{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-01-19-01", "volume": "bmtnabi_1856-01-19_01", "ocr_sha256": "855dad1c07efa8bf99b74bc8582f0a52364221e3189b48faf440f0a311c89654", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/01/19_01/bmtnabi_1856-01-19_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-01-19-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-01-19_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-01-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "17", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 387, "texte": "Inhalt.\nNeue Compositionen von F. Liszt, aufgeführt in Berlin am 6. December 1855. Von C. H. Johann Andreas Anschüz\n(Nekrolog) Von F - Aufruf der Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main. Sechstes Gesellschafts-Concert in Köln. - Tages- und\nIJnterh altungsblatt (Köln, Jacques Dupuis, Violinist - Bonn, Haydn's Jahreszeiten, Albert Dietrich - Barmen, Drittes Abonne-\nments-Concert Paris). ——"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-01-19-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-01-19_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-01-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "21", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.2.2", "titre_corps": "Neue Compositionen von Franz Liszt, aufgeführt am 6. 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Wir\nsind dadurch von vorn herein mit hoch-romantischer Poesie\numstrickt; dürfen wir also wohl noch fragen, was die Mu-\nsik in rein musicalischer Beziehung enthalte? In so fern\ndürfen wir es nicht, als sie nur musicalische Illustration\nder Poesie ist; aber gewiss in so fern, als sie in einem Con-\ncerte vorgeführt- und von siebcnzig Musikern executirt wird.\nAlso diese symphonische Dichtung ist eine Instrumental-\nComposition von vier Sätzen mit einer Introduction, die\naber wie die ganze Länge eines Aals, wenn auch nicnt so\ngelinde, in Einem fort durchrutscht. Gleich zu Anfange,\nnach zweimaligem Anpochen des Geigenchors, tritt das\nMotiv ein, welches durch alle Sätze hindurch geht wie das\ngriechische Fatum oder wie die böse Zeit; denn es „soll\nO\nden Menschen als das auf Erden unlösbare Problem uns\nvor die Seele führen\". Besagtes Motiv ist zwar gräuhch\ngenug, doch ist die Welt weit und hat für sonderbare\nMenschen, so wie für sonderbare Probleme Raum die Fülle.\nDuldung bis aufs Aeusserste sei also auch dieser Crealur\nzugesagt. Befasst das Motiv ein „unlösbares Problem\", so\nwird ein recht aufgeklärtes, besonders ein philosophisch\ndurchgestampftes berliner Publicum sich leicht sagen kön-\nnen, dass das Motiv ebenfalls „unlösbar\" sein muss. Daher\nwird Niemand hier thematische Arbeit erwarten ; denn ver-\nschiedene Zwecke bedingen verschiedene Mittel. Haydn, Mo-\nzart, Beethoven lös'ten die Probleme und gestalteten\ndie Motive; das Unlösbare hingegen ist un gestaltbar. Liszt\nbraucht also nicht zu gestalten, sondern dieselbe Hgur mit\nder eisernen Maske nur verschieden anzustreichen. So\nist seine Aufgabe schon durch den ersten Ansatz, von dem\nPoetisiren ganz abgesehen, eine wesentlich andere, als\nbei den genannten Meistern; wer zweifelt also noch, dass\ndie Musik dem zufolge ebenfalls ein ganz anderes Gepräge\ntragen müsse?\nHoffentlich sind wir hiermit auf dem besten Wege,\ngegen den Componisten gerecht zu sein; denn wir erken-\nnen seine tiefgehende Abweichung vom Hergebrachten so\ngut, wie er selber, und wollen es hier ausdrücklich bezeu-\nO '\ngen. Doch näher zum Inhalte. „Lamartine\" wir lassen\nwieder das Programm des Concert-Vereins reden— „er-\nkennt das erste Zeichen des erwachenden Geistes im Men-\nschen, nachdem das Geschalt der körperlichen Entwicklung\nabgemacht ist, in dem Sehnen nach dem Idealen, das sich\nbei dem Mangel an innerem Stoffe gewöhnlich auf andere\nMenschen überträgt und Liebe wird. Eine solche Liebe\nträgt die Enttäuschung schon im Keime.\" Es muss aller-\ndings eine saubere Liebe sein, und eine schöne Idee war\nes, diese Liebe eines angehenden pariser Wüstlings in Tö-\nnen zu erzählen. Unser unlösbares Menschen-Exemplar ge-\nräth über die Enttäuschung, welche er schon mit der Liebe\nzu gleicher Zeit in sich trägt, in „ Verzweiflung\", und die\nVerzweiflung schwört den „Sturm\" herauf. Der Sturm\naber „führt ihn auf das Feld des Krieges, um in blinder\nLeidenschaft aus der Nichtachtung aller Menschlichkeit sich\nden Lorber zu holen.\" Den Lorber der Verweillung?\ndenn der Lorber des Sieges kann es nicht sein, da alle\nrechtschaffenen Romane einstimmig bezeugen, dass derglei-\nchen unlösbare Menschen, wenn sie einmal unter die Sol-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5122, "texte": "daten gehen, ohne Ausnahme als Kanonenfutter verspeis't\nwerden. Schauderhaft freilich, aber wahr. Doch welchen\nrührenden Beweis edelster Menschenliebe geben sowohl\nDichter als Componist, dass sie dieses Subject nicht er-\nschossen werden und sterben lassen! Besonders dem Com-\nponisten müssen es alle Freunde der Humanität Dank wis-\nsen, weil er dadurch eine musicalisch sehr vortheilhafte Partie,\ndas Erschiessen und das Sterben, aufzuopfern edeldenkend\ngenug war. Gewiss ist das eine Aufopferung; denn oben\nlasen wir, „die erste ernste und feierliche Note\" stimme\nder Tod an. Wie soll nun der Componist, wenn sein Mensch\nleben bleibt, ernste und feierliche Noten anschlagen? Es\nist rein uninögltch. S o inuss man die Musik ansehen, um\nzu ihrem Verständnisse zu gelangen; dann erscheint das\nTriviale, Gemeine, Wüste und Eisenfresserige, welches ihre\nMaupt-Bestandtheile ausmacht, nicht mehr als zufälliges\nBeiwerk, sondern als innere Charakter-Wahrheit.\nAuf welche Art „der Mensch\" wieder von den Solda-\nten abkommt, ist uns nicht ganz klar geworden. Bekannt-\nlich ist das keine leichte Sache, besonders im Kriege. Ge-\nwisse flatternde Seiten-Bewegungen des unlösbaren Men-\nschen-Motivs erregen die Vermuthung, er habe sich im\nGewühl seitwärts abgedrückt. Diese Vermuthung wird zur\nGewissheit erhoben durch folgenden Umstand. Der Mensch\nbefindet sich auf dem Lande, in gartenhafter Umgebung,\num über seine Lage nachzudenken wie ist er dahin ge-\nkommen? Er hat einen Lorber wie hat er den Lorber\nerhalten? Auf beide Fragen eine Antwort: er nahm Reiss-\naus, geneth in einen stillen, schönen Garten und pflückte\nsich hier den Lorber. Es hat seine Schwierigkeit, diese\nUmstände alle durch Musik genau zu referiren und, würde\nes auch geschehen, sie gleich beim ersten Male ganz klar\naufzufassen. Von einer wiederholten Aufführung hoffen wir\nauch über diesen Punkt Belehrung und, wie wir gar nicht\nzweifeln, Bestätigung unserer Ansicht zu empfangen. Lei-\nder ist wenig Aussicht, dass diese zu Stande komme, da\ndis undankbare Publicum das Werk mit so tadelnswerther\nGl eichgülligkeil an sich hat vorübergehen lassen.\nAul dem Lande verliert sich der Mensch bei Lamar-\ntine „in ein Sandmeer von Kleinigkeiten\", was verächtlich\nist und womit alles Interesse aufhört, welches uns der Bur-\nsche etwa noch einflössen könnte. Durch einen wahrhaft\ngenialen Zug wusste Liszt ihn dieser Lage zu entziehen;\nzwar lässt er ihn ebenfalls der „Meditation\" nachhangen,\naber nicht der Philosophie des Sandkorns, wie bei Lamar-\ntine, sondern der Philosophie der Zukunft; und mitten\nin der Meditation „hier auf dem Lande fühlt er gleich\neinem Achilles (?) die Last der leichten Frauengewänder\nunerträglich schwer und greift zu Helm und Schwert!\"\nVortrefflich! Und gegen wen lührt er Krieg? Gegen die\nFliegen, das ist klar und leidet keinen Zweifel; schon die\nFigur des Streich-Quartetts deutet auf Fliegenkrieg. Aber\nwie in aller Welt kommt er zu den „leichten Frauenge-\nwändern\"? Offen gesagt : das wissen wir nicht. Sollte er\nhier auf dem Lande etwa seine alte Liebe gefunden haben\noder in alter Leidenschaft einer neuen nachgegangen sein?\nMöglich, vielleicht auch wahrscheinlich, vielleicht sogar mu-\nsicalisch gewiss. Die folgende Aufführung wird es lehren;\nwäre sie durch das undankbare Publicum nur nicht unmög-\nlich gemacht! Denn unläugbar ist es ja, dass der Poesie\ngegenüber „ein der Musik eigenthümlicher Vorzug die\nklare Evidenz ist, mit der die Harmonie des Vorwurfs in\nseiner Entwicklung der Folge nach hervortritt\", die klare\nEvidenz mit der die_ Harmonie des Vor-\nwurfs in seiner Entwicklung der Folge\nnach her-vor-tritt. Wer es noch nicht versteht,\nden erlauben wir uns als einen beschränkten Kopf zu\nsignalisiren.\nUnd dies war das erste Stück.\n-. Ave Maria, gratia pleno, Die Toleranz einer\nprotestantischen Stadt hat diese Composition ungestört an\nsich vorübergehen lassen; katholische Hörer dürften nicht\ndenselben Gleichmut!) haben. Lobt Berlin das\nso erinnert es sich ohne Zweifel des Friedens-Artikels von\n1648, nach welchem jede Confession angewiesen wird,\nvor ihrer eigenen Thür zu fegen, und macht die Anwen-\ndung davon auf katholische Musik nicht ohne eine gewisse\nSchadenfreude. Denn unläugbar dürfte es Liszt gelungen\nsein, den Segen einer sinnvollen kirchlichen Composition,\nnämlich das heimliche Mitsingen der Hörer, d. h. der Be-\nter, unmöglich zu machen. Der Ausdruck „für gemischten\nChor mit Orgelbegleitung\" ist nicht genau; es müsste heis-\nsen: „ für gemischte Stimmen mit zwischengemischten Or-\ngeltönen\", weil das Wesen eines „Chors\" im Vollklang\nbesteht, hier aber die Stimmen einen solchen nur suchen\nund kaum auf Augenblicke erhaschen, um ihn gleich wie-\nder zu verlieren. Es geht wie auf dem Jahrmärkte: ein\nlangsames Fortrücken, aber so, dass Einer beständig den\nAnderen stösst* dem Anderen im Wege steht, die zufällig\nleeren Stellen ausgenommen (bei Liszt die „leeren\" Quin-\nten), oder wo eine besondere Rarität die Menge zum Still-\nstehen zwingt (bei Liszt dalür die Accordfolgen tiefmittel-\nalterlicher Musik); die letzte Bude und der letzte Accord\npassen auch zusammen, eben so die Gefühle, mit welche«"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5136, "texte": "man Beide hinter sich lässt. Unser Vergleich wird also wohl\nmehr als Vergleich sein. Wie, wenn Liszt sich vorgenom-\nmen hätte, etwas der Art hier zu schildern? Schade, dass\ndem Programmschreiber diese Idee entgangen ist, er würde\nsich mit gewohntem Tiefsinne darüber verbreitet haben!