{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-05-05-01", "volume": "bmtnabi_1855-05-05_01", "ocr_sha256": "199fc21598ebadd214f78ebd18955da885eef1490693e5e7be3fbde070c9adf9", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/05/05_01/bmtnabi_1855-05-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-05-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-05-05_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "139", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.2.1", "titre_corps": "Londoner Briefe.", "titre_sommaire": "Londoner Briefe.", "signature_source": "C. 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Sie sehen, die Londoner\nsind mit den Schlagwörtern der neuesten deutschen Schule\ndurchaus nicht unbekannt, was ihnen bei den Fortschrei-\ntern jedenfalls einen Stein im Brette geben wird, wenn diese\nüberhaupt Zeit haben, den Blick auf etwas Anderes als die\neigenen Siebenmeilenstiefel zu richten. An grossen Männern\nfehlt es bereits auch nicht: Louis Napoleon war hier, und\nRichard Wagner ist noch da; Ersterer spricht gut aus\ndem Stegreif und hält nicht viel von Noten; Letzterer diri-\ngirt auswendig und braucht gar keine Noten. Aufsehen\nmacht Beides, und das ist schon etwas werth; das Eine\nwird bewundert, das Andere belächelt. Doch rühmen es\nViele an dem deutschen Capellmeister, dass er, wie die\nVirtuosen sich von dem Notenblatt, so sich als Dirigent\nvon der Partitur emancipirt und Freiheit in das unaussteh-\nliche gesetzliche Einerlei des Tactes im Leben, wie in der\nMusik gebracht habe. Und in der That, die Sache hat etwas\nlür sich; denn durch diese Freiheit tritt das „rein Mensch-\nliche\", die „Natur des dirigirenden Subjectes\" mehr ans\nLicht, die Aufmerksamkeit der Zuhörer, welche sich nach\naltem Stil bloss auf die Musik, auf das Tonslück richtete,\nwird mehr auf den Stüekmeisler, den Constabler gelenkt,\nund da die Bewegungen desselben leichter zu verfolgen\nsind als der geistige Schritt des Componisten, so bleibt das\nPublicum in einem fortwährenden Staunen über die Hexerei\ndes Ersteren, und folglich in erhöhter Stimmung. Doch\ngenug von einer solchen, eines Künstlers, und namentlich\neines deutschen Künstlers, so unwürdigen Renommisterei.\nItaliänische Opern-Theater haben wir dieses Jahr zwei\nfür eines, Coventgarden unter Gye, und Drurylane unter\ndenselben Unternehmern, deren Geschäftslührung im vorigen\nJahre trotz deutscher, englischer und italienischer Oper sich\nnicht zum Besten bewährte. Allein Theater-Unternehmun-\ngen sind hier Sache der Speculation, kaufmännische Ge-\nschäfte auf Gewinn und Verlust; von der Kunst braucht\nder Unternehmer nichts zu verstehen, nur berühmte Na-\nmen muss er kennen und an sich zu fesseln suchen. Dass\nüberall das alte, abgetragene Zeug wieder ausgestellt, die\nhundert Mal abgeleierten Spieldosen wieder aufgezogen\nwerden, versteht sich von selbst; so hat denn auch Co-\nventgarden mit Graf Ory und Drurylane mit der Nacht-\nwandlerin eröffnet.\nIn Coventgarden dirigirt Costa; er wurde bei seinem\nErscheinen am Pulte mit zweimaligem allgemeinem Hoch\nund Beifallklatschen empfangen nicht bloss eine Ehren-\nbezeigung, sondern auch eine Demonstration gegen den\nVorstand der philharmonischen Gesellschaft, deren Concerte\ndieses Jahr Wagner, sonst Costa leitete. Die Gesellschaft\nist besser zusammengesetzt als im vorigen Jahre, und\nscheint auch in so fern besser organisirt, als tüchtige Sän-\nger auch lür so genannte Nebenrollen verwandt werden,\nwie z. B. Lucchesi den Jaquino im Fidelio singt, und man\nalso endlich sich auf den richtigen Gesichtspunkt stellen zu\nwollen scheint, dass die Darstellung einer Oper ein künst-\nlerisches Ganzes, nicht eine Musterkarte von Virtuosen-\nLeistungen sein müsse. Nur auf diese Weise kann der Ge-\nschmack des vornehmen Publicums in diesem Theater auf\nden richtigen Weg gebracht werden; ob das aber gelingen\nwird, ist noch nicht voraus zu sehen; dass die deutschen\nKünstler Jenny Ney, KarlFormes und Zeiger viel\ndazu beitragen können und werden, indem sie vollendetes\nSpiel mit dramatischem Gesänge vereinen, ist keine Frage.\nVon den italiänischen Sängern sind Mad. Bosio (Sopran),\nNantier-Didie (Altistin), Gardoni (Tenor) die ausge-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5050, "texte": "zeichnetsten. Nach dem Schlüsse der Oper wurde vom ge-\nsammten Opern-Personale wie gewöhnlich das „ God save\nthe Queen\"gesungen, wobei Formes mit dem Vortrage\nder ihm stets zufallenden Strophe:\nScatter his enem\nAnd make them fall!\neinen gewaltigen Beifallssturm hervorrief.\nDie nächste Vorstellung (am 19. April) war Fide-\n1i o, das Werk des deutschen Imperators im Reiche der\nTonkunst, zur Verherrlichung der Anwesenheit des Kaisers\nder Franzosen und der Königin der Briten. Das Haus bot\nin seinen prachtvoll ausgeschmückten, ungeheuren Räumen\neinen von Glanz aller Arten strahlenden Anblick dar, den\n/\nIhr Correspondent, der nur einer besonderen Gunst einen\nPlatz hinter den Coulissen verdankte, erst am Schlüsse der\nOper vollständig geriiessen konnte, indem er sich unter die\nzahlreiche Gesellschaft mischte, welche beim Gesang der\nVolkslieder „Partant pour la Syrie\" und „God save the\nQueen11 einen dichten, durch die reichsten Toiletten blen-\ndenden Kranz auf der Bühne hinter dem Sänger-Perso-\nnale und dem Chor bildete, und diesen Platz theuer genug\nerkauft hatte. Die hohen Herrschaften traten erst nach dem\nersten Acte in den von wahrhaft sonnigem Gaslicht, Gold,\nSpiegeln und Blumen prangenden, nach der Bühne zu offe-\nnen Saal ein, zu dessen Herstellung fünf bis sechs der mitt-\nleren Logen verwandt waren. Nach dem rauschenden Em-\npfange, bei welchem zum ersten Male die beiden genannten\nLieder ertönten, begann die grosse Leonoren-Ouverture,\nund obschon der erste Act wegen der Spannung der Zu-\nhörer auf die Erscheinung der Majestäten nur mit grosser\nZerstreuung angehört worden war, so wurde doch der\nzweite und dritte*) mit grosser Aufmerksamkeit gehört,\nund namentlich das Finale inachte einen ausserordentlichen\nEindruck. Die Aufführung war überhaupt vortrefflich; die\nBesetzung folgende: Leonore—Fräul. Ney, Marcellme\nFräul. Maray, Jaquino Lucchesi, Florestan— Taru-\nber! ik, Pizarro Tagliafico, Rocco Formes.\nDas Drurylane-Theater hat nur eine mittelmässige\nOpern-Gesellschaft zusammengebracht; die Prima-Donna,\nMad. Gassier, von einem pariser Blatte sehr angepriesen,\nhat keineswegs den Erwartungen entsprochen. Abwechselnd\nmit der Oper spielt die französische Gesellschaft vom\nTheätre de la Gaiete in Paris in diesem Hause und gibt\neinen Tag um den anderen „Die Kosaken\" !\nDen Versuch, den Drurylane voriges Jahr mit einer\nenglischen Oper machte, hat dieses Jahr das Haymar-\nket Theaire wieder aufgenommen und ihn, curios genug,\nmit der Aufführung derselben Oper, Auber's Fra Diavolo,\nmit englischem Text und durch dieselben Künstler, begon-\nnen. Alle Achtung vor der schönen Tenorstimme und dem\nGesänge von Sims-Reeves: aber auf der Bühne ist er\neine hölzerne Säule, ein singender Automat, und Madame\nReeves mag im Hause sehr liebenswürdig sein, zu einer\nreizenden Zerline aber fehlt ihr so ziemlich Alles.\nWir kommen zu den philharmonischen Con-\ncerten. Wagner, der lür ein Honorar von 240 L. St\ndas Doppelte von dem, was Costa bisher erhielt zur\nDirection berufen war, hatte von vorn herein diejenige Par-\ntei gegen sich, welche es mit Costa hält WTie zahlreich\nund gewichtig diese ist, wie fest Costa's Ansehen bei der\nhiesigen musicalischen Welt steht, wissen Sie, und von der\ntrefflichen Leitung grosser Massen durch ihn haben Sie\nSich ebenfalls selbst überzeugt. Diese Partei rief schon\ndurch ihr thatsächliches Vorhandensein allein, zum Theil\naber auch durch Zeitungs-Artikel, wie ich im Anfange mei-\nnes Briefes schon angedeutet habe, eine Gegenpartei her-\nvor, welche einen doppelten Grund hatte, den neuen Diri-\ngenten auf alle mögliche Weise zu feiern und zu heben;\ndenn einmal flössen die Lobreden, glänzender Empfang,\nHervorruf u. dgl. aus der Ueberzeugung von Wagner's Be-\ndeutung und aus dem ganz natürlichen Drange, den Er-\nwählten als den Würdigsten hinzustellen; zweitens hatte\naber auch die Nachricht von dem Abgange Costa's einen\nungünstigen Einlluss auf die Subscriptions-Liste gehabt, wie\nich vernommen und wie die öffentlichen Blätter (z. B. Mu-\nsical World)ganz unumwunden sagen. Es mussten also\nalle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um jenen Einfluss\ndurch die ersten Eindrücke und durch deren Schilderung\nzu paralysiran. Diese Lage der Dinge muss man kennen,\nUm die Zeitungs-Berichte für und wider richtig würdi-\ngen zu können, was freilich unter solchen Verhältnissen\nimmer schwierig bleibt. Eines bleibt jedoch unanfechtbar\nstehen, dass es Deutschland zur Ehre gereicht, dass ein\ndeutscher Künstler lür dieses Jahr an die Spitze der Con-\ncerte dieser alten, ruhmreichen musicalischen Gesellschaft\ngestellt worden ist.\nFür das erste Concert waren die Pastoral-Sinfonie von\nBeethoven und die Preis-Sinfonie von Lachner hestimmt\ngewesen; auf Wagner's Wunsch wurde die letztere zurück-\ngelegt (die Sinfonie Nr. 7 von Haydn trat dafür ein), und\nstatt der Pastorale wählte er die Eroi ca, „ indem er mit\n\n*) Das Land der Maschinen ist nämlich in der Theater-Maschi-\nnerie noch so weit zurück, dass nach dem Duett „0 namen-\nlose Freude\" der Vorhang fällt, um die Bühne für das Finale\neinrichten zu können."