{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-08-25-01", "volume": "bmtnabi_1855-08-25_01", "ocr_sha256": "b852f43dba71267ced63e26a1b381ef5c083e3971cf3d74bd1dac2f798b89577", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/08/25_01/bmtnabi_1855-08-25_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-08-25-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-08-25_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "265", "page_fin": "267", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.2.1", "titre_corps": "Karl Reinecke’s neueste Compositionen.", "titre_sommaire": "Karl Reinecke’s neueste Compositionen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3818, "texte": "Karl Reinecke’s neueste Compositionen.\nDie grosse Thätigkeit, welche Karl Reinecke in sei-\nnem Wirkungskreise als Musik-Director in Barmen entfal-\ntet, wo so manches Vorhandene auszubauen und zu för-\ndern, so manches Neue zu schaffen und zu begründen\nund Beides zum Streben und Zusammenwirken nach Einem\nZiele hin zu vereinigen war, hat seinen rüstigen Geist den-\nnoch nicht so in Anspruch genommen, dass sie die Lust\nam musicalischen Schaffen, den inneren Trieb zum Dichten\nin Tönen unterdrückt oder auch nur verdrängt hätte. Wie\nsollte aber auch in dem reizenden Wupperthale eine so\nbegabte musicalische Natur, wie Reinecke, im Schweigen\nverharren können, während Alles umher in lautem Leben\nsich regt und bewegt?—So hat er denn neben einer gros-\nsen und schwierigen Arbeit, der neuen Einrichtung der\nSinfonieen Beethove n's für das Pianoforte zu\nvier Händen, wovon das, was wir bis jetzt gesehen (die\nEroica und die neunte Sinfonie), ganz vorzüglich gelungen\nist, zuvörderst\ndrei Duette fürSopran und Tenor mit Beglei-\ntung des Pianoforte, Op. 44, Elberfeld, bei F.\nW. Arnold,\ngeschrieben, welche dem berühmten Liedersänger Ernst\nKoch in Köln, Gesanglehrer an der Rheinischen Musik-\nschule, gewidmet sind. Das erste: „Wiegenlied im Früh-\nling\", von R. Reinick, und das zweite: „Auf des Kindes\nTod\", von Eichendorff, sind zwei liebliche Blüthen wahrer\nEmpfindung, das letztere ein echtes Mondscheinstück\nEichendorfTscher Romantik. Das dritte: „Hansund Grete\",\nvon Uhland, ist ein allerliebstes Genrebildchen, auf welchem\nin Melodie und Begleitung ein neckischer Humor herrscht\nund das sich auch ganz vorzüglich zur Ausführung im\nCostume im geselligen Kreise eignet. Wenn die beiden\nersten sich den besten Liedern von Mendelssohn und Schu-\nmann anschliessen, so bricht in dem dritten Reinecke's Ta-\nlent für richtige musicalische Auffassung komischer Situa-\ntionen auf originelle Weise durch und erweckt Erwartun-\ngen für jenen leichten Stil, welcher der Composition einer\nkomischen Oper eignet. Diese haben bereits, wie wir\nunten sehen werden, ihre erfreuliche Bestätigung erhalten.\nZunächst erscheint uns dann eine Ouvertüre. „ Für\nOrchester?\" Nein, sondern für Pianoforte zu vier Händen.\n»Nun, da wird man sich wohl wieder Riesenhände und\nnoch ein paar Finger mehr an jeder Hand anschaffen müs-\nsen, um sie zu bewältigen!\"—Ei, nicht doch! Zwei Mäd-\nchen von 9 und 11 Jahren haben sie mir vorgespielt, und\nich kann kaum sagen, wer von uns grösseren Spass daran\ngehabt hat, die Kinder oder ich. Es ist eine\nOuvertüre zu Hofmann's Kindermärchen\n„vom Nussknacker und Mäusekönig\" für das\nPianoforte zu vier Händen. Op. 46. Leip-\nzig, bei Breitkopf & Härtel.\nHier ist der kindliche Ton ganz vortrefflich angeschlagen\nund die eigenthümliche Farbe überall so hübsch festgehal-\nten, dass diese Schlachtmusik zweier Pygmäenheere nicht\nnur der Maria, der Schwester des Componisten, welcher\ndie Ouvertüre gewidmet ist, sondern allen kleinen, nicht\ndurch verzuckerte Opern-Melodieen verdorbenen Ciavier-\nspielern und auch den grossen Zuhörern gar viel Freude\nmachen wird.\nGleich nach dieser Märchen-Ouverture erschienen\nDrei Sonatinen für das Pianoforte, Herrn\nFriedr. Kufferath zugeeignet. Op. 47. Leipzig,\nbei Breitkopf & Härtel.\nFür diese Gabe muss nicht nur die musicalische Kinder-\nwelt dem Componisten herzlich danken, sondern vor Allem\nauch die Clavierlehrer und alle Freunde der Kunst, denen\ndaran gelegen ist, dass die Jugend durch den Musik-Un-\nterricht zu reinem Geschmack in der Tonkunst und zur\nLiebe des Edeln im Gegensatze gegen das Gemeine von\nfrüh an hingeleitet wird. Reinecke, der schon in seinen\n„Kinderliedern\", Op. 38, gezeigt hat, wie gut er das\nkindliche Gemüth zu gewinnen weiss, hat in diesen drei\nkleinen Sonaten (in C-dur, D-dur, B-dur auch einzeln\nals Nummer 1, 2, 3 von Op. 47 zu haben), von denen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5007, "texte": "jede drei Sätze hat, deren keiner so lang ist, dass er die\nEinübung ermüdet, so liebliche musicalische Bilder in engen\nRahmen hingestellt, dass wir ihnen vor allen Stücken ähn-\nlicher Gattung und Bestimmung den Vorzug einräumen\nmüssen. Mit dem Wunsche, dass diese Compositionen das\nfade Geklimper, das unter allen möglichen Blumen-, Blü-\nthen-, Vögel- und Insecten-Titeln, als dasind: Amaranthen,\nPfirsich-Blüthen, Colibris, Libellen u. s. w., den Anfängern\naufgetischt wird, von den Clavier-Pulten der Jugend ver-\ndrängen mögen, empfehlen wir beide Werkchen (46 und\n47) aufs angelegentlichste den Ciavierlehrern *).\nEin Werk von grösserem Umfange und höherer Ten-\ndenz ist die\nSonate für Pianoforte und Violoncell (Vio-\nline oder Viola), Andr. Grabau zugeeignet. Op.\n42. Elberfeld, bei F. W. Arnold.\nDiese Sonate besteht aus vier Sätzen: 1.\nderalo m A-moll, 74; 2. Lento74-\nTact, mit 3. einem daran schliessenden 3/4-\nTact, moderato in Cis-moll; 4. Finale Allegro molto in A-\ndur, %-Tact. Der erste Satz ist der ausgeführteste und\ntüchtigste; die beiden mittleren scheinen uns nicht so frisch\naus der Phantasie gequollen, als dies sonst bei Reinecke\nder Fall ist; sie sind allerdings recht artig, besonders das\nIntermezzo, das die Stelle des Scherzo, vertritt, allein man\nmerkt doch hier und da die Absicht. Der letzte Satz reisst,\ngut ausgeführt, gar sehr mit sich fort, ohne gerade von\ntieferem Gedanken-Inhalt zu sein. Das Ganze ist eine\nschöne Bereicherung der mit Recht so beliebten Gattung\nvon Duetten für Piano und Violoncell; es ist Geist und\nGlanz darin, und dass die Ausführung dabei durchaus nicht\nschwierig ist, dürfte der Sonate auch noch zu besonderer\nEmpfehlung gereichen. Dass sie als wirkliches Opus 42\nin der Reihe von Reinecke's Compositionen geschrieben\nsei, möchten wir nicht behaupten: der Einfluss gewisser\nMuster, wie Mendelssohn und besonders Schumann, auf die\nSchreibart ist darin mehr sichtbar, als in den Werken der\nletzten (rheinischen) Periode des Componisten.\nDas jüngste Erzeugniss seiner Muse ist zwar noch\nnicht in Druck erschienen, hat aber bei wiederholter Auf-\nFührung so ausserordentlich gefallen, dass wir es unmög-\nlich unerwähnt lassen können. Es ist dies die Composition\ndes Singspiels von Th. Körner: „Der vierjährige\nPosten.\"\nDie Musik zu dieser kleinen Operette ist gar frisch\nund keck hingeworfen und verräth ein ausgezeichnetes Ta-\nlent zu dieser Gattung, welche leider von den Deutschen\nfast gar nicht mehr angebaut wird, während die Franzo-\nsen, nachdem sie eine Zeit lang die einactige Operette, die\netwas ganz Anderes ist als das Vaudeville, ebenfalls ver-\nschmäht halten, sie gegenwärtig wieder in Ehren halten\nund aus den letzten Jahren manche sehr hübsche Stücke\ndieser Art aufzuweisen haben.\nGleich aus dem Chor der Einleitung: „Heiter strahlt\nder Morgen\", weht ein natürlicher, frischer Geist uns an.\nDas Duett: „Lieber Mann, du bist gar so geschäftig\",\ndann das marschartige: „Dort oben stand ich alsVedette\",\ndas Quartett: „Was soll ich thun?\" die darauf folgende\nreizende und innige Romanze: „O selige Zeit!\" der frische\nSoldaten-Chor, dann der besonders gemüthliche und wohl-\ngetroffene Ton im Anfange des Finales, später der feurige\nEintritt des Chors: „Um Gottes willen, er ist verloren!\"\ndas nach unserem Geschmacke die Krone des Ganzen bil-\ndende Terzett: „0, lasst das Mitleid euch erweichen!\" und\nder ländlerartige hübsche Schluss —sie bilden einen Kranz\nder schönsten, mit so kunstfertiger Leichtigkeit an einander\ngereihten und durchgeführten Melodieen, dass wir ihnen\nüberall eine bedeutende Popularität prognosticiren zu dür-\nfen glauben.\nDie Aufführung, nur von Dilettanten in Barmen im\nSaale der Concordia bewirkt (denn auchFräul. Hermine\nM ann, eine Schülerin des Herrn Koch in Köln, die sich\nin Barmen als Gesanglehrerin niedergelassen hat, können\nwir für die Bühne zu den Dilettantinnen rechnen, obschon\nsie ihre Partie in wahrhaft künstlerischer Weise durch-\nführte), war über alle Erwartung gelungen, nicht bloss im\nGesänge, sondern auch in der Darstellung. Möge der Com-\nponist recht hald sein allerliebstes Werk auf dem Theater\ndargestellt sehen, wozu sich ja Wohl bei Ihnen in Köln am\nleichtesten eine Gelegenheit finden dürfte.\nAusserdem hat Reinecke in diesen Tagen auch noch\nein grösseres Werk in ernstem Stil, die Composition des\n130. Psalm es, lür Soli, Chor und Orchester vollendet,\nwovon wir jedoch nur erst Einzelnes gehört haben.\nDaneben ist es sehr rühmend anzuerkennen, dass Rei-\nnecke selbst im Sommer, wo fast überall Musik-Ferien sind,\nnicht ermüdet, das Interesse der Mitglieder der musicali-\n\n*) Wir lügen hier zu ahnlichem Gebrauche\nLudwig Meyer, Zweites Kinder-Trio für Piano-\nforte, Violine und Violoncell, Op. 2, Magdeburg, bei\nIleinrichshofen, Preis 10 Sgr.,\nhinzu. Das erste haben wir bereits früher erwähnt. Wenn\ndiese kleinen Trio's auch freilich an musicalischem Gehalt\nden Reinecke'schen Musikstücken bei Weitem nachstehen, so\nerfüllen sie doch ihren Zweek auf empfehlungswerthe Weise.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 984, "texte": "sehen Vereine und des Publicums durch öffentliche Auf-\nlührungen wach zu halten, und es gereicht dem letzteren\nzur Ehre, dass dieselben zahlreich besucht werden. Wir\nhaben drei solcher Concerte gehabt, deren Ertrag zum\nBesten der hiesigen musicalischen Institute bestimmt ist.\nIn dem dritten wurde als Hauptwerk R. Schumanns\n„Pilgerfahrt der Rose\" gegeben. In den Solo-Gesängen\nzeichneten sich neben Herrn Koch, welcher die Tenor-\nPartie mit edlem und ergreifendem Ausdruck sang, die\nDamen Fräul. Mann und Fräul. Egge 1i n g aus. Letztere,\nwie wir hören, aus Göttingen gebürtig, hat geraume Zeit\nin Köln den Unterricht Koch's genossen. Das Duett: „Ich\nweiss ein Röslein\", erregte einen stürmischen Beifall; eben\nso gefiel der Vortrag der Duette von Reinecke (Wiegen-\nlied— Hans und Grete) von ihr und Herrn Koch gar sehr.