{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-11-17-01", "volume": "bmtnabi_1855-11-17_01", "ocr_sha256": "6ab573f8cfa8ec35ddf1880c7c0e32ffb77713c1728892c6bd69659a3811e283", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/11/17_01/bmtnabi_1855-11-17_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-11-17-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-11-17_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-11-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "364", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.2.1", "titre_corps": "George Onslow.", "titre_sommaire": "George Onslow.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3996, "texte": "George Onslow.\nEine biographische Skizze von J. F. Halévy.\nGelesen in der öffentlichen Jahressitzung der\nArts zu Paris den 6. October 1855.\nDer Name Onslow, der jetzt Frankreich angehört, ist\nder Name einer alten angelsächsischen Familie, deren Wur-\nzeln tief in den Boden von England gedrungen waren; spä-\nter wurde sie nach America verpflanzt, durch den Unab-\nhängigkeitskrieg jedoch wieder nach Grossbritannien zu-\nrückgeführt. George Onslow, der Erste aus dieser Familie,\nder auf französischem Boden geboren ist, hat seinem neuen\nYaterlande und dem neuen Zweige, dessen Sprosse er war,\ndie Erbschaft seines Ruhmes und seiner Werke hinter-\nlassen.\nIn den Vereinigten Staaten gibt es in Nord-Carolina\neine Landschaft Onslow. Wer auf diesen Namen in jenem\nfernen Lande stösst, wird mit freudiger Verwunderung\nmeinen, dass man jenseit des atlantischen Meeres dem\nTondichter der Quintette bereits eine so glänzende Huldi-\ngung dargebracht hat. Allein dem ist nicht also, sondern\njene Gegend war der Sitz der Vorfahren des Componisten,\nderen Verdienste um das Land die dankbaren Zeitgenossen\ndurch jenen Namen ehrten und sie auch nach ihrer Rück-\nkehr nach England nicht vergassen.\nIm Jahre 1783 reis'te ein junger Engländer, Edward\nOnslow, dessen Vater Mitglied des Parlaments war, auf\ndem Festlande. Er kam nach Frankreich. Da fesselte ihn\nein Band, das er zwar nicht gesucht hatte, dem er sich\naber gern fügte. Er fasste eine innige Neigung zu einem\nschönen jungen Fräulein in der Auvergne, heirathete sie\nund liess sich bei ihrer Familie nieder. Diese Familie trug\neinen berjühmten Namen; Fräulein Bourdeilles de Brantöme\nstammte von dem Chronisten ab, dessen einfache, natürlich\nderbe, alterthümliche Schreibart und gesunder Sinn in der\nälteren Geschiehts-Literatur einen hohen Rang behaupten.\nSie brachte ihrem Gatten Schönheit und Anmuth, Geist\nund Tugend, und obenein ganz hübsche Landgüter zur\nMorgengabe mit, welche, mit dem Vermögen des jungen\nLords zusammen genommen, wirklichen Reichthum bildeten.\nAm 27. Juli 1784 wurde aus dieser Ehe George\nOnslow zu Clermont-Ferrand geboren. Die Kunst, wel-\ncher er seinen künftigen Ruhm verdanken sollte, zog ihn\nschon früh an, und man legte seiner Neigung keineswegs\nBeschränkung auf; er erhielt musicalischen Unterricht neben\ndem wissenschaftlichen, freilich nur zum Zwecke allgemei-\nner Bildung; allein die Musik, die nur tropfenweise in seine\njunge Seele drang, füllte sie bald ganz, und aus dem Di-\nlettanten wurde ein Künstler.\nUm die Zeit, als Onslow seine musicalischen Studien\nbegann, war eben eine Revolution, aber eine sehr fried-\nliche, eingetreten. Das Ciavier, das schon lange das Spinett\ntodt gemacht hatte, unterlag seinerseits, und aus seinem\nnoch offenen Grabe erhob sich das Piano, welches die Welt\nerobern sollte, und das sich ohne Gewissensbisse der Erbschaft\ndessen, den es gemordet, bemächtigte. Man nannte das\nneue Instrument „Forte-Piano\" (ja, manchmal bloss „Forte\")\nwegen des leichten Uebergangs vom Starken zum Schwa-\nchen, den es ermöglichte, und des glücklichen Contrastes,\nder daraus entsprang. Diesen Contrast hatte der trockene\nund eintönige Anschlag des Claviers nicht hervorbringen\nkönnen. Die Saiten des Claviers, durch Federkiele oder\nMessingstöckchen angeschlagen, gaben nur einen schwachen,\nherben und wenig oder gar nicht zu nuancirenden Ton;\ndie Saiten des Forte-Piano, durch belederte Hämmer in\nSchwingung gesetzt, lieferten vollere, weichere, mehr zu\nverändernde und doch markigere und glänzendere Töne.\nBald kamen auch noch die Pedalzüge hinzu, wodurch man\ndie Fülle des Tones noch mehr mildern oder steigern\nkonnte. Daher fand man den Namen des neuen Instrumen-\ntes ganz passend. Aber wie bescheiden war noch der Klang\ndesselben! wie zaghaft trat es auf! wie fahl und bleich\nwürde sein damals so gerühmter Ton gegen den strahlen-\nden Glanz des jetzigen erscheinen! Das Forte-Piano hatte\nnoch nicht den riesigen Leib, die breite Brust, die eisernen\nRippen des heutigen Piano, und erst nachdem es bis zum"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5076, "texte": "Uebermaass die erste Hälfte seines Namens gerechtfertigt,\nhat man sie ihm geraubt!\nGeorge Onslow wurde nach London geschickt, um\ndort seine Erziehung zu vollenden, und erhielt sogleich die\nbesten Lehrer auf dem Forte-Piano, Hullmandel und Dus-\nsek, zwei der berühmtesten Pianisten; denn man darf nicht\nvergessen, dass es für das neue Instrument auch gleich\nvortreffliche Spieler gab, ja, dass eigentlich die Pianisten\neher da waren, als das Piano. Onslow, der ein sehr bedeu-\ntendes Talent zum Clavierspiel entwickelte, trat nach der\nSchule, welche er bei den genannten Musikern durchge-\nmacht hatte, noch unter die Leitung des grossen Meisters\nCramer, des Componisten der classischen Studien, welche\ndie Grundlage des guten Spiels bilden, damals des mit\nRecht gefeiertsten Lehrers, jetzt des Nestors der Clavier-\nspieler*). Bereichert mit dem Wissen und Können dreier\nausgezeichneten Lehrer, kehrte Onslow nach Frankreich zu-\nrück und brachte auch das Instrument mit, auf welchem\ner ihre Lehren genossen und praktisch geübt hatte.\nMan sollte vermuthen, dass tiefere musicalische Stu-\ndien sich nun zu dem eifrigen Streben des jungen Dilettan-\nten gesellt, dass der Reiz des heimatlichen Landes und das\nFeuer der Jugend die Phantasie geweckt, die Geheimnisse\nder Harmonie erschlossen, ihn zum Schaffen angeregt, dass\nseine Finger auf der Claviatur Melodieen und Verkettungen\nvon Accorden gesucht haben würden. Keineswegs. Die\nüebung der Technik und die Lust an der vollendeten Aus-\nführung erdrückten ganz und gar seine schöpferischen Fä-\nhigkeiten. Das Forte-Piano war ihm nicht Mittel, sondern\nZweck., Er hing mit ganzer Seele daran und war glücklich\nund zufrieden damit.\nAllein diese Ruhe der Unschuld wurde auf einmal ge-\nstört. Einst wohnte er einem Concerte bei, in welchem\nmehrere Stücke aus Opern von Mozart aufgeführt wurden.\nAlles war entzückt; nur ein einziger Zuhörer blieb kalt\nund ohne Begeisterung. Es war Onslow. Die Kunst, an\nwelcher er mit voller Neigung hing, welcher er seine Ju-\ngend gewidmet hatte, sie liess ihn kalt, er fühlte nicht ihre\nMacht ! Es fasste ihn eine Art von Grauen vor sich selbst.\nEr beschloss, seine Einsamkeit und seine einseitigen Stu-\ndien zu verlassen und aufzugeben und unter demselben\nHimmel, der sie erzeugt hatte, diese Musik zu hören, die\nkeinen Eindruck auf ihn und einen so gewaltigen auf alle\nanderen Menschen gemacht hatte. Er reis'te ab, und wie\nein Kranker, der unter einem milderen Himmelsstriche Ge-\nsundheit sucht, eilte er nach dem Lande, wo eine musica-\nlische Luft und harmonische Düfte wehen, nach Deutschland.\nMit reinem Herzen und aufrichtigem Glauben ging er\ndahin, und dennoch fand er keinen Balsam lür den inneren\nSchmerz, der ihn verzehrte. Vergebens entfalteten die Mei-\nsterstücke Mozart's ihre ganze Pracht vor ihm: die drama-\ntische Wahrheit war ihm ein Räthsel, die Grossartigkeit\ndes Stils packte ihn nicht; der Jüngling von zwanzig Jah-\nren blieb taub für die Wunder der Töne, der Jüngling von\nzwanzig Jahren blieb kalt beim Don Juan, bei der Zau-\nberflöte !\nErst die Ouvertüre zur Oper Stratonice von\nlös'te die Verzauberung. Ihre Anhörung weckte auf einmal\ndie Flamme in seinem Innern, bei deren Aufleuchten denn\nauch die Erinnerung an alles übrige, Schöne, die im Her-\nzen des jungen Künstlers schlief, erwachte. Denn man ge-\nwahrt das Kunstschöne nur erst im Wiederstrahl des Feu-\ners, das sich im eigenen Herzen entzündet.\nOnslow hat oft und gern von jenem Durchbruche des\nkünstlerischen Gefühls bei ihm erzählt. „Als ich jene Ouver-\ntüre hörte,\" sagte er*), „empfand ich eine so tiefe Aufre-\ngung in meinem Innern, dass ich mich auf einmal von Em-\npfindungen durchdrungen fühlte, die ich bis dahin nicht ge-\nkannt hatte. Noch jetzt ist dieser Augenblick meiner Seele\ngegenwärtig. Ich sah die Musik mit anderen Augen an, der\nSchleier zerriss, der mir ihre Schönheit verhüllte; sie wurde\ndie Quelle meiner innigsten Freuden und die treue Ge-\nfährtin meines Lebens.\"\nDie Wirkung dieser Verwandlung war eine doppelte.\nOnslow lernte nicht nur verstehen, lühlen, bewundern, son-\ndern der Trieb, selbst zu schaffen, zu componiren, drang\nplötzlich hervor, und bald zeigte ihm das neue Licht, das\nihm aufgegangen, die Unzulänglichkeit seiner bisherigen\nStudien. Er versuchte, ohne fremde Hülfe durch die Zer-\ngliederung der Werke, die ihn entzückten und deren Ver-\nständniss sich ihm nun öffnete, die Kunst zu erlernen, seine\nGedanken zu entwickeln und in mannigfachen Formen aus-\nzusprechen. Dann nahm er vorzugsweise ein Trio von Mo-\nzart zum Muster und componirte drei Trio's für Piano,\nVioline und Violoncell, welche er nachher auch drucken\nliess.\nSein Freund, Herr von Murat, späterhin Präfect des\nNord-Departements, ein sehr gebildeter Dilettant, der den\ngrössten Einfluss auf seine Studien hatte, rieth ihm nun,\neinen grösseren Meister zum Lehrer zu nehmen, um in die\n*) Fetis, Biographie des Musiciens. Gathy: Onslow, eine\nSkizze (Wien. Monatsschrift für Theater und Musik).\n\n*) Joh. Bapt. Cramer lebt noch; er wohnt in Kensington,\ndem westlichsten Theile von London, und ist jetzt 85 Jahre alt."