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4278, "texte": "einem ihm unbekannten Orchester und nur Einer Probe\nbekanntere Werke zur ersten Aufführung unter seiner Lei-\ntung vorziehe\". Man wunderte sich natürlich, dass die\nEroica bekannter und leichter auszuführen sein sollte, als\ndie Pastoral-Sinfonie, die zehnmal populärer ist, und Wag-\nner darf sich nicht darüber beschweren, dass man post fac-\ntum den Grund dieses Tausches allein in seiner persönlichen\nEitelkeit fand. Denn sobald man sah, dass er die „Eroica\"\nohne Partitur dirigirte, sprach und schrieb man allge-\nmein, er habe eben nur die Eroica auswendig gekonnt, und\ndesshalb habe die andere weichen müssen. Wie wir über\ndieses Auswendig-Dirigiren denken, haben wir schon oben\ngesagt; auf der Universität würde man es eine „blasse\nRenommage\" nennen, in der Künstlerwelt ist es ein facti-\nscher Humbug, der höchstens in America seinen Zweck\nerreichen, in Europa aber nur Belächeln oder noch stär-\nkere Missbilligung erregen kann. Wenn ein ausübender\nKünstler auswendig spielt, so hat das einen Sinn; bei einem\nDirigenten hat es keinen, er müsste denn beide Hände und\nArme zu „ausdrucksvollen\" leitenden Bewegungen frei ha-\nben wollen! Eine natürliche Folge war die ganz richtige\nBemerkung eines Blattes über die eben nicht präcise Be-\ngleitung der Gesangscene von Spohr, welche Ernst in\ndemselben Concerte spielte: „Herr Wagner schien dieses\nStück nicht auswendig zu können, denn er war an zwei\nStellen heraus; Ernst konnte es aber auswendig und half\nihm aus der Verlegenheit.\"\nIm Ganzen huldigt Wagner als Dirigent dem Grund-\nsatze der subjectiven Auffassung, was übrigens alle hiesigen\nMusiker, die seine Schriften kannten, nicht anders erwartet\nhatten. Es ist auch dieses wieder die ewige Vergötterung\ndes Ichs, weiter nichts, wenn auch zehnmal unter Pietäts-\nBetheuerungen verschleiert. Kein Vernünftiger wird das\nAbspielen eines Stückes oder den Vortrag einer Sinfonie\nvon Anfang bis zu Ende nach dem Metronom billigen, und\nwenn die Wagner'schen dagegen eifern, um ihre Aus-\nschweifungen zu rechtfertigen, so fechten sie gegen Wind-\nmühlen. Es ist aber ein grosser Unterschied zwischen dem\nFesthalten eines Tempo's als Hauptbewegung eines Satzes\nneben geringen Abweichungen, welche der Charakter einer\nPeriode oder das individuelle Gelühl bedingen, und dem\newigen Schwanken der Bewegung, wodurch die Abwei-\nchungen zur Regel und das Festhalten des charakteristi-\nschen Tempo's zur Nebensache wird. Sobald die subjective\nAuffassung mit der Correctheit und Gewissenhaftigkeit in\nförmlichen Gegensatz tritt, ist sie nicht nur nicht berech-\ntigt, sondern geradezu eine strafbare Anmaassung, und soll\nich Ein Extrem wählen, so will ich lieber Haydn und Beet-\nhoven schlechtweg, an und für sich, bloss correct und mei-\nnetwegen trocken hören, als Haydn und Beethoven mit\nfremdartigem Saft aufgefrischt. Wagner's Direction hat eben\nso wie seine Composition etwas Dilettantisches an sich; es\nist auch nicht leicht, nach seinem Tactiren zu spielen, da\ndieses keineswegs scharf und genau ist; übrigens besitzt er\nEnergie, Lebendigkeit, Feuer, überhaupt, was beim Diri-\ngenten eine Hauptsache ist, eine anregende Persönlichkeit.\nIn der Haydn'schen Sinfonie war das häufige Drängen und\nZurückhalten am unangenehmsten, und es ging darüber die\neigentliche Feinheit der Ausführung, wie man sie z. B. in\nParis hört, wo die Correctheit aufs Höchste getrieben wird,\nverloren. Die „ Fingalshöhle\" von Mendelssohn wurde zu\nAnfang langsamer, als nöthig, und gegen Ende schneller,\nals ausführbar, genommen; an einigen Stellen war die feu-\nrige Ausführung recht schön, nur fehlte es an Schattirung\nvon Piano und Forte. Am besten ging die Ouvertüre zur\nZauberflöte.\nWagner wurde bei seinem Auftreten ehrenvoll em-\npfangen und am Schlüsse des Concertes durch rauschenden\nBeifall und Hervorruf ausgezeichnet. Nächstens mehr.\nSterndale Bennet hat seine jährlichen Soireen für\nclassische Pianoforte-Musik wieder begonnen. In der ersten\nspielte er Hummel's Quintett, Op. 87, Beethoven's Sonate\nfür Piano und Violoncell, Op. 5, mit Piatti, Mozart's So-\nnate mit Violine in B mit Sainton, drei Stücke von Sc'ar-\nlatti, Händel und Bach und einige von seiner Composition.\nFrau Clara Novello sang zwei Lieder von Bennet und\nBeethoven's Lieder kreis an die ferne Geliebte auf ganz\nbezaubernde Weise.\n\nC. A."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-05-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-05-05_01#c002", "volume": "bmtnabi_1855-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "139", "page_fin": "140", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.2.2", "titre_corps": "Einnahmen und Ausgaben der Bühnen ersten und zweiten Ranges in Deutschland während 1853—1854.", "titre_sommaire": "Einnahmen und Ausgaben der Bühnen ersten und zweiten Ranges in Deutschland während 1853—1854.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.3", "debut_caractere": 4280, "fin_caractere_exclue": 4657, "texte": "Einnahmen und Ausgaben\nder Bühnen ersten und zweiten Ranges in Deutschland\nwährend 1853—1854.\nEinnahme. Ausgabe.\nThaler Thaler\nHoftheater in Wien (Drama und\nOper) . . 256,666 456,666\n„ Berlin . . . . 220,000 360,000\n„ „ Dresden .. . 90,000 140,000\n„ München .. . 92,800 172,000\n„ Hannover. . . 50,000 123,000\n„ „Stuttgart .. . 31,000 102,857\nZu übertragen . . 470,466 1,354,523"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 955, "texte": "Einnahme. 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B. (ock), in Musik gesetzt lür eine Sing-\nstimme mit Begleitung des Pianoforte von Albert\nJungmann. Op. 7. Preis 10 Sgr. Magdeburg,\nbei Heinrichshofen.\nDer Wille des Componisten scheint ein guter gewesen zu sein,\ndoch ist die That eine ziemlich schwache; die Erfindung ist ge-\nwöhnlich, die harmonische Behandlung keineswegs geschickt (siehe\ndie Modulationen von H-moll nach D-dur am Schlüsse der dritten\nSeite, oder von F-dur nach Fis-moll auf der fünften Seite) und die\nAuffassung nichts weniger als tief. Auch auf den rhythmischen Bau\nsollte der Componist mehr Aufmerksamkeit verwenden; wir ver-\nweisen beispielsweise nur auf Seite 4, woselbst fortdauernd auf den\nersten drei Achteln eine lange Note ist, was natürlich Monotonie\nerzeugt.\nDrei Lieder für eine Sopran- oder Tenor-\nstimme mit Begleitung des Pianoforte von Ad.\nKöckert. Op. 17. Prag, bei Hofmann.\nDie Lieder dieses tüchtigen und bekannten Violin-Virtuosen\nhaben nicht unseren Erwartungen entsprochen. Dieselben haben\neinen dilettantischen Anstrich, und erstreckt sich das sogar auf die\nNotirungsweise, indem Stellen wie die folgende im zweiten Liede\nfolgender Maassen zu notiren sind:\nDie falsche Notirung der Achtel, wenn jedes auf Eine Silbe\nkommt, findet sich durchweg. Vorstehendes Beispiel, welches man\nsich durch Hinzufügung der allergewühnlichsten Begleitung leicht\nvervollständigen kann, diene zugleich unseren Lesern als Beweis,\ndass unsere obige Behauptung nicht zu hart ist. Der Anfang des\ndritten Liedes leidet an zu hastigen und unmotivirten Modulationen,\nda der Componist innerhalb vierzehn Tacte folgende Tonarten\ndurchläuft: B-dur, D-dur, B-dur, D-dur, A-moll, F-dur, Des-dur,\nAs-dur. Wahrscheinlich fehlt auf der vierten Zeile vor dem\nzweiten dim Basse ein Quadrat. Wenn das Lied von einer So-\npranstimme gesungen wird, mag folgende Stelle auch hart klingen ;\nkeinesfalls ist sie sauber:\n\\\nDie Declamation ist mitunter nachlässig behandelt; hier dafür nur\nEin Beispiel, aber nicht das schlimmste:\nMädchen, wir sind si - eher und al - lein.\nMöge der Componist sich an den Mendelssohn'schen und Schü-\nbert'schen Liedern als Mustern heranbilden."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4991, "texte": "Waldl i e d e r von J. N. Vo g 1 für eine Singstimme\nmit Begleitung des Pianoforte von F. von Hol-\nstein. Op. 1. Leipzig, bei Breitkopf u. Härtel.\nZweites Heft. Op. 9. Ebendaselbst,\nAus diesen Liedern spricht eine sinnige, edle Künstler-Natur\nzu uns. Die Haupt-Erfordernisse: melodische Kraft, harmonische\nGewandtheit, poetische Auffassung, sind wenigstens in erfreulichem\nMaasse vorhanden, und glauben wir mit Gewissheit, dem jungen\nGomponisten ein günstiges Prognostikon stellen zu können, voraus-\ngesetzt, dass derselbe in einer Weise fortschreitet, wie dies aller-\ndings bei den beiden vorliegenden Heften der Fall ist, von denen\ndas zweite bei Weitem bedeutender erscheint, als das erste. Mehr\nSorgfalt dürfte der Componist indess noch auf die Declamation ver-\nwenden, und auch wählerischer sein in Bezug auf die melo-\ndische Erfindung. Gehen wir etwas genauer auf die Lieder ein.