{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-08-04-01", "volume": "bmtnabi_1855-08-04_01", "ocr_sha256": "73a0914f800e97a479fa8b77078231295bfac568c102c349bd14a2d50d2e3885", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/08/04_01/bmtnabi_1855-08-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-08-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-08-04_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "245", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.2.1", "titre_corps": "Frohsinn und Schwermuth.", "titre_sommaire": "Frohsinn und Schwermuth.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4001, "texte": "Frohsinn und Schwermuth.\nOratorium von G. F. Händel.\nClavier-Auszug von F. W. Rühl.\nUnsere Leser werden sich erinnern, dass Prof. Ger-\nvinus in diesen Blättern (Jahrgang 1853, Nr. 4 und 5,\nvom 23. und 30. Juli) zuerst auf das oben genannte, bis-\nher in Deutschland so gut wie gänzlich unbekannte Werk\nHändel's nicht nur aufmerksam gemacht, sondern auch\neine vollständige metrische Uebersetzung des Textes von\nMilton mitgetheilt und eine ausführliche Analyse des musi-\ncalischen Charakters nicht nur des Ganzen, sondern auch\nder meisten einzelnen Nummern gegeben hat.\nHerr F. W. Rühl hat zu dem Clavier-Auszuge, der\nin einer schönen Ausgabe bei N. Simrock in Bonn er-\nschienen ist, ein „Vorwort\" geschrieben, in welchem er\nzunächst die historischen Nachrichten, die Gervinus in jenem\nAufsatze über die Zeit der Entstehung dieses Oratoriums\nu. s. w. (im Jahre 1740) gibt, wiederholt und dann also\nfortfährt:\n„Nach des Meisters Tode scheint diese Arbeit mehr\noder weniger vergessen worden zu sein, in öffentlichen\nConcerten wurde sie nicht mehr gehört*). In neuester Zeit\nbenutzten zwar Privat-Gesellschaften einzelne Nummern\ndaraus zu ihren besonderen Zwecken, sie sangen auch wohl\ndas Werk im häuslichen Kreise mit Clavier-Begleitung\nganz durch, wie z. B. in Heidelberg bei Gervinus, der\nauch öffentlich auf dasselbe hinwies; gleichwohl\ndarf es sich der Unterzeichnete zur hohen Ehre rechnen,\ndieses Oratorium mit dem hier unter seiner Leitung stehen-\nden Gesang-Vereine im November 1853 zur ersten öf-\nfentlichen Auflührung in Deutschland gebracht zu haben.\nDer bei dieser Gelegenheit vielseitig kund gegebene Wunsch\nnach einer deutschen Ausgabe des Werkes in mehr zu-\ngänglicher Form ist die nächste Veranlassung zur Bearbei-\ntung dieses Clavier-Auszuges geworden.\"\nWir wollen Herrn Rühl keineswegs das Verdienst be-\nstreiten, das fragliche Oratorium wahrscheinlich zuerst in\nDeutschland mit Orchester aufgeführt zu haben; allein die\nEhre, das Werk aus der Vergessenheit gezogen zu haben,\ngebührt Gervinus und seinem Gesangkreise in Heidelberg\nund seiner Analyse des „Allegro\" in diesen Blättern.\nLetztere erschien im Juli 1853, und ohne dieselbe dürfte\nHerr Rühl schwerlich im November an seine Aufführung\ngedacht haben*). Wenn er aber gar über einen Aufsatz,\nwelcher neunzehn Spalten in unserer Zeitschrift füllt, mit\nden Worten hinweg geht, welche wir in der Stelle seines\nVorwortes oben gesperrt gedruckt haben, so ist dies ein\nUnterlassungs-Vergehen, das um so auffallender erscheint,\nals Prof. Gervinus, mit dessen Texte der Clavier-Auszug\n(wie auf dem Titel bemerkt) erschienen ist, doch offenbar\nHerrn Rühl die Benutzung desselben zur Förderung der\nguten Sache gestattet haben muss, und ferner der bei\nWeitem grösste Theil des Vorwortes nichts Anderes ent-\nhält, als was Gervinus bereits in jenem Aufsatze ausführ-\nlicher und eindringlicher gesagt hat.\nNach diesem Tribute, den die Kritik dem\nschuldig war, stehen wir keinen Augenblick an, Herrn\nRühl lür seine aus Verehrung des Meisters unternommene\nund mit grossem Geschick durchgeführte Arbeit den auf-\nrichtigsten Dank auszusprechen, in welchen die ganze mu-\nsicalische Welt einstimmen wird, d. h. derjenige Theil der-\nselben, welcher die ewigen Monumente, die an der Ent-\nwicklungs-Bahn der Tonkunst stehen, heilig hält und es\njedenfalls für Gewinn achtet, wenn wieder eines derselben\n\n*) Nach einer Aeusserung von Gervinus in dessen vortreff-\nlichem Aufsatze über das völlig, selbst dem Namen nach ver-\ngessene Oratorium Susanna von Händel (s. Jahrgang\n1854, Nr. 50 und 51, vom 16. und 23. December dieser Zeit-\nschrift), dessen metrische Text-Uebersetzung er ebenfalls a.»a.\n0. mittheilt, ist der Allegro und „wenigstens in\nEngland immer verbreitet und in Familien und Schulen be-\nliebt gewesen\". Anmerkung der Redaction.\n*) Auch über diese Aufführung ist in unserer Zeitschrift aus-\nführlich berichtet worden; siehe die Correspondenz aus\nFrankfurt a. M. vom 25. November 1853 in Nr. 23 (vom\n3. Decemher, Jahrg. 1853) von A. Schindler."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4979, "texte": "noch dozu von einem solchen Baumeister, wie Händel!\naufgefunden und lür die Betrachtung und das Studium\nder Gegenwart gerettet wird.\nSo viel sich ohne Einsicht der Partitur beurtheilen\nlässt (die Partitur ist übrigens in der von\nHänders Werken gedruckt, und zwar von J. Moscheies\nherausgegeben eine Notiz, welche wohl eine Stelle in\ndem Vorworte verdient hätte), ist der vorliegende Ciavier-\nAuszug mit lohenswerther Sorgfalt und einer Gewissen-\nhaftigkeit gemacht, welcher die Rücksicht auf die Bequem-\nlichkeit des Spielers aufgeopfert ist und das mit vollem\nRechte; denn erstens will man ein unbekanntes Werk,\ndessen Partitur nur den grossen Bibliotheken und den mit\nzeitlichen Gütern gesegneten Menschen zugänglich ist, so\ntreu wie möglich vom Original copirt haben, so dass man\nim Kupferstiche nichts davon verliert, als die Farbengebung,\nd. h. ohne Gleichniss im Clavier-Auszuge nichts als die In-\nstrumentirung; und zweitens ist die Technik im Ciavierspiel\nso fortgeschritten und bis auf eine gewisse Stufe so sehr\nGemeingut geworden, dass auch die Begleitung des Duetts\nNr. 48 kaum der Entschuldigung wegen ihrer Schwierig-\nkeit bedurfte, zumal da das Tempo ein so langsames ist.\nNach einer Andeutung im Vorworte scheinen die\nTempo-Bezeichnungen alle von Herrn Rühl herzurühren.\nWir wissen nicht, ob Moscheies bei der Partitur-Ausgabe\ngar nichts in dieser Hinsicht gethan hat. Höchst schwierig\ndürfte freilich bei diesem Oratorium die Erledigung dieses\nPunktes sein, da bei demselben die Tradition nicht zu Hülle\nkommen kann, wie dies wenigstens in England bei dem\nMessias u. s. w. der Fall ist.\nDie dynamischen Bezeichnungen scheinen uns hier und\nda lür Händel'sche Musik zu gekünstelt; das Raffinement\nder Contraste zwischen Forle und Piano, und vollends die\nhäufige Anwendung des Pianissimohat der Alte schwerlich\ngekannt. Nun, Herr Röhl will die bezeichnete Vortrags-\nweise wie natürlich auch lür nichts Anderes als seine indi-\nviduelle Auffassung geben.\nAuffallend war uns im Vorworte die Bemerkung über\nden Vortrag der Chöre. „Das übliche, so genannte Chor-\nsingen\" —heisst es daselbst—„mit allenfallsiger Abwech-\no\nseiung von Piano und Forle, oder, wenn's hoch kommt,\ngelegentlich mit einem allgemeinen Crescendo oder Decres-\nOD °\ncendo [bei Händel ??], genügt hier keineswegs, die feine\nCharakteristik der Composition entsprechend wiederzuge-\nben. Es wird vielmehr dabei verlangt, dass jede Chorslimme\nihren Theil selbstständig mit dem vollendeten Ausdruck\neiner obligaten Solostimme [eine Solostimme dürfte wohl\nimmer obligat sein] vortrage und allen Anforderungen ge-\nnüge, die man an einen Einzelgesang zu stellen berech-\ntigt ist.\"\nWir können der Anwendung dieses Grundsatzes ge-\nrade auf Händel's Chöre gar nicht beistimmen; diese erfor-\ndern die einfachste, so wenig wie möglich colorirte Vor-\ntragsweise; natürliche Kraft der Massen ist das Element,\nin welchem sie sich bewegen; alles, was nach Sentimen-\ntalität und theatralischer Affectation nur von Weitem aus-\nsieht, ist dabei ein wahrer Gräuel. Im vorliegenden Orato-\nrium aber, in welchem die Chöre erstens sehr wenig zahl-\nreich, ferner alle sehr kurz und bis auf den Schluss-Chor\ndes 11. Theiles und den End-Chor des Ganzen durchaus\nnicht polyphon gearbeitet sind, wie das sonst Händers Art\nist: - was hier gerade diese Bemerkung soll, können wir\nnicht einsehen.\nDas Oratorium (eigentlich eine Cantate, bei deren\ndeutschem Titel das Wort „ Schwermuth\" eine zu starke\nBezeichnung lür den Gegensatz zu „Frohsinn\" zu sein\nscheint, indem Milton's Pensieroso mehr den Ernst und al-\nlenfalls die schwärmerische Stimmung ausspricht, als eine\nwirkliche Melancholie) enthält 49 Nummern, wovon nur 9\nChören, eine einem Duett zwischen Sopran und Tenor, alle\nübrigen aber einzelnen Recitativen und Arien zukommen.\nVon den Chören haben nur drei (Nr. 30, 40 und 49) eine\nselbstständige und etwas ausgeführtere Form; die anderen\nsind den Arien angehängt als eine Art vierstimmigen\nRefrains, von denen besonders die von heiterem Charakter\nsehr frisch und anregend sind. Dagegen halten die genann-\nten drei Nummern, namentlich 40 und 49, auch nicht\neinen entfernten Vergleich mit den Chören in Händel's be-\nkanntern Oratorien aus.\nUeberhaupt können wir die Begeisterung, welche sich\nlür den absoluten Werth dieser Composition in allen ihren\nTheilen bei Gervinus ausspricht, nicht ganz theilen, so ehr-\nwürdig und lür die Kunstgeschichte erspriesslich sie selbst\nund ihre Früchte auch sind. Dadurch, dass Händel von der\nlangen Reihe von Sologesängen dem Alt nur einen, Reci-\ntativ und Arie (Nr. 26 und 27), dem Bass nur zwei, die\nsehr ansprechende und lür den Sänger dankhare Jagd-Arie\nin Es-dur (Nr. 18) und die Arie des „Gemässigten\" (Nr.\n42), alles Andere aber dem Sopran oder dem Tenor zuge-\ntheilt hat, musste schon nothwendig eine gewisse Eintönig-\nkeit erzeugt werden, welche durch den Wechsel des Cha-\nrakters der Arien keineswegs verbannt wird. Manchem\ndürfte es auch sonderbar vorkommen, dass der Componist"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3278, "texte": "dem Sopran die Rolle des Schwermüthigen, dem Tenor\ndie andere zugetheilt hat.