{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-03-31-01", "volume": "bmtnabi_1855-03-31_01", "ocr_sha256": "af13205d78d3f10ccea4a3dd39d848fe221620dbc95b114b235f1d0414efbffa", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/03/31_01/bmtnabi_1855-03-31_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-03-31-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-03-31_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "100", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.2.1", "titre_corps": "Die Natur der Töne und die Töne in der Natur.", "titre_sommaire": "Die Natur der Töne und die Töne in der Natur.", "signature_source": "F. Ch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4079, "texte": "Die Natur der Töne und die Töne in der Natur.\n\nDer bekannte geistreiche Professor Schleiden in\nJena gab im verflossenen Jahre „Studien\" heraus, sieben\nVorlesungen über verschiedene Gegenstände aus dem Ge-\nbiete der Naturwissenschaften (Leipzig, bei Engelmann; gr.\n8. 2 Thlr.). Die dritte dieser Vorlesungen fuhrt obigen Ti-\ntel und veranlasst uns wegen der Fülle von Wissen, die\ndarin enthalten, der lebendigen, geistreichen Behandlung,\ndes interessanten Stoffes zu einigen Mittheilungen.\nSchleiden behandelt hier nicht bloss die Klang-Phäno-\nmena in der todten Natur, sondern auch den Gesang der\nVögel und was dazu gehört. Ueber Wirkung der Töne\ndurch das so genannte Mitklingen bemerkt er in spasshaf-\nter Erzählung S. 104 105: „ Am bekanntesten ist, dass\nSaiten mitklingen, wenn sie von einem ihnen verwandten\nTone getroffen werden. Gewiss ist, dass durch Glockenge-\nläute die mächtigsten Gewölbe erschüttert und gesprengt\nwerden können, und so dürfen wir vom naturwissenschaft-\nlichen Standpunkte wenigstens nicht behaupten, dass die\nheilige Sage vom Zusammenstürzen der Mauern von Jericho\nbeim Posaunen-Tone der heranziehenden Hebräer, oder der\nVolks-Aberglaube, dass beim Eselsgeschrei die Hühner-Eier\nzerspringen, eine absolute Unmöglichkeit enthalte. Das Ent-\nzweisingen von Trinkgläsern machte schon im Mittelalter\ngrosses Aufsehen. Es war der Weinhändler Petter auf\nder Prinzengracht in Amsterdam, der zuerst in der Mitte\ndes siebenzehnten Jahrhunderts sich durch dieses Kunst-\nstück, womit er seine Gäste unterhielt (er zerschrie einmal\n25 Gläser in einer halben Stunde), einen so grossen Ruf\nerwarb, dass man aus den fernsten Gegenden ihn besuchte\nund selbst ein deutscher Gelehrter, Daniel Georg Mor-\nhof, zu ihm reis'te und die Ergebnisse seiner Beobachtun-\ngen in einer dicken lateinischen, eben so gelehrten als\ngeistreichen Abhandlung niederlegte.\" Schleiden meint die\nSchrift, welche 1682 zu Kiel unter diesem Titel erschien:\n„ Stentor vakox'kaoxr]C sive de scypho vitreo per certurn\nhumanae vocis sonum fracto\" *). Das Wunder ist auch sehr\nnatürlich. Man hat nur, will man ein Glas zersingen, zuerst\nden natürlichen Ton des Glases zu bestimmen; dann wird\njeder vollkommen dissonirende Ton die Taschenspieler\nnehmen gewöhnlich die Secunde, die stärkste Dissonanz\ndas Glas zersprengen müssen, sobald der feindliche Ton nur\ndie nöthige Stärke hat.\nAm liebsten gewiss wird man des Verfassers Mitthei-\nlungen über die Bildung und Eigentümlichkeit der Stimm-\nOrgane bei Menschen und Thieren lesen; wir geben sie\ndaher, so weit es in der Kürze geschehen kann, vollständig.\nS. 169: „Unter den verschiedenen Blas-Instrumenten der\nOrgel gibt es auch einige, die man Zungenpfeifen nennt. In\nder Oeffnung der Pfeife spielt ein nur an einer Seite be-\nfestigtes elastisches Melallplättchen, „ „ die Zunge\"\", und\ndurch ihr Erzittern wird der Ton bestimmt. Statt des Me-\ntallplättchens kann man auch elastische Membranen nehmen\nund z. B. die Oeffnung eines Rohres durch zwei dünne\nStückchen Kautschuk so verschliessen, dass zwischen bei-\nden nur eine schmale Spalte bleibt. Die freien Ränder der\nKautschuk-Platten vertreten dann die Stelle der Zunge,\nDies ist aber genau die wesentliche Grundlage in der Bil-\ndung des Kehlkopfes bei Menschen und Thieren. Die Lun-\ngen sind der Blasebalg, die Luftröhre ist die Pfeife, und im\nKehlkopfe ist durch zwei von beiden Seiten vorspringende\nelastische Platten, Stimmbänder genannt, die Mündung der\nPfeife bis auf eine schmale Spalte, die man Stimmritze nennt,\nverschlossen. Die Höhe und Tiefe des Tones hängt hierbei\nvon der Spannung der elastischen Bänder und von der\nWeite der Spalte ab. Beides kann durch die Thätigkeit vie-\nler kleinen Muskeln, die den Kehlkopf umgeben, mannigfach\nverändert werden. So pfeift der Mensch auf einer inneren\nPfeife; die Modification der Resonanz durch Brust, Mund-\nhöhle und Mund gibt die verschiedenen Vocallaute; die Art,\nwie man durch Lippen, Zähne und Zunge den Ton begin-\n\n*) Der glassprengende Stentor, oder über das Sprengen eines\nWeinglases durch einen bestimmten Ton der menschlichen\nStimme."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5186, "texte": "lien oder aufhören lässt, gibt das, was wir Consonanten\nnennen, und so ist die menschliche Sprache fertig. J o ha n-\nnes Müller. (Prof. der Physiologie in Berlin) hat durch\nAnblasen eines sorgfältig präparirten Kehlkopfes, indem er\ndie Muskelthätigkeit durch Fäden und Gewichte ersetzte,\nMelodieen gespielt und sich sogar zu dem Vorschlage erho-\nben, statt des grossen jährlichen Etats für die Oper nur die\nKehlköpfe verstorbener Primadonnen zu kaufen, auf denen\ndann jeder gemeine Biilgetreter, versieht sich unter Bei-\nhülfe eines Professors der Physiologie, ganz wie die Mali-\nbran singen könne. Bekannt ist, dass Albertus\nMagnus nach dreissigjähriger Arbeit einen Kopf zu Stande\nbrachte, der deutlich sprechen konnte, aber von seinem\nFreunde vor Entsetzen über diese Zauberei zerschlagen\nwurde. Auch in neuerer Zeit wurde ein solches Kunststück\ngezeigt, welches einige Worte ziemlich deutlich aussprach.\n„So ist also das menschliche Stimm-Organ selbst in\nseinen höchsten und scheinbar geistigsten Leistungen, der\nSprache, nicht mehr und nicht minder als ein einfacher phy-\nsicalischer Apparat, den wir zur Noth aus Holz, Pappen-\ndeckel und Leder nachmachen können; und was für den\nMenschen gilt, gilt noch um so mehr für das Stimm-Organ\nder Säugethiere und Vögel, welches sich nur durch seine\ngrössere Unvoilkommenheit von dem menschlichen unter-\nscheidet. Eben dieser Unvoilkommenheit wegen müssen wir\nzwischen musicalischen und unmusicalischen Thieren unter-\nscheiden, indem wir zu den ersteren nur die rechnen, deren\nStimme in bestimmbaren musicalischen Intervallen erklingt.\nDamit werden wir aber fast ganz auf die Vögel verwiesen;\nwenigstens ist mir unter den Säugethieren nur ein einziges\nbekannt, bei welchem man ein ziemlich reines Intervall,\nnämlich ein Herabspringen von der höheren auf die tiefere\nOctave unterscheiden kann; ich meine den Esel. Alle an-\nderen beharren auf demselben Tone oder ziehen die verschie-\ndenen Töne in einer musicalisch unbestimmbaren Weise zu\neinander über. Auch unter den Vögeln gibt es manche, de-\nnen die Stimme fehlt, oder die mit widerlichem Geschrei\nsich der eben erwähnten Classe anschliessen. Vorzugsweise\nsind es unter den Vögeln die kleineren aus den Ordnungen\nder Singvögel und hühnerartigen Vögel, welche sich durch\nden Reichthum ihrer Töne und den Wohllaut derselben die\nMenschen zu Freunden gemacht haben. Ja, die Nachtigall\nübertrifft sogar durch die Mächtigkeit ihres Tones, den man\nin stiller Nacht eine Viertelmeile weit hören kann, die\nschönsten Menschenstimmen. Aber auch die singenden Vö-\ngel könnte man noch wieder eintheilen nach der Verschie-\ndenheit der Intervalle, deren ihre-Kehle fähig ist. Es ist\nmerkwürdig, wieviele Vögel auf die kleine Terz beschränkt\nsind; um nur zwei Beispiele zu nennen: der Kuckuck, ab-\nsteigend von c zu a. das Käuzchen, aufsteigend mit seinen\nängstlich hervorgestossenen Lauten. Wenn, wie sehr wahr-\nscheinlich, die Vögel der Menschen Lehrmeister im Gesänge\nwaren, so erklärt sich uns daraus leicht das Vorherr-\nschen der Moll-Töne in aller ursprünglichen Volksmusik. *\n(109\nUeber den letzten Satz machen wir einen kleinen Ex-\ncurs, So also erklärt Schleiden das Entstehen der Moll-\nTöne im Gesänge des Menschen, durch Nachahmung; aber\nwie sind sie denn in den Gesang der Vögel gekommen?\nEs wundert uns, dass Schleiden aus der festgestellten That-\nsache nicht die nächstliegende und so natürliche Folgerung\ngezogen hat, die nach unserem Dafürhalten ganz unver-\nmeidlich ist, die Folgerung nämlich, dass der Grund des\nVorwaltens der Moll-Töne in der physiologischen\nBeschaffenheit des Gesang-Organs liege, also in\nursprünglicher Musik gleichmässig an Mensch und Vogel\nzur Erscheinung kommen muss. Die weitere genauere\nKenntniss in dieser Sache hängt allein von der Untersuchung\nder Klangfähigkeiten dieses Organs ab; hierin ist bisher so\ngut wie nichts geschehen; man blieb an der Berechnung\nder Schallwellen, der Vibrationen und der mitklingenden\nTöne bei Saiten- und Blas-Instrumenten hangen, das Wich-\ntigste, die organische Stimme, ununtersucht lassend. Es\nwird sich bald eine passende Gelegenheit darbieten, auf\ndiesen Punkt näher einzugehen.\nSchleiden sagt weiter: „Es ist nicht leicht, bei der\nSchnelligkeit des Tempo's und geringen Geltung der Noten\ndie einzelnen, noch dazu in den höchsten Lagen sich bewe-\ngenden Töne der Vogelstimme musicalisch festzuhalten.\nNach den vorliegenden Untersuchungen scheint es, als ob\nder Gesang der meisten unserer Vögel der\nangehöre; wenigstens liegen alle mit Sicherheit unterschie-\ndenen Töne in dieser Scala. Bedenken wir, dass der Ge-\nsang der verschiedenartigsten Vögel durch einander uns\nim eingeschlossenen Räume zwar durch seinen Lärm unbe-\nquem werden kann, aber niemals unser Ohr mit den wi-\nderlichen Dissonanzen berührt, welche das Zusammenklin-\ngen verschiedener Musikstücke sonst nothwendig hervor-\nruft, so werden wir schon dadurch auf die Annahme, als\ndie unerlässliche Bedingung einer solchen Harmonie, ge-\nführt, dass die Gesänge aller dieser Vögel aus einer Ton-\nart erklingen müssen.