, aus welchem und für\nwelches das Kunstschöne entsteht, erweis't sich in der\nV 7\nWirklichkeit als Vermittlerin zwischen dem Fühlen des\nComponisten und des Hörers.\nDas Gelühl wird beim Tondichter, wie bei jedem\nPoeten, sich reich entwickelt vorfinden; aber es ist nicht\nder schaffende Factor in ihm. Die Thätigkeit des Com-\nponisten ist eben so gut eine bildende, wie die des plasti-\nschen Künstlers; denn das geringste Musikstück erfordert\neine Ausarbeitung bis ins Kleinste, welche nur bei einem\ngewissen Grade der Entäusserung der Subjectivität zu voll-\nenden ist. Allein der unendlich ausdrucksfähige geistige\nStoff der Töne lässt es zu, dass die Subjectivität des musi-\ncalischen Bildners sich in der Art seines Formens auspräge.\nEs werden demnach vorherrschende Charakterzüge sich\nnach den allgemeinen Momenten abdrücken, welche die\nMusik wiederzugeben fähig ist. Das selbstständige, rein mu-\nsicalische Schöne wird innerhalb der Gränzen des musicali-\nschen Bildens mehr oder weniger subjectiv ausgestattet.\nDaher unverkennbare Eigenthümlichkeit der Werke ver-\nschiedener Meister, wie z. B. gewaltige oder sentimentale\nInnerlichkeit (Beethoven, Spohr) im Gegensatz zu klarem\nFormen (Mozart, Mendelssohn). Die unmittelbare Aus-\nströmung des Gefühls findet nicht bei der Composition,\nwohl aber bei der Reproduction des Tonwerkes Statt,\nbeim Spieler oder Sänger.\nSo richtig diese letzte Bemerkung ist, so können wir\ndoch der Subjectivität des Spielers keine so volle Berechti-\ngung einräumen, als Hanslick zu thun scheint, wenn er\nsagt: „Dem Spieler ist es gegönnt, sich von dem Ge-\nfühle, das ihn eben beherrscht, durch sein Instrument\nzu befreien.\" Das kann nur von der „freien Phantasie\"\ngelten, worauf Hanslick zuletzt auch selbst kommt. Im\nUebrigen müssen wir vor der Lehre von der subjectiven\nAuffassung bei der Reproduction von Tonwerken sehr\nernstlich warnen, da sie neuerdings gewaltig auszuarten\ndroht und eben sowohl die verkehrtesten Grundsätze für\ndie Praxis des Dirigirens von Orchestersachen, als wider-\nliche Unarten der Sänger erzeugt hat. Vergleiche unsere\nBemerkungen über correcten Vortrag in Nr. 6, S. 48, un-\nter „Köln\".\nHiernach kommt der Verfasser zu dem Eindruck der\nMusik auf den Hörer.\nDer Hörer wird durch die Musik weit über das bloss\nästhetische Wohlgefallen hinaus ergriffen; keine andere\nKunst wirkt so schnell, so intensiv und so unmittelbar auf\ndas Gefühl. „Die anderen Künste überreden, die Musik\nüberfällt uns.\" Sehr wahr heisst es ferner: „In Geraüths-\nzuständen, wo weder Gemälde noch Gedichte, weder Sta-\ntuen noch Bauten mehr im Stande sind, uns zu theilneh-\nmender Aufmerksamkeit zu reizen, wird Musik noch Macht\nüber uns haben, ja, gerade heftiger als sonst. Wer in\nschmerzhaft aufgeregter StimmungMusik hören oder machen\nmuss, dem schwingt sie wie Essig in der Wunde. Form\nund Charakter des Gehörten verlieren ganz ihre Bedeutung,\nsei es nächtig trübes Adagio oder ein hell funkelnder Wal-\nzer: wir können uns nicht loswinden von seinen Klängen\nnicht mehr das Tonstück fühlen wir, sondern die Töne\nselbst, die Musik als gestaltlos dämonische Gewalt.\"\nEs entstehen nun die zwei Fragen: worin der speci-\nfische Charakter der Wirkung der Musik auf das Gefühl\nliege, und wie viel von dieser Wirkung ästhetischer\nNatur sei. Sie erledigen sich beide durch die Erkenntniss\nder intensiven Einwirkung der Musik auf das\nNerven-System: Die eigentümliche Qualität der Macht\nder Musik beruht auf physiologischen Bedingungen.\n„Die Musik, durch ihr körperloses Material die geistig-\nste, durch ihr gegenstandloses Formenspiel die sinnlich-\nste Kunst, zeigt in dieser geheimnissvollen Vereinigung\nzweier Gegensätze ein lebhaftes Assimilations-Bestreben\nmit den Nerven, diesen nicht minder räthselhaften Or-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1555, "texte": "ganen des unsichtbaren Telegraphendienstes zwischen Leib\nund Seele.\"\nDie intensive Wirkung der Musik auf das Nervenleben\nist als Thatsache von der Psychologie wie von der Physio-\nlogie anerkannt. Aber eine ausreichende Erklärung dersel-\nben fehlt. „Es vermag die Psychologie eben so wenig das\nMagnetisch-Zwingende des Eindrucks gewisser Accorde,\nMelodien und Klangfarben auf den Organismus des Men-\nschen zu ergründen, weil es dabei zuvörderst auf eine spe-\ncifische Reizung der Nerven ankommt, als die im Triumph\nfortschreitende Wissenschaft der Physiologie bis jetzt etwas\nEntscheidendes über dieses Problem gebracht hat, zumal die\nletztere bei der Untersuchung des Hörens vielmehr den\nSchall und Klang überhaupt, als insbesondere den musi-\ncalisch verwendeten, im Auge zu haben pflegt.\"\n„Steht einmal fest, dass ein integrirender Theil der\ndurch Musik erzeugten Gemüthsbewegung physisch ist,\nso folgt weiter, dass dieses Phänomen auch von seiner rein\nkörperlichen Seite erforscht werden muss.\"\n„Je stärker aber eine Kunstwirkung körperlich über-\nwältigend, also pathologisch, auftritt, desto geringer ist ihr\nästhetischer Antheil. Es muss darum bei der Musik in\nder Hervorbringung und Auffassung ein anderes Element\nhervorgehoben werden, welches das unvermischte Aesthe-\ntische dieser Kunst repräsentirt und als Gegenbild zu der\nspeci fisch-musicalischen Gefühls-Erregung sich den all-\ngemeinen Schönheits-Bedingungen der übrigen Künste\nnähert. Dies ist die reine Anschauung.\" Ueber ihre\nErscheinungsform in der Tonkunst handelt der folgende\nAbschnitt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-03-03-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-03-03_01#c002", "volume": "bmtnabi_1855-03-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "68", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.2.2", "titre_corps": "Die gegenwärtige hohe Orchester-Stimmung und ihr Ausgang.", "titre_sommaire": "Die gegenwärtige hohe Orchester-Stimmung und ihr Ausgang.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.2", "debut_caractere": 1557, "fin_caractere_exclue": 4724, "texte": "Die gegenwärtige hohe Orchester-Stimmung und\nihr Ausgang.\nMitgetheilt von A. Schindler.\nII.\nDas rasche Weitergehen in Ueberschreitung dieses\n1816 bewirkten Stimmverhältnisses wird schon das Fol-\ngende zeigen.\nIm Jahre 1820 trat das Musikcorps von Hoch- und\nDeutschmeister Infanterie gleichfalls mit lauter neuen In-\nstrumenten auf, wozu der oberste Inhaber des Regiments,\nder oben bereits genannte Erzherzog und Grossmeister des\nDeutschen Ordens, einen namhaften Beitrag bewilligt hatte.\nDer Verfasser dieser Erzählung sass damals noch in der\nCentral-Kanzlei des Deutschen Ordens als Prakticant; die\ndiese Instrumenten-Angelegenheit betreffenden Rechnungs-\nAusweise gingen daher auch durch seine Hände.\nAls man die Ueberzeugung gewonnen, dass die Ab-\nstimmung dieser neuen Instrumente bei Weitem noch hö-\nher sei, als jene des anderen Musikcorps, da erhob sich\nunter sämmtlichen Orchester-Directoren ein Jammergeschrei;\ndenn von nun an waren beide Corps zur Verwendung in\nden Theatern unmöglich. Diese fanden sich genöthigt, in\nvorkommenden Fällen sich an das allein noch übereinstim-\nmende Musikcorps des Artillerie-Regiments zu halten, aus\nwelchem Umstände, bei gleichzeitigem Bedarf an Verstär-\nkung für das kaiserliche Opern-Theater, wie auch für das\nan der Wien und in der Josephstadt, grosse Verlegenheiten\nhervorgegangen sind. Und ward man dieses ganzen, jedoch\nnur kleinen Musikcorps oder einzelner Instrumente daraus\nhabhaft, dann ergaben sich wieder andere Verlegenheiten,\ndie ihren Grund in dem alten, verbrauchten Material dieses\nallzeit ärmlich dotirten Musikcorps hatten.\nIn Folge dieser Neuerungen war das Waldhorn nach-\ngerade aus allen Orchestern Wiens verschwunden; das\nBassethorn existirte seiner oben berührten Eigenschaften\nwegen auch in keinem mehr. Man requirirte es bei jedes-\nmaligem Bedarf aus dem Militär-Musikcorps. Da finden wir\nes aber 1820 auch nicht mehr im Gebrauche, und die im\nArtillerie-Musikcorps noch befindlichen näseln alten Wei-\nbern gleich hinter der Bahre wehklagend, die alles Andere,\nnur keine elegische Stimmung im Zuhörer bewirken können.\nSomit ereignete sich im Februar 1825 der im musicali-\nschen Wien kaum glaubliche Fall, dass bei der Todtenfeier\niür den verstorbenen König beider Sicilien, Ferdinand 1.,\nMozart's Requiem, unter Jos. Weigl's Leitung und unter\nMitwirkung der Damen Lalande undUnger, dann der Herren\nRubini und Lablache, zum ersten Male mit Clarinetten an-\nstatt der Bassethörner aufgeführt werden musste. Capell-\nmeister Weigl, der treue Hüter und Bewahrer Mozart'scher\nTraditionen bis an sein Lebensende, hatte sich zu einem\nansehnlichen Geldgeschenke erboten, wenn man zwei brauch-\nbare Bassethörner herbeischaffe vergebliches Bemühen\njedoch, sie ausfindig zu machen.\nIn vorstehenden Notizen glaubt der Verfasser die ma-\nteriellen Einflüsse, welche die gegenwärtige Orchester-\nStimmung in ihren Anfängen bewirkt, genugsam gezeigt zu\nhaben. Es ist nun an der Zeit, des Mannes oder, wie ich\noben flüchtig erwähnte, der compositorischen Potenz aus-\nführlicher zu gedenken, dem das Kaiser-Alexander-Musik-\ncorps grossentheils Ausbildung und Ruhm verdankte, und\nder in Gemeinschaft mit dem Instrumenten-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5163, "texte": "macher Stephan Koch die erste Ueberschrei-\ntung der bis 1816 bestandenen Normal-Ton-\nhöhe ausgeführt hat. Hieronymus Payer heisst\nder Mann. Hätte nicht Ignaz von Seyfried in Schilling's\nLexikon der Tonkunst eine magere biographische Skizze\nvon diesem in so vieler Beziehung interessanten Künstler\n(in Wien gewöhnlich „das wilde Genie\" genannt) nieder-\ngelegt, kein Mensch wüsste heute mehr von dessen ehema-\nliger Existenz. Verklungen ist längst, was der seltsame\nMann gethan. Und doch haben seine Leistungen als tüchti-\nger Virtuose auf dem Piano, wie auch als Componist, viele\nJahre die Kaiserstadt, aber auch viele der grösseren öster-\nreichischen, deutschen, holländischen Städte, selbst Paris,\nwo er längere Zeit verweilt hat, erfreut. Da ich mit diesem\nKünstler fast das ganze zweite Jahrzehend hindurch in viel-\nfache Berührung gekommen, also zur Zeit, wo diese hier\nmitgetheilten Thatsachen Statt gefunden, so dürfte es viel-\nleicht nicht ungern gesehen werden, ihn hier an passender\nStelle näher kennen zu lernen. Seyfried's allzu kurzer Le-\nbens-Abriss soll um einige charakteristische Züge noch ver-\nmehrt werden.\nHieronymus Payer (1787 geboren) war Schullehrer\nund Organist zu Meidling, einem zwischen Wien und Schön-\nbrunn freundlich gelegenen Dorfe. Zur Verbesserung des\närmlichen Einkommens war dem meidlinger Schullehrer der\nBrodverkauf gestattet. Dieses Geschäft besorgte unser Hie-\nronymus in Verhinderung seiner Mutter und Schwester mit\ndem ihm eigenen Ernste und Anstand selber. Noch so vor-\nnehme Besuche genirten ihn hierin nicht im Geringsten;\nauch wirkten die häufigen Unterbrechungen nicht störend\nauf ihn. Da sitzt z. B. der kleine, wohlbeleibte Mann dicht\nam Brodladen an seinem überaus schlechten Flügel in voller\nBegeisterung, von Zuhörern aus der Stadt umgeben. Es\nklopft am Fenster und ruft: „a Semmel\" (eine Semmel)!