\nHeft 1 beginnt mit einem recht frischen Liede, „Ausgang\", in dem\nuns jedoch melodische Floskeln allzu gewöhnlicher Art, wie diese:\nstören. Eine in ihrer Gestaltung ganz ähnliche finden wir auch\nin Nr. 2:\nund ist gerade, was wir oben in Bezug auf die allzu sorglose me-\nlodische Erfindung sagten, speciel mit Rücksicht auf solche Stellen,\nderen wir übrigens auch im zweiten Hefte antreffen, z. B.:\nausgesprochen worden. Das zweite Lied sagt uns persönlich nicht\nganz zu, es hat etwas zu Marschartiges an sich; dagegen ist Nr. 3\nvon einer schönen, echt poetischen Stimmung durchzogen. Nr. 4,\n„Nichts ohne Liebe\", ist artig, nur gefällt uns nicht, dass der Com-\nponist dem Worte „nimmer4 im Refrain (zum ersten Male) gar kei-\nnen Accent gab, wir hätten die Stelle anstatt\nDie declamatorische Rhythmik im fünften Liede, „Waldes-Trost\",\nist nicht richtig; das ganze Lied müsste mit dem Auftacte begin-\nnen; versuche der Componist nur, die Tactstriche stets um ein\nViertel zu verschieben, so wird das Lied bedeutend gewinnen; nur\ngegen den Schluss hin müssten noch einige kleine Aenderungen\nvorgenommen werden. Im Uebrigen macht das Lied einen ange-\nnehmen Eindruck. letzte Lied, „Morgen wieder\", würde uns\nmehr gefallen, wenn die Begleitungs-Figur mit etwas weniger Ste-\ntigkeit fortgeführt worden wäre. Wir haben uns das Vergnügen\nnicht versagen können, heraus zu zählen, dass dieselbe 54 Mal vor-\nkommt. Das ist bei einer eintactigen Figur, die überdies im Rhyth\nmus so hervortretend ist, gar zu viel; man sehnt sich nach einer\nErweiterung oder Unterbrechung der Figur. Ueberhaupt wünschten\nwir, dass der Componist hier und da die Perioden zu grösserer\nBreite entfaltete und erweiterte; es ist häufig zu viel Miniatur-Ar-\nbeit. Da wir bei dem zweiten Hefte weniger auszusetzen ha-\nben, so können wir uns auch kürzer fassen; es zeugt schon von\nmehr Gewandtheit und bietet uns (namentlich in Nr. 2 und 3) sehr\nhübsche Lieder. Da beide Liederhefte sich fast immer in den tiefe-\nren Lagen bewegen und nur höchst selten über das zweigestrichene\ne hinausgehen, so werden sie sehr Vielen eine höchst willkommene\nGabe sein, weil die Gesanges-Literatur an guten Liedern für\neine tiefere Stimme durchaus nicht überreich ist. Seien denn\ndie Lieder bestens empfohlen.\nDrei Balladen von Strachwitz, Heine und Geibel\nlür eine Bassstimme mit Begleitung des Piano-\nforte von F. von Holstein. Op. 4. Pr. 1%\nThlr. Berlin, bei Bote & Bock.\nDas Heft enthält Pharao- von Strachwitz, „Belsazar\" von Heine\nund „Rheinsage\" von Geibel, und hat der Componist Stimmung\nund Charakter stets gut getroffen, auch ziemlich gut das dramati-\nsche Leben hinein zu bringen gewusst. Am meisten behagt uns\ndie erste Ballade, „Pharao\", während uns die zweite neben der\nSchumann'schen Composition des Gedichtes etwas blass erscheint.\nJedenfalls aber verdienen die Balladen die Beachtung aller Bas-\nsisten; es wird sie Keiner unbefriedigt aus der Hand legen, denn\nsie sind auch in rein gesanglicher Beziehung sehr gut geschrieben,\ndaher dankbar und wirkungsvoll ein Lob, welches auch die\neben besprochenen Waldlieder verdienen«,\nLa Captive, Beverie de V.\nSoprano ou Contralto par H. Berlioz. L'accom-\npagnement de Piano de St. Heller. Berlin, chez\nSchlesinger. Pr. 12 x/i Sgr. t\nBerlioz hat diesen Gesang für eine Singstimme mit Orchester\ncomponirt; St. Heller's Begleitung ist hoffentlich nichts Anderes als\nein Clavier-Auszug, worüber uns freilich der Titel mit Unrecht in\nZweifel lässt. Die Composition trägt von Anfang bis zu Ende\nden Charakter eines Gelegenheitsstückes, das heisst: es ist für\neine bestimmte Sängerin, für eine bestimmte Tonregion und Ton-\nfarbe geschrieben, und wir glauben gern, dass der Vortrag durch\nMad. Viardot eine schöne Wirkung gemacht hat. Diese wird\nsich überall wiederholen, wo eine volltönende Altstimme sich die-\nser Melodie bemächtigt, welche besonders geeignet ist, die tiefen\nBrusttöne geltend zu machen. An sich selbst aber können wir ihr\nkeinen besonderen Kunstwerth beilegen: sie ist nicht frei von\nAnklängen an Vorhandenes (z.B. in Tact 4 und 9 an Meyerbeer's\nAlice), und musicalische Reihen, wie folgende:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 250, "texte": "zeigen weder Erfindungs-Talent noch Gewandtheit, zumal wenn\nman den Text bedenkt: „(j'aimerais) ces astres sans nombre, Si le\nlong du mur sombre IV'etincelait dans l'ombre Le sabre du Spahis\nDie deutsche Uebersetzung von J. C. Grünbaum ist recht gut."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-05-05-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-05-05_01#c012", "volume": "bmtnabi_1855-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "142", "page_fin": "142", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.2.4", "titre_corps": "Mehrstimmige Lieder.", "titre_sommaire": "Mehrstimmige Lieder.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.6", "debut_caractere": 252, "fin_caractere_exclue": 2454, "texte": "Mehrstimmige Lieder.\nSechs volksthümliche Lieder für zwei\nSingstimmen mit Pianoforte (ad libitum) von\nFerdinand HiHer. Op. 61. Offenbacb, bei\nAndre. Preis 1 Fl. 12 Kr.\nDer treffliche Componist hat mit diesem Hefte die sehr arme\nLiteratur der Lieder für zwei Sopranstimmen in sehr erfreulicher\nWeise bereichert und hat sich den Dank der ganzen singenden\nFrauenwelt erworben. Wer Hiller's erstes Heft der volkstümlichen\nLieder (Leipzig, bei Breitkopf & Härtel) kennen und lieben gelernt\nhat, der wird nicht säumen, sich mit diesen reizenden, wahrhaft\nherzigen Liedchen bekannt zu machen; umgekehrt werden alle,\ndie dieses Heft zuerst in die Hände bekommen, auf das erste\nHeft begierig werden. Eine Kritik erlasse man uns; wer hätte\ndenn je Volkslieder kritisirt? und für solche könnte man sie gar\nwohl halten, wenn Hiller uns seine Autorschaft verschwiegen hätte.\nDas ist gewiss die beste Kritik für diese Liedchen.\nGesänge für vier Frauenstimmen von Gra-\nben-Hoffmann. Op. 27: Partitur und Stim-\nmen. Preis 15 Sgr. Berlin, bei Schlesinger.\nElfenchor von Delia Helena tür drei und vier\nFrauenstimmen mit Begleitung des Pianoforte von\nGraben-Hoffmann. Op. 26. Partitur und\nStimmen. Preis 15 Sgr. Ebendaselbst.\nWir können leider wenig oder nichts zum Lobe dieser Sachen\nsagen; die Erfindung ist so unaussprechlich gewöhnlich, wie wir\nglücklicher Weise nur selten etwas gesehen. Zum Belege hiefür\nder Anfang eines Liedes aus Op. 27:\nDer „Elfenchor\" bringt eine so naive Reminiscenz, dass wir uns\nnicht enthalten können, Graben-Hoffmann und Weber einander\ngegenüber zu stellen:\n\\\nDie beiden En gel von E. Geibel. Duett (ür eine\nSopran- und Bassstimme mit Begleitung des Piano-\nforte von J. A. van Eyken. Op. 8. Preis 80\nCts. Amsterdam, bei Thenne.\nBei der ungemeinen Seltenheit derartiger Duette wird dieses in\nWahrheit „einem tief gefühlten Bedürfniss\" abhelfen; es ist freund-\nlich und ansprechend. Im Allgemeinen scheint uns das Gedicht,\nda es vorwiegend reflectirender Natur ist, weniger zur Composition\ngeeignet, als die meisten anderen Geibel'schen, woher es denn auch\nwohl kommt, dass der Componist hier und da zur Malerei seine\nZuflucht nahm. Zuweilen klingt es uns, nebenbei gesagt, etwas\nSpohrisch."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-05-05-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-05-05_01#c015", "volume": "bmtnabi_1855-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "142", "page_fin": "144", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.2.5", "titre_corps": "Für Pianoforte.", "titre_sommaire": "Für Pianoforte.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.6", "debut_caractere": 2456, "fin_caractere_exclue": 3522, "texte": "Für Pianoforte.\nMazurka de Salon pour Piano, par Jean Weber.\nPr. 27 Kr. Offenbach s. M., chez Jean Andre.\nUn reve de Bonheur, Polka de Concert pour le Piano\npar Jean Weber. Pr. 27 Kr. Ebendaselbst.\nEin paar anspruchslose, recht schwungvolle Tanz-Compositionen,\ndie wirklich als solche, nicht aber als Salon-Compositionen\nbetrachtet sein wollen. Wir hätten den etwas prätentiösen Titel:\n„Un reve de Bonheur\"9 bei einer simplen Polka fortgewünscht.\nWie wir vernehmen, ist der Componist ein Sohn des königlichen\nMusik-Dirccters Herrn Franz Weber, Dirigenten des kölner Män-\nnergesang-Vereins.\nDelix Melodies pour le Piano par A. Rubin stein.\nPr. 5/2 Thlr. Berlin, chez A. Schlesinger.\nDer Componist hat sich in der jüngsten Zeit durch die Auffüh-\nrung einer Sinfonie, „Ocean\", im leipziger Gewandhause einen Na-\nmen gemacht, und thut es uns leid, dass wir gerade mit diesen\nhöchst unbedeutenden Sächelchen seine Bekanntschaft machen; denn\nsie sind so nichtssagend und selbst trivial, dass wir nicht wüssten,\nwas von Goria, Ascher etc. denselben unterzuordnen wäre. Auch"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5709, "texte": "Homer hat geschlafen; aber ein junger Componist, der eben erst\nbeginnt, in die Oeffentlichkeit zu treten, sollte sich doch nicht um\ndes lieben Mammons willen verleiten lassen, derartige nichtsnutzige\nSachen zu veröffentlichen. Wenn Herr Rubinstein uns erst ein\nDutzend werthvoller Werke geliefert, dann wollen wir ihm gern\nsolche „Melodies\" verzeihen; aber um Verzeihung wird er auch\n• i\ndann noch bitten müssen.\nSentiment et Caprice. Mo\nPiano par Adolphe 13. ys\nThlr. Magdeburg, chez Heinrichshofen.\nDas Stückchen fängt nicht übel an, und würde sich als eine\nArt „Valse sentimentale\"recht artig ausgenommen haben, wenn der\nVerfasser es einfach in der Weise zu Ende geführt hätte. Dagegen\nist seine Fortführung eine auf leere Klingelei hinauslaufende Va-\nriation, die ohne alles musicalische Interesse und wahrlich allzu\nkindlich ist. Auch ist eine durch vier Tacte fortlaufende Sequenz\nvon Septimen-Accorden auf einem in Quinten und Quarten daher-\nschreitenden Basse (s. Seite 3, Z. 3) nicht eben geistreich zu nen-\nnen. Wann wird man aufhören, derartige unmusicalische und ge-\nschmackverderbende Sachen zu schreiben und in die Welt zu sen-\nden? Wisst ihr denn nicht, ihr Künstler, welche Verantwortung\nihr auf euch nehmt? Wenn ihr die Erkenntniss habt, dass eure\nderartigen Machwerke nur auf die grobe Sinnlichkeit des grossen\nHaufens berechnet sind, dann ist eure schlechte Composition zu-\ngleich eine unrechte, unehrenhafte That! Wo nicht, so sucht euch\ndiese Erkenntniss zu verschaffen. Die Worte sind hart; aber es\nmuss einmal Einer wagen, sie den Mode-Componisten entgegen\nzu rufen: „Die Regeln der Moral sind auch die der Kunst.