\nEs scheint uns aus der Behandlungs-Art der Solostücke\nund aus der Zurücksetzung der Chöre offenbar hervorzu-\ngehen, dass Händel dieses Werk vorzüglich lür den Glanz\nder Virtuosität geschrieben hat, und dass der sonst so\nstrenge Meister hier einmal dem Zeitgeschmacke, vielleicht\nauch einzelnen ausgezeichneten Künstlern, über die er ge-\nrade verfügen konnte*), Zugeständnisse gemacht, überhaupt\nden damaligen Dilettanten und dem grossen Publicum etwas\nzum Besten habe geben wollen, das ihnen auf der Stelle\nmundete. Dass er dabei immer Händel bleibt und folglich\neine Menge von schönen Gedanken, lieblichen und anmu-\nthigen, so wie tief empfundenen Melodieen aus seiner Feder\nquellen, wird Keinen wundern.\nHöchst interessant ist nun aber das Werk gerade\ndurch jene seine Bestimmung, indem wir in ihm trotzdem,\ndass Händel's Eigentümlichkeit überall zu Tage tritt, doch\n' eine ganz neue Seite des Meisters kennen lernen, nämlich\neine Schreibweise im freien Stil, und noch dazu eine humo-\nristische Auffassung und Ausdrucksweise, wie sie vielleicht\nin einzelnen Partieen seiner Opern, in den Oratorien aber,\nwie natürlich, sonst nirgends vorkommt. Ob der Humor\ndes Alten überall die Gränzen inne hält,\nque nequit consistere pulchrum, mögen wir nicht ent-\nscheiden; dass er aber bei der Tenor-Arie in F, Nr. 5,\nund dem anschliessenden Lach-Chor selber herzlich gelacht\nhabe, können wir uns sehr gut vorstellen und wollen denn\nauch unseren Lesern dieselbe Freude bereiten. Der Froh-\nsinnige singt:\nund sein Gefolge, die Kinder der Freude, lassen sich im\nChorus staccatoalso vernehmen:\nJa, es geht noch lustiger (aber nicht eben leicht ausführ-\nbar) zu, wenn bei der Wiederholung der obigen Phrase\ndes Solo-Tenors durch den Chor-Tenor der Chor-Sopran\ndiese in Sechszehnteln\nimitirt—ein Vorbild von Mozart's Papapapapapageno und\nden modernen Violin-Kunststückchen.\nDass Händel so genannte Malerei in der Musik liebt\nund auf geschmackvolle Weise auszuführen versteht, wis-\nsen wir. Das vorliegende Oratorium besteht aber grössten-\ntheils aus Tonmalerei; es wird mithin des Guten zu viel\ngegeben, zumal, da es in der That nicht überall etwas\n\n*) Herr Hühl bemerkt über das Recitativ des Alts, Nr 26:\n„Dieses Recitativ hatte Händel wohl ursprünglich mit Be-\nrücksichtigung der Stimmmittel einer einzigen Persönlichkeit\ngeschrieben und theilweise in einer über alle Begriffe tiefen\nTonlage gesetzt. Um einer allgemein möglichen Ausführbar-\nkeit willen sind die betreffenden liefen Stellen hier abgeän-\ndert worden.\" Die Abänderung mochte Statt finden, sie\nmusste aber in kleinen Noten über den Original-Noten Hän-\nders gesetzt werden; jetzt aber fehlen diese letzteren ganz\nund mit ihnen ein interessanter Beweis theils für unsere\nobige Yermuthung, theils für die Existenz tiefer Stimmen,\nwelche sich nur in einer Zeit als solche conserviren konnten,\nwo man die Stimmen in ihren natürlichen Schranken\nausbildete und nicht den ganzen Ruhm der Gesanglehr-\nkunst darein setzte, jedem Alt und jedem Bass eine wider-\nnatürliche Höhe anzuquälen. Bei der ersten Herausgabe eines\nalten Werkes ist diplomatische Treue eine Hauptsache. Es\nwürde uns lieb sein, wenn uns Herr Rühl das Original jenes\nRecitativs mittheilte."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4105, "texte": "Gutes ist. Denn wir können bei aller Pietät für Händel'-\nsche Musik doch unserem Herrn Correspondenten in Frank-\nfurt (in Nr. 29 vom 3. December 1853) nur beistimmen,\nwenn er gar manches, was wir hier von dieser Art finden,\nwie z. B. die Nachtigallen-Arie mit dem Flöten-Solo, für\nGetändel und langweilige Spielerei erklärt.\nUnsere oben ausgesprochene Ansicht, dass Händel\ndieses Werk hauptsächlich geschrieben habe, um dem da-\nmaligen musicalischen Dilettanten-Publicum zu gefallen,\nvielleicht auch um die grosse Menge, welche den Italiänern\nanhing, die dem deutschen Meister bekanntlich viel Ver-\ndriesslichkeiten bereiteten, von jenen abzuziehen und durch\neinige Gefügigkeit wieder für sich zu gewinnen, diese\nAnsicht wird nicht bloss durch das Vorherrschen der Arien,\nsondern besonders auch durch deren bravourmässige Be-\nhandlung bestätigt. Sowohl die Tenor-, als besonders die\nSopran-Partie erforderten Stimmen von bedeutendem Um-\nfange und von tüchtiger Schule, konnten sich dann aber\nauch im Glänze der Coloratur, dem Geschmacke der Zeit\nnach, zeigen. Man betrachte nur Figuren für Sopran, wie\nfolgende:\nwelche letztere sich durch verschiedene Tonstufen 22 Mal\nhinter einander wiederholt, ausserdem aber in derselben\nArie noch 16 Mal vorkommt. In beiden Arien wetteifert\nder Sopran dort mit der Flöte, hier mit dem Violoncell\nund der Violine.\nDies führt uns auf die eigenthümliche, von Händel's\nWeise in den übrigen Oratorien abweichende Behandlung\nder Instrumente neben dem Gesänge. Finden wir auch sonst\nhier und da, z. B. in dem lydischen Brautliede im Alexander-\nfest, eine reizende melodische Vermählung eines Instrumen-\ntes (dort des Violoncells) mit der Singstimme, so hat diese\nBegleitung den durch das Wort „ Vermählung\" bezeich-\nneten Charakter; in „Frohsinn und Schwermuth\" aber ist\ndie Instrumental-Solostimme neben dem Gesänge seibst-\nständig und virtuosenartig behandelt, welches so weit geht,\ndass dem Spieler sogar Raum für willkürliche Caden-\nzen gelassen ist! Das beweis't denn doch offenbar, dass\nhier ein gewisser Concert-Luxus vorherrscht, wie wir ihn\nin keiner von den bisher gedruckten Compositionen Hän-\ndel's finden, und dass gerade dieser Umstand die Wichtie-\no\nkeit der Herausgabe des Allegro in Deutsch-\nland für die Geschichte der Musik ganz ausserordentlich\nerhöht.\nWir halten es für nöthig, bei diesem Punkte, den\nGervinus' Besprechung weniger berührt hat, ins Einzelne\nzu gehen.\nIn der Tenor-Arie Nr. 14, G-dur, in dem Rühl'schen\nClavier-Auszuge „Lerchengesang\" überschrieben (wir\nwissen nicht, ob diese und die ähnlichen Ueberschriften von\nHändel oder von Gervinus herrühren), ist das Violin-Solo\ndie Hauptsache, die Melodie tritt gegen dasselbe in den\nHintergrund. In Nr. 16, Sopran-Arie in beginnt\ndie Flöte mit Trillern „ad libund ergeht sich dann\ndes Weiteren in einem Ritornell von 21 Tacten, worauf\nsie 60 Tacte lang theils mit der Singstimme abwechselt,\ntheils sie in Terzen u. s. w. begleitet, am Schlüsse aber\nzu einer Fermate kommt, bei welcher noch obenein „\ndenza ad libitum\" angemerkt ist also ein förmliches Vor-\nbild jenes Wettstreites zwischen Flöte und Sopran in einer\neinactigen Oper von Berton, deren Namen uns nicht gleich\neinfällt.\nNr. 18, die schon erwähnte Jagd-Arie für Bass\ndur, %), gibt den Hörnern volle Gelegenheit, sich zu\nzeigen; am Schlüsse sind vier Tacte Solo des ersten Horns\nwiederum mit ad libitum bezeichnet dem Charakter der\nPhrase nach wird es ihm frei stehen, ein Echo anzubringen.\nIn Nr. 28, „Orpheus' Klagelied\", Sopran-Arie (E-dur,\n4/i), kommt das Violoncell an die Reihe; es verhält\nsich zur Singstimme gerade so, wie in Nr. 16 die Flöte,\nwechselt mit ihr in der schon oben angeführten Figur\nab und hat zum Schlüsse eine ausgeschrie-\nbene kleine Cadenz, bei welcher jedoch durch das beige-\nschriebene ad libitum dem Spieler wiederum alle mögliche\nFreiheit gelassen ist, seine Virtuosität zu zeigen.\nIn Nr. 37 führen uns die Trompeten in die Hallen\nder Freude ein, wo der Frohsinnige seine heitere Stimmung\nin einer Arie (D-dur, 74) ausspricht. Dieser schliesst sich\nein kurzer Chor unmittelbar an, nach welchem die erste"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2096, "texte": "Trompete, die schon im Vorspiel den Reigen geführt, mit\nFolgendem beginnt:\ndas die zweite im dritten Tacte imitirt u. s. w.\nNach einem kurzen Recitaliv, durch welches uns der\nErnstgestimmte in die Kirche führt, wo „zu der Orgel\nSchall ein Lied ertönt\", folgt ein vierstimmiger choralarti-\nger Gesang, der jedoch nur drei Verse (nicht Strophen)\nhat, bei deren drei Fermaten Händel „Organo ad libitum\"\nangemerkt hat. Es war also auch hier nicht auf den Ge-\nsang, sondern hauptsächlich auf die Production des Orgel-\nspielers abgesehen.\nNach diesen Angaben und den Erläuterungen, welche\nProf. Gervinus in den angeführten Artikeln bereits gege-\nben, wird man sich überzeugen, dass wir es hier mit einem\nin vieler Beziehung höchst merkwürdigen Werke Händel's\nzu thun haben, für dessen Herausgabe wir dem Verfasser\ndes Clavier-Auszuges und der Verlagshandlung sehr dank-\nbar sein müssen. Es darf in der Bibliothek aller Vereine\nund aller Musiker, welche sich für mehr als die Tages-Li-\nteratur in der Tonkunst interessiren, nicht fehlen.\nHoffentlich wird nun auch das Oratorium Susanna\nbald einen Bearbeiter finden, zumal, da es nach Gervinus'\nVersicherung (Nr. 50 vom 16. December 1854) „viel-\nleicht mehr als alle anderen Oratorien Händel's das an\nOpern und neuere Tonstücke gewohnte Publicum gewin-\nnen und fesseln wird, indem es eine opernartige, ganz dra-\nmatisch verlaufende Handlung vorführt\". Die Benutzung\nseiner Uebersetzung des Textes (Nr. 51) hat Prof. Gervi-\nnus dem künftigen Herausgeber frei gestellt.\nWir benutzen diese Gelegenheit, um die Freunde ge-\ndiegener Musik auf das sehr empfehlungswerthe Unterneh-\nmen derselben Verlagshandlung—N. Simrock in Bonn\n—, „HändeTs Oratorien im Clavier-Auszuge\nmit deutschem und englischem Texte\" herauszugeben,\naufmerksam zu machen. Der Anfang ist mit dem Oratorium\nSamson gemacht worden, welches uns in einer sehr hüb-\nschen Ausgabe in dem jetzt gewöhnlichen Partitur-Format\n(gr. 8.) vorliegt. Dass für das Studium Händel's die Beifü-\ngung des englischen Original-Textes von grosser Wichtig-\nkeit sei, braucht kaum noch besonders bemerkt zu werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-08-04-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-08-04_01#c008", "volume": "bmtnabi_1855-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "245", "page_fin": "246", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.2.2", "titre_corps": "Physicalisch-musicalische Versuche.", "titre_sommaire": "Physicalisch-musicalische Versuche.