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4968, "texte": "Geheimnisse der Kunst eingeweiht zu werden. Onslow\nwählte Reicha, der als ein Schüler Haydn's vor Kurzem\nsich in Paris niedergelassen hatte und bekanntlich später-\nhin Mitglied der Akademie der schönen Künste und einer\nder berühmtesten Compositions-Lehrer wurde.\nW eilige Monate von Unterricht reichten hin, um Ons-\nlow auf den richtigen Weg zu bringen, auf welchem er\ndann allein fortschreiten konnte. Seine ursprüngliche Nei-\ngung zog ihn zur Instrumental-Musik*). Ergriffen von der\nSchönheit der Ideen in Haydn's, Mozart's und Beethoven's\nCompositionen, bewunderte er in ihren Trio's, Quartetten\nund Quintetten den Reichthum, die Mannigfaltigkeit und\ndie Anmuth des Ausdrucks und die Freiheit, mit denen sie\nsich in den feststehenden Formen bewegten. Sie wurden\nseine Vorbilder, und er widmete sich mit feurigem Eifer\nderjenigen Kunstgattung, welche sie ins Leben gerufen und\nzur Vollendung gebracht hatten.\nWenngleich sich Onslow auch in anderen Gattungen\nmit Erfolg versucht hat, so sind es doch vorzüglich seine\nInstrumentalsachen, welche seinen Ruf gegründet und ihn\nin Europa verbreitet haben, und unter diesen wieder haupt-\nsächlich das, was er für die Kammermusik geschrieben hat.\nFrüher gebrauchte man diesen Ausdruck, nach dem Vor-\ngange der Italiäner, auch für Gesang-Musik; heutzutage\nbegreift man bekanntlich nur jene Art von Instrumental-\nMusik darunter, welche die feinste künstlerische Arbeit in\nTrio's, Quartetten und Quintetten offenbart.\nOnslow hatte in dieser schwierigen Gattung grossen\nErfolg; seine Compositionen wurden von Künstlern und\nDilettanten mit Ungeduld erwartet und überall aufgeführt,\nwo die Kammermusik in Ehren stand; die meisten dersel-\nben erschienen stets zugleich in Frankreich, Deutschland\nund England.\nWenn diese Erfolge nicht den glänzenden Wiederhall\nder Erfolge im Theater haben, so haben sie dagegen eine\nsicherere Grundlage; denn es findet sich bald zwischen\ndem Componisten und den Ausführern seiner Werke, Küns-\ntlern und gebildeten Dilettanten, eine Sympathie, die ein\nfestes Band knüpft und eine Art von Solidarität zwischen\nbeiden Theilen erzeugt. Zur Bewunderung des Werkes\ngesellt sich ein Gelühl der Dankbarkeit für dessen Urheber,\nin welchem die Spieler auch den Menschen lieben, der, von\nder edelsten Kunstgesinnung belebt, ihnen vor Allen, gleich-\nsam einer Art von Auserwählten, seine tiefsten Gedanken,\nseine schönsten Melodieen und Harmonieen widmet. Da\nihre Bewunderung auf einer klaren Ueberzeugung beruht,\nso sind sie auch weniger erpicht auf das Neue; da die For-\nmen so gut wie unabänderlich fest stehen, so machen sie\nkeine launenhaften Forderungen. So ruht der Erfolg des\nComponisten auf einer dauernden Grundlage durch seine\nVerbindung mit den Spielern, welche auf einen unverdor-\nbenen Geschmack, gründliche Studien, gegenseitig geach-\ntete Uebereinkunft und liebevollen Austausch von edler\nGesinnung und Gesittung, von guter Musik und guter Aus-\nführung begründet ist.\nDrei Mal jedoch hat Onslow diesen stillschweigenden\nVertrag zwischen sich und den Quartettspielern gebrochen,\ndrei Mal gab er den Aufforderungen anderer Freunde nach\nund verliess seine treue Schaar, um in ein anderes Lager\nüberzugehen. Er schrieb für das Thealer der komischen\nOper drei grosse Werke: L'Alcade de la Vega, im Jahre\n1824 —Le Colporteur, 1827 —Le Buc de Guise, 1837.\nSie erhielten Beifall, aber lieferten einen Beweis mehr, dass\nein correcter Geschmack, schöner Gesang, reine Harmonie\nund treffliche Instrumentation dennoch nicht immer hinrei-\nchen, dramatischen Compositionen einen dauernden Erfolg\nzu sichern *). Onslow, bei dem glücklicher Weise das Sprüch-\nwort: „Alte Liebe rostet nicht!\" eintraf, kehrte zu seiner\nursprünglichen Neigung zurück und wurde ihr nicht wie-\nder untreu.\nDenn man kann es keine Untreue nennen, wenn er\neine Streiferei in das Gebiet der Sinfonie hinüber machte;\nfreilich ein kühnes Unternehmen, welches aber der Erfolg\nund der Spruch so strenger Richter, wie die Zuhörer der\nConcerte des Conservatoire's sind, rechtfertigte. Den ersten\nVersuch der Art machte Onslow damit, dass er eines sei-\nner Quintette, welches er besonders gern hatte, und wel-\nches stets eine grosse Wirkung ausgeübt, in eine Sin-\nfonie umwandelte, wobei er nichts an der Form des Wer-\nkes änderte, auch alle Gedanken beibehielt, und nur den\nAusdruck und die Durchführung derselben im Ganzen und\nim Einzelnen den verschiedenen Stimmen des Orchesters\nanvertraute.\nOnslow's Leben würde ganz in ungestörtem Frieden\nund ruhigem Glücke dahin geflossen sein, wenn nicht ein\nböser Zufall ihn inmitten seiner Erfolge betroffen und seine\n\n*) Hal£vy hat vergessen, zu erwähnen, dass Onslow auch ein\nleidenschaftlicher und vorzüglicher Violoncellspieler war.\nDie Redaction.\n*) Von diesen Opern hat unseres Wissens nur\nunter dem Titel „Der Hausirer\" den Weg nach Deutschland\ngefunden, wo er öfter aufgeführt worden ist, ohne indess\ndurchzuschlagen. Die Ouvertüre wird auch jetzt noch zuwei-\nlen ausgeführt. Die Redaction."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2133, "texte": "Arbeiten unterbrochen halte. Er hatte in dem Künstler-\nleben, das er sich geschaffen, keineswegs den Vergnügun-\ngen des englischen Gentleman entsagt; in Paris nur Künst-\nler mit Leib und Seele, wurde er, sobald der Herbst ihn\naufs Land und in die Wälder rief, leidenschaftlicher Jäger.\nIm Jahre 1829 hatte man ihm zu Ehren in der Um-\ngegend von Nevers eine Jagd veranstaltet. Es handelte sich\ndarum, ein wildes Schwein, das man seit einigen Tagen ge-\nspürt hatte, zu erlegen. Onslow ging aber niemals auf die\nJagd, ohne ein Heft liniirten Notenpapiers mitzunehmen,\nworauf er die musicalischen Gedanken, welche ihm einfielen,\nund die den wahren Componisten nie verlassen, zu notiren\npflegte. Er nahm den Posten ein, auf welchem man ihn\nanstellte; allein die Sache wurde langweilig, und Onslow,\nder gerade die Skizze eines neuen Quintettes in seinem\nHefte angelegt hatte,, fängt an, mehr an dieses, als an den\nEber zu denken, geht etwas tiefer in den Wald hinein,\nsetzt sich auf einen Baumstamm und beginnt zu schreiben.\nAuf einmal fällt ein Schuss, und er sinkt blutend nieder.\nAnfangs verzweifelte man an seiner Rettung; die\nWunde war gefährlich, die Kugel hatte das Ohr getroffen\nund war in dem Halse stecken geblieben. Sie heraus zu\nziehen, war unmöglich, und Onslow trug das lästige An-\ndenken an diesen Unglückstag zeitlebens mit sich herum\nund verlor noch dazu auf der Seite, wo er getroffen war,\ndas Gehör. Der Unfall warf ihn auf ein langes Krankenla-\nger; trotz des Leidens verlor er nie den Muth, stemmte\nsich gegen den Schmerz und tröstete am meisten selbst\nseine Gattin, seine Kinder und seine Freunde. Auch die\nMusik kam ihm zu Hülfe; er fuhr fort, an dem Werke zu\narbeiten, welches auf eine so unheilvolle Weise unterbro-\nchen worden war. Zur Erinnerung an das traurige Ereig-\nniss überschrieb er die einzelnen Sätze:\nFievre und Le Delire, das Andante La Convalescence und\ndas Finale La Guerison. Es ist sein fünfzehntes Quintett,\neines seiner besten Werke, und wiewohl es ihm theuer\nzu stehen gekommen, hat er doch oft gesagt, dass er um\nAlles in der Welt nicht wünschte, es nicht geschrieben zu\nhaben.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-11-17-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-11-17_01#c002", "volume": "bmtnabi_1855-11-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "364", "page_fin": "367", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.2.2", "titre_corps": "Englische, französische und deutsche Musicanten im siebenzehnten Jahrhundert am Hofe des Herzogs zu Mecklenburg-Güstrow.", "titre_sommaire": "Englische, französische und deutsche Musicanten im siebenzehnten Jahrhundert am Hofe des Herzogs zu Mecklenburg-Güstrow.", "signature_source": "Chrysander", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.4", "debut_caractere": 2135, "fin_caractere_exclue": 4359, "texte": "Englische, französische und deutsche Musicanten im\nsiebenzehnten Jahrhundert am Hofe des Herzogs\nzu Mecklenburg-Güstrow.\nVon Dr. Chrysander.\n(S. Nr. 45.)\nII.\n2. Franzosen.\nDer folgende Herzog Adolf Friedrich nahm zuerst iür\nden Nothbedarf einige Deutsche in Dienst; 1646 Fried-\nrich Sülzen und seinen Sohn Adrian als Instrumen-\ntisten, und jetzt wieder mit der ausdrücklichen Anweisung:\nin der „Scbloss Capellen mit Musicirung Geistlicher\nLieder, auch iür unser Fürstlichen Taflei« aufzuwarten.\nSie dienten iür 60 Thlr. und 1 Thlr. Kostgeld die Woche.\nDer Organist Franz Schaumkell (seit 1650) bekam 50\nThlr. nebst Zubehör; dasselbe bekam der Violinist und\nCornettist Hardwich Wirzendorff mit dieser Neben-Bedin-\ngung: „Zumfal auch einer oder ander unter unsern gelieb-\nten Döchtern und Fräulein lust und liebe zur Bfusic trüge,\nsoll Er dieselben uff Instrumenten Reissig unterweissen.\"\nEs wurde aber französischer Geist auch in Deutsch-\nland, besonders an den Fürstenhöfen, immer mehr herr-\nschend, und da die Franzosen um diese Zeit anfingen, sich\nin der Musik hervorzuthun, kamen sie bald haufenweise in\ndie deutschen Capellen. Nach Mecklenburg, wenn anders\nsie Lust hatten, standen ihnen Thür und Thor offen, da\nder Herzog von Mecklenburg-Schwerin, Christian Louis,\nfast sein ganzes Leben in Paris zubrachte, katholisch\nwurde und als Schleppträger des französischen Königs dort\ndie Güter seines Landes verprasste. Sicher besorgte er die\nAnnahme einiger galanten Franzosen iür seinen Vetter,\nden neuen Herzog Gustav Adolf in Güstrow, der, ob-\nwohl er frömmer war oder doch sein wollte, durchaus\nnicht die leichtiüssige, muntere Kunst dieser Fremdlinge\nverschmähte.\nSo nahm Gustav Adolf den Daniel Danielis zum\nCapellmeister und Bassisten,\nund Nicolaus Chauveau aber zu Capellisten an, auch den\nCapellknaben Leonhard von der Hute und Servatius Ferdi-\nnandus König (Servais le Roy),und vielleicht noch einige\nAndere. Diese alle waren aus Brabant gebürtig, hatten in\nParis ihre Schule gemacht und gehörten vielleicht zu Einer\nund derselben musicalischen Wandertruppe.