{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-04-14-01", "volume": "bmtnabi_1855-04-14_01", "ocr_sha256": "8b31907aff64b57e2b95d6db6d908681d61d83f8a9cc38192f67f5410d6415b4", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/04/14_01/bmtnabi_1855-04-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-04-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-04-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "115", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.2.1", "titre_corps": "Nachruf an Franz Hartmann.", "titre_sommaire": "Nachruf an Franz Hartmann.", "signature_source": "L. Bischoff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4028, "texte": "Nachruf an Franz Hartmann.\n\nDie Muse der Tonkunst steht in Trauer an dem Grabe\neines ihrer edelsten Söhne, den sie sich erzogen hatte zum\ngetreuen Dolmetscher ihrer Gedanken. „Seht,* sagt sie zu\nihren Schwestern, „wie anders mein Loos ist, als das eu-\nrige! Was ihr schafft durch des Menschen Geist, die Werke\nder Poesie, der Malerei, der Sculptur, der Baukunst treten\nalle in die Erscheinung, so wie sie vollendet sind; ihr stellt\nsie hin, und sie leben, und die Menschen empfinden auf der\nStelle die Macht der stummen Beredsamkeit der Lettern,\nder Farbe, des Marmors. Was meine Günstlinge in Liebe\nund Begeisterung für mich schaffen, es liegt verschlossen\nunter sieben Siegeln. Und wenn sie auch gelös't werden,\nwenn es aufgeschlagen da liegt vor aller Welt, das Buch,\ndas die herrlichsten Wunder birgt: sie bleiben todt für die\nWelt, denn noch hält sie ein Zauber gebannt. Meine Spra-\nche kennen die Menschen wohl, Gott hat ihnen ihr Ver-\nständniss ins Herz gelegt; aber meine Schrift ist ihnen\nein Räthsel, sie bleibt ihnen ewig stumm. Ewig? o nein!\nnur so lange, bis ich den zweiten Genius wecke, den ver-\nwandten Geist, der die Zeichen lebendig macht, wunderbare\nGestalten aus ihnen herauf beschwört und ihnen Seele gibt.\nAber die Seele ist der Ton, sein Leben ein schwingender\nLufthauch: die Memnonssäule ist stumm, bis der Strahl der\nMorgensonne sie kiisst.a\nSo trauern wir alle, denn es ist einer dahingeschieden,\nwelcher die Zauberformeln kannte, die den Gebilden der\n\\ 7\nschaffenden Meister im Reiche der Tonkunst sinnliche Ge-\nstalt und athmende Seele geben, ein Künstler, dem die\nseltene Gabe verliehen war, aus den Kunstwerken heraus\ndem innersten Gedanken ihrer Schöpfer mit so sicherem\nVerständnisse und so tiefem Gefühle Leben zu verleihen,\nals hätte er ihre Phantasie in ihrer geheimen Werkstatt\nbelauscht.\nFranz Hartmann war am 29. Juli 1809 zuEhren-\nbreitstein geboren. Sein Vater war Musiker, entdeckte sehr\nbald die bedeutenden musicalischen Anlagen des Knaben\nund machte es möglich, ihn schon in seinem zwölften Jahre\nnach Rassel zu Spohr zu schicken. Da Spohr nur Schüler\nanzunehmen pflegte, welche bereits eine bedeutende Stufe\nder Ausbildung auf der Violine erreicht hatten, so ist schon\nder Umstand, dass der Meister sich des jungen Franz mit\nganz besonderem Wohlwollen annahm, ein sicherer Beweis,\ndass dieser schon als Knabe Ausserordentliches auf seinem\nInstrumente leistete. Er verdankte dem berühmten Lehrer\ndie künstlerische Entwicklung seines Talents und hing bis\nzu seinen letzten Lebenstagen mit einer Dankbarkeit und\nPietät an ihm, welche seinem Herzen die grösste Ehre macht.\nSo war es ihm z. B. eine wahre Freude, wenn er öffentlich\nim Concert und namentlich eine Compositum von Spohr ge-\nspielt hatte und das verdiente Lob seines Spiels in der\nMusik-Zeitung las, das Blatt auf der Stelle an Spohr zu\nschicken.\nNach Vollendung der Künstler-Lehrzeit unter einem\nMeister, dessen Schule ewig die wahre Grundlage des ge-\ndiegenen Violinspiels bleiben wird, spielte er am Vorabend\nseiner Abreise von Kassel noch das neueste Quartett seines\nLehrers. Spohr war mehr als zufrieden, er war innig be-\nwegt. Am anderen Morgen, als Franz kam, Abschied von\nihm zu nehmen, sagte er: „Du musst nun in die Welt;\ndas geht aber nicht so leicht. Desshalb habe ich für dich\ngespart und das Honorar, das du mir für den Unterricht\nseit zwei Jahren gezahlt, für dich zurückgelegt. Da nimm\nund mache mir ferner Ehre und Freude.\" —Und nicht nur\ndie Summe des Honorars war es, was er ihm zum Antritt\nder Reise gab: er hatte noch zugelegt. Oft hat der Dahin-\ngeschiedene seinen Freunden diesen edeln Zug seines Leh-\nrers mit Thränen der Rührung erzählt möge dieser uns\nnicht zürnen, dass wir dem Drange nicht widerstehen\nkonnten, davon zu reden.\nNun ging Hartmann auf Reisen und hielt sich unter\nAnderem eine Zeit lang in Hamburg auf. Von da kam er\nnach Frankfurt am Main, wo Guhr sein Talent zu würdi-\ngen wusste und ihm, wiewohl er noch sehr jung war, eine\nAnstellung im Orchester verschaffte. Schon damals spielte"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5143, "texte": "Hartmann ganz ausgezeichnet vom Blatt, und erregte dadurch\nnamentlich eines Tages Aufsehen, als er die erste Violin-\nstimme einer mehrstimmigen Composition von Paganini,\nan deren Ausführung sich der damalige Concertmeister des\nfrankfurter Orchesters nicht wagte, in Paganini's Gegenwart\nohne Furcht und auch ohne Tadel spielte und von die-\nsem mit lebhafter Umarmung belohnt wurde.\nDie militärische Dienstzeit kam für ihn heran; er musste\nseine Stelle aufgeben und trat bei einem der in Coblenz\nstehenden Infanterie-Regimenter ein, jedoch nicht unter die\nbewaffnete Macht, sondern unter das Musik-Corps als\nClarinettist. Mit dem Regimente kam er um das Jahr 1834\nhieher nach Köln. Es konnte nicht fehlen, dass sein hervor-\nragendes Talent sowohl im Regimente, als in den musica-\nlischen Kreisen der Stadt bemerkt wurde; eine allgemeine\nTheilnahme für ihn war die Folge, und als Se. Majestät der\nKönig als Kronprinz in Coblfenz war, liess der commandi-\nrende General von Borstel unseren Hartmann nach Coblenz\nkommen. Er hatte die hohe Ehre, vor dem Kronprinzen\nzu spielen, und die erfreuliche Folge war, dass er aus dem\nRegimente entlassen wurde, um sich der Kunst, seinem\nangebornen Berufe gemäss, ferner zu widmen.\nHartmann kehrte nach Köln zurück und nahm die Stelle\nals Chor-Director an der Oper und als Violinist im Or-\nchester an. Sehr bald wurde er Vorspieler, später Concert-\nmeister, und in dieser Stellung hat er eine lange und doch\nleider viel zu kurze Zeit auf ausgezeichnete Weise gewirkt,\nda ihn, den kerngesunden, lebenskräftigen Mann, der Tod\nin dem besten Mannesalter, in seinem 46. Lebensjahre, da-\nhin gerafft hat.\nAls Künstler hat sich Hartmann allerdings einen gros-\nsen Ruf erworben, allein dennoch stand er an künstlerischer\nBedeutung weit höher als sein Ruf, worüber bei allen, die\nihn gekannt haben und langjährige Zeugen seiner Leistun-\ngen gewesen sind, nur Eine Stimme herrscht. Er war zu-\nvörderst ein Concertmeister, d. h. ein Anführer des Orche-\nsters, wie es gewiss nur wenige gibt und gegeben hat. Er\nwar die wahre Seele des Orchesters, und alle Eigenschaf-\nten, welche ein Führer desselben haben muss, musicalische\nKenntnisse, schnelle Uebersicht, ein feines Ohr, Gedächt-\nniss, Ruhe und Feuer, Jedes an seinem Ort, Geistesgegen-\nwart und Besonnenheit, unfehlbare Sicherheit und markige\nFülle des Tones bis zu einer das Ganze beherrschenden\nKraft desselben Alles war in ihm vereinigt. Auf ihn\nkonnte jeder Dirigent wie auf einen unerschütterlichen\nGrundpfeiler bauen, und war einmal zufällig ein Dirigent\nkein besonders geschickter Baumeister, so schützte dieser\nPfeiler auch trotz ihm den Bau vor dem Einsturz.\nWas Hartmann in dieser Hinsicht nicht nur in den\nConcerten und in der Oper in Köln geleistet hat, sondern\nbei allen grossen Musik-Auflührungen in Rheinland und\nWestfalen und namentlich bei den niederrheinischen Musik-\nfesten, das lebt sicher überall in frischem Andenken, und\ndieses Andenken wird, wie wir zuversichtlich hoffen, Frucht\ntragen für seine Hinterlassenen. !•\nAls Solospieler stand er auf einer sehr hohen Stufe,\nund zum Theil äussere Verhältnisse und die Anhänglichkeit\nan Köln, grösstentheils aber seine Bescheidenheit, die vor\njedem Schritte, sich selbst geltend zu machen, eine wahre\nScheu hatte, sind allein schuld gewesen, dass er sich nicht\nentschloss, Kunstreisen zu unternehmen. Freilich, ein Vir-\ntuose war Hartmann nicht, er war ein Künstler; er ahmte\n\\\nseinem grossen Lehrer nach. Wie dieser spielte er mit brei-\ntem Strich auf dicken Saiten, und mit dem edeln Anstände\nverband er den Adel des Tones, der in unwandelbarer Rein-\nheit stets voll und sich selbst gleich jede unmännliche Sen-\ntimentalität verschmähte, aber in der Wahrheit des Ge-\nfühls und in dem Seelenhaften seines Klanges einen Zauber\nauf die Zuhörer übte, wie ihn nur derjenige zu üben ver-\nmag, dem die Töne, die ein Genius geweiht, im eigenen\nHerzen wiederklingen. So war denn recht eigentlich die\nclassische Musik sein Element, und der vertraute Verkehr\nmit Haydn, Mozart, Beethoven, Spohr und Mendelssohn\nbewahrte ihn vor jedem Gelüste, sich in den Salon zu be-\ngeben, wo um die Gunst des Tages gebuhlt wird.\nEine solche künstlerische Natur, wie Hartmann war,\nmusste natürlich in der vollkommensten Form der Instru-\nmental-Musik, im Violin-Quartett, ihre höchste Befrie-\ndigung finden. So war es denn auch diese Kunstgattung,\nan welcher er mit ganz besonderer Liebe hing. Er gründete\ndas kölner Quartett, und die lange Reihe von den\nedelsten Kunstgenüssen, welche wir diesem Vereine ver-\ndanken, und der wohlverdiente Ruhm, den er in der musi-\ncalischen Welt erlangt hat, ist grösstentheils Hartmann's\nWerk. Als Quartettspieler war er den besten Zeitgenossen\nebenbürtig, übertroffen wurde er von keinem derselben; ja,\nmanche von ihnen, und zwar sehr berühmte, reichen in\nHinsicht auf Auffassung und Resignation auf die eigene Vir-\ntuosität keineswegs an ihn hinan, Und mit welcher unzer-\nstörbaren Liebe und Ausdauer trieb er das Quartettspiel!\nWie oft sind wir Zeugen gewesen, dass er, nachdem er\ndes Tages Last und Hitze getragen, am Vormittag eine\nTheater-Probe gehabt, am frühen Morgen und am Nach-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1838, "texte": "mittag Unterricht gegeben, am Abend von sechs bis zehn\nUhr einen Robert der Teufel oder eine ähnliche Oper ge-\nspielt hatte, dass er nach all diesem in einem vertrauten\nFreundeskreise erschien und noch zwei, drei Quartette\noder Quintette mit einer Frische und einem Leben vortrug,\nals ginge es nun erst, nach der Last, an die Freude der\nMusik!\nWer ihn gekannt, dem brauchen wir es nicht zu sa-\ngen, und wer die wenigen Zeilen, die wir hier seinem An-\ndenken geweiht haben, mit Aufmerksamkeit gelesen, der\nwird nicht fragen, was Hartmann als Mensch gewesen. Ein\nsolcher Künstler konnte nur ein guter, edler, gemüthlicher,\nberufstreuer Mensch sein. Aber etwas müssen wir noch\nhervorheben, weil es eines der schönsten Lichter auf seinen\nCharakter wirft, und weil es—gerade heraus gesagt—bei\nKünstlern selten ist. Das ist die Bescheidenheit, welche es\nihm unmöglich machte, sein Ich auf Kosten Anderer in den\nVordergrund zu stellen, und die wahre Kunstliebe, die jede\nSpur von Eifersucht und jede auch nur leiseste Anwand-\nlung von Neid von seiner Seele fern hielt. Wer ihn gesehen\nhat, wie er, als er Joachim zum ersten Male das Concert\nvon Beethoven spielen hörte, an seinem Pulte das Auge\nnicht von der Orchesterstimme wandte, aber die hellen Thrä-\nnen aus diesem Auge fielen, der wird uns verstehen.