\nDer Virtuose greift hastig in den Brodkorb, reicht das Ver-\nlangte zum Fenster hinaus, emplängt dafür den Kreuzer,\nmacht in der Geschwindigkeit einige rasche Züge aus der\nihn nie verlassenden Tabakspfeife und fährt im Nu in seinem\nVortrage fort. Nach wenigen Minuten schon ruft es wieder:\n„aSechserlab!\" Flugs ist der Laib beim Fenster draussen\nund die Begeisterung durch das Intermezzo nicht gelähmt.\nIn dieser Situation sehen wir den Mann fast alle seine gei-\nstigen Arbeiten verrichten.\nSchon in seinen Jünglingsjahren hatte Payer als Com-\nponist für die Bühne Aufmerksamkeit erregt. In Folge des-\nsen erhielt er mehrere Anträge, das Amt eines Orchester-\nDirectors bei Provinz-Theatern zu übernehmen. Er lehnte\nalle ab und blieb auf seiner Schule. Ein freundschaftlicher\nVerkehr mit dem Capellmeister des Musikcorps vom Kaiser-\nAlexander-Regiment gab Anlass, sich in Compositionen für\nMilitär-Musik zu versuchen. Einige dieser Compositionen\nerregten schon um 1812 nicht geringes Aufsehen; zur\nCongress-Zeit aber waren es bereits Stücke aus Payer's\nFeder, welche von der russischen Majestät, wie auch vom\ngesammten Publicum des lautesten Beifalls sich zu erfreuen\ngehabt. Kaiser Alexander beschenkte ihn bei seiner Abreise\nmit einem kostbaren Ringe und befahl überdies noch, seine\nCompositionen mit blanken Ducaten zu honoriren. Den An-\ntrag, in russische Dienste zu treten, lehnte Payer ab; der\nTitel und die reichlich in Aussicht gestellten Emolumente\neines Ober-Capellmeisters sämmtlicher Militär-Musikcorps\nreizten den schlichten Dorfschulmann keineswegs.—Seyfried\nsagt a. a. 0.: „Von seinen zahlreichen Arbeiten sind 154\nWerke gedruckt.\" Unter den mancherlei Gattungen von\nCompositionen nennt er auch „eine grosse Anzahl Militär-\nMusiken, Märsche und Harmonie-Arrangements\". Das ge-\nnügt indess nicht. Seyfried hätte noch sagen sollen: Unter\ndiesen Militär-Musiken befinden sich vollständige, aus drei\nbis vier Sätzen bestehende Sinfonieen, Concertante, Polo-\nnaisen, oder Stücke in Rondo-Form, in denen drei oder vier\nInstrumente concertiren. Solche Werke waren es nament-\nlich, womit der meidlinger Schulmeister und „Brodver-\nschleisser\" die Zuhörer entzückt hat. Kurz, alles, was\nPayer producirt hat, interessirle nicht nur durch meister-\nhafte Handhabung classischer Formen, sondern war auch vom\nGenius der Kunst durchgeistigt. Weit geringeren Werth\naber hatten alle seine Clavier-Compositionen. Fast alle tru-\ngen das Gepräge der Flüchtigkeit in der Ausarbeitung, und\nman hatte kein Verlangen, sie zum zweiten Male zu hören.\nDas Auftreten des oft genannten Musikcorps (dessen\n„Leib-Componist\" Payer genannt worden) mit den neuen\nInstrumenten aus russischen Ducaten, an deren Construirung\ner so wesentlichen Antheil gehabt, die vermehrte Wirkung\nseiner Compositionen in Folge der erhöhten Abstimmung,\nder mittlerweile sich immer hoher steigernde Ruhm konn-\nten endlich nicht verfehlen, auf den sonst nicht leicht durch\nirgend etwas zu berückenden Mann tiefen Eindruck zu\nmachen. Zumeist war es aber der kaiserliche Brillantring\nam Finger, der das Schwanken seiner Neigung zum Schul-\ndienste zunächst bewirkt hat. Dennoch verliess er erst\n1818 das meidlinger Schulhaus und übersiedelte nach\nWien.\nSchon vor mehreren Jahren hat sich der bescheidene,\nimmerhin ganz anspruchlose Künstler seinen Zeitgenossen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 886, "texte": "im Jenseits zugesellt. Das frühe, unverschuldete Schwinden\nseines Ruhraes, kaum dass er sich dessen bewusst gewor-\nden, hat ihn die letzten Jahre seines Daseins nicht weniger\nzufrieden gesehen, als er es einst als Schullehrer und Brod-\nverkäufer gewesen. Der Rossinismus, der zu Anfange des\ndritten Jahrzehends Alles in den Hintergrund gedrängt, hat\nauch Payer'sMilitär-Musiken den Tod gebracht; denn fortan\ndurften die Musikcorps aller Regimenter zufolge höherer\nWeisung nur Arrangements aus italiänischen Opern spie-\nlen. Payer's Compositionen, seit fünfzehn Jahren die\nZierde des Repertoire's, aber auch der Stolz der Musik-\ncorps, verschwanden fast plötzlich, so dass, als der wackere\nMann 1834 das Rossini-trunkene Wien verlassen, um\neinem Rufe als Capellmeister der deutschen Oper nach Am-\nsterdam zu folgen, keines seiner Werke mehr zu hören ge-\nwesen. Künstlerruhm, was bist du?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-03-03-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-03-03_01#c003", "volume": "bmtnabi_1855-03-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "71", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.2.3", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. E", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.4", "debut_caractere": 888, "fin_caractere_exclue": 4977, "texte": "Berliner Briefe.\n\nI.\n[Oper - Agnes Bury - Gläser's Adlers Horst -\nSoireen des Dom-Chors - Reissiger's David.]\nDen 23. Februar 1855.\nDie Flut der Musik-Aufführungen ist mehr und mehr\ngewachsen; beispielshalber erwähne ich nur, dass letzthin\nan einem Sonntage lünf Concerte Statt fanden; und fast\njeder Tag bringt zwei und noch mehr Concerte. Dabei\nlässt sich nicht läugnen, dass Vieles sowohl durch den In-\nhalt als durch die Ausführung von hohem künstlerischem\nWerthe ist; und wenn nicht die Ueberlülle Abstumpfung\nhervorriefe, so könnte man nur mit Befriedigung von die-\nsem Winter sprechen. Aber der gesunde Sinn des Volkes\nwehrt sich mit Recht gegen das Ueberhandnehmen des\nweichlichen Genusses; und wenn ich schon vor Jahr und\nTag darüber klagte und lür die Zukunft der Musik eine\nGefahr darin erblickte, so ist jetzt noch viel mehr Grund\ndazu vorhanden. Auch zeigt es sich in der mangelhaften\nTheilnahme, welche die Mehrzahl der Concerte findet; ohne\neine Unzahl von Freibillets wären unsere Goncertgeber\nübel daran.\nIch beginne mit der Oper. Das Repertoire derselben\nhat sich wenig verändert; von älteren Werken gingGluck's\nIphigenie in Aulis in Scene, mit Fräul. Wagner als Kly-\ntemnestra und Frau Köster als Iphigenie. So weit war\ndie Auslührung trefflich; beide Darstellerinnen bewegten\nsich vollkommen in ihrer Sphäre, und Fräul. Wagner gab\nuns ein Bild heroischer Grösse, edel, machtvoll und aus der\nTiefe des Gefühls entsprungen, während Frau Köster eben\nso glücklich den zarten, unschuldigen Ton der liebenden,\ntodesbereiten Jungfrau traf. Von den Rollen des Achill und\nAgamemnon lässt sich nicht so günstig berichten; nament-\nlich spielte Achill eine klägliche Rolle, weibisch, unfähig\nund gebrechlich, und Agamemnon erschien mehr als ein\npolternder Prediger, denn als der stolze, gebieterische Füh-\nrer der Griechen. Fräul. Bury (eine geborene Berlinerin,\nNamens Rühring, durch ihr erfolgreiches Auftreten in\nKöln, Leipzig und in London rühmlichst bekannt) gab\ndrei Gastrollen, die Amine, Lucia und Zerline im Don Juan.\nSie hat gefallen; ob sie aber engagirt werden wird, ist noch\nungewiss. Wie uns scheint, wäre sie eine wünschenswerthe\nAcquisition für unsere Bühne; zwar ist ihr bisheriges Re-\npertoire nicht gross, doch würde sich dass'elbe sehr weit\nausdehnen lassen. Die Schönheit ihrer Stimme beginnt da,\nwo die meisten Sängerinnen aufhören, mit dem zweigestri-\nchenen f; von hier ab sind die Töne klar, weich und leicht\nansprechend; die äusserste Höhe ist mithin so gut, wie sie\nnur sein kann. Die Töne vom f abwärts bis zum einge-\nstrichenen aoder gklingen oft schön, aber nicht immer;\nder Ansatz ist in dieser Gegend mitunter zu heftig, und\ndann entsteht ein unsicheres Tremuliren, das von einem\nUebernehmen der Kräfte zeugt. In der Behandlung der\nnoch tieferen Töne huldigt die Sängerin ebenfalls der mo-\ndernen Unmanier, einen zu hellen Klang forciren zu wollen.\nDas Organ, im Ganzen betrachtet, ist klein, vermag aber\ndennoch bei nicht zu starker Orchester-Begleitung durch\nseine Klarheit und Lieblichkeit das Opernhaus zu füllen; die\nAnmuth des Tones und des Vortrages ist oft überraschend\nschön und zeugt von einem zarten, weiblichen Gemüthe,\nvon einem feinen Sinne lür das Geschmackvolle. DieColora-\nturfertigkeit ist zwar nicht über allen Tadel erhaben, ver-\nhältnissmässig aber dennoch sehr befriedigend; jedenfalls\nbesitzt unsere Bühne keine Sängerin mit einer so correcten\nStimmfertigkeit. Die Modulationsfähigkeit des Organs für\ndramatischen Ausdruck ist nicht gross, indess immer aus-\nreichend für das leichtere Genre, dem Fräul. Bury ange-\nhört; und überall zeugt der Vortrag von Verstand und\nUeberlegung. Namentlich gilt dies von den Arien, auf die\nFräul. Bury, früher als Concertsängerin darauf ausschliess-\nlich angewiesen, eine ganz besondere Sorgfalt verwendet;\nhier war die Nuancirung oft vorzüglich fein und sinnvoll.\n- Dem Gastspiel von Fräul. Bury folgte die Einstudirung\neiner auf der Hofbühne noch nicht gegebenen Oper, „Des\nAdlers Horst\" von Gläser. Dass man dieses heitere Werk,\ndessen treffliches Libretto von Holtei herrührt, wieder her-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5230, "texte": "vorsuchte, hat einen äusserlichen Grund; man fand darin\neine Rolle für Fräul. Wagner. Ob sich die Oper halten\nwird, steht dahin. Unser Publicum findet nur Geschmack\nan dem Grossartigen, d. h. an dem, was es dafür hält, und\nmacht zu jedem anspruchlosen, unterhaltenden Werke ein\ngriesgrämiges Gesicht. Die Musik von Gläser ist keineswegs\nbedeutend, da, wo er ernst und dramatisch sein will, sogar\nschlecht; aber sie enthält frische, volkstümliche Lyrik, un-\ngezwungene Melodik und wird durch einen wahrhaft guten\nText getragen. Unter den Darstellern zeichnete sich nächst\nFräul. Wagner (Rose), die den treuherzigen, einfachen Ton der\nverlassenen Gattin und Mutter glücklich trifft, Herr Boss\n(Vater Renner) durch lebenstreue, natürliche Charakter-\nzeichnung aus. Roger hat inzwischen ein neues Gast-\nspiel angetreten, in dessen Verlauf er auch den Fra Diavolo\nsingen wird. Von neueren Werken sind die Nibelun-\ngen von Dorn wiederholt mit günstigem Erfolg gegeben\nworden.