\nNeben diesen standen in der Capelle mehrere Deutsche,\ndie ihnen die Wage zu halten suchten, unter denen der\nHof-Organist Albert Schop und August in Pfleger,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4994, "texte": "ein trcfllicher Musicus, hervorstechen. Schop wird ebenfalls\ndurch Vermittlung des Schweriner Herzogs nach Güstrow\ngekommen sein; denn dieser war mit seinem Vater, dem\nberühmten Violinisten Johann Schop, in Paris bekannt ge-\nworden, was ich aus zwei merkwürdigen Briefen von Va-\nter Schop an den Herzog ersehe. Albert Schop setzte auch\nManches für die Capelle und liess davon als „ersten Theil\nder Musik-Andachten\" 1666 etwas in Rostock drucken\n(s. Walt her Lex. P. 556), das ich aber nicht auffinden\nkonnte. Ueber die Annahme des Capellmeisters finden sich\nkeine Acten, auch sonstige Nachrichten nicht; Walther sagt\nnur: „I). Danielis soll zu Güstrau Capellmeister gewesen\nseyn.\" (P. 199.) Er dürfte nicht viel vor 1660 angenom-\nmen sein.\nDer gottesfürchtige Herzog hatte es, was die Herbei-\nziehung der Ausländer anlangt, überhaupt gut im Sinne.\nEr ging sogar mit dem Gedanken um, sich aus Italien zwei\nCastraten zu verschreiben. Um aber in seinem durchaus\nder lutherischen Confession zugethanen Lande sich zu si-\nchern, stellte er an seinen geistlichen Rath vorerst folgende\nFrage:\n„ Wohlerwürdiger etc. Wir finden aus gewissen Ursa-\nchen nötig folgende quaestiongründlich zu Ob\nWir in Unsern Kirchen und Capellen\npontificiae religionis bona conscientiä ge-\nbrauchen Können. Werdet Ihr demnach nebenst Un-\nsern beyden Hoffpredigern in eurer Behaussung, weil die\nRahtstub hieroben zum Winter noch nicht ist, zu-\nsammen kommen, Diese quaestion wohlbedächtlich überle-\ngen Ein jeder sein votum ä pari auffsetzen, und Uns die-\nselbe schriftlich überschicken, Damit Wir was Wir des-\nwegen zu thun, einen endlichen schlus machen können, etc.\nGüstrow den 25. November. Ao. 1662. Gustaf? Adolph.\nDem Wohl würdigen und hochgelährten Unserm Oberhoff-\nprediger, Praesidi im Geistlichen und Kirchen Raht, auch\nConsistorial Raht und Scholarchen und lieben Andächtigen\nund Getrewen Ern Dr. Hermanno SchuJcmanno.\"\nDie Antwort wird ohne Zweifel bejahend ausgefallen\nsein, wenn auch erst nach einigen Hin- und Herreden, da\nein solcher Schritt allerdings gegen die üblichen Kirchen-\ngesetze verstiess. Es währte ein Jahr und länger, bis der\nHerzog in dieser Sache an einen gewissen Perseus in Wien\nfolgendes Schreiben richtete:\n»Demnach Wir verlangen tragen 2 gutte in\nUnsere Schlosscapell zu haben so recht exquisits und ex-\ncellents seind und wir darlür halten, dass Sie in Wien wohl\nzu bekonmen, so gesinnen wir an Euch hiemit gnedigst\nIhr wollet Euch fleissig erkundigen, ob nicht irgents in der\nKaiserlichen capeil, oder in Clöstern ein paar so Tlalianer\nundt aber recht excellentsseind anzutreffen, die sich anhero\nin Unser Dienste zu begeben lust und belieben trügen,\nWir seind erbötig, jeden järlich, da Sie nicht umb gerin-\ngem preiss wollten, 500 Thlr. besoltung zu geben, wo-\nbeneben Sie die fallende accedenlia zu gewarten haben, und\nhaben Sie Keine difjicultetwegen der zu machen,\ndann Wir viel Bedienten, worunter auch Unser Capell-\nmeister ist, so catholischer relig seind, zu dem können\nsie ihr exercilium religionis, weil Unsers Hertzog Christian\nLiebden [zu Schwerin] catholisch ist, alhie in der Nähe ha-\nben; Im fall dann obgedachtermassen 2 anzutreffen, sehen\nwir gerne, dass sie je ehr je lieber anhero kähmen, also\ndass sie noch vor Ostern alhir sein könten, und wollen wir\nso bald wir deswegen nachricht von Euch erlanget, Unsern\nCapellmeister Sie anhero zu hohlen nach Wien schicken,\nWir erwarten hierauff schleunige antwort und bleiben Euch\nmit gnaden gewogen. Dal.Güstrow d. 30. Jan. Ao. 1664.\nAn Perseus.\"\nWas der Wiener darauf erwidert, liegt nicht vor, ist\naber aus dem zweiten Schreiben des Herzogs vom 4. Au-\ngust 1664 zu entnehmen. Da in Wien keine zu bekom-\nmen, so solle er nach Venedig schreiben; mehr als 600\nThlr. gedenke er allerdings nicht zu geben, man komme\nhier aber weiter damit, als mit tausend Thalern in Wien.\nPerseus antwortet den 8. September 1664: Die italiäni-\nschen Castraten könnten in Italien selbst genug Dienste\nbekommen und brauchten nicht erst weit zu reisen. Der\nKaiser in Wien möchte selber noch gern einige haben,\nhätte sie aber bisher noch nicht erlangen können; und 800\nThaler wäre das Geringste. Dazu will sich der Herzog denn\nauch verstehen, im Fall es Niemand billiger thun wolle;\nPerseus solle Sorge tragen, dass die Sache bald zu Stande\nkomme. Dieser Brief vom 14. September 1664 ist der\nletzte. Wir dürfen annehmen, dass sich auch um diesen\nPreis kein musicalischer Hammel nach Mecklenburg ver-\ndungen hat; denn weiter wagten diese sich damals nicht\nin den Norden, als höchstens bis Dresden.\nDie Uneinigkeit war auch ohnehin schon ziemlich gross\nin unserer Capelle und unnöthig, neue Cabalenmacher für\nschweres Geld aus Italien zu holen. Schon 1662 war leb-\nhafter Zank zwischen Schop und dem Capellmeister. Schop\nbeklagte sich, Danielis sei bei einer Musik-Aufführung ge-\ngen ihn grob gewesen. Es kam zum Processe. Schop sagte,\ner habe vom Capellmeister nichts gelernt, dieser vielmehr\nihm manche Note abgeborgt, auch für den Monat auf dem"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5133, "texte": "Ciavier zu unterrichten ihm einen Ducaten geboten. Die\nScene ging auf dem Orgelchor vor sich. Danielis sagte,\nsolches wäre nicht wahr, Schop's Compositionen wären\nKinderpossen, aus seinen gestohlen und nicht werth, dass\netc. Er sprach Französisch; Schop sagte, „er möchte\nTeutsch reden\"; darauf griff Danielis nach dem Degen und\nforderte den Organisten. Die Eintracht war bald wieder\nhergestellt, dauerte aber nicht lange; denn Danielis fuhr\nfort, sich übermüthig zu benehmen, und Schop war der\nbeste Bruder auch nicht.\nSchon gegen Ende dieses Jahres hatte Danielis wieder\nScandal mit dem Sänger Johann Christoph Sparmann, der\nihn auch gerichtlich belangte. Sie waren sammt Schop und\ndem schon genannten Augustin Pfleger in des Weinschen-\nkers Johann Kindt Hause gewesen, „in guter Vertraulich-\nkeit sich beredet, ein Collegium Musicum zu halten, und\nwas Sie an accedentien krichten, einmütbigk gleich Unter-\neinander zu theilen.\" Hier brachte Danielis auf den Sänger\nStichelreden vor, als dieser klagte, Se. F. Durchl. wären\nihm nicht mehr so gnädig, als gestern und ehegestern,\nsonst hoffe er wohl noch, wie ihm versprochen, Kammer-\ndiener zu werden. Das komme wohl davon, sagte Danielis,\ndass er einmal trunken gewesen und vor Herzog Hans Jürgen,\nanstatt zu singen, närrische Geberden producirt habe. „Ein\nHundesvott, der das sagt!\" rief Sparmann. Der Capellmei-\nster zückte wieder den Degen, und der Lärm war in vol-\nlem Gange. Die Thatsachen erzählt Danielis selber, „Zei-\ngete auch dabei an,\" fährt das Protocoll fort, „dass die\nMusicanten Ihn allezeit höhnisch und mit Stichelworten\nanführen, deswegen Er auch ihre Companey meidete; In-\nsonderheit aber müste Er klagen, das Sie auf die Orgel\ndiese Verse geschrieben:\nWer einen Hasen im Busch hetzet,\nUndt ein Messer aufm Peltz wetzet,\nUnd einen Narren zum Nota Bene setzet,\nDer halt übel gehetzet, gewetzet und gesetzet.\nWelches Er nicht anders alss auf seine Persohn ziehen\nKönte; Undt wen etwas Vohrfiel, das musiciret werden\nsolte, sagten Sie nur der Bassiste müste das thun.\" Dies\nhatte aber Schop geschrieben; denn zum Schlüsse des Zeu-\ngen-Verhörs bekennt er: „Ja, das möchte er wol geschrie-\nben haben, die Vers habe er noch auf die alte Orgel ge-\nfunden, woselbst Er noch einen Vers dabey geschrieben,\nweil Ihme da ein Buch undt etzliche Pfeiffen aus dem\nRück Positieff gestohlen, nemblich:\nWer hier steiget über die Thüren ohne Uhrlaub\nDer wirdt ein Dieb undt wil einen Kirehenraub.\nUndt auf dieser neuwen Orgel habe es so lange gestanden,\nso lange die Orgel gebauvvet gewesen; Er wüste es sonst\nnicht eigendtlich; wolte es recht besehen undt seine Handt\nnicht leuchnen; Es wehren alte lang bekandte Verse, welche\nEr, wo Er sie geschrieben, in Gedancken dahin geschrie-\nben, undt weder den Capelmeister noch sonstcn jemandt\ndamit gemeinet sonsten wolte Er Sie schon längst ausge-\nleschet haben. Das übrige, alss solte er Ihn einen Bassis-\nten undt nicht Capelmeister genant haben, negirt Er Vor\nseine Persohn gentzlich Undt wüste auch nicht darumb,\ndas es andere Sölten gethan haben; Er habe Ihm allezeit,\nIhro Durchl. gnedigsten begehren nach, seinen Ehrentitul\ngegeben.\" Es wäre aber Herrn Schop trotz dieser verwirr-\nten Rechtfertigung bald schlimm ergangen, und fehlte nicht\nviel, so wäre er des Amtes entsetzt worden, nämlich we-\ngen der Verse. Denn der geistliche Rath Dr. Schückmann\nwar sehr entrüstet über solche Entheiligung des Gottes-\ndienst-Hauses, die sowohl, wie er mit griechischen Bibel-\nsprüchen beweist, „wider die erste Tafel des Göttlichen\nGesetzes, alss auch wider das Achte Gebot Verstösse\". Er\nbekam einen derben Verweis, die Anderen eine Verwar-\nnung, und also wurde die wichtige Sache friedlich beigelegt.\nAugustin Pfleger verliess wahrscheinlich um diese Zeit\nden Hof und fand in Holstein und Sachsen Dienst. 1667\nwurde Christoph Jäger für 140 Tblr. angenommen; Da-\nnielis gab ihm statt der Bestallung ein Handschreiben. Um\ndiese Zeit machte man auch den Versuch, die musicalischen\nLustbarkeilen mannigfaltiger zu machen. Es liegen zwölf\nBriefe von Danielis vor, eilf französische und ein lateini-\nscher, aus denen solches zu entnehmen ist. Nach dem einen\nBriefe, wahrscheinlich auch an den Hof-Secretär gerichtet, soll\neine itahänische Oper (Cornmedie Italienne), nach Art\nder in Dresden üblichen, aufgeführt und von Danielis com-\nponirt werden. Der Capellmeister bemerkt aber, in zehn\nbis zwölf Wochen könne er so etwas nicht zu Stande brin-\ngen, und dann wolle er auch was dafür haben; in Dresden\nwären die Opern prächtig, es würde aber auch etwas dar-\nauf verwandt. Er habe schon verschiedene Ballets compo-\nnirt und nichts bekommen; iür Lieder wären ihm zwar\neinmal 8 Thaler gereicht, aber der eines davon gesungen,\nhabe 10 bekommen; ob das gerecht sei? Hier haben wir\ndie erste Spur von einer Oper in Mecklenburg; das Ding\nwird auch danach gewesen sein.