\"\n„Psyche.\" Etüde fantaslique\nKullak. Op. 88. Berlin, chez Ad. Schlesinger.\nPr.2/3 Thlr.\nDie obigen Worte rufen wir auch von ganzem Herzen dem äl-\nteren Bruder, Herrn Theodor Kullak, zu; zwar ist seine Compo-\nsition mit mehr Geschmack und Geschick gemacht, als die vorige,\ndoch ist die Gesinnung um kein Haar besser, dagegen der Titel\n,Psyche\" auch um so anspruchsvoller, und erscheint er als eine\nwahre Ironie. Wir bedauern bei solchen Sachen stets die armen\nLeute, denen sie dedicirt sind; denn es ist ein fatales Ding, auf\ndem Titel derartiger Artikel zu figuriren. Der Frau Marianne Les-\nsing hierbei unsere aufrichtige Condolenz.\nAndante-Finale und Marsch aus der Oper „König\nAlfred\" von Joachim Raff, für das Pianoforte\nübertragen von Franz Liszt. Preis conaplet 1\nThlr. Magdeburg, bei Heinrichshofen.\nWas Liszt unter die Finger nimmt, weiss er wirkungsvoll für\ndas Pianoforte zu gestalten, da ihm eine Sicherheit und Kenntniss\nin der Behandlung des Instrumentes zu Gebote steht, wie Weni-\ngen; wir erinnern nur an seine meisterlichen Uebertragungen der\nSchubert'schen Lieder, der beiden Sinfonieen (Nr. 5 und 6) und\ndes Septetts von Beethoven. So hat auch Liszt aus dem Andante-\nFinale und Marsch aus Raff's König Alfred ein paar sehr wir-\nkungsvolle und nicht übermässig schwere Salonstücke gemacht, die\nüberall gern gehört sein werden. Was Raff's Erfindungen anlangt,\nso sind sie ziemlich gewöhnlich, im Andante ein wenig italiänisi-\nrend, im Marsch nicht ohne Reminiscenzen; so erinnert das Trio\nin seinem Rhythmus stark an Gungl's allbekannten Marsch: „Krie-\ngers Lust.\" Als wirkungsvolle Salonstücke seien die Sachen em-\npfohlen. Sie stehen hoch über den eben besprochenen Kullak'scheu.\nPhantasie für das Pianoforte von Eduard Berns-\ndorf. Op. 15. Preis 20 Sgr. Leipzig, bei Hof-\nmeister.\nEin Werk, das um seiner Gesundheit und guten, redlichen Ge-\nsinnung willen wahrhaft erquicklich wirkt; auch ist das Gegebene\npositiv werthvoll und angenehm anregend, so dass von der Zukunft\ndes jungen Componisten noch manches Schöne zu erwarten ist.\nAuch ein gutes Maasshalten im Ganzen, wie Ebenmaass in den\neinzelnen Theilen der Phantasie ist dem Componisten nachzurüh-\nmen. Die Erfindung ist durchweg edel, wenngleich in manchen\nMomenten stark an Mendelssohn erinnernd; etwas mehr Selbst-\nkritik wünschen wir dem jungen Componisten, damit er in Zukunft\nsolche Tacte, wie Seite 10, Zeile 3, Tact 3 und 4, welche Note\nfür Note mit einigen in dem Scherzo aus Mendelssohns Streich-\nQuartett in E-moll sich nicht entschlüpfen lasse.\nAuch das Haupt-Motiv (S. 4)\nist zu Mendels-\nsohnisch. Noch machen wir den Componisten auf Eines aufmerk-\nsam, das bei ihm fast schon zur Manier geworden zu sein scheint,\nso oft kommt es vor. Es ist dieses das bequeme „Sichwiegen\" auf\neinem Tone im Basse oder auch in einer Mittelstimme, welches\nallerdings hier und da von angenehmer Klangwirkung und sogar\n(wie z. B. in Beethoven's Sonate pastorale, Op. 28, im Anfange des\nAllegro) von tiefer poetischer Bedeutung sein kann, jedoch bei ihm\nallzu häufig (S. 4 von Tact 1 bis 9, von Tact 17—20, von Tact\n25-30, S. 5 Tact 12-20, Tact 27—40, S. 6 Tact 3-14, im An-\nfange des Andante die ersten acht Tacte hindurch, dann von Tact\n12-16, S. 8 von Tact 1-8, Tact 12-19, S. 9 und 10 zwölf Tacte\nhindurch auf As und gleich darauf acht Tacte auf g und acht Tacte\nauf c u. s. w. u. s. w.) vorkommt; überdies könnte man es bei all\ndiesen angeführten Stellen nicht ein einziges Mal einen wahren\nOrgelpunkt nennen, und selbst in diesem Falle wäre es zu viel.\nNehme der talentvolle Componist diese Ausstellungen freundlich\nhin, wie sie nur in guter Absicht gemacht wurden, und erfreue er\nuns bald wieder durch ein tüchtiges Musikstück. Wenn er selbst\neine tüchtige Kritik daran geübt hat, so wird es ihm an einer\nfreundlichen Kritik von uns nicht fehlen.\nEcole moderne du Pianiste. Recueil de 24 Morceaux\ncaracteristiques par Ad. Fumagalli. Op. 100.\nCahier IL Leipzig, chez Hofmeister.\nObgleich das Werk zwei Titel trägt, so ist doch keiner der\nrichtige; wir wenigstens vermögen in den Compositionen nichts"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3446, "texte": "weiter als gewöhnliche Salon-Compositionen zu erblicken, denen\nder Componist durch allerlei Ueberschriften und eine entsprechende,\nnach unseren deutschen Begriffen aber sehr kindliche Malerei auf\ndie Beine zu helfen sucht. So finden wir denn: Le Cloitre, Friere\ndu maiin (worin natürlich die beliebten „Cloches\" mit ihrem „Pink,\npinka nicht fehlen dürfen) Villanelle Pres des flots, Etüde ma-\nritime (Ehen!) mit sehr viel Wellengetöse und einer Cadenz, die\nsich drei Zeilen lang auf einem verminderten Septimen-Accord er-\ngeht—• Le Reveil des ombres, Banse fantastique (abermals mit „C7o-\nchesu) La Berceusr. Reverie-Etüde und Fete du village, letzteres\nzur Abwechselung mit einigen „Cloches\" und mit den unvermeid-\nlichen pastoralen Quinten im Basse. Sehr ergötzlich ist der Beitrag,\nden der gute Mozart S. 10 hat liefern müssen. Es ist jedenfalls an-\nzuerkennen, dass Herr Fumagalli sich mit dem Don Juan bekannt\ngemacht hat. Uebrigens wollen wir dennoch gestehen, dass uns\ndiese Werke (zumal in Anbetracht dessen, dass sie von einem\nv.\nItaliäner herrühren) mehr Ernst und guten Willen zu verrathen\nscheinen, als eine Unzahl ähnlicher Producte der Kullak, Ascher,\nBlumenthal und Consorten, welche doch als Deutsche eine ganz\nandere Heranbildung genossen und wahrlich die Ehre deutscher\nKunst mehr wahren sollten. Fumagalli selbst steht noch auf einer\nsehr niederen Stufe der Kunstanschauung, und offenbar steht für\nihn Meyerbeer als leuchtendes Vorbild da; doch hat er mit\ndiesen Werken geleistet, was bei solcher Erkenntniss zu leisten\nmöglich war.\nSix Etudes de Salon pour le Piano par H. Ferd.\nKufferath. Op. 8. Bonn, chez IL Simrock.\nPrix 5 Fr.\nLied. Op. 13. Preis 45 Kr. Von demselben. Mainz,\nbei Schott,\nEtnde de Salon. Op. 16. Preis 1 FI. Von demselben.\nMainz, bei Schott.\nKufferath hat sich seit lange einen geachteten Namen in der\nmusicalischen Welt erworben, und sicherlich haben auch die Etü-\nden Op. 8, welche schon vor mehreren Jahren erschienen, dazu\nbeigetragen, ihm denselben zu verschaffen. Wir erwähnen diese\nEtüden mehr, um von Neuem auf sie aufmerksam zu machen, als\num sie zu kritisiren. Schon Robert Schumann hat dieselben seiner\nZeit als Redacteur der „Neuen Zeitschrift für Musik4' anerkennend\nbesprochen, und wiederholen wir insbesondere, was er schliesslich\nsagt: „Die meisten der Etüden eignen sich zum öffentlichen Vor-\ntrage und verdienen diesen mehr, als manche werthlose\nComposition berühmter Virtuosen.\" Schwer sind die Etü-\nden, doch zugleich dankbar; mögen sich tüchtige Spieler durch\ndiese Notiz veranlasst sehen, sich mit diesen Etüden bekannt zu\nmachen, wenn sie ihnen vielleicht bis dahin entgangen sein sollten.\nDas Lied, Op. 13, ist ein allerliebstes, feines Stück von freund-\nlicher und reizender Wirkung, anspruchslos, doch voll Empfindung.\nMit diesen Eigenschaften ist es uns lieber, als die Etüde de Salon,\nOp. 16, welche uns hier und da etwas an französische Manier ge-\nraahnt und nicht ganz so ursprünglich erfunden zu sein scheint.\nUebrigens bleibt auch diese immerhin ein Stück, das vor vielen\nHundert anderen Salonstücken um seiner durchweg nobeln und echt\nmusicalischen Haltung willen auf das vorteilhafteste absticht. Zu-\ngleich ist es eine vortreffliche Uebung. Man verschmähe es nicht,\nsich mit diesen Kufferath'schen Sachen bekannt zu machen; man\nwird sich einerseits durch die Lieblichkeit des Liedes, andererseits\ndurch das „feine und zarte Figurenwerk'4 in den Etüden angezo-\ngen fühlen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-05-05-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-05-05_01#c017", "volume": "bmtnabi_1855-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "144", "page_fin": "144", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Untehaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Untehaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.8", "debut_caractere": 3448, "fin_caractere_exclue": 5076, "texte": "Tages- und Untehaltungs-Blatt.\nH£&ml>urg> Es heisst für gewiss, dass der Senat un-\nserer Stadt Haus und Inventar des Stadttheaters für 90,000\nMark gekauft habe; dass er dem künftigen Theater-Director das\nHaus unentgeltlich geben und 10,000 Mark [jährlich?] zu einem\nPensionsfonds für Künstler beilragen würde, der sich durch eine\nProcent-Abgabe von 3 Procent von den Angestellten und von 5\nProcent von den Gastdarstellern vergrössern solle. Dem Unterneh-\nmer soll ein Mit-Director von Seiten des Senats bestellt werden.\nWir wollen wünschen, dass das Gerücht eine Wahrheit werde!\nDem Vernehmen nach soll sich Herr Hoffmann aus Frankfurt\na. M. bewerben.