\nHatte er hier ganz vergessen, dass Liszt „ stets Ziele scharf\nins Auge fasst\"? nicht etwa „Ziele stets scharf ins Auge\nfasst\", sondern „stets Ziele scharf ins Auge fasst\"? Wir\nbeabsichtigen bloss, seiner Phantasie die Flügel zu lüften,\nwenn wir ihm mittheilen: Liszt wollte nun zwar keinen\nJahrmarktszug, denn das hiesse Lumbye ins Handwerk\npfuschen,, wohl aber wollte er einen Zug wallfahrender\nMenschen musicalisch beschreiben, jedoch einen etwas dispe-\nraten, sehr ungeordneten und nicht recht andächtigen Zug;\ndaher die ganze Haltung der Composition, daher schnei-\ndende Härten, als Sinnbilder derer, die unterwegs mit ein-\nander anschneiden, daher das endliche Zwischentreten eines\ngotteslürchtigen Accords, am liebsten in leerer Quinte ohne\ndie aufregende Terz, als die Stimme des Priesters, die\nschlichtet, besänftigt und auf den frommen Zweck hinweis't;\ndaher die verpiependen Solo-Orgeltöne als künstlerische\nNachahmung derer, denen auf dem Wege die Luft knapp\nwird oder am Ende wohl ganz ausgeht; daher der recht-\nschaffene Lärm bei den Schlussworten: Ora pro nobis pec-\ncatoribus etc., weil es durchaus naturgetreu ist, dass ein\nsolch Gesindel auf den Sinn des Ganzen nicht achtet und\nsich nicht scheut, selbst vor der Himmelsthür einen Flöllen-\nSpectakel zu machen.\nDas ist die tiefe Conception, die der Meister in einer\ngenial-mystischen Stunde empfangen. Sollte so etwas aus-\nser dem Bereiche der Musik liegen? Wer das meint, dem\nantworten wir mit redenden Thatsachen; er höre sehend\nund bewundere. Liszt fand für gut, sich gegen seine berli-\nner Freunde nicht ganz auszusprechen, vielleicht weil er\nmuthmaasste, dass sie sich gegen ihn auch nicht ganz, we-\nnigstens anders aussprechen würden, als hier und da in\nunbewachten Proben und bei sonstigen passenden Gelegen-\nheiten. Desswegen ist der in prangender Wortlülle einher-\nschreitende Programmschreiber bei dem wo er\nkeinen Einblick in das Liszt-Mysterium thun konnte, so ein-\nfältig-wortkarg. Oder was war die Ursache, lieber Mann?\nDas Ave Maria ist schon vor einiger Zeit bei Breit-\nkopf & Härtel in Druck erschienen.\n3. In dem Cla v ier-Concerte mit Orchester-\nBegleitung trug Herr v. Bülow den Ciavierpart vor.\nDer Beifall, welcher ihm gespendet wurde, dürfte ihn lür\nManches schadlos halten. Den Ausdruck „Orchester-Be-\ngleitung \", so gebräuchlich er ist, fanden wir hier doch nicht\nrecht passend; denn von „Begleitung\" konnten wir über-\nall nur geringeSpuren entdecken. Jedes Instrument erfreut\nsich einer schönen Selbstständigkeit, keines will dienen, sie\nalle drängen sich zu Numero Eins hervor; das „individua-\nlisirte Instrument inmitten des Orchesters\" (womit das\nPianoforte gemeint ist) hat daher seine liebe Noth, um ehr-\nlich durchzukommen. Eine specificirte poetisch-psycholo-\ngisch-philosophische Entwicklung hat der Programmschrei-\nber nicht darin gefunden; vor der Hand sind wir nicht\nkluger, als er; daher möge das Concert bis auf weitere\nEntdeckung ein Musikstück von vier Sätzen heissen. Uebri-\ngens liefert das Ganze, besonders das Scherzo, einen voll-\nkräftigen, herrlichen Beweis, wie man ohne eigene musica-\nlische Gedanken doch ein Etwas zu produciren vermag,\ndas beinahe wie Musik klingt.\n4. öeber das vierte Stück könnten wir noch kürzer\nhinweggehen, da schon bei Nr. 1 von einigen Wesenhei-\nten der neuen „symphonischen\" Dicht-Art die Rede war.\nAllein die Preludes sind auch in dieser Hinsicht nur Pre-\nludes; hier bei Torquato Tasso wird das alles viel\ndeutlicher.\n„ Die Veranlassung zu der Composition gab das Göthe-\nFest in Weimar, -zu dem Liszt gebeten wurde, eine Ouver-\ntüre zum Göthe'schen Torquato Tasso zu schreiben,\" —lau-\ntet das classische Deutsch des Programms mit dem vier-\nmaligen „zu\"! Unwillkürlich stimmt der Verfasser (eige-\nner Unterschrift zufolge heisst der Mann Albert Hahn)\nhier, wo von Göthe die Rede sein muss, einen gehobene-\nren Ton an, der ihn so schön kleidet und seine Worte in\neinem noch viel helleren Glänze erstrahlen lässt. Liszt\nschrieb indess eine „symphonische Dichtung\", also keine\nOuvertüre, auch keine Sinfonie, auch keine Dichtung allein,\naber eine „symphonische Dichtung\". Indem er aufgab, was\njede musicalische Sinfonie und poetische Dichtung als „Son-\nderkunst\" (nach Herrn Wagner's Ausdruck) besitzt, und\nworan der Welt doch nichts mehr gelegen ist, gewann er\ndas Mittel, das Gemeinsame Beider zu einer wahrhaft neuen\nund ganz originellen Gestalt auszubilden. So entstand das\nKunstwerk der symphonischen Dichtung. Der Componist\nmuss uns nicht verargen, wenn wir auch hier wieder am\nNamen mäkeln; denn wir sind Liebhaber von handfesten\nBegriffen. Könnte er sich nicht entschliessen, seine beiden\nKunstwerke „homophonische Dichtungen\" zu benen-\nnen? Dieser Ausdruck würde den zwiefachen Vortheil ha-\nben, dass er der Sache entsprechend und ganz neu wäre.\nDie Beurtheiler wären sodann gezwungen, auf einen total"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5201, "texte": "veränderten Standpunkt zu treten, während sie, lässt man\ndas „symphonisch\" auch nur noch auf dem Titel bestehen,\nnicht müde werden, ihre alten Einbildungen zu Markte zu\nbringen, als da sind: die Form der Sinfonie wäre ohne Ver-\nlust ihres Charakters keiner Erweiterung mehr fähig, ein\nneues musicalisches Kunstwerk müsse erstens, zweitens\nund drittens neue musicalische Gedanken, sodann viertens,\nfünftens und sechstens Gestaltung, in der Mannigfaltigkeit\nder Formen Einheit der Form, im Ganzen aber „Sympho-\nnie\" haben, und wie dergleichen thörichte Behauptungen\nweiter lauten mögen. Gegen absichtliche Homophonie mit\nzufälligen oder ebenfalls absichtlichen symphonischen Zwi-\nschenklängen dürfte indess Niemand etwas einzuwenden\nhaben, vielleicht Niemand etwas Gegründetes einwenden\nkönnen. Nur müssten die neuen Kunst-Theoretiker so ge-\nfällig sein, recht bald den Nachweis zu liefern, dass die\nvorgesetzten dichterischen Zwecke eben nur die gegebene\nund keine andere musicalische Decoration zuliessen. Ist sol-\nches geschehen, dann steht die neue Kunstart in ihrer gan-\nzen Originalität und Genialität unerschütterlich fest. Mögen\nimmerhin die Gegner sagen, solche Musik wäre in allen\nZeiten, die als Perioden des Ueberganges oder des Verfalles\nzwischen den classischen liegen, in Hülle und Fülle hervor-\ngebracht; mögen sie Liszt zu bedenken geben, dass das\nnoch kein Fortschreiten genannt werden könne, wenn er,\nin den Banden einer herkömmlichen Form befangen, weiter\nnichts vermöge, als bald rechts, bald links auszubiegen\nund dabei hier Berlioz, dort Wagner, dort Meyerbeer, dort\nMendelssohn u. s. w. auf die Füsse zu treten; ja, mögen\nsie sogar bemerken, dass die beiden symphonischen Dich-\ntungen und das Clavier-Concert musicalisch wie ein Ei dem\nanderen ähnlich wären, dem zufolge nur musicalische Ma-\nnier, nicht musicalischen Charakter hätten das ist Vor-\nurtheil, neidisches Gewäsch und war, wie Hoplit sagt, vor-\nauszusehen. So viel zur Begründung der neuen homopho-\nnischen Kunstgattung. Was wir hier geben, ist nur ein\nStein zu dem Gebäude, welches bald eine kundigere Hand\naufführen möge.\nEine musicalische Figur zu erfinden, welche den Tasso\nabmalt, war keine Kleinigkeit, wenigstens viel schwerer,\nals das Motiv der Preludesüber einen nicht weifer benann-\nten „Menschen\"; die Aufgabe war um so grösser, je wei-\ncher und zerflossener Tasso seinem Charakter nach zu sein\nscheint. Um so mehr ist der kühne Griff zu bewundern,\nwelchen Liszt hier that. In Florenz selber war freilich\nnichts Authentisches mehr aufzutreiben, auch in der näch-\nsten Umgegend nicht. Aber in Venedig (zwar etwas ent-\nfernt, doch immer noch in Italien) sollen die Gondeliere\nnach verschiedenen Reiseberichten unter Anderem auch\neinige Zeilen Yon Tasso gesangartig recitiren; unbeschreib-\nlich schön sagt Herr Alb. Hahn, es trage „die Adria die\nlangsamen Gesänge der Gondeliere noch in die Ferne\".\nDass auch Göthe dieser SchifFerweise Erwähnung thut,\nmusste den Ausschlag geben; denn nun ist man in die\nLage versetzt, bei dem Motiv nicht bloss an den Dichter\nTasso in Florenz und an Venedigs Wasserstrassen, son-\ndern auch an Göthe's italische Reisebriefe, an die Gefühle\ndes einen Dichters bei den Gesängen des anderen und noch\nan verschiedene andere Sachen denken zu können. Bei die-\nsem Reichlhume und weiten Spielräume wird man es leicht\nverschmerzen, dass besagtes Motiv in musicalischer\nHinsicht gänzlich leer und inhaltlos ist; ja, wir wagen so-\ngar zu behaupten, es musste musicalisch ein reines Nichts\nsein, um poetisch alles Mögliche werden zu können.\nDas Motiv „erhebt sich\" zu ganzer Fülle und „hebt\nuns damit an die Seite des Dichters\", natürlich vermittels\neines Wunders, wie solches nur der Musik möglich ist (s.\nWagner, Oper und Drama, Bd. 3). Ein zweites Motiv,\nworaus „der zweite Satz ein Menuett-Rhythmus\" wird,\n„zeigt uns den Liebling im Holleben\". Diesen zweitenSatz,\naufrichtig gesagt, vermögen wir nicht zu rechtfertigen. Ein-\nmal können wir „den Liebling\" nicht darin erblicken und\ndann auch das „Hofleben\" nicht. So viel uns bekannt,\nsteht nirgends geschrieben, dass es in Florenz immer a la\nPolka und Menuett gegangen; oder halte Liszt vielleicht\nbessere Nachrichten? Bis er diese bekannt macht, halten\nwir den Menuett-Satz für unhistorisch, auch lür nicht hof-\nfähig und noch dazu für einen Eingriff in die wohlerwor-\nbenen Rechte Gungl's und Anderer.\nBeides, nämlich Hofleben und Dichterthum, „streitet\nsich um die Herrschaft und führt hiedurch zur Katastrophe,\nda es sich unlösbar gegenübersteht\". Man denke sich die-\nses mit Hülfe der beiden Motive klingend und tönend\n(„musicalisch\" wagen wir nicht zu sagen) durchgeführt!\nMan denke sich Töne, die streiten und streiten und strei-\nten, bis sie sich endlich „unlösbar\" gegenüber stehen! Man\ndenke es sich, und doch wird man beim Hören Dinge ge-\nwahr werden, die alles Denken übersteigen. Das Wesen-\nhafte neuer Schöpfungen ist eben das Undenkbare, das\nwird sich auch bei diesem Kunstwerke bewähren. Die Tasso-\nDichtung wird auch dadurch bedeutsam werden, dass sie\nder „alten Musiklehre\" mit ihren „Dissonanzen und Auf-\nlösungen\" den Todesstoss geben, dafür aber eine neue\n„aus Geist\" geborene „Musik-Wissenschaft\" erzeugen wird."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5154, "texte": "Auf die unlösbare Krisis folgt Bruch, und »des Star-\nken Haupt umstrahlt hinterher ein neuer Glanz\". Tasso\nsingt, „der blaue Himmel, die unerschöpfliche Kraft des\nitalischen Geistes reichen sich zu seiner Belohnung die\nHand\"; das Schiffer-Motiv „führt uns jetzt zu dem Trium-\nphe, dem Lohne der eigenen Göttlichkeit unseres [?] In-\nnern\". Dieser Kernworte des Herrn A. Hahn bedienen wir\nuns um so lieber, da unsere eigene Sprache nicht zureicht,\nden Schluss dieser homophonischen Dichtung zu schildern.\nIndem der Programmschreiber sich so ausdrückte: „dem\nLohne der eigenen Göttlichkeit unseres Innern\", liess er\nauf eine wahrhaft überraschend feine W'eise mit einfliessen,\ndass nicht bloss ein grosser italischer Dichter, sondern auch\nein kleiner berliner musicalischer Schulmeister von dem\n„Inneren\" seiner eigenen Göttlichkeit belohnt werden könne.