{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-06-02-01", "volume": "bmtnabi_1855-06-02_01", "ocr_sha256": "27a32d8d2d2bb0a1107ff2ad0fd95ffb53ff596e6684c1ac6c9f272a2d875e46", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/06/02_01/bmtnabi_1855-06-02_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-06-02-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-06-02_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "172", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.2.1", "titre_corps": "Universal-Lexikon der Tonkunst", "titre_sommaire": "Universal-Lexikon der Tonkunst", "signature_source": "Julius Schladebach", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3925, "texte": "Universal-Lexikon der Tonkunst\nvon\nDr. Julius Schladebach.\nEs liegt uns die erste Lieferung eines »neuen Uni-\nversal-Lexikons der Tonkunst\" vor, „für Künst-\nler, Kunstfreunde und alle Gebildeten unter Mitwirkung\nvon Dr. Franz Liszt, Dr. 11. Marschner, C. G. R e i s-\nsiger, Dr. L. Spohr u. s. w. u. s. w. bearbeitet und\nherausgegeben von Dr. Julius Schladebach, Mitglied\nder Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, der\nGesellschaft für deutsche Sprache zu Berlin u. s. w. Mit\nStahlstichen.\" Dresden, Verlag von Robert Schäfer,\n1855. April. Gr. Bvo.\nUeber die vorhandene Literatur der Werke ähnlicher Gat-\ntung und die Nothwendigkeit einer neuen Arbeit dieser Art in\nunserer Zeit spricht sich der Verfasser folgender Maassen aus:\n„Die Idee eines derartigen encyklopädischen Werkes\nüber Musik kann an und für sich allerdings Anspruch auf\nNeuheit nicht mehr erheben. Schon seit anderthalb Jahr-\nhunderten hat man sie mit mehr oder weniger Glück und\nGeschick von den verschiedensten Standpunkten aus und\nlür die verschiedenartigsten Bedürfnisse auszuführen ge-\ntrachtet. Das in dieser Beziehung gar praktische Frankreich\nist zu seiner Zeit darin vorgegangen, und das\nde Musique von Seh. de Brossard vom Jahre 1703, dem\nmehr als ein halbes Jahrhundert später Rousseau's wohl-\nbekanntes und in den ästhetischen Artikeln vorzugsweise\nwerthvolles Werk unter gleichem Titel folgte, darf als die\nGrundlage aller späteren ähnlichen Schriften angesehen wer-\nden, zu denen für Frankreich namentlich noch die ganz nach\nRousseau bearbeitete Encyclopedie (?)\nvon und Ginguene gehört. Deutschland liess dann\nnicht lange auf sich warten und brachte in J. G. Wal-\nther's musicalischem Lexikon (1732) das erste\nwahrhaft bedeutende Werk dieser Gattung, dem sich die\nspäteren bis auf die neue Zeit zu schuldigem Danke ver-\npflichtet bekennen müssen, und das, was ausschliesslich den\nbiographischen Theil betrifft, von dem wackeren E. L.\nGerber in seinem (alten und neuen) Lexikon der\nTon k ü n sll e r bis in den Anfang des gegenwärtigen Jahr-\nhunderts sorgfältig fortgeführt worden. England brachte\ndas Musical Dictionary von James Grassineau (1740)\nmit vorzugsweiser Benutzung des schon angeführten Wer-\nkes von Brossard und sodann des berühmten\nBusby complete Dictionary (1801), während\nItalien erst im zweiten Viertel unseres Jahrhunderts durch\neinen Deutschen, Peter Lichtenthai, etwas Bedeuten-\ndes auf diesem Gebiete in dem sehr sorgfältig gearbeiteten\nDizionario e BibUograßa della Musica (1826) erhielt. Se-\nhen wir von den allgemeinen encyklopädischen Werken, in\ndenen die Musik nur accessoriseh behandelt wurde, eben\nsowohl als von den kleinen, für ganz specielle Zwecke ver-\nfassten derartigen Schriften ab, die zumeist nur einem mo-\nmentanen Bedürfnisse genügen konnten und wollten, und\nstets von relativem, wo nicht von sehr untergeordnetem\nWerthe waren, so ist dann, als in diesen Kreis der Lite-\nratur gehörig, nur des fleissigen Hrch. Chrph. Koch\nMusicalisches Lexikon (1802) als werthvoll und\nfür seine Zeit zweckentsprechend zu nennen, und es war\nin der That zu verwundern, dass man länger als drei De-\ncennien hindurch, einige schwache und unbedeutende Ar-\nbeiten abgerechnet, damit sich begnügte, da gerade wäh-\nrend dieser Zeit- das Bedürfniss einer encyklopädisch-über-\nsichtlichen Behandlungsweise der Wissenschaften und\nKünste Behufs ihrer Popularijirung für die unabweislichen\nAnforderungen der Gegenwart nach allgemeiner Bildung\nsich immer lebhafter fühlbar machte.\n„Aber auch später sind der betreffenden Werke, so-\nweit sie den Namen einer musicalischen Encyklopädie vom\nhöheren wissenschaftlichen Standpunkte aus wirklich bean-\nspruchen können und nicht bloss einzelne, mehr oder min-\nder untergeordnete Bedürfnisse befriedigen oder sich auf\nBehandlung specieller Zweige beschränken, überhaupt nur\nsehr wenige erschienen, und diese entsprechen aus man-\ncherlei Gründen dem vorhandenen Bedürfnisse überhaupt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5279, "texte": "nicht oder entsprechen demselben doch jetzt nicht mehr,\noder sie sind schwer, vielleicht im Wege des Buchhandels\ngar nicht mehr zu erlangen, sind entweder zu mager oder\nzu voluminös und kostspielig, wohl gar auch von vorge-\nlasster Ansicht, von veraltetem Vorurtheil und persönlicher\nZu- oder Abneigung dictirt, und entbehren sonach eines\nder wesentlichsten Requisite einer derartigen Encyklopädie,\nnämlich der vollen, für die Gegenwart natürlich auf das\nblosse Referat sich beschränkenden Unbefangenheit der An-\nschauung und Unparteilichkeit der Darstellung, mit welcher\ndoch das strenge Festhalten an den gesunden ästhetischen\nGrund-Principien der Tonkunst sich überall recht wohl\nvereinigen lässt, wenn man die erforderliche Ruhe, die in\nder Schule des Lebens gereifte Erfahrung und den redli-\nchen Willen besitzt, sich zu wirklicher Objectivität der Be-\ntrachtung zu erheben. Haben wir hier die betreffenden\nSchriften J. E. Häuser's und A. Gathy's, als zum Theil\njetzt veraltet oder ungenügend*), und des überaus trefflichen,\naber sehr kostspieligen und überwiegend nur biographi-\nschen Werkes des gelehrten F. J. Felis: Biographie uni-\nverselle des Musiciens et bibliogr\nsique, dessen erster Band auch schon vor zwanzig Jahren\nerschienen ist, als speciel in den Kreis wirklicher und um-\nfassender musicalisch-encyklopädischer Werke nicht oder\ndoch nur als secundäre Hüllsmittel gehörend, zu übergehen,\nso bleibt nur noch zu erwähnen Dr. G. Schilling's En-\ncyklopädie der gesammtenmusicalischenWis-\nsenSchäften, das umfangreichste und weitläufigste aller\nauf diesem Gebiete erschienenen Werke, wenn auch kei-\nneswegs, wie der Verfasser im Vorworte bescheiden zu be-\nmerken sich veranlasst fand, das „ „ersteseiner Art\"a —viel\ndes Tüchtigen aus der Feder bewährter Mitarbeiter, aber\nauch viel Unklares in weitschweifiger Gespreiztheit, Unbe-\ndeutendes und Uebertlüssiges, nur um der persönlichen\nVorliebe des Herausgebers willen Aufgenommenes, und\neine Menge falscher, aus flüchtigster Bearbeitung hervorge-\ngangener Daten enthaltend. Wunderlich genug ist's jeden-\nfalls, wenn ein derartiges Werk z. B. zwei verschiedene\nBiographieen Meyerbeer s bringt, in denen das Urtheil über\nden Componisten und seine Leistungen so schnurstracks\nsich widerspricht, dass die eine ihn gänzlich verwirft, wäh-\nrend die zweite nicht Ruhm und Lob genug auf ihn häufen\nzu können scheint. Vielleicht soll das ein Beweis von Un-\nparteilichkeit sein; allein mit dieser eigentümlichen Art\nderselben muss doch unbedingt der Leser vollkommen irre\ngeführt werden, der das Recht hat, hier eine sichere, wohl-\n*) Von Gathy erscheint jetzt eine neue Ausgabe. Die Red.\nbegründete Anleitung zu eigener Klarheit und Bestimmtheit\ndes Urtheils zu suchen und zu verlangen. Ueber die viel-\nfache, durch Oberflächlichkeit, Flüchtigkeit oder Extrava-\nganz des Herausgebers entstandene Mangelhaftigkeit des\nWerkes, das an und für sich natürlich viel dankenswertes\nMaterial bietet, hielt selbst der eigene Verleger im Vor-\nworte des Nachtrags zum Supplementbande, dessen Bear-\nbeitung er desshalb sogar in andere Hände zu legen sich\nveranlasst fand, sehr verständliche Andeutungen zu geben\nfür unerlässlich. Aber selbst davon abgesehen, ist das Werk\nzu voluminös und durch die zwei Nachträge für den Ge-\nbrauch sehr unbequem geworden, überdies natürlich nicht\nmehr im Niveau der Gegenwart (der erste Band erschien\nschon vor zwanzig Jahren, und auch die Nachträge schlies-\nsen eigentlich mit dem Ende des dritten Jahrzehends un-\nseres Jahrhunderts ab), während sich gerade in den letzt-\nverflossenen beiden Decennien auf dem Gebiete der Ton-\nkunst eine eigenthümliche, tief eingreifende Bewegung und\nGährung gezeigt hat, deren Kenntnissnahme kein Gebilde-\nter, am wenigsten der Musiker, sich entziehen kann und\ndarf, wenn auch das definitive Urtheil über Werth und Be-\ndeutung derselben, da die Uebergangs-Periode nicht vor-\nüber und die vollständige Abklärung noch bei weitem nicht\nvollendet ist, natürlich für jetzt noch suspendirt und späte-\nrer Zeit die gerechte historische Würdigung vorbehalten\nbleiben muss. Allein setzen wir dies alles bei Seite, so\ntritt hier noch der Umstand ein, dass dieses Werk\nschon seit längerer Zeit vollständig nicht\nmehr im Buchhandel zu haben ein bei seinem\nsehr hohen Preise um so deutlicherer Beweis, wie gross\nund allgemein gefühlt das Bedürfniss nach derartigen Ar-\nbeiten ist. Allerdings hat man dem letzterwähnten Mangel\ndurch das von Dr. Gassner (1847) herausgegebene Uni-\nvers a 1 -L e x i k o n der Tonkunst in Einem Bande, das\neinen Auszug (und gewisser Maassen eine zweite Auflage)\nder Schilling'schen Encyklopädie bildet, abzuhelfen versucht\nIndess ist dies auf eine so ungenügende Weise geschehen,\ndass auch dieses Werk dem Bedürfnisse nur sehr wenig\no\nentspricht. Der (nunmehr verstorbene) Herausgeber klagt\nstets über Mangel an Raum und ergeht sich dabei doch oft\nin einer breiten Redseligkeit über ganz unbedeutende Dinge,\nfügt höchst überflüssige, in einem derartigen Werke gar\nnicht gesuchte, rein individuelle und zur Sache nicht gehö-\nrige Bemerkungen bei, hat sich von persönlicher Vorliebe\nfür gewisse Dinge und Personen keineswegs frei zu halten\nund auf den rein objectiven Standpunkt sich nicht zu stel-\nlen gewusst, verweiset nicht nur in Betreff ausführ-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5134, "texte": "lieh er er Belehrung, sondern in Betreff ganzer, bisweilen\nselbst sehr wichtiger Artikel auf das (Schiliing'sche) Haupt-\nwerk, so dass also für den Gebrauch die Anschaffung bei-\nder Werke gewisser Maassen gefordert wird—damals war\nvielleicht das Hauptwerk noch vollständig zu haben—, er-\ngeht sich in Betreff des . Urlheils in ganz ähnlicher Weise\nwie jenes, wovon die beispielsweise oben schon erwähnte\nBiographie Meyerbeer's, wenn auch in verjüngtem Maass-\nstabe, Zeugniss ablegt, und übergeht unhistorisch an sich\nhervorragende Erscheinungen der Gegenwart (man sucht\nz. B. irgend eine Andeutung über Richard Wagner\nvergeblich), während er auch nur in einzelnen Fällen die\nhistorischen Artikel weiter fortführt.