\nAusserdem sang letzterer noch F. Schub er t's „Linden-\nbaum\" und „Des Müllers Blumen\" mit jenem seelenvollen\nVortrage, den er wie Wenige in seiner Gewalt hat.\n* *"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-08-25-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-08-25_01#c002", "volume": "bmtnabi_1855-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "267", "page_fin": "268", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.2.2", "titre_corps": "Instrumentenbau.", "titre_sommaire": "Instrumentenbau.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.3", "debut_caractere": 986, "fin_caractere_exclue": 4645, "texte": "Instrumentenbau.\nEs liegt uns ein Werk über Instrumentenbau vor,\nwelches zwar die Jahreszahl 1855 trägt und auch in Be-\nzug auf das Einzelne zeigt, dass der Verfasser die Erfin-\ndungen unserer Tage kennt, in der Form der Darstellung\naber dem vorigen Jahrhundert anzugehören scheint, wäh-\nrend es im Aeussern wiederum durch starkes Velinpapier,\ngrossen und scharfen Druck, feine Zeichnung in den Ab-\nbildungen u. s. w. den Standpunkt der Typo- und Xylo-\ngraphie der Gegenwart bekundet. Man lese nur gleich\nden Titel:\nNeu eröffnetes Magazin musicalischer Ton-\nwerkzeuge, dargestellt in technischen Zeich-\nnungen aller Saiten-, Blas-, Schlag- und Frictions-\nInstrumente; unter Aufnahme der neuesten Ver-\nbesserungen und darauf bezüglichen statistischen\nNotizen, nebst geschichtlicher Uebersicht der Mu-\nsik und Instrumente vom ersten Ursprung bis in\ndie Jetztzeit, mit specieller Beschreibung ihres\nBaues, Tonumfangs und fasslicher Angabe ihrer\nBehandlung und Erhaltung. Bearbeitet von Hein-\nrich Welcker von Gontershausen, Ver-\nfertiger musicalischer Instrumente. Mit 160 Ab-\nbildungen. Frankfurt a. M., 1855. Im Selbstver-\nlag des Verfassers (in Commission bei H. L.\nBrönner). 3 Lieferungen in II Bänden.\n%\nMan sieht, der wackere Instrumentenbauer thut alles\nMögliche, um uns von vorn herein sogleich auf den Stand-\npunkt der Confusion zu setzen und sich selbst eben nicht\nals Helden der Logik und Stylistik zu zeigen. Allein man\ndarf sich durch die altväterische und mitunter erheiternde\nForm der Mittheilung nicht abhalten lassen, sich durch die\nallgemeinen Materien hindurch zu winden, um zu dem bei\nWeitem umfangreicheren Theile des Werkes zu gelangen,\nwelcher uns in die Praxis führt. Auf den Katheder passt\nHerr Welcker von Gontershausen freilich nicht, aber in\nder Werkstatt ist er trefflich zu Hause. Man wird also\nnach dem ersten Abschnitte da, wo zunächst die Be-\nschreibungen der Instrumente beginnen (AbschnittlL),\nund dann in Abschnitt 111. und IV., welche von der Con-\nstruction aller möglichen Ton-Werkzeuge und noch\neiniger mehr handeln, eine grosse Gründlichkeit, Ausführ-\nlichkeit und eine mit wissenschaftlichem Sinne für das Fach\ngepaarte praktische Einsicht sowohl in das Wesen der\nSache als in die Details derselben finden und sich mannig-\nfache Belehrung hoien können. Wer aber im ersten Ab-\nschnitte, z. B. im §. 1, die „Erklärung der Ursache, warum\nPoesie, Malerei und Bildhauerei früher ihre Reife erlang-\nten, als die Musik\" •—wirklich zu finden vermeint, oder in\nallem, was über die Musik der Aegyptier, Hebräer, Grie-\nchen, Römer, Gallier, Germanen u. s. w. gesagt ist, Neues\noder auch nur das Alte erträglich wiedergegeben sucht,\nder wird sich getäuscht, aber durch manchen unwillkürlich\nauftauchenden Spass ergötzt fühlen.\nDass der Verfasser mit der vorsündflutlichen Musik\nbeginnt, wird man schon ahnen; dennoch dürfte folgender\nSatz überraschen: „Wenn Moses keine Schlag-Instrumente\nanführt, sondern nur Kinnor und Ugab, mit denen Ju-\nbal umzugehen wusste, d. h. Saiten- und Blas-Instrumente,\nso folgt daraus nicht, dass Jubal diese Gattung noch nicht\nkannte, sondern nur, dass Moses ihrer nicht erwähnt hat.\" (!)\nVon Horazens Mercuri, facun erhalten\nwir eine köstliche Uebersetzung, von der wir nur die erste\nStrophe hersetzen:\n„Alias Reiss, beredeter Mercur des neuen\nWilderschafi'nen Menschengeschlechts, zweiter\nSchöpfer der verfeinerten Sitten, Sprach' und Anstand\ndes Leibes 1\"\nBeiläufig erfahren wir, dass man „diesen Mercur für einen\nSohn Jupiter's und der Maja, der Tochter des maurischen\nFürsten Atlas, hält\".\nGar zu arg ist es doch, wenn uns der Verfasser er-\nzählt, dass Numa Pompilius bei der Eintheilung des römi-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4501, "texte": "sehen Volkes den Musikern den ersten Rang zuertheilt,\ndass Roland auf einer Trompete geblasen habe, dass sie\nzerplatzte und ihm die Halsadern sprangen, und ähnliches\ndummes Zeug mehr.\nIn der That, man begreift kaum, dass der grundehrlich\ngesinnte, mitunter jedoch etwas bissige Meister keinen ein-\nzigen Menschen gefunden hat, der ihm sagte: Wirf das al-\nles ins Feuer und fange erst da an, Schuhe zu machen,\nwo du den Leisten kennst! Aber der deutsche Fach-Schrift-\nsteller, der gelehrte eben so wie der unwissende, kann nun\neinmal nicht gleich zur Sache kommen, sondern muss,\nwenn er sich anziehen will, erst ergründen, auf welche\nW eise seine Knochen in die menschliche Haut gefahren\nsein mögen!\nGlücklicher Weise nimmt der Unsinn in unserem „In-\nstrumenten-Magazine\" nur 44 Seiten ein. Der 11. Abschnitt\nenthält in 10 Capiteln (von S. 45 bis S. 203) die Be-\nschreibungen von 27 Darmsaiten-Instrumenten (unter an-\nderen von sieben Arten der Viola), 11 Drahtsaiten-Instru-\nmenten, 11 Blas-Instrumenten von Holz, 12 dergleichen\nvon Blech (soll heissen Metall, denn die Orgel ist auch da-\nbei), 14 Schlag-Instrumenten mit Thierhaut, Glocken, Me-\ntallstäben, Holz und Gläsern, 3 Frictions-Instrumenten mit\nGlocken und Glas, 6 Instrumenten mit Zungen von Metall\noder Holz, 5 mit Stäbchen von Holz, Metall oder Bein\nim Ganzen von 89 Instrumenten!\nDer 111. und IV. Abschnitt handelt in 22 Capiteln\nnach der Ueberschrift des Verfassers: „Von den Grund-\nregeln zum Bau aller jetzt gebräuchlichen Instrumente;\nUebersicht der ursprünglichen Tonverhältnisse und der\npraktischen Regeln für die Stimmung; Anweisung für ihre (?)\nBehandlung und Erhaltung.\" Beide Abschnitte füllen die\nSeitenzahl von S. 204 bis 416. Ueberall sind—das ganze\nWerk hindurch Abbildungen (in den Text gedruckte\nHolzschnitte und ausserdem auf drei Tafeln) sowohl der\nganzen Instrumente als der einzelnen Theiie derselben\nbeigefügt.\nAm ausführlichsten ist, wie natürlich, die Construction\nder sämmtlichen Geigen-Instrumente und des Pianoforte\nbehandelt; was über jene gesagt ist, füllt über 40, die\nLehre vom Ciavierbau aber an 100 Seiten. Die Schluss-\nCapitel von beiden Abhandlungen enthalten über Beurthei-\nlung, Behandlung und Erhaltung der Geigen und Claviere\nsehr praktische Bemerkungen.\nDas Buch zeichnet sich demnach durch eine grosse\nReichhaltigkeit des Stoffes aus und ist allen Instrumenten-\nmachern und dem Musiker, der sich Einsicht in den Bau\nund Mechanismus seines Instrumentes verschaffen will, wie\nes seine Pflicht ist, zu empfehlen. Zu bedauern bleibt es\naber sehr, dass die Form sowohl in Anordnung des Gan-\nzen als in Darstellung des Einzelnen allzu sehr vernach-\nlässigt erscheint. Herr Welcker hätte sein Manuscript\neinem musicalisch gebildeten Literaten zur Durchsicht ge-\nben sollen!\nEine kleinere, in dasselbe Fach schlagende Schrift,\njedoch nur eine Monographie, ist folgende:\nDer Ciavier bau in seiner Geschichte, seiner tech-\nnischen und musicalischen Bedeutung. Eine erläu-\nternde Darstellung, hervorgerufen durch die In-\ndustrie-Ausstellung zu München. Zumßesten\nder Mozart Stiftung herausgegeben von C. A,\nAndre. Ottenbach am Main, 1855, bei Job.\nAndre. VII und 72 S. in gr. 8.\nDas Büchlein ist mit einem gestochenen Bildnisse Mozart's\nnach dem Original-Gemälde im Mozarthause zu Frankfurt\nam Main geziert, was auf dem Titel wohl desswegen ver-\nschwiegen ist, weil (der Vorrede nach) auch eine wohlfei-\nlere Ausgabe ohne dasselbe vorhanden ist.\nEinige einleitende Artikel aus dieser Schrift kennen\nunsere Leser bereits aus diesen Blättern (11. Jahrg. Nr. 36\nund 38, September 1854). Sie enthält in vier Abtheilun-\ngen Ansichten über die Aufstellung der Claviere in Indu-\nstrie-Hallen (namentlich in München), einen Ueberblick der\nGeschichte des Ciavierbaues, Beleuchtung des Claviers vom\nmusicalischen Standpunkte aus und Betrachtung der in\nMünchen ausgestellt gewesenen Claviere nebst theoretischen\nAndeutungen.\nNur die erste und theilweise die letzte Abtheilung ha-\nben mehr oder weniger specielle Beziehungen, die erste\nauf die Akustik der münchener Halle und die letzte auf die\nrichtige Würdigung der „Mozartflügel\" in\nRücksicht auf ihr Verhältniss zu den Instrumenten der dor-\ntigen Aussteller. Die beiden mittleren und grösseren Ab-\nschnitte aber sind von allgemeinem Interesse, und wenn\nsie auch ihr Thema nicht erschöpfen, was nicht in der Ab-\nsicht des Verfassers lag, so enthalten sie doch viel Anre-\ngendes und Unterrichtendes und werden von Ciavierbauern\nund Clavierspielern gern gelesen werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-08-25-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-08-25_01#c003", "volume": "bmtnabi_1855-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "268", "page_fin": "270", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.2.3", "titre_corps": "Schweizer Briefe.", "titre_sommaire": "Schweizer Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.4", "debut_caractere": 4503, "fin_caractere_exclue": 4688, "texte": "Schweizer Briefe.\nGeehrter Herr Redacteur! Ihre freisinnigen und un-\nparteiischen Blätter, welche hier viel und gern gelesen wer-\nden, bringen so selten Mittheilungen aus unserer lieben"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5068, "texte": "Schweiz, dass es mir nicht überflüssig, vielmehr verdienst-\nlich erscheint, Ihre Aufmerksamkeit auch auf unsere musi-\ncalischen Zustände zu lenken.\nGefällt Ihnen nun meine einfache und unbefangene\nDarstellungs-Weise, so werden diesem ersten Briefe nach\nMaassgabe des Stoffes und der Ereignisse von Zeit zu Zeit\nmehrere andere folgen.\nHeute berichte ich Ihnen von zwei musicalischen Fest-\ntagen in der guten Stadt Bern.