{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-11-24-01", "volume": "bmtnabi_1855-11-24_01", "ocr_sha256": "b0387187dbc9d2700baa4275f00bfaea11278c87a0ac48735d72768d41204832", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/11/24_01/bmtnabi_1855-11-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-11-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-11-24_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-11-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "369", "page_fin": "370", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.2.1", "titre_corps": "George Onslow.", "titre_sommaire": "George Onslow.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4011, "texte": "George Onslow.\nEine biographische Skizze von J. F. Halévy.\nGelesen in der Öffentlichen Jahressitzung der Académie des Beaux\nArts zu Paris den 6. October 1855.\n(Fortsetzung, statt Schluss. S. Nr. 46.)\nAbgesehen von diesem Unfälle, von dem er sich übri-\ngens ganz wieder erholte, so dtiss er nichts an seiner Thä-\ntigkeit und an seinen Erholungen änderte, hatte Onslow\nein ruhiges und glückliches Leben. Unabhängig durch sein\nVermögen und durch seinen Charakter, vereinigte er die\nFreude am Componiren mit dem häuslichen Glücke an der\nSeite einer Gattin und dreier Kinder, welche mit denselben\nGefühlen an ihm hingen, die er ihnen weihte; so füllte eine\nschöne Doppclliebe, zur Kunst und zu den Seinigen, sein\nLeben aus. Frei und ungestört brachte er die schöne Jah-\nreszeit auf seinem Besitzthum in der Auvergne zu, sog aus\nder Natur die Begeisterung für die Kunst, schrieb ohne\nUnterbrechung und mit Lust und vollendete eine Reihe\nvon beinahe hundert Werken.\nIm Jahre 1842 war er, als Nachfolger von Cherubini,\nzum Mitgliede der Akademie der schönen Künste erwählt\nworden. Treu der Erfüllung seiner Pflichten als Akademi-\nker, verliess er alle Jahre in einem der schönsten Monate\nseinen reizenden Sommer-Aufenthalt, um seine Amtsgenos-\nsen mit seinen Kenntnissen und seiner Erfahrung bei der\nBcurtheilung der Arbeiten der jungen Preisbewerber zu\nunterstützen; dann kehrte er nach seiner lieben Villa zu-\nrück, die unterbrochene Arbeit wieder aufzunehmen. Den\nWinter lebte er in Paris; gewöhnlich brachte er dann ein\nneues Werk mit, dessen harmonische Geheimnisse nur erst\ndas stumme Notenpapier kannte. Bald aber verwandelten\nsich in vertrautem Freundeskreise die schweigenden Noten\nin melodische Töne.\nMan erzählt von Lully, dass er eines Tages eine aus-\nserordentliche Vorstellung sein r Oper Armide ansagen\nliess; man beeilt sich, die Sänger, die Tänzer, das Orchester\nzu benachrichtigen, Alles vorzubereiten und einzurichten.\nArmide und Hydraot, Rinaldo und der dänische Ritter, der\nHass, die Dämonen, die Nymphen, der Orchester-Dirigent\nmit dem Tactstocke, Alles ist bereits auf seinem Posten;\naber der glänzend erleuchtete Saal ist leer, die Thören\nbleiben geschlossen. Nur ein einziger Zuschauer zeigt sich\n—es ist Lully selbst; er nimmt Platz in seiner Loge und\ngibt das Zeichen zum Anfange der Oper. Für sich allein\nliess er die Armide aufführen; sein Vaterherz wollte ohne\nZeugen den Hochgenuss, den ihm sein Kind bereitete, ein-\nschlürfen, seine Armide, die er einst auf dem Krankenlager\nauf Befehl seines Beichtvaters ins Feuer geworfen hatte S\nGlücklicher Weise hatte er wahrscheinlich auf den Fall\nder Genesung—eine Abschrift von der Partitur behalten.\nOnslow hatte diesen ausschliesslichen Genuss seiner\nWerke oft, nur mit dem Unterschiede, dass hier die aus-\nführenden Künstler nicht auf Befehl zusammenkamen, son-\ndern sich ein Fest daraus machten, ihm allein seine Com-\npositionen vorzutragen. Sie spielten dann mit einer ganz\nbesonderen Aufmerksamkeit und Vollendung, und Onslow\nwusste seinen Dank auf eine so warme, aufgeregt lebhafte\nund hinreissende Weise in Worten, Blicken und Bewegun-\ngen auszusprechen, dass man nicht unterscheiden konnte,\nob der Freund oder der Componist den grösseren Antheil\nan der enthusiastischen Art hatte, in der er seine Befrie-\ndigung äusserte.\nDie Krankheit, welche Onslow dahinraffen sollte, be-\nfiel ihn nicht plötzlich. Seine Kräfte nahmen nach und nach\nab; namentlich erschraken seine Freunde über die grosse\nVeränderung in seinen Zügen, als er im Sommer 1852\nzum letzten Male in Paris war. Das Feuer seines Blickes\nwar erloschen er war sogar auf dem Einen Auge erblin-\ndet—, und seine sonst so lebhafte und schwungvolle Rede\nwar einsylbig und still geworden. Als er wieder abreis'te,\nkonnten wir uns trüber Ahnungen nicht erwehren. Sie\nwurden leider nur zu bald erfüllt 1 Im Monat September\nerkrankte sein Freund, Herr von Murat. Onslow, so\nschwach er sich selbst auch fühlte, besuchte ihn dennoch\nauf seinem Schlosse. Eines Abends setzte er sich an das"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4798, "texte": "Piano, sein Auge leuchtete mit einem letzten Strahl, und\nseine matten Finger, durch ein letztes Gefühl gestärkt, ent-\nlockten dem Instrumente Töne frommen Gebetes und Me-\nlodieen, die schon nicht mehr der Erde angehörten. Jeder\nantwortete still in seinem Herzen diesem ewigen Lebewohl,\ndas seiner Familie, die ihn umgab, dem Freunde, den er\nnicht wiedersehen sollte, und der Tonkunst galt, welche,\nwie er einst selbst gesagt hatte, die treue Gelährtin seines\nLebens geblieben war.\nEr kehrte nach Clermont zurück, um dort zu sterben;\nam 3. October 1852, in dem Augenblicke, wo der Tag\nanbrach, hörte sein edles Herz auf zu schlagen.\nWir haben oben gesagt, dass Onslow Cherubini's\nNachfolger in der Akademie geworden; es sei uns erlaubt,\nam Schlüsse dieser Skizze zu erzählen, auf welche Weise\neinst dieser grosse Meister dem Componisten Onslow sei-\nnen Beifall zu erkennen gab.\nMan hatte im Conservaloire eine Sinfonie von Onslow\naufgeführt. Eine Stelle derselben machte durch die Schön-\nheit des Gedankens und die geistvolle Darstellung desselben\nin der Instrumentirung besonderen Eindruck auf Cherubini.\nNach dem Concert sagte er kein Wort zu Onslow, Son-\nde n geht aufs Orchester, wo die Partitur der Sinfonie\nnoch auf Habeneck's Pulte lag, sucht diese Stelle in der-\nselben, lös't das Blatt aus und steckt es in die Tasche. Zu\nHause schreibt er mit eigener Hand das Blatt ab und legt\ndas Original in sein Gedenkbuch; dann ruft er den Bedien-\nten und sagt: „Bringen Sie diese Abschrift zu Herrn Ons-\nlow und sogen Sie ihm, ich hätte schon lange gewünscht,\netwas von seiner Handschrift zu besitzen.\"\nCherubini war bekanntlich sehr schwer zu befriedigen\nund nichts weniger als verschwenderisch mit Lohsprüchen,\nwie er denn einmal einem bedeutenden Componisten, dem\nsein Schweigen wehe that, zurief: „Wenn ich nichts sage,\nso heisst das, ich bin zufrieden.\" Um so mehr musste das\neben so glänzende als wohlwollende Zeugniss, das er Ons-\nlow auf jene Weise erlhcilte, diesen erfreuen; es war, als\nhätte der grosse Meister den Stimmen der Akademiker\nzum Voraus den Mann bezeichnen wollen, den er au sei-\nnem Nachfolger wählte.\nSo weit Ilalevy.\nWir geben als Nachtrag einige Ergänzungen zu sei-\nnem Aufsatze mit hauptsächlicher Berücksichtigung Ga-\nthy's in dessen oben angeführter Skizze, und zum Schlüsse\neinige Notizen über Onslow's Aufenthalt in Köln im Jahre\n1847.\nNicht bloss die innere Neigung, sondern auch zwei\näussere Anregungen bestimmten und förderten Onslow's\nfast ausschliessliche Composilions-Richfung auf Quartett-\nMusik. Die erste war, dass er, wie bereits oben in einer\nAnmerkung erwähnt ist, neben dem Ciavier das Yioloncell\nerlernt und sehr bald eine grosse Vorliebe für dieses In-\nstrument gewonnen hatte. Die zweite fand e,r in London\ndurch die Bekanntschaft mit einem der berühmtesten Vir-\ntuosen damaliger Zeit, „durch dessen Meislerschaft, wie\nGathy sagt, er vorzüglich zum Schaffen seiner Quintette mit\nContrabass angeregt wurde. Es war dies der als Contra-\nbassist von der Kritik und den Zeilgenossen als einzig und\nunerreichbar gefeierte Italiäner Dragonctti eine Bezeich-\nnung, die noch in letzterer Zeit Gramer, Kalkbrenner, Ons-\nlow selbst und Andere, die ihn gekannt, einstimmig als\nwohlverdient bestätigten. Unter dem Beistande des gewal-\ntigen Mannes erregten die Quintette Onslow's in London\nunbeschreibliches Aufsehen\" u. s. w.\nGeber den ersten theoretischen Unterricht, den der\nGraf von Murat Onslow ertheilte, sagt der Graf selbst:\n„Es würde mir nicht einfallen, mich als seinen ersten Leh-\nrer in der Compositum hinzustellen, wenn nicht er selbst\nbei jeder Gelegenheit mich als solchen anzuerkennen sich\nbeeifert hätte. Ich gab ihm freilich nur Elemeniar-Unter-\nricht, aber gründlichen, und somit die Mittel, auf gutem\nWege in die Tiefen der Kunst einzudringen, ausserhalb\nderen es weder wirkliches Verdienst gibt, noch wahrer\nRuhm zu erlangen ist.\" OnsJow widmete dem Grafen\naus Dankbarkeit sein erstes Werk, die drei Quintette (in\nE-, Es-und D-moll),welche als Opus I erschienen. Ha-\nie vy gibt, wie wir oben gesehen haben, die drei ersten\nClavier-Trio's als Onslow's erste Composition an, was sich\nnur dann mit dem urkundlichen Opus 1 vereinigen lässt,\nwenn man annimmt, dass Onsiöw die Ciavier- Tr io's zwar\neher geschrieben, aber später veröffentlicht habe. Im Gan-\n» zen hat er 36 Quartette und 34 Quintette herausgegeben.\nDie Widmungen Werke für Streich-Instrü-\nmente bilden, wie Gathv mit Recht sagt, eine Blumenlese\nder ausgezeichnetsten Quarteltisten. Zu den deutschen\nKünstlern, die darunter vorkommen, von denen Gathy die\nGebrüder Müller, die Bohrer, Pixis und F. Hiller\nnennt, gehören auch der treffliche, unlängst dahingeschiedene\nFranz Hart mann in Köln und die Genossen des hiesi-\ngen Quartett-Vereins (S. unten).\n(Schluss in der nächsten Nummer.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-11-24-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-11-24_01#c002", "volume": "bmtnabi_1855-11-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "371", "page_fin": "372", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.2.2", "titre_corps": "Englische, französische und deutsche Musicanten im siebenzehnten Jahrhundert am Hofe des Herzogs zu Mecklenburg-Güstrow.", "titre_sommaire": "Englische, französische und deutsche Musicanten im siebenzehnten Jahrhundert am Hofe des Herzogs zu Mecklenburg-Güstrow.", "signature_source": "Chrysander", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3999, "texte": "Englische, französische und deutsche Musicanten im\nsiebenzehnten Jahrhundert am Hofe des Herzogs\nzu Mecklenburg-Güstrow.\nVon Dr. Chrysander.\n(S. Nr. 45 und 46.)\nIII.\n3. Deutsche.