{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-04-21-01", "volume": "bmtnabi_1855-04-21_01", "ocr_sha256": "8db912c413d7ebd08e59de7784f020ef83174861f8899e467741c4aae6b4a817", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/04/21_01/bmtnabi_1855-04-21_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-04-21-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-04-21_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "123", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.2.1", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4066, "texte": "Pariser Briefe.\n[Concerte Beethoven's Musik zum Egmont im Con-\nservatoire Ste. Cecile Virtuosen.]\nDen 4. April 1855.\nDer Winter ist diesmal mit den Virtuosen im Bunde;\nes ist die Frage, wer von beiden das Feld länger behaup-\nten wird—der Winter muss doch am Ende der Frühlings-\nsonne weichen, aber was auf der Welt ist im Stande, die\nVirtuosen aus Paris zu treiben? Alle Tage Flocken in den\nStrassen und alle Tage Clavierwirbel in den Concertsälen.\nDie Alten müssen spielen, um nicht vergessen, die Jungen,\num berühmt zu werden. Und nun vollends die milden\nZwecke! Was dafür alles zusammen geklingelt oder viel-\nmehr zusammen geklüngelt wird, um dieses ausdrucksvolle\nkölnische Wort zü gebrauchen, davon hat man auswärts\nkaum eine Vorstellung. Es ist ordentlich, als wenn die Her-\nzoginnen, Gräfinnen, Ministerinnen, Jüdinnen und was sonst\nzur hohen Aristokratie gehört, gar nicht vollständig Toilette\ngemacht hätten, wenn sie nicht die Taschen und Beutel\nvoll Concert-Billets haben, welche sie mit der liebenswür-\ndigsten Zudringlichkeit gegen das baare Geld ihrer Anbeter\nund Verehrer umtauschen. Und was thut man nicht alles\num der Liebe willen! ich meine die und die Phi-\nlanthropie. Es gibt kein Unglück, für das nicht Musik ge-\nmacht wird; da diese nun oft herzlich schlecht ist, so hat\nman schon daran gedacht, einen Rückversicherungs-Verein\nzu gründen, welcher Concerte zum Besten der Zuhörer\nins Werk setzte, die bei der Wohlthätigkeits-Musik Geld\nund Geduld verloren hätten.\nDoch lassen wir die Virtuosen für jetzt, und reden\nwir von den letzten Concerten der .grösseren Orchester-\nVereine. Ein erfreuliches Ereignissist die Bereicherung des\nRepertoires in den Conservatoriums-Concerten durch B e e t-\nhoven's vollständige Musik zu Göthe's Egmont. Ich\nnenne es ein Ereigniss; denn erstens ist die Aufführung ein\nneuer Triumph deutscher Musik in Paris gewesen, und\nzweitens hat sie die grosse Wirkung der Instrumental-Mu-\nsik in Verbindung mit dem gesprochenen Worte bewährt,\neine Wirkung, welche man hier bisher nur aus den Melo-\ndramen kannte, in denen bekanntlich sowohl die Poesie als\ndie Musik auf einer sehr niedrigen Stufe zu stehen pflegt.\nSchon Habeneck hatte, wie ich höre, die Aufführung\ndieser herrlichen Musikstücke in Aussicht genommen; allein\nes kam nicht dazu. Jetzt, am 11. März, hörten die Pariser\nzum ersten Male diese Composition, und, zu ihrer Ehre\nmuss ich es sagen, sie waren entzückt und ergriffen. Bei\nNummer 5, jenen Nachklängen der Melodie von Clärchen's\nLied: „Freudvoll und leidvoll\", brach nach der Fermate\nder Oboe, von Verroux unübertrefflich schön vorgetragen,\nein wahrer Sturm los. Eben so tief ergriff die wundervolle\nMusik zu Egmont's Traum die Gemüther; überhaupt machte\ndas Ganze einen sichtbaren Eindruck auf alle Zuhörer. Es\nmusste am 1. April wiederholt werden, und es war mir\nunmöglich, zwei deutschen Freunden Zutritt zu verschaf-\nfen; denn kein Abonnent war dazu zu bringen, seinen\nPlatz abzutreten.\nDas verbindende Gedicht war von Henri Trianon,\nder sich durch die Texte zu Wolfram's „Meistersänger\",\nzum Ballet Orpha u. s. w. vortheilhaft bekannt gemacht\nhat. Er hat seine Aufgabe recht gut gelös't und so viel von\nGöthe's Gedanken wiederzugeben versucht, als ihm der\nenge Rahmen erlaubte, in den er das Gemälde der ganzen\nTragödie fassen musste. Sowohl im richtigen Maasse der\nLänge des Gedichtes im Verhältniss zur Musik, als in Nach-\nbildung des Einzelnen und Anpassung der Worte auf die\nTöne ist er recht glücklich gewesen, wenn man die Schwie-\nrigkeit der Aufgabe bedenkt. Den Vortrag hatte ein junger\nSchauspieler vom Odeon übernommen. Wie gespannt ich\nmit persönlicher Theilnahme folgte, kannst Du Dir wohl\ndenken, da ich Dein Gedicht zu derselben Musik in Ab-\nschrift aufbewahrt habe und mir stets der Eindruck in der\nErinnerung vorschwebte, den die Aufführung dieser Musik\nin dem Concerte bei der Einweihung des Denkmals der\nSchill'schen Officiere in Wesel machte. Ich theile Dir einige\nProben mit, zunächst die Nachbildung von „Freudvoll und\nleidvoll\", wovon freilich die erste Strophe besser gelungen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4685, "texte": "ist, als die zweite; dass der Dichter aber eine zweite über-\nhaupt zugefügt, ist für eine Concert-Aufführung gewiss\nnicht zu tadeln.\nI.\nfitre morose et joyeux tour a tour.\nVoir son repos s'eloigner sans retour,\nCherir sa peine,\nMaudire le jour,\nC'est le bonheur, c'est le ciel, c'est l'amour.\nBrüler des feux d'une fievre soudaine,\nVoir son repos s'eloigner sans retour,\nC'est le bonheur, c'est le ciel, c'est l'amour!\n11.\nCroire eternels le printemps et les fleurs,\nCroire eternels le sourire et les pleurs,\nDouter sans cesse,\nMaudire le jour,\nC'est le bonheur, c'est le ciel, c'est l'amour!\nJusqu'a la mort epuiser la tristesse,\nVoir son repos s'eloigner sans retour,\nC'est le bonheur, c'est le ciel, c'est l'amour!\nDie Einleitung zur Traum-Musik und der unmittelbar\nfolgenden Sieges-Sinfonie lautet so:\nEgmont.\nSommeil, dernier ami, consolateur supreme.\nNulle voix ne t'appelle, et tu viens de toi-meme,\nSouverain absolu du monde interieur,\nTu dissipes la joie et calmes la douleur.\nLe cercle harmonieux des mouvemenls intimes\nLibrement se deroule en tes vagues abimes.\nUn vertige saisit nos yeux irresolus...\nTout tremble... tout s'efface... et nous ne sommes plus.\nTout a coup le cachot se remplit de lumiere;\nLe mur s'entr'ouvre. Egmont releve la paupierc;\nII voit la liherte,\nSous les beaux traits de Ciaire,\nLui tendre le laurier de l'immortalite.\nCe n'est qu'un songe, helas! Que t'imporie, ame fiere!\nReveille-toi gaiment a l'appel du tambour:\nYa mourir, ton pays doit etre libre un jour.\nDer Herausgeber der France musicale, Herr Escudier,\nhat viel gegen die Deutschen gut zu machen; aber wir\nversöhnen uns fast mit ihm, wenn er von dieser Traum-\nScene sagt: „Wie soll man die unvergleichliche Schönheit\ndieser Musik schildern? Man vergisst das Mittel und gibt\nsich allein der Wirkung hin. Ist es Musik? Malerei? Poesie?\nIst es ein Traum? ist es Wirklichkeit? Man weiss es nicht,\nman will es nicht wissen. Das Herz ist ergriffen, die Thrä-\nnen fliessen, der Geist ist entzückt.\"\nDie Ausführung war im Orchester vortrefflich, nur\nstörte es oft sehr unangenehm, besonders den, der die Mu-\nsik genau so kennt, wie Beethoven sie geschrieben, dass\ndie von fremder Hand eingeflickten Schlüsse der einzelnen\nNummern zum Vorschein kamen. Wenn ich mich recht\nerinnere, hast Du dieses fehlerhafte Verfahren in diesen\nBlättern schon einmal gerügt*). Dem Vortrage der Lieder\nwar Mad. Miolan nicht gewachsen.\nIn dem lünften Concerte der Gesellschaft\nhörten wir eine Wiederholung der von mir in meinem letz-\nten Berichte bereits besprochenen Sinfonie von Georges\nMathias (18. März); dann eine Chor-Scene aus „Portia\",\neiner Oper, welche noch im Pult eines sehr fleissigen Hol-\nländers, Eduard de Hartog, liegt, der einiges Talent\nund viel Geld zu haben scheint; es handelt sich um einen\nTrinkchor, dessen zweiter Theil in 5/4-Tact geschrieben ist\nja, ja! die neuen Formen sollen's thun und der Instru-\nmental-Lärm! Die Don Juan-Ouverture und Beethoven's\nC-moW-Sinfonie wurden sehr gut gespielt.\nDas sechste Concert begann mit einer wild daher brau-\nsenden, melodielosen Ouvertüre von H. Berlioz zu Lord\nByron's „Corsar \" ; sie wurde vom Publicum mit entsetz-\nlicher Kälte aufgenommen. Es ist übrigens eines der frühe-\nren Werke Berlioz'. Darauf folgte, zwar im schreiendsten,\naber desto wohlthuenderen Contraste, Stradella's\nChiesa,recht schön von Fräul. Fischer von Tiefensee\ngesungen; dann Beethoven's und eine\nWiederholung des Chors von Hartog —auf Verlangen, wie\nes hiess. Der Luxus, den Herr Hartog mit der Instrumen-\ntirung treibt, verräth keineswegs einen reinen Geschmack.