\nAm 6. April um halb acht Uhr Morgens war er todt;\nein zahlreicher Zug geleitete den Sarg zum Friedhofe, der\nMännergesang-Verein sang an seinem Grabe, die Freunde\nstanden still in Thränen darum her.\nSo haben sie dich auch hinausgetragen,\nZum letzten Buheplatz den stillen Gast;\nDu wirst es Keinem mehr auf Erden sagen,\nWas du auf Erden überwunden hast.\nDort wird das Ideal dir endlich tagen,\nv Das hier dein Geist mit heil'gcr Lieb' umfasst!\nDein wahres Leben lebtest du in Tonen:\nDein Lohn erblüht im Reich des ewig Schönen!\n\nL. Bischoff."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-04-14-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-04-14_01#c002", "volume": "bmtnabi_1855-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "117", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.2.2", "titre_corps": "Sonderliche Gedanken über die letzten Zeiten.", "titre_sommaire": "Sonderliche Gedanken über die letzten Zeiten.", "signature_source": "Ed. Krüger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.3", "debut_caractere": 1840, "fin_caractere_exclue": 4824, "texte": "Sonderliche Gedanken über die letzten Zeiten.\nVon Dr. Ed. Krüger.\n(Schluss. S. Nr. 14.)\nDer Hochmuth, der ohne Gott sein will, wie Gott,\ndie Quelle aller Sünde dieser Welt, ist es auch, der Liebe\nohne Leiblichkeit, Kunst ohne Sinnlichkeit, Technik ohne\nGaben, Wissen ohne Glauben erfunden hat. Auf derselben\nBahn liegt auch die Ausgeburt des trockenen Verstandes-\nEnthusiasmus für den Fortschritt, den leeren Fort-\nschritt an sich, den Progressus in infinitum, den die gereifte\nPhilosophie bereits gerichtet hat. Zumal den so genannten!\nDenn wenn ich statt 12 Blasinstrumente deren 36 ver-\nwende, so ist der Fortschritt nicht geistreicher, als wenn\nich drei Flaschen Wein statt Einer trinke. Aber auch der\nwirkliche Fortschritt, d. h. die vernünftige Entwicklung des\nVorhandenen, ist nicht ziellos, nicht endlose, im Blinden\nsuchende Bewegung, sondern er ist eine Bewegung nach\nder Wahrheit hin, eine Herstellung des Ursprungs, ein\nWiederfinden der ersten Gestalt, die Gott selber gegeben*).\nUnd jedes neue Princip bewährt sich nur, indem es die\nneue Enthüllung eines Alten, Ewigen bringt. Wir sehen es\nan dem Fortschritt unserer Philosophie und Kunst: Auto-\nrität, Orthodoxie, Freiheit, Subjectivität, Objectivität\neben so byzantinische, römische, deutsche Kunst—dessglei-\nchen heilige und weltliche, declamatorische und melodische,\nSonderkunst und Allkunst—alle diese Fortschritte haben\nnur Sinn, in so fern die späteren Standpunkte alle früheren\nliebevoll umfassen und der einen längst vorhandenen Ur-\nwahrheit näher kommen.\nAuf diesem „Liebevoll-Umfassen\" beruht es\nallein, ob sich ein Standpunkt bewährt. Die moderne Philo-\nsophie hat mit Recht den Satz aus der Naturkunde entlehnt,\ndass der höhere Organismus den niederen umfasse und\nwiederum auf ein Höchstes, das Ur-Ideal, hindeute. So\nist der Mensch ein Natur-Gebilde, das die niederen Orga-\nnismen Mineral, Pflanze und Thier in sich fasst, auf\norganische Weise vereint und neugestaltet, nicht aber\nmechanisch verbunden, wie das Sammelsurium der As-\nsociations-Ailkunst, welche die niederen Organismen nur\nzerbröckelt, um aus zerquetschten Steinen, Bäumen, Kröten\nund anderem Ungethier den vermeintlich idealeren Orga-\nnismus zu gestalten.—Nichts besser als jene ist die Wag-\nner'sehe, den Neu-Franzosen entlehnte Theorie, das Volk\nnur als Complex von Individuen anzusehen, den In-\nbegriff der Noth-Menschen, statt die Menschheit in dem\nköniglichen Bilde der Persönlichkeit, der Person und\ndes Selbstbewusstseins, anzuschauen. Hier scheidet sich\nheidnische und christliche, oder rationalistische und tiefsin-\nnige Betrachtung so deutlich, dass die Parteien eben hier\n\n*) So ist u. A. die seit Händel und Bach allmählich überwie-\ngende Geltung des Dur über das Moll eine Rückkehr zur\nersten Natur, nicht, wie Chrysander in seinem sonst le-\nsenswerthen und geistvollen Buche behauptet, eine Ueberwäl-\ntigung der Vocalität von der Instrumentalität. [Vergl. Nieder-\nrheinische Musik-Zeitung, I. Jahrg., Nr. 27, v. 31. Dec. 1853.]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5049, "texte": "den Kampf auf Leben und Tod beginnen mögen, wenn es\nehrlich zu thun ist um Wahrheit und Gestalt, nicht um\nBanditenwitz und Schülerspott. Wie die bewusste Per-\nsönlichkeit das Ebenbild des Schöpfergeistes selber ist,\ndas hat von neueren Weltweisen am besten der jüngere\nFichte entwickelt. Zwar ist auch diese Wahrheit schon alt,\nda sie zuerst sichtbar ward an dem, der den Juden Aerger-\nniss und den Griechen Thorheit war (1. Kor. I. 23.).\nNur die Persönlichkeit hat Wahrheit und Schönheit;\nnur die Person kann Demuth und Sehnsucht empfinden—\nDer Sehnsucht rauscht der Schönheit Quelle,\nDer Demuth scheint die Wahrheit helle.\nUnpersönlich, d. h. ungöttlich und unwahr, ist alles Streben\nins Allgemeine, das nicht wirklich wird, alle Tendenz-Ver-\nschwörung des blinden Köhlerglaubens lür ein allgemeines\nGut, das nirgend existirt, weil es nicht im Herzen wieder-\ngeboren ist. Solche Verschwörungen, die viel blinderen\nGlauben fordern, als sie am Christenthume verspotten, sind\naber freilich nicht erst von den Gebrüdern Leipziger u.\nComp, erfunden. Bereits 1830 kamen uns in Berlin Symp-\ntome dieser Zeitkrankheit vor, und die hatten es wieder\nvon den pariser Clubs seit 1789 erlernt, diese wiederum\neine mangelhafte Uebersetzung geleistet aus den hundert\nJahre älteren Tory- und Whig-Kämpfen, und auch diese\ndurften sich kaum der Originalität rühmen gegenüber der\nältesten Erfahrung: Genesis XI. 4.— 8.\nAufrichtige Geschichtforschuug gibt wahre\nLebensgestalten und lehrt wahre von falschen scheiden\ndurch Mitwirkung aufrichtiger Logik; beide ruhen\nauf den Strömungen des göttlichen Geistes, der allein rich-\ntige, allgemein gültige Theorieen erschaffen kann. Wer nun,\nallen Zeugnissen der Historie zuwider, die Verbindung\nvon Geige und Ciavier unverträglich findet, während\ner die weit fremdere von Gesang und Ciavier gestattet (s.\nMarx' Comp.-Lehre, Th. 4, S. 428 und 472 der Ausg.\nvon 1847) oder wer die Harmonie und das Accord-\nwesen lediglich betrachtet als die hohle Köhre, den Raum,\nworin dieMelodieen zufällig zusammengegossen sind—oder\nwer die Freude an Eccard, Händel und Mozart einen\nveralteten Standpunkt nennt, dennoch aber an traditioneller\nVerehrung S. Bach's festzuhalten behauptet der be-\nweist mit solchen Sätzen, welcher Art seine Logik ist. Und\nwer Liszt darum lobt, weil er dem Neuzeitlichen Raum\ngebe, einerlei, ob Bibel oder Babel, Berlioz oder Ben David,\nder Sandreiter aus der Wüste, Schumann, Gade, Schubert\noder Meyerbeer, Wagner, Brahms nun, der beweis't al-\n%\nlerdings, was er von Geschichte hält und wie weit „Alt\nund Neu\" ihm eine Wahrheit ist.\nNach so viel Klagen und Anklagen kein Wort des\nFriedens? Gewiss! Es ist Gutes in derZeit vorhanden, und\nzwischen den Thoren finden sich Weise, denen die Kunst\nheilig ist, wie sie es den Vätern war. Nicht die kirchliche\nallein alle Weltlust ist geheiligt, wo reine Herzen sich\nreiner Schönheit freuen. Welche erneute Lust am Volks-\nliede erfrischt unsere durstige Zeit! Wie gewandt arbei-\nten die zierlichen Talente im Kleinen, wo Grosses versagt\nist! Sollten wir diese Talente in Cameen- und GeÄmen-\nSchnitzerei minder hoch halten, weil ihnen nicht gegeben\nist, einen phidianischenZeus zu gestalten? Oder sollen wir\nvon jeder Zeit Alles verlangen, gleich den kritischen Pro-\npheten, die da Register aufstellen von Büchern, welche an-\nnoch zu schreiben seien? Solche Thorheit, Kunstwerke\nprophetisch zu postuliren, statt vorhandene zu vernehmen\noder neue zu schaffen, ist von ziemlich neuem Datum; sie\nzieht sich durchs vorige bis in dieses Jahrhundert, und\nMattheson, Gottsched, Klopstock, F. L. Jahn u. A. sind\ndavon Zeugniss, dass kritische Propheten niemals Erfül-\nlung finden. Bescheidener sind Aristoteles und Boileau, die\nwenigstens nicht darum, weil sie mit ihm aus Einem Glase\ngetrunken, den „Mann der Gegenwart\" präconisiren, son-\ndern den Vätern Ehre geben und die Schranken der Zeit-\nbegabung anerkennen.\nWir meinen ja nicht, dass die Zeiten und Gaben mit\nMauern geschieden sind. Wenn daher in dieser Zeit, die\nim Kritischen und Historischen, in Arbeit und Mechanik\nwahrhaft gross ist, dennoch ein echter Dichter, ein Künst-\nler mit dem Feuerzeichen an der Stirn erscheint: ich hoffe,\nwir würden ihn wohl erkennen und lieben; einen solchen,\nder die Herzen mit neuem Regen und Beben bewegte, des-\nsen Lippe heilige und milde Lieder strömte, dessen Werke\nzündeten mit anderem Strahl als mechanischem Gaslicht.\nUnd auch heute sind wir ja nicht ledig der schöpferischen\nGeister, nur dass sie es nicht in den alten Bahnen sind.\nLindblad's Lieder haben tiefen, holdseligen Volkston,\nHiller's und G. Schmidt's Opern sind voll melodischen\nTongehalts; Gade's und Schumann's frühere Werke\n(Gade bis zur zweiten Sinfonie, Schumann bis zur Peri)\nbringen Gestalten, nicht blosse Schatten; Chopin's kurze\nSätze athmen jene glühende Luft, die ihn später versengte\nbis zum Fanatismus, woran seine grösseren Compositionen\nzu Grunde gingen. Von den Jüngstgeschiedenen ausser\nChopin sind Berger und Fr. Schubert, die innigsten\nGeistesverwandten Beethoven's, hervor zu heben; jener in"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1072, "texte": "köstlichen Clavier-Sonaten (Op. 6, 7) des Meisters dunkle\nWeise erhellend und erläuternd, dieser die phantastischen\nInstrumental-Ideen in vocale Näherung rückend und hier\nall sein Herz ergiessend, daher seine Lieder meist unnenn-\nbar schön, die Instrumentationen schwach und trocken\nsind *).\nNoch viel Derartiges hätten wir auf dem Herzen, wol-\nlen es aber sparen auf gelegene Zeit. Einstweilen bitten\nwir- die Freunde um Verzeihung, wo wir in Worten zu\nviel gethan, und erwarten, von den Gegnern gehörig ge-\nstriegelt zu werden. Sollte der schon heute\nfordern, dass überall bestimmt Partei genommen werde\nund Alles „Hie Weif, hie Waibling!\" schreie, so geben\nwir nur noch schliesslich zu bedenken, dass\neine schöne Sache ist, wo es das Vaterland gilt und den\nKampf wider die Geister unter dem Himmel. Den kindi-\nschen Esprit dagegen, der Tertia wider Quarta hetzt, ach-\nten wir nicht höher, als den der Wahnsinnigen im Irren-\nhause, die sich unter einander prügeln, bis ein Vernünftiger\nzwischen sie tritt, worauf sie insgesammt instinctmässig\nwider diesen Partei nehmen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-04-14-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-04-14_01#c003", "volume": "bmtnabi_1855-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "119", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.2.3", "titre_corps": "Bericht des Vorstandes der Deutschen Tonhalle über die bisherige Wirksamkeit des Vereins.", "titre_sommaire": "Bericht des Vorstandes der Deutschen Tonhalle über die bisherige Wirksamkeit des Vereins.