{"numero_id": "bm-bmtnabi-1855-12-29-01", "volume": "bmtnabi_1855-12-29_01", "ocr_sha256": "ddf972ea2fe7cf09d6f9867b920243600f485e424dc2e065584a8fe1c70fa490", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1855/12/29_01/bmtnabi_1855-12-29_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1855-12-29-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-12-29_01#c001", "volume": "bmtnabi_1855-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "412", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.2.1", "titre_corps": "Liszt „An die Künstler“", "titre_sommaire": "Liszt „An die Künstler“", "signature_source": "DIXI", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2735, "texte": "Liszt „An die Künstler“\n\nhat einen Tonsatz*) versucht oder gewagt, von dem man\nAnfangs zweifelt: Ist's Schule, Asketik oder Kunstwerk?\nist's ernst oder scherzhaft gemeint? ist's ein programma-\ntistischer Abriss der schülerhaften Zukunfts-Bestrebungen\noder ist's ein vorausfliegender Bote und Genius dieser seli-\ngen Zukunft selber? ein solcher, der in diese arme heutige\nWelt, obwohl nur halb verstanden, doch blitzend hinein-\nleuchte, .um, wo nicht Allen zu gefallen, doch Wenigen es\nrecht zu machen? Gäbe uns über Solches doch das Vor-\nwort Auskunft! Zwar ist es so unnütz, wie die Wagner'-\nsche Dedicalions-Vorrede zum Lohengrin, und die abgründ-\nlich albernen Prooemia des Signor Joachim Raff sind nichts\nbesser, nichts schlechter, als dieses Vorwort. Vordem war's\nguter Dichter Art, von Homer bis Göthe, oh n e Vorrede\nzu wirken durch die Kraft der Schönheit selber. Doch jene\nBeiden und manche Andere gehören freilich zur Vergangen-\nheit, sind daher dringend verdächtig, von Zukunft nichts zu\nverstehen. Also es sei denn die Vorrede: sit, fiat, maneat\nergo!— So gebe sie doch einen allermindesten Aufschluss\nüber das Innere. Thut sie's? Sie Ihut nichts als, böse Kri-\ntik abwehren mit der listigen Wendung mystisch ist sie\nnicht, aber fein !—:\n„Ob ihm gelungen, den Schiller'schen Worten u.s.w.\nihren erhabenen, erhebenden Charakter musicalisch\nzu verleihen, ist nur denen zur Beurthei-\nlung überlassen, welche diesen Charak-\nter geziemend auflassen und mitempfinden.\"\nQuaeritur: wer ist „dieser Charakter\"? Ist gemeint\n„der erhabene Charakter Schiller's\"? Dann ist der Satz\nüberflüssig oder unverständig. Schwerlich wird der Ver-\nfasser sagen wollen: „Nur wer den Sinn des Schiller'-\nschen Gedichtes geziemend mitempfunden, darf\n\n*) Es ist zwar schon über Jahr und Tag her, dass der hier be-\nsprochene „Festgesang\", dessen Text aus Schiller's Gedicht\n„Die Künstler\" genommen ist, tür Männerchor und acht Soli\nmit Orchester erschienen ist; allein da der obige Artikel\nmehr das Allgemeine als das Besondere, mehr die Gattung\nund die Principien als ihre Ausführung und Anwendung be-\nrücksichtigt, so dürfte er auch jetzt noch durchaus nicht als\nverspätet erscheinen, zumal da t ranj Liszt die Bahn, wel-\nche er in dieser Composition betreten, keineswegs wieder\nverlassen hat, sondern im Gegentheil auf derselben beharrlich\nzu dem vorzudringen versucht, was er für das Ziel der Musik\nhält. Wir unsererseits halten diese Richtung für eine ver-\nfehlte und auf einem Grund-Irrthum über das wahre Wesen\nder Tonkunst beruhende, und werden also überall dagegen\nauftreten, auch wenn, wie in diesem besonderen Falle, wir\ndem Verfechter derselben als Künstler und Menschen die\nhöchste Achtung und persönliche Zuneigung zollen.\nDie Rcdaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4879, "texte": "diese Composition beurtheilen\"; denn da wäre doch min-\ndestens zu erwägen, ob nicht gar viele begeisterte Verehrer\nSchiller's gänzlich ausser Stande sind, sowohl die Liszt'sche\nals irgend eine andere Musik zu beurtheilen. Ist es nun\nunglaublich oder unmöglich, dass der Verfasser solchen Un-\nsinn hat schreiben wollen, so bleibt nur das Andere übrig,\nnämlich es so zu verstehen:\n„Nur wer diesen Charakter, den künstlerischen Cha-\nrakter meines Tonsatzes, geziemend auffasst\nund mitempfindet\" u. s. w.,\nwo wir dann nichts Anderes erblicken als einen Brendel\nins Liszt'sche übersetzt, eine Wiederholung des denkwür-\ndigen Satzes in Brendel's neulich beurtheiltem Büchlein:\n„Die Musik der Gegenwart\" u. s. w., S. 216:\nweil nur der zum Tadel ein Recht besitzt, der\nzuvor durch Anerkennung des Positiven den Be-\nweis geliefert, dass er zu innigerem Verständnisse\ngelangt ist;\ndas heisst: Lobst du mich, so ist's gut; verwirfst du mich,\nso bist du unzurechnungsfähig. Sollten aber jene Worte\nnoch ein Drittes bedeuten können (was uns freilich\ngrammatisch unmöglich scheint), nun, so wird uns\nja die richtige Bedeutung wahrscheinlich bald von Weimar\nher telegraphirt werden. Bedeuten sie aber das hier aufge-\nstellte Zweite, so sprechen sie eine bodenlose Selbst-\nUeberschätzung aus, dergleichen an dem Franzosen Berlioz\nNiemanden überrascht, am Deutschen aber Niemand bisher\ngewohnt war. Fast fürchten wir, richtig verstanden zu\nhaben; denn das Motto über der ersten Partitur-Seite:\n„Was schöne Seelen schön empfunden, rauss trefflich und\nvollkommen sein\", lässt schwerlich eine andere Deutung zu.\nWir dürfen bei der Vorrede verweilen, eben weil das\nVorredenschreiben nun einmal ein „Ereigniss, eine befrei-\nende That\" der Neuzeitlichen geworden; wie denn auch\nBrendel rühmt im genannten Buche, S. 198, dass Wagner\nsein Vorwort mit besonderer „Liebe, Sorgfalt und Um-\nständlichkeit geschrieben, indem er den Freunden die Ent-\nstehungs-Geschichte seiner sämmtlichen Werke erzählt\"\nu. s. w. Schade, dass Raphael und Mozart solches nicht\ngethan: wir wären um manches monumentale Kunstwerk\närmer, desto reicher aber gewisslich an Zukunfts-Gedanken-\nLiteratur, an polemischer Rhetorik, an moralisch posaunen-\ndem Tantengewäsch, und die Welt wäre noch hohler und\nleerer, als sie schon ist.\nEin schlimmerer, rein logischer Uebelstand, der sich\nauf jene Liszt'sche Vorrede erbaut, ist nun ferner, dass\ninnerhalb der gesungenen Strophen das Wort\nKünstler gar nicht vorkommt, also ohne Komödien-Zettel\nNiemand weiss, von wem die Rede ist. Ueber die Erfindung\nder Komödien-Zettel spricht sich ein gewisser Geheimerrath\nvon Göthe, der auch in Weimar gewohnt hat, aber viel-\nleicht nicht auf dem berechtigten Standpunkte stand, etwa\nfolgender Maassen aus: „Es ist unerträglich, im Theater\nauf dem Zettel nachzusehen, was für Personen das sind,\ndie da auf der Bühne arbeiten; denn an den wirklichen\nMenschen, die da schauspielern, ist der Kunst-Empfindung\nnichts gelegen, und den Zusammenhang der Thatsachen,\nso wie die Namen der poetischen Personen muss man aus\ndem Stücke vernehmen, sonst taugt es nichts. Die\nGriechen in ihrer grossen dramatischen Zeit hatten keinen\nKomödien-Zettel und verstanden ihren Sophokles vielleicht\ndarum desto besser u.s.w.\" Gewiss! wenn ich in die Ge-\nmälde-Galerie gehe und verstehe - bei übrigens offener\nSeele und massiger Kunstbegabung—den Inhalt eines Ge-\nmäldes ohne Katalog nicht, so wird die Schuld des\nUnverstandes öfter beim Maler als beim Beschauer liegen.\nDessgleichen in der Tonkunst; wo die Religion nicht drin-\nnen sitzt, was hilft da die bleierne Ueberschrift\nligioso, oder Amoroso,oder Ap oder sonstige Pa-\nrenthesen-Poesie, dergleichen der jugendliche Schiller\nz. B. in den Räubern, im Fiesco u. s. w. so überreichlich\nhat? Wird dadurch die Sache klarer, nämlich das Kunst-\nwerk und die Schönheit? und müssen die Hörer, um zu\nhören, zuvor gelesen haben? Oder sollen sie sich allzeit\nauf einen zur Seite stehenden Cicerone verlassen, bei dessen\nErmangelung sie lediglich auf Unverstand und Missverstand\nangewiesen sind? Oder werden etwa Hogarth's Caricaturen\nbesser, wenn sie einen Zettel aus dem Halse hangen ha-\nben mit Pass, Signalement, Geschichte, Vorrede, Rechtfer-\ntigung und Berechtigung darauf? Vielleicht mögen sie so\nprosaisch, deutlicher werden; aber auch wirksamer,\nschöner, auf dass die Kunst eine Wahrheit\nwerde? Ein Beweis, wie weit unsere „tiefbewusste\nAufklärung\" bereits gediehen ist, mag wohl darin gesehen\nwerden, dass manche Schulmeister ihre Kinder lassen die\nUebersc h r i f t e n im Lesebuche laut vorlesen, nicht be-\ndenkend, dass diese gleich dem Umschlage bloss eine Hand-\nhabe für das Auge sind. Wer die (satz- und tonlose) Ueber-\nschrift laut spricht, der muss consequenter Wreise auch\ndie Seitenzahl, das Komma und Punktum mit sprechen, wie\njenes Kind sprach:\n„Aller Augen warten auf dich Komma\nHerr Ausrufungszeichen \","}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2785, "texte": "oder gewissenhaft sagen, wie jener verunglückte Candida-\ntus theologiae:\n„Predigt am 13. Trinitatis. Wir haben heute das\nEvangelium \" u. s. w.\nGenug von dieser Theorie der Ueberschriften, Vorre-\nden und Komödien-Zettel. Sie war nicht überflüssig, da\neben die Schule der Neuzeit und Zukunft auf derlei Zutha-\nthen Gewicht legt. Sollte sie aber dennoch dem musicali-\nschen Blatte fremd erscheinen, so müssen wir dagegen ver-\nsichern, dass die Liszt'sche Composition aller Tonseele eben\nso fremd ist, wie jene Grammatiealien dem Generaiba ss.