\nAm 28 Juni führte die Musik-Gesellschaft, welche\nschon seit 1815 mit geringen Unterbrechungen für das\nöffentliche musicalische Leben in Bern thätig war und seit\neiner Reihe von Jahren unter der Leitung ihres gegenwär-\ntigen Directors, des Herrn Adolf Methfessel, der sich\nbei dem letzten Musikfeste in der französischen Schweiz\ndurch muthige Uebernahme und glückliche Führung des\nvon R. Wagner so barsch aufgegebenen Dirigentenstabes\nauszeichnete, sowohl in Hinsicht der Zahl und Kräfte, als\nin Bezug auf grössere Aufführungen einen lebhaften Auf-\nschwung genommen, in der schönen, grossen Münsterkirche\ndie C-mo//-Sinfonie vonßeethoven undHändel's\nOratorium Samson unter zahlreicher Theilnahme von\nfremden und einheimischen Musikfreunden auf.\nBeethoven's herrliches Tongemälde wurde vom Or-\nchester kräftig, präcis und mit vortrefflicher Nuancirung\nausgeführt. Jedoch hätte der bedeutend grosse Raum der\nKirche eine stärkere Besetzung der Saiten Instrumente, na-\nmentlich der Violinen, erfordert; aber in unserer Zeit, wo\ndas Ciavier bei den Dilettanten die Orchester-Instrumente\netwas zu sehr verdrängt, hält es schwer, besonders in einer\nStadt, wo keine Capelle, noch ein anderes stehendes Musik-\ncorps, sich befindet, eine genügende Anzahl tüchtiger Violi-\nnisten aufzustellen.\nDie Aufführung des schon durch seinen poetischen In-\nhalt interessirenden und spannenden Oratoriums war eine\nhöchst befriedigende und genussreiche.\nDie Solo-Partieen hatten übernommen: 1) Herr Kirch-\nhoff (Tenor), früher Opernsänger, jetzt thätiger und ge-\nachteter Musicalienhändler in Bern; 2) Fräul. Karoline\nKiefer (Sopran), Schülerin des bekannten Baritonisten\nStockhausen jun.; 3) Fräul. Rordorf (Alt), eine recht ta-\nlentvolle Dilettantin von Zürich, und 4) Herr Step an\n(Bass), Mitglied der mannheimer Hofbühne. Herr Kirchhoff\nsang namentlich seine Recitative mit grosser Sicherheit, rein\nund mit angemessener Declamation vor, doch lag ihm die\nPartie des Samson wohl etwas zu tief; die ihm günstigen\nMomente benutzte er indess mit bester Wirkung, wie er\ndenn durchgängig den gut geschulten und routinirten Sän-\nger zeigte. Fräul. Kiefer entwickelte als Dalila eine jugend-\nlich frische, ausgiebige Stimme; etwas festere Accentuirung,\nso wie eine gleichmässigere Verbindung der Stimmen-Re-\ngister wird sich die noch junge Sängerin zur besonderen\nAufgabe zu machen haben; auch möchten wir ihr zuweilen\nmehr Wärme des Ausdrucks wünschen. So empfing die\nArie: „Vertraue, Theurer, meinen Worten\", etwas Ge-\ndehntes und Monotones, was sich auch dem hinzutretenden\nFrauenchor mittheilte; hier wäre ein weniger nachgiebiges\nLaisser aller des Dirigenten gewiss am rechten Orte gewe-\nsen. Das Duett mit Samson: „Fort, fort von hier!\" gelang\nihr mit Herrn Kirchhoff dagegen vortrefflich, und im Solo\nmit Chor: „GottDagon hat den Feind besiegt\", erhob sie\nsich zur angemessenen Energie, der auch der Chor wir-\nkungsvoll entsprach. In Fräul. Rordorf (Micah) lernten wir\neine schöne, zum Herzen sprechende Altstimme kennen.\nDürften wir der bescheidenen Dilettantin etwas rathen, so\nmöge sie nicht zu Gunsten der Tonentwicklung die Tempi\nzu sehr zurückhalten. Herr Stepan, dem unbestritten und\nmit allem Rechte die Palme des Tages gebührt, führte sei-\nnen Manoah von Anfang bis zu Ende wahrhaft dramatisch\nund musterhaft durch. Seine klangvolle, kräftige und doch\nhöchst biegsame Stimme erfüllte die weiten Räume wohl-\nthuend und glänzend. Schon sein erstes Recitativ: „Bedau-\nernswerthes Loos\", brachte eine grosse, sichtbare Wir-\nkung hervor. Die vom Componisten meisterhaft gehaltene\nArie: „Dein Heldenarm war einst mein Lied\", so wie die\nSchilderung der Katastrophe im dritten Theile des Wer-\nkes, wo er die Zerstörung des Götzentempels und den Tod\nSamson's berichtet, waren Momente von echt künstlerischer\nGrösse. Mit Einem Worte: Herr Stepan hat einen tiefen,\ngrossartigen Eindruck gemacht.\nDie Chöre waren stark, im richtigen Verhältnisse be-\nsetzt, vortrefflich einstudirt und wurden mit grosser Prä-\ncision, oft mit wahrer Begeisterung ausgeführt; sie brach-\nten eine erhebende Wirkung hervor. Besonders müssen\nwir die Reinheit der Intonation, die deutliche Aussprache\nund das sichere Eintreten in den Fugen-Sätzen hervorhe-\nben, was dem Dirigenten, welcher alle Uebungen von An-\nfang an selbst geleitet hatte, zum grössten Lobe gereicht.\nÜberhaupt zeugte die ganze Ausführung von dem Verständ-\nnisse, dem Eifer, kurz: von der Tüchtigkeit des Herrn\nMethfessel, auf dessen Besitz und wirksame, vielseitige Thä-\ntigkeit Bern in der That grossen Werth zu legen hat.\nDas Programm des zweiten Concertes (am 29.) ver-\nsprach die gewiss etwas zu grosse Zahl von zwölf Num-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2392, "texte": "mern. Mozart's prachtvolle, jugendfrische Sinfonie in\nC-dur (mit der Fuge) rauschte zuerst durch die fast über-\nfüllten Räume der grossen Kirche. Das Orchester schien\ndas unsterbliche Werk mit besonderer Liebe und Freudig-\nkeit auszuführen; es gelang vortrefflich. Von den hierauf\nfolgenden Gesang-Piecen heben wir besonders hervor:\nSopran-Arie aus Elias von Mendelssohn: „Höre, Israel\",\nin welcher Fräul. Kiefer den schönsten Klang ihrer Stimme\ngeltend machte; sodann die Tenor-Arie aus dem „Stabat\nmaieru von Rossini, von Herrn Kirchhoff angemessen und\nmit bester Wirkung gesungen ; ferner das- Duett mit Chor\naus dem „Lobgesang\" von Mendelssohn (Fräul. Kiefer und\nRordorf). Herr Stepan sang die Bass-Arie: „Es ist genug\",\nmit Kraft, Seele und Wahrheit, kurz: mit Meisterschaft.\nZwei junge Dilettantinnen, Fräul. Schneit er (wenn wir\nnicht irren, aus Frankfurt) und Fräul. Jeandrevin von\nBern, sangen ein sehr inniges von Cherubini.\nErstere besitzt eine volle, vielversprechende Altstimme;\nauch Fräul. Jeandrevin, welche einige Zeit bei Bordogni in\nParis Gesang-Studien gemacht, entfaltete eine umfangreiche,\nsehr ansprechende Stimme. Das Finale an diesem zweiten\nConcert-Tage bildete der Schluss-Chor aus dem Lobge-\nsange von Mendelssohn. Hier jauchzte und jubelte noch\neinmal so recht aus voller Brust und mit Herzenslust Chor\nund Orchester das Lob Gottes und seiner Himmelsgabe,\nder Tonkunst.\nIn der Pause zwischen dem ersten und zweiten Theile\nspielte Herr Mendel (Schüler von Rink), Organist an der\nHauplkirche, eine Fuge von Händel und eine Phantasie\nmit Kraft und Gewandtheit auf der neuen, imposanten Or-\ngel; der Fuge geben wir den Vorzug.\nDem Director Herrn Ad. Methfessel wurde am Abende\nvon der Orchester-Harmonie und einem Männer-Quartette\neine freundliche Serenade gebracht—eine Anerkennung,\ndie der unermüdlich thätige Mann nach so grossen An-\nstrengungen wolil verdient hatte.\nEin lieber, willkommener Gast beehrte durch seine\nAnwesenheit diese beiden Concerte: es war der Hof-Ca-\npellmeister Albert Methfessel aus Braunschweig, der\nauf einer Genesungsreise seine beiden Neffen in der Schweiz\nbesuchte. Der alte, wackere deutsche Sangesmeister erfuhr\nvon allen Seiten die grösste Hochachtung; Alles drängte\nsich zu ihm, ihn kennen zu lernen; auch schien die Schweiz\neinen so günstigen Eindruck auf ihn zu machen, dass wir\ndie Hoffnung hegen dürfen, ihn bald wieder zu sehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-08-25-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-08-25_01#c004", "volume": "bmtnabi_1855-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "270", "page_fin": "271", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.2.4", "titre_corps": "Musicalischer Bericht aus Crefeld.", "titre_sommaire": "Musicalischer Bericht aus Crefeld.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.6", "debut_caractere": 2394, "fin_caractere_exclue": 4951, "texte": "Musicalischer Bericht aus Crefeld.\nSchon oft ist in der letzten Zeit von auswärtigen Mu-\nsikern und Musikfreunden die Frage an uns ergangen,\nwarum der musicalischen Verhältnisse Crefelds in Ihrer\nZeitung so wenig Erwähnung geschehe, da unsere Stadt\ndoch berechtigt sei, einen Platz in der Reihe der kunstlie-\nbenden und kunsttreibenden Städte des Rheines einzuneh-\nmen. Mögen Sie in unserem bisherigen Schweigen eine\nwohlbegründete Bescheidenheit erkennen; denn ein Bericht\nüber die bis zum Anfange des vorigen Winters in der\nConcert-Saison jährlich an uns vorüber gegangenen Con-\ncerte würde Ihnen wohl von dem regen Streben der ver-\nschiedenen hiesigen vereinigten Gesangeskräfte, dem Eifer\nund der Liebe zur Musik, die stets in Einzelkreisen unserer\nStadt heimisch gewesen und den Dilettantismus auf eine\nfast kunstgerechte Stufe gebracht, erzählt haben, doch von\neinem vollständigen Gesammtwirken der Vocal- und Instru-\nmental-Kräfte, wie die Aufführung classischer Orchester-\nund Gesanges-Werke es erheischt, konnte nicht die Rede\nsein. Seit vielen Jahren hörten wir keine Orchester-Con-\ncerte mehr, weil es uns an einem vollständigen Orchester\nund an der die zersplitterten Kräfte zu einem Ganzen bil-\ndenden und zusammenhaltenden Hand fehlte. Dass letzte-\nrer Mangel die Haupt-Ursache aller bis dahin bestandenen\nmusicalischen Missverhältnisse war, hat der Cyklus der im\nvergangenen Winter Statt gehabten Concerte bewiesen; in\nihm liegt—wie durch einen Zauberschlag herbeigeführt—\ndie gänzliche Umwandlung der Verhältnisse, die man so\nlange herbeigesehnt und an deren Verwirklichung man\nnicht mehr zu glauben wagte. Zur rechten Zeit hat sich\nder Retter gefunden, und wir besitzen jetzt in der Person\ndes königlichen Musik-Direclors Herrn Hermann Wo 1 ff\naus Halberstadt einen vortrefflichen Lehrer und Dirigenten,\nauf den wir mit Recht stolz sind. Er ist ein Mann, der,\nausgestattet mit dem rechten Geiste und Verständnisse und\nder nöthigen Energie, die hier in reichem Maasse vorhan-\ndenen musicalischen Mittel zu heben, zu wecken und zu\neinem harmonischen Ganzen zu vereinigen weiss. In unse-\nren Dilettanten-Kreisen befinden sich Gesanges-Kräfte, wie\nsie vielleicht keine andere Stadt des Rheinlandes aufzuwei-\nsen hat, und mit Freuden nehmen wir wahr, wie dieselben,\nbeseelt und angeweht von dem echten Geiste der Kunst,\nder in unseren Mauern wieder heimisch werden will, sich\nbestreben, durch ihre vortrefflichen Leistungen dem ver-\nehrten Dirigenten die Erreichung des Zieles, das er sich\ngesteckt zu haben scheint, zu erleichtern, nämlich: dem"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2202, "texte": "Publicum den Weg zum Gebiete der classischen Musik,\nder ihm so lange verschlossen geblieben, wieder zu eröff-\nnen. Unsere seit vorigem Jahre von einem tüchtigen Leiter\n(Herrn Viereck) gebildete Capelle ist auch in diesem\nPunkte eine unschätzbare Bereicherung für das Musikleben\nunserer Stadt, und wie Ihnen das kurzgefassle Programm\nder sechs durch Herrn Wolff dirigirten Concerte zeigen\nwird, ist durch sie dem Letzteren die Möglichkeit gegeben\nworden, einen lange gehegten Wunsch des Publicums:\nBeethoven'sche Sinfonieen zu hören, zu erfüllen. Mit hoher\nFreude habe ich bei diesen Aufführungen, wie auch bei\nsolchen grösserer Gesanges-Werke, wie Elias, die Jah-\nreszeiten u. s. w. den richtigen und wannen Sinn un-\nseres Publicums für das Echte und ewig Wahre in der\nMusik erkannt und glaube aus ihm der neuen Epoche, die\nin den crefelder Musik-Zuständen eingetreten ist, eine Zu-\nkunft versprechen zu dürfen. Hier gebe ich Ihnen das\nkurze der grösseren Gesanges- und Orchester-\nWerke, die hier zur Aufführung kamen: die Sinfonieen\nA-dur, C-moll und Paslorale von Beethoven; dessen C-moll-\nConcert für Pianoforte, gespielt von Herrn Reinecke; das\ngrosse Violin-Concert von demselben, gespielt von Herrn\nvon Königslöw; das G-moll-Concert von Mendelssohn für\nPianoforte, gespielt von Herrn Jul. Tausch aus Düsseldorf;\ndas grosse Violin-Concert desselben, vorgetragen von Herrn\nFranz Seiss; die Ouvertüren zu Euryanthe und zum Frei-\nschütz von Weber, so wie zur Zauberflöte von Mozart;\nFest-Ouverture von Rietz; Ouvertüre zu Wilhelm Teil von\nRossini; Elias von Mendelssohn; Finale aus Loreley von\ndemselben; Finale des zweiten Actes aus Figaro's Hoch-\nzeit; grosse Arie aus dem Freischütz für Sopran; Arie mit\nChor aus Orpheus von Gluck für Alt; Sextett aus Don\nJuan von Mozart; die Jahreszeiten von Haydn.