\nWrantefvuet a. M, Hier haben sich die Theater-Verhältnisse\nfast eben so traurig gestaltet, wie in Hamburg und in Köln. Der\nSenat hat jetzt einem Ausschusse der zusammengetretenen Theater-\nMitglieder die Concession auf die drei nächsten Monate (Mai, Juni,\nJuli) bewilligt. Ferner hat sich ein Hülfs-Comite in der Stadt ge-\nbildet, aber nicht mehr als etwa 10,000 Gulden Abonnement für\ndiese drei Monate aufgebracht. Dennoch wird der Ausschuss die\nBühne nicht schliessen, sondern mit den gebotenen Mitteln auf\nseine Verantwortung das Theater fortführen, und zwar so, dass\ner am Ende jeden Monats allen Angestellten unter 600 Fl. das Ge-\nhalt unverkürzt zahlt und von dem Rest der Einnahme die höheren\nGagen pro rata abfindet. Auf diese Weise haben die wenigen\nKünstler, welche diese Verpflichtung im Verein auf sich nehmen,\ndie Bürger des reichen Frankfurt beschämt und auf ihre Gefahr\nden zahlreichen, bei dem Theater beschäftigten Frankfurtern ihren\nLebensunterhalt gesichert."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.1", "texte": "Londoner Briefe.\n\nDie musicalische Jahreszeit steht bereits in voller Blüthe\nund wird voraussichtlich allerlei Früchte tragen, frühreife\nund überreife, hartschalige und flaumduftige, kernige und\nwurmstichige. Auch wird das Alte, wenn auch nicht sich\npaaren mit dem Neuen, doch neben diesem bestehen, und\nnach einem Artikel in der Musical World, welcher die\n„neuen Propheten\" bespricht, werden „die Kindermusik\nMozart's, der Irrthum Beethoven's, der stupide Spohr, das\nalte Weib Haydn und Mendelssohn's Judenmusik\" nach\nwie vor ihre Liebhaber finden. Sie sehen, die Londoner\nsind mit den Schlagwörtern der neuesten deutschen Schule\ndurchaus nicht unbekannt, was ihnen bei den Fortschrei-\ntern jedenfalls einen Stein im Brette geben wird, wenn diese\nüberhaupt Zeit haben, den Blick auf etwas Anderes als die\neigenen Siebenmeilenstiefel zu richten. An grossen Männern\nfehlt es bereits auch nicht: Louis Napoleon war hier, und\nRichard Wagner ist noch da; Ersterer spricht gut aus\ndem Stegreif und hält nicht viel von Noten; Letzterer diri-\ngirt auswendig und braucht gar keine Noten. Aufsehen\nmacht Beides, und das ist schon etwas werth; das Eine\nwird bewundert, das Andere belächelt. Doch rühmen es\nViele an dem deutschen Capellmeister, dass er, wie die\nVirtuosen sich von dem Notenblatt, so sich als Dirigent\nvon der Partitur emancipirt und Freiheit in das unaussteh-\nliche gesetzliche Einerlei des Tactes im Leben, wie in der\nMusik gebracht habe. Und in der That, die Sache hat etwas\nlür sich; denn durch diese Freiheit tritt das „rein Mensch-\nliche\", die „Natur des dirigirenden Subjectes\" mehr ans\nLicht, die Aufmerksamkeit der Zuhörer, welche sich nach\naltem Stil bloss auf die Musik, auf das Tonslück richtete,\nwird mehr auf den Stüekmeisler, den Constabler gelenkt,\nund da die Bewegungen desselben leichter zu verfolgen\nsind als der geistige Schritt des Componisten, so bleibt das\nPublicum in einem fortwährenden Staunen über die Hexerei\ndes Ersteren, und folglich in erhöhter Stimmung. Doch\ngenug von einer solchen, eines Künstlers, und namentlich\neines deutschen Künstlers, so unwürdigen Renommisterei.\nItaliänische Opern-Theater haben wir dieses Jahr zwei\nfür eines, Coventgarden unter Gye, und Drurylane unter\ndenselben Unternehmern, deren Geschäftslührung im vorigen\nJahre trotz deutscher, englischer und italienischer Oper sich\nnicht zum Besten bewährte. Allein Theater-Unternehmun-\ngen sind hier Sache der Speculation, kaufmännische Ge-\nschäfte auf Gewinn und Verlust; von der Kunst braucht\nder Unternehmer nichts zu verstehen, nur berühmte Na-\nmen muss er kennen und an sich zu fesseln suchen. Dass\nüberall das alte, abgetragene Zeug wieder ausgestellt, die\nhundert Mal abgeleierten Spieldosen wieder aufgezogen\nwerden, versteht sich von selbst; so hat denn auch Co-\nventgarden mit Graf Ory und Drurylane mit der Nacht-\nwandlerin eröffnet.\nIn Coventgarden dirigirt Costa; er wurde bei seinem\nErscheinen am Pulte mit zweimaligem allgemeinem Hoch\nund Beifallklatschen empfangen nicht bloss eine Ehren-\nbezeigung, sondern auch eine Demonstration gegen den\nVorstand der philharmonischen Gesellschaft, deren Concerte\ndieses Jahr Wagner, sonst Costa leitete. Die Gesellschaft\nist besser zusammengesetzt als im vorigen Jahre, und\nscheint auch in so fern besser organisirt, als tüchtige Sän-\nger auch lür so genannte Nebenrollen verwandt werden,\nwie z. B. Lucchesi den Jaquino im Fidelio singt, und man\nalso endlich sich auf den richtigen Gesichtspunkt stellen zu\nwollen scheint, dass die Darstellung einer Oper ein künst-\nlerisches Ganzes, nicht eine Musterkarte von Virtuosen-\nLeistungen sein müsse. Nur auf diese Weise kann der Ge-\nschmack des vornehmen Publicums in diesem Theater auf\nden richtigen Weg gebracht werden; ob das aber gelingen\nwird, ist noch nicht voraus zu sehen; dass die deutschen\nKünstler Jenny Ney, KarlFormes und Zeiger viel\ndazu beitragen können und werden, indem sie vollendetes\nSpiel mit dramatischem Gesänge vereinen, ist keine Frage.\nVon den italiänischen Sängern sind Mad. Bosio (Sopran),\nNantier-Didie (Altistin), Gardoni (Tenor) die ausge-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.2", "texte": "zeichnetsten. Nach dem Schlüsse der Oper wurde vom ge-\nsammten Opern-Personale wie gewöhnlich das „ God save\nthe Queen\"gesungen, wobei Formes mit dem Vortrage\nder ihm stets zufallenden Strophe:\nScatter his enem\nAnd make them fall!\neinen gewaltigen Beifallssturm hervorrief.\nDie nächste Vorstellung (am 19. April) war Fide-\n1i o, das Werk des deutschen Imperators im Reiche der\nTonkunst, zur Verherrlichung der Anwesenheit des Kaisers\nder Franzosen und der Königin der Briten. Das Haus bot\nin seinen prachtvoll ausgeschmückten, ungeheuren Räumen\neinen von Glanz aller Arten strahlenden Anblick dar, den\n/\nIhr Correspondent, der nur einer besonderen Gunst einen\nPlatz hinter den Coulissen verdankte, erst am Schlüsse der\nOper vollständig geriiessen konnte, indem er sich unter die\nzahlreiche Gesellschaft mischte, welche beim Gesang der\nVolkslieder „Partant pour la Syrie\" und „God save the\nQueen11 einen dichten, durch die reichsten Toiletten blen-\ndenden Kranz auf der Bühne hinter dem Sänger-Perso-\nnale und dem Chor bildete, und diesen Platz theuer genug\nerkauft hatte. Die hohen Herrschaften traten erst nach dem\nersten Acte in den von wahrhaft sonnigem Gaslicht, Gold,\nSpiegeln und Blumen prangenden, nach der Bühne zu offe-\nnen Saal ein, zu dessen Herstellung fünf bis sechs der mitt-\nleren Logen verwandt waren. Nach dem rauschenden Em-\npfange, bei welchem zum ersten Male die beiden genannten\nLieder ertönten, begann die grosse Leonoren-Ouverture,\nund obschon der erste Act wegen der Spannung der Zu-\nhörer auf die Erscheinung der Majestäten nur mit grosser\nZerstreuung angehört worden war, so wurde doch der\nzweite und dritte*) mit grosser Aufmerksamkeit gehört,\nund namentlich das Finale inachte einen ausserordentlichen\nEindruck. Die Aufführung war überhaupt vortrefflich; die\nBesetzung folgende: Leonore—Fräul. Ney, Marcellme\nFräul. Maray, Jaquino Lucchesi, Florestan— Taru-\nber! ik, Pizarro Tagliafico, Rocco Formes.\nDas Drurylane-Theater hat nur eine mittelmässige\nOpern-Gesellschaft zusammengebracht; die Prima-Donna,\nMad. Gassier, von einem pariser Blatte sehr angepriesen,\nhat keineswegs den Erwartungen entsprochen. Abwechselnd\nmit der Oper spielt die französische Gesellschaft vom\nTheätre de la Gaiete in Paris in diesem Hause und gibt\neinen Tag um den anderen „Die Kosaken\" !\nDen Versuch, den Drurylane voriges Jahr mit einer\nenglischen Oper machte, hat dieses Jahr das Haymar-\nket Theaire wieder aufgenommen und ihn, curios genug,\nmit der Aufführung derselben Oper, Auber's Fra Diavolo,\nmit englischem Text und durch dieselben Künstler, begon-\nnen. Alle Achtung vor der schönen Tenorstimme und dem\nGesänge von Sims-Reeves: aber auf der Bühne ist er\neine hölzerne Säule, ein singender Automat, und Madame\nReeves mag im Hause sehr liebenswürdig sein, zu einer\nreizenden Zerline aber fehlt ihr so ziemlich Alles.\nWir kommen zu den philharmonischen Con-\ncerten. Wagner, der lür ein Honorar von 240 L. St\ndas Doppelte von dem, was Costa bisher erhielt zur\nDirection berufen war, hatte von vorn herein diejenige Par-\ntei gegen sich, welche es mit Costa hält WTie zahlreich\nund gewichtig diese ist, wie fest Costa's Ansehen bei der\nhiesigen musicalischen Welt steht, wissen Sie, und von der\ntrefflichen Leitung grosser Massen durch ihn haben Sie\nSich ebenfalls selbst überzeugt. Diese Partei rief schon\ndurch ihr thatsächliches Vorhandensein allein, zum Theil\naber auch durch Zeitungs-Artikel, wie ich im Anfange mei-\nnes Briefes schon angedeutet habe, eine Gegenpartei her-\nvor, welche einen doppelten Grund hatte, den neuen Diri-\ngenten auf alle mögliche Weise zu feiern und zu heben;\ndenn einmal flössen die Lobreden, glänzender Empfang,\nHervorruf u. dgl. aus der Ueberzeugung von Wagner's Be-\ndeutung und aus dem ganz natürlichen Drange, den Er-\nwählten als den Würdigsten hinzustellen; zweitens hatte\naber auch die Nachricht von dem Abgange Costa's einen\nungünstigen Einlluss auf die Subscriptions-Liste gehabt, wie\nich vernommen und wie die öffentlichen Blätter (z. B. Mu-\nsical World)ganz unumwunden sagen. Es mussten also\nalle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um jenen Einfluss\ndurch die ersten Eindrücke und durch deren Schilderung\nzu paralysiran. Diese Lage der Dinge muss man kennen,\nUm die Zeitungs-Berichte für und wider richtig würdi-\ngen zu können, was freilich unter solchen Verhältnissen\nimmer schwierig bleibt. Eines bleibt jedoch unanfechtbar\nstehen, dass es Deutschland zur Ehre gereicht, dass ein\ndeutscher Künstler lür dieses Jahr an die Spitze der Con-\ncerte dieser alten, ruhmreichen musicalischen Gesellschaft\ngestellt worden ist.