{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-02-16-01", "volume": "bmtnabi_1856-02-16_01", "ocr_sha256": "2daf56b036cbf96830fc93acd42f98f3a10e2ad0111a0684cae65f39872dc942", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/02/16_01/bmtnabi_1856-02-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-16_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-02-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "49", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 451, "texte": "Inhalt.\nDas Mozartfest in Wien. Von Ed. H. Beurtheilungen: Ant. Krause, Drei instruetive Son iten für Pianoforte. Op. 1. -\nDerselbe, Etüden zur Ausbildung des Trillers. Von L. Kindscher. Berliner Briefe (Oper Slern'seher Verein Faust-Ouverture\nvon Wagner Sinfonie von F. Ililler Radecke Rieh. Wi'irst Concerte Mozartfeier). Von G. E. Mozartfeier in Dresden.\nVon Louise N., geb. K. Siebentes Gesells.chafts-Concert in Köln Tages- und Unterhaltungsbtatt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-16-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-16_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-02-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "51", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.2.2", "titre_corps": "Das Mozartfest in Wien.", "titre_sommaire": "Das Mozartfest in Wien.", "signature_source": "Ed. 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Bekanntlich war es der Gemeinderath der\nv Stadt Wien, welcher das Fest-Concert zum Gedächtnisse\nMozart's veranstaltete. Er hat sich damit um den vollsten\nDank jedes vaterländischen Kunstfreundes verdient gemacht;\ndenn nicht ein Privatmann oder ein Verein, sondern die\nStadt Wien selbst musste durch diese Huldigung die\nuntilgbare Schuld wenigstens anerkennen, in welche sie\ngegen ihren Bürger Mozart zu dessen Lebzeiten verfiel.\nDie Stellung, die Mozart als Mann und vollendeter Mei-\nster in Wien einnahm, war eine traurige Fortsetzung der\nMissachtung, welche der Knabe und Jüngling von seinem\ngeistlichen Souverain in Salzburg zu tragen hatte.\nIn der Anordnung des Fest-Concertes ging das Co-\nmite offenbar von dem Princip aus, durch Vertretung al-\nler musicalischen Hauptgattungen die künstlerische Uni-\nversalität Mozart's zu illustriren. Dieser Gedanke, die\nwunderbare Vielseitigkeit Mozart's in dem kleinen Rahmen\neines Concertes abzuspiegeln, hat jedenfalls viel Bestechen-\ndes, muss aber in der Ausführung unläugbaren Uebelstän-\nden begegnen. Stücke, wie das erste Finale aus Don Juan\nund das Dies irae aus dem Requiem gehören nun einmal\nnicht ins Concert.\nEiner kleineren Stadt, welche nicht in der Verfassung\nist, nehst Mozart's symphonistiscben Compositionen noch\nseine kirchlichen und dramatischen Meisterwerke in der Kir-\nche und im Theater würdig aufzuführen, mag allenfalls ein\nsolches Zusammenrücken aller Style angemessen scheinen.\nWien hätte ein Mo zart fest nach allen vier Weltgegen-\nden des musicalischen Reiches feiern können und sollen: in\nder Kirche, im Concertsaale, in der „Kammer\" und im\nTheater.