\nWie verlautet, soll jetzt Hiller's herrliche Compo-\nsition „ Die Zerstörung von Jerusalem\" für das erste Abon-\nnements-Concert des kommenden Winters einstudirt werden.\nAn dem hier vor wenigen Tagen gefeierten grossen\nSänger feste haben Sie, wie ich gehört habe, selbst\nTheil genommen, während eine Reise nach Paris meine\nAnwesenheit bei demselben leider verhinderte.\nCrefeld, den 17. August 1855."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-08-25-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-08-25_01#c005", "volume": "bmtnabi_1855-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "271", "page_fin": "271", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.2.5", "titre_corps": "Rossini.", "titre_sommaire": "Rossini.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.7", "debut_caractere": 2204, "fin_caractere_exclue": 3335, "texte": "Rossini.\nUeber den Zustand Rossini's, über welchen seit län-\ngerer Zeit so viel gefabelt wird, sind wir im Stande, aus\nbester Quelle authentische Nachrichten zu geben. Der ge-\nniale Mann ist nicht geschwächt, aber sehr leidend; na-\nmentlich hat ein unglücklicher Aderlass am Kopfe ihm eine\nErschütterung verursacht, die ihn beinahe fortwährend die\nheftigsten Schmerzen erdulden lässt. Jedoch bezwingt er\nsich in Gegenwart Anderer, und Abends, wo sein Wehe\ngewöhnlich nachlässt, kehrt seine ganze Liebenswürdigkeit,\nsein Witz und Geist zurück. Obschon er selbst seit 22\nJahren nichts mehr geschrieben, nimmt er doch an Musik\nden grössten Antheil und freut sich, wenn er etwas halb-\nwegs Interessantes hören kann. Seine Scheu aber vor Ge-\nräusch geht so weit, dass er nicht allein die Eisenbahn\nvermeidet, sondern auch in Paris in kein Opern-Theater\ngegangen ist, aus Furcht vor einer Ovation. Hierin mag er\nwohl unter allen lebenden Musikern einzig da stehen. Ros-\nsini befindet sich gegenwärtig zu Trouville, wo er na-\ntürlich von allen Badegästen auf den Händen getragen wird.\nDen künftigen Winter gedenkt er in Paris zuzubringen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-08-25-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-08-25_01#c006", "volume": "bmtnabi_1855-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "271", "page_fin": "272", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.2.6", "titre_corps": "Aus Gotha.", "titre_sommaire": "Aus Gotha.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.7", "debut_caractere": 3337, "fin_caractere_exclue": 5562, "texte": "Aus Gotha.\nDen 1. A agus t 1855.\nEndlich ist es gelungen, für die seit Jahren väcante Stadtmu-\nsicus-Stelle einen tüchtigen Mann in der Person des Herrn Har-\nras aus Arnstadt zu gewinnen. Durch bereitwillige Erhöhung der\nbisherigen, allerdings sehr kärglichen Besoldung Seitens der städti-\nschen Behörden, hauptsächlich aber durch den günstigen Erfolg,\nwelchen die von einer kleinen Anzahl Musikfreunde eingeleiteten\nConcert-Actien-Zeichnungen hatten, wurde es möglich, Herrn Har-\nras für die ersten Jahre eine in pecuniärer Hinsicht sichere Stel-\nlung zu garantiren. Entsprechen nun dessen Leistungen den an\nihn gestellten Forderungen und den gehegten Erwartungen, dann\ndürfte eine Verminderung der Theilnahme des hiesigen Publicums\nbei später zu veranstaltenden Goncerten wohl nicht zu befürchten\nsein. Die an diese Acquisition geknüpften Hoffnungen, durch ein\nZusammenwirken der hier bestehenden Vocal-Vereine mit den nun\ngewonnenen Instrumental-Kräften die Öftere Aufiührung grösserer\nTonwerke zu ermöglichen, scheinen sich leider nicht so bald ver-\nwirklichen zu wollen. Herr Musik-Director Wandersieb, der\nseit einer langen Reihe von Jahren den Gesang-Verein und die\nLiedertafel auf die uneigennützigste Weise mit dem glücklichsten\nErfolge geleitet hat, beabsichtigt nämlich eine längere Reise ins\nAusland, die sich höchst wahrscheinlich auf mehrere Jahre aus-\ndehnen wird. In wessen Hände die interimistische Leitung der ge-\nnannten Vereine gelangen wird, ist noch nicht entschieden. An\nmusicalisch befähigten jungen Männern fehlt es hier zwar nicht,\naber eine erfolgreiche Leitung grösserer Privat-Vereine bedingt\nausser den musicalischen auch noch manche andere Eigenschaften,\nderen Mangel auch den musicalisch tüchtigen Mann oft auf nicht\ngeahnte Schwierigkeiten stossen lässt.\nSo eben ist unsere Liedertafel von dem coburger Sängertage\nzurückgekehrt, voll des Lobes über die freundliche und herzliche\nAufnahme Seitens der Coburger und über das in grösseren Dimen-\nsionen angelegte und in jeder Beziehung gelungene Fest. Grosse\nMännergesang-Feste, wie solche in den vierziger Jahren in Gotha\nund in den benachbarten Städten gehalten wurden, kommen jetzt\nnicht mehr vor. Der Thüringer Sängerbund besteht zwar nominel"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 601, "texte": "noch, aber seit dem für die Bundescasse so unglücklich ausgefalle-\nnen Feste in Eisenach (1847) hat derselbe kein Lebenszeichen wie-\nder von sich gegeben und wird sich auch schwerlich wieder zur\nfrüheren Blüthe entfalten können. Desto gemüthlicher machen sich's\naber einzelne Liedertafeln bei kleineren Festen, die seit einigen\nJahren auch bei uns wieder in Aufnahme gekommen sind.\nNach Mittheilungen der Neuen Zeitschrift für Musik und der\nberliner Musik-Zeitung „Echo\" soll die erste Versammlung des\nvon Herrn Sattler angeregten Mozart-Vereins den 24. und 25.\nAugust hier in Gotha abgehalten werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-08-25-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-08-25_01#c007", "volume": "bmtnabi_1855-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "272", "page_fin": "272", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.8", "debut_caractere": 603, "fin_caractere_exclue": 5733, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHÖIBI. Unter den kürzlieh hier anwesenden fremden Künst-\nlern befanden sich Herr Hullah aus London, welcher dort die\nOratorien-Auflührungen in St. Martin's Hall dirigirt und grosse Ver-\ndienste um den Chorgesang in London hat; ferner Herr Halle, der\nzum Besuche seiner Mutter von London herüber gekommen war,\nund der grossherzogliche Hof-Capellmeister Herr L. Schindel-\nmeisser aus Darmstadt. In einem engeren Cirkel hatten wir Ge-\nlegenheit, die eminente Fertigkeit und den gediegenen Vortrag\nHalles' zu bewundern, der unstreitig zu den ersten Pianisten un-\nserer Zeit gehört.\nWer das Steuer unseres Theater-Schiffes übernehmen wird,\nwissen wir noch immer nicht mit Sicherheit. Herr Kahle, als\nTenorsänger in der vorletzten Saison hier mit Recht beliebt, wird\nals Unternehmer genannt. Es dürfte in der That von denjenigen\nBehörden, in deren Händen die Ertheilung der Concession liegt,\nnicht wohl zu verantworten sein, dass mit der Entscheidung dar-\nüber so lange gezögert wird! Ein Theater-Director, welcher Ende\nAugust die Concession noch nicht definitiv in Händen hat, muss\nin die grösste Verlegenheit wegen Engagements für eine Kunst-\nanstalt gerathen, die er binnen vierzehn Tagen oder vier Wochen\neröffnen soll! Sollte nun gar, wie verlautet, auch wiederum eine\nKunstreiter-Gesellschaft für die Winter-Monate hier\nconcessionirt werden, so würde das Theater-Schiff auch bei dem\nbesten Willen des Steuermannes sehr bald wieder zum Wrack\nwerden. Wir glauben indess an das Gerücht in letzterer Beziehung\nnicht hätten aber gewünscht, dass in den Aufsätzen „Zur Re-\nform des Theaters\" in der Köln i sehen Z ei tu ng nicht bloss\nvon der Fürsorge der städtischen, sondern auch von dem In-\nteresse der Staats-Behörden für die dramatische Kunst etwas\nmehr die Rede gewesen wäre.\nMit grossem Bedauern vernehmen wir, dass Herr Kammersän-\nger Ernst Koch seine Entlassung von der Gesanglehrer-Stelle an\nder Rheinischen Musikschule hierselbst genommen hat und\nseine Functionen an derselben mit dem 1. October aufgibt. Es ist\ndies ein grosser Verlust für diese Anstalt. Herr Koch wird übri-\ngens fortfahren, seine Lehrthätigkeit, welche bekanntlich einer\nMenge von Künstlern und Dilettanten bereits so erspriesslich ge-\nwesen ist, dem Privat-Unterrichte wie bisher zu widmen.\nIlerlisi. Am 22. August feiert Herr Mantius sein fünfund-\nzwanzigjähriges Künstler-Jubiläum. An demselben Tage des Jahres\n1830 betrat er im k. Theater zum ersten Male als Tamino die\nBühne.\nUeber die Wiedereröffnung der k. Oper am 14. d. Mts. schien\nein eigenthümlicher Unstern zu walten. Als Eröffnungs-Oper war\nAuber's in der Vollendung hiesiger Darstellung stets gern gesehene\nund gehörte Stumme von Portici angekündigt, aber dann Auber's\n„Feensee\" und schliesslich auch nicht dieser, sondern Lortzing's\n„Gzaar und Zimmermann\" gegeben. Obwohl musicalisch gegen\ndiesen Tausch nichts einzuwenden wäre, so bleiben doch immer\ndie Bedenken, welche für derartige Opera überhaupt den Rahmen\ndes Opernhauses zu gross finden. Die Darstellenden selbst schienen\nmit neuen Kräften und neuer Lust ihr Werk wieder zu beginnen.\nMannigfache Schwankungen, sogar in Chor und Orchester, müssen\nwir diesmal billiger Weise auf die Umstände schieben ; im Ensemble\nwaren das erste und zweite Finale Musterstücke. Es behauptete\nFräul. Trietsch als Marie den alten Ruhm der Leichtigkeit, Nai-\nvetät, überhaupt der richtigen Wiedergabe ihrer Rolle: ihr Dialog\ndarf noch immer für die übrigen Sängerinnen mustergültig bleiben.