\nMeistenteils sind des Danielis Briefe mit Klagen über\nseine Feinde angefüllt. Schon in den ersten Jahren seiner\nDienstzeit klagt er über schlechten Tisch, woraus er sehen\nkönne, dass der Herzog sich um ihn gar nicht kümmere;\ncar Vous scavez Vous mesme que sur la moindre chosse qui"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3430, "texte": "ee faiez \\fait] a la court il ne manque iamais des Chica-\nneurs. Der Secretär soll den Herzog veranlassen, neue Mu-\nsiker anzunehmen, dann will er zwei bis drei Knaben zu-\nrichten; sonst bittet er um seinen Abschied. Am 1. Februar\nsucht er in einem lateinischen Schreiben an den Herzog um\nseine Entlassung nach; er wolle sich durch Reisen tüchti-\nger machen, nach einem bis zwei Jahren aber wieder an\ndiesen Hof zurückkehren. Die Sache wurde vertagt. 1662\ntrug er wieder darauf an, weil ihn seine Feinde nicht fried-\nlich leben liessen; und als er jetzt schon Abschied und\nReisegeld in Händen hatte, lenkte er ein, sagend: wenn\nder Herzog nur einige neue Musiker annehmen wollte, würde\ner gern weiter dienen. Darauf hin blieb er, einige Unter-\nbrechungen (wahrscheinlich die Jahre 1674 —1677) ab-\ngerechnet, bis 1681. Die Capelle wurde nach und nach\nsehr dünn. 1674 nahmen der Capellknabe Leonhard von\nder Hute und der Vocalist Nie. Chauveau Reissaus, letzte-\nrer über Hamburg und so weiter; 1679 entwich auch\nServ. le Roy, nachdem er seinen Monatssold in Empfang\ngenommen. Alle drei waren Brabanter. Der Herzog liess\nnachsetzen; den Vocalisten fing er wieder ein. Im Jahre\n1677, als Danielis abwesend war, erregte der Violinist\nJakob Schönemann (aus Altenburg, machte 1669 eine\nKunstreise, auf welcher er auch nach Güstrow kam und\nhier Dienst fand) überSchop's Compositionen neuen Streit;\ndenn er sagte zu Sparmann, der inzwischen die Leitung\nhatte, wenn er ihm noch einmal Sachen, „so der Organist\ngeschrieben, Vorlegte, wollte er sie in stücken zerreissen.\"\nAlso lauter Liebe und Eintracht. Sparmann ging ab.\nAls Danielis heimkehrte, sollte die Capelle auf einen\nbesseren Fuss gestellt werden. Er musste über den jetzi-\ngen Zustand derselben an den Präsidenten Bericht erstatten\nund die Personen angeben, welche noch nöthig wären. Sei-\nner Mittheilung vom 5. Juli 1678 zufolge waren jetzt nur\nfolgende sechs vorhanden: er, der Capellmeister, der Orga-\nnist, Ravissart, Chauveau, Violist Schönemann und Violist\nGerard; vier Franzosen und zwei Deutsche. Danielis konnte\nauch dieses Mal, wie es immer mit seinen Sachen gehapert\nhatte, nichts Rechtes schaffen, da er eine Haderkatze war\nund jallenthalben Feinde witterte. Es zog sich noch einige\nZeit k> hin, dann Ostern 1681 enthob ihn der Herzog\nseiner Dienste und berief Augustin Pfleger. Aus Danielis'\nletztem Briefe geht hervor, dass er an seinen Nachfolger\ngewisse Musicalien ausliefern sollte, dessen er sich aber\nweigert, weil solches ungebräuchlich wäre und die Musik\nihm gehöre. Auch bittet er um Auszahlung der noch rück-\nständigen Forderung, damit er sich bald anderswo hin be-\ngeben könne; denn ein Mann seiner Profession, sagt er,\nkönne ohne Herrn nicht leben.\nDieses Häuflein Franzosen macht einen bei Weitem\nweniger günstigen Eindruck, als die Bande Engländer. Es\nmögen in ihrer Art nicht ungeschickte Leute gewesen sein.\nAber es hilft Alles nichts, Franzosen und Deutsche können\nsich nun einmal nicht vertragen; bei jedem gemeinschaft-\nlichen Werke wird sich bald der geheime Widerwille bei-\nder Nationen gegen einander offenbaren. Hier auf musica-\nlischem Gebiete kam noch hinzu, dass die Franzosen vom\nHofe bevorzugt wurden, die untergebenen Deutschen aber\ndas sichere Gelühl hatten, dass sie es den Fremden gleich\nund wohl gar zuvor thun konnten. Die deutschen Musican-\nten täuschten sich nicht; wir sehen es selbst an den Schick-\nsalen unserer kleinen Capelle."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-11-17-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-11-17_01#c003", "volume": "bmtnabi_1855-11-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "367", "page_fin": "368", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.2.3", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.7", "debut_caractere": 3432, "fin_caractere_exclue": 5806, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöln. Die Soireen für Kammermusik im Saale des\nHotel Disch haben Dinstag, den 13. d. Mts., begonnen. Es\nwurde ein Violin-Quartett von J. Haydn und ein Quin-\ntett von Mozart (C-dur)von den Herren Th. Pixis und Der-\nckura (Violinen), Peters und M eck um (Bratschen) und B.\nBreuer (Violoncell) vorgetragen. Zwischen beiden Stücken spiel-\nten die Herren F. Hill er und Th. Pixis die grosse A-moll- So-\nnate für Pianoforte und Violine von Beethoven. Die Ausführung\nwar überall gut, zum Theil vortrefflich; das Publicum zeichnete\ndas Haydn'sche Quartett, vom Mozart'schen Quintett namentlich das\nAdagio und von der Sonate die Variationen über das Andante aus.\nUeber das wundervolle Adagio mit dem schmelzenden Dialog der\nVioline und Bratsche hat Mozart weder noch\nd'Amour, noch sonst Aehnliches darüber geschrieben, aber Jeder\nhört es auch ohne üeberschrift heraus; bei den Neueren muss man\nsehr oft die darüber geschriebene erst in die Musik hinein hören.\nFür das Zusammenspiel möchten wir nur einen kleinen Wink ge-\nben, nämlich den, dem kräftigen Vortrage neben dem zarten etwas\nmehr sein Recht zu geben; denn es gibt eine Gränze für das\nZarte, über welche hinaus es leicht ins Weichliche abarten kann.\n** Elberfeld» Ich habe Ihnen über einen ersten theatrali-\nschen Versuch einer jungen Dame zu berichten, dessen Gelingen\nSie um so mehr interessiren wird, da dieselbe eine Schülerin der\nRheinischen Musikschule und des Herrn Gesanglehrers E. Koch\nist. Fräulein Ida Dannemann trat am 13. d. Mts. auf der hie-\nsigen Bühne zum ersten Male auf, und zwar in der Rolle der Adal-\ngisa in Bellini's Norma. Schon nach dem Vortrage des Gebets er-\nregte sowohl die schöne, volle Stimme der jugendlichen Sängerin,\nals die Innigkeit des Gefühls, welche im Vortrage lag und von\neiner trefflichen Tonbildung unterstützt wurde, ganz aussergewöhn-\nlichen Beifall, der sich nach dem Duett mit Sever zu stürmischem\nHervorruf und Tusch des Orchesters steigerte. In diesen und allen\nübrigen Musikstücken, namentlich den Duetten mit Norma, zeigte\nFräul. Dannemann eine Sicherheit uqd musicalische Bildung, wel-\nche dem Zuhörer sehr wohl that. Möge ihr der erste Erfolg, der\ndurch nochmaligen Hervorruf am Schlüsse der Vorstellung bezeich-\nnet wurde, eine Ermunterung zum rüstigen Fortschreiten auf der\nKünstler-Laufbahn sein, zu welcher sie bedeutende Anlagen offen-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3960, "texte": "Bart hat. Den Orovist sang ebenfalls ein Schüler der Rheinischen\nMusikschule, Herr Walram (Krebs), mit Beifall.\nCuriosum. In einer Universitätsstadt in Norddeutschland ent-\nhält die dortige Zeitung folgende Ankündigung von G lavier-Un-\nterricht:\n„Es mag nicht geläugnet werden können, dass der Musik-Un-\nterricht sowohl für den Lehrenden, als auch für den Lernenden\nAnfangs kaum eine angenehme Seite hat. Der Lehrer sieht sich\nhöchslens durch das Honorar für seine saure Mühe entschädigt;\nder Schüler, der ohnehin bei seiner Mühe auf Schadenersatz keinen\nAnspruch hat, sieht sich für dieselbe wenigstens nicht belohnt. Was\nist nun wohl mehr des Lehrers Pflicht, als dass derselbe seine Schü-\nler auf die Zukunft hinweis't, die ihnen bei fortgesetztem Fleisse\nallein Lohn und Genuss zu gewähren vermag? Also Aufmunterung\nvon Seiten des Lehrers wäre eine seiner wichtigsten Pflichten. Nun\nist getheilter Schmerz stets nur halber Schmerz, getheilte Mühe\ndaher auch nur halbe Mühe. Wenn der Schüler daher seines Glei-\nchen, bei sich und um sich sähe, der mit ihm seine Anstrengung\nund Mühe gemein hätte, so müssten ihm dieselben nothwendig\nleichter werden. Daher ist es denn längst als zweckmässig erkannt,\ndass der Lehrer zwei Schüler zugleich unterrichte, wozu ein Cia-\nvier ausreicht. Noch zweckmässiger aber ist es, wenn der Lehrer\nvier Schüler zugleich unterrichtet, wozu denn zwei Claviere not-\nwendige Requisite sind. Dazu gehört nun aber ein Lehrer, nicht\nwie er ist, sondern wie er sein muss. Derselbe muss die Kunst\ndes Unterrichtens im Allgemeinen ganz und gar sein nennen kön-\nnen, wozu selten ein blosser Musiklehrer berechtigt ist. Wenn ich\nnun zu einem solchen Unterrichte mich erbiete, so bin ich mir be-\nwusst, dass ich dadurch allein schon über meine Qualificaiion ein\nUrtheii mir erlaubt habe, und ich läugne keineswegs die Absicht,\nes gethan haben zu wollen.\n„Mit der Bemerkung, dass ich bei meinem Unterrichte stets ein\nhöheres Ziel ins Auge fasse und die Erreichung desselben mir vor-\nsetzen werde, verbinde ich schliesslich noch die Bitte, dass man\nAnmeldungen mir N.N.strasse Nr. 747 baldigst machen wolle.44\n* * *\nDas hamburger Stadttheater hat der reiche Herr Sloman\nfür 170,300 Mark an sich gekauft. Am 2. October nahm er es in\nAugenschein; der Theater-Agent Herr Sachse, dessen Thätigkeit\nman die Vorstellungen in den letzten Monaten vor dem Schluss-\nTermine am 1. October verdankt, veranstaltete zu Ehren des Käu-\nfers eine Feierlichkeit, bei welcher Herr Sloman auf einem bekränz-\nten Lehnstuhle sass und vom Orchester Weber's Jubel-Ouverture\nmit dem „God save the King\" und vom Chor das Kreuzer'sche\nQuartett: „Dies ist der Tag des Herrn!44 entgegennahm. „Na,\nso muss et kommen !44 sagte ein Berliner, der zufällig zugegen war.\nHerr Joseph Hellmesberger aus Wien, Präsident der\n27. Glasse der Jury der Industrie-Ausstellung in Paris (über mu-\nsicalische Instrumente)/ ist vom Kaiser Napoleon 111. zum Ritter\nder Ehren-Legion ernannt worden.