{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-12-15-01", "volume": "bmtnabi_1855-12-15_01", "ocr_sha256": "70926ab480fd5b0b9c7c0bda23a65b2efdaa8da5a4e98372bf31dfae17d4b049", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/12/15_01/bmtnabi_1855-12-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-12-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-12-15_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-12-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "393", "page_fin": "395", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.2.1", "titre_corps": "Die Tonwerke des XVI. und XVII. 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Nun gibt Baini in seiner grossen Biographie Pa-\nlestrina's, die Becker der Einleitung zufolge doch sehr dank-\nbar benutzt haben will, nicht neun, sondern zehn Aulla-\ngen an, nämlich eine vom Jahre 1608, die man bei Becker\nvergebens suchen wird. Es ist ein Versehen, dergleichen,\nwie Mattheson sagt, leicht zu machen und oft schwer zu\nverbessern ist; aber ein rechter Sammler muss nicht bloss\nseine Quellen benutzen, sondern sie lür seinen Zweck e r-\nschö pfen.\nb. Spalte 93 werden von J. G. Löwe geistliche Con-\ncerte (Wolfenb. 1660) aufgeführt. Der Mann heisst J. J.,\nnämlich Johann Jakob Löwe, wie ihn auch Printz nennt,\nder ihn den besten Contrapunktisten seiner Zeit beizählt.\nEr war ein Freund vom alten wackeren Heinrich Schütz\nund kam von Wien nach Wolfenbüttel; so viel können\nwir aus handschriftlichen Quellen beweisen. Es wäre wohl\ngut, bei solchen Sammelwerken die Vornamen der Com-\nponisten immer ganz auszuschreiben, die blossen Anfangs-\nBuchstaben prägen sich nicht so gut ein und verführen da-\ndurch zu allerhand Irrthümern; und steht erst einmal da\nso ein dummes G., statt J., oder P., statt B., so ist es oft\ngar nicht wieder fortzubringen; der Kaum lässt sich auf\nandere Weise wieder gewinnen. Man muss nie am Not-\nwendigen, stets nur am Ueberflüssigen sparen.\nc. Die Titel der aufgeführten Werke müssen vollstän-\ndig sein, d. h. sie müssen alles enthalten, was für den zu-\nkünftigen Beschreiber der Sachen nur irgendwie von Nutzen\nsein kann; bei verschiedenen Ausgaben die besonderen Zu-\nsätze oder Zeichen, wodurch jede kenntlich ist, und\nwörtlich oder vielmehr buchstäblich. Spalte 176 verzeich-\nnet Becker Helmbold's vierzig deutsche Christliche Liedlein,\ncomponirt von Joachim a Burck und Johann Eccard, vom\nJahre 1599; auf dem Titel der Bassstimme, welche uns\nvorliegt, steht „aufs new zusamen gedruckt durch\"\netc., was bei Becker fehlt, und doch sind es gerade solche\nkleine Bemerkungen, wodurch man oft verschiedenen ganz\nunbekannten Ausgaben auf die Spur kommen kann. Wir\nerinnern hier an die glänzenden Fortschritte, welche die\ndeutsche Philologie und Literatur-Geschichte zum grossen\nTheile durch solche Handhaben zu machen im Stande wa-\nren ; sollte es nicht an der Zeit s.in, sich von diesen beleh-\nren zu lassen? „Man kann es immer so wiederabdrucken,\nals es im Original steht,\" pflegte Lachmann zu sagen und\ndann in seiner lakonischen Weise hinzuzusetzen: „nimmt\nauch nicht mehr Raum ein.\" Wir führen noch einen\nTitel Becker's an, in Klammern das Richtige dabei bemer-\nkend, und wählen dazu das dramatische Poem des Sprach-\nforschers Schottel, mit dem das Ende des dreissigjährigen\nKrieges gefeiert wurde:\n„Neu erfundenes Freudenspiel [Freuden-Spiel], ge-\nnandt Friedens Sieg. In Gegenwart [gegenwart]\nvieler Ehr- [Chur-!] und Fürstlicher auch anderer\nVornehmen Personen, in dem Fürstl. Burgsaal\n[Burg-Saal] zu Braunschweig [Braunsweig] im\nJahr 1648 [1642!] von lauter kleinen Knaben\nvorgestellet ... Itzo zum Andermahl aufgelegt....\nzu Braunschweig 1649.\" Spalte 306.\nDie erste Auflage erschien „In Wolfenbüttel Im Jahr\n1648\"; ist sie Becker nicht zugänglich gewesen, so hätte\ner wenigstens bemerken sollen, dass eine solche vorhanden\nsein müsse; aber es scheint, ihm sind die Notizen so über\nden Kopf gewachsen, dass er das Einzelne nicht mehr zu\nüberblicken vermochte. Man sieht hier auch, wie orthogra-\nphische Fehler mit sachlichen Verkehrtheiten Hand in Hand\ngehen und der Literator, der einmal sein Auge an fluch-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4815, "texte": "tige, ungenaue Abschrift gewöhnt hat, nothwendig in Hun-\nderte und Tausende von Irrthümern fallen muss.\nD.Gehen wir der Zeit nach etwas weiter zurück, auf\neinen alten Niederländer oder Nord-Franzosen. Einen Bal-\nduin lührt Becker viermal an (nach dem Register fünfmal,\naber Sp. 121 ist kein Balduin zu finden, oder heisst er\nhier bloss „Noe\" ?), überall nur in Sammelwerken, nirgends\nin einem selbstständigen Drucke. Spalte 221 gibt er ihm\nden Vornamen „N.\", Sp. 57 wird daraus „Noe\" und Sp.\n23 und 235 gar „Noel\". Was ist nun richtig? Wenn\nwir nicht sehr irren (und wir glauben hier sicher zu gehen),\nso heisst der Meister gar nicht Noel Balduin, sondern Noe\nBalbun; so fanden wir seinen Namen auf einer prachtvoll\n(um 1520) geschriebenen Misvon seiner Composition,\ndie gänzlich unbekannt ist. Wie viel wohl in dieser frühe-\nren Region der Geschichte unserer Kunst noch aufzuräu-\nmen sein mag!\nDiese vier Bemerkungen a d beispielsweise, um an\njedem einen besonderen Mangel des Becker'schen Werkes\nanzudeuten. Weiter dürfen wir uns aber nicht einlassen;\ndaher nun zum Schlüsse noch ein Wort über den Plan,\nnach welchem der Verfasser im Grossen und Ganzen sein\nreiches Material gegliedert hat.\nDie erste Idee zu einem solchen Werke gehört For-\nkel; er gab bei einer ähnlichen Darstellung seinem Verzeich-\nnisse aller über die Musik erschienenen theoretischen und\ngeschichtlichen Werke (1792) die Umrisse dasu an. Im\nGanzen ist Becker dabei geblieben, nur lührt er neben den\ndrei Haupt-Rubriken bei Forkel: Kirchenmusik, Kam-\nmermusik und Theatermusik, noch eine vierte ein:\nSchulmusik, oder „Tonwerke lür die Schule\". Wir\nhalten dies lür keine glückliche Erfindung Becker's und\nbleiben unsererseits bei der Forkel'schen Drei-Theilung;\ndenn die Schulmusik kann leicht irgendwo bequem unter-\nkriechen. Ausser dem Personen-Register ist noch ein chro-\nnologisches Register gemacht, welches bloss die Zahl der\nin jedem Jahre gedruckten Musicalien angibt und zur leich-\nten Uebersicht in dieser Hinsicht sehr geeignet ist.\nNun wäre das allerdings ein sehr nützliches Hand-\nund Hülfsbuch, wenn wir die Ordnung im Ganzen über-\nsehen und die sämmllichen oder doch die meisten Irrthü-\nmer uns hinwegdenken. Aber man muss doch gestehen,\ndass nicht die Gliederung des Materials, sondern die Rich-\ntigkeit, wir möchten sagen: die Durchsichtigkeit des Ein-\nzelnen, das Fundament bildet, auf dem sich ein solches\nWerk nach und nach aufbaut; und hier können wir im In-\nteresse der musicalischen Wissenschaft (denn dem Verfas-\nser persönlich wünschen wir alles Gute) nicht umhin, zu\ngestehen, dass Becker in der Hauptsache die Aufgabe nicht\nzweckentsprechend gelös't hat. Das Ganze und alles Ein-\nzelne im Ganzen muss von Anfang an wieder geprüft, nach-\ngesehen und mit den Quellen verglichen werden, wenn eine\nendgültige Gewissheit entstehen soll. Daher ist auch mit\ndem Zuwachse einzelner Notizen nicht viel gewonnen, und\ndie ausgesprochene Bitte des Verfassers um Zusendung von\nErgänzungen dürfte nicht sehr anregend wirken. W'ohl ist\njedes gute Werk mehr oder weniger ein Product gemein-\nsamen Strebens, vereinter Arbeit, und gern stimmen wir\ndem Verfasser darin bei, dass am meisten ein Sammelwerk\nauf die Beihülfe Vieler rechnen muss. Aber andererseits ist\ndoch immer Einer der Anfänger, der Baumeister und der\nVollender; gefällt Zweck und Plan und Art der Arbeit, so\ntragen Andere allerdings gern mit heran. Den Zweck fan-\nden wir vortrefflich, die Art der Arbeit konnten wir nicht\nbilligen, und den Plan würden wir unter folgenden Verän-\nderungen gutheissen:\nStatt der vier Haupt-Rubriken die drei Forkel'schen\nmit den Unterfächern, wie sie im Ganzen hier richtig sind.\nSodann die Reihenfolge der Titel in den Unterfächern mit\nfortlaufenden Nummern bezeichnet, was einen zwiefachen\nNutzen hat: einmal sieht man die Anzahl der gedruckten\nMessen oder Madrigale oder Sinfonieen u. s. w. dieser Zeit,\nund ferner hat man immer eine bestimmte Nummer, auf\ndie verwiesen werden kann. Dieser Vortheil kommt zu Stat-\nten bei allen zweiten und folgenden Auflagen desselben\nWerkes; die Nummer ist durchaus nothwendig, wenn das\nWerk kurz bezeichnet und leicht aufgefunden werden soll.\nEin Beispiel wird es am besten erläutern. Nehmen wir die\nzehn Ausgaben der schon erwähnten\nvon Palestrina und folgen hierbei Becker's Verzeichniss. Die\nComposition gehört zu den „Motetten ohne Instrumental-\nBegleitung\". Wir numeriren diese, es sind bei Becker\n399 ; der erste Druck von den zehn ist:\nNr. 197. Palestrina. Joannis\nMoteltorum quinque\ncanticis canticorum.\ndrum Gardanum. 1584. [Format?] Enth. 29\nGesänge. Auflagen: Nr. 198, 217, 224, 274,\n288, 297, 318, 333, 380.\n„ 198 .Palestrina. Cantica Zweiter Druck\n[Nachdruck?] von Nr. 197 aus demselben Jahre,\naber: Veneiiis apud Angelum Gardanum. 1584.\n„217. Palestrina. Cantica Dritte unveränderte"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2909, "texte": "Auflage von Nr. 197.\nGardanum.lsB7.\nNr. 224. Pales trina. Cantica CVierte unveränderte\nAuflage von Nr. 197. Veneiiis apud Giac. Vin-\ncenli.lsBB.\n„ 274. Pal es trina. Cantica Cantic. Fünfte unveränd.\nAuflage von Nr. 197. Veneiiis apud Ilaeredes\nHieronymi 5c0t0.1596*).\n„ 288. Palestrina. Cantica Sechste unveränd.\nAuflage von Nr. 197. Venetiis apud Angelum\nGardanum. 1601.\n„ 297. Palestrina. Cantica Siebente unveränd.\nAuflage von Nr. 197. Venetiis apud Haeredes\nHieronymi Scoto. 1603.\ns 318.Palestrina. Cantica Cant. Achte unveränd.\nAuflage von Nr. 197. [ln? fehlt bei Becker.]\n„ 333. Palestrina. Cantica Neunte unveränd.\nAuflage von Nr. 197. Venetiis apud Barthol.\nMagnum. 1613.\n„ 380. Palestrina. Cantica Cant. Zehnte unveränd.\nAnflage von Nr. 197.\nMascardi. 1650.