{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-09-08-01", "volume": "bmtnabi_1855-09-08_01", "ocr_sha256": "f87483f76ad1b0c72dc24e1c4bee9be04732351b1bb4dedb219e61070eea65c9", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/09/08_01/bmtnabi_1855-09-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-09-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-09-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "284", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.2.1", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. 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Alles, was\nnach Italien reis't—ich spreche nicht vom Touristen-Tross,\nsondern von gebildeten, für Kunst empfänglichen und darin\nbewanderten Menschen —, hat in der Regel eher für alles\nAndere Interesse, als für das Drama, und während die\nKunst in ihren todten Denkmalen von Allen aufgesucht,\nbewundert, studirt wird, kümmert sich kaum Einer oder\nder Andere um die lebendigen Erscheinungen derselben,\num plastische Formen, welche nicht in kaltem Marmor nur\ndas unveränderliche Bild geben, sondern in ewigem Wech-\nsel das Leben der Seele darstellen. Höchstens, dass der\nMaler nach schönen Gesichtszügen späht, der Bildhauer\nModelle sucht, der Musiker dem Gesänge lieblicher Stim-\nmen lauscht oder die Oper besucht; wer aber kümmert\nsich um das Schauspiel? wer gibt uns Kunde von dem\nZustande der dramatischen Kunst und Literatur der Ge-\ngenwart in Italien? Wenn hier und da ein Urtheil darüber\nverlautet, so geschieht es in absprechendem, wegwerfen-\ndem Tone.\nDa kommt auf einmal eine italiänische Schauspieler-\nGesellschaft auf den Gedanken, nach Paris zu gehen und\nmit Erstaunen sehen wir, dass Italien an dramatischen\nKünstlern es nicht nur mit allen anderen Ländern Euro-\npa's aufnehmen, sondern sogar Muster der theatralischen\nDarstellungskunst aufweisen kann.\nMag man über die Urteilsfähigkeit eines Residenz-\nPublicums denken, wie man will, so wird man doch in\ndiesem besonderen Falle einräumen müssen, dass der bei-\nspiellose Erfolg der Ristori unter den obwaltenden, durch-\naus und in jeder Beziehung für sie ungünstigen Verhältnis-\nsen ohne den wirklich hervorragenden Werth ihrer Leistun-\ngen eine Unmöglichkeit gewesen wäre. Sie kam Ende Mai\nhieher; übersättigt von der ewigen alten Leier der italiäni-\nschen Oper, war das Publicum dieser Oper froh, dass der\nSaal geschlossen war, und der kleine Rest von Theilnahme\nfür die Kunstleistungen von Italiänern überhaupt war so\ngut wie erloschen. Dazu die schöne Jahreszeit nach einem\nhier in Paris ganz ausnahmsweise abscheulichen Winter ;\nferner die schwüle Atmosphäre der politischen Luft, die\nvon der Krim herwehte, die eigenthümliche Lage der Fi-\nnanzwelt und der Capitalislen, die auf der einen Seite dem\nStaate Geld über Geld gaben, auf der anderen durch maass-\nlose Speculation (Eisenbahnen, u. s. w.)\nGeld über Geld zu gewinnen suchten; endlich die Erwar-\ntungen von der Ausstellung und die Vorbereitungen dazu,\nwelche eine ganz andere Theilnahme in Anspruch nahmen,\nals den Geschmack am Kunstschönen, das alles zusam-\nmen genommen hatte die Künstlerin zu überwinden, und\nzwar, was den Erfolg am zweifelhaftesten machte, in einer\nfremden Sprache! Denn mit dieser durchzudringen bei\neinem Volke, das gegen nichts auf der Welt verstockter\nist als gegen die Erlernung fremder Sprachen, war keine\nKleinigkeit. Freilich strömt alle Welt nach Paris, aber alle\nWelt grüsst Paris auf Französisch, erkundigt sich auf Fran-\nzösisch nach seiner Gesundheit, beeifert sich, ihm auf\nFranzösisch den Hof zu machen. Was Wunder also, dass\nder Pariser kein Deutsch, kein Englisch, kein Italiänisch\nlernt? Die natürliche Folge dieser Geistes-Trägheit ist eine\nfast allgemeine Unwissenheit in sprachlichen Dingen, und\ndiese besieht auch jetzt noch immer, trotz der im Grunde\nsehr ärmlichen Coquetterie mit deutschen Brocken und\ntrotzdem, dass die elegante Welt, wenn sie Lablache's\nschlechte Witze im Don Juan, weil sie seit zwanzig Jahren"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4944, "texte": "wiederkehren, und einige Mio und in der\nOper versteht, das Italienische gründlich zu kennen ver-\nmeint. Und dennoch ein Sieg des Wortes über den Ton,\nder Declamalion über den Gesang! Aber auch durchweiche\nMittel!\nIch weiss nicht, woher Adela Ristori stammt, wo sie\ngeboren, wer ihre Eltern, wer ihre Lehrer, wer ihre Mu-\nster gewesen. Ich weiss auch nicht, wie alt oder wie jung\nsie ist; nur das sehe ich ein, dass sie für jede Rolle, die\nsie spielt, gerade jung oder alt genug ist; nur das fühle\nich, wenn ich sie sehe und höre, dass ihre Heimat jene\nidealische Welt ist, deren Seelen nur selten auf die Erde\nherab kommen, um in der Hülle, die menschlichen Formen\nähnlich sieht, uns eine Zeit lang zu ihnen empor zu heben.\nVielleicht rufst Du mir zu: Du liebst sie! Gewiss liebe\nich sie, weil alles Schöne vergänglich ist, wenn die Liebe\nes nicht umfasst und es wenigstens lür die Erinnerung\nrettet.\nDesshalb schreibe ich Dir, dem Herausgeber einer\nMusik-Zeitung, über die Ristori, unbekümmert darum,\nob die Feuilleton-Kiele der politischen Blätter sich bereits\nan diesem Thema abgestumpft haben; vielleicht gerade\ndesswegen. Denn ich will den Stolz der Musiker beugen,\ndie da meinen, ihrem Genie sei der Zauber über das\nmenschliche Herz vorbehalten; ich will die Anmaassung\nder Sänger beschämen, die da glauben, nur die Singstimme\nkönne Wiederhall in der Seele wecken; ich will endlich\ndie Dummheit jener deutschen soi-disant Dichter-Musiker\nins Licht setzen, welche die verrückte Behauptung auf-\nstellen, das Drama könne nur dann dem Ideal der Kunst\nentsprechen, wenn es gesungen, nicht, wenn es gesprochen\nwerde!\nHabt ihr Musiker denn wohl eine Vorstellung von der\nfurchtbaren Gewalt des Wortes, das augenblicklich ein-\nschlägt mit dem Blitze des Gedankens, während ihr mit\ndem Moment des Tones nichts erreicht und nur durch\neine Reihe von Tönen wirken könnt, die jedesmal eine\nZeitdauer erfordert, während welcher die Wirkung des\nGedankens verfliegt und nur die Melodie Geltung hat? Und\nkönnt ihr durch euer Tonleiter-System die unendliche Mo-\ndulation der Stimme bezeichnen, die ein schönes Organ\nals Dolmetscher der Gefühle und Leidenschaften in seiner\nGewalt hat? Glaubt ihr es zu können, so hört die Musik\nder italienischen Sprache in dem Munde der Ristori, und\nihr werdet gestehen, dass euer Noten-System zur Bezeich-\nnung eines solchen Wechsels des Wohllautes nicht aus-\nreicht.\nUnd war es etwa die poetische Kraft des Drama's, in\ndem sie zuerst auftrat, welche die Künstlerin hob und viel-\nleicht manche Schwächen derselben übersehen liess? 0\nnein! Die Francesca da Riminivon Silvio Pellico ist eigent-\nlich gar kein Drama. Den Stoff gab die Erzählung Dante's\nim fünften Gesänge des Inferno. Im Drama erscheinen nur\nvier Personen. Francesca liebte Paolo vor ihrer Vermäh-\nlung mit dessen Bruder Lanciotto; dieser zwingt sie, den\nGeliebten wieder zu sehen die Flamme, die unter der\nAsche glimmte, lodert wieder auf, die Liebenden werden\nüberrascht, die Brüder ziehen die Degen gegen einander,\nFi ancesca wirft sich zwischen sie und fällt in Lanciotto's\nDegen, Paolo vertheidigt sich nicht weiter und empfängt\nden Todesstoss. Francesca's Vater Guido ist überall nur\nda, um die Klagen der Tochter und der feindlichen Brüder\nmit Vertrauen zu vernehmen und ihr Schicksal, das er\nselbst verschuldet hat, da Francesca den Schleier nehmen\nwollte, zu bedauern.\nMan denke sich diesen Inhalt zu einem Drama von\nfünf Acten verarbeitet! Von Handlung ist nicht die Rede,\ndas Ganze ist nur eine schöne lyrische Dichtimg, gleichsam\nein Commentar zu dem herrlichen Gemälde von Ary Schef-\nfer, dessen Kupferstich bekannt genug ist. Es ist das ewige\nEinerlei einer Poesie der Liebe, welche der Hauch der\nWehmuth durchweht, aber einer Poesie voll bezaubernder\nHarmonieen; eine italiänische Oper ohne Musik, und\ndoch nichts als Melodie.\nDie Ristori ist gross, aber nicht stark, sondern von\nschlankem, biegsamem Wüchse; ihre Züge sind regelmäs-\nsig schön, jener edle römische Typus ruht auf ihnen, den\nkeine Leidenschaft, kein Lachen und kein W7einen zum\nHässlichen verzerren kann. Es mag ihr die Frische der\nersten Jugendblüthe fehlen dafür aber zeigt sie uns das\nWeib in vollendeter Schönheit, das Weib voll Seele, mit\ndem Auge voll Liebe und Sanftmuth und voll Stolz und\nWürde; Haltung, Stellung, Gang und die sparsame Gesti-\nculation sind voll Adel und Anmuth. Was aber am meisten\nergreift und fesselt, ist ihr Organ, der Ton einer Altstimme\nvon bedeutendem Umfange, von reicher Fülle und einer\nBiegsamkeit und abwechselnden Färbung, welche selbst\nden verstocktesten Verehrern der französischen Declamation\nwenigstens Ehrfurcht eingeflösst hat, wenn sie sich auch\nnoch nicht gestehen wollen, dass der Vortrag der Italiänerin\nsich wie die sieben Farben des Regenbogens zu dem\nSchwarz und Weiss der gefeierten Rachel verhält. Freilich\nist auch der Stoff, aus welchem jenes Organ seine Kunst-\ngebilde formt, ein fügsamerer; der volle Klang der ilaliäni-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5242, "texte": "sehen Vocale, der Mangel jenes Heeres von stummen E's\nund tonlosen Endsylben, die den französischen und deut-\nsehen Declamator oft zur Verzweiflung bringen, der regel-\nmässigere Versbau, der die natürliche Tonlänge nicht miss-\nhandelt, mit Einem Worte: die Sprache, in welcher die\nDichter Italiens dichten, ist an und für sich schon wohllau-\ntende Rede, wo und wie sie nur erklingt.\nUnd doch sind alle diese glänzenden Eigenschaften und\nVortheile es nicht, was der Ristori ihren Triumph als Dar-\nstellerin sichert; sondern die ideale Auflassung der Rolle\nund die Wahrheit, mit welcher sie diese Auffassung so\nideal, als es der menschlichen Natur möglich ist, wieder-\ngibt, das ist es, was sie zur grossen Künstlerin und beson-\nders lür die Franzosen zu einem Wunder macht. Ein noch\ngrösseres Wunder aber würde es sein, wenn der Eindruck,\nden die Naturwahrheit ihres Spiels hinterlässt, die Altäre\nstürzte, auf denen die Franzosen noch immer in der Tra-\ngödie dem Götzen des alten Perrücken-Pathos opfern. Und\nunmöglich wäre das nicht. Haben doch schon diejenigen\nfranzösischen Aesthetiker, welche den Muster-Vorstellungen\nin München im vorigen Jahre beiwohnten, ganz andere Vor-\nstellungen vonNaivetät, Natürlichkeit, Unschuld und Wahr-\nheit des Spiels mitgebracht, und den Eindruck, den deut-\nsche Künstlerinnen, z. B. Fräul. Seebach als Klärchen im\nEgmont, auf sie gemacht, mit einer Art von Verwunderung\nüber sich selbst empfunden und ganz unparteiisch Zeugniss\ndavon in hiesigen Blättern abgelegt. So lassen sich auch\nüber das Spiel der Ristori und der Italiäner überhaupt\n(denn das Ensemble ist gut, und einzelne Schauspieler, z.\nB. Rossi, sind ebenfalls vortrefflich) Stimmen der Kritik ver-\nnehmen, welche die grosse Verschiedenheit des Spiels die-\nser Künstler und der französischen hervorheben, und wahr-\nlich nicht zum Vortheil der letzteren.