\nEine Feinheit, die wir ihm nicht zugetraut hätten.\n5. Der 13. Psal m für Solo, Chor und Orchester.\n1) Herr, wie lange willst Du meiner so gar vergessen u. s.\nw. 2) Schaue doch und erhöre mich u. s. w. 3) Ich\nhoffe darauf, dass Du so gnädig bist u. s. w. 4) Ich will\ndem Herrn singen, dass Er so wohl an mir gethan. In\ndiese vier Theile zerfällt der Text, womit wir aber nicht\ngesagt haben, dass bei der Musik dasselbe der Fall ist.\n„Chor-Cornpositionen setzen nicht bloss menschliche\nStimmen voraus, sondern auch Menschen, denen diese Stim-\nmen angehören\". Albert Hahn. Der „Bedeutendste\" fängt\nan; „der Chor wird sich dadurch seiner selbst erst bewusst\nund stimmt ein. Jener (der Bedeutendste), einmal an der\nSpitze der psychischen Action, wird das Organ, welches\njetzt nach dem ewigen Gesetze der „„Bewegung\"\" uns\ndem inneren Leben der Menge, das Stück „„Volkes\nfolgen lässt.\" Albert Hahn. Die eigentlich metaphysische\nErklärung ist damit vollkommen abgemacht. Wer es nicht\nversteht, der sei so gut und erwerbe sich erst die nöthigen\nVorkenntnisse. Von dem Programm des Herrn Albert Hahn\nist jedes Wort Gold.\nSollten wir uns über den Psalm eine eigene Ansicht\nerlauben dürfen, so würden wir bemerken, dass Liszt mit\ndemselben vielleicht nichts weiter beabsichtigt haben könnte,\nals einen Spott auf das protestantische Berlin und auf pro-\ntestantische Kirchenmusik überhaupt. Unsere Beweise sind:\nerstens der an Entrüstung gränzende Widerwille, mit\nwelchem das Auditorium denselben aufnahm; zweitens\ndie ganz unsingbareStimmführung; drittens die trivialen\nMelodieen; viertens der textwidrige Ausdruck; fünf-\ntens das durchgehende musicalische Geheul; sechstens\ndie wunderseltsamen Fugen. Liszt wird das alles absieht-\nlieh so schlecht gemacht haben, da wir nur zu gut wissen,\ndass er es hätte viel besser machen können; und für die\nAbsicht finden wir keinen anderen Grund, als den eben an-\ngegebenen; denn man muss nicht vergessen, dass Liszt's\nWesen „treibende Bewegung im grandiosen Maassstabe ist,\ndie stets Ziele scharf ins Auge fasst\". Und zu diesem\nSpotte wird der Mann wohl seine hinreichenden Motive ge-\nhabt haben; wer diese nicht kennt, erlaube sich wenigstens\nkein vorschnelles Urtheil darüber.\nAber wie wäre es, wenn der Componist nicht bloss\nmit diesem deutschen Psalme, sondern mit allen fünf\nStücken die geheime Absicht verbände, die Hörer, beson-\nders die „kritischen\", aufzuziehen? Sollte dieses wirklich\nder Fall sein, so wird er mit Genugthuung an Berlin zu-\nrückdenken ; denn sein Zweck ist hier vollständig gelungen,\nman hat sie mit dem gründlichsten Ernste hingenommen.\nSchliesslich können wir uns das Vergnügen nicht ver-\nsagen, auf des Herrn Weitzmanns vorzüglichen, genauen\nund bis ins Kleinste der Wahrheit getreuen Bericht in Nr.\n25 der leipziger Neuen Zeitschrift für Musik dringend hin-\nzuweisen. Leider gestattet der Raum nicht, einige herrliche\nSätze daraus mitzutheilen*).\n*) Vielleicht geschieht es nächstens, etwa in einer erneuten\nStoppellese\" zur Charakteristik heutiger Kritik. Dazu liefert\nauch E. Kossak im Feuilleton der Kölnischen Zeitung Nr.\n15 ganz artige Beiträge. Nachdem er erst höchst geistreich\nüber Brod und Fleisch, zu viel und zu wenig Luxus, Armen-\nsuppe und Wasserleitungen geplaudert hat, kommt er auf\nLiszt, dem „selbst im reifen Alter das Kometenartige geblie-\nben\". „Diesen meteorischen Charakter tragen auch seine\nCompositionen. Sie sind reich an sich noch gestalten-\nden Elementen, an inneren (?) Revolutionen, an Op-\nposition gegen das Bestehende, aber überall erfüllt von jenem\nfesselnden Zauber, den die Werke genialer Persönlichkeiten\nausströmen\" u. s. w. „Es ist noch nicht zu ermessen, nach\nwelcher Seite hin (?) und zu welchem Grade der Klarheit\ner sich durcharbeiten wird; gewiss aber mag sein, dass\ner eine Ausnahme von der Regel der menschlichen\nEntwicklung macht. Seine Virtuositäts-Epoche glich\neinem narkotisirten Schlafe der Seele [dafür wird\nsich Liszt schönstens bedanken; auch wir sind, wenn sich\nüberhaupt ein Sinn aus diesen Worten entwirren lässt, ganz\nentgegengesetzter Meinung!] erst die Alltäglichkeit\neiner regelmässigen Beschäftigung hat seinen\nproduetiven Theil in ihm wach gerufen. (!!) [ln was für Dre-\nhungen geräth doch einer, der loben will und nicht recht\nweiss, wie er es anfangen soll!] An in. d. Red.\n\nC. H."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-01-19-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-01-19_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-01-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "23", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.2.3", "titre_corps": "Johann Andreas Anschüz.", "titre_sommaire": "Johann Andreas Anschüz.", "signature_source": "F", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4958, "texte": "Johann Andreas Anschüz.\n(Nekrolog.)\n\nDie Tonkunst hat wieder einen ihrer würdigsten Ve-\nteranen verloren. J. A. Anschüz, k. Staats-Procurator\na. D., zu Coblenz am 19. März 1772 geboren, starb da-\nselbst am 26. December 1855, also in einem Alter von\nbeinahe 84 Jahren. Derselbe zeigte schon in seiner frühe-\nsten Kindheit grosse Anlagen zur Musik und vorzüglich\nzum Ciavierspiel, so dass er schon in seinem achten Jahre\ngrosses Aufsehen dadurch erregte und ihm die Ehre zu\nTheil wurde, am Hofe des Kurfürsten zu Mainz in einem\nConcerte mehrere schwierige Compositionen mit grossem\nBeifalle vorzutragen. So sehr es auch sein Wunsch war,\nsich ganz der Musik zu widmen, gab dies jedoch sein Vater\nnicht zu, sondern bestimmte ihn zum Studium der Rechte,\nwodurch eres denn auch stufenweise bis zu der oben erwähn-\nten Staatsstelle brachte. Anschüz liess dabei jedoch nicht\nab, seinem inneren Triebe, sich in der Musik mehr und\nmehr zu vervollkommnen, zu folgen, und erreichte dadurch\neine so grosse Geschicklichkeit, wie man sie gewiss nur\nhöchst selten bei Dilettanten findet, und wie sie manchem\nKünstler von Fach zur Ehre gereicht haben würde.\nWir haben hier in einer Reihe von Jahren den Ver-\nstorbenen öfter die sämmtlichen Concerte, Rondos und das\nSeptett von Hummel, so wie mehrere Concerle von Beet-\nhoven und Anderen mit einer Meisterschaft vortragen hö-\nren, die nicht bloss seine technische Fertigkeit, sondern auch\ndie geistige Auffassung aller dieser Tonwerke bewundern\nliess. Eben so werden uns die öfter kunstvoll vorgetrage-\nnen freien Phantasieen stets im Gedächtnisse bleiben.\nAber nicht allein als Clavierspieler, sondern auch als\nComponist erlangte sich unser Anschüz einen Ruf, und\nfolgende von ihm durch den Druck veröffentlichte Compo-\nsitionen, die nicht bloss hier, sondern theilweise auch in\nanderen Gegenden Deutschlands zur Aufführung gekommen\nsind und noch kommen, geben Zeugniss davon. Diese\nWerke sind: Hymne magonique,dreistimmig mit Chor.—\nZwei Alt-Arien: Che chiedi und Se spiegar potessi. 2\nTantum ergo und Ecce panis,vierstimmig. Lied der Ni-\nxen lür Chor. Wer kauft Liebesgötter? für Sopran oder\nTenor, sämmtlich mit Orchester-Begleitung. 4 Partieen\nWalzer für Orchester. Marche des Francs Magons für Har-\nmonie. Rhapsodische Gesänge.—Das BlümleinWunderschön.\n4 Partieen französische und deutsche Gesänge und Lie-\nder mit Clavier-Begleitung und Variationen; Muselte de\nNina für Clavier.\nSodann war Anschüz ein ausgezeichneter, vortreffli-\ncher Orchester-Dirigent und stand als solcher in unserer\nProvinz in hohem Ansehen; denn nicht bloss hier, sondern\nauch in Bonn und KölnJiat er mehrere Male grosse Concertc\nmit geschickter Hand geleitet. Durch diese Vorzüge genoss\ner denn auch die persönliche Bekanntschaft und Achtung\nvieler der bedeutendsten Tonmeister und Musik-Gelehrten,\nwie z. B. von J. A. Andre, Bischoff, Finck, Hummel, Kiese-\nwetter, Liszt, Mendelssohn, Moscheies, F. Schneider, B. A.,\nCarl Maria und Gottfr. Weber u. A.\nDer grösste Lorber gebührt ihm aber von seiner Va-\nterstadt ganz besonders dafür, dass er im Jahre 1808 das\nnoch jetzt hier bestehende Musik-Institut stiftete und es\ndurch sein Ansehen, seine Persönlichkeit bei dem damali-\ngen Präfecten Lezav Marnesia dahin brachte, für dieses sein\nSchöpfungswerk eine jährliche bestimmte Subvention von\n2400 Frcs. bewilligt zu erhalten, welche Summe dann\nauch später durch den Gouverneur J. Gruner gut geheis-\nsen wurde. Er widmete sich diesem Institute mit ganzer\nSeele, unterrichtete in der ihm von seinem Amte irgend zu\nerübrigenden Zeit nicht bloss den Chor, sondern auch ein-\nzelne ihm talentvoll erscheinende junge Ge-\nschlechts im Gesänge und erlebte dadurch denn auch die\ngrosse Freude, sich recht tüchtige Kräfte zu bilden und\nnun mit diesen seinen Schülern in den Kirchen die meisten\nMessen von Haydn, Mozart, Beethoven, Hummel und Ri-\nghini in den Concerten die Oratorien Christus am Oel-\nberge, Die Jahreszeiten, Die Schöpfung, Alexanderfest,\nPaulus u. s. w., so wie die ganzen Opern Die Zauber-\nflöte, Don Juan, Titus, Figaro, Idoineneus, Fidelio u. s. w.\nmit grosser Vollkommenheit aufführen zu können. Von den\ndurch ihn gebildeten Sängern und Sängerinnen haben ihn\nselbst nur sehr wenige überlebt. In jedem seiner Concerle\nbrachte er uns eine der Sinfonieen von Haydn, Mozart,\nSpohr und Beethoven zu Gehör, und der öfteren Wieder-\nholung der letzteren haben wir es hauptsächlich zu danken,\ndass uns dieselben ganz verständlich und über Alles lieb\ngeworden sind. Anschüz war der dritte Dirigent in Deutsch-\nland, der die neunte Sinfonie mit Chören vollstän-\ndig aufführte, ein Verdienst, worauf er nicht wenig\nstolz war.\nIm Jahre 1846 legte er seines vorgerückten Alters\nwegen die Direction des Institutes nieder, und besteht das-\nselbe seitdem auch ferner in der von ihm constituirten\nWeise zur Freude aller Musik-Verehrer fort.\nIn Anerkennung aller dieser Verdienste, und um seiner\nVaterstadt ein bleibendes Denkmal an diesen verdienstvollen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 566, "texte": "Mann zu erhalten, hat dieselbe dessen Bild in Lebens-\ngrösse mit dem Embleme seines Tantum ergo durch den\nhiesigen geschickten Maler Gustav Zick aus dem Fonds der\nLangen'schen Stiftung anfertigen lassen und in ihrer Ge-\nmälde-Galerie aufgestellt.\nWie durch seine Verdienste um die Musik, wurde An-\nschüz auch als ein wahrer Biedermann allgemein geehrt\nund von seinen Freunden hochgeschätzt. Dies bewies das\ngrosse Gefolge seiner mit musicalischen Trauerklängen zur\newigen Ruhe gebrachten Leiche. Sanft und friedlich ruhe\nseine Asche!\nCoblenz, den 6. Januar 1856.\n\nF."