\nZur Feier des hundertjährigen Geburtstages Mozart's, 27. Ja-\nnuar 1856, veranstaltet der Verleger der N. W. Musik-Zeitung,\nHerr Glöggl, eine musicalische Feier im grossen Saale der fürst-\nlich Liechtenstein'schen Reitschule, und am 5. December d. J., dem\nSterbetage Mozart's, eine Todtenfeier durch grossartige Aufführung\ndes „Requiem,\" und durch feierliche Aufstellung des Grabsteines\nmit entsprechender Inschrift auf dem St. Marxer Kirchhofe. Nach\neiner Mittheilung der N. W. M.-Z. ist es jetzt gelungen, Mozart's\nGrab mit Sicherheit zu bezeichnen.\nIn der grossen Oper zu Paris ist ein neuer Tenorist, Namens\nWicart, im Eleazar in der Jüdin aufgetreten. Roger hat ein\nin ISew-~\\ ork angenommen und wird nächstens da-\nhin abgehen. Er hat vom Prinzen Napoleon eine Trinkschale von\nAchat, mit lopasen und .Türkisen besetzt, und von der Commission\ndes grossen Festes der Aussteller im Hotel du Louvre einen Dia-\nmantring für die Uebernahme der Tenor-Soli in der Fest-Cantate\nvon Auber erhalten."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.1", "texte": "George Onslow.\nEine biographische Skizze von J. F. Halévy.\nGelesen in der öffentlichen Jahressitzung der\nArts zu Paris den 6. October 1855.\nDer Name Onslow, der jetzt Frankreich angehört, ist\nder Name einer alten angelsächsischen Familie, deren Wur-\nzeln tief in den Boden von England gedrungen waren; spä-\nter wurde sie nach America verpflanzt, durch den Unab-\nhängigkeitskrieg jedoch wieder nach Grossbritannien zu-\nrückgeführt. George Onslow, der Erste aus dieser Familie,\nder auf französischem Boden geboren ist, hat seinem neuen\nYaterlande und dem neuen Zweige, dessen Sprosse er war,\ndie Erbschaft seines Ruhmes und seiner Werke hinter-\nlassen.\nIn den Vereinigten Staaten gibt es in Nord-Carolina\neine Landschaft Onslow. Wer auf diesen Namen in jenem\nfernen Lande stösst, wird mit freudiger Verwunderung\nmeinen, dass man jenseit des atlantischen Meeres dem\nTondichter der Quintette bereits eine so glänzende Huldi-\ngung dargebracht hat. Allein dem ist nicht also, sondern\njene Gegend war der Sitz der Vorfahren des Componisten,\nderen Verdienste um das Land die dankbaren Zeitgenossen\ndurch jenen Namen ehrten und sie auch nach ihrer Rück-\nkehr nach England nicht vergassen.\nIm Jahre 1783 reis'te ein junger Engländer, Edward\nOnslow, dessen Vater Mitglied des Parlaments war, auf\ndem Festlande. Er kam nach Frankreich. Da fesselte ihn\nein Band, das er zwar nicht gesucht hatte, dem er sich\naber gern fügte. Er fasste eine innige Neigung zu einem\nschönen jungen Fräulein in der Auvergne, heirathete sie\nund liess sich bei ihrer Familie nieder. Diese Familie trug\neinen berjühmten Namen; Fräulein Bourdeilles de Brantöme\nstammte von dem Chronisten ab, dessen einfache, natürlich\nderbe, alterthümliche Schreibart und gesunder Sinn in der\nälteren Geschiehts-Literatur einen hohen Rang behaupten.\nSie brachte ihrem Gatten Schönheit und Anmuth, Geist\nund Tugend, und obenein ganz hübsche Landgüter zur\nMorgengabe mit, welche, mit dem Vermögen des jungen\nLords zusammen genommen, wirklichen Reichthum bildeten.\nAm 27. Juli 1784 wurde aus dieser Ehe George\nOnslow zu Clermont-Ferrand geboren. Die Kunst, wel-\ncher er seinen künftigen Ruhm verdanken sollte, zog ihn\nschon früh an, und man legte seiner Neigung keineswegs\nBeschränkung auf; er erhielt musicalischen Unterricht neben\ndem wissenschaftlichen, freilich nur zum Zwecke allgemei-\nner Bildung; allein die Musik, die nur tropfenweise in seine\njunge Seele drang, füllte sie bald ganz, und aus dem Di-\nlettanten wurde ein Künstler.\nUm die Zeit, als Onslow seine musicalischen Studien\nbegann, war eben eine Revolution, aber eine sehr fried-\nliche, eingetreten. Das Ciavier, das schon lange das Spinett\ntodt gemacht hatte, unterlag seinerseits, und aus seinem\nnoch offenen Grabe erhob sich das Piano, welches die Welt\nerobern sollte, und das sich ohne Gewissensbisse der Erbschaft\ndessen, den es gemordet, bemächtigte. Man nannte das\nneue Instrument „Forte-Piano\" (ja, manchmal bloss „Forte\")\nwegen des leichten Uebergangs vom Starken zum Schwa-\nchen, den es ermöglichte, und des glücklichen Contrastes,\nder daraus entsprang. Diesen Contrast hatte der trockene\nund eintönige Anschlag des Claviers nicht hervorbringen\nkönnen. Die Saiten des Claviers, durch Federkiele oder\nMessingstöckchen angeschlagen, gaben nur einen schwachen,\nherben und wenig oder gar nicht zu nuancirenden Ton;\ndie Saiten des Forte-Piano, durch belederte Hämmer in\nSchwingung gesetzt, lieferten vollere, weichere, mehr zu\nverändernde und doch markigere und glänzendere Töne.\nBald kamen auch noch die Pedalzüge hinzu, wodurch man\ndie Fülle des Tones noch mehr mildern oder steigern\nkonnte. Daher fand man den Namen des neuen Instrumen-\ntes ganz passend. Aber wie bescheiden war noch der Klang\ndesselben! wie zaghaft trat es auf! wie fahl und bleich\nwürde sein damals so gerühmter Ton gegen den strahlen-\nden Glanz des jetzigen erscheinen! Das Forte-Piano hatte\nnoch nicht den riesigen Leib, die breite Brust, die eisernen\nRippen des heutigen Piano, und erst nachdem es bis zum"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.2", "texte": "Uebermaass die erste Hälfte seines Namens gerechtfertigt,\nhat man sie ihm geraubt!\nGeorge Onslow wurde nach London geschickt, um\ndort seine Erziehung zu vollenden, und erhielt sogleich die\nbesten Lehrer auf dem Forte-Piano, Hullmandel und Dus-\nsek, zwei der berühmtesten Pianisten; denn man darf nicht\nvergessen, dass es für das neue Instrument auch gleich\nvortreffliche Spieler gab, ja, dass eigentlich die Pianisten\neher da waren, als das Piano. Onslow, der ein sehr bedeu-\ntendes Talent zum Clavierspiel entwickelte, trat nach der\nSchule, welche er bei den genannten Musikern durchge-\nmacht hatte, noch unter die Leitung des grossen Meisters\nCramer, des Componisten der classischen Studien, welche\ndie Grundlage des guten Spiels bilden, damals des mit\nRecht gefeiertsten Lehrers, jetzt des Nestors der Clavier-\nspieler*). Bereichert mit dem Wissen und Können dreier\nausgezeichneten Lehrer, kehrte Onslow nach Frankreich zu-\nrück und brachte auch das Instrument mit, auf welchem\ner ihre Lehren genossen und praktisch geübt hatte.\nMan sollte vermuthen, dass tiefere musicalische Stu-\ndien sich nun zu dem eifrigen Streben des jungen Dilettan-\nten gesellt, dass der Reiz des heimatlichen Landes und das\nFeuer der Jugend die Phantasie geweckt, die Geheimnisse\nder Harmonie erschlossen, ihn zum Schaffen angeregt, dass\nseine Finger auf der Claviatur Melodieen und Verkettungen\nvon Accorden gesucht haben würden. Keineswegs. Die\nüebung der Technik und die Lust an der vollendeten Aus-\nführung erdrückten ganz und gar seine schöpferischen Fä-\nhigkeiten. Das Forte-Piano war ihm nicht Mittel, sondern\nZweck., Er hing mit ganzer Seele daran und war glücklich\nund zufrieden damit.\nAllein diese Ruhe der Unschuld wurde auf einmal ge-\nstört. Einst wohnte er einem Concerte bei, in welchem\nmehrere Stücke aus Opern von Mozart aufgeführt wurden.\nAlles war entzückt; nur ein einziger Zuhörer blieb kalt\nund ohne Begeisterung. Es war Onslow. Die Kunst, an\nwelcher er mit voller Neigung hing, welcher er seine Ju-\ngend gewidmet hatte, sie liess ihn kalt, er fühlte nicht ihre\nMacht ! Es fasste ihn eine Art von Grauen vor sich selbst.\nEr beschloss, seine Einsamkeit und seine einseitigen Stu-\ndien zu verlassen und aufzugeben und unter demselben\nHimmel, der sie erzeugt hatte, diese Musik zu hören, die\nkeinen Eindruck auf ihn und einen so gewaltigen auf alle\nanderen Menschen gemacht hatte. Er reis'te ab, und wie\nein Kranker, der unter einem milderen Himmelsstriche Ge-\nsundheit sucht, eilte er nach dem Lande, wo eine musica-\nlische Luft und harmonische Düfte wehen, nach Deutschland.\nMit reinem Herzen und aufrichtigem Glauben ging er\ndahin, und dennoch fand er keinen Balsam lür den inneren\nSchmerz, der ihn verzehrte. Vergebens entfalteten die Mei-\nsterstücke Mozart's ihre ganze Pracht vor ihm: die drama-\ntische Wahrheit war ihm ein Räthsel, die Grossartigkeit\ndes Stils packte ihn nicht; der Jüngling von zwanzig Jah-\nren blieb taub für die Wunder der Töne, der Jüngling von\nzwanzig Jahren blieb kalt beim Don Juan, bei der Zau-\nberflöte !\nErst die Ouvertüre zur Oper Stratonice von\nlös'te die Verzauberung. Ihre Anhörung weckte auf einmal\ndie Flamme in seinem Innern, bei deren Aufleuchten denn\nauch die Erinnerung an alles übrige, Schöne, die im Her-\nzen des jungen Künstlers schlief, erwachte. Denn man ge-\nwahrt das Kunstschöne nur erst im Wiederstrahl des Feu-\ners, das sich im eigenen Herzen entzündet.\nOnslow hat oft und gern von jenem Durchbruche des\nkünstlerischen Gefühls bei ihm erzählt. „Als ich jene Ouver-\ntüre hörte,\" sagte er*), „empfand ich eine so tiefe Aufre-\ngung in meinem Innern, dass ich mich auf einmal von Em-\npfindungen durchdrungen fühlte, die ich bis dahin nicht ge-\nkannt hatte. Noch jetzt ist dieser Augenblick meiner Seele\ngegenwärtig. Ich sah die Musik mit anderen Augen an, der\nSchleier zerriss, der mir ihre Schönheit verhüllte; sie wurde\ndie Quelle meiner innigsten Freuden und die treue Ge-\nfährtin meines Lebens.\"\nDie Wirkung dieser Verwandlung war eine doppelte.\nOnslow lernte nicht nur verstehen, lühlen, bewundern, son-\ndern der Trieb, selbst zu schaffen, zu componiren, drang\nplötzlich hervor, und bald zeigte ihm das neue Licht, das\nihm aufgegangen, die Unzulänglichkeit seiner bisherigen\nStudien. Er versuchte, ohne fremde Hülfe durch die Zer-\ngliederung der Werke, die ihn entzückten und deren Ver-\nständniss sich ihm nun öffnete, die Kunst zu erlernen, seine\nGedanken zu entwickeln und in mannigfachen Formen aus-\nzusprechen. Dann nahm er vorzugsweise ein Trio von Mo-\nzart zum Muster und componirte drei Trio's für Piano,\nVioline und Violoncell, welche er nachher auch drucken\nliess.\nSein Freund, Herr von Murat, späterhin Präfect des\nNord-Departements, ein sehr gebildeter Dilettant, der den\ngrössten Einfluss auf seine Studien hatte, rieth ihm nun,\neinen grösseren Meister zum Lehrer zu nehmen, um in die\n*) Fetis, Biographie des Musiciens. Gathy: Onslow, eine\nSkizze (Wien. Monatsschrift für Theater und Musik).