{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-05-12-01", "volume": "bmtnabi_1855-05-12_01", "ocr_sha256": "943a7a3f8c89eb87d505ec1f7645cd4d9405daecf969459664c300f1b0c8d4b3", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/05/12_01/bmtnabi_1855-05-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-05-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-05-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "146", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.2.1", "titre_corps": "Der kölner Männergesang-Verein.", "titre_sommaire": "Der kölner Männergesang-Verein.", "signature_source": "L. 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Am folgenden Tage wurde von\nzwanzig Anwesenden ein einfaches Statut entworfen, der\nZweck des Vereins, den Männergesang künstlerisch auszu-\nbilden, das deutsche Lied durch öffentliche Auflührungen\nzu verbreiten und die Einnahmen vaterländischen und wohl-\nthätigen Bestimmungen zu widmen, festgesetzt, diesem\nZwecke entsprechend der Sinnspruch: „Durch das Schöne\nstets das Gute\", angenommen und Franz Weber zum\nDirigenten auf Lebenszeit gewählt. Die ersten Vorstands-\nMitglieder waren A. Pütz, C. Krähe, W. Sturm und\nH. A. Pfeiffer.\nAus diesem kleinen Keim entwickelte sich binnen we-\nnigen Jahren eine Gesellschaft von Sängern, welche den\nausgesprochenen doppelten Zweck: „künstlerische Vollen-\ndung und Gemeinnützigkeit\" bekanntlich in so ausdauern-\nder und so ehrenhafter Weise verfolgt hat, dass ihre Lei-\nstungen einen hohen Ruf in den musicalischen Kreisen der\ngebildetsten Nationen in Europa erlangt haben. Am 8. Mai\n1842 wies die Stammliste 30 Mitglieder auf,und am 29.\nApril 1855 zeigte das gedruckte Verzeichniss, welches,\nzierlich ausgestattet, als Erinnerungsgabe an das diesjährige\nStiftungsfest ausgetheilt wurde, 96 Sänger und 90 Ehren-\nMitglieder.\nEs ist hier nicht die Absicht, einen Abriss der Ge-\nschichte des Vereins zu geben; wer sich genauer darüber\nunterrichten will, den müssen wir auf die Schrift: „Der\nkölner Männergesang-Verein\" u. s. w. von F. C. Eisen,\neinem der thätigsten Beförderer der Vereins-Interessen\n(Köln, 1852), ferner auf: „Sängerfahrt des kölner Män-\nnergesang-Vereins nach London im Jahre 1853\" von\nErnst Weyden (Köln, 1854, bei F. C.Eisen), und auf\nunsere „Briefe aus England\" im Feuilleton der Kölnischen\nZeitung vom Mai und Juni 1854 und in der Niederrheini-\nschen Musik-Zeitung, Jahrg. 1854, Nr. 26 37, ver-\nweisen. Hier wollen wir nur daran erinnern, dass der Verein\nwährend der dreizehn Jahre seines Bestehens in stets aus-\ngehreiteterer Thätigkeit über hundert öffentliche Concerte\ngegeben und eine Summe von li'infundzwanzig Tausend\nThalern patriotischen und mildthätigen Zwecken, nament-\nlich auch dem Fortbau des kölner Domes, geweiht hat.\nWahrlich, es bedarf der Worte nicht, wo die Thatsachen\nso laut sprechen.\nDie Stiftungsfeier, durch solche Erinnerungen gehoben,\nwar eines der heitersten und durch die mannigfachsten Ga-\nben der Kunst, der Laune und der geselligen Talente be-\nlebtesten Feste, die es geben kann. Gesang und Wort,\nimprovisirte Rede und Dichtung wechselten mit einander\nab, und unter den verschiedenen Lebehochs wurde auch\nder Dank an Herrn W. H. Rieffei, Organisten an der\nSt.-Nicolai-Kirche in Flensburg und Ehren-Mitglied des\nVereins, nicht vergessen, da er seine stets lebendige Theil-\nnahme an dem Vereine durch Üebersendung einer Compo-\nsition und eines sehr geschmackvoll in altdeutschem Holz-\nschnitt-Styl gearbeiteten Dirigentenpultes nebst Tactstock\nals Festgabe von Neuem bethätigt hatte. Ausserdem waren\nviele Glückwunschschreiben von nah und fern, von Ver-\neinen, Dichtern und Componisten, eingegangen. Unter den\nmusicalischen Gelegenheitsstücken rief ein komischer, sechs-\nzehnstimmiger Ganon von A. P üt z einen Sturm, aber nicht\nvon trüben Wolken, sondern von lichtvollster Heiterkeit\nund Beifall, hervor.\nMöge das Stiftungsfest stets in so freudiger Eintracht\nund mit wachsendem Ruhme des Vereins wiederkehren\nund noch recht viele Jahre der wackere Franz Webet\ndabei den Vorsitz führen!"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 863, "texte": "Dem kölner Männergesang-Vereine zum Stiftungsfeste\nam 29. April 1855.\n(Mel.: Das Mantellied.)\nErst dreizehn Jahre bist du alt\nUnd hast schon viel erlebt;\nHast kühn deine Fahne geschwungen\nUnd manchen Lorber errungen\nFür dich und das Vaterland!\nWas haben deine Waffen doch\nFür einen hellen Klang!\nDu kämpfst nicht mit Schwertern und Lanzen,\nNicht hinter Kanonen und Schanzen:\nDeine WafT ist der deutsche Gesang.\n0 edler Streit, wenn Stark und Mild\nZugleich zu Felde zieht!\nWo die Friedenspalme geschwungen,\nWo die Freiheit ins Herz gedrungen,\nDa siegt das deutsche Lied.\nSo zogest du ins fremde Land\nUnd zwei Mal übers Meer:\nUnd stets in den goldnen Palästen,\nSo wie bei des Volkes Festen\nVictoria vor dir her!\nDrum weihet dir an diesem Tag\nDie Kunst im Feierkleid\nDen Kranz, aus Liebe gebunden,\nMit Blüthen des Ruhmes umwunden,\nUnd die Krone der Einigkeit.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-05-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-05-12_01#c002", "volume": "bmtnabi_1855-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "146", "page_fin": "149", "image_debut": 2, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.2.2", "titre_corps": "Aus Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Aus Düsseldorf.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.2", "debut_caractere": 865, "fin_caractere_exclue": 4264, "texte": "Aus Düsseldorf.\nSeit unserem letzten Berichte in Nr. 6 dieser Blätter\ngab der Allgemeine Musik-Verein unter Leitung des Herrn\nJ. Tausch drei der noch rückständigen Abonnements-Con-\ncerte, so wie ein aussergewöhnliches zum Besten derUeber-\nschwemmten des Niederrheines, mit folgenden Programmen.\nFünftes Abonnements-Concert, am 1. Fe-\nbruar: 1. Grosses Septett von Beethoven. 2. Ave verum\ncorpus, Chor mit Orgelbegleitung von Mozart. 3.\nOrgel-Sonate von Mendelssohn, Herr van Eyken aus Elberfeld.\n4. Sopran-Arie: „0, zittre nicht, mein lieber Sohn\", aus\nMozart's Zauberflöte, Fräul. Helena Berg aus Stockholm.\n5. Meditationen über ein Bach'sches Präludium von Gou-\nnod, für Violine, Pianoforte und Orgel; die Herren Seiss,\nTausch, van Eyken. 6. Gebet und Chor mit Orgelbeglei-\ntung von Mendelssohn. 7. Schwedische Lieder, Fräul. He-\nlena Berg.\nSechstes Abonnements-Concert, amß.März:\n1. ()uverture zu Euryanthe von Weber. 2. Cavatine „ Glöck-\nlein im Thale\" aus derselben Oper, Fräul. Volk vom hie-\nsigen Theater. 3. Capriccio von Romberg für Cello über\nschwedische Lieder, Herr Vorberg. 4. Tenor-Arie aus Me-\nhul; Joseph: Herr Kahle vom hiesigen Theater. 5. Sinfonie\nvon Schumann, Nr. 4, D-m011.6. Ouvertüre, Soli und Chöre\naus Idomeneo von Mozart; Soli: Fräul. Volk und Herr\nKahle. 7. Phantasie iür Pianoforte, Chor und Orchester\nvon Beethoven; Pianoforte: Herr Tausch.\nConcert für die Ueberschwemmten, am 15,\nMärz: 1. Ouvertüre zu Oberon von Weber. 2. Sopran-\nArie und Chor, Festmarsch und Chor aus Hiller's Zerstö-\nrung von Jerusalem; Sopran-Solo: Fräul. Mathilde Hart-\nmann. 3. Phantasie lür die Geige von Alard, Herr Seiss.\n4. Arie aus Marschner's Hans Heiling, Fräul. M. Hartmann.\n5. „An die Künstler\", Männerchor von Mendelssohn. 6.\n(7-moZZ-Sinfonie von Beethoven.\nSiebentes Abonnements-Concert am 15.\nApril: Paulus, Oratorium von Mendelssohn; Soli: Fräul. M.\nHartmann, Fräul. Pels-Leusden von Köln, Herr Kahle, und\nPaulus: Herr Schiffer von Köln.\nDas letzte Abonnements-Concert wird wahrscheinlich\nerst nach Pfingsten gegeben werden können, wesshalb wir\nschon jetzt uns veranlasst sehen, auf die obigen vier Con-\ncerte einen Rückblick zu werfen.\nDie Leistungen von Orchester und Chor blieben im\nAllgemeinen eben so ungenügend und unbefriedigend, wie\nsie es in der ersten Hälfte des Winters waren; wir können\ndaher auf das verweisen, was wir auslührlicher darüber in\nfrüheren Berichten miltheilten, und uns die unerquickliche\nWiederholung von Details ersparen. Die Orchester- und\nChorwerke wurden wieder in einer Weise gegeben,\ndurch welche die Lauheit des nach und nach zusammen-\nschmelzenden Concert-Publicums im Wachsen geblieben\nist. Vergleichsweise am besten war die Aufführung der\nC-moll-Sinfonie. Vom Orchester und vom Dirigenten mit\ngrösserer Sorgfalt und Liebe behandelt, wurde sie, wenn\nwir auch feinere Färbung und Charakteristik vermissten,\nunverkennbar mit aussergewöhnlicher Theilnahme ausge-\nführt und aufgenommen.\nDas fünfte Concert wurde, wahrscheinlich aus ökono-\nmischen Rücksichten, ohne Orchester gegeben und mit dem\nSeptett von Beethoven eröffnet. Die Ausführenden schienen\ndie Sache leicht genommen zu haben; denn offenbar erreich-\nten sie nicht die Einheit des Vortrags, welche man von den\ntüchtigen vereinigten Kräften erwarten durfte. Eine Haupt-\nrolle spielte in diesem Concerte ein orgelartiges Instrument,\nauf welchem, irren wir nicht, die Töne durch Anblasen von"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5213, "texte": "Metallzungen gebildet werden. Es fehlen ihm indess, obgleich\nes für Choral und häusliche Erbauung geeignet ist, die Eige-\nnschaften für den Concertsaal, und namentlich für den Vor-\ntrag von Compositionen, wie die Mendelssohn'sche Orgel-\nSonate. Der Bass ist im Verhältnisse zum Discant zu\nstark, deckt ihn und verursacht Undeutlichkeit; zudem\nhat es den Fehler, dass die Töne nach dem Anschlage nicht\nrasch genug ansprechen, um eine gehörige Bindung dersel-\nben zu gestatten. Die rascheren Passagen der Sonate in\nder Höhe erschienen als ein unmusicalisches Gequiek, wel-\nches, verbunden mit dem Umstände, dass der Spieler dem\nPublicum den Rücken zuwandte und in unästhetischer\nWeise mit Händen und Füssen auf Tasten und Pedal\narbeitend sich präsentirte, einen Grad von Heiterkeit er-\nregte, der die Schranken des Schicklichen zu brechen drohte.