\nEin interessantes Werk war dagegen eine Ouvertüre zu\nHamlet von G. Mathias; wenn auch die Themen des\nAllegro nicht eben originel sind, so entbehren sie doch nicht\neiner gewissen Wärme und sind gut benutzt; die Einlei-\ntung (Adagio) hat eine poetische Farbe, und die Idee, am\nSchlüsse des Allegro einen prachtvollen Marsch (Fortinbras\nmit seinem Heere) eintreten zu lassen, ist ganz gut und mit\nGlanz durchgeführt. Das Werk fand lebhaften Beifall.\nDie italiänische Oper hat geschlossen. Sie hat\nwährend der sechs Monate 11 Opern in 84 Vorstellun-\ngen gegeben. Das Barometer des Erfolgs und also des Ge-\nschmacks des Publicums zeigt folgende Ziffern:\ntore von Verdi 23 Mal; Malilda di Shabran (!) von Ros-\nsini 11 Mal; II Barbiere 9 Mal; 7 Mal;\n7 Mal; Ernani von Verdi 6 Mal; Linda di Chamounix\nvon Donizetti 5 Mal; 1 Purilavon Bellini 4 Mal;\nBeatrice di Tenclavon Belli n i 4 Mal; von\nAlary 3 Mal; Gli Arabi nelle von Pacini 3 Mal.\n\n*) Allerdings; s. Niederrheinische Musik-Zeitung, I.\nJahrg., 1853, Nr. 6, vom 6. August, wo die Undeutlichkeit\nder Partitur in dieser Beziehung berichtigt wird.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 281, "texte": "Und dabei geht das Gerücht, dass der Hof die bisher gege-\nbene Unterstützungs-Summe erhöhen werde!—Von der\ngrossen Oper ist nichts zu melden, was einiger Maassen\ninteressiren könnte; Scribe's und Verdi's „Sicilianische\nVesper\" liegt immer noch in den Geburtswehen.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-04-21-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-04-21_01#c002", "volume": "bmtnabi_1855-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "123", "page_fin": "126", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.2.2", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.3", "debut_caractere": 283, "fin_caractere_exclue": 2267, "texte": "Beurtheilungen.\nQuataor Nr. 2 pour deux\npar Charles Evers. 058. Pr. 2 Thlr. 20 Sgr.\nLeipzig, Kistner.\nWenn es auch im höchsten Grade anzuerkennen ist,\ndass ein Clavier-Virtuose sich auch in ernsteren und stren-\ngeren Kunstformen versucht, wie z. B. das Streich-Quar-\ntett eine solche ist, so taugt es doch nicht, wenn jeder\nVersuch gleich veröffentlicht wird. Herr Evers entbehrt zur\nZeit noch allzu sehr der Gewandtheit, sich mit Leichtigkeit\nim polyphonen Stile zu bewegen, und fühlt man überall\nhindurch, wie unbequem ihm die Führung der vier selbst-\nständigen Stimmen war, und wie schwer es ihm wurde,\ndieselben seibstthätig zu beschäftigen. Daher findet man\ndenn auch alle Augenblicke Begleitungs-Figuren, wie diese:\nund viele ähnliche, die nicht ins eigentliche Quartett hinein\ngehören, durch acht, zwölf und mehr Tacte hindurch fort-\ngeführt. Was die Erfindung anlangt, so ist sie selten gera-\ndezu ignobel, aber sehr unbedeutend und förmlich strotzend\nvon den stärksten Reminiscenzen, so dass man sich fort-\nwährend fragt: Wo hast du Dies gehört, wo Jenes? Ueber-\ndies ist die Erfindung häufig ganz unquartettmässig, wenn\nman uns das Wort gestatten will. Das erste Allegro be-\nginnt mit folgendem Motiv:\nwelches, nebenbei gesagt, stark an Mozart (Terzett aus der\nZauberflöte) erinnert und dessen ungeschickte Wendung\nnach As-durden Componisten zu folgender schülerhaften\nRückmodulation veranlasst:\nGleich darauf begegnen wir folgender Sequenz, die doch\nwahrlich allzu geistlos ist, deren wir aber im Verlauf noch\nmehrere antreffen:\nNach einem vollständigen Schlüsse auf B-dur, der zwölf\nj Tacte lang dauert und in dem nur tonischer Dreiklang und\nDominant-Accord abwechseln, tritt ein zweites Motiv, aber-\nmals in Es-dur,auf. Wesshalb es nun nöthig war, in die-\nser Weise nach B-dur auszuweichen, das bleibt einem Mu-\nsiker freilich unklar. Dieses Motiv lautet:\nwelches mit seiner kurzen Weiterführung 21 Tacte füllt,\n[ worauf folgender Gedanke auftritt, dem wir jedes Prädicat"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1114, "texte": "versagen, weil jeder Musiker weiss, wie wenig er bedeutet\nund wie wenig er in ein Quartett passt:\nWir wollen uns und dem Leser die weitere Analyse\ndes Satzes ersparen und nur hinzulügen, dass die Durch-\nführung im zweiten Satze höheren Ansprüchen keineswegs\ngenügt und dass häufig alle vier Tacte der Faden abreisst.\nDas Scherzo hat noch am meisten Fluss, wie denn dieser\nSatz heutzutage leider immer am besten gelingt; wir woll-\nten, es begegnete uns bald einmal ein Quartett oder dergl.,\nin dem das Adagio der beste Satz wäre. Anklänge finden\nsich auch hier wieder die Menge, z. B.:\nAuch geben wir, ihrer Spasshaftigkeit wegen, eine Sequenz\nzum Besten:\nDas Adagio beginnt mit folgendem Motiv; wir stellen zum\nVergleiche ein ziemlich bekanntes Mozart'sches Thema\ndarunter:\nDa übrigens das Thema auf Partiturseite fünf Mal\nmit nur geringen Modificationen auftritt, so sieht man, dass\neben kein grosser Erfindungs-Reichthum vorherrscht, und\ndass man fast fortwährend an den guten Mozart erinnert\nwird. Das Finale ist der trivialste Satz des ganzen Quar-\ntettes, und geben wir zur Beglaubiguug nur folgende\nPröbchen:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3734, "texte": ". >\" / '• '\nDa wir nur Herrn Evers selbst haben reden und zeu-\ngen lassen, und somit ein jeder Leser in Stand gesetzt\nist, sich selbst ein Urtheil über dieses Quartett zu bilden,\nso dürfen wir nicht fürchten, dass man unser End-Resultat\nhart finden wird, dieses nämlich, dass vorliegendes Quartett\nein Conglomerat der verschiedenartigsten Gedanken eines\nMozart, Rossini, Beethoven, Haydn und selbst eines beliebi-\ngen Polka-Fabricanten ist, die in einer ziemlich ungeschick-\nten Weise neben einander gestellt oder durch Floskeln ver-\nbunden sind. Das Quartett ist eine unkünstlerische That.\nSinfonie in D-molllür grosses Orchester von Heinrich\nEsser. Op. 44. Partitur 8 Fl. 24 Kr., Stimmen\n12 Fl. 36 Kr. Mainz, bei Schott Söhne.\nDer Componist hat Tüchtiges geleistet, wotür ihm die\nAnerkennung und Achtung aller Musiker gebührt; doch\nglauben wir, dass er noch Besseres geleistet haben würde,\nwenn er einestheils nicht zu denen gehörte, die es aller-\ndings gern gut machen wollen, aber es dennoch auch nicht\nmit dem Publicum verderben mögen; anderenteils, wenn\ner wählerischer in seinen eigentlichen Hauptgedanken sein\nwollte. Wir wissen, wie Beethoven gesichtet, umgestaltet,\nverworfen und wieder umgestaltet hat, und dürfen uns also\nwohl überzeugt halten, dass Beethoven mit all seiner enor-\nmen Begabung dennoch nicht solche Schöpfungen gefördert\nhaben würde, wie wir sie von ihm besitzen, wenn er gleich\nmit dem ersten Gedanken, der ihm gekommen, zufrieden\ngewesen wäre. Wir finden aber dennoch häufig die Mei-\nnung verbreitet, dass der erste Gedanke immer der beste\nsei, das Feilen tauge nicht u. s. w. Ja, ja, wenn's Stück\neinmal fix und fertig, dann kommt durch Feilen und Flicken\nnicht viel mehr heraus; aber ehe ihr's zu Papier bringt,\nehe ihr den Hauptgedanken zu einer Sinfonie, sage zu\neiner Sinfonie, wählt, da prüft scharf und unerbittlich\nund seht, wo es fehlt, und grabt und grabt, nicht aber grü-\nbelt in eurem Innern, bis ihr aus dem tiefen Schacht den\nwahren Schatz hervorgeholt. Wesshalb findet man heutzu-\ntage so häufig die kurzathmigen melodischen Floskeln, die\nnichts weiter als zersetzt und wiederholt und uns dann als\nMelodieen aufgetischt werden? Wesshalb? Weil nicht ge-\nnug Ernst und Fleiss da ist! Nicht als ob einem Jeden der\nStrom der Melodieen so leicht und unerschöpflich flösse,\nwie einem Mozart oder Beethoven; aber selbst bei geringe-\nrer Begabung ist mehr zu erreichen, als erreicht wird,\nwenn man nur in Ernst und Fleiss den grossen Mei-\nstern nachahmt. Zeigt mir eine lange achttactige Melodie\nvon heute, wie Mozart und Beethoven sie uns hundertfältig\ngeschaffen, die erst mit dem achten Tacte ihren Abschluss,\nihre Rundung erhält, die nicht aus an einander gesetzten\nFloskeln besteht! Esser'sSinfonie wird nichts desto weniger\nleicht das Prädicat einer „melodischen\" erhalten und mit\nRecht; denn keinesfalls spielt er ewig mit der Melodie Ver-\nstecken, sie liegt nicht selten recht hübsch klar zu Tage\nund ist leicht fasslich, aber—nicht tief. Eben so finden wir\nhäufig Beispiele, wo sich's Herr Esser in oben näher be-\nzeichneter Weise durch blosse Wiederholung und Ver-\nsetzung eines Motivs allzu leicht macht, und dann nicht sel-\nten bis zum Gewöhnlichen herabsinkt. Fast fürchten wir,\ndass wir als Reminiscenzen-Jäger verschrieen werden, wenn\nwir zur Bekräftigung unserer Behauptung einer Esser'schen\nMelodie die andere eines österreichischen Volksliedes bei-\nfügen. Doch wagen wir es noch einmal, weil man wahrlich\ngegenwärtig allzu unbekümmert in dieser Beziehung ist,\nund weil es doch keinem Menschen zu verargen wäre, wenn\ner bei einem neuen Drama von N. N., welches mit den\nWorten anfinge: „Die schönen Tage in Aranjuez sind nun\nzu Ende\", an den Don Carlos dächte. Man urtheile selbst."