\nVielleicht dass uns der Maassstab fehlt, oder die Be-\nrechtigung, oder die Auffassung und Mitempfindung aber\nlür jeden gerade gewachsenen Menschen, der nicht eben\nin der weimar-leipziger Schule orthopädisirt ist, muss dieses\nverrenkte Zeug abgeschmackt und entsetzlich erscheinen\n—um desto mehr, weil es nicht einmal so viel Geist und\nErfindung besitzt wie die Tannhäuser-Ouverture, in wel-\ncher sich doch wirklich acht Tacte wahrer Melodie\nbefinden. Die Liszt'schen Künstler beginnen\nvollkommen unmelodisch und unbegreiflich; man könnte\neben so gut jene Sforzandissimi-Circumflexe über ein Pau-\nken- oder Triangel-Solo setzen. Der Gesang hebt an:\nwelche Phrase, kaum geboren, in weit entlegener Modula-\ntion transponirt wird, um den ohnedies ausgegorenen Te-\nnören unserer Zeit bei hoher Stimmung noch das gehal-\ntene ais zuzumuthen. (Am Schlüsse des Ganzen muss so-\ngar der Chor zwei Tacte lang das eingestri-\nchene haushalten!!) „Der Dichtkunst heilige Magie\"\nwird S. 14 der Partitur in allerlei vertrackten Quint-Sex-\nten und überspannten Septimen umsungen, dazu mit chro-\nmatischem Geigen-Gewimmer durchflochten, dass es einem\nübel und weh wird, wie bei der Valse diabolique des selbi-\ngen Componisten. Die „grosse Harmonie\" des Dichters\nwird S. 19 zu einer ungeheuren Ohrfeige:\nDer „Kamönen Chor\" (S. 21, 22) unket wie ein Chor\nvon Eulen aber was hilft's? Der Zweck ist erreicht: diese\nKunst, „furchtbarer noch in ihres Reizes Hülle sie rä-\nchet sich an des Verfolgers Ohr!\" (S. 24, 25.)\nJa, gewiss. Nachdem wir diese Phrasen an uns haben er-\ngehen lassen, sind wir hinlänglich bestraft, die Rache ist\nvollzogen, unsere Silenen-Ohren sind aller Sirenen-Töne\nder Vorzeit *) verlustig gegangen, wir wissen nicht, wo uns\ndas Ohr steht,- oben oder unten halten wir aber aus\nbis ans Ende, bis zum „Thron der hohen Einigkeit\", dann\nwerden wir gekrönt und beschenkt mit folgender Invention,\num welche uns die Altzeit beneiden wird:\nSehen wir ab von der sinnlosen, verwirrenden Orthogra-\nphie der dritten Stimme im zweiten Tacte, von der über-\nflüssigen Noten - Wechselreiterei durch enharmonischen\n\n*) Muss man nicht auch inskünftig sagen (analog mit Jetztzeit,\nNeuzeit) „Altzeil\", „Gesternzeit\", statt des altvaterisch gesun-\nden Wortes Vorzeit?"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2979, "texte": "Schnadahupferl (aus Gis in .4s), von der gräulichsten Fort-\nschreitung aus Des-dur nach E-dur und G-dur*), sehen\nwir von allem ab, was nicht abzusehen ist, so bleibt den-\nnoch als Residuum die Frage: Ist das nun die Allkunst\nder Neuzeit? So ist sie mindestens logisch unbegreiflich,\nda die Begriffe „Einigkeit, Thron, Umarmung\" u. s. w. doch\nwohl nicht mit zerreissenden, unbegreiflichen, wahnwitzigen\nAccordsprüngen darzustellen sind. Oder wär's dennoch\n„Sonderkunst der Gestern zeit\"? und es scheint\nfreilich Musik zu sein; denn es sind Noten drinnen und gar\nviele Kreuze und Been, Geigen, Harfen, Pauken und lange\nPartiturstriche nun, dann suchen wir und fragen nach\neinem Melodie-Tröpflein, so gross wie der Augapfel einer\nMücke, und finden keines. Sollten etwa die Anklänge an\ndie Kirchentöne, welche sich in den tollen Accordsprüngen\nverbergen, von den Meistern der Schule als Allsonderthum\noder Sonderallthum gepriesen werden, so meinen wir denn\ndoch, dass solches Spielwerk mit ernsten Dingen zeigt, wie\nwenig die landläufigen Zeitbegriffe von Gegenwart, Zukunft,\nVergangenheit, Historie u. s. w. ernst gemeint und in-\nnerlich erlebt sind. Bei aller Kühnheit der kirchentonigen\nAccordfolgen ist doch in jenen alten Tonsätzen Vernunft\nund Klarheit vorhanden; hier fehlt Beides; es ist nichts als\nFarbe in Farbe gerieben, ohne Bild und Gestalt, ohne\nNotwendigkeit, ohne Glauben an die Wahrheit der Ton-\narten, ohne Schönheit.\nErnstlich gesprochen: Glaubt nun wirklich der be-\nrühmte Mann, der Fürst der Pianisten, mit dem Gewichte\nseines Namens und seiner literarischen Helfershelfer der\nbisherigen Musik eine neue Wendung gegeben zu haben?\nGewiss kann, wer an so hoher Stelle steht, wie er, viel\nleisten und viel verderben. „Gar leichtlich verlieren sich\ndie Künste, aber gar schwerlich werden sie wieder erwor-\nben!\"— Was Liszt Verdienstliches hat, was er lür die\nTechnik**) wirklich geleistet, wird unverloren sein für alle\nZeit. Genial aber, schöpferisch in lebenskräftiger Weise\nhat er sich bisher nirgend erwiesen. So bleibe sein Ver-\ndienst in Anerkennung (damit auch wir nach dem Canon\nBrendel's ein Wort mitsprechen dürfen, da nur „Aner-\nkennende\" das Recht haben, zu urtheilen), aber seine\nThorheit werde gegeisselt, wie sie es verdient.\n\n*) Nebenbei gesagt: Der Melodie-Schritt der Oberstimme am\n> Schlüsse: f gis h ist ein Schritt per tritonum — Mi contra fa,\neine kleine Quinte! Dergleichen soll schön sein? — Neu —\nvielleicht!\n*') Doch auch wer solches Verdienst anerkennt, braucht nicht\nüber alles, was Liszt gethan, in Entzücken zu gerathen, wie\njener sonderliche Verehrer W. Lenz, der in d. Bl. (1853,\nNr. 19, S. 147, Sp. 2) erzählt, wie Liszt den Fingersatz des\nScherzo in der Mondschein-Sonate sonderlich geistreich\nund neu genommen! Schreiber dieses hat schon vor dreissig\nJahren ganz denselben gebraucht, weil jeder andere unnatür-\nlich und schwierig ist; auch erinnert er sich nicht, jemals\nonderen Fingersatz an dieser Stelle gesehen zu haben.\n\nDIXI."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-12-29-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-12-29_01#c006", "volume": "bmtnabi_1855-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "412", "page_fin": "414", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.2.2", "titre_corps": "Das Liszt-Concert in Berlin", "titre_sommaire": "Das Liszt-Concert in Berlin", "signature_source": "n", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.4", "debut_caractere": 2981, "fin_caractere_exclue": 5461, "texte": "Das Liszt-Concert in Berlin\n\n*)\nDas fünfte Concert des Stern'sehen Orchester-Ver-\neins in der Sing-Akademie halte eine so allgemeine\nnähme erregt, dass alle Räumlichkeiten des Locals mehr\nals vollständig in Anspruch genommen waren. Das Interesse\nrichtete sich diesmal ausschliesslich auf eine Künstler-Per-\nsönlichkeit, die den berliner Kunstfreunden im besten An-\ndenken ist aus einer Zeit, in der ihr Name in seinem hell-\nsten Glänze strahlte. Wir reden von Franz Liszt, der\ndas Concert leitete und in demselben nur Werke seines\neigenen schöpferischen Talentes ausführen liess. Von den\nVirtuosen-Leistungen Liszt's hat man seit einer Reihe von\nJahren nichts gehört, trotzdem dieselben so ungewöhnlicher\nArt waren, dass die ausübende Kunst über diese Einbusse\nmit Recht zu trauern hat und der berühmte Künstler noch\nheute seines Gleichen vergeblich suchen würde. Die schö-\npferischen Arbeiten Liszt's beschrieben damals einen ver-\nhältnissmässig beschränkten Kreis; sie bestanden in Trans-\nscriptionen von Liedern, die durch die eigenthümliche Be-\nhandlung des Instrumentes diesem eine ganz neue Bedeu-\n\n*) Wir geben in obigem Aufsatze den Wiederhall einer kriti-\nschen Stimme aus Berlin (in der Vossischen Zeitung) über\ndas Liszt-Concert, nicht um das Urtheil unseres Herrn Cor-\nrespondenten (in Nr. 51) zu rechtfertigen, denn das hat er\nselbst hinreichend durch die ästhetische Begründung dessel-\nben gethan, sondern um denen, die unsere Musik-Zeitung gar\nzu gern als ein Parteiblatt darstellen möchten, zu zeigen, wie\nwir es schon früher gethan (vergl. Nr. 11 und 12 dieses Jahr-\ngangs), dass gar viele Kritiker, und zwar die tüchtigsten, d. h.\nsolche, die ihre Berechtigung zum Urtheilen in ihren Auf-\nsätzen deutlich bekunden, mit uns und unseren Mitarbeitern\nvollkommen übereinstimmen. Leider ist aber ein grosser Theil\ndes Publicums, welches an Musik und Theater Theil nimmt,\ndurch das dreiste Coteriewesen der Journalistik bereits so\ngründlich verdorben, dass ihm eine aufrichtige Ueberzeugung,\ndie es für „heilige Pflicht'4 hält, falsche Richtungen zu be-\nkämpfen, als ein Räthsel erscheint, das nur durch Parteiung\nzu erklären sei!! Auch auf das Urtheil des Dr. 0. Lind-\nner (das im Wesentlichen mit dem obigen übereinstimmt) in\nBerlin über das Liszt-Concert werden wir zurückkommen, da\ndie Schluss-Bemerkungen seines Berichtes Anlass zur Erör-\nterung der Frage geben, ob die Musik der neuen Richtung\nauf die Bildung und Erhebung des Volkes wirken könne.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5296, "texte": "tung gaben und viele Componisten anregten, das angebaute\nGebiet weiter zu bilden. Die so gekannten Phantasieen Liszt's\nlassen wir unberührt, weil sie sich von der üblich gewor-\ndenen Formlosigkeit nicht entfernten und weniger durch-\ngreifend wirkten als die Lieder. Hier war der Componist,\nwie der Spieler gleich originel, und wir vergegenwärtigen\nuns mit wahrhaftem Entzücken die unbeschreiblichen Ein-\ndrücke, welche wir durch sein Spiel empfingen, das in wun-\nderbar genialer Weise sich auch in die Schöpfungen We-\nber's, Hummel's, Beethoven's, Bach's zu versenken wusste\nund überall in dem musicalischen Hörer eine Fülle von An-\nregungen weckte. Liszt hat inzwischen die seinen Weltlauf\nbegründende Bahn des Virtuosenthums verlassen, um auf\nanderen Gebieten der Kunst einen Wirkungskreis zu finden,\nnamentlich aber auch seine schöpferischen Gaben all-\nseitig zu entwickeln. Wir haben kein Recht, mit ihm dar-\nüber zu rechten und seinem Streben den Erfahrungssatz\nentgegen zu halten, dass ursprüngliche Kräfte und\nRichtungen sich nicht zuletzt, sondern zuerst geltend ma-\nchen. Nehmen wir vielmehr seine Compositionen, wie sie\nsich unserem Gefühle dargeboten haben, ohne Vorurtheil\nlür oder gegen den Künstler, halten wir uns dabei an den\nunmittelbarsten Eindruck, der zwar nicht zu einem erschö-\npfenden Urtheile führen kann, aber doch jedenfalls den\nGrundton enthalten dürfte, nach dem ein ausgeführtes Ur-\ntheil abzumessen sein würde. Wir haben niemals die An-\nsicht gelten lassen, dass man musicalische Werke erst nach\nöfterem Hören würdigen lerne, sondern sind der Mei-\nnung, dass man sie dann wohl liebgewinnen könne; das\nMaass der kritischen Würdigung wird immer in dem\nersten Eindrucke enthalten sein. Reden wir vom Concerte.