\n„Nach diesen Bemerkungen, die dem relativen Werthe\nder betreffenden Werke keineswegs zu nahe treten wollen\nund nur das allgemeine Urlheil der unbefangenen Sachver-\nständigen wiedergeben, scheint die Behauptung hinlänglich\ngerechtfertigt, dass es jetzt factisch in der musicalischen\nLiteratur nicht nur Deutschlands, sondern auch der Nach-\nbarländer an einem derartigen Werke fehle, und dass die\nAnnahme, man komme mit einem „Neuen Universal-\nLesikon der Tonkunst\", nach den schon direct und\nindirect angedeuteten Principien bearbeitet, in der That\njetzt einem in den Kreisen aller Musiker und Musikfreunde,\nja, aller Gebildeten überhaupt lebhaft gefühlten Bedürfnisse\nentgegen, nicht als eine herkömmliche, so oft schon ge-\nmissbrauchte Phrase erscheinen werde.\"\nNach diesem Ueberblick über die Literatur des Fa-\nches erfahren wir dann, dass der Herr Verfasser in dem\nneuen Universal-Lexikon alles, was „Aesthetik und Ge-\nschichte der Tonkunst, Akustik, theoretische und prakti-\nsche (?) Compositions-, Gesang-, und Instrumenten-Lehre,\nInstrumental-Kcnntniss, Orchester-Kunde und Leitung, mu-\nsicalische Pädagogik und Didaktik, Literatur\" u. s. w.—\nbetrifft, zu behandeln vorhat. Trotz dieses reichen Stoffes\nsoll das Werk doch nur drei Bände (zusammen dreissig\nLieferungen) füllen, welche nach der ersten Lieferung, die\niünf Bogen in gross Octav auf schönem weissem Papier in\nscharfem, nicht zu kleinem Druck enthält, zu urtheilen,\n150 Bogen fassen würden. Die erste Lieferung reicht von\nA bis Aesthetik, also noch nicht einmal bis Af; wir\nzweifeln, dass sich die Masse des Stoffes auf dem projec-\ntirten Räume werde bewältigen lassen.\nDie ausserordentlichen Schwierigkeiten des Unterneh-\nmens verhehlt sich der Verfasser keineswegs, und wir wol-\nlen das Register derselben hier nicht noch vergrössern.\nEr hat sich aber seit Jahren mit Ausführung der Idee einer\nmusicalischen Encyklopädie getragen, und rechtfertigt sei-\nnen Beruf lür die Uebernahme eines solchen Werkes durch\n„ein ernstes, neigungsvolles, decennienlanges Studium al-\nler Zweige der Tonkunst und ihrer Literatur, die Kennt-\nniss der überwiegenden Mehrzahl der bedeutenderen musi-\ncalischen Werke Compositionen und Schriften aller\nZeiten (?) und verschiedener Völker, jahrelange theoreti-\nsche und praktische Erfahrung als musicalischer Schrift-\nsteller, Componist und Lehrer, vielfache und ausgebreitete\npersönliche und literarische Verbindungen mit einer gros-\nsen Anzahl bedeutender Capacitäten auf diesem Felde\".\nDas ist etwas viel gesagt, und wir wollen uns freuen,\nwenn der Verfolg des Werkes die Beweise dafür liefert.\nOhne die Berechtigung eines solchen Vertrauens auf die\neigene Kraft läugnen zu wollen denn ohne dasselbe ist\nüberall in Wissenschaft und Kunst nichts Bedeutendes zu\nleisten—müssen wir doch daran erinnern, dass ein Werk,\nwie das beabsichtigte nur durch einen Verein von tüchti-\ngen Kräften genügend hergestellt werden kann. Da nun\naber die Artikel, welche die uns vorliegende Lieferung\nenthält, weder mit Namen noch Namens-Chiffern unter-\nzeichnet sind, so wäre es sehr wünschenswerth gewesen,\ndass Herr Dr.Schladebach wenigstens einige der „bewähr-\nten Männer, welche ihre wesentliche Unterstützung wieder-\nholt zugesagt\", und derer, „die ihn bereits durch Rath\nund That unterstützt und sich dadurch ein unschätzbares\nVerdienst um die edle Sache der Tonkunst erworben\"\nwie es auf Seite 18 wörtlich heisst ,mit Namen genannt\nhätte, da es doch nicht wohl vorauszusetzen ist, dass alle\ndiese „hochverehrten Männer und theuren Freunde\" aus-\ndrücklich auf die Unsterblichkeit ihres Namens verzichtet\nhaben.\nWir müssen aufrichtig gestehen, dass bei dem unbe-\ndingten Schweigen, in welchem der Verfasser im Vor-\nwort über seine Mitarbeiter verharrt, uns die Nennung\nder vier berühmten Namen auf dem Titel blatte etwas\nsonderbar vorgekommen ist und fast wie ein glänzendes\nAushängeschild aussieht. Allerdings haben F. Liszt, H.\nMar sehn er, C. G. Reissig er, L. Spohr (wir führen\nsie in der alphabetischen Reihe an, wie sie auf dem Titel-\nblatte hinter den Worten: „Unter Mitwirkung der Herren\"\nu. s. w. stehen) in der musicalischen Welt grossen Ruf;\nallein wir wüssten nicht, dass die drei letztgenannten Mei-\nster jemals als Schriftsteller aufgetreten sind sie haben\nihr Leben lang mehr mit Tönen und Noten, als mit Wor-\nten und Luchstaben zu thün haben wollen, und haben so\nviel componirt und dirigirt, dass ihnen, auch wenn sie Ta-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3382, "texte": "lent und Neigung zum Schriftstellern gehabt, keine Zeit\ngeblieben wäre, dieser Neigung zu folgen. Franz Liszt,\ndiese gewaltige Ausnahms-Natur, hat allerdings den Trieb\nin sich gefühlt, jede Anlage, die in ihm keimte, zu ent-\nwickeln und damit in die Oeffentlichkeit zu treten; er war\nmit dem Ruhme des genialen Virtuosen, des tüchtigen\nComponisten für sein Instrument, für welches er Schöpfer\nganz neuer Behandlung*- und dieser entsprechender Schreib-\nArt war, nicht zufrieden: er wurde auch musicalischer\nSchriftsteller. Ob nun aber sein Name in dieser Ei gen-\nschaft so viel Gewicht habe, um einem Werke, welches\nvorzugsweise auch die Aesthetik der Tonkunst umfasst,\neine Bürgschaft für das zu geben, was Herr Dr. Schlade-\nbach zu einem der Hauptzwecke dieses Werkes macht:\n„die Musiker vom Fach, die Musikfreunde, die Gebildeten\nbeider Geschlechter, Eltern, Lehrer und Erzieher zu einem\nselbstständigen, wohlbegründeten Urt heile\nüber musicalische Erscheinungen und Leistungen zu be-\nhäbigen\" (S. 7 und 8), das müssen wir in Zweifel ziehen.\nJa, wir sind überzeugt, dass Liszt seine Ansichten über den\nso genannten Fortschritt in der Tonkunst, so wie er sie in\nden letzten Jahren sich angeeignet hat, bei keiner Art\nschriftstellerischer Arbeiten verstecken oder unterdrücken\nwird, weil er das weder kann noch will. Er dürfte dess-\nhalb mit dem Ausspruche des Dr. Schladebach: „Für die\ntheoretischen und praktischen, ja, grossentheils selbst für\ndie ästhetischen Artikel ist der Stoff ein vollkommen fest-\nstehender; denn das noch Streitige kann eine Encyklopädie\nnur historisch referirend geben\" keineswegs einverstan-\nden sein, Herr Schladebach müssle denn die Wagner-\nLiszt'sche Kunstlehre als „erheblich abweichendes und\nwirklich reeipirtes Resultat neuerer Forschungen\" (S. 15)\nanerkennen und ihr als solchem einen berechtigten Raum\nin seiner Encyklopädie zugestehen.\nWenn wir also trotz der grossen Hochachtung, welche\nwir vor den vier genannten Tonkünstlern haben, doch\nnur wenig von ihrer Wirksamkeit für das neue Universal-\nLexikon erwarten, so wird uns das wohl Niemand, und\nam wenigsten sie selbst, verargen.\nAus einer Bemerkung auf Seite 1 5 unten kann man\nauf den Schluss kommen, dass die Quellen der Artikel und\ndie speciellen Werke, welche benutzt sind, und in denen\nman das Einzelne weiter verfolgen und studiren kann, nicht\nangesehen werden sollen; sollte dem wirklich also sein, so\nÖ o\nmüssen wir den Verfasser darauf aufmerksam machen, dass\ndies ein grosser Mangel sein würde, indem eines der Haupt-\nverdienste eines encyklopädischen Werkes gerade das sein\nMuss, dass es die Brunnen, aus denen man tiefer schöpfen\nkann, überall genau bezeichnet.\nWas die Klage des Verfassers betrifft, dass der bio-\ngraphische Theil seines Werkes nicht so vollkommen gleich-\nmassig habe bearbeitet werden können, weil „bedauerlicher\nWeise so manche der direct und indirect ausgesprochenen\nWünsche um handschriftliche und sonstige Mittheilungen\nvon biographischen Materialien unbeachtet geblieben\", so\ndürfte die Schuld davon wohl grossentheils an dem Verfasser\noder dem Verleger liegen, da das beabsichtigte Unterneh-\nmen viel zu wenig bekannt geworden und z. B. in keiner\neinzigen rheinischen Zeitung eine derartige Bitte an die\nlebenden Tonkünstler zu lesen gewesen ist, obschon der\nVerfasser sagt: „er erlaube sieb, diese Bitte jetzt nochmals\nzu wiederholen\".\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-06-02-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-06-02_01#c002", "volume": "bmtnabi_1855-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "172", "page_fin": "172", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.2.2", "titre_corps": "Vorbeifliegende Gedanken.", "titre_sommaire": "Vorbeifliegende Gedanken.", "signature_source": "K", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.4", "debut_caractere": 3384, "fin_caractere_exclue": 4513, "texte": "Vorbeifliegende Gedanken.\nK.\nWas einer thun soll, das weiss Niemand als der Thä-\nter und Gott. Darum mühet euch nicht, dem Dichter seine\nBahn zu zeichnen; ist er wirklich einer, so findet er sie\n. * •\ntrotz allen* Lehrmeistern.\nDie kritische Zeit hat auf historischem Gebiete noch\nmanches Vorurtheil ztf brechen, so auch das von der Er-\nfindung der Melodie in Italien. Dasjenige eben,\nwas das Kernleben der Melodie ausmacht, das plastisch ge-\nbaute Thema in abgeschlossen rhythmischer Liedform, ist\nvon Alters her den Itaiiänern, wie allen Romanen, fremd\nund selten gewesen. Was die venetianischen Schiffer sin-\ngen, sind declamatorische Kecitative, nicht rund\nabgeschlossene Melodieen. Italiänr ■he alte Volkslieder\nim Sinne unserer plastischen Liedion bt es nicht; das\neinzige 0 sanctissimaist von sehr em Datum. Den al-\nten Tonschulen in Rom und Venedig gaben deutsche (nie-\nderländische) Meister den ersten Schwung in das neue Ge-\nbiet hinein, das wir melodisch nennen, und was die neuesten\nItaliäner Liebliches an Melodieen (nicht an geschlossenen\nVolksliedern) besitzen, ist durch deutsche Lehre und Bei-\nspiel vorgebildet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-06-02-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-06-02_01#c003", "volume": "bmtnabi_1855-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "172", "page_fin": "174", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.2.3", "titre_corps": "Aus Königsberg.", "titre_sommaire": "Aus Königsberg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.4", "debut_caractere": 4515, "fin_caractere_exclue": 4769, "texte": "Aus Königsberg.\nUeber clie Aufführung von H. üorn's Oper „Die Nibelun-\ngen\" geht uns folgender Bericht aus der Königsb. 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Die scenische Anord-\nnung des Drarna's muss hin und wieder als etwas beschrankt und\nungenügend erscheinen, besonders wenn man unter der Nachwir-\nkung des Nibelungenliedes vor diese Oper tritt unier solchen\nUmständen dürfte auch der Zuschauer seine eigene Phantasie zu\nbeschränken haben; denn das Gedicht regt diese so lebhaft an,\ndass sich dem Geiste Alles in ungeheuren Dimensionen darstellt,\nwie sie unmöglich auf eingeengten Bühnenräumen erwartet werden\nkönnen. Es ist besonders zu beklagen, dass der Kampf der Brun-\nhild mit Günther (oder vielmehr mit dem unsichtbaren Siegfried)\nhinter der Scene vorgehen muss [!] denn wozu man die einleiten-\nden Vorbereitungen auf der Scene sieht, das will man auch in der\nwirklichen Gestalt lebendiger That erleben; hier zieht obendrein\nnoch ein charakteristischer Tanz mit eigenartiger Musik von dem\nwichtigen Vorgange hinter der Scene ab. Der verhängnissvolle Kir-\nchengang im Nibelungenliede ist hier wesentlich umgewandelt,\nnicht ungeschickt zwar, doch etwas befremdend. Die Scene des\nMeuchelmordes wird immer und überall eine jähe, ganz unbe-\nschreiblich herzdrückende Wirkung machen, trotz aller Vorberei-\ntung und so war es auch hier. Die letzte Vernichtungs-Scene,\ndie im Liede wie eine Art Welten-Untergang wirkt, kann auf der\nBühne kaum anders als skizzenhaft zur Darstellung gebracht wer-\nden, wenigstens hier bei uns. Sonst bietet die Anordnung man-\nches sehr Gute, ganz abgesehen von aller Augenweide; die Hand-\nlang hat oft viel Zug: sie geht so zu sagen heiss vorwärts und\nspannt sehr, so z. B. in jenem Ehrenzwiste zwischen Brunhild und\nChriemhild; die zufällige Ankunft der Hunnen unmittelbar nach\ndem Rache- nnd Hülfe-Rufe der Chriemhild, bei der Meuchelmord-\nScene, ist eine vortreffliche Anordnung zu nennen.