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1307, "texte": "Im Scherzo finden wir ebenfalls gleich im Beginn eine auf-\nfallende Reminiscenz an das Haydn sehe Menuet-Trio in\ndessen Es-dur-Sinfonie; doch wollen wir diese fatale Ne-\nbeneinanderstellung diesmal vermeiden und nur Herrn Esser\nselber darauf aufmerksam machen. Das Trio selber aber\ntheilen wir den Lesern mit, als Beleg, wie auch Herr Esser\nMotiv an Motiv reiht und so wohlfeilen Kaufs an eine Me-\nlodie kommt.\nUeberdies ist eine solche rhythmische Monotonie, wie sie\nhier vorliegt, nicht lobenswerth. Abgesehen von solchen\nMängeln, muss man dem Componisten Einfachheit und\nKlarheit, einen guten Fluss, meist anständige Erfindung,\ngeschickte und wirkungsvolle Instrumentirung zugestehen,\nwelches unsererseits mit Freuden geschieht. Die Sin-\nfonie wird namentlich in Vereinen, Wie unsere musicali-\nsche und philharmonische Gesellschaft, wo Jahr aus, Jahr\nein fünfzig Sinfonieen gemacht werden, und wo man\ndoch nicht fortwährend mit Mozart, Haydn und Beethoven\nabwechseln kann, willkommen sein und von Zeit zu Zeit\ngern gehört werden. Die Verlagshandlung hat sich jeden-\nfalls durch das Opfer, welches sie durch die Herausgabe\ndes Werkes gebracht (denn ein Opfer ist die Herausgabe\neiner Sinfonie heutzutage stets), ein Verdienst erworben.\nEinige, doch leicht zu verbessernde Druckfehler haben wir\nbemerkt.\n5."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-04-21-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-04-21_01#c018", "volume": "bmtnabi_1855-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "127", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.2.3", "titre_corps": "Aus Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden.", "signature_source": "Hf", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.6", "debut_caractere": 1309, "fin_caractere_exclue": 3722, "texte": "Aus Wiesbaden.\n\nDen grössten Genuss von aller Musik, die wir hier zu\nhören bekommen, gewähren dem wahren Kunstfreunde die\nQuartett,-Soireen. Sie bestehen jetzt im zweiten Win-\nter und werden mit wachsender Theilnahme von einem ge-\nwählten Publicum besucht, was nicht zu verwundern ist, da\ndie hohen Herrschaften, namentlich 11. KK. Hoheiten die\nFrau Herzogin und die Prinzessin Sophie, nicht selten sie\nmit ihrer Gegenwart beehren. Herr Capellmeister Hagen,\nder Gründer derselben, hat sich dadurch ein ganz unschätz-\nbares Verdienst um unsere Stadt erworben; denn ein sol-\nches Institut ist vor allen im Stande, dem besseren Ge-\nschmacke Bahn zu brechen, und wie sehr das in einem\nBadeorte noth thut, wo das Publicum durch die Curgäste\nund die Allerwelts-Virtuosen gar leicht auf das Flache und\nSeichte geführt wird, brauche ich Ihnen nicht zu sagen.\nDas Quartett bestand diesen Winter aus den Herren\nConcertmeister B ai deneck er (erste Violine), der an die\nStelle des verstorbenen Frisch getreten, Fischer jün.\n(zweite Violine), Capellmeister Hagen (Bratsche) und G r i m m\n(Violoncello). Die Ausführung war in diesem Jahre um Vie-\nles präciser, getreuer, einheitlicher und feiner, als im vori-\ngen Winter. Wir haben in den sechs Soireen drei Quar-\ntette von Haydn, drei Quartette (in B,in F,in und\nein Quintelt (in C-dur) von M o z a r t, ein Quartett (H-moll,\nOp. 84) von Spohr, eines von Cherubini (in\neines von Fr. Schubert (in das nachgelassene\nQuintett von Mendelssohn, und von Beethoven Op.\n18 (in G-dur und in C-m,oll), Op. 59 (alle drei in F-dur,\nE-moll und C-dur)und Op. 131 (in gehört. Ist\ndas nicht ein schönes Programm? [Allen Respect!] Auch\ndas Piano war nicht ausgeschlossen; in der fünften Soiree\nkam Mendelsso. hn's Trio in zu sehr gelungener\nAufführung, wobei Herr Capellmeister Hagen, der über-\nhaupt ein sehr vielseitig gebildeter Künstler ist, die Ciavier-\nPartie übernommen hatte.\nIn dem ersten Concerte zum Vortheil des Pensions-\nFonds iür Witwen und Waisen der Orchester-Mitglieder\nwurde Beethoven's .B-cZwr-Sinfonie und Mendel s-\nsohn's Ouvertüre zur schönen Melusine aufgeführt. Von\nden Solostücken zeichnen wir Baldenecker's Vortrag\ndes Adagio und Rondo des E-mvon Vieux-\ntemps aus und erwähnen der bewiesenen Schlagfertigkeit\nwegen Herrn Ehrlich's Forte-Leistungen auf dem Piano;\nnamentlich wurde die Nordstern-Ouverture von Meyerbeer,\nfür das Ciavier eingerichtet, mit Tapferkeit in"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4295, "texte": "die Pfanne gehauen. Das zweite Concert brachte die recht\ngut ausgeführte und fein nuancirte Pastoral-Sinfonie von\nBeethoven, Cherub in i's Ouvertüre zur Faniska und\ndie Concert-Ouverture „ Die Mondnacht auf stillem W asser\"\nvon Schindelmeisser, deren schon einmal anerkennend\nErwähnung in Ihrer Zeitung geschehen ist. Mir scheint für\neine Mondscheinnacht das Licht etwas zu grell, und ob sich\ndas Sprüchwort: „Stille Wasser sind tief\", auch hier be-\nwährt, könnte die Frage sein. Wozu überhaupt diese Titel-\nsucht, welche, unter den Menschen glücklicher Weise am\nAussterben, die Musiker für ihre Kinder ergriffen hat?\nHerr Concertmeister Fischer spielte eine\ngroise für die Violine von Bidley-Kohne, die Herren\nG.Arnold und Grimm jun. eine dito für Harfe und\nVioloncell, über sehr weit ausgesponnene Motive aus dem\nTannhäuser von Herrn Arnold componirt. Fräul. Molendo\ntrug Meyerbeer's Mailied und eine Arie von Spo h r aus\nAzor und Zemire vor. Herr Brunner sang, resp. decla-\nmirte einige Lieder.\nIn dem Concerte eines sechszehnjährigen Pianisten,\nKarl Pallat, hörten wir den berühmten Contrabassisten\nConcertmeister Aug. Müller aus Darmstadt, welcher den\nstörrigen Kiesen in einem Adagio zu singen und in einem\nScherzo zu hüpfen zwang. Herr Hof-Concertmeister\nSchmidt veranstaltete eine Soiree, in welcher unter An-\nderem Beethoven's Septett vortrefflich ausgeführt\nwurde.\nAls ein Curiosum erwähne ich des Concertes der „72\nMitglieder der kaiserlich königlich österreichischen Militär-\nMusik\", welche uns im Theater zum Besten der Ueber-\nschwemmten mit Tonwellen überfluteten. Von Seiten der\n72 war der Wille gut, aber das Publicum blieb zu Hause;\ndas „Lebensbild: der Undank\", von Storch, womit das\nConcert begann, wurde eine Wahrheit! Weder Moses'\n„Gebet\", noch Verdi's Duo aus II Trovatore, noch Buy\nBlas, von 7 2 schwarz-gelben Tonangebern vorgestellt, füll-\nten den Musentempel, d. h. mit Zuhörern.\nFür Componisten, welche um einen Text für ein Duett\nverlegen sind, empfehle ich als Becept „Des jungen Krie-\ngers Scheiden\" Deutsch und Englisch von Dr. H. Fick,\nMusik für Soli, Chor und Blasinstrumente von Herrn Ca-\npellmeister F. Lux in Mainz. Man höre:\nVater. Kannst du mit blutend wundem Herzen scheiden?\nSohn. Ich muss mit blutend wundem Herzen scheiden.\nV, Vom Jugendtraume, von der Liebe Glück?\nS. Vom Jugendtraume, von der Liebe Glück.\nV. Dich ruft das Land zu seiner Bettung fort!\nS. Mich U. s. W.\nV. Sei Bürge ihm von schöner Zukunft Tagen!\nS. Als Bürge ihm u. s. w. u. s. vv.\nnitim! Ist Ihnen nicht, als hörten Sie die köstliche kölni-\nsche Carnevals-Scene: „Ich wollte dir was sagen!\" —„Du\nwolltest mir was sagen!\" u. s. w.