\nHier hat man in 22 Zeilen eine zusammenhangende\nbibliographische Beschreibung aller zehn Auflagen, während\nBecker vierzig Zeilen gebraucht und doch jede Ausgabe zu-\nsammenhanglos dastehen lässt. Bei jeder folgenden Auflage\nist auf den ersten Druck hingewiesen und beim ersten\nDrucke auf alle Auflagen, so dass man alle Druckwerke\neiner bestimmten Composition rück- und vorwärts durch-\nlaufen kann. Man denke sich diese Notizen in die bestimmte\nReihenfolge, welche die Zahlen andeuten, eingeordnet und\nalle übrigen Tonwerke eben so behandelt, so wird das Vor-\ntheilhafte eines solchen Verfahrens bald einleuchten. Bei\nAnführung des ersten Druckes könnte und miisste dann\nauch noch manches Andere angeführt werden, nicht bloss\nder Titel buchstäblich genau, sondern auch die Seitenzahl,\ndie Anzahl der Stimmhefte und der Umfang jedes einzelnen,\nNachweis etwaiger Auflagen des alten Werkes, theilweise\noder vollständig, in neueren Sammlungen. So wi)rde hier\nbei Cant. Cantic.anzugeben sein, in welchem Bande der\nsämmtlichen Werke Palestrina's (im vorigen Jahrzehend\nvon Baini herausgegeben) diese Motetten zu finden sind.\nUnd endlich ist ganz unerlässlich die Angabe der Orte, der\nöffentlichen oder Privat-Bibliotheken, wo das in Rede ste-\nhende Original aufbewahrt wird. Allein auf diese Weise\nkönnte ein neuer Eifer für das Sammeln, Beschreiben und\nOrdnen dieser alten Musikwerke erregt werden.\nBis Jemand Ausdauer und günstige Gelegenheit findet,\ndas Werk Becker's auf die angedeutete Weise von Grund\naus umzugestalten, worauf doch noch einige Zeit hingehen\ndürfte, wollen wir uns mit dem hier Gebotenen, anerken-\nnend die wenig lohnende Mühe und den guten Willen,\ndankbar begnügen und es benutzen, wozu es gut ist. Wir\nselber möchten wohl einmal etwas Vollständigeres versu-\nchen, können indess versprechen, dass wir nicht eher damit\nhervortreten werden, bis Becker's Sammlung vom Verleger\nentweder verkauft oder maculirt ist. Halb Scherz, halb\nErnst, doch in keiner Hinsicht böse gemeint.\n*) Hier und bei den folgenden gibt Becker das Format an, näm-\nlich „Quart\". Sind denn die ersten vier Ausgaben vielleicht\nohne Format zur Welt gekommen?"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.3", "debut_caractere": 4595, "fin_caractere_exclue": 4604, "texte": "Mus. lit."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-12-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-12-15_01#c002", "volume": "bmtnabi_1855-12-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "395", "page_fin": "397", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.2.2", "titre_corps": "Der Verein zur Beförderung der Tonkunst in Holland.", "titre_sommaire": "Der Verein zur Beförderung der Tonkunst in Holland.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.3", "debut_caractere": 2911, "fin_caractere_exclue": 4593, "texte": "Der Verein zur Beförderung der Tonkunst in\nHolland.\nDie jährliche General-Versammlung dieses Vereins,\nder bekanntlich im vorigen Jahre durch das grosse Musik-\nfest zu Rotterdam sein lünfundzwanzigjähriges Bestehen\nfeierte, hat am 9. October zu Amsterdam Statt gefun-\nden. Aus dem Berichte des Vorstands-Secretärs Herrn\nJ. P. Heije, rühmlichst bekannt durch sein poetisches Ta-\nlent, geht hervor, dass die Gesellschaft jetzt 1898 Mitglie-\nder zählt, darunter 37 correspondirende und 40 Verdienst-\nMitglieder*).\nUnter den eingegangenen Preis-Compositionen sind die\ndrei Balladen, Gedichte von W. J. Hofdyk, in Musik ge-\nsetzt von Richard Hol in Amsterdam, welcher auch im\nvorigen Jahre einen Preis für Lieder-Compositionen erhal-\nten hat, gekrönt worden und haben die Prämie von 100\nGulden erhalten. Die Beurtheiler waren J. F. Dupont in\n\n*) Art. 17 des Statuts. Correspondirende Ehren-Mit-\nglied er sind solche, welche, im Auslande wohnhaft, durch\nanhaltenden Briefwechsel und Erläuterungen der Gesellschaft\nnützlich sein können. Sie werden durch die General-Ver-\nsammlung auf Antrag der Haupt- oder der Abtheilungs-Di-\nrectionen ernannt, sind frei von Geld-Beiträgen und geniessen\ndie Rechte der gewöhnlichen Mitglieder.\nArt. 18. Zu Verdienst-Mitgliedern der Gesellschaft\nkönnen ernannt werden diejenigen Niederländer sowohl wie\nAusländer, welche entweder wegen ihrer Kunde in der Ton-\nkunst, oder wegen erworbener Verdienste um die Gesell-\nschaft, oder aus anderen Rücksichten durch die Haupt-Direc-\ntion bei der General-Versammlung zur Erwählung in Vor-\nschlag gebracht werden. Auch diese sind frei von Geld-Bei-\nträgen und haben gleiche Rechte mit den gewöhnlichen Mit-\ngliedern."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4724, "texte": "Halle, J. A. von Eycken in Elberfeld und Dr. J. J. Viotta\nin Amsterdam. Ausserdem erhielt eine freiwillig eingesandte\nSinfonie in C-dur,deren Tonsetzer sich noch nicht ge-\nnannthat, eine „höchst ehrenvolle Erwähnung\"; auch steht\ndem Componisten eine vollständige Abschrift der Beurtei-\nlungen (durch Niels W. Gade in Kopenhagen, J. Rietz\nin Leipzig, L. Spohr in Kassel) zu Dienst, und der Verein\nwird, sobald er es wünscht, mit ihm über die Art und\nWeise verhandeln, auf welche derselbe zur Veröffentlichung\ndes Werkes behülflich sein könne. Nach den Gesetzen des\nVereins verbleibt das Eigenthum der gekrönten u. s. vv.\nCompositionen den Componisten.\nDa es ein vorzügliches Augenmerk des Vereins ist,\ndie vaterländischen Componisten zu Vocal-Compositionen\nauf holländische Texte zu veranlassen, so hat er schon\nfrüher und auch in dieser letzten Versammlung ausser den\nPreisen lür musicalische Werke (Composition eines Orato-\nriums Elia op Horeb, Text von N. Beels, Prämie 300 Fl.\nTrio lür Piano, Violine und Violoncell, 100 Fl. vier\nLieder für eine Altstimme mit Piano und Horn oder Cello,\nTexte von J. P. Heije, 80 Fl.) eine Prämie von 200 Fl.\nauf ein „niederdeutsch historisch-dramatisches Gedicht, zu\neiner grossen Vocal-Composition geeignet\", gesetzt und\nausserdem alle holländischen Dichter aufgefordert, jedes\nJahr vor dem 1. März diejenigen von ihren Gedichten dem\nVereine zuzusenden, welche sie lür geeignet zur Compo-\nsition in irgend einer vocalen Kunstform halten.\nZu Verdienst-Mitgliedern sind ernannt worden: A.\nLvoff in Petersburg, A. G. Ritter in Magdeburg, F.\nSantini in Rom; zu correspondirenden Mitgliedern: B.\nDamcke in Frankfurt (? Brüssel), F. Kufferath in Brüs-\nsel, C. Rein ecke in Barmen, P. Scudo in Paris, C. F.\nWeit z mann in Berlin.\nProtector und ausserordentliches Ehren-Mitglied des\nVereins ist Se. Majestät der König Wilhelm 111 von Hol-\nland. Nächstdem ist nach Beschiuss der General-Versamm-\nlung der Name des Stifters und General-Secretärs des Ver-\neins» des Herrn A. C. G. Vermeulen, in der Liste der\nEhren-Mitglieder obenan gestellt worden.\nDie Ausgaben für das Musikfest zur Jubelfeier in Rot-\nterdam haben 60,392 Fl. betragen. Sie wurden bestritten\ndurch 15,000 FI. aus der Vereins-Casse, 39,623 Fl.\nEintrittsgelder, Zuschuss des Vereins aus dem vorjährigen\nUeberschuss 3081 Fl.— bleibt noch ein Deficit von über\n2600 Fl.\nDie Finanz-Verhältnisse des Vereins sind folgende: 1)\nReserve-Fonds 40,000 Fl. (zu 2 '/i Procent wie alle Ca-\npitalien des Vereins eingeschrieben in das grosse Buch der\nNationalschuld); 2) Fonds lür Unterstützung hilfsbedürfti-\nger Tonkünstler und ihrer Hinterlassenen 14,000 Fl.; 3)\nFonds für Musikfeste 1068 Fl.; 4) Fonds für Herausgabe\nvon Tonwerken und Bibliothek 2200 Fl. —D ie gesammte\nAusgaben-Rechnung vom vorigen Jahre betrug 7067 Fl.\nEs blieb ein Mehr von 233 Fl.\nDas diesjährige „Album des Vereins\", Nr. 18, ent-\nhält als Musikstücke eine Toccata für Piano von W. Stern-\ndale Bennet und eine vierstimmige Motette in D-dur von\nC. F. Rungenhagen auf holländischen Text von J. P. Heije.\nUeber die Statistik der verschiedenen Musik-Institute,\nwelche in Holland theils durch den Verein, theils in unmit-\ntelbarer Verbindung mit ihm bestehen, gibt der Bericht\nvollständigen Nachweis, aus welchem wir im Auszuge das\nmittheilen, was einen interessanten Ueberblick der musica-\nlischen Zustände in unserem Nachbarlande gibt. Wir be-\nmerken jedoch, dass die aufgeführten Ton werke nur dieje-\nnigen sind, welche durch die Abtheilungen des\nVereins im Jahre 1854—1855 zur Aufführung ge-\nkommen; ausserdem hat jede grössere Stadt in Holland\nnoch ihre besonderen Concerte, z. B. die von\nin Amsterdam, Diligentia im Haag, Euterpe in Rotterdam,\nStudenten-Concerte in Utrecht u. s. w. u. s. w.\nAmsterdam hat einen Sing-Verein von 300 Mit-\ngliedern (Dirigent J. B. van Bree), eine Musikschule (180\nSchüler), eine Normalschule (12 Schüler). Aufgelührt wur-\nden unter Anderem Schneider's Weltgericht, Psalm von\nMarcello, Motetten von Haydn und Mozart, Requiem von\nMozart, Mendelssohn's 95. Psalm, Hymne und Lorelei,\n%>\nSchumann's Adventlied.\nArnheim. Sing-Verein von 79 Mitgliedern (€. H.\nMarx). Haydn's Jahreszeiten, Spohr's Letzte Dinge, Fesca,\nPsalm 103.\ns'Gra venhage. Sing-Verein von 80 Mitgliedern (J.\nH. Lübeck). Mendelssohn : Paulus, Hymne,\nPsalm 42, Lorelei; H. Richter: Psalm 76 ; Schumann: Ad-\nventlied, Requiem lür Mignon, Paradies und Peri; Flotow:\nHymne (?); LvofF: Stabat MatVerhülst: vierstimmige\nLieder.\nHaar lern. Sing-Verein von 34 Mitgliedern (W. B.\nWeidner), Singschule (72 Schüler). Haydn's Schöpfung,\nMendelssohn's Walpurgisnacht.\nHeusden. Sing-Verein (J. Broers), Singschule (24\nSchüler), Volks-Singschule (59 Schüler), Instrumentalschule\n(9 Schüler)."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 883, "texte": "Rotterdam. Sing-Verein von 175 Mitgliedern (J.\nH. Verhülst), Musikschule (245 Schüler, 66 wöchentliche\nLehrstunden; unter der Gesammtzahl sind 97 Gesang-,\n127 Piano-, 11 Violin- und 4 Violoncell-Schüler).\nUtrecht. Sing-Verein von 80 Mitgliedern (K. A.\nCrayvanger), Singschule (50 Sch.), Normalschule (40 Sch.).\nZirkzee. Sing-Verein von 42Mitgliedern (C. Eisner),\nSingschule (30 Schüler), Männergesang-Verein (33 Mitgl.).\nAusserdem besitzen noch Gertrudenburg und\nGoes Sing-Vereine und Singschulen, und Enkhuizen\neinen Sing-Verein, eine Liedertafel, eine Singschule (33\nSchüler) und eine Instrumentalschule (6 Schüler).