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.5", "debut_caractere": 1074, "fin_caractere_exclue": 4599, "texte": "Bericht des Vorstandes der Deutschen Tonhalle\nüber die bisherige Wirksamkeit des Vereins.\n(Auszug.)\nZunächst sehen wir uns verpflichtet, unseren aufrich-\ntigen Dank allen denjenigen abzustatten, welche beim Ent-\nstehen des Vereins und seither durch Vertrauen in unsere\nredliche Verwaltung, besonders aber durch geneigte Spen-\nden und jährliche Beiträge seine Zwecke unterstützt und\ngelördert haben.\nAm Schlüsse des ersten Jahres seiner Wirksamkeit\nzählte der Verein 171, am Schlüsse des zweiten Jahres\n268 Mitglieder, und jetzt ist diese Zahl auf 400 ange-\nwachsen.\nBisher schon hatte sich der Verein höchst ehrenvoller\nAnerkennung und vielseitiger Belobung, theils in besonde-\nren Zuschriften, theils in öffentlichen Blättern, zu erfreuen,\nund es berechtigt uns dieses zu der Hoffnung, dass die\nTheilnahme an demselben eine immer allgemeinere werden\nwird und künftig stets mehr und bedeutendere Werke deut-\nscher Tonkunst durch ihn hervorgerufen werden können.\nAuf Vorlage der Satzungen geruhten Se. Königliche\nHoheit der Durchlauchtigste Prinz-Regent von Baden der\nTonhalle Höchstihre, die Vereinszwecke reichlichst fördernde\nGunst angedeihen zu lassen; auch Se. Königliche Hoheit\nLudwig III., Grossherzog von Hessen, Ihre Königliche Ho-\nheit Frau Grossherzogin Stephanie von Baden, Se. Hoheit\nErnst II., Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha, Se. Durch-\nlaucht Karl Egon Fürst von Fürstenberg und Ihre Durch-\nlaucht Frau Maria Magdalena Fürstin von Ysenburg-Birstein\nhaben die Vereinszwecke grossmüthigst unterstützt und\ngefördert.\nDringende Pflicht ist es uns ferner, den jeweils als\nPreisrichter erwählten deutschen Tondichtern unseren ge-\nfühltesten Dank dafür zu erstatten, dass dieselben dieses\nschwierige, zeitraubende, tiefe Kunstkenntnisse und Erfah-\nrungen erheischende, ihnen aus Vertrauen und Hochachtung\nübertragene Preisrichter-Amt angenommen und pünktlichst\nausgeübt haben. Ohne diese sehr zu ehrende Bereitwillig-\nkeit würde der Verein, ungeachtet des löblichsten Strebens,\nweit von Erreichung eines anerkennungswürdig achtbaren\nErfolges seither zurückgeblieben sein, und nur die fortwäh-\nrende Geneigtheit solcher Meister für die Sache des Vereins\nvermag demselben eine gedeihliche Wirksamkeit \"auch für\ndie Zukunft zu sichern.\nAls Preisrichter für die unten benannteu Werke waren\nnach den Satzungen (14. b u. c) erwählt:\nHerr General-Musik-Director und Hof-Capellmeister\nDr. L. Spohr in Kassel: bei I., IL, III., IV., V. u. VI.;\nHerr Hof-Capellmeister Jos. Strauss in Karlsruhe:\nbei I. u. III.;\nHerr Hof-Capellmeister Kai Ii wo da in Donaueschin-\ngen: bei I.;\nHerr Hof-Capellmeister V.Lachner hier: bei II.u.V.;\nHerr Hof-Capellmeister Dr. Fr. Liszt in Weimar:\nbei II.*);\nHerr General-Musik-Director und Hof-Capellmeister F.\nLachner in München: bei III. u. IV.;\nHerr Hof-Capellmeister Reissiger in Dresden: bei IV.;\nHerr Capellmeister Ferdinand Hiller in Köln: bei\nV. u. VI.; und\n\n*) Gegen dieses Urtheil muss ich mir Einspruch erlauben. Dass\nSchubert's Instrumentalwerke in der Form unvollkommen sind\nund durch Längen manchmal ermüden, auch dass einige Mo-\ntive bei der ungeheuren Menge derselben schwach und von\nder Oberfläche geschöpft sind, gebe ich zu; aber im Allge-\nmeinen scheint mir Frische der Erfindung und der Phantasie\nin seinen Clavier-Sonaten und den Ciavierstücken mit Beglei-\ntung, in der C-Jw-Sinfonie und in den zwei Violin-Quar-\ntetten ganz unverkennbar. L. B.\n*) Hat sich nachher, wie mit dem 111. Preis-Ausschreiben vom\nNovember 1853 angezeigt wurde, seine Erwählung für künf-\ntig verbeten."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4764, "texte": "Herr Hof-Musik-Director Hetsch hier: bei VI.\nDie bisher ausgeschriebenen und erledigten Preis-Auf-\ngaben waren:\nI. Im Juni 1852: eine Fest-Ouverture*). Preis\n15 Ducaten. Von den eingekommenen 18 Werken wurde\ndem des Herrn V. Lachner hier der Preis zuerkannt.\nBelobt wurden die Werke der Herren F. Wüllner in\nMünster, August Mayer in Ansbach, G. Göltermann\nund J. V. Hamm in Würzburg und Karl Hering in\nBerlin.\nIL Im Januar 1853: eine Hymne („Dem Höchsten\"\nnach Strake) lür vierstimmigen Chor und Orchester, in Er-\nmangelung dieses mit Orgel-Begleitung. Preis 15 Ducaten.\nEs waren 14 Werke eingekommen, von welchen das des\nHerrn Wilhelm Scheffer in Eisenach den Preis erhal-\nten. Belobt wurden die Werke der Herren Karl Hering\nin Berlin (s. I.), Herrn. Bönike in Quedlinburg, A. F.\nLeder in Marienwerder, V. E. Becker in Würzburg und\nDr. W. Volck mar in Homberg (Kurhessen).\n111. Im Juni 1853: ein Trio in vier Sätzen, für Vio-\nline, Altviole und Violoncell. Von den eingekommenen 10\nPreisbewerbungen erhielt die des Herrn Caspar Jakob\nB i s c h o ff in Frankfurt a. M. von den Herren Preisrichtern\neinstimmig den Preis von 12 Ducaten zuerkannt, und eben-\nfalls einstimmige Belobung die des Herrn August Mayer\nin Ansbach (s. I.); auch wurden belobt die Bewerbungen\nder Herren K. Hering in Berlin (s. I. und II.) und A. F.\nLeder in Marienwerder (s. IL). Der Verfasser eines wei-\nteren belobten Trio's will nicht genannt sein.\nEiner der Herren Preisrichter äusserte bei dieser Ge-\nlegenheit, „dass es in unserer an Werken ernster Gattung\nimmer ärmer werdenden Zeit eine erfreuliche Erscheinung,\nwenn unter zehn eingesandten Trio's mehrere sich befänden,\ndie einer preiswürdigen Erwähnung sich würdig bewiesen\".\n. IV. Im November 1853 wurde für einen Quintett-\nsatz mit Einleitung für Flöte, Oboe, Clarinette, Horn und\nFagott ein Preis von 10 Ducaten ausgeschrieben. Den\nPreis erhielt unter den eingelaufenen 1 2 Werken das des\noben (III.) genannten Herrn Bischoff, besondere Belo-\nbung das des Herrn Pfarrers P. M ü 11er in Stade (bei\nFriedberg) zuerkannt, und belobt wurden die Werke der\nHerren K. Hering (s. L, 11. und III.) und Wi Ih. Tra-\nbi t i u s in Berlin.\nV. Im Lenzmonat 1854 wurde die Composition dreier\nAbendmahls-Gesänge („Herr, Du wollst uns vorbe-\nreiten\", „Nehmt hin und esst Seinßrod\", und „Ach lass,\no Herr, empfinden\"), für Männergesang und Orgel, zum\nGebrauche beim Gottesdienste, ausgeschrieben und dafür\nder Preis von 12 Ducaten ausgesetzt. Von den 44 einge-\nsandten Bewerbungswerken erhielt das des Herrn A. F.\nLeder in Marienwerder (s. 11. und III.) den Preis; beson-\nders belobt wurden die Werke der Herren L. Liebe in\nStrassburg und K. Kam merlander in Augsburg. Ferner\nwurden belobt die Werke der Herren Dr. W. Volckuvar\nin Homberg (s. II.), K. J. Bise hoff in Frankfurt a. M.\n(s. IV.), J. B. Andre in Offenbach und B. Rand hartin-\nger, Viee-Hof-Capellmeister in Wien.\nVI. Im August 1854 wurde der Verein durch Herrn\nFr. Götz hier veranlasst und in Stand gesetzt, die Corn-\nposition dessen Gedichtes: „An eine Blume das\nHerz\", für eine Singstimme und Ciavier als Aufgabe für\nden Preis von sieben Ducaten auszuschreiben. Es sind 79\nBewerbungen eingekommen, von welchen zwar keine den\nPreis zugesprochen erhielt, aber besondere Belobung den\nLiedern der Herren S. A. Zimmermann hier und Wil-\nhelm Speidel in Ulm; ausser diesen wurden belobt die\nBewerbungen der Herren J. M. H. Betiens in Roermond,\nV\nPfarrer W. Bus in Hammelburg (Grossh. Hessen), Her-\nmann Jäschke in Breslau, F. W. Markuli in Danzig,\nE. Methfessel in Winterthur, W. Nick in Fulda und\nHugo Schwant zer in Berlin.\nAusser diesen sechs Preis-Ausschreiben, durch welche\n177 musicalische Werke verschiedener Gattungen vom\nVereine hervorgerufen, von welchen 37 durch preisrich-\nterliche Zuerkennung von Preisen und Belobungen ausge-\nzeichnet wurden, erliess derselbe die Einladung zur Origi-\nnal-Composition einer Sinfopie (in vier Sätzen) für voll-\nständiges Orchester und setzte hiefür einen (den VII.) Preis\nvon 200 Fl. aus. In der vom 11. August v. J. bis zum\nEnde des verflossenen Monats gelaufenen Bewerbungszeit\nsind uns 39 Sinfonieen zugekommen, welche wir den drei\nerwählten Herren Preisrichtern zur Beurtheilung vorzulegen\nbereits den Anfang gemacht haben. Das Ergebniss der Be-\nurtheilung werden wir, sobald es uns vorliegen wird, be-\nkannt machen.\nUebersicht der Tonhalle-Casse.\nEinnahme:\nEin- R . Beson- c\ntritts- dcreGe- Sonsü- Im\nGeld. lrt° \" schenke es' Ganzen.\nIm 1. Jahre (1852/53) . . 94.56'134.12 68-41 1.58 299.47\n„ 11. Jahre (1853/54) .. 53. öj 128.45 260. 6 3.23 445.19\n„ 111. Jahre (1854/55) . . 92.45| 148.24j259. 8 —.42 500.59\n240.46,411.211587.551 6. 3 1246. 5\n\n*) Nach den Satzungen des Vereins hat derselbe an keine Preis-\nbewerbung ein Eigenthumsrecht."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 325, "texte": "Ausgabe:\nQ Druck-u.j Post- u. Bedie- r\nbedarf.\" Sendge- Preise. ' nung u.\nkosten, bahren. versch.\nIm I. Jahre .. . 4.30 47.50 39. 84.- 21.39 ' 196.59\n„ 11. Jahre .. . 5. 6 42.19 28.21 151.42 21.47 255.21\n„ 111. Jahre ... 640 100. 8 91.40 56. 62.38 317. 6\n16.16 190.17 159. 71291.42|112. 4[ 769.26\nMannheim, im Lenzmonat 1855."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-04-14-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-04-14_01#c004", "volume": "bmtnabi_1855-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "119", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.2.4", "titre_corps": "Aus Frankreich.", "titre_sommaire": "Aus Frankreich.", "signature_source": "g", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.7", "debut_caractere": 327, "fin_caractere_exclue": 6722, "texte": "Aus Frankreich.\ng.\nAls ich auf meiner Rückreise aus dem nördlichen Deutschland\nnach Paris mich mit Ihnen über die Zustände der Gesang-Mu-\nsik in Frankreich unterhielt und um so mehr empfand, dass der\nChorgesang (d. h. der eigentliche Chorgesang, Frauen- und Män-\nnerstimmen vereint) bei uns noch in den ersten Anfängen liegt, je\nmehr ich die Leistungen der deutschen Dilettanten-Vereine in allen\ngrossen und mittleren Städten schätzen gelernt und davon ein beson-\nders bewundernswertes Beispiel in Köln gefunden hatte, da glaubte\nich nicht, dass ich noch auf derselben Reise die erfreuliche Veran-\nlassung finden würde, Ihnen von der Gründung eines städtischen\nGesangvereins nach deutschem Muster in Frankreich Nachricht ge-\nben zu können.\nDie Entstehung einer solchen Gesellschaft würde freilich in Ih-\nrem Lande keiner besonderen Erwähnung werth sein; Sie glauben\naber nicht, mit welchen Hindernissen und Vorurtheilen die Errich-\ntung eines Vereins von gemischten Stimmen, wenn er aus Dilettan-\nten bestehen soll, bei uns in der Provinz und selbst in Paris zu\nkämpfen hat, trotz der sonderbaren Illusion, welche sich die Fran-\nzosen, wenigstens die Pariser, machen, als gäben sie den Ton in\nder Kunst an; sie vergessen, dass die Tonkunst einen anderen Ton\nverlangt, als den der Mode und der Gesellschaft.