\" (111— 112.) Der Schlussist nicht\nzwingend, ja, er möchte gänzlich abzuweisen sein. Denn\nunläugbar gibt es zwei einfachere Gründe, wesshalb uns"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5251, "texte": "das Vogel-Orchester nie durch Dissonanzen peinigt, wie die\ngegenwärtige Zukunfts-Musik. Einmal singt dieses Völkchen\nin der hohen Ton-Region, in welcher bekanntlich die Dis-\nsonanz viel weniger empfunden wird; und zweitens haben\nsie keinen Generalbass denn der alte Niedt scherzt nur,\nwenn er in seiner musicalischen Handtleitung (Hamb. 1 708)\nsagt, der grosse Brummer „agire hier den Bass\"—, keine\nMehrstimmigkeit, keine Harmonie und mithin platterdings\nauch keine feste Tonart, weder noch sonst eine.\nWir hoffen, das leuchtet dem Leser ein.\nTrotz der vielen poetischen Ergüsse über die Sänger\ndes Waldes hält Schleiden dafür, dass die meisten Men-\nschen mit blöden Sinnen diese unveränderliche Musik auf-\nnehmen. „Allerdings gibt es einzelne Liebhaber, welche\nsich dem Studium des Vogelgesanges mit grossem Ernste\nzugewandt und in die Beurtheilung desselben eine Gründ-\nlichkeit gebracht haben, die oft komisch wird. Vom alten\ngelehrten Kircher, der schon im Jahre 1650 in seiner\nMusurgia den Gesang der Nachtigall auf Noten setzte,\nbis auf den neueren Bechstein, welcher in demselben\n25 verschiedene Strophen unterschied, die er mit verschie-\ndenen, oft seltsamen Sylben bezeichnete (es beginnt: Tiuu\ntiuu tiuu tiuu, spe tiu zqua), hat es viele Leute gegeben,\nwelche diesem Studium oblagen, und in dem thüringischen\nDorfe Ruhla ist das Finkenhalten seit undenklichen Zeiten\nein gar ernsthaftes National-Steckenpferd.\" (113\nIn jeder Wissenschaft gibt es ungelöste Probleme;\nder wahrhaft wissenschaftliche Mann, sobald er in der Prü-\nfung seine Pflicht gelhan, ohne sie lösen zu können, bekennt\ndann offen: „Ich weiss es nicht und kann es zur Zeit nicht\nwissen.\" Ueberhaupt, sagt Schleiden, charakterisirt sich der\nechte Naturforscher durch die grösste, aber ihrer selbst\nwohlbewusste Unwissenheit, und ist stets der bescheidenste\nMensch von der Welt; und dann, davon auf die Musik die\nAnwendung machend, fährt er so fort: „Auch in der Lehre\nvon der Tonbildung gibt es noch manches nicht Ergrün-\ndete. Warum ist dasselbe eingestrichene c der Geige so un-\nendlich verschieden von dem der Flöte, und beide wiederum\nso anders, wie das des Horns? Wir wissen es nicht, können\naber allerdings auf ein bis jetzt noch unerforschtes Verhält-\nniss in der Natur der Schallwellen aufmerksam machen.\nWer je vom Strande aus die kommenden Wellen beobach-\ntete, wird bemerkt haben, dass die Welle gegen den Strand\nzu steiler abfällt, als gegen das Meer, dass der höchste\nPunkt der Welle nicht in der Milte des ganzen Wellen-\nberges liegt, oder mit anderen Worten: dass die verschie-\ndenen Höhen und Tiefen in der ganzen Welle nicht sym-\nmetrisch vertheilt sind. Was aber bei der Meereswelle\nWellenberg und Wellenthal, ist bei der Schallwelle Ver-\ndichtung und Verdünnung. Wir denken uns diese gewöhn-\nlich in der Schallwelle symmetrisch vertheilt; sie können\naber eben so gut nach unendlich verschiedenen Verhältnis-\nsen die Schallwelle unsymmetrisch gestalten und so den\neigenthümlichen Klang des einzelnen Tones bedingen.\nStellen wir diesen noch ein Verhältniss, welches sich bei\nden Naturlauten geltend macht, gegenüber. Unklare Schwär-\nmer pflegen sich zum Beweise des übernatürlichen Ursprungs\nder Naturtöne auch darauf zu berufen, dass sie alle Ent-\nsetzen erregend seien und die menschliche Brust mit herz-\nzerschneidendem Jammer erfüllten. Einestheils ist die Be-\nhauptungunwahr; denn sie trifft die bei Weitem wenigsten\nund zufällig gerade nur die noch nicht genügend bekann-\nten und in Fabeln eingehüllten Naturlaute. Anderentheils\nist sie gar nichts diesen Eigentümliches. Das Geschrei der\nEule drückt den trostlosesten Jammer aus, und ich habe\nvon Cavallerie-Officieren gehört, dass das auf dem Schlacht-\nfelde sterbende Pferd oft mit so furchtbarem Aufschrei\nende, dass die ältesten Veteranen im tiefsten Schauer er-\nzittern. Aber es bietet uns auch die Theorie des Tones\netwas dar, woraus wir die Möglichkeit ganz eigentümlicher\nEinwirkung auf unser Nerven-System bei vielen Naturtönen\nableiten können. Die Höhe des Tones hängt von der Zahl\nder Schwingungen in einer Secunde ab. Dem grossen A\nentsprechen 40, dem grossen H 45 Schwingungen; zwi-\nschen beiden liegt nur das reine und das reine Unser\nOhr unterscheidet aber selbst diese beiden Töne nicht ein-\nmal genau, oder ist doch nicht an diese feine Unterschei-\ndung gewohnt, geschweige denn, dass es alle die vier Töne,\ndie in der That noch zwischen A und H liegen, auffassen\nkönnte. Es ist aber leicht einzusehen, dass, wo diese nur\ndurch einzelne Schwingungen sich unterscheidenden Töne\nsämmtlich rein dargestellt werden, Intervalle, Accorde und\nTonfolgen zur Erscheinung kommen müssen, die für uns\netwas durchaus Fremdartiges haben, und die in unserem\nNerven-Svstem das Gefühl des Unmessbaren und daher\nauch Unbehaglichen hervorrufen müssen. Insbesondere ist\nes die durch die wirkliche Ausführung sämmtlicher mög-\nlicher Töne gebildete echte enharmonische Tonleiter, welche\nvielen Naturlauten etwas so durchaus Eigentümliches und\nAbweichendes verleiht. Ich erinnere hier nur an das Jau-\nlen ein bezeichnender hamburgischer (überhaupt nord-\ndeutscher) Provincialismus des März-Katers, oder\nan das eigentümliche Pfeifen des Sturmes auf der von\nder Esse gebildeten grossen Orgelpfeife. Der magische"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 823, "texte": "Einfiuss, den das Plätschern des Wasserfalles, das aus der\nTiefe in die höheren Töne aufsteigende Rauschen der sich\nüberschlagenden Wellen auf den empfindenden Menschen\nausübt, hat wahrscheinlich eine gleiche Ursache. Der Fall\nder Wassertropfen ist hier der Erzeuger der Schallwellen,\nbeim Wasserfall in unendlichem Wechsel bald schneller,\nbald langsamer, bei der Welle langsam beginnend, mit ste-\ntiger Beschleunigung, und daher immer höheren Tönen\nentsprechend.\" (126—128.)\nGewiss wird der Leser nach diesen Proben geneigt\ns'iin, uns in dem obigen Urtheile über Schleidens „ Studien\"\nbeizustimmen; wer sie, hiedurch angeregt, selbst zur Hand\nnimmt, der sei überzeugt, nicht bloss einer unterhaltenden\nLeclure, sondern auch einem klaren Geiste und einer in\nsolchem Maasse seltenen mannhaften Gesinnung zu begegnen.\n\nF. Ch."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-03-31-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-03-31_01#c002", "volume": "bmtnabi_1855-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "102", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.4", "debut_caractere": 825, "fin_caractere_exclue": 4908, "texte": "Pariser Briefe.\n\nDas Thedtre lyrique hat den Freischütz wieder auf\ndie Bühne gebracht, d. h. den französischen Robin des Bois,\nmit dem Zusätze: Piece imitee de l'Allemand— eine Un-\nverschämtheit, über welche selbst die hiesigen Tagesblätter\neinstimmig herfahren. Das Meisterstück C. M. v. Weber\"s\nhat seine Geschichte in Paris gehabt. Die Herren Castil-\nBlaze und Sauvage machten die Oper zuerst im Jahre\n1824 für das Odeon zurecht; sie machte trotz der ver-\nkrüppelten Gestalt, dem Durcheinanderwerfen der Musik-\nstücke, der unverantwortlichen Verstümmelung des Finales\nu. s. w. durch die nicht zu ertödtende Macht der Musik\ndennoch ausserordentlichen Eindruck. Die\nnahm 1835 dasselbe Machwerk in ihr Repertoire auf.\nEndlich veranlasste im Jahre 1841 die königliche Oper\neine wirkliche Uebersetzung des Textes von Kind durch\nEmilien Pacini; Berlioz schrieb Recitative dazu, und so kam\nder Freischütz zum ersten Male vollständig auf eine pariser\nBühne. Vollständig? Es ist möglich, dass dieses bei den\nersten Aufführungen 1841 der Fall gewesen; nachher,\nund namentlich bei der Wiederaufnahme dieser Bearbeitung\nim vorigen Jahre, fanden ebenfalls abscheuliche Verstüm-\nmeluugen Statt, welche den bekannten Process des Herrn\nvon Tyskiewiez veranlassten. Berlioz wurde bekanntlich\nauch angegriffen; er rechtfertigte sich, und nach seiner Ver-\nteidigung scheint es, dass schon 1841 die Opern-Direc-\ntion eigenmächtig jene Verstümmelungen (namentlich des\nFinales) vorgenommen hatte.\nWas auf dem Thedtre lyrique jetzt seit dem 26. Ja\nnuar gegeben wird, ist fast ganz und gar der\nvon Castil-Blaze. Alle Namen der Personen der deutschen\nOper sind verändert, Ottokar und der Eremit ganz hinaus-\ngewiesen. Im ersten Acte lässt sich die Anordnung der\nMusikstücke noch ertragen; die Arie Caspar's: „Schweig!\"\nist in den dritten Act versetzt; das Terzett mit Chor: „O,\ndiese Sonne\", bildet das Finale, und die Handlung bleibt\nim Ganzen so ziemlich dieselbe, nur dass nicht Kilian, son-\ndern Samiel (Robin) den Vogel abschiesst und dann gross-\nmüthig eine Börse dem Dick (Kilian) zuwirft, worauf je-\ndoch nicht dieser, sondern Richard (d, i. Caspar) die\nCouplets mit dem Lachchor singt, indem er Dick als Stell-\nvertreter des Meisterschützen vorlührt. Der zweite Act\nhat das Duett und Aennchens (Nancy) Arie; dann ist ein\nDuett zwischen Tony (Max) und Anna (Agathe), wenn\nmir recht ist, aus der Euryanthe eingeschaltet. Nach dem\nTerzett in Es folgt die Scene in der Wolfsschlucht, welche\nin die Gebirge von Yorkshire nach England versetzt ist. Im\nHintergrunde die Ruinen eines alten Schlosses. Samiel er-\nscheint an der Stelle einer Bildsäule, welche der Blitz zer-\nschmettert, und überreicht dem Caspar ein feuerrothes Per-\ngament, welches Max unterzeichnen soll *). Max aber bleibt\ntugendhaft und zieht es vor, Reissaus zu nehmen, was dann\nVeranlassung zu dem Schluss-Tableau gibt, in welchem\nMax über Berg und Thal flieht, Caspar und ein Heer von\nGespenstern hinter ihm her, und Samiel auf einer Felsen-\nspitze diese neue wilde Jagd dirigirt.