\nFür die fünf zum Vortrage gewählten Werke enthielt das\nProgramm einen ausführlichen Leitfaden, der in das Ver-\nständniss derselben einführen sollte. Dieser Leitfaden ist\nein fast unentbehrliches Mittel zur gerechten Würdigung\nder Musik, weil ohne ihn auch selbst das musicaüsch Halt-\nbare in sich zusammenfallen müsste. Er versetzt uns in Be-\ntreff der ersten „symphonischen Dichtung für Orchestera\nauf die Gebiete der Physiologie und Psychologie. Eine an-\ndere symphonische Dichtung, „Torquato Tasso\", ist durch\ndas Göthe-Fest in Weimar veranlasst worden und führt\nuns nach Italien. Wir sehen den Boden Tasso's, Italien,\ndie untergegangene Königin, wir sehen den Hofgünstling\nund den Dichter, wie Beide um die Herrschaft streiten,\nTasso's Wesen endlich siegt. Die Gestaltung und der Ver-\nlauf solcher Seelenbilder und deren Verknüpfung mit „psy-\nchologischen Problemen\" oder geschichtlichen Ergebnissen\nmusicalisch darzustellen, ist ein Experiment, das annähe-\nrungsweise sich schon in manchen anderen Schöpfungen\nder neueren Musik zu erkennen gibt, dem indess die vor-\nliegenden Versuche die Krone aufsetzen. Wir müssen ge-\nstehen, dass schon damit dem Wesen der Musik geradezu\nins Gesicht geschlagen wird. Aber auch selbst mit Hülfe\ndes gegebenen Commentars sind wir nicht im Stande, aus\nder Musik das herauszufinden, was der Componist erstrebte.\nSehen wir von jeder Berechtigung der musicalischen Form\nab, gestatten wir die freieste Bewegung des Gedankens, so\nbleibt dem schöpferisch begabten Musiker doch immer\nnoch ein weites Feld, etwa Zügellosigkeit der Melodik, Ori-\nginalität in der harmonischen Structur an den Tag zu legen.\nHier aber reiht sich ein Motiv an das andere, eine Harmo-\nnie erdrückt die andere, eine Dissonanz zerstört die andere,\nnirgend nehmen wir Durcharbeitung eines Gedankens, Auf-\nbau, Abschluss, Ruhepunkte, musicalisches Wessen wahr;\nallen Gesetzen der Musik, die sich geschichtlich und orga-\nnisch entwickelt haben, wird aufs entschiedenste der Krieg\nerklärt, und wo man sich an einem musicalischen Licht-\nblicke erfreut, ist er wie das Leuchten des Blitzes ver-\nschwunden, ehe man seiner habhaft werden konnte. Das\nDurchklingen eines Grundgedankens in verändertem Tempo\nbetrachten wir als etwas rein Aeusserliches, dem die innere\nVerbindung fehlt. Von dem Clavier-Concert erwarteten wir\nselbstverständlich das Befriedigendste. Wir haben durchaus\nnichts dagegen, wenn die vier einzelnen Sätze ohne „ein-\nschneidende Pausen\" verbunden werden; wir verlangen\naber von einem Clavier-Concerte, dass es dem Solo-Instru-\nmente jene Freiheit einräume, durch welche es sich selbst-\nständig von dem Orchester abhebt, ohne die organische\nVerbindung mit demselben zu zerstören. Hören wir indess,\nwie hier das Solo-Instrument mit seinen vollgriffigen Octa-\nven das Orchester gewisser Maassen stützt, so schwindet\nuns jeder Haltpunkt für die Beurtheilung der Form, die\nsich doch in irgend etwas kund geben soll. Und dennoch\nerkennen wir gern an, dass das Adagio mit den Sordinen,\ndas Scherzo in seiner charaktervollen Weichheit rein\näusserliche, sinnliche Weichheit ist das Grundwesen aller\nzum Vortrage gebrachten Stücke—uns am meisten zuge-\nsagt haben. Was die beiden Gesang-Compositionen anlangt,\nso ist dem Ave Maria mit Orgel-Begleitung ein gewisser\nmusicalischer Werth nicht abzusprechen. Es verletzt nicht,\nund damit sei ein günstiges Urtheil ausgesprochen. Die Ver-\nkeilung der Stimmen ist zwar ebenfalls eine rein äusser-\nliche, und es fehlt jedwede Durchdringung. Hier konnte\naber etwas geleistet werden, dem Componisten war Gele-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1508, "texte": "genheit geboten, sich über die schlichte Homophonie eines\ngemischten Chors zu erheben, in die Tiefe zu dringen und\nnicht durch Ueberlegung und Berechnung sich die Dispo-\nsition des Stückes äusserlich zurecht zu legen. Ihren höch-\nsten Grad erreicht die Aeusserlichkeit in Auffassung und\nBearbeitung des 13. Psalmes. Wir bedauerten von Herzen\nden Tenoristen und die Sopranistin, welchen der Solo-\nVortrag zufiel. Der Chor aber hatte es vorzugsweise auf\nden Feind, den Tod, „den Widersacher\" gemünzt. Was\nhaben diese Worte verschuldet, dass sie sich inmitten des\nbiblischen Gedankens befinden? Der Gedanke will,\nwie empfunden, also ausgedrückt sein. Lieber die Wahl der\nTact-Arten, die gesuchte und doch nicht zur Geltung ge-\nlangende Rhythmik liesse sich noch Manches sagen. Es\nwürde aber zu nichts führen. Wir geben in diesem Abrisse\nden ersten und unmittelbaren Eindruck mit dem Bekennt-\nnisse, dass wir auf einem musicalischen Standpunkte uns\nbefinden, der mit dem hier vertretenen gar nichts zu schaf-\nfen hat, und dass wir, so lange wir ein Wort mitzureden\nuns erlauben dürfen, wo es nothwendig ist, bis in das Ein-\nzelnste eingehend die Richtung in Rede bekämpfen werden,\nweil wir es für eine heilige Pflicht halten, diesem Wesen\ndie Spitze zu bieten. Dass der Beifall ein sehr lauer war,\nbedarf kaum der Erwähnung. Uebrigens gelang die Ausfüh-\nrung vortrefflich, und wir können dem Stern'schen Vereine\nund seinem Dirigenten dasZeugniss geben, dass sie sich in\nder Leistung selbst iibertrofFen haben.\n\nn"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-12-29-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-12-29_01#c007", "volume": "bmtnabi_1855-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "414", "page_fin": "415", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.2.3", "titre_corps": "Für Männergesang.", "titre_sommaire": "Für Männergesang.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.6", "debut_caractere": 1510, "fin_caractere_exclue": 4488, "texte": "Für Männergesang.\n1. Männerlieder, alte und neue, für Freunde des\nmehrstimmigen Männergesanges. Herausgegeben\nvon Wilb. Greef. 9 Hefte, jedes 3 Sgr. Essen,\nbei G. D. Bädeker.\n2. Geistliche Männerchöre, alte und neue,\nu. s. w. Herausgegeben von Wilh. Greef. I.\nHeft. 5 Sgr. Essen, ebendaselbst.\n1. Zur Herausgabe dieser in anerkennungswerther Ge-\nsinnung, mit Kenntniss und Einsicht und mit gutem Ge-\nschmack veranstalteten Sammlung wurde Herr W. Greef\ndurch Männergesang-Vereine und Freunde bestimmt, die\neine gute, billige Lieder-Auswahl wünschten, da die vor-\nhandenen Sammlungen theils zu theuer waren, theils hin-\nsichtlich der Auswahl nach Wort und Ton wegen der\nvielen Trink- und Gelage-Lieder, der ungesunden Lie-\nbeskränkeleien und Brummlieder, der Effectstückchen\nund sonstigen Narrethei-Dinge - auch billigen Wünschen\ndurchaus nicht entsprachen.\nDas erste Heft meist Lieder im Volkstone enthal-\ntend—fand eine überaus günstige Aufnahme; binnen Jah-\nresfrist war die erste Auflage (zu 3500 Exempl.) vergrif-\nfen. Gewichtige Stimmen, namentlich aus der pädagogischen\nWelt, erhoben sich für die Zweckmässigkeit und Brauch-\nbarkeit dieser Liedersammlung für Volksbildung durch den\nGesang.\nIm zweiten Hefte erschienen einige Original-\nCompositionen, deren Zahl sich fort und fort mehrte,\nso dass das siebente Heft nur Original-Compositionen ent-\nhält, dagegen das neunte Heft meistens Volkslieder,\nauf welche in letzterer Zeit mehr hinzuweisen, jedem Ge-\nsangesfreunde am Herzen liegen muss. Dass die Heraus-\ngabe einer solchen Sammlung ihre besonderen Schwierig-\nkeiten hat, dass man die Einen wegen der dringend ange-\nratenen Aufnahme ihrer Beiträge oder Composilionen, und\ndie Anderen ob ihrer Wünsche für den Abdruck dieser\noder jener Lieder unmöglich befriedigen kann, ist klar;\nallein Greef hat nach festen Grundsätzen verfahren, was\nüberall sichtbar ist, und desshalb hat er eine Sammlung\nO\ngeliefert, von der man wirklich sagen kann, dass sie keine\neinzige schlechte Composition und in dem bei Weitem\ngrössten Theile des Guten und wahrhaft Schönen die\nMenge enthält. Den Reichthum der Sammlung lasst fol-\ngende Tafel übersehen:\nHeft I. 34Lieder Original-Compos. 7. Aufl. (1854.)\nII 22 5 , „ 5. ,\n» 111. 20 „ 14 „ „ 5. „ (1855.)\n- IV. 18 „ 11 „ „ 3. „\n„ V. 22 „ 16 „ „ 3. „\n» VI. 18 „ 12 „ „ 3. „ (1855.)\n» VII. 20 „ 20 „ „ 2. ,\n„ VIII. 21 „ 16 „ „ 2. „ (1855.)\n„ IX. 25 „ 6 „ „ erste „ 1854.\nWir haben mithin hier 200 Lieder für vierstimmigen\nMännergesang, wovon gerade die Hälfte neue, für die Samm-\nlung geschriebene Compositionen sind. Unter den Verfas-\nsern der letzteren finden wir die Namen A. Bergt, W.\nC o n r a d i, H. D o r n, H. E n c k h a u s e n, L. E r k, W.\nGreef, Fl. Geyer, C. F. H e r i n g, F. II i 11 e r, L. K i n d-\nscher, C.Laub, J. E.Leonhard, E. Methfessel,\nC. Pax, F. Richter, W. Speyer, Jul. Tausch,\nKarl Wilhel m, A. Z ö 1 In er u. s. w.\nIm IX. (Neuesten) Hefte machen wir besonders auf\nNr. 2 von Karl Wilhelm: »Die Wacht am Rhein\", auf"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1964, "texte": "die Volkslieder von Nr. 1 1 bis 23 und auf das „geistliche\nLied\" von Ed. Wilsing aufmerksam.\n2. Wenn die Sammlung der „ Männerlieder\" den volks-\ntümlichen deutschen Männergesang pflegen, die sittliche,\ngesellige und nationale Wirkung desselben fördern, so\ndienen die „Geistlichen Männer chöre\" vorzugs-\nweise religiösen und kirchlichen Zwecken. Von dieser Samm-\nlung enthält das I. Heft, so wie das I. Heft der „Männer-\nlieder44, meist leichtere Sachen. Die Zahl derselben ist in\nunserer Sanges-Literatur nicht gross, daher die Auswahl\nsehr beschränkt, wie Sachkenner wissen, und sind hier noch\nviele Verdienste zu erwerben. Nr. 26 29 sind dem Her-\nausgeber durch Freundeshand aus Rom mitgetheiit worden.\nDas 11. Heft, welches unter der Presse ist, soll noch meh-\nrere ähnliche classische Tonsätze alter Meister bringen, auch\nCompositionen von Bernh. Klein aus dessen Nachlasse. Das\nI. Heft ist mit Recht freundlich aufgenommen worden.