\nDie Schwierigkeiten, welche sich der Gründung von Gesang-\nVereinen entgegen stellen, liegen zuvörderst darin, dass der höhere\nKunstsinn namentlich in der Provinz noch auf einer sehr niedri-\ngen Stufe steht, dass folglich die ernstere Musikgattung, in welcher\nallein der Stoff für den Chorgesang gefunden wird, fast gar keinen\nAnklang findet. Sie werden fragen: „Hat denn die Kirche keinen\nEinfluss auf die musicalische Geschmacks-Bildung, da ja doch die\nMusik ein Bestandtheil des Cultus ist?\" —■ Ach, da treffen Sie ge-\nrade den wundesten Fleck. Wo die Militärmusik und vor Allem\nder Serpent in der Kirche herrscht, wo der Organist nichts gilt,\nwenn er nicht aus Robert oder Norma oder aus noch schlimmeren\nProducten der frivolen Tages-Composition ein Ragout zum Besten\ngibt, wo die Geistlichkeit im Allgemeinen von der Musik nicht nur\nweniger versteht, sondern sie auch geringer schätzt, als jeder Dorf-\nSchulmeister in Deutschland, wo die Aufführung einer musicalischen\nMesse ein Ereignissist, ja, wo in vielen Sprengein korribile\ndicht, der gemeinschaftliche Gesang von Männern und Frauen\nin der Kirche durch die Bischöfe und Erzbisphöfe verboten ist\nwas wollen Sie da von der Einwirkung der Kirchenmusik auf\nden Sinn für die Tonkunst erwarten? Man muss im Gegentheil\numgekehrt wirken.\nZweitens tritt der Gründung von Vereinen entgegen, dass den\nFranzosen die technische Ausführung das Höchste ist. Sich an dem\nWerthe der Composition zu ergötzen, wenn er auch nicht glänzend\nans Licht gebracht wird, das fällt nur sehr Wenigen ein. Daher\ndenn die Sucht jedes Musikers und jedes einiger Maassen begab-\nten Dilettanten, seine eigenen Leistungen, seine eigene Persönlich-\nkeit an den Mann zu bringen, ein Umstand, der ein erfolgreiches\nZusammenwirken verschiedenartiger Kräfte unmöglich macht.\nFerner ist die Etiquette und die hergebrachte Sitte, welche re-\ngelmässige Zusammenkünfte beider Geschlechter nicht billigt, dann\ndas Vorurtheil, welches die Qualification eines Vereins-Mitgliedes\nnach den äusseren Verhältnissen desselben, nicht nach seinen musi-\ncalischen Eigenschaften würdigt, die verschiedene oder vielmehr\nsehr bestimmt geschiedene Classen-Eintheilung, welche la Noblesse,\nle haut Commerce, le petü Commerce, les Arlistes? les Artiscins (um\nvon den Ouvriers zu schweigen) von einander trennt, alles das\nsind sehr hemmende und dabei doch sehr zart zu behandelnde\nDinge, wenn man nicht gleich von vorn herein scheitern will.\nEndlich fehlt es in Frankreich zwar nicht an guten Lehrern für\neinzelne Instrumente, aber wohl an tüchtigen Musikern, welche durch\nmusicalische und allgemeine Weltbildung zugleich im Stande sind,\ndie Direction von Gesangvereinen zu leiten.\nSie können daher leicht denken, wie es mich überraschte, in\nLille einen Gesangverein kennen zu lernen, welcher bereits einen\nrecht schönen Anfang zur Einübung von classischer Vocalmusik\ngemacht hat. Die Stiftung desselben ist das Verdienst Ihres Lands-\nmannes, des Hrn. Emil Steinkühler. Seine äusseren Verhält-\nnisse und die Stellung, welche er sich hier durch seine langjährige\nWirksamkeit und seinen ehrenwerthen Charakter errungen hat,\nsetzten ihn in den Stand, die höheren Classen der Gesellschaft für\ndie gute Sache zu gewinnen, indem er mit Recht besonders auf\nden Zustand der Kirchenmusik aufmerksam machte und den Ein-\nfluss ins Licht setzte, den ein Gesangverein, der sich vorzüglich\nmit geistlicher Musik beschäftige, nothwendig darauf haben würde.\nUm die Liebhaberei an der Sache zu wecken, versuchte er, einige\nder besten Dilettanten im Anfange des Winters bei sich zu Hause\nzu musicalischen Gesammt-Uebungen zu versammeln. Es gelang,\nund so bildete sich ein edler Kern, welcher gar bald Früchte trug.\nDenn schon am 1. Januar 1855 trat ein Verein zusammen, der\nfünfzig Damen und Herren als Mitglieder zählt und die heilige\nCacilia als Taufpathin und Patronin erwählt hat. Ein Vorstand\nwurde aus den angesehensten Dameft und Herren der Stadt und\nzu dessen Präsidenten Herr L. Danel gewählt, den Sie als einen ei-\nfrigsten Förderer musicalischer Bestrebungen kennen. Der Präfect\ndes Nord-Departements, der Maire, der Commandant der Division\nu. s. w. gehören als Ehren-Mitglieder zu dem Vereine, welcher sich\nalle Freitage in dem Saale der Academie de musique versammelt.\nHerr Steinkühler hat mit Recht für den Anfang leichtere und vor-\nzugsweise melodische Stücke von Haydn und Mozart zur Einübung\ngewählt, und nach den Proben, die ich mit angehört, ist der Er-\nfolg bereits ein sehr erfreulicher.\nDie Statuten scheinen mir im Allgemeinen recht zweckmässig.\nDie Mitglieder zerfallen in Mitwirkende (50 Francs jährlicher Bei-\ntrag und 20 Fr. Eintrittsgeld) und Zuhörende (25 Fr. Beitrag und\n10 Fr. Eintrittsgeld). In den Sommer-Monaten vom 15. Juni bis 15.\nOctober sind Ferien. Alles Musicalische ordnet der Musik-Director\nall ein an.\nMöge denn dieser Keim eine recht kräftige Saat treiben und\nsich die Lust an der Sache durch Ausdauer bewähren, um der\nStadt Lille die Ehre zu verschaffen, den Ernst der Kunstliebe in\nFrankreich glücklich geweckt und zum Gedeihen gebracht zu haben!\nParis, im März."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-04-14-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-04-14_01#c005", "volume": "bmtnabi_1855-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "120", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "A. 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Hart mann hat eine\nganz ausserordentliche Theilnahme erregt, welche ein schönes Zei-\nchen für die trefflichen Eigenschaften des Dahingeschiedenen als\nMensch und als Künstler ist, und zugleich den kölner Kunstfreun-\nden zur höchsten Ehre gereicht, indem sie jene Theilnahme durch"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6068, "texte": "die That auf eine Weise bewährt haben, welche die Existenz der\nHinterlassenen einer Witwe mit eilf Kindern, von denen nur\nder älteste Sohn selbstständig ist auf mehrere Jahre hinaus\nnicht nur vollkommen sicher stellt, sondern auch die Mittel schafft\n(und mit Hülfe von Concerten und Aufführungen zu demselben\nZwecke nach und nach vergrössern wird), durch welche für die\nErziehung und Bildung der Kinder, deren jüngstes erst drei Mo-\nnate alt ist, gesorgt werden kann. Binnen wenigen Tagen wies die\nSubscriptions-Liste bereits eine Summe von 1200 Thalern jährlich\nauf drei Jahre, also im Ganzen von 3600 Thlrn., auf! Mögen die\nGeber auch die Kundwerdung nicht wünschen, wir meinen, die\nmusicalische Welt müsse es erfahren, dass es eine deutsche Han-\ndelsstadt gibt, welche ihre Achtung vor der Kunst auf eine so edle\nWeise bethätigt.\nAuf nächsten Dinstag, den 17. d. Mts., hat die Concert-Gesell-\nschaft ein Concert zum Besten der Hartmann sehen Kinder veran-\nstaltet, in welchem die grosse Messe in D-dur und die Sinfonia\nEroica zur Aufführung kommen.\nArthur Napoleon hat hier noch drei Concerte im Stoll-\nwerck'schen Theatersaale gegeben, welche, obwohl an drei auf ein-\nander folgenden Tagen, dennoch sehr besucht waren.\nUnsere Oper wird in einigen Tagen von Gent uud Antwer-\npen zurückkehren, hier noch sechs Opern geben, unter anderen\nauch Meyerbeer's Stern des Nordens, und dann nach\nStrassburg gehen.\nIn einem Berichte aus Dresden über Meyerbeer's „Stern\ndes Nordens\" in der leipziger Neuen Zeitschrift für Musik, Nr. 11,\nlesen wir: „Die Oper kann und soll nur die einer dichterisch ge-\nordneten Handlung zu Grunde liegenden Empfindungen in ihrer\nEntwicklung u. s. w. musicalisch zum Ausdruck bringen, wobei\nsie den Vorzug hat, gleichzeitig die verschiedensten Seelen-Zu-\nstände zur vollen Aussprache gelangen zu lassen. Weiter aber soll\nder musicalische Theil der Oper nichts alles Andere im Drama\nkann die Poesie besser u. s. w., und weil dies so ist, muss sich\nDichtung und Musik in der Oper ergänzen, müssen beide\nKünste im Musik-Drama jederzeit das Fest ihrer Vermählung feiern.\nDarauf kann man nicht fest genug bestehen.\" Wie konnte die\nRedaction, welche vor einigen Jahren behauptet hat, ihr Blatt sei\nein Parteiblatt, und es müsse in der Kunstwelt Parteiblätter geben,\neine solche Ketzerei gegen das Wagner'sche System durchgehen\nlassen ?\nAm 21. December v. J. ist zu Aurich HändeTs Messias\nvollständig aufgeführt worden, am 15. Januar d. J. Mozart's\nDon Juan, und am 26. März wurden die Bach'schen Motetten:\n„Himmelskönig\" und „Also hat Gott die Welt geliebt\", nebst eini-\ngen Sätzen von Gabrieli und Vittoria öffentlich dargebracht.\nDer Verein, welcher diese Aufführungen ins Werk setzt, hat den\nNamen Eccard-Verein und ist am 28. August 1852 durch Dr.\nE. Krüger gestiftet.\nAm 14. März ist in Emden durch den Singverein Händel's\nJosua unter Leitung des auch als Lieder-Componist bekannten\nG. Storme recht gut aufgeführt worden. Derselbe leitet auch eine\nLiedertafel, die Vorzügliches leistet.\nEilibeck. Die „Verklärung des Herrn\", ein Oratorium von F.\nKühmstedt, Professor und Musik-Director in Eisenach, wurde\nmit Beifall zur Aufführung gebracht.\nNeapel, Das Fest der „unbefleckten Empfängniss\" wurde in\nItalien mit grossem Pomp gefeiert. Mercadante, der neapolitanische\nTonsetzer, hat aus diesem Anlasse eigens einen Hymnus compo-\nnirt, welcher unter freiem Himmel zu Neapel auf dem Marsfelde,\nin Gegenwart des Königs und der ganzen königlichen Familie, der\nStaats-Minister, der Truppen und einer unermesslichen Volksmenge,\nausgeführt wurde. Im Ganzen waren 1563 Mitwirkende, und zwar\n883 Instrumentalsten und 680 Sänger, welche insgesammt aus der\nArmee genommen waren.\nIn dem am 4. Februar gegebenen Concerte des Cäcilien-Vereins\nwurde von grösseren Werken die Ouvertüre „Meeresstille und\nglückliche Fahrt\" von Mendelssohn, dann die Es-dwr-Sinfonie von\nMozart gegeben.