\nDer letzte Act hat die grässlichste Misshandlung er-\nfahren. Agathe beginnt mit der Cavatine. Aenncben plau-\ndert mit ihr; ihre grosse Arie\" bleibt mitsammt „Nero, dem\nKettenhund\" weg, aber die Brautjungfern erscheinen und\nsingen ihr Lied. Dies alles geht auf einem freien Platze im\nWalde vor der Försterwohnung vor. Sobald die Mächen\ndie Bühne verlassen haben, erscheint Caspar (Richard), legt\nseine Büchse und ein Pistol auf den Tisch, ftfan muss\nwissen, dass der pariser Freischütz nur drei Freikugeln\nstatt sieben gegossen hat. Caspar stellt einige gewissens-\nbissige Betrachtungen an; eine von den drei Kugeln hat er\nan Max gegeben wie, wenn er nicht käme um vor dem\nSchuss das Pergament zu unterzeichnen? Hier folgt die Arie\naus dem ersten Acte.— Endlich kommt Max. Er hat seine\nFreikugel zur Rettung von Agathens Vater, auf den ein\nEber eindrang, verschossen. Caspar hat, wie er sagt, die\n\n*) Es ist immer merkwürdig, dass dieser Castil-Blaze'sche Frei-\nschütz 1824 und Scribe's und Meyerbeer's Robert der Teufel\n1830 erschienen. Die Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5180, "texte": "beiden anderen in seine Büchse und in sein Pistol geladen.\nMax beschwört ihn um die Büchse. „Gut aber unter-\nschreibe die Schrift!\"— Max durchläuft sie, schaudert und\nbleibt fromm. Caspar drängt ihn da erscheint die rück-\nkehrende Jagd. Der Jägerchor wird gesungen. Alles geht\nab nach dem Schiessplatze, wo der Probeschuss um Agathe\nStatt finden soll. Max, der in Verzweiflung zurückgeblie-\nben, wird zuerst aufgerufen; er wagt nicht, dem Rufe zu\nfolgen. Caspar stürzt ab, man hört einen Schuss und ju-\nbelnden Zuruf. Der Brautzug tritt auf; Caspar lührt Anna.\nMax ergreift das Pistol, das Caspar hat auf dem Tische\nliegen lassen (!), und will sich erschiessen, aber Aennchen\nschlägt das Rohr von der Stirn weg, es geht los, Caspar\nwird getroffen, Agathe lällt in Ohnmacht. Hier beginnt, wie\nin der deutschen Oper, das Finale, gibt die ersten 60— 70\nTacte desselben nicht ohne Risse wieder und springt dann\nmir nichts, dir nichts auf den Schlusschor in C-dur. Alles\nDazwischenliegende hat der Teufel mit dem Caspar zugleich\ngeholt. Das ist der pariser Freischütz!\nDie Auffuhrung und auch die Ausstattung waren sehr\nmangelhaft. Ein paar hübsche Decorationen waren <la; der\nSpuk in der Wolfsschlucht marionettenartig. Marchot (Cas-\npar) hat schöne Stimmmittel, doch fehlt ihm die Höhe\ndas Trinklied muss er transponiren. Demoiselle Girard\n(Aennchen) war gar zu sehr französische Vaudeville-Sou-\nbrette. Mad. Deligne-Lauters, eine noch sehr junge\nSängerin, hat eine wundervoll mächtige und umfangreiche\nStimme, wie man sie selten, sehr selten findet. Aber welch\nein Gesang! Keine Spur von Kunst und Schule irgend einer\nArt, und von der Weber'schen Musik und deren Tiefe und\nZartheit keine Ahnung! Die \"\"grosse Scene in E-dur hat sie\ngeradezu gemisshanoelt. Aber das Publicum hat wüthend\ngeklatscht; die Kritik jedoch stellt das letztere sehr stark\ndarüber zur Rede. Die Composition schlug übrigens auch\njetzt weder durch, das Publicum war durchweg aufgeregt,\ndas Eüiett von Agathe und Aennchen und der Jägerchor\nwurden da capoverlangt.\nDen Gegensatz zu Weber's deutscher Romantik bilde-\nten Gli Arabi nelle Gdllie auf dem Theater der Italiäner\n(am 30. Januar). Dies ist eine alte Oper vom Jahre 1828,\nvom Maestro Giovanni Pacini, den kein Mensch ausser\nItalien kennt und den man express nach Paris verschrieben\nhatte, um hier in seinen alten Tagen noch einen neuen\nTriumph zu erleben. Pacini ist im letzten Jahrzehend des\nvorigen Jahrhunderts in Sicilien geboren, fing sehr früh an\nzu schreiben und gehört zu den fruchtbarsten Opern-Com-\nponisten Italiens. Bis 1824 hatte er bereits 25 Opern auf\ndie kleineren Theater gebracht, darunter auch eine „ Vesta-\nlin% auch eine Art Norma: „Die Priesterin des Irmensul\",\nu. s. w. Von 1824 an lieferte er auch Arbeiten lür Neapel,\nMailand, Turin, Venedig u. s. w. und wurde 1834 Capell-\nmeister des Herzogs von Lucca und Director des dortigen\nConservatoriums. Die Arabi waren seine sechste Oper in\nNeapel, und ihr sind etwa noch ein starkes halbes Dutzend\ngefolgt. Zu einem Componisten ersten Ranges hat er sich\naber auch selbst in Italien nicht erhoben; vollends über die\nAlpen hinüber hat sein Stern keine Strahlen gesandt. Wess-\nhalb hat man ihn am pariser Horizont heraufbeschworen?\nDas Buch der Oper ist so erbärmlich, dass selbst eine Preis-\nbewerbung um das schlechteste nichts Schlechteres liefern\nwürde. Die Musik hat auch nicht die leiseste Spur von\nUebereinstimmung mit dem Texte oder der Situation, es\nist fast durchweg trivial-melodische Leirerei.\nDie grosse Oper hat Halevy's Jüdin wieder aufge-\nnommen. Der alte Stamm des Publicums der Academie de\nMusique erinnerte sich, dass es gerade zwanzig Jahre her\nsei, dass die Jüdin zum ersten Male mit den Sternen Fal-\ncon und Nourrit aufgegangen. Die Falcon soll keine der\nspäteren Darstellerinnen erreicht haben; ob aber Nourrit\noder sein Nachfolger Duprez als Eleazar vollendeter gewe-\nsen sei, darüber wurde gestritten. Jetzt halten wir die\nCruvelli und Gueymard—von vollendeter Darstellung\nkonnte also nicht die Rede sein, darüber schienen alle Ver-\nständigen einig, sowohl die vergleichen konnten als die,\nwelche jene dramatischen Grössen nicht gesehen hatten. Die\nCruvelli ist immer dieselbe, das Erhabene streift an das\nGroteske, das Leidenschaftliche an das Maasslose. Gueymard\nsoll, wie man mir versichert, Duprez vortrefflich copirt ha-\nben ; er hatte allerdings schöne Momente, besonders da, wo\nmehr Ton und Stimme, als Vortrag und Kunst die Wir-\nkung erzielen konnten. Die übrigen Rollen waren matt; zu\neinem wahrhaft künstlerischen Ensemble kann die grosse\nOper noch nicht wieder kommen. Wo soll man das über-\nhaupt jetzt suchen?\nKommen wir zur Concert-Musik. Die Concerte\nder Gesellschaft des Conservatoire gehen ihren\nhergebrachten Gang fort; es kommt dort weniger auf das\nW a s, als auf das Wie an, und dieses, die Auslührung, ist\nimmerfort vortrefflich. Die Programme bleiben bunt, z. B.\nim ersten Concerte (am 14. Januar) neben Beethoven's Sin-\nfonie Nr. 7 in F (ausgezeichnet schön vorgetragen), einer\nSinfonie in Dvon Mozart, dem Halleluja von Händel\nein altes Madrigal, eine Arie von Berton, und eine Clarinett-\nPhantasie von Lerov! lm zweiten Beethoven's neunte"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4538, "texte": "Sinfonie (der Chor besser als sonst, aber zu schwach), Mo-\ntett von Bach und ein Adagio aus der vierten Sinfonie von\nHaydn, die Arie Voi che sapeteaus Figaro und zum Schluss\nRossini's Tell-Ouverture! lm dritten Ouvertüre und Scene\naus Iphigenie in Aulis von Gluck, Arie von Gretry, ein\nQuartettsatz von Haydn, von sämmtlichen Saiten-Instrumen-\nten des Orchesters ausgeführt, Elfenchor aus Oberon, das\nDuett aus der Zauberflöte, yl-rfwr-Sinfonie von Beelhoven.\nNeben dieser ersten Concert-Geselischaft, die etwa seit\ndreissig Jahren besteht und ihr unbestrittenes Verdienst hat,\nlür Paris durch die Einlührung der Compositionen der gros-\nsen deutschen Meister, für ganz Europa durch die gewis-\nsenhafte Treue und technische Vollendung der Ausführung,\nerhalten sich seit einigen Jahren die Gesellschaft der Sainte\nCecile und die Societe des jeunes\nDie erstere hat, nicht zu ihrem Vortheil, statt des Herrn\nSeghers jetzt Herrn Barberoux, übrigens auch einen tüch-\ntigen Musiker, wenn man bloss aufs Handwerk sieht, zum\nDirigenten; die zweite Herrn Pasdeloup. Ansprüche an\neigentlich künstlerische Bedeutung kann nur die erstere\nmachen.\nDas meiste Aufsehen in den Cäcilien-Concerten hat eine\nneue Sinfonie von einem jungen Componislen Georges\nMathias gemacht; sie wurde in dem Concerle, welches\nbloss neuen Compositionen gewidmet ist, zuerst aufgeführt\nund in einem späteren wiederholt. Sie gefällt mit Recht.\nDer Componist folgt den classischen Mustern und hält sich\ndurchaus fern von Berlioz'scher Phantastik, ohne jedoch\nnüchtern und trocken zu werden, wenngleich es mir scheint,\ndass die gewandte Behandlung der Form und das musica-\nlische Wissen in seinem Werke höher stehen, als die Er-\nfindung. Allein bei den jetzigen Zuständen der Musik und\nden Ausschweifungen der Himmelsstürmer oder Babels-\nthurmbauer halte ich dies unbedingt lür einen Vorzug, da\ndie Themen und besonders ihre Ausspinnung doch auch\nvon wirklichem Talent zeugen. Die Sinfonie hat vier Sätze,\ndie Haupt-Tonart ist D-dur.Das Thema des ersten Alle-\ngro ist bedeutend, es tritt frei und frisch auf und verschlingt\nsich sehr bald in artige Imitationen. Der zweite Theil nimmt\neinen sehr lebhaften Schritt, und der Schlussist feurig und\nglänzend. Ein Allegretto scherzando, G-moll, 74-Tact, ein\nsehr hübsches, sauberes, zierliches Stück, Mendelssohn's\nSachen in ähnlicher Gattung zu vergleichen, zeigt, wie\ndiese, den gebildeten und maasshallenden Musiker. Das\ndante in Es-dur con sordinihat eine sanfte, romanzenartige\nMelodie, welche sehr ansprach. Das Finale sprüht in ruhe-\nloser Bewegung gar helle Funken und ist dabei sehr gut\ngearbeitet. Kurz, die ganze Sinfonie ist ein erfreuliches Zei-\nchen des Fortschrittes dieser Kunstgattung in Frankreich;\nhier ist wenigstens das allein richtige Streben, die Instru-\nmental-Musik aus sich selbst und aus seibstständigen Moti-\nven zu entwickeln, unverkennbar, und der Abweg des\nRealismus ist glücklich gemieden.\n'V\nGeorges Mathias ist ausserdem ein tüchtiger Pianist,\naber auch als solcher war er nur seinen genaueren Freun-\nden bekannt. Er hat als echter Künstler lange im Stillen\ngearbeitet, ohne sich um Reclame und Connexionen zu\nkümmern. Nach dem Erfolge, den er mit der Sinfonie errun-\ngen, ist er auch mit einer Sonate lür Pianoforte und mit\neinem Trio lür dasselbe und Violine und Cello hervorge-\ntreten; ich habe diese Clavier-Composilionen nicht gehört,\nman sagt aber auch von ihnen nur Gutes.\nIn einem anderen Cäcilien-Concerte hörten wir von\nbedeutenderen Stücken Mendelssohn's „Meeresstille und\nglückliche Fahrt\" und Mozart's Es-dur-S'mhme; auch lern-\nten wir da einen Landsmann, Herrn Stock hausen, ken-\nnen, dessen schöner Bariton, gehoben durch treffliche Schule,\nAufsehen erregte. Im letzten Concerte Beethoven's Egmont-\nOuverture, Mozart's tr-moW-Sinfonie und Weber's Preciosa.\nDass aber die Cäcilie auch anfängt, wie das Conservatoire,\nsich ein bestimmtes Repertoire zu bilden (wie die vielen\nWiederholungen von Stücken, welche im vorigen Jahre\naufgeführt wurden, beweisen), können wir nicht billigen.