{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-02-02-01", "volume": "bmtnabi_1856-02-02_01", "ocr_sha256": "6f4639f7c45c987f5c9793a9ca6fa1d13d89f876f8c7bcb60ce11222ff46fde3", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/02/02_01/bmtnabi_1856-02-02_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-02-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-02_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "33", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 327, "texte": "Inhalt.\nMozarl's Wiege. Von L. Bisch off. Berliner Briefe (Richard Wagner's Tannhäuser). Von G. E. Aus München\n(Theater-Vorstellungen im Jahre 1855). - Zum 27. Januar 1856. Gedicht von F. W. Klappert. - Mozartfeier. Von L. B. -\nTages- und Unterhaltungsblatt (Mozartfeier in Köln —in Bonn. Mülheim a. Rh., Concert von A. Meyer)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-02-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-02_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "34", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.2.2", "titre_corps": "Mozart’s Wiege.", "titre_sommaire": "Mozart’s Wiege.", "signature_source": "L. 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Januar 1756.\nVon Süden her, erbrausend fessellos,\nStürzt sich der Föhn mit argem Uebermuth\nIn eines stillen Alpenthaies Schooss,\nWo noch die Erd' in tiefem Schlafe ruht.\nAn ihrem Lager steht ein starrer Mann,\nGehüllt in seinen Mantel dicht von Schnee;\nVo n blankem Eis hat er den Panzer an\nUnd ruft dem Sturme fest entgegen: „Steh!\"\n„Was willst du schon, du kecker Mittagswind?\nLass ab! und spare die vergeb'ne Müh!\nDer Frühling schläft, der Erde holdes Kind,\nUnd Kind und Mutter weckst du nicht so früh!\n„Dazu, Verweg'ner! hat's noch lange Zeit\nIch setze mich, das glaube nur, zur Wehr:\nDie warme Sonn' ist wahrlich auch noch weit,\nUnd Wunder gibt es heutzutag nicht mehr.\"\nDoch sieh! der Sturm in milden Hauch verweht,\nIn Rosenlicht der Alpen Krone glüht:\nDem Schnee entquillt ein frisches Blumenbeet,\nVon Frühlingsgrün und Sommerduft umblüht.\nDie Rose beuget sich darüber hin,\nMaiglock' und Veilchen spriessen auf im Nu,\nDie Myrte blüht und winkt mit tiefem Sinn\nDem Lorber ihre stille Neigung zu.\nUnd in der Mitte ruht, von Moos umschwellt,\nEin holder Knabe, lächelnd mild und lind:\nZur wunderbaren Wiege wird das Zelt\nVon Frühlingsblumen für das Wunderkind.\nDa öffnet an dem weiten Himmelsraum\nVon Sonnenstrahlen sich ein gold'nes Thor:\nUnd Wolken senken sich von ihrem Saum\nErtönt der Seraphstimmen voller Chor:\n„Du sollst es schau'n, das Bild des ewig Schönen,\nDess Anblick nur den Seligen gewährt:\nDein sei des Zaubers Allmacht, der in Tönen\nDas unaussprechlich Heilige verklärt!\n„Kühn mögest du den Himmlischen vertrauen,\nDie deine Wiege weihend du gesehn,\nUnd bei den Sternen dir die Wohnung bauen,\nWenn dich die Erdensöhne nicht verstehn!\n„Allein das Leben wogt in Lust und Schmerzen:\nEs darf dem Irdischen kein Geist entfliehn,\nDess Sendung lautet an der Menschen Herzen,\nUm sie zum Göttlichen empor zu ziehn.\n„Die Menge weiss nichts von dem ew'gen Glühen\nDer heil'gen Flammen in des Künstlers Brust:\nSie ist sich im Genuss der Harmonieen\nNur eigner Lust, nur eignes Weh's bewusst.\n„Willst du des Menschen Seele tief erschüttern,\nSo fühle, was des Menschen Herz bewegt;\nDes Schmerzes Weh, der Sehnsucht banges Zittern,\nDie Leidenschaft, die alles Grosse hegt;\n„Des Glaubens Kraft, den Muth in Ungewittern,\nDer raschen That erhab'ne Freudigkeit,\nDie Lebenslust auch hinter Kerkergittern,\nDer Freiheit Drang, der Liebe Seligkeit !\n„Verachte jedes Wahnes enge Schranken,\nOb auch die Welt dir keinen Weihrauch streut,\nUnd mit der Gottheit ewigen Gedanken\nDurchmiss die Räume, die dein Himmel beut!"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 451, "texte": "„Dein irdisch Glück sei dieses Seelenringen,\nDer edle Kampf, der niemals dich gereut:\nNicht Lorberkränze nur wird er dir bringen,\nDir ist ein schönerer Triumph bereit:\n„Dass in Millionen Herzen wiederklingen\nDie Töne, die dein Genius geweiht,\nDass sie, getragen auf der Andacht Schwingen,\nErhaben schweben über Welt und Zeit.\nSo wird des Menschen höchster Lohn dir werden:\nUnsterblichkeit im Himmel und auf Erden!\"\nKöln, 27. Januar 1856.\n\nL. Bischoff."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-02-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-02_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "34", "page_fin": "37", "image_debut": 2, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.2.3", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. E", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.2", "debut_caractere": 453, "fin_caractere_exclue": 4833, "texte": "Berliner Briefe.\n\n[Richard Wagner's Tannhäuser.]\nDen 21. Januar 1856.\nDer Tannhäuser hat bis jetzt vier Aufführungen erlebt.\nDass der Zudrang des Publicums sehr gross ist und noch\nlange bleiben wird, liegt in der Natur der Sache; denn\nselbst bei dem schlechtesten Erfolg von der Welt würde\njedermann, der sich einiger Maassen für Musik und Thea-\nter interessirt, ihn hören wollen. Auch lreibt das Streben,\nsich ein begründetes UrtherJ zu bilden, manchen, der ein\nGegner des Werkes ist oder wenigstens nur einen gerin-\ngen Grad von Theilnahme für dasselbe hat, mehr als Ein\nMal in das Theater; der wirkliche innere Erfolg lässt sich\nalso nur nach der Zahl derjenigen beurtheilen, die sich\npoetisch oder musicalisch dadurch in Wahrheit angeregt\nund erhoben fühlen. Wie viele solcher Freunde sich der\n1 annhäuser erworben hat, lässt sich noch gar nicht über-\nsehen. Die äusseren Symptome des Beifalls waren in allen\nbisherigen Aufführungen so gering, dass der Referent der\nFeuerspritze, ein entschiedener Anhänger Wagner's, gera-\ndezu erklärt, der 1 annhäuser habe in der ersten Auffüh-\nrung nicht einmal einen Succes d'estime erhalten, sondern\nFiasco gemacht; dies bedeute aber nichts; denn die wirk-\nliche erste Aufführung beginne erst dann, wenn sich die\nSchar der Neugierigen, denen Wagner freilich nichts Be-\nfriedigendes zu bieten im Stande sei, zurückgezogen habe\nund den wahren Freunden der Kunst Baum lasse. Der Re-\nferent der teuerspritze geht, wie meistens, so auch hierin\nzu weit; der Tannhäuser hat nicht Fiasco gemacht, aber\ner hat das Publicum unbefriedigt gelassen; er hat es, wenn\nauch nicht durchweg, so doch in vielen Theilen gelangweilt,\ntrotz herrlicher Decorationen und sorgfältiger Ausführung\ngelangweilt. Dies ist im Allgemeinen das Urt-heil, das die\nVox populi darüber fällt; die Kritik unserer politischen\nBlätter hat, mit Ausnahme Kossak's, der zwar im Einzel-\nnen mancherlei tadelt, aber im Ganzen sich mit einer ge-\nwissen Wärme ausspricht, eine grossentheils abwehrende\nHallung dem Werte oder wenigstens den Ansprüchen ge-\ngenuber. mit denen es in die Weit eingeführt ist, einge-\nnommen. Jedenfalls ist keine Aussicht vorhanden, dass Ber-\nlin durch die neue Richtung in einen Rausch der Begeiste-\nrung versetzt werde; eher ist die Gefahr da, dass unser\nPublicum sich zu gleichgültig, zu passiv dagegen verhalte;\ndenn wenn überhaupt positive Keime in diesem Chaos vor-\nhanden sein sollten, so bedarf es einer lebendigen Theil-\nnahme aller zu der Kunst in irgend einer Beziehung ste-\nhenden Kräfte, um sie zu fördern und zur Reife zu brin-\ngen. Wenn zu der Hervorbringung grosser Kunstwerke\ndie Einsamkeit des sich von der Welt zurückziehenden\nKünstlers das eine Moment ist, so ist es andererseits eben\nso nothwendig, dass die öffentliche Meinung sich unum-\nwunden und mit eingehender Bestimmtheit äussere; nur\naus diesem Kampfe können Werke entstehen, die mit dem\nReize der Originalität die einfache Verständlichkeit des all-\ngemein Menschlichen verbinden. Schlecht ist nur die Weich-\nlichkeit des Künstlers, der den Kampf mit dem Publicum\nnicht zu ertragen vermag und darin nicht die reinigende,\nfördernde Kraft erkennt; schlecht die vornehme Apathie\ndes Kunstfreundes, der sich nicht eher rührt, als bis das\nVollendete ihm fertig entgegentritt, und nicht bedenkt, dass\nauch er selbst sein Scherflein zu der Hervorbringung des\nVollendeten beitragen könnte.\nDie Aufführung des Tannhäuser war nicht durchweg\nvollendet, aber doch im Ganzen würdig. Fräul. Wagner\n(Elisabeth) und Herr Form es (Tannhäuser) geben alles,\nwas in ihren Kräften steht, die freilich bei jener in der\nEigentümlichkeit ihrer Stimmlage, bei diesem in der un-\ndurchgebildeten Technik und der hin und wieder hervor-\ntretenden Unsicherheit der Auffassung ihre Gränze finden.\nHerr Rad man er (Wolfram) lässt in der Technik eben-\nfalls Vieles vermissen, macht aber Manches durch den wei-\nchen, duftigen Klang seiner Stimme wieder gut. Frau Her-\nrenburg -Tuczek (Venus) zeigt, wie immer, richtigen\nTact. Am wenigsten befriedigt Herr Bost (Landgraf), dem\nder für diese Rolle erforderliche Adel des Organs abgeht.\nDie Chöre sind, wenn man den Maassstab von Theater-\nChören anlegt und die Schwierigkeiten, die namentlich im\nPilgergesange vorkommen, in Anschlag bringt, genügend.\nDas Orchester lös't seine Aufgabe meisterhaft. Die Deco-\nrationen, namentlich die Landschaft des dritten Actes und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5300, "texte": "der Wartburg-Saal, zeugen von dem edelsten Kunstge-\nschmacke ; die Scenerie, besonders in den dem Sänger-\nkampfe vorhergehenden Festlichkeiten, nächstdem am\nSchlüsse des ersten und dritten Actes, ist eben so leben-\ndig als geschickt angeordnet. Nur das Innere des Venus-\nberges wäre noch phantastischer, poetischer zu wünschen.\nIch würde fürchten, die Leser Ihres Blattes zu ermüden,\nwenn nach so vielen Berichten auch ich noch mit einem\nausführlichen Berichte kommen woilte. Doch einige Bemer-\nkungen werden Sie mir wohl gestatten. Manches hätte\nWagner von seinem eigenen Standpunkte aus besser ma-\nchen können, als er es gethan hat. Er selbst hat anerkannt,\ndass in seinen Opern dem Gesänge rhythmische Lebendig-\nkeit und Bestimmtheit fehle. Er will, um der Deciamalion\nnichts zu vergeben, diesem Mangel in Zukunft dadurch ab-\nhelfen, dass er schon bei der Dichtung mannigfaltige Vers-\nmaasse anwendet, wie sie gerade der jedesmalige Ausdruck\nverlangt. Wir wollen abwarten, ob das Uebel dadurch ge-\nheilt werden kann. Dann wäre aber in der That viel ge-\nwonnen. Denn dieser declamatorisch nichtssagende Rhyth-*\nmus trägt unendlich viel bei zu der Unbedeutenbeit und\nMattigkeit, die wir in einem grossen Theile des Tannhäu-\nser empfinden, nicht nur musicalisch empfinden, sondern\nauch vom Standpunkte des dramatischen Ausdruckes aus.