\n\n*) Joh. Bapt. Cramer lebt noch; er wohnt in Kensington,\ndem westlichsten Theile von London, und ist jetzt 85 Jahre alt."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.3", "texte": "Geheimnisse der Kunst eingeweiht zu werden. Onslow\nwählte Reicha, der als ein Schüler Haydn's vor Kurzem\nsich in Paris niedergelassen hatte und bekanntlich später-\nhin Mitglied der Akademie der schönen Künste und einer\nder berühmtesten Compositions-Lehrer wurde.\nW eilige Monate von Unterricht reichten hin, um Ons-\nlow auf den richtigen Weg zu bringen, auf welchem er\ndann allein fortschreiten konnte. Seine ursprüngliche Nei-\ngung zog ihn zur Instrumental-Musik*). Ergriffen von der\nSchönheit der Ideen in Haydn's, Mozart's und Beethoven's\nCompositionen, bewunderte er in ihren Trio's, Quartetten\nund Quintetten den Reichthum, die Mannigfaltigkeit und\ndie Anmuth des Ausdrucks und die Freiheit, mit denen sie\nsich in den feststehenden Formen bewegten. Sie wurden\nseine Vorbilder, und er widmete sich mit feurigem Eifer\nderjenigen Kunstgattung, welche sie ins Leben gerufen und\nzur Vollendung gebracht hatten.\nWenngleich sich Onslow auch in anderen Gattungen\nmit Erfolg versucht hat, so sind es doch vorzüglich seine\nInstrumentalsachen, welche seinen Ruf gegründet und ihn\nin Europa verbreitet haben, und unter diesen wieder haupt-\nsächlich das, was er für die Kammermusik geschrieben hat.\nFrüher gebrauchte man diesen Ausdruck, nach dem Vor-\ngange der Italiäner, auch für Gesang-Musik; heutzutage\nbegreift man bekanntlich nur jene Art von Instrumental-\nMusik darunter, welche die feinste künstlerische Arbeit in\nTrio's, Quartetten und Quintetten offenbart.\nOnslow hatte in dieser schwierigen Gattung grossen\nErfolg; seine Compositionen wurden von Künstlern und\nDilettanten mit Ungeduld erwartet und überall aufgeführt,\nwo die Kammermusik in Ehren stand; die meisten dersel-\nben erschienen stets zugleich in Frankreich, Deutschland\nund England.\nWenn diese Erfolge nicht den glänzenden Wiederhall\nder Erfolge im Theater haben, so haben sie dagegen eine\nsicherere Grundlage; denn es findet sich bald zwischen\ndem Componisten und den Ausführern seiner Werke, Küns-\ntlern und gebildeten Dilettanten, eine Sympathie, die ein\nfestes Band knüpft und eine Art von Solidarität zwischen\nbeiden Theilen erzeugt. Zur Bewunderung des Werkes\ngesellt sich ein Gelühl der Dankbarkeit für dessen Urheber,\nin welchem die Spieler auch den Menschen lieben, der, von\nder edelsten Kunstgesinnung belebt, ihnen vor Allen, gleich-\nsam einer Art von Auserwählten, seine tiefsten Gedanken,\nseine schönsten Melodieen und Harmonieen widmet. Da\nihre Bewunderung auf einer klaren Ueberzeugung beruht,\nso sind sie auch weniger erpicht auf das Neue; da die For-\nmen so gut wie unabänderlich fest stehen, so machen sie\nkeine launenhaften Forderungen. So ruht der Erfolg des\nComponisten auf einer dauernden Grundlage durch seine\nVerbindung mit den Spielern, welche auf einen unverdor-\nbenen Geschmack, gründliche Studien, gegenseitig geach-\ntete Uebereinkunft und liebevollen Austausch von edler\nGesinnung und Gesittung, von guter Musik und guter Aus-\nführung begründet ist.\nDrei Mal jedoch hat Onslow diesen stillschweigenden\nVertrag zwischen sich und den Quartettspielern gebrochen,\ndrei Mal gab er den Aufforderungen anderer Freunde nach\nund verliess seine treue Schaar, um in ein anderes Lager\nüberzugehen. Er schrieb für das Thealer der komischen\nOper drei grosse Werke: L'Alcade de la Vega, im Jahre\n1824 —Le Colporteur, 1827 —Le Buc de Guise, 1837.\nSie erhielten Beifall, aber lieferten einen Beweis mehr, dass\nein correcter Geschmack, schöner Gesang, reine Harmonie\nund treffliche Instrumentation dennoch nicht immer hinrei-\nchen, dramatischen Compositionen einen dauernden Erfolg\nzu sichern *). Onslow, bei dem glücklicher Weise das Sprüch-\nwort: „Alte Liebe rostet nicht!\" eintraf, kehrte zu seiner\nursprünglichen Neigung zurück und wurde ihr nicht wie-\nder untreu.\nDenn man kann es keine Untreue nennen, wenn er\neine Streiferei in das Gebiet der Sinfonie hinüber machte;\nfreilich ein kühnes Unternehmen, welches aber der Erfolg\nund der Spruch so strenger Richter, wie die Zuhörer der\nConcerte des Conservatoire's sind, rechtfertigte. Den ersten\nVersuch der Art machte Onslow damit, dass er eines sei-\nner Quintette, welches er besonders gern hatte, und wel-\nches stets eine grosse Wirkung ausgeübt, in eine Sin-\nfonie umwandelte, wobei er nichts an der Form des Wer-\nkes änderte, auch alle Gedanken beibehielt, und nur den\nAusdruck und die Durchführung derselben im Ganzen und\nim Einzelnen den verschiedenen Stimmen des Orchesters\nanvertraute.\nOnslow's Leben würde ganz in ungestörtem Frieden\nund ruhigem Glücke dahin geflossen sein, wenn nicht ein\nböser Zufall ihn inmitten seiner Erfolge betroffen und seine\n\n*) Hal£vy hat vergessen, zu erwähnen, dass Onslow auch ein\nleidenschaftlicher und vorzüglicher Violoncellspieler war.\nDie Redaction.\n*) Von diesen Opern hat unseres Wissens nur\nunter dem Titel „Der Hausirer\" den Weg nach Deutschland\ngefunden, wo er öfter aufgeführt worden ist, ohne indess\ndurchzuschlagen. Die Ouvertüre wird auch jetzt noch zuwei-\nlen ausgeführt. Die Redaction."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.4", "texte": "Arbeiten unterbrochen halte. Er hatte in dem Künstler-\nleben, das er sich geschaffen, keineswegs den Vergnügun-\ngen des englischen Gentleman entsagt; in Paris nur Künst-\nler mit Leib und Seele, wurde er, sobald der Herbst ihn\naufs Land und in die Wälder rief, leidenschaftlicher Jäger.\nIm Jahre 1829 hatte man ihm zu Ehren in der Um-\ngegend von Nevers eine Jagd veranstaltet. Es handelte sich\ndarum, ein wildes Schwein, das man seit einigen Tagen ge-\nspürt hatte, zu erlegen. Onslow ging aber niemals auf die\nJagd, ohne ein Heft liniirten Notenpapiers mitzunehmen,\nworauf er die musicalischen Gedanken, welche ihm einfielen,\nund die den wahren Componisten nie verlassen, zu notiren\npflegte. Er nahm den Posten ein, auf welchem man ihn\nanstellte; allein die Sache wurde langweilig, und Onslow,\nder gerade die Skizze eines neuen Quintettes in seinem\nHefte angelegt hatte,, fängt an, mehr an dieses, als an den\nEber zu denken, geht etwas tiefer in den Wald hinein,\nsetzt sich auf einen Baumstamm und beginnt zu schreiben.\nAuf einmal fällt ein Schuss, und er sinkt blutend nieder.\nAnfangs verzweifelte man an seiner Rettung; die\nWunde war gefährlich, die Kugel hatte das Ohr getroffen\nund war in dem Halse stecken geblieben. Sie heraus zu\nziehen, war unmöglich, und Onslow trug das lästige An-\ndenken an diesen Unglückstag zeitlebens mit sich herum\nund verlor noch dazu auf der Seite, wo er getroffen war,\ndas Gehör. Der Unfall warf ihn auf ein langes Krankenla-\nger; trotz des Leidens verlor er nie den Muth, stemmte\nsich gegen den Schmerz und tröstete am meisten selbst\nseine Gattin, seine Kinder und seine Freunde. Auch die\nMusik kam ihm zu Hülfe; er fuhr fort, an dem Werke zu\narbeiten, welches auf eine so unheilvolle Weise unterbro-\nchen worden war. Zur Erinnerung an das traurige Ereig-\nniss überschrieb er die einzelnen Sätze:\nFievre und Le Delire, das Andante La Convalescence und\ndas Finale La Guerison. Es ist sein fünfzehntes Quintett,\neines seiner besten Werke, und wiewohl es ihm theuer\nzu stehen gekommen, hat er doch oft gesagt, dass er um\nAlles in der Welt nicht wünschte, es nicht geschrieben zu\nhaben.\n(Schluss folgt.)\n\nEnglische, französische und deutsche Musicanten im\nsiebenzehnten Jahrhundert am Hofe des Herzogs\nzu Mecklenburg-Güstrow.\nVon Dr. Chrysander.\n(S. Nr. 45.)\nII.\n2. Franzosen.\nDer folgende Herzog Adolf Friedrich nahm zuerst iür\nden Nothbedarf einige Deutsche in Dienst; 1646 Fried-\nrich Sülzen und seinen Sohn Adrian als Instrumen-\ntisten, und jetzt wieder mit der ausdrücklichen Anweisung:\nin der „Scbloss Capellen mit Musicirung Geistlicher\nLieder, auch iür unser Fürstlichen Taflei« aufzuwarten.\nSie dienten iür 60 Thlr. und 1 Thlr. Kostgeld die Woche.\nDer Organist Franz Schaumkell (seit 1650) bekam 50\nThlr. nebst Zubehör; dasselbe bekam der Violinist und\nCornettist Hardwich Wirzendorff mit dieser Neben-Bedin-\ngung: „Zumfal auch einer oder ander unter unsern gelieb-\nten Döchtern und Fräulein lust und liebe zur Bfusic trüge,\nsoll Er dieselben uff Instrumenten Reissig unterweissen.\"\nEs wurde aber französischer Geist auch in Deutsch-\nland, besonders an den Fürstenhöfen, immer mehr herr-\nschend, und da die Franzosen um diese Zeit anfingen, sich\nin der Musik hervorzuthun, kamen sie bald haufenweise in\ndie deutschen Capellen. Nach Mecklenburg, wenn anders\nsie Lust hatten, standen ihnen Thür und Thor offen, da\nder Herzog von Mecklenburg-Schwerin, Christian Louis,\nfast sein ganzes Leben in Paris zubrachte, katholisch\nwurde und als Schleppträger des französischen Königs dort\ndie Güter seines Landes verprasste. Sicher besorgte er die\nAnnahme einiger galanten Franzosen iür seinen Vetter,\nden neuen Herzog Gustav Adolf in Güstrow, der, ob-\nwohl er frömmer war oder doch sein wollte, durchaus\nnicht die leichtiüssige, muntere Kunst dieser Fremdlinge\nverschmähte.\nSo nahm Gustav Adolf den Daniel Danielis zum\nCapellmeister und Bassisten,\nund Nicolaus Chauveau aber zu Capellisten an, auch den\nCapellknaben Leonhard von der Hute und Servatius Ferdi-\nnandus König (Servais le Roy),und vielleicht noch einige\nAndere. Diese alle waren aus Brabant gebürtig, hatten in\nParis ihre Schule gemacht und gehörten vielleicht zu Einer\nund derselben musicalischen Wandertruppe.\nNeben diesen standen in der Capelle mehrere Deutsche,\ndie ihnen die Wage zu halten suchten, unter denen der\nHof-Organist Albert Schop und August in Pfleger,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.5", "texte": "ein trcfllicher Musicus, hervorstechen. Schop wird ebenfalls\ndurch Vermittlung des Schweriner Herzogs nach Güstrow\ngekommen sein; denn dieser war mit seinem Vater, dem\nberühmten Violinisten Johann Schop, in Paris bekannt ge-\nworden, was ich aus zwei merkwürdigen Briefen von Va-\nter Schop an den Herzog ersehe. Albert Schop setzte auch\nManches für die Capelle und liess davon als „ersten Theil\nder Musik-Andachten\" 1666 etwas in Rostock drucken\n(s. Walt her Lex. P. 556), das ich aber nicht auffinden\nkonnte. Ueber die Annahme des Capellmeisters finden sich\nkeine Acten, auch sonstige Nachrichten nicht; Walther sagt\nnur: „I). Danielis soll zu Güstrau Capellmeister gewesen\nseyn.