\nDie Leitung des Cäcilien-Vereins hat seit einiger\nZeit Herr Hagen übernommen; die Aufführung von\nHaydn's „Schöpfung\" am 13. April gab erfreulichen Be-\nweis der Leistungsfähigkeit dieses Instituts im Verein mit\ndem tüchtigen Orchester des Theaters. Nur gegen die oft\nzu schnellen Tempi haben wir etwas einzuwenden. Die Soli\nsangen die Damen Mol endo und Hagen, die Herren\nB run n e r und Minetti; der Gesang der Frau Hagen war\neine sehr wohlthuende Erscheinung, nächst ihr befriedigte\nFräul. Molendo: auch Herr Brunner sang leidlich; Herr\nMinetti aber scheint keine Idee vom Gesang-Vortrage in\nOratorien zu haben. Mit der Stimme allein ist es da nicht\ngethan und noch weniger mit dem Schreien: wen nicht\nein religiöses Gefühl anweht, der wird nie Eindruck machen.\nDas Theater ist, wie gewöhnlich um diese Zeit, vom\n1. bis 20. April geschlossen. Den Winter hindurch hatten\nwir das bekannte Ilepertoire aller deutschen Bühnen zwei-\nten Banges, bei welchem an Einheit und künstlerische Bück-\nsicht nicht zu denken ist. Namentlich wo die vielköpfigen\nTheater-Comites die Herrschaft führen, machen sich die\nentgegengesetztesten und für das Gedeihen der wahren\nKunst nachtheiligsten Einflüsse gellend. Wagner's „Tann-\nhäuser\" ging einige Mal über die Bretter; auch sein „Flie-\ngender Holländer\" hob sich zwei Mal mit mattem Fluge\nempor, verschwand aber wieder spurlos in die dunkle Nacht.\nWir freuen uns auf den Sommer, auf den natürlichen\nund auf den musicalischen; wir hoffen, neben den jährlich\nbei uns einkehrenden Virtuosen dieses Mal auch die Ko-\nryphäen des niederrheinischen Musikfestes in unserem neu\nrestaurirten Cursaale erscheinen zu sehen.\n*]\n\nHf."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-04-21-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-04-21_01#c019", "volume": "bmtnabi_1855-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "128", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.2.4", "titre_corps": "Aus Gotha.", "titre_sommaire": "Aus Gotha.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.7", "debut_caractere": 4297, "fin_caractere_exclue": 4789, "texte": "Aus Gotha.\nDen 11. April 1855.\nDie diesjährige, mit Neujahr begonnene Theater-Saison bot dem\nMusikfreunde vielfache Genüsse, indem nicht allein regelmässig jede\nWoche zwei Opern-Vorstellungen Statt fanden, sondern auch solche\nWerke zur Aufführung kamen, die in Bezug auf Darstellung und\n\n*) Der Artikel über die Concerte von Laub, dessen Sie erwäh-\nnen, ist mir nicht zugegangen. Ich stimme vollkommen mit\nIhnen in der Meinung überein, „dass dieses musicalische Laub\newig grünen werde!\" L. B."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2965, "texte": "Glanz vielleicht mit manchen Bühnen grösserer Städte wetteifern\nkonnten. Neu waren: der Tannhäqser, die Stumme und das Nacht-\nlager von Granada, mit ganz neuen Costumen und sehr schönen\nDecorationen. Ausser diesen kamen zur Darstellung: Don Juan\n(Don Octavio, Gastrolle des Herrn Krön vom Hoftheater zu Braun-\nschweig), Barbier von Sevilla (zwei Mal), Weisse Dame, Santa\nChiara (drei Mal, das letzte Mal am ersten Osterfeiertage, zu Ehren\ndes anwesenden General-Musik-Directors Meyerbeer), Czaar und\nZimmermann, Prophet (zwei Mal), Undine (zwei Mal), Beiisar, Lu-\ncia, Martha, Nachtwandlerin, Robert der Teufel, Norma, Freischütz.\nAusserordentlichen Beifall fand das Gastspiel des Fräul. Anna\nZerr, die in vier Rollen als Lucia, Martha, Amine und Rosine bei\nstets vollem Hause auftrat. Die Leitung sämmtlicher Opern hatte\ndiesmal Herr Capellmeister E. Lampert übernommen. Das Opern-\nPersonal war dasselbe, wie im vorigen Jahre, nur dass Frau Mo-\nritz für Fräul. WTesterstrand engagirt worden war. Ueber die Lei-\nstungen der Träger unserer Oper, der Herren Reer (Tenor), Kill-\nmer (Bariton), Abt (Bass), Fräul. Falconi und Fräul. Remond, lässt\nsich fast durchweg nur Rühmliches sagen. Herr Reer und Fräul.\nFalconi sind ja auch durch Gastspiele auf auswärtigen grösseren\nBühnen schon in weiteren Kreisen bekannt.\nZu den musicalischen Genüssen im Hoftheater zählt man nicht\nmit Unrecht die Entreacts-Musik, um die sich hier ganz besonders\nHerr Musik-Director Topler grosse Verdienste erwirbt, theils\ndurch Arrangement gediegener älterer und neuerer Pianoforte-Com-\npositionen, hauptsächlich aber durch sorgfältige Proben. Während\nman anderwärts, selbst in grösseren Theatern, zuweilen die ge-\nwöhnlichste Musik, sogar Tänze, von unvollständig besetzten Or-\nchestern abspielen hört, bietet hier Herr Töpler ein reichhaltiges\nRepertoire der interessantesten Stücke, die, der jedesmaligen Si-\ntuation angemessen, stets von dem vollzähligen Orchester executirt\nwerden. [ln Nr. 35 des 11. Jahrgangs (1854) der Niederrheini-\nschen Musik-Zeitung hat Herr Töpler ein Verzeichniss der\nzu Entreacts geeigneten arrangirten Stücke veröffentlicht und die-\nselben den betreffenden Dirigenten im Interesse der Sache gratis\nofferirt. Die Redaction.]\nWie in früheren Jahren fanden auch diesmal die Quartett-Un-\nterhaltungen der Herren Krämer, Mündt, Töpler und Rösler den\nverdienten Beifall. Zur Aufführung kamen Quartette von Havdn,\nMozart, Beethoven, Mendelssohn, Quintett von Mozart und Octett\nvon Spohr.\nInteressant war die Aufführung der „Nacht auf dem Meere\" von\nTschirch durch die hiesige Liedertafel und das Opern-Per-\nsonal am 30. März unter der Leitung des Compcnisten. Die Solo-\nPartieen waren durch die Herren Reer und Killmer wacker ver-\ntreten, wie auch die Chöre grösstenteils gelungen. An demselben\nAbende trug ein hiesiger junger Künstler, Herr Emil Behm, Schü-\nler von Kummer in Coburg, ein Concertstück von Tulou für Flöte\nmit Orchester unter lautem Beifall vor.\n12."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-04-21-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-04-21_01#c020", "volume": "bmtnabi_1855-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "128", "page_fin": "128", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.8", "debut_caractere": 2967, "fin_caractere_exclue": 6173, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Dinstag den 17. d. Mts. fand das Concert im Casino\nzum Besten der Hinterlassenen des Concertmeisters Franz Hart-\nmann Statt. Die Concert-Gesellschaft und F. Hiller hatten dem\nVerewigten eine würdige Gedächtnissfeier veranstaltet durch Auf-\nführung der Sinfonia eroica und der grossen D-dur-Messe von\nBeethoven. Die herrliche Sinfonie haben wir wenigstens die\ndrei letzten Sätze fast noch nie so gut ausgeführt gehört. Saiten-\nund Blas-Instrumente (auch die drei Hörner) waren gleich vortreff-\nlich; an den ersten Violinen standen Pixis, vonKönigslöw,\nvon Wasielewski, Peters u. s. w. Besonders hervorheben\nmüssen wir noch die Bässe und Violoncelis und die Behandlung\nder Pauken im Trauermarsch. Die Messe machte besonders durch\ndie ersten Sätze (das Ifyrie ging vorzüglich gut) und durch das\nBenedictus grossen Eindruck.\nIn der letzten Versammlung der musicalischen Gesellschaft wurde\neine neuere Sinfonie von Gouvy gemacht, von welcher das An-\ndante am meisten ansprach. Herr Hülle, ein junger Künstler,\nwelcher aus der Rheinischen Musikschule hervorgegangen ist, trug\nMoza r t' s D-moll-Goncert für Piano und Orchester sehr gut vor\nund ärntete lebhaften Beifall.\n** Carmen. Wir haben noch zu berichten, dass in unserem\nvierten Abonnements-Goncerte am 17. Februar Händel's „Jo-\nsua\" unter Herrn C. Bei necke's Leitung zu sehr gelungener\nAufführung kam. Die Solo-Partieen waren durch Fräul. Hart-\nmann aus Düsseldorf (Achsa), Fräul. Levy aus Köln (Othniel),\ndie Herren Koch und Schiffer aus Köln besetzt. Die kleine\nPartie des „Engelsu war bei einer Dilettantin in vortrefflichen Hän-\nden. H err Koch war sehr gut bei Stimme und sang, wie immer,\necht künstlerisch; Herr Schiffer tremoiirte etwas zu viel, eine\nVortrags-Manier, die wir auch der schönen Stimme des FräuS.\nLevy hinwegwünschten; übrigens sangen Beide recht schön. Be-\nsonders aber ragte Fräul. Hart mann hervor. Die Arie: „Horch\nauf der Vögel Jubelchor\", und vor Allem die letzte: „0, hätt' ich\nJubal's Harfe!