\nHerr Krause befriedigte als Czaar; mehr Ruhe und Getragenheit\nder Cantilene blieb zu wünschen übrig. Das beliebte Czaaren-Lied\nSonst spielt' ich\" trug ihm stürmischen Beifall ein. Herr Man-\ntius w7ar als Iwanofl im Spiel recht am Platze; auch Herrn Zs ch ie-\nsehe und Herrn P fister (Chateauneuf) ist Lob zu spenden.\nMünclien. Am 12. August wurde R. Wagner's Tannhäu-\nser zum ersten Male mit prachtvoller Ausstattung und unter gros-\nsem Zudrange des Publicums gegeben. Lachner dirigirte und\nwurde gerufen. An Beifalls-Aeusserungen fehlte es nicht.\nDie Neue Weener Musik-Zeitung schreibt, dass der Hof-Opern-\nCapellmeister Eckert mit der Composition des Libretto's „Der\nGuerilla\", welches Herr Cornet von dem Verfasser S. Wal-\nlace gekauft haben soll, beauftragt worden sei.\nparieniha!« Die sterblichen Ueberreste der Gräfin Rossi-\nSontag sind am 3. Mai im Kloster Marienthal angekommen, wo\nsie neben ihrer Schwester Julie, die dort den Schleier genommen\nhat, beigesetzt sein wollte. Der Gemahl, die Kinder und der Bru-\nder der berühmten Sängerin waren in Lichtenthai versammelt.\nNach Einsegnung der Leiche wurde der zinnerne Sarg, in einen\nhölzernen eingeschlossen, in der Michaels-Capelle beigesetzt.\nAmsterdam. Die deutsche Oper hat in der letzten Saison\nsogar im Sommer gute Geschäfte gemacht. Die vorzüglichsten Mit-\nglieder waren Frau von Marra, Fräul. Hartmann, Fräul. Ries-\nberg, der Tenor Chrudimski und der Bariton Roberti. Gast-\nrollen gaben Pischek und Ander. Zum Schlüsse wurde Meyer-\nbeer's Stern des Nordens gegeben; Frau von Marra wurde gerufen\nund ihr im Namen der Abonnenten ein silbernes Thee-Serviee\nüberreicht."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.1", "texte": "Karl Reinecke’s neueste Compositionen.\nDie grosse Thätigkeit, welche Karl Reinecke in sei-\nnem Wirkungskreise als Musik-Director in Barmen entfal-\ntet, wo so manches Vorhandene auszubauen und zu för-\ndern, so manches Neue zu schaffen und zu begründen\nund Beides zum Streben und Zusammenwirken nach Einem\nZiele hin zu vereinigen war, hat seinen rüstigen Geist den-\nnoch nicht so in Anspruch genommen, dass sie die Lust\nam musicalischen Schaffen, den inneren Trieb zum Dichten\nin Tönen unterdrückt oder auch nur verdrängt hätte. Wie\nsollte aber auch in dem reizenden Wupperthale eine so\nbegabte musicalische Natur, wie Reinecke, im Schweigen\nverharren können, während Alles umher in lautem Leben\nsich regt und bewegt?—So hat er denn neben einer gros-\nsen und schwierigen Arbeit, der neuen Einrichtung der\nSinfonieen Beethove n's für das Pianoforte zu\nvier Händen, wovon das, was wir bis jetzt gesehen (die\nEroica und die neunte Sinfonie), ganz vorzüglich gelungen\nist, zuvörderst\ndrei Duette fürSopran und Tenor mit Beglei-\ntung des Pianoforte, Op. 44, Elberfeld, bei F.\nW. Arnold,\ngeschrieben, welche dem berühmten Liedersänger Ernst\nKoch in Köln, Gesanglehrer an der Rheinischen Musik-\nschule, gewidmet sind. Das erste: „Wiegenlied im Früh-\nling\", von R. Reinick, und das zweite: „Auf des Kindes\nTod\", von Eichendorff, sind zwei liebliche Blüthen wahrer\nEmpfindung, das letztere ein echtes Mondscheinstück\nEichendorfTscher Romantik. Das dritte: „Hansund Grete\",\nvon Uhland, ist ein allerliebstes Genrebildchen, auf welchem\nin Melodie und Begleitung ein neckischer Humor herrscht\nund das sich auch ganz vorzüglich zur Ausführung im\nCostume im geselligen Kreise eignet. Wenn die beiden\nersten sich den besten Liedern von Mendelssohn und Schu-\nmann anschliessen, so bricht in dem dritten Reinecke's Ta-\nlent für richtige musicalische Auffassung komischer Situa-\ntionen auf originelle Weise durch und erweckt Erwartun-\ngen für jenen leichten Stil, welcher der Composition einer\nkomischen Oper eignet. Diese haben bereits, wie wir\nunten sehen werden, ihre erfreuliche Bestätigung erhalten.\nZunächst erscheint uns dann eine Ouvertüre. „ Für\nOrchester?\" Nein, sondern für Pianoforte zu vier Händen.\n»Nun, da wird man sich wohl wieder Riesenhände und\nnoch ein paar Finger mehr an jeder Hand anschaffen müs-\nsen, um sie zu bewältigen!\"—Ei, nicht doch! Zwei Mäd-\nchen von 9 und 11 Jahren haben sie mir vorgespielt, und\nich kann kaum sagen, wer von uns grösseren Spass daran\ngehabt hat, die Kinder oder ich. Es ist eine\nOuvertüre zu Hofmann's Kindermärchen\n„vom Nussknacker und Mäusekönig\" für das\nPianoforte zu vier Händen. Op. 46. Leip-\nzig, bei Breitkopf & Härtel.\nHier ist der kindliche Ton ganz vortrefflich angeschlagen\nund die eigenthümliche Farbe überall so hübsch festgehal-\nten, dass diese Schlachtmusik zweier Pygmäenheere nicht\nnur der Maria, der Schwester des Componisten, welcher\ndie Ouvertüre gewidmet ist, sondern allen kleinen, nicht\ndurch verzuckerte Opern-Melodieen verdorbenen Ciavier-\nspielern und auch den grossen Zuhörern gar viel Freude\nmachen wird.\nGleich nach dieser Märchen-Ouverture erschienen\nDrei Sonatinen für das Pianoforte, Herrn\nFriedr. Kufferath zugeeignet. Op. 47. Leipzig,\nbei Breitkopf & Härtel.\nFür diese Gabe muss nicht nur die musicalische Kinder-\nwelt dem Componisten herzlich danken, sondern vor Allem\nauch die Clavierlehrer und alle Freunde der Kunst, denen\ndaran gelegen ist, dass die Jugend durch den Musik-Un-\nterricht zu reinem Geschmack in der Tonkunst und zur\nLiebe des Edeln im Gegensatze gegen das Gemeine von\nfrüh an hingeleitet wird. Reinecke, der schon in seinen\n„Kinderliedern\", Op. 38, gezeigt hat, wie gut er das\nkindliche Gemüth zu gewinnen weiss, hat in diesen drei\nkleinen Sonaten (in C-dur, D-dur, B-dur auch einzeln\nals Nummer 1, 2, 3 von Op. 47 zu haben), von denen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.2", "texte": "jede drei Sätze hat, deren keiner so lang ist, dass er die\nEinübung ermüdet, so liebliche musicalische Bilder in engen\nRahmen hingestellt, dass wir ihnen vor allen Stücken ähn-\nlicher Gattung und Bestimmung den Vorzug einräumen\nmüssen. Mit dem Wunsche, dass diese Compositionen das\nfade Geklimper, das unter allen möglichen Blumen-, Blü-\nthen-, Vögel- und Insecten-Titeln, als dasind: Amaranthen,\nPfirsich-Blüthen, Colibris, Libellen u. s. w., den Anfängern\naufgetischt wird, von den Clavier-Pulten der Jugend ver-\ndrängen mögen, empfehlen wir beide Werkchen (46 und\n47) aufs angelegentlichste den Ciavierlehrern *).\nEin Werk von grösserem Umfange und höherer Ten-\ndenz ist die\nSonate für Pianoforte und Violoncell (Vio-\nline oder Viola), Andr. Grabau zugeeignet. Op.\n42. Elberfeld, bei F. W. Arnold.\nDiese Sonate besteht aus vier Sätzen: 1.\nderalo m A-moll, 74; 2. Lento74-\nTact, mit 3. einem daran schliessenden 3/4-\nTact, moderato in Cis-moll; 4. Finale Allegro molto in A-\ndur, %-Tact. Der erste Satz ist der ausgeführteste und\ntüchtigste; die beiden mittleren scheinen uns nicht so frisch\naus der Phantasie gequollen, als dies sonst bei Reinecke\nder Fall ist; sie sind allerdings recht artig, besonders das\nIntermezzo, das die Stelle des Scherzo, vertritt, allein man\nmerkt doch hier und da die Absicht. Der letzte Satz reisst,\ngut ausgeführt, gar sehr mit sich fort, ohne gerade von\ntieferem Gedanken-Inhalt zu sein. Das Ganze ist eine\nschöne Bereicherung der mit Recht so beliebten Gattung\nvon Duetten für Piano und Violoncell; es ist Geist und\nGlanz darin, und dass die Ausführung dabei durchaus nicht\nschwierig ist, dürfte der Sonate auch noch zu besonderer\nEmpfehlung gereichen. Dass sie als wirkliches Opus 42\nin der Reihe von Reinecke's Compositionen geschrieben\nsei, möchten wir nicht behaupten: der Einfluss gewisser\nMuster, wie Mendelssohn und besonders Schumann, auf die\nSchreibart ist darin mehr sichtbar, als in den Werken der\nletzten (rheinischen) Periode des Componisten.\nDas jüngste Erzeugniss seiner Muse ist zwar noch\nnicht in Druck erschienen, hat aber bei wiederholter Auf-\nFührung so ausserordentlich gefallen, dass wir es unmög-\nlich unerwähnt lassen können. Es ist dies die Composition\ndes Singspiels von Th. Körner: „Der vierjährige\nPosten.\"\nDie Musik zu dieser kleinen Operette ist gar frisch\nund keck hingeworfen und verräth ein ausgezeichnetes Ta-\nlent zu dieser Gattung, welche leider von den Deutschen\nfast gar nicht mehr angebaut wird, während die Franzo-\nsen, nachdem sie eine Zeit lang die einactige Operette, die\netwas ganz Anderes ist als das Vaudeville, ebenfalls ver-\nschmäht halten, sie gegenwärtig wieder in Ehren halten\nund aus den letzten Jahren manche sehr hübsche Stücke\ndieser Art aufzuweisen haben.\nGleich aus dem Chor der Einleitung: „Heiter strahlt\nder Morgen\", weht ein natürlicher, frischer Geist uns an.\nDas Duett: „Lieber Mann, du bist gar so geschäftig\",\ndann das marschartige: „Dort oben stand ich alsVedette\",\ndas Quartett: „Was soll ich thun?\" die darauf folgende\nreizende und innige Romanze: „O selige Zeit!\" der frische\nSoldaten-Chor, dann der besonders gemüthliche und wohl-\ngetroffene Ton im Anfange des Finales, später der feurige\nEintritt des Chors: „Um Gottes willen, er ist verloren!\"\ndas nach unserem Geschmacke die Krone des Ganzen bil-\ndende Terzett: „0, lasst das Mitleid euch erweichen!\" und\nder ländlerartige hübsche Schluss —sie bilden einen Kranz\nder schönsten, mit so kunstfertiger Leichtigkeit an einander\ngereihten und durchgeführten Melodieen, dass wir ihnen\nüberall eine bedeutende Popularität prognosticiren zu dür-\nfen glauben.\nDie Aufführung, nur von Dilettanten in Barmen im\nSaale der Concordia bewirkt (denn auchFräul. Hermine\nM ann, eine Schülerin des Herrn Koch in Köln, die sich\nin Barmen als Gesanglehrerin niedergelassen hat, können\nwir für die Bühne zu den Dilettantinnen rechnen, obschon\nsie ihre Partie in wahrhaft künstlerischer Weise durch-\nführte), war über alle Erwartung gelungen, nicht bloss im\nGesänge, sondern auch in der Darstellung. Möge der Com-\nponist recht hald sein allerliebstes Werk auf dem Theater\ndargestellt sehen, wozu sich ja Wohl bei Ihnen in Köln am\nleichtesten eine Gelegenheit finden dürfte.\nAusserdem hat Reinecke in diesen Tagen auch noch\nein grösseres Werk in ernstem Stil, die Composition des\n130. Psalm es, lür Soli, Chor und Orchester vollendet,\nwovon wir jedoch nur erst Einzelnes gehört haben.\nDaneben ist es sehr rühmend anzuerkennen, dass Rei-\nnecke selbst im Sommer, wo fast überall Musik-Ferien sind,\nnicht ermüdet, das Interesse der Mitglieder der musicali-\n\n*) Wir lügen hier zu ahnlichem Gebrauche\nLudwig Meyer, Zweites Kinder-Trio für Piano-\nforte, Violine und Violoncell, Op. 2, Magdeburg, bei\nIleinrichshofen, Preis 10 Sgr.,\nhinzu. Das erste haben wir bereits früher erwähnt. Wenn\ndiese kleinen Trio's auch freilich an musicalischem Gehalt\nden Reinecke'schen Musikstücken bei Weitem nachstehen, so\nerfüllen sie doch ihren Zweek auf empfehlungswerthe Weise.