\nMan schreibt uns aus London vom 6. April: „Wie ich glaub-\nwürdig unterrichtet bin, sind gegenwärtig Agenten und Commis-\nsionäre in Deutschland in Bewegung gesetzt, um Musiker für Dru-\nrylane und den Krystall-Palast zu werben. Wie Ihnen bekannt, hat\ndas erstgenannte Institut schon seit mehreren Jahren regelmässig\nin der ersten Hälfte der Saison Bankerott gemacht und wird, wie\nmit Bestimmtheit vorauszusehen ist, auch dieses Jahr denselben\nWeg gehen, indem es sich wieder in den Händen derselben\nSchwindler befindet. Der Krystall-Palast scheint dieser Gefahr zwar\nnicht ausgesetzt, indem trotz des schlechten Geschäftes während\nder Wmter-Saison immer richtig und pünktlich gezahlt worden ist;\ndagegen sind die Musiker vor diesem Institute in anderer Bezie-\nhung zu warnen, indem die Direction des Palastes, verführt durch\nEmpfehlungen von Dukes und Lords einen Menschen (Schallehn,\nleider ein Deutscher) zum Dirigenten gemacht, der nicht ein Fünk-\nchen Talent und so wenig Kenntnisse hat, dass er nicht im Stande\nist, die etwaigen Schreibfehler einer Polka zu corrigiren, die nur\nTonica- und Dominant-Harmonie enthält. Einen Beweis hierüber\nhat die Musical World bereits im November 1854 geliefert. Noch\nmehr liefert The Times vom 4. d. Mts., welche eine völlige Anklage\ngegen ihn enthält, weil durch sein Verfahren im Laufe des Jahres\neine Menge Musiker brodlos geworden ist. Die Ausländer sind\ndann immer am schlimmsteil daran, wenn sie, plötzlich ausser Brod,\ndurch Mangel von Local- und Sprachkenntniss in 'grosse Noth\ngerathen. Die unwürdige Behandlung der Musiker führte neulich zu\ndem Scandal, dass der Herr Dirigent von seinem eigenen Orchester\nausgepfiffen wurde im Beisein von zweitausend Besuchern! Nichts\ndesto weniger scheinen seine hohen Gönner ihn abermals zu\nschützen; denn alle Mitglieder der Capelle sind augenblicklich ent-\nlassen worden. Ich schreibe Ihnen über diese Angelegenheit mit\ndem Wunsche, dass Sie unsere Landsleute davor warnen mögen, sich\ndurch Engagements in den genannten Instituten verlocken zu lassen,\nweil London schon Hunderte von deutschen Musikern aufweisen\nkann, die auf diese und ähnliche Weise ins Unglück geführt wor-\nden sind.\n\nA. M.”"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.1", "texte": "Nachruf an Franz Hartmann.\n\nDie Muse der Tonkunst steht in Trauer an dem Grabe\neines ihrer edelsten Söhne, den sie sich erzogen hatte zum\ngetreuen Dolmetscher ihrer Gedanken. „Seht,* sagt sie zu\nihren Schwestern, „wie anders mein Loos ist, als das eu-\nrige! Was ihr schafft durch des Menschen Geist, die Werke\nder Poesie, der Malerei, der Sculptur, der Baukunst treten\nalle in die Erscheinung, so wie sie vollendet sind; ihr stellt\nsie hin, und sie leben, und die Menschen empfinden auf der\nStelle die Macht der stummen Beredsamkeit der Lettern,\nder Farbe, des Marmors. Was meine Günstlinge in Liebe\nund Begeisterung für mich schaffen, es liegt verschlossen\nunter sieben Siegeln. Und wenn sie auch gelös't werden,\nwenn es aufgeschlagen da liegt vor aller Welt, das Buch,\ndas die herrlichsten Wunder birgt: sie bleiben todt für die\nWelt, denn noch hält sie ein Zauber gebannt. Meine Spra-\nche kennen die Menschen wohl, Gott hat ihnen ihr Ver-\nständniss ins Herz gelegt; aber meine Schrift ist ihnen\nein Räthsel, sie bleibt ihnen ewig stumm. Ewig? o nein!\nnur so lange, bis ich den zweiten Genius wecke, den ver-\nwandten Geist, der die Zeichen lebendig macht, wunderbare\nGestalten aus ihnen herauf beschwört und ihnen Seele gibt.\nAber die Seele ist der Ton, sein Leben ein schwingender\nLufthauch: die Memnonssäule ist stumm, bis der Strahl der\nMorgensonne sie kiisst.a\nSo trauern wir alle, denn es ist einer dahingeschieden,\nwelcher die Zauberformeln kannte, die den Gebilden der\n\\ 7\nschaffenden Meister im Reiche der Tonkunst sinnliche Ge-\nstalt und athmende Seele geben, ein Künstler, dem die\nseltene Gabe verliehen war, aus den Kunstwerken heraus\ndem innersten Gedanken ihrer Schöpfer mit so sicherem\nVerständnisse und so tiefem Gefühle Leben zu verleihen,\nals hätte er ihre Phantasie in ihrer geheimen Werkstatt\nbelauscht.\nFranz Hartmann war am 29. Juli 1809 zuEhren-\nbreitstein geboren. Sein Vater war Musiker, entdeckte sehr\nbald die bedeutenden musicalischen Anlagen des Knaben\nund machte es möglich, ihn schon in seinem zwölften Jahre\nnach Rassel zu Spohr zu schicken. Da Spohr nur Schüler\nanzunehmen pflegte, welche bereits eine bedeutende Stufe\nder Ausbildung auf der Violine erreicht hatten, so ist schon\nder Umstand, dass der Meister sich des jungen Franz mit\nganz besonderem Wohlwollen annahm, ein sicherer Beweis,\ndass dieser schon als Knabe Ausserordentliches auf seinem\nInstrumente leistete. Er verdankte dem berühmten Lehrer\ndie künstlerische Entwicklung seines Talents und hing bis\nzu seinen letzten Lebenstagen mit einer Dankbarkeit und\nPietät an ihm, welche seinem Herzen die grösste Ehre macht.\nSo war es ihm z. B. eine wahre Freude, wenn er öffentlich\nim Concert und namentlich eine Compositum von Spohr ge-\nspielt hatte und das verdiente Lob seines Spiels in der\nMusik-Zeitung las, das Blatt auf der Stelle an Spohr zu\nschicken.\nNach Vollendung der Künstler-Lehrzeit unter einem\nMeister, dessen Schule ewig die wahre Grundlage des ge-\ndiegenen Violinspiels bleiben wird, spielte er am Vorabend\nseiner Abreise von Kassel noch das neueste Quartett seines\nLehrers. Spohr war mehr als zufrieden, er war innig be-\nwegt. Am anderen Morgen, als Franz kam, Abschied von\nihm zu nehmen, sagte er: „Du musst nun in die Welt;\ndas geht aber nicht so leicht. Desshalb habe ich für dich\ngespart und das Honorar, das du mir für den Unterricht\nseit zwei Jahren gezahlt, für dich zurückgelegt. Da nimm\nund mache mir ferner Ehre und Freude.\" —Und nicht nur\ndie Summe des Honorars war es, was er ihm zum Antritt\nder Reise gab: er hatte noch zugelegt. Oft hat der Dahin-\ngeschiedene seinen Freunden diesen edeln Zug seines Leh-\nrers mit Thränen der Rührung erzählt möge dieser uns\nnicht zürnen, dass wir dem Drange nicht widerstehen\nkonnten, davon zu reden.\nNun ging Hartmann auf Reisen und hielt sich unter\nAnderem eine Zeit lang in Hamburg auf. Von da kam er\nnach Frankfurt am Main, wo Guhr sein Talent zu würdi-\ngen wusste und ihm, wiewohl er noch sehr jung war, eine\nAnstellung im Orchester verschaffte. Schon damals spielte"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.2", "texte": "Hartmann ganz ausgezeichnet vom Blatt, und erregte dadurch\nnamentlich eines Tages Aufsehen, als er die erste Violin-\nstimme einer mehrstimmigen Composition von Paganini,\nan deren Ausführung sich der damalige Concertmeister des\nfrankfurter Orchesters nicht wagte, in Paganini's Gegenwart\nohne Furcht und auch ohne Tadel spielte und von die-\nsem mit lebhafter Umarmung belohnt wurde.\nDie militärische Dienstzeit kam für ihn heran; er musste\nseine Stelle aufgeben und trat bei einem der in Coblenz\nstehenden Infanterie-Regimenter ein, jedoch nicht unter die\nbewaffnete Macht, sondern unter das Musik-Corps als\nClarinettist. Mit dem Regimente kam er um das Jahr 1834\nhieher nach Köln. Es konnte nicht fehlen, dass sein hervor-\nragendes Talent sowohl im Regimente, als in den musica-\nlischen Kreisen der Stadt bemerkt wurde; eine allgemeine\nTheilnahme für ihn war die Folge, und als Se. Majestät der\nKönig als Kronprinz in Coblfenz war, liess der commandi-\nrende General von Borstel unseren Hartmann nach Coblenz\nkommen. Er hatte die hohe Ehre, vor dem Kronprinzen\nzu spielen, und die erfreuliche Folge war, dass er aus dem\nRegimente entlassen wurde, um sich der Kunst, seinem\nangebornen Berufe gemäss, ferner zu widmen.\nHartmann kehrte nach Köln zurück und nahm die Stelle\nals Chor-Director an der Oper und als Violinist im Or-\nchester an. Sehr bald wurde er Vorspieler, später Concert-\nmeister, und in dieser Stellung hat er eine lange und doch\nleider viel zu kurze Zeit auf ausgezeichnete Weise gewirkt,\nda ihn, den kerngesunden, lebenskräftigen Mann, der Tod\nin dem besten Mannesalter, in seinem 46. Lebensjahre, da-\nhin gerafft hat.\nAls Künstler hat sich Hartmann allerdings einen gros-\nsen Ruf erworben, allein dennoch stand er an künstlerischer\nBedeutung weit höher als sein Ruf, worüber bei allen, die\nihn gekannt haben und langjährige Zeugen seiner Leistun-\ngen gewesen sind, nur Eine Stimme herrscht. Er war zu-\nvörderst ein Concertmeister, d. h. ein Anführer des Orche-\nsters, wie es gewiss nur wenige gibt und gegeben hat. Er\nwar die wahre Seele des Orchesters, und alle Eigenschaf-\nten, welche ein Führer desselben haben muss, musicalische\nKenntnisse, schnelle Uebersicht, ein feines Ohr, Gedächt-\nniss, Ruhe und Feuer, Jedes an seinem Ort, Geistesgegen-\nwart und Besonnenheit, unfehlbare Sicherheit und markige\nFülle des Tones bis zu einer das Ganze beherrschenden\nKraft desselben Alles war in ihm vereinigt. Auf ihn\nkonnte jeder Dirigent wie auf einen unerschütterlichen\nGrundpfeiler bauen, und war einmal zufällig ein Dirigent\nkein besonders geschickter Baumeister, so schützte dieser\nPfeiler auch trotz ihm den Bau vor dem Einsturz.\nWas Hartmann in dieser Hinsicht nicht nur in den\nConcerten und in der Oper in Köln geleistet hat, sondern\nbei allen grossen Musik-Auflührungen in Rheinland und\nWestfalen und namentlich bei den niederrheinischen Musik-\nfesten, das lebt sicher überall in frischem Andenken, und\ndieses Andenken wird, wie wir zuversichtlich hoffen, Frucht\ntragen für seine Hinterlassenen. !•\nAls Solospieler stand er auf einer sehr hohen Stufe,\nund zum Theil äussere Verhältnisse und die Anhänglichkeit\nan Köln, grösstentheils aber seine Bescheidenheit, die vor\njedem Schritte, sich selbst geltend zu machen, eine wahre\nScheu hatte, sind allein schuld gewesen, dass er sich nicht\nentschloss, Kunstreisen zu unternehmen. Freilich, ein Vir-\ntuose war Hartmann nicht, er war ein Künstler; er ahmte\n\\\nseinem grossen Lehrer nach. Wie dieser spielte er mit brei-\ntem Strich auf dicken Saiten, und mit dem edeln Anstände\nverband er den Adel des Tones, der in unwandelbarer Rein-\nheit stets voll und sich selbst gleich jede unmännliche Sen-\ntimentalität verschmähte, aber in der Wahrheit des Ge-\nfühls und in dem Seelenhaften seines Klanges einen Zauber\nauf die Zuhörer übte, wie ihn nur derjenige zu üben ver-\nmag, dem die Töne, die ein Genius geweiht, im eigenen\nHerzen wiederklingen. So war denn recht eigentlich die\nclassische Musik sein Element, und der vertraute Verkehr\nmit Haydn, Mozart, Beethoven, Spohr und Mendelssohn\nbewahrte ihn vor jedem Gelüste, sich in den Salon zu be-\ngeben, wo um die Gunst des Tages gebuhlt wird.\nEine solche künstlerische Natur, wie Hartmann war,\nmusste natürlich in der vollkommensten Form der Instru-\nmental-Musik, im Violin-Quartett, ihre höchste Befrie-\ndigung finden. So war es denn auch diese Kunstgattung,\nan welcher er mit ganz besonderer Liebe hing. Er gründete\ndas kölner Quartett, und die lange Reihe von den\nedelsten Kunstgenüssen, welche wir diesem Vereine ver-\ndanken, und der wohlverdiente Ruhm, den er in der musi-\ncalischen Welt erlangt hat, ist grösstentheils Hartmann's\nWerk. Als Quartettspieler war er den besten Zeitgenossen\nebenbürtig, übertroffen wurde er von keinem derselben; ja,\nmanche von ihnen, und zwar sehr berühmte, reichen in\nHinsicht auf Auffassung und Resignation auf die eigene Vir-\ntuosität keineswegs an ihn hinan, Und mit welcher unzer-\nstörbaren Liebe und Ausdauer trieb er das Quartettspiel!\nWie oft sind wir Zeugen gewesen, dass er, nachdem er\ndes Tages Last und Hitze getragen, am Vormittag eine\nTheater-Probe gehabt, am frühen Morgen und am Nach-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.3", "texte": "mittag Unterricht gegeben, am Abend von sechs bis zehn\nUhr einen Robert der Teufel oder eine ähnliche Oper ge-\nspielt hatte, dass er nach all diesem in einem vertrauten\nFreundeskreise erschien und noch zwei, drei Quartette\noder Quintette mit einer Frische und einem Leben vortrug,\nals ginge es nun erst, nach der Last, an die Freude der\nMusik!