\nSo sagte z. B. Theophile Gautier (und sogar im\nniteurl) bei Gelegenheit der Besprechung einiger Rollen\nder Ristori im Lustspiel (die junge Frau in\nnati, „Die glücklichen Eifersüchtigen\", und in Goldoni's\nLocandiera, bei uns in Deutschland durch „Mirandolina\",\nwenn ich nicht irre, nachgeahmt), dass es unmöglich sei,\neinfacher, anmuthiger, natürlicher zu sein. „Da ist keine\nrastlose Besorgniss um den Effect, man kümmert sich nicht\num die Zuschauer, man spielt lür das Stück und nicht lür\nden Beifall. Die Ristori folgt \"den Regungen ihres Herzens\nmit einer natürlichen Freiheit, welche in den Salons von\nLondon und Paris grossen Anstoss erregen würde, wo je-\ndes wahre Gelühl fast lür unanständig gilt, so sehr hat das\nConventionelle die Natur erstickt.\"\nUnd in der That, sie ist im Lustspiel eben so bedeu-\ntend, als in der Tragödie. Sie ist nicht als Komödiantin\ntraurig und lustig, sie ist es als weibliches Wesen in voll-\nster Wahrheit und Natur. Sie lacht und weint, ohne von\nder Seite in den Spiegel zu sehen, ob sie beim Lachen den\nMund in die richtige Oeffnung gebracht, um die schönen\nZähne zu zeigen, und ob das Auge beim Erpressen der\nThräne nicht zwinkert. Sie ist in dem oben erwähnten\nStücke eifersüchtig lür sich selbst und nicht lür die Gale-\nrie; nicht der Spott der Welt und das Gerede der Leute\nkümmert sie; das Herz leidet von dem Verrath, nicht der\nStolz auf ihre gesellschaftliche Stellung. Auch in einer an-\nderen Kleinigkeit, Con gli uomini („Mit den\nMännern lässt sich nicht spassen\"), worin sie eine Donna\nDiana en miniature spielt, ist sie reizend. Wir haben es\nalso mit einer echten Künstlerin zu thun, welche nicht\nspielt, was sie ist, sondern das, was sie sein will. Du\nhast mir einmal gesagt, das sei die Aufgabe eines wirkli-\nchen Schauspielers; es ist mir erst jetzt recht klar gewor-\nden, wie sehr Du Recht hast. Ich lühre aber noch ein Bei-\nspiel an, wie richtig auch die hiesige Kritik ihr Spiel zu\nwürdigen beginnt. Blanchard sagt in der Revue et Gazette\nmusicale: „Die Ristori zeigt die Fülle ihres Talentes durch\ndie Vereinigung der entgegengesetztesten theatralischen\nEigenschaften. Alle unsere dramatischen Gewohnheiten\nscheitern daran. Was wir Diction nennen, so ein Ding von\nlogischer, kalter und conventioneller Kunst, auf welchem\ndas Talent unserer berühmtesten Schauspielerin beruht,\ndas ist da nur Nebensache; der Mensch mit seinen Leiden-\nschaften, seiner Poesie, seiner Musik, seinem Entzücken und\nseinem Schmerz, seinem Schrei des Entsetzens und seinen\nSeufzern der Liebe und seligen Lust das ist die Kunst\nder Tragödie.\" Wahrhaftig, es beginnt zu tagen.\nUnter den späteren Rollen der Ristori ragten Mirra\nin Alfieri's Tragödie gleichen Namens und Maria Stuart\nvon Schiller (in einer guten italiänischen Uebersetzung)\nhervor. Des düstern und oft allzu rhetorischen Alfieri Dich-\ntung war es wiederum wahrlich nicht, was hinreissen\nkonnte; der Gegenstand des Drama's an und lür sich, die\nLiebe der Tochter zu dem Vater, und zwar die Liebe nach\ngriechischen Begriffen als eine Art Manie gedacht, kann\nunsere Sympathieen nicht erregen. In der Fabel verwandelt\nbekanntlich der mitleidige Gott Apollo die Mirra in einen\nBaum; der italiänische Dichter aber lässt das unglückliche\nMädchen lünf Acte hindurch gegen ihre unselige Leiden-\nschaft ankämpfen, alle Stadien der Sehnsucht, Wehmuth,\ndes Abscheu's, des Wahnsinns durchgehen, endlich ihre"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2162, "texte": "Liebe gestehen und in demselben Momente sich den Tod\ngeben. Und dennoch fesselt die Darstellung dieser Selbst-\nqual durch die Ristori von Anfang bis zu Ende, und die\nKünstlerin verdankt gerade dieser Rolle ihren grössten\nErfolg! Sie wurde nach dem Fallen des Vorhangs drei Mal\ngerufen eine in Paris unerhörte Huldigung.\nlieber Maria Stuart die Glossen der französischen\nTheater-Habitue's vor Anfang des Stückes und noch nach\ndem ersten und zweiten Acte zu hören, war in der That\nhöchst ergötzlich. Classiker und Romantiker stimmten in\nden Ton derjenigen Coterie ein, welcher die Triumphe der\nItaliänerin den Schlaf geraubt hatten, weil sie den Ruhm\nihrer Göttin überstrahlten. „Weiche Frechheit\"—hiess es\nda —, „sich nach der Rachel an Maria Stuart zu wagen!\nWie trefflich hat Lebrun dieses Stück lür die französische\nBühne bearbeitet! Welch ein Mangel an Geschmack, eine\nfast wörtliche Uebersetzung von Schiller zu geben!\"\nAber mit dem dritten Acte wurde Alles still und stumm,\ndas ganze Haus war wie in künstlerische Andacht versun-\nken, und nach dem Auftritte im Garten zu Fotheringhav\nO %)\nbrach die Bewunderung wie ein lange verhaltener Strom\nlos und riss selbst jene Coterie mit sich fort. Welch ein\nWeib! wie eine Lava brach die Gluth des Zorns\n„Spreng' endlich deine Bande, Groll!\"\naus dem Vulkan des Herzens hervor, und dennoch Maass\nund dennoch Schönheit vom Haupte bis zu den Füssen,\nund erhabene, erschütternde, niederschmetternde Majestät\nam Schlüsse:\n„In Staub mit Euch; denn ich hin Euer König!14\nUnd nun wieder im fünften Acte, im Gegensatze zu die-\nser tobenden Leidenschaft, die entsagende, die sterbende\nMaria! Die himmlische Freude, welche ihre Züge verklärt,\nals Melvil sich ihr als Priester entdeckt, ihr Abschied von\nihren Frauen, ihre letzten Worte an Lord Leicester—\nAll es so tief ergreifend, so edel ruhig, so vollendet schön,\ndass keine Beschreibung auch nur entfernt daran reicht.\nDie Kritik, d. h. was man gewöhnlich so nennt, hört bei\neiner solchen Erscheinung und Darstellung auf; aber die\nPoesie übt durch sie einen Zauber auf die menschliche\nSeele aus, den keine andere Kunst auf der Welt hervor-\nzubringen im Stande ist.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-09-08-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-09-08_01#c002", "volume": "bmtnabi_1855-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "284", "page_fin": "286", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.2.2", "titre_corps": "Stimmen der Kritik über Richard Wagner.", "titre_sommaire": "Stimmen der Kritik über Richard Wagner.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.4", "debut_caractere": 2164, "fin_caractere_exclue": 4988, "texte": "Stimmen der Kritik über Richard Wagner.\nIII.\n(Schluss. S. Nr. 35.)\n„Das Nümiiche, was den Kritiker und Dichter Wagner\nbezeichnet, charakterisirt auch seine Musik: Ceberschwäng-\nlichkeit und theils Uebertreibung, theils Mattheit im Aus-\ndruck, Haschen nach Effect und vor Allem Mangel am\nrechten, künstlerischen Maasse. Wenn Andere an dem Mu-\nsiker Wagner so sehr rühmen, dass er sich seine Texte\nselbst mache, so glauben wir im Gegentheil, dass das ein\nhemmender Missstand bei ihm ist; denn sowohl eine gute\nMusik als ein guter Text bedürfen beide ihres ganzen\nMannes, und die Productionskraft sollte nicht durch das\nEine lür das Andere geschwächt werden, wie es doch na-\ntürlich geschieht. Wir möchten sogar behaupten, dass\nWagner eine an Erfindung, Melodieen und Satz-Motiven\nviel reichere Musik liefern müsste, als er wirklich gethan,\nwenn er mit frischem künstlerischem Enthusiasmus an einen\ntextferligen Stoff ginge, und was er an poetischem Aus-\ndrucke schon verschwendet hat, auf diese Weise musica-\nlisch verwenden würde. Jedoch in Wagner's Principien\nnimmt die Musik eine secundäre Stellung ein, und dagegen\nhaben wir, was speciel die seinige betrifft, nichts einzuwen-\nden. Wir möchten beinahe sagen, seine Musik habe ein\ncholerisches Temperament. Sie drückt schnell und stark\nerregbares Gelühl aus, das nie oder nur selten zur künst-\nlerischen, dauernden Empfindung wird, wenn auch starke\nBegehrungen erregt und eine heftige, jedoch nicht anhal-\ntende Thatkraft zeigt. Ihre Gemüths-Erregungen haben im-\nmer etwas Bitteres und Scharfes, selbst wenn sie nicht aus\ndem innersten Wesen des Künstlers entfiiessen, sondern\nConsequenzen der von der Aussenwelt auf ihn einwirken-\nden rellectirenden Stimmung sind. Spannung, Erwartung\nzu erregen, vorzubereiten und begierig zu machen, ist ihm,\nwie den meisten unserer dichtenden und componirenden\nUniversal-Genies, eigen; aber abzuschliessen, zu vollenden,\nkünstlerisch abzurunden, aufzulösen und zu versöhnen, ist\nihm eben so wenig gegeben, als unserer ganzen irritiren-\nden Zeit, in der Kritik und Kunst sowohl, als im socialen\nund politischen Leben. Wagner hat es versucht, die stärk-\nsten Wirkungen der Instrumentation und der Modulations-\nContraste aulzubieten; Melodie, Harmonie und reiner mu-\nsicahscher Fluss gelten ihm nichts mehr gegen die schnei-\ndend scharfe Charakteristik, welche so weit geht, dass er\noft geradezu das Ohr beleidigt und zerreisst, ohne es ir-\ngend wieder beruhigen zu wollen. Er lässt z. B. jedes ein-\nzelne Instrument die schwierigsten Passagen für sich ma-\nchen, um im Zusammenklang des Ensemble die Wirkung\nhervor zu bringen, welche Schellen-Geklingel, Holzschuh-\nGeklapper oder ein einziger Geigenstrich auch zu bezwecken\nvermöchte. Hass, Liebe, Verwunderung, Anfrage, Geplau-\nder, Streit, Schimpf- und Scheltworte, Alles soll, zum Fort-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5194, "texte": "laufen natürlich, von den Instrumenten, die wahre Auto-\nmaten geworden sind, ausgedrückt werden, und was un-\nsere classischen Meister auf einfachere Weise noch inner-\nhalb des Harmonieen-Bereiches bewirkten, wird hier ohne\nalle Rücksicht auf musicalisches Gesetz versucht. Darum\ndarf man sich denn bei Richard Wagner nicht wundern,\nwenn seine Intervalle manchmal so weit aus einander klaf-\nfen, dass Melodie und Harmonie und überhaupt der rnusi-\ncaiische Ausdruck Platz genug haben, ganz durchzufallen.\nDie höchsten Violin-Töne, piepende Pfeifen und rasselnde\nSchellen schweben über den dumpfesten Contrabass-Figu-\nren neckisch dahin, unbekümmert um die Armen, die in der\ntiefsten Tiefe sich mühsam dahinschleppen. Uebrigens muss\nman eingestehen, dass Wagner mit seiner instrumentalen\nReform*) oft überraschende Wirkungen hervorbringt und\nBedeutendes zu leisten vermöchte, wenn er innerhalb der\nSchranken der musicalischen Gesetze bliebe.\n„Was uns am meisten überrascht hat, ist die Kühn-\nheit, mit welcher er sich über geschickte Anlage polypho-\nner Satze und gute Stimmführung hinwegsetzt, und mit\nwelcher er Accorde an einander reiht, die keine grössere\nVerwandtschaft mit einander haben, als dass sie eben alle\naus einzelnen Tönen bestehen. Ohne die geringste Vermitt-\nlung, ohne irgend eine harmonische Brücke werden wir in\nganz sich widerstrebende Dur- und A/o//-Klange hineinge-\nworfen, oft in einer langen Rtfihe aus einem in den ande-\nren, dass es einem zuletzt ganz bange wird. Eben so ver-\nschmäht es Wagner, sich der Scbluss-Cadenzen zu bedie-\nnen, nach welchen doch das Ohr unbedingt verlangt, so\ngut wie das Auge Ruhepunkte beim Ueberschauen eines\nRaumes haben will. Ueberhaupt verläugnet Wagner meistens\nganz den Charakter der Musik, um der dramatischen Cha-\nrakteristik zu genügen. Das ist wieder so ein Grundzug\nunserer Zeit, dass sie durch Musik handelt, erzählt und\nmalt, durch die bildenden Künste singt und klingt, durch\ndie Poesie Philosophie treibt und die Wissenschaft poeti-\nschen Träumen verfallen lässt.