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-01-19-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-01-19_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-01-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "23", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.2.4", "titre_corps": "Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.7", "debut_caractere": 568, "fin_caractere_exclue": 4138, "texte": "Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.\nAufruf.\nDer Liederkranz zu Frankfurt am Main hat im Jahre 1838 eine\nStiftung gegründet, die mit Genehmigung ihrer Statuten durch\nden hohen Senat den Zweck hat, musicalische Talente bei ihrer\nAusbildung in der Compositionslehre zu unterstützen. Bereits sind\nmehrere befähigte Kunstjünger aus verschiedenen Gegenden Deutseh-\nlands durch die Unterstützung und Fürsorge dieser Stiftung ihrer\nweiteren Entwicklung zugeführt worden, und wieder liegen bei\neiner neuen, vor wenigen Monaten ausgeschriebenen Bewerbung\nzahlreiche Anmeldungen vor aus allen Gauen unseres deutschen\nVaterlandes. Soll aber diese Stiftung und die Zwecke ihrer Thä-\ntigkeit in weiterem Umfange segensreich werden, so ist ihr vor\nAllem eine breitere Basis und eine ausgedehntere Wirksamkeit zu\nverschaffen. Fast alles, was bis hieher geschehen, ist mit wenigen\nAusnahmen beinahe einzig und ausschliesslich durch die stete Thä-\ntigkeit und die unausgesetzt rastlose Anstrengung des frankfurter\nLiederkranzes und seiner nächsten Freunde und Verehrer bewerk-\nstelligt worden, und durch ihren Eifer allein ist das Capital bis zu\n28,000 Fl. herangewachsen.\nWie aber das Unternehmen einen gemeinnützigen Zweck hat,\nwie es alle Stämme und deren Söhne in unserem schönen, grossen\nVaterlande, so weit die deutsche Zunge klingt, der Wohlthat des\ngleichen Genusses theilhaftig macht, so ist auch wohl hinlänglich\nder Anspruch gerechtfertigt, dass alle Stämme und alle Städte ihr\nScherflein beitragen, um die Segnungen dieser schönen Stiftung in\nerweiterten Kreisen und in grösserem Maasse fruchtbringend zu\nmachen. Wohlan! die Feier des nahenden 27. Januar, der hun-\ndertjährigen Wiederkehr von Mozart's Geburtstag, gibt hierzu eine\neben so schöne als geeignete Veranlassung. Im Bewusslsein unse-\nrer guten Sache, getragen von dem Gefühle, wie grosse und erha-\nbene Zwecke durch die Weihe gemeinsamen Zusammenwirkens sich\nrasch und glänzend verwirklichen, richten wir an sämmtliche Thea-\nter-Vorstände, an sämmtliche Musik- und Gesang-Vereine unseres\ndeutschen Vaterlandes das dringende Ansuchen, bei der Feier des\n27. Januar und den lür diesen Tag projectirten festlichen Auflüh-\nrungen unsere Mozart-Stiftung an den financiellen Ergebnissen der-\nselben Theil nehmen zu lassen und uns so die Möglichkeit zu bie-\nten, die Wirksamkeit unserer Stiftung immer mehr zu erweitern\nund zu vervollständigen.\nAuch Frankfurt wird an diesem Tage den Manen des grossen\nMeisters mit erneutem Ausdrucke seine volle Verehrung in doppel-\nter Weise darbringen, indem durch eine grossartige Vereinigung\nsehr bedeutender musicalischer Kräfte, des C'äcilien-Vereins und\ndes Liederkranzes, samrnt den Vereinen für protestantischen und *\nkatholischen Kirchengesang und dem Seibt'schen Vereine, so wie\nmit Unterstützung des Theater- und Orchester-Personals, verstärkt\ndurch eine Anzahl tüchtiger Dilettanten, Mozart'sche Werke in der\nPaulskirche zur Aufführung kommen und der volle Ertrag\ndieses Concertes der Mozart-Stiftung zugewiesen\nwird.\nMöge die allgemeine Huldigung für den grossen Meister auch\nan anderen Orten in ähnlicher Weise ihre schönste Verwirklichung\nfinden! Möge die wahre Pietät, gehoben zugleich von echt patrio-\ntischer Gesinnung, sich in dem gemeinsamen Streben vereinigen,\ndiese herrliche Stiftung im ehrenden Andenken an den unsterb-\nlichen Tondichter in würdiger Form zu einer grossartigen und\nglorreichen Wirksamkeit zu erheben.\nFrankfurt am Main, den 5. Januar 1856.\nDer Verwaltungs-Ausschuss der Mozart-Stiftung.\nDr. Ponfick, d. Z. Präsident. Dr. Giar, Secretär u. s. w. x"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-01-19-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-01-19_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-01-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "23", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.2.5", "titre_corps": "Sechstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gasinosaale.", "titre_sommaire": "Sechstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gasinosaale.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.7", "debut_caractere": 4140, "fin_caractere_exclue": 6269, "texte": "Sechstes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Gasinosaale.\nDinstag, den 15. Januar.\nProTamm: I. 1) Sinfonie militaivon J. Haydn; 2) Scene\naus Gluck's „Orpheus\" für Alt-Solo, Chor und Orchester (Fräul.\nKaroline Levi); 3) Concert lür das Pianoforte in von F.\nChopin (Herr Ferd. Breunung); 4} Die lustigen Musicanten von\nCl. Brentano, für Soli, Chor und Orchester componirt von F. Hil-\n]cr. 11. 5) Lustspiel-Ouverture von J. Rietz; 6) Arie aus Fi-\ngaro's Hochzeit von Mozart (Fräul. Ida Dannemann); 7) Phanta-\nsie für Pianoforte, Soli, Chor und Orchester von Beethoven\n(Pianoforte Herr F. Breunung).\nDie Sinfonie wurde (bis auf die Trompeten-Stelle im Andante)\ngut ausgeführt. Die Scene aus Orpheus machte einen grossen Ein-\ndruck; der Chor war vortrefflich, Fräul. Levi sang die Partie mit\nVerständniss und Ausdruck. Das herrliche Concert von Chopin,\ndessen erster Satz nur etwas zu lang ist, wurde von Herrn Breu-\nnung ganz vortrefflich vorgetragen; ausser der grossen technischen\nFertigkeit zeigte das Spiel richtige Auffassung, Geschmack und\nSeele. Mit vollem Rechte ward ihm rauschender Beifall und Her-\nvorruf zu Theil.\nBrentano's Gedicht „Die lustigen Musicanten\" bietet unserer\nMeinung nach dem Componisten eine schwierige Aufgabe durch\ndie Ironie, welche darin liegt; denn die „lustigen\" Musicanten sind,\nwährend sie nach aussen hm fröhliche W eisen erschallen lassen,\nvon bitterstem Seclenschmcrz und körperlichen Leiden noch dazu\ngeplagt. Hiller hat ein hübsches Musikstück daraus gemacht, das\nin der Form, wie wir es jetzt hörten, nämlich mit vollem Orchester\nund grossem Chor, neu war. Die gedruckte Ausgabe mit Ciavier-\nBegleitung ist indess das Original.\nEbenfalls neu war uns die Lustspiel-0 uv er tur e von Jul.\nRietz. Sie erfreut durch einen wirklichen Glanz von Heiterkeit\nund durch frischen Schwung. Fräul. Dannemann sang die\nArie der Susanna (F-dur)aus Figaro; die Stimme ist besonders in\nder Region vom zweigestrichenen c bis zum zweigestrichenen recht\nklangvoll und angenehm, der Vortrag liess aber kalt. Die Phan-\ntasie von Beethoven machte besonders im Finale durch den star-\nken Chor eine begeisternde Wirkung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-01-19-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-01-19_01#c006", "volume": "bmtnabi_1856-01-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4704, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nL. B.\nMöln. Am Mittwoch den 16. d» Mls» hatten wir das Vergnü-\ngen, Herrn Jacques Dupuis, Professor am Conservatorium zu\nLütt ich, im Theater zu hören. Herr Dupuis war uns schon vom\nvorigen Jahre her als ein ausgezeichneter Violinist bekannt; heute\nmüssen wir ihm das Zeugniss geben, dass er sich den grossen bel-\ngischen Violinspielern, einem de Beriot, Vieuxtemps, Leonard und\nPrume, dessen Schüler er ist, auf rühmliche Weise anschliesst. Er\nspielte ein Concert in drei Sätzen von seiner Composition und die\nPhantasie von Leonard über Sehubert's Sehnsuchts-Walzer. In bei-\nden Musikstücken, von denen das erste ein nicht unbedeutendes\nCompositions-Talent verräth, das nur noch des Maasses in Bezug\nauf die Häufung der Schwierigkeiten bedarf, zeigte er eine meister-\nhafte Technik bei stets vollem, aber keineswegs über die Schönheit\nhinaus forcirtem Tone und eine lobenswerthe Richtung auf edeln\nVortrag. Er wird von hier über Hannover nach Berlin gehen,\nund wir zweifeln nicht daran, dass er überall grosse Anerkennung\nfinden wird.\nIBesiift* Das dritte Abonnements-Concert brachte Sonnabend\nden 12. Januar ein Oratorium, Die Jahreszeiten von Haydn.\nDas Verlangen, diese herrliche Tondichtung in allen ihren vier\nAbtheilungen vollständig zu hören, hatte den schönen Saal im\n„Goldenen Stern\", welcher eine vortreffliche Akustik hat, mit allen\nNebenzimmern in dessen Verlängerung so gefüllt, dass auch kein\nPlätzchen unbenutzt blieb; es waren beinahe 800 Zuhörer da. Von\nsämmtlichen Nummern der vier Theile fiel bloss Eine (die Jagd-\nArie) aus, sonst wurde Alles gemacht. Herr Albert Dietrich,\ndem es gelungen ist, die zerstreuten musicalischen Kräfte der Stadt\nBonn, welche für Vocalmusik zahlreich und tüchtig vorhanden sind,\nzu vereinigen, hatte die Chöre vortrefflich eingeübt, und da auch\nder Klang der Stimmen, namentlich in Tenor und Sopran, sehr\nhell und frisch war, so machten die prächtigen Chöre, besonders\nim Frühlinge und Herbste, eine recht schöne Wirkung. Aber auch\nin Bezug auf das Orchester verdient die Sorgfalt des Probirens, die\nGenauigkeit in Beobachtung der vorgeschriebenen Ausdrucksweise\ndurch Herrn Dietrich vollkommene Arierkennung, um so mehr, als\ner bei der Instrumental-Partie, was in den Verhältnissen liegt, nicht\nüber so gute Kräfte verfügen konnte, wie bei den Chören. Auch\ndie Begleitung der Soli wusste er recht discret zu halten (nur bei\nden Recitativen hätten wir das Ciavier hinweg gewünscht warum\nnicht die Accorde für die Violoncells u. s. w. ausgeschrieben?).\nDie Soli waren durch zwei kunstgebildete Dilettanten (Sopran und\nBass) und durch Herrn Koch (Tenor) recht gut besetzt; nament-\nlich trug die durch reizende Stimme und treffliche Schule ausge-\nzeichnete Sopranistin die munteren Lieder im vierten Theile ganz\nallerliebst vor. Herrn Koch gelang besonders auch der schwierige\nVortrag der Arie: „Dem Druck erlieget die Natur\" sehr gut.\nWTenn die einzelnen Stimmen im Chor noch etwas mehr aus sich\nherausgehen, wie es z. B. der Tenor öfters that, so wird noch mehr\nSchwung in die Gesammt-Leistung kommen.\n** 18armen* Das 111. Abonnements-Concert am 29. Dec. unter\nLeitung des städtischen Musik-Directors C. Rein ecke Hess uns eine\nSinfonie von Haydn (B-dur) hören, darauf Web er' s Cavatine\n„Und ob die Wolke\", gesungen von Fräul. Dannemann aus El-\nberfeld, dann das Terzett „Gut, Söhnchcn, gut\" aus Fidelio (Fräul.