{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-10-13-01", "volume": "bmtnabi_1855-10-13_01", "ocr_sha256": "f284645bde06874fd093f60631c07c943987748971150dcdfdc6c09e2863fd53", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/10/13_01/bmtnabi_1855-10-13_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-10-13-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-10-13_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-10-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "324", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.2.1", "titre_corps": "Bemerkungen über den Vortrag einiger Beethoven’schen Sonaten.", "titre_sommaire": "Bemerkungen über den Vortrag einiger Beethoven’schen Sonaten.", "signature_source": "w. K", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3596, "texte": "Bemerkungen\nüber den Vortrag einiger Beethoven’schen Sonaten.\nVon w. K.\nEs ist freilich ein gewagtes Unternehmen, die kostbar-\nsten Steine in Beethoven's Diamanten-Kranz, seine unver-\ngleichlichen Sonaten, zu einer verständlichen Anschauung\nder mehr oder minder gebildeten Musikfreunde zu bringen;\nindess trauen wir unseren Ueberzeugungen schon nicht\nwenig zu, und wir wollen einer gewiss guten Sache nach\nKräften dienen.\nAlle Welt spielt Beethoven's Sonaten, aber wie\nverschieden! Woher kommt es, dass man vielfach von\nLeuten, die doch Gefallen an guter Musik haben, hört:\n,Ach, unverständlich! nur Musik für Kenner!\" Weil man\nohne Idee vom Inhalt des Ganzen die Noten herunterleiert,\ndas Tempo im Allegro gewöhnlich zu langsam und im An-\ndante zu schnell nimmt, oder umgekehrt das jagt\nund das Andante schleppt; weil man auf die genauen Be-\nzeichnungen des Rhythmus und der Vortragsweise nicht\nAcht gibt. Dann freilich sind die Sonaten höchstens noch\nFinger-Uebungen oder Beispiele für harmonische Studien.\nLeidet es aber wohl die schuldige Pietät gegen unseren\nMeister, dass seine herrlichen Charakter- und Phantasie-\nStücke zu Instructionen für Finger-Bewegung dienen? Nein,\nein eben fähiger Spieler soll sich an dem schönen Vortrage\nder wundervollen Stücke erfreuen; der eigentliche Zweck\nist: geistige, musicalische Bildung, Erhebung\ndes Gemüthes, Aneignung der edelsten Begei-\nsterung für das Erhabene und Schöne. Man ge-\nwinnt nebenbei die solideste, beste Virtuosität.\nBei einer Anleitung zum richtigen Vortrage der So-\nnaten ist wohl zunächst das Wichtigste die Bezeichnung\nder Tempi mit Zahlen nach Mälzel's Metronom, und wir\nhaben hier zu bedauern, dass dieses vor Op. 101 nicht\nvon Beethoven selbst geschehen konnte; es wäre sonst\neiner so unendlich verschiedenen und grösstentheils unrich-\ntigen Spielweise der Sonaten begegnet. Es existirt zwar\neine Ausgabe Beethoven'scher Sonaten, von Moscheies me-\ntronoraisirt; allein ist irgend jemand, der nicht mit Beet-\nhoven zusammen gelebt und ihn selbst über diese Dinge\ngehört hat, als Autorität anzusehen, was die Auffassung\nseiner Werke betrifft? Zudem kann auch nicht jeder die\nMoscheles'sche Ausgabe anschaffen, und wir wollen daher\nin diesen Artikeln für jeden Theil der Sonaten das Zeit-\nmaass anführen, welches wir für angemessen erachten, und\nandere Kunstkenner mögen darüber richten, wie weit die-\nses einem gebildeten Gescbmacke entspricht.\nWir wollen von den Sonaten zunächst diejenigen,\nwelche als die beliebtesten gelten und von Künstlern und\nKunstfreunden am meisten gespielt werden, besprechen,\nnämlich Op. 13, Sonate patheOp. 26 in\nOp. 27 in Cis-moll,dann Op. 31 in und Op. 5 7\nin F-moll.\nWir wissen nicht recht, ob die Bezeichnung „patke-\nlique\" von Beethoven selbst beigegeben ist, und möchten\nes eigentlich bezweifeln, da wir durchgängig nicht einen\npathetischen Charakter in der e, Op. 13, wahr-\nnehmen können. Doch bei aller Welt ist sie als „pathe-\ntique\" bekannt, und wir finden diesen Charakter auch na-\nmentlich in der Introduction zum ersten Allegro, „\ngraveu, mit den breiten, gravitätischen Accorden, welche\ndenn auch in schwerem, gemessenem Tritte einhergehen.\nBeim Vortrage der ganzen Introduction ist daher alle tän-\ndelnde Leichtigkeit zu vermeiden, was man bei den Stellen\nund ähnlichen wohl beachten möge; es muss immer der\ngrösste, ruhige Ernst herrschen; die Figuren in 64steln\nund 128steln sind allein auszunehmen, sie sind aber auch\nnur brillante Verzierungen. Das Tempo, welches durchaus\nim ganzen Theile nicht schwanken darf, da jedes so ge-\nnannte gefühlvolle Säuseln und Schmachten hier ganz am"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4444, "texte": "verkehrten Orte wäre, würden wir nach Mältzel's Metronom\nnehmen 58.\nDas erste Allegro ist, die Einschaltungen aus der In-\ntroduction abgesehen, mehr ein alsPöf\ndie energische Leidenschaft fängt piano an, steigert sich,\nnimmt wieder ab, steigert sich wieder von Neuem, und so\nfort, bis der Kampf in der Melodie in einfachen /4-Noten\nfür beide Hände auf einen Augenblick einen Ruhepunkt\nfindet. Doch die Ruhe kann nicht andauern; bei der Stelle:\nu. s. f. beginnt die Leidenschaft von Neuem, und wir ge-\nwahren im Verlaufe des Satzes bald Kampf, bald Ruhe,\nbis der Schluss im letzten Alleg auf das\ngleichsam klagende und innigst bittende (Seite 9\nder Ausgabe) mit entschlossenem, unbeugsa-\nmem Willen antwortet, gleich einem unumstösslichen Be-\nfehle. Das letzte „Grave\", obgleich in Form den anderen\nPerioden mit dieser Bezeichnung gleich, ist natürlich vom\nPathetischen auszuschliessen. Das Tempo des ersten Alle-\ngro nehme man 144—152; 144 ist zuweilen etwas\nschleppend, dagegen 152 meistens zu schnell; man stelle\nden Schieber am Pendel des Metronoms zwischen 144 und\n152 in die Mitte, und man wird ein Tempo bekommen,\nwelches fast immer entsprechend ist. Sodann hüte man sich\nwohl vor der sehr häufigen Manier, die Stellen in blossen\n1/4-Noten für beide Hände viel langsamer zu spielen, als\ndas Uebrige; Alles muss gleich schnell, oder eine Abwei-\nchung im Tempo darf kaum merklich sein. Das Tempo des\nAdagio nehmen wir = 60 und bemerken, dass es auch\nnicht eigentlich pathetisch gespielt werden darf. Der Um-\nstand jedoch, dass die Sonate heisst, dürfte\nvielleicht Manchen verführen, da, wo es nur eben möglich,\netwas Pathetisches hineinzulegen, durch die Vortragsweise\nhervorzubringen. Auf der ganzen ersten Seite der Andre'-\nschen Ausgabe, welche nach den Original-Manuscripten ge-\nstochen sein soll, fehlt bei dem Adagio jede Bezeichnung\ndes Ausdruckes; es ist kein Forte, kein Piano, Crescendo\nu. s. w. beigegeben, und wenn nun Jemand die Melodie in\ndiesem wohl zweifelhaften Falle forte oder auch nur mezzo-\nforte spielte, so bekäme sie einen breiten, gemessenen Cha-\nrakter; wir meinen aber, dass der Charakter des ganzen\nAdagio mehr empfindsamer, klagender Natur ist und das-\nselbe zu Anfang recht piano,mit gehöriger Hervorhebung\nder Melodie, welche allein in den obersten Noten besteht,\ngespielt werden muss. Ein Cr wäre wohl nach der\nStelle\nanzuwenden und ein nach\nu. s. w. Später finden sich die nöthigen Bezeichnungen\nunter den Noten, und man wird auch leicht erkennen, wo\neine Stelle Leidenschaft und eine andere etwas Finsteres,\nDämonisches hat und den angemessenen Vortrag vom Spie-\nler verlangt. Das Ganze ist mehr eine ruhige, innige Klage.\nDas Finale (Rondo Allegro)ist durchgängig weder pa-\nthetisch noch leidenschaftlich, sondern es zeugt mehr von\neiner entschlossenen Heiterkeit. Wie sehr aber auch hier\nder Charakter durch eine verschiedene Spielweise verändert\nwird, möge man einmal sehen, wenn man das Rondo in\nsehr massigem Tempo spielt und statt Piano, was die\nersten 11 Tacte bis zum Cres andauern soll,\nnimmt. In diesem Falle wird der Anfang des Rondo sehr pathe-\ntisch klingen. Macht man indessen, wie sehr viele Virtuosen\nbei diesem Finale thun, von Anfang eine Parforce-Jagd mit\nSturm, nimmt man das Tempo ungefähr J = 126 l2B, so\nhat man ein wildes Appassionato.Beides aber ist unrichtig.\nWir würden das Tempo J = 104 nehmen, mit\ngleichsam ein wenig Sch erzando,anfangen und nachher die\nbrillant ausgedrückte Fröhlichkeit, welche in\ndem ganzen Stücke herrscht, durchführen. Gleichwohl ist\nauch ein gewisser Ernst unter dieser Fröhlichkeit verbor-\ngen; es ist, wenn man so sagen möchte, nicht eine leicht-\nsinnige, oberflächliche Heiterkeit, sondern die des besonne-\nnen Mannes; sie ist zuweilen untermischt von ernsten Ge-\ndanken und Fragen.\nWir wollen uns mit diesen Bemerkungen über Op.\n13 begnügen und gehen zu Op. 26 über. Von dieser\nschönen Sonate könnte wohl jeder Theil ein besonderes\nStück für sich ausmachen; die Variationen machen recht\ngut ein solches aus, und möge man dieselben allein vortra-\ngen, den Trauermarsch ebenfalls; Scherzo und Finale könnte\nman auf einander folgen lassen. Spielt man die Theile nach\neinander, wie sie in der Sonate stehen, so kommt auf die\nsanfte Traurigkeit der Variationen die ausgelassene Lustig-\nkeit des Scherzo,auf dieses Sch die dumpfen, furchtba-\nren und traurigen Klänge der Mar da funebre, auf diese\nim Finale die ruhige Fröhlichkeit, in den schönsten harmo-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5005, "texte": "Nischen und technischen Verschüngungen sich bewegend.\nImmer bedeutende Contraste. Wir glauben auch nicht, dass\nBeethoven die Sonate für einen ununterbrochenen Vortrag\nbestimmt hat, und es dürfte wohl hier eine Ausnahme von\nder gewöhnlichen Regel, alle T heile einer Sonate gleich\nnach einander zu spielen, angemessen sein.\nWas nun den Vortrag im Speciellen betrifft, so möch-\nten wir das Tempo des Thema's zu den Variationen\n56 nehmen, die erste Variation = 69, die zweite\n= 76, die dritte = 76, die vierte j* = 120, die\nfünfte J\"1 = 72. Beim Vortrage des Thema's und der Va-\nriationen vermeide man ja alles süssliche Schmachten in\nitaliänischer Manier. Die Melodieen sind geeignet, leicht eine\nsolche Manier aufzunehmen, wenn tjer Spieler sie hinein-\nlegen will; aber bei allen empfindsamen Melodieen Beetho-\nven's ist der Inhalt von vorn herein und nach der Absicht\ndes Componisten zu edler Natur, als dass er durch so etwas\nunwürdig Ueberschwängliches verunstaltet werden dürfte.