\nFür das erste Concert waren die Pastoral-Sinfonie von\nBeethoven und die Preis-Sinfonie von Lachner hestimmt\ngewesen; auf Wagner's Wunsch wurde die letztere zurück-\ngelegt (die Sinfonie Nr. 7 von Haydn trat dafür ein), und\nstatt der Pastorale wählte er die Eroi ca, „ indem er mit\n\n*) Das Land der Maschinen ist nämlich in der Theater-Maschi-\nnerie noch so weit zurück, dass nach dem Duett „0 namen-\nlose Freude\" der Vorhang fällt, um die Bühne für das Finale\neinrichten zu können."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.3", "texte": "einem ihm unbekannten Orchester und nur Einer Probe\nbekanntere Werke zur ersten Aufführung unter seiner Lei-\ntung vorziehe\". Man wunderte sich natürlich, dass die\nEroica bekannter und leichter auszuführen sein sollte, als\ndie Pastoral-Sinfonie, die zehnmal populärer ist, und Wag-\nner darf sich nicht darüber beschweren, dass man post fac-\ntum den Grund dieses Tausches allein in seiner persönlichen\nEitelkeit fand. Denn sobald man sah, dass er die „Eroica\"\nohne Partitur dirigirte, sprach und schrieb man allge-\nmein, er habe eben nur die Eroica auswendig gekonnt, und\ndesshalb habe die andere weichen müssen. Wie wir über\ndieses Auswendig-Dirigiren denken, haben wir schon oben\ngesagt; auf der Universität würde man es eine „blasse\nRenommage\" nennen, in der Künstlerwelt ist es ein facti-\nscher Humbug, der höchstens in America seinen Zweck\nerreichen, in Europa aber nur Belächeln oder noch stär-\nkere Missbilligung erregen kann. Wenn ein ausübender\nKünstler auswendig spielt, so hat das einen Sinn; bei einem\nDirigenten hat es keinen, er müsste denn beide Hände und\nArme zu „ausdrucksvollen\" leitenden Bewegungen frei ha-\nben wollen! Eine natürliche Folge war die ganz richtige\nBemerkung eines Blattes über die eben nicht präcise Be-\ngleitung der Gesangscene von Spohr, welche Ernst in\ndemselben Concerte spielte: „Herr Wagner schien dieses\nStück nicht auswendig zu können, denn er war an zwei\nStellen heraus; Ernst konnte es aber auswendig und half\nihm aus der Verlegenheit.\"\nIm Ganzen huldigt Wagner als Dirigent dem Grund-\nsatze der subjectiven Auffassung, was übrigens alle hiesigen\nMusiker, die seine Schriften kannten, nicht anders erwartet\nhatten. Es ist auch dieses wieder die ewige Vergötterung\ndes Ichs, weiter nichts, wenn auch zehnmal unter Pietäts-\nBetheuerungen verschleiert. Kein Vernünftiger wird das\nAbspielen eines Stückes oder den Vortrag einer Sinfonie\nvon Anfang bis zu Ende nach dem Metronom billigen, und\nwenn die Wagner'schen dagegen eifern, um ihre Aus-\nschweifungen zu rechtfertigen, so fechten sie gegen Wind-\nmühlen. Es ist aber ein grosser Unterschied zwischen dem\nFesthalten eines Tempo's als Hauptbewegung eines Satzes\nneben geringen Abweichungen, welche der Charakter einer\nPeriode oder das individuelle Gelühl bedingen, und dem\newigen Schwanken der Bewegung, wodurch die Abwei-\nchungen zur Regel und das Festhalten des charakteristi-\nschen Tempo's zur Nebensache wird. Sobald die subjective\nAuffassung mit der Correctheit und Gewissenhaftigkeit in\nförmlichen Gegensatz tritt, ist sie nicht nur nicht berech-\ntigt, sondern geradezu eine strafbare Anmaassung, und soll\nich Ein Extrem wählen, so will ich lieber Haydn und Beet-\nhoven schlechtweg, an und für sich, bloss correct und mei-\nnetwegen trocken hören, als Haydn und Beethoven mit\nfremdartigem Saft aufgefrischt. Wagner's Direction hat eben\nso wie seine Composition etwas Dilettantisches an sich; es\nist auch nicht leicht, nach seinem Tactiren zu spielen, da\ndieses keineswegs scharf und genau ist; übrigens besitzt er\nEnergie, Lebendigkeit, Feuer, überhaupt, was beim Diri-\ngenten eine Hauptsache ist, eine anregende Persönlichkeit.\nIn der Haydn'schen Sinfonie war das häufige Drängen und\nZurückhalten am unangenehmsten, und es ging darüber die\neigentliche Feinheit der Ausführung, wie man sie z. B. in\nParis hört, wo die Correctheit aufs Höchste getrieben wird,\nverloren. Die „ Fingalshöhle\" von Mendelssohn wurde zu\nAnfang langsamer, als nöthig, und gegen Ende schneller,\nals ausführbar, genommen; an einigen Stellen war die feu-\nrige Ausführung recht schön, nur fehlte es an Schattirung\nvon Piano und Forte. Am besten ging die Ouvertüre zur\nZauberflöte.\nWagner wurde bei seinem Auftreten ehrenvoll em-\npfangen und am Schlüsse des Concertes durch rauschenden\nBeifall und Hervorruf ausgezeichnet. Nächstens mehr.\nSterndale Bennet hat seine jährlichen Soireen für\nclassische Pianoforte-Musik wieder begonnen. In der ersten\nspielte er Hummel's Quintett, Op. 87, Beethoven's Sonate\nfür Piano und Violoncell, Op. 5, mit Piatti, Mozart's So-\nnate mit Violine in B mit Sainton, drei Stücke von Sc'ar-\nlatti, Händel und Bach und einige von seiner Composition.\nFrau Clara Novello sang zwei Lieder von Bennet und\nBeethoven's Lieder kreis an die ferne Geliebte auf ganz\nbezaubernde Weise.\n\nC. A.\n\nEinnahmen und Ausgaben\nder Bühnen ersten und zweiten Ranges in Deutschland\nwährend 1853—1854.\nEinnahme. Ausgabe.\nThaler Thaler\nHoftheater in Wien (Drama und\nOper) . . 256,666 456,666\n„ Berlin . . . . 220,000 360,000\n„ „ Dresden .. . 90,000 140,000\n„ München .. . 92,800 172,000\n„ Hannover. . . 50,000 123,000\n„ „Stuttgart .. . 31,000 102,857\nZu übertragen . . 470,466 1,354,523"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.4", "texte": "Einnahme. Ausgabe.\nThaler Thaler\nUebertrag . . 740,466 1,354,523\nHoftheater in Karlsruhe. . . 28,500 85,714\n„ „ Darmstadt. . . 17,000 76,000\n„ „ Kassel .... 28,000 88,007\n„ „ Mannheim. . . 34,500 56,850\n» , Weimar . . . 12,000 56,000\n„ „ Schwerin . . . 21,870 67,520\n„ „ Braunschweig . 28,000 80,000\n„ „Dessau .... 8,500 40,000\nStadttheater in Leipzig. .. . 72,000 72,000\n„ „ Hamburg . . . 200,000 200,000\n„ Frankfurt. . . 85,700 93,147\n„ „ Wiesbaden . . 17,100 38,850\n„ Breslau 80,000 80,000\n„ „ Königsberg . . 65,000 65,000\n„ Köln 60,000 60,000\n„ „ Aachen. . . . 30,000 31,000\n„ „ Düsseldorf . . 20,000 20,000\n„ „ Magdeburg . . 40,000 40,000\n„ „ Posen .... 36,000 36,004\n„ Mainz .... 20,000 25,710\n„ „ Nürnberg .. . 18,300 18,302\n~ „ Würzburg . . 16,900 17,140\n„ Riga 82,500 88,006\n„ „ Pesth (Deutsches\nTheater). 96,600 96,600\n„ Prag. .... 100,000 108,660\n- „ Stettin . . . . 45,000 45,000\nSumme . . 2,003,500 3,060,000\n(Küstner, die deutschen Theater.)\n\nLiteraturblatt.\nFür Gesang.\n„0, sieh mich nicht so lächelnd an!\" Gedicht\nvon L. B. (ock), in Musik gesetzt lür eine Sing-\nstimme mit Begleitung des Pianoforte von Albert\nJungmann. Op. 7. Preis 10 Sgr. Magdeburg,\nbei Heinrichshofen.\nDer Wille des Componisten scheint ein guter gewesen zu sein,\ndoch ist die That eine ziemlich schwache; die Erfindung ist ge-\nwöhnlich, die harmonische Behandlung keineswegs geschickt (siehe\ndie Modulationen von H-moll nach D-dur am Schlüsse der dritten\nSeite, oder von F-dur nach Fis-moll auf der fünften Seite) und die\nAuffassung nichts weniger als tief. Auch auf den rhythmischen Bau\nsollte der Componist mehr Aufmerksamkeit verwenden; wir ver-\nweisen beispielsweise nur auf Seite 4, woselbst fortdauernd auf den\nersten drei Achteln eine lange Note ist, was natürlich Monotonie\nerzeugt.\nDrei Lieder für eine Sopran- oder Tenor-\nstimme mit Begleitung des Pianoforte von Ad.\nKöckert. Op. 17. Prag, bei Hofmann.\nDie Lieder dieses tüchtigen und bekannten Violin-Virtuosen\nhaben nicht unseren Erwartungen entsprochen. Dieselben haben\neinen dilettantischen Anstrich, und erstreckt sich das sogar auf die\nNotirungsweise, indem Stellen wie die folgende im zweiten Liede\nfolgender Maassen zu notiren sind:\nDie falsche Notirung der Achtel, wenn jedes auf Eine Silbe\nkommt, findet sich durchweg. Vorstehendes Beispiel, welches man\nsich durch Hinzufügung der allergewühnlichsten Begleitung leicht\nvervollständigen kann, diene zugleich unseren Lesern als Beweis,\ndass unsere obige Behauptung nicht zu hart ist. Der Anfang des\ndritten Liedes leidet an zu hastigen und unmotivirten Modulationen,\nda der Componist innerhalb vierzehn Tacte folgende Tonarten\ndurchläuft: B-dur, D-dur, B-dur, D-dur, A-moll, F-dur, Des-dur,\nAs-dur. Wahrscheinlich fehlt auf der vierten Zeile vor dem\nzweiten dim Basse ein Quadrat. Wenn das Lied von einer So-\npranstimme gesungen wird, mag folgende Stelle auch hart klingen ;\nkeinesfalls ist sie sauber:\n\\\nDie Declamation ist mitunter nachlässig behandelt; hier dafür nur\nEin Beispiel, aber nicht das schlimmste:\nMädchen, wir sind si - eher und al - lein.\nMöge der Componist sich an den Mendelssohn'schen und Schü-\nbert'schen Liedern als Mustern heranbilden."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.5", "texte": "Waldl i e d e r von J. N. Vo g 1 für eine Singstimme\nmit Begleitung des Pianoforte von F. von Hol-\nstein. Op. 1. Leipzig, bei Breitkopf u. Härtel.\nZweites Heft. Op. 9. Ebendaselbst,\nAus diesen Liedern spricht eine sinnige, edle Künstler-Natur\nzu uns. Die Haupt-Erfordernisse: melodische Kraft, harmonische\nGewandtheit, poetische Auffassung, sind wenigstens in erfreulichem\nMaasse vorhanden, und glauben wir mit Gewissheit, dem jungen\nGomponisten ein günstiges Prognostikon stellen zu können, voraus-\ngesetzt, dass derselbe in einer Weise fortschreitet, wie dies aller-\ndings bei den beiden vorliegenden Heften der Fall ist, von denen\ndas zweite bei Weitem bedeutender erscheint, als das erste. Mehr\nSorgfalt dürfte der Componist indess noch auf die Declamation ver-\nwenden, und auch wählerischer sein in Bezug auf die melo-\ndische Erfindung. Gehen wir etwas genauer auf die Lieder ein.