\nDie zwei letzten Dom-Chor-Soireen haben uns wieder\nmit manchem hier noch nicht gehörten Werke bekannt ge-\nmacht. Namentlich sind hervorzuheben das von\nAllegri, zwei Motetten von J. S. Bach, eine echte und eine\nunechte, und das achtstimmige Credo von Cherubini. Das\nMiserere von Allegri ist weniger musicalisch als historisch\ninteressant; es ist monoton und durch viele geschmacklose\nVerzierungen späterer Zeit verunstaltet; ohne diese letzte-\nren würde es eine gewisse Feierlichkeit und Erhabenheit\nder. Grundstimmung haben; der weichliche, tändelnde Ge-\nschmack der Sänger war aber damit nicht zufrieden und\nbrachte seine eigenen Einfälle hinein, die sich indess mit dem\nGrundbau in keiner Weise organisch und innerlich ver-\nschmelzen Hessen. Nichts desto weniger war die Ausführung\ndes berühmten Stückes interessant, wenn auch nur der\näusseren Kenntnissnahme wegen; für Knabenstimmen ist\nübrigens das Miserere wenig geeignet, es verlangt kräftige\nund virtuosenhaft geschmeidige Organe. Die unechte Bach'-\nsche Motette: „Jauchzet dem Herrn\", ist einfach, schlicht\nund klar; sie ist so gesund und ansprechend, so natürlich\nund innig im Ausdrucke, so deutsch und bieder, dass man\ngegen die Wahl derselben gar nichts einwenden kann; aber\nsie ist so einfach und gewisser Maassen kunstlos, dass Nie-\nmand daran zweifeln wird, dass sie nicht von Bach her-\nrührt. Ganz anders klingt die echte Bach'sche Motette:\n„ Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf\"; hier ist äusserste\nBestimmtheit und Schärfe des Ausdrucks, lebendigste Poly-\nphonie, so dass sich die Stimmen fast erdrücken und zu einem\ngordischen Knoten verschlingen, in dem das Ohr nur mit\nMühe die einzelnen Fäden von einander trennt. Wir hoffen,\ndass der Dom-Chor Bach fortan fleissiger cultiviren wird;\ndenn obschon wir nicht zu denen gehören, die das höchste\nIdeal der Schönheit in Bach erblicken denn es scheint\nuns in ihm ein allzu starkes Hervortreten der einzelnen Mo-\nmente auf Kosten des Ganzen, sehe man nun hinsichtlich des\nAusdrucks auf das Verhältniss der einzelnen Worte zum\nSinne des Ganzen, oder rein musicalisch auf das Verhältniss\nder einzelnen Stimmen zu dem harmonischen Gesammtbau\n—, so scheint es uns doch, dass er in der Kraft musicali-\nscher Productivität, in dem musicalischen Ideen-Reichthume\nfast obenan steht; und für manches Harte und Wirre wird\nman durch die Fülle des Lebens, durch die kühne Schärfe\ndes Ausdrucks reichlich entschädigt. Das von Cheru-\nbini gehört zu den grossartigsten Schöpfungen innerhalb des\nGebietes der reinen Vocal-Musik. Ein sehr ausgedehntes\nWerk es währt über eine halbe Stunde —, umfasst es\nin sich die herrlichsten Schätze musicalischer Kunst und\nPhantasie. Das Inearnatus und Crucifixus sind von der tief-\nsten Erfindung und dem wärmsten Ausdruck. Das\nam Schlüsse steigt und braus't mächtig empor, die Stimmen-\nEintiitte sind so glücklich, dass man den Eindruck empfängt,\nals ob immer neue Stimmen hinzuträten, die sich dem rie-\nsenhaft wachsenden Lobgesange anschlössen. Die Concerte\ndes Dom-Chors haben auch in diesem Winter grosse Theil-\nnahme gefunden und die Aufmerksamkeit der Musikfreunde\ndurch vielfach neue Anregungen und durch die Trefflichkeit\nder Ausführung lebhaft auf sich gezogen. Unter den Wer-\nken der Kammermusik, die den übrigen Inhalt dieser Con-\ncerte bilden, fand namentlich die hier öffentlich noch nie-\nmals gespielte D-dwr-Sonate von Beethoven für Piano und\nCello (Op. 102) bei den Musikern Anklang. Die Herren\nVierling und Dr.Bruns erwarben sich dieses Verdienst;\nsie spielten die Sonate mit feinstem Verständniss und sicher-\nster Technik.\nDie Sing-Akademie führte ein neues Oratorium von\nReissiger auf, „David\". Vor Allem ist an dem Werke\nder natürliche Fluss, die geschickte, geschmeidige Abrun-\ndung, die Richtigkeit des Ausdrucks zu rühmen. Doch bleibt\nfreilich ein höherer Schwung der Phantasie, eine ergreifen-\ndere Sprache des Gefühls zu wünschen, Das musicalische\nTalent Reissiger's hat geringe Hebungen und Senkungen;\nes vermeidet zu ängstlich alles,, was Unbequemlichkeiten in\nder Fortführung machen könnte. In den Chören vermissen\nwir den breiten, vollen, majestätischen Strom, der den besten\nWerken der Gattung eigen ist; in den Recitativen ist Wenig\nNeuheit der Gedanken; in den Arien erhebt sich die Melodie"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5220, "texte": "selten zu voller musicalischer Selbstständigkeit der Decia-\nmation gegenüber. Ein verständiger Sinn und musicalische\nGeschicklichkeit lässt sich aber nirgends verkennen. Am\nmeisten befriedigte uns, obschon etwas weltlich gehalten,\ndie Krönungs-Scene.\nII.\n[B. Klein's Dido — Kammermusik - Virtnosen-Con-\ncerte - Rubinstein u. s. w.]\nIch werde Ihnen in diesem Briefe vorzugsweise eine\nRundschau über die Virtuosen und Sänger geben, die sich\nin den letzten Wochen bei uns haben hören lassen. Zuvor\nnoch ein paar andere Notizen. Eine alte Oper von Bernhard\nKlein, „Dido\" (Text vonßellstab), kam in den Concerten,\ndie zum Besten des Gustav-Adolf-Vereins Statt finden, zur\nAufführung. Die Oper ist im Stil Gluck's sehr edel und be-\nsonnen gehalten, mit verständigem Ausdruck, an einzelnen\nStellen, obschon selten, auch von tieferer Wärme des Ge-\nühls erfüllt. Dennoch war es ein Missgriff, die Dido hervor-\nzusuchen. Der an sich undankbare und trockene Stoff ist\nvon Rellstab, der, als er den Text schrieb, noch ganz jung\nwar, mit geringem Geschick, und zwar namentlich uninteres-\nsant, behandelt; und die Musik Klein besass überhaupt\nwenig Phantasie und wagte, durch ein Uebermaass von Re-\nflexion gehemmt, selten einen entschiedenen Schritt ist\neine sehr gute Studie nach Gluck, aber nichts weiter, ab-\ngeschwächt und mit all der ängstlichen Zurückhaltung, die\nüberhaupt Studienwerken eigen ist. Man erkältet sich dabei\nund wird nie des unangenehmen Gefühls los, es mit einer\nunfreien, berechneten Schöpfung zu thun zu haben.— Un-\nsere Quartett-Soireen brachten ein hier noch nicht gehörtes\nQuartett von Cherubini (Es-dur), das sich durch Frische\nund Anmuth auszeichnet; in den Trio-Soireen hörten wir\nneue Trios von Schliebner und Stahlknecht, von de-\nnen namentlich der letztere durch strenge Beobachtung der\nForm, durch Gewandtheit und maassvolle Bescheidenheit\neinen erfreulichen Eindruck machte. Ein Duo von Bargiel,\ndas in den Soireen der Herren Radecke, Grünwald\nund v. d. Osten zur Aufführung kam, habe ich nicht selbst\ngehört; es wird aber davon gerühmt, dass es, im Ganzen\nder Schumann'schen Richtung angehörend, sich durch Fein-\nheit der Erfindung und Ausführung und durch wirksame\nGegensätze auszeichne. Zu der bereits nicht geringen Zahl\nvon Concert-Cyklen, die unsere einheimischen Künstler ver-\nanstalten und über die ich theils in früheren Briefen berich-\ntet habe, theils je nach dem Inhalt, den sie dem Publicum\nvorführen, zu berichten fortfahre, sind noch zwei neue ge-\ntreten, von den Herren v., Kolb und Wohlers und den\nHerren Ries und Steifensand veranstaltet. Die Herren\nv. Kolb und Steifensand sind Pianisten, der Erstere mehr\ndem Salongeschmack, der Letztere einer ernsten musicali-\nschen Richtung huldigend. Herr Wohlers ist ein beliebter\nCellist, Herr Ries einer unserer älteren Violinisten, der sich\naber noch immer durch geschmackvolle und gediegene Be-\nhandlung seines Instrumentes auszeichnet. Die von ihm und\nHerrn Steifensand veranstalteten Soireen, die zu wohlthäti-\ngen Zwecken Statt finden, haben ein sehr grosses Publicum\ngefunden; in der ersten derselben waren ausser den Lei-\nstungen der Concertgeber selbst noch die Vorträge des\nT e s c hne r' sehen, nur aus weiblichen Stimmen bestehenden\nGesang-Vereins von hohem Werthe. —Zu den wenigen Con-\ncerten, die den Unternehmern eine reiche Einnahme brach-\nten, gehört ferner ein von den Herren Roger und Vi vi er\nveranstaltetes. Alle Welt drängt danach, Roger im Concert\nund namentlich den Erlkönig von ihm zu hören. Wir sind\nmit seinem Concertgesang nur theilweise einverstanden, da\nuns auf diesem Gebiete Ruhe und feine Zeichnung unerläss-\nlich scheinen; die auf der Bühne nöthigen starken Farben,\ndie leidenschaftliche Erreguug der wirklichen Darstellung\nsagen uns hier weniger zu. Nichts desto weniger fesselt\nuns überall die Genialität des Mannes, des einzigen Sängers\nfast, den wir kennen, der sein Organ zu absoluter Elastici-\ntät und Modulationsfähigkeit gebracht hat; und dazu kommt,\ndass wir im Concerlsaale, was in den grossen Räumen des\nOpernhauses nicht mehr der Fall ist, den Eindruck eines\ngrossen, mächtigen Organs empfangen. Vivier findet hier\nmanche Gegner; er verschmäht die gebräuchlichen, geschmei-\ndigen Wege, der Missgunst zu begegnen nnd die kleinen\nEitelkeiten sich dienstbar zu machen. Wir legen auf das\nKunststück der dreistimmigen Accorde keinen grossen Werth;\naber abgesehen davon, ist seine Technik vortrefflich, und in\nseinem Vortrage einfacher Melodieen spricht sich eine hoch-\ngebildete, geistreiche Empfindungsweise aus, die ihm jeden-\nfalls eine hervorragende Stellung unter seinen Kunstgenossen\nsichert. Von den vielen kleineren Concerten schweige ich\nund gehe nun zu den fremden Virtuosen über, die diesmal\nscharenweise nach Berlin gewandert sind.\nZunächst von denen, die nur in zweiter Reihe standen.\nDa ist Fräul. Nanette Falk, eine Pianistin von vielem\nTalent und mit ausgebildeter Technik, die aber noch nicht\nzu vollständiger, nach allen Seiten hin befriedigender Durch-\nbildung gekommen ist. Fräul. v. Härder, eine Dame, die\nnach dem Wenigen, was wir von ihr hörten, sich auf einer\nnoch höheren Stufe befindet, aber kaum dazu gelangt ist,\nsich hier öffentlich hören zu lassen; die Geschwister Ne-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5052, "texte": "ruda, von denen die Violinistin trotz ihres äusserst correc-\nten, fertigen und ausdrucksvollen Spiels dennoch nicht den\nKroll'schenSaal zu füllen vermochte; Miss Arabella God-\ndard, eine ausgezeichnete Pianistin, die durch wahrhaft edlen\nVortrag hervorragt, und die ich nur darum in diese Kate-\ngorie stelle, weil sie bis jetzt noch kein eigenes Concert ge-\ngeben hat (in meinem nächsten Briefe werdeich ausführlicher\nüber sie zu schreiben Gelegenheit haben); Fräul. Seyf-\nfardt, die sich in den Dom-Chor-Concerten ebenfalls als\neine sehr sorgfältig geschulte Clavierspielerin bewährte. Frau\nParish-Alvars, die treffliche Harfenspielerin, die ihr\nzartes Instrument mit weiblicher Eleganz und Flüssigkeit be-\nhandelt. Ein Wort auch über die Sänger und Sängerinnen,\ndie hier auftauchten, doch meistens nur durch schönes Ma-\nterial, selten durch vollkommene Durchbildung die Aufmerk-\nsamkeit auf sich lenkten. Da sind die Schwedinnen Wester-\nstrand mit brillanter Coloratur und sehr mangelhaftem\nTone; L ö w g r e e, die eine seelenvolle Stimme, aber geringe\nAusbildung besitzt; Valerius; Fräul. Krüger und Fräul.\nZum Busch, Schülerinnen des Herrn Mantius, von denen\ndie Erstgenannte schon recht Erfreuliches leistet; Fräul.\nAlisch und Fräul. Hagemann, talentvoll, aber ebenfalls\nnoch nicht fertig ausgebildet; der Tenorist Herr Otto und\nder Bassist Herr Sabbath, beide reich begabt; der aus\nDresden hieher gekommene Gesanglehrer Herr Sieb er, der\nindess bei manchen schönen Eigenschaften etwas matt und\ngeistlos singt,und seine vielversprechende Schülerin d e A h n e.