\nEs würde zu weit führen, in Bezug auf den Vortrag\neines jeden Satzes ins Einzelne zu gehen; wir wollen uns\ndarauf beschränken, zu bemerken, dass alle Variationen,\nmit Ausnahme der dritten, mit einer gefühlvollen Buhe und,\nwir möchten sagen: seligen Empfindung gespielt werden\nmüssen, dass man in der zweiten Variation das Thema im\nBass und in der fünften Variation das Thema in der rech-\nten Hand, was hier der Daumen allein zu spielen hat, ge-\nhörig hervorheben möge, ohne jedoch im Geringsten\nzu stossen, was viele Spieler, nebenbei gesagt, sogar im-\nmer zu Anfange eines jeden Tactes thun. Die Melodie muss\nruhig, ganz piano,die Begleitung, die in der fünften Va-\nriation in beiden Händen liegt, ebenfalls ganz gehal-\nten werden, und doch muss die Melodie vorherrschen.\nDas Scherzo, Allegro molt nehmen wir J =\n84, das Tempo des Trauermarsches J = 66. Er fängt\nin As-mollmit dumpfen Trauerklängen über den Tod des\nHelden an; einige Tacte vor der Stelle in As-dur bis da-\nhin äussert sich der Schmerz in höchster Fülle mit Lei-\ndenschaft. In As-dur sieht man den verstorbenen Helden\neinen Augenblick in seiner Verklärung unter den Seligen,\nbei den .Fortisswio-Schlägen wird es Licht, der Himmel\nöffnet sich, bis bald darauf er sich wieder schliesst und die\nfrühere Trauer ihre Lieder singt.\nFür das Finale Allegro bestimmen wir das Tempo J\n= 100. Hier ist ein hastiges Jagen am unrechten Orte.\nMan befleissige sich beim Vortrage namentlich der reinsten\nDeutlichkeit und gebe wohl Acht auf den immerwährenden\nWechsel der Melodie zwischen der rechten und der linken\nHand, um sie, aber nur etwas, hervortreten zu lassen;\ndie Begleitung spielt auch eine Hauptrolle mit. In vielen\nStellen wetteifern beide Hände im z. B. im achten\nund neunten Tacte und später an ähnlichen Stellen. Der\nAbschnitt in der Mitte in C-moll kann mit etwas Leiden-\nschaft behandelt werden. Wir schliessen hiermit unsere Be-\nmerkungen über Op. 26, eine der allerschonsten Sonaten,\nwelche sich zum Vortrage im Concert sehr gut eignet.\nWenn von den Variationen jeder auch ganz unmusicalische\nMensch gerührt und ergriffen wird, so erfreut das l\"inale\nbesonders durch die Kunst in seiner Ausarbeitung,\ndurch seine technischen Schönheiten.\nWir gehen jetzt zu einer Sonate über, welche wieder\neinen Beinamen hat, Op. 27 in Cis-moll,vielfach genannt\n„Mondschein-Sonate\". Wir können zwar auch hier so recht\nnicht begreifen, aus welchen Wolken der Mond so freund-\nlich und still hervorleuchtet; eben so möchten die Empfin-\ndungen in einer warmen, mondhellen Nacht schwerlich der\nArt sein, wie die Empfindungen in der ganzen Sonate über-\nhaupt. Will man indessen durchaus etwas Mondscheinarti-\nges darin suchen, so finden wir es allenfalls im und\nScherzo. Im Adagio ist wohl eine süsse, träumerische Sehn-\nsucht ausgedrückt, die kühlen, sehnsüchtigen Wonneschauer\nim sanftesten Gesänge, lauter Empfindungen, weiche der\nMondschein sehr begünstigt, oder welche in der warmen,\nmondhellen Nacht leicht im liebenden Herzen sich regen.\nDas Scherzo wäre dann die Erfüllung dieser Sehnsucht,\ngleichsam der melodische und fortgesetzte Schluss von\nSchiller's „Erwartung\". Solche Erscheinungen unter den\nSterblichen beleuchtet wohl der Mond sehr oft und freund-\nlich, und in Bezug auf die beiden ersten Theile der Sonate\nmag man sie wohl Mondschein-Sonate nennen; da-\ngegen müsste man das Finale ganz hierbei\nausschliefen, denn es ist voll stürmischer Leidenschaft\neine Gemüths-Bewegung, welche der Mond nicht sehr\nfreundlich ansehen würde. Auch haben wir bei oder nach\ndem hellen Mondscheine kein Gewitter zu erwarten.\nBeim Vortrage des Adagio,wo fast immer der kleine\nFinger der rechten Hand die Melodie spielt, lasse man diese\nsanft vorherrschen und hüte sich vor steifer Behandlung\nder Begleitung; die J spiele man = 66, das J.BÖ.\nDas Finale,welches Presto agsein soll, darf also zu-\nweilen etwas im Tacte schwanken, es muss an manchen\nStellen mit einem gewissen Affect gespielt werden; das\nTempo ist überhaupt j = 176, und man hüte sich ja, die\nMelodieen, wie z. B."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 944, "texte": "u. s. w. viel langsamer zu spielen, als das Uebrige; es ist\nzwar die Manier vieler Virtuosen und Dilettanten, allein sie\nist unrichtig. Dann betone man bei den Schlägen\nund den häufig vorkommenden ähnlichen immer den er-\nsten Accord, nicht den zweiten, wie es oft geschieht;\ndenn das sfzsteht unter dem ersten Accord. Uebrigens\nsehe man genau nach allen Bezeichnungen des Vortrages;\nsie sind in vollkommen ausreichender Zahl unter den Noten\nangegeben. Nur noch ein Wort über den Gebrauch des\nPedals bei diesem Stücke. Beethoven hat hingesetzt „Senza\nsordino\" und „Con sordino\". Ersteres ist ohne Däm-\npfung, also mit aufgehobenem Pedal, letzteres mit\nDämpfung, also ohne Pedal. Man möge dieses wohl\nachten, um durch unzeitiges Pedal-Aufheben nicht Wirrwarr\nin das glanzvolle Tongemälde zu bringen. Man vergisst\nbeut zu Tage nur allzu oft, dass bei allem Glänze und aller\nstürmischen Bewegung doch immer eine verständliche\ntieit herrschen müsse."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-10-13-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-10-13_01#c008", "volume": "bmtnabi_1855-10-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "324", "page_fin": "325", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.2.2", "titre_corps": "Die Beschaffenheit einiger Lieder-Compositionen der Neuzeit.", "titre_sommaire": "Die Beschaffenheit einiger Lieder-Compositionen der Neuzeit.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.4", "debut_caractere": 946, "fin_caractere_exclue": 4649, "texte": "Die Beschaffenheit einiger Lieder-Compositionen der\nNeuzeit.\nWenn man in so vielen neueren Lieder-Compositionen\ndie Hauptsache, d. i. doch die Melodie, allein betracjir\ntet und sie sich ganz ohne alle Begleitung klingend denkj;\nso wie etwa ein Sänger, der, um sich von seiner Partie\ndie Hauptsache, d. i. das Treffen der Töne und deren\nrhythmische Folge, vorläufig zu sichern, die Noten leise\nsingend verfolgt, ihre Melodie wohl auch auf dem Ciavier\nals Grundlage spielt—, so ist nicht in Abrede zu stellen,\ndass einem dieselbe (die Melodie nämlich) oft ganz gewal-\ntig schaal, nüchtern, sogar unschön und dem Texte nicht\nentsprechend vorkommt, dass sie so zu sagen mit Don Car?\nlos „in ihres Nichts durchbohrendem Gelühle so da zu\nstehen sich verdammt\". Aber es tritt endlich die Begleir\ntung hinzu. Die vorige Sache gewinnt nun auf einmal ein\nganz anderes Ansehen, nicht sowohl durch die bestimmte\nharmonische Stütze allein, sondern auch insbesondere durch\nden geistigen und gemüthlichen Ausdruck. Ja, es thut die\nBegleitung ihrer Selbstständigkeit nach in vielen neueren\nLiedern sogar noch einen Schritt weiter ins dramatische\nGebiet hinein, sich recht angelegentlich mit der so genann-\nten Situations-Malerei oder mit der rein instrumentalen\nAusdrucks-Form irgend eines momentan herrschenden Af-\nfectes oder Gemüths-Zustandes beschäftigend. Es hat sich\nalso der Begleiter, wie Figura zeigt, schon etwas zu\nweit von seiner Dame Melodie entfernt, und er ist sogar\nnoch egoistisch und ungalant genug, diese bei Verfolgung\nder selbstischen Interessen gänzlich zu ignoriren.'Aber mit\nder Emancipirung der Begleitung die Instrumental-Musik\nhat im neunzehnten Jahrhundert und vorzüglich seit Beet-\nhoven ihren Höhepunkt im Ausdruck und in ihrer Selbst-\nständigkeit gefunden hat auch die Melodie sich emanci-\npirt, jedoch leider nicht auf eine edle Weise und zu ihrem\nVortheil überhaupt. Sie, das ehemalige schlichte Kind der\nNatur, das in einfacher Schönheit den Blick bezau-\nberte und fesselte, ohne es zu wissen, die als Königin im\nReiche der Tonkunst herrschte, ohne es zu ahnen, die sich\nin Unbefangenheit ganz und gar so gab, wie sie war T- sie\nhat auch den Civilisations-Weg betreten und wendet, da\nihr in der Gegenwart jene wirklichen Vorzüge nicht mehr\ngenügend erscheinen, nun die Künste der Toilette an, um\nihre sämmtlichen, nunmehr erkannten Reize einzeln auch\ngehörig ins Licht zu setzen, diese wo möglich mit glänzen-\nder Folie noch zu erhöhen, vielleicht gar noch durch fal-\nsche, künstliche Zusätze zu vermehren. Begegnen wir nun\nheut zu Tage einer solchen Melodie-Coquette, so „merken\nwir auch bald ihre Absicht und werden—verstimmt\". Aber\neben diese Mittel muss der sich selbst untreu Gewordenen\nihr ungetreuer Begleiter sämmtlich liefern, dem sie nun\ngerade und aus capriciöser Revanche die tyrannische Pflicht\nauferlegt, sich unausgesetzt ihren Launen zu opfern, währ\nrend sie selbst sich des süssen befleissigt,\nwährend ihrem Munde, sobald er sich zum Reden öffnet,\nentweder Ziererei und Unnatur oder Fad- und Plattheiten\nentströmen. Wo daher gegenwärtig die Melodie in ihrer\nmehr schwächlichen Natur mit dem Ausdrucke und\nihrem Berufe nicht zusammengeht, ihm vielmehr nachhinkt,\nda soll und muss nun die Begleitungs-Krücke aushelfen\nund einen ordentlichen Gang herzustellen suchen. So ist* s,\nund wie war's? Da liegen im staubigen Musik-Archive\nalte „Lieder im Volkston\" von J. A. P. Schulz, die, längst\nverschollen, Niemand mehr dem Namen nach kennt, die\nnichts desto weniger aber doch noch immer so rein und\nfrisch, so natürlich, so gemüths- und ausdrucksvoll sind, dass\ndie Nachwelt hier in die Schule gehen kann, falls sie dies\nnicht unter ihrer Würde hält. Fragt man nun zunächst:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1757, "texte": "worin liegt denn ihre Wirkung oder Schönheit überhaupt?\nSo ist nur zu antworten: in der reinen Sache und Gewalt\nder Melodie, welche ganz isolirt schon so allmächtig\nwirkt, wie sie überhaupt als Volkslied und im Munde\ndes Individuums nur wirken kann und soll. (So auch Mo-\nzart's: „Ein Veilchen auf der Wiese stand\".) Die Beglei-\ntung geht ihr zwar als ein getreuer Liebhaber wohl zur\nSeite, und sie selbst widerstrebt ihm nicht, da er sich nun\neinmal lür sie interessirt; jedoch spricht sie auch wohl in\nbesonderen Fällen, wie Gretchen in Göthe's Faust: „Kann\nungeleitet nach Hause gehn\". Um so mehr muss also\nauch das Beiwerk in seinen Schranken bleiben und\nda, wo es als dienend berufen, nicht die Herrschaft usur-\npiren wollen. Mozart's G-moll-Arie der Pamina aus der\nZauberflöte—wer kennt sie nicht, diese köstliche Perle aus\nder immer grünen, ewig jungen Oper?