\nAuch hatte der Herausgeber sich ganz unerwartet eines\nhuldvollen Schreibens aus dem Cabinette Sr. Majestät des\nKönigs zu erfreuen. Die Sammlung enthält 50 kirchliche\nGesänge; vorherrschend ist die protestantische Choralweise,\neinige Nummern ergehen sich jedoch auch in polyphoner\nSchreibart, z. B. Nr. 35: „Ich danke dem Herrn\", von\nErnst Richter, Nr. 36: „Singet dem Herrn ein neues\nLied\", von G. Flügel, und Nr. 38: „Himmel und Erde\nvergehen\", von B. Klein.\nIndem wir den rastlosen Bemühungen Greef's um\nden deutschen Gesang überhaupt die vollste Anerkennung\nzollen, erinnern wir noch an die von ihm im Vereine mit\nLudw7. Erk herausgegebenen Schullieder: 1) Lieder-\nkranz, 3 Hefte (Erst es Heft, sechszehnte Auflage, 1854).\n2) Sin g vögelei n, 3 Helte, sechsundzwanzigste Auf-\nlage, 1855. 3) Sängerhain, lür Gymnasien, Real-\niind Bürgerschulen, 3 Helte, fünfte Auflage, 1855. —4)\nSiona, Choräle und religiöse Gesänge für höhere Schulen\nund Sing-Vereine. 1. Heft, 1855. Alle in der Verlagshand-\nlung von G. D. Bädeker in Essen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-12-29-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-12-29_01#c008", "volume": "bmtnabi_1855-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "415", "page_fin": "415", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.2.4", "titre_corps": "Aus Utrecht.", "titre_sommaire": "Aus Utrecht.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.7", "debut_caractere": 1966, "fin_caractere_exclue": 3326, "texte": "Aus Utrecht.\nIn den beiden Concert-Instituten, welche unter Leitung des\nHerrn Musik-Directors J. H. Kufferath stehen, den Stadt- und\nden Studenten-Concerten, sind in der letzten Saison zu Ge-\nhör gekommen: von Sinfonieen Nr. IL, IV. und V. von Beetho-\nven, in Es von Haydn, in C-moll von Niels W. Gade, in A-\nmoll von F. Mendel s söhn-Bart hol dy, von Reissiger, in\n€-dur mit der Fuge von Mozart.\nVon Ouvertüren wurden aufgeführt: Cherubini, Äna-\nkreon; C. M. von Weber, Euryanthe (2 Mal), Oberon; S. Salo-\nman, Das Diamantkreuz; Mendelssohn, Meeresstille und glück-\nliche Fahrt; R. Schumann, Genovefa; F. Präger; Beetho-\nven in C-dur; R.Wagner, Tannhäuser; Beethoven, Fidelio;\nMozart, Zauberflöte; Beethoven, König Stephan; Auber,\nStumme von Portici.\nVon ausgezeichneten Künstlern und Künstlerinnen haben wir\nin diesen Concerten gehört: die Violinisten Bazzini, F. Coenen\nVirginia und Carolina Fer n i; den Violoncellisten Alex.\nBatta; die Pianistinnen Wilhelmine Clauss (Mendelssohn's\nConcert in G-moÜ, Chopin, F. Liszt), Clara Schumann (Beet-\nhoven's Es-c/wr-Concert, Weber, Chopin, R. Schumann); den Oboisten\nG. C. Paggi aus Rom; den Posaunisten Nabich; die Sängerin-\nnen Marie Sedlazeck, Sophie Förster, Henriette Nis-\nsen-Saloman, Helene Sherrington (in zwrei Concerten), die\nSänger Dalle Aste, C. W. vom Rath (Tenor) aus dem Haag,\nGuglielmi, R. Colburn."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-12-29-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-12-29_01#c009", "volume": "bmtnabi_1855-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "415", "page_fin": "415", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.2.5", "titre_corps": "Aus Coblenz.", "titre_sommaire": "Aus Coblenz.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.7", "debut_caractere": 3328, "fin_caractere_exclue": 5040, "texte": "Aus Coblenz.\nHerr Musik-Director Lenz hat auf den 29. December ein Con-\ncert für die Hinterlassenen des Concertmeisters Hartmann ver-\nanstaltet ein Unternehmen, welches Dank und Nachahmung\nverdient. Die Ankündigung desselben leitet er mit folgenden Wor-\nten (in der Cobicrizer Zeitung) ein: „Vor acht Monaten betrauerte\ndie musicalische Welt den in der Blüthe seiner Künstlerschaft\nplötzlich erfolgten Hingang unseres Landsmannes, des Concertmeisters\nHartmann in Köln. Seiner Witwe, gleichfalls geborenen Coblen-\nzerin, die Mittel zur Erziehung von zehn Kindern zu verschaffen,\ntraten hochherzige Männer seiner zweiten Vaterstadt Köln zusam-\nmen. Es gelang ihnen, durch freiwillige Zeichnungen und die Ein-\nnahmen einiger in verschiedenen Städten veranstalteten Concerte\neinen Fonds zu bilden, dessen Zinsen zwar zum nothdürftigen\nUnterhalte der Familie hinreichen, für die täglich sich steigernden\nBedürfnisse der Erziehung aber in keiner Weise genügen. Die zwei\nältesten der bei des Vaters Tode unversorgt gewesenen Kinder,\nNina und Karl Hartmann*), von dem Kammersänger Herrn\nErnst Koch mit seltener Opferwilligkeit zur Künstler-Laufbahn\nvorbereitet, beabsichtigen nun, in Verbindung mit ihrem genannten\nLehrer, Samstag, den 29. December, im Saale des k. Gymnasiums\ndahier ein Concert zur Unterstützung ihrer Geschwister zu geben.\nUnser Concert-Orchester wird in uneigennützigster Weise das\nUnternehmen unterstützen. Die Gesangkräfte des Musik-Instituts\nhaben ihre Mitwirkung zugesagt.\"\n*) Fräulein Nina Hartmann hat in den letztvergangenen Wo-\nchen in Elberfeld und in Düsseldorf die Sopran-Par-\ntieen in Händel's Samson und in Schumann's Pilgerfahrt der\nRose mit grossem Beifalle ausgeführt.\nAnmerk. d. Red."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1855-12-29-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1855-12-29_01#c010", "volume": "bmtnabi_1855-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "416", "page_fin": "416", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5700, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nEin Urlheil L. Rellstab's über R. Wagner. Im vierten Con-\ncerte des Orchester-Vereins wurden der Brautzug, Entreact und\nBrautlied, die drei renommirtesten Nummern aus Richard Wagners\nLohengrin, aufgeführt. Die Einleitung, die auch wieder zum Schlüsse\nder beiden Gesangstücke wird, ist ganz auf die Grundsätze gestützt,\ndie der Componist in der Tannhäuser-Ouverlure befolgt; sie wie-\nderholt jene sogar theilweise in den angewandten Mitteln. Den\nWerth der musicalischen Gedanken darin wollen wir nicht gering-\nschätzen, obwohl er Ansprüche, wie wenigstens ein Theil der\nJournal-Presse sie für den Componisten geltend macht, keineswegs,\nauch nicht im Entferntesten, rechtfertigt. Sie erreichen in ihren\nHöhepunkten, wie wir schon öfter gesagt, C M. v. Weber in sei-\nner Mittelhöhe, sind ihm stark verwandt und seine Nachfolger!\nDie beiden Gesangstücke, Chor und Soli, bewegen sich, obwohl um\nWeniges höher als der Anspruch, der an jeden gebildeten Musicus\nzu machen ist, in anmuthvollen, wohlthuenden Linien; nur gegen\nden Schluss des ersten Chors kann es sich der Componist nicht\nversagen, den nicht erheblichen Gedanken viel zu breit forlzuspin-\nnen, gewisser Maassen auszupressen oder auszuhämmern, wie ein\nGoldkörnchen, dessen mittlerer Werth auch zu einem weiten Schim-\nmer mittels der Ausdehnung geführt werden kann. Die Wirkung\nist daher hier keine auf wirklich künstlerische Macht gestützte\nmehr, die in das Innere dränge, sondern nur eine auf den äusse-\nren Glanz, durch musicalische Farbenpracht und Vergoldung be-\ngründete; und selbst diese würde, in einem beschränkteren Maasse\ngehalten, grösser sein. Was jedoch volle, unbedingte Anerken-\nnung verdient, ist das durchgehende Streben in dem Componisten,\ndas Gemeine, Triviale fern von sich zu halten und nach dem Edel-\nsten zu ringen. Allein über das Ziel hinaus tritt gleichfalls ein,\nwenn auch unwillkürliches, Rückwärts ein.\nWien. Der Kunst- und Musicalienhändler F. Glö g g 1 hat\nfolgendes Schreiben erhalten:\n„Um die Feier des hundertjährigen Geburlstages Mozart's in\neiner dem Andenken des grossen Meisters würdigen Weise zu be-\ngehen und der in den gebildeten Kreisen der Residenz sich hiefür\nkund gebenden Pietät den entsprechenden Ausdruck zu geben, hat\nder Gemeinde rath der Stadt Wien am heutigen Tage den\nBeschluss gefasst, nicht nur den monumentalen, sondern auch den\nmusicalischen Theil der Feier als Festgeber in die Hand zu neh-\nmen und zu diesem Behufe aus den musicalischen Körperschaften\nund einzelnen Kunst-Notabilitäten Wiens ein Comite zusammen\nzu setzen, welches die zur Ausführung des Festes erforderlichen\nEinleitungen zu treffen hat. Zugleich gereicht es mir zum Vergnü-\ngen, E. W. die Anerkennung des Gemeinderathes dafür auszuspre-\nchen, dass Sie die Säcularfeier zu Mozart's Geburtstag zuerst ange-\nregt und sich bereit erklärt haben, den Anordnungen des Gemein-\nderathes zur Durchführung dieser Feier sich anzuschliessen. Wien,\n15. December 1855. Der Bürgermeister, Dr. Ritter v. SeilleiV4\nDas Fcst-Comite besteht aus den Delegirten der hiesigen musi-\ncalischen Körperschaften und des Gemeinderathes; von den erste-\nren sind vertreten: die „Gesellschaft der Musikfreunde\" durch de-\nren Präses, Herrn Hofrath Riedl von Rieden au, Dr. Liszt,\nHof-Capellmeisler Preyer und den artistischen Direclor, Herrn\nJoseph Hcllmcsberger; die k. k. Hof-Capelle durch die\nHerren Hof-Capellmeister Assmayr und Randhartinger; das\nHof-Opern-Theater durch die Herren Capellmeister Eckert und\nOrchester-Director Hellmesberger sen.; der Männergesang-Ver-\nein durch den Vorstand Herrn Dr. Egg er und den Chormeister\nHerrn Stegmeyer. Herr Glöggl hefindet sich gleichfalls im\nFest-Comife.\nIn den bisherigen Sitzungen soll folgendes Concert-Programm,\nselbstverständlich bloss Mozart'sche Compositionen enthaltend, auf-\ngestellt worden sein: 1) Ouvertüre zur Zauberflöte; 2) Chor 0 Iris\nund Osiris, Solo gesungen von Herrn Staudigl; 3) Pianoforte-\nConcert, gespielt von Dr. Franz Liszt; 4) Dies irae aus dem Re-\nquiem. 11. Abtheilung: 1) Sinfonie in G-moll; 2) Concert-Arie für\nSopran mit Violon-Solo; 3) Finale aus Don Juan, aufgeführt von\n400 Sängern und 3 Orchestern. Dr. Franz Liszt wurde von Seite\ndes Gemeinderathes zur Leitung eingeladen.