\nWir gestehen, wir begreifen nicht, wie Herr van Eyken,\nbekanntlich ausgezeichneter Organist, die Mendelssohn'sche\nSonate auf dem dafür gänzlich ungeeigneten Instrumente\nvortragen konnte. Die Concert-Direction muss sich den Ta-\ndel gefallen lassen, vorher nicht gehörig geprüft zu haben.\nAls begleitendes Instrument und in der ansprechenden Gou-\nnod'schen Composition wirkte es dagegen ganz angenehm.\nDen Glanzpunkt des Concertes, ja, der ganzen Saison, bil-\ndeten die Gesang-Vorträge von Fräul. Helena Berg aus\nStockholm, deren Familie die beiden letzten Winter hier\nzubrachte, Tochter und Schülerin des schwedischen Hof-\nsängers Herrn Berg, welchem Jenny Lind ihre musicalische\nAusbildung verdankt. Fräul. Berg besitzt einen schönen\nSopran, der indess weder aussergewöhnlichen Wohlklang,\nFülle und Kraft, noch sonstige exceptionelle Eigenschaften\nbesitzt, welche ihn in die Kategorie hervorragender, seltener\nStimmen bringen. Die Ausbildung ihrer Mittel dagegen ist\neine wahrhaft vollendete, classische, so dass sie in unserer\nZeit des Verfalls echter Gesangskunst -zu den wenigen leuch-\ntenden Gestirnen gehört, welche in makellosem, reinem\nGlänze strahlen. Sie beherrscht alleZweige der Technik voll-\nkommen; was aber den Zauber ihres Gesanges, wie den\nvon Jenny Lind bildet, ist der geistige Gehalt des Tones,\ndie Stimmung der Seele, welche sich darin offenbart und\nselbst dem kleinsten Ornamente Leben und Wahrheit des\nAusdrucks verleiht. Ihr Vortrag ist frei von aller Manier,\neinfach und edel; ihre Auffassung poetisch, echt künstlerisch.\nNur zwei Mal war es uns vergönnt, der jugendlichen Sän-\ngerin zu lauschen, aber unvergesslich werden uns die we-\nnigen Augenblicke bleiben. Mit ergreifender Einfachheit und\nWahrheit, echt national, singt sie die heimischen, nordischen\nWeisen, und eben so die des fernen Südens; mit gleicher\nVollendung behandelt sie jede Tonschöpfung, welchem\nLande und welcher Richtung sie auch angehöre. Der Vor-\ntrag der Arie aus der Zauberflöte war wunderbar durch-\nhaucht von dem tiefen Schmerze des gebeugten Mutterher-\nzens; aus dem schwedischen Tanzliede sprudelte die Hei-\nterkeit des kecken nordischen Bauernburschen und seines\nneckischen Mädchens in solcher Fülle hervor, dass der Ju-\nbel im Saale nicht endete, bis sie das Lied wiederholte. Ob\nwir die Sängerin wieder hören werden? ob sie die künst-\nlerische Laufbahn betreten wird? Beides liegt leider noch\nim Schoosse der Zukunft verborgen.\nDie Solo-Vorträge im sechsten Concerte waren zum\nTheil sehr unbefriedigend. Unsere talentvolle, dramatisch\nbegabte Prima Donna, Fräul. Volk, hat sich im Laufe des\nWinters so wenig schonen können, dass ihre Stimme den\nCharakter des Kranken trägt. Wir müssen es im Interesse\nder Sängerin aussprechen, dass sie sich, unserer Ansicht\nnach, dem völligen Verluste der Stimme aussetzt, wenn sie\nihr keine genügende Ruhe gönnt. Ihr Ton sprach, nur bei\ngrosser Anstrengung, schwerfällig an; dabei detonirte sie\nhäufig, so dass ihr Gesang, namentlich in der zarten Cava-\ntine der Euryanthe, einen wirklich peinlichen Eindruck\nmachte. Herr Kahle sang unrein und ohne Leben, wie ge-\nwöhnlich, und auch Herr Vorberg spielte das Capriccio von\nRomberg keineswegs so, dass die Stimmung des Publicums\ndadurch evwärmt worden wäre. Erfrischend wirkte dage-\ngen der Vortrag der Pianoforte-Partie in der Beethoven'-\nschen Phantasie durch Herrn Tausch, worin er wiederum\ndie glänzenden Eigenschaften zeigte, welche ihn als Piani-\nsten charakterisiren: Deutlichkeit, Sicherheit, Kraft, Schwung\nund frische, lebhafte Auffassung.\nIn dem Concerte zum Besten der Ueberschwemmten\ntrug Fräul. Hartmann sehr brav die beiden angegebenen\nArien von Hiller und Marschner vor. Herr Seiss spielte\neine Phantasie von Alard mit vielem Geschmack, aber mit\nweniger Energie und Wärme im Vortrage, als wir ge-\nwünscht hätten. Mendelssohn's Chor für Männerstimmen\nverfehlte alle Wirkung, weil derselbe, bei starker Beglei-\ntung von Blech-Instrumenten für massenhafte Besetzung\nberechnet, von unserem wenig zahlreichen Chor, welchem\nSicherheit und Präcision überdies nur zu sehr fehlte, ge-\nsungen wurde.\nUeber die Aufführung des Paulus im letzten Concerte\nmöchten wir am liebsten schweigen, weil es uns schmerzt,\ndem Werke, das wir so oft unter Mendelssohn's eigener\nLeitung hörten, so begegnen zu müssen. Wer erinnert\nsich nicht lebendig der wahrhaft anregenden Proben, welche"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5243, "texte": "der liebenswürdige Dirigent mit der grössten Sorgfalt, der\ngrössten Liebe leitete, getragen von der Begeisterung der\nMitwirkenden für ihn und seine Schöpfung? Wer erinnert\nsich nicht der Aufführungen, in denen der Geist des Wer-\nkes sich herrlich offenbarte, Mitwirkende und Hörende\nmächtig ergreifend? Und jetzt, an derselben Stätte, welch\ntrauriger Abstand! Die Aufführung erschien uns wie ein\nverwischtes Bild, in welchem Schatten und Licht, die kräf-\ntigen und weichen Töne in einander fliessen und den schö-\npferischen Gedanken nach allen Richtungen hin fast bis zur\nUnkenntlichkeit verllachen und verwischen. Die Chöre, worin\nviele Mitwirkende in stetem Kampfe mit den Noten zu sein\nschienen, waren farblos, unrein, flau, wir möchten fast sa-\ngen: trübselig. Die Solisten konnten offenbar bei solcher\nAufführung, verbunden mit einer alles Frühere überschrei-\ntenden Unreinheit im Orchester, die Stimmung nicht ge-\nwinnen, um sich ihrer Aufgabe mit Liebe hinzugeben. Wir\nwollen sie desshalb auch nicht tadeln, wenn sie vollkommen\nkalt Hessen und die Recitative zum Theil wahrhaft psalmo-\ndirten. Auch Fräul. Pels-Leusden liess unbefriedigt, trotz\nihrer herrlichen Stimmmitte!, die indess bis jetzt noch auf\nniedriger Stufe der Bildung geblieben sind.\nDer traurige Zustand unserer musicalischen Auflührun-\ngen ist offenbar Folge der Principien, welche Herr Tausch\nseiner Thätigkeit zu Grunde legt, oder vielmehr der Prin-\nciplosigkeit, womit er handelt. Wir hatten Recht, als wir\nimmer lebhafter befürchteten, er werde sich in dem alten\nGeleise festfahren, als wir vorhersagten, er werde sich\nohne Erfolg abmühen, wenn er nicht entschieden in neue\nBahnen einlenke, über welche wir es an Andeutungen nicht\nfehlen liessen. Leider scheint er in der Art und Weise,\nwie wir seiner Thätigkeit folgten und sie beleuchteten, keine\nwohlmeinende, unparteiische Stimme erkannt zu haben.\nWir wissen es uns in der That nicht zu erklären, dass ein\nso umfassend gebildeter Musiker, wie Herr Tausch, der als\nausführender und schaffender Künstler unwiderlegliche Be-\nweise eines bedeutenden Talentes gegeben, sich so wenig\nüber das klar zu sein scheint, was er in den so schwieri-\ngen hiesigen Verhältnissen leistet. Sollte er den Eindruck\ndes Werkes aus der Partitur so aufnehmen, dass er darüber\ndie unbefangene Beurtheilung der Ausführung verlöre ?\nOder sollten ihn gar verblendete, zu wenig musicalisch ge-\nbildete und desshalb stets lobende Freunde über sich seihst\nin die Irre geführt, sollten sie ihn für jeden wohlgemeinten\nWink, lür jeden nur Gutes bezweckenden Tadel so unzu-\ngänglich gemacht haben, dass er darin nur persönliche An-\nfeindung zu erkennen vermöchte? Wir wollen nicht ent-\nscheiden, aber wir müssen es jetzt, weil wir es redlich mit\nder Sache meinen, ohne persönliche Rücksicht und rück-\nhaltlos aussprechen, dass wir in Tausch die Eigenschaften\nvermissen, von welchen ein günstiger Erfolg für unsere Zu-\nkunft zu erwarten ist.\nWir sind überzeugt, dass unsere Ansicht die eines\ngrossen Theiles unseres musicalischen Publicums ist, und\ndesshalb scheint auch unser Gemeinderath eine Concurrenz\nfür die Besetzung der Stelle des städtischen Musik-Directors\nausgeschrieben zu haben, wonach sich viele bedeutende\nKünstler bereits anmeldeten.\nZu den Functionen des städtischen Musik-Directors\ngehört nicht nur die Leitung der Winter-Concerte, die\neines Gesang-Vereins für gemischten Chor und die Auffüh-\nrung einiger Messen, sondern auch die Ueberwachung des\nGesang-Unterrichtes in den höheren und Elernentar-Schulen\nmit Rücksicht auf Hebung des Chorgesanges im Allgemei-\nnen, des Kirchengesanges im Besonderen. Die Aufgabe,\nvom rein musicalischen Standpunkte aus, ist demnach als\neine äusserst schwierige und Zeit erfordernde zu betrach-\nten und wird in den übrigen Beziehungen nur mit grosser\npersönlicher Gewandtheit, Energie und Ausdauer glücklich\nzu lösen sein. Ausserdem wird der Musik-Director in der\nConcert-Direction, wie sie jetzt zusammengesetzt ist,\nschwerlich die Stütze finden, welche ihm eine thätige, ge-\nwandte, tactvolle und musicalisch gebildete zu bieten im\nStande sein würde. Wir müssen um so mehr wünschen,\ndass die Wahl, welche wahrscheinlich nach Pfingsten Statt\nfindet, frei von allen persönlichen Rücksichten bleibe, sich\nnur nach der Befähigung und nicht nach dem Namen richte.\nEhe wir unseren Bericht schliessen, müssen wir noch\nPalestrina's Improperien und Responsorien zu den Abend-\nAndachten am Gründonnerstage und am Charfreitage\nerwähnen, welche Herr Dr. H. wiederholt zur Auffüh-\nrung brachte. Wir haben das Ausgezeichnete dersel-\nben früher besprochen und beschränken uns daher auf die\nBemerkung, dass die Chöre mit derselben Vollendung ge-\nsungen wurden, wie im verflossenen Jahre, durch Zutritt\nvon schönen Stimmen aber bedeutend gewonnen haben.\nWir wurden namentlich von dem Wohlklang und der In-\nnigkeit des Tones der Soprane überrascht. Herr Dr. 11.\ngab somit von Neuem den Beweis seines seltenen Directions-\nTalentes, das er schon als Student auf rein instrumentalem\nFelde mit äusserst glücklichem Erfolge versuchte. Die alt-\nitaliänische Kirchenmusik, ohne Stütze eines begleitenden\nInstrumentes und in freier declamatorischer Bewegung, ist\noffenbar das Schwierigste, was im Chorgesange geleistet"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 859, "texte": "werden kann. Wir sprechen Herrn Dr. H. und den Mit-\nwirkenden unseren Dank aus für den hohen Kunstgenuss,\nwelchen jene Aufführungen bereiten, und für die auf-\nopfernde, dem Dirigenten und den Chorkräften zu gleicher\nEhre gereichende Liebe und Ausdauer, womit sie vorbe-\nreitet werden.