—athmet hier nicht\nschon die Melodie allein den bangen Seelenschmerz,\ndie trübe Hoffnungslosigkeit eines weiblichen Gemüthes\nauf das natürlichste und schönste zugleich? Und da klagen\ndenn auch die Instrumente eines wie das andere mit, und\nes ziehen über die Seufzerbrücke der Streich-Instrumente\n(JTjj JV»)» derßlas-Instrumente zauberhafte Ton-Elegieen.\nKurz, Alles will der Melodie ein Echo geben, damit sich\nihr Klagelaut auch im Mitgefühl brechen und somit ihr\nSchmerz auch lindern möge. So bildet der rechtmäs-\nsige Verein ein schönes Ganzes. Wer könnte wohl\nder Begleitung hier eine dramatische Gelühls-Situation ab-\nläugnen? Aber dennoch hat die Melodie nichts von ihrem\nVorrang eingebüsst, ohne sich doch zugleich auf Kosten\nder Begleitung Vernich las s igt zu sehen, sie, die doch\nvon Rechts wegen und ganz gewiss recht npar excellence!\"\n-*-zur Herrschaft über das Gemüth berufen ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-10-13-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-10-13_01#c009", "volume": "bmtnabi_1855-10-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "325", "page_fin": "326", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.2.3", "titre_corps": "Allegri’s Miserere.", "titre_sommaire": "Allegri’s Miserere.", "signature_source": "L. Rellstab", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.5", "debut_caractere": 1759, "fin_caractere_exclue": 5059, "texte": "Allegri’s Miserere.\n\nBei dem ausserordentlichen Rufe des Miserere von\nGregorio AMegri wird es den Lesern nicht unwillkom-\nmen sein, einige kurze Notizen über den Componisten und\nsein Werk zu lesen. Gregorio Allegri wurde am 6. De-\ncember 1629 als Sänger in der päpstlichen Capelle aufge-\nnommen und verblieb daselbst bis zu seinem Tode, nach\nBaini's, einer zuverlässigen Autorität, Angabe, 1652, am\n18. Februar. Sein Geburtsjahr ist ungewiss. Er ward in\ndem gemeinsamen Gruftgewölbe der päpstlichen Sänger be-\nstattet, welches die Inschrift führt: Cantores pontifmi, ne,\nluos vivos Concors melodia junx\ntesolutio dissolveret, hic una condi voluere. (Die päpstlichen\nSänger, im Leben durch die melodische Einheit eng ver-\nbunden, wollten, damit ihre Körper nicht im Tode zerstreut\nwürden, hier gemeinsam begraben sein.) Unter den vielen\nernsten, contrapunktischen Werken Allegri's ist sein Mise-\nrere das berühmteste. Es wurde seit allen Zeiten in Rom\nin der Charwoche zweimal, am Mittwoch und Charfreitag,\nin der Peterskirche, in Gegenwart des Papstes, der Cardi-\nnäle und der ganzen hohen Geistlichkeit ausgeführt. Die\nKirche ist dabei schwarz verhängt und wird von den\n4000 Lampen des in der Kuppel-Zelle schwebenden Kreu-\nzes erleuchtet. Ein Berichterstatter, Dr. Hohnbaum, der\ndas Miserere im Jahre 1782 gehört hat, sagt darüber, in-\ndem er es mit der russischen Kirchenmusik vergleicht\n(die schon durch Schlözer 1761 —65 als von wunderba-\nrer Trefflichkeit geschildert wird): „Das russische Concert\nbeschäftigt nur das Ohr, das römische hingegen erschüt-\ntert zugleich die Nerven eines anderen Sinnes, des Auges,\nund reisst hauptsächlich durch Täuschung und Betäubung\nhin. Das Miserere längt Abends 7 Uhr an; die ganze Ca-\npelle ist schwarz behängt, der Papst und die Cardinäle lie-\ngen alle auf den Knieen, beim Eingange brennen Fackeln,\nin der Capelle Kerzen. In den zwei letzten Chören, wo der\nTact Langsamer wird, wird eine Fackel, eine Kerze nach\nder anderen ausgelöscht, und die Sänger selbst verchwin-\nden allmählich einer nach dem anderen und gehen wie die\nLichter aus. Welch erstaunliche Wirkung muss dies alles\nauf die Hörer thun!\"—Jacobi in seinen Briefen aus Italien,\n1805, schildert die Wirkung folgender Maassen: „Das\nMiserere lässt alles, was ich bisher von Kirchenmusik ge-\nhört habe, weit hinter sich. Mir ward die Stellö unsicher\nunter den Füssen, und ich beneidete den Papst und die\nCardinäle zum ersten Male in meinem Leben um ihren\nruhigen Platz: so gern hätte ich mich hingeworfen, mich\nsatt weinen und klagen mögen. Nie hat mich etwas so er-\ngriffen und bewegt, wie dieser Gesang. Himmlisch muss\ndie Seele des Mannes gewesen sein, der eine solche Har-\nmonie zuerst erfinden konnte.\" Das Werk ist allerdings\nein edles, grossartiges, doch gegen andere verwandte Ar-\nbeiten nicht in dem Maasse hervorragend, wie diese Schil-\nderung glauben lassen sollte. Wenigstens hat ein grosser\nTheil seiner Wirkung mit in der Kunst der Ausführung,\ndamals noch eine alleinige Eigenschaft der Sixtinischen Ca-\npelle, gelegen. Dalür spricht folgende Anekdote: Kaiser\nFranz I. hatte so viel von dem Miserere und dessen Wir-\nkung gehört, dass er den Papst um eine Abschrift bat. Bis\ndahin war das Werk ein unzugängliches Eigenthuui der\npäpstlichen Capelle gewesen. Doch der Papst eriüllte den"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1949, "texte": "Wunsch des Kaisers und sandte ihm eine Abschrift. Das\nMiserere ward zu Wien von den geschicktesten Sängern\nausgeführt, aber ohne die geringste Sensation zu machen.\nDer Kaiser glaubt, man habe ihm eine verlälschte Abschrift\ngesandt, und erhebt Klage beim Papste. Dieser lässt seinen\nCapellrneister vor sich kommen, welcher ihm sagt: „Heili-\nger Vater, wir haben wohl unsere Partitur, aber nicht un-\nsere Sänger nach Wien schicken können.\" Seitdem ist\nes in Deutschland vielfältig aufgeführt worden. Im Jahre\n1831 in Prag mit einer Besetzung von 117 Stimmen.\nIn Wien noch 1835, in München 1834; schon früher,\n1816, in der Michaelskirche daseibst, nachdem Lindpaint-\nner, damals Musik-Direclor in München, ein eige-\nner Composition mit Pauken und vielen Blas-Instrumenten\nauf dem Isarthor-Theater gegeben hatte, „ wo\", lautet der\nBericht, „um aller Geschmäcke Geschmack, wie es in den\nXenien heisst, zu befriedigen, geistliche Vorstellungen mit\nKofzebue's Rehbock wechselten.\" In Kassel wurde das\nMiserere 1812 gesungen, allein der Bericht darüber erklärt\ndie Unternehmung für eine unausführbare; doch eine Note\ndazu bemerkt, dass Schicht in Leipzig es mit seinen\nThomas-Schülern schon früher ausgeführt habe, und zwar\nmit einer sehr schönen Wirkung. In Berlin ist es vom Dom-\nChor zuerst im Januar 1855 aufgeführt worden. (Vergl.\nNr. 9 vom 3. März d. J.) Es muss nach den alten Ueber-\nlieferungen durch zwei Chöre, einen vier- und einen fünf-\nstimmigen, gesungen werden. Doch hat die berliner Biblio-\nthek eine schriftliche Partitur aus Pölchau's Nachlass,\nwo beide Chöre fünfstimtnig sind; muthmaasslich ist die\nfünfte Stimme dem einen später zugefügt. Einer Ueberlie-\nferung nach sollen die in diesem Stücke mit rother Dinte\ngemachten Vorschriften über den Vortrag, welche die Schät-\nzungen angeben, die bei der äusserst sorgfältigen Be-\nhandlung in der Aufführung durch die Sixtinische Capelle\nbeobachtet werden, von Mozart herrühren.\n\nL. Rellstab."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-10-13-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-10-13_01#c010", "volume": "bmtnabi_1855-10-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "326", "page_fin": "327", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.2.4", "titre_corps": "Aus Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.6", "debut_caractere": 1951, "fin_caractere_exclue": 4848, "texte": "Aus Wiesbaden.\nDass die diesjährige Concert-Saison eine vor anderen\nhervorragende war, wird Niemand bestreiten, der den man-\nnigfaltigen Genüssen, die sie darbot, folgen konnte.\nObwohl noch nicht zur Saison gehörend, dürfen wir\ndennoch das Concert von Herrn Ehrlich, im Saale zum\nAdler veranstaltet, nicht übergehen, in welchem der Con-\ncertgeber Beethoven's Sonate Op. 47 für Ciavier und\nVioline mit Herrn Concertmeister Fischer würdig zu Ge-\nhör brachte. Fräul. Mo 1 exn do, die Herren Brunne r und\nMinetti sorgten durch Lieder-Vorträge für Abwechslung ;\nerstere durch Lieder von Schubert und Mendelssohn, letz-\nterer durch den Vortrag zweier Lieder von Barth: „Sei\nstill\" und „Grüsse\". Ausser drei Charakterstücken für\nCiavier, Violine und Violoncell, von den Herren Ehrlich,\nFischer und Grimm gespielt, hörten wir noch ein Pasto-\nrale von Dupont, die Liszt'sche Uebertragung des „Lob\nder Thränen\" und den unvermeidlichen Carnevai; sämmt-\nliche drei Nummern vom Concertgeber gespielt.\nMan sagt, Herr Minetti habe unsere Concert-Saison\nmit seinem Abschieds-Concerte würdig eröffnet. Von man-\ncher Seite her wurde dieses Lob bestritten. „Glockenge-\nläute\", „Thränen\", „Wanderer\", „Gebete\", Duos und\nArien, Phantasieen und Impromptu's, Etüden und Polka's\nboten viel des Pikanten und oft Dagewesenen. Herr Ehr-\nlich vertrat das Ciavier.\nHerr Colbrun von Paris veranstaltete ein Concert, in\nwelchem wir als hervorragendste Erscheinung Herrn Ru-\nbinstein begrüssten; wir hörten ihn zunächst in seinem Trio\n(Nr. 2, G-moll), dann in den Solo-Vorträgen „Nr. 5 de\nVAlbum Kamenvioslrow\", „Berceuse\" und in einer\nEtüde. Herr Colbrun besitzt eine ausgiebige Bassstimme;\nMad. Colbrun glänzt durch Coloratur, ohne jedoch zu er-\nwärmen; dasselbe gilt von ihrem Gatten. Herr Concert-\nmeister Fischer und Fräul. Wilhelmine Birch von Berlin\nunterstützten das Concert. Was Herr Rubinstein als Com-\nponist und Virtuose ist, haben diese Blätter zum Oefteren\nbesprochen.\nHerr Alfred Jaell folgte dann mit einem Concerte, in\nwelchem Mendelssohn's Trio (Op. 66, Nr. 2) von Jaell,\nConcertmeister Baldenecker und Grimm vollendet zu Gehör\nkam. Herr Jaell, der in jedem Genre des Ciavierspiels sei-\nnen Meister sucht, spielte noch Prelude Nr. 15 von Cho-\npin, Fuge in C-moll von Bach, die Transscription eines eng-\nlischen Volksliedes, Reminiscenzen ausLohengrin und Tann-\nhäuser, seine „Deuxieme Barca\nund den „Carnevai\". Ein Fräul. Strauch strauchelte über\nmehrere Lieder mit Keckheit hinweg.\nHerr Jaell liess bald ein zweites Concert folgen.\nMit Herrn Baldenecker spielte er Schumann's Sonate Op.