\nDie Jeunes Arlistes haben kürzlich eine Sinfonie von\nCharles Gounod aufgeführt, von welcher man mit Ehren\nspricht. Ein Journal, welches die Freundschaft etwas weit\ntreibt, sagt sehr naiv: „Der Name des Componisten wird\nohne Zweifel einst neben Haydn, Mozart und Beethoven\nprangen, s'ilne s'arrele pas en (wenn er nicht un-\nterwegs stecken bleibt). Paris hat also jetzt in Gouvy,\nGounod und Mathias drei Componisten, welche die\nreine Sinfonie, nicht die Berlioz'sche Zwittergattung, culti-\nViren.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-03-31-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-03-31_01#c003", "volume": "bmtnabi_1855-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "103", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.2.3", "titre_corps": "Deutsche Tonhallc.", "titre_sommaire": "Deutsche Tonhallc.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.6", "debut_caractere": 4540, "fin_caractere_exclue": 5200, "texte": "Deutsche Tonhallc.\nAuf die Composition nachstehenden Gedichtes lür den Männer-\ngesang setzt der Verein, und zwar für diejenige dm Preis von\nzwölf Ducaten hiermit aus, welcher die zu wählenden Herren Preis-\nrichter diesen Preis (wobei ein Geschenk des Herrn Fr. Götz hier\nmit sieben Ducaten) zuerkennen.\nIndem wir geehrte deutsche Tondichter zur Preisbewerbung\neinladen, stellen wir denselben beliebig andere Eintheilung dieses\nzum Gebrauche für Männergesang-Vereine durchzucomponi-\nrenden Sanges, ohne Begleitung und ohne Schwierigkeiten der\nAusführung, anheiin und ersuchen, die Bewerbungen vor dem\nMonat August d. J. in Partitur der „Deutschen Tonhalle\" frei"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1340, "texte": "Hieher zuzusenden, versehen mit einem deutschen Spruche nebst\neinem versiegelten Zettel, in welchem Namen und Wohnort des\nVerfassers und aussen auf demselben, unter dem nämlichen Spruche,\nein Tondichter benannt ist, welchen der Einsender als Preisrichter\nwählt. Näheres in den Vereins-Satzungen.\nMannheim, im Lenzmonat 1855.\nDer Verein s- Vorstand.\nGott, Vaterland, Liebe.\nSolo. Blauer Himmel wölbt sich oben\nIn der Sonne Strahlenschein;\nLasst uns froh den Schöpfer loben,\nDer uns schuf, Ihm nah' zu sein.\nGott, den unser Geist erkannt,\nSchwöret zu mit Herz und Hand!\nChor. Gott u. s. w.\nHehr, wie Orgeltöne prächtig,\nDieser Schwur zum Himmel drang,\nIn der Sprache rein und mächtig,\nWelcher gleich noch keine klang.\nDeutsche Sprache, deutsches Land,\nUnsrer Seelen starkes Band!\nDa zu dir mit WTort und Wehre,\nVaterland, wir alle stejhn,\nSei uns heilig deine Ehre,\nSiegreich soll dein Banner wehn!\nWort und Leben dir zum Pfand,\nDir, 0 theures Vaterland!\nS'olo. Ehre ihm und allem Schönen,\nWas als schön dem Herzen gilt;\nDoch vor Allem lasst uns krönen\nDeutscher Frauenliebe Bild.\nSchmach dem Manne, der das Band\n' Edler Frauenhuld verkannt!\nChor. Schmach u. s. w.\nUnsre Herzen zu verklären,\nGlühn in Liebe Wort und That,\nLasst im Bruderbund uns schwören,\nStets zu schützen ihren Pfad!\nSchwört der Liebe Treubestand,\nEhre Gott und Vaterland!!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-03-31-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-03-31_01#c004", "volume": "bmtnabi_1855-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "103", "page_fin": "104", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.7", "debut_caractere": 1342, "fin_caractere_exclue": 5463, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHolst. Sonntag, den 25. März, in dem Concerte des Män-\nnergesang-Vereins zum Besten der Ueberschwemmten am\nNiederrheine, war der grosse Casinosaal so voll, wie wir ihn noch\nnie gesehen haben, so dass eine grosse Anzahl Menschen an der\nCasse zurückgewiesen werden musste, ein bei Concerten in der\nThat seltener Fall. Der Verein sang ein Dutzend seiner besten\nLieder, unter denen wir den trefflichen Vortrag von Mendels-\nsohns „Wasserfahrt\", Zöllners „Doppelständchen\" und der\nSilcher'sehen Volkslieder auszeichnen müssen. Zwischen den\nLiedern regten die ausserordentlichen Leistungen des eilfjährigen\nPianisten Arthur Napoleon, welcher seine Mitwirkung auf sehr\nfreundliche und uneigennützige Weise zugesagt hatte, das Publicum\nzu einer wahren Begeisterung lür das wunderbare Talent des lie-\nbenswürdigen Knaben auf. Uns fiel, ausser dem vollendeten Vor-\ntrage der Thalberg'schen Moses-Phantasie, noch besonders der wirk-\nliche Humor auf, mit welchem das Kind den Carneval von Vene-\ndig von J. Schulhoff vortrug, um so mehr, da an der Compo-\nsition dieses Dings natürlich nichts ist, was anziehen könnte.\nMorgen, Sonntag, den 1. April, werden wir durch die Auffüh-\nrung der grossen Missa solemnis in D-dur von Beethoven,\nwelche die Concert-Gesellschaft unter Hill er' s Leitung im grossen\nCasinosaale veranstaltet, einen herrlichen Gentiss haben.\nKöln. Die leipziger Neue Zeitschrift lür Musik lässt\nsich von hier schreiben, dass Wagner's Lohengri 11 hier einen\nungeheuren Enthusiasmus erregt und übervolle Häuser gemacht\nhabe. Hier ist der Auszug aus dem Theater-Journal, zur Würdi-\ngung von dergleichen Correspondenzen.\nVorstellungen von Lohengrin und Tannhäuser\nin der Theater-Saison 1851—55.\n1855.\nJanuar 11. Lohengrin Th1r.245„12„ 6 (zum ersten Male.)\n14. Lohengrin „ 400,,—\n16. Lohengrin „ 161,, 2„ 6\n19. Lohengrin „ 135„15„\n21. Lohengrin „ 268„17„ 6\n26. Lohengrin „ 112„17„ 6\nFebruar 6. Lohengrin „ 115,,10,,—\n8. Tannhäuser „ 67„27„ 6 (zum I.Male in dieser Saison.)\n11. Tannhäuser „ 179„17„ 6\n16. Lohengrin „ 68„ 2„ 6\n18. Tannhäuser „ 225„27„ 6\n22. Lohengrin „ 207,, 15.,—\n26. Tannhäuser „ 61„ 4„—\nDa nun das hiesige Haus, wenn es vollständig besetzt ist, 550 bis\n580 Thlr. einträgt, so sieht man, dass die Oper Lohengrin nur Ein\nMal (am 14. Jan.) eine gute, dagegen drei Mal nur eine halbe, fünf\nMal nur eine Viertels-Einnahme und darunter gemacht hat. Nach\nBerechnung der Tageskosten an Gage, Hausmiethe, Orchester u. s.\nw. und der Anschaffungs- und Ausstaltungskosten bleibt von den\ncirca 1720 Thlrn. der neun Vorstellungen nur ein sehr geringer\nNutzen lür die Direction, ja, nach Aussage derselben sogar ein\nDeficit. Die Einnahme-Ziffern vom Tannhäuser bedürfen\nkeiner Erläuterung.\nArthur Napoleon hat am Donnerstag den 29. März in\nBonn Concert gegeben und, wie überall, bei Kennern und Laien\nEnthusiasmus erregt. In demselben Concerte trug Fräül. Herrn ine\nMann, Schülerin des Herrn E. Koch und der Rheinischen Mu-\nsikschule in Köln, zwei Arien von Mozart (aus Figaro's Hochzeit,\nin F- und C-dur) und einige Lieder von Lindblad mit schöner\nStimme und vielem Ausdruck vor, so dass sie nach jedem Stücke\nlebhaften Beifall ärntete.\nMan schreibt uns aus Lüdenseheid allerlei Rühmliches über\nein Concert, welches Herr Eduard Hetz aus Grefeld, Pianist, zu\neinem wohlthätigen Zwecke im erstgenannten Orte veranstaltet hat.\nHerr Hetz wird Schüler von AI. Schmidt, Rungenhagen und Bach\n(in Berlin) und von Liszt genannt. Er phantasirte unter Anderem\nüber neun aufgegebene Themata, welche er zugleich verarbeitete.\nDer Schluss des Berichtes lautet wörtlich: „Zum Schluss brachte\nHerr Hetz seine Phantasie „Bataille de Waterlooin welcher der\nUngestüm der andringenden französischen Garden, die heldenmü-\nthige Standhaftigkeit der Engländer, die endliche Entscheidung\ndurch Preussens Hülfe mittels geschickter Benutzung der National-\nMelodieen malerisch dargestellt wurde. Eine solche Schlacht-Dar-\nstellung erfordert aber Instrumente, die kräftig genug sind, Wider-\nstand zu leisten, damit sie am Schlüsse nicht mit Trümmern von\nzerbrochenen Hämmern, mit zerrissenen Saiten und klappernden"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3205, "texte": "Tasten übersäet sind, wie das Schlachtfeld mit Trümmern von Wa-\ngen, Laffetten und Soldaten, deren Herz im Tode brach.4' (ü)\nIn Breslau führte man in einem Extra-Concerte der Theater-\nCapelle Beethoven's neunte Sinfonie auf mit Hinweglassung des\nletzten Satzes. Herr Musik-Director Hesse dirigirte. Fräul. Wil-\nhelmine Neruda trug in demselben Concerte das Violin-Con-\ncert von Mendelssohn vor und nach der Sinfonie die Othello-Phan-\ntasie von Ernst.\nHerr Concertmeister Joachim in Hannover hat auf seinen\nWunsch einen längeren Urlaub, man sagt von 21/2 Jahr, erhalten;\ner wird jedoch während dieses Zeitraumes auf den Wunsch des\nKönigs sein Gehalt fortbeziehen und zur Concert-Saison einige Mo-\nnate in Hannover anwesend sein. Herr Hoftheater-Director von\nPerglass hat seine Entlassung nachgesucht und erhalten.\nIn Karlsruhe ist Wagner's Tannhäuser gegeben worden\n(zunächst drei Mal).\nFräul. Agnes Bury gibt gegenwärtig in Leipzig Gastrollen.\nIn Hamburg werden Ende März die letzten Vorstellungen des\ndortigen Stadttheaters sein; die Bühne wird dann einige Monate\ngeschlossen werden und die Gesellschaft, deren Contracte gelös't\nsind, sich zerstreuen. Unter welchen Verhältnissen und Bedingun-\ngen die neue Unternehmung der Theaterleitung abgeschlossen und\nwer sie erhalten wird, ist bis jetzt noch nicht bestimmt.\nNach den „Hamburger Nachrichten\" (Rob. Heller) hat in Ham-\nburg ein Herr Humbser, ein mit gewerblichem Berufe dort ein-\ngebürgerter Baier, als Gomez in „Nachtlager\" ein über-\naus gelungenes dramatisches Debüt gemacht. Er feierte in dieser\nNebenrolle einen ganz ungewöhnlichen Triumph.\nDie deutsche Oper des Herrn Röder setzt ihre Vorstellun-\ngen in Antwerpen und in Gent fort. Ein neues belgisches\nBlatt: „Le Guide musical\", schreibt U.A.: „Wir haben am 13. eine\nschauerliche {formidable) Oper von R. Wagner gehabt; Tannhäu-\nser, oder der Sängerkrieg auf der Wartburg, ist ihr sonderbarer\nTitel. Trotz der zahllosen Schwierigkeiten der Partitur hat sich un-\nser Orchester (unter der Direction des Gapellmeisters der deutschen\nOper, Herrn Laud ie n) ehrenvoll aus der Affaire gezogen. Un-\nglücklicher Weise ist das Sujet des Werkes so unbedeutend, wir\nkönnten selbst sagen: so langweilig, dass nur der Reiz der Musik\ndie Zuschauer fesseln kann. Die Gesang-Partie liess zu wünschen\nübrig, mit Ausnahme von Herrn Becker und Fräul. Günther.