\" (P. 199.) Er dürfte nicht viel vor 1660 angenom-\nmen sein.\nDer gottesfürchtige Herzog hatte es, was die Herbei-\nziehung der Ausländer anlangt, überhaupt gut im Sinne.\nEr ging sogar mit dem Gedanken um, sich aus Italien zwei\nCastraten zu verschreiben. Um aber in seinem durchaus\nder lutherischen Confession zugethanen Lande sich zu si-\nchern, stellte er an seinen geistlichen Rath vorerst folgende\nFrage:\n„ Wohlerwürdiger etc. Wir finden aus gewissen Ursa-\nchen nötig folgende quaestiongründlich zu Ob\nWir in Unsern Kirchen und Capellen\npontificiae religionis bona conscientiä ge-\nbrauchen Können. Werdet Ihr demnach nebenst Un-\nsern beyden Hoffpredigern in eurer Behaussung, weil die\nRahtstub hieroben zum Winter noch nicht ist, zu-\nsammen kommen, Diese quaestion wohlbedächtlich überle-\ngen Ein jeder sein votum ä pari auffsetzen, und Uns die-\nselbe schriftlich überschicken, Damit Wir was Wir des-\nwegen zu thun, einen endlichen schlus machen können, etc.\nGüstrow den 25. November. Ao. 1662. Gustaf? Adolph.\nDem Wohl würdigen und hochgelährten Unserm Oberhoff-\nprediger, Praesidi im Geistlichen und Kirchen Raht, auch\nConsistorial Raht und Scholarchen und lieben Andächtigen\nund Getrewen Ern Dr. Hermanno SchuJcmanno.\"\nDie Antwort wird ohne Zweifel bejahend ausgefallen\nsein, wenn auch erst nach einigen Hin- und Herreden, da\nein solcher Schritt allerdings gegen die üblichen Kirchen-\ngesetze verstiess. Es währte ein Jahr und länger, bis der\nHerzog in dieser Sache an einen gewissen Perseus in Wien\nfolgendes Schreiben richtete:\n»Demnach Wir verlangen tragen 2 gutte in\nUnsere Schlosscapell zu haben so recht exquisits und ex-\ncellents seind und wir darlür halten, dass Sie in Wien wohl\nzu bekonmen, so gesinnen wir an Euch hiemit gnedigst\nIhr wollet Euch fleissig erkundigen, ob nicht irgents in der\nKaiserlichen capeil, oder in Clöstern ein paar so Tlalianer\nundt aber recht excellentsseind anzutreffen, die sich anhero\nin Unser Dienste zu begeben lust und belieben trügen,\nWir seind erbötig, jeden järlich, da Sie nicht umb gerin-\ngem preiss wollten, 500 Thlr. besoltung zu geben, wo-\nbeneben Sie die fallende accedenlia zu gewarten haben, und\nhaben Sie Keine difjicultetwegen der zu machen,\ndann Wir viel Bedienten, worunter auch Unser Capell-\nmeister ist, so catholischer relig seind, zu dem können\nsie ihr exercilium religionis, weil Unsers Hertzog Christian\nLiebden [zu Schwerin] catholisch ist, alhie in der Nähe ha-\nben; Im fall dann obgedachtermassen 2 anzutreffen, sehen\nwir gerne, dass sie je ehr je lieber anhero kähmen, also\ndass sie noch vor Ostern alhir sein könten, und wollen wir\nso bald wir deswegen nachricht von Euch erlanget, Unsern\nCapellmeister Sie anhero zu hohlen nach Wien schicken,\nWir erwarten hierauff schleunige antwort und bleiben Euch\nmit gnaden gewogen. Dal.Güstrow d. 30. Jan. Ao. 1664.\nAn Perseus.\"\nWas der Wiener darauf erwidert, liegt nicht vor, ist\naber aus dem zweiten Schreiben des Herzogs vom 4. Au-\ngust 1664 zu entnehmen. Da in Wien keine zu bekom-\nmen, so solle er nach Venedig schreiben; mehr als 600\nThlr. gedenke er allerdings nicht zu geben, man komme\nhier aber weiter damit, als mit tausend Thalern in Wien.\nPerseus antwortet den 8. September 1664: Die italiäni-\nschen Castraten könnten in Italien selbst genug Dienste\nbekommen und brauchten nicht erst weit zu reisen. Der\nKaiser in Wien möchte selber noch gern einige haben,\nhätte sie aber bisher noch nicht erlangen können; und 800\nThaler wäre das Geringste. Dazu will sich der Herzog denn\nauch verstehen, im Fall es Niemand billiger thun wolle;\nPerseus solle Sorge tragen, dass die Sache bald zu Stande\nkomme. Dieser Brief vom 14. September 1664 ist der\nletzte. Wir dürfen annehmen, dass sich auch um diesen\nPreis kein musicalischer Hammel nach Mecklenburg ver-\ndungen hat; denn weiter wagten diese sich damals nicht\nin den Norden, als höchstens bis Dresden.\nDie Uneinigkeit war auch ohnehin schon ziemlich gross\nin unserer Capelle und unnöthig, neue Cabalenmacher für\nschweres Geld aus Italien zu holen. Schon 1662 war leb-\nhafter Zank zwischen Schop und dem Capellmeister. Schop\nbeklagte sich, Danielis sei bei einer Musik-Aufführung ge-\ngen ihn grob gewesen. Es kam zum Processe. Schop sagte,\ner habe vom Capellmeister nichts gelernt, dieser vielmehr\nihm manche Note abgeborgt, auch für den Monat auf dem"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.6", "texte": "Ciavier zu unterrichten ihm einen Ducaten geboten. Die\nScene ging auf dem Orgelchor vor sich. Danielis sagte,\nsolches wäre nicht wahr, Schop's Compositionen wären\nKinderpossen, aus seinen gestohlen und nicht werth, dass\netc. Er sprach Französisch; Schop sagte, „er möchte\nTeutsch reden\"; darauf griff Danielis nach dem Degen und\nforderte den Organisten. Die Eintracht war bald wieder\nhergestellt, dauerte aber nicht lange; denn Danielis fuhr\nfort, sich übermüthig zu benehmen, und Schop war der\nbeste Bruder auch nicht.\nSchon gegen Ende dieses Jahres hatte Danielis wieder\nScandal mit dem Sänger Johann Christoph Sparmann, der\nihn auch gerichtlich belangte. Sie waren sammt Schop und\ndem schon genannten Augustin Pfleger in des Weinschen-\nkers Johann Kindt Hause gewesen, „in guter Vertraulich-\nkeit sich beredet, ein Collegium Musicum zu halten, und\nwas Sie an accedentien krichten, einmütbigk gleich Unter-\neinander zu theilen.\" Hier brachte Danielis auf den Sänger\nStichelreden vor, als dieser klagte, Se. F. Durchl. wären\nihm nicht mehr so gnädig, als gestern und ehegestern,\nsonst hoffe er wohl noch, wie ihm versprochen, Kammer-\ndiener zu werden. Das komme wohl davon, sagte Danielis,\ndass er einmal trunken gewesen und vor Herzog Hans Jürgen,\nanstatt zu singen, närrische Geberden producirt habe. „Ein\nHundesvott, der das sagt!\" rief Sparmann. Der Capellmei-\nster zückte wieder den Degen, und der Lärm war in vol-\nlem Gange. Die Thatsachen erzählt Danielis selber, „Zei-\ngete auch dabei an,\" fährt das Protocoll fort, „dass die\nMusicanten Ihn allezeit höhnisch und mit Stichelworten\nanführen, deswegen Er auch ihre Companey meidete; In-\nsonderheit aber müste Er klagen, das Sie auf die Orgel\ndiese Verse geschrieben:\nWer einen Hasen im Busch hetzet,\nUndt ein Messer aufm Peltz wetzet,\nUnd einen Narren zum Nota Bene setzet,\nDer halt übel gehetzet, gewetzet und gesetzet.\nWelches Er nicht anders alss auf seine Persohn ziehen\nKönte; Undt wen etwas Vohrfiel, das musiciret werden\nsolte, sagten Sie nur der Bassiste müste das thun.\" Dies\nhatte aber Schop geschrieben; denn zum Schlüsse des Zeu-\ngen-Verhörs bekennt er: „Ja, das möchte er wol geschrie-\nben haben, die Vers habe er noch auf die alte Orgel ge-\nfunden, woselbst Er noch einen Vers dabey geschrieben,\nweil Ihme da ein Buch undt etzliche Pfeiffen aus dem\nRück Positieff gestohlen, nemblich:\nWer hier steiget über die Thüren ohne Uhrlaub\nDer wirdt ein Dieb undt wil einen Kirehenraub.\nUndt auf dieser neuwen Orgel habe es so lange gestanden,\nso lange die Orgel gebauvvet gewesen; Er wüste es sonst\nnicht eigendtlich; wolte es recht besehen undt seine Handt\nnicht leuchnen; Es wehren alte lang bekandte Verse, welche\nEr, wo Er sie geschrieben, in Gedancken dahin geschrie-\nben, undt weder den Capelmeister noch sonstcn jemandt\ndamit gemeinet sonsten wolte Er Sie schon längst ausge-\nleschet haben. Das übrige, alss solte er Ihn einen Bassis-\nten undt nicht Capelmeister genant haben, negirt Er Vor\nseine Persohn gentzlich Undt wüste auch nicht darumb,\ndas es andere Sölten gethan haben; Er habe Ihm allezeit,\nIhro Durchl. gnedigsten begehren nach, seinen Ehrentitul\ngegeben.\" Es wäre aber Herrn Schop trotz dieser verwirr-\nten Rechtfertigung bald schlimm ergangen, und fehlte nicht\nviel, so wäre er des Amtes entsetzt worden, nämlich we-\ngen der Verse. Denn der geistliche Rath Dr. Schückmann\nwar sehr entrüstet über solche Entheiligung des Gottes-\ndienst-Hauses, die sowohl, wie er mit griechischen Bibel-\nsprüchen beweist, „wider die erste Tafel des Göttlichen\nGesetzes, alss auch wider das Achte Gebot Verstösse\". Er\nbekam einen derben Verweis, die Anderen eine Verwar-\nnung, und also wurde die wichtige Sache friedlich beigelegt.\nAugustin Pfleger verliess wahrscheinlich um diese Zeit\nden Hof und fand in Holstein und Sachsen Dienst. 1667\nwurde Christoph Jäger für 140 Tblr. angenommen; Da-\nnielis gab ihm statt der Bestallung ein Handschreiben. Um\ndiese Zeit machte man auch den Versuch, die musicalischen\nLustbarkeilen mannigfaltiger zu machen. Es liegen zwölf\nBriefe von Danielis vor, eilf französische und ein lateini-\nscher, aus denen solches zu entnehmen ist. Nach dem einen\nBriefe, wahrscheinlich auch an den Hof-Secretär gerichtet, soll\neine itahänische Oper (Cornmedie Italienne), nach Art\nder in Dresden üblichen, aufgeführt und von Danielis com-\nponirt werden. Der Capellmeister bemerkt aber, in zehn\nbis zwölf Wochen könne er so etwas nicht zu Stande brin-\ngen, und dann wolle er auch was dafür haben; in Dresden\nwären die Opern prächtig, es würde aber auch etwas dar-\nauf verwandt. Er habe schon verschiedene Ballets compo-\nnirt und nichts bekommen; iür Lieder wären ihm zwar\neinmal 8 Thaler gereicht, aber der eines davon gesungen,\nhabe 10 bekommen; ob das gerecht sei? Hier haben wir\ndie erste Spur von einer Oper in Mecklenburg; das Ding\nwird auch danach gewesen sein.