\n121, D-moll.Das Scherzo in von Chopin, die\nobenerwähnte Transscription, eine Phantasie über Themata\nPUS Norma füllten den übrigen Theil des Concertes, das\nFräul. Will (Cantatrice du Thedtre della Scala de Milan) mit\nbestem Willen, wenn auch schwachen Leistungen, vervoll-\nständigte. Eine „Polka de Salonnach vorher gehörtem"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4637, "texte": "„ Banse des Sylphes\", schloss das Concert, welches schwach\nbesucht war. Herr Jaell ist bekannt als äussert eleganter\nCiavierspieler; sein Spiel ist entzückend (so sagen nament-\nlich gern die Damen), wenn auch nicht elektrisirend, wie\nman Rubinstein's Spiel nennen könnte.\nHerr Rubinstein veranstaltete unmittelbar nachher eine\nSoiree, in welcher er mit den Herren Fischer und Grimm\nsein erstes Trio (F-dur) spielte. Es liegt Geniales in den\nCompositionen Rubinstein's; sein Spiel ist grossartig, oft\nnur etwas zu stürmisch. Fräul. E. Freinsheim aus Biebrich\n(in Leipzig und Mailand gebildet) sang eine Arie aus den\nPuritanern und eine andere aus dem Freischütz; sie be-\nkundet italiänische Schule und Einfluss, Caricatur im Aus-\ndruck, schwache Mittel, aber geringe Hoffnung auf Besser-\nwerden. Die hohen Lagen sind forcirt, das Brust-Register\nauf Kosten jener ruinirt. Wann hört man doch endlich auf,\nselbst schöne Stimmen nach Italien zu schicken und sie\ndort mit senwerem Gelde, eingebüsster Gesundheit und er-\nloschener Musikfreude zu Ruinen und zur Unnatur ausbil-\nden zu lassen! Der Eitelkeit folgt die bittere Enttäuschung.\nHerr Rubinstein spielte mit steigendem Beifalle ein\nNocturno von Field, ein Duo des soirees musicales de Ros-\nsini von Liszt, Berceusevon Chopin,\nd'Athenes von Beethoven, ein Duo du „Prophete\" pour\n13iano et Violon, mit Herrn Fischer eine Romance und 7a-\n.ntelle,von ihm selbst componirt. Da war Bravour das\nGeringste, jeder Ton Geist, Seele, Leben. Er hat hier durch\nseine Compositionen, wie durch sein eminentes Spiel einen\nnachhaltigen Eindruck zurückgelassen. In einem späteren\nConcerte wiederholte er das letztere Duo aus dem Prophe-\nten und spielte noch ein Nocturno und eine Etüde von\neigener Composition. Fräul. Marx von Darmstadt, die Her-\nren Dalle Aste, Reer, Frau Jagels-Roth und Herr Fischer\nwirkten in demselben mit. Die für dieses Concert ange-\nzeigte Mitwirkung des Fräul Freinsheim unterblieb.\nDer Violinist Jacobi und der Clavierspieler Lan-\nge r t, beide aus Coburg, veranstalteten eine Soiree, in wel-\ncher Beethoven's Grande Sonate concertante (zweiter und\ndritter Satz) gepielt wurde. Scherzo pour Piano, Cascade\npour Violon, Elegie de Ernst Cavatine und Variationen,\ngesungen von Emma Wernicke-Bridgeman, (Prima donna\nassoluta de l'opera italienne d u. s. w.\nIn einer folgenden Matinee spielte Herr Jaell eine\nPhantasie über Motive aus der Regimentstochter, die Bal-\nlade, Op. 25, von Chopin und seine Melodie Frau\nJagels-Roth, Frau von Stradiot-Mende, Fräul. Genart, die\nHerren Reer und Thelen wirkten darin mit. Der Ertrag\nwar zum Besten eines erblindeten Chorsängers.\nHerr Ehrlich gab sodann ein Concert, in welchem\ner mit Herrn Rubinstein das Allegro, Scherzo und Adagio\nder neunten Sinfonie von Beethoven, lür zwei Pianoforte's\nvon Liszt übertragen, spielte. Madame Mirlan Carvaiho\nentzückte durch Schubert'sche Lieder sowohl, als durch\neine Arie aus Lucia; Herr Carvaiho unterstützte sie in\neinem Duo. Der Concertgeber spielte noch eine von ihm\nselbst componirte Phantasie über Themata aus dem Frei-\nschütz, eine Ballade eigener Compositum, Etüde von Cho-\npin, Un portrait de femme von Rubinstein und seine Polka-\nEtude. Die Sinfonie nahm das grösste Interesse in\nAnspruch.\nDer Violinist Louis Eller aus Paris gab. mit Herrn\nJaell ein Concert, in welchem sie die C-moll-Sonate für\nPiano und Violine von Beethoven spielten. Herr Eller zeigte\nsich als Meister seines Instrumentes; grosser, schöner Ton\nund bewundernswürdige Fertigkeit zeichnen ihn gleich sehr\naus. Im Theater spielte Herr Eller nochmals die Chaconne\nvon Bach „Ah! vorn dirai-je Maman\"von ihm variirt, ein\nMenuet sentimental und „Corrente\", beide Piecen von ihm\nselbst componirt.\nDie Oper brachte uns viele Gäste; vor Allen machte\ntiefen Eindruck Herr Tichatschek in seinen bekannten\nRollen; Dalle Aste, Reer, Schütke, Colbrun (Sarastro). Die\nbesten Rollen dieser Herren sind in weiteren Kreisen be-\nkannt. Lohengrin, Tannhäuser, Fliegender Holländer, Pro-\nphet, Nordstern, Hugenotten, Robert, Hochzeit des Fi-\ngaro, Don Juan, Zauberflöte, Fidelio, Martha wechselten\nmit Lucia, Norma, Czaar, Regimentstochter u. s. w. 11. s. w.\nab. Die Oper, besonders im Sommer, hört hier ganz auf,\nein „Kunst-Institut\" zu sein; es ist eben „Saison\", und\nsie thut Uebermenschliches zur Abhetzung des sehr tüch-\ntigen Orchesters, um das Fremden-Publicum anzuziehen.\nGast folgt auf Gast, und die Abonnenten verkaufen ihre\nBillets der fortwährenden Suspendu's wegen.\nDie Räume des Curhauses sind glänzend renovirt und\nerweitert. „Spiel\" drinnen und draussen. Morgens\nan der Trinkhalle spielt jetzt ein Theil des Theater-\nOrchesters."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-10-13-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-10-13_01#c011", "volume": "bmtnabi_1855-10-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "328", "page_fin": "328", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5956, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAachen. Der aachener Männergesang-Verein Concordia,\nwelcher nicht, wie es in Nr. 39 dieses Blattes bemerkt ist, von\nHerrn F. Wenigmann, sondern von Herrn C. F. Ackens dirigirt\nwird, hat an dem Gesang-Wettstreite, welchen die brüsseler Ge-\nsellschaft der Grande Harmonie während der diesmaligen September-\nFeste veranstaltete, mit achtzig Sängern Theil genommen und in\nglänzender Weise gesiegt. Derselbe sang Lieder von Weber,\nReichä<dt und Kücken und riss die Zuhörer zu ungemeiner\nBegeisterung hin, so dass die Jury, nachdem sie ihm einstimmig den\nersten Preis zuerkannt, die braven Sänger aufforderte, die Feierlich-\nkeit mit noch einem weiteren Vortrage zu beschliessen. Die Con-\ncordia entledigte sich dieser Aufgabe durch den Vortrag eines\näusserst schwierigen Chors, „Die griechischen Corsaren\" betitelt,\nwelcher von dem belgischen Componisten E. Soubre eigens für\nden Concurs um den Prix d'excellence geschrieben worden war\nund von allen Concurrenten (die vorher schon irgend einen ersten\nPreis haben mussten) hätte ausgeführt werden müssen. Es hatten\nsich aber ausser der Concordia keine Mitbewerber, weder belgische\nnoch deutsche, gemeldet; bloss hatte sich der neusser Männerge-\nsang-Verein anfänglich noch dazu einschreiben lassen, sich später\naber, und zwar zwei Wochen vor dem Feste, zurückgezogen. Die\naachener Sänger waren dadurch die Helden des Tages in Brüssel,\nwurden in aller möglichen Weise beehrt und gaben anderen Tages\nnoch eine Seance musicale, in welcher sie eine Reihe anderer deut-\nscher Lieder unter dem grössten Beifalle vortrugen, so dass die\nbelgischen Musikfreunde neuerdings die Superiorität des deut-\nschen Gesanges über ihre eigenen Leistungen auf diesem Gebiete\nim vollsten Maasse anerkannten. Und doch haben sich diese ihre\neigenen Leistungen zu einem hohen Grade der Vollkommenheit\nausgebildet, wrovon unter Anderem die Vorträge der lütticher Ge-\nsellschaften und der festgebenden Gesellschaft selbst, sodann jener\nvon Lille, Gent und Brügge, das schönste Zeugniss ablegten. Diese\nvorzüglicheren belgischen Leistungen vereinigen alles, was man an\nKraft, Vehemenz des Angriffs, Reinheit, Weiche der Tenore, Zart-\nheit der Piano's und an vollendetem Ensemble nur verlangen kann;\ndoch fehlt ihnen der lyrische Timbre, die verschiedenartige Färbung,\ndie Poesie, das Wohlthuende des deutschen Liedes, die Rundung\nin der Kraft des Chors, mit Einem Worte: die edleren musicali-\nschen Eigenschaften, und weil diese selbst auf den weniger be-\nwussten Zuhörer stets ihren Einfluss ausüben, so hatte die Concordia,\nwelche unzweifelhaft jetzt mit zu den besten deutschen Instituten\nfür Männergesang zählt, jenen grossartigen Erfolg jetzt in Brüssel,\nwie sie ihn vor drei Jahren auf französischem Boden, in Lille, dem\ndeutschen Gesänge erfocht.\nDie Stadt Aachen erkannte den Ruhm, welchen ihre Söhne ihr\nneuerdings im Auslande auf dem Gebiete der Kunst erworben, an\ndurch einen glänzenden Empfang der Sänger bei ihrer Rückkehr.\nDie städtischen Behörden, die verschiedenen musicalischen, Schützen-\nund anderen Vereine, so wie eine unermessliche Menge geleiteten\ndieselben zu ihrem Gesellschafts-Locale zurück unter den herzlich-\nsten Glückwünschen.\nIn Berlin gibt der Stern'sche Orchester-Verein ein Liszt-Con-\ncert; das Programm enthält zwei symphonische Dichtungen: „Les\nPreludes(< und „Lamento e Trionfoein Ave Maria, den 131. Psalm\nund das erste Ciavier-Concert in Es-dur; alles Compositionen von\nFranz Liszt.\nParis. Der kölner Männergesang-Verein hat in allen seinen\nhiesigen Conccrten den grössten Beifall erworben. Sämmtliche Or-\ngane der Presse sind seines Lobes voll. Die France Musicale sagt\nam Schlüsse eines Leit-Artikels „Der kölner Männergesang-Verein\": ]\n„Man kann sich keine Vorstellung raachen von der Voltendung\ndieser Chöre: es ist wahrhaft wunderbar. Die Sänger haben alle\nschöne, frische, kräftige Stimmen; alle singen mit Liebe; mit Einem\nWorte: es herrscht eine Einheit in der Auffassung und im Vor-\ntrage, welche die grösste und ergreifendste Wirkung hervorbringt.\nEhre den Sängern, Ehre der Stadt Köln, wo die Musik mit sol-\nchem Eifer und solchem Erfolge gepÜegt wird!\"\nWtozart'Stiftnn g.\nBekanntmachung und Einladung.\nDie zu Frankfurt am Main bei dem im Jahre 1838 dahier Statt\ngefundenen Sängerfeste gegründete\nMozart-Stiftung\nhat ein Stipendium zu vergeben- Es kommen hierbei nachfolgende\nBestimmungen der Statuten in Betracht:\ng. 1. Die Mozart-Stiftung bezweckt Unterstützung musicalischer\nTalente bei ihrer Ausbildung in der Compositionslebre.\n§. 2. Jünglinge aus allen Ländern, in denen die deutsche Spra-\nche die Sprache des Volkes ist, können diese Unterstützung i\nAnspruch nehmen, wenn sie unbescholtenen Rufes sind und bes\ndere musicalische Fähigkeiten besitzen.