\nAuch den erfreulichen Beweis erblicken wir in diesen\nAufführungen, dass es uns an bedeutenden Kräften nicht\nfehlt, wenn es gilt, wirklich künstlerische Ziele zu erreichen.\nWir blicken daher mit Hoffnung und Vertrauen in die Zu-\nkunft, überzeugt, dass, wie es ehedem der Fall war, dieje-\nnigen Elemente sich freudig zusammenscharen werden,\nwelche die edle Tonkunst ihrer selbst wegen lieben und in\nihrer Ausübung künstlerische Befriedigung suchen, sobald\ndie Leitung unserer musicalischen Zustände einer gediege-\nnen, sicheren und gewandten Hand wieder übergeben sein\nwird.\n6"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-05-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-05-12_01#c003", "volume": "bmtnabi_1855-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "149", "page_fin": "150", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.2.3", "titre_corps": "Aus Münster.", "titre_sommaire": "Aus Münster.", "signature_source": "Kg", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.5", "debut_caractere": 861, "fin_caractere_exclue": 4970, "texte": "Aus Münster.\n\nVon den diesjährigen Winter-Concerten des hiesigen\nMusik-Vereins verdienen die am 21. und 22. April Statt\ngefundenen eine besondere Erwähnung. Es kamen in je-\ndem derselben zur Aufführung Mozart's Requiem und\nBeethoven's neunte Sinfonie. Die letztere wurde in\nMünster zum ersten Male gehört, und war schon in so fern\ndas Concert von Bedeutung. Die Wahl beider Werke und\nihre Nebeneinanderstellung hatte, auch abgesehen von dem\nVorgange des niederrheinischen Musikfestes im Jahre 1845,\netwas Berechtigtes. Der tiefe Ernst des Grabes und die\nSchauer des zukünftigen Gerichtes mit der seligen Ruhe\ndes Jenseits im Requiem, und die Verherrlichung der Freude\nin ihren verschiedensten Gestalten, von der heiteren, ausge-\nlassenen Lust bis zum seligen Frieden der Seele und dem\nbegeisterten Aufjauchzen des entzückten Herzens auf dem\ndunkeln Grunde des Schmerzes in der Sinfonie haben etwas\nVerwandtes und rechtfertigen eine Verbindung.\nDie Aufführung kam unter der in diesen Blättern wie-\nderholt anerkannten, vortrefflichen Leitung des Herrn Mu-\nsik-Directors Karl Müller, welcher mit ganzer Seele sei-\nner Kunst lebt, zu Stande. Ihm gebührt das Verdienst,\nnicht allein den Entschluss zu einem so grossartigen Unter-\nnehmen, wie die Aufführung der neunten Sinfonie, herbei-\ngeführt, sondern auch dasselbe, die beiden Solosänger aus-\ngenommen, lediglich mit einheimischen, dem hiesigen Musik-\nVereine angehörigen, durch seine ausgezeichnete Leitung\ndazu befähigten Kräften in einer Weise zum Ziele geführt\nzu haben, welche grosse Anerkennung verdient. Durch\ngründliche Proben, in denen Chor und Orchester bereits\nbewährten, dass sie in die feinsten, durch eine tiefe Auf-\nfassung der darzustellenden Tonwerke geleiteten Intentionen\nihres Führers einzugehen verstanden, war eine vortreffliche\nAusführung gesichert. Der Chor liess im Requiem, nament-\nlich in der herrlichen Fuge des und ihrer Wieder-\nholung im letzten Satze: „cum sanctis tuis\", so wie in der\ndes „quam olim Abrahae\"an präcisem Einsetzen, klarem,\nschönem Tone und feiner Nuancirung des Ausdrucks nichts\nzu wünschen übrig. Er bewährte sich besonders in schö-\nnem Tonhalten in allen Theilen des schwierigen Finales der\nSinfonie. Nicht weniger leistete das Orchester, und gelan-\ngen namentlich hinreissend schön das Scherzo und das Ada-\ngio mit dem Andante der Sinfonie in jeder der beiden Auf-\nführungen. Die Saiten-Instrumente ertönten wie von Einem\nStrich; der Ton der Blas-Instrumente war weich, zart und\ngetragen. In der Verbindung von Chor und Orchester gab\nsich eine Sicherheit kund, welche für das aufmerksamste\nOhr nicht die leiseste Schwankung gewahren liess. Die\nZahlen-Verhältnisse des hiesigen Chors und Orchesters\nstehen hinter denen anderer grösserer Städte zurück. Das\nOrchester zählte bei der Aufführung 50 Mitwirkende, der\nChor gegen 100 Stimmen. Es durfte daher eine Massen-\nwirkung, mit welcher in der Regel die neunte Sinfonie ge-\nhört wird, nicht erwartet werden. Dagegen war die hier\nhervorgebrachte Wirkung des stets dem einen, sicheren\nFührer folgenden Chors und Orchesters an Zartheit, Fein-\nheit und Vollendung des Vortrags der eines einzigen, gut\nbehandelten Instrumentes vergleichbar. Die Solo-Quartetts\nbefanden sich ebenfalls in guten Händen. Der Sopran wurde\nvon Fräul. von Trapp, der Alt von Madame Bitter,\nbeide dem hiesigen Musik-Vereine angehörig, der Tenor\nvon Herrn Hey er aus Elberfeld und der Bass von Herrn\nSchiffer aus Köln gesungen. Leider war am ersten Abende\ndie Stimme des Herrn Schiffer in Folge einer Erkältung\nbelegt, wesshalb Herr Humperding, Mitglied des Ver-\neins, die entsprechenden Partieen des Requiem zu überneh-\nmen die Gefälligkeit hatte.\nEs war ein guter Gedanke, beide Aufführungen am\nfolgenden Tage, auch abgesehen von dem mit der zweiten\nAufführung verbundenen wohlthätigen Zwecke (der Ertrag\nwar für arme Orchester-Mitglieder bestimmt) zu wiederho-\nlen. Denn wenn auch schon die Möglichkeit, mit einheimi-\nschen Kräften solche grossartige Tonwerke zur Aufführung\nund zur Anhörung zu bringen, ein kunstsinniges Publicum\nvoraussetzt, so erfordert doch ein vollhaltiger Genuss an"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1697, "texte": "einer so kolossalen Tonschöpfung, wie die neunte Sinfonie,\neine genauere Kenntniss ihres Ton-Inhalts, die von denen,\nwelchen die Partitur unzugänglich oder unverständlich ist,\nnur durch wiederholtes Anhören erlangt werden kann. Es\nlässt sich diese Kenntniss auch als das tiefere Insichaufneh-\nmen oder das Verständniss des Tonwerkes bezeichnen, wenn\ndabei nur nicht der Verstand als das auflassende Organ be-\ntrachtet wird. Dass aber durch dieses Verständniss des\nTon-Inhalts, als des Mittels der Darstellung des Schönen,\nim Gegensatze zu dem den Tonwerken so oft gegen das\nGrundwesen des Musicalisch-Schönen untergeschobenen\nPseudo-Inhalte von concreten Gefühlen oder gar Gedanken,\ndie auf jedem anderen Wege sicherer hervorzurufen sind,\nals auf dem der Töne der vollhaltige Genuss eines Kunst-\nwerkes bedingt wird, kann nur der bezweifeln, welcher\nentweder die Wirkung der Musik nicht über die Sinne hin-\nausgehen lässt, oder von ihr alle möglichen sonstigen Ten-\ndenzen, nur nicht die innere Anschauung des Schönen, er-\nwartet. In dem Mangel an Verständniss in diesem Sinne\nliegt auch die wesentliche Ursache, wesshalb die neunte\nSinfonie erst lange nach ihrem Erscheinen der musicalischen\nWelt in den Sinn, d. h. in den Schönheitssinn, wollte. Nicht\ndem Kunstwerke, sondern den Hörern fehlte die Grundbe-\ndingung der vollen Wirkung des Genusses. Für das hiesige\nmusicalische Publicum ist daher die erfolgte Aufführung der\nneunten Sinfonie auch in so fern von höchstem Interesse,\nals sie von jetzt an auf dem Repertorium der hiesigen Win-\nter-Concerte, welche bisher regelmässig in jedem Jahre be-\nreits die übrigen Beethoven'schen Sinfonieen brachten, eine\nbleibende Stelle erhalten wird.\n\nKg."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-05-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-05-12_01#c004", "volume": "bmtnabi_1855-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "151", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.2.4", "titre_corps": "Literatur.", "titre_sommaire": "Literatur.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.6", "debut_caractere": 1699, "fin_caractere_exclue": 5142, "texte": "Literatur.\nFür Pianoforte.\n„In stiller Nacht\", Salonstück für Pianoforte von\nKarl Mächtig. Op. 2. Preis 12'/2 Sgr. Bres-\nlau, bei F. E. C. Leuckart.\nLa belle Gracieuse. Mazurka. Op. 3. Preis 17 72 Sgr.\nVon demselben. Breslau, bei F. E. C. Leuckart.\nDrei Charakterstücke. Op. 6. Preis 20 Sgr. Von dem-\nselben. Breslau, bei F. E. C. Leuckart.\nEs ist nicht gut, wenn sich ein junger Componist verleiten\nlässt, seine Sachen zu früh zu veröffentlichen. Auch Herr Mächtig\nhätte wahrscheinlich, wenn er obige Compositionen noch einige\nJahre in seinem Pulte verschlossen gehalten hätte, gelernt, höhere\nAnsprüche an sich zu inachen; denn eine wohlmeinende Kritik\nkann ihm nur sagen, dass seine Producle einstweilen noch zu un-\nreif sind, um vor das Forum der Oeffentlichkeit treten zu können.\nEines aber lässt uns fürchten, dass der Componist schon auf dem\nschlimmen Wege der Goria etc. wandelt und seine Sachen nur\nmit Rücksicht auf die grosse Menge schrieb; es ist dies ein gewis-\nser virtuosenhafter Anstrich, der besonders in der „Mazurka\" her-\naustritt und mehr an die Spiehveise musicalischer Stutzer oder\ntalentvoller Weinreisender erinnert, als an eine künstlerisch gebil-\ndete Technik. Auch berührt uns der Titel „In stiller Nacht\" unan-\ngenehm ; denn wenn man ein Stück schreibt, das diesen Namen in\nWahrheit verdient, so ist es kein Salonstück. Seit wann tanzt man\ndenn auch in „stiller\" Nacht Mazurka? Schülerhaft sind im\n„Scherzo\" in,Op. 6 die ewigen Wiederholungen der vollkommenen\nSchlüsse auf A.Möchten unsere Worte dazu beitragen, den Com-\nponisten zu ernstem Studium zu veranlassen! Sollten wir später\nGelegenheit haben, Werke von ihm zu sehen, die ein besseres\nStreben und eine edlere Richtung verrathen, so werden wir diesel-\nben mit Vergnügen eben so anerkennend loben, wie wir diese\nhart tadeln mussten.\nDrei Fugen für das Pianoforte von Nicolai Be-\nrendt. Op. 1. Preis 12 gGr. Hannover, bei\nChr. Bachmann.