\nDie Charakteristik ist in Brunhild und Chriemhild wohl am ge-\nlungensten, wenigstens prägen sich die Gegensätze vortrefflich aus,\nund wird darum auch das Verhältniss der beiden Frauen dem Ge-\nfühle vollkommen verständlich. Günther macht einen matteren\nEindruck (wie ja auch im Liede), seiner Unselbstständigkeit wegen\ngibt er doch im entscheidenden Momente (des Kampfes mit und\num Brunhild) sein eige es Ich auf! Hagen ist etwas unthätig ge-\nhalten; er ist die übertriebene Treue selbst und vollführt nur das\nEntsetzliche. Die Uebrigen, auch der gewaltige Fiedler Volker\nund der tapfere Dankwart, treten sehr in Schatten. Die Verse\ndes Textes bieten höchstens Gutes (Verständiges), aber wenig Schö-\nnes; aus dem Nibelungenliede sind hier und da Verse genommen\nund gut verwebt.\nDie Musik von unserem königsberger Stadtkinde, jetzigen ber-\n*\nliner Hof-Capellmeister, Heinrich Dorn ist eine sehr würdige und\nfür Eingeweihte vielleicht treffend bezeichnet mit „tüchtig im Sinne\nhalbüberwundenen Standpunktes\". Die Tüchtigkeit ist hier aber in\neinem weiteren Begriffe zu fassen; die Musik ist nämlich nicht\nbloss brav, was die specifisch musicalische Form betrifft, sondern\nauch dramatisch beseelt und in einem Geiste gehalten, der den\nComponisten schon um seiner künstlerich höchst achtungswerthen\nIntentionen willen ehrt. Sowohl die Form als auch der Geist las-\nsen jedoch jene Frische vqfmissen, die nur eine künstlerische Ju-\ngend (wie solche oft Alfen mehr eigen ist, als Jungen) verleiht und\nauf den Zuhörer selbst verjüngend wirkt. Es ragt hier und da auch\nwohl der neue Geist in die Oper hinein und färbt so Manches\nrosiger bringt aber doch auch eine gewisse Uncntschiedenheit\nin das Wesen des Werkes als Ganzes, zumal da, wo alte Form\nund neuer Geäst, neue Form und alter Geist zeitweilig in einander\ngerathen und natürlich quer zu stehen kommen. Wir haben zu-\nweilen poetische Begeisterung in der Musik vermisst und auch\nwahrhaft produetive Phantasie, doch auch wieder von allem dem\nin den hervorragendsten Scenen etwas gefunden. Die Instrumen-\ntation zeigt in jedem Tacte den Eingeweihten in alle Orchester-\nGeheimnisse; säe ist brillant, doch auch charakteristisch und (für\nsolche, die vernünftiger Weise die unmittelbare Orchesternähe mei-\nden) auch maassvoll. Die Instrumentation Dorn's steht der Jetzt-\nzeit näher als seine Melodik. Grosse Freude hatten wir an einigen\nPartieen wegen ihrer eigenartigen, in der Erfindung beruhenden\nCharakteristik; die Musik bewegt sich oft genau in einer solchen\nGefühlsweise, wie sie uns überkommt, wenn wir die Nibelungen\nlesen; die Personen werden dadurch merkwürdig belebt. Der Tanz\nder seeländischen Schildjungfrauen im ersten Acte in seinem wild-\nerregten Wresen und markirten Rhythmus wurde bereits Anfangs\nerwähnt; ihm gegenüber steht ein ebenbürtiges Tanz- und Chor-\nstück zu Anfang des vierten Actes; diese Musik (in H-moll) mi:\nihren famosen Bässen erfüllt uns noch sie passt vortrefflich zu\nden Hunnenmenschen, wie man sich solche denkt.\nDer Anfang der Ouvertüre ist schön in den eingreifenden Ac-\ncorden, doch die Melodie später ist eine nur wenig reizende\nPhrase; die Form der Ouvertüre ist frei, kurz und von guter Hal-\ntung, gleichsam nur Einleitung. Das Quintett: „Des Kampfes ernste\nStunde naht'4, gefiel mit Recht; die Arie des Günther zu Brunhild:\n„Herrsche denn im Reich der Liebe44, wünschten wir (weil sie zu\ngedehnt und melodisch ohne Reiz ist) gestrichen. Volkers Lied mit\nChor: „Wenn hoch ich auf der Halde stehe44, macht guten, bele-\nbenden Eindruck. Die Scene der Spannung zwischen den zwei\nFrauen (im zweiten Acte) ist eine der gelungensten des Compo-\nnisten; er hat darin den richtigen Ton getroffen, der beide Indivi-\ndualitäten in das rechte Licht stellt. Das Talent, zu charakterisi-\nren, welches Dorn in vielen seiner veröffentlichten kleineren Lieder\nund Chor-Compositionen an den Tag legte, bethätigt sich überhaupt\nvielfach auch in diesem seinem grössten Werke.\nEin hübscher musicalischer Zug findet sich in der Strophe der\nBrunhild an Günther gerichtet: „Chriemhildens Wort geht in die\nLande44, singt sie und ihre rhythmisch eifrige Melodie wird der-\nmaassen von den Bässen imitirt, dass das Weiterlaufen einer neuen\nMähr im Volke dadurch frappant versinnlicht wird. Die schönste\nMusikstelle möchten wir im Schlüsse des zweiten Actes erkennen:\nSiegfried und Chriemhild nehmen da rührend Abschied von einan-\nder, in Tönen voll grösster Innigkeit der Liebe. Siegfried's Arie\nzu Anfang des dritten Actes ist wieder etwas langweilig ihre\nMelodik ist verblasst und abempfunden. Die schauerliche Scene an\nder Quelle ist voll ausdrucksvoller Musik und wieder erfreute\nuns hier ein schöner musicalisch-charakteristischer Zug, da, wo im\nSterben des gemordeten Siegfried der Mörder Hagen in sein Hift-\nhorn bläs't; sein Jagd-Signal verhält sich nämlich harmonisch"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1778, "texte": "dissonirend zu dem forldauernd aufgehaltenen Grundtone von\nSiegfried's letztem Worte: „Verralh\"; die dadurch hervorgebrachte\nStimmung fühlt sich wie ein Riss durch die ganze Welt an\nwollte man auch nur die innere Welt moralischer Anschauung\ndarunter verstehen. Der Verlauf dieser Scene ist überhaupt sehr\nausdrucksvoll musicalisch wiedergegeben; die darauf folgenden\nChor-Verse, welche die That Hagen's „recht\" nennen, hätten wir\ndumpfer im Tone erwartet. Vortreffliche Ensembles und son-\nstige Stücke von musicalischem Interesse (doch wenig sinnlicher\nSchönheit) gibt es ausser den citirten noch manche doch gehen\nwir jetzt zu einer kurzen Betrachtung der Ausführung über.\nDiese wurde durch splendide Ausstattung in Decorationen und\nCostumen sehr gehoben, hatte aber ihre Haupttugend in einem\nvortrefflichen Zuge voll so vieler Sicherheit und Präcision, wie man\nsie bei ersten Aufführungen so schwieriger Werke sehr selten er-\nlebt: es sei dafür unserem Capellmeister Marpurg im Namen\ndes fernen Componisten ein herzlicher Dank gebracht, der auch\ndem ganzen darstellenden Personale, wie auch gleicher Weise dem\nChore und Orchester gebührt. Die Beneficiantin Fräul. Carl war\neine vorzüglich gute Chriemhilde; ein inniges, sympathisches Ver-\nständniss leuchtete aus jedem Momente ihrer bedeutenden Partie\naufs wohlthuendste hervor: sie gab die Liebes-Scenen mit Siegfried\nvoll so warmen Ausdrucks und die leidenschaftlichen Scenen dage-\ngen so scharf charakterisirt, dass das Publicum mit Recht enthu-\nsiastische Beifalls-Bezeugungen spendete. In dem erwähnten, schön\ncomponirten Abschiede von Siegfried und in jenem Momente schwe-\nrer Selbstverläugnung, wo sie sich aus Liebe zu ihrem Gatten vor\nihrer Feindin demüthigt, war Fräul. Carl fast über jedes Lob\nerhaben. (L. Köhler.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-06-02-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-06-02_01#c004", "volume": "bmtnabi_1855-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "174", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.2.4", "titre_corps": "Aus Hamburg.", "titre_sommaire": "Aus Hamburg.", "signature_source": "gr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.6", "debut_caractere": 1780, "fin_caractere_exclue": 5389, "texte": "Aus Hamburg.\ngr.\n[Weiterer Bericht von Theaterwirren.]\nDie „Muster-Vorstellungen\" des Herrn Sachse haben Statt ge-\nfunden, und Alle „hoffen\", dass er ohne Geldverlust davon gekom-\nmen. Die Art, wie sie gegeben und wie sie aufgenommen wurden,\nist für den Stand der Verhältnisse überaus bezeichnend; man ist\ngänzlich unselbstständig und lobt, was man loben hört, oder, rich-\ntiger, was dem eigenen Interesse nicht im Wege zu stehen scheint.\nVon Interessen der Kunst keine Spur, sonst hätte das Lächerliche\ndieser Muster-Vorstellungen nicht unbemerkt bleiben können. Das\ngrösste Stadttheater macht Bankerott und geht aus einander, ein\nTheater-Agent aber gibt mit dem Reste und mehreren zusammen\ngebettelten Sängern hinterdrein „Muster-Vorstellungen\"! Schon das\nSchicklichkeits-Gefühl hätte davon abhalten und keinen namhaften\nSänger bewegen sollen, mitzuwirken. Etwas Anderes wäre es ge-\nwesen, wenn die auswärtigen Grössen, auf jedwedes Honorar ver-\nzichtend, sich zu einigen Vorstellungen hier vereinigt hätten, um\ndem hier gebliebenen niederen Theater-Personale einige Unter-\nstützung zu gewähren; das hätte sich wohl geschickt und wäre ein\nsehr erfreuliches Werk gewesen. Aber davon war nirgends die\nRede. Vielmehr ging Alles darauf hinaus, die Sache so markt-\nschreierisch wie möglich anzulegen, um das Publicum so vollstän-\ndig wie möglich auszupumpen*). Also stand auf den Zetteln mit\nfetten Lettern: „Bei festlich erleuchtetem Hause.\" Wo blieb denn\ndas Fest? und wer macht festliche Beleuchtung, wo kein Fest ist?\nDoch Wenige nur schienen das Lächerliche eines solchen leichtsin-\nnigen Trödels wahrzunehmen. Die beste Vorstellung war Figaro,\nwenigstens für meinen Geschmack; und doch hat mich derselbe\ntheure Figaro auf einem kleinen Hoftheater bei nur mässigen Kräf-\nten siebenmal so sehr erfreut, als hier, denn da war Liebe, Har-\nmonie, Bekanntschaft der Spieler mit einander, Freude an der Sache\nhier aber war mir's immer, als ob jeder der vornehmeren Sän-\nger sagte: „Ich bin der Mann!\" Die Aufführung von Norma soll\nmisslungen sein; ich war nicht zugegen. Wer aher am 9. Mai den\nFidelio mit dem Ballet „Gisela\" zum Schluss gehört und gesehen hat\nund nicht zerknirscht nach Hause gegangen ist, dem wünsche ich\nbaldige Besserung. Bevor die Theater-Mitglieder selbst nicht den\nLeichtsinn ablegen, dagegen Gemeinsinn für die Brüder, Ernst für\nKunst und Leben zeigen, werden sie die geschwundene Theilnahme\ndes Publicums nicht wiederkehren sehen. Sonst muss anerkannt\nwerden, dass bei den städtischen Verwaltungs-Behörden alle Will-\nfährigkeit vorhanden ist, dem Stadttheater aufzuhelfen. Die Ober-\nalten und Sechsziger sträuben sich am meisten und lehnten den\nAntrag des Senates am 9. Mai ab; trotzdem soll am 30. Mai die-\nselbe Angelegenheit vor die Bürgerschaft gebracht werden. Der\nAntrag geht dahin, das Theater-Gebäude für 165,000 Mark spee.,\ndas Inventar für 33,000 Mark zu übernehmen, jährlich 10,000 Mark\nan die Pensions-Casse zu zahlen und für die Actionäre das Abon-\nnement um 25 pCt. zu ermässigen. Einige der Sechsziger waren,\nwie wir hören, nur desshalb dagegen, weil diese Bewilligungen für\ndie Existenz der Bühne nicht ausreichend seien, mit anderen Wor-\nten: weil das Stadttheater dadurch wesentlich um nichts besser\nwürde, als in den Händen eines Unternehmers. Das ist auch meine\nunmaassgebliche Meinung.