\nDannemann, Fräul. Mann, Herr Schiffer) und Ghopin's\nAndante spianato und Polonaise für Piano, vorgetragen von Herrn\nFranz Schmitz. Den 11. Theil füllte Mozart's Requiem. Der\nChor documentirte die allererfreulichsten Fortschritte; er sang so\ngenau, tapfer und feurig, die Soprane mit Glanz bis zum hohen b\nhinauf, dass es eine wahre Freude war. Mit der Auffassung der\nTempi waren wir vollkommen einverstanden, nur in dem Rex Ire*\nmendae hätte das folgende in aj es tatis vielleicht durch ein etwas\nbreiteres Tempo verstärkt werden können. Auch die Sinfonie ging\ngut und wurde fein ausgeführt, was bekanntlich bei Haydn's Musik\nnicht eben leicht ist. Die Leistungen der Solisten waren recht gut;\nHerr Franz Schmitz spielte das schwierige Stück von Chopin\nmit vollständiger Beherrschung der Technik, durchaus sauber und\nmit richtigem Ausdrucke; es war eine sehr lobenswerthe Leistung.\nl®ari§. Die Sängerin Mad. Tedcsco ist in der grossen Oper\nals leides im Propheten wieder aufgetreten. Am Ende des vierten\nActes wurde sie mit Roger (der sein Engagement inNew-York\nnoch nicht angetreten hat, vielleicht gar nicht sich dem „unwirth-\nbaren\" Meere anvertrauen wird) gerufen.\nDen Orden der Ehren-Legion haben u* A. erhalten die Musiker\nund Componisten Gounod und Dietsch und der musicalische\nKritiker Fi or e n tin o."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nNeue Compositionen von F. Liszt, aufgeführt in Berlin am 6. December 1855. Von C. H. Johann Andreas Anschüz\n(Nekrolog) Von F - Aufruf der Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main. Sechstes Gesellschafts-Concert in Köln. - Tages- und\nIJnterh altungsblatt (Köln, Jacques Dupuis, Violinist - Bonn, Haydn's Jahreszeiten, Albert Dietrich - Barmen, Drittes Abonne-\nments-Concert Paris). ——\n\nNeue Compositionen von Franz Liszt,\naufgeführt am 6. December 1856 in Berlin von Stern's\nOrchester - Verein.\n\n(Separat-Votiim.)\n1. Die symphonische Dichtung Zu\nder Musik ist Liszt, eigenen Bekenntnissen zufolge, ange-\nregt durch das gleichnamige Gedicht von Lamartine ein\nGedicht, welches „ das Lehen betrachtet als eine Reihen-\nfolge von Präludien zu einem unbekannten Gesänge, dessen\nerste ernste und feierliche Note der Tod anstimmt\". Wir\nsind dadurch von vorn herein mit hoch-romantischer Poesie\numstrickt; dürfen wir also wohl noch fragen, was die Mu-\nsik in rein musicalischer Beziehung enthalte? In so fern\ndürfen wir es nicht, als sie nur musicalische Illustration\nder Poesie ist; aber gewiss in so fern, als sie in einem Con-\ncerte vorgeführt- und von siebcnzig Musikern executirt wird.\nAlso diese symphonische Dichtung ist eine Instrumental-\nComposition von vier Sätzen mit einer Introduction, die\naber wie die ganze Länge eines Aals, wenn auch nicnt so\ngelinde, in Einem fort durchrutscht. Gleich zu Anfange,\nnach zweimaligem Anpochen des Geigenchors, tritt das\nMotiv ein, welches durch alle Sätze hindurch geht wie das\ngriechische Fatum oder wie die böse Zeit; denn es „soll\nO\nden Menschen als das auf Erden unlösbare Problem uns\nvor die Seele führen\". Besagtes Motiv ist zwar gräuhch\ngenug, doch ist die Welt weit und hat für sonderbare\nMenschen, so wie für sonderbare Probleme Raum die Fülle.\nDuldung bis aufs Aeusserste sei also auch dieser Crealur\nzugesagt. Befasst das Motiv ein „unlösbares Problem\", so\nwird ein recht aufgeklärtes, besonders ein philosophisch\ndurchgestampftes berliner Publicum sich leicht sagen kön-\nnen, dass das Motiv ebenfalls „unlösbar\" sein muss. Daher\nwird Niemand hier thematische Arbeit erwarten ; denn ver-\nschiedene Zwecke bedingen verschiedene Mittel. Haydn, Mo-\nzart, Beethoven lös'ten die Probleme und gestalteten\ndie Motive; das Unlösbare hingegen ist un gestaltbar. Liszt\nbraucht also nicht zu gestalten, sondern dieselbe Hgur mit\nder eisernen Maske nur verschieden anzustreichen. So\nist seine Aufgabe schon durch den ersten Ansatz, von dem\nPoetisiren ganz abgesehen, eine wesentlich andere, als\nbei den genannten Meistern; wer zweifelt also noch, dass\ndie Musik dem zufolge ebenfalls ein ganz anderes Gepräge\ntragen müsse?\nHoffentlich sind wir hiermit auf dem besten Wege,\ngegen den Componisten gerecht zu sein; denn wir erken-\nnen seine tiefgehende Abweichung vom Hergebrachten so\ngut, wie er selber, und wollen es hier ausdrücklich bezeu-\nO '\ngen. Doch näher zum Inhalte. „Lamartine\" wir lassen\nwieder das Programm des Concert-Vereins reden— „er-\nkennt das erste Zeichen des erwachenden Geistes im Men-\nschen, nachdem das Geschalt der körperlichen Entwicklung\nabgemacht ist, in dem Sehnen nach dem Idealen, das sich\nbei dem Mangel an innerem Stoffe gewöhnlich auf andere\nMenschen überträgt und Liebe wird. Eine solche Liebe\nträgt die Enttäuschung schon im Keime.\" Es muss aller-\ndings eine saubere Liebe sein, und eine schöne Idee war\nes, diese Liebe eines angehenden pariser Wüstlings in Tö-\nnen zu erzählen. Unser unlösbares Menschen-Exemplar ge-\nräth über die Enttäuschung, welche er schon mit der Liebe\nzu gleicher Zeit in sich trägt, in „ Verzweiflung\", und die\nVerzweiflung schwört den „Sturm\" herauf. Der Sturm\naber „führt ihn auf das Feld des Krieges, um in blinder\nLeidenschaft aus der Nichtachtung aller Menschlichkeit sich\nden Lorber zu holen.\" Den Lorber der Verweillung?\ndenn der Lorber des Sieges kann es nicht sein, da alle\nrechtschaffenen Romane einstimmig bezeugen, dass derglei-\nchen unlösbare Menschen, wenn sie einmal unter die Sol-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.2", "texte": "daten gehen, ohne Ausnahme als Kanonenfutter verspeis't\nwerden. Schauderhaft freilich, aber wahr. Doch welchen\nrührenden Beweis edelster Menschenliebe geben sowohl\nDichter als Componist, dass sie dieses Subject nicht er-\nschossen werden und sterben lassen! Besonders dem Com-\nponisten müssen es alle Freunde der Humanität Dank wis-\nsen, weil er dadurch eine musicalisch sehr vortheilhafte Partie,\ndas Erschiessen und das Sterben, aufzuopfern edeldenkend\ngenug war. Gewiss ist das eine Aufopferung; denn oben\nlasen wir, „die erste ernste und feierliche Note\" stimme\nder Tod an. Wie soll nun der Componist, wenn sein Mensch\nleben bleibt, ernste und feierliche Noten anschlagen? Es\nist rein uninögltch. S o inuss man die Musik ansehen, um\nzu ihrem Verständnisse zu gelangen; dann erscheint das\nTriviale, Gemeine, Wüste und Eisenfresserige, welches ihre\nMaupt-Bestandtheile ausmacht, nicht mehr als zufälliges\nBeiwerk, sondern als innere Charakter-Wahrheit.\nAuf welche Art „der Mensch\" wieder von den Solda-\nten abkommt, ist uns nicht ganz klar geworden. Bekannt-\nlich ist das keine leichte Sache, besonders im Kriege. Ge-\nwisse flatternde Seiten-Bewegungen des unlösbaren Men-\nschen-Motivs erregen die Vermuthung, er habe sich im\nGewühl seitwärts abgedrückt. Diese Vermuthung wird zur\nGewissheit erhoben durch folgenden Umstand. Der Mensch\nbefindet sich auf dem Lande, in gartenhafter Umgebung,\num über seine Lage nachzudenken wie ist er dahin ge-\nkommen? Er hat einen Lorber wie hat er den Lorber\nerhalten? Auf beide Fragen eine Antwort: er nahm Reiss-\naus, geneth in einen stillen, schönen Garten und pflückte\nsich hier den Lorber. Es hat seine Schwierigkeit, diese\nUmstände alle durch Musik genau zu referiren und, würde\nes auch geschehen, sie gleich beim ersten Male ganz klar\naufzufassen. Von einer wiederholten Aufführung hoffen wir\nauch über diesen Punkt Belehrung und, wie wir gar nicht\nzweifeln, Bestätigung unserer Ansicht zu empfangen. Lei-\nder ist wenig Aussicht, dass diese zu Stande komme, da\ndis undankbare Publicum das Werk mit so tadelnswerther\nGl eichgülligkeil an sich hat vorübergehen lassen.\nAul dem Lande verliert sich der Mensch bei Lamar-\ntine „in ein Sandmeer von Kleinigkeiten\", was verächtlich\nist und womit alles Interesse aufhört, welches uns der Bur-\nsche etwa noch einflössen könnte. Durch einen wahrhaft\ngenialen Zug wusste Liszt ihn dieser Lage zu entziehen;\nzwar lässt er ihn ebenfalls der „Meditation\" nachhangen,\naber nicht der Philosophie des Sandkorns, wie bei Lamar-\ntine, sondern der Philosophie der Zukunft; und mitten\nin der Meditation „hier auf dem Lande fühlt er gleich\neinem Achilles (?) die Last der leichten Frauengewänder\nunerträglich schwer und greift zu Helm und Schwert!\"\nVortrefflich! Und gegen wen lührt er Krieg? Gegen die\nFliegen, das ist klar und leidet keinen Zweifel; schon die\nFigur des Streich-Quartetts deutet auf Fliegenkrieg. Aber\nwie in aller Welt kommt er zu den „leichten Frauenge-\nwändern\"? Offen gesagt : das wissen wir nicht. Sollte er\nhier auf dem Lande etwa seine alte Liebe gefunden haben\noder in alter Leidenschaft einer neuen nachgegangen sein?\nMöglich, vielleicht auch wahrscheinlich, vielleicht sogar mu-\nsicalisch gewiss. Die folgende Aufführung wird es lehren;\nwäre sie durch das undankbare Publicum nur nicht unmög-\nlich gemacht! Denn unläugbar ist es ja, dass der Poesie\ngegenüber „ein der Musik eigenthümlicher Vorzug die\nklare Evidenz ist, mit der die Harmonie des Vorwurfs in\nseiner Entwicklung der Folge nach hervortritt\", die klare\nEvidenz mit der die_ Harmonie des Vor-\nwurfs in seiner Entwicklung der Folge\nnach her-vor-tritt. Wer es noch nicht versteht,\nden erlauben wir uns als einen beschränkten Kopf zu\nsignalisiren.\nUnd dies war das erste Stück.\n-. Ave Maria, gratia pleno, Die Toleranz einer\nprotestantischen Stadt hat diese Composition ungestört an\nsich vorübergehen lassen; katholische Hörer dürften nicht\ndenselben Gleichmut!) haben. Lobt Berlin das\nso erinnert es sich ohne Zweifel des Friedens-Artikels von\n1648, nach welchem jede Confession angewiesen wird,\nvor ihrer eigenen Thür zu fegen, und macht die Anwen-\ndung davon auf katholische Musik nicht ohne eine gewisse\nSchadenfreude. Denn unläugbar dürfte es Liszt gelungen\nsein, den Segen einer sinnvollen kirchlichen Composition,\nnämlich das heimliche Mitsingen der Hörer, d. h. der Be-\nter, unmöglich zu machen. Der Ausdruck „für gemischten\nChor mit Orgelbegleitung\" ist nicht genau; es müsste heis-\nsen: „ für gemischte Stimmen mit zwischengemischten Or-\ngeltönen\", weil das Wesen eines „Chors\" im Vollklang\nbesteht, hier aber die Stimmen einen solchen nur suchen\nund kaum auf Augenblicke erhaschen, um ihn gleich wie-\nder zu verlieren. Es geht wie auf dem Jahrmärkte: ein\nlangsames Fortrücken, aber so, dass Einer beständig den\nAnderen stösst* dem Anderen im Wege steht, die zufällig\nleeren Stellen ausgenommen (bei Liszt die „leeren\" Quin-\nten), oder wo eine besondere Rarität die Menge zum Still-\nstehen zwingt (bei Liszt dalür die Accordfolgen tiefmittel-\nalterlicher Musik); die letzte Bude und der letzte Accord\npassen auch zusammen, eben so die Gefühle, mit welche«"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.3", "texte": "man Beide hinter sich lässt. Unser Vergleich wird also wohl\nmehr als Vergleich sein. Wie, wenn Liszt sich vorgenom-\nmen hätte, etwas der Art hier zu schildern? Schade, dass\ndem Programmschreiber diese Idee entgangen ist, er würde\nsich mit gewohntem Tiefsinne darüber verbreitet haben!