\n§. 25. Bewerbungen um die Stipendien der Stiftung werr' ja\nfrankirten Zuschriften bei dem Ausschusse gemacht ; dieselbe s-\nsen nebst Angabe des Alt; rs mit Zeugnissen über die u.\nsehen Fähigkeiten und Leistungen des Bewerbers begleitet sein .\n§. 26. Genügen Zeugnisse und Erkundigungen, so wird der\nBewerber vom Ausschusse aufgefordert, seine musicalische Befähi-\ngung durch die That nachzuweisen ...\ng. 33. Der Stipendiat der Mozart-Stiftung wird sodann nach\nWahl des Ausschusses, wobei jedoch der Wunsch des Schülers\nmöglichst berücksichtigt werden soll, einem Meister in der Com-\npositionslehre zum Unterrichte übergeben.\nWir laden nunmehr zur Anmeldung bei uns, binnen zwei Mo-\nnaten von unten gesetztem Dalum an, alle diejenigen ein, welche\ngeneigt und nach obigen Vorschriften geeigenschaftet sind, si'1\num dieses Stipendium zu bewerben.\nZugleich ersuchen wir alle verehrlichen Redactionen deutscher\nZeitungen und Zeitschriften, dieser Bekanntmachung zu deren\nmöglichst allgemeiner Verbreitung einen Platz in ihren Blättern\ngeneigtest vergönnen zu wollen, und sind dafür zum Voraus dank-\nbar verpflichtet.\nFrankfurt am Main, den 15. September 1855.\nDer Verwaltungs-Ausschuss der\nMozart-Stiftung."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.1", "texte": "Bemerkungen\nüber den Vortrag einiger Beethoven’schen Sonaten.\nVon w. K.\nEs ist freilich ein gewagtes Unternehmen, die kostbar-\nsten Steine in Beethoven's Diamanten-Kranz, seine unver-\ngleichlichen Sonaten, zu einer verständlichen Anschauung\nder mehr oder minder gebildeten Musikfreunde zu bringen;\nindess trauen wir unseren Ueberzeugungen schon nicht\nwenig zu, und wir wollen einer gewiss guten Sache nach\nKräften dienen.\nAlle Welt spielt Beethoven's Sonaten, aber wie\nverschieden! Woher kommt es, dass man vielfach von\nLeuten, die doch Gefallen an guter Musik haben, hört:\n,Ach, unverständlich! nur Musik für Kenner!\" Weil man\nohne Idee vom Inhalt des Ganzen die Noten herunterleiert,\ndas Tempo im Allegro gewöhnlich zu langsam und im An-\ndante zu schnell nimmt, oder umgekehrt das jagt\nund das Andante schleppt; weil man auf die genauen Be-\nzeichnungen des Rhythmus und der Vortragsweise nicht\nAcht gibt. Dann freilich sind die Sonaten höchstens noch\nFinger-Uebungen oder Beispiele für harmonische Studien.\nLeidet es aber wohl die schuldige Pietät gegen unseren\nMeister, dass seine herrlichen Charakter- und Phantasie-\nStücke zu Instructionen für Finger-Bewegung dienen? Nein,\nein eben fähiger Spieler soll sich an dem schönen Vortrage\nder wundervollen Stücke erfreuen; der eigentliche Zweck\nist: geistige, musicalische Bildung, Erhebung\ndes Gemüthes, Aneignung der edelsten Begei-\nsterung für das Erhabene und Schöne. Man ge-\nwinnt nebenbei die solideste, beste Virtuosität.\nBei einer Anleitung zum richtigen Vortrage der So-\nnaten ist wohl zunächst das Wichtigste die Bezeichnung\nder Tempi mit Zahlen nach Mälzel's Metronom, und wir\nhaben hier zu bedauern, dass dieses vor Op. 101 nicht\nvon Beethoven selbst geschehen konnte; es wäre sonst\neiner so unendlich verschiedenen und grösstentheils unrich-\ntigen Spielweise der Sonaten begegnet. Es existirt zwar\neine Ausgabe Beethoven'scher Sonaten, von Moscheies me-\ntronoraisirt; allein ist irgend jemand, der nicht mit Beet-\nhoven zusammen gelebt und ihn selbst über diese Dinge\ngehört hat, als Autorität anzusehen, was die Auffassung\nseiner Werke betrifft? Zudem kann auch nicht jeder die\nMoscheles'sche Ausgabe anschaffen, und wir wollen daher\nin diesen Artikeln für jeden Theil der Sonaten das Zeit-\nmaass anführen, welches wir für angemessen erachten, und\nandere Kunstkenner mögen darüber richten, wie weit die-\nses einem gebildeten Gescbmacke entspricht.\nWir wollen von den Sonaten zunächst diejenigen,\nwelche als die beliebtesten gelten und von Künstlern und\nKunstfreunden am meisten gespielt werden, besprechen,\nnämlich Op. 13, Sonate patheOp. 26 in\nOp. 27 in Cis-moll,dann Op. 31 in und Op. 5 7\nin F-moll.\nWir wissen nicht recht, ob die Bezeichnung „patke-\nlique\" von Beethoven selbst beigegeben ist, und möchten\nes eigentlich bezweifeln, da wir durchgängig nicht einen\npathetischen Charakter in der e, Op. 13, wahr-\nnehmen können. Doch bei aller Welt ist sie als „pathe-\ntique\" bekannt, und wir finden diesen Charakter auch na-\nmentlich in der Introduction zum ersten Allegro, „\ngraveu, mit den breiten, gravitätischen Accorden, welche\ndenn auch in schwerem, gemessenem Tritte einhergehen.\nBeim Vortrage der ganzen Introduction ist daher alle tän-\ndelnde Leichtigkeit zu vermeiden, was man bei den Stellen\nund ähnlichen wohl beachten möge; es muss immer der\ngrösste, ruhige Ernst herrschen; die Figuren in 64steln\nund 128steln sind allein auszunehmen, sie sind aber auch\nnur brillante Verzierungen. Das Tempo, welches durchaus\nim ganzen Theile nicht schwanken darf, da jedes so ge-\nnannte gefühlvolle Säuseln und Schmachten hier ganz am"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.2", "texte": "verkehrten Orte wäre, würden wir nach Mältzel's Metronom\nnehmen 58.\nDas erste Allegro ist, die Einschaltungen aus der In-\ntroduction abgesehen, mehr ein alsPöf\ndie energische Leidenschaft fängt piano an, steigert sich,\nnimmt wieder ab, steigert sich wieder von Neuem, und so\nfort, bis der Kampf in der Melodie in einfachen /4-Noten\nfür beide Hände auf einen Augenblick einen Ruhepunkt\nfindet. Doch die Ruhe kann nicht andauern; bei der Stelle:\nu. s. f. beginnt die Leidenschaft von Neuem, und wir ge-\nwahren im Verlaufe des Satzes bald Kampf, bald Ruhe,\nbis der Schluss im letzten Alleg auf das\ngleichsam klagende und innigst bittende (Seite 9\nder Ausgabe) mit entschlossenem, unbeugsa-\nmem Willen antwortet, gleich einem unumstösslichen Be-\nfehle. Das letzte „Grave\", obgleich in Form den anderen\nPerioden mit dieser Bezeichnung gleich, ist natürlich vom\nPathetischen auszuschliessen. Das Tempo des ersten Alle-\ngro nehme man 144—152; 144 ist zuweilen etwas\nschleppend, dagegen 152 meistens zu schnell; man stelle\nden Schieber am Pendel des Metronoms zwischen 144 und\n152 in die Mitte, und man wird ein Tempo bekommen,\nwelches fast immer entsprechend ist. Sodann hüte man sich\nwohl vor der sehr häufigen Manier, die Stellen in blossen\n1/4-Noten für beide Hände viel langsamer zu spielen, als\ndas Uebrige; Alles muss gleich schnell, oder eine Abwei-\nchung im Tempo darf kaum merklich sein. Das Tempo des\nAdagio nehmen wir = 60 und bemerken, dass es auch\nnicht eigentlich pathetisch gespielt werden darf. Der Um-\nstand jedoch, dass die Sonate heisst, dürfte\nvielleicht Manchen verführen, da, wo es nur eben möglich,\netwas Pathetisches hineinzulegen, durch die Vortragsweise\nhervorzubringen. Auf der ganzen ersten Seite der Andre'-\nschen Ausgabe, welche nach den Original-Manuscripten ge-\nstochen sein soll, fehlt bei dem Adagio jede Bezeichnung\ndes Ausdruckes; es ist kein Forte, kein Piano, Crescendo\nu. s. w. beigegeben, und wenn nun Jemand die Melodie in\ndiesem wohl zweifelhaften Falle forte oder auch nur mezzo-\nforte spielte, so bekäme sie einen breiten, gemessenen Cha-\nrakter; wir meinen aber, dass der Charakter des ganzen\nAdagio mehr empfindsamer, klagender Natur ist und das-\nselbe zu Anfang recht piano,mit gehöriger Hervorhebung\nder Melodie, welche allein in den obersten Noten besteht,\ngespielt werden muss. Ein Cr wäre wohl nach der\nStelle\nanzuwenden und ein nach\nu. s. w. Später finden sich die nöthigen Bezeichnungen\nunter den Noten, und man wird auch leicht erkennen, wo\neine Stelle Leidenschaft und eine andere etwas Finsteres,\nDämonisches hat und den angemessenen Vortrag vom Spie-\nler verlangt. Das Ganze ist mehr eine ruhige, innige Klage.\nDas Finale (Rondo Allegro)ist durchgängig weder pa-\nthetisch noch leidenschaftlich, sondern es zeugt mehr von\neiner entschlossenen Heiterkeit. Wie sehr aber auch hier\nder Charakter durch eine verschiedene Spielweise verändert\nwird, möge man einmal sehen, wenn man das Rondo in\nsehr massigem Tempo spielt und statt Piano, was die\nersten 11 Tacte bis zum Cres andauern soll,\nnimmt. In diesem Falle wird der Anfang des Rondo sehr pathe-\ntisch klingen. Macht man indessen, wie sehr viele Virtuosen\nbei diesem Finale thun, von Anfang eine Parforce-Jagd mit\nSturm, nimmt man das Tempo ungefähr J = 126 l2B, so\nhat man ein wildes Appassionato.Beides aber ist unrichtig.\nWir würden das Tempo J = 104 nehmen, mit\ngleichsam ein wenig Sch erzando,anfangen und nachher die\nbrillant ausgedrückte Fröhlichkeit, welche in\ndem ganzen Stücke herrscht, durchführen. Gleichwohl ist\nauch ein gewisser Ernst unter dieser Fröhlichkeit verbor-\ngen; es ist, wenn man so sagen möchte, nicht eine leicht-\nsinnige, oberflächliche Heiterkeit, sondern die des besonne-\nnen Mannes; sie ist zuweilen untermischt von ernsten Ge-\ndanken und Fragen.\nWir wollen uns mit diesen Bemerkungen über Op.\n13 begnügen und gehen zu Op. 26 über. Von dieser\nschönen Sonate könnte wohl jeder Theil ein besonderes\nStück für sich ausmachen; die Variationen machen recht\ngut ein solches aus, und möge man dieselben allein vortra-\ngen, den Trauermarsch ebenfalls; Scherzo und Finale könnte\nman auf einander folgen lassen. Spielt man die Theile nach\neinander, wie sie in der Sonate stehen, so kommt auf die\nsanfte Traurigkeit der Variationen die ausgelassene Lustig-\nkeit des Scherzo,auf dieses Sch die dumpfen, furchtba-\nren und traurigen Klänge der Mar da funebre, auf diese\nim Finale die ruhige Fröhlichkeit, in den schönsten harmo-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.3", "texte": "Nischen und technischen Verschüngungen sich bewegend.\nImmer bedeutende Contraste. Wir glauben auch nicht, dass\nBeethoven die Sonate für einen ununterbrochenen Vortrag\nbestimmt hat, und es dürfte wohl hier eine Ausnahme von\nder gewöhnlichen Regel, alle T heile einer Sonate gleich\nnach einander zu spielen, angemessen sein.