\n„Musicalisch-dramatische Charakteristik wäre somit\nder Hauptzweck der. Wagner'sehen Opern. Aber, fragen\nwir, ist die Venus, ist der Landgraf, sind Tannhäuser, Wolf-\nram und die anderen Sänger denn dramatisch charakterisirt\ndurch Wagher's Musik? Sind sie so scharf individuali-\nsirt, als es die Musik in Wahrheit, nicht allein nach Wag-\nner's Intention, wirklich vermag? Wir müssen es entschie-\nden verneinen. Welche herrliche Gelegenheit sich ihm auch\nbei der Wettstreit-Scene im zweiten Acte (dem wart-\nburger Sängerkriege) hierzu geboten hätte, so tritt doch\nweder liier noch sonst der Gesammt- oder der individuelle\nSänger-Charakter in dem, was und wie sie singen, hervor,\nsondern es singt so ziemlich Einer wie der Andere, und\nKeiner viel Gutes. Freilich, die Musik ist hier ganz der\nAusdruck des Textes, und der ist eben nicht lyrischer,\nsondern sehr rhetorischer Natur, so dass die Melodieen\nentweder, wie die des Tannhäuser, ausserordentlich arm,\nunruhig und klanglos sind, oder, wie Wolfram's Gesang,\nsich beinahe nicht über das Recitativ hinaus erheben. Die\nKunst des Sängers zeigt sich doch wahrhaft nur im Ge-\nsänge: warum will Wagner die Sänger nur charakteri-\nsiren, statt sie sich selbst charakterisiren zu lassen?\n„Indess wären wir in der That ungerecht, wenn wir\nnicht zugestehen wollten, dass Wagner's Ouvertüre ein-\nzelne schöne, melodische und harmonische Sätze enthält,\ndass z. B. sein Hirtengesang einen reizenden Anflug vom\nVolkstone hat, und dass besonders seine Chöre hier und\nda in Gesammtwirkung mit dem Orchester grosse Wir-\nkungen hervorzurufen vermögen. Wir können auch nicht\nverläugnen, dass Wagner, wenn wir einmal den Ausdruck\ngebrauchen wollen, vortrefflich sich auf Situations-Malerei\nund geschicktes Arrangement versteht, mehr als die mei-\nsten seiner Vorgänger. Pilgergesang, Jagdhörnerklang, Um-\nwandlung der Scene und was dazu gehört, tritt immer zur\nrechten Zeit ein, und dieser Gewandtheit und den über-\nraschenden, starken Effecten und Contrasten verdankt er\nseine Erfolge. Zudem ist er ein wahrer Meister im schönen,\nwürdigen Recitativ ; (?) die Erzählung Tannhäuser's von seiner\nReise nach Rom ist vielleicht die Krone der ganzen Ton-\ndichtung.\n„So gern sich Wagner als ein Original-Genie geltend\nmachen möchte, so erinnert uns doch seine Musik, beson-\nders in den reinen Orchesterstücken, vorzüglich an Beet-\nhoven in dessen späteren Jahren*), sodann aber auch an\nMendelssohn und Meyerbeer, den er sogar nicht gelten\n\n*) Eine „instrumentale Reform\" können wir Wagner am wenig-\nsten zugestehen; was dieser bei ihm ähnlich sieht, ist längst\nbei Meyerbeer und Berlioz, zum Theil schon bei We-\nber, vorhanden. Die 11 edact i o n.\n*) Dem müssen wir entschieden widersprechen. Kein Musiker,\nder seinen Beethoven bis zu Opus ultimum genau kennt, wird\nin Wagners Musik eine Spur von etwas finden, das würdig\nwäre, auch nur Beethoven's Maske zu tragen. Der wahre\nOriginal-Text für Wagner's Copieen ist C. M. von Weber.\nUebrigens ist dieses und das Meiste des Obigen in dem No-\nvember- und dem Decembcr-Hefte des 111. Jahrg. (1852) der\nRheinischen Musik-Zeitung von uns bereits vor drei\nJahren nachgewiesen worden. Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2264, "texte": "lassen will sonderbarer Weise! Wagner verwirft Meyer-\nbeer, dessen Hugenotten doch ein Meisterstück historischer\nCharakterisirung sind, wenn auch sonst seine Werke meist\nnur auch auf ein leeres Schaugepränge zielen; er verwirft\nAuber, dessen Stumme von Porlici, was dramatische Cha-\nrakteristik, poetischen und musicalischen Werth betrifft,\ndoch noch hoch über den Wagner'schen Producten steht;\ner bedauert Mozart, dass ihm nicht der Dichter begegnet\nist, der ihn zum rechten musicalischen Ausdrucke hätte be-\ngeistern können, und spricht von Fidelio, dieser hohen,\nmächtigen, wunderbaren Schöpfung, welche so ganz nur\nder Ausdruck ihrer Handlung, ihrer Empfindungen ist\ngar nicht. Wenn Wagner in seiner sich selbst überschätzen-\nden Blindheit so zu urtheilen wagt, so kann er sich keines-\nwegs wundern, wenn die Kritik ihm gegenüber keine Rück-\nsichten kennt. Sie muss es aussprechen, dass er, trotz sei-\nner fast komischen Versicherungen vom Gegentheil, das\nwahre Wesen der Poesie und der Musik und ihr gegen-\nseitiges Verhältniss noch entfernt nicht erkannt und durch-\nschaut hat, dass es ihm bei Allem mehr auf die Schale als\nauf den Kern ankommt, und dass er durch seine Propa-\nganda auf dem Gebiete der Kunst, durch sein vieles Gerede\niür und über sein Wollen gerechtes Misstrauen gegen seine\nkünstlerische Weihe erweckt. Das ist nicht mehr Selbst-\ngefühl, wie es uns bei wahren Grössen so wohlthuend ent-\ngegentritt. Wir sind nach Anhören des Tannhäuser noch\nkeineswegs überzeugt, und die Gesammtwirkung hat uns\nnicht zu der Meinung bestimmen können, dass von nun an\nwir Schauspiel und Oper, wie sie seither gepflegt worden\nsind, der Vergessenheit übergeben dürfen; im Gegentheil\nhoffen wir, dass noch auf einige Jahre hinaus unsere bar-\nbarische Geschmacklosigkeit an Don Juan und Fidelio,\nHamlet und Macbeth, an Wallenstein und Faust sich zu\nerfreuen Gelegenheit habe wir wollen dann recht gern\nder fernen Zukunft überlassen, die Classicität und Allein-\ngültigkeit der musicalischen Dramen und dramatischen Mu-\nsik Richard Wagner's, Berlioz' und ihrer Jünger zu con-\nstatiren und zu sanctioniren, ohne dass wir jedoch vergessen\nwollen, auf das wahrhaft Gute, Treffende und Zeitgemässe\nin diesen Werken hinzuweisen und es möglicher Benutzung\nzu empfehlen.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-09-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-09-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1855-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "286", "page_fin": "286", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.2.3", "titre_corps": "Peter Erard.", "titre_sommaire": "Peter Erard.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.6", "debut_caractere": 2266, "fin_caractere_exclue": 4503, "texte": "Peter Erard.\n(Nekrolog,)\nKaum ist der Name Pleyel erloschen, und schon un-\nterliegt der Name Erard demselben verhängnissvollen Ge-\nschicke. Beide Männer, Erben und Vermehrer eines aus-\ngebreiteten Ruhmes in der Kunst des Instrumentenbaues,\nsind fast zu gleicher Zeit und in demselben Lebensalter\ngestorben, ohne directe Nachfolger zu hinterlassen.\nSeit ungefähr zwei Jahren war Erard's Gesundheit\nbedeutend angegriffen, und am 18. August d. J. schlug\nseine letzte Stunde. Er starb auf seinem Landhause\nMuette bei Paris, wo er in der Regel den Sommer zu-\nbrachte. Das Leichenbegängniss war eines der feierlichsten,\ndie man seit lange gesehen; denn Erard war nicht nur be-\nrühmt, sondern als Mensch und Freund geachtet und ge-\nehrt und von seinen Arbeitern wie ein Vater geliebt. Das\nLeichentuch hielten der Baron Taylor, Felis der Aeltere\naus Brüssel, der Maire von Passy, der Dr. Lardner aus\nLondon, Schröcker (Verwaltungs-Chef des Hauses in Paris),\nBruzeau (des Hauses in London). In der Kirche wurde\neine Messe von Dietsch gesungen. Im Zuge gewahrte man\nalle künstlerischen Berühmtheiten von Paris, unter ihnen\nHalevy, Herz, Berlioz, Batta, Lefebure-Wely, Wolff, Fu-\nmagalli, Slamati, Cavaille Coli, Adam u. s. w. An 600\nArbeiter hatten sich angeschlossen, und Alles folgte bis\nzum Kirchhofe des Pere la Chaise, wo die Leiche in der\nFamiliengruft neben dem Grabe von Boieldieu beigesetzt\nwurde. Reden hielten der Baron Taylor, Fetis, Adam und\nder Maire von Passy.\nJohann Baptist Peter Orpheus Erard war 1794 ge-\nboren. Sein Oheim Sebastian Erard, der eigentliche Erfin-\nder der Vervollkommnungen der Harfe und des Pianoforte\nund Gründer des Hauses, setzte ihn, den Sohn seines Bru-\nders Baptist Erard, zum Erben und Fortlührer des Ge-\nschäftes ein, nachdem Peter Erard, welcher schon in den\nKnabenjahren als Arbeiter eintrat, bereits seit seinem acht-\nzehnten Jahre sich in der Leitung des Geschäftes in Lon-\ndon bewährt hatte. Wie viel er nachher zur Ausdehnung\nu\nund Vervollkommnung desselben in beiden Residenzstädten\ngethan, ist weltbekannt; weniger, wie sehr er ein Freund\nund Helfer in der Noth liir so manches Künstler-Talent,\nwie sein Herz allen edeln Gefühlen offen und zugänglich\nwar, und was die Armen an ihm verloren haben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-09-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-09-08_01#c004", "volume": "bmtnabi_1855-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "286", "page_fin": "288", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.6", "debut_caractere": 4505, "fin_caractere_exclue": 4885, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöln. Meyerbeer hat eine Nacht auf seiner Durchreise\nvon Spaa nach Berlin hier zugebracht.\nDer Pianist Herr Wüllner aus München und der Musik-\nDirector am Theater zu Frankfurt a. M., Herr Goltermann,\nwaren einige Tage hier.\nFräulein Francisca Veit, welche zwei Jahre bei der italiäni-\nschen Oper zu Paris engagirt war, ist seit einigen Monaten wie-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7633, "texte": "der hier. Wir haben Gelegenheit gehabt, sie in Privat-Cirkeln zu\nhören, und wünschen der jugendlichen Künstlerin zu den grossen\nFortschritten Glück, welche sie gemacht hat. Eine schöne, wohl-\nklingende, umfangreiche, durchweg egale, echte Sopranstimme ver-\nbindet sich bei ihr mit einer gründlichen Schule. Hoffentlich wer-\nden wir Gelegenheit haben, sie in den Gesellschafls-Concerten die-\nses Winters zu hören, da, wie wir vernehmen, ihr desshalb bereits\nAnträge gemacht worden sind.\nAaclaejsa. Ernst hat im vorigen Monate hier zwei Concerte\ngegeben; sein Spiel war, wie es immer ist, thcils gross und vor-\ntrefflich, theils nachlässig und ohne Energie. Die Wahl der Stücke\nwar gar sehr auf die Menge berechnet; der unvermeidliche „Car-\nneval\" spielte natürlich auch eine Hauptrolle dabei.\nIn Berlin ist am 25. August die königliche Bühne mit So-\nphokles' Antigone wieder eröffnet worden. Diese Tragödie\nkam mit F. Mendelssohn's Musik am 13. April 1842 auf die\nBühne, erlebte bis zum 17. Februar 1852 29 Vorstellungen und\nruhte seitdem, so dass also die diesmalige die dreissigste war. Vor\ndreizehn Jahren verkündete man von dem Einflüsse des allen clas-\nsischen Werkes auf unsere dramatische Literatur grosse Dinge, von\nderen Verwirklichung indess, wie Verständige auch damals schon\neinsahen, nichts sichtbar geworden ist. Ein berliner Blatt macht\nbei Gelegenheit der jetzigen Aufführung sehr richtige Bemerkungen\nüber das Volkstümliche, das unserer Bühne noth thut und welches\nwir nicht von den Griechen herholen können, die wir nur zum\nVorbilde nationaler Poesie nehmen müssen. Es heisst darin unter\nAnderem:\n„Wenn freilich das Walten dieser oft nicht einmal menschlich-\nedel fühlenden Götter mit ihrem unabwendbaren Fatum und ihren\nwendbar-räthselhaften Orakeln auf unser Denken und Empfinden\nnur abstossend wirken kann, so ist doch, was einst das Alterthum,\nder einem höheren Glauben entstammenden Ansicht fern, Schönes\nund Würdiges erzeugte, bei den Griechen in aller Harmonie mit\nihrer nationalen Grundlage und ihrem Staatsgewebe entstanden.