\nAnders tritt uns Nicolai Berendt entgegen. Wer es wagt, mit\ndrei Fugen seinen ersten Schritt in die Oeffentlichkeit zu thun, der\nverdient schon allein um dieser Kühnheit willen Lob, und doppelt,\nwenn er sich so tapfer dabei benimmt, wie dieser junge Compo-\nnist, welcher schon wacker mit Engführungen, gleichzeitigen Yer-\ngrösserungen und Verkleinerungen des Thema's etc. umzugehen\nweiss. In der zweistimmigen Fuge hat der Componist wohl zu\nhäufig denselben Contrapunkt zur Begleitung des Fugen-Thema's\nbenutzt, worüber wohl Meister Marpurg und Albrechtsberger etwas\nmit der Perrücke gewackelt haben würden; denn von einer zwei-\nstimmigen Doppelfuge mit Subject und Contra-Subject kann doch\nwohl hier nicht die Rede sein sollen! Auch würden die alten\nHerren zu den vielen Rosalien in Nr. 3, wozu allerdings das chro-\nmatische Thema leicht Gelegenheit bot, deren aber auf Seite 9 und\n10 fünf rasch hinter einander folgen, sauer gesehen haben. Eine\nwahrhafte Steigerung dürfte auch in den Fugen noch vermisst wer-\nden. Schliesslich machen wir den Componisten darauf aufmerksam,\netwas sparsamer mit dem in Fugen bereits sehr abgedroschenen\nRhythmus * fj* * * oder *j*j* ff zu sein. Trotz dieser Aus-\nstellungen zollen wir Herrn Berendt um seiner ernsten Studien,\num seiner wirklich errungenen contrapunktischen Gewandtheit wil-\nlen unseren aufrichtigen Beifall.\nZwölf Studien zur Beförderung des Ausdrucks und\nder Nuancirung im Pianofortespiel von J. C. Esch-\nmann. Op. 16. Heft 3. Preis 1 Thlr. 5 Sgr.\nKassel, hei Luckhardt."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4390, "texte": "Mit Vergnügen ergreifen wir die Gelegenheit, bei Veranlassung\nder Besprechung vorliegender Etüden auf Eschmann und seine\nCompositionen, welche noch viel zu wenig bekannt sind, recht an-\ngelegentlich aufmerksam zu machen. Eschmann's Talent ist kein\nseltenes, grosses, aber ein feines und liebenswürdiges; alles, was er\nschafft, kommt aus seinem eigensten, innersten Wesen, und er gibt\nes ungeschminkt, oft fast etwas zu unbekümmert; denn nicht selten\nbringen seine Sachen Anklänge, die ein Anderer mit Leichtigkeit\ngeschickt versteckt und verborgen hätte. Aber wir lieben ihn um\nseiner Aufrichtigkeit willen; es kommt uns vor, als sagte er lä-\nchelnd: „Ach, ihr wisst ja doeh, dass ich Beethoven und Chopin\nund Schumann so recht innig liebe, und warum soll ich's denn\nverhehlen ?*4 Ueberdies sind's auch mehr Anklänge als Reminiscen-\nzen, von denen wir hier sprechen; aber sie dürften doch im\nAllgemeinen bei Eschmann etwas seltener vorkommen. In diesem\nHefte der Etüden ist uns übrigens nur in Nr. 9 eine Erinnerung\nan eine der Studien für Pedal-Flügel von Schumann gekommen.\nVorliegende Stücke sind übrigens nicht allein „zur Beförderung des\nAusdrucks und der Nuaneirung\" geeignet, sondern es sind auch\ntreffliche technische Studien, welche jeder Clavierspieler, der etwa\ndie Moscheles'schen bewältigt, mit Nutzen studiren wird, und zwar\nmit ganz besonderem Nutzen, weil die neuere Spielart eines Cho-\npin, Mendelssohn, Schumann mehr und vorzugsweise darin geübt\nwird. Zur Vorübung der Cramer'schen Etüden sind bereits sehr\nviele Etudenwerke in die Welt geschickt, während wir uns nicht\nentsinnen, deren gesehen zu haben, die auf die Chopin'schen, Hil-\nler'schen, Henselt'schen vorbereiten. Und gerade hierzu sind die\nvorliegenden von Eschmann ganz besonders zu empfehlen. Möchten\nsie sich Bahn brechen! Wir erinnern uns, dass man Eschmann be-\nreits wiederholt den Vorwurf allzu grosser Breite in seinen Com-\npositionen gemacht hat; dies geschah nicht ganz mit Unrecht, und\nauch hier möchten wir ihm bei einzelnen Nummern denselben\nVorwurf machen, wenngleich bei Studien, schon aus dem äusser-\nlichen Grunde, weil es auch nöthig ist, die Ausdauer des Spielers\nzu üben, eine gewisse Breite zu entschuldigen ist. Dafür kann aber\njeder Spieler eine Studie, so oft es ihm beliebt, wiederholen, und\ndas Tonstück an sich würde durch concisere Form gewonnen ha-\nben. Schliesslich sprechen wir den Wunsch aus, Eschmann auch\nbald in grösseren Formen, im Clavier-Trio, Streich-Quartett etc.\nschaffend zu finden. Mache er es nicht wie Stephen Heller, der\nsein ganzes Vermögen in kleiner Münze zu verausgaben scheint.\nDrei Salonstücke für Piano von Joachim Raff. Op.\n56. Nr. 1 und 3 ä 16 gGr. Nr. 2 ä 14 gGr.\nHannover, bei Bachmann.\nWir wüssten kaum, welche Compositionen uns antipathischer\nwären, als die Raff'schen; es ist so unendlich wenig Erfindungs-\nkraft und so unendlich viel Schwulst und Lüge darin. Lüge?\nhöre ich erstaunt rufen. Ja, ja, ich kann's nicht anders nennen,\nwenn ich sehe und höre, wie einer die allerbanalste muMcalische\nPhrase durch allerlei Kniffe aufputzt und uns nun mit Emphase\nzuruft: „Hört, hört, wie originel, nie da gewesen!'4 Daneben finden\nwir aber auch in allen drei Stücken genug, was auch ganz unge-\nnirt in seiner Plattheit einherschreitet. Damit man nicht den Ver-\ndacht gegen uns hege, als seien wir von vorn herein gegen den\nComponisten Raff eingenommen, weil wir dem Kunst-Philo-\nsophen Raff gegenüber stehen, so lassen wir seine eigenen Werke\nreden und wählen aus jedem Stücke einen Gedanken, der mehr\ngegen Raff zeugen wird, als das strengste IJrtheil des schärfsten\nKritikers zu thun vermöchte.\nwelche letztere Melodie zum zweiten Male in Triolen-Figuration,\ndann mit Sechszehntel-Figuren und zum vierten Male in breiten\nAccorden auftritt. Wenn man nun hinzunimmt, dass das Haupt-\nMotiv sehr stark an die Etüde „La Cadence\" von Thalberg erinnert,\nwelches eben keine solche Kleinigkeit ist, da das Thalberg'sche\nMotiv etwas entschieden Pikantes hat, wenn man hört, dass die\nFiguration des obigen Thema's in der allerabgedroschensten Döh-\nler'schen Weise geschieht, dann wird man uns Recht geben müs-\nsen, wenn wir behaupten, dass diese Valse-Etude ein Salonstück\nallergewöhnlichster Sorte ist; und doch ist sie übrigens noch die\nbeste Nummer, denn sie klingt wenigstens ziemlich artig. Man er-\nlasse es uns, über die beiden anderen weitläufiger zu sprechen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-05-12-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-05-12_01#c007", "volume": "bmtnabi_1855-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "152", "page_fin": "152", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.2.5", "titre_corps": "Für Orgel.", "titre_sommaire": "Für Orgel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3468, "texte": "Für Orgel.\nFugen aus dem wohltemperirten Clavier von Joh. Seb.\nBach; in progressiver Ordnung für die Orgel ein-\ngerichtet und mit Angabe des Fingersatzes und\nder Pedal-Applicatur, nebst Anweisung über den\nGebrauch der Register versehen von J. A. van\nEyken. Heft 1. Preis 1 Fl. 20 Kr. Rotterdam,\nbei de Vletter.\nDer als Orgelspieler berühmte Verfasser dieser Bearbeitung hat\nsich durch dieselbe ein wahrhafes Verdienst erworben und eine\nvortreffliche Kenntniss der Orgel, so wie einen feinen Tact in der\nAuswahl derjenigen Fugen, welche der Orgel zugänglich sind, be-\nwiesen. Dieses Heft enthält die E-dur-, Es-dur- und D-dur-Fugen\naus dem ersten Hefte und die B-moll- und G-moll-Fugen aus dem\nzweiten Hefte. Seien diese Bearbeitungen dringend allen tüchtigen\nOrgelspielern empfohlen.\nSonate Nr. 1 über den Choral: „Befiehl du deine\nWege\", für die Orgel von J. A. van Eyken.\nOp. 13. Preis 1 Fl. 50 Kr. Ebendaselbst.\nAuch diese Sonate ist ein sehr verdienstvolles Werk und wird\nallen Orgelspielern eine willkommene Gabe sein; denn sie ist in\n:nem durchaus würdigen und edeln Stile gehalten. Sie besteht aus\nr Sätzen: einem Moderato, C-moll, 4/4-Tact, in welches haupt-\n-Llich der Choral „Befiehl du deine Wege\" verflochten ist,\n'-, em Andante, Es-dur, 6/g-Tact, Intermezzo, Allegro maestoso, C-moll,\n3/4-Tact, und einer Schluss-Fuge, Allegro moderato, C-dur, 4/4-Tact,\nin welcher eine vortreffliche Steigerung herrscht und bei deren Ab-\nschluss der Choral noch einmal in vollem Glänze mit einer einfa-\nchen, aber wirkungsvollen Pedal-Figuration auftritt. Ueberhaupt\nhalten wir die beiden letzten Sätze der Sonate für die bedeutend-\nsten. Obgleich in dem ersten Satze die Figuration des Chorals sich\nin sehr geschickter Weise aus dem Haupt-Motiv des Satzes ent-\nspinnt, so scheint sie uns doch mit etwas zu viel Consequenz ge-\nrade in dieser Einen WTeise festgehalten. Das Andante wird unstrei-\ntig durch das Aiterniren der drei verschiedenen Claviere, durch\nseine einfache, melodische Haltung und durch eine gewisse wohl-\nthuende Anspruchslosigkeit sehr hübsch wirken; doch scheint es\nuns hinsichtlich der Erfindung den beiden letzten Sätzen nachzu-\nstehen. Möge uns der geschätzte Componist bald wieder durch\nähnliche Gaben erfreuen!\nMusicalische Märchen, Phantasieen und\nSkizzen von E1 is e POl kO. Zweite, neu durch-\ngesehene und vermehrte Auflage. Leipzig, bei\nJ. A. Barth, 1855.\nAls wir die erste Auflage dieser Sammlung von lieblichen Bil-\ndern aus der musicalischen Welt, deren Stoff so sinnig gewählt\nund deren Ausführung so zierlich und anziehend ist, dass sie jedes\nunbefangene Gemüth ansprechen müssen, im 11. Jahrgange der\nRheinischen Musik-Zeitung (1852, Nr. 79, vom 3. Januar) anzeigten,\nhofften wir, dass sie eine weite Verbreitung finden würden. Diese\nHoffnung hat sich verwirklicht, indem uns bereits eine zweite Auf-\nlage vorliegt, welche noch hübscher als die erste ausgestattet und\ndurch Illustrationen in feinem Holzschnitt, nach Zeichnungen von\nJ. C. Lödel und G. Schlick, verziert ist. Die Verfasserin hat\neine recht artige Manier, Wahrheit und Phantasie in den von ihr\ngewählten Episoden aus dem Leben \\ojk Tonkünstlcrn und in den\nübrigen Stoffen dieser niedlichen Blumenstücke und Genrebildchen\nmit einander zu verweben. Das Büchlein wird in seiner neuen Ge-\nstalt, zumal da es um sechs bis sieben Skizzen vermehrt ist, dop-\npelt willkommen sein und eignet sich besonders zum Lesen für\njunge Mädchen und Frauen, die Freude an der Tonkunst haben»"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-05-12-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-05-12_01#c008", "volume": "bmtnabi_1855-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "152", "page_fin": "152", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.8", "debut_caractere": 3470, "fin_caractere_exclue": 4794, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm 5. Mai wurde zu Elberfeld im vierten Abonnements-\nConcert das Oratorium von Karl Reinthaler: „Jephta\nund seine Tochter\", zum ersten Male vollständig aufgeführt»\nDie Ausführung war unter Leitung des Componisten eine vorzüg-\nlich gelungene und die Aufnahme des Werkes von Seiten des zahl-\nreich versammelten Publicums eine höchst ehrenvolle für ihn; denn\nder Beifall ging aus einer begeisterten Theilnahme hervor, welche,\nin diesem Grade und in solcher Allgemeinheit sich offenbarend,\nwie hier, doch immer die beste Recension eines Kunstwerkes ist.