\nDer Dialog zwischen Venus und Tannhäuser, der Sänger-\nkampf und überhaupt der grössere Theil des zweiten Actes,\neinzelne kleinere Stellen des ersten und dritten Actes lei-\nden gewaltig unter dieser musicalischen Behandlung des\nGesanges. Wagner sieht sich für seinen Ausdruck auf die\nHarmonie, auf instrumentale Nebengedanken, auf das Co-\nlorit beschränkt; aber die Hauptsache, die Melodie ich\nmeine nicht jene inhaltlose, ohrengefällige, sondern die cha-\nrakteristische, deren Rhythmus die Verlängerung der zu\nGrunde liegenden Empfindung ist fehlt. So sind gewisse\nmusicalische Elemente des Ausdruckes da; aber sie entbeh-\nren der belebenden Seele. Auf der anderen Seite greift\nWagner im Tannhäuser zu Melodieen von trivialem Rhyth-\nmus, zu denen z. B. das Lied des Tannhäuser an die Ve-\nnus, das Arioso des Wolfram am Schlüsse des ersten Ac-\ntes, das Duett zwischen Tannhäuser und Elisabeth, die Ro-\nmanze des Wolfram im dritten Acte zu rechnen sind. Erwägt\nman, dass auch der Mangel der Form, da die thematische\nVerarbeitung in der Oper von geringerer Bedeutung ist,\ngrossentheils sich auf rhythmische Verhältnisse, auf Satz-\nund Perioden-Bau, und was damit zusammenhängt, zuriiek-\nlühren lässt, so ist eigentlich klar, dass Wagner einen gros-\nsen Theil der Vorwürfe, die man dem Tannhäuser macht,\nals gerecht anerkennen muss, da er die Quelle derselben\nanerkannt hat; und man hat ein Recht, zu hoffen, dass\nseine noch zu erwartenden Leistungen in vielen Beziehun-\ngen fertiger und gebildeter erscheinen werden, als seine\nbisherigen. Manches Andere aber, was in Tannhäuser und\nLohengrin unserer Kunst-Anschauung widerstrebt, scheint\nseinem Wesen so eigentümlich, dass man fürchten muss,\ner werde sich immer weiter darin befestigen. Es sind mu-\nsicalische Neigungen, die aber auch mit einer geistigen zu-\nsammenhangen und in der eigentümlichen Wahl und Be-\narbeitung der Stoffe ihre natürliche Erklärung finden. Wag-\nner vertraut sich jener Phantasie an, welche die Granzen\ndes Natürlichen weit überschreitet; das Abenteuerliche,\njene auf die Spitze getriebenen Bilder der Sinnlichkeit oder\nder Heiligkeit, der ungezähmten Begierde oder der hinge-\nbenden Liebe erfüllen seinen Geist; er flieht die beruhigte,\ngereinigte Atmosphäre, in der menschliche Bildung allein\ngedeihen kann; den Kampf der Gegensätze treibt er so\nweit, dass von keiner Vermittlung, von keiner natürlichen\nEntstehung derselben mehr die Rede ist. Die Harmonie\nmuss durch den Gegensatz hindurch gehen, um uns zu fes-\nseln; aber Wagner fängt mit den Gegensätzen als fertig\ngegebenen an und endet mit ihrer Zerstörung, ohne etwas\nPositives an ihre Steile zu setzen. Die Versöhnung erscheint\nals ein ausserhalb des Lebens und der Wirklichkeit Lie-\ngendes; dies ist nicht der wahre Kampf, der zu etwas Po-\nsitivern führt, sondern es ist der Untergang in den Wider-\nsprüchen der Weit. Jener ist eben so kraftlos, der die Ge-\ngensätze nicht beherrscht, als der sie ängstlich flieht und\nden sicheren Hafen der Ruhe nicht zu verlassen wagt.\nWagner beschwört die Geister herauf, aber er unterliegt\nihrer Macht. Um dies klarer zu erkennen, müssen wir uns\nden Text des Tannhäuser näher ansehen. Venus ist nicht\nein lebendiges Wesen, sondern die abstrafte sinnliche Lust.\nDie Minnesänger und als ihr wichtigster Vertreter Wolfram\nsprechen das entgegengesetzte Princip aus, das in der un-\nbedingten Hingebung an den geliebten Gegenstand besteht.\nSchon dadurch sind wir in ein künstliches System von Ge-\ngensätzen geführt. Unser Verstand mag dadurch angeregt\nwerden, auch unsere Phantasie; ja, wir können selbst zu-\ngeben, dass unser Gemüth in so fern dadurch berührt wird,\nals es eben ein aus dem Wesen des Gemüthes hergenom-\nmener Gegensatz ist, der hier zur Sprache kommt. Dennoch\nfehlt noch etwas, um unser Inneres durch und durch zu\nergreifen. Der Gegensatz entwickelt sich nicht aus natürli-\nchen Verhältnissen, er gewinnt kein concretes, individuelles\nLeben. Das wahre dichterische Kunstwerk muss unter"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5328, "texte": "mehreren Menschen vorgehen, die eben so sind und em-\npfinden, wie wir selbst; die dichterische Erhebung muss an\ndie Wirklichkeit und an die Natur anknüpfen, damit sie uns\nnicht als ein Fremdes, sondern als die Erhebung und Stei-\ngerung unseres eigenen Wesens erscheine. Wie viel wär-\nmer berührt uns z. B. der Stoff des Fidelio, in dem Flo-\nrestan und Leonore in so entschiedener Haltung auftreten,\nals es nur irgend nothwendig ist! Aber dieses äusserste\nMaass des Leidens, das in Florestan, und das äusserste\nMaass der Liebe und des Heroismus, das in Leonore er-\nscheint, ist nicht ein ursprünglich vorausgesetztes und\ndarum unwahres, sondern durch die Macht der Verhält-\nnisse natürlich entstanden. Der Dichter muss verstehen,\nuns an die Wirklichkeit der Gegensätze glauben zu lassen;\ndarum hinterlässt eine Dichtung, die zu phantastischen, ge-\nmachten Figuren ihre Zuflucht nimmt, keinen nachhaltigen\nund tiefen Eindruck. Das Zweite, wovon wir zu sprechen\nhaben, bezieht sich auf die Auflösung und Ueberwindung\nder Gegensätze. In einer wahren Tragödie trifft diejenigen\nder Untergang, die in den Gegensatz verstrickt sind. Wag-\nner macht es anders. Was aus dem Venusberge wird, er-\nfahren wir nicht; Wolfram und die Uebrigen fahren fort,\nihre reine, aber abstracte, unlebendige Auffassung der Liebe\nauf dieser Welt zu vertreten. Tannhäuser und Elisabeth\nsind, darum die edelsten, vollkommensten Gestalten des\nDrama's, weil ihnen beiden das Ideal einer höheren Ver-\neinigung von Geist und Sinnlichkeit vorschwebt. Tannhäu-\nser ist nicht bloss der in dem Sinnenreize der Liebe befan-\ngene Wüstling, denn er hat nicht das Bewusstsein eines\nHöheren verloren; Elisabeth ist nicht bloss die reine Jung-\nfrau, denn ihr Herz hat sich dem sinnlichen Tannhäuser\nvor allen Anderen zugewandt; ja, bei seiner ersten, noch\netwas zurückhaltenden Verherrlichung der geniessenden\nLiebe erhebt sie sich, ihm Beifall zuzurufen. In Beiden aber\nkommt es über das Streben nicht hinaus; als Verwirklichung\ndes Strebens lässt Wagner den Tod erscheinen. Es ist also\nvon einer Durcharbeitung des Gegensatzes im dramatischen\nSinne nicht die Rede. Es bleibt nichts übrig, als erstens\ndie abstracten Gegensätze selbst, zweitens das kraftlose\nSchwanken, drittens der Tod. Dies ist eine sehr unreife\nAnschauungsweise. Sie kann uns darum nicht befriedigen,\nweil sie mit einer Disharmonie abschliesst. Sie ist leiden-\nschaftlich und zerrissen, weil sie in den Gegensätzen ver-\nweilt; sie ist weichlich und siech, weil sie es nicht zu\neiner positiven Auflösung der Gegensätze bringt.\nIn seinen späteren Dramen hat Wagner Manches an-\nders gemacht, aber in der Neigung zum Phantastischen,\nUnnatürlichen, Maasslosen hat er sich noch gesteigert.\nDoch würde ich schwerlich so viel Worte über den\nText verlieren, der ja nur die Aufgabe hat, den inneren\nSinn der Musik lür das allgemeine Verständniss zu vermit-\nteln, der nur die Brücke sein soll, uns aus der Sphäre der\nuns nächsten und geläufigsten Vorstellungen in das Ton-\nreich zu führen, wenn nicht diese Richtung der Poesie\neinen verderblichen Einlluss auf die Musik selbst hätte. Jene\ngebildete, maassvolle musicalische Ausdrucksweise, die in\nder Harmonie Zusammenhang, in der Melodie einen schön\ngegliederten Rhythmus und möglichst reiche Selbstständig-\nkeit der Stimmen, in der Construction grösserer Tonstücke\neine thematische Grundlage erstrebt, lässt sich durch ab-\nstracte, phantastische Gestalten, wie Wagner sie seinen\nDichtungen zu Grunde legt, dem Gelühle nicht fasslich ma-\nchen. Wenn z. B. Elvira das Thema des Quartetts an-\nstimmt, so ist ihre augenblickliche Stimmung Zorn; aber es\nist nicht der Zorn, den etwa die Furie des Hasses hat,\nsondern der Zorn der Liebenden, der Zorn der edlen Spa-\nnierin, also Zorn, Liebe und Adel zugleich, eine gemischte\nmenschliche Stimmung. Gesteigerter ist der Ausdruck der\nRache in der grossen Arie der Donna Anna; und doch ist\nauch hier so viel Milde, Adel und Maass, dass diese Arie\nweit entfernt ist, der äusserste denkbare Ausdruck der\nRache zu sein; er ist vorherrschend darin, aber er ist nicht\ndas Alleinige. Ein musicalisches Kunstwerk, das in sich\nselbst Gestalt und Ebenmaass hat, erweckt auch die Vor-\nstellung eines schön geordneten Gemüths-Zustandes; und\nEin und derselbe Geist, der in der Poesie Himmel und\nHölle heraufbeschwört, durch das Wunderbare, ausserhalb\naller menschlichen Erfahrung Liegende blenden will, treibt\nauch in der Musik jene äusserlich zwar befremdenden, in-\nnerlich aber leeren Gestaltungen heraus, zu denen die mo-\nderne Romantik immer entschiedener hinweis't. Der schaf-\nfende Künstler soll die äussersten Spitzen des Ausdruckes\nwohl erreichen, aber nur als Höhepunkt, nicht als die blei-\nbende Atmosphäre, in der er sich bewegt. In der Kunst\nist auch das einseitige Streben nach dem Grossen und Er-\nhabenen vom öebel. Weil das wahrhaft vollendete Kunst-\nwerk alle Seiten des Lebens in sich enthalten soll, so darf\nihm auch jene Milderung nicht fehlen, in der die Unter-\nschiede sich nur fein abstufen, jene Hülle allgemein gülti-\nger Bildungs-Gesetze, hinter der sich die mannigfaltigsten\nIndividualitäten verbergen. So finden wir es bei den Mei-\n\\\nstern unserer Kunst, bei Haydn, Mozart, Beethoven; das Ge-\nsetz der Schönheit galt ihnen eben so viel, als die Leben-\ndigkeit der Kraft des Ausdruckes, und eben dadurch ge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3973, "texte": "wann der Ausdruck, was ihm vielleicht an äusserer Stärke\nabging, an innerer Tiele vielfach wieder. Wir glauben, dass\nMozart's Opern-Styl seine Vollendung nicht erreicht haben\nwürde, wenn ihm nicht in Italien die Opera bufpx vorange-\ngangen wäre, die der Phantasie eine Richtung auf das na-\ntürlich Menschliche, auf solche Wirkungen gab, die ohne\ngewaltsame Heraufzerrung, ohne Verwicklung der schönen\nOrdnungen der Kunst erreicht werden. Mozart bildete die-\nsen Styl feiner und weicher aus und verschmolz ihn mit\ndem Style der grossen tragischen Oper zu einem höheren\nGanzen. Auch für die Auswüchse unserer Zeit kann dies\nvielleicht zur Heilung und Rettung iühren. Warum suchen\nwir das Bedeutende, künstlerisch Ergreifende immer nur\nnach der Einen Richtung hin? Die komische, heitere, leichte\nGattung ist ein eben so wesentliches Element der Kunst.