\nHamburg, den 23. Mai 1855.\n*) Ein J. Krüger, Poet, führte hier unlängst eine vieractige Ge-\nsang-Posse auf, die er selber gebacken; dazu Schiller's Lied\nvon der Glocke in Romberg's Musik, mit Declamation und\nlebenden Bildern begleitet! Alles bloss, um „ein volles Haus\"\nzu machen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-06-02-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-06-02_01#c005", "volume": "bmtnabi_1855-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "175", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.2.5", "titre_corps": "Haydn’s Jubelfeier.", "titre_sommaire": "Haydn’s Jubelfeier.", "signature_source": "v. 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Licht ward's. Dem Rufe beben\nDie dunkeln Schatten, reissen, schwinden, fliehen!\nEin Jubelruf: „Hoch soll der Meister leben!\"\nDa weint der Greis, und seine W7angen glühen;\nBegeistert streckt zum Himmel er die Hände:\n„Nicht ist es Frucht vom menschlichen Bemühen,\nGott gab mir's ein, dass ich es recht vollende!\"\nDas sagt der Blick, die Hand, des Kopfes Sinken.\nDoch Frauen-Engel eilten stets behende\nIhm sass zur Rechten einer, zwei zur Linken —,\nIhn aufzuheitern freundlich mit Gespräche,\nSobald ihm Thränen in den Augen blinken,\nDass nicht das Herz ihm noch vor Wonne breche,\nDass nicht der Wehmuth Gluthen ihn verzehren,\nDass Tod sich nicht am Neuverjüngten räche.\nNun hörten wir die Welt sich neu gebären.\nWild braus't der Sturm, der Blitz entfährt den Lüften,\nUnd Donner soll uns Gottes Allmacht lehren.\nAuf ihren Wink versinkt in tiefen Grüften\nDer Ocean, muss so dem Lande weichen,\nUnd Ströme rauschen her aus Bergesklüften.\nGott lässt den Bach durch Thale rieselnd schleichen,\nBeblümtes Grün sich über Matten breiten,\nDer Gedern Pracht bis an die Wolken reichen.\nJetzt steigt herauf in unermess'nen Weiten\nDie Sonn' im hellen Glänze goldner Strahlen,\nDen Lauf der Jahre froh und stolz zu leiten.\nLeisathmend schaut Gewölke magisch malen\nDie stille Nacht, den Mond mit Silberscheine;\nUnd Sterne funkeln ha, wer zählt die Zahlen?\nDer Engelchöre leuchtende Gemeine\nGrüsst jeden Schöpfungstag mit Lobgesange\nW7er ist so hart, dass er vor Lust nicht weine?\nDer Greis erliegt so vieler Wonnen Drange.\nDrum zart besorgt beschliessen klug die Frauen:\nGenug hab' er gehorcht dem Zauberklange.\n0, hätt' ich tausend Augen nun, zu schauen!\nSeht, winkend will der Vater Küsse spenden\nDen Künstlern, die er lässt in finstern Auen,\nIndess er bald sich wird zum Lichte wrenden.\nDoch diese, von des Tongerüstes Höhen,\nSieht weinend man ihm Gegenküsse senden.\nBeethoven's Kraft denkt liebend zu vergehen,\nSo Haupt als Hand küsst glühend er dem Greise:\nDa wogte hoch mein Herz vor Lust und Wehen.\nSo fühlten Tausend auf die gleiche Weise,\nAls sie den Meister mit dem Sitze hoben\nUnd weg ihn trugen aus der Freunde Kreise.\nLaut hörte man des Lebewohles Toben,\nGeklatsch und Mitleidsruf zum Himmel dringen;\nEr aber wandte seinen Blick nach oben\nUnd dachte so sein volles Herz zu zwingen;\nDoch aufgeregt will sich der Sturm nicht legen\nUnd reisst ihn fort. Umsonst ist all sein Ringen.\nRasch sieht man vorwärts sich den Greis bewegen;\nUnd als er nun der Pforte nah gekommen\nAus streckt er seine Hand zum Vatersegen!\nUnd Alles weint! Wohl wird er nie mehr kommen!\nWien, 1808,\n\nv. 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Niederrhein ische Musikfest ist an den Pfingst-\ntagen, den 27., 28. und 29. Mai, in Düsseldorf unter Ferdi-\nnand Hiller's Leitung auf eine äusserlich sehr glänzende und\nauch in künstlerischer Beziehung höchst gelungene Weise gefeiert\nworden. Von grossen Werken wurde am ersten Tage J. Haydn's\nSchöpfung, am zweiten R. Schumanns Paradies und\nPeri, ferner am ersten F. Hiller's Sinfonie in E-moll, am\nzweiten Beethoven's C-mo/Z-Sinfonie aufgeführt. Ueber das\nEinzelne behalten wir uns den Bericht vor. Für heute wollen wir\nnur erwähnen, dass das Chor- und Orchester-Personal über 800\nMitwirkende zählte, einschliesslich den Dirigenten und den Chor-\nDirector Herrn J. Tausch. Der Chor bestand aus 274 Sängerin-\nnen und 377 Sängern; im Orchester waren sämmtliche Bogen-In-\nstrumente so vorzüglich besetzt, wie wir sie noch nie gehört haben\n(65 Violinen, 29 Bratschen, 25 Violoncells und 14 Contrabässe),\nund diese Masse erzeugte durch vortreffliche künstlerische Be-\nhandlung der Instrumente einen Saitenklang von Fülle, Reinheit\nund Kraft des Tones, der in den Sinfonieen und Ouvertüren, und\ndann auch namentlich in der Schöpfung eine so gewaltige Wirkung\nhervorbrachte, dass diese allein die ausserordentliche Wichtigkeit\ngrosser Musikfeste für die Kunst auf schlagende Weise darthat,\nselbst abgesehen von der Macht der Chöre, welche ebenfalls und\nbesonders von den aus Frankreich und England hier anwesenden\nKünstlern und Kunstfreunden angestaunt wurde. Denkt man sich\ndazu den unvergleichlichen Gesang von Jenny Goldschmidt-*"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5574, "texte": "Lind, so wird man die aufgeregte Stimmung und die Begeisterung\nbegreifen können, von welcher eine Masse von 3000 Menschen,\nMitwirkende und Zuhörer, ergriffen war. Der Saal, eine im Geis-\nlerschen Garten vor einigen Jahren erbaute Tonhalle, hatte 1760\nSitzplätze, welche stets vollständig besetzt waren; ja, am dritten\nTage wurden ausserdem noch an 400 Stehplätze verkauft. Seine\nKönigliche Hoheit Prinz Friedrich von Preussen und meh-\nrere hohe fürstliche Personen verherrlichten das Fest durch ihre\nGegenwart, und ein wahrer Congress von Künstlern hatte sich nicht\nbloss als Mitwirkende, sondern auch als Zuhörer eingefunden. Un-\nter den letzteren haben wir unter Anderen bemerkt: Th. Gouvy\nund St. Heller aus Paris, Ghorley aus London, E. Naumann\nund Steifensand aus Berlin, Dr. Hanslick aus Wien, Fr.\nLachner aus München, F. Liszt aus Weimar, Verhülst aus\nRotterdam, Kufferath aus Utrecht, Prof. Jahn aus Bonn, Dr.\nHärtel aus Leipzig, C. Over weg aus Naumburg, Gredener\naus Hamburg, Krolmann aus Oldenburg, Mühling aus Magde-\nburg, Joachim aus Hannover, Frau Clara Schumann aus\nDüsseldorf, Brahms, Mangold aus Darmstadt, G. Flügel aus\nNeuwied, Lenz aus Coblenz, C. Reinecke aus Barmen, Wil-\nhelm aus Crefeld, von Turanyi und Ackens aus Aachen,\nWein brenn er und H. Schornstein aus Elberfeld, E. Frank,\nRein thaler, Breun ung aus Köln u. s. w.\n•[ Berlin. Die neue Verwaltung des Kr oll'sehen Etablisse-\nments scheint vorläufig an dem Alten mit Liebe zu hangen. Das\nwollen wir ihr nicht verdenken, da die alten Lustspiele, welche sie\nbringt, meist gut sind und besser als sonst aufgeführt werden. Man\nmerkt die Hand eines tüchtigen Regisseurs, der auf ein richtiges\nZusammenspiel hält. Die Rollen sind durchaus gut besetzt, und auch\ndie neu engagirten Mitglieder scheinen sich zu bewähren. Dennoch\nglauben wir, dass die Direction gut thäte, nach und nach mit eini-\ngen Novitäten aufzutreten, weil einmal das Publicum stets das Neue\nliebt Um einiger Maassen diesem Wunsche zu genügen, hatte die\nVerwaltung die Familie Brousil zu einem Gastspiele engagirt.\nWir haben schon einzelne Wunderkinder in Berlin gehört, aber\nnoch nicht eine ganze Wunderfamilie. Das kleine Orchester gewährt\neinen eigenthümlichen Genuss. An der Spitze desselben steht die\ndreizehnjährige Violin-Virtuosin Bertha Brousil. Ein liebliches\nMädchen mit holdem Kindergesichte erscheint im einfach weissen\nKleidchen. Wir sind auf ein kindliches oder kindisches Spiel ge-\nfasst, aber schon die ersten Bogenstriche verrathen eine Sicherheit\nund eine Festigkeit, welche weit über ihre Jahre hinausgeht. Die\nGestalt wächst zusehends, und in den zarten Zügen thut sich ein\nwunderbarer Ernst kund. So spielte sie eine Phantasie von Vieux-\ntemps unter rauschendem Beifall. Sobald sie den letzten Bogen-\nstrich gethan und ihren Knix gemacht, hüpft sie davon, ein Kind,\nwie alie anderen Kinder. Bald erscheint sie wieder in Begleitung\nihrer vier jüngeren Geschwister* Kaum reichen diese zu den klei-\nnen Pulten auf. Der winzige Gapellmeister gibt das Zeichen, und\ndas Concert beginnt von Neuem. Auf Miniatur-Geigen, Bässen und\nGellos spielen die kleinen Virtuosen mit ihren kleinen Bogen und\nHändchen so gut wie die Grossen. Ein Männchen, vier Käse hoch,\ndirigirt, und sein noch jüngeres Schwesterchen spielt die zweite\nGeige und guckt so ernsthaft auf ihr Notenblatt, dass man unwill-\nkürlich lächeln muss. Es ist gerade so, als ob sich eine kleine\nElfenschar zusammengefunden hätte, um ein Geister-Concert aufzu-\nführen. Jeden Augenblick erwartet man, dass die ganze Gesellschaft\nihre verborgenen Flügel entfalte und davon fliege.\nIn den ersten Tagen des Mai hat der Pianist Herr Bratfisch\nin Stralsund ein Concert gegeben, dessen Ertrag den Verun-\nglückten an der Weichsel bestimmt war. Der Künstler trug zuerst\nein Quintett von Rob. Schumann vor, wobei Herr M.-D. Fischer\nund die Herren Herr mann, Prüknow und Voss die Partie\nder Streich-Instrumente ausführten. Dieses Musikstück und im zwei-\nten Theile das Concertstück in F-moll von Weber fandenden\nlebhaftesten Beifall. Besonders in dem letzteren hatte der Künstler\nGelegenheit, die glänzende Fertigkeit seines Spiels mit geistvollem\nVortrag zu verbinden. Das Concert würde noch zahlreicher besucht\ngewesen sein, wenn nicht schon Bazzini für die nächsten Tage\nsein Concert angekündigt gehabt hätte. Dieser Virtuose erwarb sich\nauch in Stralsund die Anerkennung, die er überall gefunden, und\nam 15. Mai fand schon sein zweites Concert Statt.\nBrauns cliweigr. Die „Deutsche Reichszeitung4* schreibt vom\n23.Mai: „Wir haben die traurige Pflicht, den am gestrigen Abend\nerfolgten Tod des herzoglichen Hof-Capellmeisters Georg F. Mül-\nler zu berichten. Die Capelle verliert an ihm einen ausgezeichne-\nten Dirigenten, und, was noch schmerzlicher ist, das berühmte\nQuartett der Gebrüder Müller ist nun durch diesen frühzeitigen\nTod zerrissen.\"\nDer Pianist Herr Goldschmidt und seine Gemahlin, Frau\nG old schmid t-Li nd, werden die nächste Zeit in Bad Ems\nzubringen.\nIPrankfiirt a+ M. Unser Theater-Interim hat nichts weniger\nals Grund, mit den Einnahmen zufrieden zu sein. Jeder, der den\nStatt gehabten Umtrieben und Gehässigkeiten fern steht, fragt sich :\nWas soll daraus werden? War gleich Herr Hoffmann nicht der\nrechte Mann zur Führung des Theater-Geschäftes, so war er doch\nvertragsmässig verpflichtet, auch in dem schwierigen Augenblicke\ndas Ganze über Wasser zu halten. Einige Mitglieder der Oper sind\nschon von der Sache zurückgetreten und haben sich entfernt; das\nComite ist bestrebt, die Lücken durch Gäste auszufüllen. Wird das\ndrei Monate lang gelingen ?"