\nHatte er hier ganz vergessen, dass Liszt „ stets Ziele scharf\nins Auge fasst\"? nicht etwa „Ziele stets scharf ins Auge\nfasst\", sondern „stets Ziele scharf ins Auge fasst\"? Wir\nbeabsichtigen bloss, seiner Phantasie die Flügel zu lüften,\nwenn wir ihm mittheilen: Liszt wollte nun zwar keinen\nJahrmarktszug, denn das hiesse Lumbye ins Handwerk\npfuschen,, wohl aber wollte er einen Zug wallfahrender\nMenschen musicalisch beschreiben, jedoch einen etwas dispe-\nraten, sehr ungeordneten und nicht recht andächtigen Zug;\ndaher die ganze Haltung der Composition, daher schnei-\ndende Härten, als Sinnbilder derer, die unterwegs mit ein-\nander anschneiden, daher das endliche Zwischentreten eines\ngotteslürchtigen Accords, am liebsten in leerer Quinte ohne\ndie aufregende Terz, als die Stimme des Priesters, die\nschlichtet, besänftigt und auf den frommen Zweck hinweis't;\ndaher die verpiependen Solo-Orgeltöne als künstlerische\nNachahmung derer, denen auf dem Wege die Luft knapp\nwird oder am Ende wohl ganz ausgeht; daher der recht-\nschaffene Lärm bei den Schlussworten: Ora pro nobis pec-\ncatoribus etc., weil es durchaus naturgetreu ist, dass ein\nsolch Gesindel auf den Sinn des Ganzen nicht achtet und\nsich nicht scheut, selbst vor der Himmelsthür einen Flöllen-\nSpectakel zu machen.\nDas ist die tiefe Conception, die der Meister in einer\ngenial-mystischen Stunde empfangen. Sollte so etwas aus-\nser dem Bereiche der Musik liegen? Wer das meint, dem\nantworten wir mit redenden Thatsachen; er höre sehend\nund bewundere. Liszt fand für gut, sich gegen seine berli-\nner Freunde nicht ganz auszusprechen, vielleicht weil er\nmuthmaasste, dass sie sich gegen ihn auch nicht ganz, we-\nnigstens anders aussprechen würden, als hier und da in\nunbewachten Proben und bei sonstigen passenden Gelegen-\nheiten. Desswegen ist der in prangender Wortlülle einher-\nschreitende Programmschreiber bei dem wo er\nkeinen Einblick in das Liszt-Mysterium thun konnte, so ein-\nfältig-wortkarg. Oder was war die Ursache, lieber Mann?\nDas Ave Maria ist schon vor einiger Zeit bei Breit-\nkopf & Härtel in Druck erschienen.\n3. In dem Cla v ier-Concerte mit Orchester-\nBegleitung trug Herr v. Bülow den Ciavierpart vor.\nDer Beifall, welcher ihm gespendet wurde, dürfte ihn lür\nManches schadlos halten. Den Ausdruck „Orchester-Be-\ngleitung \", so gebräuchlich er ist, fanden wir hier doch nicht\nrecht passend; denn von „Begleitung\" konnten wir über-\nall nur geringeSpuren entdecken. Jedes Instrument erfreut\nsich einer schönen Selbstständigkeit, keines will dienen, sie\nalle drängen sich zu Numero Eins hervor; das „individua-\nlisirte Instrument inmitten des Orchesters\" (womit das\nPianoforte gemeint ist) hat daher seine liebe Noth, um ehr-\nlich durchzukommen. Eine specificirte poetisch-psycholo-\ngisch-philosophische Entwicklung hat der Programmschrei-\nber nicht darin gefunden; vor der Hand sind wir nicht\nkluger, als er; daher möge das Concert bis auf weitere\nEntdeckung ein Musikstück von vier Sätzen heissen. Uebri-\ngens liefert das Ganze, besonders das Scherzo, einen voll-\nkräftigen, herrlichen Beweis, wie man ohne eigene musica-\nlische Gedanken doch ein Etwas zu produciren vermag,\ndas beinahe wie Musik klingt.\n4. öeber das vierte Stück könnten wir noch kürzer\nhinweggehen, da schon bei Nr. 1 von einigen Wesenhei-\nten der neuen „symphonischen\" Dicht-Art die Rede war.\nAllein die Preludes sind auch in dieser Hinsicht nur Pre-\nludes; hier bei Torquato Tasso wird das alles viel\ndeutlicher.\n„ Die Veranlassung zu der Composition gab das Göthe-\nFest in Weimar, -zu dem Liszt gebeten wurde, eine Ouver-\ntüre zum Göthe'schen Torquato Tasso zu schreiben,\" —lau-\ntet das classische Deutsch des Programms mit dem vier-\nmaligen „zu\"! Unwillkürlich stimmt der Verfasser (eige-\nner Unterschrift zufolge heisst der Mann Albert Hahn)\nhier, wo von Göthe die Rede sein muss, einen gehobene-\nren Ton an, der ihn so schön kleidet und seine Worte in\neinem noch viel helleren Glänze erstrahlen lässt. Liszt\nschrieb indess eine „symphonische Dichtung\", also keine\nOuvertüre, auch keine Sinfonie, auch keine Dichtung allein,\naber eine „symphonische Dichtung\". Indem er aufgab, was\njede musicalische Sinfonie und poetische Dichtung als „Son-\nderkunst\" (nach Herrn Wagner's Ausdruck) besitzt, und\nworan der Welt doch nichts mehr gelegen ist, gewann er\ndas Mittel, das Gemeinsame Beider zu einer wahrhaft neuen\nund ganz originellen Gestalt auszubilden. So entstand das\nKunstwerk der symphonischen Dichtung. Der Componist\nmuss uns nicht verargen, wenn wir auch hier wieder am\nNamen mäkeln; denn wir sind Liebhaber von handfesten\nBegriffen. Könnte er sich nicht entschliessen, seine beiden\nKunstwerke „homophonische Dichtungen\" zu benen-\nnen? Dieser Ausdruck würde den zwiefachen Vortheil ha-\nben, dass er der Sache entsprechend und ganz neu wäre.\nDie Beurtheiler wären sodann gezwungen, auf einen total"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.4", "texte": "veränderten Standpunkt zu treten, während sie, lässt man\ndas „symphonisch\" auch nur noch auf dem Titel bestehen,\nnicht müde werden, ihre alten Einbildungen zu Markte zu\nbringen, als da sind: die Form der Sinfonie wäre ohne Ver-\nlust ihres Charakters keiner Erweiterung mehr fähig, ein\nneues musicalisches Kunstwerk müsse erstens, zweitens\nund drittens neue musicalische Gedanken, sodann viertens,\nfünftens und sechstens Gestaltung, in der Mannigfaltigkeit\nder Formen Einheit der Form, im Ganzen aber „Sympho-\nnie\" haben, und wie dergleichen thörichte Behauptungen\nweiter lauten mögen. Gegen absichtliche Homophonie mit\nzufälligen oder ebenfalls absichtlichen symphonischen Zwi-\nschenklängen dürfte indess Niemand etwas einzuwenden\nhaben, vielleicht Niemand etwas Gegründetes einwenden\nkönnen. Nur müssten die neuen Kunst-Theoretiker so ge-\nfällig sein, recht bald den Nachweis zu liefern, dass die\nvorgesetzten dichterischen Zwecke eben nur die gegebene\nund keine andere musicalische Decoration zuliessen. Ist sol-\nches geschehen, dann steht die neue Kunstart in ihrer gan-\nzen Originalität und Genialität unerschütterlich fest. Mögen\nimmerhin die Gegner sagen, solche Musik wäre in allen\nZeiten, die als Perioden des Ueberganges oder des Verfalles\nzwischen den classischen liegen, in Hülle und Fülle hervor-\ngebracht; mögen sie Liszt zu bedenken geben, dass das\nnoch kein Fortschreiten genannt werden könne, wenn er,\nin den Banden einer herkömmlichen Form befangen, weiter\nnichts vermöge, als bald rechts, bald links auszubiegen\nund dabei hier Berlioz, dort Wagner, dort Meyerbeer, dort\nMendelssohn u. s. w. auf die Füsse zu treten; ja, mögen\nsie sogar bemerken, dass die beiden symphonischen Dich-\ntungen und das Clavier-Concert musicalisch wie ein Ei dem\nanderen ähnlich wären, dem zufolge nur musicalische Ma-\nnier, nicht musicalischen Charakter hätten das ist Vor-\nurtheil, neidisches Gewäsch und war, wie Hoplit sagt, vor-\nauszusehen. So viel zur Begründung der neuen homopho-\nnischen Kunstgattung. Was wir hier geben, ist nur ein\nStein zu dem Gebäude, welches bald eine kundigere Hand\naufführen möge.\nEine musicalische Figur zu erfinden, welche den Tasso\nabmalt, war keine Kleinigkeit, wenigstens viel schwerer,\nals das Motiv der Preludesüber einen nicht weifer benann-\nten „Menschen\"; die Aufgabe war um so grösser, je wei-\ncher und zerflossener Tasso seinem Charakter nach zu sein\nscheint. Um so mehr ist der kühne Griff zu bewundern,\nwelchen Liszt hier that. In Florenz selber war freilich\nnichts Authentisches mehr aufzutreiben, auch in der näch-\nsten Umgegend nicht. Aber in Venedig (zwar etwas ent-\nfernt, doch immer noch in Italien) sollen die Gondeliere\nnach verschiedenen Reiseberichten unter Anderem auch\neinige Zeilen Yon Tasso gesangartig recitiren; unbeschreib-\nlich schön sagt Herr Alb. Hahn, es trage „die Adria die\nlangsamen Gesänge der Gondeliere noch in die Ferne\".\nDass auch Göthe dieser SchifFerweise Erwähnung thut,\nmusste den Ausschlag geben; denn nun ist man in die\nLage versetzt, bei dem Motiv nicht bloss an den Dichter\nTasso in Florenz und an Venedigs Wasserstrassen, son-\ndern auch an Göthe's italische Reisebriefe, an die Gefühle\ndes einen Dichters bei den Gesängen des anderen und noch\nan verschiedene andere Sachen denken zu können. Bei die-\nsem Reichlhume und weiten Spielräume wird man es leicht\nverschmerzen, dass besagtes Motiv in musicalischer\nHinsicht gänzlich leer und inhaltlos ist; ja, wir wagen so-\ngar zu behaupten, es musste musicalisch ein reines Nichts\nsein, um poetisch alles Mögliche werden zu können.\nDas Motiv „erhebt sich\" zu ganzer Fülle und „hebt\nuns damit an die Seite des Dichters\", natürlich vermittels\neines Wunders, wie solches nur der Musik möglich ist (s.\nWagner, Oper und Drama, Bd. 3). Ein zweites Motiv,\nworaus „der zweite Satz ein Menuett-Rhythmus\" wird,\n„zeigt uns den Liebling im Holleben\". Diesen zweitenSatz,\naufrichtig gesagt, vermögen wir nicht zu rechtfertigen. Ein-\nmal können wir „den Liebling\" nicht darin erblicken und\ndann auch das „Hofleben\" nicht. So viel uns bekannt,\nsteht nirgends geschrieben, dass es in Florenz immer a la\nPolka und Menuett gegangen; oder halte Liszt vielleicht\nbessere Nachrichten? Bis er diese bekannt macht, halten\nwir den Menuett-Satz für unhistorisch, auch lür nicht hof-\nfähig und noch dazu für einen Eingriff in die wohlerwor-\nbenen Rechte Gungl's und Anderer.\nBeides, nämlich Hofleben und Dichterthum, „streitet\nsich um die Herrschaft und führt hiedurch zur Katastrophe,\nda es sich unlösbar gegenübersteht\". Man denke sich die-\nses mit Hülfe der beiden Motive klingend und tönend\n(„musicalisch\" wagen wir nicht zu sagen) durchgeführt!\nMan denke sich Töne, die streiten und streiten und strei-\nten, bis sie sich endlich „unlösbar\" gegenüber stehen! Man\ndenke es sich, und doch wird man beim Hören Dinge ge-\nwahr werden, die alles Denken übersteigen. Das Wesen-\nhafte neuer Schöpfungen ist eben das Undenkbare, das\nwird sich auch bei diesem Kunstwerke bewähren. Die Tasso-\nDichtung wird auch dadurch bedeutsam werden, dass sie\nder „alten Musiklehre\" mit ihren „Dissonanzen und Auf-\nlösungen\" den Todesstoss geben, dafür aber eine neue\n„aus Geist\" geborene „Musik-Wissenschaft\" erzeugen wird."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.5", "texte": "Auf die unlösbare Krisis folgt Bruch, und »des Star-\nken Haupt umstrahlt hinterher ein neuer Glanz\". Tasso\nsingt, „der blaue Himmel, die unerschöpfliche Kraft des\nitalischen Geistes reichen sich zu seiner Belohnung die\nHand\"; das Schiffer-Motiv „führt uns jetzt zu dem Trium-\nphe, dem Lohne der eigenen Göttlichkeit unseres [?] In-\nnern\". Dieser Kernworte des Herrn A. Hahn bedienen wir\nuns um so lieber, da unsere eigene Sprache nicht zureicht,\nden Schluss dieser homophonischen Dichtung zu schildern.