\nSo gibt denn alles Vorstehende die erfreulichsten\nZeugnisse von der fortschreitenden Wirksamkeit des Ver-\neins, welcher im zweiten Viertel-Jahrhundert seines Be-\nstehens ein stets erhöhtes Leben und Regen zum Wohle\nder Tonkunst in den Niederlanden offenbaren möge."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-12-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-12-15_01#c003", "volume": "bmtnabi_1855-12-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "397", "page_fin": "398", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.2.3", "titre_corps": "Aus London.", "titre_sommaire": "Aus London.", "signature_source": "D", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.5", "debut_caractere": 885, "fin_caractere_exclue": 4807, "texte": "Aus London.\n\n[Jenny Lind in Exeter Hall.]\nAls Jenny Lind am 4. Mai 1847 in London auf\ndem königlichen Theater als Alice zuerst auftrat, wurde ihr\nTalent und jene Eigentümlichkeiten, durch welche sie\neinen unwiderstehlichen Reiz entfaltet, von der englischen\nKritik vollständig anerkannt und vom Publicum einstimmig\nbewundert. Sie blieb damals drei Jahre am königlichen\nTheater unter der Direction des Mr. Lumley angestellt und\nnahm am 9. Mai 1849 (ür immer von der Bühne Abschied,\nin derselben Rolle, in der sie zuerst vor das Publicum trat.\nIhre Leistungen als Oratorien-Sängerin in London und Li-\nverpool 1849 50 und ihre Reise nach den Vereinigten\nStaaten haben gezeigt, dass sie eine grosse Künstlerin in\nder wahrsten Bedeutung des Wortes ist.\nVergangenen Montag, am 10. December, fand das\nerste von einer Reihe Concerte in Exeter Hall Statt, wel-\nche Herr Mit ch el I unternommen hat und Herr Bene-\ndict dirigirt. Aufgelührt wurde Haydn's Oratorium „Die\nSchöpfung\" ; die Sopran-Fartieen des Engels Gabriel und\nder Eva waren von Frau Jenny Goldschmidt-Lind übernom-\nmen. Die Halle war gedrängt voll, obschon der Eintritts-\npreis theuer war.\nDer Gesang von Frau Goldschmidt war grösstenteils\nwunderbar schön. So zu singen, wie sie, mit solcher Ehr-\nfurcht vor dem Texte und der Composition, mit solchem\nStreben, die Bedeutung des Wortes durch das Mittel des\nmusicalischen Ausdrucks klar zu machen, kurz, die Virtuo-\nsität zu vergessen und die KunÄ einem höheren Zwecke\ndienstbar zu machen, das sollte die Aufgabe jeder Orato-\nrien-Sängerin sein. Diese vollständige Gewalt über die me-\nchanischen Kräfte, dieses Aufgehen der Künstlerin selbst in\nder ihr gegebenen Aufgabe, diese Kunst, die Kunst einem\nreinen und offenen Gemüthe zu verbergen, ist eine so sel-\ntene Begabung, dass wir sie kaum bei einem oder zwei In-\ndividuen angetroffen haben. Jenny Lind besitzt sie in einem\nmerkwürdigen Grade. Das grosse Recitativ und die Arie:\nSchon beut die Flur\", zeigte, dass ihre Stimme noch so\nwar, wie wir uns derselben erinnern; die oberen Töne\nrein, flüssig und stark, die mittleren (wie bei Mario) etwas\nverschleiert, was ihre Schönheit nicht erhöhen kann, die\ntiefen etwas schwach und tonlos. Ihre Intonation war zum\ngrössten Theile auserlesen rein, doch haben wir sie bei an-\nderen Gelegenheiten mehr beständig tadellos gehört. In\ndem Terzett und Chor im zweiten Theile („Der Herr ist\ngross\") gab die Stimme der schwedischen Sopranistin durch\nKlarheit und vollen Klang in den höheren Noten dem Solo\neine Wichtigkeit, welche viel zum Erfolge des Ganzen bei-\ntrug. Das Recitativ und die Arie: „Auf stolzem Fittich\",\nwar eine schöne Leistung, allein der Vortrag war so ruhig\nund massig, dass es fast schien, als ob die Sängerin der\nMeinung wäre, dass solch eine gekünstelte Bravura, voll\nvon Trillern undTriolen, kaum der tauglichste musicalische\nAusdruck (ür den Theil des Textes wäre, der die Erschaf-\nfung der Vögel in sich schliesst.\nIn dem dritten Theile war Jenny Lind über alle Kritik\nerhaben. Das Duett zwischen Adam und Eva: „Theure\nGattin 1\" war vollkommen schön. Die Zuhörer waren be-\ngeistert und der Applaus so ungezwungen, herzlich und\neinstimmig, dass es Freude machte, ihn zu hören. Ueber-\nhaupt konnte der Frau Goldschmidt-Lind unter keinen Um-\nständen ein schönerer Empfang zu Theil werden, als den\nihr Erscheinen nach ihrer langen Abwesenheit von England\nbei dem englischen Publicum, dessen Gunstbezeugungen\nsie nicht vergessen zu haben scheint, hervorrief.\nIm Allgemeinen wurde das Oratorium unter der ge-\nschickten Leitung des Herrn Benedict gut ausgeführt. Die\nChöre sangen mit Feuer. Herr Lockey (Tenor) und Herr\nLawlerin (Bass) sangen so gut, dass sie in jeder Beziehung\nwürdig die Gesellschaft vertraten, in der sie sich befanden,\nund das Orchester bot, wenn es auch hätte besser sein\nkönnen, doch keine bedeutende Gelegenheit zum Tadel\ndar. 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Januar 1856 bevorste-\nhenden hundertjährigen Mozart-Jubiläums ist eine Stiftung\nins Leben gerufen, die unter dem Paniere „Mozart-Verein\"\ndie Tendenz verfolgen soll, aufstrebende musicalische Ta-\nlente zu fördern und hilfsbedürftige Künstler, wie deren\nFamilien zu unterstützen. Diese Stiftung erfreut sich der\nhohen Protection Sr. Hoheit des Herzogs von Sachsen-Co-\nburg-Gotha, und sie hat unter diesen Auspicien Alles für\nsich, ein echt deutsches Institut zu werden. Soll sich aber\nder Verein bewähren, soll er Resultate ins Leben rufen,\ndie seine Fortdauer sichern, dann ist die allgemeinste Be-\ntheiligung eben so wünschenswerth als nothwendig. Bei\nden tief empfundenen Uebelständen, welche die Existenz\nund Zukunft der Tonkünstler gefährden, wird es die deut-\nsche Nation gewiss als eine Ehrensache betrachten, ihre\nTheilnahme einem Institute zuzuwenden, welches, indem es\nein so edles Ziel im Auge hat, wesentlich dazu beiträgt,\nunserem unsterblichen Mozart ein lebendes Denkmal zu\nsetzen. Die unterzeichneten Directoren erfüllen daher nur\neine Liebespflicht gegen den grossen Todten, wenn sie das\nbevorstehende hundertjährige Jubiläum benutzen, Mozart's\nVerdienste um die deutsche Tonkunst in frische Erinnerung\nzubringen, und daran die Bitte zu knüpfen, musicali-\nsche oder theatralische Aufführungen zum Be-\nsten des Mozart-Vereins zu veranlassen oder sich sonst mit\nLiebesgaben bei diesem Unternehmen zu betheiligen.\nWie die Unterzeichneten gern bereit sind, den Erlös der\nVorstellungen oder sonstige für den Verein bestimmte Ga-\nben in Empfang zu nehmen, so werden auch die nachbe-\nnannten Herren Gelegenheit dazu bieten:\nBarmen: Musik-Director Reinecke; Crefeld: Musik-\nDirector Wolff; Düsseldorf: Musik-Director Tausch;\nElberfeld: Banquier v. d. Steinen; Frankfurt a. M.: Ca-\npellmeister Messer; Karlsruhe: Capellmeister Strauss;\nKöln: Musik-Director Fr. Weber und die M.DuMont-\nSchauberg'sche Buchhandlung; Mannheim: Capellmei-\nster Zimmermann; Münster: M.-Director K. Müller.\n* Ueber die eingegangenen Beträge wird in der Schrift:\n»Geschichte des Mozart-Vereins\", Rechenschaft gegeben,\ndie Fonds selbst aber werden der Behörde überwiesen\nwerden, welche der hohe Protector Allerhöchst zu bestim-\nmen geruhen wird.\nDie Redactionen politischer, musicalischer und belle-\ntristischer Zeitungen werden im Interesse des edlen Unter-\nnehmens ersucht, diesen Aufruf in ihre Spalten aufzunehmen.\nDr. L. Spohr, General-Musik-Director in Kassel.\nDr. Reissiger, Hof-Capellmeister in Dresden.\nW. Tschirch, Hof-Capellmeister in Gera.\nMarkul, k. Musik-Director in Danzig.\nLambert, Hof-Capellmeister in Gotha.\nHaushalter, Rechts-Anwalt in Wernigerode."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-12-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-12-15_01#c005", "volume": "bmtnabi_1855-12-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "398", "page_fin": "400", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "K. Beil", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.6", "debut_caractere": 2854, "fin_caractere_exclue": 5376, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nKöln. Sonntag, den 9. d. Mts., fand das erste Conccrt\ndes kölner Männergesang-Vereins im Casinosaale unter Lei-\ntung des königlichen Musik-Directors Herrn Franz Weber Statt.\nDas Abonnement ist auf vier Concerte eröffnet und mit sehr gros-\nser Theilnahme aufgenommen worden; der Saal und die Galerieen\nwaren überfüllt. Der Verein hat sich in der musicalischen Welt\neine Stellung errungen, welche es ihm zur Pflicht macht, dieselbe\nauf der Höhe zu wahren, die durch das ausgezeichnete Verdienst\nWeber's, durch die Reisen der drei letzten Jahre und das ruhm-\nvolle Auftreten in London, Paris und Berlin erreicht worden ist.\nDass es ihm damit Ernst ist, hat er durch das gedachte Concert\nbewiesen, und zwar erstens, indem er sein Repertoire durch neuere\nund ältere Compositionen ergänzt und vermehrt hat, und zweitens,\nindem er seine Leistungen immer mehr zu wahrhaft künstlerischen\nzu machen strebt. Mit Vergnügen bemerkten wir, dass der Wohl-\nlaut des Gesammt-Tones und die Präcision und Nuancirung des\nVortrages von dreiundsiebenzig Sängern, wie von Einem, bei dieser\nersten öffentlichen Leistung in dieser Saison eine eben so schöne\nWirkung machten, wie im vorigen .Tahre, ja, dass der Vortrag ge-\nwonnen hat, und zwar, wie es uns scheint, dadurch, dass die Con-\ntraste der Stärke und Schwäche nicht allzu schroff gegen einander\ngestellt werden, zumal an Stellen, wo keine Veranlassung dazu in\nden Textesworten liegt.\nDas Programm brachte von C. G. Reissiger „0, war' ich\nam Neckar, o, war' ich am Rhein!\" von F. Abt „Leb' wohl,\nmein Vaterland,\" und „Valencias Rose\", beide mit Bariton-Solo,\nvortrefflich von Herrn DuMont-Fier gesungen von Niels\nW. Gade „Gondelfahrt\" (ein schönes, duftiges Lied) und „Das\nReh\" (musicalisch ebenfalls sehr hübsch, aber in der Auffas-\nsung doch wohl nicht ganz dem Gedichte von Uhland ent-\nsprechend) - von F. Schubert t)Sftlve Regina\" (im Anfange\netwas gewöhnlich, bald aber sich zu lebensvoller, natürlicher Fri-\nsche der Empfindung erhebend) von Mendelssohn „Liebe\nund Wein\" und „Rheinweinlied\" von Conr. Kreutzer\n„Abendfeier\" von Franz Weber „Lenzfrage\" („Sei willkom-\nmen, liebe Sonne,\" von Müller von der Werra, eine sehr anspre-\nchende Composition) von Silcher „Die Lorelei\" und „Wohin\nmit der Freud ?