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.1", "texte": "Universal-Lexikon der Tonkunst\nvon\nDr. Julius Schladebach.\nEs liegt uns die erste Lieferung eines »neuen Uni-\nversal-Lexikons der Tonkunst\" vor, „für Künst-\nler, Kunstfreunde und alle Gebildeten unter Mitwirkung\nvon Dr. Franz Liszt, Dr. 11. Marschner, C. G. R e i s-\nsiger, Dr. L. Spohr u. s. w. u. s. w. bearbeitet und\nherausgegeben von Dr. Julius Schladebach, Mitglied\nder Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, der\nGesellschaft für deutsche Sprache zu Berlin u. s. w. Mit\nStahlstichen.\" Dresden, Verlag von Robert Schäfer,\n1855. April. Gr. Bvo.\nUeber die vorhandene Literatur der Werke ähnlicher Gat-\ntung und die Nothwendigkeit einer neuen Arbeit dieser Art in\nunserer Zeit spricht sich der Verfasser folgender Maassen aus:\n„Die Idee eines derartigen encyklopädischen Werkes\nüber Musik kann an und für sich allerdings Anspruch auf\nNeuheit nicht mehr erheben. Schon seit anderthalb Jahr-\nhunderten hat man sie mit mehr oder weniger Glück und\nGeschick von den verschiedensten Standpunkten aus und\nlür die verschiedenartigsten Bedürfnisse auszuführen ge-\ntrachtet. Das in dieser Beziehung gar praktische Frankreich\nist zu seiner Zeit darin vorgegangen, und das\nde Musique von Seh. de Brossard vom Jahre 1703, dem\nmehr als ein halbes Jahrhundert später Rousseau's wohl-\nbekanntes und in den ästhetischen Artikeln vorzugsweise\nwerthvolles Werk unter gleichem Titel folgte, darf als die\nGrundlage aller späteren ähnlichen Schriften angesehen wer-\nden, zu denen für Frankreich namentlich noch die ganz nach\nRousseau bearbeitete Encyclopedie (?)\nvon und Ginguene gehört. Deutschland liess dann\nnicht lange auf sich warten und brachte in J. G. Wal-\nther's musicalischem Lexikon (1732) das erste\nwahrhaft bedeutende Werk dieser Gattung, dem sich die\nspäteren bis auf die neue Zeit zu schuldigem Danke ver-\npflichtet bekennen müssen, und das, was ausschliesslich den\nbiographischen Theil betrifft, von dem wackeren E. L.\nGerber in seinem (alten und neuen) Lexikon der\nTon k ü n sll e r bis in den Anfang des gegenwärtigen Jahr-\nhunderts sorgfältig fortgeführt worden. England brachte\ndas Musical Dictionary von James Grassineau (1740)\nmit vorzugsweiser Benutzung des schon angeführten Wer-\nkes von Brossard und sodann des berühmten\nBusby complete Dictionary (1801), während\nItalien erst im zweiten Viertel unseres Jahrhunderts durch\neinen Deutschen, Peter Lichtenthai, etwas Bedeuten-\ndes auf diesem Gebiete in dem sehr sorgfältig gearbeiteten\nDizionario e BibUograßa della Musica (1826) erhielt. Se-\nhen wir von den allgemeinen encyklopädischen Werken, in\ndenen die Musik nur accessoriseh behandelt wurde, eben\nsowohl als von den kleinen, für ganz specielle Zwecke ver-\nfassten derartigen Schriften ab, die zumeist nur einem mo-\nmentanen Bedürfnisse genügen konnten und wollten, und\nstets von relativem, wo nicht von sehr untergeordnetem\nWerthe waren, so ist dann, als in diesen Kreis der Lite-\nratur gehörig, nur des fleissigen Hrch. Chrph. Koch\nMusicalisches Lexikon (1802) als werthvoll und\nfür seine Zeit zweckentsprechend zu nennen, und es war\nin der That zu verwundern, dass man länger als drei De-\ncennien hindurch, einige schwache und unbedeutende Ar-\nbeiten abgerechnet, damit sich begnügte, da gerade wäh-\nrend dieser Zeit- das Bedürfniss einer encyklopädisch-über-\nsichtlichen Behandlungsweise der Wissenschaften und\nKünste Behufs ihrer Popularijirung für die unabweislichen\nAnforderungen der Gegenwart nach allgemeiner Bildung\nsich immer lebhafter fühlbar machte.\n„Aber auch später sind der betreffenden Werke, so-\nweit sie den Namen einer musicalischen Encyklopädie vom\nhöheren wissenschaftlichen Standpunkte aus wirklich bean-\nspruchen können und nicht bloss einzelne, mehr oder min-\nder untergeordnete Bedürfnisse befriedigen oder sich auf\nBehandlung specieller Zweige beschränken, überhaupt nur\nsehr wenige erschienen, und diese entsprechen aus man-\ncherlei Gründen dem vorhandenen Bedürfnisse überhaupt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.2", "texte": "nicht oder entsprechen demselben doch jetzt nicht mehr,\noder sie sind schwer, vielleicht im Wege des Buchhandels\ngar nicht mehr zu erlangen, sind entweder zu mager oder\nzu voluminös und kostspielig, wohl gar auch von vorge-\nlasster Ansicht, von veraltetem Vorurtheil und persönlicher\nZu- oder Abneigung dictirt, und entbehren sonach eines\nder wesentlichsten Requisite einer derartigen Encyklopädie,\nnämlich der vollen, für die Gegenwart natürlich auf das\nblosse Referat sich beschränkenden Unbefangenheit der An-\nschauung und Unparteilichkeit der Darstellung, mit welcher\ndoch das strenge Festhalten an den gesunden ästhetischen\nGrund-Principien der Tonkunst sich überall recht wohl\nvereinigen lässt, wenn man die erforderliche Ruhe, die in\nder Schule des Lebens gereifte Erfahrung und den redli-\nchen Willen besitzt, sich zu wirklicher Objectivität der Be-\ntrachtung zu erheben. Haben wir hier die betreffenden\nSchriften J. E. Häuser's und A. Gathy's, als zum Theil\njetzt veraltet oder ungenügend*), und des überaus trefflichen,\naber sehr kostspieligen und überwiegend nur biographi-\nschen Werkes des gelehrten F. J. Felis: Biographie uni-\nverselle des Musiciens et bibliogr\nsique, dessen erster Band auch schon vor zwanzig Jahren\nerschienen ist, als speciel in den Kreis wirklicher und um-\nfassender musicalisch-encyklopädischer Werke nicht oder\ndoch nur als secundäre Hüllsmittel gehörend, zu übergehen,\nso bleibt nur noch zu erwähnen Dr. G. Schilling's En-\ncyklopädie der gesammtenmusicalischenWis-\nsenSchäften, das umfangreichste und weitläufigste aller\nauf diesem Gebiete erschienenen Werke, wenn auch kei-\nneswegs, wie der Verfasser im Vorworte bescheiden zu be-\nmerken sich veranlasst fand, das „ „ersteseiner Art\"a —viel\ndes Tüchtigen aus der Feder bewährter Mitarbeiter, aber\nauch viel Unklares in weitschweifiger Gespreiztheit, Unbe-\ndeutendes und Uebertlüssiges, nur um der persönlichen\nVorliebe des Herausgebers willen Aufgenommenes, und\neine Menge falscher, aus flüchtigster Bearbeitung hervorge-\ngangener Daten enthaltend. Wunderlich genug ist's jeden-\nfalls, wenn ein derartiges Werk z. B. zwei verschiedene\nBiographieen Meyerbeer s bringt, in denen das Urtheil über\nden Componisten und seine Leistungen so schnurstracks\nsich widerspricht, dass die eine ihn gänzlich verwirft, wäh-\nrend die zweite nicht Ruhm und Lob genug auf ihn häufen\nzu können scheint. Vielleicht soll das ein Beweis von Un-\nparteilichkeit sein; allein mit dieser eigentümlichen Art\nderselben muss doch unbedingt der Leser vollkommen irre\ngeführt werden, der das Recht hat, hier eine sichere, wohl-\n*) Von Gathy erscheint jetzt eine neue Ausgabe. Die Red.\nbegründete Anleitung zu eigener Klarheit und Bestimmtheit\ndes Urtheils zu suchen und zu verlangen. Ueber die viel-\nfache, durch Oberflächlichkeit, Flüchtigkeit oder Extrava-\nganz des Herausgebers entstandene Mangelhaftigkeit des\nWerkes, das an und für sich natürlich viel dankenswertes\nMaterial bietet, hielt selbst der eigene Verleger im Vor-\nworte des Nachtrags zum Supplementbande, dessen Bear-\nbeitung er desshalb sogar in andere Hände zu legen sich\nveranlasst fand, sehr verständliche Andeutungen zu geben\nfür unerlässlich. Aber selbst davon abgesehen, ist das Werk\nzu voluminös und durch die zwei Nachträge für den Ge-\nbrauch sehr unbequem geworden, überdies natürlich nicht\nmehr im Niveau der Gegenwart (der erste Band erschien\nschon vor zwanzig Jahren, und auch die Nachträge schlies-\nsen eigentlich mit dem Ende des dritten Jahrzehends un-\nseres Jahrhunderts ab), während sich gerade in den letzt-\nverflossenen beiden Decennien auf dem Gebiete der Ton-\nkunst eine eigenthümliche, tief eingreifende Bewegung und\nGährung gezeigt hat, deren Kenntnissnahme kein Gebilde-\nter, am wenigsten der Musiker, sich entziehen kann und\ndarf, wenn auch das definitive Urtheil über Werth und Be-\ndeutung derselben, da die Uebergangs-Periode nicht vor-\nüber und die vollständige Abklärung noch bei weitem nicht\nvollendet ist, natürlich für jetzt noch suspendirt und späte-\nrer Zeit die gerechte historische Würdigung vorbehalten\nbleiben muss. Allein setzen wir dies alles bei Seite, so\ntritt hier noch der Umstand ein, dass dieses Werk\nschon seit längerer Zeit vollständig nicht\nmehr im Buchhandel zu haben ein bei seinem\nsehr hohen Preise um so deutlicherer Beweis, wie gross\nund allgemein gefühlt das Bedürfniss nach derartigen Ar-\nbeiten ist. Allerdings hat man dem letzterwähnten Mangel\ndurch das von Dr. Gassner (1847) herausgegebene Uni-\nvers a 1 -L e x i k o n der Tonkunst in Einem Bande, das\neinen Auszug (und gewisser Maassen eine zweite Auflage)\nder Schilling'schen Encyklopädie bildet, abzuhelfen versucht\nIndess ist dies auf eine so ungenügende Weise geschehen,\ndass auch dieses Werk dem Bedürfnisse nur sehr wenig\no\nentspricht. Der (nunmehr verstorbene) Herausgeber klagt\nstets über Mangel an Raum und ergeht sich dabei doch oft\nin einer breiten Redseligkeit über ganz unbedeutende Dinge,\nfügt höchst überflüssige, in einem derartigen Werke gar\nnicht gesuchte, rein individuelle und zur Sache nicht gehö-\nrige Bemerkungen bei, hat sich von persönlicher Vorliebe\nfür gewisse Dinge und Personen keineswegs frei zu halten\nund auf den rein objectiven Standpunkt sich nicht zu stel-\nlen gewusst, verweiset nicht nur in Betreff ausführ-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.3", "texte": "lieh er er Belehrung, sondern in Betreff ganzer, bisweilen\nselbst sehr wichtiger Artikel auf das (Schiliing'sche) Haupt-\nwerk, so dass also für den Gebrauch die Anschaffung bei-\nder Werke gewisser Maassen gefordert wird—damals war\nvielleicht das Hauptwerk noch vollständig zu haben—, er-\ngeht sich in Betreff des . Urlheils in ganz ähnlicher Weise\nwie jenes, wovon die beispielsweise oben schon erwähnte\nBiographie Meyerbeer's, wenn auch in verjüngtem Maass-\nstabe, Zeugniss ablegt, und übergeht unhistorisch an sich\nhervorragende Erscheinungen der Gegenwart (man sucht\nz. B. irgend eine Andeutung über Richard Wagner\nvergeblich), während er auch nur in einzelnen Fällen die\nhistorischen Artikel weiter fortführt.\n„Nach diesen Bemerkungen, die dem relativen Werthe\nder betreffenden Werke keineswegs zu nahe treten wollen\nund nur das allgemeine Urlheil der unbefangenen Sachver-\nständigen wiedergeben, scheint die Behauptung hinlänglich\ngerechtfertigt, dass es jetzt factisch in der musicalischen\nLiteratur nicht nur Deutschlands, sondern auch der Nach-\nbarländer an einem derartigen Werke fehle, und dass die\nAnnahme, man komme mit einem „Neuen Universal-\nLesikon der Tonkunst\", nach den schon direct und\nindirect angedeuteten Principien bearbeitet, in der That\njetzt einem in den Kreisen aller Musiker und Musikfreunde,\nja, aller Gebildeten überhaupt lebhaft gefühlten Bedürfnisse\nentgegen, nicht als eine herkömmliche, so oft schon ge-\nmissbrauchte Phrase erscheinen werde.