\nWährend der sieben Ausstellungs-Monate von 1855 haben die\nEinnahmen der Theater, Concerte, Bälle u. s. w. in Paris ein\nMehr von 4,064,392 Frcs. 73 Cent, gegen dieselben Monate des\nvorigen Jahres aufgebracht. Die betreffenden Ziffern können zu-\ngleich als Barometer des Fremden-Besuches dienen. Es kamen ein:\nim Mai ein Mehr von . . 171,962 Frcs. 78 Cent.\n„ Juni „ „ „ . . 377,085 „ 96 „\n„ Juli „ „ „ . . 636.795 „ 76 „\n~ August „ „ „ . . 898,339 „ 56 „\n„ September „ „ „ . . 839,414 „ 45 „\n„ October „ „ „ . . 741,236 „ 47 „\n„ November „ „ „ . . 399,557 „ 75 „\nDeutsclie Tonhalle.\nDie um den im August v. J. für eine Sinfonie ausgesetzten\nPreis in der festgesetzten Zeit eingekommenen 39 Bewerbungen\nsind durch die als Preisrichter erwählten Herren Dr. L. Spohr,\nV. Lachner und F. Hiller beurlhcilt worden.\nDas Ergebniss dieser Beurtheilung ist folgendes:\nDen Preis erhielt zuerkannt das Werk des Herrn H. Neu-\nmann in Heilgenstadt; besonders belobt sind die Werke der Her-\nren: F. W. Markuli in Danzig, Richard Wurst in Berlin, K. J.\nBischbff in Frankfurt am Main, Wilh. Hansen in Hannover, Emil\nBüchner in Leipzig, Anonym in Wien und Ernst Pauer in Lon-\ndon; belobt wurden die Werke der Herren Johann Herbeck und\nPius Richter in Wien, des Herrn Eduard Kunz in Worms und\nder Herren Karl Aug. Zwicker und Friedr. Lux in Mainz.\nWegen Rücksendung der sämmtlichen Bewerbungen sind die\nVereins-Satzungen maassgebend.\nMannheim, den 10. December 1855.\nDer Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.1", "texte": "Liszt „An die Künstler“\n\nhat einen Tonsatz*) versucht oder gewagt, von dem man\nAnfangs zweifelt: Ist's Schule, Asketik oder Kunstwerk?\nist's ernst oder scherzhaft gemeint? ist's ein programma-\ntistischer Abriss der schülerhaften Zukunfts-Bestrebungen\noder ist's ein vorausfliegender Bote und Genius dieser seli-\ngen Zukunft selber? ein solcher, der in diese arme heutige\nWelt, obwohl nur halb verstanden, doch blitzend hinein-\nleuchte, .um, wo nicht Allen zu gefallen, doch Wenigen es\nrecht zu machen? Gäbe uns über Solches doch das Vor-\nwort Auskunft! Zwar ist es so unnütz, wie die Wagner'-\nsche Dedicalions-Vorrede zum Lohengrin, und die abgründ-\nlich albernen Prooemia des Signor Joachim Raff sind nichts\nbesser, nichts schlechter, als dieses Vorwort. Vordem war's\nguter Dichter Art, von Homer bis Göthe, oh n e Vorrede\nzu wirken durch die Kraft der Schönheit selber. Doch jene\nBeiden und manche Andere gehören freilich zur Vergangen-\nheit, sind daher dringend verdächtig, von Zukunft nichts zu\nverstehen. Also es sei denn die Vorrede: sit, fiat, maneat\nergo!— So gebe sie doch einen allermindesten Aufschluss\nüber das Innere. Thut sie's? Sie Ihut nichts als, böse Kri-\ntik abwehren mit der listigen Wendung mystisch ist sie\nnicht, aber fein !—:\n„Ob ihm gelungen, den Schiller'schen Worten u.s.w.\nihren erhabenen, erhebenden Charakter musicalisch\nzu verleihen, ist nur denen zur Beurthei-\nlung überlassen, welche diesen Charak-\nter geziemend auflassen und mitempfinden.\"\nQuaeritur: wer ist „dieser Charakter\"? Ist gemeint\n„der erhabene Charakter Schiller's\"? Dann ist der Satz\nüberflüssig oder unverständig. Schwerlich wird der Ver-\nfasser sagen wollen: „Nur wer den Sinn des Schiller'-\nschen Gedichtes geziemend mitempfunden, darf\n\n*) Es ist zwar schon über Jahr und Tag her, dass der hier be-\nsprochene „Festgesang\", dessen Text aus Schiller's Gedicht\n„Die Künstler\" genommen ist, tür Männerchor und acht Soli\nmit Orchester erschienen ist; allein da der obige Artikel\nmehr das Allgemeine als das Besondere, mehr die Gattung\nund die Principien als ihre Ausführung und Anwendung be-\nrücksichtigt, so dürfte er auch jetzt noch durchaus nicht als\nverspätet erscheinen, zumal da t ranj Liszt die Bahn, wel-\nche er in dieser Composition betreten, keineswegs wieder\nverlassen hat, sondern im Gegentheil auf derselben beharrlich\nzu dem vorzudringen versucht, was er für das Ziel der Musik\nhält. Wir unsererseits halten diese Richtung für eine ver-\nfehlte und auf einem Grund-Irrthum über das wahre Wesen\nder Tonkunst beruhende, und werden also überall dagegen\nauftreten, auch wenn, wie in diesem besonderen Falle, wir\ndem Verfechter derselben als Künstler und Menschen die\nhöchste Achtung und persönliche Zuneigung zollen.\nDie Rcdaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.2", "texte": "diese Composition beurtheilen\"; denn da wäre doch min-\ndestens zu erwägen, ob nicht gar viele begeisterte Verehrer\nSchiller's gänzlich ausser Stande sind, sowohl die Liszt'sche\nals irgend eine andere Musik zu beurtheilen. Ist es nun\nunglaublich oder unmöglich, dass der Verfasser solchen Un-\nsinn hat schreiben wollen, so bleibt nur das Andere übrig,\nnämlich es so zu verstehen:\n„Nur wer diesen Charakter, den künstlerischen Cha-\nrakter meines Tonsatzes, geziemend auffasst\nund mitempfindet\" u. s. w.,\nwo wir dann nichts Anderes erblicken als einen Brendel\nins Liszt'sche übersetzt, eine Wiederholung des denkwür-\ndigen Satzes in Brendel's neulich beurtheiltem Büchlein:\n„Die Musik der Gegenwart\" u. s. w., S. 216:\nweil nur der zum Tadel ein Recht besitzt, der\nzuvor durch Anerkennung des Positiven den Be-\nweis geliefert, dass er zu innigerem Verständnisse\ngelangt ist;\ndas heisst: Lobst du mich, so ist's gut; verwirfst du mich,\nso bist du unzurechnungsfähig. Sollten aber jene Worte\nnoch ein Drittes bedeuten können (was uns freilich\ngrammatisch unmöglich scheint), nun, so wird uns\nja die richtige Bedeutung wahrscheinlich bald von Weimar\nher telegraphirt werden. Bedeuten sie aber das hier aufge-\nstellte Zweite, so sprechen sie eine bodenlose Selbst-\nUeberschätzung aus, dergleichen an dem Franzosen Berlioz\nNiemanden überrascht, am Deutschen aber Niemand bisher\ngewohnt war. Fast fürchten wir, richtig verstanden zu\nhaben; denn das Motto über der ersten Partitur-Seite:\n„Was schöne Seelen schön empfunden, rauss trefflich und\nvollkommen sein\", lässt schwerlich eine andere Deutung zu.\nWir dürfen bei der Vorrede verweilen, eben weil das\nVorredenschreiben nun einmal ein „Ereigniss, eine befrei-\nende That\" der Neuzeitlichen geworden; wie denn auch\nBrendel rühmt im genannten Buche, S. 198, dass Wagner\nsein Vorwort mit besonderer „Liebe, Sorgfalt und Um-\nständlichkeit geschrieben, indem er den Freunden die Ent-\nstehungs-Geschichte seiner sämmtlichen Werke erzählt\"\nu. s. w. Schade, dass Raphael und Mozart solches nicht\ngethan: wir wären um manches monumentale Kunstwerk\närmer, desto reicher aber gewisslich an Zukunfts-Gedanken-\nLiteratur, an polemischer Rhetorik, an moralisch posaunen-\ndem Tantengewäsch, und die Welt wäre noch hohler und\nleerer, als sie schon ist.\nEin schlimmerer, rein logischer Uebelstand, der sich\nauf jene Liszt'sche Vorrede erbaut, ist nun ferner, dass\ninnerhalb der gesungenen Strophen das Wort\nKünstler gar nicht vorkommt, also ohne Komödien-Zettel\nNiemand weiss, von wem die Rede ist. Ueber die Erfindung\nder Komödien-Zettel spricht sich ein gewisser Geheimerrath\nvon Göthe, der auch in Weimar gewohnt hat, aber viel-\nleicht nicht auf dem berechtigten Standpunkte stand, etwa\nfolgender Maassen aus: „Es ist unerträglich, im Theater\nauf dem Zettel nachzusehen, was für Personen das sind,\ndie da auf der Bühne arbeiten; denn an den wirklichen\nMenschen, die da schauspielern, ist der Kunst-Empfindung\nnichts gelegen, und den Zusammenhang der Thatsachen,\nso wie die Namen der poetischen Personen muss man aus\ndem Stücke vernehmen, sonst taugt es nichts. Die\nGriechen in ihrer grossen dramatischen Zeit hatten keinen\nKomödien-Zettel und verstanden ihren Sophokles vielleicht\ndarum desto besser u.s.w.\" Gewiss! wenn ich in die Ge-\nmälde-Galerie gehe und verstehe - bei übrigens offener\nSeele und massiger Kunstbegabung—den Inhalt eines Ge-\nmäldes ohne Katalog nicht, so wird die Schuld des\nUnverstandes öfter beim Maler als beim Beschauer liegen.\nDessgleichen in der Tonkunst; wo die Religion nicht drin-\nnen sitzt, was hilft da die bleierne Ueberschrift\nligioso, oder Amoroso,oder Ap oder sonstige Pa-\nrenthesen-Poesie, dergleichen der jugendliche Schiller\nz. B. in den Räubern, im Fiesco u. s. w. so überreichlich\nhat? Wird dadurch die Sache klarer, nämlich das Kunst-\nwerk und die Schönheit? und müssen die Hörer, um zu\nhören, zuvor gelesen haben? Oder sollen sie sich allzeit\nauf einen zur Seite stehenden Cicerone verlassen, bei dessen\nErmangelung sie lediglich auf Unverstand und Missverstand\nangewiesen sind? Oder werden etwa Hogarth's Caricaturen\nbesser, wenn sie einen Zettel aus dem Halse hangen ha-\nben mit Pass, Signalement, Geschichte, Vorrede, Rechtfer-\ntigung und Berechtigung darauf? Vielleicht mögen sie so\nprosaisch, deutlicher werden; aber auch wirksamer,\nschöner, auf dass die Kunst eine Wahrheit\nwerde? Ein Beweis, wie weit unsere „tiefbewusste\nAufklärung\" bereits gediehen ist, mag wohl darin gesehen\nwerden, dass manche Schulmeister ihre Kinder lassen die\nUebersc h r i f t e n im Lesebuche laut vorlesen, nicht be-\ndenkend, dass diese gleich dem Umschlage bloss eine Hand-\nhabe für das Auge sind. Wer die (satz- und tonlose) Ueber-\nschrift laut spricht, der muss consequenter Wreise auch\ndie Seitenzahl, das Komma und Punktum mit sprechen, wie\njenes Kind sprach:\n„Aller Augen warten auf dich Komma\nHerr Ausrufungszeichen \","}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.3", "texte": "oder gewissenhaft sagen, wie jener verunglückte Candida-\ntus theologiae:\n„Predigt am 13. Trinitatis. Wir haben heute das\nEvangelium \" u. s. w.\nGenug von dieser Theorie der Ueberschriften, Vorre-\nden und Komödien-Zettel. Sie war nicht überflüssig, da\neben die Schule der Neuzeit und Zukunft auf derlei Zutha-\nthen Gewicht legt. Sollte sie aber dennoch dem musicali-\nschen Blatte fremd erscheinen, so müssen wir dagegen ver-\nsichern, dass die Liszt'sche Composition aller Tonseele eben\nso fremd ist, wie jene Grammatiealien dem Generaiba ss.