\nMeistenteils sind des Danielis Briefe mit Klagen über\nseine Feinde angefüllt. Schon in den ersten Jahren seiner\nDienstzeit klagt er über schlechten Tisch, woraus er sehen\nkönne, dass der Herzog sich um ihn gar nicht kümmere;\ncar Vous scavez Vous mesme que sur la moindre chosse qui"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.7", "texte": "ee faiez \\fait] a la court il ne manque iamais des Chica-\nneurs. Der Secretär soll den Herzog veranlassen, neue Mu-\nsiker anzunehmen, dann will er zwei bis drei Knaben zu-\nrichten; sonst bittet er um seinen Abschied. Am 1. Februar\nsucht er in einem lateinischen Schreiben an den Herzog um\nseine Entlassung nach; er wolle sich durch Reisen tüchti-\nger machen, nach einem bis zwei Jahren aber wieder an\ndiesen Hof zurückkehren. Die Sache wurde vertagt. 1662\ntrug er wieder darauf an, weil ihn seine Feinde nicht fried-\nlich leben liessen; und als er jetzt schon Abschied und\nReisegeld in Händen hatte, lenkte er ein, sagend: wenn\nder Herzog nur einige neue Musiker annehmen wollte, würde\ner gern weiter dienen. Darauf hin blieb er, einige Unter-\nbrechungen (wahrscheinlich die Jahre 1674 —1677) ab-\ngerechnet, bis 1681. Die Capelle wurde nach und nach\nsehr dünn. 1674 nahmen der Capellknabe Leonhard von\nder Hute und der Vocalist Nie. Chauveau Reissaus, letzte-\nrer über Hamburg und so weiter; 1679 entwich auch\nServ. le Roy, nachdem er seinen Monatssold in Empfang\ngenommen. Alle drei waren Brabanter. Der Herzog liess\nnachsetzen; den Vocalisten fing er wieder ein. Im Jahre\n1677, als Danielis abwesend war, erregte der Violinist\nJakob Schönemann (aus Altenburg, machte 1669 eine\nKunstreise, auf welcher er auch nach Güstrow kam und\nhier Dienst fand) überSchop's Compositionen neuen Streit;\ndenn er sagte zu Sparmann, der inzwischen die Leitung\nhatte, wenn er ihm noch einmal Sachen, „so der Organist\ngeschrieben, Vorlegte, wollte er sie in stücken zerreissen.\"\nAlso lauter Liebe und Eintracht. Sparmann ging ab.\nAls Danielis heimkehrte, sollte die Capelle auf einen\nbesseren Fuss gestellt werden. Er musste über den jetzi-\ngen Zustand derselben an den Präsidenten Bericht erstatten\nund die Personen angeben, welche noch nöthig wären. Sei-\nner Mittheilung vom 5. Juli 1678 zufolge waren jetzt nur\nfolgende sechs vorhanden: er, der Capellmeister, der Orga-\nnist, Ravissart, Chauveau, Violist Schönemann und Violist\nGerard; vier Franzosen und zwei Deutsche. Danielis konnte\nauch dieses Mal, wie es immer mit seinen Sachen gehapert\nhatte, nichts Rechtes schaffen, da er eine Haderkatze war\nund jallenthalben Feinde witterte. Es zog sich noch einige\nZeit k> hin, dann Ostern 1681 enthob ihn der Herzog\nseiner Dienste und berief Augustin Pfleger. Aus Danielis'\nletztem Briefe geht hervor, dass er an seinen Nachfolger\ngewisse Musicalien ausliefern sollte, dessen er sich aber\nweigert, weil solches ungebräuchlich wäre und die Musik\nihm gehöre. Auch bittet er um Auszahlung der noch rück-\nständigen Forderung, damit er sich bald anderswo hin be-\ngeben könne; denn ein Mann seiner Profession, sagt er,\nkönne ohne Herrn nicht leben.\nDieses Häuflein Franzosen macht einen bei Weitem\nweniger günstigen Eindruck, als die Bande Engländer. Es\nmögen in ihrer Art nicht ungeschickte Leute gewesen sein.\nAber es hilft Alles nichts, Franzosen und Deutsche können\nsich nun einmal nicht vertragen; bei jedem gemeinschaft-\nlichen Werke wird sich bald der geheime Widerwille bei-\nder Nationen gegen einander offenbaren. Hier auf musica-\nlischem Gebiete kam noch hinzu, dass die Franzosen vom\nHofe bevorzugt wurden, die untergebenen Deutschen aber\ndas sichere Gelühl hatten, dass sie es den Fremden gleich\nund wohl gar zuvor thun konnten. Die deutschen Musican-\nten täuschten sich nicht; wir sehen es selbst an den Schick-\nsalen unserer kleinen Capelle.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöln. Die Soireen für Kammermusik im Saale des\nHotel Disch haben Dinstag, den 13. d. Mts., begonnen. Es\nwurde ein Violin-Quartett von J. Haydn und ein Quin-\ntett von Mozart (C-dur)von den Herren Th. Pixis und Der-\nckura (Violinen), Peters und M eck um (Bratschen) und B.\nBreuer (Violoncell) vorgetragen. Zwischen beiden Stücken spiel-\nten die Herren F. Hill er und Th. Pixis die grosse A-moll- So-\nnate für Pianoforte und Violine von Beethoven. Die Ausführung\nwar überall gut, zum Theil vortrefflich; das Publicum zeichnete\ndas Haydn'sche Quartett, vom Mozart'schen Quintett namentlich das\nAdagio und von der Sonate die Variationen über das Andante aus.\nUeber das wundervolle Adagio mit dem schmelzenden Dialog der\nVioline und Bratsche hat Mozart weder noch\nd'Amour, noch sonst Aehnliches darüber geschrieben, aber Jeder\nhört es auch ohne üeberschrift heraus; bei den Neueren muss man\nsehr oft die darüber geschriebene erst in die Musik hinein hören.\nFür das Zusammenspiel möchten wir nur einen kleinen Wink ge-\nben, nämlich den, dem kräftigen Vortrage neben dem zarten etwas\nmehr sein Recht zu geben; denn es gibt eine Gränze für das\nZarte, über welche hinaus es leicht ins Weichliche abarten kann.\n** Elberfeld» Ich habe Ihnen über einen ersten theatrali-\nschen Versuch einer jungen Dame zu berichten, dessen Gelingen\nSie um so mehr interessiren wird, da dieselbe eine Schülerin der\nRheinischen Musikschule und des Herrn Gesanglehrers E. Koch\nist. Fräulein Ida Dannemann trat am 13. d. Mts. auf der hie-\nsigen Bühne zum ersten Male auf, und zwar in der Rolle der Adal-\ngisa in Bellini's Norma. Schon nach dem Vortrage des Gebets er-\nregte sowohl die schöne, volle Stimme der jugendlichen Sängerin,\nals die Innigkeit des Gefühls, welche im Vortrage lag und von\neiner trefflichen Tonbildung unterstützt wurde, ganz aussergewöhn-\nlichen Beifall, der sich nach dem Duett mit Sever zu stürmischem\nHervorruf und Tusch des Orchesters steigerte. In diesen und allen\nübrigen Musikstücken, namentlich den Duetten mit Norma, zeigte\nFräul. Dannemann eine Sicherheit uqd musicalische Bildung, wel-\nche dem Zuhörer sehr wohl that. Möge ihr der erste Erfolg, der\ndurch nochmaligen Hervorruf am Schlüsse der Vorstellung bezeich-\nnet wurde, eine Ermunterung zum rüstigen Fortschreiten auf der\nKünstler-Laufbahn sein, zu welcher sie bedeutende Anlagen offen-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551117-01.1.8", "texte": "Bart hat. Den Orovist sang ebenfalls ein Schüler der Rheinischen\nMusikschule, Herr Walram (Krebs), mit Beifall.\nCuriosum. In einer Universitätsstadt in Norddeutschland ent-\nhält die dortige Zeitung folgende Ankündigung von G lavier-Un-\nterricht:\n„Es mag nicht geläugnet werden können, dass der Musik-Un-\nterricht sowohl für den Lehrenden, als auch für den Lernenden\nAnfangs kaum eine angenehme Seite hat. Der Lehrer sieht sich\nhöchslens durch das Honorar für seine saure Mühe entschädigt;\nder Schüler, der ohnehin bei seiner Mühe auf Schadenersatz keinen\nAnspruch hat, sieht sich für dieselbe wenigstens nicht belohnt. Was\nist nun wohl mehr des Lehrers Pflicht, als dass derselbe seine Schü-\nler auf die Zukunft hinweis't, die ihnen bei fortgesetztem Fleisse\nallein Lohn und Genuss zu gewähren vermag? Also Aufmunterung\nvon Seiten des Lehrers wäre eine seiner wichtigsten Pflichten. Nun\nist getheilter Schmerz stets nur halber Schmerz, getheilte Mühe\ndaher auch nur halbe Mühe. Wenn der Schüler daher seines Glei-\nchen, bei sich und um sich sähe, der mit ihm seine Anstrengung\nund Mühe gemein hätte, so müssten ihm dieselben nothwendig\nleichter werden. Daher ist es denn längst als zweckmässig erkannt,\ndass der Lehrer zwei Schüler zugleich unterrichte, wozu ein Cia-\nvier ausreicht. Noch zweckmässiger aber ist es, wenn der Lehrer\nvier Schüler zugleich unterrichtet, wozu denn zwei Claviere not-\nwendige Requisite sind. Dazu gehört nun aber ein Lehrer, nicht\nwie er ist, sondern wie er sein muss. Derselbe muss die Kunst\ndes Unterrichtens im Allgemeinen ganz und gar sein nennen kön-\nnen, wozu selten ein blosser Musiklehrer berechtigt ist. Wenn ich\nnun zu einem solchen Unterrichte mich erbiete, so bin ich mir be-\nwusst, dass ich dadurch allein schon über meine Qualificaiion ein\nUrtheii mir erlaubt habe, und ich läugne keineswegs die Absicht,\nes gethan haben zu wollen.\n„Mit der Bemerkung, dass ich bei meinem Unterrichte stets ein\nhöheres Ziel ins Auge fasse und die Erreichung desselben mir vor-\nsetzen werde, verbinde ich schliesslich noch die Bitte, dass man\nAnmeldungen mir N.N.strasse Nr. 747 baldigst machen wolle.44\n* * *\nDas hamburger Stadttheater hat der reiche Herr Sloman\nfür 170,300 Mark an sich gekauft. Am 2. October nahm er es in\nAugenschein; der Theater-Agent Herr Sachse, dessen Thätigkeit\nman die Vorstellungen in den letzten Monaten vor dem Schluss-\nTermine am 1. October verdankt, veranstaltete zu Ehren des Käu-\nfers eine Feierlichkeit, bei welcher Herr Sloman auf einem bekränz-\nten Lehnstuhle sass und vom Orchester Weber's Jubel-Ouverture\nmit dem „God save the King\" und vom Chor das Kreuzer'sche\nQuartett: „Dies ist der Tag des Herrn!44 entgegennahm. „Na,\nso muss et kommen !44 sagte ein Berliner, der zufällig zugegen war.\nHerr Joseph Hellmesberger aus Wien, Präsident der\n27. Glasse der Jury der Industrie-Ausstellung in Paris (über mu-\nsicalische Instrumente)/ ist vom Kaiser Napoleon 111. zum Ritter\nder Ehren-Legion ernannt worden.\nZur Feier des hundertjährigen Geburtstages Mozart's, 27. Ja-\nnuar 1856, veranstaltet der Verleger der N. W. Musik-Zeitung,\nHerr Glöggl, eine musicalische Feier im grossen Saale der fürst-\nlich Liechtenstein'schen Reitschule, und am 5. December d. J., dem\nSterbetage Mozart's, eine Todtenfeier durch grossartige Aufführung\ndes „Requiem,\" und durch feierliche Aufstellung des Grabsteines\nmit entsprechender Inschrift auf dem St. Marxer Kirchhofe. Nach\neiner Mittheilung der N. W. M.-Z. ist es jetzt gelungen, Mozart's\nGrab mit Sicherheit zu bezeichnen.\nIn der grossen Oper zu Paris ist ein neuer Tenorist, Namens\nWicart, im Eleazar in der Jüdin aufgetreten. Roger hat ein\nin ISew-~\\ ork angenommen und wird nächstens da-\nhin abgehen. Er hat vom Prinzen Napoleon eine Trinkschale von\nAchat, mit lopasen und .Türkisen besetzt, und von der Commission\ndes grossen Festes der Aussteller im Hotel du Louvre einen Dia-\nmantring für die Uebernahme der Tenor-Soli in der Fest-Cantate\nvon Auber erhalten."}]}