\nIndem diese beiden Richtungen sich gegenseitig begränzen\nund so die eine gehindert wird, zur Frivolität zu führen,\ndie andere, schwülstig und unnatürlich zu werden, entsteht\nerst der eigentliche Boden idealer Kunst. Werfen wir\nnun unseren Blick noch einmal auf den Tannhäuser, so fin-\nden wir in den Motiven, die den musicalischen Inhalt des\nVenusberges bilden, jenen äussersten Ausdruck sinnlichen\nTaumels. Man vermisst hier im Allgemeinen sinnlichen Reiz\nder Erfindung, und mit Recht; denn Wagner stellt eine Si-\ntuation dar, in der lür jeden nicht ganz entarteten Men-\nschen der sinnliche Reiz längst aufgehört hat; die letzten\ndenkbaren Verzerrungen der Sinnlichkeit haben nur noch\netwas Abstossendes, Widerwärtiges. Den Gegensatz zu die-\nsen Motiven bildet der Pilgergesang, den wir ebenfalls von\nmanchen bedenklichen harmonischen Wendungen nicht frei-\nsprechen möchten; dennoch ist hier Vieles gemildert und\ndaher wirklich schön. Dass Wagner nicht ohne musicali-\nsche Phantasie, nicht ohne Kunstsinn ist, hat er uns durch\ndieses Stück bewiesen. Abgesehen von der abstracten An-\nlage des Drama's, enthält der Tannhäuser im Einzelnen Si-\ntuationen, die natürlich und menschlich sind, und hier hat\nWagner auch als Componist Schönes, ja, selbst Bedeuten-\ndes geleistet. Wir heben namentlich die Scene zwischen\nWolfram und Tannhäuser im dritten Acte und jene Stelle\ndes zweiten Finale hervor, wo Elisabeth in den Kampf der\nSänger hineintritt, um ihren Geliebten vor dem drohenden\nTode zu-retten. Momente dieser Art erkennen wir voll-\nkommen und freudig an und können dem Dichter und Com-\nponisten danken, der Solches schaffen konnte.\nNoch erwähnen wir Einen Punkt. Die häufige Wie-\nderkehr gewisser Grund-Motive, die Wagner liebt, ist von\nVielen getadelt worden, und auch wir können in der Form,\nwie sie bei Wagner vorkommt, nicht damit einverstanden\nsein. Z. B. der Pilgerchor wiederholt sich viel zu häufig.\nDas Lied des Tannhäuser an die Venus ist zu unbedeu-\ntend, um überhaupt nur Ein Mal vorzukommen. Das Arioso\ndes Wolfram am Schlüsse des ersten Actes, das im zwei-\nten Acte ebenfalls anklingt, bezeichnet einen zu unwesent-\nlichen Moment in der dramatischen Entwicklung, um wie-\nderholt zu werden. Glücklicher ist die Erinnerung an die\nMotive des Venusberges. Dennoch ist hier vielleicht noch\nein Problem zu lösen. In einem gut angelegten Drama wer-\nden gewisse entscheidende Ausgangspunkte der Handlung\nsein, die sich eigentlich durch das Ganze hindurch ziehen,\nan einzelnen Stellen uns aber besonders lebendig zum Be-\nwusstsein kommen. So könnten auch in der musicalischen\nAnlage einer Oper gewisse Haupt-Motive als ein Ueber-\ngreifendes, die Mannigfaltigkeit des Einzel-Ausdruckes Be-\nherrschendes erscheinen, und auf diesem Wege liesse sich\neine vielleicht noch befriedigendere Kunstform der Oper\nherstellen, als die bisherige es ist. Uns thut der Gedanke\nwohl, in einer Richtung, die unserer Ansicht nach so viel\nVerirrung enthält, auch einen positiven Keim zu finden.\nDoch stellen wir es nur als ein Problem hin. Vielleicht fin-\ndet sich gelegentlich Zeit zu ausführlicherer Besprechung\ndieses Punktes.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-02-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-02_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "37", "page_fin": "38", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.2.4", "titre_corps": "Aus München.", "titre_sommaire": "Aus München.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.5", "debut_caractere": 3975, "fin_caractere_exclue": 4970, "texte": "Aus München.\nDas k. Hof- und National-Theater hat im Jahre 1855\n241 Vorstellungen gegeben (227 im Abonnement, d. i.\n37 mehr, als veriragsmässig verlangt werden konnten);\ndavon waren 172 Schauspiele und Possen (105 verschie-\ndene), 97 Opern und Singspiele (39 verschiedene), 29\nBallets und Divertissements (9 verschiedene) und 3 Concerte.\nAn Neuigkeiten wurden gegeben 30, nämlich 24\nneue und 6 neu einstudirle Werke. Im Schauspiel sind\nunter den ersteren zu erwähnen: „Der Fechter von Ra-\nvenna\" (7 Mal)— „Meister Andrea\", Lustspiel von Em.\nGeibel (3 Mal)— „Bürger und Junker\", altbürgerliches\nCharakterbild vonM. Ed. Schleich (8 Mal)—„Das Lied\nvon der Glocke\" mit Musik von P. von Lindpaintner\n(5 Mal)—„Die Makkabäer\" von 0. Ludwig (2 Mal)—\n„Pitt und Fox\", geschichtliches Original-Lustspiel von R.\nGott schall (2 Mal)—„Der Bürgergeneral\" vonGöthe\n(3 Mal) „Auf dem Lande\" von R. Benedix (2 Mal)—\n„Der Sturm\" von Shakespeare, Uebersetzung von\nSchlegel, Bearbeitung und Einrichtung von F. Dingel-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1162, "texte": "stedt, Musik von W. Taubert (3 Mal). Unter den\nneu einstudirten sind „Macbeth\" und „Julius Cäsar\" yon\nShakespeare zu bemerken, jener von Dingelstedt,\ndieser von H. Laube für die Bühne eingerichtet.\nIn der Oper waren neu „Undine\" von Lortzing\n(3 Mal)— „Tannhäuser\" von R. Wagner (10 Mal)\n„Die Favorite\" von Donizetti (1 Mal). Neu einstudirt\n„Euryanthe\" von C. M. v. Weber (I Mal).\nIm Schauspiel erschienen im Ganzen u. A. Angely\n5 Mal, Bauernfeld 3, Benedix 5, Birch-Pfeil'fer\n7, Göthe 12, Gutzkow 1, Hackländer 2, Hebbel\n1, Kotzebue 3, Lessing 2, Mosenthal 3, Nestroy\n3, Schiller 12, Scribe 10, Schleich 8, Shake-\nspeare 18, Sheridan (Lästerschule) 1, Sophokles\n(Antigone) 1 Mal.\nIn der Oper (vollständig): Adam 1 Mal, Auber\n10, Balle 1, Beethoven 1, Bellini 5, Boieldieu\n1, Donizetti 11, yon Flotow 6, Grisar 2, lla-\nlevy 1, C. Kreutzer 2, Lortzing 4, Marschner\n2, Meyerbeer 11, Mozart 4, W. Müller 1, Niko-\nlai (Lustige Weiber) 7, Rossini 2, Schenk 1, Wag-\nner 10, Weber 5 Mal.\nIm Ballet war neu „Die Wassernixe\" yon Perrot\n(4 Mal)*).\nVon Gästen bemerken wir u. A. Fräul. Marie Cru-\nvelli (5 Mal) und die Tänzerinnen Lucile Grahn (21\nMal!) und Pepita (11 Mal)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-02-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-02_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "38", "page_fin": "38", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.2.5", "titre_corps": "Zum 27. Januar 1856.", "titre_sommaire": "Zum 27. Januar 1856.", "signature_source": "F. W. Klappert", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.6", "debut_caractere": 1164, "fin_caractere_exclue": 3769, "texte": "Zum 27. Januar 1856.\nF. W. Klappert.\nAm siebenundzwanzigsten Januar\nEs wird heut' gerade hundert Jahr\nBesuchte in Salzburg trotz Sturmgebraus\nUnd Schneegestöber der Storch ein Haus.\n„Herr Unter-Director der Capelle!**)\nIch schritt über Eures Hauses Schwelle\nMit einem Kindlein von guter Art,\nDoch freilich so will's Euer Name zart.\"\n„„Herr Storch! Hat Er wieder gebracht a Madel,\nSo mag es sich nähren von der Nadel.\"\"\n„Addio! So geht doch nur in die Stub'!\nEs ist ein herzallerliebster Bub'.\"\n*) Bei den Ballets vermissen wir auf der „Uebersicht\" der k.\nHoftheater-Intendanz die Angabe der Componisten der Musik.\nOder hatten sie keine Original-Musik? Die Redact.\n**) Leopold Mozart, seit 1743 Hof-Musicus, später Hof-Componist\nund Anführer des Orchesters, endlich Vicc-Capellmeister des\nErzbischofes Sigismund zu Salzburg.\nHerr Mozart jubelt und wird behender\nUnd reisst von der Wand den klugen Kalender;\nEr sucht, welchem Heiligen dieser Tag,\nDer segensreiche, gehören mag.\nJohannes Chrysostomus lies't er und sinnt,\nUnd rennt\" dann jauchzend zu Mutter und Kind.\n„„Was meinst? Giovanni, Juan, Johannes!\nBedeutungsvoller Name des kleinen Mannes!\"\"\nFrau Mozart nickt. „„Dann Chrysostomus!\nIch drück' auf den Goldmund den ersten Kuss.\nWie Süsses werden von diesen Lippen\nDie Mädchen,-sogar die Musen nippen!\"\"\nDie Gattin entgegnet gar leise: „Es sei!\nNun Amadeus, dann sind es ihrer drei.\nHeisst Gottlieb er oder Gottgeliebt,\nWird Trost ihm, wenn Alles ringsum zerstiebt.\"\n„„Vom Vaternamen erbt schon er das zart;\nWas? Sanftmuth und Milde vierfach gepaart?\nSolch weichlicher Namengebungspott' ich.\nDissonanzen her! Etwas, das wild und zottig!\n„„Ich trage so lange den Leopold,\nDrum bin ich dem Namen wenig hold.\nBei Bernhard wird mir die Brust schon weiter,\nDoch fürcht' ich dabei den Bärenhäuter.\n„„Ha, Wolfgang! In Frankfurt am Main da drüben\nEs sind nun etwa der Jahre sieben\nHat auch Göthe, ein Rath, der des Hechtes pflegt,\nDem Sohn diesen Namen beigelegt.\n„„Das ist der rechte. So wird er getauft.44\"\nKaum hat Herr Mozart sich etwas verschnauft,\nDa nahn die Genossen, um einzusludiren,\nWas nächsten Abend ist aufzuführen.\n• %\nSo wie die Geigen Stimmung erheischen,\nBeginnt daneben der Bub' zu kreischen.\nEs ist das richtige a,was er schreit\nUnd immer und-immer wieder erneut.\nHerr Mozart senkt dann mit edelm Stolz\nDer Tact-Unkundigen Marterholz,\nUnd spricht: „„Der wird mir kein Ünter-Director,\nDer wird schon finden seinen Protector.\n„„Sein harret wohl eine bessere Stelle,\nAls bei der erzbischöflichen Capelle.\nApollo hat seine Lippen geweiht.\nSchrei', Wolfgang! Dir winkt Unsterblichkeit!\"\"\nHamm."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-02-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-02_01#c006", "volume": "bmtnabi_1856-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "38", "page_fin": "39", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.2.6", "titre_corps": "Mozartfeier.", "titre_sommaire": "Mozartfeier.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.6", "debut_caractere": 3771, "fin_caractere_exclue": 3942, "texte": "Mozartfeier.