\"\nMan sieht, dass die Auswahl eine sehr interessante war. Zwi-\nschen den Gesängen trug Herr Henri Wieniawski zwei Salon-\nslücke von seiner Composition vor, welche ihm Gelegenheit gaben,\nseine ausserordentliche Bravour in vollem Glänze zu zeigen. Die"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7029, "texte": "ehrenvollste Anerkennung verdient es auch, dass er seine Mitwir-\nkung höchst bereitwillig und durchaus uneigennützig zugesagt\nhatte. Am Morgen desselben Tages hatte Herr Wieniawski eine\nMatinee im Hotel Disch gegeben, in welcher er sich durch kräf-\ntigen Bogenstrich, vollen Ton und den schwungvollen Vortrag na-\nmentlich des Air varie von H. Vieuxtemps als einen Meister ersten\nRanges bewährte.\nWeniger befriedigte uns, d. h. für einen so bedeutenden Spie-\nler, der Vortrag des ersten Satzes des Concertes von Beethoven,\nden Herr Wieniawski am 12. d. Mts. im Theater spielte, trotzdem\ndass einzelne Theile, wie auch die schwierige Cadenz, ganz vor-\ntrefflich waren; übrigens schien bei diesem Vortrage die Quinte\nseines Instrumentes den kräftigen Anforderungen des Bogens nicht\ngewachsen. So hängt ein künstlerisches Gelingen oft von der un-\nkünstlerischen Zubereitung eines Schafdarmes ab! Abgesehen da-\nvon, scheint es uns jedoch, als forcirte Herr Wieniawski zuweilen\nden Ton zu sehr, was der Schönheit desselben Eintrag thut. Ganz\nvorzüglich trug er das Adagio, welches die Einleitung zu einer\nPolonaise brillante von seiner Composilion bildete, vor; in der Po-\nlonaise selbst, die mit einem fast überkecken Thema auftritt, über-\nwand er fabelhafte Schwierigkeiten.\nAm Dinstag, den 11 d. Mts., war die zweite Soiree für\nKammermusik im Hotel Disch. Wir hörten das Trio, Op. 70,\nNr. 2, in Es-dur für Piano, Violine und Violoncell von Beetho-\nven (die Herren F. Breunung,' Th. Pixis und B. Breuer),\ndas Violin-Quartett in D-dur von Mendelssohn (Pixis, Der-\nckum, Peters, B. Breuer) und das Adagio und Rondo für\nPiano und Violine von F. Schubert (Breunung und Pixis).\nGegen das Programm liesse sich Manches einwenden; das Trio von\nBeethoven, so schön es ist, wird dennoch eine zahlreichere Gesell-\nschaft niemals elektrisiren, es ist nur für Wenige geschrieben; und\ndas Schubert'sche Duo leidet trotz seiner reizenden Motive doch\ngar sehr an den bekannten Mängeln der meisten Schubert sehen\nlnstrumental-Compositionen, d. h. an Unzulänglichkeit der formellen\nVollendung und üeberlänge der Ausdehnung. Es war also diesen\nAbend nichts da, was so recht packte, wie man zu sagen pflegt,\nwiewohl der Vortrag von Allem ganz befriedigend war.\nDer ausgezeichnete Violinist Jacques Dupuis aus Belgien\nwird Ende December eine Kunslreise nach Deutschland, zunächst\nüber Köln und Hannover nach Berlin, antreten. Wir haben ihn\nbereits vor einem Jahre (Nr. 51, vom 23. December 1854) als einen\nvortrefflichen Repräsentanten der belgischen Schule kennen gelernt.\nWeimar. Mozart's Jubelfeier (27. Januar 1856) wird das\nTheater durch die erste Aufführung des Don Juan mit den Origi-\nnal-Recitativen feiern, und zwar soll diese Vorstellung zum Besten\nder Mozart-Stiftung Statt finden.\nden drei Concerte in Einer Woche Statt finden, welche mit den\nwichtigsten Faust-Compositionen ihr Programm ausfüllen. Es kom-\nmen zur Aufführung: die Musik zu Göthe's „Faust\" vom Fürsten\nRadziwill; die „Faust-Sinfonie\" von Berlioz (in vier Theilen); eine\n„Faust-Ouverture\" von Richard Wagner; die Schluss-Chöre zum\nzweiten Theile des Göthe'schen „Faust\" von Robert Schumann und\ndie so eben vollendete „Faust-Symphonie\" in drei Sätzen (Faust,\nGretcfien und Mephisto) von Franz Liszt. Diese Concerte werden\nim Theater Statt finden, und die Einnahme ist zum Besten des\nGöthe-Schiller-Monumentes bestimmt.\nWien. Professor J. Fischhof hat seine Stelle als Lehrer\ndes Ciavierspiels an dem hiesigen Conservatorium niedergelegt.\nMan sagt, dass Professor Hellmesberger, Director derselben\nAnstalt, ebenfalls seine bisherige Stellung verlassen und sich in\nParis niederlassen werde; ob in einer bestimmten Stellung oder\nAnstellung, wissen wir nicht. Dagegen haben wir Aussicht, dass\nder wackere Quartett-Componist F. W.Veit seinen Aufenthalt\nhier nehmen werde.\nMeyerljeer's „Nordstern\" sollte am 17. d. Mts. zum ersten\nMale in Wien gegeben werden.\nFür die Verehrer Beethoven's wird eine so eben in Wien\nerschienene Lithographie von Interesse sein, welche den Lieblings-\nplatz des Meisters, wo er seine Pastoral-Sinfonie entworfen haben\nsoll, darstellt. Es sind die bekannten drei Bäume, die sich auf einer\nWiese zwischen Nussdorf und Heiligenstadt am Ufer eines Wald-\nbaches befinden. Auf eine wirklich komisch-naive Weise gelang es,\nden Baum aufzufinden, unter dessen Schatten Beethoven auszuruhen\npflegte; denn obgleich man wusste, dass er während seines Land-\nAufenthaltes dorthin seine Spazirgänge nahm, vermochte man bis-\nher nicht, den Platz zu bestimmen. Den Aufschluss gab ein alter\nsiebenzigjähriger Bauer, der Besitzer jener Wiese, der auf die Frage,\nob er einen Herrn Beethoven gekannt habe, antwortete: „Manen's\nden kraupeten (wiener Local-Ausdruck für zerrauft zerrauftes,\nungekämmtes Haar) Musieanten? Ja, der is immer dort nnter den\nBam g leg'n\", und wies auf die Stelle, welche im Bilde mit einem\nLorberkranze bezeichnet ist. Dasselbe ist in der Spina'schen Hof-\nMusicalienhandlung ausgestellt.\nB*aris. Die vierzig ersten Vorstellungen der Vepres Siciliennes\nvon Verdi in der grossen Oper haben 419,500 Frcs. 23 Cent,\neingebracht. Wie viel die bereits weit über anderthalb Hundert\ngestiegenen Aufführungen von Meyerbeer's Nordstern in der\nkomischen Oper eingebracht haben mögen, ist uns noch nicht be-\nkannt geworden. Jedenfalls sind, wenn man nach der heutzutage\nbeliebten WTeise Alles nach der Statistik beurtheilt, Verdi s und\nMeyerbeer's neueste Opern unschätzbare Kunstwerke. J. Rosen-\nhain ist wieder hier. Hiesige Blätter kündigen ein Fräul. Berg-\nauer, Erzieherin bei der Familie des Prinzen von Capua, als eine\nberühmte deutsche Sängerin, besonders Schubert'scher Lieder, an. (?)\nNach pariser Nachrichten hat Jenny Lind in Paris bloss\nvor Rossini gesungen, und zwar mehrere Arien aus dessen be-\nliebtesten Opern. Das Anerbieten von 40,000 Frcs. für ein einzi-\nges Gesangstück in dem Concerte von H. Berlioz soll sie mit den\nWorten ausgeschlagen haben : „Ich bin nicht nach Paris gekom-\nmen, um zu singen, und habe, da ich nicht mehr jung bin, keine\nLust, meinen Ruf für 40,000 Frcs. aufs Spiel zu setzen.\"\nIm Monat October haben die Einnahmen sämmtlicher Theater,\nConcerte u.s.w. in Paris betragen 1,774,125 Frcs., d. h. 215,127\nFrcs. mehr, als im September, und 740,000 Frcs. mehr, als im\nOctober 1854.\nAus Lilie erfahren wir, dass die eifrige Wirksamkeit unseres\nrheinischen Landsmannes, des Herrn Emil Stein kühler, zur\nFörderung und Verbreitung classischer Kirchen- und Oratorien-\nMusik im nördlichen Frankreich von schönem Erfolge begleitet ist\nund grosse Anerkennung findet. Als ein sichtbares Zeichen der\nletzteren wurde Herrn Steinkühler, als dem Gründer und musicali-\nschen Director des Cäcilien-Vereins, am Cäcilienfeste von dem\nVereine eine goldene Medaille als „Zeichen der Hochachtung\nseines Talentes und der Dankbarkeit für seinen unermüdlichen\nEifer\" durch den Präsidenten des Vereins, Herrn Danel, einen\nausgezeichneten Musik-Gelehrten, überreicht. Derselbe drückte in\nherzlichen Worten die Gesinnungen und Gefühle aus, welche Herr"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3044, "texte": "Steinkühler den ehrenwerthen Mitgliedern des Vereins, deren\nUebungen er mit so gewissenhafter Geschicklichkeit leitet, einzu-\nflössen gewusst hat. Mit französis :her Galanterie überreichten die\nHerren Sänger bei dieser Gelegenheit sammtlichen Damen des Ver-\neins prachtvolle Blumensträusse, welche sie besonders zu diesem\nZwecke aus Paris hatten kommen lassen. Der Verein studirt gegen-\nwärtig eine Messe von Mozart und Chöre aus Händel's Judas Mac-\ncabäus und Haydn's Jahreszeiten, und die Stadt Lille hat den\nRuhm, den ersten Gesang-Verein von Dilettanten in Frankreich ge-\ngründet zu haben, in welchem Chöre von Frauen- und Männer-\nstimmen gesungen werden.\nEioiidtoai. Der unternehmende Musik-Verleger Beale hat eine\nKünstler-Gesellschaft engagirt, mit welcher er die Provin-\ncialstädte von England und gegenwärtig auch von Schottland be-\nreis't. Diese Gesellschaft hat bereits in 22 Städten mit grossem Er-\nfolge Concerte gegeben. Sie zählt aber auch Berühmtheiten zu\nihrem Verbände, wie Clara Novello, den Violinisten Sivori,\nden Violoncellspieler Piatti und den jungen Pianisten Arthur\nNapoleon.\nHew-¥ork, 10. November. Meyerbeer s „Prophet\" wird\njetzt hier gegeben. Den Johann von Leyden gibt So 1 viani mit\ngrosser Wirkung, die Fides Frau La Grange, für welche der\nComponist selbst die Partie eingerichtet hat.\n•Die Sängerin Mad. dela Grangeist in New-York von Neuem\nlür monatlich 17.000 Frcs. engagirt. Die La Grüa macht in Rio\nde Janeiro Furore und Geld nebst Brillanten.\nDeutsche T o u Ii a 1 1 e«\nFür den Preis von achtzehn Ducaten setzt der Verein hiermit\nals Aufgabe die Composition beigehenden Gedichtes für gemischten\nChor und Soli mit Harmonie-Begleitung, und ladet deutsche Ton-\ndichter ein, sich hierbei zu betheiligen.\nDie Bewerbungen sind in Partitur vor dem Monate Mai k. J.\n„derdeutschen Tonhalle\" frei hieher einzuschicken, jede mit einem\ndeutschen Spruche versehen und mit versiegeltem Zettel begleitet,\nder den Namen ihres Verfassers enthält und aussen nebst demselben\nSpruche einen Tondichter benennt, welchen der Einsender als\nPreisrichter wählt.\nIm Uebrigen sind die Vereins-Satzungen maassgebend.\nMannheim, Christmonat 1855. Der Vorstand.\n%\nFestgesa zur Erinnerung an F. Schiller.\nLasst uns in frohem Sange preisen\nDen Dichter und den deutschen Mann,\nDer in des Vaterlandes Kreisen\nGerechte Liebe sich gewann!