\nIn der Wiederholung am 16. März war das Ensemble besser.\"\nEs bleibt immer ein Verdienst des Herrn Röder, dass er Wagners\nOpern zuerst im Auslande bekannt macht. Aus dem Verfolg des\nBerichtes ersehen wir, dass Don Juan, Flotow's Martha und\nC. Kreutzer's Nachtlager in Granada am meisten gefallen haben.\nIn Gent waren ebenfalls Don Juan und Martha die beiden ersten\nVorstellungen.\nBei der Bewerbung um den grossen Compositions-Preis in Brüs-\nsel wird, wie in Paris, gewöhnlich der Text einer Cantate zu\nGrunde gelegt. Auch für diesen wird ein Concurs eröffnet. Für\ndieses Jahr sind dazu 65 Gedichte eingesandt worden; unter ihnen\nhaben sieben und fünf je einen und denselben Verfasserl\nThalberg hat am 13. Februar in Neapel öffentlich gespielt\nund Alles entzückt. Er wird nächstens auf einige Zeit nach Wien\nund dann auf vier Monate nach Brasilien gehen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.1", "texte": "Die Natur der Töne und die Töne in der Natur.\n\nDer bekannte geistreiche Professor Schleiden in\nJena gab im verflossenen Jahre „Studien\" heraus, sieben\nVorlesungen über verschiedene Gegenstände aus dem Ge-\nbiete der Naturwissenschaften (Leipzig, bei Engelmann; gr.\n8. 2 Thlr.). Die dritte dieser Vorlesungen fuhrt obigen Ti-\ntel und veranlasst uns wegen der Fülle von Wissen, die\ndarin enthalten, der lebendigen, geistreichen Behandlung,\ndes interessanten Stoffes zu einigen Mittheilungen.\nSchleiden behandelt hier nicht bloss die Klang-Phäno-\nmena in der todten Natur, sondern auch den Gesang der\nVögel und was dazu gehört. Ueber Wirkung der Töne\ndurch das so genannte Mitklingen bemerkt er in spasshaf-\nter Erzählung S. 104 105: „ Am bekanntesten ist, dass\nSaiten mitklingen, wenn sie von einem ihnen verwandten\nTone getroffen werden. Gewiss ist, dass durch Glockenge-\nläute die mächtigsten Gewölbe erschüttert und gesprengt\nwerden können, und so dürfen wir vom naturwissenschaft-\nlichen Standpunkte wenigstens nicht behaupten, dass die\nheilige Sage vom Zusammenstürzen der Mauern von Jericho\nbeim Posaunen-Tone der heranziehenden Hebräer, oder der\nVolks-Aberglaube, dass beim Eselsgeschrei die Hühner-Eier\nzerspringen, eine absolute Unmöglichkeit enthalte. Das Ent-\nzweisingen von Trinkgläsern machte schon im Mittelalter\ngrosses Aufsehen. Es war der Weinhändler Petter auf\nder Prinzengracht in Amsterdam, der zuerst in der Mitte\ndes siebenzehnten Jahrhunderts sich durch dieses Kunst-\nstück, womit er seine Gäste unterhielt (er zerschrie einmal\n25 Gläser in einer halben Stunde), einen so grossen Ruf\nerwarb, dass man aus den fernsten Gegenden ihn besuchte\nund selbst ein deutscher Gelehrter, Daniel Georg Mor-\nhof, zu ihm reis'te und die Ergebnisse seiner Beobachtun-\ngen in einer dicken lateinischen, eben so gelehrten als\ngeistreichen Abhandlung niederlegte.\" Schleiden meint die\nSchrift, welche 1682 zu Kiel unter diesem Titel erschien:\n„ Stentor vakox'kaoxr]C sive de scypho vitreo per certurn\nhumanae vocis sonum fracto\" *). Das Wunder ist auch sehr\nnatürlich. Man hat nur, will man ein Glas zersingen, zuerst\nden natürlichen Ton des Glases zu bestimmen; dann wird\njeder vollkommen dissonirende Ton die Taschenspieler\nnehmen gewöhnlich die Secunde, die stärkste Dissonanz\ndas Glas zersprengen müssen, sobald der feindliche Ton nur\ndie nöthige Stärke hat.\nAm liebsten gewiss wird man des Verfassers Mitthei-\nlungen über die Bildung und Eigentümlichkeit der Stimm-\nOrgane bei Menschen und Thieren lesen; wir geben sie\ndaher, so weit es in der Kürze geschehen kann, vollständig.\nS. 169: „Unter den verschiedenen Blas-Instrumenten der\nOrgel gibt es auch einige, die man Zungenpfeifen nennt. In\nder Oeffnung der Pfeife spielt ein nur an einer Seite be-\nfestigtes elastisches Melallplättchen, „ „ die Zunge\"\", und\ndurch ihr Erzittern wird der Ton bestimmt. Statt des Me-\ntallplättchens kann man auch elastische Membranen nehmen\nund z. B. die Oeffnung eines Rohres durch zwei dünne\nStückchen Kautschuk so verschliessen, dass zwischen bei-\nden nur eine schmale Spalte bleibt. Die freien Ränder der\nKautschuk-Platten vertreten dann die Stelle der Zunge,\nDies ist aber genau die wesentliche Grundlage in der Bil-\ndung des Kehlkopfes bei Menschen und Thieren. Die Lun-\ngen sind der Blasebalg, die Luftröhre ist die Pfeife, und im\nKehlkopfe ist durch zwei von beiden Seiten vorspringende\nelastische Platten, Stimmbänder genannt, die Mündung der\nPfeife bis auf eine schmale Spalte, die man Stimmritze nennt,\nverschlossen. Die Höhe und Tiefe des Tones hängt hierbei\nvon der Spannung der elastischen Bänder und von der\nWeite der Spalte ab. Beides kann durch die Thätigkeit vie-\nler kleinen Muskeln, die den Kehlkopf umgeben, mannigfach\nverändert werden. So pfeift der Mensch auf einer inneren\nPfeife; die Modification der Resonanz durch Brust, Mund-\nhöhle und Mund gibt die verschiedenen Vocallaute; die Art,\nwie man durch Lippen, Zähne und Zunge den Ton begin-\n\n*) Der glassprengende Stentor, oder über das Sprengen eines\nWeinglases durch einen bestimmten Ton der menschlichen\nStimme."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.2", "texte": "lien oder aufhören lässt, gibt das, was wir Consonanten\nnennen, und so ist die menschliche Sprache fertig. J o ha n-\nnes Müller. (Prof. der Physiologie in Berlin) hat durch\nAnblasen eines sorgfältig präparirten Kehlkopfes, indem er\ndie Muskelthätigkeit durch Fäden und Gewichte ersetzte,\nMelodieen gespielt und sich sogar zu dem Vorschlage erho-\nben, statt des grossen jährlichen Etats für die Oper nur die\nKehlköpfe verstorbener Primadonnen zu kaufen, auf denen\ndann jeder gemeine Biilgetreter, versieht sich unter Bei-\nhülfe eines Professors der Physiologie, ganz wie die Mali-\nbran singen könne. Bekannt ist, dass Albertus\nMagnus nach dreissigjähriger Arbeit einen Kopf zu Stande\nbrachte, der deutlich sprechen konnte, aber von seinem\nFreunde vor Entsetzen über diese Zauberei zerschlagen\nwurde. Auch in neuerer Zeit wurde ein solches Kunststück\ngezeigt, welches einige Worte ziemlich deutlich aussprach.\n„So ist also das menschliche Stimm-Organ selbst in\nseinen höchsten und scheinbar geistigsten Leistungen, der\nSprache, nicht mehr und nicht minder als ein einfacher phy-\nsicalischer Apparat, den wir zur Noth aus Holz, Pappen-\ndeckel und Leder nachmachen können; und was für den\nMenschen gilt, gilt noch um so mehr für das Stimm-Organ\nder Säugethiere und Vögel, welches sich nur durch seine\ngrössere Unvoilkommenheit von dem menschlichen unter-\nscheidet. Eben dieser Unvoilkommenheit wegen müssen wir\nzwischen musicalischen und unmusicalischen Thieren unter-\nscheiden, indem wir zu den ersteren nur die rechnen, deren\nStimme in bestimmbaren musicalischen Intervallen erklingt.\nDamit werden wir aber fast ganz auf die Vögel verwiesen;\nwenigstens ist mir unter den Säugethieren nur ein einziges\nbekannt, bei welchem man ein ziemlich reines Intervall,\nnämlich ein Herabspringen von der höheren auf die tiefere\nOctave unterscheiden kann; ich meine den Esel. Alle an-\nderen beharren auf demselben Tone oder ziehen die verschie-\ndenen Töne in einer musicalisch unbestimmbaren Weise zu\neinander über. Auch unter den Vögeln gibt es manche, de-\nnen die Stimme fehlt, oder die mit widerlichem Geschrei\nsich der eben erwähnten Classe anschliessen. Vorzugsweise\nsind es unter den Vögeln die kleineren aus den Ordnungen\nder Singvögel und hühnerartigen Vögel, welche sich durch\nden Reichthum ihrer Töne und den Wohllaut derselben die\nMenschen zu Freunden gemacht haben. Ja, die Nachtigall\nübertrifft sogar durch die Mächtigkeit ihres Tones, den man\nin stiller Nacht eine Viertelmeile weit hören kann, die\nschönsten Menschenstimmen. Aber auch die singenden Vö-\ngel könnte man noch wieder eintheilen nach der Verschie-\ndenheit der Intervalle, deren ihre-Kehle fähig ist. Es ist\nmerkwürdig, wieviele Vögel auf die kleine Terz beschränkt\nsind; um nur zwei Beispiele zu nennen: der Kuckuck, ab-\nsteigend von c zu a. das Käuzchen, aufsteigend mit seinen\nängstlich hervorgestossenen Lauten. Wenn, wie sehr wahr-\nscheinlich, die Vögel der Menschen Lehrmeister im Gesänge\nwaren, so erklärt sich uns daraus leicht das Vorherr-\nschen der Moll-Töne in aller ursprünglichen Volksmusik. *\n(109\nUeber den letzten Satz machen wir einen kleinen Ex-\ncurs, So also erklärt Schleiden das Entstehen der Moll-\nTöne im Gesänge des Menschen, durch Nachahmung; aber\nwie sind sie denn in den Gesang der Vögel gekommen?\nEs wundert uns, dass Schleiden aus der festgestellten That-\nsache nicht die nächstliegende und so natürliche Folgerung\ngezogen hat, die nach unserem Dafürhalten ganz unver-\nmeidlich ist, die Folgerung nämlich, dass der Grund des\nVorwaltens der Moll-Töne in der physiologischen\nBeschaffenheit des Gesang-Organs liege, also in\nursprünglicher Musik gleichmässig an Mensch und Vogel\nzur Erscheinung kommen muss. Die weitere genauere\nKenntniss in dieser Sache hängt allein von der Untersuchung\nder Klangfähigkeiten dieses Organs ab; hierin ist bisher so\ngut wie nichts geschehen; man blieb an der Berechnung\nder Schallwellen, der Vibrationen und der mitklingenden\nTöne bei Saiten- und Blas-Instrumenten hangen, das Wich-\ntigste, die organische Stimme, ununtersucht lassend. Es\nwird sich bald eine passende Gelegenheit darbieten, auf\ndiesen Punkt näher einzugehen.\nSchleiden sagt weiter: „Es ist nicht leicht, bei der\nSchnelligkeit des Tempo's und geringen Geltung der Noten\ndie einzelnen, noch dazu in den höchsten Lagen sich bewe-\ngenden Töne der Vogelstimme musicalisch festzuhalten.\nNach den vorliegenden Untersuchungen scheint es, als ob\nder Gesang der meisten unserer Vögel der\nangehöre; wenigstens liegen alle mit Sicherheit unterschie-\ndenen Töne in dieser Scala. Bedenken wir, dass der Ge-\nsang der verschiedenartigsten Vögel durch einander uns\nim eingeschlossenen Räume zwar durch seinen Lärm unbe-\nquem werden kann, aber niemals unser Ohr mit den wi-\nderlichen Dissonanzen berührt, welche das Zusammenklin-\ngen verschiedener Musikstücke sonst nothwendig hervor-\nruft, so werden wir schon dadurch auf die Annahme, als\ndie unerlässliche Bedingung einer solchen Harmonie, ge-\nführt, dass die Gesänge aller dieser Vögel aus einer Ton-\nart erklingen müssen.