\" trug sie auf ergreifende Weise vor. Ghor und Or-\nchester waren brav. Ausserdem fanden noch zwei Concerte Statt,\nam 26. März und 4. April, das erstere zum Besten der Ueber-\nschwemmten, in welchem wir auf einer schönen Ibach'sehen Or-\ngel Herrn van Eyken hörten und seinen Vortrag der Orgel-So-\nnate in F-moll von Mendelssohn, einer Fuge von Bach und\neiner trefflichen Sonate eigener Composition bewunderten. Einen\nherrlichen Genuss gewährten ferner die vorzüglichen Leistungen\ndes Violinisten Herrn Otto von Königs low, welcher im ersten\nConcerte die grosse Beethoven'sche Sonate in A mit Herrn 11 ei-\nnecke und im zweiten Spohr's Gesangscene und die Elegie von\nErnst meisterhaft spielte.\nBoger hat bei seiner letzten Anwesenheit in Berlin von\neinem Vereine von Kunstfreunden einen Kranz von Gold und Sil-\nber erhalten, dessen Blätter in grünem Schmelz die Worte zeigen:\n„Raoul, Johann von Leyden, Eleazar, Masaniello, Fernando, Edgar,\nGeorges Brown, Erlkönig.\" Se. Maj. der König hat ihm ausser\nwerthvollen Brillanten die grosse goldene Denkmünze für Kunst\nund Wissenschaft überreichen lassen.\nOle Bull hat am 17. Februar in New-York eine neue\nOpern-Unternehmung mit Verdi's Rigoletto eröffnet»"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.1", "texte": "Pariser Briefe.\n[Concerte Beethoven's Musik zum Egmont im Con-\nservatoire Ste. Cecile Virtuosen.]\nDen 4. April 1855.\nDer Winter ist diesmal mit den Virtuosen im Bunde;\nes ist die Frage, wer von beiden das Feld länger behaup-\nten wird—der Winter muss doch am Ende der Frühlings-\nsonne weichen, aber was auf der Welt ist im Stande, die\nVirtuosen aus Paris zu treiben? Alle Tage Flocken in den\nStrassen und alle Tage Clavierwirbel in den Concertsälen.\nDie Alten müssen spielen, um nicht vergessen, die Jungen,\num berühmt zu werden. Und nun vollends die milden\nZwecke! Was dafür alles zusammen geklingelt oder viel-\nmehr zusammen geklüngelt wird, um dieses ausdrucksvolle\nkölnische Wort zü gebrauchen, davon hat man auswärts\nkaum eine Vorstellung. Es ist ordentlich, als wenn die Her-\nzoginnen, Gräfinnen, Ministerinnen, Jüdinnen und was sonst\nzur hohen Aristokratie gehört, gar nicht vollständig Toilette\ngemacht hätten, wenn sie nicht die Taschen und Beutel\nvoll Concert-Billets haben, welche sie mit der liebenswür-\ndigsten Zudringlichkeit gegen das baare Geld ihrer Anbeter\nund Verehrer umtauschen. Und was thut man nicht alles\num der Liebe willen! ich meine die und die Phi-\nlanthropie. Es gibt kein Unglück, für das nicht Musik ge-\nmacht wird; da diese nun oft herzlich schlecht ist, so hat\nman schon daran gedacht, einen Rückversicherungs-Verein\nzu gründen, welcher Concerte zum Besten der Zuhörer\nins Werk setzte, die bei der Wohlthätigkeits-Musik Geld\nund Geduld verloren hätten.\nDoch lassen wir die Virtuosen für jetzt, und reden\nwir von den letzten Concerten der .grösseren Orchester-\nVereine. Ein erfreuliches Ereignissist die Bereicherung des\nRepertoires in den Conservatoriums-Concerten durch B e e t-\nhoven's vollständige Musik zu Göthe's Egmont. Ich\nnenne es ein Ereigniss; denn erstens ist die Aufführung ein\nneuer Triumph deutscher Musik in Paris gewesen, und\nzweitens hat sie die grosse Wirkung der Instrumental-Mu-\nsik in Verbindung mit dem gesprochenen Worte bewährt,\neine Wirkung, welche man hier bisher nur aus den Melo-\ndramen kannte, in denen bekanntlich sowohl die Poesie als\ndie Musik auf einer sehr niedrigen Stufe zu stehen pflegt.\nSchon Habeneck hatte, wie ich höre, die Aufführung\ndieser herrlichen Musikstücke in Aussicht genommen; allein\nes kam nicht dazu. Jetzt, am 11. März, hörten die Pariser\nzum ersten Male diese Composition, und, zu ihrer Ehre\nmuss ich es sagen, sie waren entzückt und ergriffen. Bei\nNummer 5, jenen Nachklängen der Melodie von Clärchen's\nLied: „Freudvoll und leidvoll\", brach nach der Fermate\nder Oboe, von Verroux unübertrefflich schön vorgetragen,\nein wahrer Sturm los. Eben so tief ergriff die wundervolle\nMusik zu Egmont's Traum die Gemüther; überhaupt machte\ndas Ganze einen sichtbaren Eindruck auf alle Zuhörer. Es\nmusste am 1. April wiederholt werden, und es war mir\nunmöglich, zwei deutschen Freunden Zutritt zu verschaf-\nfen; denn kein Abonnent war dazu zu bringen, seinen\nPlatz abzutreten.\nDas verbindende Gedicht war von Henri Trianon,\nder sich durch die Texte zu Wolfram's „Meistersänger\",\nzum Ballet Orpha u. s. w. vortheilhaft bekannt gemacht\nhat. Er hat seine Aufgabe recht gut gelös't und so viel von\nGöthe's Gedanken wiederzugeben versucht, als ihm der\nenge Rahmen erlaubte, in den er das Gemälde der ganzen\nTragödie fassen musste. Sowohl im richtigen Maasse der\nLänge des Gedichtes im Verhältniss zur Musik, als in Nach-\nbildung des Einzelnen und Anpassung der Worte auf die\nTöne ist er recht glücklich gewesen, wenn man die Schwie-\nrigkeit der Aufgabe bedenkt. Den Vortrag hatte ein junger\nSchauspieler vom Odeon übernommen. Wie gespannt ich\nmit persönlicher Theilnahme folgte, kannst Du Dir wohl\ndenken, da ich Dein Gedicht zu derselben Musik in Ab-\nschrift aufbewahrt habe und mir stets der Eindruck in der\nErinnerung vorschwebte, den die Aufführung dieser Musik\nin dem Concerte bei der Einweihung des Denkmals der\nSchill'schen Officiere in Wesel machte. Ich theile Dir einige\nProben mit, zunächst die Nachbildung von „Freudvoll und\nleidvoll\", wovon freilich die erste Strophe besser gelungen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.2", "texte": "ist, als die zweite; dass der Dichter aber eine zweite über-\nhaupt zugefügt, ist für eine Concert-Aufführung gewiss\nnicht zu tadeln.\nI.\nfitre morose et joyeux tour a tour.\nVoir son repos s'eloigner sans retour,\nCherir sa peine,\nMaudire le jour,\nC'est le bonheur, c'est le ciel, c'est l'amour.\nBrüler des feux d'une fievre soudaine,\nVoir son repos s'eloigner sans retour,\nC'est le bonheur, c'est le ciel, c'est l'amour!\n11.\nCroire eternels le printemps et les fleurs,\nCroire eternels le sourire et les pleurs,\nDouter sans cesse,\nMaudire le jour,\nC'est le bonheur, c'est le ciel, c'est l'amour!\nJusqu'a la mort epuiser la tristesse,\nVoir son repos s'eloigner sans retour,\nC'est le bonheur, c'est le ciel, c'est l'amour!\nDie Einleitung zur Traum-Musik und der unmittelbar\nfolgenden Sieges-Sinfonie lautet so:\nEgmont.\nSommeil, dernier ami, consolateur supreme.\nNulle voix ne t'appelle, et tu viens de toi-meme,\nSouverain absolu du monde interieur,\nTu dissipes la joie et calmes la douleur.\nLe cercle harmonieux des mouvemenls intimes\nLibrement se deroule en tes vagues abimes.\nUn vertige saisit nos yeux irresolus...\nTout tremble... tout s'efface... et nous ne sommes plus.\nTout a coup le cachot se remplit de lumiere;\nLe mur s'entr'ouvre. Egmont releve la paupierc;\nII voit la liherte,\nSous les beaux traits de Ciaire,\nLui tendre le laurier de l'immortalite.\nCe n'est qu'un songe, helas! Que t'imporie, ame fiere!\nReveille-toi gaiment a l'appel du tambour:\nYa mourir, ton pays doit etre libre un jour.\nDer Herausgeber der France musicale, Herr Escudier,\nhat viel gegen die Deutschen gut zu machen; aber wir\nversöhnen uns fast mit ihm, wenn er von dieser Traum-\nScene sagt: „Wie soll man die unvergleichliche Schönheit\ndieser Musik schildern? Man vergisst das Mittel und gibt\nsich allein der Wirkung hin. Ist es Musik? Malerei? Poesie?\nIst es ein Traum? ist es Wirklichkeit? Man weiss es nicht,\nman will es nicht wissen. Das Herz ist ergriffen, die Thrä-\nnen fliessen, der Geist ist entzückt.\"\nDie Ausführung war im Orchester vortrefflich, nur\nstörte es oft sehr unangenehm, besonders den, der die Mu-\nsik genau so kennt, wie Beethoven sie geschrieben, dass\ndie von fremder Hand eingeflickten Schlüsse der einzelnen\nNummern zum Vorschein kamen. Wenn ich mich recht\nerinnere, hast Du dieses fehlerhafte Verfahren in diesen\nBlättern schon einmal gerügt*). Dem Vortrage der Lieder\nwar Mad. Miolan nicht gewachsen.\nIn dem lünften Concerte der Gesellschaft\nhörten wir eine Wiederholung der von mir in meinem letz-\nten Berichte bereits besprochenen Sinfonie von Georges\nMathias (18. März); dann eine Chor-Scene aus „Portia\",\neiner Oper, welche noch im Pult eines sehr fleissigen Hol-\nländers, Eduard de Hartog, liegt, der einiges Talent\nund viel Geld zu haben scheint; es handelt sich um einen\nTrinkchor, dessen zweiter Theil in 5/4-Tact geschrieben ist\nja, ja! die neuen Formen sollen's thun und der Instru-\nmental-Lärm! Die Don Juan-Ouverture und Beethoven's\nC-moW-Sinfonie wurden sehr gut gespielt.