\nWas gross im Leben waltet,\nW7as unser Herz erhebt,\nHat sein Gesang entfaltet,\nDer unvergänglich lebt.\nKraft und Wahrheit,\nGeist und Klarheit,\nMuth für Recht und Licht\nTönet sein Lied\nBieder und treu,\nMännlich und frei.\nIhm erschien der Menschheit Würde\nStets das höchste Ideal,\nGross und frei von Staubesbürde,\nAls des ew'gen Lichtes Strahl;\nSeine hohen Glaubensworte,\nMild und schön, doch inhaltschwer,\nZeigen uns die heil'ge Pforte\nWahren Lebens klar und hehr.\nUnsre Sprache, das starke Band,\nDas uns vereint im Vaterland,\nHat er gepflegt mit Meisterhand;\nWas sie vermag in Freude und Schmerz,\nFühlet durch ihn jedes deutsche Herz.\nIhm, der sie so schon erhob,\nUnserm Schiller, Preis und Lob!\n\nK. Beil."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.1", "texte": "Die Tonwerke des XVI. und XVII. Jahrhunderts.\nVon C. F. Becker.\n\n(Schluss. S. Nr. 49.)\nBevor wir über den Plan des Ganzen unsere Meinung\nvorbringen, noch einige Einzelheiten.\na. Palestrina's herrliche Cantica Canticorum führt\nBecker in neun Drucken an, den ersten von 1584, den\nletzten von 1650, natürlich keinen mit Angabe der Auf-\nlage oder Hinweisung auf das erste Erscheinen des Wer-\nkes, und alle neun Mal mit dem Zusätze: „Enth. 29 Ge-\nsänge\". Nun gibt Baini in seiner grossen Biographie Pa-\nlestrina's, die Becker der Einleitung zufolge doch sehr dank-\nbar benutzt haben will, nicht neun, sondern zehn Aulla-\ngen an, nämlich eine vom Jahre 1608, die man bei Becker\nvergebens suchen wird. Es ist ein Versehen, dergleichen,\nwie Mattheson sagt, leicht zu machen und oft schwer zu\nverbessern ist; aber ein rechter Sammler muss nicht bloss\nseine Quellen benutzen, sondern sie lür seinen Zweck e r-\nschö pfen.\nb. Spalte 93 werden von J. G. Löwe geistliche Con-\ncerte (Wolfenb. 1660) aufgeführt. Der Mann heisst J. J.,\nnämlich Johann Jakob Löwe, wie ihn auch Printz nennt,\nder ihn den besten Contrapunktisten seiner Zeit beizählt.\nEr war ein Freund vom alten wackeren Heinrich Schütz\nund kam von Wien nach Wolfenbüttel; so viel können\nwir aus handschriftlichen Quellen beweisen. Es wäre wohl\ngut, bei solchen Sammelwerken die Vornamen der Com-\nponisten immer ganz auszuschreiben, die blossen Anfangs-\nBuchstaben prägen sich nicht so gut ein und verführen da-\ndurch zu allerhand Irrthümern; und steht erst einmal da\nso ein dummes G., statt J., oder P., statt B., so ist es oft\ngar nicht wieder fortzubringen; der Kaum lässt sich auf\nandere Weise wieder gewinnen. Man muss nie am Not-\nwendigen, stets nur am Ueberflüssigen sparen.\nc. Die Titel der aufgeführten Werke müssen vollstän-\ndig sein, d. h. sie müssen alles enthalten, was für den zu-\nkünftigen Beschreiber der Sachen nur irgendwie von Nutzen\nsein kann; bei verschiedenen Ausgaben die besonderen Zu-\nsätze oder Zeichen, wodurch jede kenntlich ist, und\nwörtlich oder vielmehr buchstäblich. Spalte 176 verzeich-\nnet Becker Helmbold's vierzig deutsche Christliche Liedlein,\ncomponirt von Joachim a Burck und Johann Eccard, vom\nJahre 1599; auf dem Titel der Bassstimme, welche uns\nvorliegt, steht „aufs new zusamen gedruckt durch\"\netc., was bei Becker fehlt, und doch sind es gerade solche\nkleine Bemerkungen, wodurch man oft verschiedenen ganz\nunbekannten Ausgaben auf die Spur kommen kann. Wir\nerinnern hier an die glänzenden Fortschritte, welche die\ndeutsche Philologie und Literatur-Geschichte zum grossen\nTheile durch solche Handhaben zu machen im Stande wa-\nren ; sollte es nicht an der Zeit s.in, sich von diesen beleh-\nren zu lassen? „Man kann es immer so wiederabdrucken,\nals es im Original steht,\" pflegte Lachmann zu sagen und\ndann in seiner lakonischen Weise hinzuzusetzen: „nimmt\nauch nicht mehr Raum ein.\" Wir führen noch einen\nTitel Becker's an, in Klammern das Richtige dabei bemer-\nkend, und wählen dazu das dramatische Poem des Sprach-\nforschers Schottel, mit dem das Ende des dreissigjährigen\nKrieges gefeiert wurde:\n„Neu erfundenes Freudenspiel [Freuden-Spiel], ge-\nnandt Friedens Sieg. In Gegenwart [gegenwart]\nvieler Ehr- [Chur-!] und Fürstlicher auch anderer\nVornehmen Personen, in dem Fürstl. Burgsaal\n[Burg-Saal] zu Braunschweig [Braunsweig] im\nJahr 1648 [1642!] von lauter kleinen Knaben\nvorgestellet ... Itzo zum Andermahl aufgelegt....\nzu Braunschweig 1649.\" Spalte 306.\nDie erste Auflage erschien „In Wolfenbüttel Im Jahr\n1648\"; ist sie Becker nicht zugänglich gewesen, so hätte\ner wenigstens bemerken sollen, dass eine solche vorhanden\nsein müsse; aber es scheint, ihm sind die Notizen so über\nden Kopf gewachsen, dass er das Einzelne nicht mehr zu\nüberblicken vermochte. Man sieht hier auch, wie orthogra-\nphische Fehler mit sachlichen Verkehrtheiten Hand in Hand\ngehen und der Literator, der einmal sein Auge an fluch-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.2", "texte": "tige, ungenaue Abschrift gewöhnt hat, nothwendig in Hun-\nderte und Tausende von Irrthümern fallen muss.\nD.Gehen wir der Zeit nach etwas weiter zurück, auf\neinen alten Niederländer oder Nord-Franzosen. Einen Bal-\nduin lührt Becker viermal an (nach dem Register fünfmal,\naber Sp. 121 ist kein Balduin zu finden, oder heisst er\nhier bloss „Noe\" ?), überall nur in Sammelwerken, nirgends\nin einem selbstständigen Drucke. Spalte 221 gibt er ihm\nden Vornamen „N.\", Sp. 57 wird daraus „Noe\" und Sp.\n23 und 235 gar „Noel\". Was ist nun richtig? Wenn\nwir nicht sehr irren (und wir glauben hier sicher zu gehen),\nso heisst der Meister gar nicht Noel Balduin, sondern Noe\nBalbun; so fanden wir seinen Namen auf einer prachtvoll\n(um 1520) geschriebenen Misvon seiner Composition,\ndie gänzlich unbekannt ist. Wie viel wohl in dieser frühe-\nren Region der Geschichte unserer Kunst noch aufzuräu-\nmen sein mag!\nDiese vier Bemerkungen a d beispielsweise, um an\njedem einen besonderen Mangel des Becker'schen Werkes\nanzudeuten. Weiter dürfen wir uns aber nicht einlassen;\ndaher nun zum Schlüsse noch ein Wort über den Plan,\nnach welchem der Verfasser im Grossen und Ganzen sein\nreiches Material gegliedert hat.\nDie erste Idee zu einem solchen Werke gehört For-\nkel; er gab bei einer ähnlichen Darstellung seinem Verzeich-\nnisse aller über die Musik erschienenen theoretischen und\ngeschichtlichen Werke (1792) die Umrisse dasu an. Im\nGanzen ist Becker dabei geblieben, nur lührt er neben den\ndrei Haupt-Rubriken bei Forkel: Kirchenmusik, Kam-\nmermusik und Theatermusik, noch eine vierte ein:\nSchulmusik, oder „Tonwerke lür die Schule\". Wir\nhalten dies lür keine glückliche Erfindung Becker's und\nbleiben unsererseits bei der Forkel'schen Drei-Theilung;\ndenn die Schulmusik kann leicht irgendwo bequem unter-\nkriechen. Ausser dem Personen-Register ist noch ein chro-\nnologisches Register gemacht, welches bloss die Zahl der\nin jedem Jahre gedruckten Musicalien angibt und zur leich-\nten Uebersicht in dieser Hinsicht sehr geeignet ist.\nNun wäre das allerdings ein sehr nützliches Hand-\nund Hülfsbuch, wenn wir die Ordnung im Ganzen über-\nsehen und die sämmllichen oder doch die meisten Irrthü-\nmer uns hinwegdenken. Aber man muss doch gestehen,\ndass nicht die Gliederung des Materials, sondern die Rich-\ntigkeit, wir möchten sagen: die Durchsichtigkeit des Ein-\nzelnen, das Fundament bildet, auf dem sich ein solches\nWerk nach und nach aufbaut; und hier können wir im In-\nteresse der musicalischen Wissenschaft (denn dem Verfas-\nser persönlich wünschen wir alles Gute) nicht umhin, zu\ngestehen, dass Becker in der Hauptsache die Aufgabe nicht\nzweckentsprechend gelös't hat. Das Ganze und alles Ein-\nzelne im Ganzen muss von Anfang an wieder geprüft, nach-\ngesehen und mit den Quellen verglichen werden, wenn eine\nendgültige Gewissheit entstehen soll. Daher ist auch mit\ndem Zuwachse einzelner Notizen nicht viel gewonnen, und\ndie ausgesprochene Bitte des Verfassers um Zusendung von\nErgänzungen dürfte nicht sehr anregend wirken. W'ohl ist\njedes gute Werk mehr oder weniger ein Product gemein-\nsamen Strebens, vereinter Arbeit, und gern stimmen wir\ndem Verfasser darin bei, dass am meisten ein Sammelwerk\nauf die Beihülfe Vieler rechnen muss. Aber andererseits ist\ndoch immer Einer der Anfänger, der Baumeister und der\nVollender; gefällt Zweck und Plan und Art der Arbeit, so\ntragen Andere allerdings gern mit heran. Den Zweck fan-\nden wir vortrefflich, die Art der Arbeit konnten wir nicht\nbilligen, und den Plan würden wir unter folgenden Verän-\nderungen gutheissen:\nStatt der vier Haupt-Rubriken die drei Forkel'schen\nmit den Unterfächern, wie sie im Ganzen hier richtig sind.\nSodann die Reihenfolge der Titel in den Unterfächern mit\nfortlaufenden Nummern bezeichnet, was einen zwiefachen\nNutzen hat: einmal sieht man die Anzahl der gedruckten\nMessen oder Madrigale oder Sinfonieen u. s. w. dieser Zeit,\nund ferner hat man immer eine bestimmte Nummer, auf\ndie verwiesen werden kann. Dieser Vortheil kommt zu Stat-\nten bei allen zweiten und folgenden Auflagen desselben\nWerkes; die Nummer ist durchaus nothwendig, wenn das\nWerk kurz bezeichnet und leicht aufgefunden werden soll.\nEin Beispiel wird es am besten erläutern. Nehmen wir die\nzehn Ausgaben der schon erwähnten\nvon Palestrina und folgen hierbei Becker's Verzeichniss. Die\nComposition gehört zu den „Motetten ohne Instrumental-\nBegleitung\". Wir numeriren diese, es sind bei Becker\n399 ; der erste Druck von den zehn ist:\nNr. 197. Palestrina. Joannis\nMoteltorum quinque\ncanticis canticorum.\ndrum Gardanum. 1584. [Format?] Enth. 29\nGesänge. Auflagen: Nr. 198, 217, 224, 274,\n288, 297, 318, 333, 380.\n„ 198 .Palestrina. Cantica Zweiter Druck\n[Nachdruck?] von Nr. 197 aus demselben Jahre,\naber: Veneiiis apud Angelum Gardanum. 1584.\n„217. Palestrina. Cantica Dritte unveränderte"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.3", "texte": "Auflage von Nr. 197.\nGardanum.lsB7.\nNr. 224. Pales trina. Cantica CVierte unveränderte\nAuflage von Nr. 197. Veneiiis apud Giac. Vin-\ncenli.lsBB.\n„ 274. Pal es trina. Cantica Cantic. Fünfte unveränd.\nAuflage von Nr. 197. Veneiiis apud Ilaeredes\nHieronymi 5c0t0.1596*).