\nDen Preis von allen, die wir in diesem Winter gehört, ver-\ndient indess eine unserer Dilettantinnen, Frau H a h n e m a n n,\ndie in dem Oratorium „David\" die Sopran-Partie mit fast\nvollendeter Schönheit sang.\nNun zu SchulhofT, Rubinstein, Arthur Napoleon. Schul-\nhoff ist in seinen kleinen Stücken ein anmuthiger Cornpo-\nnist, der einen, wenngleich nur geringen, musicalischen In-\nhalt geschmackvoll zu verarbeiten versteht, und ein höchst\nelegant gebildeter Clavierspieler. Er hat unser Publicum\nnicht hingerissen, aber Jedermann hat ihn mit Vergnügen\ngehört, und selbst die leichtere Richtung seines Spiels hat\nkeine Gegner gefunden. Er gab drei Concerte, was in Zei-\nten solcher Concurrenz schon etwas sagen will. Er spielt\nfast ausschliesslich eigene Compositionen; nur einmal hörten\nwir eine Beethoven'sche Sonate von ihm, correct und solid,\naber ohne hervortretende Besonderheit. Rubin st ein ist\nals Clavierspieler vortrefflich; er besitzt nicht nur alle Eigen-\nschaften des Virtuosen im höchsten Maasse, sondern sein\nSpiel ist auch von dem ernsten Geiste des Musikers durch-\nweht, von dem Streben, Tiefes und Grosses auszudrücken.\nDoch wollte Rubinstein nur nebenbei als Clavier-Virtuose,\nin der Hauptsache als Componist bei uns auftreten. Wir\nhaben zwei Clavier-Concerte, zwei Sinfonieen und verschie-\ndene kleinere Clavier-Piecen von ihm gehört. Nicht nur die\nberliner Presse, sondern auch die Mehrzahl der Musiker\nhat darüber den Stab gebrochen;' nur einzelne Stimmen wer-\nden laut, die ihn als den Messias der Zukunft preisen. Ueber-\nladenheit und theilweise Sonderbarkeit der Instrumentation,\ndie Schroffheit der Gegensätze, die zügellose Modulation,\nder Mangel kunstvoller Architektonik alle diese Punkte\nwerden seinen Compositionen mit Recht vorgeworfen. Hierzu\nkommt, dass auch der ursprüngliche Ideengehalt meistens\nnicht als bedeutend erscheint. Im Ganzen überwiegt bei ihm\ndie Tendenz nach starkem Ausdruck, nach der Darstellung\ndes Grossen und Gewaltigen, führt ihn aber sehr oft theils\nzur Trivialität, theils zur Verzerrung; er übereilt, überstürzt\nsich, gibt sich oberflächlichen Effecten hin; sowohl in der\nStructur des Ganzen als in der Erfindung des Einzelnen\nwird alles Feinere, Sorgfältigere, Solidere darüber verges-\nsen. Dennoch lassen sich im Einzelnen Züge männlicher\nKühnheit und feineren Geschmacks nicht verkennen, und\nwir glauben, dass Rubinstein bedeutendes Talent besitzt,\ndas nur der Selbstbeherrschung, der Ruhe und des Studiums\nbedarf, um aus dem gegenwärtig noch etwas scythischen\nZustande in einen wahrhaft künstlerischen überzugehen. Ein\nStreich-Quartett, das kürzlich in einem kleinen Concerte zur\nAufführung kam, welches wir aber nicht selbst gehört, wird\nuns als bedeutend besser gerühmt; namentlich soll das Ada-\ngio desselben, ein süsses, träumerisches Musikstück, von\nmeisterhafter Vollendung sein.—Arthur Napoleon, der\neilfjährige Knabe, ist ein ausserordentliches Talent; die\nZartheit und Lieblichkeit seines Anschlags, die feine Sorg-\nfalt seiner Nuancen ist erstaunenswürdig. Von Eingelerntem\nist wenig die Rede; denn der Vortrag ist zu individuel, um\nbloss einstudirt zu sein. Dass der Knabe, dessen ganze\näussere Erscheinung höchst einnehmend ist und von ange-\nborener Anmuth und Lebendigkeit zeugt, auf jedes irgend\nempfindliche Gemüth grossen Eindruck macht, versteht sich\nfast von selbst; dennoch ist es draussen bei Kroll, wo er\nzu lünfzehn Concerten engagirt ist, schlecht besetzt; die\nKälte schreckt das Publicum ab.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-03-03-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-03-03_01#c004", "volume": "bmtnabi_1855-03-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "72", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.2.4", "titre_corps": "Aus Arnheim.", "titre_sommaire": "Aus Arnheim.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.7", "debut_caractere": 5054, "fin_caractere_exclue": 5411, "texte": "Aus Arnheim.\n(Durch Zufall verspätet.)\nWir haben am 17. Januar ein schönes musicalisches Fest ge-\nfeiert, bei welchem sich alle hiesigen Freunde der Kunst und des\nwürdigsten Repräsentanten derselben in unseren Mauern, des Herrn\nMusik-Directors G. R. Marx, betheiligten. Die grossen Verdienste\ndesselben um das Musikleben in unserer Stadt, so wie seine Tüch-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1760, "texte": "tigkeit als talentvoller Künstler auf dem Pianoforte und der Violine,\nfanden dabei ohne vieles Gepränge, wovon der Holländer, wie Sie\nwissen, kein Freund ist, die aufrichtigste und verdienteste Aner-\nkennung. Seit Jahren gab Herr Marx jeden W7inter ein grosses\nVocal- und lnstrumental-Concert; das diesjährige fand am oben ge-\nnannten Tage Statt und war in der Reihe das fünfundzwan-\nzigste; es wurde mithin zu einer eben so anspruchlosen als mu-\nsicalisch geeigneten Jubelfeier. Der Herr Concertgeber trug darin\ndas sechste Violin-Concert von de Beriot, die Norma-Phantasie\niür Pianoforte von Thal be r g und die Variations militaires für\nzwei Pianofortes von Pixis (mit dem Herrn van Zeil) mit gros-\nser Meisterschaft und unter stürmischem Beifall vor. Die hiesige\nLiedertafel Euterpe hatte mit Freuden sich erboten, an dem\nEhrentage ihres Directors im Concerte mitzuwirken, und sie trug\nunter dessen Leitung die Kriegerscene von Fischer und zwei Lie-\nder von Kreutzer und Mendelssohn auf sehr gelungene Weise\nvor. Eine andere Zierde des Abends war der ausdrucksvolle Ge-\nsang des Herrn Crayvanger aus Utrecht, welcher uns mit dem\nVortrage von zwei classischen Bass-Arien vonJßaydn (Schöpfung)\nund Mozart (Figaro) erfreute. Das Ganze war in den Rahmen\nvon zwei gut ausgeführten Ouvertüren von Beethoven und Mozart\neingefasst.\nAm Schlüsse des Concerts überreichte die Liedertafel Euterpe\nihrem Director ein auf diesen Tag verfasstes Ehrengedicht in einem\nprachtvoll auf Seide gedruckten Exemplare, während sie dasselbe\nin einer recht melodiösen Composiiion sang.\nEin fröhliches Mahl im Zicynshoofd-Hötel beschloss den Abend,\nund der zahlreiche Kreis von Freunden des Gefeierten wetteiferte,\nihm ihre Hochachtung und Liebe in wiederholten Toasten darzu-\nlegen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-03-03-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-03-03_01#c005", "volume": "bmtnabi_1855-03-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.8", "debut_caractere": 1762, "fin_caractere_exclue": 6842, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöln., Die Geschwister Virginia und Carolina Ferni,\n\\ iolinspielerinnen aus Como in Ober-Italien, haben zwei Mal im\nTheater mit grossem Beifall gespielt, aber leider vor einem sehr\nwenig zahlreichen Publicum. Sie sind zwar noch sehr jung, jedoch\nüber den Standpunkt der Wunderkinder hinaus; ihre Erscheinung\nist ausserordentlich einnehmend und ihr .Talent kein gewöhnliches.\nDie jüngere Carolina scheint mehr Eigentümlichkeit, wenn man\nwill, Genie, zu haben, während uns der schöne Ton und der aus-\ndrucksvolle Vortrag der älteren Schwester vorzüglich angesprochen\nhat. Die Wahl der Compositionen von de Beriot, Leonard, Alard,\nVieuxtemps verdient die höchste Billigung, wogegen der unver-\nmeidliche und hier noch dazu duettirende und mit Flageolet-Ge-\nwinsel überladene Carneval von Venedig besser weg bliebe. Die\njungen Damen werden als sehr interessante und tüchtige Künst-\nlerinnen überall grosse Theilnahme erregen.\nIn der Oper Beiisar machte ein hiesiger junger Mann mit\neiner hübschen, recht wohlklingenden Baritonstimme, Herr Simons,\nbisher Mitglied des Männergesang-Vereins, seinen ersten theatrali-\nschen Versuch in der Titelrolle. Die Wahl derselben war eine un-\npassende, indem weder die Persönlichkeit noch die Stimme des\nDebütanten dafür ausreicht. Trotzdem liess sich nicht verkennen,\ndass Herr Simons Talent für die Bühne besitzt; im Gesänge dürfte\ndie Natur seiner Stimme mehr für das Lyrische als für das Heroi-\nsche geeignet sein. Rügen müssen wir, dass Herr Simons nicht\nsicher in der Partie war; was soll aus der Kunst werden, wenn\nman ohne Weiteres in halbstudirten Rollen auftritt? Die Bühne ist\nkein Carnevals-Theater.\nF. Hill er ist von seiner Reise nach Weimar, Leipzig u. s. w.,\nwo er überall mit grosser Auszeichnung aufgenommen worden ist,\nin diesen Tagen zurückgekehrt. In den Gewandhaus-Concerten in\nLeipzig sind seine Sinfonie „Im Freien\" und seine Ouvertüre zur\nPhädra aufgeführt worden.\nBonn. Am 27. v. Mts. fand das vierte Abonnements-\nConcert unter Leitung des Herrn v. Wasielewski Statt. Es\nwaltete über dasselbe in so fern ein Unstern, dass von den erwar-\nteten Solisten drei bis vier ausblieben, die wahrscheinlich durch\nUnwohlsein verhindert waren, der Einladung zur Mitwirkung zu\nentsprechen. Ob die Wahl des Belsazar von Händel zur Auf-\nführung eine glückliche zu nennen, möchten wir bezweifeln; für\ndie Nerven des heutigen Geschlechts ist es jedenfalls ein zu ge-\ndehntes W7erk, wie mehr oder weniger alle Oratorien von Händel.\nEine wahre Calamität für das Ganze war es, dass Herr Koch von\nKöln, welcher die Tenor-Partie übernommen hatte, krank wurde,\nund zwar, dem Vernehmen nach, erst am Tage der Aufführung.\nEs ist dankbar anzuerkennen, dass ein hiesiger Dilettant so bereit-\nwillig war, seine Stelle zu vertreten, so dass wenigstens keine\neigentliche Störung eintrat. Fräul. Pels-Leusten sang die Partie\ndes Cyrus eben so vortrefflich, als Herr Schiffer aus Köln dieje-\nnige des Daniel. Im Orchester fehlte die zweite Flöte, was wir rü-\ngen müssen, da dergleichen Mängel in einer Stadt wie Bonn nicht\nvorkommen dürften. Der letzte Bericht „Aus Bonn\" in Ihrer\nNr. 7 hat zu einer Local-Posse Veranlassung gegeben, welche in\nder hiesigen Zeitung spielt und am besten „Der Fehlschuss\" betitelt\nwerden könnte; es scheint mir nicht der Mühe werth*), eine Rolle\ndarin zu übernehmen.\nIn Banz ig ist eine neue Oper von F. W. Markqll, Text\nvon J. E. Hart mann, wiederholt mit Beifall zur Aufführung ge-\nkommen. Der Titel derselben ist: Das Wal p urgi sfest; die\nHandlung hat mit der Walpurgisnacht nichts zu thun, sondern ent-\nhält die Sage von Otto dem Schütz, welche von den rheinischen\nDichtern G. Kinkel, W. Müller, C. Simrock u. s. w. in verschiede-\nner Form bearbeitet worden ist.\nDer Tenorist Tichatschek feierte in Dresden am 16. Ja-\nnuar seine fünfundzwjifäigjährige Wirksamkeit als Bühnensänger. Er\ntrat 1829 bei der k. k. Oper in Wien als erster Tenor im Chor\nmit 140 Gulden jährlichen Gehalts ein. Nach Mittheilungen, die\nwir aus Dresden erhalten, hat Meverbeer's Stern des Nor-\n-7\ndens nicht so sehr gefallen, wie manche Blätter berichten.\nDie Sängerin Anna Zerr hat Leipzig ohne Gastspiel wieder\nverlassen, da Gesundheits-Rücksichten sie daran hinderten. Sie ist\nnach Baden-Baden gegangen.