\nVielleicht dass uns der Maassstab fehlt, oder die Be-\nrechtigung, oder die Auffassung und Mitempfindung aber\nlür jeden gerade gewachsenen Menschen, der nicht eben\nin der weimar-leipziger Schule orthopädisirt ist, muss dieses\nverrenkte Zeug abgeschmackt und entsetzlich erscheinen\n—um desto mehr, weil es nicht einmal so viel Geist und\nErfindung besitzt wie die Tannhäuser-Ouverture, in wel-\ncher sich doch wirklich acht Tacte wahrer Melodie\nbefinden. Die Liszt'schen Künstler beginnen\nvollkommen unmelodisch und unbegreiflich; man könnte\neben so gut jene Sforzandissimi-Circumflexe über ein Pau-\nken- oder Triangel-Solo setzen. Der Gesang hebt an:\nwelche Phrase, kaum geboren, in weit entlegener Modula-\ntion transponirt wird, um den ohnedies ausgegorenen Te-\nnören unserer Zeit bei hoher Stimmung noch das gehal-\ntene ais zuzumuthen. (Am Schlüsse des Ganzen muss so-\ngar der Chor zwei Tacte lang das eingestri-\nchene haushalten!!) „Der Dichtkunst heilige Magie\"\nwird S. 14 der Partitur in allerlei vertrackten Quint-Sex-\nten und überspannten Septimen umsungen, dazu mit chro-\nmatischem Geigen-Gewimmer durchflochten, dass es einem\nübel und weh wird, wie bei der Valse diabolique des selbi-\ngen Componisten. Die „grosse Harmonie\" des Dichters\nwird S. 19 zu einer ungeheuren Ohrfeige:\nDer „Kamönen Chor\" (S. 21, 22) unket wie ein Chor\nvon Eulen aber was hilft's? Der Zweck ist erreicht: diese\nKunst, „furchtbarer noch in ihres Reizes Hülle sie rä-\nchet sich an des Verfolgers Ohr!\" (S. 24, 25.)\nJa, gewiss. Nachdem wir diese Phrasen an uns haben er-\ngehen lassen, sind wir hinlänglich bestraft, die Rache ist\nvollzogen, unsere Silenen-Ohren sind aller Sirenen-Töne\nder Vorzeit *) verlustig gegangen, wir wissen nicht, wo uns\ndas Ohr steht,- oben oder unten halten wir aber aus\nbis ans Ende, bis zum „Thron der hohen Einigkeit\", dann\nwerden wir gekrönt und beschenkt mit folgender Invention,\num welche uns die Altzeit beneiden wird:\nSehen wir ab von der sinnlosen, verwirrenden Orthogra-\nphie der dritten Stimme im zweiten Tacte, von der über-\nflüssigen Noten - Wechselreiterei durch enharmonischen\n\n*) Muss man nicht auch inskünftig sagen (analog mit Jetztzeit,\nNeuzeit) „Altzeil\", „Gesternzeit\", statt des altvaterisch gesun-\nden Wortes Vorzeit?"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.4", "texte": "Schnadahupferl (aus Gis in .4s), von der gräulichsten Fort-\nschreitung aus Des-dur nach E-dur und G-dur*), sehen\nwir von allem ab, was nicht abzusehen ist, so bleibt den-\nnoch als Residuum die Frage: Ist das nun die Allkunst\nder Neuzeit? So ist sie mindestens logisch unbegreiflich,\nda die Begriffe „Einigkeit, Thron, Umarmung\" u. s. w. doch\nwohl nicht mit zerreissenden, unbegreiflichen, wahnwitzigen\nAccordsprüngen darzustellen sind. Oder wär's dennoch\n„Sonderkunst der Gestern zeit\"? und es scheint\nfreilich Musik zu sein; denn es sind Noten drinnen und gar\nviele Kreuze und Been, Geigen, Harfen, Pauken und lange\nPartiturstriche nun, dann suchen wir und fragen nach\neinem Melodie-Tröpflein, so gross wie der Augapfel einer\nMücke, und finden keines. Sollten etwa die Anklänge an\ndie Kirchentöne, welche sich in den tollen Accordsprüngen\nverbergen, von den Meistern der Schule als Allsonderthum\noder Sonderallthum gepriesen werden, so meinen wir denn\ndoch, dass solches Spielwerk mit ernsten Dingen zeigt, wie\nwenig die landläufigen Zeitbegriffe von Gegenwart, Zukunft,\nVergangenheit, Historie u. s. w. ernst gemeint und in-\nnerlich erlebt sind. Bei aller Kühnheit der kirchentonigen\nAccordfolgen ist doch in jenen alten Tonsätzen Vernunft\nund Klarheit vorhanden; hier fehlt Beides; es ist nichts als\nFarbe in Farbe gerieben, ohne Bild und Gestalt, ohne\nNotwendigkeit, ohne Glauben an die Wahrheit der Ton-\narten, ohne Schönheit.\nErnstlich gesprochen: Glaubt nun wirklich der be-\nrühmte Mann, der Fürst der Pianisten, mit dem Gewichte\nseines Namens und seiner literarischen Helfershelfer der\nbisherigen Musik eine neue Wendung gegeben zu haben?\nGewiss kann, wer an so hoher Stelle steht, wie er, viel\nleisten und viel verderben. „Gar leichtlich verlieren sich\ndie Künste, aber gar schwerlich werden sie wieder erwor-\nben!\"— Was Liszt Verdienstliches hat, was er lür die\nTechnik**) wirklich geleistet, wird unverloren sein für alle\nZeit. Genial aber, schöpferisch in lebenskräftiger Weise\nhat er sich bisher nirgend erwiesen. So bleibe sein Ver-\ndienst in Anerkennung (damit auch wir nach dem Canon\nBrendel's ein Wort mitsprechen dürfen, da nur „Aner-\nkennende\" das Recht haben, zu urtheilen), aber seine\nThorheit werde gegeisselt, wie sie es verdient.\n\n*) Nebenbei gesagt: Der Melodie-Schritt der Oberstimme am\n> Schlüsse: f gis h ist ein Schritt per tritonum — Mi contra fa,\neine kleine Quinte! Dergleichen soll schön sein? — Neu —\nvielleicht!\n*') Doch auch wer solches Verdienst anerkennt, braucht nicht\nüber alles, was Liszt gethan, in Entzücken zu gerathen, wie\njener sonderliche Verehrer W. Lenz, der in d. Bl. (1853,\nNr. 19, S. 147, Sp. 2) erzählt, wie Liszt den Fingersatz des\nScherzo in der Mondschein-Sonate sonderlich geistreich\nund neu genommen! Schreiber dieses hat schon vor dreissig\nJahren ganz denselben gebraucht, weil jeder andere unnatür-\nlich und schwierig ist; auch erinnert er sich nicht, jemals\nonderen Fingersatz an dieser Stelle gesehen zu haben.\n\nDIXI.\n\nDas Liszt-Concert in Berlin\n\n*)\nDas fünfte Concert des Stern'sehen Orchester-Ver-\neins in der Sing-Akademie halte eine so allgemeine\nnähme erregt, dass alle Räumlichkeiten des Locals mehr\nals vollständig in Anspruch genommen waren. Das Interesse\nrichtete sich diesmal ausschliesslich auf eine Künstler-Per-\nsönlichkeit, die den berliner Kunstfreunden im besten An-\ndenken ist aus einer Zeit, in der ihr Name in seinem hell-\nsten Glänze strahlte. Wir reden von Franz Liszt, der\ndas Concert leitete und in demselben nur Werke seines\neigenen schöpferischen Talentes ausführen liess. Von den\nVirtuosen-Leistungen Liszt's hat man seit einer Reihe von\nJahren nichts gehört, trotzdem dieselben so ungewöhnlicher\nArt waren, dass die ausübende Kunst über diese Einbusse\nmit Recht zu trauern hat und der berühmte Künstler noch\nheute seines Gleichen vergeblich suchen würde. Die schö-\npferischen Arbeiten Liszt's beschrieben damals einen ver-\nhältnissmässig beschränkten Kreis; sie bestanden in Trans-\nscriptionen von Liedern, die durch die eigenthümliche Be-\nhandlung des Instrumentes diesem eine ganz neue Bedeu-\n\n*) Wir geben in obigem Aufsatze den Wiederhall einer kriti-\nschen Stimme aus Berlin (in der Vossischen Zeitung) über\ndas Liszt-Concert, nicht um das Urtheil unseres Herrn Cor-\nrespondenten (in Nr. 51) zu rechtfertigen, denn das hat er\nselbst hinreichend durch die ästhetische Begründung dessel-\nben gethan, sondern um denen, die unsere Musik-Zeitung gar\nzu gern als ein Parteiblatt darstellen möchten, zu zeigen, wie\nwir es schon früher gethan (vergl. Nr. 11 und 12 dieses Jahr-\ngangs), dass gar viele Kritiker, und zwar die tüchtigsten, d. h.\nsolche, die ihre Berechtigung zum Urtheilen in ihren Auf-\nsätzen deutlich bekunden, mit uns und unseren Mitarbeitern\nvollkommen übereinstimmen. Leider ist aber ein grosser Theil\ndes Publicums, welches an Musik und Theater Theil nimmt,\ndurch das dreiste Coteriewesen der Journalistik bereits so\ngründlich verdorben, dass ihm eine aufrichtige Ueberzeugung,\ndie es für „heilige Pflicht'4 hält, falsche Richtungen zu be-\nkämpfen, als ein Räthsel erscheint, das nur durch Parteiung\nzu erklären sei!! Auch auf das Urtheil des Dr. 0. Lind-\nner (das im Wesentlichen mit dem obigen übereinstimmt) in\nBerlin über das Liszt-Concert werden wir zurückkommen, da\ndie Schluss-Bemerkungen seines Berichtes Anlass zur Erör-\nterung der Frage geben, ob die Musik der neuen Richtung\nauf die Bildung und Erhebung des Volkes wirken könne.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.5", "texte": "tung gaben und viele Componisten anregten, das angebaute\nGebiet weiter zu bilden. Die so gekannten Phantasieen Liszt's\nlassen wir unberührt, weil sie sich von der üblich gewor-\ndenen Formlosigkeit nicht entfernten und weniger durch-\ngreifend wirkten als die Lieder. Hier war der Componist,\nwie der Spieler gleich originel, und wir vergegenwärtigen\nuns mit wahrhaftem Entzücken die unbeschreiblichen Ein-\ndrücke, welche wir durch sein Spiel empfingen, das in wun-\nderbar genialer Weise sich auch in die Schöpfungen We-\nber's, Hummel's, Beethoven's, Bach's zu versenken wusste\nund überall in dem musicalischen Hörer eine Fülle von An-\nregungen weckte. Liszt hat inzwischen die seinen Weltlauf\nbegründende Bahn des Virtuosenthums verlassen, um auf\nanderen Gebieten der Kunst einen Wirkungskreis zu finden,\nnamentlich aber auch seine schöpferischen Gaben all-\nseitig zu entwickeln. Wir haben kein Recht, mit ihm dar-\nüber zu rechten und seinem Streben den Erfahrungssatz\nentgegen zu halten, dass ursprüngliche Kräfte und\nRichtungen sich nicht zuletzt, sondern zuerst geltend ma-\nchen. Nehmen wir vielmehr seine Compositionen, wie sie\nsich unserem Gefühle dargeboten haben, ohne Vorurtheil\nlür oder gegen den Künstler, halten wir uns dabei an den\nunmittelbarsten Eindruck, der zwar nicht zu einem erschö-\npfenden Urtheile führen kann, aber doch jedenfalls den\nGrundton enthalten dürfte, nach dem ein ausgeführtes Ur-\ntheil abzumessen sein würde. Wir haben niemals die An-\nsicht gelten lassen, dass man musicalische Werke erst nach\nöfterem Hören würdigen lerne, sondern sind der Mei-\nnung, dass man sie dann wohl liebgewinnen könne; das\nMaass der kritischen Würdigung wird immer in dem\nersten Eindrucke enthalten sein. Reden wir vom Concerte.