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.5", "debut_caractere": 2098, "fin_caractere_exclue": 4493, "texte": "Physicalisch-musicalische Versuche.\nIn einem Saale des Erdgeschosses des polytechnischen\nInstituts in London war vor einigen Wochen eine Gesell-\nschaft von Musikern und Musiklreunden versammelt, um\nein Concert ganz eigenthümlicher Art zu hören.\nDie Zuhörer sassen in stiller Aufmerksamkeit um\neinige Harfen, welche vereinzelt in der Mitte des Zimmers\nstanden. Niemand berührte diese Instrumente, und doch\nvernahm man ganz deutlich, wiewohl aus einer Entfernung,\nderen Weite man nicht zu schätzen wusste, Harmonieen,\nwelche auf Alle den wunderbarsten Eindruck machten, der\nauf manche Personen, besonders auf Damen, so wirkte,\ndass sie einer Ohnmacht nahe waren und das Zimmer ver-\nlassen mussten. Die Ohren der Kenner unterschieden hin-\ngegen Töne der Violine, des Violoncells, der Clarinette\nund des Pianoforle; dennoch schienen alle diese Töne aus\nden Resonanzböden der Harfen hervorzukommen.\nDie Lösung des Räthsels ist folgende:\nMit den Resonanzböden der Harfen standen Stäbe von\nTannenholz von zwei Centimeter (etwa Zoll) Dicke in\nVerbindung. Diese Stäbe gingen durch den Fussboden des\nZimmers hindurch in einen sehr tiefen Keller und berühr-\nten dort mit ihrem unteren Ende die Decken einer Violine\nund eines Violoncells in der Gegend des Stimmstockes, ein\nFortepiano am Resonanzboden und eine Clarinette an dem\nTrichter.\nDiese Stäbe von Tannenholz pflanzten die Schallwellen\nder unten gespielten Instrumente zu den oben befindlichen\nResonanzböden der Harfen fort, setzten diese in Schwin-\ngung, welche man in den Klang-Figuren wahrnehmen\nkonnte, wenn man jenen mit feinem Sand bestreute, und\nmachten so die Töne aus dem Keller im oberen Saale voll-\nkommen hörbar. Um den Beweis zu liefern, dass die Wir-\nkung der tonleitenden Stäbe nicht auf Täuschung beruhe,\nindem man vielleicht auch ohne diese Vorrichtung die Mu-\nsik aus dem Keller höre, wurden die Stäbe zuweilen ausser\nBerührung mit den Resonanzböden der Harfen gesetzt,\nworauf augenblicklich die Musik im Saale verstummte,\nwährend unten fortgespielt wurde, eben so augenblicklich\naber wieder vernommen ward, sobald die Verbindung wie-\nder hergestellt war.\nDas Ganze war ein vollkommen gelungener, von dem\nPhysiker Wheatstone angegebener und von dem Director\ndes polytechnischen Instituts Pepper bewerkstelligter Ver-\nsuch über die bei Weitem grössere Intensität und Schnel-\nligkeit der Fortpflanzung des Schalles durch feste Körper,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1109, "texte": "als durch die Luft. So hört man z. 8., wie der Bericht-\nerstatter über jenen Versuch in der Zeitschrift „Cosmos\"\nhinzufügt, mit dem Ohr, das man an das eine Ende eines\nlangen Balkens legt, das ganz leise Einschlagen einer Steck-\nnadel am anderen Ende desselben.\nEine andere und praktischere Anwendung der Natur-\nwissenschaften auf die Musik ist die Erfindung eines elek-\ntrischen Metronoms durch Herrn Verbrügel in Brüs-\nsel. Der Zweck desselben ist, in der Oper die Chöre oder\nOrchester hinter der Scene, überhaupt alles, was hinter\nden Coulissen oder unter dem Podium u. s. w. gesungen,\ngespielt oder geblasen wird, in strenge Uebereinstimmung\nmit dem Tacte des Orchesters vor der Scene zu bringen.\nDazu dient eine Art von elektrischem Telegraphen, welchen\nder Capellmeister am Directionspulte ohne alle Mühe mit\neinem Finger der linken Hand in Wirksamkeit setzt, und\nwelcher dann den unsichtbaren Musikern durch eine me-\nchanische Vorrichtung, die er in Bewegung setzt, genau\ndenselben Tact markirt, den der Dirigent selbst schlägt.\nBerlioz soll sich desselben zuerst mit Erfolg in Brüssel be-\ndient haben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-08-04-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-08-04_01#c009", "volume": "bmtnabi_1855-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "246", "page_fin": "246", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.2.3", "titre_corps": "Noch einmal Suum cuique.", "titre_sommaire": "Noch einmal Suum cuique.", "signature_source": "Die Redaction", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.6", "debut_caractere": 1111, "fin_caractere_exclue": 2618, "texte": "Noch einmal Suum cuique.\nDie Redaction.\n(Vergl. Nr. 29.)\nWir erhalten folgenden Brief, den wir als authenti-\nschen Beitrag zur Aufklärung in der Frage über den\nP s e u d o - Web er's c h e n Walzer mittheilen.\n„In Nr. 29 der Niederrheinischen Musik-Zeitung be-\nfindet sich in dem von Herrn Capellmeister C. G. Reissiger\nin Dresden unter dem Artikel „Suum cuique\" mitgetheil-\nten Briefe über den unter dem Namen „ Derniere pensee\nde C. M. de Weber\" bekannt gewordenen Walzer von\nReissiger die Stelle: „Das Uebrige gehört der Mu-\nsik handle r-Speculation an\", welche andeutet, dass\ndie Verleger zu jener falschen Bezeichnung mitgewirkt.\nNun sind die Variationen von Herz, Op. 51, worin\ndieser Walzer wohl zuerst als\ndurch Herrn Herz bezeichnet wurde, 1829 in meinem\nVerlage mit Eigenthumsrecht erschienen. Einige Zeit nach-\nher fiel mir zufällig das Heft „\nger \" in die Hände, worin derselbe Walzer sich befand;\nich habe in Folge dessen sogleich in einer neuen vierhän-\ndigen Ausgabe der Variationen von Herz, welche ich 1833\nveröffentlichte, den Irrthum auf dem Titelblatte berichtigt,\nwie Sie es auf dem hier anliegenden Exemplare ersehen\nwerden, und will es Ihnen überlassen, ob Sie gelegentlich\nvon diesem Factum zu meiner Rechtfertigung in Ihrer Mu-\nsik-Zeitung Notiz nehmen wollen u. s. w.\n„Bonn, den 24. Juli 1855.\n„N. Simrock.\"\nDie genannte Ausgabe für vier Hände führt den Titel:\n„Variations etc. sur la Valse de\nniere pensee de C. M. .de Weber, composees par H. Herz.\nOp. 51. Bonn, chez N. Simrock.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-08-04-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-08-04_01#c010", "volume": "bmtnabi_1855-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "246", "page_fin": "247", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.2.4", "titre_corps": "Bonn, den 2. August 1855.", "titre_sommaire": "Bonn, den 2. August 1855.", "signature_source": "Breidenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.6", "debut_caractere": 2620, "fin_caractere_exclue": 4564, "texte": "Bonn, den 2. August 1855.\n\nDie Nr. 30 der Rhein. Müsik-Ztg. (von M. Schloss) 1. J.\nenthält unter der üeberschrift: „ Zum Abschiede\", einen Auf-\nsatz des Herrn von Wasielewski, in welchem sich in auf-\nfallender Weise die nämliche Gesinnung ausspricht, von\nwelcher auch jene berüchtigte und hart gegeisselte Cor-\nrespondenz über die Musik-Zustände des Niederrheines\nüberOiesst. Es ist eine eigenthümliche Art der Vertheidi-\ngung, Anklagen wegen verübter Schmähungen durch neue,\nden früheren nicht unebenbürtige Schmähungen von sich\nanzuweisen. Ich kann die ganze Sache nun um so mehr\nauf sich beruhen lassen, als sich die öffentliche Meinung\no\ndarin bereits ein festes, wohl schwerlich zu beseitigendes\nUrtheil gebildet hat. Dennoch darf ich nicht unterlassen,\ndie Behauptung, dass ich den als freie Improvisation auf\nder Orgel angekündigten Vortrag aufgeschrieben gehabt\nund vom Blatte gespielt habe, für eine grobe Lüge\nzu erklären, die selbst des „fremden\", in undurchdring-\nliches Dunkel gehüllten Correspondenten nicht unwürdig\ngewesen wäre. Ich hatte nichts vor mir liegen, als die auf-\ngeschlagene gedruckte Fuge von Albrechtsberger und ein\nkleines Blättchen Notenpapier, auf welchem ich die mir von\neinigen Anwesenden aufgegebenen Themen mit Bleistift no-\ntirt hatte. Und auch das will ich nicht verschweigen, dass\nich nicht wenig überrascht wurde, als ich am Schlüsse der\nzweiten Anmerkung zu dem „Abschied\" eine gehässige\nDeutung gedruckt las, welche die Redaction der Neuen\nZeitschrift für Musik als in dem fraglichen Manu Scripte\nbefindlich, aber als von ihr gestrichen mir bezeichnet hatte.\nDie Verdächtigung selbst betreffend, so ist mein Zurück-\ntreten von der Leitung öffentlicher Musik-Angelegenheiten\nein absichtliches uud freiwilliges gewesen, wozu ich, wie\nich schon anderwärts dargethan, die triftigsten Gründe\nhatte. In einem der beiden (grossentheils aus den nämlichen\nPersonen bestehenden) Vorstände zu sitzen, liegt daher"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 486, "texte": "schon desshalb, wenn auch nicht noch andere Motive vor-\nlägen, meinen Wünschen unendlich fern, und ich habe dies\nauf die unzweideutigste Weise hinreichend zu erkennen ge-\ngeben. Dass es aber nicht überflüssig ist, „beabsichtigte\nMissgriffe und die schlimmen Folgen verderblicher Einflüsse\nfortwährend nach Kräften verhüten zu helfen\", hat sich\nbei einem gewissen Projecte noch vor Kurzem evident ge-\nnug gezeigt. Hinc illae lacrimae!\n\nDr. Breidenstein,\nProf. und königl. Musik-Director."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-08-04-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-08-04_01#c011", "volume": "bmtnabi_1855-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "247", "page_fin": "247", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.2.5", "titre_corps": "Das Mozart-Säcularfest im Jahre 1856.", "titre_sommaire": "Das Mozart-Säcularfest im Jahre 1856.", "signature_source": "Das Comite des Mozarteums", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.7", "debut_caractere": 488, "fin_caractere_exclue": 4797, "texte": "Das Mozart-Säcularfest im Jahre 1856.\nDas Comite des Mozarteums.\nDas Mozarteum in Salzburg veranstaltet zur Säcularfeier der\nGeburt Mozart* s im September 1856 ein grosses Musik fest,\nwobei zwei Concerte, das erste am 7, ausschliesslich mit Mozart'-\nsehen Compositionen aller Musikgattungen, das zweite am 9. mit\nTonwerken verschiedener Meister, abgehalten werden.\nHerr Franz Lachner, königlich baierischer Gencral-Musik-Direc-\ntor zu München, hat die Leitung übernommen.