\nIndem der Programmschreiber sich so ausdrückte: „dem\nLohne der eigenen Göttlichkeit unseres Innern\", liess er\nauf eine wahrhaft überraschend feine W'eise mit einfliessen,\ndass nicht bloss ein grosser italischer Dichter, sondern auch\nein kleiner berliner musicalischer Schulmeister von dem\n„Inneren\" seiner eigenen Göttlichkeit belohnt werden könne.\nEine Feinheit, die wir ihm nicht zugetraut hätten.\n5. Der 13. Psal m für Solo, Chor und Orchester.\n1) Herr, wie lange willst Du meiner so gar vergessen u. s.\nw. 2) Schaue doch und erhöre mich u. s. w. 3) Ich\nhoffe darauf, dass Du so gnädig bist u. s. w. 4) Ich will\ndem Herrn singen, dass Er so wohl an mir gethan. In\ndiese vier Theile zerfällt der Text, womit wir aber nicht\ngesagt haben, dass bei der Musik dasselbe der Fall ist.\n„Chor-Cornpositionen setzen nicht bloss menschliche\nStimmen voraus, sondern auch Menschen, denen diese Stim-\nmen angehören\". Albert Hahn. Der „Bedeutendste\" fängt\nan; „der Chor wird sich dadurch seiner selbst erst bewusst\nund stimmt ein. Jener (der Bedeutendste), einmal an der\nSpitze der psychischen Action, wird das Organ, welches\njetzt nach dem ewigen Gesetze der „„Bewegung\"\" uns\ndem inneren Leben der Menge, das Stück „„Volkes\nfolgen lässt.\" Albert Hahn. Die eigentlich metaphysische\nErklärung ist damit vollkommen abgemacht. Wer es nicht\nversteht, der sei so gut und erwerbe sich erst die nöthigen\nVorkenntnisse. Von dem Programm des Herrn Albert Hahn\nist jedes Wort Gold.\nSollten wir uns über den Psalm eine eigene Ansicht\nerlauben dürfen, so würden wir bemerken, dass Liszt mit\ndemselben vielleicht nichts weiter beabsichtigt haben könnte,\nals einen Spott auf das protestantische Berlin und auf pro-\ntestantische Kirchenmusik überhaupt. Unsere Beweise sind:\nerstens der an Entrüstung gränzende Widerwille, mit\nwelchem das Auditorium denselben aufnahm; zweitens\ndie ganz unsingbareStimmführung; drittens die trivialen\nMelodieen; viertens der textwidrige Ausdruck; fünf-\ntens das durchgehende musicalische Geheul; sechstens\ndie wunderseltsamen Fugen. Liszt wird das alles absieht-\nlieh so schlecht gemacht haben, da wir nur zu gut wissen,\ndass er es hätte viel besser machen können; und für die\nAbsicht finden wir keinen anderen Grund, als den eben an-\ngegebenen; denn man muss nicht vergessen, dass Liszt's\nWesen „treibende Bewegung im grandiosen Maassstabe ist,\ndie stets Ziele scharf ins Auge fasst\". Und zu diesem\nSpotte wird der Mann wohl seine hinreichenden Motive ge-\nhabt haben; wer diese nicht kennt, erlaube sich wenigstens\nkein vorschnelles Urtheil darüber.\nAber wie wäre es, wenn der Componist nicht bloss\nmit diesem deutschen Psalme, sondern mit allen fünf\nStücken die geheime Absicht verbände, die Hörer, beson-\nders die „kritischen\", aufzuziehen? Sollte dieses wirklich\nder Fall sein, so wird er mit Genugthuung an Berlin zu-\nrückdenken ; denn sein Zweck ist hier vollständig gelungen,\nman hat sie mit dem gründlichsten Ernste hingenommen.\nSchliesslich können wir uns das Vergnügen nicht ver-\nsagen, auf des Herrn Weitzmanns vorzüglichen, genauen\nund bis ins Kleinste der Wahrheit getreuen Bericht in Nr.\n25 der leipziger Neuen Zeitschrift für Musik dringend hin-\nzuweisen. Leider gestattet der Raum nicht, einige herrliche\nSätze daraus mitzutheilen*).\n*) Vielleicht geschieht es nächstens, etwa in einer erneuten\nStoppellese\" zur Charakteristik heutiger Kritik. Dazu liefert\nauch E. Kossak im Feuilleton der Kölnischen Zeitung Nr.\n15 ganz artige Beiträge. Nachdem er erst höchst geistreich\nüber Brod und Fleisch, zu viel und zu wenig Luxus, Armen-\nsuppe und Wasserleitungen geplaudert hat, kommt er auf\nLiszt, dem „selbst im reifen Alter das Kometenartige geblie-\nben\". „Diesen meteorischen Charakter tragen auch seine\nCompositionen. Sie sind reich an sich noch gestalten-\nden Elementen, an inneren (?) Revolutionen, an Op-\nposition gegen das Bestehende, aber überall erfüllt von jenem\nfesselnden Zauber, den die Werke genialer Persönlichkeiten\nausströmen\" u. s. w. „Es ist noch nicht zu ermessen, nach\nwelcher Seite hin (?) und zu welchem Grade der Klarheit\ner sich durcharbeiten wird; gewiss aber mag sein, dass\ner eine Ausnahme von der Regel der menschlichen\nEntwicklung macht. Seine Virtuositäts-Epoche glich\neinem narkotisirten Schlafe der Seele [dafür wird\nsich Liszt schönstens bedanken; auch wir sind, wenn sich\nüberhaupt ein Sinn aus diesen Worten entwirren lässt, ganz\nentgegengesetzter Meinung!] erst die Alltäglichkeit\neiner regelmässigen Beschäftigung hat seinen\nproduetiven Theil in ihm wach gerufen. (!!) [ln was für Dre-\nhungen geräth doch einer, der loben will und nicht recht\nweiss, wie er es anfangen soll!] An in. d. Red.\n\nC. H."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.6", "texte": "Johann Andreas Anschüz.\n(Nekrolog.)\n\nDie Tonkunst hat wieder einen ihrer würdigsten Ve-\nteranen verloren. J. A. Anschüz, k. Staats-Procurator\na. D., zu Coblenz am 19. März 1772 geboren, starb da-\nselbst am 26. December 1855, also in einem Alter von\nbeinahe 84 Jahren. Derselbe zeigte schon in seiner frühe-\nsten Kindheit grosse Anlagen zur Musik und vorzüglich\nzum Ciavierspiel, so dass er schon in seinem achten Jahre\ngrosses Aufsehen dadurch erregte und ihm die Ehre zu\nTheil wurde, am Hofe des Kurfürsten zu Mainz in einem\nConcerte mehrere schwierige Compositionen mit grossem\nBeifalle vorzutragen. So sehr es auch sein Wunsch war,\nsich ganz der Musik zu widmen, gab dies jedoch sein Vater\nnicht zu, sondern bestimmte ihn zum Studium der Rechte,\nwodurch eres denn auch stufenweise bis zu der oben erwähn-\nten Staatsstelle brachte. Anschüz liess dabei jedoch nicht\nab, seinem inneren Triebe, sich in der Musik mehr und\nmehr zu vervollkommnen, zu folgen, und erreichte dadurch\neine so grosse Geschicklichkeit, wie man sie gewiss nur\nhöchst selten bei Dilettanten findet, und wie sie manchem\nKünstler von Fach zur Ehre gereicht haben würde.\nWir haben hier in einer Reihe von Jahren den Ver-\nstorbenen öfter die sämmtlichen Concerte, Rondos und das\nSeptett von Hummel, so wie mehrere Concerle von Beet-\nhoven und Anderen mit einer Meisterschaft vortragen hö-\nren, die nicht bloss seine technische Fertigkeit, sondern auch\ndie geistige Auffassung aller dieser Tonwerke bewundern\nliess. Eben so werden uns die öfter kunstvoll vorgetrage-\nnen freien Phantasieen stets im Gedächtnisse bleiben.\nAber nicht allein als Clavierspieler, sondern auch als\nComponist erlangte sich unser Anschüz einen Ruf, und\nfolgende von ihm durch den Druck veröffentlichte Compo-\nsitionen, die nicht bloss hier, sondern theilweise auch in\nanderen Gegenden Deutschlands zur Aufführung gekommen\nsind und noch kommen, geben Zeugniss davon. Diese\nWerke sind: Hymne magonique,dreistimmig mit Chor.—\nZwei Alt-Arien: Che chiedi und Se spiegar potessi. 2\nTantum ergo und Ecce panis,vierstimmig. Lied der Ni-\nxen lür Chor. Wer kauft Liebesgötter? für Sopran oder\nTenor, sämmtlich mit Orchester-Begleitung. 4 Partieen\nWalzer für Orchester. Marche des Francs Magons für Har-\nmonie. Rhapsodische Gesänge.—Das BlümleinWunderschön.\n4 Partieen französische und deutsche Gesänge und Lie-\nder mit Clavier-Begleitung und Variationen; Muselte de\nNina für Clavier.\nSodann war Anschüz ein ausgezeichneter, vortreffli-\ncher Orchester-Dirigent und stand als solcher in unserer\nProvinz in hohem Ansehen; denn nicht bloss hier, sondern\nauch in Bonn und KölnJiat er mehrere Male grosse Concertc\nmit geschickter Hand geleitet. Durch diese Vorzüge genoss\ner denn auch die persönliche Bekanntschaft und Achtung\nvieler der bedeutendsten Tonmeister und Musik-Gelehrten,\nwie z. B. von J. A. Andre, Bischoff, Finck, Hummel, Kiese-\nwetter, Liszt, Mendelssohn, Moscheies, F. Schneider, B. A.,\nCarl Maria und Gottfr. Weber u. A.\nDer grösste Lorber gebührt ihm aber von seiner Va-\nterstadt ganz besonders dafür, dass er im Jahre 1808 das\nnoch jetzt hier bestehende Musik-Institut stiftete und es\ndurch sein Ansehen, seine Persönlichkeit bei dem damali-\ngen Präfecten Lezav Marnesia dahin brachte, für dieses sein\nSchöpfungswerk eine jährliche bestimmte Subvention von\n2400 Frcs. bewilligt zu erhalten, welche Summe dann\nauch später durch den Gouverneur J. Gruner gut geheis-\nsen wurde. Er widmete sich diesem Institute mit ganzer\nSeele, unterrichtete in der ihm von seinem Amte irgend zu\nerübrigenden Zeit nicht bloss den Chor, sondern auch ein-\nzelne ihm talentvoll erscheinende junge Ge-\nschlechts im Gesänge und erlebte dadurch denn auch die\ngrosse Freude, sich recht tüchtige Kräfte zu bilden und\nnun mit diesen seinen Schülern in den Kirchen die meisten\nMessen von Haydn, Mozart, Beethoven, Hummel und Ri-\nghini in den Concerten die Oratorien Christus am Oel-\nberge, Die Jahreszeiten, Die Schöpfung, Alexanderfest,\nPaulus u. s. w., so wie die ganzen Opern Die Zauber-\nflöte, Don Juan, Titus, Figaro, Idoineneus, Fidelio u. s. w.\nmit grosser Vollkommenheit aufführen zu können. Von den\ndurch ihn gebildeten Sängern und Sängerinnen haben ihn\nselbst nur sehr wenige überlebt. In jedem seiner Concerle\nbrachte er uns eine der Sinfonieen von Haydn, Mozart,\nSpohr und Beethoven zu Gehör, und der öfteren Wieder-\nholung der letzteren haben wir es hauptsächlich zu danken,\ndass uns dieselben ganz verständlich und über Alles lieb\ngeworden sind. Anschüz war der dritte Dirigent in Deutsch-\nland, der die neunte Sinfonie mit Chören vollstän-\ndig aufführte, ein Verdienst, worauf er nicht wenig\nstolz war.\nIm Jahre 1846 legte er seines vorgerückten Alters\nwegen die Direction des Institutes nieder, und besteht das-\nselbe seitdem auch ferner in der von ihm constituirten\nWeise zur Freude aller Musik-Verehrer fort.\nIn Anerkennung aller dieser Verdienste, und um seiner\nVaterstadt ein bleibendes Denkmal an diesen verdienstvollen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.7", "texte": "Mann zu erhalten, hat dieselbe dessen Bild in Lebens-\ngrösse mit dem Embleme seines Tantum ergo durch den\nhiesigen geschickten Maler Gustav Zick aus dem Fonds der\nLangen'schen Stiftung anfertigen lassen und in ihrer Ge-\nmälde-Galerie aufgestellt.\nWie durch seine Verdienste um die Musik, wurde An-\nschüz auch als ein wahrer Biedermann allgemein geehrt\nund von seinen Freunden hochgeschätzt. Dies bewies das\ngrosse Gefolge seiner mit musicalischen Trauerklängen zur\newigen Ruhe gebrachten Leiche. Sanft und friedlich ruhe\nseine Asche!