\n\nWenn wir erwägen, dass in diesen Tagen in allen\ndeutschen Landen von der Nord- und Ost-See bis zu den\nAlpen und dem adriatischen Meere, ja, auch jenseits der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3911, "texte": "Alpen, in Italien, dem Vaterlande der Musik, der Name\nMozart auf allen Lippen schwebt, dass Tausende wett-\neifern, bei den musicalischen und theatralischen Aufführun-\ngen zu seiner Ehre mitzuwirken, Hunderttausende sich in\ndie Säle drängen, um sich an seinen Tonschöpfungen zu\nerfreuen, sich anregen und begeistern zu lassen, und da-\ndurch den Glauben an das ewige Leben der Kunst zu stär-\nken: so ist dies ein Triumph für die Tonkunst selbst, der\nvielleicht in der Geschichte aller Künste als einzig in seiner\nArt da steht. Denn wahrlich, es ist nicht die dankbare Er-\ninnerung an den herrlichen Mann und an alles, was er\ngeschaffen, allein, welche die ganze Masse der Gebildeten\nin Deutschland aufregt, zu seiner Gedächtniss-Feier zu\nströmen; es ist auch nicht die historische Bedeu-\ntung Mozart's für die Entwicklung der Tonkunst, welche\ndas deutsche Volk in die Tempel zieht, wo sein Andenken\ngefeiert wird; denn diese kann ja doch nur von einer klei-\nnen Zahl wahrhaft gewürdigt werden; sondern es ist die\nFreude an seinen Schöpfungen selbst, die Liebe zu den\nTönen, die drei auf einander folgende Geschlechter entzückt\nhaben und uns noch entzücken, die Bewunderung des\nLebens jener edelsten Tongestalten, welche heute noch\neben so frisch und blühend vor uns erscheinen, wie einst\nvor unseren Eltern und Grosseltern; es ist die Theilnahme,\nder Genuss, die Begeisterung für die Musik, welche Mo-\nzart's Werke athmen. Das ist es, was alle Menschen heule\num die Altäre versammelt, die wir seinen Manen weihen,\ndas macht die Mozart-Feier zu einem wahren Volksfeste,\nzu einem lauten, unwillkürlich hervorbrechenden Zeugnisse\nzu Gunsten des in Deutschland, Gott sei Dank, noch unver-\ndorbenen Gelühls lür das wahre musicalische Schöne! So\nlange Mozart das Panier ist, welchem die Nation in ihrem\nKunstgeschmacke folgt, hat die Kunst nichts zu befürch-\nten, weder vom Rückschritte, noch vom Fortschritte. Wo\ndas „Monumentale\" mit der überwältigenden Macht der\nSchönheit in das Leben der Gegenwart so hineinragt, wie\nMozart's Werke in das Heute, da kann die Muse der Ton-\nkunst die phantastischen Träumer von dem Kunstwerke\nk\nder Zukunft ruhig gewähren lassen. „Es muss auch solche\nKäuze geben\", und die Bilderstürmerei hat überall nur\ndazu beigetragen, den Werth der Gemälde, welche künst-\nlerische Begeisterung lür das Ideale schuf, zu erhöhen.\nEin Mozart und ein Raphael!\nWie schuf Raphael? „Da man so wenig schöne\nweibliche Bildungen sieht, so halte ich mich an ein gewisses\nBild im Geiste, welches in meineSeele kommt.\"\n(Brief an den Grafen von Castiglione.)\nUnd Mozart? „Wenn ich gut aufgelegt bin, dann\nkommen mir die Ideen haufenweis: wo sie her kommen\noder wie sie kommen, das kann ich nicht sagen. Ich ge-\nrathe dann in Begeisterung, meine Ideen erweitern und\nentwickeln sich, und so ist die ganze Composition in mei-\nnem Kopfe schon so weit zu Ende gebracht, dass, so gross\nund bedeutend sie auch sein mag, ich sie im Geiste mit\nEinem Blick übersehe, gerade so als wie das Ganze\neines schönen Gemäldes oder einer hübschen Figur sich\nvor meinen Blick stellt. Ich höre in meiner Einbil-\ndungskraft das Ganze auf Einmal!\"\nRaphael: „Ich betrachte mein Werk manchmal selbst\nmit Lächeln. Aber es wird wie in einem angeneh-\nmen Traum vollendet, und ich habe während der Ar-\nbeit immer mehr an den Gegenstand gedacht, als\ndaran, wie ich ihn vorstellen möchte.\"\nMozart: „Die Verrichtung des Erfindens und der Fer-\ntigung geht in mir vor, wie ein schöner Traum.\"\nAntonio an Raphael: „Ich finde bei Euch nicht so\nschwere und aussergewöhnliche Verkürzungen der Glieder,\nwomit wohl andere Meister heutiges Tages die Vollkom-\nmenheit ihrer Kunst zu zeigen und uns zu quälen pflegen.\"\nSo brüten gewisse Musiker missgestaltete Motive aus,\ndie wie die geharnischten Männer der Drachensaat in der\nFabel verzweiflungsvoll einander selbst aufzehren. Und\nheute über hundert Jahre??? Was bleibet und\nwas schwindet ?? ?\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-02-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-02_01#c007", "volume": "bmtnabi_1856-02-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "40", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.7", "debut_caractere": 3913, "fin_caractere_exclue": 5077, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIn den Städten am Niederrheine ist die Jahrhundert-Feier von\nMozart's Geburtstag überall durch Aufführung Mozart'scher Werke\nfestlich begangen worden, und nach den vorläufigen Nachrich-\nten aus Elberfeld, Barmen, Düsseldorf, Aachen, Bonn\nu. s. w. unter allgemeiner und enthusiastischer Theilnahme des\nPublicums.\nIn Köln wurde an dem Geburtstage selbst, am 27. Januar,\nMorgens im Dome eine Messe von Mozart aufgeführt, Abends im\nTheater Figaro's Hochzeit gegeben. Ausserdem fanden in verschie-\ndenen Privat-Gesellschaften Festlichkeiten und Aufführungen Mo-\nzart'scher Musik durch Kunstfreunde Statt. Das Theater gewährte\ndurch sinnvolle Ausschmückung und glänzende Beleuchtung einen\nfestlichen Anblick; Frau Otto-Wernthal sprach einen von A. Pütz\ngedichteten Prolog, bei dessen Schlüsse Mozart ein Lebehoch unter\nBeifallssturm und Trompeten- und Pauken-Jubel erschallte. Das\nHaus war ausverkauft\nZur Vorfeier hatten am 26. Januar die beiden Vereine von\nKünstlern und Kunstfreunden, die musicalische und die phil-\nharmonische Gesellschaft, jede in ihnm Locale, Aufführun-\ngen veranstaltet. Das Programm des Festabends in der ersteren"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6204, "texte": "(Dirigent Herr Ed. Franck) lautete: Sinfonie in D-dur (von vier\nSätzen), zweite Arie des Belmonte aus der Entführung, Concert\nin Es - dur für zwei Pianofort e und Orchester (vortrefflich\nvorgetragen von F. Hiller und Ed. Franck), Ouvertüre zu Fi-\ngaro's Hochzeit, Arie des Grafen aus derselben Oper (Herr C.\nRein thaler), Ouvertüre zur Zauberflöte, der Priesterchor in\nD-dur.\nIn der philharmonischen Gesellschaft (Dirigent Herr Mu-\nsik-Director Weber) wurde gegeben: Sinfonie in C-dur mit der\nFuge, Concert für das Pianoforte mit Orchester in D-moll (mit\ngrosser Fertigkeit und vielem Ausdruck vorgetragen von Herrn\nLouis Brassin aus Leipzig), Arie und Männerchor aus der Zau-\nberfiöte und Ouvertüre zu derselben Oper.\nZur Nachfeier am 28. Januar fand das eigentliche Fest-Con-\ncert, veranstaltet von dem Vorstande der Concert-Gesell-\nschaft, im Casinosaale unter Leitung des städtischen Capellmei-\nsters Herrn F. Hill er Statt. Saal und Galerieen waren vollständig\nbesetzt. Der ganze Ertrag ist zur Gründung einer Freistelle\nauf der Rhein isch en Mus iksc h ul e zu Köln bestimmt worden.\nEs wurde nach den dreimaligen feierlichen Accorden aus der Zau-\nberflöte mit dem (oben mitgetheilten) Gedichte: „Mozart's Wiege44,\nals Prolog eröffnet. Das musicalische Programm enthielt: 1) Sinfo-\nnie in G-moll; 2J den Chorgesang Ave verum corpus natum\\ 3) Chore\nund die Arien für Sopran und Tenor aus der Cantate Davidde pe-\nnitenie (die Soli gesungen von Frau Dr. Mampe-Babnigg und\nHerrn A. Pütz). ln der zweiten Abtheilung: 4) Drei Scenen\naus der Oper Idomeneo, Soli und Chöre {a. „0 furchtbar Gelübde!44\nb. „Der Friede lebe.44 c. „Ruhig sind Meer und Winde44); 5) Con-\ncert für Pianoforte und Orchester in D-dur (Nr. 20, von Mozart\nbei der Krönungsfeier Leopold's 11. zu Frankfurt gespielt); 6) Aus\nder Zauberflöte der Priestermarsch und die Arie mit Chor: „0 Isis44\n(Herr DuMont-Fier); 7) Arie der Vitellia: „Nie wird mich Hymen44,\naus Titus (Frau Mampe-Babnigg); 8) Ouvertüre zu Titus. Ueber\ndie Ausführung können wir nicht ins Einzelne gehen. Orchester\nund Chor wirkten vortrefflich und mit sichtbarer Liebe und Be-\ngeisterung. Von den Solo-Vorträgen müssen wir den ganz ausge-\nzeichnet schönen Vortrag des Clavier-Concertes durch F. Hill er\nerwähnen, dem nach jedem Satze stürmischer Beifall wurde.\n** In Bonn musste das Fest-Concert für Mozart's Geburlstag\nauf den 29. Januar verlegt werden, weil nur für diesen Tag die\nVervollständigung des Orchesters durch auswärtige Instrumentalisten\nmöglich war. Es war durch die Aufführung mehrerer bisher unbe-\nkannter Compositionen aus Mozart's Jugendzeit sehr belangreich.\nDie Instrumental-Musik war durch eines seiner letzten Werke, die\nSinfonie in Es-dur (1788) vertreten; nach ihr folgten in chronolo-\ngischer Ordnung die Einleitung und die erste liedartige Arie für\nSopran aus Bastien und Bastienne, einem kleinen Schäferspiel,\nvon Mozart als zwölfjährigem Knaben in Wien 1768 componirt.\nDann aus der dritten und letzten in Italien (1772) geschriebenen\nOpera seria Lucio Silla ein grosses Recitativ für Sopran und Arie\nmit Chor. Ferner Schluss-Chor des ersten Actes mit Solostimmen\naus Idomeneo (1780) das wundervolle Quintett in Es-dur aus\nCosi fan tutte (1790) und zum Schlüsse die grosse Lita-\nnei de venerabili altaris sacramento in Es-dur, in Salzburg im Jahre\n1776 componirt. Alle diese Sachen gelangen in der Ausführung\ngut; der Eifer des Dirigenten Herrn Dietrich und sämmtlicher\nMitwirkenden verdient die höchste Anerkennung. Die Sinfonie kam\ngut und zum Theil auch recht fein heraus; die Chöre gingen sieber\nund gut, auch die sehr schwierige, lange Fuge Pignus aus der Li-\ntanei. Fräulein Nina Hartman n aus Köln, welche die Sopran-\nSoli sang, lös'te ihre Aufgabe sehr gut und sang namentlich das\nschwere Recitativ „Morte fatal, della tua mano\" aus der Oper Silla\nganz vortrefflich, sicher und mit Verstand und Feuer; auch die\nübrigen Soli, die Bravoursachen in der Litanei, gelangen gut, und\ndie Sängerin erhielt bei unserem Publicum eine Seltenheit\njedesmal lebhaften Beifall.\nDie vorgeführten früheren Arbeiten Mozart's machten nicht nur\nden Eindruck von geschichtlich interessanter, sondern auch von\nwirklich schöner Musik, namentlich gab die Litanei einen glänzen-\nden Beweis, zu welcher Reife Mozart damals bereits gediehen war,\nwie vollkommen er alle Mittel seiner Kunst beherrschte, und wel-\ncher Richtung er folgte, wenn er nicht fremdem Einflüsse nachzu-\ngeben genöthigt war. Die Schönheit, der Ernst und die Grossartig-\nkeit dieser Litanei lassen den Componisten des Requiem nicht ver-\nkennen. Wir fanden alles, was Prof. Otto Jahn S. 508 u. ff. im\nersten Theile seines „W. A. Mozart\" darüber sagjt, vollkommen\nbestätigt.