\nDie Ahnung eines Erhabeneren aber, die reine, seelenhafte Be-\ngeisterung, welche in That und Dichtung über zu sinnlich be-\nschränkte Gränzen des Erdenlebens hinweghebt, war eine spätere\nund gesegnete Gabe des Himmels, der den Fluch aussehliesst in\nErbarmen und Liebe, die auch im Gesetze walten müssen, die zum\nSchönsten und Würdigsten erst volle Weihe und wahren Adel ver-\nleihen. Wie jedoch die Griechen auf ihrem sichersten Standpunkte\nmit sich im Zusammenhange und in Harmonie waren, so auch soll\nes jedes Volk sein in der ihm gewordenen Eigentümlichkeit, und\nuns ist dies mehr als jemals nötig. Uns ward überall, nicht nur\nbei den deutschen Bühnen, viel Irriges und Verkehrtes aus der\nFremde in den Weg geworfen, und das Schlimmste ist, wenn man\ndas Schlimme nicht erkennt, es wohl gar zum Vortheile des Er-\nwerbsbetriebes als Bestes und Gültigstes anpreis't, nur darin Eifer\nzeigt, die Verhältnisse vom Natürlichen, ein Volk von sich selber\nzu entwöhnen. Jedenfalls wäre um hier bei Betrachtung der\nTheater zu bleiben eine Tragödie des Sophokles, will man\nnun einmal gar zu seitab von unserer Volkstümlichkeit wan-\ndeln, annehmbarer, als eine Ueberwucherung durch verweichlichen-\ndes Musik- und Ballet-Wesen, die auch in der alten Welt eine\nmissliche Umwälzung erzeugten. Die Zeit der kräftigsten Nationa-\nlität war auch die Blüthen- und Frucht-Zeit des griechischen Thea-\nters; es wurde matter mit der Ermattung des Volks-Charakters\nund verwilderte ganz, als die Einmischung des Fremden, die römi-\nsche, Geltung empfing, wie denn das Drama der Römer stets ein\nuntergeordnetes blieb, weil es nicht aus dem eigenen, nicht aus\ndem mit der Nation grossgewordenen Geiste hervorging, mehr oder\nminder sich nur in Nachahmerei um'rieb. So verkehrte man\nallmählich immer zuläuferischer mit leerer Schaulust, mit üppigen\nTänzen und anderem Sinnenreiz, was die Nation bereits im Ver-\nfall zeigte und ihn gesteigert begünstigte. Die Tempel der Musen\nwaren entweiht und besudelt, nachher wurden sie ganz geschlos-\nsen und thaten sich, in folgerichtiger Schmach, nur wieder auf zur\nLust des Auges, für Gelüste der Unanständigkeit und Rohheit, für\nherbeigeholte Thiere und den Kampf mit ihnen. Genug, das Ende\nder Dramatik war das Ende einer Liederlichen: sie kam nicht wie-\nder zu Werth und Erhebung. Wenn wir uns diesen geschichtlichen\nGang ernstlich klar machen in genauer Nachforschung, wenn wir\nuns dann nicht verhehlen können, dass unser volkstümliches\nSchauspiel jetzt von Fremdsucht und bodenloser Spassmacherei,\nvon der Oper, dem Ballet- und Decorations-Prunk mitunter sehr\nunkrautlich überwuchert ist, darf uns diese Wahrnehmung bedenk-\nlich werden, da zumal die Vergleichung der Zustände auch in an-\nderem Bereich widerwärtige Aehnlichkeiten auffallen lässt. Ein\ntüchtiges, nach dem Edelschönen strebendes Volk muss auch ein\nihm angehörendes, ihm geweihtes, seiner Gegenwart genugthuendes\nDrama haben. Ein Fremdes sind uns die Tragödien des Sophokles,\nund wie hoch zu schätzen, wenn wir sie beurtheilen vom Stand-\npunkte ferner Zeit und vergangener Zustände, denen sie angeeignet\nsind, uns werden sie an sich nichts nützen, weil uns lebensvolle\nWirkung, die theils bewahrt, theils wieder erworben und gefördert\nsein will, noth thut. In einem bezüglichen, auch aus der Vorzeit\nnochmals nahegerückten Kampfe unserer Tage wäre uns der vor\netwa dreissig Jahren von der Bühne verwiesene und nun doch neu-\nbegünstigte Aufputz fatalistischer Ideen vielmehr hemmend, indem\nwir selber dergleichen noch zu überwinden und des Widerstandes\ndabei schon genug haben.\" (V. Z.)\nDen einleuchtendsten Beweis, dass das griechische Drama in\nseiner nackten Gestalt nichts für das deutsche Volk ist, gibt die\nErfahruug, dass aufrichtig gesprochen nur die Musik von\nMendelssohn die Antigone für unser Theater-Publicum geniessbar\nmacht. Diese Musik ist aber durch und durch modern, und es\nist eitel Pedanterie und Selbsttäuschung, wenn man uns glauben\nmachen will, dass uns das Verständniss der Tragödie dadurch er-\nleichtert werde und der antike Geist näher an uns herantrete.\nDie Mendelssohn'sche Musik ist keineswegs im Geiste des Alter-\nthums geschrieben, sie ist der Erguss eines subjectiven Gefühls\nund einer richtigen Beachtung der heutigen Empfindungsweise; die\nplastische Objectivität der alten Poesie ist durchaus nicht ihre\nSache. Mendelssohn ist eine bedeutsame musicalische Natur, und\nwenn ihm irgend ein Talent eigen gewesen, so war es dies, den\nGeist nnd Ton der Poesie auf jedem Gebiete und in allen Formen\nsinnvoll und eigentümlich zu erfassen. Jene objective Klarheit\nund Ruhe, welche in seiner Weise Gluck auf das bestimmteste für\ndie Zeichnung des Antiken erreicht hat, und deren musicalische\nFormen uns mit dem Gefühle des unbedingten Befriedigtseins er-\nfüllen, so dass wir durch die Töne mehr den Eindruck des ewig\nSchönen als den einer interessanten und geistvollen Persönlichkeit\nempfangen, fehlte ihm. Immer aber ist seine Auffassung würdig,\nsubjectiv-rein, dem Gegenstande nicht widerstrebend. Hinsichtlich\nseiner Behandlung der gewaltigen Lyrik in der griechischen Tra-\ngödie müssen wir von ihm sagen, dass er mit feinstem Gefühle\nalle Mittel des heutigen musicalischen Ausdrucks zu benutzen, un-\nseren Ohren und unserer Art, musicalisch zu empfinden, Rechnung\nzu tragen verstand. Den Romantiker verläugnet Mendelssohn nir-\ngend. Wir erkennen ihn vor Allem in den feinen und modernen\nSchmerz athmenden Melodramen, in allen recitativischen Wendun-\ngen und da, wo er das Ensemble heutiger Instrumentirung in sei-\nnem vollen Glänze wirken lässt. Es begegnet ihm nur selten, dass"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5540, "texte": "er auf Grund dieser Gestaltungs-Weise eine vollständig objective\nWirkung erzielt. Die unbedenklich schönste dieser Richtung ange-\nhörende Stelle ist der lange anhaltende, schneidende Triller der\nClarinetten und Oboen, der sich, während die Leiche Hämon's her-\nbei getragen wird, aus der Masse der übrigen Instrumente mit dä-\nmonischer Gewalt herauswühlt. Ueberhaupt edel gedacht, subjectiv\ngrossartig gestaltet bleibt alles, was er uns in dieser Arbeit hinter-\nlassen hat.\nFrau Fischer-Nimbs, welche im vergangenen Jahre in Ber-\nlin mit grossem Beifalle im k. Opernhause gastirte, ist von Herrn\nv. Hülsen zu einem neuen Gastspiele gewonnen worden. Dieselbe\nwird zunächst in dem lange nicht gegebenen Propheten als Fides\nauftreten, und wie verlautet, ist auch Aussicht dazu vorhanden, mit\nihr als Alice den seit langer Zeit gar nicht aufgeführten Robert\nin Scene gehen zu sehen.\n** München. Die Besetzung Tannhäuser auf der hie-\nsigen Bühne war folgende: Venus Fräul. Schwarzbach; Eli-\nsabeth Frau Diez; Tannhäuser Herr Auerbach: Wolfram\nvon Eschenbach Herr Kindermann; Landgraf— Herr Al-\nfeld. Das Arrangement der Tänze u. s. w. war von Lucile\nGr ahn, die Decorationen von den königlichen Hofmalern Doli\nund Quaglio, Costume-Angabe von Herrn Fr. Seitz, scenische\nEinrichtung vom Maschinisten\"Herrn Schütz. Die musicalische\nLeitung von Franz Lachner war, wie immer, ganz ausgezeich-\nnet; der Eifer unseres General-Musik-Directors ist um so mehr zu\nrühmen, als sein Urtheil über den Werth der Wagner'schen Musik\nund Principien kein Geheimnissist; es stimmt nämlich mit dem\naller wahren Musiker überein. Das hiesige „Theater-Journal4' lässt\nsich in einem Berichte von Prof. Doctor über R. Wagner, seine\nArroganz und seine unmusicalische Musik ziemlich stark aus, lässt\naber der Aufführung alle Gerechtigkeit widerfahren.\nHerr Aug. Thys, Secretär des Gesang-Vereins Orpheus in\nGent und Ehren-Mitglied des kölner Männergesang-Vereins, gibt\neine Geschichte der Sänger-Vereine in Belgien\nHistorique des Societes chorales de Belgique —auf Subscription\nheraus, welche bei dem Interesse für die Sache, dem Eifer und\ndem Talente des Verfassers nicht verfehlen wird, sich allgemeiner\nTheilnahme zu erfreuen, da Belgien bekanntlich nach Deutschland\ndas einzige Land ist, in welchem der Männergesang eine volks-\ntümliche Verbreitung seit 1830 erlangt hat. Das Werk zerfällt in\nsechs Abschnitte: I. Einleitung. Historische Notizen erste\nLiedertafel u.s.w. 11. Die Sänger-Vereine in Belgien. Die-\nser Abschnitt enthält nach Bemerkungen über den Einduss der\nSing-Vereine auf Leben und Volksbildung, über Gesang-Unterricht\nhistorische Nachrichten über beinahe 500 Vereine, ferner eine Sta-\ntistik der Gesang-Vereine in der Armee. 111. Geschichte der\nS äng er- Wettstreite in Belgien seit dem ersten im Jahre\n1834, nebst Bemerkungen über deren Werth oder Unwerth und\nNotizen über ähnliches Beginnen in anderen Ländern. IV. Sän-\ngerfeste. V. Repertoire choral beige (enthält auch ein voll-\nständiges Verzeichniss der in Belgien erschienenen Compositionen\nfür Männergesang). VI. Die belgischen Componisten; Rück-\nblick auf die alte niederländische Schule. Die Neueren und die\nAufmunterungen für dieselben durch den Staat. Der Subscrip-\ntions-Preis für das Werk, das einen Band in gross Octav füllen\nwird, ist auf gewöhnlichem Papier 2 Fr. 50. Cent., auf Velin 5 Fr.\nMan unterschreibt bei MM. de Busscher Freres, Imprimeurs ä Gand,\nnie Savaen Nr-, 42.\nDer belgische Componist Gevaert hat eine Oper Les Lavan-\ndieres de Hadem geschrieben, welche auf dem Thedtre lyrique zu\nParis zur Aufführung kommen wird.\nSpaa# Leonard hat es gewagt, vor einem Badeort-Publicum\nBeethoven's Violin-Concert zu spielen, jedoch nur das erste\nAllegro. Der Beifall war ausserordentlich; freilich gaben Meyer-\nbeer, Oaumann und mehrere Deutsche das Zeichen dazu.\nDer Urlaub der Fräul. Cruvelli für den Monat Sep-\ntember ist ihr von der Direction abgekauft worden; denn die grosse\nOper spielt vier Mal die Woche den ganzen Sommer hindurch\nbeispiellos in ihren Annalea-5 Und zumal mit solchen Einnahmen!\nAber es sind stets 200,000 Fremde in Paris diese wollen sehen\nund hören, und so sind alle Theater gedrängt voll. In dieser Be-\nziehung hat Paris eine ganz andere Physiognomie als London wäh-\nrend der Ausstellung; das erklärt sich aus zwei Gründen. Erstens\nsind die Theater in Paris ganz andere Kunst-Institute, als in Lon-\ndon, und zweitens verstehen von den 200,000 Fremden wenigstens\nzwei Drittel ganz gut Französisch. Die 366. Vorstellung von Ro-\nbert der Teufel brachte am 22. vor. Mts. 10,814 Fr. 21 C. ein,\nder Prophet am 24. 11,189 Fr. 61 C. die stärksten Einnah-\nmen seit langen Jahren! Aber auch die komische Oper macht\nglänzende Geschäfte, hauptsächlich mit dem Stern des Nor-\ndens, dessen 135: und 136. Vorstellung in derselben Woche\n(vom 19. —25. August) 6300 und 6200 Fr. einbrachten.