\nAlle Musikkünstler von nah und fern werden hiermit freund-\nlichst zur Theilnahme eingeladen und ersucht, ihr Erscheinen, so\nwie die Art und Weise ihrer Mitwirkung an das Comite des Mo-\nzarteums in Salzburg längstens bis Ende Mai 185(5 bekannt zu\ngeben. Specielle Einladungen werden nicht ergehen. Die Programme\nder Muik-Aufführungen und anderer Festlichkeiten werden später\nbekannt gegeben.\nEin Jahrhundert ist nun bald abgelaufen seit dem Tage, an\nwelchem ein Stern erster Grösse an dem Himmel der Kunst auf-\ngegangen ist. Der Mann, welcher eine der bedeutendsten Kunst-\nEpochen in der Geschichte der Musik geschaffen hat, dessen Name\nschon wie Harmonie dem Ohre klingt, der die Welt gelehrt hat,\nin Melodieen zu jubeln und zu trauern, zu lieben uud zu zürnen\nMozart erblickte am 27. Jänner des Jahres 1756 in Salzburg\ndas Licht der Der grosse Meister der Töne erreicht im\nkommenden Jahre sein hundertstes Lebensjahr; denn hat ihn\nauch der Tod schon im 36. Jahre von dem Schauplatze seines\nWirkens abgerufen seih Name, seine Werke sind unsterblich!\nSo weit der Name Mozart bekannt geworden, so weit die Begeiste-\nrung für seine Kunstschöpfungen gedrungen ist, inuss die Säcular-\nfeier seiner Geburt alle Herzen höher schlagen machen, in welchen\nLiebe zur Kunst, Liebe für Musik lebet. Jede Stadt, welche Musik\nzu würdigen versteht, würde bereit sein, dieses in der Geschichte\nder Tonkunst so bedeutungsvolle Jahr mit einem Feste zu verherr-\nlichen; aber keine Stadt der Welt ist mehr dazu berufen, als\nSalzburg. Salzburg kann mit Stolz sich Mozart's Vaterstadt nen-\nnen; Salzburg hat ihn verewigt durch eine Kunstanstalt, welche\nseinen Namen führt; Salzburg weiset unter seinen Denkmälern die\nStatue des Unvergesslichen. zu welcher jeder für Musik Begeisterte\nmit freudiger Rührung emporblickt.\nDas Mozarteum in Salzburg hat daher beschlossen, die erhabene\nSäcularfeier der Geburt Mozart's im kommenden Jahre 1856 auf\nmöglichst würdige Weise zu feiern.\nDa der Monat Jänner, in welchem er geboren ist, sich nicht\neignet, um Fremde hieher einzuladen, so wird der Monat Septem-\nber zu dieser Feier gewählt, indem auch das Enthüllungsfest der\nMozart-Statue in diesem Monate Statt fand und darum eine schöne\nErinnerung für denselben spricht.\nDer königlich baierische General-Musik-Director Herr Franz\nLachner in München hat auf die Einladung des Mozarteums zur\ngrossen Freude desselben die musicalische Leitung des Festes\nfreundlichst zugesagt.\nZu dieser Festlichkeit, welche in den Herzen aller Verehrer\nMozart's in allen Ländern und Städten freudigen Anklang finden\nwird, ladet nun das Mozarteum alle Künstler und Kunstfreunde\nnicht Oesterreichs und Deutschlands allein, sondern Europa's\nein. Mozart's Ruf ist ein Weltruf, sein Name gehört der Welt an;\nseine Verherrlichung ruft darum auch alle Welt zur Betheiligung\nauf. Wer immer mit Entzücken seine Töne als Künstler selbst her-\nvorgerufen, oder als Kunstfreund denselben gelauscht hat, der komme,\num bei diesem Feste sie in der würdigsten Weise zu hören.\nBei der grossen Zahl von Künstlern, deren Betheiligung bei\neinem solchen Feste erwartet werden kann, wäre es nicht möglich,\nnoch specielle Einladungen ergehen zu lassen. Möge daher dieser\nallgemeine Aufruf Allen genügen, um sich für ihre Theilnahme\nfreudig zu entschliessen. Das Mozarteum in Salzburg ist von der\nUcberzeugung durchdrungen, dass dieselbe Begeisterung für Mo-\nzart, mit welcher es dieses Fest veranlasst, auch alle Tonkünstler\nbeseelen und Theilnehmer von nah und fern herbeirufen werde.\nZugleich ergeht an die Directionen aller Musik-Vereine, Kunst-\nAnstalten, Conservatoricn und Theater das freundliche Ersuchen,\ndurch bereitwillige Urlaubs-Ertheilungen an ihre angestellten Mit-\nglieder für diese Festzeit ihr Interesse an dem schönen Zwecke\nund ihre Verehrung Mozart's kund zu geben.\nSalzburg, den 1. Juli 1855."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-08-04-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-08-04_01#c012", "volume": "bmtnabi_1855-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "247", "page_fin": "248", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.7", "debut_caractere": 4799, "fin_caractere_exclue": 6261, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIn Dortmund fand am 26. Juli, Nachmittags 6 Uhr, die Ein-\nweihungsfeier der Orgel in der Reinoldi-Kirche Statt. Sie ist\nnach den neuesten Principien umgebaut und durch manche Ver-\nvollkommnungen ein vorzügliches Werk (von 72 Stimmen) gewor-\nden. Wir werden nächstens eine ausführlichere Darstellung dessel-\nben erhalten. Leider war es uns selbst nicht möglich, der Ein-\nweihung beizuwohnen.\n- Ä\nBerlin, In der öffentlichen Sitzung der königlichen Akademie\nder Künste am 17. Juli wurden folgenden jungen Künstlern und\nComponisten, Schülern der Akademie, Prämien zuerkannt. In der\nAbtheilung für musicalische Composition wurden durch Prämien\nausgezeichnet und Compositionen der drei zuerst zu Nennenden\nwährend der Sitzung zur Aufführung gebracht: 1. Friedr. Wilh.\nVoigt aus Coblenz. 2. Wilh. Gluschke aus Bleesen. 3. Ru-\ndolf Thoma aus Leschwitz. 4. Rieh. Zellner aus Berlin.\n5. Paul Schnoph aus Berlin. 6. Robert Beermann aus\nNeu-Haldensleben. Directorium und Senat der königlichen Akade-\nmie der Künste. Dr. E. H. Toelken.\nCapcllmeister Dorn arbeitet in Pankow's ländlicher Stille an\nder Vollendung einer komischen Oper, Text von Grün bäum;\nCapellmeister Taub er t an einer grossen tragischen Oper, Text\nvon Dr. Lua.\nTh. Döhler befindet sich im Wildbad im Schwarzwalde,\nist aber noch sehr leidend und darf nicht an musicalische Arbei-\nten denken.\nRossini ist gegenwärtig in Ha vre; seine Gesundheit soll sich\nsehr gestärkt haben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5601, "texte": "** Wien, 27. Juli. Die Sängerin Louise Mayer aus Prag,\nvon deren erfolgreichem Auftreten in Stuttgart und Strassburg Ihre\nZeitung berichtete, gibt hier auf dem k. k. Operntheater Gastrollen\nund hat gleich in der ersten derselben, der Valentine in den\nHugenotten, grossen, ja. ausgezeichneten Beifall errungen. Auch\nIhr Berichterstatter stimmt in denselben ein, in so fern er der na-\ntürlichen Begabung der jungen Künstlerin gilt und als Aufmun-\nterung zu eifrigem Streben, die Natur durch die Kunst zu ergän-\nzen und zu vervollkommnen. Es ist wahr, der Ausdruck der Lei-\ndenschaft gelingt ihr auch jetzt schon sehr gut; allein seitdem das\nSpiel in der Oper eine Hauptsache geworden ist, wird darüber\nzuweilen der Gesang vernachlässigt oder wenigstens jenem unter-\ngeordnet, und das halten wir durchaus nicht für einen Fortschritt,\nman müsste denn den Gesang etwa nach Wagner'schen An-\nsichten —: nur für eine Art Sprache, für eine Ausdrucksform des\nWort-Inhalts, ansehen, wodurch er dann aber freilich eben kein\nGesang bleibt. Fräul. Mayer hat uns bewiesen, dass sie der Ueber-\ntreibung, welche leider so häufig für dramatischen Ausdruck gehal-\nten wird, gar nicht bedarf, um hinzureissen, und der Beifall, den\nihr Gesang und Spiel im vierten Acte gewann, muss ihr mehr\nwerth sein als das Zujauchzen der Menge; denn jener war Folge\ndes Eindrucks, den sie auf gefühlvolle Seelen und musicalisch ge-\nbildete Zuhörer machte.\nIhre zweite Rolle war Linda, Sie wurde mit rauschendem\nApplaus empfangen und nach hiesiger Sitte unzählige Male geru-\nfen. Es fehlte in der Ausführung dieser Partie nicht an glänzen-\nden Momenten: indess erfordert sie eine vollendete Virtuosität im\nGesänge, und eine solche besitzt die talentvolle und in jeder Er-\nscheinung sehr einnehmende Künstlerin wenigstens jetzt noch nicht.\nNächstdem sahen wir sie als Leonore im Fide 1 i o und als\nAlice im Robert. Beide Rollen eignen sich sehr für die Eigen-\ntümlichkeit derselben, und sie wird in beiden, sobald volle Si-\ncherheit in Spiel und Gesang auch bis ins Einzelnste erreicht ist,\nmeisterhafte Darstellungen liefern. Was die Stimme an und für\nsich betrifft, so ist sie jugendlich frisch und kräftig, allein weniger\nschmelzend und für den zarten Ausdruck des Lyrischen geeignet.\nDer Umfang ist nicht bedeutend, aber vollkommen genügend für\nSopran-Partieen, welche bis zum hohen c gehen (wiewohl dies in\ndem Duett Valentinens mit Marcel ein kLin wenig zu tief war)\nund keine tiefen Brusttöne erfordern. Möge nur Fräul. Mayer die\nihr von der Natur gegebene Region allein cultiviren und nicht\nnach einer Tiefe streben, bei welcher ihrem Organ der Klang\nversagt ist.\nDie italiänische Saison ist beendigt. Gegeben wurde in\nderselben: II Barbiere 10 Mal, Rigoletto 7, II Trovatore 6, Moses 10,\nLinda 2, Ernani 5, Lucrezia 5, La Traviata (Verdi) 2, Don Pas quäle\n3, Marco Visconti 4, Sonnambula 2, Cenerentola 4, Cristina di Svezia\n(Thalberg) 3, Otello 2, Maria di Rohan 2, Lucia 2, Don Giovanni 2\nMal. Die Medori ist, wie es heisst, mit 14,000 Gulden für die\nnächste Saison wieder engagirt. Die Kosten der italiänischen Oper\nhaben 300,000 Gulden betragen; der Rechnungs-Abschluss ergibt\nein Deficit von 118,000 Gulden! D.\nVerdi ist einige Tage in London gewesen; er wird von Pa-\nris aus Anfangs August nach Italien auf seinen Landsitz bei Bus-\nseto, seinem Heimatsort, zurückkehren.\nIn Florenz hat ein junger Beamter bei den Steinbrüchen,\nNamens Cianchi, eine Oper, „Salvator Rosa\", geschrieben, welche\nErfolg hatte. Der Grossherzog hat ihm zur Composition einer zwei-\nten einen Urlaub von sechs Monaten mit Fortdauer seines Gehaltes\nbewilligt.\nDer Pianist Leopold von Meyer bereis't Italien; in Parma\nist er bei Hofe und vom Publicum sehr gut aufgenommen worden.\nZu Venedig ist Meyerbeer's Prophet am 11. Juli zum\nersten Male gegeben worden; der erste, dritte und vierte Act ge-\nfielen am meisten.\nI\"arist In der Oper Santa Chiara des Herzogs von Gotha\nwird nicht Fräul. Cruvelli, sondern Fräul. Lafon singen. (Es\nbestätigt sich, dass erstere mit Ablauf ihres Contractes die Bühne\nverlässt und sich vermahlt.) In einer vorläufigen Ankündigung der\ngedachten Oper heisst es, sie sei von Gustav Oppelt nach dem\nDeutschen bearbeitet und für die französische Bühne eingerichtet.