\n„ 288. Palestrina. Cantica Sechste unveränd.\nAuflage von Nr. 197. Venetiis apud Angelum\nGardanum. 1601.\n„ 297. Palestrina. Cantica Siebente unveränd.\nAuflage von Nr. 197. Venetiis apud Haeredes\nHieronymi Scoto. 1603.\ns 318.Palestrina. Cantica Cant. Achte unveränd.\nAuflage von Nr. 197. [ln? fehlt bei Becker.]\n„ 333. Palestrina. Cantica Neunte unveränd.\nAuflage von Nr. 197. Venetiis apud Barthol.\nMagnum. 1613.\n„ 380. Palestrina. Cantica Cant. Zehnte unveränd.\nAnflage von Nr. 197.\nMascardi. 1650.\nHier hat man in 22 Zeilen eine zusammenhangende\nbibliographische Beschreibung aller zehn Auflagen, während\nBecker vierzig Zeilen gebraucht und doch jede Ausgabe zu-\nsammenhanglos dastehen lässt. Bei jeder folgenden Auflage\nist auf den ersten Druck hingewiesen und beim ersten\nDrucke auf alle Auflagen, so dass man alle Druckwerke\neiner bestimmten Composition rück- und vorwärts durch-\nlaufen kann. Man denke sich diese Notizen in die bestimmte\nReihenfolge, welche die Zahlen andeuten, eingeordnet und\nalle übrigen Tonwerke eben so behandelt, so wird das Vor-\ntheilhafte eines solchen Verfahrens bald einleuchten. Bei\nAnführung des ersten Druckes könnte und miisste dann\nauch noch manches Andere angeführt werden, nicht bloss\nder Titel buchstäblich genau, sondern auch die Seitenzahl,\ndie Anzahl der Stimmhefte und der Umfang jedes einzelnen,\nNachweis etwaiger Auflagen des alten Werkes, theilweise\noder vollständig, in neueren Sammlungen. So wi)rde hier\nbei Cant. Cantic.anzugeben sein, in welchem Bande der\nsämmtlichen Werke Palestrina's (im vorigen Jahrzehend\nvon Baini herausgegeben) diese Motetten zu finden sind.\nUnd endlich ist ganz unerlässlich die Angabe der Orte, der\nöffentlichen oder Privat-Bibliotheken, wo das in Rede ste-\nhende Original aufbewahrt wird. Allein auf diese Weise\nkönnte ein neuer Eifer für das Sammeln, Beschreiben und\nOrdnen dieser alten Musikwerke erregt werden.\nBis Jemand Ausdauer und günstige Gelegenheit findet,\ndas Werk Becker's auf die angedeutete Weise von Grund\naus umzugestalten, worauf doch noch einige Zeit hingehen\ndürfte, wollen wir uns mit dem hier Gebotenen, anerken-\nnend die wenig lohnende Mühe und den guten Willen,\ndankbar begnügen und es benutzen, wozu es gut ist. Wir\nselber möchten wohl einmal etwas Vollständigeres versu-\nchen, können indess versprechen, dass wir nicht eher damit\nhervortreten werden, bis Becker's Sammlung vom Verleger\nentweder verkauft oder maculirt ist. Halb Scherz, halb\nErnst, doch in keiner Hinsicht böse gemeint.\n*) Hier und bei den folgenden gibt Becker das Format an, näm-\nlich „Quart\". Sind denn die ersten vier Ausgaben vielleicht\nohne Format zur Welt gekommen?\n\nDer Verein zur Beförderung der Tonkunst in\nHolland.\nDie jährliche General-Versammlung dieses Vereins,\nder bekanntlich im vorigen Jahre durch das grosse Musik-\nfest zu Rotterdam sein lünfundzwanzigjähriges Bestehen\nfeierte, hat am 9. October zu Amsterdam Statt gefun-\nden. Aus dem Berichte des Vorstands-Secretärs Herrn\nJ. P. Heije, rühmlichst bekannt durch sein poetisches Ta-\nlent, geht hervor, dass die Gesellschaft jetzt 1898 Mitglie-\nder zählt, darunter 37 correspondirende und 40 Verdienst-\nMitglieder*).\nUnter den eingegangenen Preis-Compositionen sind die\ndrei Balladen, Gedichte von W. J. Hofdyk, in Musik ge-\nsetzt von Richard Hol in Amsterdam, welcher auch im\nvorigen Jahre einen Preis für Lieder-Compositionen erhal-\nten hat, gekrönt worden und haben die Prämie von 100\nGulden erhalten. Die Beurtheiler waren J. F. Dupont in\n\n*) Art. 17 des Statuts. Correspondirende Ehren-Mit-\nglied er sind solche, welche, im Auslande wohnhaft, durch\nanhaltenden Briefwechsel und Erläuterungen der Gesellschaft\nnützlich sein können. Sie werden durch die General-Ver-\nsammlung auf Antrag der Haupt- oder der Abtheilungs-Di-\nrectionen ernannt, sind frei von Geld-Beiträgen und geniessen\ndie Rechte der gewöhnlichen Mitglieder.\nArt. 18. Zu Verdienst-Mitgliedern der Gesellschaft\nkönnen ernannt werden diejenigen Niederländer sowohl wie\nAusländer, welche entweder wegen ihrer Kunde in der Ton-\nkunst, oder wegen erworbener Verdienste um die Gesell-\nschaft, oder aus anderen Rücksichten durch die Haupt-Direc-\ntion bei der General-Versammlung zur Erwählung in Vor-\nschlag gebracht werden. Auch diese sind frei von Geld-Bei-\nträgen und haben gleiche Rechte mit den gewöhnlichen Mit-\ngliedern.\n\nMus. lit."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.4", "texte": "Halle, J. A. von Eycken in Elberfeld und Dr. J. J. Viotta\nin Amsterdam. Ausserdem erhielt eine freiwillig eingesandte\nSinfonie in C-dur,deren Tonsetzer sich noch nicht ge-\nnannthat, eine „höchst ehrenvolle Erwähnung\"; auch steht\ndem Componisten eine vollständige Abschrift der Beurtei-\nlungen (durch Niels W. Gade in Kopenhagen, J. Rietz\nin Leipzig, L. Spohr in Kassel) zu Dienst, und der Verein\nwird, sobald er es wünscht, mit ihm über die Art und\nWeise verhandeln, auf welche derselbe zur Veröffentlichung\ndes Werkes behülflich sein könne. Nach den Gesetzen des\nVereins verbleibt das Eigenthum der gekrönten u. s. vv.\nCompositionen den Componisten.\nDa es ein vorzügliches Augenmerk des Vereins ist,\ndie vaterländischen Componisten zu Vocal-Compositionen\nauf holländische Texte zu veranlassen, so hat er schon\nfrüher und auch in dieser letzten Versammlung ausser den\nPreisen lür musicalische Werke (Composition eines Orato-\nriums Elia op Horeb, Text von N. Beels, Prämie 300 Fl.\nTrio lür Piano, Violine und Violoncell, 100 Fl. vier\nLieder für eine Altstimme mit Piano und Horn oder Cello,\nTexte von J. P. Heije, 80 Fl.) eine Prämie von 200 Fl.\nauf ein „niederdeutsch historisch-dramatisches Gedicht, zu\neiner grossen Vocal-Composition geeignet\", gesetzt und\nausserdem alle holländischen Dichter aufgefordert, jedes\nJahr vor dem 1. März diejenigen von ihren Gedichten dem\nVereine zuzusenden, welche sie lür geeignet zur Compo-\nsition in irgend einer vocalen Kunstform halten.\nZu Verdienst-Mitgliedern sind ernannt worden: A.\nLvoff in Petersburg, A. G. Ritter in Magdeburg, F.\nSantini in Rom; zu correspondirenden Mitgliedern: B.\nDamcke in Frankfurt (? Brüssel), F. Kufferath in Brüs-\nsel, C. Rein ecke in Barmen, P. Scudo in Paris, C. F.\nWeit z mann in Berlin.\nProtector und ausserordentliches Ehren-Mitglied des\nVereins ist Se. Majestät der König Wilhelm 111 von Hol-\nland. Nächstdem ist nach Beschiuss der General-Versamm-\nlung der Name des Stifters und General-Secretärs des Ver-\neins» des Herrn A. C. G. Vermeulen, in der Liste der\nEhren-Mitglieder obenan gestellt worden.\nDie Ausgaben für das Musikfest zur Jubelfeier in Rot-\nterdam haben 60,392 Fl. betragen. Sie wurden bestritten\ndurch 15,000 FI. aus der Vereins-Casse, 39,623 Fl.\nEintrittsgelder, Zuschuss des Vereins aus dem vorjährigen\nUeberschuss 3081 Fl.— bleibt noch ein Deficit von über\n2600 Fl.\nDie Finanz-Verhältnisse des Vereins sind folgende: 1)\nReserve-Fonds 40,000 Fl. (zu 2 '/i Procent wie alle Ca-\npitalien des Vereins eingeschrieben in das grosse Buch der\nNationalschuld); 2) Fonds lür Unterstützung hilfsbedürfti-\nger Tonkünstler und ihrer Hinterlassenen 14,000 Fl.; 3)\nFonds für Musikfeste 1068 Fl.; 4) Fonds für Herausgabe\nvon Tonwerken und Bibliothek 2200 Fl. —D ie gesammte\nAusgaben-Rechnung vom vorigen Jahre betrug 7067 Fl.\nEs blieb ein Mehr von 233 Fl.\nDas diesjährige „Album des Vereins\", Nr. 18, ent-\nhält als Musikstücke eine Toccata für Piano von W. Stern-\ndale Bennet und eine vierstimmige Motette in D-dur von\nC. F. Rungenhagen auf holländischen Text von J. P. Heije.\nUeber die Statistik der verschiedenen Musik-Institute,\nwelche in Holland theils durch den Verein, theils in unmit-\ntelbarer Verbindung mit ihm bestehen, gibt der Bericht\nvollständigen Nachweis, aus welchem wir im Auszuge das\nmittheilen, was einen interessanten Ueberblick der musica-\nlischen Zustände in unserem Nachbarlande gibt. Wir be-\nmerken jedoch, dass die aufgeführten Ton werke nur dieje-\nnigen sind, welche durch die Abtheilungen des\nVereins im Jahre 1854—1855 zur Aufführung ge-\nkommen; ausserdem hat jede grössere Stadt in Holland\nnoch ihre besonderen Concerte, z. B. die von\nin Amsterdam, Diligentia im Haag, Euterpe in Rotterdam,\nStudenten-Concerte in Utrecht u. s. w. u. s. w.\nAmsterdam hat einen Sing-Verein von 300 Mit-\ngliedern (Dirigent J. B. van Bree), eine Musikschule (180\nSchüler), eine Normalschule (12 Schüler). Aufgelührt wur-\nden unter Anderem Schneider's Weltgericht, Psalm von\nMarcello, Motetten von Haydn und Mozart, Requiem von\nMozart, Mendelssohn's 95. Psalm, Hymne und Lorelei,\n%>\nSchumann's Adventlied.\nArnheim. Sing-Verein von 79 Mitgliedern (€. H.\nMarx). Haydn's Jahreszeiten, Spohr's Letzte Dinge, Fesca,\nPsalm 103.\ns'Gra venhage. Sing-Verein von 80 Mitgliedern (J.\nH. Lübeck). Mendelssohn : Paulus, Hymne,\nPsalm 42, Lorelei; H. Richter: Psalm 76 ; Schumann: Ad-\nventlied, Requiem lür Mignon, Paradies und Peri; Flotow:\nHymne (?); LvofF: Stabat MatVerhülst: vierstimmige\nLieder.\nHaar lern. Sing-Verein von 34 Mitgliedern (W. B.\nWeidner), Singschule (72 Schüler). Haydn's Schöpfung,\nMendelssohn's Walpurgisnacht.\nHeusden. Sing-Verein (J. Broers), Singschule (24\nSchüler), Volks-Singschule (59 Schüler), Instrumentalschule\n(9 Schüler)."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.5", "texte": "Rotterdam. Sing-Verein von 175 Mitgliedern (J.\nH. Verhülst), Musikschule (245 Schüler, 66 wöchentliche\nLehrstunden; unter der Gesammtzahl sind 97 Gesang-,\n127 Piano-, 11 Violin- und 4 Violoncell-Schüler).\nUtrecht. Sing-Verein von 80 Mitgliedern (K. A.\nCrayvanger), Singschule (50 Sch.), Normalschule (40 Sch.).\nZirkzee. Sing-Verein von 42Mitgliedern (C. Eisner),\nSingschule (30 Schüler), Männergesang-Verein (33 Mitgl.).\nAusserdem besitzen noch Gertrudenburg und\nGoes Sing-Vereine und Singschulen, und Enkhuizen\neinen Sing-Verein, eine Liedertafel, eine Singschule (33\nSchüler) und eine Instrumentalschule (6 Schüler).