\nAugustin Pfleger, Danielis' Nachfolger, hatte früher\nunter diesem in hiesiger Capelle gestanden, sich aber in-\nzwischen zu einem weit tüchtigeren Meister ausgebildet,\nals der Franzose war. Bald nach seinem Abgange von Gü-\nstrow muss er Capellmeister des Herzogs von Holstein-\nGottorf geworden sein (nach Möller in seinem grossen\nSammelwerke Cimbria literala, 3 Bde. Fol., das manche\ngute Nachricht über Componisten dieser Zeit enthält) und\nnach dieser Zeit zu Schlackewerde in Böhmen (Walther,\np. 476), vor seiner ersten Ankunft in Güstrow aber schon\nbei Herzog Julius Heinrich von Sachsen, da er sich auf sei-\nnem 1661 zu Dresden herausgegebenen Werke Psalmi\nDialogi e Motetlae plurium vocuso nennt (nach Gerber,\nA. Lex. 11., 124. Becker, Tonw. des 1 6. u. 17. Jahrb.,\np. 64). Dieses erste Capeilmeister-Amt mag iadess nicht\nweit her gewesen sein. Caspar Präelz in seiner „Histori-\nschen Beschreibung der Edelen Sing- und Kling-Kunst\"\n(p. 148) zählt ihn zu den besten Musicanten und Compo-\nnisten seiner Zeit, gibt aber von seinen Werken und Le-\nbens-Umständen nichts an. Dass er zweimal in Güstrow\ngewesen und dort zuletzt in einem ehrenvollen Dienste\nwahrscheinlich auch sein Leben beschlossen, finde ich nir-\ngends erwähnt.\nBevor Pfleger hier angenommen wurde, musste er\nseine Vorschläge wegen Einrichtung der Capelle dem Her-\nzoge schriftlich überreichen. Wir können aus seiner Darle-\ngung ersehen, welche bescheidene Ansprüche man damals\nhinsichtlich einer Hofcapelle machte.\n„Auf Ew. F. Durchl. gnedigsten Befehl zu folge habe\nich zu underthenigster Schuldigkeit hiebei einen aufsatz,\nwelcher gestalt eine compendiose,doch\npelle aufs geringst und lüglichst zu underhalten sey Under-\nthenigst überreichen wollen: mit welcher E. F. D. ich\ndurch die Gnade Gottes verhofle ein sattsames und\ngnedigstes Wohlgefallen zu geben, und konde meiner un-\nmassgeblichen meinung nach auf ein Jahr versuchet, so dan\nnach gnedigstem belieben geEndert werden. Nemlich:\n„1. Ein Cappelmeister, so dabei die Tenor stim bedienet,\nan Besoldung 300 Thlr.\n„2. Ein Organist . • 200 ,\n„3. Ein Bassist, so dabei die Violin strei-\nchet, und zur Noth einen\n(Fagott) und Flautin blaset 200 „\n„4. Ein Altist, so sich ebenfals zum Vio-\nlin solte gebrauchen lassen 200 „\n/\n„ 5. Ein Violinist, so den Princ führet,\ndabei ein Comelin oder Zink blaset,\nund auf dem Cythrin spielet 150 „\n„6. Einer so die ander Violin streichet,\ndabei einen guten Comelin oder Zin-\nken, und in der Viola gamba perfect\nund wohl passiren kann ...... 150 „\n„ 7. Ein gewisser und perfecterßassgeiger\noder Violonist, welches gleichsam der\nFundamente und nachdruckh der gan-\ntzen Music ist 150 „\n„8. Werden 2 gute Discantisleerfor-\ndert, dabei auch ein Kleiner Jung ab-\ngericht werden muss, damit wan einer\nvon den beiden die stim sel-\nbiger alsohald anstatt des mutirenden\nzu gebrauchen sey: welche in Kley-\ndung und Speisse also müssen gehal-\nten werden, wie es ihren zarten stim-\nmen dienlich und erfordern [?]\n„9. Ein Calcant 10 „\n„10. Saiten gelt 15 „\n„Summa . . 1375 Thlr.\"\nFreie Beköstigung, Wohnung und dergleichen sollten\nsie aber bei diesem schweren Solde nicht weiter beanspru-\nchen. Der Vorschläger setzt hinzu: Sollte Sereniss. hierauf\neingehen,\n„so wollte ich möglichsten Fleiss anwenden, obgc-\ndachte annoch drei ermangelnde Persohnen, als 1 Bassist\n[anstatt des abgegangenen Danielis] und 2 Violisten, an die\nHand zu schaffen. Solches auf ein Jahr zu versuchen und\ndan nach gnedigstem beliben zu endern.\"\nDer Herzog wünschte, wahrscheinlich Ersparniss hal-\nber, den Sängerchor der Gymnasiasten, zum Singen in der\nKirche verpflichtet, auch für seine Capelle zu verwerthen.\nPfleger meint aber:\n„ Die schüler betreffend, welche lhro D. in Choro Mu-\nsico mit zu gebrauchen gnedigst gesinnt, ist zwar zu einem\nvölligen Choro nicht undienlich, alleine dieselbe bei"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5075, "texte": "eerten mit singen zu lassen, würde I. D. ein schlechtes\ncontenlo geben. Und ist 1 mowegen ihrer schon bereits\nverderbten gewohnheit fast unmöglich, den ietzigen modum\nzu singen, ihnen beizubringen. Und 2 gesetzt es würde\neinem oder dem andern etwas mit grosser mühe beige-\nbracht, kan es doch mit ihnen kein bcstendigkeit haben,\nweilen etliche wegen Fortsetzung ihrer keine recht-\nschaffene professionvon der Mmachen würden, etliche\naber, so das vagirengewohnet, keinen stand halten, Doch\naber Ihro D. Aul gnedigstes begehren zu gehorsamen, kön-\nnen etliche von den besten ausgelassen werden, welche ich\ngerne nach meinem Vermögen Inslruiren Und ein tegliches\nexercitium mit ihnen vornehmen will damit sie wenigstens\npro Ripienis,oder in pleno Cmit gebraucht werden\nkönnen; Dazu würd aber 1 erfordert ein bequemer\north, und 2 do ein Positivumoder ohne welches ich\nmit ihnen nichts anzufangen weiss. Solchergestalt soll mir\nmöglichsten Fleisses angelegen sein zuforderst die Ehre\nRottes in der Kirchen zu befördern, dan auch zu fürstl.\nergötzlichkeit tarn vocibus quam nach gnedig-\nsten begehren ieder Zeit aufgewartet werden: das sodan\nUnnöttig die Rat Pfeiffer zu beruffen [d. i. Dass sodann un-\nnöthig ist, die Stadt-Musicanten in Anspruch zu nehmen]. \"\nHier sagt er es mit dürren Worten, dass weder die\nRaths- und Stadt-Musicanten, noch die kirchlichen Chor-\nschüler lür die neue Kunst zu gebrauchen wären; und\nhierin liegt das Undeutsche dieser ganzen neuen Kunst-\nweise. Zwar Kunst bleibt Kunst, und ihr Werth ist nicht\ndavon abhängig, ob ein roher Stadtpfeifer oder ein unge-\nhobeltes Pennal ihrer mächtig sind; dennoch ist das wahr-\nhaft Volksthümliche stets daran zu erkennen, dass es die\nvorhandenen Mittel nicht bei Seite schiebt, sondern benutzt\nund lür seinen Zweck läutert. Erst später, als die oratori-\nsche Composition den grossen Aufschwung nahm, konnten\ndie Deutschen wieder Chorus machen, eine Sangweise,\nsagt der alte Michael Prätorius, zu der sie von je her eine\nabsonderliche Neigung bezeigt haben. Die damalige Capell-\nMusik aber war durchaus concertmässig, das heisst, auf\nlauter Solostimmen berechnet. Daher wird sich auch Nie-\nmand, der die damaligen Compositionen kennt, über die\ndünne Besetzung wundern; sie vertrugen eine viel stärkere\ngar nicht, und die Capelle war vollzählig, wenn sie auch\nnur aus acht Personen bestand.\" Für die Verfeinerungen\nder Kunst, die immer deutlichere Hervorziehung des rein\nMusicalischen, ist solches Solo-Musiciren von grossem Nutzen\ngewesen, und in dieser Aufgabe hatten die kleinen Capellen\nihren Werth und ihren Halt.\n■ \\ C . /\nWir dürfen annehmen, dass der Zustand unserer Ca-\npelle in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren befriedigend\ngewesen. Pfleger überreichte bei seiner Annahme ein Ver-\nzeichniss von seinen Compositionen, 89 kleine Sätze zu 1\nbis 5 Stimmen und lauter Kirchenstücke über lateinische\nTexte. Unter ihm dienten der „Falsetist\" Daniel Dö-\nbricht, ein Sachse, 1680 aus Hamburg verschrieben,\nvielleicht von der dortigen Oper her; Gottfried Ritter;\nHeinrich Roseldt; Jakob Kayser. Kayser bittet in\neinem undatirten Gesuche um Erhöhung des Gehalts von\n„150 auf 200 Thaler, da er mit Frau und Kind um so\nkümmerlicher auskomme, weil ihm von je her Missgünslige\nhier das Leben sauer gemacht. In einem Schreiben von\n1694 beschweren er, Roseldt und Ritter sich über Belei-\ndigungen des Tanzmeisters (wahrscheinlich ein Franzose,\n1668 war hier J. Louis Seaur mit 200 Thlrn. Gehalt),\ndessgleichen über die vom Hofmarschall ihnen zuerkannte\nStrafe, und bitten um Entlassung. Möglich wäre es, dass\nwir in diesem Jakob Kayser einen nahen Verwandten oder\ngar den Vater des berühmten Opern-Componisten Reinhard\nKeiser vor uns haben; denn dieser soll ziemlich unverträg-\nlich gewesen und von einer Capelle zur anderen gewandert\nsein. Glänzend ist das Loos der güstrower Musiker sicher-\nlich nie gewesen. Schop war einmal so weit, dass er einem\ncertain gentil-hommesein Instrument verhandeln wollte.\nMitunter wählte er auch nach seiner pfiffigen Natur patrio-\ntische Schleichwege; 1674 schenkte der Herzog der ge-\nsammten Musik 40 Thlr. und liess sie an Schop zur Thei-\nlung auszahlen; dieser aber gab den Franzosen nichts ab,\nsondern vertrank es in Kind's Weinhaus mit seinen deut-\nschen Brüdern. Es kam auch vor, dass der Hof die Zah-\nlung anstehen liess. Als Musicus Schelle 1676 starb, hatte\ner 130 Thlr. zu fordern, die der Witwe aber bei den da-\nmaligen Kriegsunruhen nicht gereicht werden konnten; sie\nwar inzwischen eine arme, steinalte Person geworden und\nhalte noch 1723 nichts, wandte sich an den König von\nPolen, sogar an den Allergrossmächtigsten Kaiser, wurde\naber schliesslich im Jahre 1742 abgewiesen. Gegen Ende\ndes siebenzehnten Jahrhunderts nämlich starb die Linie\nGüstrow aus, und das Land fiel an Schwerin; der Schwe-\nriner Herzog weigerte sich aber, die alten güstrower Kam-\nmerschulden zu bezahlen. Dieses Erlöschen der Linie\nGüstrow ist auch eine der Haupt-Ursachen, dass aus der\ndortigen Capelle mit der Zeit nicht etwas Grösseres, ein\nOpern-Theater und dergleichen, hervorgegangen ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-11-24-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-11-24_01#c003", "volume": "bmtnabi_1855-11-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "373", "page_fin": "375", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.2.3", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. E", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5164, "texte": "Berliner Briefe.\n\n[Concerte des Orchester-Vereins Colbrun von\nBülow H. Berlioz' Flucht nach Aegypten Clara\nSchumann und Joachim Laub Sinfonie-\nSoireen Privat-Concerte n. s. w.]\nDen 18. November 1855.\nIch beginne meine Ueberschau der Concei te mit denen\ndes Orchester-Vereins. Das zweite derselben begann mit\nder A-tnoll-S\\u(oim von Gade, die ausser dem ersten Satze\nund dem interessant erfundenen und mit dufliger Leichtig-\nkeit durchgelührten Scherzo nicht viel Rühmenswerthes ent-\nhält. Dann spielte Herr v. Bülow das G-moll-Concert von\nMoscheies mit meisterhafter Technik und bewusstem Ver-\nständniss. Ein französischer Bassist, Herr Colbrun. den\nwir bald darauf in einer Matinee als einen trefflich gebilde-\nten und namentlich durch Weichheit des Klanges hervor-\nragenden Sänger kennen lernten, sang eine sehr veraltete\nArie von Sacchini. Auf Beethoven's Meeresstille und glück-\nliche Fahrt folgte zum Schluss die Ouvertüre zum Tann-\nhäuser, die von Herrn v. Bülow fest und lebendig geleitet\nund von dem Orchester mit glänzender Wirkung vorgetra-\ngen wurde; doch konnte auch diese Ausführung die Un-\nschönheiten und Maasslosigkeiten, die namentlich gegen das\nEnde des Werkes hervortreten, nicht eriräglicher machen.