\nWas nun den Vortrag im Speciellen betrifft, so möch-\nten wir das Tempo des Thema's zu den Variationen\n56 nehmen, die erste Variation = 69, die zweite\n= 76, die dritte = 76, die vierte j* = 120, die\nfünfte J\"1 = 72. Beim Vortrage des Thema's und der Va-\nriationen vermeide man ja alles süssliche Schmachten in\nitaliänischer Manier. Die Melodieen sind geeignet, leicht eine\nsolche Manier aufzunehmen, wenn tjer Spieler sie hinein-\nlegen will; aber bei allen empfindsamen Melodieen Beetho-\nven's ist der Inhalt von vorn herein und nach der Absicht\ndes Componisten zu edler Natur, als dass er durch so etwas\nunwürdig Ueberschwängliches verunstaltet werden dürfte.\nEs würde zu weit führen, in Bezug auf den Vortrag\neines jeden Satzes ins Einzelne zu gehen; wir wollen uns\ndarauf beschränken, zu bemerken, dass alle Variationen,\nmit Ausnahme der dritten, mit einer gefühlvollen Buhe und,\nwir möchten sagen: seligen Empfindung gespielt werden\nmüssen, dass man in der zweiten Variation das Thema im\nBass und in der fünften Variation das Thema in der rech-\nten Hand, was hier der Daumen allein zu spielen hat, ge-\nhörig hervorheben möge, ohne jedoch im Geringsten\nzu stossen, was viele Spieler, nebenbei gesagt, sogar im-\nmer zu Anfange eines jeden Tactes thun. Die Melodie muss\nruhig, ganz piano,die Begleitung, die in der fünften Va-\nriation in beiden Händen liegt, ebenfalls ganz gehal-\nten werden, und doch muss die Melodie vorherrschen.\nDas Scherzo, Allegro molt nehmen wir J =\n84, das Tempo des Trauermarsches J = 66. Er fängt\nin As-mollmit dumpfen Trauerklängen über den Tod des\nHelden an; einige Tacte vor der Stelle in As-dur bis da-\nhin äussert sich der Schmerz in höchster Fülle mit Lei-\ndenschaft. In As-dur sieht man den verstorbenen Helden\neinen Augenblick in seiner Verklärung unter den Seligen,\nbei den .Fortisswio-Schlägen wird es Licht, der Himmel\nöffnet sich, bis bald darauf er sich wieder schliesst und die\nfrühere Trauer ihre Lieder singt.\nFür das Finale Allegro bestimmen wir das Tempo J\n= 100. Hier ist ein hastiges Jagen am unrechten Orte.\nMan befleissige sich beim Vortrage namentlich der reinsten\nDeutlichkeit und gebe wohl Acht auf den immerwährenden\nWechsel der Melodie zwischen der rechten und der linken\nHand, um sie, aber nur etwas, hervortreten zu lassen;\ndie Begleitung spielt auch eine Hauptrolle mit. In vielen\nStellen wetteifern beide Hände im z. B. im achten\nund neunten Tacte und später an ähnlichen Stellen. Der\nAbschnitt in der Mitte in C-moll kann mit etwas Leiden-\nschaft behandelt werden. Wir schliessen hiermit unsere Be-\nmerkungen über Op. 26, eine der allerschonsten Sonaten,\nwelche sich zum Vortrage im Concert sehr gut eignet.\nWenn von den Variationen jeder auch ganz unmusicalische\nMensch gerührt und ergriffen wird, so erfreut das l\"inale\nbesonders durch die Kunst in seiner Ausarbeitung,\ndurch seine technischen Schönheiten.\nWir gehen jetzt zu einer Sonate über, welche wieder\neinen Beinamen hat, Op. 27 in Cis-moll,vielfach genannt\n„Mondschein-Sonate\". Wir können zwar auch hier so recht\nnicht begreifen, aus welchen Wolken der Mond so freund-\nlich und still hervorleuchtet; eben so möchten die Empfin-\ndungen in einer warmen, mondhellen Nacht schwerlich der\nArt sein, wie die Empfindungen in der ganzen Sonate über-\nhaupt. Will man indessen durchaus etwas Mondscheinarti-\nges darin suchen, so finden wir es allenfalls im und\nScherzo. Im Adagio ist wohl eine süsse, träumerische Sehn-\nsucht ausgedrückt, die kühlen, sehnsüchtigen Wonneschauer\nim sanftesten Gesänge, lauter Empfindungen, weiche der\nMondschein sehr begünstigt, oder welche in der warmen,\nmondhellen Nacht leicht im liebenden Herzen sich regen.\nDas Scherzo wäre dann die Erfüllung dieser Sehnsucht,\ngleichsam der melodische und fortgesetzte Schluss von\nSchiller's „Erwartung\". Solche Erscheinungen unter den\nSterblichen beleuchtet wohl der Mond sehr oft und freund-\nlich, und in Bezug auf die beiden ersten Theile der Sonate\nmag man sie wohl Mondschein-Sonate nennen; da-\ngegen müsste man das Finale ganz hierbei\nausschliefen, denn es ist voll stürmischer Leidenschaft\neine Gemüths-Bewegung, welche der Mond nicht sehr\nfreundlich ansehen würde. Auch haben wir bei oder nach\ndem hellen Mondscheine kein Gewitter zu erwarten.\nBeim Vortrage des Adagio,wo fast immer der kleine\nFinger der rechten Hand die Melodie spielt, lasse man diese\nsanft vorherrschen und hüte sich vor steifer Behandlung\nder Begleitung; die J spiele man = 66, das J.BÖ.\nDas Finale,welches Presto agsein soll, darf also zu-\nweilen etwas im Tacte schwanken, es muss an manchen\nStellen mit einem gewissen Affect gespielt werden; das\nTempo ist überhaupt j = 176, und man hüte sich ja, die\nMelodieen, wie z. B."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.4", "texte": "u. s. w. viel langsamer zu spielen, als das Uebrige; es ist\nzwar die Manier vieler Virtuosen und Dilettanten, allein sie\nist unrichtig. Dann betone man bei den Schlägen\nund den häufig vorkommenden ähnlichen immer den er-\nsten Accord, nicht den zweiten, wie es oft geschieht;\ndenn das sfzsteht unter dem ersten Accord. Uebrigens\nsehe man genau nach allen Bezeichnungen des Vortrages;\nsie sind in vollkommen ausreichender Zahl unter den Noten\nangegeben. Nur noch ein Wort über den Gebrauch des\nPedals bei diesem Stücke. Beethoven hat hingesetzt „Senza\nsordino\" und „Con sordino\". Ersteres ist ohne Däm-\npfung, also mit aufgehobenem Pedal, letzteres mit\nDämpfung, also ohne Pedal. Man möge dieses wohl\nachten, um durch unzeitiges Pedal-Aufheben nicht Wirrwarr\nin das glanzvolle Tongemälde zu bringen. Man vergisst\nbeut zu Tage nur allzu oft, dass bei allem Glänze und aller\nstürmischen Bewegung doch immer eine verständliche\ntieit herrschen müsse.\n\nDie Beschaffenheit einiger Lieder-Compositionen der\nNeuzeit.\nWenn man in so vielen neueren Lieder-Compositionen\ndie Hauptsache, d. i. doch die Melodie, allein betracjir\ntet und sie sich ganz ohne alle Begleitung klingend denkj;\nso wie etwa ein Sänger, der, um sich von seiner Partie\ndie Hauptsache, d. i. das Treffen der Töne und deren\nrhythmische Folge, vorläufig zu sichern, die Noten leise\nsingend verfolgt, ihre Melodie wohl auch auf dem Ciavier\nals Grundlage spielt—, so ist nicht in Abrede zu stellen,\ndass einem dieselbe (die Melodie nämlich) oft ganz gewal-\ntig schaal, nüchtern, sogar unschön und dem Texte nicht\nentsprechend vorkommt, dass sie so zu sagen mit Don Car?\nlos „in ihres Nichts durchbohrendem Gelühle so da zu\nstehen sich verdammt\". Aber es tritt endlich die Begleir\ntung hinzu. Die vorige Sache gewinnt nun auf einmal ein\nganz anderes Ansehen, nicht sowohl durch die bestimmte\nharmonische Stütze allein, sondern auch insbesondere durch\nden geistigen und gemüthlichen Ausdruck. Ja, es thut die\nBegleitung ihrer Selbstständigkeit nach in vielen neueren\nLiedern sogar noch einen Schritt weiter ins dramatische\nGebiet hinein, sich recht angelegentlich mit der so genann-\nten Situations-Malerei oder mit der rein instrumentalen\nAusdrucks-Form irgend eines momentan herrschenden Af-\nfectes oder Gemüths-Zustandes beschäftigend. Es hat sich\nalso der Begleiter, wie Figura zeigt, schon etwas zu\nweit von seiner Dame Melodie entfernt, und er ist sogar\nnoch egoistisch und ungalant genug, diese bei Verfolgung\nder selbstischen Interessen gänzlich zu ignoriren.'Aber mit\nder Emancipirung der Begleitung die Instrumental-Musik\nhat im neunzehnten Jahrhundert und vorzüglich seit Beet-\nhoven ihren Höhepunkt im Ausdruck und in ihrer Selbst-\nständigkeit gefunden hat auch die Melodie sich emanci-\npirt, jedoch leider nicht auf eine edle Weise und zu ihrem\nVortheil überhaupt. Sie, das ehemalige schlichte Kind der\nNatur, das in einfacher Schönheit den Blick bezau-\nberte und fesselte, ohne es zu wissen, die als Königin im\nReiche der Tonkunst herrschte, ohne es zu ahnen, die sich\nin Unbefangenheit ganz und gar so gab, wie sie war T- sie\nhat auch den Civilisations-Weg betreten und wendet, da\nihr in der Gegenwart jene wirklichen Vorzüge nicht mehr\ngenügend erscheinen, nun die Künste der Toilette an, um\nihre sämmtlichen, nunmehr erkannten Reize einzeln auch\ngehörig ins Licht zu setzen, diese wo möglich mit glänzen-\nder Folie noch zu erhöhen, vielleicht gar noch durch fal-\nsche, künstliche Zusätze zu vermehren. Begegnen wir nun\nheut zu Tage einer solchen Melodie-Coquette, so „merken\nwir auch bald ihre Absicht und werden—verstimmt\". Aber\neben diese Mittel muss der sich selbst untreu Gewordenen\nihr ungetreuer Begleiter sämmtlich liefern, dem sie nun\ngerade und aus capriciöser Revanche die tyrannische Pflicht\nauferlegt, sich unausgesetzt ihren Launen zu opfern, währ\nrend sie selbst sich des süssen befleissigt,\nwährend ihrem Munde, sobald er sich zum Reden öffnet,\nentweder Ziererei und Unnatur oder Fad- und Plattheiten\nentströmen. Wo daher gegenwärtig die Melodie in ihrer\nmehr schwächlichen Natur mit dem Ausdrucke und\nihrem Berufe nicht zusammengeht, ihm vielmehr nachhinkt,\nda soll und muss nun die Begleitungs-Krücke aushelfen\nund einen ordentlichen Gang herzustellen suchen. So ist* s,\nund wie war's? Da liegen im staubigen Musik-Archive\nalte „Lieder im Volkston\" von J. A. P. Schulz, die, längst\nverschollen, Niemand mehr dem Namen nach kennt, die\nnichts desto weniger aber doch noch immer so rein und\nfrisch, so natürlich, so gemüths- und ausdrucksvoll sind, dass\ndie Nachwelt hier in die Schule gehen kann, falls sie dies\nnicht unter ihrer Würde hält. Fragt man nun zunächst:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.5", "texte": "worin liegt denn ihre Wirkung oder Schönheit überhaupt?\nSo ist nur zu antworten: in der reinen Sache und Gewalt\nder Melodie, welche ganz isolirt schon so allmächtig\nwirkt, wie sie überhaupt als Volkslied und im Munde\ndes Individuums nur wirken kann und soll. (So auch Mo-\nzart's: „Ein Veilchen auf der Wiese stand\".) Die Beglei-\ntung geht ihr zwar als ein getreuer Liebhaber wohl zur\nSeite, und sie selbst widerstrebt ihm nicht, da er sich nun\neinmal lür sie interessirt; jedoch spricht sie auch wohl in\nbesonderen Fällen, wie Gretchen in Göthe's Faust: „Kann\nungeleitet nach Hause gehn\". Um so mehr muss also\nauch das Beiwerk in seinen Schranken bleiben und\nda, wo es als dienend berufen, nicht die Herrschaft usur-\npiren wollen. Mozart's G-moll-Arie der Pamina aus der\nZauberflöte—wer kennt sie nicht, diese köstliche Perle aus\nder immer grünen, ewig jungen Oper?