\"\nNach diesem Ueberblick über die Literatur des Fa-\nches erfahren wir dann, dass der Herr Verfasser in dem\nneuen Universal-Lexikon alles, was „Aesthetik und Ge-\nschichte der Tonkunst, Akustik, theoretische und prakti-\nsche (?) Compositions-, Gesang-, und Instrumenten-Lehre,\nInstrumental-Kcnntniss, Orchester-Kunde und Leitung, mu-\nsicalische Pädagogik und Didaktik, Literatur\" u. s. w.—\nbetrifft, zu behandeln vorhat. Trotz dieses reichen Stoffes\nsoll das Werk doch nur drei Bände (zusammen dreissig\nLieferungen) füllen, welche nach der ersten Lieferung, die\niünf Bogen in gross Octav auf schönem weissem Papier in\nscharfem, nicht zu kleinem Druck enthält, zu urtheilen,\n150 Bogen fassen würden. Die erste Lieferung reicht von\nA bis Aesthetik, also noch nicht einmal bis Af; wir\nzweifeln, dass sich die Masse des Stoffes auf dem projec-\ntirten Räume werde bewältigen lassen.\nDie ausserordentlichen Schwierigkeiten des Unterneh-\nmens verhehlt sich der Verfasser keineswegs, und wir wol-\nlen das Register derselben hier nicht noch vergrössern.\nEr hat sich aber seit Jahren mit Ausführung der Idee einer\nmusicalischen Encyklopädie getragen, und rechtfertigt sei-\nnen Beruf lür die Uebernahme eines solchen Werkes durch\n„ein ernstes, neigungsvolles, decennienlanges Studium al-\nler Zweige der Tonkunst und ihrer Literatur, die Kennt-\nniss der überwiegenden Mehrzahl der bedeutenderen musi-\ncalischen Werke Compositionen und Schriften aller\nZeiten (?) und verschiedener Völker, jahrelange theoreti-\nsche und praktische Erfahrung als musicalischer Schrift-\nsteller, Componist und Lehrer, vielfache und ausgebreitete\npersönliche und literarische Verbindungen mit einer gros-\nsen Anzahl bedeutender Capacitäten auf diesem Felde\".\nDas ist etwas viel gesagt, und wir wollen uns freuen,\nwenn der Verfolg des Werkes die Beweise dafür liefert.\nOhne die Berechtigung eines solchen Vertrauens auf die\neigene Kraft läugnen zu wollen denn ohne dasselbe ist\nüberall in Wissenschaft und Kunst nichts Bedeutendes zu\nleisten—müssen wir doch daran erinnern, dass ein Werk,\nwie das beabsichtigte nur durch einen Verein von tüchti-\ngen Kräften genügend hergestellt werden kann. Da nun\naber die Artikel, welche die uns vorliegende Lieferung\nenthält, weder mit Namen noch Namens-Chiffern unter-\nzeichnet sind, so wäre es sehr wünschenswerth gewesen,\ndass Herr Dr.Schladebach wenigstens einige der „bewähr-\nten Männer, welche ihre wesentliche Unterstützung wieder-\nholt zugesagt\", und derer, „die ihn bereits durch Rath\nund That unterstützt und sich dadurch ein unschätzbares\nVerdienst um die edle Sache der Tonkunst erworben\"\nwie es auf Seite 18 wörtlich heisst ,mit Namen genannt\nhätte, da es doch nicht wohl vorauszusetzen ist, dass alle\ndiese „hochverehrten Männer und theuren Freunde\" aus-\ndrücklich auf die Unsterblichkeit ihres Namens verzichtet\nhaben.\nWir müssen aufrichtig gestehen, dass bei dem unbe-\ndingten Schweigen, in welchem der Verfasser im Vor-\nwort über seine Mitarbeiter verharrt, uns die Nennung\nder vier berühmten Namen auf dem Titel blatte etwas\nsonderbar vorgekommen ist und fast wie ein glänzendes\nAushängeschild aussieht. Allerdings haben F. Liszt, H.\nMar sehn er, C. G. Reissig er, L. Spohr (wir führen\nsie in der alphabetischen Reihe an, wie sie auf dem Titel-\nblatte hinter den Worten: „Unter Mitwirkung der Herren\"\nu. s. w. stehen) in der musicalischen Welt grossen Ruf;\nallein wir wüssten nicht, dass die drei letztgenannten Mei-\nster jemals als Schriftsteller aufgetreten sind sie haben\nihr Leben lang mehr mit Tönen und Noten, als mit Wor-\nten und Luchstaben zu thün haben wollen, und haben so\nviel componirt und dirigirt, dass ihnen, auch wenn sie Ta-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.4", "texte": "lent und Neigung zum Schriftstellern gehabt, keine Zeit\ngeblieben wäre, dieser Neigung zu folgen. Franz Liszt,\ndiese gewaltige Ausnahms-Natur, hat allerdings den Trieb\nin sich gefühlt, jede Anlage, die in ihm keimte, zu ent-\nwickeln und damit in die Oeffentlichkeit zu treten; er war\nmit dem Ruhme des genialen Virtuosen, des tüchtigen\nComponisten für sein Instrument, für welches er Schöpfer\nganz neuer Behandlung*- und dieser entsprechender Schreib-\nArt war, nicht zufrieden: er wurde auch musicalischer\nSchriftsteller. Ob nun aber sein Name in dieser Ei gen-\nschaft so viel Gewicht habe, um einem Werke, welches\nvorzugsweise auch die Aesthetik der Tonkunst umfasst,\neine Bürgschaft für das zu geben, was Herr Dr. Schlade-\nbach zu einem der Hauptzwecke dieses Werkes macht:\n„die Musiker vom Fach, die Musikfreunde, die Gebildeten\nbeider Geschlechter, Eltern, Lehrer und Erzieher zu einem\nselbstständigen, wohlbegründeten Urt heile\nüber musicalische Erscheinungen und Leistungen zu be-\nhäbigen\" (S. 7 und 8), das müssen wir in Zweifel ziehen.\nJa, wir sind überzeugt, dass Liszt seine Ansichten über den\nso genannten Fortschritt in der Tonkunst, so wie er sie in\nden letzten Jahren sich angeeignet hat, bei keiner Art\nschriftstellerischer Arbeiten verstecken oder unterdrücken\nwird, weil er das weder kann noch will. Er dürfte dess-\nhalb mit dem Ausspruche des Dr. Schladebach: „Für die\ntheoretischen und praktischen, ja, grossentheils selbst für\ndie ästhetischen Artikel ist der Stoff ein vollkommen fest-\nstehender; denn das noch Streitige kann eine Encyklopädie\nnur historisch referirend geben\" keineswegs einverstan-\nden sein, Herr Schladebach müssle denn die Wagner-\nLiszt'sche Kunstlehre als „erheblich abweichendes und\nwirklich reeipirtes Resultat neuerer Forschungen\" (S. 15)\nanerkennen und ihr als solchem einen berechtigten Raum\nin seiner Encyklopädie zugestehen.\nWenn wir also trotz der grossen Hochachtung, welche\nwir vor den vier genannten Tonkünstlern haben, doch\nnur wenig von ihrer Wirksamkeit für das neue Universal-\nLexikon erwarten, so wird uns das wohl Niemand, und\nam wenigsten sie selbst, verargen.\nAus einer Bemerkung auf Seite 1 5 unten kann man\nauf den Schluss kommen, dass die Quellen der Artikel und\ndie speciellen Werke, welche benutzt sind, und in denen\nman das Einzelne weiter verfolgen und studiren kann, nicht\nangesehen werden sollen; sollte dem wirklich also sein, so\nÖ o\nmüssen wir den Verfasser darauf aufmerksam machen, dass\ndies ein grosser Mangel sein würde, indem eines der Haupt-\nverdienste eines encyklopädischen Werkes gerade das sein\nMuss, dass es die Brunnen, aus denen man tiefer schöpfen\nkann, überall genau bezeichnet.\nWas die Klage des Verfassers betrifft, dass der bio-\ngraphische Theil seines Werkes nicht so vollkommen gleich-\nmassig habe bearbeitet werden können, weil „bedauerlicher\nWeise so manche der direct und indirect ausgesprochenen\nWünsche um handschriftliche und sonstige Mittheilungen\nvon biographischen Materialien unbeachtet geblieben\", so\ndürfte die Schuld davon wohl grossentheils an dem Verfasser\noder dem Verleger liegen, da das beabsichtigte Unterneh-\nmen viel zu wenig bekannt geworden und z. B. in keiner\neinzigen rheinischen Zeitung eine derartige Bitte an die\nlebenden Tonkünstler zu lesen gewesen ist, obschon der\nVerfasser sagt: „er erlaube sieb, diese Bitte jetzt nochmals\nzu wiederholen\".\n(Schluss folgt.)\n\nVorbeifliegende Gedanken.\nK.\nWas einer thun soll, das weiss Niemand als der Thä-\nter und Gott. Darum mühet euch nicht, dem Dichter seine\nBahn zu zeichnen; ist er wirklich einer, so findet er sie\n. * •\ntrotz allen* Lehrmeistern.\nDie kritische Zeit hat auf historischem Gebiete noch\nmanches Vorurtheil ztf brechen, so auch das von der Er-\nfindung der Melodie in Italien. Dasjenige eben,\nwas das Kernleben der Melodie ausmacht, das plastisch ge-\nbaute Thema in abgeschlossen rhythmischer Liedform, ist\nvon Alters her den Itaiiänern, wie allen Romanen, fremd\nund selten gewesen. Was die venetianischen Schiffer sin-\ngen, sind declamatorische Kecitative, nicht rund\nabgeschlossene Melodieen. Italiänr ■he alte Volkslieder\nim Sinne unserer plastischen Liedion bt es nicht; das\neinzige 0 sanctissimaist von sehr em Datum. Den al-\nten Tonschulen in Rom und Venedig gaben deutsche (nie-\nderländische) Meister den ersten Schwung in das neue Ge-\nbiet hinein, das wir melodisch nennen, und was die neuesten\nItaliäner Liebliches an Melodieen (nicht an geschlossenen\nVolksliedern) besitzen, ist durch deutsche Lehre und Bei-\nspiel vorgebildet.\n\nAus Königsberg.\nUeber clie Aufführung von H. üorn's Oper „Die Nibelun-\ngen\" geht uns folgender Bericht aus der Königsb. Zeitung zu:\nDer gewaltige Stoff der grossen deutschen Heldensage ist sei-\nnen Hauptzügen nach in diesem Opernbuche im Ganzen geschickt"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.5", "texte": "zusammengegriffen, in so fern nämlich die Handlung in ihrer Sce-\nnenfolge logischen Zusammenhang zeigt und überhaupt wohlver-\nständlich ist; einige Lücken sind durch Streichungen entstanden\n(wie uns ein berliner Textbuch zeigte), welche durch die früher\nzu ausgedehnte Länge nothwendig wurden. Die scenische Anord-\nnung des Drarna's muss hin und wieder als etwas beschrankt und\nungenügend erscheinen, besonders wenn man unter der Nachwir-\nkung des Nibelungenliedes vor diese Oper tritt unier solchen\nUmständen dürfte auch der Zuschauer seine eigene Phantasie zu\nbeschränken haben; denn das Gedicht regt diese so lebhaft an,\ndass sich dem Geiste Alles in ungeheuren Dimensionen darstellt,\nwie sie unmöglich auf eingeengten Bühnenräumen erwartet werden\nkönnen. Es ist besonders zu beklagen, dass der Kampf der Brun-\nhild mit Günther (oder vielmehr mit dem unsichtbaren Siegfried)\nhinter der Scene vorgehen muss [!] denn wozu man die einleiten-\nden Vorbereitungen auf der Scene sieht, das will man auch in der\nwirklichen Gestalt lebendiger That erleben; hier zieht obendrein\nnoch ein charakteristischer Tanz mit eigenartiger Musik von dem\nwichtigen Vorgange hinter der Scene ab. Der verhängnissvolle Kir-\nchengang im Nibelungenliede ist hier wesentlich umgewandelt,\nnicht ungeschickt zwar, doch etwas befremdend. Die Scene des\nMeuchelmordes wird immer und überall eine jähe, ganz unbe-\nschreiblich herzdrückende Wirkung machen, trotz aller Vorberei-\ntung und so war es auch hier. Die letzte Vernichtungs-Scene,\ndie im Liede wie eine Art Welten-Untergang wirkt, kann auf der\nBühne kaum anders als skizzenhaft zur Darstellung gebracht wer-\nden, wenigstens hier bei uns. Sonst bietet die Anordnung man-\nches sehr Gute, ganz abgesehen von aller Augenweide; die Hand-\nlang hat oft viel Zug: sie geht so zu sagen heiss vorwärts und\nspannt sehr, so z. B. in jenem Ehrenzwiste zwischen Brunhild und\nChriemhild; die zufällige Ankunft der Hunnen unmittelbar nach\ndem Rache- nnd Hülfe-Rufe der Chriemhild, bei der Meuchelmord-\nScene, ist eine vortreffliche Anordnung zu nennen.