\nDennoch soU uns das von einer ausführlichen Besprechung dieses\nnun ganz Wendeten Oratoriums in diesen Blättern nicht abhalten\nAm Schlüsse des Concertes wurde Herrn Reinthaler ein wieder-\nholtes Hoch mit Trompeten und Pauken gebracht und ihm ein\nLorberkranz überreicht. Die Haupt-Solopartieen waren in den Hän-\nden von Fräul. M. Hartmann (Sopran) aus Düsseldorf, Fräul.\nPels-Leusden (Alt), Herren E. Koch (Tenor), M. DuMont\n(Jephta Bass) und Schiffer (Prophet Bass) aus Köln. Chor\nund Orchester waren in schönem Verhältniss, präcis und klangvoll,\nund in dem trefflich akustischen Casinosaale von grosser Wirkung.\nReinlhaler leitete das Ganze mit Umsicht, Besonnenheit und Energie\nund hatte somit auch um die Ausführung kein geringes Verdienst."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.1", "texte": "Der kölner Männergesang-Verein.\n\nAm 29. April feierte der kölner Männergesang-Verein\nsein Stiftungsfest durch ein Festmahl mit Gesang im Saale\ndes Rheinischen Hofes.\nEs war am 27. April des Jahres 1842, als der erste\nSchritt zur Gründung des Vereins durch eine Versammlung\nvon Gesangsfreunden gethan wurde, zu welcher Herr C.\nKrähe eingeladen hatte. Am folgenden Tage wurde von\nzwanzig Anwesenden ein einfaches Statut entworfen, der\nZweck des Vereins, den Männergesang künstlerisch auszu-\nbilden, das deutsche Lied durch öffentliche Auflührungen\nzu verbreiten und die Einnahmen vaterländischen und wohl-\nthätigen Bestimmungen zu widmen, festgesetzt, diesem\nZwecke entsprechend der Sinnspruch: „Durch das Schöne\nstets das Gute\", angenommen und Franz Weber zum\nDirigenten auf Lebenszeit gewählt. Die ersten Vorstands-\nMitglieder waren A. Pütz, C. Krähe, W. Sturm und\nH. A. Pfeiffer.\nAus diesem kleinen Keim entwickelte sich binnen we-\nnigen Jahren eine Gesellschaft von Sängern, welche den\nausgesprochenen doppelten Zweck: „künstlerische Vollen-\ndung und Gemeinnützigkeit\" bekanntlich in so ausdauern-\nder und so ehrenhafter Weise verfolgt hat, dass ihre Lei-\nstungen einen hohen Ruf in den musicalischen Kreisen der\ngebildetsten Nationen in Europa erlangt haben. Am 8. Mai\n1842 wies die Stammliste 30 Mitglieder auf,und am 29.\nApril 1855 zeigte das gedruckte Verzeichniss, welches,\nzierlich ausgestattet, als Erinnerungsgabe an das diesjährige\nStiftungsfest ausgetheilt wurde, 96 Sänger und 90 Ehren-\nMitglieder.\nEs ist hier nicht die Absicht, einen Abriss der Ge-\nschichte des Vereins zu geben; wer sich genauer darüber\nunterrichten will, den müssen wir auf die Schrift: „Der\nkölner Männergesang-Verein\" u. s. w. von F. C. Eisen,\neinem der thätigsten Beförderer der Vereins-Interessen\n(Köln, 1852), ferner auf: „Sängerfahrt des kölner Män-\nnergesang-Vereins nach London im Jahre 1853\" von\nErnst Weyden (Köln, 1854, bei F. C.Eisen), und auf\nunsere „Briefe aus England\" im Feuilleton der Kölnischen\nZeitung vom Mai und Juni 1854 und in der Niederrheini-\nschen Musik-Zeitung, Jahrg. 1854, Nr. 26 37, ver-\nweisen. Hier wollen wir nur daran erinnern, dass der Verein\nwährend der dreizehn Jahre seines Bestehens in stets aus-\ngehreiteterer Thätigkeit über hundert öffentliche Concerte\ngegeben und eine Summe von li'infundzwanzig Tausend\nThalern patriotischen und mildthätigen Zwecken, nament-\nlich auch dem Fortbau des kölner Domes, geweiht hat.\nWahrlich, es bedarf der Worte nicht, wo die Thatsachen\nso laut sprechen.\nDie Stiftungsfeier, durch solche Erinnerungen gehoben,\nwar eines der heitersten und durch die mannigfachsten Ga-\nben der Kunst, der Laune und der geselligen Talente be-\nlebtesten Feste, die es geben kann. Gesang und Wort,\nimprovisirte Rede und Dichtung wechselten mit einander\nab, und unter den verschiedenen Lebehochs wurde auch\nder Dank an Herrn W. H. Rieffei, Organisten an der\nSt.-Nicolai-Kirche in Flensburg und Ehren-Mitglied des\nVereins, nicht vergessen, da er seine stets lebendige Theil-\nnahme an dem Vereine durch Üebersendung einer Compo-\nsition und eines sehr geschmackvoll in altdeutschem Holz-\nschnitt-Styl gearbeiteten Dirigentenpultes nebst Tactstock\nals Festgabe von Neuem bethätigt hatte. Ausserdem waren\nviele Glückwunschschreiben von nah und fern, von Ver-\neinen, Dichtern und Componisten, eingegangen. Unter den\nmusicalischen Gelegenheitsstücken rief ein komischer, sechs-\nzehnstimmiger Ganon von A. P üt z einen Sturm, aber nicht\nvon trüben Wolken, sondern von lichtvollster Heiterkeit\nund Beifall, hervor.\nMöge das Stiftungsfest stets in so freudiger Eintracht\nund mit wachsendem Ruhme des Vereins wiederkehren\nund noch recht viele Jahre der wackere Franz Webet\ndabei den Vorsitz führen!"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.2", "texte": "Dem kölner Männergesang-Vereine zum Stiftungsfeste\nam 29. April 1855.\n(Mel.: Das Mantellied.)\nErst dreizehn Jahre bist du alt\nUnd hast schon viel erlebt;\nHast kühn deine Fahne geschwungen\nUnd manchen Lorber errungen\nFür dich und das Vaterland!\nWas haben deine Waffen doch\nFür einen hellen Klang!\nDu kämpfst nicht mit Schwertern und Lanzen,\nNicht hinter Kanonen und Schanzen:\nDeine WafT ist der deutsche Gesang.\n0 edler Streit, wenn Stark und Mild\nZugleich zu Felde zieht!\nWo die Friedenspalme geschwungen,\nWo die Freiheit ins Herz gedrungen,\nDa siegt das deutsche Lied.\nSo zogest du ins fremde Land\nUnd zwei Mal übers Meer:\nUnd stets in den goldnen Palästen,\nSo wie bei des Volkes Festen\nVictoria vor dir her!\nDrum weihet dir an diesem Tag\nDie Kunst im Feierkleid\nDen Kranz, aus Liebe gebunden,\nMit Blüthen des Ruhmes umwunden,\nUnd die Krone der Einigkeit.\n\nL. B.\n\nAus Düsseldorf.\nSeit unserem letzten Berichte in Nr. 6 dieser Blätter\ngab der Allgemeine Musik-Verein unter Leitung des Herrn\nJ. Tausch drei der noch rückständigen Abonnements-Con-\ncerte, so wie ein aussergewöhnliches zum Besten derUeber-\nschwemmten des Niederrheines, mit folgenden Programmen.\nFünftes Abonnements-Concert, am 1. Fe-\nbruar: 1. Grosses Septett von Beethoven. 2. Ave verum\ncorpus, Chor mit Orgelbegleitung von Mozart. 3.\nOrgel-Sonate von Mendelssohn, Herr van Eyken aus Elberfeld.\n4. Sopran-Arie: „0, zittre nicht, mein lieber Sohn\", aus\nMozart's Zauberflöte, Fräul. Helena Berg aus Stockholm.\n5. Meditationen über ein Bach'sches Präludium von Gou-\nnod, für Violine, Pianoforte und Orgel; die Herren Seiss,\nTausch, van Eyken. 6. Gebet und Chor mit Orgelbeglei-\ntung von Mendelssohn. 7. Schwedische Lieder, Fräul. He-\nlena Berg.\nSechstes Abonnements-Concert, amß.März:\n1. ()uverture zu Euryanthe von Weber. 2. Cavatine „ Glöck-\nlein im Thale\" aus derselben Oper, Fräul. Volk vom hie-\nsigen Theater. 3. Capriccio von Romberg für Cello über\nschwedische Lieder, Herr Vorberg. 4. Tenor-Arie aus Me-\nhul; Joseph: Herr Kahle vom hiesigen Theater. 5. Sinfonie\nvon Schumann, Nr. 4, D-m011.6. Ouvertüre, Soli und Chöre\naus Idomeneo von Mozart; Soli: Fräul. Volk und Herr\nKahle. 7. Phantasie iür Pianoforte, Chor und Orchester\nvon Beethoven; Pianoforte: Herr Tausch.\nConcert für die Ueberschwemmten, am 15,\nMärz: 1. Ouvertüre zu Oberon von Weber. 2. Sopran-\nArie und Chor, Festmarsch und Chor aus Hiller's Zerstö-\nrung von Jerusalem; Sopran-Solo: Fräul. Mathilde Hart-\nmann. 3. Phantasie lür die Geige von Alard, Herr Seiss.\n4. Arie aus Marschner's Hans Heiling, Fräul. M. Hartmann.\n5. „An die Künstler\", Männerchor von Mendelssohn. 6.\n(7-moZZ-Sinfonie von Beethoven.\nSiebentes Abonnements-Concert am 15.\nApril: Paulus, Oratorium von Mendelssohn; Soli: Fräul. M.\nHartmann, Fräul. Pels-Leusden von Köln, Herr Kahle, und\nPaulus: Herr Schiffer von Köln.\nDas letzte Abonnements-Concert wird wahrscheinlich\nerst nach Pfingsten gegeben werden können, wesshalb wir\nschon jetzt uns veranlasst sehen, auf die obigen vier Con-\ncerte einen Rückblick zu werfen.\nDie Leistungen von Orchester und Chor blieben im\nAllgemeinen eben so ungenügend und unbefriedigend, wie\nsie es in der ersten Hälfte des Winters waren; wir können\ndaher auf das verweisen, was wir auslührlicher darüber in\nfrüheren Berichten miltheilten, und uns die unerquickliche\nWiederholung von Details ersparen. Die Orchester- und\nChorwerke wurden wieder in einer Weise gegeben,\ndurch welche die Lauheit des nach und nach zusammen-\nschmelzenden Concert-Publicums im Wachsen geblieben\nist. Vergleichsweise am besten war die Aufführung der\nC-moll-Sinfonie. Vom Orchester und vom Dirigenten mit\ngrösserer Sorgfalt und Liebe behandelt, wurde sie, wenn\nwir auch feinere Färbung und Charakteristik vermissten,\nunverkennbar mit aussergewöhnlicher Theilnahme ausge-\nführt und aufgenommen.\nDas fünfte Concert wurde, wahrscheinlich aus ökono-\nmischen Rücksichten, ohne Orchester gegeben und mit dem\nSeptett von Beethoven eröffnet. Die Ausführenden schienen\ndie Sache leicht genommen zu haben; denn offenbar erreich-\nten sie nicht die Einheit des Vortrags, welche man von den\ntüchtigen vereinigten Kräften erwarten durfte. Eine Haupt-\nrolle spielte in diesem Concerte ein orgelartiges Instrument,\nauf welchem, irren wir nicht, die Töne durch Anblasen von"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.3", "texte": "Metallzungen gebildet werden. Es fehlen ihm indess, obgleich\nes für Choral und häusliche Erbauung geeignet ist, die Eige-\nnschaften für den Concertsaal, und namentlich für den Vor-\ntrag von Compositionen, wie die Mendelssohn'sche Orgel-\nSonate. Der Bass ist im Verhältnisse zum Discant zu\nstark, deckt ihn und verursacht Undeutlichkeit; zudem\nhat es den Fehler, dass die Töne nach dem Anschlage nicht\nrasch genug ansprechen, um eine gehörige Bindung dersel-\nben zu gestatten. Die rascheren Passagen der Sonate in\nder Höhe erschienen als ein unmusicalisches Gequiek, wel-\nches, verbunden mit dem Umstände, dass der Spieler dem\nPublicum den Rücken zuwandte und in unästhetischer\nWeise mit Händen und Füssen auf Tasten und Pedal\narbeitend sich präsentirte, einen Grad von Heiterkeit er-\nregte, der die Schranken des Schicklichen zu brechen drohte.