\nWer ihn gekannt, dem brauchen wir es nicht zu sa-\ngen, und wer die wenigen Zeilen, die wir hier seinem An-\ndenken geweiht haben, mit Aufmerksamkeit gelesen, der\nwird nicht fragen, was Hartmann als Mensch gewesen. Ein\nsolcher Künstler konnte nur ein guter, edler, gemüthlicher,\nberufstreuer Mensch sein. Aber etwas müssen wir noch\nhervorheben, weil es eines der schönsten Lichter auf seinen\nCharakter wirft, und weil es—gerade heraus gesagt—bei\nKünstlern selten ist. Das ist die Bescheidenheit, welche es\nihm unmöglich machte, sein Ich auf Kosten Anderer in den\nVordergrund zu stellen, und die wahre Kunstliebe, die jede\nSpur von Eifersucht und jede auch nur leiseste Anwand-\nlung von Neid von seiner Seele fern hielt. Wer ihn gesehen\nhat, wie er, als er Joachim zum ersten Male das Concert\nvon Beethoven spielen hörte, an seinem Pulte das Auge\nnicht von der Orchesterstimme wandte, aber die hellen Thrä-\nnen aus diesem Auge fielen, der wird uns verstehen.\nAm 6. April um halb acht Uhr Morgens war er todt;\nein zahlreicher Zug geleitete den Sarg zum Friedhofe, der\nMännergesang-Verein sang an seinem Grabe, die Freunde\nstanden still in Thränen darum her.\nSo haben sie dich auch hinausgetragen,\nZum letzten Buheplatz den stillen Gast;\nDu wirst es Keinem mehr auf Erden sagen,\nWas du auf Erden überwunden hast.\nDort wird das Ideal dir endlich tagen,\nv Das hier dein Geist mit heil'gcr Lieb' umfasst!\nDein wahres Leben lebtest du in Tonen:\nDein Lohn erblüht im Reich des ewig Schönen!\n\nL. Bischoff.\n\nSonderliche Gedanken über die letzten Zeiten.\nVon Dr. Ed. Krüger.\n(Schluss. S. Nr. 14.)\nDer Hochmuth, der ohne Gott sein will, wie Gott,\ndie Quelle aller Sünde dieser Welt, ist es auch, der Liebe\nohne Leiblichkeit, Kunst ohne Sinnlichkeit, Technik ohne\nGaben, Wissen ohne Glauben erfunden hat. Auf derselben\nBahn liegt auch die Ausgeburt des trockenen Verstandes-\nEnthusiasmus für den Fortschritt, den leeren Fort-\nschritt an sich, den Progressus in infinitum, den die gereifte\nPhilosophie bereits gerichtet hat. Zumal den so genannten!\nDenn wenn ich statt 12 Blasinstrumente deren 36 ver-\nwende, so ist der Fortschritt nicht geistreicher, als wenn\nich drei Flaschen Wein statt Einer trinke. Aber auch der\nwirkliche Fortschritt, d. h. die vernünftige Entwicklung des\nVorhandenen, ist nicht ziellos, nicht endlose, im Blinden\nsuchende Bewegung, sondern er ist eine Bewegung nach\nder Wahrheit hin, eine Herstellung des Ursprungs, ein\nWiederfinden der ersten Gestalt, die Gott selber gegeben*).\nUnd jedes neue Princip bewährt sich nur, indem es die\nneue Enthüllung eines Alten, Ewigen bringt. Wir sehen es\nan dem Fortschritt unserer Philosophie und Kunst: Auto-\nrität, Orthodoxie, Freiheit, Subjectivität, Objectivität\neben so byzantinische, römische, deutsche Kunst—dessglei-\nchen heilige und weltliche, declamatorische und melodische,\nSonderkunst und Allkunst—alle diese Fortschritte haben\nnur Sinn, in so fern die späteren Standpunkte alle früheren\nliebevoll umfassen und der einen längst vorhandenen Ur-\nwahrheit näher kommen.\nAuf diesem „Liebevoll-Umfassen\" beruht es\nallein, ob sich ein Standpunkt bewährt. Die moderne Philo-\nsophie hat mit Recht den Satz aus der Naturkunde entlehnt,\ndass der höhere Organismus den niederen umfasse und\nwiederum auf ein Höchstes, das Ur-Ideal, hindeute. So\nist der Mensch ein Natur-Gebilde, das die niederen Orga-\nnismen Mineral, Pflanze und Thier in sich fasst, auf\norganische Weise vereint und neugestaltet, nicht aber\nmechanisch verbunden, wie das Sammelsurium der As-\nsociations-Ailkunst, welche die niederen Organismen nur\nzerbröckelt, um aus zerquetschten Steinen, Bäumen, Kröten\nund anderem Ungethier den vermeintlich idealeren Orga-\nnismus zu gestalten.—Nichts besser als jene ist die Wag-\nner'sehe, den Neu-Franzosen entlehnte Theorie, das Volk\nnur als Complex von Individuen anzusehen, den In-\nbegriff der Noth-Menschen, statt die Menschheit in dem\nköniglichen Bilde der Persönlichkeit, der Person und\ndes Selbstbewusstseins, anzuschauen. Hier scheidet sich\nheidnische und christliche, oder rationalistische und tiefsin-\nnige Betrachtung so deutlich, dass die Parteien eben hier\n\n*) So ist u. A. die seit Händel und Bach allmählich überwie-\ngende Geltung des Dur über das Moll eine Rückkehr zur\nersten Natur, nicht, wie Chrysander in seinem sonst le-\nsenswerthen und geistvollen Buche behauptet, eine Ueberwäl-\ntigung der Vocalität von der Instrumentalität. [Vergl. Nieder-\nrheinische Musik-Zeitung, I. Jahrg., Nr. 27, v. 31. Dec. 1853.]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.4", "texte": "den Kampf auf Leben und Tod beginnen mögen, wenn es\nehrlich zu thun ist um Wahrheit und Gestalt, nicht um\nBanditenwitz und Schülerspott. Wie die bewusste Per-\nsönlichkeit das Ebenbild des Schöpfergeistes selber ist,\ndas hat von neueren Weltweisen am besten der jüngere\nFichte entwickelt. Zwar ist auch diese Wahrheit schon alt,\nda sie zuerst sichtbar ward an dem, der den Juden Aerger-\nniss und den Griechen Thorheit war (1. Kor. I. 23.).\nNur die Persönlichkeit hat Wahrheit und Schönheit;\nnur die Person kann Demuth und Sehnsucht empfinden—\nDer Sehnsucht rauscht der Schönheit Quelle,\nDer Demuth scheint die Wahrheit helle.\nUnpersönlich, d. h. ungöttlich und unwahr, ist alles Streben\nins Allgemeine, das nicht wirklich wird, alle Tendenz-Ver-\nschwörung des blinden Köhlerglaubens lür ein allgemeines\nGut, das nirgend existirt, weil es nicht im Herzen wieder-\ngeboren ist. Solche Verschwörungen, die viel blinderen\nGlauben fordern, als sie am Christenthume verspotten, sind\naber freilich nicht erst von den Gebrüdern Leipziger u.\nComp, erfunden. Bereits 1830 kamen uns in Berlin Symp-\ntome dieser Zeitkrankheit vor, und die hatten es wieder\nvon den pariser Clubs seit 1789 erlernt, diese wiederum\neine mangelhafte Uebersetzung geleistet aus den hundert\nJahre älteren Tory- und Whig-Kämpfen, und auch diese\ndurften sich kaum der Originalität rühmen gegenüber der\nältesten Erfahrung: Genesis XI. 4.— 8.\nAufrichtige Geschichtforschuug gibt wahre\nLebensgestalten und lehrt wahre von falschen scheiden\ndurch Mitwirkung aufrichtiger Logik; beide ruhen\nauf den Strömungen des göttlichen Geistes, der allein rich-\ntige, allgemein gültige Theorieen erschaffen kann. Wer nun,\nallen Zeugnissen der Historie zuwider, die Verbindung\nvon Geige und Ciavier unverträglich findet, während\ner die weit fremdere von Gesang und Ciavier gestattet (s.\nMarx' Comp.-Lehre, Th. 4, S. 428 und 472 der Ausg.\nvon 1847) oder wer die Harmonie und das Accord-\nwesen lediglich betrachtet als die hohle Köhre, den Raum,\nworin dieMelodieen zufällig zusammengegossen sind—oder\nwer die Freude an Eccard, Händel und Mozart einen\nveralteten Standpunkt nennt, dennoch aber an traditioneller\nVerehrung S. Bach's festzuhalten behauptet der be-\nweist mit solchen Sätzen, welcher Art seine Logik ist. Und\nwer Liszt darum lobt, weil er dem Neuzeitlichen Raum\ngebe, einerlei, ob Bibel oder Babel, Berlioz oder Ben David,\nder Sandreiter aus der Wüste, Schumann, Gade, Schubert\noder Meyerbeer, Wagner, Brahms nun, der beweis't al-\n%\nlerdings, was er von Geschichte hält und wie weit „Alt\nund Neu\" ihm eine Wahrheit ist.\nNach so viel Klagen und Anklagen kein Wort des\nFriedens? Gewiss! Es ist Gutes in derZeit vorhanden, und\nzwischen den Thoren finden sich Weise, denen die Kunst\nheilig ist, wie sie es den Vätern war. Nicht die kirchliche\nallein alle Weltlust ist geheiligt, wo reine Herzen sich\nreiner Schönheit freuen. Welche erneute Lust am Volks-\nliede erfrischt unsere durstige Zeit! Wie gewandt arbei-\nten die zierlichen Talente im Kleinen, wo Grosses versagt\nist! Sollten wir diese Talente in Cameen- und GeÄmen-\nSchnitzerei minder hoch halten, weil ihnen nicht gegeben\nist, einen phidianischenZeus zu gestalten? Oder sollen wir\nvon jeder Zeit Alles verlangen, gleich den kritischen Pro-\npheten, die da Register aufstellen von Büchern, welche an-\nnoch zu schreiben seien? Solche Thorheit, Kunstwerke\nprophetisch zu postuliren, statt vorhandene zu vernehmen\noder neue zu schaffen, ist von ziemlich neuem Datum; sie\nzieht sich durchs vorige bis in dieses Jahrhundert, und\nMattheson, Gottsched, Klopstock, F. L. Jahn u. A. sind\ndavon Zeugniss, dass kritische Propheten niemals Erfül-\nlung finden. Bescheidener sind Aristoteles und Boileau, die\nwenigstens nicht darum, weil sie mit ihm aus Einem Glase\ngetrunken, den „Mann der Gegenwart\" präconisiren, son-\ndern den Vätern Ehre geben und die Schranken der Zeit-\nbegabung anerkennen.\nWir meinen ja nicht, dass die Zeiten und Gaben mit\nMauern geschieden sind. Wenn daher in dieser Zeit, die\nim Kritischen und Historischen, in Arbeit und Mechanik\nwahrhaft gross ist, dennoch ein echter Dichter, ein Künst-\nler mit dem Feuerzeichen an der Stirn erscheint: ich hoffe,\nwir würden ihn wohl erkennen und lieben; einen solchen,\nder die Herzen mit neuem Regen und Beben bewegte, des-\nsen Lippe heilige und milde Lieder strömte, dessen Werke\nzündeten mit anderem Strahl als mechanischem Gaslicht.\nUnd auch heute sind wir ja nicht ledig der schöpferischen\nGeister, nur dass sie es nicht in den alten Bahnen sind.\nLindblad's Lieder haben tiefen, holdseligen Volkston,\nHiller's und G. Schmidt's Opern sind voll melodischen\nTongehalts; Gade's und Schumann's frühere Werke\n(Gade bis zur zweiten Sinfonie, Schumann bis zur Peri)\nbringen Gestalten, nicht blosse Schatten; Chopin's kurze\nSätze athmen jene glühende Luft, die ihn später versengte\nbis zum Fanatismus, woran seine grösseren Compositionen\nzu Grunde gingen. Von den Jüngstgeschiedenen ausser\nChopin sind Berger und Fr. Schubert, die innigsten\nGeistesverwandten Beethoven's, hervor zu heben; jener in"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.5", "texte": "köstlichen Clavier-Sonaten (Op. 6, 7) des Meisters dunkle\nWeise erhellend und erläuternd, dieser die phantastischen\nInstrumental-Ideen in vocale Näherung rückend und hier\nall sein Herz ergiessend, daher seine Lieder meist unnenn-\nbar schön, die Instrumentationen schwach und trocken\nsind *).\nNoch viel Derartiges hätten wir auf dem Herzen, wol-\nlen es aber sparen auf gelegene Zeit. Einstweilen bitten\nwir- die Freunde um Verzeihung, wo wir in Worten zu\nviel gethan, und erwarten, von den Gegnern gehörig ge-\nstriegelt zu werden. Sollte der schon heute\nfordern, dass überall bestimmt Partei genommen werde\nund Alles „Hie Weif, hie Waibling!\" schreie, so geben\nwir nur noch schliesslich zu bedenken, dass\neine schöne Sache ist, wo es das Vaterland gilt und den\nKampf wider die Geister unter dem Himmel. Den kindi-\nschen Esprit dagegen, der Tertia wider Quarta hetzt, ach-\nten wir nicht höher, als den der Wahnsinnigen im Irren-\nhause, die sich unter einander prügeln, bis ein Vernünftiger\nzwischen sie tritt, worauf sie insgesammt instinctmässig\nwider diesen Partei nehmen.