\" (111— 112.) Der Schlussist nicht\nzwingend, ja, er möchte gänzlich abzuweisen sein. Denn\nunläugbar gibt es zwei einfachere Gründe, wesshalb uns"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.3", "texte": "das Vogel-Orchester nie durch Dissonanzen peinigt, wie die\ngegenwärtige Zukunfts-Musik. Einmal singt dieses Völkchen\nin der hohen Ton-Region, in welcher bekanntlich die Dis-\nsonanz viel weniger empfunden wird; und zweitens haben\nsie keinen Generalbass denn der alte Niedt scherzt nur,\nwenn er in seiner musicalischen Handtleitung (Hamb. 1 708)\nsagt, der grosse Brummer „agire hier den Bass\"—, keine\nMehrstimmigkeit, keine Harmonie und mithin platterdings\nauch keine feste Tonart, weder noch sonst eine.\nWir hoffen, das leuchtet dem Leser ein.\nTrotz der vielen poetischen Ergüsse über die Sänger\ndes Waldes hält Schleiden dafür, dass die meisten Men-\nschen mit blöden Sinnen diese unveränderliche Musik auf-\nnehmen. „Allerdings gibt es einzelne Liebhaber, welche\nsich dem Studium des Vogelgesanges mit grossem Ernste\nzugewandt und in die Beurtheilung desselben eine Gründ-\nlichkeit gebracht haben, die oft komisch wird. Vom alten\ngelehrten Kircher, der schon im Jahre 1650 in seiner\nMusurgia den Gesang der Nachtigall auf Noten setzte,\nbis auf den neueren Bechstein, welcher in demselben\n25 verschiedene Strophen unterschied, die er mit verschie-\ndenen, oft seltsamen Sylben bezeichnete (es beginnt: Tiuu\ntiuu tiuu tiuu, spe tiu zqua), hat es viele Leute gegeben,\nwelche diesem Studium oblagen, und in dem thüringischen\nDorfe Ruhla ist das Finkenhalten seit undenklichen Zeiten\nein gar ernsthaftes National-Steckenpferd.\" (113\nIn jeder Wissenschaft gibt es ungelöste Probleme;\nder wahrhaft wissenschaftliche Mann, sobald er in der Prü-\nfung seine Pflicht gelhan, ohne sie lösen zu können, bekennt\ndann offen: „Ich weiss es nicht und kann es zur Zeit nicht\nwissen.\" Ueberhaupt, sagt Schleiden, charakterisirt sich der\nechte Naturforscher durch die grösste, aber ihrer selbst\nwohlbewusste Unwissenheit, und ist stets der bescheidenste\nMensch von der Welt; und dann, davon auf die Musik die\nAnwendung machend, fährt er so fort: „Auch in der Lehre\nvon der Tonbildung gibt es noch manches nicht Ergrün-\ndete. Warum ist dasselbe eingestrichene c der Geige so un-\nendlich verschieden von dem der Flöte, und beide wiederum\nso anders, wie das des Horns? Wir wissen es nicht, können\naber allerdings auf ein bis jetzt noch unerforschtes Verhält-\nniss in der Natur der Schallwellen aufmerksam machen.\nWer je vom Strande aus die kommenden Wellen beobach-\ntete, wird bemerkt haben, dass die Welle gegen den Strand\nzu steiler abfällt, als gegen das Meer, dass der höchste\nPunkt der Welle nicht in der Milte des ganzen Wellen-\nberges liegt, oder mit anderen Worten: dass die verschie-\ndenen Höhen und Tiefen in der ganzen Welle nicht sym-\nmetrisch vertheilt sind. Was aber bei der Meereswelle\nWellenberg und Wellenthal, ist bei der Schallwelle Ver-\ndichtung und Verdünnung. Wir denken uns diese gewöhn-\nlich in der Schallwelle symmetrisch vertheilt; sie können\naber eben so gut nach unendlich verschiedenen Verhältnis-\nsen die Schallwelle unsymmetrisch gestalten und so den\neigenthümlichen Klang des einzelnen Tones bedingen.\nStellen wir diesen noch ein Verhältniss, welches sich bei\nden Naturlauten geltend macht, gegenüber. Unklare Schwär-\nmer pflegen sich zum Beweise des übernatürlichen Ursprungs\nder Naturtöne auch darauf zu berufen, dass sie alle Ent-\nsetzen erregend seien und die menschliche Brust mit herz-\nzerschneidendem Jammer erfüllten. Einestheils ist die Be-\nhauptungunwahr; denn sie trifft die bei Weitem wenigsten\nund zufällig gerade nur die noch nicht genügend bekann-\nten und in Fabeln eingehüllten Naturlaute. Anderentheils\nist sie gar nichts diesen Eigentümliches. Das Geschrei der\nEule drückt den trostlosesten Jammer aus, und ich habe\nvon Cavallerie-Officieren gehört, dass das auf dem Schlacht-\nfelde sterbende Pferd oft mit so furchtbarem Aufschrei\nende, dass die ältesten Veteranen im tiefsten Schauer er-\nzittern. Aber es bietet uns auch die Theorie des Tones\netwas dar, woraus wir die Möglichkeit ganz eigentümlicher\nEinwirkung auf unser Nerven-System bei vielen Naturtönen\nableiten können. Die Höhe des Tones hängt von der Zahl\nder Schwingungen in einer Secunde ab. Dem grossen A\nentsprechen 40, dem grossen H 45 Schwingungen; zwi-\nschen beiden liegt nur das reine und das reine Unser\nOhr unterscheidet aber selbst diese beiden Töne nicht ein-\nmal genau, oder ist doch nicht an diese feine Unterschei-\ndung gewohnt, geschweige denn, dass es alle die vier Töne,\ndie in der That noch zwischen A und H liegen, auffassen\nkönnte. Es ist aber leicht einzusehen, dass, wo diese nur\ndurch einzelne Schwingungen sich unterscheidenden Töne\nsämmtlich rein dargestellt werden, Intervalle, Accorde und\nTonfolgen zur Erscheinung kommen müssen, die für uns\netwas durchaus Fremdartiges haben, und die in unserem\nNerven-Svstem das Gefühl des Unmessbaren und daher\nauch Unbehaglichen hervorrufen müssen. Insbesondere ist\nes die durch die wirkliche Ausführung sämmtlicher mög-\nlicher Töne gebildete echte enharmonische Tonleiter, welche\nvielen Naturlauten etwas so durchaus Eigentümliches und\nAbweichendes verleiht. Ich erinnere hier nur an das Jau-\nlen ein bezeichnender hamburgischer (überhaupt nord-\ndeutscher) Provincialismus des März-Katers, oder\nan das eigentümliche Pfeifen des Sturmes auf der von\nder Esse gebildeten grossen Orgelpfeife. Der magische"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.4", "texte": "Einfiuss, den das Plätschern des Wasserfalles, das aus der\nTiefe in die höheren Töne aufsteigende Rauschen der sich\nüberschlagenden Wellen auf den empfindenden Menschen\nausübt, hat wahrscheinlich eine gleiche Ursache. Der Fall\nder Wassertropfen ist hier der Erzeuger der Schallwellen,\nbeim Wasserfall in unendlichem Wechsel bald schneller,\nbald langsamer, bei der Welle langsam beginnend, mit ste-\ntiger Beschleunigung, und daher immer höheren Tönen\nentsprechend.\" (126—128.)\nGewiss wird der Leser nach diesen Proben geneigt\ns'iin, uns in dem obigen Urtheile über Schleidens „ Studien\"\nbeizustimmen; wer sie, hiedurch angeregt, selbst zur Hand\nnimmt, der sei überzeugt, nicht bloss einer unterhaltenden\nLeclure, sondern auch einem klaren Geiste und einer in\nsolchem Maasse seltenen mannhaften Gesinnung zu begegnen.\n\nF. Ch.\n\nPariser Briefe.\n\nDas Thedtre lyrique hat den Freischütz wieder auf\ndie Bühne gebracht, d. h. den französischen Robin des Bois,\nmit dem Zusätze: Piece imitee de l'Allemand— eine Un-\nverschämtheit, über welche selbst die hiesigen Tagesblätter\neinstimmig herfahren. Das Meisterstück C. M. v. Weber\"s\nhat seine Geschichte in Paris gehabt. Die Herren Castil-\nBlaze und Sauvage machten die Oper zuerst im Jahre\n1824 für das Odeon zurecht; sie machte trotz der ver-\nkrüppelten Gestalt, dem Durcheinanderwerfen der Musik-\nstücke, der unverantwortlichen Verstümmelung des Finales\nu. s. w. durch die nicht zu ertödtende Macht der Musik\ndennoch ausserordentlichen Eindruck. Die\nnahm 1835 dasselbe Machwerk in ihr Repertoire auf.\nEndlich veranlasste im Jahre 1841 die königliche Oper\neine wirkliche Uebersetzung des Textes von Kind durch\nEmilien Pacini; Berlioz schrieb Recitative dazu, und so kam\nder Freischütz zum ersten Male vollständig auf eine pariser\nBühne. Vollständig? Es ist möglich, dass dieses bei den\nersten Aufführungen 1841 der Fall gewesen; nachher,\nund namentlich bei der Wiederaufnahme dieser Bearbeitung\nim vorigen Jahre, fanden ebenfalls abscheuliche Verstüm-\nmeluugen Statt, welche den bekannten Process des Herrn\nvon Tyskiewiez veranlassten. Berlioz wurde bekanntlich\nauch angegriffen; er rechtfertigte sich, und nach seiner Ver-\nteidigung scheint es, dass schon 1841 die Opern-Direc-\ntion eigenmächtig jene Verstümmelungen (namentlich des\nFinales) vorgenommen hatte.\nWas auf dem Thedtre lyrique jetzt seit dem 26. Ja\nnuar gegeben wird, ist fast ganz und gar der\nvon Castil-Blaze. Alle Namen der Personen der deutschen\nOper sind verändert, Ottokar und der Eremit ganz hinaus-\ngewiesen. Im ersten Acte lässt sich die Anordnung der\nMusikstücke noch ertragen; die Arie Caspar's: „Schweig!\"\nist in den dritten Act versetzt; das Terzett mit Chor: „O,\ndiese Sonne\", bildet das Finale, und die Handlung bleibt\nim Ganzen so ziemlich dieselbe, nur dass nicht Kilian, son-\ndern Samiel (Robin) den Vogel abschiesst und dann gross-\nmüthig eine Börse dem Dick (Kilian) zuwirft, worauf je-\ndoch nicht dieser, sondern Richard (d, i. Caspar) die\nCouplets mit dem Lachchor singt, indem er Dick als Stell-\nvertreter des Meisterschützen vorlührt. Der zweite Act\nhat das Duett und Aennchens (Nancy) Arie; dann ist ein\nDuett zwischen Tony (Max) und Anna (Agathe), wenn\nmir recht ist, aus der Euryanthe eingeschaltet. Nach dem\nTerzett in Es folgt die Scene in der Wolfsschlucht, welche\nin die Gebirge von Yorkshire nach England versetzt ist. Im\nHintergrunde die Ruinen eines alten Schlosses. Samiel er-\nscheint an der Stelle einer Bildsäule, welche der Blitz zer-\nschmettert, und überreicht dem Caspar ein feuerrothes Per-\ngament, welches Max unterzeichnen soll *). Max aber bleibt\ntugendhaft und zieht es vor, Reissaus zu nehmen, was dann\nVeranlassung zu dem Schluss-Tableau gibt, in welchem\nMax über Berg und Thal flieht, Caspar und ein Heer von\nGespenstern hinter ihm her, und Samiel auf einer Felsen-\nspitze diese neue wilde Jagd dirigirt.\nDer letzte Act hat die grässlichste Misshandlung er-\nfahren. Agathe beginnt mit der Cavatine. Aenncben plau-\ndert mit ihr; ihre grosse Arie\" bleibt mitsammt „Nero, dem\nKettenhund\" weg, aber die Brautjungfern erscheinen und\nsingen ihr Lied. Dies alles geht auf einem freien Platze im\nWalde vor der Försterwohnung vor. Sobald die Mächen\ndie Bühne verlassen haben, erscheint Caspar (Richard), legt\nseine Büchse und ein Pistol auf den Tisch, ftfan muss\nwissen, dass der pariser Freischütz nur drei Freikugeln\nstatt sieben gegossen hat. Caspar stellt einige gewissens-\nbissige Betrachtungen an; eine von den drei Kugeln hat er\nan Max gegeben wie, wenn er nicht käme um vor dem\nSchuss das Pergament zu unterzeichnen? Hier folgt die Arie\naus dem ersten Acte.