\nIn dem dritten Concerte fesselte vor Allem die treffliche\nAusführung der F-dwr-Sinfonie und des Tripel-Concertes\nvon Bach (durch die Herren v. Bülow, Krall und Eli-\niert). Ferner hörten wir die Hafis-Ouverture von Ehlert,\nüber die ich Ihnen schon früher einmal berichtet habe, ein\nWerk eines sehr fein fühlenden und edel gebildeten Musi-\nkers, etwas zu zart vielleicht und träumerisch; wir möch-\nten dem Componisten mehr männliche Kraft und Fülle\nwünschen; aber er ist ein Musiker, dessen Bestrebungen\nin den Traditionen der Vergangenheit einen festen, idealen\nBoden finden. Eine Sängerin, Fräul. Grosser, sang Beet-\nhoven's * Ah perfido\"mit sehr forcirtem Vortrage. Endlich\nkam die Flucht nach Aegypten von Berlioz zur Auffüh-\nrung. Berlioz hat sich wohl solcher musicalischen Mittel be-\ndient, die uns in die Stimmung, in die Situation versetzen.\nEinfachheit, Sanftmuth, Frömmigkeit sprechen sich in die-\nsen Tönen aus. Aber der Fehler liegt eben darin, dass\ndieses Bestimmte, was dargestellt werden soll, zu schroff' und\ngrell heraustritt, bisweilen sogar zur Caricatur wird. Auf\ndiesem Wege geht die Kunst eben so sehr in der Gewöhn-\nlichkeit und Geisllosigkeit unter, als auf dem entgegenge-\nsetzten, der zur Leerheit und Schaalheit führt. Sich allen\nmöglichen vereinzelten Stimmungen rückhaltlos hinzugeben,\nist im Leben wie in der Kunst das Zeichen eines ungebil-\ndeten Geistes, dem es an der wichtigsten Tugend, an der\nSelbstbeherrschung, fehlt. Von der höchsten künstlerischen\nAnschauung aus sollte jedes einzelne Kunstwerk ein Abbild\nder ganzen Kunst sein. Wenn wir nun auch zugeben, dass\nkleinere Abweichungen von dem Ideal zulässig sind, da sie\nsich durch das Gesammtieben wieder ausgleichen; wenn\nwir auch angeben, dass es gerade kein Unglück ist, hin und\nwieder sich in untergeordneter Weise anregen zu lassen,\nso werden wir doch niemals auf Werke, die nichts Besse-\nres leisten können, einen grossen Werth legen. Sie werden\nuns dazu dienen, eine augenblickliche Leere auszufüllen;\naber hiervon bis zu der Anerkennung eines Meisterwerkes\nund epochemachenden Fortschrittes ist noch ein weiter\nSchritt. Nur der Idealismus konnte Kunstwerke hervorbrin-\ngen, die für alle Zeiten und alle Menschen mustergültig\nsind; der moderne Realismus, dem es nicht mehr um das\nGanze, um das Ideal, sondern nur noch um Absonderlich-\nkeiten zu thun ist, musssich mit geringeren und stets zwei-\nfelhaften Erfolgen begnügen. Darum suchen wir Bach jetzt\nnach mehr als hundert Jahren wieder hervor, weil ein idea-\nler Trieb in ihm liegt, weil Bach in der Musik eben so we-\nnig schlaffer Genusssucht, als wüsten Aufregungen sich hin-\ngibt, weil er uns nicht in irgend eine beliebige, sondern in\ndie richtige Stimmung des Geistes versetzt, in jene kernige\nFrische rastloser und consequenter Thätigkeit. Wie lange\naber wird man sich für Werke interessiren, die höchstens\neinen äusseren Reiz und nichts innerlich Erhebendes ha-\nben? Das Genrehafte bringt überall den Untergang der\nKünste mit sich. Die Geschichte der griechischen und der\nmittelalterlichen Kunst gibt die Beweise dazu. Auch schon\ndie frühere Zeit hat musicalische Kunstwerke hervorge-\nbracht, die recht gute Genrebilder waren, aber sie wurden\nbald vergessen; denn* es liegt in der Eigentümlichkeit des\nMenschen, dass er das bloss Interessante oder Ansprechende\nzwar schnell ergreift, aber eben so schnell fallen lässt; nur\ndasjenige, was in sich selbst so erfüllt und reich ist, dass\nes nach keiner Seite hin einen Mangel zeigt, dauert für alle\nZeiten. Die Theilnahme für die Auflührungen des Orche-\nster-Vereins ist übrigens im Steigen und hat ihren Höhe-\npunkt wohl auch jetzt noch nicht erreicht. Die Concerte\nwerden von nächster Woche ab im Saale der Sing-Akade-\nmie Statt finden.\nAuf der Höhe solchen Ideals, wie es eben von uns\ngezeichnet wurde, standen die beiden Concerte, die Clara\nSchumann und Joachim gaben. Beide zusammen tru-\ngen die G-dur-Sonate von Beethoven (Op, 96) vor. Von"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5226, "texte": "Joachiin hörten wir eine G-dur-Sonate von Bach für Violine\nallein, das Violin-Concert und die G-dur-Romanze von Beet-\nhoven, ein Schumann'sches Lied und die Chaconne von\nBach (ausserdem noch in einem der für den Gustav-Adolf-\nVerein Statt findenden Concerte die Gesang-Scene von\nSpohr und Sücke von Paganini), von Clara Schumann das\nA-moll-Coneert von Schumann, ein musicalisch sehr werth-\nvolles, anmulhiges Werk, das weit mehr Berücksichtigung\nverdient, als es bis jetzt gefunden hat, Beethoven's geist-\nreiche Variationen in C-moll und die Es-dur-Sonate (Op.\n7), ferner Bach's chromatische Phantasie. Ausserdem hör-\nten wir noch in dem ersten dieser Concerte Schumann's\nernste und leidenschaftliche Ouvertüre zu Manfred. Was\nClara Schumann und Joachim leisten, ist zu bekannt, als\ndass es nöthig wäre, ihre Leistungen zu heurtheilen. Nur\ndarauf möchten wir jedesmal von Neuem hinweisen, dass\nBeide, namentlich aber Joachim, jenes Geheirnniss der Kunst\nbesitzen, mit allem Reiz der Mannigfaltigkeit die stets gleich-\nmässige Schönheit und Erhabenheit des Ideals zu verbin-\nden. Und darum ist auch Joachim mit seinem Spiel der\nüberall Siegreiche; in seiner Anerkennung schwinden alle\nPartei-Gegensätze. Zu denen, die ihm am nächsten stehen,\ngehört Laub, von dem ich die Chaconne zwei Mal, zwar\nnicht ganz mit der Kraft und Mannigfaltigkeit des Aus-\ndrucks, wie von Joachim, aber mit wundervoller Schönheit\ndes Tones und höchst edler, sinnvoller Auffassung und voll-\nendeter Technik spielen hörte. Möge es ihm dauernd in\nBerlin gefallen!\nIn den Sinfonie-Soireen der königlichen Capelle sind\nnur zwei neue Werke zur Aufführung gekommen (d. h.\nfür Berlin neu): die Waldnymphe von Sterndale Bennett,\ndie aber etwas zu mageren Inhaltes war, um Anklang fin-\nden zu können, und ein sinfonisches Werk von Roh. Schu-\nmann (Ouvertüre, Scherzo, Finale), das ich zufällig zu hö-\nren verhindert war; die beiden letzten Sätze haben vielen\nBeifall gefunden. Eine ungewöhnliche und mit vielem Bei-\nfall aufgenommene Abwechslung kam dadurch in das Pro-\ngramm dieser Concerte, dass Herr R a d ecke das G-dur-\nConcert von Beethoven spielte, mit vielem Geschmack und\nzartem Gefühl, im Ganzen aber vielleicht mit etwas zu ge-\nringer Hervorhebung der kräftigen Accente. Die Liebig'-\nschen Sinfonie-Soireen brachten die bekannten Werke; nur\nSpohr's Weihe der Töne, ein anziehendes, aber doch nicht\nbedeutendes Werk, an dem man sehen kann, wie ungeistig\nund äusserlich das geistreich sein sollende Programm-We-\nsen, ist hier selten gehört worden. Das erste Coneert der\nHerren Radecke und Grünwald fesselte namentlich\ndurch die vorzügliche Ausführung einer wenigstens in den\nersten Sätzen höchst reizenden e von Mozart.\nAuch war es uns interessant, Beethoven's Trio-Variationen\nüber den Schneider Kakadu zu hören. Zwei ansprechende\nGesang-Quartette von Hauptmann, zwei Gesang-Quartette\nvon Gade, die höchstens durch einzelne Klang-Effecte wir-\nken konnten, und ein Streich-Quartett von Mendelssohn\n(F-moll) bildeten den übrigen Inhalt des Programms. Der\nPianist Alfred Ja eil hat hier zweimal öffentlich gespielt\nund die Anerkennung gefunden, die sein zwar überwiegend\nauf äussere Eleganz gerichtetes, aber im Anschlag, in der\nFertigkeit und in der Oervorhebung des Gegensatzes von\nCantilene und Figurenwesen meisterhaftes Spiel verdient.\nAuch in dem Vortrage des Septuor von Hummel und eines\nsowohl in der Erfindung als in der Ausführung interessan-\nten Trio's von Rubinstein leistete er Vorzügliches.—\nMit wenigen Worten erwähne ich noch einiger anderen Vir-\ntuosen und Sänger, die in jüngster Zeit hier auftauchten.\nZunächst die drei Gebrüder Ii rass in, etwa in dem Aller\nvon zwölf bis achtzehn Jahren, die theils auf dem Piano,\ntheils auf der Violine eine sehr bedeutende Technik und\nwirkliches musicalisches Talent besitzen. Ihr Spiel ist stets\ninnig und zart empfunden. Ein Contrabassist Simon aus\nSondershausen empfahl sich durch vorzügliche Technik und\ngediegene Richtung; doch kam der schwerfällige Ton in\ndem weiten, leeren Räume des Krell'schen Saales nicht\nrecht zur Geltung. Fräul. Japhe aus Hamburg ist eine\nsehr gut gebildete Clavierspielerin. Eine Madame de Vi I-\n1a r, eine Portugiesin, Schülerin Garcia's, hat eine zwar\nnicht ganz gleichmässige, aber in der Höhe ausserordent-\nlich volle und runde Stimme. Herr G.uglieimi zeigte sich\nals einen itaüänischen Sänger von schönen Mitteln, aber\nsehr ungenügender Tonbildung. Fräul. Jenny Meyer,\neine Schülerin von Stern, machte durch ihre herrliche Alt-\nstimme, durch ihre fliessende Coloratur und ihren innigen,\nlebendigen Vortrag Aufsehen. Drei Schülerinnen von Man-\ntius, die Damen Schönchen, Düringer und de Ahne\n(letztere ist von Ostern ab auf drei Jahre in Dresden enga-\ngirt; sie hat ebenfalls eine sehr volle und in dem Umfange,\nwie in der Coloratur weit entwickelte Altstimme; doch hat\nder Klang noch etwas allzu Dunkeles und Hohles), sangen\nin dem oben erwähnten Gustav-Adolf-Concerte mit vielem\nGlück; eine Schülerin von Teschner, Fräul. Schmidt, hat\nunter allen diesen Sängerinnen den Vorzug der besten\nSchule, doch fehlt ihr noch Lebendigkeit, Färbung und\nSelbstständigkeit des Vortrages. Bei dieser Gelegenheit er-\nwähne ich auch einer Prüfung der Schüler des Stern-Marx'-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1442, "texte": "sehen Conservaloriums, die hinsichtisch des Gesanges und\nCiavierspiels durchweg befriedigende, theilweise vorzügliche\nResultate lieferte; die Composilions-Leistungen liessen auf\nein gutes Streben schliessen, hatten aber manches Ueber-\nschwiingliche und nicht hinreichend Abgeklärte. Die Oper\nhat nichts Neues gebrocht. Die Aufführung des Elias durch\nden Stern'sehen Gesang-Verein war hinsichtlich der Chöre\nund der- meisten Solo-Partieen vorzüglich. Der Jahns'sehe\nGesang-Verein veranstaltete eine recht gelungene Auffüh-\nrung zur Feier seines zehnjährigen Bestehens, in der na-\nmentlich das Vorspiel zu Hans Heilfng von Marschner uns\nim höchsten Grade fesselte. Der Hauer'sehe Gesang-Ver-\nein veranstaltete eine Kirchen-Aufführung, in der unter An-\nderem einige Chöre aus der Michaelis-Cahfate von Bach\ngesungen wurden. Der Tonkünstler-Verein gab ein Orgel-\nConcert. Rechnen Sie hierzu noch, dass Marx Vorlesungen\nüber Geschichte der Musik (für die Schüler des Conservato-\nriums und das grössere Publicum zugleich), Lindner Vor-\nlesungen über Geschichte der Oper (für die Schüler der\nKullak'schen Akademie und öffentlich) hält, von denen die\nersteren durch geistreiche Auffassung, die letzteren durch\nsorgfältige und kritische Zusammenstellung des Materials\nfesseln, so begreifen Sie, in welchem Ueberfluss wir leben,\nzugleich aber auch, dass es nicht immer angenehm ist, sich\ndurch diesen Ueberfluss des Schönen hindurch zu arbeiten.