\nWieia. Die Unterhandlungen mit Vieuxtemps haben zu\nkeinem Resultate geführt. Herr Jos. Hei Im es berger ist als\nzweiter Solo-Violinist neben Mayseder angestellt worden.\nMeyerbeer's Stern des Nordens ist vorläufig zurückgelegt.\nDie in Wien erscheinenden „Recension en\" u. s. w., von\ndenen wir vor Kurzem in diesen Blättern eine Anzeige nebst Aus-\nzügen gegeben haben, werden seit dem 1. Januar 1855 als „Mo-\nnatschrift für Theater und Musik\" fortgesetzt, bei J. B.\nWallishauss'er in Wien. Als verantwortlicher Herausgeber ist\nJos. Klemm auf dem Titel genannt. Den Geist des Inhalts ken-\nnen unsere Leser bereits. Wenn der Verfasser seinen Grundsätzen\ntreu bleibt, was zu erwarten ist, so kann das Unternehmen nament-\nlich in Wien selbst für die Kunst sehr wohlthätig werden.\n*) Uns auch nicht. Die Redaction."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.1", "texte": "Eduard Hanslick.\nIII.\nDer vierte Abschnitt behandelt den subjectiven\nEindruck der Musik.\nDie Phantasie, als das Organ, aus welchem und für\nwelches das Kunstschöne entsteht, erweis't sich in der\nV 7\nWirklichkeit als Vermittlerin zwischen dem Fühlen des\nComponisten und des Hörers.\nDas Gelühl wird beim Tondichter, wie bei jedem\nPoeten, sich reich entwickelt vorfinden; aber es ist nicht\nder schaffende Factor in ihm. Die Thätigkeit des Com-\nponisten ist eben so gut eine bildende, wie die des plasti-\nschen Künstlers; denn das geringste Musikstück erfordert\neine Ausarbeitung bis ins Kleinste, welche nur bei einem\ngewissen Grade der Entäusserung der Subjectivität zu voll-\nenden ist. Allein der unendlich ausdrucksfähige geistige\nStoff der Töne lässt es zu, dass die Subjectivität des musi-\ncalischen Bildners sich in der Art seines Formens auspräge.\nEs werden demnach vorherrschende Charakterzüge sich\nnach den allgemeinen Momenten abdrücken, welche die\nMusik wiederzugeben fähig ist. Das selbstständige, rein mu-\nsicalische Schöne wird innerhalb der Gränzen des musicali-\nschen Bildens mehr oder weniger subjectiv ausgestattet.\nDaher unverkennbare Eigenthümlichkeit der Werke ver-\nschiedener Meister, wie z. B. gewaltige oder sentimentale\nInnerlichkeit (Beethoven, Spohr) im Gegensatz zu klarem\nFormen (Mozart, Mendelssohn). Die unmittelbare Aus-\nströmung des Gefühls findet nicht bei der Composition,\nwohl aber bei der Reproduction des Tonwerkes Statt,\nbeim Spieler oder Sänger.\nSo richtig diese letzte Bemerkung ist, so können wir\ndoch der Subjectivität des Spielers keine so volle Berechti-\ngung einräumen, als Hanslick zu thun scheint, wenn er\nsagt: „Dem Spieler ist es gegönnt, sich von dem Ge-\nfühle, das ihn eben beherrscht, durch sein Instrument\nzu befreien.\" Das kann nur von der „freien Phantasie\"\ngelten, worauf Hanslick zuletzt auch selbst kommt. Im\nUebrigen müssen wir vor der Lehre von der subjectiven\nAuffassung bei der Reproduction von Tonwerken sehr\nernstlich warnen, da sie neuerdings gewaltig auszuarten\ndroht und eben sowohl die verkehrtesten Grundsätze für\ndie Praxis des Dirigirens von Orchestersachen, als wider-\nliche Unarten der Sänger erzeugt hat. Vergleiche unsere\nBemerkungen über correcten Vortrag in Nr. 6, S. 48, un-\nter „Köln\".\nHiernach kommt der Verfasser zu dem Eindruck der\nMusik auf den Hörer.\nDer Hörer wird durch die Musik weit über das bloss\nästhetische Wohlgefallen hinaus ergriffen; keine andere\nKunst wirkt so schnell, so intensiv und so unmittelbar auf\ndas Gefühl. „Die anderen Künste überreden, die Musik\nüberfällt uns.\" Sehr wahr heisst es ferner: „In Geraüths-\nzuständen, wo weder Gemälde noch Gedichte, weder Sta-\ntuen noch Bauten mehr im Stande sind, uns zu theilneh-\nmender Aufmerksamkeit zu reizen, wird Musik noch Macht\nüber uns haben, ja, gerade heftiger als sonst. Wer in\nschmerzhaft aufgeregter StimmungMusik hören oder machen\nmuss, dem schwingt sie wie Essig in der Wunde. Form\nund Charakter des Gehörten verlieren ganz ihre Bedeutung,\nsei es nächtig trübes Adagio oder ein hell funkelnder Wal-\nzer: wir können uns nicht loswinden von seinen Klängen\nnicht mehr das Tonstück fühlen wir, sondern die Töne\nselbst, die Musik als gestaltlos dämonische Gewalt.\"\nEs entstehen nun die zwei Fragen: worin der speci-\nfische Charakter der Wirkung der Musik auf das Gefühl\nliege, und wie viel von dieser Wirkung ästhetischer\nNatur sei. Sie erledigen sich beide durch die Erkenntniss\nder intensiven Einwirkung der Musik auf das\nNerven-System: Die eigentümliche Qualität der Macht\nder Musik beruht auf physiologischen Bedingungen.\n„Die Musik, durch ihr körperloses Material die geistig-\nste, durch ihr gegenstandloses Formenspiel die sinnlich-\nste Kunst, zeigt in dieser geheimnissvollen Vereinigung\nzweier Gegensätze ein lebhaftes Assimilations-Bestreben\nmit den Nerven, diesen nicht minder räthselhaften Or-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.2", "texte": "ganen des unsichtbaren Telegraphendienstes zwischen Leib\nund Seele.\"\nDie intensive Wirkung der Musik auf das Nervenleben\nist als Thatsache von der Psychologie wie von der Physio-\nlogie anerkannt. Aber eine ausreichende Erklärung dersel-\nben fehlt. „Es vermag die Psychologie eben so wenig das\nMagnetisch-Zwingende des Eindrucks gewisser Accorde,\nMelodien und Klangfarben auf den Organismus des Men-\nschen zu ergründen, weil es dabei zuvörderst auf eine spe-\ncifische Reizung der Nerven ankommt, als die im Triumph\nfortschreitende Wissenschaft der Physiologie bis jetzt etwas\nEntscheidendes über dieses Problem gebracht hat, zumal die\nletztere bei der Untersuchung des Hörens vielmehr den\nSchall und Klang überhaupt, als insbesondere den musi-\ncalisch verwendeten, im Auge zu haben pflegt.\"\n„Steht einmal fest, dass ein integrirender Theil der\ndurch Musik erzeugten Gemüthsbewegung physisch ist,\nso folgt weiter, dass dieses Phänomen auch von seiner rein\nkörperlichen Seite erforscht werden muss.\"\n„Je stärker aber eine Kunstwirkung körperlich über-\nwältigend, also pathologisch, auftritt, desto geringer ist ihr\nästhetischer Antheil. Es muss darum bei der Musik in\nder Hervorbringung und Auffassung ein anderes Element\nhervorgehoben werden, welches das unvermischte Aesthe-\ntische dieser Kunst repräsentirt und als Gegenbild zu der\nspeci fisch-musicalischen Gefühls-Erregung sich den all-\ngemeinen Schönheits-Bedingungen der übrigen Künste\nnähert. Dies ist die reine Anschauung.\" Ueber ihre\nErscheinungsform in der Tonkunst handelt der folgende\nAbschnitt.\n\nDie gegenwärtige hohe Orchester-Stimmung und\nihr Ausgang.\nMitgetheilt von A. Schindler.\nII.\nDas rasche Weitergehen in Ueberschreitung dieses\n1816 bewirkten Stimmverhältnisses wird schon das Fol-\ngende zeigen.\nIm Jahre 1820 trat das Musikcorps von Hoch- und\nDeutschmeister Infanterie gleichfalls mit lauter neuen In-\nstrumenten auf, wozu der oberste Inhaber des Regiments,\nder oben bereits genannte Erzherzog und Grossmeister des\nDeutschen Ordens, einen namhaften Beitrag bewilligt hatte.\nDer Verfasser dieser Erzählung sass damals noch in der\nCentral-Kanzlei des Deutschen Ordens als Prakticant; die\ndiese Instrumenten-Angelegenheit betreffenden Rechnungs-\nAusweise gingen daher auch durch seine Hände.\nAls man die Ueberzeugung gewonnen, dass die Ab-\nstimmung dieser neuen Instrumente bei Weitem noch hö-\nher sei, als jene des anderen Musikcorps, da erhob sich\nunter sämmtlichen Orchester-Directoren ein Jammergeschrei;\ndenn von nun an waren beide Corps zur Verwendung in\nden Theatern unmöglich. Diese fanden sich genöthigt, in\nvorkommenden Fällen sich an das allein noch übereinstim-\nmende Musikcorps des Artillerie-Regiments zu halten, aus\nwelchem Umstände, bei gleichzeitigem Bedarf an Verstär-\nkung für das kaiserliche Opern-Theater, wie auch für das\nan der Wien und in der Josephstadt, grosse Verlegenheiten\nhervorgegangen sind. Und ward man dieses ganzen, jedoch\nnur kleinen Musikcorps oder einzelner Instrumente daraus\nhabhaft, dann ergaben sich wieder andere Verlegenheiten,\ndie ihren Grund in dem alten, verbrauchten Material dieses\nallzeit ärmlich dotirten Musikcorps hatten.\nIn Folge dieser Neuerungen war das Waldhorn nach-\ngerade aus allen Orchestern Wiens verschwunden; das\nBassethorn existirte seiner oben berührten Eigenschaften\nwegen auch in keinem mehr. Man requirirte es bei jedes-\nmaligem Bedarf aus dem Militär-Musikcorps. Da finden wir\nes aber 1820 auch nicht mehr im Gebrauche, und die im\nArtillerie-Musikcorps noch befindlichen näseln alten Wei-\nbern gleich hinter der Bahre wehklagend, die alles Andere,\nnur keine elegische Stimmung im Zuhörer bewirken können.\nSomit ereignete sich im Februar 1825 der im musicali-\nschen Wien kaum glaubliche Fall, dass bei der Todtenfeier\niür den verstorbenen König beider Sicilien, Ferdinand 1.,\nMozart's Requiem, unter Jos. Weigl's Leitung und unter\nMitwirkung der Damen Lalande undUnger, dann der Herren\nRubini und Lablache, zum ersten Male mit Clarinetten an-\nstatt der Bassethörner aufgeführt werden musste. Capell-\nmeister Weigl, der treue Hüter und Bewahrer Mozart'scher\nTraditionen bis an sein Lebensende, hatte sich zu einem\nansehnlichen Geldgeschenke erboten, wenn man zwei brauch-\nbare Bassethörner herbeischaffe vergebliches Bemühen\njedoch, sie ausfindig zu machen.\nIn vorstehenden Notizen glaubt der Verfasser die ma-\nteriellen Einflüsse, welche die gegenwärtige Orchester-\nStimmung in ihren Anfängen bewirkt, genugsam gezeigt zu\nhaben. Es ist nun an der Zeit, des Mannes oder, wie ich\noben flüchtig erwähnte, der compositorischen Potenz aus-\nführlicher zu gedenken, dem das Kaiser-Alexander-Musik-\ncorps grossentheils Ausbildung und Ruhm verdankte, und\nder in Gemeinschaft mit dem Instrumenten-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.3", "texte": "macher Stephan Koch die erste Ueberschrei-\ntung der bis 1816 bestandenen Normal-Ton-\nhöhe ausgeführt hat. Hieronymus Payer heisst\nder Mann. Hätte nicht Ignaz von Seyfried in Schilling's\nLexikon der Tonkunst eine magere biographische Skizze\nvon diesem in so vieler Beziehung interessanten Künstler\n(in Wien gewöhnlich „das wilde Genie\" genannt) nieder-\ngelegt, kein Mensch wüsste heute mehr von dessen ehema-\nliger Existenz. Verklungen ist längst, was der seltsame\nMann gethan. Und doch haben seine Leistungen als tüchti-\nger Virtuose auf dem Piano, wie auch als Componist, viele\nJahre die Kaiserstadt, aber auch viele der grösseren öster-\nreichischen, deutschen, holländischen Städte, selbst Paris,\nwo er längere Zeit verweilt hat, erfreut. Da ich mit diesem\nKünstler fast das ganze zweite Jahrzehend hindurch in viel-\nfache Berührung gekommen, also zur Zeit, wo diese hier\nmitgetheilten Thatsachen Statt gefunden, so dürfte es viel-\nleicht nicht ungern gesehen werden, ihn hier an passender\nStelle näher kennen zu lernen. Seyfried's allzu kurzer Le-\nbens-Abriss soll um einige charakteristische Züge noch ver-\nmehrt werden.