\nDie vollständige Aufführung des in einer der\ngrösseren Kirchen hätte dem Feste vorausgehen und eine\nmusterhafte Vorstellung des Don Juan es beschliessen sol-\nlen. Statt dessen gab man am 27. im Kärnthnerthor-Theater\n„Gute Nach t, Her r Pantalon\"!! Ausserdem, dass das\nProgramm Concertwidriges enthielt, brachte es auch zu\nVieles*). Man wurde erdrückt von Musik und musste bei\nder ungeheuren Hitze, die im Saale herrschte, sich lange\nvor dem Ende geistig und körperlich ermattet fühlen. Musik-\nProductionen sollten aber eher die grösste Selbstverläug-\nnung üben, ehe sie durch Ueberfülle den Totai-Eindruck\ntrüben.\nDie Ausführung der Musikstücke war mit Ausnahme\ndes Finale aus Don Juan eine vorzügliche. Dieses Finale,\ndessen Uebertragung in den Concertsaal, wie erwähnt,\nschon an sich ein Missgriff, wurde überdies von den ersten\nSängern und Sängerinnen des Kärnthnerthor-Theaters mit\neiner an Impietät gränzenden Lässigkeit abgesungen, gonz\nwie ein langweiliges Pensum, dessen man sich mit Unlust\nentledigt.\n\n*) Das Programm enthielt: 1) Ouvertüre zur Zauberflöte; 2) Prie-\nsterchor „Isis und Osiris\"; 3) Clayier-Concert; 4) Dies irae;\n5) Cr-mo/Z-Sinfonie; 6) Concert-Arie mit Yiolin-Solo; 7) Fi-'\nnale aus Don Juan."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5030, "texte": "Im Dies irae, das seine erschütternde Gewalt jedesmal\nwie neu bewährt, wirkten die Chöre prachtvoll. Von den\nSolisten reichten die Herren Erl und Staudigl mit der\nStimmkraft nicht aus, dennoch hätte man ihre Mitwirkung\nwohl allgemein bei der Verherrlichung eines Meisters ver-\nmisst, um dessen geistliche und weltliche Musik sie (insbe-\nsondere Staudigl) erhebliche Verdienste haben. Eine bei\naller Rococo-Fagon liebenswürdige Concert-Arie mit Vio-\n• lin-Solo trug Fräul. Tietjens mit Herrn Hellmesber-\nger sehr beifällig vor. Herr Dachs spielte einen sehr an-\nmuthigen und reizend instrumentirten Concertsatz (C-moll)\nin gewohnter zierlicher Weise. Dass das Ciavier im grossen\nRedoutensaale keinen lebensfrischen Eindruck macht, wird\ndem wackeren Herrn Dachs Niemand zur Last legen.\nDurchaus vollkommen war die Exequirung der ewig ju-\ngendlichen 6?-mo//-Sinfonie. Bekanntlich ging das ganze\ntest-Concert unter der persönlichen Leitung von Franz\nLiszt vor sich. Seine zu diesem Zwecke vom wiener Ge-\nmeinderathe veranlasste Berufung hat unter den Musikern\nund im Publicum so lebhafte Discussionen veranlasst, dass\nwir dieser Frage, so delicat sie ist, nicht aus dem Wege\ngehen wollen.\nAlles wohl erwogen, was sich gegen die Einladung\nLiszt's ernstlich einwenden lässt, kann man doch eigentlich\nvon ihr nur sagen, dass sie nicht nothwendig war. Sie\nwar lürs Erste nicht nothwendig, weii wir in Wien an\nH e 11 m e s b e r g e r, Esser, Eckert sehr tüchtige und ge-\nbildete Capellmeister besitzen, denen die Leitung eines gros-\nsen Concertes, und vollends eines nur aus Mozart beste-\nhenden, mit der höchsten Beruhigung anvertraut werden\nkonnte.\n(Heber Stegmaver's treffliche Schulung der Chöre\nhatte Liszt selbst Gelegenheit, sich rühmend auszusprechen.)\nFürs Zweite steht Liszt's künstlerische Individualität\nzu Mozart in gar keiner organischen Beziehung, noch we-\nniger in der factischen, dass Liszt zum Verständnisse und\nzur Verbreitung Mozart's etwas beigetragen hätte, wie ihm\ndies in hohem Grade rückstchllich B e e t h o v e n' s zugestan-\nden werden muss. Ein Beethoven- oder Schubert-Fest von\nallgemeiner nationaler Bedeutung wäre in der That nicht\nvollständig ohne die Gegenwart Liszt's.