\nDie Charakteristik ist in Brunhild und Chriemhild wohl am ge-\nlungensten, wenigstens prägen sich die Gegensätze vortrefflich aus,\nund wird darum auch das Verhältniss der beiden Frauen dem Ge-\nfühle vollkommen verständlich. Günther macht einen matteren\nEindruck (wie ja auch im Liede), seiner Unselbstständigkeit wegen\ngibt er doch im entscheidenden Momente (des Kampfes mit und\num Brunhild) sein eige es Ich auf! Hagen ist etwas unthätig ge-\nhalten; er ist die übertriebene Treue selbst und vollführt nur das\nEntsetzliche. Die Uebrigen, auch der gewaltige Fiedler Volker\nund der tapfere Dankwart, treten sehr in Schatten. Die Verse\ndes Textes bieten höchstens Gutes (Verständiges), aber wenig Schö-\nnes; aus dem Nibelungenliede sind hier und da Verse genommen\nund gut verwebt.\nDie Musik von unserem königsberger Stadtkinde, jetzigen ber-\n*\nliner Hof-Capellmeister, Heinrich Dorn ist eine sehr würdige und\nfür Eingeweihte vielleicht treffend bezeichnet mit „tüchtig im Sinne\nhalbüberwundenen Standpunktes\". Die Tüchtigkeit ist hier aber in\neinem weiteren Begriffe zu fassen; die Musik ist nämlich nicht\nbloss brav, was die specifisch musicalische Form betrifft, sondern\nauch dramatisch beseelt und in einem Geiste gehalten, der den\nComponisten schon um seiner künstlerich höchst achtungswerthen\nIntentionen willen ehrt. Sowohl die Form als auch der Geist las-\nsen jedoch jene Frische vqfmissen, die nur eine künstlerische Ju-\ngend (wie solche oft Alfen mehr eigen ist, als Jungen) verleiht und\nauf den Zuhörer selbst verjüngend wirkt. Es ragt hier und da auch\nwohl der neue Geist in die Oper hinein und färbt so Manches\nrosiger bringt aber doch auch eine gewisse Uncntschiedenheit\nin das Wesen des Werkes als Ganzes, zumal da, wo alte Form\nund neuer Geäst, neue Form und alter Geist zeitweilig in einander\ngerathen und natürlich quer zu stehen kommen. Wir haben zu-\nweilen poetische Begeisterung in der Musik vermisst und auch\nwahrhaft produetive Phantasie, doch auch wieder von allem dem\nin den hervorragendsten Scenen etwas gefunden. Die Instrumen-\ntation zeigt in jedem Tacte den Eingeweihten in alle Orchester-\nGeheimnisse; säe ist brillant, doch auch charakteristisch und (für\nsolche, die vernünftiger Weise die unmittelbare Orchesternähe mei-\nden) auch maassvoll. Die Instrumentation Dorn's steht der Jetzt-\nzeit näher als seine Melodik. Grosse Freude hatten wir an einigen\nPartieen wegen ihrer eigenartigen, in der Erfindung beruhenden\nCharakteristik; die Musik bewegt sich oft genau in einer solchen\nGefühlsweise, wie sie uns überkommt, wenn wir die Nibelungen\nlesen; die Personen werden dadurch merkwürdig belebt. Der Tanz\nder seeländischen Schildjungfrauen im ersten Acte in seinem wild-\nerregten Wresen und markirten Rhythmus wurde bereits Anfangs\nerwähnt; ihm gegenüber steht ein ebenbürtiges Tanz- und Chor-\nstück zu Anfang des vierten Actes; diese Musik (in H-moll) mi:\nihren famosen Bässen erfüllt uns noch sie passt vortrefflich zu\nden Hunnenmenschen, wie man sich solche denkt.\nDer Anfang der Ouvertüre ist schön in den eingreifenden Ac-\ncorden, doch die Melodie später ist eine nur wenig reizende\nPhrase; die Form der Ouvertüre ist frei, kurz und von guter Hal-\ntung, gleichsam nur Einleitung. Das Quintett: „Des Kampfes ernste\nStunde naht'4, gefiel mit Recht; die Arie des Günther zu Brunhild:\n„Herrsche denn im Reich der Liebe44, wünschten wir (weil sie zu\ngedehnt und melodisch ohne Reiz ist) gestrichen. Volkers Lied mit\nChor: „Wenn hoch ich auf der Halde stehe44, macht guten, bele-\nbenden Eindruck. Die Scene der Spannung zwischen den zwei\nFrauen (im zweiten Acte) ist eine der gelungensten des Compo-\nnisten; er hat darin den richtigen Ton getroffen, der beide Indivi-\ndualitäten in das rechte Licht stellt. Das Talent, zu charakterisi-\nren, welches Dorn in vielen seiner veröffentlichten kleineren Lieder\nund Chor-Compositionen an den Tag legte, bethätigt sich überhaupt\nvielfach auch in diesem seinem grössten Werke.\nEin hübscher musicalischer Zug findet sich in der Strophe der\nBrunhild an Günther gerichtet: „Chriemhildens Wort geht in die\nLande44, singt sie und ihre rhythmisch eifrige Melodie wird der-\nmaassen von den Bässen imitirt, dass das Weiterlaufen einer neuen\nMähr im Volke dadurch frappant versinnlicht wird. Die schönste\nMusikstelle möchten wir im Schlüsse des zweiten Actes erkennen:\nSiegfried und Chriemhild nehmen da rührend Abschied von einan-\nder, in Tönen voll grösster Innigkeit der Liebe. Siegfried's Arie\nzu Anfang des dritten Actes ist wieder etwas langweilig ihre\nMelodik ist verblasst und abempfunden. Die schauerliche Scene an\nder Quelle ist voll ausdrucksvoller Musik und wieder erfreute\nuns hier ein schöner musicalisch-charakteristischer Zug, da, wo im\nSterben des gemordeten Siegfried der Mörder Hagen in sein Hift-\nhorn bläs't; sein Jagd-Signal verhält sich nämlich harmonisch"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.6", "texte": "dissonirend zu dem forldauernd aufgehaltenen Grundtone von\nSiegfried's letztem Worte: „Verralh\"; die dadurch hervorgebrachte\nStimmung fühlt sich wie ein Riss durch die ganze Welt an\nwollte man auch nur die innere Welt moralischer Anschauung\ndarunter verstehen. Der Verlauf dieser Scene ist überhaupt sehr\nausdrucksvoll musicalisch wiedergegeben; die darauf folgenden\nChor-Verse, welche die That Hagen's „recht\" nennen, hätten wir\ndumpfer im Tone erwartet. Vortreffliche Ensembles und son-\nstige Stücke von musicalischem Interesse (doch wenig sinnlicher\nSchönheit) gibt es ausser den citirten noch manche doch gehen\nwir jetzt zu einer kurzen Betrachtung der Ausführung über.\nDiese wurde durch splendide Ausstattung in Decorationen und\nCostumen sehr gehoben, hatte aber ihre Haupttugend in einem\nvortrefflichen Zuge voll so vieler Sicherheit und Präcision, wie man\nsie bei ersten Aufführungen so schwieriger Werke sehr selten er-\nlebt: es sei dafür unserem Capellmeister Marpurg im Namen\ndes fernen Componisten ein herzlicher Dank gebracht, der auch\ndem ganzen darstellenden Personale, wie auch gleicher Weise dem\nChore und Orchester gebührt. Die Beneficiantin Fräul. Carl war\neine vorzüglich gute Chriemhilde; ein inniges, sympathisches Ver-\nständniss leuchtete aus jedem Momente ihrer bedeutenden Partie\naufs wohlthuendste hervor: sie gab die Liebes-Scenen mit Siegfried\nvoll so warmen Ausdrucks und die leidenschaftlichen Scenen dage-\ngen so scharf charakterisirt, dass das Publicum mit Recht enthu-\nsiastische Beifalls-Bezeugungen spendete. In dem erwähnten, schön\ncomponirten Abschiede von Siegfried und in jenem Momente schwe-\nrer Selbstverläugnung, wo sie sich aus Liebe zu ihrem Gatten vor\nihrer Feindin demüthigt, war Fräul. Carl fast über jedes Lob\nerhaben. (L. Köhler.)\n\nAus Hamburg.\ngr.\n[Weiterer Bericht von Theaterwirren.]\nDie „Muster-Vorstellungen\" des Herrn Sachse haben Statt ge-\nfunden, und Alle „hoffen\", dass er ohne Geldverlust davon gekom-\nmen. Die Art, wie sie gegeben und wie sie aufgenommen wurden,\nist für den Stand der Verhältnisse überaus bezeichnend; man ist\ngänzlich unselbstständig und lobt, was man loben hört, oder, rich-\ntiger, was dem eigenen Interesse nicht im Wege zu stehen scheint.\nVon Interessen der Kunst keine Spur, sonst hätte das Lächerliche\ndieser Muster-Vorstellungen nicht unbemerkt bleiben können. Das\ngrösste Stadttheater macht Bankerott und geht aus einander, ein\nTheater-Agent aber gibt mit dem Reste und mehreren zusammen\ngebettelten Sängern hinterdrein „Muster-Vorstellungen\"! Schon das\nSchicklichkeits-Gefühl hätte davon abhalten und keinen namhaften\nSänger bewegen sollen, mitzuwirken. Etwas Anderes wäre es ge-\nwesen, wenn die auswärtigen Grössen, auf jedwedes Honorar ver-\nzichtend, sich zu einigen Vorstellungen hier vereinigt hätten, um\ndem hier gebliebenen niederen Theater-Personale einige Unter-\nstützung zu gewähren; das hätte sich wohl geschickt und wäre ein\nsehr erfreuliches Werk gewesen. Aber davon war nirgends die\nRede. Vielmehr ging Alles darauf hinaus, die Sache so markt-\nschreierisch wie möglich anzulegen, um das Publicum so vollstän-\ndig wie möglich auszupumpen*). Also stand auf den Zetteln mit\nfetten Lettern: „Bei festlich erleuchtetem Hause.\" Wo blieb denn\ndas Fest? und wer macht festliche Beleuchtung, wo kein Fest ist?\nDoch Wenige nur schienen das Lächerliche eines solchen leichtsin-\nnigen Trödels wahrzunehmen. Die beste Vorstellung war Figaro,\nwenigstens für meinen Geschmack; und doch hat mich derselbe\ntheure Figaro auf einem kleinen Hoftheater bei nur mässigen Kräf-\nten siebenmal so sehr erfreut, als hier, denn da war Liebe, Har-\nmonie, Bekanntschaft der Spieler mit einander, Freude an der Sache\nhier aber war mir's immer, als ob jeder der vornehmeren Sän-\nger sagte: „Ich bin der Mann!\" Die Aufführung von Norma soll\nmisslungen sein; ich war nicht zugegen. Wer aher am 9. Mai den\nFidelio mit dem Ballet „Gisela\" zum Schluss gehört und gesehen hat\nund nicht zerknirscht nach Hause gegangen ist, dem wünsche ich\nbaldige Besserung. Bevor die Theater-Mitglieder selbst nicht den\nLeichtsinn ablegen, dagegen Gemeinsinn für die Brüder, Ernst für\nKunst und Leben zeigen, werden sie die geschwundene Theilnahme\ndes Publicums nicht wiederkehren sehen. Sonst muss anerkannt\nwerden, dass bei den städtischen Verwaltungs-Behörden alle Will-\nfährigkeit vorhanden ist, dem Stadttheater aufzuhelfen. Die Ober-\nalten und Sechsziger sträuben sich am meisten und lehnten den\nAntrag des Senates am 9. Mai ab; trotzdem soll am 30. Mai die-\nselbe Angelegenheit vor die Bürgerschaft gebracht werden. Der\nAntrag geht dahin, das Theater-Gebäude für 165,000 Mark spee.,\ndas Inventar für 33,000 Mark zu übernehmen, jährlich 10,000 Mark\nan die Pensions-Casse zu zahlen und für die Actionäre das Abon-\nnement um 25 pCt. zu ermässigen. Einige der Sechsziger waren,\nwie wir hören, nur desshalb dagegen, weil diese Bewilligungen für\ndie Existenz der Bühne nicht ausreichend seien, mit anderen Wor-\nten: weil das Stadttheater dadurch wesentlich um nichts besser\nwürde, als in den Händen eines Unternehmers. Das ist auch meine\nunmaassgebliche Meinung.\nHamburg, den 23. Mai 1855.\n*) Ein J. Krüger, Poet, führte hier unlängst eine vieractige Ge-\nsang-Posse auf, die er selber gebacken; dazu Schiller's Lied\nvon der Glocke in Romberg's Musik, mit Declamation und\nlebenden Bildern begleitet! Alles bloss, um „ein volles Haus\"\nzu machen.\n\nHaydn’s Jubelfeier.\n\nEs war ein Tag, an dem Wiens Musenhalle,\nDie herrliche, der froh ich Bildung danke,\nErtönte von der Schöpfung Feierschalle;\nUnd ob ich gleich, ein Mann, nicht leichtlich wanke,\nBefiel mich plötzlich doch ein starkes Bangen;\nDenn mich durchfuhr mit Schauer der Gedanke:\n„Wird Alter mich entnervend auch umfangen?\"\nAls sie den Meister hin zum Sitze trugen,\nDen auch die Kraft zum Ziel einst liess gelangen/\nDoch ob die Jahr' ihn grausam niederschlugen,\nNoch sah man Geist ihm aus den Augen blitzen;\nSo kam's, dass leichter wir den Anblick trugen.\nEmporgerichtet auf der Füsse Spitzen,\nBis man den Alten sah im Kreise sitzen,\nStand Jeder, in die Hände freudig schlagend;\nDoch er, des Jubels Brausen nicht ertragend,\nDer Pauken Wirbel, der Trompeten Dröhnen,\nVerhüllte sich die Augen, gleichsam sagend:\n„Nicht kann ich solcher Ehren werth mich wähnen!\"\nSchnell wird die Menge, tieferseufzend stille,\nGewährt ihm Zeit, des Orts sich zu gewöhnen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.7", "texte": "0 Frauen-Zartheit, holde Mitleids-Fülle!