\nSo gibt denn alles Vorstehende die erfreulichsten\nZeugnisse von der fortschreitenden Wirksamkeit des Ver-\neins, welcher im zweiten Viertel-Jahrhundert seines Be-\nstehens ein stets erhöhtes Leben und Regen zum Wohle\nder Tonkunst in den Niederlanden offenbaren möge.\n\nAus London.\n\n[Jenny Lind in Exeter Hall.]\nAls Jenny Lind am 4. Mai 1847 in London auf\ndem königlichen Theater als Alice zuerst auftrat, wurde ihr\nTalent und jene Eigentümlichkeiten, durch welche sie\neinen unwiderstehlichen Reiz entfaltet, von der englischen\nKritik vollständig anerkannt und vom Publicum einstimmig\nbewundert. Sie blieb damals drei Jahre am königlichen\nTheater unter der Direction des Mr. Lumley angestellt und\nnahm am 9. Mai 1849 (ür immer von der Bühne Abschied,\nin derselben Rolle, in der sie zuerst vor das Publicum trat.\nIhre Leistungen als Oratorien-Sängerin in London und Li-\nverpool 1849 50 und ihre Reise nach den Vereinigten\nStaaten haben gezeigt, dass sie eine grosse Künstlerin in\nder wahrsten Bedeutung des Wortes ist.\nVergangenen Montag, am 10. December, fand das\nerste von einer Reihe Concerte in Exeter Hall Statt, wel-\nche Herr Mit ch el I unternommen hat und Herr Bene-\ndict dirigirt. Aufgelührt wurde Haydn's Oratorium „Die\nSchöpfung\" ; die Sopran-Fartieen des Engels Gabriel und\nder Eva waren von Frau Jenny Goldschmidt-Lind übernom-\nmen. Die Halle war gedrängt voll, obschon der Eintritts-\npreis theuer war.\nDer Gesang von Frau Goldschmidt war grösstenteils\nwunderbar schön. So zu singen, wie sie, mit solcher Ehr-\nfurcht vor dem Texte und der Composition, mit solchem\nStreben, die Bedeutung des Wortes durch das Mittel des\nmusicalischen Ausdrucks klar zu machen, kurz, die Virtuo-\nsität zu vergessen und die KunÄ einem höheren Zwecke\ndienstbar zu machen, das sollte die Aufgabe jeder Orato-\nrien-Sängerin sein. Diese vollständige Gewalt über die me-\nchanischen Kräfte, dieses Aufgehen der Künstlerin selbst in\nder ihr gegebenen Aufgabe, diese Kunst, die Kunst einem\nreinen und offenen Gemüthe zu verbergen, ist eine so sel-\ntene Begabung, dass wir sie kaum bei einem oder zwei In-\ndividuen angetroffen haben. Jenny Lind besitzt sie in einem\nmerkwürdigen Grade. Das grosse Recitativ und die Arie:\nSchon beut die Flur\", zeigte, dass ihre Stimme noch so\nwar, wie wir uns derselben erinnern; die oberen Töne\nrein, flüssig und stark, die mittleren (wie bei Mario) etwas\nverschleiert, was ihre Schönheit nicht erhöhen kann, die\ntiefen etwas schwach und tonlos. Ihre Intonation war zum\ngrössten Theile auserlesen rein, doch haben wir sie bei an-\nderen Gelegenheiten mehr beständig tadellos gehört. In\ndem Terzett und Chor im zweiten Theile („Der Herr ist\ngross\") gab die Stimme der schwedischen Sopranistin durch\nKlarheit und vollen Klang in den höheren Noten dem Solo\neine Wichtigkeit, welche viel zum Erfolge des Ganzen bei-\ntrug. Das Recitativ und die Arie: „Auf stolzem Fittich\",\nwar eine schöne Leistung, allein der Vortrag war so ruhig\nund massig, dass es fast schien, als ob die Sängerin der\nMeinung wäre, dass solch eine gekünstelte Bravura, voll\nvon Trillern undTriolen, kaum der tauglichste musicalische\nAusdruck (ür den Theil des Textes wäre, der die Erschaf-\nfung der Vögel in sich schliesst.\nIn dem dritten Theile war Jenny Lind über alle Kritik\nerhaben. Das Duett zwischen Adam und Eva: „Theure\nGattin 1\" war vollkommen schön. Die Zuhörer waren be-\ngeistert und der Applaus so ungezwungen, herzlich und\neinstimmig, dass es Freude machte, ihn zu hören. Ueber-\nhaupt konnte der Frau Goldschmidt-Lind unter keinen Um-\nständen ein schönerer Empfang zu Theil werden, als den\nihr Erscheinen nach ihrer langen Abwesenheit von England\nbei dem englischen Publicum, dessen Gunstbezeugungen\nsie nicht vergessen zu haben scheint, hervorrief.\nIm Allgemeinen wurde das Oratorium unter der ge-\nschickten Leitung des Herrn Benedict gut ausgeführt. Die\nChöre sangen mit Feuer. Herr Lockey (Tenor) und Herr\nLawlerin (Bass) sangen so gut, dass sie in jeder Beziehung\nwürdig die Gesellschaft vertraten, in der sie sich befanden,\nund das Orchester bot, wenn es auch hätte besser sein\nkönnen, doch keine bedeutende Gelegenheit zum Tadel\ndar. Der Erfolg des Concertes war mithin ein entschei-\ndender."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.6", "texte": "Im nächsten Concerte wird Frau Jenny Goldschmidt-\nLind zum zweiten Male fuftreten, und zwar in Mendels-\nsohn's „Elias\".\n\nD.\n\nAufruf\nan die deutsche Nation und Mozart’s Freunde.\nIn Veranlassung des am 27. Januar 1856 bevorste-\nhenden hundertjährigen Mozart-Jubiläums ist eine Stiftung\nins Leben gerufen, die unter dem Paniere „Mozart-Verein\"\ndie Tendenz verfolgen soll, aufstrebende musicalische Ta-\nlente zu fördern und hilfsbedürftige Künstler, wie deren\nFamilien zu unterstützen. Diese Stiftung erfreut sich der\nhohen Protection Sr. Hoheit des Herzogs von Sachsen-Co-\nburg-Gotha, und sie hat unter diesen Auspicien Alles für\nsich, ein echt deutsches Institut zu werden. Soll sich aber\nder Verein bewähren, soll er Resultate ins Leben rufen,\ndie seine Fortdauer sichern, dann ist die allgemeinste Be-\ntheiligung eben so wünschenswerth als nothwendig. Bei\nden tief empfundenen Uebelständen, welche die Existenz\nund Zukunft der Tonkünstler gefährden, wird es die deut-\nsche Nation gewiss als eine Ehrensache betrachten, ihre\nTheilnahme einem Institute zuzuwenden, welches, indem es\nein so edles Ziel im Auge hat, wesentlich dazu beiträgt,\nunserem unsterblichen Mozart ein lebendes Denkmal zu\nsetzen. Die unterzeichneten Directoren erfüllen daher nur\neine Liebespflicht gegen den grossen Todten, wenn sie das\nbevorstehende hundertjährige Jubiläum benutzen, Mozart's\nVerdienste um die deutsche Tonkunst in frische Erinnerung\nzubringen, und daran die Bitte zu knüpfen, musicali-\nsche oder theatralische Aufführungen zum Be-\nsten des Mozart-Vereins zu veranlassen oder sich sonst mit\nLiebesgaben bei diesem Unternehmen zu betheiligen.\nWie die Unterzeichneten gern bereit sind, den Erlös der\nVorstellungen oder sonstige für den Verein bestimmte Ga-\nben in Empfang zu nehmen, so werden auch die nachbe-\nnannten Herren Gelegenheit dazu bieten:\nBarmen: Musik-Director Reinecke; Crefeld: Musik-\nDirector Wolff; Düsseldorf: Musik-Director Tausch;\nElberfeld: Banquier v. d. Steinen; Frankfurt a. M.: Ca-\npellmeister Messer; Karlsruhe: Capellmeister Strauss;\nKöln: Musik-Director Fr. Weber und die M.DuMont-\nSchauberg'sche Buchhandlung; Mannheim: Capellmei-\nster Zimmermann; Münster: M.-Director K. Müller.\n* Ueber die eingegangenen Beträge wird in der Schrift:\n»Geschichte des Mozart-Vereins\", Rechenschaft gegeben,\ndie Fonds selbst aber werden der Behörde überwiesen\nwerden, welche der hohe Protector Allerhöchst zu bestim-\nmen geruhen wird.\nDie Redactionen politischer, musicalischer und belle-\ntristischer Zeitungen werden im Interesse des edlen Unter-\nnehmens ersucht, diesen Aufruf in ihre Spalten aufzunehmen.\nDr. L. Spohr, General-Musik-Director in Kassel.\nDr. Reissiger, Hof-Capellmeister in Dresden.\nW. Tschirch, Hof-Capellmeister in Gera.\nMarkul, k. Musik-Director in Danzig.\nLambert, Hof-Capellmeister in Gotha.\nHaushalter, Rechts-Anwalt in Wernigerode.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nKöln. Sonntag, den 9. d. Mts., fand das erste Conccrt\ndes kölner Männergesang-Vereins im Casinosaale unter Lei-\ntung des königlichen Musik-Directors Herrn Franz Weber Statt.\nDas Abonnement ist auf vier Concerte eröffnet und mit sehr gros-\nser Theilnahme aufgenommen worden; der Saal und die Galerieen\nwaren überfüllt. Der Verein hat sich in der musicalischen Welt\neine Stellung errungen, welche es ihm zur Pflicht macht, dieselbe\nauf der Höhe zu wahren, die durch das ausgezeichnete Verdienst\nWeber's, durch die Reisen der drei letzten Jahre und das ruhm-\nvolle Auftreten in London, Paris und Berlin erreicht worden ist.\nDass es ihm damit Ernst ist, hat er durch das gedachte Concert\nbewiesen, und zwar erstens, indem er sein Repertoire durch neuere\nund ältere Compositionen ergänzt und vermehrt hat, und zweitens,\nindem er seine Leistungen immer mehr zu wahrhaft künstlerischen\nzu machen strebt. Mit Vergnügen bemerkten wir, dass der Wohl-\nlaut des Gesammt-Tones und die Präcision und Nuancirung des\nVortrages von dreiundsiebenzig Sängern, wie von Einem, bei dieser\nersten öffentlichen Leistung in dieser Saison eine eben so schöne\nWirkung machten, wie im vorigen .Tahre, ja, dass der Vortrag ge-\nwonnen hat, und zwar, wie es uns scheint, dadurch, dass die Con-\ntraste der Stärke und Schwäche nicht allzu schroff gegen einander\ngestellt werden, zumal an Stellen, wo keine Veranlassung dazu in\nden Textesworten liegt.\nDas Programm brachte von C. G. Reissiger „0, war' ich\nam Neckar, o, war' ich am Rhein!\" von F. Abt „Leb' wohl,\nmein Vaterland,\" und „Valencias Rose\", beide mit Bariton-Solo,\nvortrefflich von Herrn DuMont-Fier gesungen von Niels\nW. Gade „Gondelfahrt\" (ein schönes, duftiges Lied) und „Das\nReh\" (musicalisch ebenfalls sehr hübsch, aber in der Auffas-\nsung doch wohl nicht ganz dem Gedichte von Uhland ent-\nsprechend) - von F. Schubert t)Sftlve Regina\" (im Anfange\netwas gewöhnlich, bald aber sich zu lebensvoller, natürlicher Fri-\nsche der Empfindung erhebend) von Mendelssohn „Liebe\nund Wein\" und „Rheinweinlied\" von Conr. Kreutzer\n„Abendfeier\" von Franz Weber „Lenzfrage\" („Sei willkom-\nmen, liebe Sonne,\" von Müller von der Werra, eine sehr anspre-\nchende Composition) von Silcher „Die Lorelei\" und „Wohin\nmit der Freud ?\"\nMan sieht, dass die Auswahl eine sehr interessante war. Zwi-\nschen den Gesängen trug Herr Henri Wieniawski zwei Salon-\nslücke von seiner Composition vor, welche ihm Gelegenheit gaben,\nseine ausserordentliche Bravour in vollem Glänze zu zeigen. Die"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.7", "texte": "ehrenvollste Anerkennung verdient es auch, dass er seine Mitwir-\nkung höchst bereitwillig und durchaus uneigennützig zugesagt\nhatte. Am Morgen desselben Tages hatte Herr Wieniawski eine\nMatinee im Hotel Disch gegeben, in welcher er sich durch kräf-\ntigen Bogenstrich, vollen Ton und den schwungvollen Vortrag na-\nmentlich des Air varie von H. Vieuxtemps als einen Meister ersten\nRanges bewährte.