\nDer Saal im goldenen Stern war überfüllt, und viele Fremde\nkonnten keinen Platz mehr finden. Ehrende Erwähnung verdient\nes auch, dass durch die Liberalität mehrerer hiesiger Kunstfreunde\ndafür gesorgt war, dass keine Rücksicht auf aussergewöhnliche\nKosten die Ausführung des Fest-Concertes nach dem angenomme-\nnen Plane beschränkte.\n***- Müllieim £&• S&1&. Am 20. Januar haben wir hier ein\nConcert gehabt, in welchem der Dirigent desselben, Herr A.\nMeyer, wiederum die erfreulichsten Beweise seines Wirkens für\ndie Liebe zur Musik und für Vervollkommnung der Leistungendes\nSing-Vereins und des Quartett-Vereins (für Männerge-\nsang) gab. Einen besonderen Glanz verlieh dem Abend die Mit-\nwirkung des Hrn. E. Koch aus Köln, welcher einige Lieder von\nF. Schubert vortrug. Ein hiesiger Dilettant, Hr. Jos. Noizet,\nSchüler des Hrn. Koch, trug das Duett aus Beiisar (mit Hrn. Fr.\nSartorius, Tenor) und die Arie aus Hans Heiling mit einer so-\nnoren hohen Baritonstimme recht brav vor und erinnerte daran,\ndass Mülheim die Vaterstadt der Gebrüder Form es ist. Die\nLeistungen eines jungen Violinspielers wollen wir übergehen: die\nerste derselben war noch sehr schülerhaft; die zweite etwas besser.\nDie „Süddeutsche Musik-Zeitung44 (Mainz, bei Schott's Söhnen)\nbringt bei Gelegenheit der Mozart-Feier ein Gedicht auf Mozart's\nRequiem, welches Se. Eminenz den Herrn Cardinal und Erzbischof\nJohannes vonGeissel zum Verfasser hat, der es im Jahre 1846\nals Bischof von Speyer zum Vortrag in einem Mozart-Concerte be-\nstimmt hatte."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMozarl's Wiege. Von L. Bisch off. Berliner Briefe (Richard Wagner's Tannhäuser). Von G. E. Aus München\n(Theater-Vorstellungen im Jahre 1855). - Zum 27. Januar 1856. Gedicht von F. W. Klappert. - Mozartfeier. Von L. B. -\nTages- und Unterhaltungsblatt (Mozartfeier in Köln —in Bonn. Mülheim a. Rh., Concert von A. Meyer).\n\nMozart’s Wiege.\n\nDen 27. Januar 1756.\nVon Süden her, erbrausend fessellos,\nStürzt sich der Föhn mit argem Uebermuth\nIn eines stillen Alpenthaies Schooss,\nWo noch die Erd' in tiefem Schlafe ruht.\nAn ihrem Lager steht ein starrer Mann,\nGehüllt in seinen Mantel dicht von Schnee;\nVo n blankem Eis hat er den Panzer an\nUnd ruft dem Sturme fest entgegen: „Steh!\"\n„Was willst du schon, du kecker Mittagswind?\nLass ab! und spare die vergeb'ne Müh!\nDer Frühling schläft, der Erde holdes Kind,\nUnd Kind und Mutter weckst du nicht so früh!\n„Dazu, Verweg'ner! hat's noch lange Zeit\nIch setze mich, das glaube nur, zur Wehr:\nDie warme Sonn' ist wahrlich auch noch weit,\nUnd Wunder gibt es heutzutag nicht mehr.\"\nDoch sieh! der Sturm in milden Hauch verweht,\nIn Rosenlicht der Alpen Krone glüht:\nDem Schnee entquillt ein frisches Blumenbeet,\nVon Frühlingsgrün und Sommerduft umblüht.\nDie Rose beuget sich darüber hin,\nMaiglock' und Veilchen spriessen auf im Nu,\nDie Myrte blüht und winkt mit tiefem Sinn\nDem Lorber ihre stille Neigung zu.\nUnd in der Mitte ruht, von Moos umschwellt,\nEin holder Knabe, lächelnd mild und lind:\nZur wunderbaren Wiege wird das Zelt\nVon Frühlingsblumen für das Wunderkind.\nDa öffnet an dem weiten Himmelsraum\nVon Sonnenstrahlen sich ein gold'nes Thor:\nUnd Wolken senken sich von ihrem Saum\nErtönt der Seraphstimmen voller Chor:\n„Du sollst es schau'n, das Bild des ewig Schönen,\nDess Anblick nur den Seligen gewährt:\nDein sei des Zaubers Allmacht, der in Tönen\nDas unaussprechlich Heilige verklärt!\n„Kühn mögest du den Himmlischen vertrauen,\nDie deine Wiege weihend du gesehn,\nUnd bei den Sternen dir die Wohnung bauen,\nWenn dich die Erdensöhne nicht verstehn!\n„Allein das Leben wogt in Lust und Schmerzen:\nEs darf dem Irdischen kein Geist entfliehn,\nDess Sendung lautet an der Menschen Herzen,\nUm sie zum Göttlichen empor zu ziehn.\n„Die Menge weiss nichts von dem ew'gen Glühen\nDer heil'gen Flammen in des Künstlers Brust:\nSie ist sich im Genuss der Harmonieen\nNur eigner Lust, nur eignes Weh's bewusst.\n„Willst du des Menschen Seele tief erschüttern,\nSo fühle, was des Menschen Herz bewegt;\nDes Schmerzes Weh, der Sehnsucht banges Zittern,\nDie Leidenschaft, die alles Grosse hegt;\n„Des Glaubens Kraft, den Muth in Ungewittern,\nDer raschen That erhab'ne Freudigkeit,\nDie Lebenslust auch hinter Kerkergittern,\nDer Freiheit Drang, der Liebe Seligkeit !\n„Verachte jedes Wahnes enge Schranken,\nOb auch die Welt dir keinen Weihrauch streut,\nUnd mit der Gottheit ewigen Gedanken\nDurchmiss die Räume, die dein Himmel beut!"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.2", "texte": "„Dein irdisch Glück sei dieses Seelenringen,\nDer edle Kampf, der niemals dich gereut:\nNicht Lorberkränze nur wird er dir bringen,\nDir ist ein schönerer Triumph bereit:\n„Dass in Millionen Herzen wiederklingen\nDie Töne, die dein Genius geweiht,\nDass sie, getragen auf der Andacht Schwingen,\nErhaben schweben über Welt und Zeit.\nSo wird des Menschen höchster Lohn dir werden:\nUnsterblichkeit im Himmel und auf Erden!\"\nKöln, 27. Januar 1856.\n\nL. Bischoff.\n\nBerliner Briefe.\n\n[Richard Wagner's Tannhäuser.]\nDen 21. Januar 1856.\nDer Tannhäuser hat bis jetzt vier Aufführungen erlebt.\nDass der Zudrang des Publicums sehr gross ist und noch\nlange bleiben wird, liegt in der Natur der Sache; denn\nselbst bei dem schlechtesten Erfolg von der Welt würde\njedermann, der sich einiger Maassen für Musik und Thea-\nter interessirt, ihn hören wollen. Auch lreibt das Streben,\nsich ein begründetes UrtherJ zu bilden, manchen, der ein\nGegner des Werkes ist oder wenigstens nur einen gerin-\ngen Grad von Theilnahme für dasselbe hat, mehr als Ein\nMal in das Theater; der wirkliche innere Erfolg lässt sich\nalso nur nach der Zahl derjenigen beurtheilen, die sich\npoetisch oder musicalisch dadurch in Wahrheit angeregt\nund erhoben fühlen. Wie viele solcher Freunde sich der\n1 annhäuser erworben hat, lässt sich noch gar nicht über-\nsehen. Die äusseren Symptome des Beifalls waren in allen\nbisherigen Aufführungen so gering, dass der Referent der\nFeuerspritze, ein entschiedener Anhänger Wagner's, gera-\ndezu erklärt, der 1 annhäuser habe in der ersten Auffüh-\nrung nicht einmal einen Succes d'estime erhalten, sondern\nFiasco gemacht; dies bedeute aber nichts; denn die wirk-\nliche erste Aufführung beginne erst dann, wenn sich die\nSchar der Neugierigen, denen Wagner freilich nichts Be-\nfriedigendes zu bieten im Stande sei, zurückgezogen habe\nund den wahren Freunden der Kunst Baum lasse. Der Re-\nferent der teuerspritze geht, wie meistens, so auch hierin\nzu weit; der Tannhäuser hat nicht Fiasco gemacht, aber\ner hat das Publicum unbefriedigt gelassen; er hat es, wenn\nauch nicht durchweg, so doch in vielen Theilen gelangweilt,\ntrotz herrlicher Decorationen und sorgfältiger Ausführung\ngelangweilt. Dies ist im Allgemeinen das Urt-heil, das die\nVox populi darüber fällt; die Kritik unserer politischen\nBlätter hat, mit Ausnahme Kossak's, der zwar im Einzel-\nnen mancherlei tadelt, aber im Ganzen sich mit einer ge-\nwissen Wärme ausspricht, eine grossentheils abwehrende\nHallung dem Werte oder wenigstens den Ansprüchen ge-\ngenuber. mit denen es in die Weit eingeführt ist, einge-\nnommen. Jedenfalls ist keine Aussicht vorhanden, dass Ber-\nlin durch die neue Richtung in einen Rausch der Begeiste-\nrung versetzt werde; eher ist die Gefahr da, dass unser\nPublicum sich zu gleichgültig, zu passiv dagegen verhalte;\ndenn wenn überhaupt positive Keime in diesem Chaos vor-\nhanden sein sollten, so bedarf es einer lebendigen Theil-\nnahme aller zu der Kunst in irgend einer Beziehung ste-\nhenden Kräfte, um sie zu fördern und zur Reife zu brin-\ngen. Wenn zu der Hervorbringung grosser Kunstwerke\ndie Einsamkeit des sich von der Welt zurückziehenden\nKünstlers das eine Moment ist, so ist es andererseits eben\nso nothwendig, dass die öffentliche Meinung sich unum-\nwunden und mit eingehender Bestimmtheit äussere; nur\naus diesem Kampfe können Werke entstehen, die mit dem\nReize der Originalität die einfache Verständlichkeit des all-\ngemein Menschlichen verbinden. Schlecht ist nur die Weich-\nlichkeit des Künstlers, der den Kampf mit dem Publicum\nnicht zu ertragen vermag und darin nicht die reinigende,\nfördernde Kraft erkennt; schlecht die vornehme Apathie\ndes Kunstfreundes, der sich nicht eher rührt, als bis das\nVollendete ihm fertig entgegentritt, und nicht bedenkt, dass\nauch er selbst sein Scherflein zu der Hervorbringung des\nVollendeten beitragen könnte.\nDie Aufführung des Tannhäuser war nicht durchweg\nvollendet, aber doch im Ganzen würdig. Fräul. Wagner\n(Elisabeth) und Herr Form es (Tannhäuser) geben alles,\nwas in ihren Kräften steht, die freilich bei jener in der\nEigentümlichkeit ihrer Stimmlage, bei diesem in der un-\ndurchgebildeten Technik und der hin und wieder hervor-\ntretenden Unsicherheit der Auffassung ihre Gränze finden.\nHerr Rad man er (Wolfram) lässt in der Technik eben-\nfalls Vieles vermissen, macht aber Manches durch den wei-\nchen, duftigen Klang seiner Stimme wieder gut. Frau Her-\nrenburg -Tuczek (Venus) zeigt, wie immer, richtigen\nTact. Am wenigsten befriedigt Herr Bost (Landgraf), dem\nder für diese Rolle erforderliche Adel des Organs abgeht.\nDie Chöre sind, wenn man den Maassstab von Theater-\nChören anlegt und die Schwierigkeiten, die namentlich im\nPilgergesange vorkommen, in Anschlag bringt, genügend.\nDas Orchester lös't seine Aufgabe meisterhaft. Die Deco-\nrationen, namentlich die Landschaft des dritten Actes und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.3", "texte": "der Wartburg-Saal, zeugen von dem edelsten Kunstge-\nschmacke ; die Scenerie, besonders in den dem Sänger-\nkampfe vorhergehenden Festlichkeiten, nächstdem am\nSchlüsse des ersten und dritten Actes, ist eben so leben-\ndig als geschickt angeordnet. Nur das Innere des Venus-\nberges wäre noch phantastischer, poetischer zu wünschen.