\nAm Schlüsse heisst es wörtlich: Nota. Mr. G. Oppelt, collab ora-\nteur et delegue de S. Altesse Royale, demeure rue Bergere Nt\\ 7,\nHotel des Arts, ä Paris. (!)\nDer Obrist Ragani ist von der Direction der italiänischen\nOper, welche er zwei Jahre mit Ehren, aber mit Verlust geführt\nhat, zurückgetreten und hat sie einem reichen Cubaner, Herrn\nCalzado aus Havannah, überlassen.\nDie Verlagshandlung von G. Brandus & Gomp. wird die Par-\ntitur des Te Deum von H. Berlioz drucken.\nDer Violinspieler Sivori war in Paris, hat aber nur Einmal,\naus Gefälligkeit für die Pianistin Mad. Farrenc, öffentlich gespielt\nund ist nach den Rheinbädern gegangen. Von daher (Ems, Hom-\nburg etc.) wird Vieuxtemps in Paris erwartet, wo auch sein\nKunst- und Concert-Genosse Servais angekommen ist.\nDie Bildsäule Beethoven's ist glücklich in Boston ange-\nkommen; vorläufig ist sie im Athenäum aufgestellt worden, da ihre\nfeierliche Aufstellung in dem grossen Concertsaale der philharmo-\nnischen Gesellschaft erst im Herbste Statt finden soll. Die Statue\nist von Erz und sieben Fuss hoch: in der Hand hält der Meister\neine Notenrolle, auf welcher das Thema aus der neunten Sinfonie:\n„Freude, schöner Götterfunken44, eingravirt ist.\nIi e r i c Ii t i g; ii ii g-.\nIn der vorigen Nr. 30 vom 28. Juli:\nS. 233, Sp. 2, lies oiseau, statt diseau.\n„ 239, „ 1, „ wir halten es, statt man hielt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.1", "texte": "Frohsinn und Schwermuth.\nOratorium von G. F. Händel.\nClavier-Auszug von F. W. Rühl.\nUnsere Leser werden sich erinnern, dass Prof. Ger-\nvinus in diesen Blättern (Jahrgang 1853, Nr. 4 und 5,\nvom 23. und 30. Juli) zuerst auf das oben genannte, bis-\nher in Deutschland so gut wie gänzlich unbekannte Werk\nHändel's nicht nur aufmerksam gemacht, sondern auch\neine vollständige metrische Uebersetzung des Textes von\nMilton mitgetheilt und eine ausführliche Analyse des musi-\ncalischen Charakters nicht nur des Ganzen, sondern auch\nder meisten einzelnen Nummern gegeben hat.\nHerr F. W. Rühl hat zu dem Clavier-Auszuge, der\nin einer schönen Ausgabe bei N. Simrock in Bonn er-\nschienen ist, ein „Vorwort\" geschrieben, in welchem er\nzunächst die historischen Nachrichten, die Gervinus in jenem\nAufsatze über die Zeit der Entstehung dieses Oratoriums\nu. s. w. (im Jahre 1740) gibt, wiederholt und dann also\nfortfährt:\n„Nach des Meisters Tode scheint diese Arbeit mehr\noder weniger vergessen worden zu sein, in öffentlichen\nConcerten wurde sie nicht mehr gehört*). In neuester Zeit\nbenutzten zwar Privat-Gesellschaften einzelne Nummern\ndaraus zu ihren besonderen Zwecken, sie sangen auch wohl\ndas Werk im häuslichen Kreise mit Clavier-Begleitung\nganz durch, wie z. B. in Heidelberg bei Gervinus, der\nauch öffentlich auf dasselbe hinwies; gleichwohl\ndarf es sich der Unterzeichnete zur hohen Ehre rechnen,\ndieses Oratorium mit dem hier unter seiner Leitung stehen-\nden Gesang-Vereine im November 1853 zur ersten öf-\nfentlichen Auflührung in Deutschland gebracht zu haben.\nDer bei dieser Gelegenheit vielseitig kund gegebene Wunsch\nnach einer deutschen Ausgabe des Werkes in mehr zu-\ngänglicher Form ist die nächste Veranlassung zur Bearbei-\ntung dieses Clavier-Auszuges geworden.\"\nWir wollen Herrn Rühl keineswegs das Verdienst be-\nstreiten, das fragliche Oratorium wahrscheinlich zuerst in\nDeutschland mit Orchester aufgeführt zu haben; allein die\nEhre, das Werk aus der Vergessenheit gezogen zu haben,\ngebührt Gervinus und seinem Gesangkreise in Heidelberg\nund seiner Analyse des „Allegro\" in diesen Blättern.\nLetztere erschien im Juli 1853, und ohne dieselbe dürfte\nHerr Rühl schwerlich im November an seine Aufführung\ngedacht haben*). Wenn er aber gar über einen Aufsatz,\nwelcher neunzehn Spalten in unserer Zeitschrift füllt, mit\nden Worten hinweg geht, welche wir in der Stelle seines\nVorwortes oben gesperrt gedruckt haben, so ist dies ein\nUnterlassungs-Vergehen, das um so auffallender erscheint,\nals Prof. Gervinus, mit dessen Texte der Clavier-Auszug\n(wie auf dem Titel bemerkt) erschienen ist, doch offenbar\nHerrn Rühl die Benutzung desselben zur Förderung der\nguten Sache gestattet haben muss, und ferner der bei\nWeitem grösste Theil des Vorwortes nichts Anderes ent-\nhält, als was Gervinus bereits in jenem Aufsatze ausführ-\nlicher und eindringlicher gesagt hat.\nNach diesem Tribute, den die Kritik dem\nschuldig war, stehen wir keinen Augenblick an, Herrn\nRühl lür seine aus Verehrung des Meisters unternommene\nund mit grossem Geschick durchgeführte Arbeit den auf-\nrichtigsten Dank auszusprechen, in welchen die ganze mu-\nsicalische Welt einstimmen wird, d. h. derjenige Theil der-\nselben, welcher die ewigen Monumente, die an der Ent-\nwicklungs-Bahn der Tonkunst stehen, heilig hält und es\njedenfalls für Gewinn achtet, wenn wieder eines derselben\n\n*) Nach einer Aeusserung von Gervinus in dessen vortreff-\nlichem Aufsatze über das völlig, selbst dem Namen nach ver-\ngessene Oratorium Susanna von Händel (s. Jahrgang\n1854, Nr. 50 und 51, vom 16. und 23. December dieser Zeit-\nschrift), dessen metrische Text-Uebersetzung er ebenfalls a.»a.\n0. mittheilt, ist der Allegro und „wenigstens in\nEngland immer verbreitet und in Familien und Schulen be-\nliebt gewesen\". Anmerkung der Redaction.\n*) Auch über diese Aufführung ist in unserer Zeitschrift aus-\nführlich berichtet worden; siehe die Correspondenz aus\nFrankfurt a. M. vom 25. November 1853 in Nr. 23 (vom\n3. Decemher, Jahrg. 1853) von A. Schindler."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.2", "texte": "noch dozu von einem solchen Baumeister, wie Händel!\naufgefunden und lür die Betrachtung und das Studium\nder Gegenwart gerettet wird.\nSo viel sich ohne Einsicht der Partitur beurtheilen\nlässt (die Partitur ist übrigens in der von\nHänders Werken gedruckt, und zwar von J. Moscheies\nherausgegeben eine Notiz, welche wohl eine Stelle in\ndem Vorworte verdient hätte), ist der vorliegende Ciavier-\nAuszug mit lohenswerther Sorgfalt und einer Gewissen-\nhaftigkeit gemacht, welcher die Rücksicht auf die Bequem-\nlichkeit des Spielers aufgeopfert ist und das mit vollem\nRechte; denn erstens will man ein unbekanntes Werk,\ndessen Partitur nur den grossen Bibliotheken und den mit\nzeitlichen Gütern gesegneten Menschen zugänglich ist, so\ntreu wie möglich vom Original copirt haben, so dass man\nim Kupferstiche nichts davon verliert, als die Farbengebung,\nd. h. ohne Gleichniss im Clavier-Auszuge nichts als die In-\nstrumentirung; und zweitens ist die Technik im Ciavierspiel\nso fortgeschritten und bis auf eine gewisse Stufe so sehr\nGemeingut geworden, dass auch die Begleitung des Duetts\nNr. 48 kaum der Entschuldigung wegen ihrer Schwierig-\nkeit bedurfte, zumal da das Tempo ein so langsames ist.\nNach einer Andeutung im Vorworte scheinen die\nTempo-Bezeichnungen alle von Herrn Rühl herzurühren.\nWir wissen nicht, ob Moscheies bei der Partitur-Ausgabe\ngar nichts in dieser Hinsicht gethan hat. Höchst schwierig\ndürfte freilich bei diesem Oratorium die Erledigung dieses\nPunktes sein, da bei demselben die Tradition nicht zu Hülle\nkommen kann, wie dies wenigstens in England bei dem\nMessias u. s. w. der Fall ist.\nDie dynamischen Bezeichnungen scheinen uns hier und\nda lür Händel'sche Musik zu gekünstelt; das Raffinement\nder Contraste zwischen Forle und Piano, und vollends die\nhäufige Anwendung des Pianissimohat der Alte schwerlich\ngekannt. Nun, Herr Röhl will die bezeichnete Vortrags-\nweise wie natürlich auch lür nichts Anderes als seine indi-\nviduelle Auffassung geben.\nAuffallend war uns im Vorworte die Bemerkung über\nden Vortrag der Chöre. „Das übliche, so genannte Chor-\nsingen\" —heisst es daselbst—„mit allenfallsiger Abwech-\no\nseiung von Piano und Forle, oder, wenn's hoch kommt,\ngelegentlich mit einem allgemeinen Crescendo oder Decres-\nOD °\ncendo [bei Händel ??], genügt hier keineswegs, die feine\nCharakteristik der Composition entsprechend wiederzuge-\nben. Es wird vielmehr dabei verlangt, dass jede Chorslimme\nihren Theil selbstständig mit dem vollendeten Ausdruck\neiner obligaten Solostimme [eine Solostimme dürfte wohl\nimmer obligat sein] vortrage und allen Anforderungen ge-\nnüge, die man an einen Einzelgesang zu stellen berech-\ntigt ist.\"\nWir können der Anwendung dieses Grundsatzes ge-\nrade auf Händel's Chöre gar nicht beistimmen; diese erfor-\ndern die einfachste, so wenig wie möglich colorirte Vor-\ntragsweise; natürliche Kraft der Massen ist das Element,\nin welchem sie sich bewegen; alles, was nach Sentimen-\ntalität und theatralischer Affectation nur von Weitem aus-\nsieht, ist dabei ein wahrer Gräuel. Im vorliegenden Orato-\nrium aber, in welchem die Chöre erstens sehr wenig zahl-\nreich, ferner alle sehr kurz und bis auf den Schluss-Chor\ndes 11. Theiles und den End-Chor des Ganzen durchaus\nnicht polyphon gearbeitet sind, wie das sonst Händers Art\nist: - was hier gerade diese Bemerkung soll, können wir\nnicht einsehen.\nDas Oratorium (eigentlich eine Cantate, bei deren\ndeutschem Titel das Wort „ Schwermuth\" eine zu starke\nBezeichnung lür den Gegensatz zu „Frohsinn\" zu sein\nscheint, indem Milton's Pensieroso mehr den Ernst und al-\nlenfalls die schwärmerische Stimmung ausspricht, als eine\nwirkliche Melancholie) enthält 49 Nummern, wovon nur 9\nChören, eine einem Duett zwischen Sopran und Tenor, alle\nübrigen aber einzelnen Recitativen und Arien zukommen.\nVon den Chören haben nur drei (Nr. 30, 40 und 49) eine\nselbstständige und etwas ausgeführtere Form; die anderen\nsind den Arien angehängt als eine Art vierstimmigen\nRefrains, von denen besonders die von heiterem Charakter\nsehr frisch und anregend sind. Dagegen halten die genann-\nten drei Nummern, namentlich 40 und 49, auch nicht\neinen entfernten Vergleich mit den Chören in Händel's be-\nkanntern Oratorien aus.