\nHieronymus Payer (1787 geboren) war Schullehrer\nund Organist zu Meidling, einem zwischen Wien und Schön-\nbrunn freundlich gelegenen Dorfe. Zur Verbesserung des\närmlichen Einkommens war dem meidlinger Schullehrer der\nBrodverkauf gestattet. Dieses Geschäft besorgte unser Hie-\nronymus in Verhinderung seiner Mutter und Schwester mit\ndem ihm eigenen Ernste und Anstand selber. Noch so vor-\nnehme Besuche genirten ihn hierin nicht im Geringsten;\nauch wirkten die häufigen Unterbrechungen nicht störend\nauf ihn. Da sitzt z. B. der kleine, wohlbeleibte Mann dicht\nam Brodladen an seinem überaus schlechten Flügel in voller\nBegeisterung, von Zuhörern aus der Stadt umgeben. Es\nklopft am Fenster und ruft: „a Semmel\" (eine Semmel)!\nDer Virtuose greift hastig in den Brodkorb, reicht das Ver-\nlangte zum Fenster hinaus, emplängt dafür den Kreuzer,\nmacht in der Geschwindigkeit einige rasche Züge aus der\nihn nie verlassenden Tabakspfeife und fährt im Nu in seinem\nVortrage fort. Nach wenigen Minuten schon ruft es wieder:\n„aSechserlab!\" Flugs ist der Laib beim Fenster draussen\nund die Begeisterung durch das Intermezzo nicht gelähmt.\nIn dieser Situation sehen wir den Mann fast alle seine gei-\nstigen Arbeiten verrichten.\nSchon in seinen Jünglingsjahren hatte Payer als Com-\nponist für die Bühne Aufmerksamkeit erregt. In Folge des-\nsen erhielt er mehrere Anträge, das Amt eines Orchester-\nDirectors bei Provinz-Theatern zu übernehmen. Er lehnte\nalle ab und blieb auf seiner Schule. Ein freundschaftlicher\nVerkehr mit dem Capellmeister des Musikcorps vom Kaiser-\nAlexander-Regiment gab Anlass, sich in Compositionen für\nMilitär-Musik zu versuchen. Einige dieser Compositionen\nerregten schon um 1812 nicht geringes Aufsehen; zur\nCongress-Zeit aber waren es bereits Stücke aus Payer's\nFeder, welche von der russischen Majestät, wie auch vom\ngesammten Publicum des lautesten Beifalls sich zu erfreuen\ngehabt. Kaiser Alexander beschenkte ihn bei seiner Abreise\nmit einem kostbaren Ringe und befahl überdies noch, seine\nCompositionen mit blanken Ducaten zu honoriren. Den An-\ntrag, in russische Dienste zu treten, lehnte Payer ab; der\nTitel und die reichlich in Aussicht gestellten Emolumente\neines Ober-Capellmeisters sämmtlicher Militär-Musikcorps\nreizten den schlichten Dorfschulmann keineswegs.—Seyfried\nsagt a. a. 0.: „Von seinen zahlreichen Arbeiten sind 154\nWerke gedruckt.\" Unter den mancherlei Gattungen von\nCompositionen nennt er auch „eine grosse Anzahl Militär-\nMusiken, Märsche und Harmonie-Arrangements\". Das ge-\nnügt indess nicht. Seyfried hätte noch sagen sollen: Unter\ndiesen Militär-Musiken befinden sich vollständige, aus drei\nbis vier Sätzen bestehende Sinfonieen, Concertante, Polo-\nnaisen, oder Stücke in Rondo-Form, in denen drei oder vier\nInstrumente concertiren. Solche Werke waren es nament-\nlich, womit der meidlinger Schulmeister und „Brodver-\nschleisser\" die Zuhörer entzückt hat. Kurz, alles, was\nPayer producirt hat, interessirle nicht nur durch meister-\nhafte Handhabung classischer Formen, sondern war auch vom\nGenius der Kunst durchgeistigt. Weit geringeren Werth\naber hatten alle seine Clavier-Compositionen. Fast alle tru-\ngen das Gepräge der Flüchtigkeit in der Ausarbeitung, und\nman hatte kein Verlangen, sie zum zweiten Male zu hören.\nDas Auftreten des oft genannten Musikcorps (dessen\n„Leib-Componist\" Payer genannt worden) mit den neuen\nInstrumenten aus russischen Ducaten, an deren Construirung\ner so wesentlichen Antheil gehabt, die vermehrte Wirkung\nseiner Compositionen in Folge der erhöhten Abstimmung,\nder mittlerweile sich immer hoher steigernde Ruhm konn-\nten endlich nicht verfehlen, auf den sonst nicht leicht durch\nirgend etwas zu berückenden Mann tiefen Eindruck zu\nmachen. Zumeist war es aber der kaiserliche Brillantring\nam Finger, der das Schwanken seiner Neigung zum Schul-\ndienste zunächst bewirkt hat. Dennoch verliess er erst\n1818 das meidlinger Schulhaus und übersiedelte nach\nWien.\nSchon vor mehreren Jahren hat sich der bescheidene,\nimmerhin ganz anspruchlose Künstler seinen Zeitgenossen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.4", "texte": "im Jenseits zugesellt. Das frühe, unverschuldete Schwinden\nseines Ruhraes, kaum dass er sich dessen bewusst gewor-\nden, hat ihn die letzten Jahre seines Daseins nicht weniger\nzufrieden gesehen, als er es einst als Schullehrer und Brod-\nverkäufer gewesen. Der Rossinismus, der zu Anfange des\ndritten Jahrzehends Alles in den Hintergrund gedrängt, hat\nauch Payer'sMilitär-Musiken den Tod gebracht; denn fortan\ndurften die Musikcorps aller Regimenter zufolge höherer\nWeisung nur Arrangements aus italiänischen Opern spie-\nlen. Payer's Compositionen, seit fünfzehn Jahren die\nZierde des Repertoire's, aber auch der Stolz der Musik-\ncorps, verschwanden fast plötzlich, so dass, als der wackere\nMann 1834 das Rossini-trunkene Wien verlassen, um\neinem Rufe als Capellmeister der deutschen Oper nach Am-\nsterdam zu folgen, keines seiner Werke mehr zu hören ge-\nwesen. Künstlerruhm, was bist du?\n\nBerliner Briefe.\n\nI.\n[Oper - Agnes Bury - Gläser's Adlers Horst -\nSoireen des Dom-Chors - Reissiger's David.]\nDen 23. Februar 1855.\nDie Flut der Musik-Aufführungen ist mehr und mehr\ngewachsen; beispielshalber erwähne ich nur, dass letzthin\nan einem Sonntage lünf Concerte Statt fanden; und fast\njeder Tag bringt zwei und noch mehr Concerte. Dabei\nlässt sich nicht läugnen, dass Vieles sowohl durch den In-\nhalt als durch die Ausführung von hohem künstlerischem\nWerthe ist; und wenn nicht die Ueberlülle Abstumpfung\nhervorriefe, so könnte man nur mit Befriedigung von die-\nsem Winter sprechen. Aber der gesunde Sinn des Volkes\nwehrt sich mit Recht gegen das Ueberhandnehmen des\nweichlichen Genusses; und wenn ich schon vor Jahr und\nTag darüber klagte und lür die Zukunft der Musik eine\nGefahr darin erblickte, so ist jetzt noch viel mehr Grund\ndazu vorhanden. Auch zeigt es sich in der mangelhaften\nTheilnahme, welche die Mehrzahl der Concerte findet; ohne\neine Unzahl von Freibillets wären unsere Goncertgeber\nübel daran.\nIch beginne mit der Oper. Das Repertoire derselben\nhat sich wenig verändert; von älteren Werken gingGluck's\nIphigenie in Aulis in Scene, mit Fräul. Wagner als Kly-\ntemnestra und Frau Köster als Iphigenie. So weit war\ndie Auslührung trefflich; beide Darstellerinnen bewegten\nsich vollkommen in ihrer Sphäre, und Fräul. Wagner gab\nuns ein Bild heroischer Grösse, edel, machtvoll und aus der\nTiefe des Gefühls entsprungen, während Frau Köster eben\nso glücklich den zarten, unschuldigen Ton der liebenden,\ntodesbereiten Jungfrau traf. Von den Rollen des Achill und\nAgamemnon lässt sich nicht so günstig berichten; nament-\nlich spielte Achill eine klägliche Rolle, weibisch, unfähig\nund gebrechlich, und Agamemnon erschien mehr als ein\npolternder Prediger, denn als der stolze, gebieterische Füh-\nrer der Griechen. Fräul. Bury (eine geborene Berlinerin,\nNamens Rühring, durch ihr erfolgreiches Auftreten in\nKöln, Leipzig und in London rühmlichst bekannt) gab\ndrei Gastrollen, die Amine, Lucia und Zerline im Don Juan.\nSie hat gefallen; ob sie aber engagirt werden wird, ist noch\nungewiss. Wie uns scheint, wäre sie eine wünschenswerthe\nAcquisition für unsere Bühne; zwar ist ihr bisheriges Re-\npertoire nicht gross, doch würde sich dass'elbe sehr weit\nausdehnen lassen. Die Schönheit ihrer Stimme beginnt da,\nwo die meisten Sängerinnen aufhören, mit dem zweigestri-\nchenen f; von hier ab sind die Töne klar, weich und leicht\nansprechend; die äusserste Höhe ist mithin so gut, wie sie\nnur sein kann. Die Töne vom f abwärts bis zum einge-\nstrichenen aoder gklingen oft schön, aber nicht immer;\nder Ansatz ist in dieser Gegend mitunter zu heftig, und\ndann entsteht ein unsicheres Tremuliren, das von einem\nUebernehmen der Kräfte zeugt. In der Behandlung der\nnoch tieferen Töne huldigt die Sängerin ebenfalls der mo-\ndernen Unmanier, einen zu hellen Klang forciren zu wollen.\nDas Organ, im Ganzen betrachtet, ist klein, vermag aber\ndennoch bei nicht zu starker Orchester-Begleitung durch\nseine Klarheit und Lieblichkeit das Opernhaus zu füllen; die\nAnmuth des Tones und des Vortrages ist oft überraschend\nschön und zeugt von einem zarten, weiblichen Gemüthe,\nvon einem feinen Sinne lür das Geschmackvolle. DieColora-\nturfertigkeit ist zwar nicht über allen Tadel erhaben, ver-\nhältnissmässig aber dennoch sehr befriedigend; jedenfalls\nbesitzt unsere Bühne keine Sängerin mit einer so correcten\nStimmfertigkeit. Die Modulationsfähigkeit des Organs für\ndramatischen Ausdruck ist nicht gross, indess immer aus-\nreichend für das leichtere Genre, dem Fräul. Bury ange-\nhört; und überall zeugt der Vortrag von Verstand und\nUeberlegung. Namentlich gilt dies von den Arien, auf die\nFräul. Bury, früher als Concertsängerin darauf ausschliess-\nlich angewiesen, eine ganz besondere Sorgfalt verwendet;\nhier war die Nuancirung oft vorzüglich fein und sinnvoll.\n- Dem Gastspiel von Fräul. Bury folgte die Einstudirung\neiner auf der Hofbühne noch nicht gegebenen Oper, „Des\nAdlers Horst\" von Gläser. Dass man dieses heitere Werk,\ndessen treffliches Libretto von Holtei herrührt, wieder her-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.5", "texte": "vorsuchte, hat einen äusserlichen Grund; man fand darin\neine Rolle für Fräul. Wagner. Ob sich die Oper halten\nwird, steht dahin. Unser Publicum findet nur Geschmack\nan dem Grossartigen, d. h. an dem, was es dafür hält, und\nmacht zu jedem anspruchlosen, unterhaltenden Werke ein\ngriesgrämiges Gesicht. Die Musik von Gläser ist keineswegs\nbedeutend, da, wo er ernst und dramatisch sein will, sogar\nschlecht; aber sie enthält frische, volkstümliche Lyrik, un-\ngezwungene Melodik und wird durch einen wahrhaft guten\nText getragen. Unter den Darstellern zeichnete sich nächst\nFräul. Wagner (Rose), die den treuherzigen, einfachen Ton der\nverlassenen Gattin und Mutter glücklich trifft, Herr Boss\n(Vater Renner) durch lebenstreue, natürliche Charakter-\nzeichnung aus. Roger hat inzwischen ein neues Gast-\nspiel angetreten, in dessen Verlauf er auch den Fra Diavolo\nsingen wird. Von neueren Werken sind die Nibelun-\ngen von Dorn wiederholt mit günstigem Erfolg gegeben\nworden.