\nDas sechste Concert begann mit einer wild daher brau-\nsenden, melodielosen Ouvertüre von H. Berlioz zu Lord\nByron's „Corsar \" ; sie wurde vom Publicum mit entsetz-\nlicher Kälte aufgenommen. Es ist übrigens eines der frühe-\nren Werke Berlioz'. Darauf folgte, zwar im schreiendsten,\naber desto wohlthuenderen Contraste, Stradella's\nChiesa,recht schön von Fräul. Fischer von Tiefensee\ngesungen; dann Beethoven's und eine\nWiederholung des Chors von Hartog —auf Verlangen, wie\nes hiess. Der Luxus, den Herr Hartog mit der Instrumen-\ntirung treibt, verräth keineswegs einen reinen Geschmack.\nEin interessantes Werk war dagegen eine Ouvertüre zu\nHamlet von G. Mathias; wenn auch die Themen des\nAllegro nicht eben originel sind, so entbehren sie doch nicht\neiner gewissen Wärme und sind gut benutzt; die Einlei-\ntung (Adagio) hat eine poetische Farbe, und die Idee, am\nSchlüsse des Allegro einen prachtvollen Marsch (Fortinbras\nmit seinem Heere) eintreten zu lassen, ist ganz gut und mit\nGlanz durchgeführt. Das Werk fand lebhaften Beifall.\nDie italiänische Oper hat geschlossen. Sie hat\nwährend der sechs Monate 11 Opern in 84 Vorstellun-\ngen gegeben. Das Barometer des Erfolgs und also des Ge-\nschmacks des Publicums zeigt folgende Ziffern:\ntore von Verdi 23 Mal; Malilda di Shabran (!) von Ros-\nsini 11 Mal; II Barbiere 9 Mal; 7 Mal;\n7 Mal; Ernani von Verdi 6 Mal; Linda di Chamounix\nvon Donizetti 5 Mal; 1 Purilavon Bellini 4 Mal;\nBeatrice di Tenclavon Belli n i 4 Mal; von\nAlary 3 Mal; Gli Arabi nelle von Pacini 3 Mal.\n\n*) Allerdings; s. Niederrheinische Musik-Zeitung, I.\nJahrg., 1853, Nr. 6, vom 6. August, wo die Undeutlichkeit\nder Partitur in dieser Beziehung berichtigt wird.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.3", "texte": "Und dabei geht das Gerücht, dass der Hof die bisher gege-\nbene Unterstützungs-Summe erhöhen werde!—Von der\ngrossen Oper ist nichts zu melden, was einiger Maassen\ninteressiren könnte; Scribe's und Verdi's „Sicilianische\nVesper\" liegt immer noch in den Geburtswehen.\n(Schluss folgt.)\n\nBeurtheilungen.\nQuataor Nr. 2 pour deux\npar Charles Evers. 058. Pr. 2 Thlr. 20 Sgr.\nLeipzig, Kistner.\nWenn es auch im höchsten Grade anzuerkennen ist,\ndass ein Clavier-Virtuose sich auch in ernsteren und stren-\ngeren Kunstformen versucht, wie z. B. das Streich-Quar-\ntett eine solche ist, so taugt es doch nicht, wenn jeder\nVersuch gleich veröffentlicht wird. Herr Evers entbehrt zur\nZeit noch allzu sehr der Gewandtheit, sich mit Leichtigkeit\nim polyphonen Stile zu bewegen, und fühlt man überall\nhindurch, wie unbequem ihm die Führung der vier selbst-\nständigen Stimmen war, und wie schwer es ihm wurde,\ndieselben seibstthätig zu beschäftigen. Daher findet man\ndenn auch alle Augenblicke Begleitungs-Figuren, wie diese:\nund viele ähnliche, die nicht ins eigentliche Quartett hinein\ngehören, durch acht, zwölf und mehr Tacte hindurch fort-\ngeführt. Was die Erfindung anlangt, so ist sie selten gera-\ndezu ignobel, aber sehr unbedeutend und förmlich strotzend\nvon den stärksten Reminiscenzen, so dass man sich fort-\nwährend fragt: Wo hast du Dies gehört, wo Jenes? Ueber-\ndies ist die Erfindung häufig ganz unquartettmässig, wenn\nman uns das Wort gestatten will. Das erste Allegro be-\nginnt mit folgendem Motiv:\nwelches, nebenbei gesagt, stark an Mozart (Terzett aus der\nZauberflöte) erinnert und dessen ungeschickte Wendung\nnach As-durden Componisten zu folgender schülerhaften\nRückmodulation veranlasst:\nGleich darauf begegnen wir folgender Sequenz, die doch\nwahrlich allzu geistlos ist, deren wir aber im Verlauf noch\nmehrere antreffen:\nNach einem vollständigen Schlüsse auf B-dur, der zwölf\nj Tacte lang dauert und in dem nur tonischer Dreiklang und\nDominant-Accord abwechseln, tritt ein zweites Motiv, aber-\nmals in Es-dur,auf. Wesshalb es nun nöthig war, in die-\nser Weise nach B-dur auszuweichen, das bleibt einem Mu-\nsiker freilich unklar. Dieses Motiv lautet:\nwelches mit seiner kurzen Weiterführung 21 Tacte füllt,\n[ worauf folgender Gedanke auftritt, dem wir jedes Prädicat"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.4", "texte": "versagen, weil jeder Musiker weiss, wie wenig er bedeutet\nund wie wenig er in ein Quartett passt:\nWir wollen uns und dem Leser die weitere Analyse\ndes Satzes ersparen und nur hinzulügen, dass die Durch-\nführung im zweiten Satze höheren Ansprüchen keineswegs\ngenügt und dass häufig alle vier Tacte der Faden abreisst.\nDas Scherzo hat noch am meisten Fluss, wie denn dieser\nSatz heutzutage leider immer am besten gelingt; wir woll-\nten, es begegnete uns bald einmal ein Quartett oder dergl.,\nin dem das Adagio der beste Satz wäre. Anklänge finden\nsich auch hier wieder die Menge, z. B.:\nAuch geben wir, ihrer Spasshaftigkeit wegen, eine Sequenz\nzum Besten:\nDas Adagio beginnt mit folgendem Motiv; wir stellen zum\nVergleiche ein ziemlich bekanntes Mozart'sches Thema\ndarunter:\nDa übrigens das Thema auf Partiturseite fünf Mal\nmit nur geringen Modificationen auftritt, so sieht man, dass\neben kein grosser Erfindungs-Reichthum vorherrscht, und\ndass man fast fortwährend an den guten Mozart erinnert\nwird. Das Finale ist der trivialste Satz des ganzen Quar-\ntettes, und geben wir zur Beglaubiguug nur folgende\nPröbchen:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.5", "texte": ". >\" / '• '\nDa wir nur Herrn Evers selbst haben reden und zeu-\ngen lassen, und somit ein jeder Leser in Stand gesetzt\nist, sich selbst ein Urtheil über dieses Quartett zu bilden,\nso dürfen wir nicht fürchten, dass man unser End-Resultat\nhart finden wird, dieses nämlich, dass vorliegendes Quartett\nein Conglomerat der verschiedenartigsten Gedanken eines\nMozart, Rossini, Beethoven, Haydn und selbst eines beliebi-\ngen Polka-Fabricanten ist, die in einer ziemlich ungeschick-\nten Weise neben einander gestellt oder durch Floskeln ver-\nbunden sind. Das Quartett ist eine unkünstlerische That.\nSinfonie in D-molllür grosses Orchester von Heinrich\nEsser. Op. 44. Partitur 8 Fl. 24 Kr., Stimmen\n12 Fl. 36 Kr. Mainz, bei Schott Söhne.\nDer Componist hat Tüchtiges geleistet, wotür ihm die\nAnerkennung und Achtung aller Musiker gebührt; doch\nglauben wir, dass er noch Besseres geleistet haben würde,\nwenn er einestheils nicht zu denen gehörte, die es aller-\ndings gern gut machen wollen, aber es dennoch auch nicht\nmit dem Publicum verderben mögen; anderenteils, wenn\ner wählerischer in seinen eigentlichen Hauptgedanken sein\nwollte. Wir wissen, wie Beethoven gesichtet, umgestaltet,\nverworfen und wieder umgestaltet hat, und dürfen uns also\nwohl überzeugt halten, dass Beethoven mit all seiner enor-\nmen Begabung dennoch nicht solche Schöpfungen gefördert\nhaben würde, wie wir sie von ihm besitzen, wenn er gleich\nmit dem ersten Gedanken, der ihm gekommen, zufrieden\ngewesen wäre. Wir finden aber dennoch häufig die Mei-\nnung verbreitet, dass der erste Gedanke immer der beste\nsei, das Feilen tauge nicht u. s. w. Ja, ja, wenn's Stück\neinmal fix und fertig, dann kommt durch Feilen und Flicken\nnicht viel mehr heraus; aber ehe ihr's zu Papier bringt,\nehe ihr den Hauptgedanken zu einer Sinfonie, sage zu\neiner Sinfonie, wählt, da prüft scharf und unerbittlich\nund seht, wo es fehlt, und grabt und grabt, nicht aber grü-\nbelt in eurem Innern, bis ihr aus dem tiefen Schacht den\nwahren Schatz hervorgeholt. Wesshalb findet man heutzu-\ntage so häufig die kurzathmigen melodischen Floskeln, die\nnichts weiter als zersetzt und wiederholt und uns dann als\nMelodieen aufgetischt werden? Wesshalb? Weil nicht ge-\nnug Ernst und Fleiss da ist! Nicht als ob einem Jeden der\nStrom der Melodieen so leicht und unerschöpflich flösse,\nwie einem Mozart oder Beethoven; aber selbst bei geringe-\nrer Begabung ist mehr zu erreichen, als erreicht wird,\nwenn man nur in Ernst und Fleiss den grossen Mei-\nstern nachahmt. Zeigt mir eine lange achttactige Melodie\nvon heute, wie Mozart und Beethoven sie uns hundertfältig\ngeschaffen, die erst mit dem achten Tacte ihren Abschluss,\nihre Rundung erhält, die nicht aus an einander gesetzten\nFloskeln besteht! Esser'sSinfonie wird nichts desto weniger\nleicht das Prädicat einer „melodischen\" erhalten und mit\nRecht; denn keinesfalls spielt er ewig mit der Melodie Ver-\nstecken, sie liegt nicht selten recht hübsch klar zu Tage\nund ist leicht fasslich, aber—nicht tief. Eben so finden wir\nhäufig Beispiele, wo sich's Herr Esser in oben näher be-\nzeichneter Weise durch blosse Wiederholung und Ver-\nsetzung eines Motivs allzu leicht macht, und dann nicht sel-\nten bis zum Gewöhnlichen herabsinkt. Fast fürchten wir,\ndass wir als Reminiscenzen-Jäger verschrieen werden, wenn\nwir zur Bekräftigung unserer Behauptung einer Esser'schen\nMelodie die andere eines österreichischen Volksliedes bei-\nfügen. Doch wagen wir es noch einmal, weil man wahrlich\ngegenwärtig allzu unbekümmert in dieser Beziehung ist,\nund weil es doch keinem Menschen zu verargen wäre, wenn\ner bei einem neuen Drama von N. N., welches mit den\nWorten anfinge: „Die schönen Tage in Aranjuez sind nun\nzu Ende\", an den Don Carlos dächte. Man urtheile selbst."