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-11-24-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-11-24_01#c004", "volume": "bmtnabi_1855-11-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "375", "page_fin": "375", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.2.4", "titre_corps": "Aus Bonn.", "titre_sommaire": "Aus Bonn.", "signature_source": "R. G", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.7", "debut_caractere": 1444, "fin_caractere_exclue": 3752, "texte": "Aus Bonn.\nR. G.\nAm 8. November halten wir unser erstes Abonnements-Concert.\nDas Programm lautete: l)Ouverlure zu den Abenceragen von Che-\nrubioi; 2) Haydn's Motette „Des Staubes eitle Sorgen\"; 3) Beetho-\nClavicr-Conccrl in Es, gespielt von Herrn Breunung aus Köln ;\n4) Gade's Cantate „Comala\". Letzteres Werk, das uns vor mehre-\nren Jahren schon einmal vorgeführt wurde, liess das ungemein\nzahlreich versammelte Publicum kalt, wogegen das Ciavier-Coneert\ndurch lebhaften Applaus ausgezeichnet wurde. Die Partie der Co-\nmala wurde durch eine hiesige Dilettantin recht wacker ausgeführt;\nfür den Fingal ist die Stimme des Herrn Schröters nicht recht ge-\neignet, was er indess so viel als möglich durch richtigen Vortrag\nzu ersetzen suchte. Unser neuer Concert-Director, Herr Albert\nDietrich, ein noch junger Mann, der sich recht gut anzulassen\nscheint, befriedigte nicht allein in dieser ersten Leistung sehr, son-\ndern erfreut sich auch bereits ungeteilter Sympathieen, wie man\nschon daraus entnehmen kann, dass der Chor, der unter seines\nVorgängers dreijähriger Leitung nur schwache Lebenskraft zeigte,\ngegenwärtig, wenn wir recht gesehen haben, über hundert Mitglie-\nder zählt. Herr Dietrich hat also neben dem Inhalt nicht die\nZahl verschmäht, wie es einst hiess, als die Trauben zu hoch\nhingen! Da auch unser Orchester in den letzten Jahren seine frü-\nhere Vollständigkeit verloren hat, so hatte Herr Dietrich sechs In-\nstrumentalen von Köln zur Mitwirkung engagirt; doch blieben zwei\ndavon aus, und wir musstenuns bei vier Violoncellen mit Einem Contra-\nbass begnügen. Eben so hatte die geschätzte Harfenspielerin, Frau\nLorcnt von Köln, erst zugesagt, dann aber wegen Unwohlseins wieder\nabgesagt, wressha!b das Ciavier die Stelle der Harfe vertreten musste.\nWarum uns Herr Theater-Director Kahle so ignorirt oder doch\nso lange auf sich warten lässt, darüber zerbricht man sich hier den\nKopf, da es keinem Zweifel unterliegt, dass sein Interesse erfor-\nderte, mehr den Anfang als das Ende des akademischen Semesters\nzu benutzen. Unsere Actionäre, die nahe daran waren, das Haus ä\ntont prix zu verkaufen, legen ihm doch gewiss keine Schwierigkei-\nten in den Weg, und dasselbe dürfen wir auch von unserer städti-\nschen Behörde vermuthen. Woran Hegt denn also die Schuld ?\nDarüber hätten wir gern Aufklärung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-11-24-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-11-24_01#c005", "volume": "bmtnabi_1855-11-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "375", "page_fin": "376", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.2.5", "titre_corps": "Dritter Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale.", "titre_sommaire": "Dritter Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.7", "debut_caractere": 3754, "fin_caractere_exclue": 5979, "texte": "Dritter Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale.\nDinstag, den 20. November.\nDas dritte Coneert war durch die Mitwirkung berühmter Gäste,\ndes Höf-Capellmeisters H. Marschner und seiner Gattin, geb.\nJanda, und des Viölin-Virtuosen Heinrich Wieniawski, aus-\ngezeichnet. Das Programm musste sich danach accommodiren.\nMarse h n e r dirigirte seine Ouvertüre zu dem dramatischen\nVolksmärchen „Der Goldschmied von Ulm\" von Mosenthal, wozu\ner Musik geschrieben hat; diese enthält Chöre, Lieder, Märsche,\nmelodramatische Slücke und Insirumentalsätze, welche den phan-\ntastischen Spuk der Gnomen und ihre zauberische Thätigkcit be-\ngleiten und beleben. Der erste Act hat ausser der Ouvertüre fünf\nNummern Musik, unter denen der Chor der Goldschmiede und\neine sehr lebendig ausgeführte Marktscene die umfangreichsten sind.\nDie Ouvertüre (Haupt-Tonart C-moü) versetzt uns durch dis An-\ndante, mit welchem sie beginnt, in jene romantische Stimmung,\nwelche Marschner so einzig durch Töne und Elarmoniecn anzure-\ngen weiss, die uns sogleich ahnen lassen, dass wir mit lieber- oder\nUnterirdischem, mit Einem Worte: mit dem Reiche der Geister,\nzu thun haben. Bald darauf erklingt eine einfache Marsch-Melodie,\nwelche durch die ganze Ouvertüre hindurch eine Hauptrolle spielt;\nihrem ersten Erscheinen folgt unmittelbar ein Allegro von dämoni-\nscher Farbe, in welchem es ringt und kämpft, siedet und braus't;\nimmer tönen die Anklänge jenes Marsches wieder dazwischen, bald\naus der Ferne, bald in der Nähe, und immer erwacht der Unge-\nstüm nach diesen Klängen wieder; wir ahnen, dass jene lieb-\nlichen Töne, welche nur wie ein musicalischer Contrast aussehen,\neine tiefere Bedeutung haben, dass sie irgend ein Herz in seiner\nGluth aufregen, und dass dieses Herz erst dann in seliger Freude\naufgeht, wenn am Schlüsse der Ouvertüre jenes Marsch-Thema in\nder Pracht des C-dur und der vollen Instrumentirung sich zu einem\nJubel, zu einem Siege entfaltet. Und so ist es auch; ein Hochzeits-\nzug droht dem Helden des Märchens seine Geliebte zu entreissen,\nsie einem Anderen zuzuführen: er verfällt dem Geiste des Bösen,\nbis endlich das Gute siegt und dieselben Töne ihn dem ersehnten\nZiele entgegen führen. Allein auch abgesehen von dieser Verbm-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3117, "texte": "Dung mit dem Inhalte des DramaV, ist die Ouvertüre ein wirkungs-\nreiches Musikstück voll Schwunges und schönen musicalischen\nGehalts,\nAusserdem hörten wir von Marschner's Coraposition: 1) „Burg-\nfräulein44, Gesangscene fürs Concert für eine Altstimme,, dem\nFräul. Therese Janda (der jetzigen Gattin des Componislen) gewid-\nmet. Text von J. v. Rodenberg. Die Scene ist als Op. 171 (die\nPartitur zum „Goldschmied44 u. s. w. hat Marschner mit Op. 174\nbezeichnet) mit Orchester-Begleitung und im Clavier-Auszuge bei\nJ. A. Böhme in Hamburg erschienen; wir werden darauf, da es\nuns heute an Raum fehlt, zurückkommen. 2) „Der Morgen-\nthau*4 von A. Zelter, eine sehr schöne Composition für. eine Alt-\nstimme und Orchester, in welchem die Streich-Instrumente con\nsordoni und Horn und Fagott, welche häufig mit der Stimme gehen\noder sie imitiren, eine wundervolle Wirkung machen. Auf das\nGanze passt der Spruch:\n„Bilde, Künstler, rede nicht!\nNur ein Hauch sei dein Gedicht!\"\nFrau Marschner trug beide Gesangstücke auf eine einfach\nedle Weise vor, fern von aller Ziererei und Affectation, ohne ge-\nsuchte Effecte, ohne forcirte Accentuation. Vielleicht ging sie in\ndieser Entsagung fast zu weit, indem namentlich der letzte lebhafte\nSatz in dem „Burgfräulein44 einen feurigen Ausdruck sehr wohl\nvertragen dürfte. Ihre Stimme ist von grossem Umfange und wohl-\ntuendem Klange; besonders schön sind die Brusttöne, welche bis\nzu seltener Tiefe klangvoll und edel sind, weit entfernt von jener\ngezcrrlen Breite, durch welche so viele Sängerinnen heutzutage ein\nRegister erzwingen wollen, das ihnen die Natur versagt hat. Dass\nsie dadurch der Menge hier und da imponiren, ist nur ein Beweis\nmehr von dem Mangel an Geschmack und musicalischer Bildung\nim grossen Publicum.\nIn der zweiten Abtheilung spielte Heinrich Wieniawski\ndas Violin-Concert von Mendelssohn. Wenn sich auch gegen\ndie Auffassung des Concertes als musicalisches Kunstwerk durch\nHerrn Wieniawski Manches erinnern liesse, so war doch die Aus-\nführung in dem Sinne, wie der Spieler das Musikstück nahm, mei-\nsterhaft und bewies, dass Herr Wieniawski mit Recht zu den Vio-\nlinisten ersten Ranges gezählt wird. An Sicherheit und technischer\nMeisterschaft wird er nicht leicht von einem der Zeitgenossen über-\ntroffen werden. Dies offenbarte sich besonders auch in den Varia-\ntionen von Paganini über Di lanti palpiti, ein in Bezug auf Inhalt\nganz unbedeutendes Stück, welches merkwürdiger Weise den\nSchluss des Concertes bildele, was hier etwas ganz Neues war, hof-\nfentlich aber nicht öfter vorkommen wird; denn unsere Geseil-\nschafcs-Concerte sind doch zu gut, um mit Faxen und Harlekinaden\ngeschlossen zu werden. Herr Wieniawski zeigte unter Anderem eine\nausserordentliche Sicherheit im Flageolet; allein schön können wir\nnun einmal das Flötenblasen auf der Violine nimmermehr finden.\nDass ihm stürmischer Beilall wurde, versteht sich von selbst.\nAn grösseren Sachen wurden Mozart\"s Es-dur-Sinfonie\nund Mendelssohn's zweichöriger Psalm 98 aufgeführt, Beides\n(bis auf einen kleinen Fehlgriff an dem einen Violinpulte) recht gut\nund der Psalm auch mit imposanten Kräften."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-11-24-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-11-24_01#c006", "volume": "bmtnabi_1855-11-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "376", "page_fin": "376", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unerhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unerhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.8", "debut_caractere": 3119, "fin_caractere_exclue": 5527, "texte": "Tages- und Unerhaltungs-Blatt.\n** Magdeburg. F. Hiller's Sinfonie in E-moll ist hier\nzwei Mal, am 24. und am 31. October, unter der Direction des\nHerrn Musik-Directors J. Mühling von einem stark besetzten Or-\nchester (20 Violinen, 6 Violen, 6 Celli und 4 Bässe) vor einem eben\nso zahlreichen als gesparnt lauschenden Publicum aufgeführt wor-\nden. Wir können uns nicht entsinnen, dass eine Sinfonie hier mit\nähnlicher Wärme aufgenommen worden wäre. Obwohl es in Mag-\ndeburg nicht Sitte ist, zu applaudiren, wenn nicht ganz besondere\nGelegenheit dazu geboten ist, so wurden doch bei beiden Auffüh-\nrungen namentlich die drei letzten Sätze mit den lautesten Beifalls-\nbezeugungen aufgenommen, während der ganz vortreffliche erste\nSatz besonders die Kenner und Musiker vorzüglich befriedigte. Die\nletzteren waren so eingenommen für das schöne Werk, dass sich\nsehr Viele erboten, die sämmtlichen Stimmen unentgeltlich abzu-\nschreiben, um die Sinfonie, die natürlich an den Herrn Componisten\nzurück gesandt werden musste, noch einmal aufführen zu können.