\nWir gestehen, wir begreifen nicht, wie Herr van Eyken,\nbekanntlich ausgezeichneter Organist, die Mendelssohn'sche\nSonate auf dem dafür gänzlich ungeeigneten Instrumente\nvortragen konnte. Die Concert-Direction muss sich den Ta-\ndel gefallen lassen, vorher nicht gehörig geprüft zu haben.\nAls begleitendes Instrument und in der ansprechenden Gou-\nnod'schen Composition wirkte es dagegen ganz angenehm.\nDen Glanzpunkt des Concertes, ja, der ganzen Saison, bil-\ndeten die Gesang-Vorträge von Fräul. Helena Berg aus\nStockholm, deren Familie die beiden letzten Winter hier\nzubrachte, Tochter und Schülerin des schwedischen Hof-\nsängers Herrn Berg, welchem Jenny Lind ihre musicalische\nAusbildung verdankt. Fräul. Berg besitzt einen schönen\nSopran, der indess weder aussergewöhnlichen Wohlklang,\nFülle und Kraft, noch sonstige exceptionelle Eigenschaften\nbesitzt, welche ihn in die Kategorie hervorragender, seltener\nStimmen bringen. Die Ausbildung ihrer Mittel dagegen ist\neine wahrhaft vollendete, classische, so dass sie in unserer\nZeit des Verfalls echter Gesangskunst -zu den wenigen leuch-\ntenden Gestirnen gehört, welche in makellosem, reinem\nGlänze strahlen. Sie beherrscht alleZweige der Technik voll-\nkommen; was aber den Zauber ihres Gesanges, wie den\nvon Jenny Lind bildet, ist der geistige Gehalt des Tones,\ndie Stimmung der Seele, welche sich darin offenbart und\nselbst dem kleinsten Ornamente Leben und Wahrheit des\nAusdrucks verleiht. Ihr Vortrag ist frei von aller Manier,\neinfach und edel; ihre Auffassung poetisch, echt künstlerisch.\nNur zwei Mal war es uns vergönnt, der jugendlichen Sän-\ngerin zu lauschen, aber unvergesslich werden uns die we-\nnigen Augenblicke bleiben. Mit ergreifender Einfachheit und\nWahrheit, echt national, singt sie die heimischen, nordischen\nWeisen, und eben so die des fernen Südens; mit gleicher\nVollendung behandelt sie jede Tonschöpfung, welchem\nLande und welcher Richtung sie auch angehöre. Der Vor-\ntrag der Arie aus der Zauberflöte war wunderbar durch-\nhaucht von dem tiefen Schmerze des gebeugten Mutterher-\nzens; aus dem schwedischen Tanzliede sprudelte die Hei-\nterkeit des kecken nordischen Bauernburschen und seines\nneckischen Mädchens in solcher Fülle hervor, dass der Ju-\nbel im Saale nicht endete, bis sie das Lied wiederholte. Ob\nwir die Sängerin wieder hören werden? ob sie die künst-\nlerische Laufbahn betreten wird? Beides liegt leider noch\nim Schoosse der Zukunft verborgen.\nDie Solo-Vorträge im sechsten Concerte waren zum\nTheil sehr unbefriedigend. Unsere talentvolle, dramatisch\nbegabte Prima Donna, Fräul. Volk, hat sich im Laufe des\nWinters so wenig schonen können, dass ihre Stimme den\nCharakter des Kranken trägt. Wir müssen es im Interesse\nder Sängerin aussprechen, dass sie sich, unserer Ansicht\nnach, dem völligen Verluste der Stimme aussetzt, wenn sie\nihr keine genügende Ruhe gönnt. Ihr Ton sprach, nur bei\ngrosser Anstrengung, schwerfällig an; dabei detonirte sie\nhäufig, so dass ihr Gesang, namentlich in der zarten Cava-\ntine der Euryanthe, einen wirklich peinlichen Eindruck\nmachte. Herr Kahle sang unrein und ohne Leben, wie ge-\nwöhnlich, und auch Herr Vorberg spielte das Capriccio von\nRomberg keineswegs so, dass die Stimmung des Publicums\ndadurch evwärmt worden wäre. Erfrischend wirkte dage-\ngen der Vortrag der Pianoforte-Partie in der Beethoven'-\nschen Phantasie durch Herrn Tausch, worin er wiederum\ndie glänzenden Eigenschaften zeigte, welche ihn als Piani-\nsten charakterisiren: Deutlichkeit, Sicherheit, Kraft, Schwung\nund frische, lebhafte Auffassung.\nIn dem Concerte zum Besten der Ueberschwemmten\ntrug Fräul. Hartmann sehr brav die beiden angegebenen\nArien von Hiller und Marschner vor. Herr Seiss spielte\neine Phantasie von Alard mit vielem Geschmack, aber mit\nweniger Energie und Wärme im Vortrage, als wir ge-\nwünscht hätten. Mendelssohn's Chor für Männerstimmen\nverfehlte alle Wirkung, weil derselbe, bei starker Beglei-\ntung von Blech-Instrumenten für massenhafte Besetzung\nberechnet, von unserem wenig zahlreichen Chor, welchem\nSicherheit und Präcision überdies nur zu sehr fehlte, ge-\nsungen wurde.\nUeber die Aufführung des Paulus im letzten Concerte\nmöchten wir am liebsten schweigen, weil es uns schmerzt,\ndem Werke, das wir so oft unter Mendelssohn's eigener\nLeitung hörten, so begegnen zu müssen. Wer erinnert\nsich nicht lebendig der wahrhaft anregenden Proben, welche"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.4", "texte": "der liebenswürdige Dirigent mit der grössten Sorgfalt, der\ngrössten Liebe leitete, getragen von der Begeisterung der\nMitwirkenden für ihn und seine Schöpfung? Wer erinnert\nsich nicht der Aufführungen, in denen der Geist des Wer-\nkes sich herrlich offenbarte, Mitwirkende und Hörende\nmächtig ergreifend? Und jetzt, an derselben Stätte, welch\ntrauriger Abstand! Die Aufführung erschien uns wie ein\nverwischtes Bild, in welchem Schatten und Licht, die kräf-\ntigen und weichen Töne in einander fliessen und den schö-\npferischen Gedanken nach allen Richtungen hin fast bis zur\nUnkenntlichkeit verllachen und verwischen. Die Chöre, worin\nviele Mitwirkende in stetem Kampfe mit den Noten zu sein\nschienen, waren farblos, unrein, flau, wir möchten fast sa-\ngen: trübselig. Die Solisten konnten offenbar bei solcher\nAufführung, verbunden mit einer alles Frühere überschrei-\ntenden Unreinheit im Orchester, die Stimmung nicht ge-\nwinnen, um sich ihrer Aufgabe mit Liebe hinzugeben. Wir\nwollen sie desshalb auch nicht tadeln, wenn sie vollkommen\nkalt Hessen und die Recitative zum Theil wahrhaft psalmo-\ndirten. Auch Fräul. Pels-Leusden liess unbefriedigt, trotz\nihrer herrlichen Stimmmitte!, die indess bis jetzt noch auf\nniedriger Stufe der Bildung geblieben sind.\nDer traurige Zustand unserer musicalischen Auflührun-\ngen ist offenbar Folge der Principien, welche Herr Tausch\nseiner Thätigkeit zu Grunde legt, oder vielmehr der Prin-\nciplosigkeit, womit er handelt. Wir hatten Recht, als wir\nimmer lebhafter befürchteten, er werde sich in dem alten\nGeleise festfahren, als wir vorhersagten, er werde sich\nohne Erfolg abmühen, wenn er nicht entschieden in neue\nBahnen einlenke, über welche wir es an Andeutungen nicht\nfehlen liessen. Leider scheint er in der Art und Weise,\nwie wir seiner Thätigkeit folgten und sie beleuchteten, keine\nwohlmeinende, unparteiische Stimme erkannt zu haben.\nWir wissen es uns in der That nicht zu erklären, dass ein\nso umfassend gebildeter Musiker, wie Herr Tausch, der als\nausführender und schaffender Künstler unwiderlegliche Be-\nweise eines bedeutenden Talentes gegeben, sich so wenig\nüber das klar zu sein scheint, was er in den so schwieri-\ngen hiesigen Verhältnissen leistet. Sollte er den Eindruck\ndes Werkes aus der Partitur so aufnehmen, dass er darüber\ndie unbefangene Beurtheilung der Ausführung verlöre ?\nOder sollten ihn gar verblendete, zu wenig musicalisch ge-\nbildete und desshalb stets lobende Freunde über sich seihst\nin die Irre geführt, sollten sie ihn für jeden wohlgemeinten\nWink, lür jeden nur Gutes bezweckenden Tadel so unzu-\ngänglich gemacht haben, dass er darin nur persönliche An-\nfeindung zu erkennen vermöchte? Wir wollen nicht ent-\nscheiden, aber wir müssen es jetzt, weil wir es redlich mit\nder Sache meinen, ohne persönliche Rücksicht und rück-\nhaltlos aussprechen, dass wir in Tausch die Eigenschaften\nvermissen, von welchen ein günstiger Erfolg für unsere Zu-\nkunft zu erwarten ist.\nWir sind überzeugt, dass unsere Ansicht die eines\ngrossen Theiles unseres musicalischen Publicums ist, und\ndesshalb scheint auch unser Gemeinderath eine Concurrenz\nfür die Besetzung der Stelle des städtischen Musik-Directors\nausgeschrieben zu haben, wonach sich viele bedeutende\nKünstler bereits anmeldeten.\nZu den Functionen des städtischen Musik-Directors\ngehört nicht nur die Leitung der Winter-Concerte, die\neines Gesang-Vereins für gemischten Chor und die Auffüh-\nrung einiger Messen, sondern auch die Ueberwachung des\nGesang-Unterrichtes in den höheren und Elernentar-Schulen\nmit Rücksicht auf Hebung des Chorgesanges im Allgemei-\nnen, des Kirchengesanges im Besonderen. Die Aufgabe,\nvom rein musicalischen Standpunkte aus, ist demnach als\neine äusserst schwierige und Zeit erfordernde zu betrach-\nten und wird in den übrigen Beziehungen nur mit grosser\npersönlicher Gewandtheit, Energie und Ausdauer glücklich\nzu lösen sein. Ausserdem wird der Musik-Director in der\nConcert-Direction, wie sie jetzt zusammengesetzt ist,\nschwerlich die Stütze finden, welche ihm eine thätige, ge-\nwandte, tactvolle und musicalisch gebildete zu bieten im\nStande sein würde. Wir müssen um so mehr wünschen,\ndass die Wahl, welche wahrscheinlich nach Pfingsten Statt\nfindet, frei von allen persönlichen Rücksichten bleibe, sich\nnur nach der Befähigung und nicht nach dem Namen richte.\nEhe wir unseren Bericht schliessen, müssen wir noch\nPalestrina's Improperien und Responsorien zu den Abend-\nAndachten am Gründonnerstage und am Charfreitage\nerwähnen, welche Herr Dr. H. wiederholt zur Auffüh-\nrung brachte. Wir haben das Ausgezeichnete dersel-\nben früher besprochen und beschränken uns daher auf die\nBemerkung, dass die Chöre mit derselben Vollendung ge-\nsungen wurden, wie im verflossenen Jahre, durch Zutritt\nvon schönen Stimmen aber bedeutend gewonnen haben.\nWir wurden namentlich von dem Wohlklang und der In-\nnigkeit des Tones der Soprane überrascht. Herr Dr. 11.