—athmet hier nicht\nschon die Melodie allein den bangen Seelenschmerz,\ndie trübe Hoffnungslosigkeit eines weiblichen Gemüthes\nauf das natürlichste und schönste zugleich? Und da klagen\ndenn auch die Instrumente eines wie das andere mit, und\nes ziehen über die Seufzerbrücke der Streich-Instrumente\n(JTjj JV»)» derßlas-Instrumente zauberhafte Ton-Elegieen.\nKurz, Alles will der Melodie ein Echo geben, damit sich\nihr Klagelaut auch im Mitgefühl brechen und somit ihr\nSchmerz auch lindern möge. So bildet der rechtmäs-\nsige Verein ein schönes Ganzes. Wer könnte wohl\nder Begleitung hier eine dramatische Gelühls-Situation ab-\nläugnen? Aber dennoch hat die Melodie nichts von ihrem\nVorrang eingebüsst, ohne sich doch zugleich auf Kosten\nder Begleitung Vernich las s igt zu sehen, sie, die doch\nvon Rechts wegen und ganz gewiss recht npar excellence!\"\n-*-zur Herrschaft über das Gemüth berufen ist.\n\nAllegri’s Miserere.\n\nBei dem ausserordentlichen Rufe des Miserere von\nGregorio AMegri wird es den Lesern nicht unwillkom-\nmen sein, einige kurze Notizen über den Componisten und\nsein Werk zu lesen. Gregorio Allegri wurde am 6. De-\ncember 1629 als Sänger in der päpstlichen Capelle aufge-\nnommen und verblieb daselbst bis zu seinem Tode, nach\nBaini's, einer zuverlässigen Autorität, Angabe, 1652, am\n18. Februar. Sein Geburtsjahr ist ungewiss. Er ward in\ndem gemeinsamen Gruftgewölbe der päpstlichen Sänger be-\nstattet, welches die Inschrift führt: Cantores pontifmi, ne,\nluos vivos Concors melodia junx\ntesolutio dissolveret, hic una condi voluere. (Die päpstlichen\nSänger, im Leben durch die melodische Einheit eng ver-\nbunden, wollten, damit ihre Körper nicht im Tode zerstreut\nwürden, hier gemeinsam begraben sein.) Unter den vielen\nernsten, contrapunktischen Werken Allegri's ist sein Mise-\nrere das berühmteste. Es wurde seit allen Zeiten in Rom\nin der Charwoche zweimal, am Mittwoch und Charfreitag,\nin der Peterskirche, in Gegenwart des Papstes, der Cardi-\nnäle und der ganzen hohen Geistlichkeit ausgeführt. Die\nKirche ist dabei schwarz verhängt und wird von den\n4000 Lampen des in der Kuppel-Zelle schwebenden Kreu-\nzes erleuchtet. Ein Berichterstatter, Dr. Hohnbaum, der\ndas Miserere im Jahre 1782 gehört hat, sagt darüber, in-\ndem er es mit der russischen Kirchenmusik vergleicht\n(die schon durch Schlözer 1761 —65 als von wunderba-\nrer Trefflichkeit geschildert wird): „Das russische Concert\nbeschäftigt nur das Ohr, das römische hingegen erschüt-\ntert zugleich die Nerven eines anderen Sinnes, des Auges,\nund reisst hauptsächlich durch Täuschung und Betäubung\nhin. Das Miserere längt Abends 7 Uhr an; die ganze Ca-\npelle ist schwarz behängt, der Papst und die Cardinäle lie-\ngen alle auf den Knieen, beim Eingange brennen Fackeln,\nin der Capelle Kerzen. In den zwei letzten Chören, wo der\nTact Langsamer wird, wird eine Fackel, eine Kerze nach\nder anderen ausgelöscht, und die Sänger selbst verchwin-\nden allmählich einer nach dem anderen und gehen wie die\nLichter aus. Welch erstaunliche Wirkung muss dies alles\nauf die Hörer thun!\"—Jacobi in seinen Briefen aus Italien,\n1805, schildert die Wirkung folgender Maassen: „Das\nMiserere lässt alles, was ich bisher von Kirchenmusik ge-\nhört habe, weit hinter sich. Mir ward die Stellö unsicher\nunter den Füssen, und ich beneidete den Papst und die\nCardinäle zum ersten Male in meinem Leben um ihren\nruhigen Platz: so gern hätte ich mich hingeworfen, mich\nsatt weinen und klagen mögen. Nie hat mich etwas so er-\ngriffen und bewegt, wie dieser Gesang. Himmlisch muss\ndie Seele des Mannes gewesen sein, der eine solche Har-\nmonie zuerst erfinden konnte.\" Das Werk ist allerdings\nein edles, grossartiges, doch gegen andere verwandte Ar-\nbeiten nicht in dem Maasse hervorragend, wie diese Schil-\nderung glauben lassen sollte. Wenigstens hat ein grosser\nTheil seiner Wirkung mit in der Kunst der Ausführung,\ndamals noch eine alleinige Eigenschaft der Sixtinischen Ca-\npelle, gelegen. Dalür spricht folgende Anekdote: Kaiser\nFranz I. hatte so viel von dem Miserere und dessen Wir-\nkung gehört, dass er den Papst um eine Abschrift bat. Bis\ndahin war das Werk ein unzugängliches Eigenthuui der\npäpstlichen Capelle gewesen. Doch der Papst eriüllte den"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.6", "texte": "Wunsch des Kaisers und sandte ihm eine Abschrift. Das\nMiserere ward zu Wien von den geschicktesten Sängern\nausgeführt, aber ohne die geringste Sensation zu machen.\nDer Kaiser glaubt, man habe ihm eine verlälschte Abschrift\ngesandt, und erhebt Klage beim Papste. Dieser lässt seinen\nCapellrneister vor sich kommen, welcher ihm sagt: „Heili-\nger Vater, wir haben wohl unsere Partitur, aber nicht un-\nsere Sänger nach Wien schicken können.\" Seitdem ist\nes in Deutschland vielfältig aufgeführt worden. Im Jahre\n1831 in Prag mit einer Besetzung von 117 Stimmen.\nIn Wien noch 1835, in München 1834; schon früher,\n1816, in der Michaelskirche daseibst, nachdem Lindpaint-\nner, damals Musik-Direclor in München, ein eige-\nner Composition mit Pauken und vielen Blas-Instrumenten\nauf dem Isarthor-Theater gegeben hatte, „ wo\", lautet der\nBericht, „um aller Geschmäcke Geschmack, wie es in den\nXenien heisst, zu befriedigen, geistliche Vorstellungen mit\nKofzebue's Rehbock wechselten.\" In Kassel wurde das\nMiserere 1812 gesungen, allein der Bericht darüber erklärt\ndie Unternehmung für eine unausführbare; doch eine Note\ndazu bemerkt, dass Schicht in Leipzig es mit seinen\nThomas-Schülern schon früher ausgeführt habe, und zwar\nmit einer sehr schönen Wirkung. In Berlin ist es vom Dom-\nChor zuerst im Januar 1855 aufgeführt worden. (Vergl.\nNr. 9 vom 3. März d. J.) Es muss nach den alten Ueber-\nlieferungen durch zwei Chöre, einen vier- und einen fünf-\nstimmigen, gesungen werden. Doch hat die berliner Biblio-\nthek eine schriftliche Partitur aus Pölchau's Nachlass,\nwo beide Chöre fünfstimtnig sind; muthmaasslich ist die\nfünfte Stimme dem einen später zugefügt. Einer Ueberlie-\nferung nach sollen die in diesem Stücke mit rother Dinte\ngemachten Vorschriften über den Vortrag, welche die Schät-\nzungen angeben, die bei der äusserst sorgfältigen Be-\nhandlung in der Aufführung durch die Sixtinische Capelle\nbeobachtet werden, von Mozart herrühren.\n\nL. Rellstab.\n\nAus Wiesbaden.\nDass die diesjährige Concert-Saison eine vor anderen\nhervorragende war, wird Niemand bestreiten, der den man-\nnigfaltigen Genüssen, die sie darbot, folgen konnte.\nObwohl noch nicht zur Saison gehörend, dürfen wir\ndennoch das Concert von Herrn Ehrlich, im Saale zum\nAdler veranstaltet, nicht übergehen, in welchem der Con-\ncertgeber Beethoven's Sonate Op. 47 für Ciavier und\nVioline mit Herrn Concertmeister Fischer würdig zu Ge-\nhör brachte. Fräul. Mo 1 exn do, die Herren Brunne r und\nMinetti sorgten durch Lieder-Vorträge für Abwechslung ;\nerstere durch Lieder von Schubert und Mendelssohn, letz-\nterer durch den Vortrag zweier Lieder von Barth: „Sei\nstill\" und „Grüsse\". Ausser drei Charakterstücken für\nCiavier, Violine und Violoncell, von den Herren Ehrlich,\nFischer und Grimm gespielt, hörten wir noch ein Pasto-\nrale von Dupont, die Liszt'sche Uebertragung des „Lob\nder Thränen\" und den unvermeidlichen Carnevai; sämmt-\nliche drei Nummern vom Concertgeber gespielt.\nMan sagt, Herr Minetti habe unsere Concert-Saison\nmit seinem Abschieds-Concerte würdig eröffnet. Von man-\ncher Seite her wurde dieses Lob bestritten. „Glockenge-\nläute\", „Thränen\", „Wanderer\", „Gebete\", Duos und\nArien, Phantasieen und Impromptu's, Etüden und Polka's\nboten viel des Pikanten und oft Dagewesenen. Herr Ehr-\nlich vertrat das Ciavier.\nHerr Colbrun von Paris veranstaltete ein Concert, in\nwelchem wir als hervorragendste Erscheinung Herrn Ru-\nbinstein begrüssten; wir hörten ihn zunächst in seinem Trio\n(Nr. 2, G-moll), dann in den Solo-Vorträgen „Nr. 5 de\nVAlbum Kamenvioslrow\", „Berceuse\" und in einer\nEtüde. Herr Colbrun besitzt eine ausgiebige Bassstimme;\nMad. Colbrun glänzt durch Coloratur, ohne jedoch zu er-\nwärmen; dasselbe gilt von ihrem Gatten. Herr Concert-\nmeister Fischer und Fräul. Wilhelmine Birch von Berlin\nunterstützten das Concert. Was Herr Rubinstein als Com-\nponist und Virtuose ist, haben diese Blätter zum Oefteren\nbesprochen.\nHerr Alfred Jaell folgte dann mit einem Concerte, in\nwelchem Mendelssohn's Trio (Op. 66, Nr. 2) von Jaell,\nConcertmeister Baldenecker und Grimm vollendet zu Gehör\nkam. Herr Jaell, der in jedem Genre des Ciavierspiels sei-\nnen Meister sucht, spielte noch Prelude Nr. 15 von Cho-\npin, Fuge in C-moll von Bach, die Transscription eines eng-\nlischen Volksliedes, Reminiscenzen ausLohengrin und Tann-\nhäuser, seine „Deuxieme Barca\nund den „Carnevai\". Ein Fräul. Strauch strauchelte über\nmehrere Lieder mit Keckheit hinweg.\nHerr Jaell liess bald ein zweites Concert folgen.\nMit Herrn Baldenecker spielte er Schumann's Sonate Op.\n121, D-moll.Das Scherzo in von Chopin, die\nobenerwähnte Transscription, eine Phantasie über Themata\nPUS Norma füllten den übrigen Theil des Concertes, das\nFräul. Will (Cantatrice du Thedtre della Scala de Milan) mit\nbestem Willen, wenn auch schwachen Leistungen, vervoll-\nständigte. Eine „Polka de Salonnach vorher gehörtem"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.7", "texte": "„ Banse des Sylphes\", schloss das Concert, welches schwach\nbesucht war. Herr Jaell ist bekannt als äussert eleganter\nCiavierspieler; sein Spiel ist entzückend (so sagen nament-\nlich gern die Damen), wenn auch nicht elektrisirend, wie\nman Rubinstein's Spiel nennen könnte.