\nDas Werk war übrigens von unserem trefflichen Dirigenten auf das\nsorgfältigste einstudirt, so dass die Ausführung eine ausgezeichnete«\nbis in die feinsten Details gelungene war.\nHerr von Flotow, der bekannte Componist, ist zum Inten-\ndanten des grossherzoglichen Hoftheaters in Schwerin ernannt\nworden.\nDas münchener Theater-Journal berichtet aus dem Badeorte\nIschl sehr vortheilhaft über den Tenoristen Herrn Wirz aus Köln.\nBei der pariser Ausstellung haben in der XXVII. Ciasse\nder Industrie Fabrication musicalischer Instrumente die\ngrosse goldene Ehren-Medaille erhalten: 1) Böhm in\nMünchen wegen Verbesserung des Baues der Flöten, Oboen und\nFagotte, auch anwendbar auf die Clarinctten, wodurch eine bisher\nnicht zu erreichende Reinheit der Stimmung erzielt wird. —2) Ca-\nvaille-Col in Paris für Orgelbau. 3) Die Handelskam-\nmer von Paris für die Superiorite de la fahricalion de Pianos\ndaselbst. 4) Sax in Paris für die ganze Gattung der von ihm\nverbesserten und erfundenen Blech-Instrumente. 5) Vuillaume\nin Paris wegen Vervollkommnung des Baues von Violinen und\nsämmtlichen Streich-Insirumenten nach dem Systeme der alten ita-\nlienischen Meister. Die Ehren-Medaille die pariser Häu-\nser Erard, Herz, Pleyel für Piano's, Alexandre für Harmo-\nniums u. s. w., Triebert & Comp, für Vervollkommnung der\nOboe, des englischen Hornes, des Baritons und Fagotts."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.1", "texte": "George Onslow.\nEine biographische Skizze von J. F. Halévy.\nGelesen in der Öffentlichen Jahressitzung der Académie des Beaux\nArts zu Paris den 6. October 1855.\n(Fortsetzung, statt Schluss. S. Nr. 46.)\nAbgesehen von diesem Unfälle, von dem er sich übri-\ngens ganz wieder erholte, so dtiss er nichts an seiner Thä-\ntigkeit und an seinen Erholungen änderte, hatte Onslow\nein ruhiges und glückliches Leben. Unabhängig durch sein\nVermögen und durch seinen Charakter, vereinigte er die\nFreude am Componiren mit dem häuslichen Glücke an der\nSeite einer Gattin und dreier Kinder, welche mit denselben\nGefühlen an ihm hingen, die er ihnen weihte; so füllte eine\nschöne Doppclliebe, zur Kunst und zu den Seinigen, sein\nLeben aus. Frei und ungestört brachte er die schöne Jah-\nreszeit auf seinem Besitzthum in der Auvergne zu, sog aus\nder Natur die Begeisterung für die Kunst, schrieb ohne\nUnterbrechung und mit Lust und vollendete eine Reihe\nvon beinahe hundert Werken.\nIm Jahre 1842 war er, als Nachfolger von Cherubini,\nzum Mitgliede der Akademie der schönen Künste erwählt\nworden. Treu der Erfüllung seiner Pflichten als Akademi-\nker, verliess er alle Jahre in einem der schönsten Monate\nseinen reizenden Sommer-Aufenthalt, um seine Amtsgenos-\nsen mit seinen Kenntnissen und seiner Erfahrung bei der\nBcurtheilung der Arbeiten der jungen Preisbewerber zu\nunterstützen; dann kehrte er nach seiner lieben Villa zu-\nrück, die unterbrochene Arbeit wieder aufzunehmen. Den\nWinter lebte er in Paris; gewöhnlich brachte er dann ein\nneues Werk mit, dessen harmonische Geheimnisse nur erst\ndas stumme Notenpapier kannte. Bald aber verwandelten\nsich in vertrautem Freundeskreise die schweigenden Noten\nin melodische Töne.\nMan erzählt von Lully, dass er eines Tages eine aus-\nserordentliche Vorstellung sein r Oper Armide ansagen\nliess; man beeilt sich, die Sänger, die Tänzer, das Orchester\nzu benachrichtigen, Alles vorzubereiten und einzurichten.\nArmide und Hydraot, Rinaldo und der dänische Ritter, der\nHass, die Dämonen, die Nymphen, der Orchester-Dirigent\nmit dem Tactstocke, Alles ist bereits auf seinem Posten;\naber der glänzend erleuchtete Saal ist leer, die Thören\nbleiben geschlossen. Nur ein einziger Zuschauer zeigt sich\n—es ist Lully selbst; er nimmt Platz in seiner Loge und\ngibt das Zeichen zum Anfange der Oper. Für sich allein\nliess er die Armide aufführen; sein Vaterherz wollte ohne\nZeugen den Hochgenuss, den ihm sein Kind bereitete, ein-\nschlürfen, seine Armide, die er einst auf dem Krankenlager\nauf Befehl seines Beichtvaters ins Feuer geworfen hatte S\nGlücklicher Weise hatte er wahrscheinlich auf den Fall\nder Genesung—eine Abschrift von der Partitur behalten.\nOnslow hatte diesen ausschliesslichen Genuss seiner\nWerke oft, nur mit dem Unterschiede, dass hier die aus-\nführenden Künstler nicht auf Befehl zusammenkamen, son-\ndern sich ein Fest daraus machten, ihm allein seine Com-\npositionen vorzutragen. Sie spielten dann mit einer ganz\nbesonderen Aufmerksamkeit und Vollendung, und Onslow\nwusste seinen Dank auf eine so warme, aufgeregt lebhafte\nund hinreissende Weise in Worten, Blicken und Bewegun-\ngen auszusprechen, dass man nicht unterscheiden konnte,\nob der Freund oder der Componist den grösseren Antheil\nan der enthusiastischen Art hatte, in der er seine Befrie-\ndigung äusserte.\nDie Krankheit, welche Onslow dahinraffen sollte, be-\nfiel ihn nicht plötzlich. Seine Kräfte nahmen nach und nach\nab; namentlich erschraken seine Freunde über die grosse\nVeränderung in seinen Zügen, als er im Sommer 1852\nzum letzten Male in Paris war. Das Feuer seines Blickes\nwar erloschen er war sogar auf dem Einen Auge erblin-\ndet—, und seine sonst so lebhafte und schwungvolle Rede\nwar einsylbig und still geworden. Als er wieder abreis'te,\nkonnten wir uns trüber Ahnungen nicht erwehren. Sie\nwurden leider nur zu bald erfüllt 1 Im Monat September\nerkrankte sein Freund, Herr von Murat. Onslow, so\nschwach er sich selbst auch fühlte, besuchte ihn dennoch\nauf seinem Schlosse. Eines Abends setzte er sich an das"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.2", "texte": "Piano, sein Auge leuchtete mit einem letzten Strahl, und\nseine matten Finger, durch ein letztes Gefühl gestärkt, ent-\nlockten dem Instrumente Töne frommen Gebetes und Me-\nlodieen, die schon nicht mehr der Erde angehörten. Jeder\nantwortete still in seinem Herzen diesem ewigen Lebewohl,\ndas seiner Familie, die ihn umgab, dem Freunde, den er\nnicht wiedersehen sollte, und der Tonkunst galt, welche,\nwie er einst selbst gesagt hatte, die treue Gelährtin seines\nLebens geblieben war.\nEr kehrte nach Clermont zurück, um dort zu sterben;\nam 3. October 1852, in dem Augenblicke, wo der Tag\nanbrach, hörte sein edles Herz auf zu schlagen.\nWir haben oben gesagt, dass Onslow Cherubini's\nNachfolger in der Akademie geworden; es sei uns erlaubt,\nam Schlüsse dieser Skizze zu erzählen, auf welche Weise\neinst dieser grosse Meister dem Componisten Onslow sei-\nnen Beifall zu erkennen gab.\nMan hatte im Conservaloire eine Sinfonie von Onslow\naufgeführt. Eine Stelle derselben machte durch die Schön-\nheit des Gedankens und die geistvolle Darstellung desselben\nin der Instrumentirung besonderen Eindruck auf Cherubini.\nNach dem Concert sagte er kein Wort zu Onslow, Son-\nde n geht aufs Orchester, wo die Partitur der Sinfonie\nnoch auf Habeneck's Pulte lag, sucht diese Stelle in der-\nselben, lös't das Blatt aus und steckt es in die Tasche. Zu\nHause schreibt er mit eigener Hand das Blatt ab und legt\ndas Original in sein Gedenkbuch; dann ruft er den Bedien-\nten und sagt: „Bringen Sie diese Abschrift zu Herrn Ons-\nlow und sogen Sie ihm, ich hätte schon lange gewünscht,\netwas von seiner Handschrift zu besitzen.\"\nCherubini war bekanntlich sehr schwer zu befriedigen\nund nichts weniger als verschwenderisch mit Lohsprüchen,\nwie er denn einmal einem bedeutenden Componisten, dem\nsein Schweigen wehe that, zurief: „Wenn ich nichts sage,\nso heisst das, ich bin zufrieden.\" Um so mehr musste das\neben so glänzende als wohlwollende Zeugniss, das er Ons-\nlow auf jene Weise erlhcilte, diesen erfreuen; es war, als\nhätte der grosse Meister den Stimmen der Akademiker\nzum Voraus den Mann bezeichnen wollen, den er au sei-\nnem Nachfolger wählte.\nSo weit Ilalevy.\nWir geben als Nachtrag einige Ergänzungen zu sei-\nnem Aufsatze mit hauptsächlicher Berücksichtigung Ga-\nthy's in dessen oben angeführter Skizze, und zum Schlüsse\neinige Notizen über Onslow's Aufenthalt in Köln im Jahre\n1847.\nNicht bloss die innere Neigung, sondern auch zwei\näussere Anregungen bestimmten und förderten Onslow's\nfast ausschliessliche Composilions-Richfung auf Quartett-\nMusik. Die erste war, dass er, wie bereits oben in einer\nAnmerkung erwähnt ist, neben dem Ciavier das Yioloncell\nerlernt und sehr bald eine grosse Vorliebe für dieses In-\nstrument gewonnen hatte. Die zweite fand e,r in London\ndurch die Bekanntschaft mit einem der berühmtesten Vir-\ntuosen damaliger Zeit, „durch dessen Meislerschaft, wie\nGathy sagt, er vorzüglich zum Schaffen seiner Quintette mit\nContrabass angeregt wurde. Es war dies der als Contra-\nbassist von der Kritik und den Zeilgenossen als einzig und\nunerreichbar gefeierte Italiäner Dragonctti eine Bezeich-\nnung, die noch in letzterer Zeit Gramer, Kalkbrenner, Ons-\nlow selbst und Andere, die ihn gekannt, einstimmig als\nwohlverdient bestätigten. Unter dem Beistande des gewal-\ntigen Mannes erregten die Quintette Onslow's in London\nunbeschreibliches Aufsehen\" u. s. w.\nGeber den ersten theoretischen Unterricht, den der\nGraf von Murat Onslow ertheilte, sagt der Graf selbst:\n„Es würde mir nicht einfallen, mich als seinen ersten Leh-\nrer in der Compositum hinzustellen, wenn nicht er selbst\nbei jeder Gelegenheit mich als solchen anzuerkennen sich\nbeeifert hätte. Ich gab ihm freilich nur Elemeniar-Unter-\nricht, aber gründlichen, und somit die Mittel, auf gutem\nWege in die Tiefen der Kunst einzudringen, ausserhalb\nderen es weder wirkliches Verdienst gibt, noch wahrer\nRuhm zu erlangen ist.\" OnsJow widmete dem Grafen\naus Dankbarkeit sein erstes Werk, die drei Quintette (in\nE-, Es-und D-moll),welche als Opus I erschienen. Ha-\nie vy gibt, wie wir oben gesehen haben, die drei ersten\nClavier-Trio's als Onslow's erste Composition an, was sich\nnur dann mit dem urkundlichen Opus 1 vereinigen lässt,\nwenn man annimmt, dass Onsiöw die Ciavier- Tr io's zwar\neher geschrieben, aber später veröffentlicht habe. Im Gan-\n» zen hat er 36 Quartette und 34 Quintette herausgegeben.\nDie Widmungen Werke für Streich-Instrü-\nmente bilden, wie Gathv mit Recht sagt, eine Blumenlese\nder ausgezeichnetsten Quarteltisten. Zu den deutschen\nKünstlern, die darunter vorkommen, von denen Gathy die\nGebrüder Müller, die Bohrer, Pixis und F. Hiller\nnennt, gehören auch der treffliche, unlängst dahingeschiedene\nFranz Hart mann in Köln und die Genossen des hiesi-\ngen Quartett-Vereins (S. unten).\n(Schluss in der nächsten Nummer.)