\nHeft 1 beginnt mit einem recht frischen Liede, „Ausgang\", in dem\nuns jedoch melodische Floskeln allzu gewöhnlicher Art, wie diese:\nstören. Eine in ihrer Gestaltung ganz ähnliche finden wir auch\nin Nr. 2:\nund ist gerade, was wir oben in Bezug auf die allzu sorglose me-\nlodische Erfindung sagten, speciel mit Rücksicht auf solche Stellen,\nderen wir übrigens auch im zweiten Hefte antreffen, z. B.:\nausgesprochen worden. Das zweite Lied sagt uns persönlich nicht\nganz zu, es hat etwas zu Marschartiges an sich; dagegen ist Nr. 3\nvon einer schönen, echt poetischen Stimmung durchzogen. Nr. 4,\n„Nichts ohne Liebe\", ist artig, nur gefällt uns nicht, dass der Com-\nponist dem Worte „nimmer4 im Refrain (zum ersten Male) gar kei-\nnen Accent gab, wir hätten die Stelle anstatt\nDie declamatorische Rhythmik im fünften Liede, „Waldes-Trost\",\nist nicht richtig; das ganze Lied müsste mit dem Auftacte begin-\nnen; versuche der Componist nur, die Tactstriche stets um ein\nViertel zu verschieben, so wird das Lied bedeutend gewinnen; nur\ngegen den Schluss hin müssten noch einige kleine Aenderungen\nvorgenommen werden. Im Uebrigen macht das Lied einen ange-\nnehmen Eindruck. letzte Lied, „Morgen wieder\", würde uns\nmehr gefallen, wenn die Begleitungs-Figur mit etwas weniger Ste-\ntigkeit fortgeführt worden wäre. Wir haben uns das Vergnügen\nnicht versagen können, heraus zu zählen, dass dieselbe 54 Mal vor-\nkommt. Das ist bei einer eintactigen Figur, die überdies im Rhyth\nmus so hervortretend ist, gar zu viel; man sehnt sich nach einer\nErweiterung oder Unterbrechung der Figur. Ueberhaupt wünschten\nwir, dass der Componist hier und da die Perioden zu grösserer\nBreite entfaltete und erweiterte; es ist häufig zu viel Miniatur-Ar-\nbeit. Da wir bei dem zweiten Hefte weniger auszusetzen ha-\nben, so können wir uns auch kürzer fassen; es zeugt schon von\nmehr Gewandtheit und bietet uns (namentlich in Nr. 2 und 3) sehr\nhübsche Lieder. Da beide Liederhefte sich fast immer in den tiefe-\nren Lagen bewegen und nur höchst selten über das zweigestrichene\ne hinausgehen, so werden sie sehr Vielen eine höchst willkommene\nGabe sein, weil die Gesanges-Literatur an guten Liedern für\neine tiefere Stimme durchaus nicht überreich ist. Seien denn\ndie Lieder bestens empfohlen.\nDrei Balladen von Strachwitz, Heine und Geibel\nlür eine Bassstimme mit Begleitung des Piano-\nforte von F. von Holstein. Op. 4. Pr. 1%\nThlr. Berlin, bei Bote & Bock.\nDas Heft enthält Pharao- von Strachwitz, „Belsazar\" von Heine\nund „Rheinsage\" von Geibel, und hat der Componist Stimmung\nund Charakter stets gut getroffen, auch ziemlich gut das dramati-\nsche Leben hinein zu bringen gewusst. Am meisten behagt uns\ndie erste Ballade, „Pharao\", während uns die zweite neben der\nSchumann'schen Composition des Gedichtes etwas blass erscheint.\nJedenfalls aber verdienen die Balladen die Beachtung aller Bas-\nsisten; es wird sie Keiner unbefriedigt aus der Hand legen, denn\nsie sind auch in rein gesanglicher Beziehung sehr gut geschrieben,\ndaher dankbar und wirkungsvoll ein Lob, welches auch die\neben besprochenen Waldlieder verdienen«,\nLa Captive, Beverie de V.\nSoprano ou Contralto par H. Berlioz. L'accom-\npagnement de Piano de St. Heller. Berlin, chez\nSchlesinger. Pr. 12 x/i Sgr. t\nBerlioz hat diesen Gesang für eine Singstimme mit Orchester\ncomponirt; St. Heller's Begleitung ist hoffentlich nichts Anderes als\nein Clavier-Auszug, worüber uns freilich der Titel mit Unrecht in\nZweifel lässt. Die Composition trägt von Anfang bis zu Ende\nden Charakter eines Gelegenheitsstückes, das heisst: es ist für\neine bestimmte Sängerin, für eine bestimmte Tonregion und Ton-\nfarbe geschrieben, und wir glauben gern, dass der Vortrag durch\nMad. Viardot eine schöne Wirkung gemacht hat. Diese wird\nsich überall wiederholen, wo eine volltönende Altstimme sich die-\nser Melodie bemächtigt, welche besonders geeignet ist, die tiefen\nBrusttöne geltend zu machen. An sich selbst aber können wir ihr\nkeinen besonderen Kunstwerth beilegen: sie ist nicht frei von\nAnklängen an Vorhandenes (z.B. in Tact 4 und 9 an Meyerbeer's\nAlice), und musicalische Reihen, wie folgende:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.6", "texte": "zeigen weder Erfindungs-Talent noch Gewandtheit, zumal wenn\nman den Text bedenkt: „(j'aimerais) ces astres sans nombre, Si le\nlong du mur sombre IV'etincelait dans l'ombre Le sabre du Spahis\nDie deutsche Uebersetzung von J. C. Grünbaum ist recht gut.\n\nMehrstimmige Lieder.\nSechs volksthümliche Lieder für zwei\nSingstimmen mit Pianoforte (ad libitum) von\nFerdinand HiHer. Op. 61. Offenbacb, bei\nAndre. Preis 1 Fl. 12 Kr.\nDer treffliche Componist hat mit diesem Hefte die sehr arme\nLiteratur der Lieder für zwei Sopranstimmen in sehr erfreulicher\nWeise bereichert und hat sich den Dank der ganzen singenden\nFrauenwelt erworben. Wer Hiller's erstes Heft der volkstümlichen\nLieder (Leipzig, bei Breitkopf & Härtel) kennen und lieben gelernt\nhat, der wird nicht säumen, sich mit diesen reizenden, wahrhaft\nherzigen Liedchen bekannt zu machen; umgekehrt werden alle,\ndie dieses Heft zuerst in die Hände bekommen, auf das erste\nHeft begierig werden. Eine Kritik erlasse man uns; wer hätte\ndenn je Volkslieder kritisirt? und für solche könnte man sie gar\nwohl halten, wenn Hiller uns seine Autorschaft verschwiegen hätte.\nDas ist gewiss die beste Kritik für diese Liedchen.\nGesänge für vier Frauenstimmen von Gra-\nben-Hoffmann. Op. 27: Partitur und Stim-\nmen. Preis 15 Sgr. Berlin, bei Schlesinger.\nElfenchor von Delia Helena tür drei und vier\nFrauenstimmen mit Begleitung des Pianoforte von\nGraben-Hoffmann. Op. 26. Partitur und\nStimmen. Preis 15 Sgr. Ebendaselbst.\nWir können leider wenig oder nichts zum Lobe dieser Sachen\nsagen; die Erfindung ist so unaussprechlich gewöhnlich, wie wir\nglücklicher Weise nur selten etwas gesehen. Zum Belege hiefür\nder Anfang eines Liedes aus Op. 27:\nDer „Elfenchor\" bringt eine so naive Reminiscenz, dass wir uns\nnicht enthalten können, Graben-Hoffmann und Weber einander\ngegenüber zu stellen:\n\\\nDie beiden En gel von E. Geibel. Duett (ür eine\nSopran- und Bassstimme mit Begleitung des Piano-\nforte von J. A. van Eyken. Op. 8. Preis 80\nCts. Amsterdam, bei Thenne.\nBei der ungemeinen Seltenheit derartiger Duette wird dieses in\nWahrheit „einem tief gefühlten Bedürfniss\" abhelfen; es ist freund-\nlich und ansprechend. Im Allgemeinen scheint uns das Gedicht,\nda es vorwiegend reflectirender Natur ist, weniger zur Composition\ngeeignet, als die meisten anderen Geibel'schen, woher es denn auch\nwohl kommt, dass der Componist hier und da zur Malerei seine\nZuflucht nahm. Zuweilen klingt es uns, nebenbei gesagt, etwas\nSpohrisch.\n\nFür Pianoforte.\nMazurka de Salon pour Piano, par Jean Weber.\nPr. 27 Kr. Offenbach s. M., chez Jean Andre.\nUn reve de Bonheur, Polka de Concert pour le Piano\npar Jean Weber. Pr. 27 Kr. Ebendaselbst.\nEin paar anspruchslose, recht schwungvolle Tanz-Compositionen,\ndie wirklich als solche, nicht aber als Salon-Compositionen\nbetrachtet sein wollen. Wir hätten den etwas prätentiösen Titel:\n„Un reve de Bonheur\"9 bei einer simplen Polka fortgewünscht.\nWie wir vernehmen, ist der Componist ein Sohn des königlichen\nMusik-Dirccters Herrn Franz Weber, Dirigenten des kölner Män-\nnergesang-Vereins.\nDelix Melodies pour le Piano par A. Rubin stein.\nPr. 5/2 Thlr. Berlin, chez A. Schlesinger.\nDer Componist hat sich in der jüngsten Zeit durch die Auffüh-\nrung einer Sinfonie, „Ocean\", im leipziger Gewandhause einen Na-\nmen gemacht, und thut es uns leid, dass wir gerade mit diesen\nhöchst unbedeutenden Sächelchen seine Bekanntschaft machen; denn\nsie sind so nichtssagend und selbst trivial, dass wir nicht wüssten,\nwas von Goria, Ascher etc. denselben unterzuordnen wäre. Auch"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.7", "texte": "Homer hat geschlafen; aber ein junger Componist, der eben erst\nbeginnt, in die Oeffentlichkeit zu treten, sollte sich doch nicht um\ndes lieben Mammons willen verleiten lassen, derartige nichtsnutzige\nSachen zu veröffentlichen. Wenn Herr Rubinstein uns erst ein\nDutzend werthvoller Werke geliefert, dann wollen wir ihm gern\nsolche „Melodies\" verzeihen; aber um Verzeihung wird er auch\n• i\ndann noch bitten müssen.\nSentiment et Caprice. Mo\nPiano par Adolphe 13. ys\nThlr. Magdeburg, chez Heinrichshofen.\nDas Stückchen fängt nicht übel an, und würde sich als eine\nArt „Valse sentimentale\"recht artig ausgenommen haben, wenn der\nVerfasser es einfach in der Weise zu Ende geführt hätte. Dagegen\nist seine Fortführung eine auf leere Klingelei hinauslaufende Va-\nriation, die ohne alles musicalische Interesse und wahrlich allzu\nkindlich ist. Auch ist eine durch vier Tacte fortlaufende Sequenz\nvon Septimen-Accorden auf einem in Quinten und Quarten daher-\nschreitenden Basse (s. Seite 3, Z. 3) nicht eben geistreich zu nen-\nnen. Wann wird man aufhören, derartige unmusicalische und ge-\nschmackverderbende Sachen zu schreiben und in die Welt zu sen-\nden? Wisst ihr denn nicht, ihr Künstler, welche Verantwortung\nihr auf euch nehmt? Wenn ihr die Erkenntniss habt, dass eure\nderartigen Machwerke nur auf die grobe Sinnlichkeit des grossen\nHaufens berechnet sind, dann ist eure schlechte Composition zu-\ngleich eine unrechte, unehrenhafte That! Wo nicht, so sucht euch\ndiese Erkenntniss zu verschaffen. Die Worte sind hart; aber es\nmuss einmal Einer wagen, sie den Mode-Componisten entgegen\nzu rufen: „Die Regeln der Moral sind auch die der Kunst.