\nFür die fünf zum Vortrage gewählten Werke enthielt das\nProgramm einen ausführlichen Leitfaden, der in das Ver-\nständniss derselben einführen sollte. Dieser Leitfaden ist\nein fast unentbehrliches Mittel zur gerechten Würdigung\nder Musik, weil ohne ihn auch selbst das musicaüsch Halt-\nbare in sich zusammenfallen müsste. Er versetzt uns in Be-\ntreff der ersten „symphonischen Dichtung für Orchestera\nauf die Gebiete der Physiologie und Psychologie. Eine an-\ndere symphonische Dichtung, „Torquato Tasso\", ist durch\ndas Göthe-Fest in Weimar veranlasst worden und führt\nuns nach Italien. Wir sehen den Boden Tasso's, Italien,\ndie untergegangene Königin, wir sehen den Hofgünstling\nund den Dichter, wie Beide um die Herrschaft streiten,\nTasso's Wesen endlich siegt. Die Gestaltung und der Ver-\nlauf solcher Seelenbilder und deren Verknüpfung mit „psy-\nchologischen Problemen\" oder geschichtlichen Ergebnissen\nmusicalisch darzustellen, ist ein Experiment, das annähe-\nrungsweise sich schon in manchen anderen Schöpfungen\nder neueren Musik zu erkennen gibt, dem indess die vor-\nliegenden Versuche die Krone aufsetzen. Wir müssen ge-\nstehen, dass schon damit dem Wesen der Musik geradezu\nins Gesicht geschlagen wird. Aber auch selbst mit Hülfe\ndes gegebenen Commentars sind wir nicht im Stande, aus\nder Musik das herauszufinden, was der Componist erstrebte.\nSehen wir von jeder Berechtigung der musicalischen Form\nab, gestatten wir die freieste Bewegung des Gedankens, so\nbleibt dem schöpferisch begabten Musiker doch immer\nnoch ein weites Feld, etwa Zügellosigkeit der Melodik, Ori-\nginalität in der harmonischen Structur an den Tag zu legen.\nHier aber reiht sich ein Motiv an das andere, eine Harmo-\nnie erdrückt die andere, eine Dissonanz zerstört die andere,\nnirgend nehmen wir Durcharbeitung eines Gedankens, Auf-\nbau, Abschluss, Ruhepunkte, musicalisches Wessen wahr;\nallen Gesetzen der Musik, die sich geschichtlich und orga-\nnisch entwickelt haben, wird aufs entschiedenste der Krieg\nerklärt, und wo man sich an einem musicalischen Licht-\nblicke erfreut, ist er wie das Leuchten des Blitzes ver-\nschwunden, ehe man seiner habhaft werden konnte. Das\nDurchklingen eines Grundgedankens in verändertem Tempo\nbetrachten wir als etwas rein Aeusserliches, dem die innere\nVerbindung fehlt. Von dem Clavier-Concert erwarteten wir\nselbstverständlich das Befriedigendste. Wir haben durchaus\nnichts dagegen, wenn die vier einzelnen Sätze ohne „ein-\nschneidende Pausen\" verbunden werden; wir verlangen\naber von einem Clavier-Concerte, dass es dem Solo-Instru-\nmente jene Freiheit einräume, durch welche es sich selbst-\nständig von dem Orchester abhebt, ohne die organische\nVerbindung mit demselben zu zerstören. Hören wir indess,\nwie hier das Solo-Instrument mit seinen vollgriffigen Octa-\nven das Orchester gewisser Maassen stützt, so schwindet\nuns jeder Haltpunkt für die Beurtheilung der Form, die\nsich doch in irgend etwas kund geben soll. Und dennoch\nerkennen wir gern an, dass das Adagio mit den Sordinen,\ndas Scherzo in seiner charaktervollen Weichheit rein\näusserliche, sinnliche Weichheit ist das Grundwesen aller\nzum Vortrage gebrachten Stücke—uns am meisten zuge-\nsagt haben. Was die beiden Gesang-Compositionen anlangt,\nso ist dem Ave Maria mit Orgel-Begleitung ein gewisser\nmusicalischer Werth nicht abzusprechen. Es verletzt nicht,\nund damit sei ein günstiges Urtheil ausgesprochen. Die Ver-\nkeilung der Stimmen ist zwar ebenfalls eine rein äusser-\nliche, und es fehlt jedwede Durchdringung. Hier konnte\naber etwas geleistet werden, dem Componisten war Gele-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.6", "texte": "genheit geboten, sich über die schlichte Homophonie eines\ngemischten Chors zu erheben, in die Tiefe zu dringen und\nnicht durch Ueberlegung und Berechnung sich die Dispo-\nsition des Stückes äusserlich zurecht zu legen. Ihren höch-\nsten Grad erreicht die Aeusserlichkeit in Auffassung und\nBearbeitung des 13. Psalmes. Wir bedauerten von Herzen\nden Tenoristen und die Sopranistin, welchen der Solo-\nVortrag zufiel. Der Chor aber hatte es vorzugsweise auf\nden Feind, den Tod, „den Widersacher\" gemünzt. Was\nhaben diese Worte verschuldet, dass sie sich inmitten des\nbiblischen Gedankens befinden? Der Gedanke will,\nwie empfunden, also ausgedrückt sein. Lieber die Wahl der\nTact-Arten, die gesuchte und doch nicht zur Geltung ge-\nlangende Rhythmik liesse sich noch Manches sagen. Es\nwürde aber zu nichts führen. Wir geben in diesem Abrisse\nden ersten und unmittelbaren Eindruck mit dem Bekennt-\nnisse, dass wir auf einem musicalischen Standpunkte uns\nbefinden, der mit dem hier vertretenen gar nichts zu schaf-\nfen hat, und dass wir, so lange wir ein Wort mitzureden\nuns erlauben dürfen, wo es nothwendig ist, bis in das Ein-\nzelnste eingehend die Richtung in Rede bekämpfen werden,\nweil wir es für eine heilige Pflicht halten, diesem Wesen\ndie Spitze zu bieten. Dass der Beifall ein sehr lauer war,\nbedarf kaum der Erwähnung. Uebrigens gelang die Ausfüh-\nrung vortrefflich, und wir können dem Stern'schen Vereine\nund seinem Dirigenten dasZeugniss geben, dass sie sich in\nder Leistung selbst iibertrofFen haben.\n\nn\n\nFür Männergesang.\n1. Männerlieder, alte und neue, für Freunde des\nmehrstimmigen Männergesanges. Herausgegeben\nvon Wilb. Greef. 9 Hefte, jedes 3 Sgr. Essen,\nbei G. D. Bädeker.\n2. Geistliche Männerchöre, alte und neue,\nu. s. w. Herausgegeben von Wilh. Greef. I.\nHeft. 5 Sgr. Essen, ebendaselbst.\n1. Zur Herausgabe dieser in anerkennungswerther Ge-\nsinnung, mit Kenntniss und Einsicht und mit gutem Ge-\nschmack veranstalteten Sammlung wurde Herr W. Greef\ndurch Männergesang-Vereine und Freunde bestimmt, die\neine gute, billige Lieder-Auswahl wünschten, da die vor-\nhandenen Sammlungen theils zu theuer waren, theils hin-\nsichtlich der Auswahl nach Wort und Ton wegen der\nvielen Trink- und Gelage-Lieder, der ungesunden Lie-\nbeskränkeleien und Brummlieder, der Effectstückchen\nund sonstigen Narrethei-Dinge - auch billigen Wünschen\ndurchaus nicht entsprachen.\nDas erste Heft meist Lieder im Volkstone enthal-\ntend—fand eine überaus günstige Aufnahme; binnen Jah-\nresfrist war die erste Auflage (zu 3500 Exempl.) vergrif-\nfen. Gewichtige Stimmen, namentlich aus der pädagogischen\nWelt, erhoben sich für die Zweckmässigkeit und Brauch-\nbarkeit dieser Liedersammlung für Volksbildung durch den\nGesang.\nIm zweiten Hefte erschienen einige Original-\nCompositionen, deren Zahl sich fort und fort mehrte,\nso dass das siebente Heft nur Original-Compositionen ent-\nhält, dagegen das neunte Heft meistens Volkslieder,\nauf welche in letzterer Zeit mehr hinzuweisen, jedem Ge-\nsangesfreunde am Herzen liegen muss. Dass die Heraus-\ngabe einer solchen Sammlung ihre besonderen Schwierig-\nkeiten hat, dass man die Einen wegen der dringend ange-\nratenen Aufnahme ihrer Beiträge oder Composilionen, und\ndie Anderen ob ihrer Wünsche für den Abdruck dieser\noder jener Lieder unmöglich befriedigen kann, ist klar;\nallein Greef hat nach festen Grundsätzen verfahren, was\nüberall sichtbar ist, und desshalb hat er eine Sammlung\nO\ngeliefert, von der man wirklich sagen kann, dass sie keine\neinzige schlechte Composition und in dem bei Weitem\ngrössten Theile des Guten und wahrhaft Schönen die\nMenge enthält. Den Reichthum der Sammlung lasst fol-\ngende Tafel übersehen:\nHeft I. 34Lieder Original-Compos. 7. Aufl. (1854.)\nII 22 5 , „ 5. ,\n» 111. 20 „ 14 „ „ 5. „ (1855.)\n- IV. 18 „ 11 „ „ 3. „\n„ V. 22 „ 16 „ „ 3. „\n» VI. 18 „ 12 „ „ 3. „ (1855.)\n» VII. 20 „ 20 „ „ 2. ,\n„ VIII. 21 „ 16 „ „ 2. „ (1855.)\n„ IX. 25 „ 6 „ „ erste „ 1854.\nWir haben mithin hier 200 Lieder für vierstimmigen\nMännergesang, wovon gerade die Hälfte neue, für die Samm-\nlung geschriebene Compositionen sind. Unter den Verfas-\nsern der letzteren finden wir die Namen A. Bergt, W.\nC o n r a d i, H. D o r n, H. E n c k h a u s e n, L. E r k, W.\nGreef, Fl. Geyer, C. F. H e r i n g, F. II i 11 e r, L. K i n d-\nscher, C.Laub, J. E.Leonhard, E. Methfessel,\nC. Pax, F. Richter, W. Speyer, Jul. Tausch,\nKarl Wilhel m, A. Z ö 1 In er u. s. w.\nIm IX. (Neuesten) Hefte machen wir besonders auf\nNr. 2 von Karl Wilhelm: »Die Wacht am Rhein\", auf"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.7", "texte": "die Volkslieder von Nr. 1 1 bis 23 und auf das „geistliche\nLied\" von Ed. Wilsing aufmerksam.\n2. Wenn die Sammlung der „ Männerlieder\" den volks-\ntümlichen deutschen Männergesang pflegen, die sittliche,\ngesellige und nationale Wirkung desselben fördern, so\ndienen die „Geistlichen Männer chöre\" vorzugs-\nweise religiösen und kirchlichen Zwecken. Von dieser Samm-\nlung enthält das I. Heft, so wie das I. Heft der „Männer-\nlieder44, meist leichtere Sachen. Die Zahl derselben ist in\nunserer Sanges-Literatur nicht gross, daher die Auswahl\nsehr beschränkt, wie Sachkenner wissen, und sind hier noch\nviele Verdienste zu erwerben. Nr. 26 29 sind dem Her-\nausgeber durch Freundeshand aus Rom mitgetheiit worden.\nDas 11. Heft, welches unter der Presse ist, soll noch meh-\nrere ähnliche classische Tonsätze alter Meister bringen, auch\nCompositionen von Bernh. Klein aus dessen Nachlasse. Das\nI. Heft ist mit Recht freundlich aufgenommen worden.\nAuch hatte der Herausgeber sich ganz unerwartet eines\nhuldvollen Schreibens aus dem Cabinette Sr. Majestät des\nKönigs zu erfreuen. Die Sammlung enthält 50 kirchliche\nGesänge; vorherrschend ist die protestantische Choralweise,\neinige Nummern ergehen sich jedoch auch in polyphoner\nSchreibart, z. B. Nr. 35: „Ich danke dem Herrn\", von\nErnst Richter, Nr. 36: „Singet dem Herrn ein neues\nLied\", von G. Flügel, und Nr. 38: „Himmel und Erde\nvergehen\", von B. Klein.