\ngab somit von Neuem den Beweis seines seltenen Directions-\nTalentes, das er schon als Student auf rein instrumentalem\nFelde mit äusserst glücklichem Erfolge versuchte. Die alt-\nitaliänische Kirchenmusik, ohne Stütze eines begleitenden\nInstrumentes und in freier declamatorischer Bewegung, ist\noffenbar das Schwierigste, was im Chorgesange geleistet"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.5", "texte": "werden kann. Wir sprechen Herrn Dr. H. und den Mit-\nwirkenden unseren Dank aus für den hohen Kunstgenuss,\nwelchen jene Aufführungen bereiten, und für die auf-\nopfernde, dem Dirigenten und den Chorkräften zu gleicher\nEhre gereichende Liebe und Ausdauer, womit sie vorbe-\nreitet werden.\nAuch den erfreulichen Beweis erblicken wir in diesen\nAufführungen, dass es uns an bedeutenden Kräften nicht\nfehlt, wenn es gilt, wirklich künstlerische Ziele zu erreichen.\nWir blicken daher mit Hoffnung und Vertrauen in die Zu-\nkunft, überzeugt, dass, wie es ehedem der Fall war, dieje-\nnigen Elemente sich freudig zusammenscharen werden,\nwelche die edle Tonkunst ihrer selbst wegen lieben und in\nihrer Ausübung künstlerische Befriedigung suchen, sobald\ndie Leitung unserer musicalischen Zustände einer gediege-\nnen, sicheren und gewandten Hand wieder übergeben sein\nwird.\n6\n\nAus Münster.\n\nVon den diesjährigen Winter-Concerten des hiesigen\nMusik-Vereins verdienen die am 21. und 22. April Statt\ngefundenen eine besondere Erwähnung. Es kamen in je-\ndem derselben zur Aufführung Mozart's Requiem und\nBeethoven's neunte Sinfonie. Die letztere wurde in\nMünster zum ersten Male gehört, und war schon in so fern\ndas Concert von Bedeutung. Die Wahl beider Werke und\nihre Nebeneinanderstellung hatte, auch abgesehen von dem\nVorgange des niederrheinischen Musikfestes im Jahre 1845,\netwas Berechtigtes. Der tiefe Ernst des Grabes und die\nSchauer des zukünftigen Gerichtes mit der seligen Ruhe\ndes Jenseits im Requiem, und die Verherrlichung der Freude\nin ihren verschiedensten Gestalten, von der heiteren, ausge-\nlassenen Lust bis zum seligen Frieden der Seele und dem\nbegeisterten Aufjauchzen des entzückten Herzens auf dem\ndunkeln Grunde des Schmerzes in der Sinfonie haben etwas\nVerwandtes und rechtfertigen eine Verbindung.\nDie Aufführung kam unter der in diesen Blättern wie-\nderholt anerkannten, vortrefflichen Leitung des Herrn Mu-\nsik-Directors Karl Müller, welcher mit ganzer Seele sei-\nner Kunst lebt, zu Stande. Ihm gebührt das Verdienst,\nnicht allein den Entschluss zu einem so grossartigen Unter-\nnehmen, wie die Aufführung der neunten Sinfonie, herbei-\ngeführt, sondern auch dasselbe, die beiden Solosänger aus-\ngenommen, lediglich mit einheimischen, dem hiesigen Musik-\nVereine angehörigen, durch seine ausgezeichnete Leitung\ndazu befähigten Kräften in einer Weise zum Ziele geführt\nzu haben, welche grosse Anerkennung verdient. Durch\ngründliche Proben, in denen Chor und Orchester bereits\nbewährten, dass sie in die feinsten, durch eine tiefe Auf-\nfassung der darzustellenden Tonwerke geleiteten Intentionen\nihres Führers einzugehen verstanden, war eine vortreffliche\nAusführung gesichert. Der Chor liess im Requiem, nament-\nlich in der herrlichen Fuge des und ihrer Wieder-\nholung im letzten Satze: „cum sanctis tuis\", so wie in der\ndes „quam olim Abrahae\"an präcisem Einsetzen, klarem,\nschönem Tone und feiner Nuancirung des Ausdrucks nichts\nzu wünschen übrig. Er bewährte sich besonders in schö-\nnem Tonhalten in allen Theilen des schwierigen Finales der\nSinfonie. Nicht weniger leistete das Orchester, und gelan-\ngen namentlich hinreissend schön das Scherzo und das Ada-\ngio mit dem Andante der Sinfonie in jeder der beiden Auf-\nführungen. Die Saiten-Instrumente ertönten wie von Einem\nStrich; der Ton der Blas-Instrumente war weich, zart und\ngetragen. In der Verbindung von Chor und Orchester gab\nsich eine Sicherheit kund, welche für das aufmerksamste\nOhr nicht die leiseste Schwankung gewahren liess. Die\nZahlen-Verhältnisse des hiesigen Chors und Orchesters\nstehen hinter denen anderer grösserer Städte zurück. Das\nOrchester zählte bei der Aufführung 50 Mitwirkende, der\nChor gegen 100 Stimmen. Es durfte daher eine Massen-\nwirkung, mit welcher in der Regel die neunte Sinfonie ge-\nhört wird, nicht erwartet werden. Dagegen war die hier\nhervorgebrachte Wirkung des stets dem einen, sicheren\nFührer folgenden Chors und Orchesters an Zartheit, Fein-\nheit und Vollendung des Vortrags der eines einzigen, gut\nbehandelten Instrumentes vergleichbar. Die Solo-Quartetts\nbefanden sich ebenfalls in guten Händen. Der Sopran wurde\nvon Fräul. von Trapp, der Alt von Madame Bitter,\nbeide dem hiesigen Musik-Vereine angehörig, der Tenor\nvon Herrn Hey er aus Elberfeld und der Bass von Herrn\nSchiffer aus Köln gesungen. Leider war am ersten Abende\ndie Stimme des Herrn Schiffer in Folge einer Erkältung\nbelegt, wesshalb Herr Humperding, Mitglied des Ver-\neins, die entsprechenden Partieen des Requiem zu überneh-\nmen die Gefälligkeit hatte.\nEs war ein guter Gedanke, beide Aufführungen am\nfolgenden Tage, auch abgesehen von dem mit der zweiten\nAufführung verbundenen wohlthätigen Zwecke (der Ertrag\nwar für arme Orchester-Mitglieder bestimmt) zu wiederho-\nlen. Denn wenn auch schon die Möglichkeit, mit einheimi-\nschen Kräften solche grossartige Tonwerke zur Aufführung\nund zur Anhörung zu bringen, ein kunstsinniges Publicum\nvoraussetzt, so erfordert doch ein vollhaltiger Genuss an"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.6", "texte": "einer so kolossalen Tonschöpfung, wie die neunte Sinfonie,\neine genauere Kenntniss ihres Ton-Inhalts, die von denen,\nwelchen die Partitur unzugänglich oder unverständlich ist,\nnur durch wiederholtes Anhören erlangt werden kann. Es\nlässt sich diese Kenntniss auch als das tiefere Insichaufneh-\nmen oder das Verständniss des Tonwerkes bezeichnen, wenn\ndabei nur nicht der Verstand als das auflassende Organ be-\ntrachtet wird. Dass aber durch dieses Verständniss des\nTon-Inhalts, als des Mittels der Darstellung des Schönen,\nim Gegensatze zu dem den Tonwerken so oft gegen das\nGrundwesen des Musicalisch-Schönen untergeschobenen\nPseudo-Inhalte von concreten Gefühlen oder gar Gedanken,\ndie auf jedem anderen Wege sicherer hervorzurufen sind,\nals auf dem der Töne der vollhaltige Genuss eines Kunst-\nwerkes bedingt wird, kann nur der bezweifeln, welcher\nentweder die Wirkung der Musik nicht über die Sinne hin-\nausgehen lässt, oder von ihr alle möglichen sonstigen Ten-\ndenzen, nur nicht die innere Anschauung des Schönen, er-\nwartet. In dem Mangel an Verständniss in diesem Sinne\nliegt auch die wesentliche Ursache, wesshalb die neunte\nSinfonie erst lange nach ihrem Erscheinen der musicalischen\nWelt in den Sinn, d. h. in den Schönheitssinn, wollte. Nicht\ndem Kunstwerke, sondern den Hörern fehlte die Grundbe-\ndingung der vollen Wirkung des Genusses. Für das hiesige\nmusicalische Publicum ist daher die erfolgte Aufführung der\nneunten Sinfonie auch in so fern von höchstem Interesse,\nals sie von jetzt an auf dem Repertorium der hiesigen Win-\nter-Concerte, welche bisher regelmässig in jedem Jahre be-\nreits die übrigen Beethoven'schen Sinfonieen brachten, eine\nbleibende Stelle erhalten wird.\n\nKg.\n\nLiteratur.\nFür Pianoforte.\n„In stiller Nacht\", Salonstück für Pianoforte von\nKarl Mächtig. Op. 2. Preis 12'/2 Sgr. Bres-\nlau, bei F. E. C. Leuckart.\nLa belle Gracieuse. Mazurka. Op. 3. Preis 17 72 Sgr.\nVon demselben. Breslau, bei F. E. C. Leuckart.\nDrei Charakterstücke. Op. 6. Preis 20 Sgr. Von dem-\nselben. Breslau, bei F. E. C. Leuckart.\nEs ist nicht gut, wenn sich ein junger Componist verleiten\nlässt, seine Sachen zu früh zu veröffentlichen. Auch Herr Mächtig\nhätte wahrscheinlich, wenn er obige Compositionen noch einige\nJahre in seinem Pulte verschlossen gehalten hätte, gelernt, höhere\nAnsprüche an sich zu inachen; denn eine wohlmeinende Kritik\nkann ihm nur sagen, dass seine Producle einstweilen noch zu un-\nreif sind, um vor das Forum der Oeffentlichkeit treten zu können.\nEines aber lässt uns fürchten, dass der Componist schon auf dem\nschlimmen Wege der Goria etc. wandelt und seine Sachen nur\nmit Rücksicht auf die grosse Menge schrieb; es ist dies ein gewis-\nser virtuosenhafter Anstrich, der besonders in der „Mazurka\" her-\naustritt und mehr an die Spiehveise musicalischer Stutzer oder\ntalentvoller Weinreisender erinnert, als an eine künstlerisch gebil-\ndete Technik. Auch berührt uns der Titel „In stiller Nacht\" unan-\ngenehm ; denn wenn man ein Stück schreibt, das diesen Namen in\nWahrheit verdient, so ist es kein Salonstück. Seit wann tanzt man\ndenn auch in „stiller\" Nacht Mazurka? Schülerhaft sind im\n„Scherzo\" in,Op. 6 die ewigen Wiederholungen der vollkommenen\nSchlüsse auf A.Möchten unsere Worte dazu beitragen, den Com-\nponisten zu ernstem Studium zu veranlassen! Sollten wir später\nGelegenheit haben, Werke von ihm zu sehen, die ein besseres\nStreben und eine edlere Richtung verrathen, so werden wir diesel-\nben mit Vergnügen eben so anerkennend loben, wie wir diese\nhart tadeln mussten.\nDrei Fugen für das Pianoforte von Nicolai Be-\nrendt. Op. 1. Preis 12 gGr. Hannover, bei\nChr. Bachmann.\nAnders tritt uns Nicolai Berendt entgegen. Wer es wagt, mit\ndrei Fugen seinen ersten Schritt in die Oeffentlichkeit zu thun, der\nverdient schon allein um dieser Kühnheit willen Lob, und doppelt,\nwenn er sich so tapfer dabei benimmt, wie dieser junge Compo-\nnist, welcher schon wacker mit Engführungen, gleichzeitigen Yer-\ngrösserungen und Verkleinerungen des Thema's etc. umzugehen\nweiss. In der zweistimmigen Fuge hat der Componist wohl zu\nhäufig denselben Contrapunkt zur Begleitung des Fugen-Thema's\nbenutzt, worüber wohl Meister Marpurg und Albrechtsberger etwas\nmit der Perrücke gewackelt haben würden; denn von einer zwei-\nstimmigen Doppelfuge mit Subject und Contra-Subject kann doch\nwohl hier nicht die Rede sein sollen! Auch würden die alten\nHerren zu den vielen Rosalien in Nr. 3, wozu allerdings das chro-\nmatische Thema leicht Gelegenheit bot, deren aber auf Seite 9 und\n10 fünf rasch hinter einander folgen, sauer gesehen haben. Eine\nwahrhafte Steigerung dürfte auch in den Fugen noch vermisst wer-\nden. Schliesslich machen wir den Componisten darauf aufmerksam,\netwas sparsamer mit dem in Fugen bereits sehr abgedroschenen\nRhythmus * fj* * * oder *j*j* ff zu sein. Trotz dieser Aus-\nstellungen zollen wir Herrn Berendt um seiner ernsten Studien,\num seiner wirklich errungenen contrapunktischen Gewandtheit wil-\nlen unseren aufrichtigen Beifall.