\nSie sah man nun des Greises Bein' umwinden\nMit ihres Nackens ätherleichter Hülle,\nUnd Mäntel, köstliche, zum Schemel runden,\nDer weich und warm des Greises Füsse bette,\nUnd Stärkungsdüfte für den Schwachen finden.\nWie drängte sich so Jung als Alt zur Wette,\nSo Fürst als Künstler an des Meisters Seite,\nAls ob er Heil von seinem Blicke hätte!\nAuch Salieri kam mit im Geleite i\nWohl ist der Greis ihm lange her gewogen,\nWeil er sich seiner gar so herzlich freute.\nMich hat mein spähend Auge nicht betrogen,\nKein Ende nahm der Greis, ihn zu liebkosen,\nAls er nun leiten ging des Tonmeers Wogen.\nSchon hörte man der Kräfte dumpfes Tosen,\nWie Elemente feindlich sich verwirren,\nNach Formen ringend in dem Formenlosen.\nDoch leise lispelt aus des Chaos Irren\nEin sanfter Geist empor, wie Hauch der Liebe,\nDie wild Yerschlungnen freundlich zu entwirren.\nUnd mählich schweigen die empörten Triebe,\nUnd nur noch hört man auf den Wassern schweben,\nWie Frühlingsluft dahin, den Hauch der Liebe.\n~Licht werd' es!\" scholl's. Licht ward's. Dem Rufe beben\nDie dunkeln Schatten, reissen, schwinden, fliehen!\nEin Jubelruf: „Hoch soll der Meister leben!\"\nDa weint der Greis, und seine W7angen glühen;\nBegeistert streckt zum Himmel er die Hände:\n„Nicht ist es Frucht vom menschlichen Bemühen,\nGott gab mir's ein, dass ich es recht vollende!\"\nDas sagt der Blick, die Hand, des Kopfes Sinken.\nDoch Frauen-Engel eilten stets behende\nIhm sass zur Rechten einer, zwei zur Linken —,\nIhn aufzuheitern freundlich mit Gespräche,\nSobald ihm Thränen in den Augen blinken,\nDass nicht das Herz ihm noch vor Wonne breche,\nDass nicht der Wehmuth Gluthen ihn verzehren,\nDass Tod sich nicht am Neuverjüngten räche.\nNun hörten wir die Welt sich neu gebären.\nWild braus't der Sturm, der Blitz entfährt den Lüften,\nUnd Donner soll uns Gottes Allmacht lehren.\nAuf ihren Wink versinkt in tiefen Grüften\nDer Ocean, muss so dem Lande weichen,\nUnd Ströme rauschen her aus Bergesklüften.\nGott lässt den Bach durch Thale rieselnd schleichen,\nBeblümtes Grün sich über Matten breiten,\nDer Gedern Pracht bis an die Wolken reichen.\nJetzt steigt herauf in unermess'nen Weiten\nDie Sonn' im hellen Glänze goldner Strahlen,\nDen Lauf der Jahre froh und stolz zu leiten.\nLeisathmend schaut Gewölke magisch malen\nDie stille Nacht, den Mond mit Silberscheine;\nUnd Sterne funkeln ha, wer zählt die Zahlen?\nDer Engelchöre leuchtende Gemeine\nGrüsst jeden Schöpfungstag mit Lobgesange\nW7er ist so hart, dass er vor Lust nicht weine?\nDer Greis erliegt so vieler Wonnen Drange.\nDrum zart besorgt beschliessen klug die Frauen:\nGenug hab' er gehorcht dem Zauberklange.\n0, hätt' ich tausend Augen nun, zu schauen!\nSeht, winkend will der Vater Küsse spenden\nDen Künstlern, die er lässt in finstern Auen,\nIndess er bald sich wird zum Lichte wrenden.\nDoch diese, von des Tongerüstes Höhen,\nSieht weinend man ihm Gegenküsse senden.\nBeethoven's Kraft denkt liebend zu vergehen,\nSo Haupt als Hand küsst glühend er dem Greise:\nDa wogte hoch mein Herz vor Lust und Wehen.\nSo fühlten Tausend auf die gleiche Weise,\nAls sie den Meister mit dem Sitze hoben\nUnd weg ihn trugen aus der Freunde Kreise.\nLaut hörte man des Lebewohles Toben,\nGeklatsch und Mitleidsruf zum Himmel dringen;\nEr aber wandte seinen Blick nach oben\nUnd dachte so sein volles Herz zu zwingen;\nDoch aufgeregt will sich der Sturm nicht legen\nUnd reisst ihn fort. Umsonst ist all sein Ringen.\nRasch sieht man vorwärts sich den Greis bewegen;\nUnd als er nun der Pforte nah gekommen\nAus streckt er seine Hand zum Vatersegen!\nUnd Alles weint! Wohl wird er nie mehr kommen!\nWien, 1808,\n\nv. Collin.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDas 33. Niederrhein ische Musikfest ist an den Pfingst-\ntagen, den 27., 28. und 29. Mai, in Düsseldorf unter Ferdi-\nnand Hiller's Leitung auf eine äusserlich sehr glänzende und\nauch in künstlerischer Beziehung höchst gelungene Weise gefeiert\nworden. Von grossen Werken wurde am ersten Tage J. Haydn's\nSchöpfung, am zweiten R. Schumanns Paradies und\nPeri, ferner am ersten F. Hiller's Sinfonie in E-moll, am\nzweiten Beethoven's C-mo/Z-Sinfonie aufgeführt. Ueber das\nEinzelne behalten wir uns den Bericht vor. Für heute wollen wir\nnur erwähnen, dass das Chor- und Orchester-Personal über 800\nMitwirkende zählte, einschliesslich den Dirigenten und den Chor-\nDirector Herrn J. Tausch. Der Chor bestand aus 274 Sängerin-\nnen und 377 Sängern; im Orchester waren sämmtliche Bogen-In-\nstrumente so vorzüglich besetzt, wie wir sie noch nie gehört haben\n(65 Violinen, 29 Bratschen, 25 Violoncells und 14 Contrabässe),\nund diese Masse erzeugte durch vortreffliche künstlerische Be-\nhandlung der Instrumente einen Saitenklang von Fülle, Reinheit\nund Kraft des Tones, der in den Sinfonieen und Ouvertüren, und\ndann auch namentlich in der Schöpfung eine so gewaltige Wirkung\nhervorbrachte, dass diese allein die ausserordentliche Wichtigkeit\ngrosser Musikfeste für die Kunst auf schlagende Weise darthat,\nselbst abgesehen von der Macht der Chöre, welche ebenfalls und\nbesonders von den aus Frankreich und England hier anwesenden\nKünstlern und Kunstfreunden angestaunt wurde. Denkt man sich\ndazu den unvergleichlichen Gesang von Jenny Goldschmidt-*"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550602-01.1.8", "texte": "Lind, so wird man die aufgeregte Stimmung und die Begeisterung\nbegreifen können, von welcher eine Masse von 3000 Menschen,\nMitwirkende und Zuhörer, ergriffen war. Der Saal, eine im Geis-\nlerschen Garten vor einigen Jahren erbaute Tonhalle, hatte 1760\nSitzplätze, welche stets vollständig besetzt waren; ja, am dritten\nTage wurden ausserdem noch an 400 Stehplätze verkauft. Seine\nKönigliche Hoheit Prinz Friedrich von Preussen und meh-\nrere hohe fürstliche Personen verherrlichten das Fest durch ihre\nGegenwart, und ein wahrer Congress von Künstlern hatte sich nicht\nbloss als Mitwirkende, sondern auch als Zuhörer eingefunden. Un-\nter den letzteren haben wir unter Anderen bemerkt: Th. Gouvy\nund St. Heller aus Paris, Ghorley aus London, E. Naumann\nund Steifensand aus Berlin, Dr. Hanslick aus Wien, Fr.\nLachner aus München, F. Liszt aus Weimar, Verhülst aus\nRotterdam, Kufferath aus Utrecht, Prof. Jahn aus Bonn, Dr.\nHärtel aus Leipzig, C. Over weg aus Naumburg, Gredener\naus Hamburg, Krolmann aus Oldenburg, Mühling aus Magde-\nburg, Joachim aus Hannover, Frau Clara Schumann aus\nDüsseldorf, Brahms, Mangold aus Darmstadt, G. Flügel aus\nNeuwied, Lenz aus Coblenz, C. Reinecke aus Barmen, Wil-\nhelm aus Crefeld, von Turanyi und Ackens aus Aachen,\nWein brenn er und H. Schornstein aus Elberfeld, E. Frank,\nRein thaler, Breun ung aus Köln u. s. w.\n•[ Berlin. Die neue Verwaltung des Kr oll'sehen Etablisse-\nments scheint vorläufig an dem Alten mit Liebe zu hangen. Das\nwollen wir ihr nicht verdenken, da die alten Lustspiele, welche sie\nbringt, meist gut sind und besser als sonst aufgeführt werden. Man\nmerkt die Hand eines tüchtigen Regisseurs, der auf ein richtiges\nZusammenspiel hält. Die Rollen sind durchaus gut besetzt, und auch\ndie neu engagirten Mitglieder scheinen sich zu bewähren. Dennoch\nglauben wir, dass die Direction gut thäte, nach und nach mit eini-\ngen Novitäten aufzutreten, weil einmal das Publicum stets das Neue\nliebt Um einiger Maassen diesem Wunsche zu genügen, hatte die\nVerwaltung die Familie Brousil zu einem Gastspiele engagirt.\nWir haben schon einzelne Wunderkinder in Berlin gehört, aber\nnoch nicht eine ganze Wunderfamilie. Das kleine Orchester gewährt\neinen eigenthümlichen Genuss. An der Spitze desselben steht die\ndreizehnjährige Violin-Virtuosin Bertha Brousil. Ein liebliches\nMädchen mit holdem Kindergesichte erscheint im einfach weissen\nKleidchen. Wir sind auf ein kindliches oder kindisches Spiel ge-\nfasst, aber schon die ersten Bogenstriche verrathen eine Sicherheit\nund eine Festigkeit, welche weit über ihre Jahre hinausgeht. Die\nGestalt wächst zusehends, und in den zarten Zügen thut sich ein\nwunderbarer Ernst kund. So spielte sie eine Phantasie von Vieux-\ntemps unter rauschendem Beifall. Sobald sie den letzten Bogen-\nstrich gethan und ihren Knix gemacht, hüpft sie davon, ein Kind,\nwie alie anderen Kinder. Bald erscheint sie wieder in Begleitung\nihrer vier jüngeren Geschwister* Kaum reichen diese zu den klei-\nnen Pulten auf. Der winzige Gapellmeister gibt das Zeichen, und\ndas Concert beginnt von Neuem. Auf Miniatur-Geigen, Bässen und\nGellos spielen die kleinen Virtuosen mit ihren kleinen Bogen und\nHändchen so gut wie die Grossen. Ein Männchen, vier Käse hoch,\ndirigirt, und sein noch jüngeres Schwesterchen spielt die zweite\nGeige und guckt so ernsthaft auf ihr Notenblatt, dass man unwill-\nkürlich lächeln muss. Es ist gerade so, als ob sich eine kleine\nElfenschar zusammengefunden hätte, um ein Geister-Concert aufzu-\nführen. Jeden Augenblick erwartet man, dass die ganze Gesellschaft\nihre verborgenen Flügel entfalte und davon fliege.\nIn den ersten Tagen des Mai hat der Pianist Herr Bratfisch\nin Stralsund ein Concert gegeben, dessen Ertrag den Verun-\nglückten an der Weichsel bestimmt war. Der Künstler trug zuerst\nein Quintett von Rob. Schumann vor, wobei Herr M.-D. Fischer\nund die Herren Herr mann, Prüknow und Voss die Partie\nder Streich-Instrumente ausführten. Dieses Musikstück und im zwei-\nten Theile das Concertstück in F-moll von Weber fandenden\nlebhaftesten Beifall. Besonders in dem letzteren hatte der Künstler\nGelegenheit, die glänzende Fertigkeit seines Spiels mit geistvollem\nVortrag zu verbinden. Das Concert würde noch zahlreicher besucht\ngewesen sein, wenn nicht schon Bazzini für die nächsten Tage\nsein Concert angekündigt gehabt hätte. Dieser Virtuose erwarb sich\nauch in Stralsund die Anerkennung, die er überall gefunden, und\nam 15. Mai fand schon sein zweites Concert Statt.\nBrauns cliweigr. Die „Deutsche Reichszeitung4* schreibt vom\n23.Mai: „Wir haben die traurige Pflicht, den am gestrigen Abend\nerfolgten Tod des herzoglichen Hof-Capellmeisters Georg F. Mül-\nler zu berichten. Die Capelle verliert an ihm einen ausgezeichne-\nten Dirigenten, und, was noch schmerzlicher ist, das berühmte\nQuartett der Gebrüder Müller ist nun durch diesen frühzeitigen\nTod zerrissen.\"\nDer Pianist Herr Goldschmidt und seine Gemahlin, Frau\nG old schmid t-Li nd, werden die nächste Zeit in Bad Ems\nzubringen.\nIPrankfiirt a+ M. Unser Theater-Interim hat nichts weniger\nals Grund, mit den Einnahmen zufrieden zu sein. Jeder, der den\nStatt gehabten Umtrieben und Gehässigkeiten fern steht, fragt sich :\nWas soll daraus werden? War gleich Herr Hoffmann nicht der\nrechte Mann zur Führung des Theater-Geschäftes, so war er doch\nvertragsmässig verpflichtet, auch in dem schwierigen Augenblicke\ndas Ganze über Wasser zu halten. Einige Mitglieder der Oper sind\nschon von der Sache zurückgetreten und haben sich entfernt; das\nComite ist bestrebt, die Lücken durch Gäste auszufüllen. Wird das\ndrei Monate lang gelingen ?"}]}