\nDer Havannese Calzado, der jetzige Unternehmer der italiäni-\nschen Oper, hat die ausgezeichnete Sängerin Valentine Bian-\nchi auf zwei Jahre engagirt; wir werden also das unerhörte Wun-\nder erleben, in der Salle Veniadour eine jugendliche Prima-\nDonna zu hören!\nAuf den Angriff eines pariser Journals gegen Costa in Lon-\ndon bezüglich der Aufführung von Meyerbeer's „Nordstern\"\ngibt Letzterer in einem Schreiben an die Redaction der Musical\nWorld demselben die glänzendste Satisfaction und erklärt, dass\nCosta sich nicht nur seiner Direction nicht widersetzt, sondern ihn\ndarum gebeten habe, was er aber abgeschlagen, weil die Leitung\ngar nicht in geschickteren Händen habe sein können."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.1", "texte": "Pariser Briefe.\n\n[A de I a Ris t o r i.]\nDie italiänische Sprache ist Musik das hat man hun-\ndert Mal gelesen; dass es aber eine Wahrheit sei, fühlt\nman erst, wenn man ein itaüänisches Drama von guten ita-\nliänischen Künstlern darstellen sieht. Und was haben wir\nbisher von den Schauspielern Italiens gewusst? Während\nuns ihre Sänger überschwemmten, die Namen Catalani,\nPasta, Grisi, Rubini, Mario u. s. w. in den Hauptstädten\nEuropa's in alier Welt Munde waren, kannte Niemand dies-\nseits der Alpen Adela Rislori, das heisst: kannte Nie-\nmand eine der grössten, wo nicht die grösste dramatische\nKünstlerin unserer Zeit. Wie sollte man auch? Alles, was\nnach Italien reis't—ich spreche nicht vom Touristen-Tross,\nsondern von gebildeten, für Kunst empfänglichen und darin\nbewanderten Menschen —, hat in der Regel eher für alles\nAndere Interesse, als für das Drama, und während die\nKunst in ihren todten Denkmalen von Allen aufgesucht,\nbewundert, studirt wird, kümmert sich kaum Einer oder\nder Andere um die lebendigen Erscheinungen derselben,\num plastische Formen, welche nicht in kaltem Marmor nur\ndas unveränderliche Bild geben, sondern in ewigem Wech-\nsel das Leben der Seele darstellen. Höchstens, dass der\nMaler nach schönen Gesichtszügen späht, der Bildhauer\nModelle sucht, der Musiker dem Gesänge lieblicher Stim-\nmen lauscht oder die Oper besucht; wer aber kümmert\nsich um das Schauspiel? wer gibt uns Kunde von dem\nZustande der dramatischen Kunst und Literatur der Ge-\ngenwart in Italien? Wenn hier und da ein Urtheil darüber\nverlautet, so geschieht es in absprechendem, wegwerfen-\ndem Tone.\nDa kommt auf einmal eine italiänische Schauspieler-\nGesellschaft auf den Gedanken, nach Paris zu gehen und\nmit Erstaunen sehen wir, dass Italien an dramatischen\nKünstlern es nicht nur mit allen anderen Ländern Euro-\npa's aufnehmen, sondern sogar Muster der theatralischen\nDarstellungskunst aufweisen kann.\nMag man über die Urteilsfähigkeit eines Residenz-\nPublicums denken, wie man will, so wird man doch in\ndiesem besonderen Falle einräumen müssen, dass der bei-\nspiellose Erfolg der Ristori unter den obwaltenden, durch-\naus und in jeder Beziehung für sie ungünstigen Verhältnis-\nsen ohne den wirklich hervorragenden Werth ihrer Leistun-\ngen eine Unmöglichkeit gewesen wäre. Sie kam Ende Mai\nhieher; übersättigt von der ewigen alten Leier der italiäni-\nschen Oper, war das Publicum dieser Oper froh, dass der\nSaal geschlossen war, und der kleine Rest von Theilnahme\nfür die Kunstleistungen von Italiänern überhaupt war so\ngut wie erloschen. Dazu die schöne Jahreszeit nach einem\nhier in Paris ganz ausnahmsweise abscheulichen Winter ;\nferner die schwüle Atmosphäre der politischen Luft, die\nvon der Krim herwehte, die eigenthümliche Lage der Fi-\nnanzwelt und der Capitalislen, die auf der einen Seite dem\nStaate Geld über Geld gaben, auf der anderen durch maass-\nlose Speculation (Eisenbahnen, u. s. w.)\nGeld über Geld zu gewinnen suchten; endlich die Erwar-\ntungen von der Ausstellung und die Vorbereitungen dazu,\nwelche eine ganz andere Theilnahme in Anspruch nahmen,\nals den Geschmack am Kunstschönen, das alles zusam-\nmen genommen hatte die Künstlerin zu überwinden, und\nzwar, was den Erfolg am zweifelhaftesten machte, in einer\nfremden Sprache! Denn mit dieser durchzudringen bei\neinem Volke, das gegen nichts auf der Welt verstockter\nist als gegen die Erlernung fremder Sprachen, war keine\nKleinigkeit. Freilich strömt alle Welt nach Paris, aber alle\nWelt grüsst Paris auf Französisch, erkundigt sich auf Fran-\nzösisch nach seiner Gesundheit, beeifert sich, ihm auf\nFranzösisch den Hof zu machen. Was Wunder also, dass\nder Pariser kein Deutsch, kein Englisch, kein Italiänisch\nlernt? Die natürliche Folge dieser Geistes-Trägheit ist eine\nfast allgemeine Unwissenheit in sprachlichen Dingen, und\ndiese besieht auch jetzt noch immer, trotz der im Grunde\nsehr ärmlichen Coquetterie mit deutschen Brocken und\ntrotzdem, dass die elegante Welt, wenn sie Lablache's\nschlechte Witze im Don Juan, weil sie seit zwanzig Jahren"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.2", "texte": "wiederkehren, und einige Mio und in der\nOper versteht, das Italienische gründlich zu kennen ver-\nmeint. Und dennoch ein Sieg des Wortes über den Ton,\nder Declamalion über den Gesang! Aber auch durchweiche\nMittel!\nIch weiss nicht, woher Adela Ristori stammt, wo sie\ngeboren, wer ihre Eltern, wer ihre Lehrer, wer ihre Mu-\nster gewesen. Ich weiss auch nicht, wie alt oder wie jung\nsie ist; nur das sehe ich ein, dass sie für jede Rolle, die\nsie spielt, gerade jung oder alt genug ist; nur das fühle\nich, wenn ich sie sehe und höre, dass ihre Heimat jene\nidealische Welt ist, deren Seelen nur selten auf die Erde\nherab kommen, um in der Hülle, die menschlichen Formen\nähnlich sieht, uns eine Zeit lang zu ihnen empor zu heben.\nVielleicht rufst Du mir zu: Du liebst sie! Gewiss liebe\nich sie, weil alles Schöne vergänglich ist, wenn die Liebe\nes nicht umfasst und es wenigstens lür die Erinnerung\nrettet.\nDesshalb schreibe ich Dir, dem Herausgeber einer\nMusik-Zeitung, über die Ristori, unbekümmert darum,\nob die Feuilleton-Kiele der politischen Blätter sich bereits\nan diesem Thema abgestumpft haben; vielleicht gerade\ndesswegen. Denn ich will den Stolz der Musiker beugen,\ndie da meinen, ihrem Genie sei der Zauber über das\nmenschliche Herz vorbehalten; ich will die Anmaassung\nder Sänger beschämen, die da glauben, nur die Singstimme\nkönne Wiederhall in der Seele wecken; ich will endlich\ndie Dummheit jener deutschen soi-disant Dichter-Musiker\nins Licht setzen, welche die verrückte Behauptung auf-\nstellen, das Drama könne nur dann dem Ideal der Kunst\nentsprechen, wenn es gesungen, nicht, wenn es gesprochen\nwerde!\nHabt ihr Musiker denn wohl eine Vorstellung von der\nfurchtbaren Gewalt des Wortes, das augenblicklich ein-\nschlägt mit dem Blitze des Gedankens, während ihr mit\ndem Moment des Tones nichts erreicht und nur durch\neine Reihe von Tönen wirken könnt, die jedesmal eine\nZeitdauer erfordert, während welcher die Wirkung des\nGedankens verfliegt und nur die Melodie Geltung hat? Und\nkönnt ihr durch euer Tonleiter-System die unendliche Mo-\ndulation der Stimme bezeichnen, die ein schönes Organ\nals Dolmetscher der Gefühle und Leidenschaften in seiner\nGewalt hat? Glaubt ihr es zu können, so hört die Musik\nder italienischen Sprache in dem Munde der Ristori, und\nihr werdet gestehen, dass euer Noten-System zur Bezeich-\nnung eines solchen Wechsels des Wohllautes nicht aus-\nreicht.\nUnd war es etwa die poetische Kraft des Drama's, in\ndem sie zuerst auftrat, welche die Künstlerin hob und viel-\nleicht manche Schwächen derselben übersehen liess? 0\nnein! Die Francesca da Riminivon Silvio Pellico ist eigent-\nlich gar kein Drama. Den Stoff gab die Erzählung Dante's\nim fünften Gesänge des Inferno. Im Drama erscheinen nur\nvier Personen. Francesca liebte Paolo vor ihrer Vermäh-\nlung mit dessen Bruder Lanciotto; dieser zwingt sie, den\nGeliebten wieder zu sehen die Flamme, die unter der\nAsche glimmte, lodert wieder auf, die Liebenden werden\nüberrascht, die Brüder ziehen die Degen gegen einander,\nFi ancesca wirft sich zwischen sie und fällt in Lanciotto's\nDegen, Paolo vertheidigt sich nicht weiter und empfängt\nden Todesstoss. Francesca's Vater Guido ist überall nur\nda, um die Klagen der Tochter und der feindlichen Brüder\nmit Vertrauen zu vernehmen und ihr Schicksal, das er\nselbst verschuldet hat, da Francesca den Schleier nehmen\nwollte, zu bedauern.\nMan denke sich diesen Inhalt zu einem Drama von\nfünf Acten verarbeitet! Von Handlung ist nicht die Rede,\ndas Ganze ist nur eine schöne lyrische Dichtimg, gleichsam\nein Commentar zu dem herrlichen Gemälde von Ary Schef-\nfer, dessen Kupferstich bekannt genug ist. Es ist das ewige\nEinerlei einer Poesie der Liebe, welche der Hauch der\nWehmuth durchweht, aber einer Poesie voll bezaubernder\nHarmonieen; eine italiänische Oper ohne Musik, und\ndoch nichts als Melodie.\nDie Ristori ist gross, aber nicht stark, sondern von\nschlankem, biegsamem Wüchse; ihre Züge sind regelmäs-\nsig schön, jener edle römische Typus ruht auf ihnen, den\nkeine Leidenschaft, kein Lachen und kein W7einen zum\nHässlichen verzerren kann. Es mag ihr die Frische der\nersten Jugendblüthe fehlen dafür aber zeigt sie uns das\nWeib in vollendeter Schönheit, das Weib voll Seele, mit\ndem Auge voll Liebe und Sanftmuth und voll Stolz und\nWürde; Haltung, Stellung, Gang und die sparsame Gesti-\nculation sind voll Adel und Anmuth. Was aber am meisten\nergreift und fesselt, ist ihr Organ, der Ton einer Altstimme\nvon bedeutendem Umfange, von reicher Fülle und einer\nBiegsamkeit und abwechselnden Färbung, welche selbst\nden verstocktesten Verehrern der französischen Declamation\nwenigstens Ehrfurcht eingeflösst hat, wenn sie sich auch\nnoch nicht gestehen wollen, dass der Vortrag der Italiänerin\nsich wie die sieben Farben des Regenbogens zu dem\nSchwarz und Weiss der gefeierten Rachel verhält. Freilich\nist auch der Stoff, aus welchem jenes Organ seine Kunst-\ngebilde formt, ein fügsamerer; der volle Klang der ilaliäni-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.3", "texte": "sehen Vocale, der Mangel jenes Heeres von stummen E's\nund tonlosen Endsylben, die den französischen und deut-\nsehen Declamator oft zur Verzweiflung bringen, der regel-\nmässigere Versbau, der die natürliche Tonlänge nicht miss-\nhandelt, mit Einem Worte: die Sprache, in welcher die\nDichter Italiens dichten, ist an und für sich schon wohllau-\ntende Rede, wo und wie sie nur erklingt.\nUnd doch sind alle diese glänzenden Eigenschaften und\nVortheile es nicht, was der Ristori ihren Triumph als Dar-\nstellerin sichert; sondern die ideale Auflassung der Rolle\nund die Wahrheit, mit welcher sie diese Auffassung so\nideal, als es der menschlichen Natur möglich ist, wieder-\ngibt, das ist es, was sie zur grossen Künstlerin und beson-\nders lür die Franzosen zu einem Wunder macht. Ein noch\ngrösseres Wunder aber würde es sein, wenn der Eindruck,\nden die Naturwahrheit ihres Spiels hinterlässt, die Altäre\nstürzte, auf denen die Franzosen noch immer in der Tra-\ngödie dem Götzen des alten Perrücken-Pathos opfern. Und\nunmöglich wäre das nicht. Haben doch schon diejenigen\nfranzösischen Aesthetiker, welche den Muster-Vorstellungen\nin München im vorigen Jahre beiwohnten, ganz andere Vor-\nstellungen vonNaivetät, Natürlichkeit, Unschuld und Wahr-\nheit des Spiels mitgebracht, und den Eindruck, den deut-\nsche Künstlerinnen, z. B. Fräul. Seebach als Klärchen im\nEgmont, auf sie gemacht, mit einer Art von Verwunderung\nüber sich selbst empfunden und ganz unparteiisch Zeugniss\ndavon in hiesigen Blättern abgelegt. So lassen sich auch\nüber das Spiel der Ristori und der Italiäner überhaupt\n(denn das Ensemble ist gut, und einzelne Schauspieler, z.