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.6", "texte": "Im Scherzo finden wir ebenfalls gleich im Beginn eine auf-\nfallende Reminiscenz an das Haydn sehe Menuet-Trio in\ndessen Es-dur-Sinfonie; doch wollen wir diese fatale Ne-\nbeneinanderstellung diesmal vermeiden und nur Herrn Esser\nselber darauf aufmerksam machen. Das Trio selber aber\ntheilen wir den Lesern mit, als Beleg, wie auch Herr Esser\nMotiv an Motiv reiht und so wohlfeilen Kaufs an eine Me-\nlodie kommt.\nUeberdies ist eine solche rhythmische Monotonie, wie sie\nhier vorliegt, nicht lobenswerth. Abgesehen von solchen\nMängeln, muss man dem Componisten Einfachheit und\nKlarheit, einen guten Fluss, meist anständige Erfindung,\ngeschickte und wirkungsvolle Instrumentirung zugestehen,\nwelches unsererseits mit Freuden geschieht. Die Sin-\nfonie wird namentlich in Vereinen, Wie unsere musicali-\nsche und philharmonische Gesellschaft, wo Jahr aus, Jahr\nein fünfzig Sinfonieen gemacht werden, und wo man\ndoch nicht fortwährend mit Mozart, Haydn und Beethoven\nabwechseln kann, willkommen sein und von Zeit zu Zeit\ngern gehört werden. Die Verlagshandlung hat sich jeden-\nfalls durch das Opfer, welches sie durch die Herausgabe\ndes Werkes gebracht (denn ein Opfer ist die Herausgabe\neiner Sinfonie heutzutage stets), ein Verdienst erworben.\nEinige, doch leicht zu verbessernde Druckfehler haben wir\nbemerkt.\n5.\n\nAus Wiesbaden.\n\nDen grössten Genuss von aller Musik, die wir hier zu\nhören bekommen, gewähren dem wahren Kunstfreunde die\nQuartett,-Soireen. Sie bestehen jetzt im zweiten Win-\nter und werden mit wachsender Theilnahme von einem ge-\nwählten Publicum besucht, was nicht zu verwundern ist, da\ndie hohen Herrschaften, namentlich 11. KK. Hoheiten die\nFrau Herzogin und die Prinzessin Sophie, nicht selten sie\nmit ihrer Gegenwart beehren. Herr Capellmeister Hagen,\nder Gründer derselben, hat sich dadurch ein ganz unschätz-\nbares Verdienst um unsere Stadt erworben; denn ein sol-\nches Institut ist vor allen im Stande, dem besseren Ge-\nschmacke Bahn zu brechen, und wie sehr das in einem\nBadeorte noth thut, wo das Publicum durch die Curgäste\nund die Allerwelts-Virtuosen gar leicht auf das Flache und\nSeichte geführt wird, brauche ich Ihnen nicht zu sagen.\nDas Quartett bestand diesen Winter aus den Herren\nConcertmeister B ai deneck er (erste Violine), der an die\nStelle des verstorbenen Frisch getreten, Fischer jün.\n(zweite Violine), Capellmeister Hagen (Bratsche) und G r i m m\n(Violoncello). Die Ausführung war in diesem Jahre um Vie-\nles präciser, getreuer, einheitlicher und feiner, als im vori-\ngen Winter. Wir haben in den sechs Soireen drei Quar-\ntette von Haydn, drei Quartette (in B,in F,in und\nein Quintelt (in C-dur) von M o z a r t, ein Quartett (H-moll,\nOp. 84) von Spohr, eines von Cherubini (in\neines von Fr. Schubert (in das nachgelassene\nQuintett von Mendelssohn, und von Beethoven Op.\n18 (in G-dur und in C-m,oll), Op. 59 (alle drei in F-dur,\nE-moll und C-dur)und Op. 131 (in gehört. Ist\ndas nicht ein schönes Programm? [Allen Respect!] Auch\ndas Piano war nicht ausgeschlossen; in der fünften Soiree\nkam Mendelsso. hn's Trio in zu sehr gelungener\nAufführung, wobei Herr Capellmeister Hagen, der über-\nhaupt ein sehr vielseitig gebildeter Künstler ist, die Ciavier-\nPartie übernommen hatte.\nIn dem ersten Concerte zum Vortheil des Pensions-\nFonds iür Witwen und Waisen der Orchester-Mitglieder\nwurde Beethoven's .B-cZwr-Sinfonie und Mendel s-\nsohn's Ouvertüre zur schönen Melusine aufgeführt. Von\nden Solostücken zeichnen wir Baldenecker's Vortrag\ndes Adagio und Rondo des E-mvon Vieux-\ntemps aus und erwähnen der bewiesenen Schlagfertigkeit\nwegen Herrn Ehrlich's Forte-Leistungen auf dem Piano;\nnamentlich wurde die Nordstern-Ouverture von Meyerbeer,\nfür das Ciavier eingerichtet, mit Tapferkeit in"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.7", "texte": "die Pfanne gehauen. Das zweite Concert brachte die recht\ngut ausgeführte und fein nuancirte Pastoral-Sinfonie von\nBeethoven, Cherub in i's Ouvertüre zur Faniska und\ndie Concert-Ouverture „ Die Mondnacht auf stillem W asser\"\nvon Schindelmeisser, deren schon einmal anerkennend\nErwähnung in Ihrer Zeitung geschehen ist. Mir scheint für\neine Mondscheinnacht das Licht etwas zu grell, und ob sich\ndas Sprüchwort: „Stille Wasser sind tief\", auch hier be-\nwährt, könnte die Frage sein. Wozu überhaupt diese Titel-\nsucht, welche, unter den Menschen glücklicher Weise am\nAussterben, die Musiker für ihre Kinder ergriffen hat?\nHerr Concertmeister Fischer spielte eine\ngroise für die Violine von Bidley-Kohne, die Herren\nG.Arnold und Grimm jun. eine dito für Harfe und\nVioloncell, über sehr weit ausgesponnene Motive aus dem\nTannhäuser von Herrn Arnold componirt. Fräul. Molendo\ntrug Meyerbeer's Mailied und eine Arie von Spo h r aus\nAzor und Zemire vor. Herr Brunner sang, resp. decla-\nmirte einige Lieder.\nIn dem Concerte eines sechszehnjährigen Pianisten,\nKarl Pallat, hörten wir den berühmten Contrabassisten\nConcertmeister Aug. Müller aus Darmstadt, welcher den\nstörrigen Kiesen in einem Adagio zu singen und in einem\nScherzo zu hüpfen zwang. Herr Hof-Concertmeister\nSchmidt veranstaltete eine Soiree, in welcher unter An-\nderem Beethoven's Septett vortrefflich ausgeführt\nwurde.\nAls ein Curiosum erwähne ich des Concertes der „72\nMitglieder der kaiserlich königlich österreichischen Militär-\nMusik\", welche uns im Theater zum Besten der Ueber-\nschwemmten mit Tonwellen überfluteten. Von Seiten der\n72 war der Wille gut, aber das Publicum blieb zu Hause;\ndas „Lebensbild: der Undank\", von Storch, womit das\nConcert begann, wurde eine Wahrheit! Weder Moses'\n„Gebet\", noch Verdi's Duo aus II Trovatore, noch Buy\nBlas, von 7 2 schwarz-gelben Tonangebern vorgestellt, füll-\nten den Musentempel, d. h. mit Zuhörern.\nFür Componisten, welche um einen Text für ein Duett\nverlegen sind, empfehle ich als Becept „Des jungen Krie-\ngers Scheiden\" Deutsch und Englisch von Dr. H. Fick,\nMusik für Soli, Chor und Blasinstrumente von Herrn Ca-\npellmeister F. Lux in Mainz. Man höre:\nVater. Kannst du mit blutend wundem Herzen scheiden?\nSohn. Ich muss mit blutend wundem Herzen scheiden.\nV, Vom Jugendtraume, von der Liebe Glück?\nS. Vom Jugendtraume, von der Liebe Glück.\nV. Dich ruft das Land zu seiner Bettung fort!\nS. Mich U. s. W.\nV. Sei Bürge ihm von schöner Zukunft Tagen!\nS. Als Bürge ihm u. s. w. u. s. vv.\nnitim! Ist Ihnen nicht, als hörten Sie die köstliche kölni-\nsche Carnevals-Scene: „Ich wollte dir was sagen!\" —„Du\nwolltest mir was sagen!\" u. s. w.