\nUeberhaupt können wir die Begeisterung, welche sich\nlür den absoluten Werth dieser Composition in allen ihren\nTheilen bei Gervinus ausspricht, nicht ganz theilen, so ehr-\nwürdig und lür die Kunstgeschichte erspriesslich sie selbst\nund ihre Früchte auch sind. Dadurch, dass Händel von der\nlangen Reihe von Sologesängen dem Alt nur einen, Reci-\ntativ und Arie (Nr. 26 und 27), dem Bass nur zwei, die\nsehr ansprechende und lür den Sänger dankhare Jagd-Arie\nin Es-dur (Nr. 18) und die Arie des „Gemässigten\" (Nr.\n42), alles Andere aber dem Sopran oder dem Tenor zuge-\ntheilt hat, musste schon nothwendig eine gewisse Eintönig-\nkeit erzeugt werden, welche durch den Wechsel des Cha-\nrakters der Arien keineswegs verbannt wird. Manchem\ndürfte es auch sonderbar vorkommen, dass der Componist"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.3", "texte": "dem Sopran die Rolle des Schwermüthigen, dem Tenor\ndie andere zugetheilt hat.\nEs scheint uns aus der Behandlungs-Art der Solostücke\nund aus der Zurücksetzung der Chöre offenbar hervorzu-\ngehen, dass Händel dieses Werk vorzüglich lür den Glanz\nder Virtuosität geschrieben hat, und dass der sonst so\nstrenge Meister hier einmal dem Zeitgeschmacke, vielleicht\nauch einzelnen ausgezeichneten Künstlern, über die er ge-\nrade verfügen konnte*), Zugeständnisse gemacht, überhaupt\nden damaligen Dilettanten und dem grossen Publicum etwas\nzum Besten habe geben wollen, das ihnen auf der Stelle\nmundete. Dass er dabei immer Händel bleibt und folglich\neine Menge von schönen Gedanken, lieblichen und anmu-\nthigen, so wie tief empfundenen Melodieen aus seiner Feder\nquellen, wird Keinen wundern.\nHöchst interessant ist nun aber das Werk gerade\ndurch jene seine Bestimmung, indem wir in ihm trotzdem,\ndass Händel's Eigentümlichkeit überall zu Tage tritt, doch\n' eine ganz neue Seite des Meisters kennen lernen, nämlich\neine Schreibweise im freien Stil, und noch dazu eine humo-\nristische Auffassung und Ausdrucksweise, wie sie vielleicht\nin einzelnen Partieen seiner Opern, in den Oratorien aber,\nwie natürlich, sonst nirgends vorkommt. Ob der Humor\ndes Alten überall die Gränzen inne hält,\nque nequit consistere pulchrum, mögen wir nicht ent-\nscheiden; dass er aber bei der Tenor-Arie in F, Nr. 5,\nund dem anschliessenden Lach-Chor selber herzlich gelacht\nhabe, können wir uns sehr gut vorstellen und wollen denn\nauch unseren Lesern dieselbe Freude bereiten. Der Froh-\nsinnige singt:\nund sein Gefolge, die Kinder der Freude, lassen sich im\nChorus staccatoalso vernehmen:\nJa, es geht noch lustiger (aber nicht eben leicht ausführ-\nbar) zu, wenn bei der Wiederholung der obigen Phrase\ndes Solo-Tenors durch den Chor-Tenor der Chor-Sopran\ndiese in Sechszehnteln\nimitirt—ein Vorbild von Mozart's Papapapapapageno und\nden modernen Violin-Kunststückchen.\nDass Händel so genannte Malerei in der Musik liebt\nund auf geschmackvolle Weise auszuführen versteht, wis-\nsen wir. Das vorliegende Oratorium besteht aber grössten-\ntheils aus Tonmalerei; es wird mithin des Guten zu viel\ngegeben, zumal, da es in der That nicht überall etwas\n\n*) Herr Hühl bemerkt über das Recitativ des Alts, Nr 26:\n„Dieses Recitativ hatte Händel wohl ursprünglich mit Be-\nrücksichtigung der Stimmmittel einer einzigen Persönlichkeit\ngeschrieben und theilweise in einer über alle Begriffe tiefen\nTonlage gesetzt. Um einer allgemein möglichen Ausführbar-\nkeit willen sind die betreffenden liefen Stellen hier abgeän-\ndert worden.\" Die Abänderung mochte Statt finden, sie\nmusste aber in kleinen Noten über den Original-Noten Hän-\nders gesetzt werden; jetzt aber fehlen diese letzteren ganz\nund mit ihnen ein interessanter Beweis theils für unsere\nobige Yermuthung, theils für die Existenz tiefer Stimmen,\nwelche sich nur in einer Zeit als solche conserviren konnten,\nwo man die Stimmen in ihren natürlichen Schranken\nausbildete und nicht den ganzen Ruhm der Gesanglehr-\nkunst darein setzte, jedem Alt und jedem Bass eine wider-\nnatürliche Höhe anzuquälen. Bei der ersten Herausgabe eines\nalten Werkes ist diplomatische Treue eine Hauptsache. Es\nwürde uns lieb sein, wenn uns Herr Rühl das Original jenes\nRecitativs mittheilte."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.4", "texte": "Gutes ist. Denn wir können bei aller Pietät für Händel'-\nsche Musik doch unserem Herrn Correspondenten in Frank-\nfurt (in Nr. 29 vom 3. December 1853) nur beistimmen,\nwenn er gar manches, was wir hier von dieser Art finden,\nwie z. B. die Nachtigallen-Arie mit dem Flöten-Solo, für\nGetändel und langweilige Spielerei erklärt.\nUnsere oben ausgesprochene Ansicht, dass Händel\ndieses Werk hauptsächlich geschrieben habe, um dem da-\nmaligen musicalischen Dilettanten-Publicum zu gefallen,\nvielleicht auch um die grosse Menge, welche den Italiänern\nanhing, die dem deutschen Meister bekanntlich viel Ver-\ndriesslichkeiten bereiteten, von jenen abzuziehen und durch\neinige Gefügigkeit wieder für sich zu gewinnen, diese\nAnsicht wird nicht bloss durch das Vorherrschen der Arien,\nsondern besonders auch durch deren bravourmässige Be-\nhandlung bestätigt. Sowohl die Tenor-, als besonders die\nSopran-Partie erforderten Stimmen von bedeutendem Um-\nfange und von tüchtiger Schule, konnten sich dann aber\nauch im Glänze der Coloratur, dem Geschmacke der Zeit\nnach, zeigen. Man betrachte nur Figuren für Sopran, wie\nfolgende:\nwelche letztere sich durch verschiedene Tonstufen 22 Mal\nhinter einander wiederholt, ausserdem aber in derselben\nArie noch 16 Mal vorkommt. In beiden Arien wetteifert\nder Sopran dort mit der Flöte, hier mit dem Violoncell\nund der Violine.\nDies führt uns auf die eigenthümliche, von Händel's\nWeise in den übrigen Oratorien abweichende Behandlung\nder Instrumente neben dem Gesänge. Finden wir auch sonst\nhier und da, z. B. in dem lydischen Brautliede im Alexander-\nfest, eine reizende melodische Vermählung eines Instrumen-\ntes (dort des Violoncells) mit der Singstimme, so hat diese\nBegleitung den durch das Wort „ Vermählung\" bezeich-\nneten Charakter; in „Frohsinn und Schwermuth\" aber ist\ndie Instrumental-Solostimme neben dem Gesänge seibst-\nständig und virtuosenartig behandelt, welches so weit geht,\ndass dem Spieler sogar Raum für willkürliche Caden-\nzen gelassen ist! Das beweis't denn doch offenbar, dass\nhier ein gewisser Concert-Luxus vorherrscht, wie wir ihn\nin keiner von den bisher gedruckten Compositionen Hän-\ndel's finden, und dass gerade dieser Umstand die Wichtie-\no\nkeit der Herausgabe des Allegro in Deutsch-\nland für die Geschichte der Musik ganz ausserordentlich\nerhöht.\nWir halten es für nöthig, bei diesem Punkte, den\nGervinus' Besprechung weniger berührt hat, ins Einzelne\nzu gehen.\nIn der Tenor-Arie Nr. 14, G-dur, in dem Rühl'schen\nClavier-Auszuge „Lerchengesang\" überschrieben (wir\nwissen nicht, ob diese und die ähnlichen Ueberschriften von\nHändel oder von Gervinus herrühren), ist das Violin-Solo\ndie Hauptsache, die Melodie tritt gegen dasselbe in den\nHintergrund. In Nr. 16, Sopran-Arie in beginnt\ndie Flöte mit Trillern „ad libund ergeht sich dann\ndes Weiteren in einem Ritornell von 21 Tacten, worauf\nsie 60 Tacte lang theils mit der Singstimme abwechselt,\ntheils sie in Terzen u. s. w. begleitet, am Schlüsse aber\nzu einer Fermate kommt, bei welcher noch obenein „\ndenza ad libitum\" angemerkt ist also ein förmliches Vor-\nbild jenes Wettstreites zwischen Flöte und Sopran in einer\neinactigen Oper von Berton, deren Namen uns nicht gleich\neinfällt.\nNr. 18, die schon erwähnte Jagd-Arie für Bass\ndur, %), gibt den Hörnern volle Gelegenheit, sich zu\nzeigen; am Schlüsse sind vier Tacte Solo des ersten Horns\nwiederum mit ad libitum bezeichnet dem Charakter der\nPhrase nach wird es ihm frei stehen, ein Echo anzubringen.\nIn Nr. 28, „Orpheus' Klagelied\", Sopran-Arie (E-dur,\n4/i), kommt das Violoncell an die Reihe; es verhält\nsich zur Singstimme gerade so, wie in Nr. 16 die Flöte,\nwechselt mit ihr in der schon oben angeführten Figur\nab und hat zum Schlüsse eine ausgeschrie-\nbene kleine Cadenz, bei welcher jedoch durch das beige-\nschriebene ad libitum dem Spieler wiederum alle mögliche\nFreiheit gelassen ist, seine Virtuosität zu zeigen.\nIn Nr. 37 führen uns die Trompeten in die Hallen\nder Freude ein, wo der Frohsinnige seine heitere Stimmung\nin einer Arie (D-dur, 74) ausspricht. Dieser schliesst sich\nein kurzer Chor unmittelbar an, nach welchem die erste"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.5", "texte": "Trompete, die schon im Vorspiel den Reigen geführt, mit\nFolgendem beginnt:\ndas die zweite im dritten Tacte imitirt u. s. w.\nNach einem kurzen Recitaliv, durch welches uns der\nErnstgestimmte in die Kirche führt, wo „zu der Orgel\nSchall ein Lied ertönt\", folgt ein vierstimmiger choralarti-\nger Gesang, der jedoch nur drei Verse (nicht Strophen)\nhat, bei deren drei Fermaten Händel „Organo ad libitum\"\nangemerkt hat. Es war also auch hier nicht auf den Ge-\nsang, sondern hauptsächlich auf die Production des Orgel-\nspielers abgesehen.\nNach diesen Angaben und den Erläuterungen, welche\nProf. Gervinus in den angeführten Artikeln bereits gege-\nben, wird man sich überzeugen, dass wir es hier mit einem\nin vieler Beziehung höchst merkwürdigen Werke Händel's\nzu thun haben, für dessen Herausgabe wir dem Verfasser\ndes Clavier-Auszuges und der Verlagshandlung sehr dank-\nbar sein müssen. Es darf in der Bibliothek aller Vereine\nund aller Musiker, welche sich für mehr als die Tages-Li-\nteratur in der Tonkunst interessiren, nicht fehlen.\nHoffentlich wird nun auch das Oratorium Susanna\nbald einen Bearbeiter finden, zumal, da es nach Gervinus'\nVersicherung (Nr. 50 vom 16. December 1854) „viel-\nleicht mehr als alle anderen Oratorien Händel's das an\nOpern und neuere Tonstücke gewohnte Publicum gewin-\nnen und fesseln wird, indem es eine opernartige, ganz dra-\nmatisch verlaufende Handlung vorführt\". Die Benutzung\nseiner Uebersetzung des Textes (Nr. 51) hat Prof. Gervi-\nnus dem künftigen Herausgeber frei gestellt.