\nB. Rossi, sind ebenfalls vortrefflich) Stimmen der Kritik ver-\nnehmen, welche die grosse Verschiedenheit des Spiels die-\nser Künstler und der französischen hervorheben, und wahr-\nlich nicht zum Vortheil der letzteren.\nSo sagte z. B. Theophile Gautier (und sogar im\nniteurl) bei Gelegenheit der Besprechung einiger Rollen\nder Ristori im Lustspiel (die junge Frau in\nnati, „Die glücklichen Eifersüchtigen\", und in Goldoni's\nLocandiera, bei uns in Deutschland durch „Mirandolina\",\nwenn ich nicht irre, nachgeahmt), dass es unmöglich sei,\neinfacher, anmuthiger, natürlicher zu sein. „Da ist keine\nrastlose Besorgniss um den Effect, man kümmert sich nicht\num die Zuschauer, man spielt lür das Stück und nicht lür\nden Beifall. Die Ristori folgt \"den Regungen ihres Herzens\nmit einer natürlichen Freiheit, welche in den Salons von\nLondon und Paris grossen Anstoss erregen würde, wo je-\ndes wahre Gelühl fast lür unanständig gilt, so sehr hat das\nConventionelle die Natur erstickt.\"\nUnd in der That, sie ist im Lustspiel eben so bedeu-\ntend, als in der Tragödie. Sie ist nicht als Komödiantin\ntraurig und lustig, sie ist es als weibliches Wesen in voll-\nster Wahrheit und Natur. Sie lacht und weint, ohne von\nder Seite in den Spiegel zu sehen, ob sie beim Lachen den\nMund in die richtige Oeffnung gebracht, um die schönen\nZähne zu zeigen, und ob das Auge beim Erpressen der\nThräne nicht zwinkert. Sie ist in dem oben erwähnten\nStücke eifersüchtig lür sich selbst und nicht lür die Gale-\nrie; nicht der Spott der Welt und das Gerede der Leute\nkümmert sie; das Herz leidet von dem Verrath, nicht der\nStolz auf ihre gesellschaftliche Stellung. Auch in einer an-\nderen Kleinigkeit, Con gli uomini („Mit den\nMännern lässt sich nicht spassen\"), worin sie eine Donna\nDiana en miniature spielt, ist sie reizend. Wir haben es\nalso mit einer echten Künstlerin zu thun, welche nicht\nspielt, was sie ist, sondern das, was sie sein will. Du\nhast mir einmal gesagt, das sei die Aufgabe eines wirkli-\nchen Schauspielers; es ist mir erst jetzt recht klar gewor-\nden, wie sehr Du Recht hast. Ich lühre aber noch ein Bei-\nspiel an, wie richtig auch die hiesige Kritik ihr Spiel zu\nwürdigen beginnt. Blanchard sagt in der Revue et Gazette\nmusicale: „Die Ristori zeigt die Fülle ihres Talentes durch\ndie Vereinigung der entgegengesetztesten theatralischen\nEigenschaften. Alle unsere dramatischen Gewohnheiten\nscheitern daran. Was wir Diction nennen, so ein Ding von\nlogischer, kalter und conventioneller Kunst, auf welchem\ndas Talent unserer berühmtesten Schauspielerin beruht,\ndas ist da nur Nebensache; der Mensch mit seinen Leiden-\nschaften, seiner Poesie, seiner Musik, seinem Entzücken und\nseinem Schmerz, seinem Schrei des Entsetzens und seinen\nSeufzern der Liebe und seligen Lust das ist die Kunst\nder Tragödie.\" Wahrhaftig, es beginnt zu tagen.\nUnter den späteren Rollen der Ristori ragten Mirra\nin Alfieri's Tragödie gleichen Namens und Maria Stuart\nvon Schiller (in einer guten italiänischen Uebersetzung)\nhervor. Des düstern und oft allzu rhetorischen Alfieri Dich-\ntung war es wiederum wahrlich nicht, was hinreissen\nkonnte; der Gegenstand des Drama's an und lür sich, die\nLiebe der Tochter zu dem Vater, und zwar die Liebe nach\ngriechischen Begriffen als eine Art Manie gedacht, kann\nunsere Sympathieen nicht erregen. In der Fabel verwandelt\nbekanntlich der mitleidige Gott Apollo die Mirra in einen\nBaum; der italiänische Dichter aber lässt das unglückliche\nMädchen lünf Acte hindurch gegen ihre unselige Leiden-\nschaft ankämpfen, alle Stadien der Sehnsucht, Wehmuth,\ndes Abscheu's, des Wahnsinns durchgehen, endlich ihre"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.4", "texte": "Liebe gestehen und in demselben Momente sich den Tod\ngeben. Und dennoch fesselt die Darstellung dieser Selbst-\nqual durch die Ristori von Anfang bis zu Ende, und die\nKünstlerin verdankt gerade dieser Rolle ihren grössten\nErfolg! Sie wurde nach dem Fallen des Vorhangs drei Mal\ngerufen eine in Paris unerhörte Huldigung.\nlieber Maria Stuart die Glossen der französischen\nTheater-Habitue's vor Anfang des Stückes und noch nach\ndem ersten und zweiten Acte zu hören, war in der That\nhöchst ergötzlich. Classiker und Romantiker stimmten in\nden Ton derjenigen Coterie ein, welcher die Triumphe der\nItaliänerin den Schlaf geraubt hatten, weil sie den Ruhm\nihrer Göttin überstrahlten. „Weiche Frechheit\"—hiess es\nda —, „sich nach der Rachel an Maria Stuart zu wagen!\nWie trefflich hat Lebrun dieses Stück lür die französische\nBühne bearbeitet! Welch ein Mangel an Geschmack, eine\nfast wörtliche Uebersetzung von Schiller zu geben!\"\nAber mit dem dritten Acte wurde Alles still und stumm,\ndas ganze Haus war wie in künstlerische Andacht versun-\nken, und nach dem Auftritte im Garten zu Fotheringhav\nO %)\nbrach die Bewunderung wie ein lange verhaltener Strom\nlos und riss selbst jene Coterie mit sich fort. Welch ein\nWeib! wie eine Lava brach die Gluth des Zorns\n„Spreng' endlich deine Bande, Groll!\"\naus dem Vulkan des Herzens hervor, und dennoch Maass\nund dennoch Schönheit vom Haupte bis zu den Füssen,\nund erhabene, erschütternde, niederschmetternde Majestät\nam Schlüsse:\n„In Staub mit Euch; denn ich hin Euer König!14\nUnd nun wieder im fünften Acte, im Gegensatze zu die-\nser tobenden Leidenschaft, die entsagende, die sterbende\nMaria! Die himmlische Freude, welche ihre Züge verklärt,\nals Melvil sich ihr als Priester entdeckt, ihr Abschied von\nihren Frauen, ihre letzten Worte an Lord Leicester—\nAll es so tief ergreifend, so edel ruhig, so vollendet schön,\ndass keine Beschreibung auch nur entfernt daran reicht.\nDie Kritik, d. h. was man gewöhnlich so nennt, hört bei\neiner solchen Erscheinung und Darstellung auf; aber die\nPoesie übt durch sie einen Zauber auf die menschliche\nSeele aus, den keine andere Kunst auf der Welt hervor-\nzubringen im Stande ist.\n\nB. P.\n\nStimmen der Kritik über Richard Wagner.\nIII.\n(Schluss. S. Nr. 35.)\n„Das Nümiiche, was den Kritiker und Dichter Wagner\nbezeichnet, charakterisirt auch seine Musik: Ceberschwäng-\nlichkeit und theils Uebertreibung, theils Mattheit im Aus-\ndruck, Haschen nach Effect und vor Allem Mangel am\nrechten, künstlerischen Maasse. Wenn Andere an dem Mu-\nsiker Wagner so sehr rühmen, dass er sich seine Texte\nselbst mache, so glauben wir im Gegentheil, dass das ein\nhemmender Missstand bei ihm ist; denn sowohl eine gute\nMusik als ein guter Text bedürfen beide ihres ganzen\nMannes, und die Productionskraft sollte nicht durch das\nEine lür das Andere geschwächt werden, wie es doch na-\ntürlich geschieht. Wir möchten sogar behaupten, dass\nWagner eine an Erfindung, Melodieen und Satz-Motiven\nviel reichere Musik liefern müsste, als er wirklich gethan,\nwenn er mit frischem künstlerischem Enthusiasmus an einen\ntextferligen Stoff ginge, und was er an poetischem Aus-\ndrucke schon verschwendet hat, auf diese Weise musica-\nlisch verwenden würde. Jedoch in Wagner's Principien\nnimmt die Musik eine secundäre Stellung ein, und dagegen\nhaben wir, was speciel die seinige betrifft, nichts einzuwen-\nden. Wir möchten beinahe sagen, seine Musik habe ein\ncholerisches Temperament. Sie drückt schnell und stark\nerregbares Gelühl aus, das nie oder nur selten zur künst-\nlerischen, dauernden Empfindung wird, wenn auch starke\nBegehrungen erregt und eine heftige, jedoch nicht anhal-\ntende Thatkraft zeigt. Ihre Gemüths-Erregungen haben im-\nmer etwas Bitteres und Scharfes, selbst wenn sie nicht aus\ndem innersten Wesen des Künstlers entfiiessen, sondern\nConsequenzen der von der Aussenwelt auf ihn einwirken-\nden rellectirenden Stimmung sind. Spannung, Erwartung\nzu erregen, vorzubereiten und begierig zu machen, ist ihm,\nwie den meisten unserer dichtenden und componirenden\nUniversal-Genies, eigen; aber abzuschliessen, zu vollenden,\nkünstlerisch abzurunden, aufzulösen und zu versöhnen, ist\nihm eben so wenig gegeben, als unserer ganzen irritiren-\nden Zeit, in der Kritik und Kunst sowohl, als im socialen\nund politischen Leben. Wagner hat es versucht, die stärk-\nsten Wirkungen der Instrumentation und der Modulations-\nContraste aulzubieten; Melodie, Harmonie und reiner mu-\nsicahscher Fluss gelten ihm nichts mehr gegen die schnei-\ndend scharfe Charakteristik, welche so weit geht, dass er\noft geradezu das Ohr beleidigt und zerreisst, ohne es ir-\ngend wieder beruhigen zu wollen. Er lässt z. B. jedes ein-\nzelne Instrument die schwierigsten Passagen für sich ma-\nchen, um im Zusammenklang des Ensemble die Wirkung\nhervor zu bringen, welche Schellen-Geklingel, Holzschuh-\nGeklapper oder ein einziger Geigenstrich auch zu bezwecken\nvermöchte. Hass, Liebe, Verwunderung, Anfrage, Geplau-\nder, Streit, Schimpf- und Scheltworte, Alles soll, zum Fort-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.5", "texte": "laufen natürlich, von den Instrumenten, die wahre Auto-\nmaten geworden sind, ausgedrückt werden, und was un-\nsere classischen Meister auf einfachere Weise noch inner-\nhalb des Harmonieen-Bereiches bewirkten, wird hier ohne\nalle Rücksicht auf musicalisches Gesetz versucht. Darum\ndarf man sich denn bei Richard Wagner nicht wundern,\nwenn seine Intervalle manchmal so weit aus einander klaf-\nfen, dass Melodie und Harmonie und überhaupt der rnusi-\ncaiische Ausdruck Platz genug haben, ganz durchzufallen.\nDie höchsten Violin-Töne, piepende Pfeifen und rasselnde\nSchellen schweben über den dumpfesten Contrabass-Figu-\nren neckisch dahin, unbekümmert um die Armen, die in der\ntiefsten Tiefe sich mühsam dahinschleppen. Uebrigens muss\nman eingestehen, dass Wagner mit seiner instrumentalen\nReform*) oft überraschende Wirkungen hervorbringt und\nBedeutendes zu leisten vermöchte, wenn er innerhalb der\nSchranken der musicalischen Gesetze bliebe.\n„Was uns am meisten überrascht hat, ist die Kühn-\nheit, mit welcher er sich über geschickte Anlage polypho-\nner Satze und gute Stimmführung hinwegsetzt, und mit\nwelcher er Accorde an einander reiht, die keine grössere\nVerwandtschaft mit einander haben, als dass sie eben alle\naus einzelnen Tönen bestehen. Ohne die geringste Vermitt-\nlung, ohne irgend eine harmonische Brücke werden wir in\nganz sich widerstrebende Dur- und A/o//-Klange hineinge-\nworfen, oft in einer langen Rtfihe aus einem in den ande-\nren, dass es einem zuletzt ganz bange wird. Eben so ver-\nschmäht es Wagner, sich der Scbluss-Cadenzen zu bedie-\nnen, nach welchen doch das Ohr unbedingt verlangt, so\ngut wie das Auge Ruhepunkte beim Ueberschauen eines\nRaumes haben will. Ueberhaupt verläugnet Wagner meistens\nganz den Charakter der Musik, um der dramatischen Cha-\nrakteristik zu genügen. Das ist wieder so ein Grundzug\nunserer Zeit, dass sie durch Musik handelt, erzählt und\nmalt, durch die bildenden Künste singt und klingt, durch\ndie Poesie Philosophie treibt und die Wissenschaft poeti-\nschen Träumen verfallen lässt.