\nZwölf Studien zur Beförderung des Ausdrucks und\nder Nuancirung im Pianofortespiel von J. C. Esch-\nmann. Op. 16. Heft 3. Preis 1 Thlr. 5 Sgr.\nKassel, hei Luckhardt."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.7", "texte": "Mit Vergnügen ergreifen wir die Gelegenheit, bei Veranlassung\nder Besprechung vorliegender Etüden auf Eschmann und seine\nCompositionen, welche noch viel zu wenig bekannt sind, recht an-\ngelegentlich aufmerksam zu machen. Eschmann's Talent ist kein\nseltenes, grosses, aber ein feines und liebenswürdiges; alles, was er\nschafft, kommt aus seinem eigensten, innersten Wesen, und er gibt\nes ungeschminkt, oft fast etwas zu unbekümmert; denn nicht selten\nbringen seine Sachen Anklänge, die ein Anderer mit Leichtigkeit\ngeschickt versteckt und verborgen hätte. Aber wir lieben ihn um\nseiner Aufrichtigkeit willen; es kommt uns vor, als sagte er lä-\nchelnd: „Ach, ihr wisst ja doeh, dass ich Beethoven und Chopin\nund Schumann so recht innig liebe, und warum soll ich's denn\nverhehlen ?*4 Ueberdies sind's auch mehr Anklänge als Reminiscen-\nzen, von denen wir hier sprechen; aber sie dürften doch im\nAllgemeinen bei Eschmann etwas seltener vorkommen. In diesem\nHefte der Etüden ist uns übrigens nur in Nr. 9 eine Erinnerung\nan eine der Studien für Pedal-Flügel von Schumann gekommen.\nVorliegende Stücke sind übrigens nicht allein „zur Beförderung des\nAusdrucks und der Nuaneirung\" geeignet, sondern es sind auch\ntreffliche technische Studien, welche jeder Clavierspieler, der etwa\ndie Moscheles'schen bewältigt, mit Nutzen studiren wird, und zwar\nmit ganz besonderem Nutzen, weil die neuere Spielart eines Cho-\npin, Mendelssohn, Schumann mehr und vorzugsweise darin geübt\nwird. Zur Vorübung der Cramer'schen Etüden sind bereits sehr\nviele Etudenwerke in die Welt geschickt, während wir uns nicht\nentsinnen, deren gesehen zu haben, die auf die Chopin'schen, Hil-\nler'schen, Henselt'schen vorbereiten. Und gerade hierzu sind die\nvorliegenden von Eschmann ganz besonders zu empfehlen. Möchten\nsie sich Bahn brechen! Wir erinnern uns, dass man Eschmann be-\nreits wiederholt den Vorwurf allzu grosser Breite in seinen Com-\npositionen gemacht hat; dies geschah nicht ganz mit Unrecht, und\nauch hier möchten wir ihm bei einzelnen Nummern denselben\nVorwurf machen, wenngleich bei Studien, schon aus dem äusser-\nlichen Grunde, weil es auch nöthig ist, die Ausdauer des Spielers\nzu üben, eine gewisse Breite zu entschuldigen ist. Dafür kann aber\njeder Spieler eine Studie, so oft es ihm beliebt, wiederholen, und\ndas Tonstück an sich würde durch concisere Form gewonnen ha-\nben. Schliesslich sprechen wir den Wunsch aus, Eschmann auch\nbald in grösseren Formen, im Clavier-Trio, Streich-Quartett etc.\nschaffend zu finden. Mache er es nicht wie Stephen Heller, der\nsein ganzes Vermögen in kleiner Münze zu verausgaben scheint.\nDrei Salonstücke für Piano von Joachim Raff. Op.\n56. Nr. 1 und 3 ä 16 gGr. Nr. 2 ä 14 gGr.\nHannover, bei Bachmann.\nWir wüssten kaum, welche Compositionen uns antipathischer\nwären, als die Raff'schen; es ist so unendlich wenig Erfindungs-\nkraft und so unendlich viel Schwulst und Lüge darin. Lüge?\nhöre ich erstaunt rufen. Ja, ja, ich kann's nicht anders nennen,\nwenn ich sehe und höre, wie einer die allerbanalste muMcalische\nPhrase durch allerlei Kniffe aufputzt und uns nun mit Emphase\nzuruft: „Hört, hört, wie originel, nie da gewesen!'4 Daneben finden\nwir aber auch in allen drei Stücken genug, was auch ganz unge-\nnirt in seiner Plattheit einherschreitet. Damit man nicht den Ver-\ndacht gegen uns hege, als seien wir von vorn herein gegen den\nComponisten Raff eingenommen, weil wir dem Kunst-Philo-\nsophen Raff gegenüber stehen, so lassen wir seine eigenen Werke\nreden und wählen aus jedem Stücke einen Gedanken, der mehr\ngegen Raff zeugen wird, als das strengste IJrtheil des schärfsten\nKritikers zu thun vermöchte.\nwelche letztere Melodie zum zweiten Male in Triolen-Figuration,\ndann mit Sechszehntel-Figuren und zum vierten Male in breiten\nAccorden auftritt. Wenn man nun hinzunimmt, dass das Haupt-\nMotiv sehr stark an die Etüde „La Cadence\" von Thalberg erinnert,\nwelches eben keine solche Kleinigkeit ist, da das Thalberg'sche\nMotiv etwas entschieden Pikantes hat, wenn man hört, dass die\nFiguration des obigen Thema's in der allerabgedroschensten Döh-\nler'schen Weise geschieht, dann wird man uns Recht geben müs-\nsen, wenn wir behaupten, dass diese Valse-Etude ein Salonstück\nallergewöhnlichster Sorte ist; und doch ist sie übrigens noch die\nbeste Nummer, denn sie klingt wenigstens ziemlich artig. Man er-\nlasse es uns, über die beiden anderen weitläufiger zu sprechen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550512-01.1.8", "texte": "Für Orgel.\nFugen aus dem wohltemperirten Clavier von Joh. Seb.\nBach; in progressiver Ordnung für die Orgel ein-\ngerichtet und mit Angabe des Fingersatzes und\nder Pedal-Applicatur, nebst Anweisung über den\nGebrauch der Register versehen von J. A. van\nEyken. Heft 1. Preis 1 Fl. 20 Kr. Rotterdam,\nbei de Vletter.\nDer als Orgelspieler berühmte Verfasser dieser Bearbeitung hat\nsich durch dieselbe ein wahrhafes Verdienst erworben und eine\nvortreffliche Kenntniss der Orgel, so wie einen feinen Tact in der\nAuswahl derjenigen Fugen, welche der Orgel zugänglich sind, be-\nwiesen. Dieses Heft enthält die E-dur-, Es-dur- und D-dur-Fugen\naus dem ersten Hefte und die B-moll- und G-moll-Fugen aus dem\nzweiten Hefte. Seien diese Bearbeitungen dringend allen tüchtigen\nOrgelspielern empfohlen.\nSonate Nr. 1 über den Choral: „Befiehl du deine\nWege\", für die Orgel von J. A. van Eyken.\nOp. 13. Preis 1 Fl. 50 Kr. Ebendaselbst.\nAuch diese Sonate ist ein sehr verdienstvolles Werk und wird\nallen Orgelspielern eine willkommene Gabe sein; denn sie ist in\n:nem durchaus würdigen und edeln Stile gehalten. Sie besteht aus\nr Sätzen: einem Moderato, C-moll, 4/4-Tact, in welches haupt-\n-Llich der Choral „Befiehl du deine Wege\" verflochten ist,\n'-, em Andante, Es-dur, 6/g-Tact, Intermezzo, Allegro maestoso, C-moll,\n3/4-Tact, und einer Schluss-Fuge, Allegro moderato, C-dur, 4/4-Tact,\nin welcher eine vortreffliche Steigerung herrscht und bei deren Ab-\nschluss der Choral noch einmal in vollem Glänze mit einer einfa-\nchen, aber wirkungsvollen Pedal-Figuration auftritt. Ueberhaupt\nhalten wir die beiden letzten Sätze der Sonate für die bedeutend-\nsten. Obgleich in dem ersten Satze die Figuration des Chorals sich\nin sehr geschickter Weise aus dem Haupt-Motiv des Satzes ent-\nspinnt, so scheint sie uns doch mit etwas zu viel Consequenz ge-\nrade in dieser Einen WTeise festgehalten. Das Andante wird unstrei-\ntig durch das Aiterniren der drei verschiedenen Claviere, durch\nseine einfache, melodische Haltung und durch eine gewisse wohl-\nthuende Anspruchslosigkeit sehr hübsch wirken; doch scheint es\nuns hinsichtlich der Erfindung den beiden letzten Sätzen nachzu-\nstehen. Möge uns der geschätzte Componist bald wieder durch\nähnliche Gaben erfreuen!\nMusicalische Märchen, Phantasieen und\nSkizzen von E1 is e POl kO. Zweite, neu durch-\ngesehene und vermehrte Auflage. Leipzig, bei\nJ. A. Barth, 1855.\nAls wir die erste Auflage dieser Sammlung von lieblichen Bil-\ndern aus der musicalischen Welt, deren Stoff so sinnig gewählt\nund deren Ausführung so zierlich und anziehend ist, dass sie jedes\nunbefangene Gemüth ansprechen müssen, im 11. Jahrgange der\nRheinischen Musik-Zeitung (1852, Nr. 79, vom 3. Januar) anzeigten,\nhofften wir, dass sie eine weite Verbreitung finden würden. Diese\nHoffnung hat sich verwirklicht, indem uns bereits eine zweite Auf-\nlage vorliegt, welche noch hübscher als die erste ausgestattet und\ndurch Illustrationen in feinem Holzschnitt, nach Zeichnungen von\nJ. C. Lödel und G. Schlick, verziert ist. Die Verfasserin hat\neine recht artige Manier, Wahrheit und Phantasie in den von ihr\ngewählten Episoden aus dem Leben \\ojk Tonkünstlcrn und in den\nübrigen Stoffen dieser niedlichen Blumenstücke und Genrebildchen\nmit einander zu verweben. Das Büchlein wird in seiner neuen Ge-\nstalt, zumal da es um sechs bis sieben Skizzen vermehrt ist, dop-\npelt willkommen sein und eignet sich besonders zum Lesen für\njunge Mädchen und Frauen, die Freude an der Tonkunst haben»\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm 5. Mai wurde zu Elberfeld im vierten Abonnements-\nConcert das Oratorium von Karl Reinthaler: „Jephta\nund seine Tochter\", zum ersten Male vollständig aufgeführt»\nDie Ausführung war unter Leitung des Componisten eine vorzüg-\nlich gelungene und die Aufnahme des Werkes von Seiten des zahl-\nreich versammelten Publicums eine höchst ehrenvolle für ihn; denn\nder Beifall ging aus einer begeisterten Theilnahme hervor, welche,\nin diesem Grade und in solcher Allgemeinheit sich offenbarend,\nwie hier, doch immer die beste Recension eines Kunstwerkes ist.\nDennoch soU uns das von einer ausführlichen Besprechung dieses\nnun ganz Wendeten Oratoriums in diesen Blättern nicht abhalten\nAm Schlüsse des Concertes wurde Herrn Reinthaler ein wieder-\nholtes Hoch mit Trompeten und Pauken gebracht und ihm ein\nLorberkranz überreicht. Die Haupt-Solopartieen waren in den Hän-\nden von Fräul. M. Hartmann (Sopran) aus Düsseldorf, Fräul.\nPels-Leusden (Alt), Herren E. Koch (Tenor), M. DuMont\n(Jephta Bass) und Schiffer (Prophet Bass) aus Köln. Chor\nund Orchester waren in schönem Verhältniss, präcis und klangvoll,\nund in dem trefflich akustischen Casinosaale von grosser Wirkung.\nReinlhaler leitete das Ganze mit Umsicht, Besonnenheit und Energie\nund hatte somit auch um die Ausführung kein geringes Verdienst."}]}