\nWir benutzen diese Gelegenheit, um die Freunde ge-\ndiegener Musik auf das sehr empfehlungswerthe Unterneh-\nmen derselben Verlagshandlung—N. Simrock in Bonn\n—, „HändeTs Oratorien im Clavier-Auszuge\nmit deutschem und englischem Texte\" herauszugeben,\naufmerksam zu machen. Der Anfang ist mit dem Oratorium\nSamson gemacht worden, welches uns in einer sehr hüb-\nschen Ausgabe in dem jetzt gewöhnlichen Partitur-Format\n(gr. 8.) vorliegt. Dass für das Studium Händel's die Beifü-\ngung des englischen Original-Textes von grosser Wichtig-\nkeit sei, braucht kaum noch besonders bemerkt zu werden.\n\nPhysicalisch-musicalische Versuche.\nIn einem Saale des Erdgeschosses des polytechnischen\nInstituts in London war vor einigen Wochen eine Gesell-\nschaft von Musikern und Musiklreunden versammelt, um\nein Concert ganz eigenthümlicher Art zu hören.\nDie Zuhörer sassen in stiller Aufmerksamkeit um\neinige Harfen, welche vereinzelt in der Mitte des Zimmers\nstanden. Niemand berührte diese Instrumente, und doch\nvernahm man ganz deutlich, wiewohl aus einer Entfernung,\nderen Weite man nicht zu schätzen wusste, Harmonieen,\nwelche auf Alle den wunderbarsten Eindruck machten, der\nauf manche Personen, besonders auf Damen, so wirkte,\ndass sie einer Ohnmacht nahe waren und das Zimmer ver-\nlassen mussten. Die Ohren der Kenner unterschieden hin-\ngegen Töne der Violine, des Violoncells, der Clarinette\nund des Pianoforle; dennoch schienen alle diese Töne aus\nden Resonanzböden der Harfen hervorzukommen.\nDie Lösung des Räthsels ist folgende:\nMit den Resonanzböden der Harfen standen Stäbe von\nTannenholz von zwei Centimeter (etwa Zoll) Dicke in\nVerbindung. Diese Stäbe gingen durch den Fussboden des\nZimmers hindurch in einen sehr tiefen Keller und berühr-\nten dort mit ihrem unteren Ende die Decken einer Violine\nund eines Violoncells in der Gegend des Stimmstockes, ein\nFortepiano am Resonanzboden und eine Clarinette an dem\nTrichter.\nDiese Stäbe von Tannenholz pflanzten die Schallwellen\nder unten gespielten Instrumente zu den oben befindlichen\nResonanzböden der Harfen fort, setzten diese in Schwin-\ngung, welche man in den Klang-Figuren wahrnehmen\nkonnte, wenn man jenen mit feinem Sand bestreute, und\nmachten so die Töne aus dem Keller im oberen Saale voll-\nkommen hörbar. Um den Beweis zu liefern, dass die Wir-\nkung der tonleitenden Stäbe nicht auf Täuschung beruhe,\nindem man vielleicht auch ohne diese Vorrichtung die Mu-\nsik aus dem Keller höre, wurden die Stäbe zuweilen ausser\nBerührung mit den Resonanzböden der Harfen gesetzt,\nworauf augenblicklich die Musik im Saale verstummte,\nwährend unten fortgespielt wurde, eben so augenblicklich\naber wieder vernommen ward, sobald die Verbindung wie-\nder hergestellt war.\nDas Ganze war ein vollkommen gelungener, von dem\nPhysiker Wheatstone angegebener und von dem Director\ndes polytechnischen Instituts Pepper bewerkstelligter Ver-\nsuch über die bei Weitem grössere Intensität und Schnel-\nligkeit der Fortpflanzung des Schalles durch feste Körper,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.6", "texte": "als durch die Luft. So hört man z. 8., wie der Bericht-\nerstatter über jenen Versuch in der Zeitschrift „Cosmos\"\nhinzufügt, mit dem Ohr, das man an das eine Ende eines\nlangen Balkens legt, das ganz leise Einschlagen einer Steck-\nnadel am anderen Ende desselben.\nEine andere und praktischere Anwendung der Natur-\nwissenschaften auf die Musik ist die Erfindung eines elek-\ntrischen Metronoms durch Herrn Verbrügel in Brüs-\nsel. Der Zweck desselben ist, in der Oper die Chöre oder\nOrchester hinter der Scene, überhaupt alles, was hinter\nden Coulissen oder unter dem Podium u. s. w. gesungen,\ngespielt oder geblasen wird, in strenge Uebereinstimmung\nmit dem Tacte des Orchesters vor der Scene zu bringen.\nDazu dient eine Art von elektrischem Telegraphen, welchen\nder Capellmeister am Directionspulte ohne alle Mühe mit\neinem Finger der linken Hand in Wirksamkeit setzt, und\nwelcher dann den unsichtbaren Musikern durch eine me-\nchanische Vorrichtung, die er in Bewegung setzt, genau\ndenselben Tact markirt, den der Dirigent selbst schlägt.\nBerlioz soll sich desselben zuerst mit Erfolg in Brüssel be-\ndient haben.\n\nNoch einmal Suum cuique.\nDie Redaction.\n(Vergl. Nr. 29.)\nWir erhalten folgenden Brief, den wir als authenti-\nschen Beitrag zur Aufklärung in der Frage über den\nP s e u d o - Web er's c h e n Walzer mittheilen.\n„In Nr. 29 der Niederrheinischen Musik-Zeitung be-\nfindet sich in dem von Herrn Capellmeister C. G. Reissiger\nin Dresden unter dem Artikel „Suum cuique\" mitgetheil-\nten Briefe über den unter dem Namen „ Derniere pensee\nde C. M. de Weber\" bekannt gewordenen Walzer von\nReissiger die Stelle: „Das Uebrige gehört der Mu-\nsik handle r-Speculation an\", welche andeutet, dass\ndie Verleger zu jener falschen Bezeichnung mitgewirkt.\nNun sind die Variationen von Herz, Op. 51, worin\ndieser Walzer wohl zuerst als\ndurch Herrn Herz bezeichnet wurde, 1829 in meinem\nVerlage mit Eigenthumsrecht erschienen. Einige Zeit nach-\nher fiel mir zufällig das Heft „\nger \" in die Hände, worin derselbe Walzer sich befand;\nich habe in Folge dessen sogleich in einer neuen vierhän-\ndigen Ausgabe der Variationen von Herz, welche ich 1833\nveröffentlichte, den Irrthum auf dem Titelblatte berichtigt,\nwie Sie es auf dem hier anliegenden Exemplare ersehen\nwerden, und will es Ihnen überlassen, ob Sie gelegentlich\nvon diesem Factum zu meiner Rechtfertigung in Ihrer Mu-\nsik-Zeitung Notiz nehmen wollen u. s. w.\n„Bonn, den 24. Juli 1855.\n„N. Simrock.\"\nDie genannte Ausgabe für vier Hände führt den Titel:\n„Variations etc. sur la Valse de\nniere pensee de C. M. .de Weber, composees par H. Herz.\nOp. 51. Bonn, chez N. Simrock.\"\n\nBonn, den 2. August 1855.\n\nDie Nr. 30 der Rhein. Müsik-Ztg. (von M. Schloss) 1. J.\nenthält unter der üeberschrift: „ Zum Abschiede\", einen Auf-\nsatz des Herrn von Wasielewski, in welchem sich in auf-\nfallender Weise die nämliche Gesinnung ausspricht, von\nwelcher auch jene berüchtigte und hart gegeisselte Cor-\nrespondenz über die Musik-Zustände des Niederrheines\nüberOiesst. Es ist eine eigenthümliche Art der Vertheidi-\ngung, Anklagen wegen verübter Schmähungen durch neue,\nden früheren nicht unebenbürtige Schmähungen von sich\nanzuweisen. Ich kann die ganze Sache nun um so mehr\nauf sich beruhen lassen, als sich die öffentliche Meinung\no\ndarin bereits ein festes, wohl schwerlich zu beseitigendes\nUrtheil gebildet hat. Dennoch darf ich nicht unterlassen,\ndie Behauptung, dass ich den als freie Improvisation auf\nder Orgel angekündigten Vortrag aufgeschrieben gehabt\nund vom Blatte gespielt habe, für eine grobe Lüge\nzu erklären, die selbst des „fremden\", in undurchdring-\nliches Dunkel gehüllten Correspondenten nicht unwürdig\ngewesen wäre. Ich hatte nichts vor mir liegen, als die auf-\ngeschlagene gedruckte Fuge von Albrechtsberger und ein\nkleines Blättchen Notenpapier, auf welchem ich die mir von\neinigen Anwesenden aufgegebenen Themen mit Bleistift no-\ntirt hatte. Und auch das will ich nicht verschweigen, dass\nich nicht wenig überrascht wurde, als ich am Schlüsse der\nzweiten Anmerkung zu dem „Abschied\" eine gehässige\nDeutung gedruckt las, welche die Redaction der Neuen\nZeitschrift für Musik als in dem fraglichen Manu Scripte\nbefindlich, aber als von ihr gestrichen mir bezeichnet hatte.\nDie Verdächtigung selbst betreffend, so ist mein Zurück-\ntreten von der Leitung öffentlicher Musik-Angelegenheiten\nein absichtliches uud freiwilliges gewesen, wozu ich, wie\nich schon anderwärts dargethan, die triftigsten Gründe\nhatte. In einem der beiden (grossentheils aus den nämlichen\nPersonen bestehenden) Vorstände zu sitzen, liegt daher"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.7", "texte": "schon desshalb, wenn auch nicht noch andere Motive vor-\nlägen, meinen Wünschen unendlich fern, und ich habe dies\nauf die unzweideutigste Weise hinreichend zu erkennen ge-\ngeben. Dass es aber nicht überflüssig ist, „beabsichtigte\nMissgriffe und die schlimmen Folgen verderblicher Einflüsse\nfortwährend nach Kräften verhüten zu helfen\", hat sich\nbei einem gewissen Projecte noch vor Kurzem evident ge-\nnug gezeigt. Hinc illae lacrimae!\n\nDr. Breidenstein,\nProf. und königl. Musik-Director.\n\nDas Mozart-Säcularfest im Jahre 1856.\nDas Comite des Mozarteums.\nDas Mozarteum in Salzburg veranstaltet zur Säcularfeier der\nGeburt Mozart* s im September 1856 ein grosses Musik fest,\nwobei zwei Concerte, das erste am 7, ausschliesslich mit Mozart'-\nsehen Compositionen aller Musikgattungen, das zweite am 9. mit\nTonwerken verschiedener Meister, abgehalten werden.\nHerr Franz Lachner, königlich baierischer Gencral-Musik-Direc-\ntor zu München, hat die Leitung übernommen.\nAlle Musikkünstler von nah und fern werden hiermit freund-\nlichst zur Theilnahme eingeladen und ersucht, ihr Erscheinen, so\nwie die Art und Weise ihrer Mitwirkung an das Comite des Mo-\nzarteums in Salzburg längstens bis Ende Mai 185(5 bekannt zu\ngeben. Specielle Einladungen werden nicht ergehen. Die Programme\nder Muik-Aufführungen und anderer Festlichkeiten werden später\nbekannt gegeben.\nEin Jahrhundert ist nun bald abgelaufen seit dem Tage, an\nwelchem ein Stern erster Grösse an dem Himmel der Kunst auf-\ngegangen ist. Der Mann, welcher eine der bedeutendsten Kunst-\nEpochen in der Geschichte der Musik geschaffen hat, dessen Name\nschon wie Harmonie dem Ohre klingt, der die Welt gelehrt hat,\nin Melodieen zu jubeln und zu trauern, zu lieben uud zu zürnen\nMozart erblickte am 27. Jänner des Jahres 1756 in Salzburg\ndas Licht der Der grosse Meister der Töne erreicht im\nkommenden Jahre sein hundertstes Lebensjahr; denn hat ihn\nauch der Tod schon im 36. Jahre von dem Schauplatze seines\nWirkens abgerufen seih Name, seine Werke sind unsterblich!