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.3", "texte": "sehen Vereine und des Publicums durch öffentliche Auf-\nlührungen wach zu halten, und es gereicht dem letzteren\nzur Ehre, dass dieselben zahlreich besucht werden. Wir\nhaben drei solcher Concerte gehabt, deren Ertrag zum\nBesten der hiesigen musicalischen Institute bestimmt ist.\nIn dem dritten wurde als Hauptwerk R. Schumanns\n„Pilgerfahrt der Rose\" gegeben. In den Solo-Gesängen\nzeichneten sich neben Herrn Koch, welcher die Tenor-\nPartie mit edlem und ergreifendem Ausdruck sang, die\nDamen Fräul. Mann und Fräul. Egge 1i n g aus. Letztere,\nwie wir hören, aus Göttingen gebürtig, hat geraume Zeit\nin Köln den Unterricht Koch's genossen. Das Duett: „Ich\nweiss ein Röslein\", erregte einen stürmischen Beifall; eben\nso gefiel der Vortrag der Duette von Reinecke (Wiegen-\nlied— Hans und Grete) von ihr und Herrn Koch gar sehr.\nAusserdem sang letzterer noch F. Schub er t's „Linden-\nbaum\" und „Des Müllers Blumen\" mit jenem seelenvollen\nVortrage, den er wie Wenige in seiner Gewalt hat.\n* *\n\nInstrumentenbau.\nEs liegt uns ein Werk über Instrumentenbau vor,\nwelches zwar die Jahreszahl 1855 trägt und auch in Be-\nzug auf das Einzelne zeigt, dass der Verfasser die Erfin-\ndungen unserer Tage kennt, in der Form der Darstellung\naber dem vorigen Jahrhundert anzugehören scheint, wäh-\nrend es im Aeussern wiederum durch starkes Velinpapier,\ngrossen und scharfen Druck, feine Zeichnung in den Ab-\nbildungen u. s. w. den Standpunkt der Typo- und Xylo-\ngraphie der Gegenwart bekundet. Man lese nur gleich\nden Titel:\nNeu eröffnetes Magazin musicalischer Ton-\nwerkzeuge, dargestellt in technischen Zeich-\nnungen aller Saiten-, Blas-, Schlag- und Frictions-\nInstrumente; unter Aufnahme der neuesten Ver-\nbesserungen und darauf bezüglichen statistischen\nNotizen, nebst geschichtlicher Uebersicht der Mu-\nsik und Instrumente vom ersten Ursprung bis in\ndie Jetztzeit, mit specieller Beschreibung ihres\nBaues, Tonumfangs und fasslicher Angabe ihrer\nBehandlung und Erhaltung. Bearbeitet von Hein-\nrich Welcker von Gontershausen, Ver-\nfertiger musicalischer Instrumente. Mit 160 Ab-\nbildungen. Frankfurt a. M., 1855. Im Selbstver-\nlag des Verfassers (in Commission bei H. L.\nBrönner). 3 Lieferungen in II Bänden.\n%\nMan sieht, der wackere Instrumentenbauer thut alles\nMögliche, um uns von vorn herein sogleich auf den Stand-\npunkt der Confusion zu setzen und sich selbst eben nicht\nals Helden der Logik und Stylistik zu zeigen. Allein man\ndarf sich durch die altväterische und mitunter erheiternde\nForm der Mittheilung nicht abhalten lassen, sich durch die\nallgemeinen Materien hindurch zu winden, um zu dem bei\nWeitem umfangreicheren Theile des Werkes zu gelangen,\nwelcher uns in die Praxis führt. Auf den Katheder passt\nHerr Welcker von Gontershausen freilich nicht, aber in\nder Werkstatt ist er trefflich zu Hause. Man wird also\nnach dem ersten Abschnitte da, wo zunächst die Be-\nschreibungen der Instrumente beginnen (AbschnittlL),\nund dann in Abschnitt 111. und IV., welche von der Con-\nstruction aller möglichen Ton-Werkzeuge und noch\neiniger mehr handeln, eine grosse Gründlichkeit, Ausführ-\nlichkeit und eine mit wissenschaftlichem Sinne für das Fach\ngepaarte praktische Einsicht sowohl in das Wesen der\nSache als in die Details derselben finden und sich mannig-\nfache Belehrung hoien können. Wer aber im ersten Ab-\nschnitte, z. B. im §. 1, die „Erklärung der Ursache, warum\nPoesie, Malerei und Bildhauerei früher ihre Reife erlang-\nten, als die Musik\" •—wirklich zu finden vermeint, oder in\nallem, was über die Musik der Aegyptier, Hebräer, Grie-\nchen, Römer, Gallier, Germanen u. s. w. gesagt ist, Neues\noder auch nur das Alte erträglich wiedergegeben sucht,\nder wird sich getäuscht, aber durch manchen unwillkürlich\nauftauchenden Spass ergötzt fühlen.\nDass der Verfasser mit der vorsündflutlichen Musik\nbeginnt, wird man schon ahnen; dennoch dürfte folgender\nSatz überraschen: „Wenn Moses keine Schlag-Instrumente\nanführt, sondern nur Kinnor und Ugab, mit denen Ju-\nbal umzugehen wusste, d. h. Saiten- und Blas-Instrumente,\nso folgt daraus nicht, dass Jubal diese Gattung noch nicht\nkannte, sondern nur, dass Moses ihrer nicht erwähnt hat.\" (!)\nVon Horazens Mercuri, facun erhalten\nwir eine köstliche Uebersetzung, von der wir nur die erste\nStrophe hersetzen:\n„Alias Reiss, beredeter Mercur des neuen\nWilderschafi'nen Menschengeschlechts, zweiter\nSchöpfer der verfeinerten Sitten, Sprach' und Anstand\ndes Leibes 1\"\nBeiläufig erfahren wir, dass man „diesen Mercur für einen\nSohn Jupiter's und der Maja, der Tochter des maurischen\nFürsten Atlas, hält\".\nGar zu arg ist es doch, wenn uns der Verfasser er-\nzählt, dass Numa Pompilius bei der Eintheilung des römi-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.4", "texte": "sehen Volkes den Musikern den ersten Rang zuertheilt,\ndass Roland auf einer Trompete geblasen habe, dass sie\nzerplatzte und ihm die Halsadern sprangen, und ähnliches\ndummes Zeug mehr.\nIn der That, man begreift kaum, dass der grundehrlich\ngesinnte, mitunter jedoch etwas bissige Meister keinen ein-\nzigen Menschen gefunden hat, der ihm sagte: Wirf das al-\nles ins Feuer und fange erst da an, Schuhe zu machen,\nwo du den Leisten kennst! Aber der deutsche Fach-Schrift-\nsteller, der gelehrte eben so wie der unwissende, kann nun\neinmal nicht gleich zur Sache kommen, sondern muss,\nwenn er sich anziehen will, erst ergründen, auf welche\nW eise seine Knochen in die menschliche Haut gefahren\nsein mögen!\nGlücklicher Weise nimmt der Unsinn in unserem „In-\nstrumenten-Magazine\" nur 44 Seiten ein. Der 11. Abschnitt\nenthält in 10 Capiteln (von S. 45 bis S. 203) die Be-\nschreibungen von 27 Darmsaiten-Instrumenten (unter an-\nderen von sieben Arten der Viola), 11 Drahtsaiten-Instru-\nmenten, 11 Blas-Instrumenten von Holz, 12 dergleichen\nvon Blech (soll heissen Metall, denn die Orgel ist auch da-\nbei), 14 Schlag-Instrumenten mit Thierhaut, Glocken, Me-\ntallstäben, Holz und Gläsern, 3 Frictions-Instrumenten mit\nGlocken und Glas, 6 Instrumenten mit Zungen von Metall\noder Holz, 5 mit Stäbchen von Holz, Metall oder Bein\nim Ganzen von 89 Instrumenten!\nDer 111. und IV. Abschnitt handelt in 22 Capiteln\nnach der Ueberschrift des Verfassers: „Von den Grund-\nregeln zum Bau aller jetzt gebräuchlichen Instrumente;\nUebersicht der ursprünglichen Tonverhältnisse und der\npraktischen Regeln für die Stimmung; Anweisung für ihre (?)\nBehandlung und Erhaltung.\" Beide Abschnitte füllen die\nSeitenzahl von S. 204 bis 416. Ueberall sind—das ganze\nWerk hindurch Abbildungen (in den Text gedruckte\nHolzschnitte und ausserdem auf drei Tafeln) sowohl der\nganzen Instrumente als der einzelnen Theiie derselben\nbeigefügt.\nAm ausführlichsten ist, wie natürlich, die Construction\nder sämmtlichen Geigen-Instrumente und des Pianoforte\nbehandelt; was über jene gesagt ist, füllt über 40, die\nLehre vom Ciavierbau aber an 100 Seiten. Die Schluss-\nCapitel von beiden Abhandlungen enthalten über Beurthei-\nlung, Behandlung und Erhaltung der Geigen und Claviere\nsehr praktische Bemerkungen.\nDas Buch zeichnet sich demnach durch eine grosse\nReichhaltigkeit des Stoffes aus und ist allen Instrumenten-\nmachern und dem Musiker, der sich Einsicht in den Bau\nund Mechanismus seines Instrumentes verschaffen will, wie\nes seine Pflicht ist, zu empfehlen. Zu bedauern bleibt es\naber sehr, dass die Form sowohl in Anordnung des Gan-\nzen als in Darstellung des Einzelnen allzu sehr vernach-\nlässigt erscheint. Herr Welcker hätte sein Manuscript\neinem musicalisch gebildeten Literaten zur Durchsicht ge-\nben sollen!\nEine kleinere, in dasselbe Fach schlagende Schrift,\njedoch nur eine Monographie, ist folgende:\nDer Ciavier bau in seiner Geschichte, seiner tech-\nnischen und musicalischen Bedeutung. Eine erläu-\nternde Darstellung, hervorgerufen durch die In-\ndustrie-Ausstellung zu München. Zumßesten\nder Mozart Stiftung herausgegeben von C. A,\nAndre. Ottenbach am Main, 1855, bei Job.\nAndre. VII und 72 S. in gr. 8.\nDas Büchlein ist mit einem gestochenen Bildnisse Mozart's\nnach dem Original-Gemälde im Mozarthause zu Frankfurt\nam Main geziert, was auf dem Titel wohl desswegen ver-\nschwiegen ist, weil (der Vorrede nach) auch eine wohlfei-\nlere Ausgabe ohne dasselbe vorhanden ist.\nEinige einleitende Artikel aus dieser Schrift kennen\nunsere Leser bereits aus diesen Blättern (11. Jahrg. Nr. 36\nund 38, September 1854). Sie enthält in vier Abtheilun-\ngen Ansichten über die Aufstellung der Claviere in Indu-\nstrie-Hallen (namentlich in München), einen Ueberblick der\nGeschichte des Ciavierbaues, Beleuchtung des Claviers vom\nmusicalischen Standpunkte aus und Betrachtung der in\nMünchen ausgestellt gewesenen Claviere nebst theoretischen\nAndeutungen.\nNur die erste und theilweise die letzte Abtheilung ha-\nben mehr oder weniger specielle Beziehungen, die erste\nauf die Akustik der münchener Halle und die letzte auf die\nrichtige Würdigung der „Mozartflügel\" in\nRücksicht auf ihr Verhältniss zu den Instrumenten der dor-\ntigen Aussteller. Die beiden mittleren und grösseren Ab-\nschnitte aber sind von allgemeinem Interesse, und wenn\nsie auch ihr Thema nicht erschöpfen, was nicht in der Ab-\nsicht des Verfassers lag, so enthalten sie doch viel Anre-\ngendes und Unterrichtendes und werden von Ciavierbauern\nund Clavierspielern gern gelesen werden.\n\nSchweizer Briefe.\nGeehrter Herr Redacteur! Ihre freisinnigen und un-\nparteiischen Blätter, welche hier viel und gern gelesen wer-\nden, bringen so selten Mittheilungen aus unserer lieben"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.5", "texte": "Schweiz, dass es mir nicht überflüssig, vielmehr verdienst-\nlich erscheint, Ihre Aufmerksamkeit auch auf unsere musi-\ncalischen Zustände zu lenken.\nGefällt Ihnen nun meine einfache und unbefangene\nDarstellungs-Weise, so werden diesem ersten Briefe nach\nMaassgabe des Stoffes und der Ereignisse von Zeit zu Zeit\nmehrere andere folgen.\nHeute berichte ich Ihnen von zwei musicalischen Fest-\ntagen in der guten Stadt Bern.