\nIch würde fürchten, die Leser Ihres Blattes zu ermüden,\nwenn nach so vielen Berichten auch ich noch mit einem\nausführlichen Berichte kommen woilte. Doch einige Bemer-\nkungen werden Sie mir wohl gestatten. Manches hätte\nWagner von seinem eigenen Standpunkte aus besser ma-\nchen können, als er es gethan hat. Er selbst hat anerkannt,\ndass in seinen Opern dem Gesänge rhythmische Lebendig-\nkeit und Bestimmtheit fehle. Er will, um der Deciamalion\nnichts zu vergeben, diesem Mangel in Zukunft dadurch ab-\nhelfen, dass er schon bei der Dichtung mannigfaltige Vers-\nmaasse anwendet, wie sie gerade der jedesmalige Ausdruck\nverlangt. Wir wollen abwarten, ob das Uebel dadurch ge-\nheilt werden kann. Dann wäre aber in der That viel ge-\nwonnen. Denn dieser declamatorisch nichtssagende Rhyth-*\nmus trägt unendlich viel bei zu der Unbedeutenbeit und\nMattigkeit, die wir in einem grossen Theile des Tannhäu-\nser empfinden, nicht nur musicalisch empfinden, sondern\nauch vom Standpunkte des dramatischen Ausdruckes aus.\nDer Dialog zwischen Venus und Tannhäuser, der Sänger-\nkampf und überhaupt der grössere Theil des zweiten Actes,\neinzelne kleinere Stellen des ersten und dritten Actes lei-\nden gewaltig unter dieser musicalischen Behandlung des\nGesanges. Wagner sieht sich für seinen Ausdruck auf die\nHarmonie, auf instrumentale Nebengedanken, auf das Co-\nlorit beschränkt; aber die Hauptsache, die Melodie ich\nmeine nicht jene inhaltlose, ohrengefällige, sondern die cha-\nrakteristische, deren Rhythmus die Verlängerung der zu\nGrunde liegenden Empfindung ist fehlt. So sind gewisse\nmusicalische Elemente des Ausdruckes da; aber sie entbeh-\nren der belebenden Seele. Auf der anderen Seite greift\nWagner im Tannhäuser zu Melodieen von trivialem Rhyth-\nmus, zu denen z. B. das Lied des Tannhäuser an die Ve-\nnus, das Arioso des Wolfram am Schlüsse des ersten Ac-\ntes, das Duett zwischen Tannhäuser und Elisabeth, die Ro-\nmanze des Wolfram im dritten Acte zu rechnen sind. Erwägt\nman, dass auch der Mangel der Form, da die thematische\nVerarbeitung in der Oper von geringerer Bedeutung ist,\ngrossentheils sich auf rhythmische Verhältnisse, auf Satz-\nund Perioden-Bau, und was damit zusammenhängt, zuriiek-\nlühren lässt, so ist eigentlich klar, dass Wagner einen gros-\nsen Theil der Vorwürfe, die man dem Tannhäuser macht,\nals gerecht anerkennen muss, da er die Quelle derselben\nanerkannt hat; und man hat ein Recht, zu hoffen, dass\nseine noch zu erwartenden Leistungen in vielen Beziehun-\ngen fertiger und gebildeter erscheinen werden, als seine\nbisherigen. Manches Andere aber, was in Tannhäuser und\nLohengrin unserer Kunst-Anschauung widerstrebt, scheint\nseinem Wesen so eigentümlich, dass man fürchten muss,\ner werde sich immer weiter darin befestigen. Es sind mu-\nsicalische Neigungen, die aber auch mit einer geistigen zu-\nsammenhangen und in der eigentümlichen Wahl und Be-\narbeitung der Stoffe ihre natürliche Erklärung finden. Wag-\nner vertraut sich jener Phantasie an, welche die Granzen\ndes Natürlichen weit überschreitet; das Abenteuerliche,\njene auf die Spitze getriebenen Bilder der Sinnlichkeit oder\nder Heiligkeit, der ungezähmten Begierde oder der hinge-\nbenden Liebe erfüllen seinen Geist; er flieht die beruhigte,\ngereinigte Atmosphäre, in der menschliche Bildung allein\ngedeihen kann; den Kampf der Gegensätze treibt er so\nweit, dass von keiner Vermittlung, von keiner natürlichen\nEntstehung derselben mehr die Rede ist. Die Harmonie\nmuss durch den Gegensatz hindurch gehen, um uns zu fes-\nseln; aber Wagner fängt mit den Gegensätzen als fertig\ngegebenen an und endet mit ihrer Zerstörung, ohne etwas\nPositives an ihre Steile zu setzen. Die Versöhnung erscheint\nals ein ausserhalb des Lebens und der Wirklichkeit Lie-\ngendes; dies ist nicht der wahre Kampf, der zu etwas Po-\nsitivern führt, sondern es ist der Untergang in den Wider-\nsprüchen der Weit. Jener ist eben so kraftlos, der die Ge-\ngensätze nicht beherrscht, als der sie ängstlich flieht und\nden sicheren Hafen der Ruhe nicht zu verlassen wagt.\nWagner beschwört die Geister herauf, aber er unterliegt\nihrer Macht. Um dies klarer zu erkennen, müssen wir uns\nden Text des Tannhäuser näher ansehen. Venus ist nicht\nein lebendiges Wesen, sondern die abstrafte sinnliche Lust.\nDie Minnesänger und als ihr wichtigster Vertreter Wolfram\nsprechen das entgegengesetzte Princip aus, das in der un-\nbedingten Hingebung an den geliebten Gegenstand besteht.\nSchon dadurch sind wir in ein künstliches System von Ge-\ngensätzen geführt. Unser Verstand mag dadurch angeregt\nwerden, auch unsere Phantasie; ja, wir können selbst zu-\ngeben, dass unser Gemüth in so fern dadurch berührt wird,\nals es eben ein aus dem Wesen des Gemüthes hergenom-\nmener Gegensatz ist, der hier zur Sprache kommt. Dennoch\nfehlt noch etwas, um unser Inneres durch und durch zu\nergreifen. Der Gegensatz entwickelt sich nicht aus natürli-\nchen Verhältnissen, er gewinnt kein concretes, individuelles\nLeben. Das wahre dichterische Kunstwerk muss unter"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.4", "texte": "mehreren Menschen vorgehen, die eben so sind und em-\npfinden, wie wir selbst; die dichterische Erhebung muss an\ndie Wirklichkeit und an die Natur anknüpfen, damit sie uns\nnicht als ein Fremdes, sondern als die Erhebung und Stei-\ngerung unseres eigenen Wesens erscheine. Wie viel wär-\nmer berührt uns z. B. der Stoff des Fidelio, in dem Flo-\nrestan und Leonore in so entschiedener Haltung auftreten,\nals es nur irgend nothwendig ist! Aber dieses äusserste\nMaass des Leidens, das in Florestan, und das äusserste\nMaass der Liebe und des Heroismus, das in Leonore er-\nscheint, ist nicht ein ursprünglich vorausgesetztes und\ndarum unwahres, sondern durch die Macht der Verhält-\nnisse natürlich entstanden. Der Dichter muss verstehen,\nuns an die Wirklichkeit der Gegensätze glauben zu lassen;\ndarum hinterlässt eine Dichtung, die zu phantastischen, ge-\nmachten Figuren ihre Zuflucht nimmt, keinen nachhaltigen\nund tiefen Eindruck. Das Zweite, wovon wir zu sprechen\nhaben, bezieht sich auf die Auflösung und Ueberwindung\nder Gegensätze. In einer wahren Tragödie trifft diejenigen\nder Untergang, die in den Gegensatz verstrickt sind. Wag-\nner macht es anders. Was aus dem Venusberge wird, er-\nfahren wir nicht; Wolfram und die Uebrigen fahren fort,\nihre reine, aber abstracte, unlebendige Auffassung der Liebe\nauf dieser Welt zu vertreten. Tannhäuser und Elisabeth\nsind, darum die edelsten, vollkommensten Gestalten des\nDrama's, weil ihnen beiden das Ideal einer höheren Ver-\neinigung von Geist und Sinnlichkeit vorschwebt. Tannhäu-\nser ist nicht bloss der in dem Sinnenreize der Liebe befan-\ngene Wüstling, denn er hat nicht das Bewusstsein eines\nHöheren verloren; Elisabeth ist nicht bloss die reine Jung-\nfrau, denn ihr Herz hat sich dem sinnlichen Tannhäuser\nvor allen Anderen zugewandt; ja, bei seiner ersten, noch\netwas zurückhaltenden Verherrlichung der geniessenden\nLiebe erhebt sie sich, ihm Beifall zuzurufen. In Beiden aber\nkommt es über das Streben nicht hinaus; als Verwirklichung\ndes Strebens lässt Wagner den Tod erscheinen. Es ist also\nvon einer Durcharbeitung des Gegensatzes im dramatischen\nSinne nicht die Rede. Es bleibt nichts übrig, als erstens\ndie abstracten Gegensätze selbst, zweitens das kraftlose\nSchwanken, drittens der Tod. Dies ist eine sehr unreife\nAnschauungsweise. Sie kann uns darum nicht befriedigen,\nweil sie mit einer Disharmonie abschliesst. Sie ist leiden-\nschaftlich und zerrissen, weil sie in den Gegensätzen ver-\nweilt; sie ist weichlich und siech, weil sie es nicht zu\neiner positiven Auflösung der Gegensätze bringt.\nIn seinen späteren Dramen hat Wagner Manches an-\nders gemacht, aber in der Neigung zum Phantastischen,\nUnnatürlichen, Maasslosen hat er sich noch gesteigert.\nDoch würde ich schwerlich so viel Worte über den\nText verlieren, der ja nur die Aufgabe hat, den inneren\nSinn der Musik lür das allgemeine Verständniss zu vermit-\nteln, der nur die Brücke sein soll, uns aus der Sphäre der\nuns nächsten und geläufigsten Vorstellungen in das Ton-\nreich zu führen, wenn nicht diese Richtung der Poesie\neinen verderblichen Einlluss auf die Musik selbst hätte. Jene\ngebildete, maassvolle musicalische Ausdrucksweise, die in\nder Harmonie Zusammenhang, in der Melodie einen schön\ngegliederten Rhythmus und möglichst reiche Selbstständig-\nkeit der Stimmen, in der Construction grösserer Tonstücke\neine thematische Grundlage erstrebt, lässt sich durch ab-\nstracte, phantastische Gestalten, wie Wagner sie seinen\nDichtungen zu Grunde legt, dem Gelühle nicht fasslich ma-\nchen. Wenn z. B. Elvira das Thema des Quartetts an-\nstimmt, so ist ihre augenblickliche Stimmung Zorn; aber es\nist nicht der Zorn, den etwa die Furie des Hasses hat,\nsondern der Zorn der Liebenden, der Zorn der edlen Spa-\nnierin, also Zorn, Liebe und Adel zugleich, eine gemischte\nmenschliche Stimmung. Gesteigerter ist der Ausdruck der\nRache in der grossen Arie der Donna Anna; und doch ist\nauch hier so viel Milde, Adel und Maass, dass diese Arie\nweit entfernt ist, der äusserste denkbare Ausdruck der\nRache zu sein; er ist vorherrschend darin, aber er ist nicht\ndas Alleinige. Ein musicalisches Kunstwerk, das in sich\nselbst Gestalt und Ebenmaass hat, erweckt auch die Vor-\nstellung eines schön geordneten Gemüths-Zustandes; und\nEin und derselbe Geist, der in der Poesie Himmel und\nHölle heraufbeschwört, durch das Wunderbare, ausserhalb\naller menschlichen Erfahrung Liegende blenden will, treibt\nauch in der Musik jene äusserlich zwar befremdenden, in-\nnerlich aber leeren Gestaltungen heraus, zu denen die mo-\nderne Romantik immer entschiedener hinweis't. Der schaf-\nfende Künstler soll die äussersten Spitzen des Ausdruckes\nwohl erreichen, aber nur als Höhepunkt, nicht als die blei-\nbende Atmosphäre, in der er sich bewegt. In der Kunst\nist auch das einseitige Streben nach dem Grossen und Er-\nhabenen vom öebel. Weil das wahrhaft vollendete Kunst-\nwerk alle Seiten des Lebens in sich enthalten soll, so darf\nihm auch jene Milderung nicht fehlen, in der die Unter-\nschiede sich nur fein abstufen, jene Hülle allgemein gülti-\nger Bildungs-Gesetze, hinter der sich die mannigfaltigsten\nIndividualitäten verbergen. So finden wir es bei den Mei-\n\\\nstern unserer Kunst, bei Haydn, Mozart, Beethoven; das Ge-\nsetz der Schönheit galt ihnen eben so viel, als die Leben-\ndigkeit der Kraft des Ausdruckes, und eben dadurch ge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.5", "texte": "wann der Ausdruck, was ihm vielleicht an äusserer Stärke\nabging, an innerer Tiele vielfach wieder. Wir glauben, dass\nMozart's Opern-Styl seine Vollendung nicht erreicht haben\nwürde, wenn ihm nicht in Italien die Opera bufpx vorange-\ngangen wäre, die der Phantasie eine Richtung auf das na-\ntürlich Menschliche, auf solche Wirkungen gab, die ohne\ngewaltsame Heraufzerrung, ohne Verwicklung der schönen\nOrdnungen der Kunst erreicht werden. Mozart bildete die-\nsen Styl feiner und weicher aus und verschmolz ihn mit\ndem Style der grossen tragischen Oper zu einem höheren\nGanzen. Auch für die Auswüchse unserer Zeit kann dies\nvielleicht zur Heilung und Rettung iühren. Warum suchen\nwir das Bedeutende, künstlerisch Ergreifende immer nur\nnach der Einen Richtung hin? Die komische, heitere, leichte\nGattung ist ein eben so wesentliches Element der Kunst.