\nCoblenz, den 6. Januar 1856.\n\nF.\n\nMozart-Stiftung in Frankfurt am Main.\nAufruf.\nDer Liederkranz zu Frankfurt am Main hat im Jahre 1838 eine\nStiftung gegründet, die mit Genehmigung ihrer Statuten durch\nden hohen Senat den Zweck hat, musicalische Talente bei ihrer\nAusbildung in der Compositionslehre zu unterstützen. Bereits sind\nmehrere befähigte Kunstjünger aus verschiedenen Gegenden Deutseh-\nlands durch die Unterstützung und Fürsorge dieser Stiftung ihrer\nweiteren Entwicklung zugeführt worden, und wieder liegen bei\neiner neuen, vor wenigen Monaten ausgeschriebenen Bewerbung\nzahlreiche Anmeldungen vor aus allen Gauen unseres deutschen\nVaterlandes. Soll aber diese Stiftung und die Zwecke ihrer Thä-\ntigkeit in weiterem Umfange segensreich werden, so ist ihr vor\nAllem eine breitere Basis und eine ausgedehntere Wirksamkeit zu\nverschaffen. Fast alles, was bis hieher geschehen, ist mit wenigen\nAusnahmen beinahe einzig und ausschliesslich durch die stete Thä-\ntigkeit und die unausgesetzt rastlose Anstrengung des frankfurter\nLiederkranzes und seiner nächsten Freunde und Verehrer bewerk-\nstelligt worden, und durch ihren Eifer allein ist das Capital bis zu\n28,000 Fl. herangewachsen.\nWie aber das Unternehmen einen gemeinnützigen Zweck hat,\nwie es alle Stämme und deren Söhne in unserem schönen, grossen\nVaterlande, so weit die deutsche Zunge klingt, der Wohlthat des\ngleichen Genusses theilhaftig macht, so ist auch wohl hinlänglich\nder Anspruch gerechtfertigt, dass alle Stämme und alle Städte ihr\nScherflein beitragen, um die Segnungen dieser schönen Stiftung in\nerweiterten Kreisen und in grösserem Maasse fruchtbringend zu\nmachen. Wohlan! die Feier des nahenden 27. Januar, der hun-\ndertjährigen Wiederkehr von Mozart's Geburtstag, gibt hierzu eine\neben so schöne als geeignete Veranlassung. Im Bewusslsein unse-\nrer guten Sache, getragen von dem Gefühle, wie grosse und erha-\nbene Zwecke durch die Weihe gemeinsamen Zusammenwirkens sich\nrasch und glänzend verwirklichen, richten wir an sämmtliche Thea-\nter-Vorstände, an sämmtliche Musik- und Gesang-Vereine unseres\ndeutschen Vaterlandes das dringende Ansuchen, bei der Feier des\n27. Januar und den lür diesen Tag projectirten festlichen Auflüh-\nrungen unsere Mozart-Stiftung an den financiellen Ergebnissen der-\nselben Theil nehmen zu lassen und uns so die Möglichkeit zu bie-\nten, die Wirksamkeit unserer Stiftung immer mehr zu erweitern\nund zu vervollständigen.\nAuch Frankfurt wird an diesem Tage den Manen des grossen\nMeisters mit erneutem Ausdrucke seine volle Verehrung in doppel-\nter Weise darbringen, indem durch eine grossartige Vereinigung\nsehr bedeutender musicalischer Kräfte, des C'äcilien-Vereins und\ndes Liederkranzes, samrnt den Vereinen für protestantischen und *\nkatholischen Kirchengesang und dem Seibt'schen Vereine, so wie\nmit Unterstützung des Theater- und Orchester-Personals, verstärkt\ndurch eine Anzahl tüchtiger Dilettanten, Mozart'sche Werke in der\nPaulskirche zur Aufführung kommen und der volle Ertrag\ndieses Concertes der Mozart-Stiftung zugewiesen\nwird.\nMöge die allgemeine Huldigung für den grossen Meister auch\nan anderen Orten in ähnlicher Weise ihre schönste Verwirklichung\nfinden! Möge die wahre Pietät, gehoben zugleich von echt patrio-\ntischer Gesinnung, sich in dem gemeinsamen Streben vereinigen,\ndiese herrliche Stiftung im ehrenden Andenken an den unsterb-\nlichen Tondichter in würdiger Form zu einer grossartigen und\nglorreichen Wirksamkeit zu erheben.\nFrankfurt am Main, den 5. Januar 1856.\nDer Verwaltungs-Ausschuss der Mozart-Stiftung.\nDr. Ponfick, d. Z. Präsident. Dr. Giar, Secretär u. s. w. x\n\nSechstes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Gasinosaale.\nDinstag, den 15. Januar.\nProTamm: I. 1) Sinfonie militaivon J. Haydn; 2) Scene\naus Gluck's „Orpheus\" für Alt-Solo, Chor und Orchester (Fräul.\nKaroline Levi); 3) Concert lür das Pianoforte in von F.\nChopin (Herr Ferd. Breunung); 4} Die lustigen Musicanten von\nCl. Brentano, für Soli, Chor und Orchester componirt von F. Hil-\n]cr. 11. 5) Lustspiel-Ouverture von J. Rietz; 6) Arie aus Fi-\ngaro's Hochzeit von Mozart (Fräul. Ida Dannemann); 7) Phanta-\nsie für Pianoforte, Soli, Chor und Orchester von Beethoven\n(Pianoforte Herr F. Breunung).\nDie Sinfonie wurde (bis auf die Trompeten-Stelle im Andante)\ngut ausgeführt. Die Scene aus Orpheus machte einen grossen Ein-\ndruck; der Chor war vortrefflich, Fräul. Levi sang die Partie mit\nVerständniss und Ausdruck. Das herrliche Concert von Chopin,\ndessen erster Satz nur etwas zu lang ist, wurde von Herrn Breu-\nnung ganz vortrefflich vorgetragen; ausser der grossen technischen\nFertigkeit zeigte das Spiel richtige Auffassung, Geschmack und\nSeele. Mit vollem Rechte ward ihm rauschender Beifall und Her-\nvorruf zu Theil.\nBrentano's Gedicht „Die lustigen Musicanten\" bietet unserer\nMeinung nach dem Componisten eine schwierige Aufgabe durch\ndie Ironie, welche darin liegt; denn die „lustigen\" Musicanten sind,\nwährend sie nach aussen hm fröhliche W eisen erschallen lassen,\nvon bitterstem Seclenschmcrz und körperlichen Leiden noch dazu\ngeplagt. Hiller hat ein hübsches Musikstück daraus gemacht, das\nin der Form, wie wir es jetzt hörten, nämlich mit vollem Orchester\nund grossem Chor, neu war. Die gedruckte Ausgabe mit Ciavier-\nBegleitung ist indess das Original.\nEbenfalls neu war uns die Lustspiel-0 uv er tur e von Jul.\nRietz. Sie erfreut durch einen wirklichen Glanz von Heiterkeit\nund durch frischen Schwung. Fräul. Dannemann sang die\nArie der Susanna (F-dur)aus Figaro; die Stimme ist besonders in\nder Region vom zweigestrichenen c bis zum zweigestrichenen recht\nklangvoll und angenehm, der Vortrag liess aber kalt. Die Phan-\ntasie von Beethoven machte besonders im Finale durch den star-\nken Chor eine begeisternde Wirkung."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560119-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nL. B.\nMöln. Am Mittwoch den 16. d» Mls» hatten wir das Vergnü-\ngen, Herrn Jacques Dupuis, Professor am Conservatorium zu\nLütt ich, im Theater zu hören. Herr Dupuis war uns schon vom\nvorigen Jahre her als ein ausgezeichneter Violinist bekannt; heute\nmüssen wir ihm das Zeugniss geben, dass er sich den grossen bel-\ngischen Violinspielern, einem de Beriot, Vieuxtemps, Leonard und\nPrume, dessen Schüler er ist, auf rühmliche Weise anschliesst. Er\nspielte ein Concert in drei Sätzen von seiner Composition und die\nPhantasie von Leonard über Sehubert's Sehnsuchts-Walzer. In bei-\nden Musikstücken, von denen das erste ein nicht unbedeutendes\nCompositions-Talent verräth, das nur noch des Maasses in Bezug\nauf die Häufung der Schwierigkeiten bedarf, zeigte er eine meister-\nhafte Technik bei stets vollem, aber keineswegs über die Schönheit\nhinaus forcirtem Tone und eine lobenswerthe Richtung auf edeln\nVortrag. Er wird von hier über Hannover nach Berlin gehen,\nund wir zweifeln nicht daran, dass er überall grosse Anerkennung\nfinden wird.\nIBesiift* Das dritte Abonnements-Concert brachte Sonnabend\nden 12. Januar ein Oratorium, Die Jahreszeiten von Haydn.\nDas Verlangen, diese herrliche Tondichtung in allen ihren vier\nAbtheilungen vollständig zu hören, hatte den schönen Saal im\n„Goldenen Stern\", welcher eine vortreffliche Akustik hat, mit allen\nNebenzimmern in dessen Verlängerung so gefüllt, dass auch kein\nPlätzchen unbenutzt blieb; es waren beinahe 800 Zuhörer da. Von\nsämmtlichen Nummern der vier Theile fiel bloss Eine (die Jagd-\nArie) aus, sonst wurde Alles gemacht. Herr Albert Dietrich,\ndem es gelungen ist, die zerstreuten musicalischen Kräfte der Stadt\nBonn, welche für Vocalmusik zahlreich und tüchtig vorhanden sind,\nzu vereinigen, hatte die Chöre vortrefflich eingeübt, und da auch\nder Klang der Stimmen, namentlich in Tenor und Sopran, sehr\nhell und frisch war, so machten die prächtigen Chöre, besonders\nim Frühlinge und Herbste, eine recht schöne Wirkung. Aber auch\nin Bezug auf das Orchester verdient die Sorgfalt des Probirens, die\nGenauigkeit in Beobachtung der vorgeschriebenen Ausdrucksweise\ndurch Herrn Dietrich vollkommene Arierkennung, um so mehr, als\ner bei der Instrumental-Partie, was in den Verhältnissen liegt, nicht\nüber so gute Kräfte verfügen konnte, wie bei den Chören. Auch\ndie Begleitung der Soli wusste er recht discret zu halten (nur bei\nden Recitativen hätten wir das Ciavier hinweg gewünscht warum\nnicht die Accorde für die Violoncells u. s. w. ausgeschrieben?).\nDie Soli waren durch zwei kunstgebildete Dilettanten (Sopran und\nBass) und durch Herrn Koch (Tenor) recht gut besetzt; nament-\nlich trug die durch reizende Stimme und treffliche Schule ausge-\nzeichnete Sopranistin die munteren Lieder im vierten Theile ganz\nallerliebst vor. Herrn Koch gelang besonders auch der schwierige\nVortrag der Arie: „Dem Druck erlieget die Natur\" sehr gut.\nWTenn die einzelnen Stimmen im Chor noch etwas mehr aus sich\nherausgehen, wie es z. B. der Tenor öfters that, so wird noch mehr\nSchwung in die Gesammt-Leistung kommen.\n** 18armen* Das 111. Abonnements-Concert am 29. Dec. unter\nLeitung des städtischen Musik-Directors C. Rein ecke Hess uns eine\nSinfonie von Haydn (B-dur) hören, darauf Web er' s Cavatine\n„Und ob die Wolke\", gesungen von Fräul. Dannemann aus El-\nberfeld, dann das Terzett „Gut, Söhnchcn, gut\" aus Fidelio (Fräul.\nDannemann, Fräul. Mann, Herr Schiffer) und Ghopin's\nAndante spianato und Polonaise für Piano, vorgetragen von Herrn\nFranz Schmitz. Den 11. Theil füllte Mozart's Requiem. Der\nChor documentirte die allererfreulichsten Fortschritte; er sang so\ngenau, tapfer und feurig, die Soprane mit Glanz bis zum hohen b\nhinauf, dass es eine wahre Freude war. Mit der Auffassung der\nTempi waren wir vollkommen einverstanden, nur in dem Rex Ire*\nmendae hätte das folgende in aj es tatis vielleicht durch ein etwas\nbreiteres Tempo verstärkt werden können. Auch die Sinfonie ging\ngut und wurde fein ausgeführt, was bekanntlich bei Haydn's Musik\nnicht eben leicht ist. Die Leistungen der Solisten waren recht gut;\nHerr Franz Schmitz spielte das schwierige Stück von Chopin\nmit vollständiger Beherrschung der Technik, durchaus sauber und\nmit richtigem Ausdrucke; es war eine sehr lobenswerthe Leistung.\nl®ari§. Die Sängerin Mad. Tedcsco ist in der grossen Oper\nals leides im Propheten wieder aufgetreten. Am Ende des vierten\nActes wurde sie mit Roger (der sein Engagement inNew-York\nnoch nicht angetreten hat, vielleicht gar nicht sich dem „unwirth-\nbaren\" Meere anvertrauen wird) gerufen.\nDen Orden der Ehren-Legion haben u* A. erhalten die Musiker\nund Componisten Gounod und Dietsch und der musicalische\nKritiker Fi or e n tin o."}]}