\"\n„Psyche.\" Etüde fantaslique\nKullak. Op. 88. Berlin, chez Ad. Schlesinger.\nPr.2/3 Thlr.\nDie obigen Worte rufen wir auch von ganzem Herzen dem äl-\nteren Bruder, Herrn Theodor Kullak, zu; zwar ist seine Compo-\nsition mit mehr Geschmack und Geschick gemacht, als die vorige,\ndoch ist die Gesinnung um kein Haar besser, dagegen der Titel\n,Psyche\" auch um so anspruchsvoller, und erscheint er als eine\nwahre Ironie. Wir bedauern bei solchen Sachen stets die armen\nLeute, denen sie dedicirt sind; denn es ist ein fatales Ding, auf\ndem Titel derartiger Artikel zu figuriren. Der Frau Marianne Les-\nsing hierbei unsere aufrichtige Condolenz.\nAndante-Finale und Marsch aus der Oper „König\nAlfred\" von Joachim Raff, für das Pianoforte\nübertragen von Franz Liszt. Preis conaplet 1\nThlr. Magdeburg, bei Heinrichshofen.\nWas Liszt unter die Finger nimmt, weiss er wirkungsvoll für\ndas Pianoforte zu gestalten, da ihm eine Sicherheit und Kenntniss\nin der Behandlung des Instrumentes zu Gebote steht, wie Weni-\ngen; wir erinnern nur an seine meisterlichen Uebertragungen der\nSchubert'schen Lieder, der beiden Sinfonieen (Nr. 5 und 6) und\ndes Septetts von Beethoven. So hat auch Liszt aus dem Andante-\nFinale und Marsch aus Raff's König Alfred ein paar sehr wir-\nkungsvolle und nicht übermässig schwere Salonstücke gemacht, die\nüberall gern gehört sein werden. Was Raff's Erfindungen anlangt,\nso sind sie ziemlich gewöhnlich, im Andante ein wenig italiänisi-\nrend, im Marsch nicht ohne Reminiscenzen; so erinnert das Trio\nin seinem Rhythmus stark an Gungl's allbekannten Marsch: „Krie-\ngers Lust.\" Als wirkungsvolle Salonstücke seien die Sachen em-\npfohlen. Sie stehen hoch über den eben besprochenen Kullak'scheu.\nPhantasie für das Pianoforte von Eduard Berns-\ndorf. Op. 15. Preis 20 Sgr. Leipzig, bei Hof-\nmeister.\nEin Werk, das um seiner Gesundheit und guten, redlichen Ge-\nsinnung willen wahrhaft erquicklich wirkt; auch ist das Gegebene\npositiv werthvoll und angenehm anregend, so dass von der Zukunft\ndes jungen Componisten noch manches Schöne zu erwarten ist.\nAuch ein gutes Maasshalten im Ganzen, wie Ebenmaass in den\neinzelnen Theilen der Phantasie ist dem Componisten nachzurüh-\nmen. Die Erfindung ist durchweg edel, wenngleich in manchen\nMomenten stark an Mendelssohn erinnernd; etwas mehr Selbst-\nkritik wünschen wir dem jungen Componisten, damit er in Zukunft\nsolche Tacte, wie Seite 10, Zeile 3, Tact 3 und 4, welche Note\nfür Note mit einigen in dem Scherzo aus Mendelssohns Streich-\nQuartett in E-moll sich nicht entschlüpfen lasse.\nAuch das Haupt-Motiv (S. 4)\nist zu Mendels-\nsohnisch. Noch machen wir den Componisten auf Eines aufmerk-\nsam, das bei ihm fast schon zur Manier geworden zu sein scheint,\nso oft kommt es vor. Es ist dieses das bequeme „Sichwiegen\" auf\neinem Tone im Basse oder auch in einer Mittelstimme, welches\nallerdings hier und da von angenehmer Klangwirkung und sogar\n(wie z. B. in Beethoven's Sonate pastorale, Op. 28, im Anfange des\nAllegro) von tiefer poetischer Bedeutung sein kann, jedoch bei ihm\nallzu häufig (S. 4 von Tact 1 bis 9, von Tact 17—20, von Tact\n25-30, S. 5 Tact 12-20, Tact 27—40, S. 6 Tact 3-14, im An-\nfange des Andante die ersten acht Tacte hindurch, dann von Tact\n12-16, S. 8 von Tact 1-8, Tact 12-19, S. 9 und 10 zwölf Tacte\nhindurch auf As und gleich darauf acht Tacte auf g und acht Tacte\nauf c u. s. w. u. s. w.) vorkommt; überdies könnte man es bei all\ndiesen angeführten Stellen nicht ein einziges Mal einen wahren\nOrgelpunkt nennen, und selbst in diesem Falle wäre es zu viel.\nNehme der talentvolle Componist diese Ausstellungen freundlich\nhin, wie sie nur in guter Absicht gemacht wurden, und erfreue er\nuns bald wieder durch ein tüchtiges Musikstück. Wenn er selbst\neine tüchtige Kritik daran geübt hat, so wird es ihm an einer\nfreundlichen Kritik von uns nicht fehlen.\nEcole moderne du Pianiste. Recueil de 24 Morceaux\ncaracteristiques par Ad. Fumagalli. Op. 100.\nCahier IL Leipzig, chez Hofmeister.\nObgleich das Werk zwei Titel trägt, so ist doch keiner der\nrichtige; wir wenigstens vermögen in den Compositionen nichts"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550505-01.1.8", "texte": "weiter als gewöhnliche Salon-Compositionen zu erblicken, denen\nder Componist durch allerlei Ueberschriften und eine entsprechende,\nnach unseren deutschen Begriffen aber sehr kindliche Malerei auf\ndie Beine zu helfen sucht. So finden wir denn: Le Cloitre, Friere\ndu maiin (worin natürlich die beliebten „Cloches\" mit ihrem „Pink,\npinka nicht fehlen dürfen) Villanelle Pres des flots, Etüde ma-\nritime (Ehen!) mit sehr viel Wellengetöse und einer Cadenz, die\nsich drei Zeilen lang auf einem verminderten Septimen-Accord er-\ngeht—• Le Reveil des ombres, Banse fantastique (abermals mit „C7o-\nchesu) La Berceusr. Reverie-Etüde und Fete du village, letzteres\nzur Abwechselung mit einigen „Cloches\" und mit den unvermeid-\nlichen pastoralen Quinten im Basse. Sehr ergötzlich ist der Beitrag,\nden der gute Mozart S. 10 hat liefern müssen. Es ist jedenfalls an-\nzuerkennen, dass Herr Fumagalli sich mit dem Don Juan bekannt\ngemacht hat. Uebrigens wollen wir dennoch gestehen, dass uns\ndiese Werke (zumal in Anbetracht dessen, dass sie von einem\nv.\nItaliäner herrühren) mehr Ernst und guten Willen zu verrathen\nscheinen, als eine Unzahl ähnlicher Producte der Kullak, Ascher,\nBlumenthal und Consorten, welche doch als Deutsche eine ganz\nandere Heranbildung genossen und wahrlich die Ehre deutscher\nKunst mehr wahren sollten. Fumagalli selbst steht noch auf einer\nsehr niederen Stufe der Kunstanschauung, und offenbar steht für\nihn Meyerbeer als leuchtendes Vorbild da; doch hat er mit\ndiesen Werken geleistet, was bei solcher Erkenntniss zu leisten\nmöglich war.\nSix Etudes de Salon pour le Piano par H. Ferd.\nKufferath. Op. 8. Bonn, chez IL Simrock.\nPrix 5 Fr.\nLied. Op. 13. Preis 45 Kr. Von demselben. Mainz,\nbei Schott,\nEtnde de Salon. Op. 16. Preis 1 FI. Von demselben.\nMainz, bei Schott.\nKufferath hat sich seit lange einen geachteten Namen in der\nmusicalischen Welt erworben, und sicherlich haben auch die Etü-\nden Op. 8, welche schon vor mehreren Jahren erschienen, dazu\nbeigetragen, ihm denselben zu verschaffen. Wir erwähnen diese\nEtüden mehr, um von Neuem auf sie aufmerksam zu machen, als\num sie zu kritisiren. Schon Robert Schumann hat dieselben seiner\nZeit als Redacteur der „Neuen Zeitschrift für Musik4' anerkennend\nbesprochen, und wiederholen wir insbesondere, was er schliesslich\nsagt: „Die meisten der Etüden eignen sich zum öffentlichen Vor-\ntrage und verdienen diesen mehr, als manche werthlose\nComposition berühmter Virtuosen.\" Schwer sind die Etü-\nden, doch zugleich dankbar; mögen sich tüchtige Spieler durch\ndiese Notiz veranlasst sehen, sich mit diesen Etüden bekannt zu\nmachen, wenn sie ihnen vielleicht bis dahin entgangen sein sollten.\nDas Lied, Op. 13, ist ein allerliebstes, feines Stück von freund-\nlicher und reizender Wirkung, anspruchslos, doch voll Empfindung.\nMit diesen Eigenschaften ist es uns lieber, als die Etüde de Salon,\nOp. 16, welche uns hier und da etwas an französische Manier ge-\nraahnt und nicht ganz so ursprünglich erfunden zu sein scheint.\nUebrigens bleibt auch diese immerhin ein Stück, das vor vielen\nHundert anderen Salonstücken um seiner durchweg nobeln und echt\nmusicalischen Haltung willen auf das vorteilhafteste absticht. Zu-\ngleich ist es eine vortreffliche Uebung. Man verschmähe es nicht,\nsich mit diesen Kufferath'schen Sachen bekannt zu machen; man\nwird sich einerseits durch die Lieblichkeit des Liedes, andererseits\ndurch das „feine und zarte Figurenwerk'4 in den Etüden angezo-\ngen fühlen.\n\nTages- und Untehaltungs-Blatt.\nH£&ml>urg> Es heisst für gewiss, dass der Senat un-\nserer Stadt Haus und Inventar des Stadttheaters für 90,000\nMark gekauft habe; dass er dem künftigen Theater-Director das\nHaus unentgeltlich geben und 10,000 Mark [jährlich?] zu einem\nPensionsfonds für Künstler beilragen würde, der sich durch eine\nProcent-Abgabe von 3 Procent von den Angestellten und von 5\nProcent von den Gastdarstellern vergrössern solle. Dem Unterneh-\nmer soll ein Mit-Director von Seiten des Senats bestellt werden.\nWir wollen wünschen, dass das Gerücht eine Wahrheit werde!\nDem Vernehmen nach soll sich Herr Hoffmann aus Frankfurt\na. M. bewerben.\nWrantefvuet a. M, Hier haben sich die Theater-Verhältnisse\nfast eben so traurig gestaltet, wie in Hamburg und in Köln. Der\nSenat hat jetzt einem Ausschusse der zusammengetretenen Theater-\nMitglieder die Concession auf die drei nächsten Monate (Mai, Juni,\nJuli) bewilligt. Ferner hat sich ein Hülfs-Comite in der Stadt ge-\nbildet, aber nicht mehr als etwa 10,000 Gulden Abonnement für\ndiese drei Monate aufgebracht. Dennoch wird der Ausschuss die\nBühne nicht schliessen, sondern mit den gebotenen Mitteln auf\nseine Verantwortung das Theater fortführen, und zwar so, dass\ner am Ende jeden Monats allen Angestellten unter 600 Fl. das Ge-\nhalt unverkürzt zahlt und von dem Rest der Einnahme die höheren\nGagen pro rata abfindet. Auf diese Weise haben die wenigen\nKünstler, welche diese Verpflichtung im Verein auf sich nehmen,\ndie Bürger des reichen Frankfurt beschämt und auf ihre Gefahr\nden zahlreichen, bei dem Theater beschäftigten Frankfurtern ihren\nLebensunterhalt gesichert."}]}