\nIndem wir den rastlosen Bemühungen Greef's um\nden deutschen Gesang überhaupt die vollste Anerkennung\nzollen, erinnern wir noch an die von ihm im Vereine mit\nLudw7. Erk herausgegebenen Schullieder: 1) Lieder-\nkranz, 3 Hefte (Erst es Heft, sechszehnte Auflage, 1854).\n2) Sin g vögelei n, 3 Helte, sechsundzwanzigste Auf-\nlage, 1855. 3) Sängerhain, lür Gymnasien, Real-\niind Bürgerschulen, 3 Helte, fünfte Auflage, 1855. —4)\nSiona, Choräle und religiöse Gesänge für höhere Schulen\nund Sing-Vereine. 1. Heft, 1855. Alle in der Verlagshand-\nlung von G. D. Bädeker in Essen.\n\nAus Utrecht.\nIn den beiden Concert-Instituten, welche unter Leitung des\nHerrn Musik-Directors J. H. Kufferath stehen, den Stadt- und\nden Studenten-Concerten, sind in der letzten Saison zu Ge-\nhör gekommen: von Sinfonieen Nr. IL, IV. und V. von Beetho-\nven, in Es von Haydn, in C-moll von Niels W. Gade, in A-\nmoll von F. Mendel s söhn-Bart hol dy, von Reissiger, in\n€-dur mit der Fuge von Mozart.\nVon Ouvertüren wurden aufgeführt: Cherubini, Äna-\nkreon; C. M. von Weber, Euryanthe (2 Mal), Oberon; S. Salo-\nman, Das Diamantkreuz; Mendelssohn, Meeresstille und glück-\nliche Fahrt; R. Schumann, Genovefa; F. Präger; Beetho-\nven in C-dur; R.Wagner, Tannhäuser; Beethoven, Fidelio;\nMozart, Zauberflöte; Beethoven, König Stephan; Auber,\nStumme von Portici.\nVon ausgezeichneten Künstlern und Künstlerinnen haben wir\nin diesen Concerten gehört: die Violinisten Bazzini, F. Coenen\nVirginia und Carolina Fer n i; den Violoncellisten Alex.\nBatta; die Pianistinnen Wilhelmine Clauss (Mendelssohn's\nConcert in G-moÜ, Chopin, F. Liszt), Clara Schumann (Beet-\nhoven's Es-c/wr-Concert, Weber, Chopin, R. Schumann); den Oboisten\nG. C. Paggi aus Rom; den Posaunisten Nabich; die Sängerin-\nnen Marie Sedlazeck, Sophie Förster, Henriette Nis-\nsen-Saloman, Helene Sherrington (in zwrei Concerten), die\nSänger Dalle Aste, C. W. vom Rath (Tenor) aus dem Haag,\nGuglielmi, R. Colburn.\n\nAus Coblenz.\nHerr Musik-Director Lenz hat auf den 29. December ein Con-\ncert für die Hinterlassenen des Concertmeisters Hartmann ver-\nanstaltet ein Unternehmen, welches Dank und Nachahmung\nverdient. Die Ankündigung desselben leitet er mit folgenden Wor-\nten (in der Cobicrizer Zeitung) ein: „Vor acht Monaten betrauerte\ndie musicalische Welt den in der Blüthe seiner Künstlerschaft\nplötzlich erfolgten Hingang unseres Landsmannes, des Concertmeisters\nHartmann in Köln. Seiner Witwe, gleichfalls geborenen Coblen-\nzerin, die Mittel zur Erziehung von zehn Kindern zu verschaffen,\ntraten hochherzige Männer seiner zweiten Vaterstadt Köln zusam-\nmen. Es gelang ihnen, durch freiwillige Zeichnungen und die Ein-\nnahmen einiger in verschiedenen Städten veranstalteten Concerte\neinen Fonds zu bilden, dessen Zinsen zwar zum nothdürftigen\nUnterhalte der Familie hinreichen, für die täglich sich steigernden\nBedürfnisse der Erziehung aber in keiner Weise genügen. Die zwei\nältesten der bei des Vaters Tode unversorgt gewesenen Kinder,\nNina und Karl Hartmann*), von dem Kammersänger Herrn\nErnst Koch mit seltener Opferwilligkeit zur Künstler-Laufbahn\nvorbereitet, beabsichtigen nun, in Verbindung mit ihrem genannten\nLehrer, Samstag, den 29. December, im Saale des k. Gymnasiums\ndahier ein Concert zur Unterstützung ihrer Geschwister zu geben.\nUnser Concert-Orchester wird in uneigennützigster Weise das\nUnternehmen unterstützen. Die Gesangkräfte des Musik-Instituts\nhaben ihre Mitwirkung zugesagt.\"\n*) Fräulein Nina Hartmann hat in den letztvergangenen Wo-\nchen in Elberfeld und in Düsseldorf die Sopran-Par-\ntieen in Händel's Samson und in Schumann's Pilgerfahrt der\nRose mit grossem Beifalle ausgeführt.\nAnmerk. d. Red."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18551229-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nEin Urlheil L. Rellstab's über R. Wagner. Im vierten Con-\ncerte des Orchester-Vereins wurden der Brautzug, Entreact und\nBrautlied, die drei renommirtesten Nummern aus Richard Wagners\nLohengrin, aufgeführt. Die Einleitung, die auch wieder zum Schlüsse\nder beiden Gesangstücke wird, ist ganz auf die Grundsätze gestützt,\ndie der Componist in der Tannhäuser-Ouverlure befolgt; sie wie-\nderholt jene sogar theilweise in den angewandten Mitteln. Den\nWerth der musicalischen Gedanken darin wollen wir nicht gering-\nschätzen, obwohl er Ansprüche, wie wenigstens ein Theil der\nJournal-Presse sie für den Componisten geltend macht, keineswegs,\nauch nicht im Entferntesten, rechtfertigt. Sie erreichen in ihren\nHöhepunkten, wie wir schon öfter gesagt, C M. v. Weber in sei-\nner Mittelhöhe, sind ihm stark verwandt und seine Nachfolger!\nDie beiden Gesangstücke, Chor und Soli, bewegen sich, obwohl um\nWeniges höher als der Anspruch, der an jeden gebildeten Musicus\nzu machen ist, in anmuthvollen, wohlthuenden Linien; nur gegen\nden Schluss des ersten Chors kann es sich der Componist nicht\nversagen, den nicht erheblichen Gedanken viel zu breit forlzuspin-\nnen, gewisser Maassen auszupressen oder auszuhämmern, wie ein\nGoldkörnchen, dessen mittlerer Werth auch zu einem weiten Schim-\nmer mittels der Ausdehnung geführt werden kann. Die Wirkung\nist daher hier keine auf wirklich künstlerische Macht gestützte\nmehr, die in das Innere dränge, sondern nur eine auf den äusse-\nren Glanz, durch musicalische Farbenpracht und Vergoldung be-\ngründete; und selbst diese würde, in einem beschränkteren Maasse\ngehalten, grösser sein. Was jedoch volle, unbedingte Anerken-\nnung verdient, ist das durchgehende Streben in dem Componisten,\ndas Gemeine, Triviale fern von sich zu halten und nach dem Edel-\nsten zu ringen. Allein über das Ziel hinaus tritt gleichfalls ein,\nwenn auch unwillkürliches, Rückwärts ein.\nWien. Der Kunst- und Musicalienhändler F. Glö g g 1 hat\nfolgendes Schreiben erhalten:\n„Um die Feier des hundertjährigen Geburlstages Mozart's in\neiner dem Andenken des grossen Meisters würdigen Weise zu be-\ngehen und der in den gebildeten Kreisen der Residenz sich hiefür\nkund gebenden Pietät den entsprechenden Ausdruck zu geben, hat\nder Gemeinde rath der Stadt Wien am heutigen Tage den\nBeschluss gefasst, nicht nur den monumentalen, sondern auch den\nmusicalischen Theil der Feier als Festgeber in die Hand zu neh-\nmen und zu diesem Behufe aus den musicalischen Körperschaften\nund einzelnen Kunst-Notabilitäten Wiens ein Comite zusammen\nzu setzen, welches die zur Ausführung des Festes erforderlichen\nEinleitungen zu treffen hat. Zugleich gereicht es mir zum Vergnü-\ngen, E. W. die Anerkennung des Gemeinderathes dafür auszuspre-\nchen, dass Sie die Säcularfeier zu Mozart's Geburtstag zuerst ange-\nregt und sich bereit erklärt haben, den Anordnungen des Gemein-\nderathes zur Durchführung dieser Feier sich anzuschliessen. Wien,\n15. December 1855. Der Bürgermeister, Dr. Ritter v. SeilleiV4\nDas Fcst-Comite besteht aus den Delegirten der hiesigen musi-\ncalischen Körperschaften und des Gemeinderathes; von den erste-\nren sind vertreten: die „Gesellschaft der Musikfreunde\" durch de-\nren Präses, Herrn Hofrath Riedl von Rieden au, Dr. Liszt,\nHof-Capellmeisler Preyer und den artistischen Direclor, Herrn\nJoseph Hcllmcsberger; die k. k. Hof-Capelle durch die\nHerren Hof-Capellmeister Assmayr und Randhartinger; das\nHof-Opern-Theater durch die Herren Capellmeister Eckert und\nOrchester-Director Hellmesberger sen.; der Männergesang-Ver-\nein durch den Vorstand Herrn Dr. Egg er und den Chormeister\nHerrn Stegmeyer. Herr Glöggl hefindet sich gleichfalls im\nFest-Comife.\nIn den bisherigen Sitzungen soll folgendes Concert-Programm,\nselbstverständlich bloss Mozart'sche Compositionen enthaltend, auf-\ngestellt worden sein: 1) Ouvertüre zur Zauberflöte; 2) Chor 0 Iris\nund Osiris, Solo gesungen von Herrn Staudigl; 3) Pianoforte-\nConcert, gespielt von Dr. Franz Liszt; 4) Dies irae aus dem Re-\nquiem. 11. Abtheilung: 1) Sinfonie in G-moll; 2) Concert-Arie für\nSopran mit Violon-Solo; 3) Finale aus Don Juan, aufgeführt von\n400 Sängern und 3 Orchestern. Dr. Franz Liszt wurde von Seite\ndes Gemeinderathes zur Leitung eingeladen.\nWährend der sieben Ausstellungs-Monate von 1855 haben die\nEinnahmen der Theater, Concerte, Bälle u. s. w. in Paris ein\nMehr von 4,064,392 Frcs. 73 Cent, gegen dieselben Monate des\nvorigen Jahres aufgebracht. Die betreffenden Ziffern können zu-\ngleich als Barometer des Fremden-Besuches dienen. Es kamen ein:\nim Mai ein Mehr von . . 171,962 Frcs. 78 Cent.\n„ Juni „ „ „ . . 377,085 „ 96 „\n„ Juli „ „ „ . . 636.795 „ 76 „\n~ August „ „ „ . . 898,339 „ 56 „\n„ September „ „ „ . . 839,414 „ 45 „\n„ October „ „ „ . . 741,236 „ 47 „\n„ November „ „ „ . . 399,557 „ 75 „\nDeutsclie Tonhalle.\nDie um den im August v. J. für eine Sinfonie ausgesetzten\nPreis in der festgesetzten Zeit eingekommenen 39 Bewerbungen\nsind durch die als Preisrichter erwählten Herren Dr. L. Spohr,\nV. Lachner und F. Hiller beurlhcilt worden.\nDas Ergebniss dieser Beurtheilung ist folgendes:\nDen Preis erhielt zuerkannt das Werk des Herrn H. Neu-\nmann in Heilgenstadt; besonders belobt sind die Werke der Her-\nren: F. W. Markuli in Danzig, Richard Wurst in Berlin, K. J.\nBischbff in Frankfurt am Main, Wilh. Hansen in Hannover, Emil\nBüchner in Leipzig, Anonym in Wien und Ernst Pauer in Lon-\ndon; belobt wurden die Werke der Herren Johann Herbeck und\nPius Richter in Wien, des Herrn Eduard Kunz in Worms und\nder Herren Karl Aug. Zwicker und Friedr. Lux in Mainz.\nWegen Rücksendung der sämmtlichen Bewerbungen sind die\nVereins-Satzungen maassgebend.\nMannheim, den 10. December 1855.\nDer Vorstand."}]}