\n\nBericht des Vorstandes der Deutschen Tonhalle\nüber die bisherige Wirksamkeit des Vereins.\n(Auszug.)\nZunächst sehen wir uns verpflichtet, unseren aufrich-\ntigen Dank allen denjenigen abzustatten, welche beim Ent-\nstehen des Vereins und seither durch Vertrauen in unsere\nredliche Verwaltung, besonders aber durch geneigte Spen-\nden und jährliche Beiträge seine Zwecke unterstützt und\ngelördert haben.\nAm Schlüsse des ersten Jahres seiner Wirksamkeit\nzählte der Verein 171, am Schlüsse des zweiten Jahres\n268 Mitglieder, und jetzt ist diese Zahl auf 400 ange-\nwachsen.\nBisher schon hatte sich der Verein höchst ehrenvoller\nAnerkennung und vielseitiger Belobung, theils in besonde-\nren Zuschriften, theils in öffentlichen Blättern, zu erfreuen,\nund es berechtigt uns dieses zu der Hoffnung, dass die\nTheilnahme an demselben eine immer allgemeinere werden\nwird und künftig stets mehr und bedeutendere Werke deut-\nscher Tonkunst durch ihn hervorgerufen werden können.\nAuf Vorlage der Satzungen geruhten Se. Königliche\nHoheit der Durchlauchtigste Prinz-Regent von Baden der\nTonhalle Höchstihre, die Vereinszwecke reichlichst fördernde\nGunst angedeihen zu lassen; auch Se. Königliche Hoheit\nLudwig III., Grossherzog von Hessen, Ihre Königliche Ho-\nheit Frau Grossherzogin Stephanie von Baden, Se. Hoheit\nErnst II., Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha, Se. Durch-\nlaucht Karl Egon Fürst von Fürstenberg und Ihre Durch-\nlaucht Frau Maria Magdalena Fürstin von Ysenburg-Birstein\nhaben die Vereinszwecke grossmüthigst unterstützt und\ngefördert.\nDringende Pflicht ist es uns ferner, den jeweils als\nPreisrichter erwählten deutschen Tondichtern unseren ge-\nfühltesten Dank dafür zu erstatten, dass dieselben dieses\nschwierige, zeitraubende, tiefe Kunstkenntnisse und Erfah-\nrungen erheischende, ihnen aus Vertrauen und Hochachtung\nübertragene Preisrichter-Amt angenommen und pünktlichst\nausgeübt haben. Ohne diese sehr zu ehrende Bereitwillig-\nkeit würde der Verein, ungeachtet des löblichsten Strebens,\nweit von Erreichung eines anerkennungswürdig achtbaren\nErfolges seither zurückgeblieben sein, und nur die fortwäh-\nrende Geneigtheit solcher Meister für die Sache des Vereins\nvermag demselben eine gedeihliche Wirksamkeit \"auch für\ndie Zukunft zu sichern.\nAls Preisrichter für die unten benannteu Werke waren\nnach den Satzungen (14. b u. c) erwählt:\nHerr General-Musik-Director und Hof-Capellmeister\nDr. L. Spohr in Kassel: bei I., IL, III., IV., V. u. VI.;\nHerr Hof-Capellmeister Jos. Strauss in Karlsruhe:\nbei I. u. III.;\nHerr Hof-Capellmeister Kai Ii wo da in Donaueschin-\ngen: bei I.;\nHerr Hof-Capellmeister V.Lachner hier: bei II.u.V.;\nHerr Hof-Capellmeister Dr. Fr. Liszt in Weimar:\nbei II.*);\nHerr General-Musik-Director und Hof-Capellmeister F.\nLachner in München: bei III. u. IV.;\nHerr Hof-Capellmeister Reissiger in Dresden: bei IV.;\nHerr Capellmeister Ferdinand Hiller in Köln: bei\nV. u. VI.; und\n\n*) Gegen dieses Urtheil muss ich mir Einspruch erlauben. Dass\nSchubert's Instrumentalwerke in der Form unvollkommen sind\nund durch Längen manchmal ermüden, auch dass einige Mo-\ntive bei der ungeheuren Menge derselben schwach und von\nder Oberfläche geschöpft sind, gebe ich zu; aber im Allge-\nmeinen scheint mir Frische der Erfindung und der Phantasie\nin seinen Clavier-Sonaten und den Ciavierstücken mit Beglei-\ntung, in der C-Jw-Sinfonie und in den zwei Violin-Quar-\ntetten ganz unverkennbar. L. B.\n*) Hat sich nachher, wie mit dem 111. Preis-Ausschreiben vom\nNovember 1853 angezeigt wurde, seine Erwählung für künf-\ntig verbeten."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.6", "texte": "Herr Hof-Musik-Director Hetsch hier: bei VI.\nDie bisher ausgeschriebenen und erledigten Preis-Auf-\ngaben waren:\nI. Im Juni 1852: eine Fest-Ouverture*). Preis\n15 Ducaten. Von den eingekommenen 18 Werken wurde\ndem des Herrn V. Lachner hier der Preis zuerkannt.\nBelobt wurden die Werke der Herren F. Wüllner in\nMünster, August Mayer in Ansbach, G. Göltermann\nund J. V. Hamm in Würzburg und Karl Hering in\nBerlin.\nIL Im Januar 1853: eine Hymne („Dem Höchsten\"\nnach Strake) lür vierstimmigen Chor und Orchester, in Er-\nmangelung dieses mit Orgel-Begleitung. Preis 15 Ducaten.\nEs waren 14 Werke eingekommen, von welchen das des\nHerrn Wilhelm Scheffer in Eisenach den Preis erhal-\nten. Belobt wurden die Werke der Herren Karl Hering\nin Berlin (s. I.), Herrn. Bönike in Quedlinburg, A. F.\nLeder in Marienwerder, V. E. Becker in Würzburg und\nDr. W. Volck mar in Homberg (Kurhessen).\n111. Im Juni 1853: ein Trio in vier Sätzen, für Vio-\nline, Altviole und Violoncell. Von den eingekommenen 10\nPreisbewerbungen erhielt die des Herrn Caspar Jakob\nB i s c h o ff in Frankfurt a. M. von den Herren Preisrichtern\neinstimmig den Preis von 12 Ducaten zuerkannt, und eben-\nfalls einstimmige Belobung die des Herrn August Mayer\nin Ansbach (s. I.); auch wurden belobt die Bewerbungen\nder Herren K. Hering in Berlin (s. I. und II.) und A. F.\nLeder in Marienwerder (s. IL). Der Verfasser eines wei-\nteren belobten Trio's will nicht genannt sein.\nEiner der Herren Preisrichter äusserte bei dieser Ge-\nlegenheit, „dass es in unserer an Werken ernster Gattung\nimmer ärmer werdenden Zeit eine erfreuliche Erscheinung,\nwenn unter zehn eingesandten Trio's mehrere sich befänden,\ndie einer preiswürdigen Erwähnung sich würdig bewiesen\".\n. IV. Im November 1853 wurde für einen Quintett-\nsatz mit Einleitung für Flöte, Oboe, Clarinette, Horn und\nFagott ein Preis von 10 Ducaten ausgeschrieben. Den\nPreis erhielt unter den eingelaufenen 1 2 Werken das des\noben (III.) genannten Herrn Bischoff, besondere Belo-\nbung das des Herrn Pfarrers P. M ü 11er in Stade (bei\nFriedberg) zuerkannt, und belobt wurden die Werke der\nHerren K. Hering (s. L, 11. und III.) und Wi Ih. Tra-\nbi t i u s in Berlin.\nV. Im Lenzmonat 1854 wurde die Composition dreier\nAbendmahls-Gesänge („Herr, Du wollst uns vorbe-\nreiten\", „Nehmt hin und esst Seinßrod\", und „Ach lass,\no Herr, empfinden\"), für Männergesang und Orgel, zum\nGebrauche beim Gottesdienste, ausgeschrieben und dafür\nder Preis von 12 Ducaten ausgesetzt. Von den 44 einge-\nsandten Bewerbungswerken erhielt das des Herrn A. F.\nLeder in Marienwerder (s. 11. und III.) den Preis; beson-\nders belobt wurden die Werke der Herren L. Liebe in\nStrassburg und K. Kam merlander in Augsburg. Ferner\nwurden belobt die Werke der Herren Dr. W. Volckuvar\nin Homberg (s. II.), K. J. Bise hoff in Frankfurt a. M.\n(s. IV.), J. B. Andre in Offenbach und B. Rand hartin-\nger, Viee-Hof-Capellmeister in Wien.\nVI. Im August 1854 wurde der Verein durch Herrn\nFr. Götz hier veranlasst und in Stand gesetzt, die Corn-\nposition dessen Gedichtes: „An eine Blume das\nHerz\", für eine Singstimme und Ciavier als Aufgabe für\nden Preis von sieben Ducaten auszuschreiben. Es sind 79\nBewerbungen eingekommen, von welchen zwar keine den\nPreis zugesprochen erhielt, aber besondere Belobung den\nLiedern der Herren S. A. Zimmermann hier und Wil-\nhelm Speidel in Ulm; ausser diesen wurden belobt die\nBewerbungen der Herren J. M. H. Betiens in Roermond,\nV\nPfarrer W. Bus in Hammelburg (Grossh. Hessen), Her-\nmann Jäschke in Breslau, F. W. Markuli in Danzig,\nE. Methfessel in Winterthur, W. Nick in Fulda und\nHugo Schwant zer in Berlin.\nAusser diesen sechs Preis-Ausschreiben, durch welche\n177 musicalische Werke verschiedener Gattungen vom\nVereine hervorgerufen, von welchen 37 durch preisrich-\nterliche Zuerkennung von Preisen und Belobungen ausge-\nzeichnet wurden, erliess derselbe die Einladung zur Origi-\nnal-Composition einer Sinfopie (in vier Sätzen) für voll-\nständiges Orchester und setzte hiefür einen (den VII.) Preis\nvon 200 Fl. aus. In der vom 11. August v. J. bis zum\nEnde des verflossenen Monats gelaufenen Bewerbungszeit\nsind uns 39 Sinfonieen zugekommen, welche wir den drei\nerwählten Herren Preisrichtern zur Beurtheilung vorzulegen\nbereits den Anfang gemacht haben. Das Ergebniss der Be-\nurtheilung werden wir, sobald es uns vorliegen wird, be-\nkannt machen.\nUebersicht der Tonhalle-Casse.\nEinnahme:\nEin- R . Beson- c\ntritts- dcreGe- Sonsü- Im\nGeld. lrt° \" schenke es' Ganzen.\nIm 1. Jahre (1852/53) . . 94.56'134.12 68-41 1.58 299.47\n„ 11. Jahre (1853/54) .. 53. öj 128.45 260. 6 3.23 445.19\n„ 111. Jahre (1854/55) . . 92.45| 148.24j259. 8 —.42 500.59\n240.46,411.211587.551 6. 3 1246. 5\n\n*) Nach den Satzungen des Vereins hat derselbe an keine Preis-\nbewerbung ein Eigenthumsrecht."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.7", "texte": "Ausgabe:\nQ Druck-u.j Post- u. Bedie- r\nbedarf.\" Sendge- Preise. ' nung u.\nkosten, bahren. versch.\nIm I. Jahre .. . 4.30 47.50 39. 84.- 21.39 ' 196.59\n„ 11. Jahre .. . 5. 6 42.19 28.21 151.42 21.47 255.21\n„ 111. Jahre ... 640 100. 8 91.40 56. 62.38 317. 6\n16.16 190.17 159. 71291.42|112. 4[ 769.26\nMannheim, im Lenzmonat 1855.\n\nAus Frankreich.\ng.\nAls ich auf meiner Rückreise aus dem nördlichen Deutschland\nnach Paris mich mit Ihnen über die Zustände der Gesang-Mu-\nsik in Frankreich unterhielt und um so mehr empfand, dass der\nChorgesang (d. h. der eigentliche Chorgesang, Frauen- und Män-\nnerstimmen vereint) bei uns noch in den ersten Anfängen liegt, je\nmehr ich die Leistungen der deutschen Dilettanten-Vereine in allen\ngrossen und mittleren Städten schätzen gelernt und davon ein beson-\nders bewundernswertes Beispiel in Köln gefunden hatte, da glaubte\nich nicht, dass ich noch auf derselben Reise die erfreuliche Veran-\nlassung finden würde, Ihnen von der Gründung eines städtischen\nGesangvereins nach deutschem Muster in Frankreich Nachricht ge-\nben zu können.\nDie Entstehung einer solchen Gesellschaft würde freilich in Ih-\nrem Lande keiner besonderen Erwähnung werth sein; Sie glauben\naber nicht, mit welchen Hindernissen und Vorurtheilen die Errich-\ntung eines Vereins von gemischten Stimmen, wenn er aus Dilettan-\nten bestehen soll, bei uns in der Provinz und selbst in Paris zu\nkämpfen hat, trotz der sonderbaren Illusion, welche sich die Fran-\nzosen, wenigstens die Pariser, machen, als gäben sie den Ton in\nder Kunst an; sie vergessen, dass die Tonkunst einen anderen Ton\nverlangt, als den der Mode und der Gesellschaft.\nDie Schwierigkeiten, welche sich der Gründung von Gesang-\nVereinen entgegen stellen, liegen zuvörderst darin, dass der höhere\nKunstsinn namentlich in der Provinz noch auf einer sehr niedri-\ngen Stufe steht, dass folglich die ernstere Musikgattung, in welcher\nallein der Stoff für den Chorgesang gefunden wird, fast gar keinen\nAnklang findet. Sie werden fragen: „Hat denn die Kirche keinen\nEinfluss auf die musicalische Geschmacks-Bildung, da ja doch die\nMusik ein Bestandtheil des Cultus ist?