\nWeniger befriedigte uns, d. h. für einen so bedeutenden Spie-\nler, der Vortrag des ersten Satzes des Concertes von Beethoven,\nden Herr Wieniawski am 12. d. Mts. im Theater spielte, trotzdem\ndass einzelne Theile, wie auch die schwierige Cadenz, ganz vor-\ntrefflich waren; übrigens schien bei diesem Vortrage die Quinte\nseines Instrumentes den kräftigen Anforderungen des Bogens nicht\ngewachsen. So hängt ein künstlerisches Gelingen oft von der un-\nkünstlerischen Zubereitung eines Schafdarmes ab! Abgesehen da-\nvon, scheint es uns jedoch, als forcirte Herr Wieniawski zuweilen\nden Ton zu sehr, was der Schönheit desselben Eintrag thut. Ganz\nvorzüglich trug er das Adagio, welches die Einleitung zu einer\nPolonaise brillante von seiner Composilion bildete, vor; in der Po-\nlonaise selbst, die mit einem fast überkecken Thema auftritt, über-\nwand er fabelhafte Schwierigkeiten.\nAm Dinstag, den 11 d. Mts., war die zweite Soiree für\nKammermusik im Hotel Disch. Wir hörten das Trio, Op. 70,\nNr. 2, in Es-dur für Piano, Violine und Violoncell von Beetho-\nven (die Herren F. Breunung,' Th. Pixis und B. Breuer),\ndas Violin-Quartett in D-dur von Mendelssohn (Pixis, Der-\nckum, Peters, B. Breuer) und das Adagio und Rondo für\nPiano und Violine von F. Schubert (Breunung und Pixis).\nGegen das Programm liesse sich Manches einwenden; das Trio von\nBeethoven, so schön es ist, wird dennoch eine zahlreichere Gesell-\nschaft niemals elektrisiren, es ist nur für Wenige geschrieben; und\ndas Schubert'sche Duo leidet trotz seiner reizenden Motive doch\ngar sehr an den bekannten Mängeln der meisten Schubert sehen\nlnstrumental-Compositionen, d. h. an Unzulänglichkeit der formellen\nVollendung und üeberlänge der Ausdehnung. Es war also diesen\nAbend nichts da, was so recht packte, wie man zu sagen pflegt,\nwiewohl der Vortrag von Allem ganz befriedigend war.\nDer ausgezeichnete Violinist Jacques Dupuis aus Belgien\nwird Ende December eine Kunslreise nach Deutschland, zunächst\nüber Köln und Hannover nach Berlin, antreten. Wir haben ihn\nbereits vor einem Jahre (Nr. 51, vom 23. December 1854) als einen\nvortrefflichen Repräsentanten der belgischen Schule kennen gelernt.\nWeimar. Mozart's Jubelfeier (27. Januar 1856) wird das\nTheater durch die erste Aufführung des Don Juan mit den Origi-\nnal-Recitativen feiern, und zwar soll diese Vorstellung zum Besten\nder Mozart-Stiftung Statt finden.\nden drei Concerte in Einer Woche Statt finden, welche mit den\nwichtigsten Faust-Compositionen ihr Programm ausfüllen. Es kom-\nmen zur Aufführung: die Musik zu Göthe's „Faust\" vom Fürsten\nRadziwill; die „Faust-Sinfonie\" von Berlioz (in vier Theilen); eine\n„Faust-Ouverture\" von Richard Wagner; die Schluss-Chöre zum\nzweiten Theile des Göthe'schen „Faust\" von Robert Schumann und\ndie so eben vollendete „Faust-Symphonie\" in drei Sätzen (Faust,\nGretcfien und Mephisto) von Franz Liszt. Diese Concerte werden\nim Theater Statt finden, und die Einnahme ist zum Besten des\nGöthe-Schiller-Monumentes bestimmt.\nWien. Professor J. Fischhof hat seine Stelle als Lehrer\ndes Ciavierspiels an dem hiesigen Conservatorium niedergelegt.\nMan sagt, dass Professor Hellmesberger, Director derselben\nAnstalt, ebenfalls seine bisherige Stellung verlassen und sich in\nParis niederlassen werde; ob in einer bestimmten Stellung oder\nAnstellung, wissen wir nicht. Dagegen haben wir Aussicht, dass\nder wackere Quartett-Componist F. W.Veit seinen Aufenthalt\nhier nehmen werde.\nMeyerljeer's „Nordstern\" sollte am 17. d. Mts. zum ersten\nMale in Wien gegeben werden.\nFür die Verehrer Beethoven's wird eine so eben in Wien\nerschienene Lithographie von Interesse sein, welche den Lieblings-\nplatz des Meisters, wo er seine Pastoral-Sinfonie entworfen haben\nsoll, darstellt. Es sind die bekannten drei Bäume, die sich auf einer\nWiese zwischen Nussdorf und Heiligenstadt am Ufer eines Wald-\nbaches befinden. Auf eine wirklich komisch-naive Weise gelang es,\nden Baum aufzufinden, unter dessen Schatten Beethoven auszuruhen\npflegte; denn obgleich man wusste, dass er während seines Land-\nAufenthaltes dorthin seine Spazirgänge nahm, vermochte man bis-\nher nicht, den Platz zu bestimmen. Den Aufschluss gab ein alter\nsiebenzigjähriger Bauer, der Besitzer jener Wiese, der auf die Frage,\nob er einen Herrn Beethoven gekannt habe, antwortete: „Manen's\nden kraupeten (wiener Local-Ausdruck für zerrauft zerrauftes,\nungekämmtes Haar) Musieanten? Ja, der is immer dort nnter den\nBam g leg'n\", und wies auf die Stelle, welche im Bilde mit einem\nLorberkranze bezeichnet ist. Dasselbe ist in der Spina'schen Hof-\nMusicalienhandlung ausgestellt.\nB*aris. Die vierzig ersten Vorstellungen der Vepres Siciliennes\nvon Verdi in der grossen Oper haben 419,500 Frcs. 23 Cent,\neingebracht. Wie viel die bereits weit über anderthalb Hundert\ngestiegenen Aufführungen von Meyerbeer's Nordstern in der\nkomischen Oper eingebracht haben mögen, ist uns noch nicht be-\nkannt geworden. Jedenfalls sind, wenn man nach der heutzutage\nbeliebten WTeise Alles nach der Statistik beurtheilt, Verdi s und\nMeyerbeer's neueste Opern unschätzbare Kunstwerke. J. Rosen-\nhain ist wieder hier. Hiesige Blätter kündigen ein Fräul. Berg-\nauer, Erzieherin bei der Familie des Prinzen von Capua, als eine\nberühmte deutsche Sängerin, besonders Schubert'scher Lieder, an. (?)\nNach pariser Nachrichten hat Jenny Lind in Paris bloss\nvor Rossini gesungen, und zwar mehrere Arien aus dessen be-\nliebtesten Opern. Das Anerbieten von 40,000 Frcs. für ein einzi-\nges Gesangstück in dem Concerte von H. Berlioz soll sie mit den\nWorten ausgeschlagen haben : „Ich bin nicht nach Paris gekom-\nmen, um zu singen, und habe, da ich nicht mehr jung bin, keine\nLust, meinen Ruf für 40,000 Frcs. aufs Spiel zu setzen.\"\nIm Monat October haben die Einnahmen sämmtlicher Theater,\nConcerte u.s.w. in Paris betragen 1,774,125 Frcs., d. h. 215,127\nFrcs. mehr, als im September, und 740,000 Frcs. mehr, als im\nOctober 1854.\nAus Lilie erfahren wir, dass die eifrige Wirksamkeit unseres\nrheinischen Landsmannes, des Herrn Emil Stein kühler, zur\nFörderung und Verbreitung classischer Kirchen- und Oratorien-\nMusik im nördlichen Frankreich von schönem Erfolge begleitet ist\nund grosse Anerkennung findet. Als ein sichtbares Zeichen der\nletzteren wurde Herrn Steinkühler, als dem Gründer und musicali-\nschen Director des Cäcilien-Vereins, am Cäcilienfeste von dem\nVereine eine goldene Medaille als „Zeichen der Hochachtung\nseines Talentes und der Dankbarkeit für seinen unermüdlichen\nEifer\" durch den Präsidenten des Vereins, Herrn Danel, einen\nausgezeichneten Musik-Gelehrten, überreicht. Derselbe drückte in\nherzlichen Worten die Gesinnungen und Gefühle aus, welche Herr"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551215-01.1.8", "texte": "Steinkühler den ehrenwerthen Mitgliedern des Vereins, deren\nUebungen er mit so gewissenhafter Geschicklichkeit leitet, einzu-\nflössen gewusst hat. Mit französis :her Galanterie überreichten die\nHerren Sänger bei dieser Gelegenheit sammtlichen Damen des Ver-\neins prachtvolle Blumensträusse, welche sie besonders zu diesem\nZwecke aus Paris hatten kommen lassen. Der Verein studirt gegen-\nwärtig eine Messe von Mozart und Chöre aus Händel's Judas Mac-\ncabäus und Haydn's Jahreszeiten, und die Stadt Lille hat den\nRuhm, den ersten Gesang-Verein von Dilettanten in Frankreich ge-\ngründet zu haben, in welchem Chöre von Frauen- und Männer-\nstimmen gesungen werden.\nEioiidtoai. Der unternehmende Musik-Verleger Beale hat eine\nKünstler-Gesellschaft engagirt, mit welcher er die Provin-\ncialstädte von England und gegenwärtig auch von Schottland be-\nreis't. Diese Gesellschaft hat bereits in 22 Städten mit grossem Er-\nfolge Concerte gegeben. Sie zählt aber auch Berühmtheiten zu\nihrem Verbände, wie Clara Novello, den Violinisten Sivori,\nden Violoncellspieler Piatti und den jungen Pianisten Arthur\nNapoleon.\nHew-¥ork, 10. November. Meyerbeer s „Prophet\" wird\njetzt hier gegeben. Den Johann von Leyden gibt So 1 viani mit\ngrosser Wirkung, die Fides Frau La Grange, für welche der\nComponist selbst die Partie eingerichtet hat.\n•Die Sängerin Mad. dela Grangeist in New-York von Neuem\nlür monatlich 17.000 Frcs. engagirt. Die La Grüa macht in Rio\nde Janeiro Furore und Geld nebst Brillanten.\nDeutsche T o u Ii a 1 1 e«\nFür den Preis von achtzehn Ducaten setzt der Verein hiermit\nals Aufgabe die Composition beigehenden Gedichtes für gemischten\nChor und Soli mit Harmonie-Begleitung, und ladet deutsche Ton-\ndichter ein, sich hierbei zu betheiligen.\nDie Bewerbungen sind in Partitur vor dem Monate Mai k. J.\n„derdeutschen Tonhalle\" frei hieher einzuschicken, jede mit einem\ndeutschen Spruche versehen und mit versiegeltem Zettel begleitet,\nder den Namen ihres Verfassers enthält und aussen nebst demselben\nSpruche einen Tondichter benennt, welchen der Einsender als\nPreisrichter wählt.\nIm Uebrigen sind die Vereins-Satzungen maassgebend.\nMannheim, Christmonat 1855. Der Vorstand.\n%\nFestgesa zur Erinnerung an F. Schiller.\nLasst uns in frohem Sange preisen\nDen Dichter und den deutschen Mann,\nDer in des Vaterlandes Kreisen\nGerechte Liebe sich gewann!\nWas gross im Leben waltet,\nW7as unser Herz erhebt,\nHat sein Gesang entfaltet,\nDer unvergänglich lebt.\nKraft und Wahrheit,\nGeist und Klarheit,\nMuth für Recht und Licht\nTönet sein Lied\nBieder und treu,\nMännlich und frei.\nIhm erschien der Menschheit Würde\nStets das höchste Ideal,\nGross und frei von Staubesbürde,\nAls des ew'gen Lichtes Strahl;\nSeine hohen Glaubensworte,\nMild und schön, doch inhaltschwer,\nZeigen uns die heil'ge Pforte\nWahren Lebens klar und hehr.\nUnsre Sprache, das starke Band,\nDas uns vereint im Vaterland,\nHat er gepflegt mit Meisterhand;\nWas sie vermag in Freude und Schmerz,\nFühlet durch ihn jedes deutsche Herz.\nIhm, der sie so schon erhob,\nUnserm Schiller, Preis und Lob!\n\nK. Beil."}]}