— Endlich kommt Max. Er hat seine\nFreikugel zur Rettung von Agathens Vater, auf den ein\nEber eindrang, verschossen. Caspar hat, wie er sagt, die\n\n*) Es ist immer merkwürdig, dass dieser Castil-Blaze'sche Frei-\nschütz 1824 und Scribe's und Meyerbeer's Robert der Teufel\n1830 erschienen. Die Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.5", "texte": "beiden anderen in seine Büchse und in sein Pistol geladen.\nMax beschwört ihn um die Büchse. „Gut aber unter-\nschreibe die Schrift!\"— Max durchläuft sie, schaudert und\nbleibt fromm. Caspar drängt ihn da erscheint die rück-\nkehrende Jagd. Der Jägerchor wird gesungen. Alles geht\nab nach dem Schiessplatze, wo der Probeschuss um Agathe\nStatt finden soll. Max, der in Verzweiflung zurückgeblie-\nben, wird zuerst aufgerufen; er wagt nicht, dem Rufe zu\nfolgen. Caspar stürzt ab, man hört einen Schuss und ju-\nbelnden Zuruf. Der Brautzug tritt auf; Caspar lührt Anna.\nMax ergreift das Pistol, das Caspar hat auf dem Tische\nliegen lassen (!), und will sich erschiessen, aber Aennchen\nschlägt das Rohr von der Stirn weg, es geht los, Caspar\nwird getroffen, Agathe lällt in Ohnmacht. Hier beginnt, wie\nin der deutschen Oper, das Finale, gibt die ersten 60— 70\nTacte desselben nicht ohne Risse wieder und springt dann\nmir nichts, dir nichts auf den Schlusschor in C-dur. Alles\nDazwischenliegende hat der Teufel mit dem Caspar zugleich\ngeholt. Das ist der pariser Freischütz!\nDie Auffuhrung und auch die Ausstattung waren sehr\nmangelhaft. Ein paar hübsche Decorationen waren <la; der\nSpuk in der Wolfsschlucht marionettenartig. Marchot (Cas-\npar) hat schöne Stimmmittel, doch fehlt ihm die Höhe\ndas Trinklied muss er transponiren. Demoiselle Girard\n(Aennchen) war gar zu sehr französische Vaudeville-Sou-\nbrette. Mad. Deligne-Lauters, eine noch sehr junge\nSängerin, hat eine wundervoll mächtige und umfangreiche\nStimme, wie man sie selten, sehr selten findet. Aber welch\nein Gesang! Keine Spur von Kunst und Schule irgend einer\nArt, und von der Weber'schen Musik und deren Tiefe und\nZartheit keine Ahnung! Die \"\"grosse Scene in E-dur hat sie\ngeradezu gemisshanoelt. Aber das Publicum hat wüthend\ngeklatscht; die Kritik jedoch stellt das letztere sehr stark\ndarüber zur Rede. Die Composition schlug übrigens auch\njetzt weder durch, das Publicum war durchweg aufgeregt,\ndas Eüiett von Agathe und Aennchen und der Jägerchor\nwurden da capoverlangt.\nDen Gegensatz zu Weber's deutscher Romantik bilde-\nten Gli Arabi nelle Gdllie auf dem Theater der Italiäner\n(am 30. Januar). Dies ist eine alte Oper vom Jahre 1828,\nvom Maestro Giovanni Pacini, den kein Mensch ausser\nItalien kennt und den man express nach Paris verschrieben\nhatte, um hier in seinen alten Tagen noch einen neuen\nTriumph zu erleben. Pacini ist im letzten Jahrzehend des\nvorigen Jahrhunderts in Sicilien geboren, fing sehr früh an\nzu schreiben und gehört zu den fruchtbarsten Opern-Com-\nponisten Italiens. Bis 1824 hatte er bereits 25 Opern auf\ndie kleineren Theater gebracht, darunter auch eine „ Vesta-\nlin% auch eine Art Norma: „Die Priesterin des Irmensul\",\nu. s. w. Von 1824 an lieferte er auch Arbeiten lür Neapel,\nMailand, Turin, Venedig u. s. w. und wurde 1834 Capell-\nmeister des Herzogs von Lucca und Director des dortigen\nConservatoriums. Die Arabi waren seine sechste Oper in\nNeapel, und ihr sind etwa noch ein starkes halbes Dutzend\ngefolgt. Zu einem Componisten ersten Ranges hat er sich\naber auch selbst in Italien nicht erhoben; vollends über die\nAlpen hinüber hat sein Stern keine Strahlen gesandt. Wess-\nhalb hat man ihn am pariser Horizont heraufbeschworen?\nDas Buch der Oper ist so erbärmlich, dass selbst eine Preis-\nbewerbung um das schlechteste nichts Schlechteres liefern\nwürde. Die Musik hat auch nicht die leiseste Spur von\nUebereinstimmung mit dem Texte oder der Situation, es\nist fast durchweg trivial-melodische Leirerei.\nDie grosse Oper hat Halevy's Jüdin wieder aufge-\nnommen. Der alte Stamm des Publicums der Academie de\nMusique erinnerte sich, dass es gerade zwanzig Jahre her\nsei, dass die Jüdin zum ersten Male mit den Sternen Fal-\ncon und Nourrit aufgegangen. Die Falcon soll keine der\nspäteren Darstellerinnen erreicht haben; ob aber Nourrit\noder sein Nachfolger Duprez als Eleazar vollendeter gewe-\nsen sei, darüber wurde gestritten. Jetzt halten wir die\nCruvelli und Gueymard—von vollendeter Darstellung\nkonnte also nicht die Rede sein, darüber schienen alle Ver-\nständigen einig, sowohl die vergleichen konnten als die,\nwelche jene dramatischen Grössen nicht gesehen hatten. Die\nCruvelli ist immer dieselbe, das Erhabene streift an das\nGroteske, das Leidenschaftliche an das Maasslose. Gueymard\nsoll, wie man mir versichert, Duprez vortrefflich copirt ha-\nben ; er hatte allerdings schöne Momente, besonders da, wo\nmehr Ton und Stimme, als Vortrag und Kunst die Wir-\nkung erzielen konnten. Die übrigen Rollen waren matt; zu\neinem wahrhaft künstlerischen Ensemble kann die grosse\nOper noch nicht wieder kommen. Wo soll man das über-\nhaupt jetzt suchen?\nKommen wir zur Concert-Musik. Die Concerte\nder Gesellschaft des Conservatoire gehen ihren\nhergebrachten Gang fort; es kommt dort weniger auf das\nW a s, als auf das Wie an, und dieses, die Auslührung, ist\nimmerfort vortrefflich. Die Programme bleiben bunt, z. B.\nim ersten Concerte (am 14. Januar) neben Beethoven's Sin-\nfonie Nr. 7 in F (ausgezeichnet schön vorgetragen), einer\nSinfonie in Dvon Mozart, dem Halleluja von Händel\nein altes Madrigal, eine Arie von Berton, und eine Clarinett-\nPhantasie von Lerov! lm zweiten Beethoven's neunte"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.6", "texte": "Sinfonie (der Chor besser als sonst, aber zu schwach), Mo-\ntett von Bach und ein Adagio aus der vierten Sinfonie von\nHaydn, die Arie Voi che sapeteaus Figaro und zum Schluss\nRossini's Tell-Ouverture! lm dritten Ouvertüre und Scene\naus Iphigenie in Aulis von Gluck, Arie von Gretry, ein\nQuartettsatz von Haydn, von sämmtlichen Saiten-Instrumen-\nten des Orchesters ausgeführt, Elfenchor aus Oberon, das\nDuett aus der Zauberflöte, yl-rfwr-Sinfonie von Beelhoven.\nNeben dieser ersten Concert-Geselischaft, die etwa seit\ndreissig Jahren besteht und ihr unbestrittenes Verdienst hat,\nlür Paris durch die Einlührung der Compositionen der gros-\nsen deutschen Meister, für ganz Europa durch die gewis-\nsenhafte Treue und technische Vollendung der Ausführung,\nerhalten sich seit einigen Jahren die Gesellschaft der Sainte\nCecile und die Societe des jeunes\nDie erstere hat, nicht zu ihrem Vortheil, statt des Herrn\nSeghers jetzt Herrn Barberoux, übrigens auch einen tüch-\ntigen Musiker, wenn man bloss aufs Handwerk sieht, zum\nDirigenten; die zweite Herrn Pasdeloup. Ansprüche an\neigentlich künstlerische Bedeutung kann nur die erstere\nmachen.\nDas meiste Aufsehen in den Cäcilien-Concerten hat eine\nneue Sinfonie von einem jungen Componislen Georges\nMathias gemacht; sie wurde in dem Concerle, welches\nbloss neuen Compositionen gewidmet ist, zuerst aufgeführt\nund in einem späteren wiederholt. Sie gefällt mit Recht.\nDer Componist folgt den classischen Mustern und hält sich\ndurchaus fern von Berlioz'scher Phantastik, ohne jedoch\nnüchtern und trocken zu werden, wenngleich es mir scheint,\ndass die gewandte Behandlung der Form und das musica-\nlische Wissen in seinem Werke höher stehen, als die Er-\nfindung. Allein bei den jetzigen Zuständen der Musik und\nden Ausschweifungen der Himmelsstürmer oder Babels-\nthurmbauer halte ich dies unbedingt lür einen Vorzug, da\ndie Themen und besonders ihre Ausspinnung doch auch\nvon wirklichem Talent zeugen. Die Sinfonie hat vier Sätze,\ndie Haupt-Tonart ist D-dur.Das Thema des ersten Alle-\ngro ist bedeutend, es tritt frei und frisch auf und verschlingt\nsich sehr bald in artige Imitationen. Der zweite Theil nimmt\neinen sehr lebhaften Schritt, und der Schlussist feurig und\nglänzend. Ein Allegretto scherzando, G-moll, 74-Tact, ein\nsehr hübsches, sauberes, zierliches Stück, Mendelssohn's\nSachen in ähnlicher Gattung zu vergleichen, zeigt, wie\ndiese, den gebildeten und maasshallenden Musiker. Das\ndante in Es-dur con sordinihat eine sanfte, romanzenartige\nMelodie, welche sehr ansprach. Das Finale sprüht in ruhe-\nloser Bewegung gar helle Funken und ist dabei sehr gut\ngearbeitet. Kurz, die ganze Sinfonie ist ein erfreuliches Zei-\nchen des Fortschrittes dieser Kunstgattung in Frankreich;\nhier ist wenigstens das allein richtige Streben, die Instru-\nmental-Musik aus sich selbst und aus seibstständigen Moti-\nven zu entwickeln, unverkennbar, und der Abweg des\nRealismus ist glücklich gemieden.\n'V\nGeorges Mathias ist ausserdem ein tüchtiger Pianist,\naber auch als solcher war er nur seinen genaueren Freun-\nden bekannt. Er hat als echter Künstler lange im Stillen\ngearbeitet, ohne sich um Reclame und Connexionen zu\nkümmern. Nach dem Erfolge, den er mit der Sinfonie errun-\ngen, ist er auch mit einer Sonate lür Pianoforte und mit\neinem Trio lür dasselbe und Violine und Cello hervorge-\ntreten; ich habe diese Clavier-Composilionen nicht gehört,\nman sagt aber auch von ihnen nur Gutes.\nIn einem anderen Cäcilien-Concerte hörten wir von\nbedeutenderen Stücken Mendelssohn's „Meeresstille und\nglückliche Fahrt\" und Mozart's Es-dur-S'mhme; auch lern-\nten wir da einen Landsmann, Herrn Stock hausen, ken-\nnen, dessen schöner Bariton, gehoben durch treffliche Schule,\nAufsehen erregte. Im letzten Concerte Beethoven's Egmont-\nOuverture, Mozart's tr-moW-Sinfonie und Weber's Preciosa.\nDass aber die Cäcilie auch anfängt, wie das Conservatoire,\nsich ein bestimmtes Repertoire zu bilden (wie die vielen\nWiederholungen von Stücken, welche im vorigen Jahre\naufgeführt wurden, beweisen), können wir nicht billigen.