\nDie zwei letzten Dom-Chor-Soireen haben uns wieder\nmit manchem hier noch nicht gehörten Werke bekannt ge-\nmacht. Namentlich sind hervorzuheben das von\nAllegri, zwei Motetten von J. S. Bach, eine echte und eine\nunechte, und das achtstimmige Credo von Cherubini. Das\nMiserere von Allegri ist weniger musicalisch als historisch\ninteressant; es ist monoton und durch viele geschmacklose\nVerzierungen späterer Zeit verunstaltet; ohne diese letzte-\nren würde es eine gewisse Feierlichkeit und Erhabenheit\nder. Grundstimmung haben; der weichliche, tändelnde Ge-\nschmack der Sänger war aber damit nicht zufrieden und\nbrachte seine eigenen Einfälle hinein, die sich indess mit dem\nGrundbau in keiner Weise organisch und innerlich ver-\nschmelzen Hessen. Nichts desto weniger war die Ausführung\ndes berühmten Stückes interessant, wenn auch nur der\näusseren Kenntnissnahme wegen; für Knabenstimmen ist\nübrigens das Miserere wenig geeignet, es verlangt kräftige\nund virtuosenhaft geschmeidige Organe. Die unechte Bach'-\nsche Motette: „Jauchzet dem Herrn\", ist einfach, schlicht\nund klar; sie ist so gesund und ansprechend, so natürlich\nund innig im Ausdrucke, so deutsch und bieder, dass man\ngegen die Wahl derselben gar nichts einwenden kann; aber\nsie ist so einfach und gewisser Maassen kunstlos, dass Nie-\nmand daran zweifeln wird, dass sie nicht von Bach her-\nrührt. Ganz anders klingt die echte Bach'sche Motette:\n„ Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf\"; hier ist äusserste\nBestimmtheit und Schärfe des Ausdrucks, lebendigste Poly-\nphonie, so dass sich die Stimmen fast erdrücken und zu einem\ngordischen Knoten verschlingen, in dem das Ohr nur mit\nMühe die einzelnen Fäden von einander trennt. Wir hoffen,\ndass der Dom-Chor Bach fortan fleissiger cultiviren wird;\ndenn obschon wir nicht zu denen gehören, die das höchste\nIdeal der Schönheit in Bach erblicken denn es scheint\nuns in ihm ein allzu starkes Hervortreten der einzelnen Mo-\nmente auf Kosten des Ganzen, sehe man nun hinsichtlich des\nAusdrucks auf das Verhältniss der einzelnen Worte zum\nSinne des Ganzen, oder rein musicalisch auf das Verhältniss\nder einzelnen Stimmen zu dem harmonischen Gesammtbau\n—, so scheint es uns doch, dass er in der Kraft musicali-\nscher Productivität, in dem musicalischen Ideen-Reichthume\nfast obenan steht; und für manches Harte und Wirre wird\nman durch die Fülle des Lebens, durch die kühne Schärfe\ndes Ausdrucks reichlich entschädigt. Das von Cheru-\nbini gehört zu den grossartigsten Schöpfungen innerhalb des\nGebietes der reinen Vocal-Musik. Ein sehr ausgedehntes\nWerk es währt über eine halbe Stunde —, umfasst es\nin sich die herrlichsten Schätze musicalischer Kunst und\nPhantasie. Das Inearnatus und Crucifixus sind von der tief-\nsten Erfindung und dem wärmsten Ausdruck. Das\nam Schlüsse steigt und braus't mächtig empor, die Stimmen-\nEintiitte sind so glücklich, dass man den Eindruck empfängt,\nals ob immer neue Stimmen hinzuträten, die sich dem rie-\nsenhaft wachsenden Lobgesange anschlössen. Die Concerte\ndes Dom-Chors haben auch in diesem Winter grosse Theil-\nnahme gefunden und die Aufmerksamkeit der Musikfreunde\ndurch vielfach neue Anregungen und durch die Trefflichkeit\nder Ausführung lebhaft auf sich gezogen. Unter den Wer-\nken der Kammermusik, die den übrigen Inhalt dieser Con-\ncerte bilden, fand namentlich die hier öffentlich noch nie-\nmals gespielte D-dwr-Sonate von Beethoven für Piano und\nCello (Op. 102) bei den Musikern Anklang. Die Herren\nVierling und Dr.Bruns erwarben sich dieses Verdienst;\nsie spielten die Sonate mit feinstem Verständniss und sicher-\nster Technik.\nDie Sing-Akademie führte ein neues Oratorium von\nReissiger auf, „David\". Vor Allem ist an dem Werke\nder natürliche Fluss, die geschickte, geschmeidige Abrun-\ndung, die Richtigkeit des Ausdrucks zu rühmen. Doch bleibt\nfreilich ein höherer Schwung der Phantasie, eine ergreifen-\ndere Sprache des Gefühls zu wünschen, Das musicalische\nTalent Reissiger's hat geringe Hebungen und Senkungen;\nes vermeidet zu ängstlich alles,, was Unbequemlichkeiten in\nder Fortführung machen könnte. In den Chören vermissen\nwir den breiten, vollen, majestätischen Strom, der den besten\nWerken der Gattung eigen ist; in den Recitativen ist Wenig\nNeuheit der Gedanken; in den Arien erhebt sich die Melodie"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.6", "texte": "selten zu voller musicalischer Selbstständigkeit der Decia-\nmation gegenüber. Ein verständiger Sinn und musicalische\nGeschicklichkeit lässt sich aber nirgends verkennen. Am\nmeisten befriedigte uns, obschon etwas weltlich gehalten,\ndie Krönungs-Scene.\nII.\n[B. Klein's Dido — Kammermusik - Virtnosen-Con-\ncerte - Rubinstein u. s. w.]\nIch werde Ihnen in diesem Briefe vorzugsweise eine\nRundschau über die Virtuosen und Sänger geben, die sich\nin den letzten Wochen bei uns haben hören lassen. Zuvor\nnoch ein paar andere Notizen. Eine alte Oper von Bernhard\nKlein, „Dido\" (Text vonßellstab), kam in den Concerten,\ndie zum Besten des Gustav-Adolf-Vereins Statt finden, zur\nAufführung. Die Oper ist im Stil Gluck's sehr edel und be-\nsonnen gehalten, mit verständigem Ausdruck, an einzelnen\nStellen, obschon selten, auch von tieferer Wärme des Ge-\nühls erfüllt. Dennoch war es ein Missgriff, die Dido hervor-\nzusuchen. Der an sich undankbare und trockene Stoff ist\nvon Rellstab, der, als er den Text schrieb, noch ganz jung\nwar, mit geringem Geschick, und zwar namentlich uninteres-\nsant, behandelt; und die Musik Klein besass überhaupt\nwenig Phantasie und wagte, durch ein Uebermaass von Re-\nflexion gehemmt, selten einen entschiedenen Schritt ist\neine sehr gute Studie nach Gluck, aber nichts weiter, ab-\ngeschwächt und mit all der ängstlichen Zurückhaltung, die\nüberhaupt Studienwerken eigen ist. Man erkältet sich dabei\nund wird nie des unangenehmen Gefühls los, es mit einer\nunfreien, berechneten Schöpfung zu thun zu haben.— Un-\nsere Quartett-Soireen brachten ein hier noch nicht gehörtes\nQuartett von Cherubini (Es-dur), das sich durch Frische\nund Anmuth auszeichnet; in den Trio-Soireen hörten wir\nneue Trios von Schliebner und Stahlknecht, von de-\nnen namentlich der letztere durch strenge Beobachtung der\nForm, durch Gewandtheit und maassvolle Bescheidenheit\neinen erfreulichen Eindruck machte. Ein Duo von Bargiel,\ndas in den Soireen der Herren Radecke, Grünwald\nund v. d. Osten zur Aufführung kam, habe ich nicht selbst\ngehört; es wird aber davon gerühmt, dass es, im Ganzen\nder Schumann'schen Richtung angehörend, sich durch Fein-\nheit der Erfindung und Ausführung und durch wirksame\nGegensätze auszeichne. Zu der bereits nicht geringen Zahl\nvon Concert-Cyklen, die unsere einheimischen Künstler ver-\nanstalten und über die ich theils in früheren Briefen berich-\ntet habe, theils je nach dem Inhalt, den sie dem Publicum\nvorführen, zu berichten fortfahre, sind noch zwei neue ge-\ntreten, von den Herren v., Kolb und Wohlers und den\nHerren Ries und Steifensand veranstaltet. Die Herren\nv. Kolb und Steifensand sind Pianisten, der Erstere mehr\ndem Salongeschmack, der Letztere einer ernsten musicali-\nschen Richtung huldigend. Herr Wohlers ist ein beliebter\nCellist, Herr Ries einer unserer älteren Violinisten, der sich\naber noch immer durch geschmackvolle und gediegene Be-\nhandlung seines Instrumentes auszeichnet. Die von ihm und\nHerrn Steifensand veranstalteten Soireen, die zu wohlthäti-\ngen Zwecken Statt finden, haben ein sehr grosses Publicum\ngefunden; in der ersten derselben waren ausser den Lei-\nstungen der Concertgeber selbst noch die Vorträge des\nT e s c hne r' sehen, nur aus weiblichen Stimmen bestehenden\nGesang-Vereins von hohem Werthe. —Zu den wenigen Con-\ncerten, die den Unternehmern eine reiche Einnahme brach-\nten, gehört ferner ein von den Herren Roger und Vi vi er\nveranstaltetes. Alle Welt drängt danach, Roger im Concert\nund namentlich den Erlkönig von ihm zu hören. Wir sind\nmit seinem Concertgesang nur theilweise einverstanden, da\nuns auf diesem Gebiete Ruhe und feine Zeichnung unerläss-\nlich scheinen; die auf der Bühne nöthigen starken Farben,\ndie leidenschaftliche Erreguug der wirklichen Darstellung\nsagen uns hier weniger zu. Nichts desto weniger fesselt\nuns überall die Genialität des Mannes, des einzigen Sängers\nfast, den wir kennen, der sein Organ zu absoluter Elastici-\ntät und Modulationsfähigkeit gebracht hat; und dazu kommt,\ndass wir im Concerlsaale, was in den grossen Räumen des\nOpernhauses nicht mehr der Fall ist, den Eindruck eines\ngrossen, mächtigen Organs empfangen. Vivier findet hier\nmanche Gegner; er verschmäht die gebräuchlichen, geschmei-\ndigen Wege, der Missgunst zu begegnen nnd die kleinen\nEitelkeiten sich dienstbar zu machen. Wir legen auf das\nKunststück der dreistimmigen Accorde keinen grossen Werth;\naber abgesehen davon, ist seine Technik vortrefflich, und in\nseinem Vortrage einfacher Melodieen spricht sich eine hoch-\ngebildete, geistreiche Empfindungsweise aus, die ihm jeden-\nfalls eine hervorragende Stellung unter seinen Kunstgenossen\nsichert. Von den vielen kleineren Concerten schweige ich\nund gehe nun zu den fremden Virtuosen über, die diesmal\nscharenweise nach Berlin gewandert sind.\nZunächst von denen, die nur in zweiter Reihe standen.\nDa ist Fräul. Nanette Falk, eine Pianistin von vielem\nTalent und mit ausgebildeter Technik, die aber noch nicht\nzu vollständiger, nach allen Seiten hin befriedigender Durch-\nbildung gekommen ist. Fräul. v. Härder, eine Dame, die\nnach dem Wenigen, was wir von ihr hörten, sich auf einer\nnoch höheren Stufe befindet, aber kaum dazu gelangt ist,\nsich hier öffentlich hören zu lassen; die Geschwister Ne-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.7", "texte": "ruda, von denen die Violinistin trotz ihres äusserst correc-\nten, fertigen und ausdrucksvollen Spiels dennoch nicht den\nKroll'schenSaal zu füllen vermochte; Miss Arabella God-\ndard, eine ausgezeichnete Pianistin, die durch wahrhaft edlen\nVortrag hervorragt, und die ich nur darum in diese Kate-\ngorie stelle, weil sie bis jetzt noch kein eigenes Concert ge-\ngeben hat (in meinem nächsten Briefe werdeich ausführlicher\nüber sie zu schreiben Gelegenheit haben); Fräul. Seyf-\nfardt, die sich in den Dom-Chor-Concerten ebenfalls als\neine sehr sorgfältig geschulte Clavierspielerin bewährte. Frau\nParish-Alvars, die treffliche Harfenspielerin, die ihr\nzartes Instrument mit weiblicher Eleganz und Flüssigkeit be-\nhandelt. Ein Wort auch über die Sänger und Sängerinnen,\ndie hier auftauchten, doch meistens nur durch schönes Ma-\nterial, selten durch vollkommene Durchbildung die Aufmerk-\nsamkeit auf sich lenkten. Da sind die Schwedinnen Wester-\nstrand mit brillanter Coloratur und sehr mangelhaftem\nTone; L ö w g r e e, die eine seelenvolle Stimme, aber geringe\nAusbildung besitzt; Valerius; Fräul. Krüger und Fräul.\nZum Busch, Schülerinnen des Herrn Mantius, von denen\ndie Erstgenannte schon recht Erfreuliches leistet; Fräul.\nAlisch und Fräul. Hagemann, talentvoll, aber ebenfalls\nnoch nicht fertig ausgebildet; der Tenorist Herr Otto und\nder Bassist Herr Sabbath, beide reich begabt; der aus\nDresden hieher gekommene Gesanglehrer Herr Sieb er, der\nindess bei manchen schönen Eigenschaften etwas matt und\ngeistlos singt,und seine vielversprechende Schülerin d e A h n e.