\nHerr Rubinstein veranstaltete unmittelbar nachher eine\nSoiree, in welcher er mit den Herren Fischer und Grimm\nsein erstes Trio (F-dur) spielte. Es liegt Geniales in den\nCompositionen Rubinstein's; sein Spiel ist grossartig, oft\nnur etwas zu stürmisch. Fräul. E. Freinsheim aus Biebrich\n(in Leipzig und Mailand gebildet) sang eine Arie aus den\nPuritanern und eine andere aus dem Freischütz; sie be-\nkundet italiänische Schule und Einfluss, Caricatur im Aus-\ndruck, schwache Mittel, aber geringe Hoffnung auf Besser-\nwerden. Die hohen Lagen sind forcirt, das Brust-Register\nauf Kosten jener ruinirt. Wann hört man doch endlich auf,\nselbst schöne Stimmen nach Italien zu schicken und sie\ndort mit senwerem Gelde, eingebüsster Gesundheit und er-\nloschener Musikfreude zu Ruinen und zur Unnatur ausbil-\nden zu lassen! Der Eitelkeit folgt die bittere Enttäuschung.\nHerr Rubinstein spielte mit steigendem Beifalle ein\nNocturno von Field, ein Duo des soirees musicales de Ros-\nsini von Liszt, Berceusevon Chopin,\nd'Athenes von Beethoven, ein Duo du „Prophete\" pour\n13iano et Violon, mit Herrn Fischer eine Romance und 7a-\n.ntelle,von ihm selbst componirt. Da war Bravour das\nGeringste, jeder Ton Geist, Seele, Leben. Er hat hier durch\nseine Compositionen, wie durch sein eminentes Spiel einen\nnachhaltigen Eindruck zurückgelassen. In einem späteren\nConcerte wiederholte er das letztere Duo aus dem Prophe-\nten und spielte noch ein Nocturno und eine Etüde von\neigener Composition. Fräul. Marx von Darmstadt, die Her-\nren Dalle Aste, Reer, Frau Jagels-Roth und Herr Fischer\nwirkten in demselben mit. Die für dieses Concert ange-\nzeigte Mitwirkung des Fräul Freinsheim unterblieb.\nDer Violinist Jacobi und der Clavierspieler Lan-\nge r t, beide aus Coburg, veranstalteten eine Soiree, in wel-\ncher Beethoven's Grande Sonate concertante (zweiter und\ndritter Satz) gepielt wurde. Scherzo pour Piano, Cascade\npour Violon, Elegie de Ernst Cavatine und Variationen,\ngesungen von Emma Wernicke-Bridgeman, (Prima donna\nassoluta de l'opera italienne d u. s. w.\nIn einer folgenden Matinee spielte Herr Jaell eine\nPhantasie über Motive aus der Regimentstochter, die Bal-\nlade, Op. 25, von Chopin und seine Melodie Frau\nJagels-Roth, Frau von Stradiot-Mende, Fräul. Genart, die\nHerren Reer und Thelen wirkten darin mit. Der Ertrag\nwar zum Besten eines erblindeten Chorsängers.\nHerr Ehrlich gab sodann ein Concert, in welchem\ner mit Herrn Rubinstein das Allegro, Scherzo und Adagio\nder neunten Sinfonie von Beethoven, lür zwei Pianoforte's\nvon Liszt übertragen, spielte. Madame Mirlan Carvaiho\nentzückte durch Schubert'sche Lieder sowohl, als durch\neine Arie aus Lucia; Herr Carvaiho unterstützte sie in\neinem Duo. Der Concertgeber spielte noch eine von ihm\nselbst componirte Phantasie über Themata aus dem Frei-\nschütz, eine Ballade eigener Compositum, Etüde von Cho-\npin, Un portrait de femme von Rubinstein und seine Polka-\nEtude. Die Sinfonie nahm das grösste Interesse in\nAnspruch.\nDer Violinist Louis Eller aus Paris gab. mit Herrn\nJaell ein Concert, in welchem sie die C-moll-Sonate für\nPiano und Violine von Beethoven spielten. Herr Eller zeigte\nsich als Meister seines Instrumentes; grosser, schöner Ton\nund bewundernswürdige Fertigkeit zeichnen ihn gleich sehr\naus. Im Theater spielte Herr Eller nochmals die Chaconne\nvon Bach „Ah! vorn dirai-je Maman\"von ihm variirt, ein\nMenuet sentimental und „Corrente\", beide Piecen von ihm\nselbst componirt.\nDie Oper brachte uns viele Gäste; vor Allen machte\ntiefen Eindruck Herr Tichatschek in seinen bekannten\nRollen; Dalle Aste, Reer, Schütke, Colbrun (Sarastro). Die\nbesten Rollen dieser Herren sind in weiteren Kreisen be-\nkannt. Lohengrin, Tannhäuser, Fliegender Holländer, Pro-\nphet, Nordstern, Hugenotten, Robert, Hochzeit des Fi-\ngaro, Don Juan, Zauberflöte, Fidelio, Martha wechselten\nmit Lucia, Norma, Czaar, Regimentstochter u. s. w. 11. s. w.\nab. Die Oper, besonders im Sommer, hört hier ganz auf,\nein „Kunst-Institut\" zu sein; es ist eben „Saison\", und\nsie thut Uebermenschliches zur Abhetzung des sehr tüch-\ntigen Orchesters, um das Fremden-Publicum anzuziehen.\nGast folgt auf Gast, und die Abonnenten verkaufen ihre\nBillets der fortwährenden Suspendu's wegen.\nDie Räume des Curhauses sind glänzend renovirt und\nerweitert. „Spiel\" drinnen und draussen. Morgens\nan der Trinkhalle spielt jetzt ein Theil des Theater-\nOrchesters."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551013-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAachen. Der aachener Männergesang-Verein Concordia,\nwelcher nicht, wie es in Nr. 39 dieses Blattes bemerkt ist, von\nHerrn F. Wenigmann, sondern von Herrn C. F. Ackens dirigirt\nwird, hat an dem Gesang-Wettstreite, welchen die brüsseler Ge-\nsellschaft der Grande Harmonie während der diesmaligen September-\nFeste veranstaltete, mit achtzig Sängern Theil genommen und in\nglänzender Weise gesiegt. Derselbe sang Lieder von Weber,\nReichä<dt und Kücken und riss die Zuhörer zu ungemeiner\nBegeisterung hin, so dass die Jury, nachdem sie ihm einstimmig den\nersten Preis zuerkannt, die braven Sänger aufforderte, die Feierlich-\nkeit mit noch einem weiteren Vortrage zu beschliessen. Die Con-\ncordia entledigte sich dieser Aufgabe durch den Vortrag eines\näusserst schwierigen Chors, „Die griechischen Corsaren\" betitelt,\nwelcher von dem belgischen Componisten E. Soubre eigens für\nden Concurs um den Prix d'excellence geschrieben worden war\nund von allen Concurrenten (die vorher schon irgend einen ersten\nPreis haben mussten) hätte ausgeführt werden müssen. Es hatten\nsich aber ausser der Concordia keine Mitbewerber, weder belgische\nnoch deutsche, gemeldet; bloss hatte sich der neusser Männerge-\nsang-Verein anfänglich noch dazu einschreiben lassen, sich später\naber, und zwar zwei Wochen vor dem Feste, zurückgezogen. Die\naachener Sänger waren dadurch die Helden des Tages in Brüssel,\nwurden in aller möglichen Weise beehrt und gaben anderen Tages\nnoch eine Seance musicale, in welcher sie eine Reihe anderer deut-\nscher Lieder unter dem grössten Beifalle vortrugen, so dass die\nbelgischen Musikfreunde neuerdings die Superiorität des deut-\nschen Gesanges über ihre eigenen Leistungen auf diesem Gebiete\nim vollsten Maasse anerkannten. Und doch haben sich diese ihre\neigenen Leistungen zu einem hohen Grade der Vollkommenheit\nausgebildet, wrovon unter Anderem die Vorträge der lütticher Ge-\nsellschaften und der festgebenden Gesellschaft selbst, sodann jener\nvon Lille, Gent und Brügge, das schönste Zeugniss ablegten. Diese\nvorzüglicheren belgischen Leistungen vereinigen alles, was man an\nKraft, Vehemenz des Angriffs, Reinheit, Weiche der Tenore, Zart-\nheit der Piano's und an vollendetem Ensemble nur verlangen kann;\ndoch fehlt ihnen der lyrische Timbre, die verschiedenartige Färbung,\ndie Poesie, das Wohlthuende des deutschen Liedes, die Rundung\nin der Kraft des Chors, mit Einem Worte: die edleren musicali-\nschen Eigenschaften, und weil diese selbst auf den weniger be-\nwussten Zuhörer stets ihren Einfluss ausüben, so hatte die Concordia,\nwelche unzweifelhaft jetzt mit zu den besten deutschen Instituten\nfür Männergesang zählt, jenen grossartigen Erfolg jetzt in Brüssel,\nwie sie ihn vor drei Jahren auf französischem Boden, in Lille, dem\ndeutschen Gesänge erfocht.\nDie Stadt Aachen erkannte den Ruhm, welchen ihre Söhne ihr\nneuerdings im Auslande auf dem Gebiete der Kunst erworben, an\ndurch einen glänzenden Empfang der Sänger bei ihrer Rückkehr.\nDie städtischen Behörden, die verschiedenen musicalischen, Schützen-\nund anderen Vereine, so wie eine unermessliche Menge geleiteten\ndieselben zu ihrem Gesellschafts-Locale zurück unter den herzlich-\nsten Glückwünschen.\nIn Berlin gibt der Stern'sche Orchester-Verein ein Liszt-Con-\ncert; das Programm enthält zwei symphonische Dichtungen: „Les\nPreludes(< und „Lamento e Trionfoein Ave Maria, den 131. Psalm\nund das erste Ciavier-Concert in Es-dur; alles Compositionen von\nFranz Liszt.\nParis. Der kölner Männergesang-Verein hat in allen seinen\nhiesigen Conccrten den grössten Beifall erworben. Sämmtliche Or-\ngane der Presse sind seines Lobes voll. Die France Musicale sagt\nam Schlüsse eines Leit-Artikels „Der kölner Männergesang-Verein\": ]\n„Man kann sich keine Vorstellung raachen von der Voltendung\ndieser Chöre: es ist wahrhaft wunderbar. Die Sänger haben alle\nschöne, frische, kräftige Stimmen; alle singen mit Liebe; mit Einem\nWorte: es herrscht eine Einheit in der Auffassung und im Vor-\ntrage, welche die grösste und ergreifendste Wirkung hervorbringt.\nEhre den Sängern, Ehre der Stadt Köln, wo die Musik mit sol-\nchem Eifer und solchem Erfolge gepÜegt wird!\"\nWtozart'Stiftnn g.\nBekanntmachung und Einladung.\nDie zu Frankfurt am Main bei dem im Jahre 1838 dahier Statt\ngefundenen Sängerfeste gegründete\nMozart-Stiftung\nhat ein Stipendium zu vergeben- Es kommen hierbei nachfolgende\nBestimmungen der Statuten in Betracht:\ng. 1. Die Mozart-Stiftung bezweckt Unterstützung musicalischer\nTalente bei ihrer Ausbildung in der Compositionslebre.\n§. 2. Jünglinge aus allen Ländern, in denen die deutsche Spra-\nche die Sprache des Volkes ist, können diese Unterstützung i\nAnspruch nehmen, wenn sie unbescholtenen Rufes sind und bes\ndere musicalische Fähigkeiten besitzen.\n§. 25. Bewerbungen um die Stipendien der Stiftung werr' ja\nfrankirten Zuschriften bei dem Ausschusse gemacht ; dieselbe s-\nsen nebst Angabe des Alt; rs mit Zeugnissen über die u.\nsehen Fähigkeiten und Leistungen des Bewerbers begleitet sein .\n§. 26. Genügen Zeugnisse und Erkundigungen, so wird der\nBewerber vom Ausschusse aufgefordert, seine musicalische Befähi-\ngung durch die That nachzuweisen ...\ng. 33. Der Stipendiat der Mozart-Stiftung wird sodann nach\nWahl des Ausschusses, wobei jedoch der Wunsch des Schülers\nmöglichst berücksichtigt werden soll, einem Meister in der Com-\npositionslehre zum Unterrichte übergeben.\nWir laden nunmehr zur Anmeldung bei uns, binnen zwei Mo-\nnaten von unten gesetztem Dalum an, alle diejenigen ein, welche\ngeneigt und nach obigen Vorschriften geeigenschaftet sind, si'1\num dieses Stipendium zu bewerben.\nZugleich ersuchen wir alle verehrlichen Redactionen deutscher\nZeitungen und Zeitschriften, dieser Bekanntmachung zu deren\nmöglichst allgemeiner Verbreitung einen Platz in ihren Blättern\ngeneigtest vergönnen zu wollen, und sind dafür zum Voraus dank-\nbar verpflichtet.\nFrankfurt am Main, den 15. September 1855.\nDer Verwaltungs-Ausschuss der\nMozart-Stiftung."}]}