\nAm 28 Juni führte die Musik-Gesellschaft, welche\nschon seit 1815 mit geringen Unterbrechungen für das\nöffentliche musicalische Leben in Bern thätig war und seit\neiner Reihe von Jahren unter der Leitung ihres gegenwär-\ntigen Directors, des Herrn Adolf Methfessel, der sich\nbei dem letzten Musikfeste in der französischen Schweiz\ndurch muthige Uebernahme und glückliche Führung des\nvon R. Wagner so barsch aufgegebenen Dirigentenstabes\nauszeichnete, sowohl in Hinsicht der Zahl und Kräfte, als\nin Bezug auf grössere Aufführungen einen lebhaften Auf-\nschwung genommen, in der schönen, grossen Münsterkirche\ndie C-mo//-Sinfonie vonßeethoven undHändel's\nOratorium Samson unter zahlreicher Theilnahme von\nfremden und einheimischen Musikfreunden auf.\nBeethoven's herrliches Tongemälde wurde vom Or-\nchester kräftig, präcis und mit vortrefflicher Nuancirung\nausgeführt. Jedoch hätte der bedeutend grosse Raum der\nKirche eine stärkere Besetzung der Saiten Instrumente, na-\nmentlich der Violinen, erfordert; aber in unserer Zeit, wo\ndas Ciavier bei den Dilettanten die Orchester-Instrumente\netwas zu sehr verdrängt, hält es schwer, besonders in einer\nStadt, wo keine Capelle, noch ein anderes stehendes Musik-\ncorps, sich befindet, eine genügende Anzahl tüchtiger Violi-\nnisten aufzustellen.\nDie Aufführung des schon durch seinen poetischen In-\nhalt interessirenden und spannenden Oratoriums war eine\nhöchst befriedigende und genussreiche.\nDie Solo-Partieen hatten übernommen: 1) Herr Kirch-\nhoff (Tenor), früher Opernsänger, jetzt thätiger und ge-\nachteter Musicalienhändler in Bern; 2) Fräul. Karoline\nKiefer (Sopran), Schülerin des bekannten Baritonisten\nStockhausen jun.; 3) Fräul. Rordorf (Alt), eine recht ta-\nlentvolle Dilettantin von Zürich, und 4) Herr Step an\n(Bass), Mitglied der mannheimer Hofbühne. Herr Kirchhoff\nsang namentlich seine Recitative mit grosser Sicherheit, rein\nund mit angemessener Declamation vor, doch lag ihm die\nPartie des Samson wohl etwas zu tief; die ihm günstigen\nMomente benutzte er indess mit bester Wirkung, wie er\ndenn durchgängig den gut geschulten und routinirten Sän-\nger zeigte. Fräul. Kiefer entwickelte als Dalila eine jugend-\nlich frische, ausgiebige Stimme; etwas festere Accentuirung,\nso wie eine gleichmässigere Verbindung der Stimmen-Re-\ngister wird sich die noch junge Sängerin zur besonderen\nAufgabe zu machen haben; auch möchten wir ihr zuweilen\nmehr Wärme des Ausdrucks wünschen. So empfing die\nArie: „Vertraue, Theurer, meinen Worten\", etwas Ge-\ndehntes und Monotones, was sich auch dem hinzutretenden\nFrauenchor mittheilte; hier wäre ein weniger nachgiebiges\nLaisser aller des Dirigenten gewiss am rechten Orte gewe-\nsen. Das Duett mit Samson: „Fort, fort von hier!\" gelang\nihr mit Herrn Kirchhoff dagegen vortrefflich, und im Solo\nmit Chor: „GottDagon hat den Feind besiegt\", erhob sie\nsich zur angemessenen Energie, der auch der Chor wir-\nkungsvoll entsprach. In Fräul. Rordorf (Micah) lernten wir\neine schöne, zum Herzen sprechende Altstimme kennen.\nDürften wir der bescheidenen Dilettantin etwas rathen, so\nmöge sie nicht zu Gunsten der Tonentwicklung die Tempi\nzu sehr zurückhalten. Herr Stepan, dem unbestritten und\nmit allem Rechte die Palme des Tages gebührt, führte sei-\nnen Manoah von Anfang bis zu Ende wahrhaft dramatisch\nund musterhaft durch. Seine klangvolle, kräftige und doch\nhöchst biegsame Stimme erfüllte die weiten Räume wohl-\nthuend und glänzend. Schon sein erstes Recitativ: „Bedau-\nernswerthes Loos\", brachte eine grosse, sichtbare Wir-\nkung hervor. Die vom Componisten meisterhaft gehaltene\nArie: „Dein Heldenarm war einst mein Lied\", so wie die\nSchilderung der Katastrophe im dritten Theile des Wer-\nkes, wo er die Zerstörung des Götzentempels und den Tod\nSamson's berichtet, waren Momente von echt künstlerischer\nGrösse. Mit Einem Worte: Herr Stepan hat einen tiefen,\ngrossartigen Eindruck gemacht.\nDie Chöre waren stark, im richtigen Verhältnisse be-\nsetzt, vortrefflich einstudirt und wurden mit grosser Prä-\ncision, oft mit wahrer Begeisterung ausgeführt; sie brach-\nten eine erhebende Wirkung hervor. Besonders müssen\nwir die Reinheit der Intonation, die deutliche Aussprache\nund das sichere Eintreten in den Fugen-Sätzen hervorhe-\nben, was dem Dirigenten, welcher alle Uebungen von An-\nfang an selbst geleitet hatte, zum grössten Lobe gereicht.\nÜberhaupt zeugte die ganze Ausführung von dem Verständ-\nnisse, dem Eifer, kurz: von der Tüchtigkeit des Herrn\nMethfessel, auf dessen Besitz und wirksame, vielseitige Thä-\ntigkeit Bern in der That grossen Werth zu legen hat.\nDas Programm des zweiten Concertes (am 29.) ver-\nsprach die gewiss etwas zu grosse Zahl von zwölf Num-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.6", "texte": "mern. Mozart's prachtvolle, jugendfrische Sinfonie in\nC-dur (mit der Fuge) rauschte zuerst durch die fast über-\nfüllten Räume der grossen Kirche. Das Orchester schien\ndas unsterbliche Werk mit besonderer Liebe und Freudig-\nkeit auszuführen; es gelang vortrefflich. Von den hierauf\nfolgenden Gesang-Piecen heben wir besonders hervor:\nSopran-Arie aus Elias von Mendelssohn: „Höre, Israel\",\nin welcher Fräul. Kiefer den schönsten Klang ihrer Stimme\ngeltend machte; sodann die Tenor-Arie aus dem „Stabat\nmaieru von Rossini, von Herrn Kirchhoff angemessen und\nmit bester Wirkung gesungen ; ferner das- Duett mit Chor\naus dem „Lobgesang\" von Mendelssohn (Fräul. Kiefer und\nRordorf). Herr Stepan sang die Bass-Arie: „Es ist genug\",\nmit Kraft, Seele und Wahrheit, kurz: mit Meisterschaft.\nZwei junge Dilettantinnen, Fräul. Schneit er (wenn wir\nnicht irren, aus Frankfurt) und Fräul. Jeandrevin von\nBern, sangen ein sehr inniges von Cherubini.\nErstere besitzt eine volle, vielversprechende Altstimme;\nauch Fräul. Jeandrevin, welche einige Zeit bei Bordogni in\nParis Gesang-Studien gemacht, entfaltete eine umfangreiche,\nsehr ansprechende Stimme. Das Finale an diesem zweiten\nConcert-Tage bildete der Schluss-Chor aus dem Lobge-\nsange von Mendelssohn. Hier jauchzte und jubelte noch\neinmal so recht aus voller Brust und mit Herzenslust Chor\nund Orchester das Lob Gottes und seiner Himmelsgabe,\nder Tonkunst.\nIn der Pause zwischen dem ersten und zweiten Theile\nspielte Herr Mendel (Schüler von Rink), Organist an der\nHauplkirche, eine Fuge von Händel und eine Phantasie\nmit Kraft und Gewandtheit auf der neuen, imposanten Or-\ngel; der Fuge geben wir den Vorzug.\nDem Director Herrn Ad. Methfessel wurde am Abende\nvon der Orchester-Harmonie und einem Männer-Quartette\neine freundliche Serenade gebracht—eine Anerkennung,\ndie der unermüdlich thätige Mann nach so grossen An-\nstrengungen wolil verdient hatte.\nEin lieber, willkommener Gast beehrte durch seine\nAnwesenheit diese beiden Concerte: es war der Hof-Ca-\npellmeister Albert Methfessel aus Braunschweig, der\nauf einer Genesungsreise seine beiden Neffen in der Schweiz\nbesuchte. Der alte, wackere deutsche Sangesmeister erfuhr\nvon allen Seiten die grösste Hochachtung; Alles drängte\nsich zu ihm, ihn kennen zu lernen; auch schien die Schweiz\neinen so günstigen Eindruck auf ihn zu machen, dass wir\ndie Hoffnung hegen dürfen, ihn bald wieder zu sehen.\n\nMusicalischer Bericht aus Crefeld.\nSchon oft ist in der letzten Zeit von auswärtigen Mu-\nsikern und Musikfreunden die Frage an uns ergangen,\nwarum der musicalischen Verhältnisse Crefelds in Ihrer\nZeitung so wenig Erwähnung geschehe, da unsere Stadt\ndoch berechtigt sei, einen Platz in der Reihe der kunstlie-\nbenden und kunsttreibenden Städte des Rheines einzuneh-\nmen. Mögen Sie in unserem bisherigen Schweigen eine\nwohlbegründete Bescheidenheit erkennen; denn ein Bericht\nüber die bis zum Anfange des vorigen Winters in der\nConcert-Saison jährlich an uns vorüber gegangenen Con-\ncerte würde Ihnen wohl von dem regen Streben der ver-\nschiedenen hiesigen vereinigten Gesangeskräfte, dem Eifer\nund der Liebe zur Musik, die stets in Einzelkreisen unserer\nStadt heimisch gewesen und den Dilettantismus auf eine\nfast kunstgerechte Stufe gebracht, erzählt haben, doch von\neinem vollständigen Gesammtwirken der Vocal- und Instru-\nmental-Kräfte, wie die Aufführung classischer Orchester-\nund Gesanges-Werke es erheischt, konnte nicht die Rede\nsein. Seit vielen Jahren hörten wir keine Orchester-Con-\ncerte mehr, weil es uns an einem vollständigen Orchester\nund an der die zersplitterten Kräfte zu einem Ganzen bil-\ndenden und zusammenhaltenden Hand fehlte. Dass letzte-\nrer Mangel die Haupt-Ursache aller bis dahin bestandenen\nmusicalischen Missverhältnisse war, hat der Cyklus der im\nvergangenen Winter Statt gehabten Concerte bewiesen; in\nihm liegt—wie durch einen Zauberschlag herbeigeführt—\ndie gänzliche Umwandlung der Verhältnisse, die man so\nlange herbeigesehnt und an deren Verwirklichung man\nnicht mehr zu glauben wagte. Zur rechten Zeit hat sich\nder Retter gefunden, und wir besitzen jetzt in der Person\ndes königlichen Musik-Direclors Herrn Hermann Wo 1 ff\naus Halberstadt einen vortrefflichen Lehrer und Dirigenten,\nauf den wir mit Recht stolz sind. Er ist ein Mann, der,\nausgestattet mit dem rechten Geiste und Verständnisse und\nder nöthigen Energie, die hier in reichem Maasse vorhan-\ndenen musicalischen Mittel zu heben, zu wecken und zu\neinem harmonischen Ganzen zu vereinigen weiss. In unse-\nren Dilettanten-Kreisen befinden sich Gesanges-Kräfte, wie\nsie vielleicht keine andere Stadt des Rheinlandes aufzuwei-\nsen hat, und mit Freuden nehmen wir wahr, wie dieselben,\nbeseelt und angeweht von dem echten Geiste der Kunst,\nder in unseren Mauern wieder heimisch werden will, sich\nbestreben, durch ihre vortrefflichen Leistungen dem ver-\nehrten Dirigenten die Erreichung des Zieles, das er sich\ngesteckt zu haben scheint, zu erleichtern, nämlich: dem"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.7", "texte": "Publicum den Weg zum Gebiete der classischen Musik,\nder ihm so lange verschlossen geblieben, wieder zu eröff-\nnen. Unsere seit vorigem Jahre von einem tüchtigen Leiter\n(Herrn Viereck) gebildete Capelle ist auch in diesem\nPunkte eine unschätzbare Bereicherung für das Musikleben\nunserer Stadt, und wie Ihnen das kurzgefassle Programm\nder sechs durch Herrn Wolff dirigirten Concerte zeigen\nwird, ist durch sie dem Letzteren die Möglichkeit gegeben\nworden, einen lange gehegten Wunsch des Publicums:\nBeethoven'sche Sinfonieen zu hören, zu erfüllen. Mit hoher\nFreude habe ich bei diesen Aufführungen, wie auch bei\nsolchen grösserer Gesanges-Werke, wie Elias, die Jah-\nreszeiten u. s. w. den richtigen und wannen Sinn un-\nseres Publicums für das Echte und ewig Wahre in der\nMusik erkannt und glaube aus ihm der neuen Epoche, die\nin den crefelder Musik-Zuständen eingetreten ist, eine Zu-\nkunft versprechen zu dürfen. Hier gebe ich Ihnen das\nkurze der grösseren Gesanges- und Orchester-\nWerke, die hier zur Aufführung kamen: die Sinfonieen\nA-dur, C-moll und Paslorale von Beethoven; dessen C-moll-\nConcert für Pianoforte, gespielt von Herrn Reinecke; das\ngrosse Violin-Concert von demselben, gespielt von Herrn\nvon Königslöw; das G-moll-Concert von Mendelssohn für\nPianoforte, gespielt von Herrn Jul. Tausch aus Düsseldorf;\ndas grosse Violin-Concert desselben, vorgetragen von Herrn\nFranz Seiss; die Ouvertüren zu Euryanthe und zum Frei-\nschütz von Weber, so wie zur Zauberflöte von Mozart;\nFest-Ouverture von Rietz; Ouvertüre zu Wilhelm Teil von\nRossini; Elias von Mendelssohn; Finale aus Loreley von\ndemselben; Finale des zweiten Actes aus Figaro's Hoch-\nzeit; grosse Arie aus dem Freischütz für Sopran; Arie mit\nChor aus Orpheus von Gluck für Alt; Sextett aus Don\nJuan von Mozart; die Jahreszeiten von Haydn.