\" —■ Ach, da treffen Sie ge-\nrade den wundesten Fleck. Wo die Militärmusik und vor Allem\nder Serpent in der Kirche herrscht, wo der Organist nichts gilt,\nwenn er nicht aus Robert oder Norma oder aus noch schlimmeren\nProducten der frivolen Tages-Composition ein Ragout zum Besten\ngibt, wo die Geistlichkeit im Allgemeinen von der Musik nicht nur\nweniger versteht, sondern sie auch geringer schätzt, als jeder Dorf-\nSchulmeister in Deutschland, wo die Aufführung einer musicalischen\nMesse ein Ereignissist, ja, wo in vielen Sprengein korribile\ndicht, der gemeinschaftliche Gesang von Männern und Frauen\nin der Kirche durch die Bischöfe und Erzbisphöfe verboten ist\nwas wollen Sie da von der Einwirkung der Kirchenmusik auf\nden Sinn für die Tonkunst erwarten? Man muss im Gegentheil\numgekehrt wirken.\nZweitens tritt der Gründung von Vereinen entgegen, dass den\nFranzosen die technische Ausführung das Höchste ist. Sich an dem\nWerthe der Composition zu ergötzen, wenn er auch nicht glänzend\nans Licht gebracht wird, das fällt nur sehr Wenigen ein. Daher\ndenn die Sucht jedes Musikers und jedes einiger Maassen begab-\nten Dilettanten, seine eigenen Leistungen, seine eigene Persönlich-\nkeit an den Mann zu bringen, ein Umstand, der ein erfolgreiches\nZusammenwirken verschiedenartiger Kräfte unmöglich macht.\nFerner ist die Etiquette und die hergebrachte Sitte, welche re-\ngelmässige Zusammenkünfte beider Geschlechter nicht billigt, dann\ndas Vorurtheil, welches die Qualification eines Vereins-Mitgliedes\nnach den äusseren Verhältnissen desselben, nicht nach seinen musi-\ncalischen Eigenschaften würdigt, die verschiedene oder vielmehr\nsehr bestimmt geschiedene Classen-Eintheilung, welche la Noblesse,\nle haut Commerce, le petü Commerce, les Arlistes? les Artiscins (um\nvon den Ouvriers zu schweigen) von einander trennt, alles das\nsind sehr hemmende und dabei doch sehr zart zu behandelnde\nDinge, wenn man nicht gleich von vorn herein scheitern will.\nEndlich fehlt es in Frankreich zwar nicht an guten Lehrern für\neinzelne Instrumente, aber wohl an tüchtigen Musikern, welche durch\nmusicalische und allgemeine Weltbildung zugleich im Stande sind,\ndie Direction von Gesangvereinen zu leiten.\nSie können daher leicht denken, wie es mich überraschte, in\nLille einen Gesangverein kennen zu lernen, welcher bereits einen\nrecht schönen Anfang zur Einübung von classischer Vocalmusik\ngemacht hat. Die Stiftung desselben ist das Verdienst Ihres Lands-\nmannes, des Hrn. Emil Steinkühler. Seine äusseren Verhält-\nnisse und die Stellung, welche er sich hier durch seine langjährige\nWirksamkeit und seinen ehrenwerthen Charakter errungen hat,\nsetzten ihn in den Stand, die höheren Classen der Gesellschaft für\ndie gute Sache zu gewinnen, indem er mit Recht besonders auf\nden Zustand der Kirchenmusik aufmerksam machte und den Ein-\nfluss ins Licht setzte, den ein Gesangverein, der sich vorzüglich\nmit geistlicher Musik beschäftige, nothwendig darauf haben würde.\nUm die Liebhaberei an der Sache zu wecken, versuchte er, einige\nder besten Dilettanten im Anfange des Winters bei sich zu Hause\nzu musicalischen Gesammt-Uebungen zu versammeln. Es gelang,\nund so bildete sich ein edler Kern, welcher gar bald Früchte trug.\nDenn schon am 1. Januar 1855 trat ein Verein zusammen, der\nfünfzig Damen und Herren als Mitglieder zählt und die heilige\nCacilia als Taufpathin und Patronin erwählt hat. Ein Vorstand\nwurde aus den angesehensten Dameft und Herren der Stadt und\nzu dessen Präsidenten Herr L. Danel gewählt, den Sie als einen ei-\nfrigsten Förderer musicalischer Bestrebungen kennen. Der Präfect\ndes Nord-Departements, der Maire, der Commandant der Division\nu. s. w. gehören als Ehren-Mitglieder zu dem Vereine, welcher sich\nalle Freitage in dem Saale der Academie de musique versammelt.\nHerr Steinkühler hat mit Recht für den Anfang leichtere und vor-\nzugsweise melodische Stücke von Haydn und Mozart zur Einübung\ngewählt, und nach den Proben, die ich mit angehört, ist der Er-\nfolg bereits ein sehr erfreulicher.\nDie Statuten scheinen mir im Allgemeinen recht zweckmässig.\nDie Mitglieder zerfallen in Mitwirkende (50 Francs jährlicher Bei-\ntrag und 20 Fr. Eintrittsgeld) und Zuhörende (25 Fr. Beitrag und\n10 Fr. Eintrittsgeld). In den Sommer-Monaten vom 15. Juni bis 15.\nOctober sind Ferien. Alles Musicalische ordnet der Musik-Director\nall ein an.\nMöge denn dieser Keim eine recht kräftige Saat treiben und\nsich die Lust an der Sache durch Ausdauer bewähren, um der\nStadt Lille die Ehre zu verschaffen, den Ernst der Kunstliebe in\nFrankreich glücklich geweckt und zum Gedeihen gebracht zu haben!\nParis, im März.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nKöln. Der Tod des Concertmeisters F. Hart mann hat eine\nganz ausserordentliche Theilnahme erregt, welche ein schönes Zei-\nchen für die trefflichen Eigenschaften des Dahingeschiedenen als\nMensch und als Künstler ist, und zugleich den kölner Kunstfreun-\nden zur höchsten Ehre gereicht, indem sie jene Theilnahme durch"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550414-01.1.8", "texte": "die That auf eine Weise bewährt haben, welche die Existenz der\nHinterlassenen einer Witwe mit eilf Kindern, von denen nur\nder älteste Sohn selbstständig ist auf mehrere Jahre hinaus\nnicht nur vollkommen sicher stellt, sondern auch die Mittel schafft\n(und mit Hülfe von Concerten und Aufführungen zu demselben\nZwecke nach und nach vergrössern wird), durch welche für die\nErziehung und Bildung der Kinder, deren jüngstes erst drei Mo-\nnate alt ist, gesorgt werden kann. Binnen wenigen Tagen wies die\nSubscriptions-Liste bereits eine Summe von 1200 Thalern jährlich\nauf drei Jahre, also im Ganzen von 3600 Thlrn., auf! Mögen die\nGeber auch die Kundwerdung nicht wünschen, wir meinen, die\nmusicalische Welt müsse es erfahren, dass es eine deutsche Han-\ndelsstadt gibt, welche ihre Achtung vor der Kunst auf eine so edle\nWeise bethätigt.\nAuf nächsten Dinstag, den 17. d. Mts., hat die Concert-Gesell-\nschaft ein Concert zum Besten der Hartmann sehen Kinder veran-\nstaltet, in welchem die grosse Messe in D-dur und die Sinfonia\nEroica zur Aufführung kommen.\nArthur Napoleon hat hier noch drei Concerte im Stoll-\nwerck'schen Theatersaale gegeben, welche, obwohl an drei auf ein-\nander folgenden Tagen, dennoch sehr besucht waren.\nUnsere Oper wird in einigen Tagen von Gent uud Antwer-\npen zurückkehren, hier noch sechs Opern geben, unter anderen\nauch Meyerbeer's Stern des Nordens, und dann nach\nStrassburg gehen.\nIn einem Berichte aus Dresden über Meyerbeer's „Stern\ndes Nordens\" in der leipziger Neuen Zeitschrift für Musik, Nr. 11,\nlesen wir: „Die Oper kann und soll nur die einer dichterisch ge-\nordneten Handlung zu Grunde liegenden Empfindungen in ihrer\nEntwicklung u. s. w. musicalisch zum Ausdruck bringen, wobei\nsie den Vorzug hat, gleichzeitig die verschiedensten Seelen-Zu-\nstände zur vollen Aussprache gelangen zu lassen. Weiter aber soll\nder musicalische Theil der Oper nichts alles Andere im Drama\nkann die Poesie besser u. s. w., und weil dies so ist, muss sich\nDichtung und Musik in der Oper ergänzen, müssen beide\nKünste im Musik-Drama jederzeit das Fest ihrer Vermählung feiern.\nDarauf kann man nicht fest genug bestehen.\" Wie konnte die\nRedaction, welche vor einigen Jahren behauptet hat, ihr Blatt sei\nein Parteiblatt, und es müsse in der Kunstwelt Parteiblätter geben,\neine solche Ketzerei gegen das Wagner'sche System durchgehen\nlassen ?\nAm 21. December v. J. ist zu Aurich HändeTs Messias\nvollständig aufgeführt worden, am 15. Januar d. J. Mozart's\nDon Juan, und am 26. März wurden die Bach'schen Motetten:\n„Himmelskönig\" und „Also hat Gott die Welt geliebt\", nebst eini-\ngen Sätzen von Gabrieli und Vittoria öffentlich dargebracht.\nDer Verein, welcher diese Aufführungen ins Werk setzt, hat den\nNamen Eccard-Verein und ist am 28. August 1852 durch Dr.\nE. Krüger gestiftet.\nAm 14. März ist in Emden durch den Singverein Händel's\nJosua unter Leitung des auch als Lieder-Componist bekannten\nG. Storme recht gut aufgeführt worden. Derselbe leitet auch eine\nLiedertafel, die Vorzügliches leistet.\nEilibeck. Die „Verklärung des Herrn\", ein Oratorium von F.\nKühmstedt, Professor und Musik-Director in Eisenach, wurde\nmit Beifall zur Aufführung gebracht.\nNeapel, Das Fest der „unbefleckten Empfängniss\" wurde in\nItalien mit grossem Pomp gefeiert. Mercadante, der neapolitanische\nTonsetzer, hat aus diesem Anlasse eigens einen Hymnus compo-\nnirt, welcher unter freiem Himmel zu Neapel auf dem Marsfelde,\nin Gegenwart des Königs und der ganzen königlichen Familie, der\nStaats-Minister, der Truppen und einer unermesslichen Volksmenge,\nausgeführt wurde. Im Ganzen waren 1563 Mitwirkende, und zwar\n883 Instrumentalsten und 680 Sänger, welche insgesammt aus der\nArmee genommen waren.\nIn dem am 4. Februar gegebenen Concerte des Cäcilien-Vereins\nwurde von grösseren Werken die Ouvertüre „Meeresstille und\nglückliche Fahrt\" von Mendelssohn, dann die Es-dwr-Sinfonie von\nMozart gegeben.\nMan schreibt uns aus London vom 6. April: „Wie ich glaub-\nwürdig unterrichtet bin, sind gegenwärtig Agenten und Commis-\nsionäre in Deutschland in Bewegung gesetzt, um Musiker für Dru-\nrylane und den Krystall-Palast zu werben. Wie Ihnen bekannt, hat\ndas erstgenannte Institut schon seit mehreren Jahren regelmässig\nin der ersten Hälfte der Saison Bankerott gemacht und wird, wie\nmit Bestimmtheit vorauszusehen ist, auch dieses Jahr denselben\nWeg gehen, indem es sich wieder in den Händen derselben\nSchwindler befindet. Der Krystall-Palast scheint dieser Gefahr zwar\nnicht ausgesetzt, indem trotz des schlechten Geschäftes während\nder Wmter-Saison immer richtig und pünktlich gezahlt worden ist;\ndagegen sind die Musiker vor diesem Institute in anderer Bezie-\nhung zu warnen, indem die Direction des Palastes, verführt durch\nEmpfehlungen von Dukes und Lords einen Menschen (Schallehn,\nleider ein Deutscher) zum Dirigenten gemacht, der nicht ein Fünk-\nchen Talent und so wenig Kenntnisse hat, dass er nicht im Stande\nist, die etwaigen Schreibfehler einer Polka zu corrigiren, die nur\nTonica- und Dominant-Harmonie enthält. Einen Beweis hierüber\nhat die Musical World bereits im November 1854 geliefert. Noch\nmehr liefert The Times vom 4. d. Mts., welche eine völlige Anklage\ngegen ihn enthält, weil durch sein Verfahren im Laufe des Jahres\neine Menge Musiker brodlos geworden ist. Die Ausländer sind\ndann immer am schlimmsteil daran, wenn sie, plötzlich ausser Brod,\ndurch Mangel von Local- und Sprachkenntniss in 'grosse Noth\ngerathen. Die unwürdige Behandlung der Musiker führte neulich zu\ndem Scandal, dass der Herr Dirigent von seinem eigenen Orchester\nausgepfiffen wurde im Beisein von zweitausend Besuchern! Nichts\ndesto weniger scheinen seine hohen Gönner ihn abermals zu\nschützen; denn alle Mitglieder der Capelle sind augenblicklich ent-\nlassen worden. Ich schreibe Ihnen über diese Angelegenheit mit\ndem Wunsche, dass Sie unsere Landsleute davor warnen mögen, sich\ndurch Engagements in den genannten Instituten verlocken zu lassen,\nweil London schon Hunderte von deutschen Musikern aufweisen\nkann, die auf diese und ähnliche Weise ins Unglück geführt wor-\nden sind.\n\nA. M.”"}]}