\nSo weit der Name Mozart bekannt geworden, so weit die Begeiste-\nrung für seine Kunstschöpfungen gedrungen ist, inuss die Säcular-\nfeier seiner Geburt alle Herzen höher schlagen machen, in welchen\nLiebe zur Kunst, Liebe für Musik lebet. Jede Stadt, welche Musik\nzu würdigen versteht, würde bereit sein, dieses in der Geschichte\nder Tonkunst so bedeutungsvolle Jahr mit einem Feste zu verherr-\nlichen; aber keine Stadt der Welt ist mehr dazu berufen, als\nSalzburg. Salzburg kann mit Stolz sich Mozart's Vaterstadt nen-\nnen; Salzburg hat ihn verewigt durch eine Kunstanstalt, welche\nseinen Namen führt; Salzburg weiset unter seinen Denkmälern die\nStatue des Unvergesslichen. zu welcher jeder für Musik Begeisterte\nmit freudiger Rührung emporblickt.\nDas Mozarteum in Salzburg hat daher beschlossen, die erhabene\nSäcularfeier der Geburt Mozart's im kommenden Jahre 1856 auf\nmöglichst würdige Weise zu feiern.\nDa der Monat Jänner, in welchem er geboren ist, sich nicht\neignet, um Fremde hieher einzuladen, so wird der Monat Septem-\nber zu dieser Feier gewählt, indem auch das Enthüllungsfest der\nMozart-Statue in diesem Monate Statt fand und darum eine schöne\nErinnerung für denselben spricht.\nDer königlich baierische General-Musik-Director Herr Franz\nLachner in München hat auf die Einladung des Mozarteums zur\ngrossen Freude desselben die musicalische Leitung des Festes\nfreundlichst zugesagt.\nZu dieser Festlichkeit, welche in den Herzen aller Verehrer\nMozart's in allen Ländern und Städten freudigen Anklang finden\nwird, ladet nun das Mozarteum alle Künstler und Kunstfreunde\nnicht Oesterreichs und Deutschlands allein, sondern Europa's\nein. Mozart's Ruf ist ein Weltruf, sein Name gehört der Welt an;\nseine Verherrlichung ruft darum auch alle Welt zur Betheiligung\nauf. Wer immer mit Entzücken seine Töne als Künstler selbst her-\nvorgerufen, oder als Kunstfreund denselben gelauscht hat, der komme,\num bei diesem Feste sie in der würdigsten Weise zu hören.\nBei der grossen Zahl von Künstlern, deren Betheiligung bei\neinem solchen Feste erwartet werden kann, wäre es nicht möglich,\nnoch specielle Einladungen ergehen zu lassen. Möge daher dieser\nallgemeine Aufruf Allen genügen, um sich für ihre Theilnahme\nfreudig zu entschliessen. Das Mozarteum in Salzburg ist von der\nUcberzeugung durchdrungen, dass dieselbe Begeisterung für Mo-\nzart, mit welcher es dieses Fest veranlasst, auch alle Tonkünstler\nbeseelen und Theilnehmer von nah und fern herbeirufen werde.\nZugleich ergeht an die Directionen aller Musik-Vereine, Kunst-\nAnstalten, Conservatoricn und Theater das freundliche Ersuchen,\ndurch bereitwillige Urlaubs-Ertheilungen an ihre angestellten Mit-\nglieder für diese Festzeit ihr Interesse an dem schönen Zwecke\nund ihre Verehrung Mozart's kund zu geben.\nSalzburg, den 1. Juli 1855.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIn Dortmund fand am 26. Juli, Nachmittags 6 Uhr, die Ein-\nweihungsfeier der Orgel in der Reinoldi-Kirche Statt. Sie ist\nnach den neuesten Principien umgebaut und durch manche Ver-\nvollkommnungen ein vorzügliches Werk (von 72 Stimmen) gewor-\nden. Wir werden nächstens eine ausführlichere Darstellung dessel-\nben erhalten. Leider war es uns selbst nicht möglich, der Ein-\nweihung beizuwohnen.\n- Ä\nBerlin, In der öffentlichen Sitzung der königlichen Akademie\nder Künste am 17. Juli wurden folgenden jungen Künstlern und\nComponisten, Schülern der Akademie, Prämien zuerkannt. In der\nAbtheilung für musicalische Composition wurden durch Prämien\nausgezeichnet und Compositionen der drei zuerst zu Nennenden\nwährend der Sitzung zur Aufführung gebracht: 1. Friedr. Wilh.\nVoigt aus Coblenz. 2. Wilh. Gluschke aus Bleesen. 3. Ru-\ndolf Thoma aus Leschwitz. 4. Rieh. Zellner aus Berlin.\n5. Paul Schnoph aus Berlin. 6. Robert Beermann aus\nNeu-Haldensleben. Directorium und Senat der königlichen Akade-\nmie der Künste. Dr. E. H. Toelken.\nCapcllmeister Dorn arbeitet in Pankow's ländlicher Stille an\nder Vollendung einer komischen Oper, Text von Grün bäum;\nCapellmeister Taub er t an einer grossen tragischen Oper, Text\nvon Dr. Lua.\nTh. Döhler befindet sich im Wildbad im Schwarzwalde,\nist aber noch sehr leidend und darf nicht an musicalische Arbei-\nten denken.\nRossini ist gegenwärtig in Ha vre; seine Gesundheit soll sich\nsehr gestärkt haben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550804-01.1.8", "texte": "** Wien, 27. Juli. Die Sängerin Louise Mayer aus Prag,\nvon deren erfolgreichem Auftreten in Stuttgart und Strassburg Ihre\nZeitung berichtete, gibt hier auf dem k. k. Operntheater Gastrollen\nund hat gleich in der ersten derselben, der Valentine in den\nHugenotten, grossen, ja. ausgezeichneten Beifall errungen. Auch\nIhr Berichterstatter stimmt in denselben ein, in so fern er der na-\ntürlichen Begabung der jungen Künstlerin gilt und als Aufmun-\nterung zu eifrigem Streben, die Natur durch die Kunst zu ergän-\nzen und zu vervollkommnen. Es ist wahr, der Ausdruck der Lei-\ndenschaft gelingt ihr auch jetzt schon sehr gut; allein seitdem das\nSpiel in der Oper eine Hauptsache geworden ist, wird darüber\nzuweilen der Gesang vernachlässigt oder wenigstens jenem unter-\ngeordnet, und das halten wir durchaus nicht für einen Fortschritt,\nman müsste denn den Gesang etwa nach Wagner'schen An-\nsichten —: nur für eine Art Sprache, für eine Ausdrucksform des\nWort-Inhalts, ansehen, wodurch er dann aber freilich eben kein\nGesang bleibt. Fräul. Mayer hat uns bewiesen, dass sie der Ueber-\ntreibung, welche leider so häufig für dramatischen Ausdruck gehal-\nten wird, gar nicht bedarf, um hinzureissen, und der Beifall, den\nihr Gesang und Spiel im vierten Acte gewann, muss ihr mehr\nwerth sein als das Zujauchzen der Menge; denn jener war Folge\ndes Eindrucks, den sie auf gefühlvolle Seelen und musicalisch ge-\nbildete Zuhörer machte.\nIhre zweite Rolle war Linda, Sie wurde mit rauschendem\nApplaus empfangen und nach hiesiger Sitte unzählige Male geru-\nfen. Es fehlte in der Ausführung dieser Partie nicht an glänzen-\nden Momenten: indess erfordert sie eine vollendete Virtuosität im\nGesänge, und eine solche besitzt die talentvolle und in jeder Er-\nscheinung sehr einnehmende Künstlerin wenigstens jetzt noch nicht.\nNächstdem sahen wir sie als Leonore im Fide 1 i o und als\nAlice im Robert. Beide Rollen eignen sich sehr für die Eigen-\ntümlichkeit derselben, und sie wird in beiden, sobald volle Si-\ncherheit in Spiel und Gesang auch bis ins Einzelnste erreicht ist,\nmeisterhafte Darstellungen liefern. Was die Stimme an und für\nsich betrifft, so ist sie jugendlich frisch und kräftig, allein weniger\nschmelzend und für den zarten Ausdruck des Lyrischen geeignet.\nDer Umfang ist nicht bedeutend, aber vollkommen genügend für\nSopran-Partieen, welche bis zum hohen c gehen (wiewohl dies in\ndem Duett Valentinens mit Marcel ein kLin wenig zu tief war)\nund keine tiefen Brusttöne erfordern. Möge nur Fräul. Mayer die\nihr von der Natur gegebene Region allein cultiviren und nicht\nnach einer Tiefe streben, bei welcher ihrem Organ der Klang\nversagt ist.\nDie italiänische Saison ist beendigt. Gegeben wurde in\nderselben: II Barbiere 10 Mal, Rigoletto 7, II Trovatore 6, Moses 10,\nLinda 2, Ernani 5, Lucrezia 5, La Traviata (Verdi) 2, Don Pas quäle\n3, Marco Visconti 4, Sonnambula 2, Cenerentola 4, Cristina di Svezia\n(Thalberg) 3, Otello 2, Maria di Rohan 2, Lucia 2, Don Giovanni 2\nMal. Die Medori ist, wie es heisst, mit 14,000 Gulden für die\nnächste Saison wieder engagirt. Die Kosten der italiänischen Oper\nhaben 300,000 Gulden betragen; der Rechnungs-Abschluss ergibt\nein Deficit von 118,000 Gulden! D.\nVerdi ist einige Tage in London gewesen; er wird von Pa-\nris aus Anfangs August nach Italien auf seinen Landsitz bei Bus-\nseto, seinem Heimatsort, zurückkehren.\nIn Florenz hat ein junger Beamter bei den Steinbrüchen,\nNamens Cianchi, eine Oper, „Salvator Rosa\", geschrieben, welche\nErfolg hatte. Der Grossherzog hat ihm zur Composition einer zwei-\nten einen Urlaub von sechs Monaten mit Fortdauer seines Gehaltes\nbewilligt.\nDer Pianist Leopold von Meyer bereis't Italien; in Parma\nist er bei Hofe und vom Publicum sehr gut aufgenommen worden.\nZu Venedig ist Meyerbeer's Prophet am 11. Juli zum\nersten Male gegeben worden; der erste, dritte und vierte Act ge-\nfielen am meisten.\nI\"arist In der Oper Santa Chiara des Herzogs von Gotha\nwird nicht Fräul. Cruvelli, sondern Fräul. Lafon singen. (Es\nbestätigt sich, dass erstere mit Ablauf ihres Contractes die Bühne\nverlässt und sich vermahlt.) In einer vorläufigen Ankündigung der\ngedachten Oper heisst es, sie sei von Gustav Oppelt nach dem\nDeutschen bearbeitet und für die französische Bühne eingerichtet.\nAm Schlüsse heisst es wörtlich: Nota. Mr. G. Oppelt, collab ora-\nteur et delegue de S. Altesse Royale, demeure rue Bergere Nt\\ 7,\nHotel des Arts, ä Paris. (!)\nDer Obrist Ragani ist von der Direction der italiänischen\nOper, welche er zwei Jahre mit Ehren, aber mit Verlust geführt\nhat, zurückgetreten und hat sie einem reichen Cubaner, Herrn\nCalzado aus Havannah, überlassen.\nDie Verlagshandlung von G. Brandus & Gomp. wird die Par-\ntitur des Te Deum von H. Berlioz drucken.\nDer Violinspieler Sivori war in Paris, hat aber nur Einmal,\naus Gefälligkeit für die Pianistin Mad. Farrenc, öffentlich gespielt\nund ist nach den Rheinbädern gegangen. Von daher (Ems, Hom-\nburg etc.) wird Vieuxtemps in Paris erwartet, wo auch sein\nKunst- und Concert-Genosse Servais angekommen ist.\nDie Bildsäule Beethoven's ist glücklich in Boston ange-\nkommen; vorläufig ist sie im Athenäum aufgestellt worden, da ihre\nfeierliche Aufstellung in dem grossen Concertsaale der philharmo-\nnischen Gesellschaft erst im Herbste Statt finden soll. Die Statue\nist von Erz und sieben Fuss hoch: in der Hand hält der Meister\neine Notenrolle, auf welcher das Thema aus der neunten Sinfonie:\n„Freude, schöner Götterfunken44, eingravirt ist.\nIi e r i c Ii t i g; ii ii g-.\nIn der vorigen Nr. 30 vom 28. Juli:\nS. 233, Sp. 2, lies oiseau, statt diseau.\n„ 239, „ 1, „ wir halten es, statt man hielt."}]}