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.3", "texte": "Englische, französische und deutsche Musicanten im\nsiebenzehnten Jahrhundert am Hofe des Herzogs\nzu Mecklenburg-Güstrow.\nVon Dr. Chrysander.\n(S. Nr. 45 und 46.)\nIII.\n3. Deutsche.\nAugustin Pfleger, Danielis' Nachfolger, hatte früher\nunter diesem in hiesiger Capelle gestanden, sich aber in-\nzwischen zu einem weit tüchtigeren Meister ausgebildet,\nals der Franzose war. Bald nach seinem Abgange von Gü-\nstrow muss er Capellmeister des Herzogs von Holstein-\nGottorf geworden sein (nach Möller in seinem grossen\nSammelwerke Cimbria literala, 3 Bde. Fol., das manche\ngute Nachricht über Componisten dieser Zeit enthält) und\nnach dieser Zeit zu Schlackewerde in Böhmen (Walther,\np. 476), vor seiner ersten Ankunft in Güstrow aber schon\nbei Herzog Julius Heinrich von Sachsen, da er sich auf sei-\nnem 1661 zu Dresden herausgegebenen Werke Psalmi\nDialogi e Motetlae plurium vocuso nennt (nach Gerber,\nA. Lex. 11., 124. Becker, Tonw. des 1 6. u. 17. Jahrb.,\np. 64). Dieses erste Capeilmeister-Amt mag iadess nicht\nweit her gewesen sein. Caspar Präelz in seiner „Histori-\nschen Beschreibung der Edelen Sing- und Kling-Kunst\"\n(p. 148) zählt ihn zu den besten Musicanten und Compo-\nnisten seiner Zeit, gibt aber von seinen Werken und Le-\nbens-Umständen nichts an. Dass er zweimal in Güstrow\ngewesen und dort zuletzt in einem ehrenvollen Dienste\nwahrscheinlich auch sein Leben beschlossen, finde ich nir-\ngends erwähnt.\nBevor Pfleger hier angenommen wurde, musste er\nseine Vorschläge wegen Einrichtung der Capelle dem Her-\nzoge schriftlich überreichen. Wir können aus seiner Darle-\ngung ersehen, welche bescheidene Ansprüche man damals\nhinsichtlich einer Hofcapelle machte.\n„Auf Ew. F. Durchl. gnedigsten Befehl zu folge habe\nich zu underthenigster Schuldigkeit hiebei einen aufsatz,\nwelcher gestalt eine compendiose,doch\npelle aufs geringst und lüglichst zu underhalten sey Under-\nthenigst überreichen wollen: mit welcher E. F. D. ich\ndurch die Gnade Gottes verhofle ein sattsames und\ngnedigstes Wohlgefallen zu geben, und konde meiner un-\nmassgeblichen meinung nach auf ein Jahr versuchet, so dan\nnach gnedigstem belieben geEndert werden. Nemlich:\n„1. Ein Cappelmeister, so dabei die Tenor stim bedienet,\nan Besoldung 300 Thlr.\n„2. Ein Organist . • 200 ,\n„3. Ein Bassist, so dabei die Violin strei-\nchet, und zur Noth einen\n(Fagott) und Flautin blaset 200 „\n„4. Ein Altist, so sich ebenfals zum Vio-\nlin solte gebrauchen lassen 200 „\n/\n„ 5. Ein Violinist, so den Princ führet,\ndabei ein Comelin oder Zink blaset,\nund auf dem Cythrin spielet 150 „\n„6. Einer so die ander Violin streichet,\ndabei einen guten Comelin oder Zin-\nken, und in der Viola gamba perfect\nund wohl passiren kann ...... 150 „\n„ 7. Ein gewisser und perfecterßassgeiger\noder Violonist, welches gleichsam der\nFundamente und nachdruckh der gan-\ntzen Music ist 150 „\n„8. Werden 2 gute Discantisleerfor-\ndert, dabei auch ein Kleiner Jung ab-\ngericht werden muss, damit wan einer\nvon den beiden die stim sel-\nbiger alsohald anstatt des mutirenden\nzu gebrauchen sey: welche in Kley-\ndung und Speisse also müssen gehal-\nten werden, wie es ihren zarten stim-\nmen dienlich und erfordern [?]\n„9. Ein Calcant 10 „\n„10. Saiten gelt 15 „\n„Summa . . 1375 Thlr.\"\nFreie Beköstigung, Wohnung und dergleichen sollten\nsie aber bei diesem schweren Solde nicht weiter beanspru-\nchen. Der Vorschläger setzt hinzu: Sollte Sereniss. hierauf\neingehen,\n„so wollte ich möglichsten Fleiss anwenden, obgc-\ndachte annoch drei ermangelnde Persohnen, als 1 Bassist\n[anstatt des abgegangenen Danielis] und 2 Violisten, an die\nHand zu schaffen. Solches auf ein Jahr zu versuchen und\ndan nach gnedigstem beliben zu endern.\"\nDer Herzog wünschte, wahrscheinlich Ersparniss hal-\nber, den Sängerchor der Gymnasiasten, zum Singen in der\nKirche verpflichtet, auch für seine Capelle zu verwerthen.\nPfleger meint aber:\n„ Die schüler betreffend, welche lhro D. in Choro Mu-\nsico mit zu gebrauchen gnedigst gesinnt, ist zwar zu einem\nvölligen Choro nicht undienlich, alleine dieselbe bei"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.4", "texte": "eerten mit singen zu lassen, würde I. D. ein schlechtes\ncontenlo geben. Und ist 1 mowegen ihrer schon bereits\nverderbten gewohnheit fast unmöglich, den ietzigen modum\nzu singen, ihnen beizubringen. Und 2 gesetzt es würde\neinem oder dem andern etwas mit grosser mühe beige-\nbracht, kan es doch mit ihnen kein bcstendigkeit haben,\nweilen etliche wegen Fortsetzung ihrer keine recht-\nschaffene professionvon der Mmachen würden, etliche\naber, so das vagirengewohnet, keinen stand halten, Doch\naber Ihro D. Aul gnedigstes begehren zu gehorsamen, kön-\nnen etliche von den besten ausgelassen werden, welche ich\ngerne nach meinem Vermögen Inslruiren Und ein tegliches\nexercitium mit ihnen vornehmen will damit sie wenigstens\npro Ripienis,oder in pleno Cmit gebraucht werden\nkönnen; Dazu würd aber 1 erfordert ein bequemer\north, und 2 do ein Positivumoder ohne welches ich\nmit ihnen nichts anzufangen weiss. Solchergestalt soll mir\nmöglichsten Fleisses angelegen sein zuforderst die Ehre\nRottes in der Kirchen zu befördern, dan auch zu fürstl.\nergötzlichkeit tarn vocibus quam nach gnedig-\nsten begehren ieder Zeit aufgewartet werden: das sodan\nUnnöttig die Rat Pfeiffer zu beruffen [d. i. Dass sodann un-\nnöthig ist, die Stadt-Musicanten in Anspruch zu nehmen]. \"\nHier sagt er es mit dürren Worten, dass weder die\nRaths- und Stadt-Musicanten, noch die kirchlichen Chor-\nschüler lür die neue Kunst zu gebrauchen wären; und\nhierin liegt das Undeutsche dieser ganzen neuen Kunst-\nweise. Zwar Kunst bleibt Kunst, und ihr Werth ist nicht\ndavon abhängig, ob ein roher Stadtpfeifer oder ein unge-\nhobeltes Pennal ihrer mächtig sind; dennoch ist das wahr-\nhaft Volksthümliche stets daran zu erkennen, dass es die\nvorhandenen Mittel nicht bei Seite schiebt, sondern benutzt\nund lür seinen Zweck läutert. Erst später, als die oratori-\nsche Composition den grossen Aufschwung nahm, konnten\ndie Deutschen wieder Chorus machen, eine Sangweise,\nsagt der alte Michael Prätorius, zu der sie von je her eine\nabsonderliche Neigung bezeigt haben. Die damalige Capell-\nMusik aber war durchaus concertmässig, das heisst, auf\nlauter Solostimmen berechnet. Daher wird sich auch Nie-\nmand, der die damaligen Compositionen kennt, über die\ndünne Besetzung wundern; sie vertrugen eine viel stärkere\ngar nicht, und die Capelle war vollzählig, wenn sie auch\nnur aus acht Personen bestand.\" Für die Verfeinerungen\nder Kunst, die immer deutlichere Hervorziehung des rein\nMusicalischen, ist solches Solo-Musiciren von grossem Nutzen\ngewesen, und in dieser Aufgabe hatten die kleinen Capellen\nihren Werth und ihren Halt.\n■ \\ C . /\nWir dürfen annehmen, dass der Zustand unserer Ca-\npelle in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren befriedigend\ngewesen. Pfleger überreichte bei seiner Annahme ein Ver-\nzeichniss von seinen Compositionen, 89 kleine Sätze zu 1\nbis 5 Stimmen und lauter Kirchenstücke über lateinische\nTexte. Unter ihm dienten der „Falsetist\" Daniel Dö-\nbricht, ein Sachse, 1680 aus Hamburg verschrieben,\nvielleicht von der dortigen Oper her; Gottfried Ritter;\nHeinrich Roseldt; Jakob Kayser. Kayser bittet in\neinem undatirten Gesuche um Erhöhung des Gehalts von\n„150 auf 200 Thaler, da er mit Frau und Kind um so\nkümmerlicher auskomme, weil ihm von je her Missgünslige\nhier das Leben sauer gemacht. In einem Schreiben von\n1694 beschweren er, Roseldt und Ritter sich über Belei-\ndigungen des Tanzmeisters (wahrscheinlich ein Franzose,\n1668 war hier J. Louis Seaur mit 200 Thlrn. Gehalt),\ndessgleichen über die vom Hofmarschall ihnen zuerkannte\nStrafe, und bitten um Entlassung. Möglich wäre es, dass\nwir in diesem Jakob Kayser einen nahen Verwandten oder\ngar den Vater des berühmten Opern-Componisten Reinhard\nKeiser vor uns haben; denn dieser soll ziemlich unverträg-\nlich gewesen und von einer Capelle zur anderen gewandert\nsein. Glänzend ist das Loos der güstrower Musiker sicher-\nlich nie gewesen. Schop war einmal so weit, dass er einem\ncertain gentil-hommesein Instrument verhandeln wollte.\nMitunter wählte er auch nach seiner pfiffigen Natur patrio-\ntische Schleichwege; 1674 schenkte der Herzog der ge-\nsammten Musik 40 Thlr. und liess sie an Schop zur Thei-\nlung auszahlen; dieser aber gab den Franzosen nichts ab,\nsondern vertrank es in Kind's Weinhaus mit seinen deut-\nschen Brüdern. Es kam auch vor, dass der Hof die Zah-\nlung anstehen liess. Als Musicus Schelle 1676 starb, hatte\ner 130 Thlr. zu fordern, die der Witwe aber bei den da-\nmaligen Kriegsunruhen nicht gereicht werden konnten; sie\nwar inzwischen eine arme, steinalte Person geworden und\nhalte noch 1723 nichts, wandte sich an den König von\nPolen, sogar an den Allergrossmächtigsten Kaiser, wurde\naber schliesslich im Jahre 1742 abgewiesen. Gegen Ende\ndes siebenzehnten Jahrhunderts nämlich starb die Linie\nGüstrow aus, und das Land fiel an Schwerin; der Schwe-\nriner Herzog weigerte sich aber, die alten güstrower Kam-\nmerschulden zu bezahlen. Dieses Erlöschen der Linie\nGüstrow ist auch eine der Haupt-Ursachen, dass aus der\ndortigen Capelle mit der Zeit nicht etwas Grösseres, ein\nOpern-Theater und dergleichen, hervorgegangen ist."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.5", "texte": "Berliner Briefe.\n\n[Concerte des Orchester-Vereins Colbrun von\nBülow H. Berlioz' Flucht nach Aegypten Clara\nSchumann und Joachim Laub Sinfonie-\nSoireen Privat-Concerte n. s. w.]\nDen 18. November 1855.\nIch beginne meine Ueberschau der Concei te mit denen\ndes Orchester-Vereins. Das zweite derselben begann mit\nder A-tnoll-S\\u(oim von Gade, die ausser dem ersten Satze\nund dem interessant erfundenen und mit dufliger Leichtig-\nkeit durchgelührten Scherzo nicht viel Rühmenswerthes ent-\nhält. Dann spielte Herr v. Bülow das G-moll-Concert von\nMoscheies mit meisterhafter Technik und bewusstem Ver-\nständniss. Ein französischer Bassist, Herr Colbrun. den\nwir bald darauf in einer Matinee als einen trefflich gebilde-\nten und namentlich durch Weichheit des Klanges hervor-\nragenden Sänger kennen lernten, sang eine sehr veraltete\nArie von Sacchini. Auf Beethoven's Meeresstille und glück-\nliche Fahrt folgte zum Schluss die Ouvertüre zum Tann-\nhäuser, die von Herrn v. Bülow fest und lebendig geleitet\nund von dem Orchester mit glänzender Wirkung vorgetra-\ngen wurde; doch konnte auch diese Ausführung die Un-\nschönheiten und Maasslosigkeiten, die namentlich gegen das\nEnde des Werkes hervortreten, nicht eriräglicher machen.