\nIndem diese beiden Richtungen sich gegenseitig begränzen\nund so die eine gehindert wird, zur Frivolität zu führen,\ndie andere, schwülstig und unnatürlich zu werden, entsteht\nerst der eigentliche Boden idealer Kunst. Werfen wir\nnun unseren Blick noch einmal auf den Tannhäuser, so fin-\nden wir in den Motiven, die den musicalischen Inhalt des\nVenusberges bilden, jenen äussersten Ausdruck sinnlichen\nTaumels. Man vermisst hier im Allgemeinen sinnlichen Reiz\nder Erfindung, und mit Recht; denn Wagner stellt eine Si-\ntuation dar, in der lür jeden nicht ganz entarteten Men-\nschen der sinnliche Reiz längst aufgehört hat; die letzten\ndenkbaren Verzerrungen der Sinnlichkeit haben nur noch\netwas Abstossendes, Widerwärtiges. Den Gegensatz zu die-\nsen Motiven bildet der Pilgergesang, den wir ebenfalls von\nmanchen bedenklichen harmonischen Wendungen nicht frei-\nsprechen möchten; dennoch ist hier Vieles gemildert und\ndaher wirklich schön. Dass Wagner nicht ohne musicali-\nsche Phantasie, nicht ohne Kunstsinn ist, hat er uns durch\ndieses Stück bewiesen. Abgesehen von der abstracten An-\nlage des Drama's, enthält der Tannhäuser im Einzelnen Si-\ntuationen, die natürlich und menschlich sind, und hier hat\nWagner auch als Componist Schönes, ja, selbst Bedeuten-\ndes geleistet. Wir heben namentlich die Scene zwischen\nWolfram und Tannhäuser im dritten Acte und jene Stelle\ndes zweiten Finale hervor, wo Elisabeth in den Kampf der\nSänger hineintritt, um ihren Geliebten vor dem drohenden\nTode zu-retten. Momente dieser Art erkennen wir voll-\nkommen und freudig an und können dem Dichter und Com-\nponisten danken, der Solches schaffen konnte.\nNoch erwähnen wir Einen Punkt. Die häufige Wie-\nderkehr gewisser Grund-Motive, die Wagner liebt, ist von\nVielen getadelt worden, und auch wir können in der Form,\nwie sie bei Wagner vorkommt, nicht damit einverstanden\nsein. Z. B. der Pilgerchor wiederholt sich viel zu häufig.\nDas Lied des Tannhäuser an die Venus ist zu unbedeu-\ntend, um überhaupt nur Ein Mal vorzukommen. Das Arioso\ndes Wolfram am Schlüsse des ersten Actes, das im zwei-\nten Acte ebenfalls anklingt, bezeichnet einen zu unwesent-\nlichen Moment in der dramatischen Entwicklung, um wie-\nderholt zu werden. Glücklicher ist die Erinnerung an die\nMotive des Venusberges. Dennoch ist hier vielleicht noch\nein Problem zu lösen. In einem gut angelegten Drama wer-\nden gewisse entscheidende Ausgangspunkte der Handlung\nsein, die sich eigentlich durch das Ganze hindurch ziehen,\nan einzelnen Stellen uns aber besonders lebendig zum Be-\nwusstsein kommen. So könnten auch in der musicalischen\nAnlage einer Oper gewisse Haupt-Motive als ein Ueber-\ngreifendes, die Mannigfaltigkeit des Einzel-Ausdruckes Be-\nherrschendes erscheinen, und auf diesem Wege liesse sich\neine vielleicht noch befriedigendere Kunstform der Oper\nherstellen, als die bisherige es ist. Uns thut der Gedanke\nwohl, in einer Richtung, die unserer Ansicht nach so viel\nVerirrung enthält, auch einen positiven Keim zu finden.\nDoch stellen wir es nur als ein Problem hin. Vielleicht fin-\ndet sich gelegentlich Zeit zu ausführlicherer Besprechung\ndieses Punktes.\n\nG. E.\n\nAus München.\nDas k. Hof- und National-Theater hat im Jahre 1855\n241 Vorstellungen gegeben (227 im Abonnement, d. i.\n37 mehr, als veriragsmässig verlangt werden konnten);\ndavon waren 172 Schauspiele und Possen (105 verschie-\ndene), 97 Opern und Singspiele (39 verschiedene), 29\nBallets und Divertissements (9 verschiedene) und 3 Concerte.\nAn Neuigkeiten wurden gegeben 30, nämlich 24\nneue und 6 neu einstudirle Werke. Im Schauspiel sind\nunter den ersteren zu erwähnen: „Der Fechter von Ra-\nvenna\" (7 Mal)— „Meister Andrea\", Lustspiel von Em.\nGeibel (3 Mal)— „Bürger und Junker\", altbürgerliches\nCharakterbild vonM. Ed. Schleich (8 Mal)—„Das Lied\nvon der Glocke\" mit Musik von P. von Lindpaintner\n(5 Mal)—„Die Makkabäer\" von 0. Ludwig (2 Mal)—\n„Pitt und Fox\", geschichtliches Original-Lustspiel von R.\nGott schall (2 Mal)—„Der Bürgergeneral\" vonGöthe\n(3 Mal) „Auf dem Lande\" von R. Benedix (2 Mal)—\n„Der Sturm\" von Shakespeare, Uebersetzung von\nSchlegel, Bearbeitung und Einrichtung von F. Dingel-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.6", "texte": "stedt, Musik von W. Taubert (3 Mal). Unter den\nneu einstudirten sind „Macbeth\" und „Julius Cäsar\" yon\nShakespeare zu bemerken, jener von Dingelstedt,\ndieser von H. Laube für die Bühne eingerichtet.\nIn der Oper waren neu „Undine\" von Lortzing\n(3 Mal)— „Tannhäuser\" von R. Wagner (10 Mal)\n„Die Favorite\" von Donizetti (1 Mal). Neu einstudirt\n„Euryanthe\" von C. M. v. Weber (I Mal).\nIm Schauspiel erschienen im Ganzen u. A. Angely\n5 Mal, Bauernfeld 3, Benedix 5, Birch-Pfeil'fer\n7, Göthe 12, Gutzkow 1, Hackländer 2, Hebbel\n1, Kotzebue 3, Lessing 2, Mosenthal 3, Nestroy\n3, Schiller 12, Scribe 10, Schleich 8, Shake-\nspeare 18, Sheridan (Lästerschule) 1, Sophokles\n(Antigone) 1 Mal.\nIn der Oper (vollständig): Adam 1 Mal, Auber\n10, Balle 1, Beethoven 1, Bellini 5, Boieldieu\n1, Donizetti 11, yon Flotow 6, Grisar 2, lla-\nlevy 1, C. Kreutzer 2, Lortzing 4, Marschner\n2, Meyerbeer 11, Mozart 4, W. Müller 1, Niko-\nlai (Lustige Weiber) 7, Rossini 2, Schenk 1, Wag-\nner 10, Weber 5 Mal.\nIm Ballet war neu „Die Wassernixe\" yon Perrot\n(4 Mal)*).\nVon Gästen bemerken wir u. A. Fräul. Marie Cru-\nvelli (5 Mal) und die Tänzerinnen Lucile Grahn (21\nMal!) und Pepita (11 Mal).\n\nZum 27. Januar 1856.\nF. W. Klappert.\nAm siebenundzwanzigsten Januar\nEs wird heut' gerade hundert Jahr\nBesuchte in Salzburg trotz Sturmgebraus\nUnd Schneegestöber der Storch ein Haus.\n„Herr Unter-Director der Capelle!**)\nIch schritt über Eures Hauses Schwelle\nMit einem Kindlein von guter Art,\nDoch freilich so will's Euer Name zart.\"\n„„Herr Storch! Hat Er wieder gebracht a Madel,\nSo mag es sich nähren von der Nadel.\"\"\n„Addio! So geht doch nur in die Stub'!\nEs ist ein herzallerliebster Bub'.\"\n*) Bei den Ballets vermissen wir auf der „Uebersicht\" der k.\nHoftheater-Intendanz die Angabe der Componisten der Musik.\nOder hatten sie keine Original-Musik? Die Redact.\n**) Leopold Mozart, seit 1743 Hof-Musicus, später Hof-Componist\nund Anführer des Orchesters, endlich Vicc-Capellmeister des\nErzbischofes Sigismund zu Salzburg.\nHerr Mozart jubelt und wird behender\nUnd reisst von der Wand den klugen Kalender;\nEr sucht, welchem Heiligen dieser Tag,\nDer segensreiche, gehören mag.\nJohannes Chrysostomus lies't er und sinnt,\nUnd rennt\" dann jauchzend zu Mutter und Kind.\n„„Was meinst? Giovanni, Juan, Johannes!\nBedeutungsvoller Name des kleinen Mannes!\"\"\nFrau Mozart nickt. „„Dann Chrysostomus!\nIch drück' auf den Goldmund den ersten Kuss.\nWie Süsses werden von diesen Lippen\nDie Mädchen,-sogar die Musen nippen!\"\"\nDie Gattin entgegnet gar leise: „Es sei!\nNun Amadeus, dann sind es ihrer drei.\nHeisst Gottlieb er oder Gottgeliebt,\nWird Trost ihm, wenn Alles ringsum zerstiebt.\"\n„„Vom Vaternamen erbt schon er das zart;\nWas? Sanftmuth und Milde vierfach gepaart?\nSolch weichlicher Namengebungspott' ich.\nDissonanzen her! Etwas, das wild und zottig!\n„„Ich trage so lange den Leopold,\nDrum bin ich dem Namen wenig hold.\nBei Bernhard wird mir die Brust schon weiter,\nDoch fürcht' ich dabei den Bärenhäuter.\n„„Ha, Wolfgang! In Frankfurt am Main da drüben\nEs sind nun etwa der Jahre sieben\nHat auch Göthe, ein Rath, der des Hechtes pflegt,\nDem Sohn diesen Namen beigelegt.\n„„Das ist der rechte. So wird er getauft.44\"\nKaum hat Herr Mozart sich etwas verschnauft,\nDa nahn die Genossen, um einzusludiren,\nWas nächsten Abend ist aufzuführen.\n• %\nSo wie die Geigen Stimmung erheischen,\nBeginnt daneben der Bub' zu kreischen.\nEs ist das richtige a,was er schreit\nUnd immer und-immer wieder erneut.\nHerr Mozart senkt dann mit edelm Stolz\nDer Tact-Unkundigen Marterholz,\nUnd spricht: „„Der wird mir kein Ünter-Director,\nDer wird schon finden seinen Protector.\n„„Sein harret wohl eine bessere Stelle,\nAls bei der erzbischöflichen Capelle.\nApollo hat seine Lippen geweiht.\nSchrei', Wolfgang! Dir winkt Unsterblichkeit!\"\"\nHamm.\n\nMozartfeier.\n\nWenn wir erwägen, dass in diesen Tagen in allen\ndeutschen Landen von der Nord- und Ost-See bis zu den\nAlpen und dem adriatischen Meere, ja, auch jenseits der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.7", "texte": "Alpen, in Italien, dem Vaterlande der Musik, der Name\nMozart auf allen Lippen schwebt, dass Tausende wett-\neifern, bei den musicalischen und theatralischen Aufführun-\ngen zu seiner Ehre mitzuwirken, Hunderttausende sich in\ndie Säle drängen, um sich an seinen Tonschöpfungen zu\nerfreuen, sich anregen und begeistern zu lassen, und da-\ndurch den Glauben an das ewige Leben der Kunst zu stär-\nken: so ist dies ein Triumph für die Tonkunst selbst, der\nvielleicht in der Geschichte aller Künste als einzig in seiner\nArt da steht. Denn wahrlich, es ist nicht die dankbare Er-\ninnerung an den herrlichen Mann und an alles, was er\ngeschaffen, allein, welche die ganze Masse der Gebildeten\nin Deutschland aufregt, zu seiner Gedächtniss-Feier zu\nströmen; es ist auch nicht die historische Bedeu-\ntung Mozart's für die Entwicklung der Tonkunst, welche\ndas deutsche Volk in die Tempel zieht, wo sein Andenken\ngefeiert wird; denn diese kann ja doch nur von einer klei-\nnen Zahl wahrhaft gewürdigt werden; sondern es ist die\nFreude an seinen Schöpfungen selbst, die Liebe zu den\nTönen, die drei auf einander folgende Geschlechter entzückt\nhaben und uns noch entzücken, die Bewunderung des\nLebens jener edelsten Tongestalten, welche heute noch\neben so frisch und blühend vor uns erscheinen, wie einst\nvor unseren Eltern und Grosseltern; es ist die Theilnahme,\nder Genuss, die Begeisterung für die Musik, welche Mo-\nzart's Werke athmen. Das ist es, was alle Menschen heule\num die Altäre versammelt, die wir seinen Manen weihen,\ndas macht die Mozart-Feier zu einem wahren Volksfeste,\nzu einem lauten, unwillkürlich hervorbrechenden Zeugnisse\nzu Gunsten des in Deutschland, Gott sei Dank, noch unver-\ndorbenen Gelühls lür das wahre musicalische Schöne! So\nlange Mozart das Panier ist, welchem die Nation in ihrem\nKunstgeschmacke folgt, hat die Kunst nichts zu befürch-\nten, weder vom Rückschritte, noch vom Fortschritte. Wo\ndas „Monumentale\" mit der überwältigenden Macht der\nSchönheit in das Leben der Gegenwart so hineinragt, wie\nMozart's Werke in das Heute, da kann die Muse der Ton-\nkunst die phantastischen Träumer von dem Kunstwerke\nk\nder Zukunft ruhig gewähren lassen. „Es muss auch solche\nKäuze geben\", und die Bilderstürmerei hat überall nur\ndazu beigetragen, den Werth der Gemälde, welche künst-\nlerische Begeisterung lür das Ideale schuf, zu erhöhen.