\nWie verlautet, soll jetzt Hiller's herrliche Compo-\nsition „ Die Zerstörung von Jerusalem\" für das erste Abon-\nnements-Concert des kommenden Winters einstudirt werden.\nAn dem hier vor wenigen Tagen gefeierten grossen\nSänger feste haben Sie, wie ich gehört habe, selbst\nTheil genommen, während eine Reise nach Paris meine\nAnwesenheit bei demselben leider verhinderte.\nCrefeld, den 17. August 1855.\n\nRossini.\nUeber den Zustand Rossini's, über welchen seit län-\ngerer Zeit so viel gefabelt wird, sind wir im Stande, aus\nbester Quelle authentische Nachrichten zu geben. Der ge-\nniale Mann ist nicht geschwächt, aber sehr leidend; na-\nmentlich hat ein unglücklicher Aderlass am Kopfe ihm eine\nErschütterung verursacht, die ihn beinahe fortwährend die\nheftigsten Schmerzen erdulden lässt. Jedoch bezwingt er\nsich in Gegenwart Anderer, und Abends, wo sein Wehe\ngewöhnlich nachlässt, kehrt seine ganze Liebenswürdigkeit,\nsein Witz und Geist zurück. Obschon er selbst seit 22\nJahren nichts mehr geschrieben, nimmt er doch an Musik\nden grössten Antheil und freut sich, wenn er etwas halb-\nwegs Interessantes hören kann. Seine Scheu aber vor Ge-\nräusch geht so weit, dass er nicht allein die Eisenbahn\nvermeidet, sondern auch in Paris in kein Opern-Theater\ngegangen ist, aus Furcht vor einer Ovation. Hierin mag er\nwohl unter allen lebenden Musikern einzig da stehen. Ros-\nsini befindet sich gegenwärtig zu Trouville, wo er na-\ntürlich von allen Badegästen auf den Händen getragen wird.\nDen künftigen Winter gedenkt er in Paris zuzubringen.\n\nAus Gotha.\nDen 1. A agus t 1855.\nEndlich ist es gelungen, für die seit Jahren väcante Stadtmu-\nsicus-Stelle einen tüchtigen Mann in der Person des Herrn Har-\nras aus Arnstadt zu gewinnen. Durch bereitwillige Erhöhung der\nbisherigen, allerdings sehr kärglichen Besoldung Seitens der städti-\nschen Behörden, hauptsächlich aber durch den günstigen Erfolg,\nwelchen die von einer kleinen Anzahl Musikfreunde eingeleiteten\nConcert-Actien-Zeichnungen hatten, wurde es möglich, Herrn Har-\nras für die ersten Jahre eine in pecuniärer Hinsicht sichere Stel-\nlung zu garantiren. Entsprechen nun dessen Leistungen den an\nihn gestellten Forderungen und den gehegten Erwartungen, dann\ndürfte eine Verminderung der Theilnahme des hiesigen Publicums\nbei später zu veranstaltenden Goncerten wohl nicht zu befürchten\nsein. Die an diese Acquisition geknüpften Hoffnungen, durch ein\nZusammenwirken der hier bestehenden Vocal-Vereine mit den nun\ngewonnenen Instrumental-Kräften die Öftere Aufiührung grösserer\nTonwerke zu ermöglichen, scheinen sich leider nicht so bald ver-\nwirklichen zu wollen. Herr Musik-Director Wandersieb, der\nseit einer langen Reihe von Jahren den Gesang-Verein und die\nLiedertafel auf die uneigennützigste Weise mit dem glücklichsten\nErfolge geleitet hat, beabsichtigt nämlich eine längere Reise ins\nAusland, die sich höchst wahrscheinlich auf mehrere Jahre aus-\ndehnen wird. In wessen Hände die interimistische Leitung der ge-\nnannten Vereine gelangen wird, ist noch nicht entschieden. An\nmusicalisch befähigten jungen Männern fehlt es hier zwar nicht,\naber eine erfolgreiche Leitung grösserer Privat-Vereine bedingt\nausser den musicalischen auch noch manche andere Eigenschaften,\nderen Mangel auch den musicalisch tüchtigen Mann oft auf nicht\ngeahnte Schwierigkeiten stossen lässt.\nSo eben ist unsere Liedertafel von dem coburger Sängertage\nzurückgekehrt, voll des Lobes über die freundliche und herzliche\nAufnahme Seitens der Coburger und über das in grösseren Dimen-\nsionen angelegte und in jeder Beziehung gelungene Fest. Grosse\nMännergesang-Feste, wie solche in den vierziger Jahren in Gotha\nund in den benachbarten Städten gehalten wurden, kommen jetzt\nnicht mehr vor. Der Thüringer Sängerbund besteht zwar nominel"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550825-01.1.8", "texte": "noch, aber seit dem für die Bundescasse so unglücklich ausgefalle-\nnen Feste in Eisenach (1847) hat derselbe kein Lebenszeichen wie-\nder von sich gegeben und wird sich auch schwerlich wieder zur\nfrüheren Blüthe entfalten können. Desto gemüthlicher machen sich's\naber einzelne Liedertafeln bei kleineren Festen, die seit einigen\nJahren auch bei uns wieder in Aufnahme gekommen sind.\nNach Mittheilungen der Neuen Zeitschrift für Musik und der\nberliner Musik-Zeitung „Echo\" soll die erste Versammlung des\nvon Herrn Sattler angeregten Mozart-Vereins den 24. und 25.\nAugust hier in Gotha abgehalten werden.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHÖIBI. Unter den kürzlieh hier anwesenden fremden Künst-\nlern befanden sich Herr Hullah aus London, welcher dort die\nOratorien-Auflührungen in St. Martin's Hall dirigirt und grosse Ver-\ndienste um den Chorgesang in London hat; ferner Herr Halle, der\nzum Besuche seiner Mutter von London herüber gekommen war,\nund der grossherzogliche Hof-Capellmeister Herr L. Schindel-\nmeisser aus Darmstadt. In einem engeren Cirkel hatten wir Ge-\nlegenheit, die eminente Fertigkeit und den gediegenen Vortrag\nHalles' zu bewundern, der unstreitig zu den ersten Pianisten un-\nserer Zeit gehört.\nWer das Steuer unseres Theater-Schiffes übernehmen wird,\nwissen wir noch immer nicht mit Sicherheit. Herr Kahle, als\nTenorsänger in der vorletzten Saison hier mit Recht beliebt, wird\nals Unternehmer genannt. Es dürfte in der That von denjenigen\nBehörden, in deren Händen die Ertheilung der Concession liegt,\nnicht wohl zu verantworten sein, dass mit der Entscheidung dar-\nüber so lange gezögert wird! Ein Theater-Director, welcher Ende\nAugust die Concession noch nicht definitiv in Händen hat, muss\nin die grösste Verlegenheit wegen Engagements für eine Kunst-\nanstalt gerathen, die er binnen vierzehn Tagen oder vier Wochen\neröffnen soll! Sollte nun gar, wie verlautet, auch wiederum eine\nKunstreiter-Gesellschaft für die Winter-Monate hier\nconcessionirt werden, so würde das Theater-Schiff auch bei dem\nbesten Willen des Steuermannes sehr bald wieder zum Wrack\nwerden. Wir glauben indess an das Gerücht in letzterer Beziehung\nnicht hätten aber gewünscht, dass in den Aufsätzen „Zur Re-\nform des Theaters\" in der Köln i sehen Z ei tu ng nicht bloss\nvon der Fürsorge der städtischen, sondern auch von dem In-\nteresse der Staats-Behörden für die dramatische Kunst etwas\nmehr die Rede gewesen wäre.\nMit grossem Bedauern vernehmen wir, dass Herr Kammersän-\nger Ernst Koch seine Entlassung von der Gesanglehrer-Stelle an\nder Rheinischen Musikschule hierselbst genommen hat und\nseine Functionen an derselben mit dem 1. October aufgibt. Es ist\ndies ein grosser Verlust für diese Anstalt. Herr Koch wird übri-\ngens fortfahren, seine Lehrthätigkeit, welche bekanntlich einer\nMenge von Künstlern und Dilettanten bereits so erspriesslich ge-\nwesen ist, dem Privat-Unterrichte wie bisher zu widmen.\nIlerlisi. Am 22. August feiert Herr Mantius sein fünfund-\nzwanzigjähriges Künstler-Jubiläum. An demselben Tage des Jahres\n1830 betrat er im k. Theater zum ersten Male als Tamino die\nBühne.\nUeber die Wiedereröffnung der k. Oper am 14. d. Mts. schien\nein eigenthümlicher Unstern zu walten. Als Eröffnungs-Oper war\nAuber's in der Vollendung hiesiger Darstellung stets gern gesehene\nund gehörte Stumme von Portici angekündigt, aber dann Auber's\n„Feensee\" und schliesslich auch nicht dieser, sondern Lortzing's\n„Gzaar und Zimmermann\" gegeben. Obwohl musicalisch gegen\ndiesen Tausch nichts einzuwenden wäre, so bleiben doch immer\ndie Bedenken, welche für derartige Opera überhaupt den Rahmen\ndes Opernhauses zu gross finden. Die Darstellenden selbst schienen\nmit neuen Kräften und neuer Lust ihr Werk wieder zu beginnen.\nMannigfache Schwankungen, sogar in Chor und Orchester, müssen\nwir diesmal billiger Weise auf die Umstände schieben ; im Ensemble\nwaren das erste und zweite Finale Musterstücke. Es behauptete\nFräul. Trietsch als Marie den alten Ruhm der Leichtigkeit, Nai-\nvetät, überhaupt der richtigen Wiedergabe ihrer Rolle: ihr Dialog\ndarf noch immer für die übrigen Sängerinnen mustergültig bleiben.\nHerr Krause befriedigte als Czaar; mehr Ruhe und Getragenheit\nder Cantilene blieb zu wünschen übrig. Das beliebte Czaaren-Lied\nSonst spielt' ich\" trug ihm stürmischen Beifall ein. Herr Man-\ntius w7ar als Iwanofl im Spiel recht am Platze; auch Herrn Zs ch ie-\nsehe und Herrn P fister (Chateauneuf) ist Lob zu spenden.\nMünclien. Am 12. August wurde R. Wagner's Tannhäu-\nser zum ersten Male mit prachtvoller Ausstattung und unter gros-\nsem Zudrange des Publicums gegeben. Lachner dirigirte und\nwurde gerufen. An Beifalls-Aeusserungen fehlte es nicht.\nDie Neue Weener Musik-Zeitung schreibt, dass der Hof-Opern-\nCapellmeister Eckert mit der Composition des Libretto's „Der\nGuerilla\", welches Herr Cornet von dem Verfasser S. Wal-\nlace gekauft haben soll, beauftragt worden sei.\nparieniha!« Die sterblichen Ueberreste der Gräfin Rossi-\nSontag sind am 3. Mai im Kloster Marienthal angekommen, wo\nsie neben ihrer Schwester Julie, die dort den Schleier genommen\nhat, beigesetzt sein wollte. Der Gemahl, die Kinder und der Bru-\nder der berühmten Sängerin waren in Lichtenthai versammelt.\nNach Einsegnung der Leiche wurde der zinnerne Sarg, in einen\nhölzernen eingeschlossen, in der Michaels-Capelle beigesetzt.\nAmsterdam. Die deutsche Oper hat in der letzten Saison\nsogar im Sommer gute Geschäfte gemacht. Die vorzüglichsten Mit-\nglieder waren Frau von Marra, Fräul. Hartmann, Fräul. Ries-\nberg, der Tenor Chrudimski und der Bariton Roberti. Gast-\nrollen gaben Pischek und Ander. Zum Schlüsse wurde Meyer-\nbeer's Stern des Nordens gegeben; Frau von Marra wurde gerufen\nund ihr im Namen der Abonnenten ein silbernes Thee-Serviee\nüberreicht."}]}