\nIn dem dritten Concerte fesselte vor Allem die treffliche\nAusführung der F-dwr-Sinfonie und des Tripel-Concertes\nvon Bach (durch die Herren v. Bülow, Krall und Eli-\niert). Ferner hörten wir die Hafis-Ouverture von Ehlert,\nüber die ich Ihnen schon früher einmal berichtet habe, ein\nWerk eines sehr fein fühlenden und edel gebildeten Musi-\nkers, etwas zu zart vielleicht und träumerisch; wir möch-\nten dem Componisten mehr männliche Kraft und Fülle\nwünschen; aber er ist ein Musiker, dessen Bestrebungen\nin den Traditionen der Vergangenheit einen festen, idealen\nBoden finden. Eine Sängerin, Fräul. Grosser, sang Beet-\nhoven's * Ah perfido\"mit sehr forcirtem Vortrage. Endlich\nkam die Flucht nach Aegypten von Berlioz zur Auffüh-\nrung. Berlioz hat sich wohl solcher musicalischen Mittel be-\ndient, die uns in die Stimmung, in die Situation versetzen.\nEinfachheit, Sanftmuth, Frömmigkeit sprechen sich in die-\nsen Tönen aus. Aber der Fehler liegt eben darin, dass\ndieses Bestimmte, was dargestellt werden soll, zu schroff' und\ngrell heraustritt, bisweilen sogar zur Caricatur wird. Auf\ndiesem Wege geht die Kunst eben so sehr in der Gewöhn-\nlichkeit und Geisllosigkeit unter, als auf dem entgegenge-\nsetzten, der zur Leerheit und Schaalheit führt. Sich allen\nmöglichen vereinzelten Stimmungen rückhaltlos hinzugeben,\nist im Leben wie in der Kunst das Zeichen eines ungebil-\ndeten Geistes, dem es an der wichtigsten Tugend, an der\nSelbstbeherrschung, fehlt. Von der höchsten künstlerischen\nAnschauung aus sollte jedes einzelne Kunstwerk ein Abbild\nder ganzen Kunst sein. Wenn wir nun auch zugeben, dass\nkleinere Abweichungen von dem Ideal zulässig sind, da sie\nsich durch das Gesammtieben wieder ausgleichen; wenn\nwir auch angeben, dass es gerade kein Unglück ist, hin und\nwieder sich in untergeordneter Weise anregen zu lassen,\nso werden wir doch niemals auf Werke, die nichts Besse-\nres leisten können, einen grossen Werth legen. Sie werden\nuns dazu dienen, eine augenblickliche Leere auszufüllen;\naber hiervon bis zu der Anerkennung eines Meisterwerkes\nund epochemachenden Fortschrittes ist noch ein weiter\nSchritt. Nur der Idealismus konnte Kunstwerke hervorbrin-\ngen, die für alle Zeiten und alle Menschen mustergültig\nsind; der moderne Realismus, dem es nicht mehr um das\nGanze, um das Ideal, sondern nur noch um Absonderlich-\nkeiten zu thun ist, musssich mit geringeren und stets zwei-\nfelhaften Erfolgen begnügen. Darum suchen wir Bach jetzt\nnach mehr als hundert Jahren wieder hervor, weil ein idea-\nler Trieb in ihm liegt, weil Bach in der Musik eben so we-\nnig schlaffer Genusssucht, als wüsten Aufregungen sich hin-\ngibt, weil er uns nicht in irgend eine beliebige, sondern in\ndie richtige Stimmung des Geistes versetzt, in jene kernige\nFrische rastloser und consequenter Thätigkeit. Wie lange\naber wird man sich für Werke interessiren, die höchstens\neinen äusseren Reiz und nichts innerlich Erhebendes ha-\nben? Das Genrehafte bringt überall den Untergang der\nKünste mit sich. Die Geschichte der griechischen und der\nmittelalterlichen Kunst gibt die Beweise dazu. Auch schon\ndie frühere Zeit hat musicalische Kunstwerke hervorge-\nbracht, die recht gute Genrebilder waren, aber sie wurden\nbald vergessen; denn* es liegt in der Eigentümlichkeit des\nMenschen, dass er das bloss Interessante oder Ansprechende\nzwar schnell ergreift, aber eben so schnell fallen lässt; nur\ndasjenige, was in sich selbst so erfüllt und reich ist, dass\nes nach keiner Seite hin einen Mangel zeigt, dauert für alle\nZeiten. Die Theilnahme für die Auflührungen des Orche-\nster-Vereins ist übrigens im Steigen und hat ihren Höhe-\npunkt wohl auch jetzt noch nicht erreicht. Die Concerte\nwerden von nächster Woche ab im Saale der Sing-Akade-\nmie Statt finden.\nAuf der Höhe solchen Ideals, wie es eben von uns\ngezeichnet wurde, standen die beiden Concerte, die Clara\nSchumann und Joachim gaben. Beide zusammen tru-\ngen die G-dur-Sonate von Beethoven (Op, 96) vor. Von"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.6", "texte": "Joachiin hörten wir eine G-dur-Sonate von Bach für Violine\nallein, das Violin-Concert und die G-dur-Romanze von Beet-\nhoven, ein Schumann'sches Lied und die Chaconne von\nBach (ausserdem noch in einem der für den Gustav-Adolf-\nVerein Statt findenden Concerte die Gesang-Scene von\nSpohr und Sücke von Paganini), von Clara Schumann das\nA-moll-Coneert von Schumann, ein musicalisch sehr werth-\nvolles, anmulhiges Werk, das weit mehr Berücksichtigung\nverdient, als es bis jetzt gefunden hat, Beethoven's geist-\nreiche Variationen in C-moll und die Es-dur-Sonate (Op.\n7), ferner Bach's chromatische Phantasie. Ausserdem hör-\nten wir noch in dem ersten dieser Concerte Schumann's\nernste und leidenschaftliche Ouvertüre zu Manfred. Was\nClara Schumann und Joachim leisten, ist zu bekannt, als\ndass es nöthig wäre, ihre Leistungen zu heurtheilen. Nur\ndarauf möchten wir jedesmal von Neuem hinweisen, dass\nBeide, namentlich aber Joachim, jenes Geheirnniss der Kunst\nbesitzen, mit allem Reiz der Mannigfaltigkeit die stets gleich-\nmässige Schönheit und Erhabenheit des Ideals zu verbin-\nden. Und darum ist auch Joachim mit seinem Spiel der\nüberall Siegreiche; in seiner Anerkennung schwinden alle\nPartei-Gegensätze. Zu denen, die ihm am nächsten stehen,\ngehört Laub, von dem ich die Chaconne zwei Mal, zwar\nnicht ganz mit der Kraft und Mannigfaltigkeit des Aus-\ndrucks, wie von Joachim, aber mit wundervoller Schönheit\ndes Tones und höchst edler, sinnvoller Auffassung und voll-\nendeter Technik spielen hörte. Möge es ihm dauernd in\nBerlin gefallen!\nIn den Sinfonie-Soireen der königlichen Capelle sind\nnur zwei neue Werke zur Aufführung gekommen (d. h.\nfür Berlin neu): die Waldnymphe von Sterndale Bennett,\ndie aber etwas zu mageren Inhaltes war, um Anklang fin-\nden zu können, und ein sinfonisches Werk von Roh. Schu-\nmann (Ouvertüre, Scherzo, Finale), das ich zufällig zu hö-\nren verhindert war; die beiden letzten Sätze haben vielen\nBeifall gefunden. Eine ungewöhnliche und mit vielem Bei-\nfall aufgenommene Abwechslung kam dadurch in das Pro-\ngramm dieser Concerte, dass Herr R a d ecke das G-dur-\nConcert von Beethoven spielte, mit vielem Geschmack und\nzartem Gefühl, im Ganzen aber vielleicht mit etwas zu ge-\nringer Hervorhebung der kräftigen Accente. Die Liebig'-\nschen Sinfonie-Soireen brachten die bekannten Werke; nur\nSpohr's Weihe der Töne, ein anziehendes, aber doch nicht\nbedeutendes Werk, an dem man sehen kann, wie ungeistig\nund äusserlich das geistreich sein sollende Programm-We-\nsen, ist hier selten gehört worden. Das erste Coneert der\nHerren Radecke und Grünwald fesselte namentlich\ndurch die vorzügliche Ausführung einer wenigstens in den\nersten Sätzen höchst reizenden e von Mozart.\nAuch war es uns interessant, Beethoven's Trio-Variationen\nüber den Schneider Kakadu zu hören. Zwei ansprechende\nGesang-Quartette von Hauptmann, zwei Gesang-Quartette\nvon Gade, die höchstens durch einzelne Klang-Effecte wir-\nken konnten, und ein Streich-Quartett von Mendelssohn\n(F-moll) bildeten den übrigen Inhalt des Programms. Der\nPianist Alfred Ja eil hat hier zweimal öffentlich gespielt\nund die Anerkennung gefunden, die sein zwar überwiegend\nauf äussere Eleganz gerichtetes, aber im Anschlag, in der\nFertigkeit und in der Oervorhebung des Gegensatzes von\nCantilene und Figurenwesen meisterhaftes Spiel verdient.\nAuch in dem Vortrage des Septuor von Hummel und eines\nsowohl in der Erfindung als in der Ausführung interessan-\nten Trio's von Rubinstein leistete er Vorzügliches.—\nMit wenigen Worten erwähne ich noch einiger anderen Vir-\ntuosen und Sänger, die in jüngster Zeit hier auftauchten.\nZunächst die drei Gebrüder Ii rass in, etwa in dem Aller\nvon zwölf bis achtzehn Jahren, die theils auf dem Piano,\ntheils auf der Violine eine sehr bedeutende Technik und\nwirkliches musicalisches Talent besitzen. Ihr Spiel ist stets\ninnig und zart empfunden. Ein Contrabassist Simon aus\nSondershausen empfahl sich durch vorzügliche Technik und\ngediegene Richtung; doch kam der schwerfällige Ton in\ndem weiten, leeren Räume des Krell'schen Saales nicht\nrecht zur Geltung. Fräul. Japhe aus Hamburg ist eine\nsehr gut gebildete Clavierspielerin. Eine Madame de Vi I-\n1a r, eine Portugiesin, Schülerin Garcia's, hat eine zwar\nnicht ganz gleichmässige, aber in der Höhe ausserordent-\nlich volle und runde Stimme. Herr G.uglieimi zeigte sich\nals einen itaüänischen Sänger von schönen Mitteln, aber\nsehr ungenügender Tonbildung. Fräul. Jenny Meyer,\neine Schülerin von Stern, machte durch ihre herrliche Alt-\nstimme, durch ihre fliessende Coloratur und ihren innigen,\nlebendigen Vortrag Aufsehen. Drei Schülerinnen von Man-\ntius, die Damen Schönchen, Düringer und de Ahne\n(letztere ist von Ostern ab auf drei Jahre in Dresden enga-\ngirt; sie hat ebenfalls eine sehr volle und in dem Umfange,\nwie in der Coloratur weit entwickelte Altstimme; doch hat\nder Klang noch etwas allzu Dunkeles und Hohles), sangen\nin dem oben erwähnten Gustav-Adolf-Concerte mit vielem\nGlück; eine Schülerin von Teschner, Fräul. Schmidt, hat\nunter allen diesen Sängerinnen den Vorzug der besten\nSchule, doch fehlt ihr noch Lebendigkeit, Färbung und\nSelbstständigkeit des Vortrages. Bei dieser Gelegenheit er-\nwähne ich auch einer Prüfung der Schüler des Stern-Marx'-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.7", "texte": "sehen Conservaloriums, die hinsichtisch des Gesanges und\nCiavierspiels durchweg befriedigende, theilweise vorzügliche\nResultate lieferte; die Composilions-Leistungen liessen auf\nein gutes Streben schliessen, hatten aber manches Ueber-\nschwiingliche und nicht hinreichend Abgeklärte. Die Oper\nhat nichts Neues gebrocht. Die Aufführung des Elias durch\nden Stern'sehen Gesang-Verein war hinsichtlich der Chöre\nund der- meisten Solo-Partieen vorzüglich. Der Jahns'sehe\nGesang-Verein veranstaltete eine recht gelungene Auffüh-\nrung zur Feier seines zehnjährigen Bestehens, in der na-\nmentlich das Vorspiel zu Hans Heilfng von Marschner uns\nim höchsten Grade fesselte. Der Hauer'sehe Gesang-Ver-\nein veranstaltete eine Kirchen-Aufführung, in der unter An-\nderem einige Chöre aus der Michaelis-Cahfate von Bach\ngesungen wurden. Der Tonkünstler-Verein gab ein Orgel-\nConcert. Rechnen Sie hierzu noch, dass Marx Vorlesungen\nüber Geschichte der Musik (für die Schüler des Conservato-\nriums und das grössere Publicum zugleich), Lindner Vor-\nlesungen über Geschichte der Oper (für die Schüler der\nKullak'schen Akademie und öffentlich) hält, von denen die\nersteren durch geistreiche Auffassung, die letzteren durch\nsorgfältige und kritische Zusammenstellung des Materials\nfesseln, so begreifen Sie, in welchem Ueberfluss wir leben,\nzugleich aber auch, dass es nicht immer angenehm ist, sich\ndurch diesen Ueberfluss des Schönen hindurch zu arbeiten.