\n„Musicalisch-dramatische Charakteristik wäre somit\nder Hauptzweck der. Wagner'sehen Opern. Aber, fragen\nwir, ist die Venus, ist der Landgraf, sind Tannhäuser, Wolf-\nram und die anderen Sänger denn dramatisch charakterisirt\ndurch Wagher's Musik? Sind sie so scharf individuali-\nsirt, als es die Musik in Wahrheit, nicht allein nach Wag-\nner's Intention, wirklich vermag? Wir müssen es entschie-\nden verneinen. Welche herrliche Gelegenheit sich ihm auch\nbei der Wettstreit-Scene im zweiten Acte (dem wart-\nburger Sängerkriege) hierzu geboten hätte, so tritt doch\nweder liier noch sonst der Gesammt- oder der individuelle\nSänger-Charakter in dem, was und wie sie singen, hervor,\nsondern es singt so ziemlich Einer wie der Andere, und\nKeiner viel Gutes. Freilich, die Musik ist hier ganz der\nAusdruck des Textes, und der ist eben nicht lyrischer,\nsondern sehr rhetorischer Natur, so dass die Melodieen\nentweder, wie die des Tannhäuser, ausserordentlich arm,\nunruhig und klanglos sind, oder, wie Wolfram's Gesang,\nsich beinahe nicht über das Recitativ hinaus erheben. Die\nKunst des Sängers zeigt sich doch wahrhaft nur im Ge-\nsänge: warum will Wagner die Sänger nur charakteri-\nsiren, statt sie sich selbst charakterisiren zu lassen?\n„Indess wären wir in der That ungerecht, wenn wir\nnicht zugestehen wollten, dass Wagner's Ouvertüre ein-\nzelne schöne, melodische und harmonische Sätze enthält,\ndass z. B. sein Hirtengesang einen reizenden Anflug vom\nVolkstone hat, und dass besonders seine Chöre hier und\nda in Gesammtwirkung mit dem Orchester grosse Wir-\nkungen hervorzurufen vermögen. Wir können auch nicht\nverläugnen, dass Wagner, wenn wir einmal den Ausdruck\ngebrauchen wollen, vortrefflich sich auf Situations-Malerei\nund geschicktes Arrangement versteht, mehr als die mei-\nsten seiner Vorgänger. Pilgergesang, Jagdhörnerklang, Um-\nwandlung der Scene und was dazu gehört, tritt immer zur\nrechten Zeit ein, und dieser Gewandtheit und den über-\nraschenden, starken Effecten und Contrasten verdankt er\nseine Erfolge. Zudem ist er ein wahrer Meister im schönen,\nwürdigen Recitativ ; (?) die Erzählung Tannhäuser's von seiner\nReise nach Rom ist vielleicht die Krone der ganzen Ton-\ndichtung.\n„So gern sich Wagner als ein Original-Genie geltend\nmachen möchte, so erinnert uns doch seine Musik, beson-\nders in den reinen Orchesterstücken, vorzüglich an Beet-\nhoven in dessen späteren Jahren*), sodann aber auch an\nMendelssohn und Meyerbeer, den er sogar nicht gelten\n\n*) Eine „instrumentale Reform\" können wir Wagner am wenig-\nsten zugestehen; was dieser bei ihm ähnlich sieht, ist längst\nbei Meyerbeer und Berlioz, zum Theil schon bei We-\nber, vorhanden. Die 11 edact i o n.\n*) Dem müssen wir entschieden widersprechen. Kein Musiker,\nder seinen Beethoven bis zu Opus ultimum genau kennt, wird\nin Wagners Musik eine Spur von etwas finden, das würdig\nwäre, auch nur Beethoven's Maske zu tragen. Der wahre\nOriginal-Text für Wagner's Copieen ist C. M. von Weber.\nUebrigens ist dieses und das Meiste des Obigen in dem No-\nvember- und dem Decembcr-Hefte des 111. Jahrg. (1852) der\nRheinischen Musik-Zeitung von uns bereits vor drei\nJahren nachgewiesen worden. Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.6", "texte": "lassen will sonderbarer Weise! Wagner verwirft Meyer-\nbeer, dessen Hugenotten doch ein Meisterstück historischer\nCharakterisirung sind, wenn auch sonst seine Werke meist\nnur auch auf ein leeres Schaugepränge zielen; er verwirft\nAuber, dessen Stumme von Porlici, was dramatische Cha-\nrakteristik, poetischen und musicalischen Werth betrifft,\ndoch noch hoch über den Wagner'schen Producten steht;\ner bedauert Mozart, dass ihm nicht der Dichter begegnet\nist, der ihn zum rechten musicalischen Ausdrucke hätte be-\ngeistern können, und spricht von Fidelio, dieser hohen,\nmächtigen, wunderbaren Schöpfung, welche so ganz nur\nder Ausdruck ihrer Handlung, ihrer Empfindungen ist\ngar nicht. Wenn Wagner in seiner sich selbst überschätzen-\nden Blindheit so zu urtheilen wagt, so kann er sich keines-\nwegs wundern, wenn die Kritik ihm gegenüber keine Rück-\nsichten kennt. Sie muss es aussprechen, dass er, trotz sei-\nner fast komischen Versicherungen vom Gegentheil, das\nwahre Wesen der Poesie und der Musik und ihr gegen-\nseitiges Verhältniss noch entfernt nicht erkannt und durch-\nschaut hat, dass es ihm bei Allem mehr auf die Schale als\nauf den Kern ankommt, und dass er durch seine Propa-\nganda auf dem Gebiete der Kunst, durch sein vieles Gerede\niür und über sein Wollen gerechtes Misstrauen gegen seine\nkünstlerische Weihe erweckt. Das ist nicht mehr Selbst-\ngefühl, wie es uns bei wahren Grössen so wohlthuend ent-\ngegentritt. Wir sind nach Anhören des Tannhäuser noch\nkeineswegs überzeugt, und die Gesammtwirkung hat uns\nnicht zu der Meinung bestimmen können, dass von nun an\nwir Schauspiel und Oper, wie sie seither gepflegt worden\nsind, der Vergessenheit übergeben dürfen; im Gegentheil\nhoffen wir, dass noch auf einige Jahre hinaus unsere bar-\nbarische Geschmacklosigkeit an Don Juan und Fidelio,\nHamlet und Macbeth, an Wallenstein und Faust sich zu\nerfreuen Gelegenheit habe wir wollen dann recht gern\nder fernen Zukunft überlassen, die Classicität und Allein-\ngültigkeit der musicalischen Dramen und dramatischen Mu-\nsik Richard Wagner's, Berlioz' und ihrer Jünger zu con-\nstatiren und zu sanctioniren, ohne dass wir jedoch vergessen\nwollen, auf das wahrhaft Gute, Treffende und Zeitgemässe\nin diesen Werken hinzuweisen und es möglicher Benutzung\nzu empfehlen.\"\n\nPeter Erard.\n(Nekrolog,)\nKaum ist der Name Pleyel erloschen, und schon un-\nterliegt der Name Erard demselben verhängnissvollen Ge-\nschicke. Beide Männer, Erben und Vermehrer eines aus-\ngebreiteten Ruhmes in der Kunst des Instrumentenbaues,\nsind fast zu gleicher Zeit und in demselben Lebensalter\ngestorben, ohne directe Nachfolger zu hinterlassen.\nSeit ungefähr zwei Jahren war Erard's Gesundheit\nbedeutend angegriffen, und am 18. August d. J. schlug\nseine letzte Stunde. Er starb auf seinem Landhause\nMuette bei Paris, wo er in der Regel den Sommer zu-\nbrachte. Das Leichenbegängniss war eines der feierlichsten,\ndie man seit lange gesehen; denn Erard war nicht nur be-\nrühmt, sondern als Mensch und Freund geachtet und ge-\nehrt und von seinen Arbeitern wie ein Vater geliebt. Das\nLeichentuch hielten der Baron Taylor, Felis der Aeltere\naus Brüssel, der Maire von Passy, der Dr. Lardner aus\nLondon, Schröcker (Verwaltungs-Chef des Hauses in Paris),\nBruzeau (des Hauses in London). In der Kirche wurde\neine Messe von Dietsch gesungen. Im Zuge gewahrte man\nalle künstlerischen Berühmtheiten von Paris, unter ihnen\nHalevy, Herz, Berlioz, Batta, Lefebure-Wely, Wolff, Fu-\nmagalli, Slamati, Cavaille Coli, Adam u. s. w. An 600\nArbeiter hatten sich angeschlossen, und Alles folgte bis\nzum Kirchhofe des Pere la Chaise, wo die Leiche in der\nFamiliengruft neben dem Grabe von Boieldieu beigesetzt\nwurde. Reden hielten der Baron Taylor, Fetis, Adam und\nder Maire von Passy.\nJohann Baptist Peter Orpheus Erard war 1794 ge-\nboren. Sein Oheim Sebastian Erard, der eigentliche Erfin-\nder der Vervollkommnungen der Harfe und des Pianoforte\nund Gründer des Hauses, setzte ihn, den Sohn seines Bru-\nders Baptist Erard, zum Erben und Fortlührer des Ge-\nschäftes ein, nachdem Peter Erard, welcher schon in den\nKnabenjahren als Arbeiter eintrat, bereits seit seinem acht-\nzehnten Jahre sich in der Leitung des Geschäftes in Lon-\ndon bewährt hatte. Wie viel er nachher zur Ausdehnung\nu\nund Vervollkommnung desselben in beiden Residenzstädten\ngethan, ist weltbekannt; weniger, wie sehr er ein Freund\nund Helfer in der Noth liir so manches Künstler-Talent,\nwie sein Herz allen edeln Gefühlen offen und zugänglich\nwar, und was die Armen an ihm verloren haben.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöln. Meyerbeer hat eine Nacht auf seiner Durchreise\nvon Spaa nach Berlin hier zugebracht.\nDer Pianist Herr Wüllner aus München und der Musik-\nDirector am Theater zu Frankfurt a. M., Herr Goltermann,\nwaren einige Tage hier.\nFräulein Francisca Veit, welche zwei Jahre bei der italiäni-\nschen Oper zu Paris engagirt war, ist seit einigen Monaten wie-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.7", "texte": "der hier. Wir haben Gelegenheit gehabt, sie in Privat-Cirkeln zu\nhören, und wünschen der jugendlichen Künstlerin zu den grossen\nFortschritten Glück, welche sie gemacht hat. Eine schöne, wohl-\nklingende, umfangreiche, durchweg egale, echte Sopranstimme ver-\nbindet sich bei ihr mit einer gründlichen Schule. Hoffentlich wer-\nden wir Gelegenheit haben, sie in den Gesellschafls-Concerten die-\nses Winters zu hören, da, wie wir vernehmen, ihr desshalb bereits\nAnträge gemacht worden sind.\nAaclaejsa. Ernst hat im vorigen Monate hier zwei Concerte\ngegeben; sein Spiel war, wie es immer ist, thcils gross und vor-\ntrefflich, theils nachlässig und ohne Energie. Die Wahl der Stücke\nwar gar sehr auf die Menge berechnet; der unvermeidliche „Car-\nneval\" spielte natürlich auch eine Hauptrolle dabei.\nIn Berlin ist am 25. August die königliche Bühne mit So-\nphokles' Antigone wieder eröffnet worden. Diese Tragödie\nkam mit F. Mendelssohn's Musik am 13. April 1842 auf die\nBühne, erlebte bis zum 17. Februar 1852 29 Vorstellungen und\nruhte seitdem, so dass also die diesmalige die dreissigste war. Vor\ndreizehn Jahren verkündete man von dem Einflüsse des allen clas-\nsischen Werkes auf unsere dramatische Literatur grosse Dinge, von\nderen Verwirklichung indess, wie Verständige auch damals schon\neinsahen, nichts sichtbar geworden ist. Ein berliner Blatt macht\nbei Gelegenheit der jetzigen Aufführung sehr richtige Bemerkungen\nüber das Volkstümliche, das unserer Bühne noth thut und welches\nwir nicht von den Griechen herholen können, die wir nur zum\nVorbilde nationaler Poesie nehmen müssen. Es heisst darin unter\nAnderem:\n„Wenn freilich das Walten dieser oft nicht einmal menschlich-\nedel fühlenden Götter mit ihrem unabwendbaren Fatum und ihren\nwendbar-räthselhaften Orakeln auf unser Denken und Empfinden\nnur abstossend wirken kann, so ist doch, was einst das Alterthum,\nder einem höheren Glauben entstammenden Ansicht fern, Schönes\nund Würdiges erzeugte, bei den Griechen in aller Harmonie mit\nihrer nationalen Grundlage und ihrem Staatsgewebe entstanden.