\nDie Leitung des Cäcilien-Vereins hat seit einiger\nZeit Herr Hagen übernommen; die Aufführung von\nHaydn's „Schöpfung\" am 13. April gab erfreulichen Be-\nweis der Leistungsfähigkeit dieses Instituts im Verein mit\ndem tüchtigen Orchester des Theaters. Nur gegen die oft\nzu schnellen Tempi haben wir etwas einzuwenden. Die Soli\nsangen die Damen Mol endo und Hagen, die Herren\nB run n e r und Minetti; der Gesang der Frau Hagen war\neine sehr wohlthuende Erscheinung, nächst ihr befriedigte\nFräul. Molendo: auch Herr Brunner sang leidlich; Herr\nMinetti aber scheint keine Idee vom Gesang-Vortrage in\nOratorien zu haben. Mit der Stimme allein ist es da nicht\ngethan und noch weniger mit dem Schreien: wen nicht\nein religiöses Gefühl anweht, der wird nie Eindruck machen.\nDas Theater ist, wie gewöhnlich um diese Zeit, vom\n1. bis 20. April geschlossen. Den Winter hindurch hatten\nwir das bekannte Ilepertoire aller deutschen Bühnen zwei-\nten Banges, bei welchem an Einheit und künstlerische Bück-\nsicht nicht zu denken ist. Namentlich wo die vielköpfigen\nTheater-Comites die Herrschaft führen, machen sich die\nentgegengesetztesten und für das Gedeihen der wahren\nKunst nachtheiligsten Einflüsse gellend. Wagner's „Tann-\nhäuser\" ging einige Mal über die Bretter; auch sein „Flie-\ngender Holländer\" hob sich zwei Mal mit mattem Fluge\nempor, verschwand aber wieder spurlos in die dunkle Nacht.\nWir freuen uns auf den Sommer, auf den natürlichen\nund auf den musicalischen; wir hoffen, neben den jährlich\nbei uns einkehrenden Virtuosen dieses Mal auch die Ko-\nryphäen des niederrheinischen Musikfestes in unserem neu\nrestaurirten Cursaale erscheinen zu sehen.\n*]\n\nHf.\n\nAus Gotha.\nDen 11. April 1855.\nDie diesjährige, mit Neujahr begonnene Theater-Saison bot dem\nMusikfreunde vielfache Genüsse, indem nicht allein regelmässig jede\nWoche zwei Opern-Vorstellungen Statt fanden, sondern auch solche\nWerke zur Aufführung kamen, die in Bezug auf Darstellung und\n\n*) Der Artikel über die Concerte von Laub, dessen Sie erwäh-\nnen, ist mir nicht zugegangen. Ich stimme vollkommen mit\nIhnen in der Meinung überein, „dass dieses musicalische Laub\newig grünen werde!\" L. B."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550421-01.1.8", "texte": "Glanz vielleicht mit manchen Bühnen grösserer Städte wetteifern\nkonnten. Neu waren: der Tannhäqser, die Stumme und das Nacht-\nlager von Granada, mit ganz neuen Costumen und sehr schönen\nDecorationen. Ausser diesen kamen zur Darstellung: Don Juan\n(Don Octavio, Gastrolle des Herrn Krön vom Hoftheater zu Braun-\nschweig), Barbier von Sevilla (zwei Mal), Weisse Dame, Santa\nChiara (drei Mal, das letzte Mal am ersten Osterfeiertage, zu Ehren\ndes anwesenden General-Musik-Directors Meyerbeer), Czaar und\nZimmermann, Prophet (zwei Mal), Undine (zwei Mal), Beiisar, Lu-\ncia, Martha, Nachtwandlerin, Robert der Teufel, Norma, Freischütz.\nAusserordentlichen Beifall fand das Gastspiel des Fräul. Anna\nZerr, die in vier Rollen als Lucia, Martha, Amine und Rosine bei\nstets vollem Hause auftrat. Die Leitung sämmtlicher Opern hatte\ndiesmal Herr Capellmeister E. Lampert übernommen. Das Opern-\nPersonal war dasselbe, wie im vorigen Jahre, nur dass Frau Mo-\nritz für Fräul. WTesterstrand engagirt worden war. Ueber die Lei-\nstungen der Träger unserer Oper, der Herren Reer (Tenor), Kill-\nmer (Bariton), Abt (Bass), Fräul. Falconi und Fräul. Remond, lässt\nsich fast durchweg nur Rühmliches sagen. Herr Reer und Fräul.\nFalconi sind ja auch durch Gastspiele auf auswärtigen grösseren\nBühnen schon in weiteren Kreisen bekannt.\nZu den musicalischen Genüssen im Hoftheater zählt man nicht\nmit Unrecht die Entreacts-Musik, um die sich hier ganz besonders\nHerr Musik-Director Topler grosse Verdienste erwirbt, theils\ndurch Arrangement gediegener älterer und neuerer Pianoforte-Com-\npositionen, hauptsächlich aber durch sorgfältige Proben. Während\nman anderwärts, selbst in grösseren Theatern, zuweilen die ge-\nwöhnlichste Musik, sogar Tänze, von unvollständig besetzten Or-\nchestern abspielen hört, bietet hier Herr Töpler ein reichhaltiges\nRepertoire der interessantesten Stücke, die, der jedesmaligen Si-\ntuation angemessen, stets von dem vollzähligen Orchester executirt\nwerden. [ln Nr. 35 des 11. Jahrgangs (1854) der Niederrheini-\nschen Musik-Zeitung hat Herr Töpler ein Verzeichniss der\nzu Entreacts geeigneten arrangirten Stücke veröffentlicht und die-\nselben den betreffenden Dirigenten im Interesse der Sache gratis\nofferirt. Die Redaction.]\nWie in früheren Jahren fanden auch diesmal die Quartett-Un-\nterhaltungen der Herren Krämer, Mündt, Töpler und Rösler den\nverdienten Beifall. Zur Aufführung kamen Quartette von Havdn,\nMozart, Beethoven, Mendelssohn, Quintett von Mozart und Octett\nvon Spohr.\nInteressant war die Aufführung der „Nacht auf dem Meere\" von\nTschirch durch die hiesige Liedertafel und das Opern-Per-\nsonal am 30. März unter der Leitung des Compcnisten. Die Solo-\nPartieen waren durch die Herren Reer und Killmer wacker ver-\ntreten, wie auch die Chöre grösstenteils gelungen. An demselben\nAbende trug ein hiesiger junger Künstler, Herr Emil Behm, Schü-\nler von Kummer in Coburg, ein Concertstück von Tulou für Flöte\nmit Orchester unter lautem Beifall vor.\n12.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Dinstag den 17. d. Mts. fand das Concert im Casino\nzum Besten der Hinterlassenen des Concertmeisters Franz Hart-\nmann Statt. Die Concert-Gesellschaft und F. Hiller hatten dem\nVerewigten eine würdige Gedächtnissfeier veranstaltet durch Auf-\nführung der Sinfonia eroica und der grossen D-dur-Messe von\nBeethoven. Die herrliche Sinfonie haben wir wenigstens die\ndrei letzten Sätze fast noch nie so gut ausgeführt gehört. Saiten-\nund Blas-Instrumente (auch die drei Hörner) waren gleich vortreff-\nlich; an den ersten Violinen standen Pixis, vonKönigslöw,\nvon Wasielewski, Peters u. s. w. Besonders hervorheben\nmüssen wir noch die Bässe und Violoncelis und die Behandlung\nder Pauken im Trauermarsch. Die Messe machte besonders durch\ndie ersten Sätze (das Ifyrie ging vorzüglich gut) und durch das\nBenedictus grossen Eindruck.\nIn der letzten Versammlung der musicalischen Gesellschaft wurde\neine neuere Sinfonie von Gouvy gemacht, von welcher das An-\ndante am meisten ansprach. Herr Hülle, ein junger Künstler,\nwelcher aus der Rheinischen Musikschule hervorgegangen ist, trug\nMoza r t' s D-moll-Goncert für Piano und Orchester sehr gut vor\nund ärntete lebhaften Beifall.\n** Carmen. Wir haben noch zu berichten, dass in unserem\nvierten Abonnements-Goncerte am 17. Februar Händel's „Jo-\nsua\" unter Herrn C. Bei necke's Leitung zu sehr gelungener\nAufführung kam. Die Solo-Partieen waren durch Fräul. Hart-\nmann aus Düsseldorf (Achsa), Fräul. Levy aus Köln (Othniel),\ndie Herren Koch und Schiffer aus Köln besetzt. Die kleine\nPartie des „Engelsu war bei einer Dilettantin in vortrefflichen Hän-\nden. H err Koch war sehr gut bei Stimme und sang, wie immer,\necht künstlerisch; Herr Schiffer tremoiirte etwas zu viel, eine\nVortrags-Manier, die wir auch der schönen Stimme des FräuS.\nLevy hinwegwünschten; übrigens sangen Beide recht schön. Be-\nsonders aber ragte Fräul. Hart mann hervor. Die Arie: „Horch\nauf der Vögel Jubelchor\", und vor Allem die letzte: „0, hätt' ich\nJubal's Harfe!\" trug sie auf ergreifende Weise vor. Ghor und Or-\nchester waren brav. Ausserdem fanden noch zwei Concerte Statt,\nam 26. März und 4. April, das erstere zum Besten der Ueber-\nschwemmten, in welchem wir auf einer schönen Ibach'sehen Or-\ngel Herrn van Eyken hörten und seinen Vortrag der Orgel-So-\nnate in F-moll von Mendelssohn, einer Fuge von Bach und\neiner trefflichen Sonate eigener Composition bewunderten. Einen\nherrlichen Genuss gewährten ferner die vorzüglichen Leistungen\ndes Violinisten Herrn Otto von Königs low, welcher im ersten\nConcerte die grosse Beethoven'sche Sonate in A mit Herrn 11 ei-\nnecke und im zweiten Spohr's Gesangscene und die Elegie von\nErnst meisterhaft spielte.\nBoger hat bei seiner letzten Anwesenheit in Berlin von\neinem Vereine von Kunstfreunden einen Kranz von Gold und Sil-\nber erhalten, dessen Blätter in grünem Schmelz die Worte zeigen:\n„Raoul, Johann von Leyden, Eleazar, Masaniello, Fernando, Edgar,\nGeorges Brown, Erlkönig.\" Se. Maj. der König hat ihm ausser\nwerthvollen Brillanten die grosse goldene Denkmünze für Kunst\nund Wissenschaft überreichen lassen.\nOle Bull hat am 17. Februar in New-York eine neue\nOpern-Unternehmung mit Verdi's Rigoletto eröffnet»"}]}