\n\nG. E.\n\nAus Bonn.\nR. G.\nAm 8. November halten wir unser erstes Abonnements-Concert.\nDas Programm lautete: l)Ouverlure zu den Abenceragen von Che-\nrubioi; 2) Haydn's Motette „Des Staubes eitle Sorgen\"; 3) Beetho-\nClavicr-Conccrl in Es, gespielt von Herrn Breunung aus Köln ;\n4) Gade's Cantate „Comala\". Letzteres Werk, das uns vor mehre-\nren Jahren schon einmal vorgeführt wurde, liess das ungemein\nzahlreich versammelte Publicum kalt, wogegen das Ciavier-Coneert\ndurch lebhaften Applaus ausgezeichnet wurde. Die Partie der Co-\nmala wurde durch eine hiesige Dilettantin recht wacker ausgeführt;\nfür den Fingal ist die Stimme des Herrn Schröters nicht recht ge-\neignet, was er indess so viel als möglich durch richtigen Vortrag\nzu ersetzen suchte. Unser neuer Concert-Director, Herr Albert\nDietrich, ein noch junger Mann, der sich recht gut anzulassen\nscheint, befriedigte nicht allein in dieser ersten Leistung sehr, son-\ndern erfreut sich auch bereits ungeteilter Sympathieen, wie man\nschon daraus entnehmen kann, dass der Chor, der unter seines\nVorgängers dreijähriger Leitung nur schwache Lebenskraft zeigte,\ngegenwärtig, wenn wir recht gesehen haben, über hundert Mitglie-\nder zählt. Herr Dietrich hat also neben dem Inhalt nicht die\nZahl verschmäht, wie es einst hiess, als die Trauben zu hoch\nhingen! Da auch unser Orchester in den letzten Jahren seine frü-\nhere Vollständigkeit verloren hat, so hatte Herr Dietrich sechs In-\nstrumentalen von Köln zur Mitwirkung engagirt; doch blieben zwei\ndavon aus, und wir musstenuns bei vier Violoncellen mit Einem Contra-\nbass begnügen. Eben so hatte die geschätzte Harfenspielerin, Frau\nLorcnt von Köln, erst zugesagt, dann aber wegen Unwohlseins wieder\nabgesagt, wressha!b das Ciavier die Stelle der Harfe vertreten musste.\nWarum uns Herr Theater-Director Kahle so ignorirt oder doch\nso lange auf sich warten lässt, darüber zerbricht man sich hier den\nKopf, da es keinem Zweifel unterliegt, dass sein Interesse erfor-\nderte, mehr den Anfang als das Ende des akademischen Semesters\nzu benutzen. Unsere Actionäre, die nahe daran waren, das Haus ä\ntont prix zu verkaufen, legen ihm doch gewiss keine Schwierigkei-\nten in den Weg, und dasselbe dürfen wir auch von unserer städti-\nschen Behörde vermuthen. Woran Hegt denn also die Schuld ?\nDarüber hätten wir gern Aufklärung.\n\nDritter Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale.\nDinstag, den 20. November.\nDas dritte Coneert war durch die Mitwirkung berühmter Gäste,\ndes Höf-Capellmeisters H. Marschner und seiner Gattin, geb.\nJanda, und des Viölin-Virtuosen Heinrich Wieniawski, aus-\ngezeichnet. Das Programm musste sich danach accommodiren.\nMarse h n e r dirigirte seine Ouvertüre zu dem dramatischen\nVolksmärchen „Der Goldschmied von Ulm\" von Mosenthal, wozu\ner Musik geschrieben hat; diese enthält Chöre, Lieder, Märsche,\nmelodramatische Slücke und Insirumentalsätze, welche den phan-\ntastischen Spuk der Gnomen und ihre zauberische Thätigkcit be-\ngleiten und beleben. Der erste Act hat ausser der Ouvertüre fünf\nNummern Musik, unter denen der Chor der Goldschmiede und\neine sehr lebendig ausgeführte Marktscene die umfangreichsten sind.\nDie Ouvertüre (Haupt-Tonart C-moü) versetzt uns durch dis An-\ndante, mit welchem sie beginnt, in jene romantische Stimmung,\nwelche Marschner so einzig durch Töne und Elarmoniecn anzure-\ngen weiss, die uns sogleich ahnen lassen, dass wir mit lieber- oder\nUnterirdischem, mit Einem Worte: mit dem Reiche der Geister,\nzu thun haben. Bald darauf erklingt eine einfache Marsch-Melodie,\nwelche durch die ganze Ouvertüre hindurch eine Hauptrolle spielt;\nihrem ersten Erscheinen folgt unmittelbar ein Allegro von dämoni-\nscher Farbe, in welchem es ringt und kämpft, siedet und braus't;\nimmer tönen die Anklänge jenes Marsches wieder dazwischen, bald\naus der Ferne, bald in der Nähe, und immer erwacht der Unge-\nstüm nach diesen Klängen wieder; wir ahnen, dass jene lieb-\nlichen Töne, welche nur wie ein musicalischer Contrast aussehen,\neine tiefere Bedeutung haben, dass sie irgend ein Herz in seiner\nGluth aufregen, und dass dieses Herz erst dann in seliger Freude\naufgeht, wenn am Schlüsse der Ouvertüre jenes Marsch-Thema in\nder Pracht des C-dur und der vollen Instrumentirung sich zu einem\nJubel, zu einem Siege entfaltet. Und so ist es auch; ein Hochzeits-\nzug droht dem Helden des Märchens seine Geliebte zu entreissen,\nsie einem Anderen zuzuführen: er verfällt dem Geiste des Bösen,\nbis endlich das Gute siegt und dieselben Töne ihn dem ersehnten\nZiele entgegen führen. Allein auch abgesehen von dieser Verbm-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551124-01.1.8", "texte": "Dung mit dem Inhalte des DramaV, ist die Ouvertüre ein wirkungs-\nreiches Musikstück voll Schwunges und schönen musicalischen\nGehalts,\nAusserdem hörten wir von Marschner's Coraposition: 1) „Burg-\nfräulein44, Gesangscene fürs Concert für eine Altstimme,, dem\nFräul. Therese Janda (der jetzigen Gattin des Componislen) gewid-\nmet. Text von J. v. Rodenberg. Die Scene ist als Op. 171 (die\nPartitur zum „Goldschmied44 u. s. w. hat Marschner mit Op. 174\nbezeichnet) mit Orchester-Begleitung und im Clavier-Auszuge bei\nJ. A. Böhme in Hamburg erschienen; wir werden darauf, da es\nuns heute an Raum fehlt, zurückkommen. 2) „Der Morgen-\nthau*4 von A. Zelter, eine sehr schöne Composition für. eine Alt-\nstimme und Orchester, in welchem die Streich-Instrumente con\nsordoni und Horn und Fagott, welche häufig mit der Stimme gehen\noder sie imitiren, eine wundervolle Wirkung machen. Auf das\nGanze passt der Spruch:\n„Bilde, Künstler, rede nicht!\nNur ein Hauch sei dein Gedicht!\"\nFrau Marschner trug beide Gesangstücke auf eine einfach\nedle Weise vor, fern von aller Ziererei und Affectation, ohne ge-\nsuchte Effecte, ohne forcirte Accentuation. Vielleicht ging sie in\ndieser Entsagung fast zu weit, indem namentlich der letzte lebhafte\nSatz in dem „Burgfräulein44 einen feurigen Ausdruck sehr wohl\nvertragen dürfte. Ihre Stimme ist von grossem Umfange und wohl-\ntuendem Klange; besonders schön sind die Brusttöne, welche bis\nzu seltener Tiefe klangvoll und edel sind, weit entfernt von jener\ngezcrrlen Breite, durch welche so viele Sängerinnen heutzutage ein\nRegister erzwingen wollen, das ihnen die Natur versagt hat. Dass\nsie dadurch der Menge hier und da imponiren, ist nur ein Beweis\nmehr von dem Mangel an Geschmack und musicalischer Bildung\nim grossen Publicum.\nIn der zweiten Abtheilung spielte Heinrich Wieniawski\ndas Violin-Concert von Mendelssohn. Wenn sich auch gegen\ndie Auffassung des Concertes als musicalisches Kunstwerk durch\nHerrn Wieniawski Manches erinnern liesse, so war doch die Aus-\nführung in dem Sinne, wie der Spieler das Musikstück nahm, mei-\nsterhaft und bewies, dass Herr Wieniawski mit Recht zu den Vio-\nlinisten ersten Ranges gezählt wird. An Sicherheit und technischer\nMeisterschaft wird er nicht leicht von einem der Zeitgenossen über-\ntroffen werden. Dies offenbarte sich besonders auch in den Varia-\ntionen von Paganini über Di lanti palpiti, ein in Bezug auf Inhalt\nganz unbedeutendes Stück, welches merkwürdiger Weise den\nSchluss des Concertes bildele, was hier etwas ganz Neues war, hof-\nfentlich aber nicht öfter vorkommen wird; denn unsere Geseil-\nschafcs-Concerte sind doch zu gut, um mit Faxen und Harlekinaden\ngeschlossen zu werden. Herr Wieniawski zeigte unter Anderem eine\nausserordentliche Sicherheit im Flageolet; allein schön können wir\nnun einmal das Flötenblasen auf der Violine nimmermehr finden.\nDass ihm stürmischer Beilall wurde, versteht sich von selbst.\nAn grösseren Sachen wurden Mozart\"s Es-dur-Sinfonie\nund Mendelssohn's zweichöriger Psalm 98 aufgeführt, Beides\n(bis auf einen kleinen Fehlgriff an dem einen Violinpulte) recht gut\nund der Psalm auch mit imposanten Kräften.\n\nTages- und Unerhaltungs-Blatt.\n** Magdeburg. F. Hiller's Sinfonie in E-moll ist hier\nzwei Mal, am 24. und am 31. October, unter der Direction des\nHerrn Musik-Directors J. Mühling von einem stark besetzten Or-\nchester (20 Violinen, 6 Violen, 6 Celli und 4 Bässe) vor einem eben\nso zahlreichen als gesparnt lauschenden Publicum aufgeführt wor-\nden. Wir können uns nicht entsinnen, dass eine Sinfonie hier mit\nähnlicher Wärme aufgenommen worden wäre. Obwohl es in Mag-\ndeburg nicht Sitte ist, zu applaudiren, wenn nicht ganz besondere\nGelegenheit dazu geboten ist, so wurden doch bei beiden Auffüh-\nrungen namentlich die drei letzten Sätze mit den lautesten Beifalls-\nbezeugungen aufgenommen, während der ganz vortreffliche erste\nSatz besonders die Kenner und Musiker vorzüglich befriedigte. Die\nletzteren waren so eingenommen für das schöne Werk, dass sich\nsehr Viele erboten, die sämmtlichen Stimmen unentgeltlich abzu-\nschreiben, um die Sinfonie, die natürlich an den Herrn Componisten\nzurück gesandt werden musste, noch einmal aufführen zu können.\nDas Werk war übrigens von unserem trefflichen Dirigenten auf das\nsorgfältigste einstudirt, so dass die Ausführung eine ausgezeichnete«\nbis in die feinsten Details gelungene war.\nHerr von Flotow, der bekannte Componist, ist zum Inten-\ndanten des grossherzoglichen Hoftheaters in Schwerin ernannt\nworden.\nDas münchener Theater-Journal berichtet aus dem Badeorte\nIschl sehr vortheilhaft über den Tenoristen Herrn Wirz aus Köln.\nBei der pariser Ausstellung haben in der XXVII. Ciasse\nder Industrie Fabrication musicalischer Instrumente die\ngrosse goldene Ehren-Medaille erhalten: 1) Böhm in\nMünchen wegen Verbesserung des Baues der Flöten, Oboen und\nFagotte, auch anwendbar auf die Clarinctten, wodurch eine bisher\nnicht zu erreichende Reinheit der Stimmung erzielt wird. —2) Ca-\nvaille-Col in Paris für Orgelbau. 3) Die Handelskam-\nmer von Paris für die Superiorite de la fahricalion de Pianos\ndaselbst. 4) Sax in Paris für die ganze Gattung der von ihm\nverbesserten und erfundenen Blech-Instrumente. 5) Vuillaume\nin Paris wegen Vervollkommnung des Baues von Violinen und\nsämmtlichen Streich-Insirumenten nach dem Systeme der alten ita-\nlienischen Meister. Die Ehren-Medaille die pariser Häu-\nser Erard, Herz, Pleyel für Piano's, Alexandre für Harmo-\nniums u. s. w., Triebert & Comp, für Vervollkommnung der\nOboe, des englischen Hornes, des Baritons und Fagotts."}]}