\nDie Ahnung eines Erhabeneren aber, die reine, seelenhafte Be-\ngeisterung, welche in That und Dichtung über zu sinnlich be-\nschränkte Gränzen des Erdenlebens hinweghebt, war eine spätere\nund gesegnete Gabe des Himmels, der den Fluch aussehliesst in\nErbarmen und Liebe, die auch im Gesetze walten müssen, die zum\nSchönsten und Würdigsten erst volle Weihe und wahren Adel ver-\nleihen. Wie jedoch die Griechen auf ihrem sichersten Standpunkte\nmit sich im Zusammenhange und in Harmonie waren, so auch soll\nes jedes Volk sein in der ihm gewordenen Eigentümlichkeit, und\nuns ist dies mehr als jemals nötig. Uns ward überall, nicht nur\nbei den deutschen Bühnen, viel Irriges und Verkehrtes aus der\nFremde in den Weg geworfen, und das Schlimmste ist, wenn man\ndas Schlimme nicht erkennt, es wohl gar zum Vortheile des Er-\nwerbsbetriebes als Bestes und Gültigstes anpreis't, nur darin Eifer\nzeigt, die Verhältnisse vom Natürlichen, ein Volk von sich selber\nzu entwöhnen. Jedenfalls wäre um hier bei Betrachtung der\nTheater zu bleiben eine Tragödie des Sophokles, will man\nnun einmal gar zu seitab von unserer Volkstümlichkeit wan-\ndeln, annehmbarer, als eine Ueberwucherung durch verweichlichen-\ndes Musik- und Ballet-Wesen, die auch in der alten Welt eine\nmissliche Umwälzung erzeugten. Die Zeit der kräftigsten Nationa-\nlität war auch die Blüthen- und Frucht-Zeit des griechischen Thea-\nters; es wurde matter mit der Ermattung des Volks-Charakters\nund verwilderte ganz, als die Einmischung des Fremden, die römi-\nsche, Geltung empfing, wie denn das Drama der Römer stets ein\nuntergeordnetes blieb, weil es nicht aus dem eigenen, nicht aus\ndem mit der Nation grossgewordenen Geiste hervorging, mehr oder\nminder sich nur in Nachahmerei um'rieb. So verkehrte man\nallmählich immer zuläuferischer mit leerer Schaulust, mit üppigen\nTänzen und anderem Sinnenreiz, was die Nation bereits im Ver-\nfall zeigte und ihn gesteigert begünstigte. Die Tempel der Musen\nwaren entweiht und besudelt, nachher wurden sie ganz geschlos-\nsen und thaten sich, in folgerichtiger Schmach, nur wieder auf zur\nLust des Auges, für Gelüste der Unanständigkeit und Rohheit, für\nherbeigeholte Thiere und den Kampf mit ihnen. Genug, das Ende\nder Dramatik war das Ende einer Liederlichen: sie kam nicht wie-\nder zu Werth und Erhebung. Wenn wir uns diesen geschichtlichen\nGang ernstlich klar machen in genauer Nachforschung, wenn wir\nuns dann nicht verhehlen können, dass unser volkstümliches\nSchauspiel jetzt von Fremdsucht und bodenloser Spassmacherei,\nvon der Oper, dem Ballet- und Decorations-Prunk mitunter sehr\nunkrautlich überwuchert ist, darf uns diese Wahrnehmung bedenk-\nlich werden, da zumal die Vergleichung der Zustände auch in an-\nderem Bereich widerwärtige Aehnlichkeiten auffallen lässt. Ein\ntüchtiges, nach dem Edelschönen strebendes Volk muss auch ein\nihm angehörendes, ihm geweihtes, seiner Gegenwart genugthuendes\nDrama haben. Ein Fremdes sind uns die Tragödien des Sophokles,\nund wie hoch zu schätzen, wenn wir sie beurtheilen vom Stand-\npunkte ferner Zeit und vergangener Zustände, denen sie angeeignet\nsind, uns werden sie an sich nichts nützen, weil uns lebensvolle\nWirkung, die theils bewahrt, theils wieder erworben und gefördert\nsein will, noth thut. In einem bezüglichen, auch aus der Vorzeit\nnochmals nahegerückten Kampfe unserer Tage wäre uns der vor\netwa dreissig Jahren von der Bühne verwiesene und nun doch neu-\nbegünstigte Aufputz fatalistischer Ideen vielmehr hemmend, indem\nwir selber dergleichen noch zu überwinden und des Widerstandes\ndabei schon genug haben.\" (V. Z.)\nDen einleuchtendsten Beweis, dass das griechische Drama in\nseiner nackten Gestalt nichts für das deutsche Volk ist, gibt die\nErfahruug, dass aufrichtig gesprochen nur die Musik von\nMendelssohn die Antigone für unser Theater-Publicum geniessbar\nmacht. Diese Musik ist aber durch und durch modern, und es\nist eitel Pedanterie und Selbsttäuschung, wenn man uns glauben\nmachen will, dass uns das Verständniss der Tragödie dadurch er-\nleichtert werde und der antike Geist näher an uns herantrete.\nDie Mendelssohn'sche Musik ist keineswegs im Geiste des Alter-\nthums geschrieben, sie ist der Erguss eines subjectiven Gefühls\nund einer richtigen Beachtung der heutigen Empfindungsweise; die\nplastische Objectivität der alten Poesie ist durchaus nicht ihre\nSache. Mendelssohn ist eine bedeutsame musicalische Natur, und\nwenn ihm irgend ein Talent eigen gewesen, so war es dies, den\nGeist nnd Ton der Poesie auf jedem Gebiete und in allen Formen\nsinnvoll und eigentümlich zu erfassen. Jene objective Klarheit\nund Ruhe, welche in seiner Weise Gluck auf das bestimmteste für\ndie Zeichnung des Antiken erreicht hat, und deren musicalische\nFormen uns mit dem Gefühle des unbedingten Befriedigtseins er-\nfüllen, so dass wir durch die Töne mehr den Eindruck des ewig\nSchönen als den einer interessanten und geistvollen Persönlichkeit\nempfangen, fehlte ihm. Immer aber ist seine Auffassung würdig,\nsubjectiv-rein, dem Gegenstande nicht widerstrebend. Hinsichtlich\nseiner Behandlung der gewaltigen Lyrik in der griechischen Tra-\ngödie müssen wir von ihm sagen, dass er mit feinstem Gefühle\nalle Mittel des heutigen musicalischen Ausdrucks zu benutzen, un-\nseren Ohren und unserer Art, musicalisch zu empfinden, Rechnung\nzu tragen verstand. Den Romantiker verläugnet Mendelssohn nir-\ngend. Wir erkennen ihn vor Allem in den feinen und modernen\nSchmerz athmenden Melodramen, in allen recitativischen Wendun-\ngen und da, wo er das Ensemble heutiger Instrumentirung in sei-\nnem vollen Glänze wirken lässt. Es begegnet ihm nur selten, dass"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18550908-01.1.8", "texte": "er auf Grund dieser Gestaltungs-Weise eine vollständig objective\nWirkung erzielt. Die unbedenklich schönste dieser Richtung ange-\nhörende Stelle ist der lange anhaltende, schneidende Triller der\nClarinetten und Oboen, der sich, während die Leiche Hämon's her-\nbei getragen wird, aus der Masse der übrigen Instrumente mit dä-\nmonischer Gewalt herauswühlt. Ueberhaupt edel gedacht, subjectiv\ngrossartig gestaltet bleibt alles, was er uns in dieser Arbeit hinter-\nlassen hat.\nFrau Fischer-Nimbs, welche im vergangenen Jahre in Ber-\nlin mit grossem Beifalle im k. Opernhause gastirte, ist von Herrn\nv. Hülsen zu einem neuen Gastspiele gewonnen worden. Dieselbe\nwird zunächst in dem lange nicht gegebenen Propheten als Fides\nauftreten, und wie verlautet, ist auch Aussicht dazu vorhanden, mit\nihr als Alice den seit langer Zeit gar nicht aufgeführten Robert\nin Scene gehen zu sehen.\n** München. Die Besetzung Tannhäuser auf der hie-\nsigen Bühne war folgende: Venus Fräul. Schwarzbach; Eli-\nsabeth Frau Diez; Tannhäuser Herr Auerbach: Wolfram\nvon Eschenbach Herr Kindermann; Landgraf— Herr Al-\nfeld. Das Arrangement der Tänze u. s. w. war von Lucile\nGr ahn, die Decorationen von den königlichen Hofmalern Doli\nund Quaglio, Costume-Angabe von Herrn Fr. Seitz, scenische\nEinrichtung vom Maschinisten\"Herrn Schütz. Die musicalische\nLeitung von Franz Lachner war, wie immer, ganz ausgezeich-\nnet; der Eifer unseres General-Musik-Directors ist um so mehr zu\nrühmen, als sein Urtheil über den Werth der Wagner'schen Musik\nund Principien kein Geheimnissist; es stimmt nämlich mit dem\naller wahren Musiker überein. Das hiesige „Theater-Journal4' lässt\nsich in einem Berichte von Prof. Doctor über R. Wagner, seine\nArroganz und seine unmusicalische Musik ziemlich stark aus, lässt\naber der Aufführung alle Gerechtigkeit widerfahren.\nHerr Aug. Thys, Secretär des Gesang-Vereins Orpheus in\nGent und Ehren-Mitglied des kölner Männergesang-Vereins, gibt\neine Geschichte der Sänger-Vereine in Belgien\nHistorique des Societes chorales de Belgique —auf Subscription\nheraus, welche bei dem Interesse für die Sache, dem Eifer und\ndem Talente des Verfassers nicht verfehlen wird, sich allgemeiner\nTheilnahme zu erfreuen, da Belgien bekanntlich nach Deutschland\ndas einzige Land ist, in welchem der Männergesang eine volks-\ntümliche Verbreitung seit 1830 erlangt hat. Das Werk zerfällt in\nsechs Abschnitte: I. Einleitung. Historische Notizen erste\nLiedertafel u.s.w. 11. Die Sänger-Vereine in Belgien. Die-\nser Abschnitt enthält nach Bemerkungen über den Einduss der\nSing-Vereine auf Leben und Volksbildung, über Gesang-Unterricht\nhistorische Nachrichten über beinahe 500 Vereine, ferner eine Sta-\ntistik der Gesang-Vereine in der Armee. 111. Geschichte der\nS äng er- Wettstreite in Belgien seit dem ersten im Jahre\n1834, nebst Bemerkungen über deren Werth oder Unwerth und\nNotizen über ähnliches Beginnen in anderen Ländern. IV. Sän-\ngerfeste. V. Repertoire choral beige (enthält auch ein voll-\nständiges Verzeichniss der in Belgien erschienenen Compositionen\nfür Männergesang). VI. Die belgischen Componisten; Rück-\nblick auf die alte niederländische Schule. Die Neueren und die\nAufmunterungen für dieselben durch den Staat. Der Subscrip-\ntions-Preis für das Werk, das einen Band in gross Octav füllen\nwird, ist auf gewöhnlichem Papier 2 Fr. 50. Cent., auf Velin 5 Fr.\nMan unterschreibt bei MM. de Busscher Freres, Imprimeurs ä Gand,\nnie Savaen Nr-, 42.\nDer belgische Componist Gevaert hat eine Oper Les Lavan-\ndieres de Hadem geschrieben, welche auf dem Thedtre lyrique zu\nParis zur Aufführung kommen wird.\nSpaa# Leonard hat es gewagt, vor einem Badeort-Publicum\nBeethoven's Violin-Concert zu spielen, jedoch nur das erste\nAllegro. Der Beifall war ausserordentlich; freilich gaben Meyer-\nbeer, Oaumann und mehrere Deutsche das Zeichen dazu.\nDer Urlaub der Fräul. Cruvelli für den Monat Sep-\ntember ist ihr von der Direction abgekauft worden; denn die grosse\nOper spielt vier Mal die Woche den ganzen Sommer hindurch\nbeispiellos in ihren Annalea-5 Und zumal mit solchen Einnahmen!\nAber es sind stets 200,000 Fremde in Paris diese wollen sehen\nund hören, und so sind alle Theater gedrängt voll. In dieser Be-\nziehung hat Paris eine ganz andere Physiognomie als London wäh-\nrend der Ausstellung; das erklärt sich aus zwei Gründen. Erstens\nsind die Theater in Paris ganz andere Kunst-Institute, als in Lon-\ndon, und zweitens verstehen von den 200,000 Fremden wenigstens\nzwei Drittel ganz gut Französisch. Die 366. Vorstellung von Ro-\nbert der Teufel brachte am 22. vor. Mts. 10,814 Fr. 21 C. ein,\nder Prophet am 24. 11,189 Fr. 61 C. die stärksten Einnah-\nmen seit langen Jahren! Aber auch die komische Oper macht\nglänzende Geschäfte, hauptsächlich mit dem Stern des Nor-\ndens, dessen 135: und 136. Vorstellung in derselben Woche\n(vom 19. —25. August) 6300 und 6200 Fr. einbrachten.\nDer Havannese Calzado, der jetzige Unternehmer der italiäni-\nschen Oper, hat die ausgezeichnete Sängerin Valentine Bian-\nchi auf zwei Jahre engagirt; wir werden also das unerhörte Wun-\nder erleben, in der Salle Veniadour eine jugendliche Prima-\nDonna zu hören!\nAuf den Angriff eines pariser Journals gegen Costa in Lon-\ndon bezüglich der Aufführung von Meyerbeer's „Nordstern\"\ngibt Letzterer in einem Schreiben an die Redaction der Musical\nWorld demselben die glänzendste Satisfaction und erklärt, dass\nCosta sich nicht nur seiner Direction nicht widersetzt, sondern ihn\ndarum gebeten habe, was er aber abgeschlagen, weil die Leitung\ngar nicht in geschickteren Händen habe sein können."}]}