\nEin Mozart und ein Raphael!\nWie schuf Raphael? „Da man so wenig schöne\nweibliche Bildungen sieht, so halte ich mich an ein gewisses\nBild im Geiste, welches in meineSeele kommt.\"\n(Brief an den Grafen von Castiglione.)\nUnd Mozart? „Wenn ich gut aufgelegt bin, dann\nkommen mir die Ideen haufenweis: wo sie her kommen\noder wie sie kommen, das kann ich nicht sagen. Ich ge-\nrathe dann in Begeisterung, meine Ideen erweitern und\nentwickeln sich, und so ist die ganze Composition in mei-\nnem Kopfe schon so weit zu Ende gebracht, dass, so gross\nund bedeutend sie auch sein mag, ich sie im Geiste mit\nEinem Blick übersehe, gerade so als wie das Ganze\neines schönen Gemäldes oder einer hübschen Figur sich\nvor meinen Blick stellt. Ich höre in meiner Einbil-\ndungskraft das Ganze auf Einmal!\"\nRaphael: „Ich betrachte mein Werk manchmal selbst\nmit Lächeln. Aber es wird wie in einem angeneh-\nmen Traum vollendet, und ich habe während der Ar-\nbeit immer mehr an den Gegenstand gedacht, als\ndaran, wie ich ihn vorstellen möchte.\"\nMozart: „Die Verrichtung des Erfindens und der Fer-\ntigung geht in mir vor, wie ein schöner Traum.\"\nAntonio an Raphael: „Ich finde bei Euch nicht so\nschwere und aussergewöhnliche Verkürzungen der Glieder,\nwomit wohl andere Meister heutiges Tages die Vollkom-\nmenheit ihrer Kunst zu zeigen und uns zu quälen pflegen.\"\nSo brüten gewisse Musiker missgestaltete Motive aus,\ndie wie die geharnischten Männer der Drachensaat in der\nFabel verzweiflungsvoll einander selbst aufzehren. Und\nheute über hundert Jahre??? Was bleibet und\nwas schwindet ?? ?\n\nL. B.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIn den Städten am Niederrheine ist die Jahrhundert-Feier von\nMozart's Geburtstag überall durch Aufführung Mozart'scher Werke\nfestlich begangen worden, und nach den vorläufigen Nachrich-\nten aus Elberfeld, Barmen, Düsseldorf, Aachen, Bonn\nu. s. w. unter allgemeiner und enthusiastischer Theilnahme des\nPublicums.\nIn Köln wurde an dem Geburtstage selbst, am 27. Januar,\nMorgens im Dome eine Messe von Mozart aufgeführt, Abends im\nTheater Figaro's Hochzeit gegeben. Ausserdem fanden in verschie-\ndenen Privat-Gesellschaften Festlichkeiten und Aufführungen Mo-\nzart'scher Musik durch Kunstfreunde Statt. Das Theater gewährte\ndurch sinnvolle Ausschmückung und glänzende Beleuchtung einen\nfestlichen Anblick; Frau Otto-Wernthal sprach einen von A. Pütz\ngedichteten Prolog, bei dessen Schlüsse Mozart ein Lebehoch unter\nBeifallssturm und Trompeten- und Pauken-Jubel erschallte. Das\nHaus war ausverkauft\nZur Vorfeier hatten am 26. Januar die beiden Vereine von\nKünstlern und Kunstfreunden, die musicalische und die phil-\nharmonische Gesellschaft, jede in ihnm Locale, Aufführun-\ngen veranstaltet. Das Programm des Festabends in der ersteren"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560202-01.1.8", "texte": "(Dirigent Herr Ed. Franck) lautete: Sinfonie in D-dur (von vier\nSätzen), zweite Arie des Belmonte aus der Entführung, Concert\nin Es - dur für zwei Pianofort e und Orchester (vortrefflich\nvorgetragen von F. Hiller und Ed. Franck), Ouvertüre zu Fi-\ngaro's Hochzeit, Arie des Grafen aus derselben Oper (Herr C.\nRein thaler), Ouvertüre zur Zauberflöte, der Priesterchor in\nD-dur.\nIn der philharmonischen Gesellschaft (Dirigent Herr Mu-\nsik-Director Weber) wurde gegeben: Sinfonie in C-dur mit der\nFuge, Concert für das Pianoforte mit Orchester in D-moll (mit\ngrosser Fertigkeit und vielem Ausdruck vorgetragen von Herrn\nLouis Brassin aus Leipzig), Arie und Männerchor aus der Zau-\nberfiöte und Ouvertüre zu derselben Oper.\nZur Nachfeier am 28. Januar fand das eigentliche Fest-Con-\ncert, veranstaltet von dem Vorstande der Concert-Gesell-\nschaft, im Casinosaale unter Leitung des städtischen Capellmei-\nsters Herrn F. Hill er Statt. Saal und Galerieen waren vollständig\nbesetzt. Der ganze Ertrag ist zur Gründung einer Freistelle\nauf der Rhein isch en Mus iksc h ul e zu Köln bestimmt worden.\nEs wurde nach den dreimaligen feierlichen Accorden aus der Zau-\nberflöte mit dem (oben mitgetheilten) Gedichte: „Mozart's Wiege44,\nals Prolog eröffnet. Das musicalische Programm enthielt: 1) Sinfo-\nnie in G-moll; 2J den Chorgesang Ave verum corpus natum\\ 3) Chore\nund die Arien für Sopran und Tenor aus der Cantate Davidde pe-\nnitenie (die Soli gesungen von Frau Dr. Mampe-Babnigg und\nHerrn A. Pütz). ln der zweiten Abtheilung: 4) Drei Scenen\naus der Oper Idomeneo, Soli und Chöre {a. „0 furchtbar Gelübde!44\nb. „Der Friede lebe.44 c. „Ruhig sind Meer und Winde44); 5) Con-\ncert für Pianoforte und Orchester in D-dur (Nr. 20, von Mozart\nbei der Krönungsfeier Leopold's 11. zu Frankfurt gespielt); 6) Aus\nder Zauberflöte der Priestermarsch und die Arie mit Chor: „0 Isis44\n(Herr DuMont-Fier); 7) Arie der Vitellia: „Nie wird mich Hymen44,\naus Titus (Frau Mampe-Babnigg); 8) Ouvertüre zu Titus. Ueber\ndie Ausführung können wir nicht ins Einzelne gehen. Orchester\nund Chor wirkten vortrefflich und mit sichtbarer Liebe und Be-\ngeisterung. Von den Solo-Vorträgen müssen wir den ganz ausge-\nzeichnet schönen Vortrag des Clavier-Concertes durch F. Hill er\nerwähnen, dem nach jedem Satze stürmischer Beifall wurde.\n** In Bonn musste das Fest-Concert für Mozart's Geburlstag\nauf den 29. Januar verlegt werden, weil nur für diesen Tag die\nVervollständigung des Orchesters durch auswärtige Instrumentalisten\nmöglich war. Es war durch die Aufführung mehrerer bisher unbe-\nkannter Compositionen aus Mozart's Jugendzeit sehr belangreich.\nDie Instrumental-Musik war durch eines seiner letzten Werke, die\nSinfonie in Es-dur (1788) vertreten; nach ihr folgten in chronolo-\ngischer Ordnung die Einleitung und die erste liedartige Arie für\nSopran aus Bastien und Bastienne, einem kleinen Schäferspiel,\nvon Mozart als zwölfjährigem Knaben in Wien 1768 componirt.\nDann aus der dritten und letzten in Italien (1772) geschriebenen\nOpera seria Lucio Silla ein grosses Recitativ für Sopran und Arie\nmit Chor. Ferner Schluss-Chor des ersten Actes mit Solostimmen\naus Idomeneo (1780) das wundervolle Quintett in Es-dur aus\nCosi fan tutte (1790) und zum Schlüsse die grosse Lita-\nnei de venerabili altaris sacramento in Es-dur, in Salzburg im Jahre\n1776 componirt. Alle diese Sachen gelangen in der Ausführung\ngut; der Eifer des Dirigenten Herrn Dietrich und sämmtlicher\nMitwirkenden verdient die höchste Anerkennung. Die Sinfonie kam\ngut und zum Theil auch recht fein heraus; die Chöre gingen sieber\nund gut, auch die sehr schwierige, lange Fuge Pignus aus der Li-\ntanei. Fräulein Nina Hartman n aus Köln, welche die Sopran-\nSoli sang, lös'te ihre Aufgabe sehr gut und sang namentlich das\nschwere Recitativ „Morte fatal, della tua mano\" aus der Oper Silla\nganz vortrefflich, sicher und mit Verstand und Feuer; auch die\nübrigen Soli, die Bravoursachen in der Litanei, gelangen gut, und\ndie Sängerin erhielt bei unserem Publicum eine Seltenheit\njedesmal lebhaften Beifall.\nDie vorgeführten früheren Arbeiten Mozart's machten nicht nur\nden Eindruck von geschichtlich interessanter, sondern auch von\nwirklich schöner Musik, namentlich gab die Litanei einen glänzen-\nden Beweis, zu welcher Reife Mozart damals bereits gediehen war,\nwie vollkommen er alle Mittel seiner Kunst beherrschte, und wel-\ncher Richtung er folgte, wenn er nicht fremdem Einflüsse nachzu-\ngeben genöthigt war. Die Schönheit, der Ernst und die Grossartig-\nkeit dieser Litanei lassen den Componisten des Requiem nicht ver-\nkennen. Wir fanden alles, was Prof. Otto Jahn S. 508 u. ff. im\nersten Theile seines „W. A. Mozart\" darüber sagjt, vollkommen\nbestätigt.\nDer Saal im goldenen Stern war überfüllt, und viele Fremde\nkonnten keinen Platz mehr finden. Ehrende Erwähnung verdient\nes auch, dass durch die Liberalität mehrerer hiesiger Kunstfreunde\ndafür gesorgt war, dass keine Rücksicht auf aussergewöhnliche\nKosten die Ausführung des Fest-Concertes nach dem angenomme-\nnen Plane beschränkte.\n***- Müllieim £&• S&1&. Am 20. Januar haben wir hier ein\nConcert gehabt, in welchem der Dirigent desselben, Herr A.\nMeyer, wiederum die erfreulichsten Beweise seines Wirkens für\ndie Liebe zur Musik und für Vervollkommnung der Leistungendes\nSing-Vereins und des Quartett-Vereins (für Männerge-\nsang) gab. Einen besonderen Glanz verlieh dem Abend die Mit-\nwirkung des Hrn. E. Koch aus Köln, welcher einige Lieder von\nF. Schubert vortrug. Ein hiesiger Dilettant, Hr. Jos. Noizet,\nSchüler des Hrn. Koch, trug das Duett aus Beiisar (mit Hrn. Fr.\nSartorius, Tenor) und die Arie aus Hans Heiling mit einer so-\nnoren hohen Baritonstimme recht brav vor und erinnerte daran,\ndass Mülheim die Vaterstadt der Gebrüder Form es ist. Die\nLeistungen eines jungen Violinspielers wollen wir übergehen: die\nerste derselben war noch sehr schülerhaft; die zweite etwas besser.\nDie „Süddeutsche Musik-Zeitung44 (Mainz, bei Schott's Söhnen)\nbringt bei Gelegenheit der Mozart-Feier ein Gedicht auf Mozart's\nRequiem, welches Se. Eminenz den Herrn Cardinal und Erzbischof\nJohannes vonGeissel zum Verfasser hat, der es im Jahre 1846\nals Bischof von Speyer zum Vortrag in einem Mozart-Concerte be-\nstimmt hatte."}]}