\nDen Preis von allen, die wir in diesem Winter gehört, ver-\ndient indess eine unserer Dilettantinnen, Frau H a h n e m a n n,\ndie in dem Oratorium „David\" die Sopran-Partie mit fast\nvollendeter Schönheit sang.\nNun zu SchulhofT, Rubinstein, Arthur Napoleon. Schul-\nhoff ist in seinen kleinen Stücken ein anmuthiger Cornpo-\nnist, der einen, wenngleich nur geringen, musicalischen In-\nhalt geschmackvoll zu verarbeiten versteht, und ein höchst\nelegant gebildeter Clavierspieler. Er hat unser Publicum\nnicht hingerissen, aber Jedermann hat ihn mit Vergnügen\ngehört, und selbst die leichtere Richtung seines Spiels hat\nkeine Gegner gefunden. Er gab drei Concerte, was in Zei-\nten solcher Concurrenz schon etwas sagen will. Er spielt\nfast ausschliesslich eigene Compositionen; nur einmal hörten\nwir eine Beethoven'sche Sonate von ihm, correct und solid,\naber ohne hervortretende Besonderheit. Rubin st ein ist\nals Clavierspieler vortrefflich; er besitzt nicht nur alle Eigen-\nschaften des Virtuosen im höchsten Maasse, sondern sein\nSpiel ist auch von dem ernsten Geiste des Musikers durch-\nweht, von dem Streben, Tiefes und Grosses auszudrücken.\nDoch wollte Rubinstein nur nebenbei als Clavier-Virtuose,\nin der Hauptsache als Componist bei uns auftreten. Wir\nhaben zwei Clavier-Concerte, zwei Sinfonieen und verschie-\ndene kleinere Clavier-Piecen von ihm gehört. Nicht nur die\nberliner Presse, sondern auch die Mehrzahl der Musiker\nhat darüber den Stab gebrochen;' nur einzelne Stimmen wer-\nden laut, die ihn als den Messias der Zukunft preisen. Ueber-\nladenheit und theilweise Sonderbarkeit der Instrumentation,\ndie Schroffheit der Gegensätze, die zügellose Modulation,\nder Mangel kunstvoller Architektonik alle diese Punkte\nwerden seinen Compositionen mit Recht vorgeworfen. Hierzu\nkommt, dass auch der ursprüngliche Ideengehalt meistens\nnicht als bedeutend erscheint. Im Ganzen überwiegt bei ihm\ndie Tendenz nach starkem Ausdruck, nach der Darstellung\ndes Grossen und Gewaltigen, führt ihn aber sehr oft theils\nzur Trivialität, theils zur Verzerrung; er übereilt, überstürzt\nsich, gibt sich oberflächlichen Effecten hin; sowohl in der\nStructur des Ganzen als in der Erfindung des Einzelnen\nwird alles Feinere, Sorgfältigere, Solidere darüber verges-\nsen. Dennoch lassen sich im Einzelnen Züge männlicher\nKühnheit und feineren Geschmacks nicht verkennen, und\nwir glauben, dass Rubinstein bedeutendes Talent besitzt,\ndas nur der Selbstbeherrschung, der Ruhe und des Studiums\nbedarf, um aus dem gegenwärtig noch etwas scythischen\nZustande in einen wahrhaft künstlerischen überzugehen. Ein\nStreich-Quartett, das kürzlich in einem kleinen Concerte zur\nAufführung kam, welches wir aber nicht selbst gehört, wird\nuns als bedeutend besser gerühmt; namentlich soll das Ada-\ngio desselben, ein süsses, träumerisches Musikstück, von\nmeisterhafter Vollendung sein.—Arthur Napoleon, der\neilfjährige Knabe, ist ein ausserordentliches Talent; die\nZartheit und Lieblichkeit seines Anschlags, die feine Sorg-\nfalt seiner Nuancen ist erstaunenswürdig. Von Eingelerntem\nist wenig die Rede; denn der Vortrag ist zu individuel, um\nbloss einstudirt zu sein. Dass der Knabe, dessen ganze\näussere Erscheinung höchst einnehmend ist und von ange-\nborener Anmuth und Lebendigkeit zeugt, auf jedes irgend\nempfindliche Gemüth grossen Eindruck macht, versteht sich\nfast von selbst; dennoch ist es draussen bei Kroll, wo er\nzu lünfzehn Concerten engagirt ist, schlecht besetzt; die\nKälte schreckt das Publicum ab.\n\nG. E.\n\nAus Arnheim.\n(Durch Zufall verspätet.)\nWir haben am 17. Januar ein schönes musicalisches Fest ge-\nfeiert, bei welchem sich alle hiesigen Freunde der Kunst und des\nwürdigsten Repräsentanten derselben in unseren Mauern, des Herrn\nMusik-Directors G. R. Marx, betheiligten. Die grossen Verdienste\ndesselben um das Musikleben in unserer Stadt, so wie seine Tüch-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550303-01.1.8", "texte": "tigkeit als talentvoller Künstler auf dem Pianoforte und der Violine,\nfanden dabei ohne vieles Gepränge, wovon der Holländer, wie Sie\nwissen, kein Freund ist, die aufrichtigste und verdienteste Aner-\nkennung. Seit Jahren gab Herr Marx jeden W7inter ein grosses\nVocal- und lnstrumental-Concert; das diesjährige fand am oben ge-\nnannten Tage Statt und war in der Reihe das fünfundzwan-\nzigste; es wurde mithin zu einer eben so anspruchlosen als mu-\nsicalisch geeigneten Jubelfeier. Der Herr Concertgeber trug darin\ndas sechste Violin-Concert von de Beriot, die Norma-Phantasie\niür Pianoforte von Thal be r g und die Variations militaires für\nzwei Pianofortes von Pixis (mit dem Herrn van Zeil) mit gros-\nser Meisterschaft und unter stürmischem Beifall vor. Die hiesige\nLiedertafel Euterpe hatte mit Freuden sich erboten, an dem\nEhrentage ihres Directors im Concerte mitzuwirken, und sie trug\nunter dessen Leitung die Kriegerscene von Fischer und zwei Lie-\nder von Kreutzer und Mendelssohn auf sehr gelungene Weise\nvor. Eine andere Zierde des Abends war der ausdrucksvolle Ge-\nsang des Herrn Crayvanger aus Utrecht, welcher uns mit dem\nVortrage von zwei classischen Bass-Arien vonJßaydn (Schöpfung)\nund Mozart (Figaro) erfreute. Das Ganze war in den Rahmen\nvon zwei gut ausgeführten Ouvertüren von Beethoven und Mozart\neingefasst.\nAm Schlüsse des Concerts überreichte die Liedertafel Euterpe\nihrem Director ein auf diesen Tag verfasstes Ehrengedicht in einem\nprachtvoll auf Seide gedruckten Exemplare, während sie dasselbe\nin einer recht melodiösen Composiiion sang.\nEin fröhliches Mahl im Zicynshoofd-Hötel beschloss den Abend,\nund der zahlreiche Kreis von Freunden des Gefeierten wetteiferte,\nihm ihre Hochachtung und Liebe in wiederholten Toasten darzu-\nlegen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöln., Die Geschwister Virginia und Carolina Ferni,\n\\ iolinspielerinnen aus Como in Ober-Italien, haben zwei Mal im\nTheater mit grossem Beifall gespielt, aber leider vor einem sehr\nwenig zahlreichen Publicum. Sie sind zwar noch sehr jung, jedoch\nüber den Standpunkt der Wunderkinder hinaus; ihre Erscheinung\nist ausserordentlich einnehmend und ihr .Talent kein gewöhnliches.\nDie jüngere Carolina scheint mehr Eigentümlichkeit, wenn man\nwill, Genie, zu haben, während uns der schöne Ton und der aus-\ndrucksvolle Vortrag der älteren Schwester vorzüglich angesprochen\nhat. Die Wahl der Compositionen von de Beriot, Leonard, Alard,\nVieuxtemps verdient die höchste Billigung, wogegen der unver-\nmeidliche und hier noch dazu duettirende und mit Flageolet-Ge-\nwinsel überladene Carneval von Venedig besser weg bliebe. Die\njungen Damen werden als sehr interessante und tüchtige Künst-\nlerinnen überall grosse Theilnahme erregen.\nIn der Oper Beiisar machte ein hiesiger junger Mann mit\neiner hübschen, recht wohlklingenden Baritonstimme, Herr Simons,\nbisher Mitglied des Männergesang-Vereins, seinen ersten theatrali-\nschen Versuch in der Titelrolle. Die Wahl derselben war eine un-\npassende, indem weder die Persönlichkeit noch die Stimme des\nDebütanten dafür ausreicht. Trotzdem liess sich nicht verkennen,\ndass Herr Simons Talent für die Bühne besitzt; im Gesänge dürfte\ndie Natur seiner Stimme mehr für das Lyrische als für das Heroi-\nsche geeignet sein. Rügen müssen wir, dass Herr Simons nicht\nsicher in der Partie war; was soll aus der Kunst werden, wenn\nman ohne Weiteres in halbstudirten Rollen auftritt? Die Bühne ist\nkein Carnevals-Theater.\nF. Hill er ist von seiner Reise nach Weimar, Leipzig u. s. w.,\nwo er überall mit grosser Auszeichnung aufgenommen worden ist,\nin diesen Tagen zurückgekehrt. In den Gewandhaus-Concerten in\nLeipzig sind seine Sinfonie „Im Freien\" und seine Ouvertüre zur\nPhädra aufgeführt worden.\nBonn. Am 27. v. Mts. fand das vierte Abonnements-\nConcert unter Leitung des Herrn v. Wasielewski Statt. Es\nwaltete über dasselbe in so fern ein Unstern, dass von den erwar-\nteten Solisten drei bis vier ausblieben, die wahrscheinlich durch\nUnwohlsein verhindert waren, der Einladung zur Mitwirkung zu\nentsprechen. Ob die Wahl des Belsazar von Händel zur Auf-\nführung eine glückliche zu nennen, möchten wir bezweifeln; für\ndie Nerven des heutigen Geschlechts ist es jedenfalls ein zu ge-\ndehntes W7erk, wie mehr oder weniger alle Oratorien von Händel.\nEine wahre Calamität für das Ganze war es, dass Herr Koch von\nKöln, welcher die Tenor-Partie übernommen hatte, krank wurde,\nund zwar, dem Vernehmen nach, erst am Tage der Aufführung.\nEs ist dankbar anzuerkennen, dass ein hiesiger Dilettant so bereit-\nwillig war, seine Stelle zu vertreten, so dass wenigstens keine\neigentliche Störung eintrat. Fräul. Pels-Leusten sang die Partie\ndes Cyrus eben so vortrefflich, als Herr Schiffer aus Köln dieje-\nnige des Daniel. Im Orchester fehlte die zweite Flöte, was wir rü-\ngen müssen, da dergleichen Mängel in einer Stadt wie Bonn nicht\nvorkommen dürften. Der letzte Bericht „Aus Bonn\" in Ihrer\nNr. 7 hat zu einer Local-Posse Veranlassung gegeben, welche in\nder hiesigen Zeitung spielt und am besten „Der Fehlschuss\" betitelt\nwerden könnte; es scheint mir nicht der Mühe werth*), eine Rolle\ndarin zu übernehmen.\nIn Banz ig ist eine neue Oper von F. W. Markqll, Text\nvon J. E. Hart mann, wiederholt mit Beifall zur Aufführung ge-\nkommen. Der Titel derselben ist: Das Wal p urgi sfest; die\nHandlung hat mit der Walpurgisnacht nichts zu thun, sondern ent-\nhält die Sage von Otto dem Schütz, welche von den rheinischen\nDichtern G. Kinkel, W. Müller, C. Simrock u. s. w. in verschiede-\nner Form bearbeitet worden ist.\nDer Tenorist Tichatschek feierte in Dresden am 16. Ja-\nnuar seine fünfundzwjifäigjährige Wirksamkeit als Bühnensänger. Er\ntrat 1829 bei der k. k. Oper in Wien als erster Tenor im Chor\nmit 140 Gulden jährlichen Gehalts ein. Nach Mittheilungen, die\nwir aus Dresden erhalten, hat Meverbeer's Stern des Nor-\n-7\ndens nicht so sehr gefallen, wie manche Blätter berichten.\nDie Sängerin Anna Zerr hat Leipzig ohne Gastspiel wieder\nverlassen, da Gesundheits-Rücksichten sie daran hinderten. Sie ist\nnach Baden-Baden gegangen.\nWieia. Die Unterhandlungen mit Vieuxtemps haben zu\nkeinem Resultate geführt. Herr Jos. Hei Im es berger ist als\nzweiter Solo-Violinist neben Mayseder angestellt worden.\nMeyerbeer's Stern des Nordens ist vorläufig zurückgelegt.\nDie in Wien erscheinenden „Recension en\" u. s. w., von\ndenen wir vor Kurzem in diesen Blättern eine Anzeige nebst Aus-\nzügen gegeben haben, werden seit dem 1. Januar 1855 als „Mo-\nnatschrift für Theater und Musik\" fortgesetzt, bei J. B.\nWallishauss'er in Wien. Als verantwortlicher Herausgeber ist\nJos. Klemm auf dem Titel genannt. Den Geist des Inhalts ken-\nnen unsere Leser bereits. Wenn der Verfasser seinen Grundsätzen\ntreu bleibt, was zu erwarten ist, so kann das Unternehmen nament-\nlich in Wien selbst für die Kunst sehr wohlthätig werden.\n*) Uns auch nicht. Die Redaction."}]}