\nDie Jeunes Arlistes haben kürzlich eine Sinfonie von\nCharles Gounod aufgeführt, von welcher man mit Ehren\nspricht. Ein Journal, welches die Freundschaft etwas weit\ntreibt, sagt sehr naiv: „Der Name des Componisten wird\nohne Zweifel einst neben Haydn, Mozart und Beethoven\nprangen, s'ilne s'arrele pas en (wenn er nicht un-\nterwegs stecken bleibt). Paris hat also jetzt in Gouvy,\nGounod und Mathias drei Componisten, welche die\nreine Sinfonie, nicht die Berlioz'sche Zwittergattung, culti-\nViren.\n\nB. P.\n\nDeutsche Tonhallc.\nAuf die Composition nachstehenden Gedichtes lür den Männer-\ngesang setzt der Verein, und zwar für diejenige dm Preis von\nzwölf Ducaten hiermit aus, welcher die zu wählenden Herren Preis-\nrichter diesen Preis (wobei ein Geschenk des Herrn Fr. Götz hier\nmit sieben Ducaten) zuerkennen.\nIndem wir geehrte deutsche Tondichter zur Preisbewerbung\neinladen, stellen wir denselben beliebig andere Eintheilung dieses\nzum Gebrauche für Männergesang-Vereine durchzucomponi-\nrenden Sanges, ohne Begleitung und ohne Schwierigkeiten der\nAusführung, anheiin und ersuchen, die Bewerbungen vor dem\nMonat August d. J. in Partitur der „Deutschen Tonhalle\" frei"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.7", "texte": "Hieher zuzusenden, versehen mit einem deutschen Spruche nebst\neinem versiegelten Zettel, in welchem Namen und Wohnort des\nVerfassers und aussen auf demselben, unter dem nämlichen Spruche,\nein Tondichter benannt ist, welchen der Einsender als Preisrichter\nwählt. Näheres in den Vereins-Satzungen.\nMannheim, im Lenzmonat 1855.\nDer Verein s- Vorstand.\nGott, Vaterland, Liebe.\nSolo. Blauer Himmel wölbt sich oben\nIn der Sonne Strahlenschein;\nLasst uns froh den Schöpfer loben,\nDer uns schuf, Ihm nah' zu sein.\nGott, den unser Geist erkannt,\nSchwöret zu mit Herz und Hand!\nChor. Gott u. s. w.\nHehr, wie Orgeltöne prächtig,\nDieser Schwur zum Himmel drang,\nIn der Sprache rein und mächtig,\nWelcher gleich noch keine klang.\nDeutsche Sprache, deutsches Land,\nUnsrer Seelen starkes Band!\nDa zu dir mit WTort und Wehre,\nVaterland, wir alle stejhn,\nSei uns heilig deine Ehre,\nSiegreich soll dein Banner wehn!\nWort und Leben dir zum Pfand,\nDir, 0 theures Vaterland!\nS'olo. Ehre ihm und allem Schönen,\nWas als schön dem Herzen gilt;\nDoch vor Allem lasst uns krönen\nDeutscher Frauenliebe Bild.\nSchmach dem Manne, der das Band\n' Edler Frauenhuld verkannt!\nChor. Schmach u. s. w.\nUnsre Herzen zu verklären,\nGlühn in Liebe Wort und That,\nLasst im Bruderbund uns schwören,\nStets zu schützen ihren Pfad!\nSchwört der Liebe Treubestand,\nEhre Gott und Vaterland!!\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHolst. Sonntag, den 25. März, in dem Concerte des Män-\nnergesang-Vereins zum Besten der Ueberschwemmten am\nNiederrheine, war der grosse Casinosaal so voll, wie wir ihn noch\nnie gesehen haben, so dass eine grosse Anzahl Menschen an der\nCasse zurückgewiesen werden musste, ein bei Concerten in der\nThat seltener Fall. Der Verein sang ein Dutzend seiner besten\nLieder, unter denen wir den trefflichen Vortrag von Mendels-\nsohns „Wasserfahrt\", Zöllners „Doppelständchen\" und der\nSilcher'sehen Volkslieder auszeichnen müssen. Zwischen den\nLiedern regten die ausserordentlichen Leistungen des eilfjährigen\nPianisten Arthur Napoleon, welcher seine Mitwirkung auf sehr\nfreundliche und uneigennützige Weise zugesagt hatte, das Publicum\nzu einer wahren Begeisterung lür das wunderbare Talent des lie-\nbenswürdigen Knaben auf. Uns fiel, ausser dem vollendeten Vor-\ntrage der Thalberg'schen Moses-Phantasie, noch besonders der wirk-\nliche Humor auf, mit welchem das Kind den Carneval von Vene-\ndig von J. Schulhoff vortrug, um so mehr, da an der Compo-\nsition dieses Dings natürlich nichts ist, was anziehen könnte.\nMorgen, Sonntag, den 1. April, werden wir durch die Auffüh-\nrung der grossen Missa solemnis in D-dur von Beethoven,\nwelche die Concert-Gesellschaft unter Hill er' s Leitung im grossen\nCasinosaale veranstaltet, einen herrlichen Gentiss haben.\nKöln. Die leipziger Neue Zeitschrift lür Musik lässt\nsich von hier schreiben, dass Wagner's Lohengri 11 hier einen\nungeheuren Enthusiasmus erregt und übervolle Häuser gemacht\nhabe. Hier ist der Auszug aus dem Theater-Journal, zur Würdi-\ngung von dergleichen Correspondenzen.\nVorstellungen von Lohengrin und Tannhäuser\nin der Theater-Saison 1851—55.\n1855.\nJanuar 11. Lohengrin Th1r.245„12„ 6 (zum ersten Male.)\n14. Lohengrin „ 400,,—\n16. Lohengrin „ 161,, 2„ 6\n19. Lohengrin „ 135„15„\n21. Lohengrin „ 268„17„ 6\n26. Lohengrin „ 112„17„ 6\nFebruar 6. Lohengrin „ 115,,10,,—\n8. Tannhäuser „ 67„27„ 6 (zum I.Male in dieser Saison.)\n11. Tannhäuser „ 179„17„ 6\n16. Lohengrin „ 68„ 2„ 6\n18. Tannhäuser „ 225„27„ 6\n22. Lohengrin „ 207,, 15.,—\n26. Tannhäuser „ 61„ 4„—\nDa nun das hiesige Haus, wenn es vollständig besetzt ist, 550 bis\n580 Thlr. einträgt, so sieht man, dass die Oper Lohengrin nur Ein\nMal (am 14. Jan.) eine gute, dagegen drei Mal nur eine halbe, fünf\nMal nur eine Viertels-Einnahme und darunter gemacht hat. Nach\nBerechnung der Tageskosten an Gage, Hausmiethe, Orchester u. s.\nw. und der Anschaffungs- und Ausstaltungskosten bleibt von den\ncirca 1720 Thlrn. der neun Vorstellungen nur ein sehr geringer\nNutzen lür die Direction, ja, nach Aussage derselben sogar ein\nDeficit. Die Einnahme-Ziffern vom Tannhäuser bedürfen\nkeiner Erläuterung.\nArthur Napoleon hat am Donnerstag den 29. März in\nBonn Concert gegeben und, wie überall, bei Kennern und Laien\nEnthusiasmus erregt. In demselben Concerte trug Fräül. Herrn ine\nMann, Schülerin des Herrn E. Koch und der Rheinischen Mu-\nsikschule in Köln, zwei Arien von Mozart (aus Figaro's Hochzeit,\nin F- und C-dur) und einige Lieder von Lindblad mit schöner\nStimme und vielem Ausdruck vor, so dass sie nach jedem Stücke\nlebhaften Beifall ärntete.\nMan schreibt uns aus Lüdenseheid allerlei Rühmliches über\nein Concert, welches Herr Eduard Hetz aus Grefeld, Pianist, zu\neinem wohlthätigen Zwecke im erstgenannten Orte veranstaltet hat.\nHerr Hetz wird Schüler von AI. Schmidt, Rungenhagen und Bach\n(in Berlin) und von Liszt genannt. Er phantasirte unter Anderem\nüber neun aufgegebene Themata, welche er zugleich verarbeitete.\nDer Schluss des Berichtes lautet wörtlich: „Zum Schluss brachte\nHerr Hetz seine Phantasie „Bataille de Waterlooin welcher der\nUngestüm der andringenden französischen Garden, die heldenmü-\nthige Standhaftigkeit der Engländer, die endliche Entscheidung\ndurch Preussens Hülfe mittels geschickter Benutzung der National-\nMelodieen malerisch dargestellt wurde. Eine solche Schlacht-Dar-\nstellung erfordert aber Instrumente, die kräftig genug sind, Wider-\nstand zu leisten, damit sie am Schlüsse nicht mit Trümmern von\nzerbrochenen Hämmern, mit zerrissenen Saiten und klappernden"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550331-01.1.8", "texte": "Tasten übersäet sind, wie das Schlachtfeld mit Trümmern von Wa-\ngen, Laffetten und Soldaten, deren Herz im Tode brach.4' (ü)\nIn Breslau führte man in einem Extra-Concerte der Theater-\nCapelle Beethoven's neunte Sinfonie auf mit Hinweglassung des\nletzten Satzes. Herr Musik-Director Hesse dirigirte. Fräul. Wil-\nhelmine Neruda trug in demselben Concerte das Violin-Con-\ncert von Mendelssohn vor und nach der Sinfonie die Othello-Phan-\ntasie von Ernst.\nHerr Concertmeister Joachim in Hannover hat auf seinen\nWunsch einen längeren Urlaub, man sagt von 21/2 Jahr, erhalten;\ner wird jedoch während dieses Zeitraumes auf den Wunsch des\nKönigs sein Gehalt fortbeziehen und zur Concert-Saison einige Mo-\nnate in Hannover anwesend sein. Herr Hoftheater-Director von\nPerglass hat seine Entlassung nachgesucht und erhalten.\nIn Karlsruhe ist Wagner's Tannhäuser gegeben worden\n(zunächst drei Mal).\nFräul. Agnes Bury gibt gegenwärtig in Leipzig Gastrollen.\nIn Hamburg werden Ende März die letzten Vorstellungen des\ndortigen Stadttheaters sein; die Bühne wird dann einige Monate\ngeschlossen werden und die Gesellschaft, deren Contracte gelös't\nsind, sich zerstreuen. Unter welchen Verhältnissen und Bedingun-\ngen die neue Unternehmung der Theaterleitung abgeschlossen und\nwer sie erhalten wird, ist bis jetzt noch nicht bestimmt.\nNach den „Hamburger Nachrichten\" (Rob. Heller) hat in Ham-\nburg ein Herr Humbser, ein mit gewerblichem Berufe dort ein-\ngebürgerter Baier, als Gomez in „Nachtlager\" ein über-\naus gelungenes dramatisches Debüt gemacht. Er feierte in dieser\nNebenrolle einen ganz ungewöhnlichen Triumph.\nDie deutsche Oper des Herrn Röder setzt ihre Vorstellun-\ngen in Antwerpen und in Gent fort. Ein neues belgisches\nBlatt: „Le Guide musical\", schreibt U.A.: „Wir haben am 13. eine\nschauerliche {formidable) Oper von R. Wagner gehabt; Tannhäu-\nser, oder der Sängerkrieg auf der Wartburg, ist ihr sonderbarer\nTitel. Trotz der zahllosen Schwierigkeiten der Partitur hat sich un-\nser Orchester (unter der Direction des Gapellmeisters der deutschen\nOper, Herrn Laud ie n) ehrenvoll aus der Affaire gezogen. Un-\nglücklicher Weise ist das Sujet des Werkes so unbedeutend, wir\nkönnten selbst sagen: so langweilig, dass nur der Reiz der Musik\ndie Zuschauer fesseln kann. Die Gesang-Partie liess zu wünschen\nübrig, mit Ausnahme von Herrn Becker und Fräul. Günther.\nIn der Wiederholung am 16. März war das Ensemble besser.\"\nEs bleibt immer ein Verdienst des Herrn Röder, dass er Wagners\nOpern zuerst im Auslande bekannt macht. Aus dem Verfolg des\nBerichtes ersehen wir, dass Don Juan, Flotow's Martha und\nC. Kreutzer's Nachtlager in Granada am meisten gefallen haben.\nIn Gent waren ebenfalls Don Juan und Martha die beiden ersten\nVorstellungen.\nBei der Bewerbung um den grossen Compositions-Preis in Brüs-\nsel wird, wie in Paris, gewöhnlich der Text einer Cantate zu\nGrunde gelegt. Auch für diesen wird ein Concurs eröffnet. Für\ndieses Jahr sind dazu 65 Gedichte eingesandt worden; unter ihnen\nhaben sieben und fünf je einen und denselben Verfasserl\nThalberg hat am 13. Februar in Neapel öffentlich gespielt\nund Alles entzückt. Er wird nächstens auf einige Zeit nach Wien\nund dann auf vier Monate nach Brasilien gehen."}]}