\nZu Mozart verhält sich Liszt ganz anders; ist er doch\nFahnenträger einer musicalischen Partei, welche Mozart's\nCompositionen zu den abgelhanen Ammen-Märchen und\nGrossmutter-Schwächen wirft, über die der echte Jünger\nRichard Wagner's nur noch lächeln kann.\nPremier des compositeurs mediocres\", sagte uns einst eine\nAutorität dieser neuen Propaganda. Liszt hat übrigens vor\nwenigen Tag/m in einem eigenen Aulsalze für seinen gut\nMozart'schen Glauben das Wort erhoben und die Oppo-\nsition darauf reducirt, dass man auf dem Standpunkte Mo-\nzart s nicht liir alle Zeit stehen bleiben müsse, wogegen\nsieh allerdings nichts einwenden lässt. Beethoven war\nes, der zuerst und wissentlich mit dem Mozart'schen Ideale\nbrach, dennoch aber hat er stets mit liebevoller Verehrung\nan Mozart gehangen, aus dem er hervorging.\nAls das Fest-Comite Liszt zur Direction einlud, hatte\nes vor Allem wohl den Wunsch, durch eine hervorragende\nund berühmte Persönlichkeit demConcerle nicht bloss Tüch-\ntigkeit, sondern auch Glanz zu verleihen. Dass sich mit dem\nRuhme Liszt's kein anderer lebender Dirigent vergleichen\nkann, wird man kaum bestreiten*). Es war demnach auch\nmit Sicherheit voraus zu sehen, dass die Erscheinung Liszt's\nhinreichen würde, ein ausserordentliches Zuströmen des\nPublicums an beiden Concerltagen zu bewirken. Wir glau-\nben kaum, dass ohne Liszt der Andrang ein so ausseror-\ndentlicher gewesen wäre—eine Erwägung, welche bei der\nwohlthätigen Widmung der Einnahme dem Comite wichtig\ngenug sein musste.\nMochte nun im Schoosse des Comite's lür oder cecen\nDo\nLiszt's Berufung noch so heftig gestritten werden mit -\ndem Augenblicke, als diese Berufung beschlossen war und\nLiszt seine Bereitwilligkeit erklärt hatte, ihr Folge zu lei-\nsten, mit diesem Augenblicke hätte jede scheelsüchtige Re-\ngung schweigen sollen. Liszt, der die Einladung nicht an-\ngesucht, sondern ihr mit einer seltenen Uneigennützigkeit\nohne jede Vergütung gefolgt war, Liszt, der die mühevol-\nlen Proben mit einem Eifer leitete, dessen Verdienst nur\ndurch die Bescheidenheit noch überboten wurde, mit wel-\ncher er beim Fest-Concerte selbst sich so ganz in den Hin-\ntergrund stellte, Liszt hätte vom Momente seines Eintref-\nfens mit jener auszeichnenden Rücksicht behandelt werden\nsollen, die man einem so bedeutenden und liebenswürdigen\nGaste schuldet\nDass dies weder von Seiten der Musiker noch selbst\ndes Publicums in dem Maasse geschah, welches wahre Ur-\nbanität so gern einhält, ist uns sehr bedauernswerth er-\nschienen. Gern hätten wir es unerwähnt gelassen, doch\ndurften wir den Anlass nicht versäumen, gegen einen Pfahl-\nPatriotismus zu protesliren, dessen Glaubensbekenntniss\noffenbar mit dem Artikel beginnt, dass man gegen Fremde\nunartig sein darf.\n\n*) Sind denn Spohr und Marschner todt? Und auf welche\nArt von Ruhm kam es denn hier eigentlich an? Die Red."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1534, "texte": "Wenn diese Partei unserer Weichbild-Fanatiker sich\nentsprechend festsetzt, so wird sie es aus lauter Patriotis-\nmus dahin bringen, dass ausgezeichnete Männer wie Liszt\nund Meyerbeer sich vor einem Besuche in Wien künftig\nein Weilchen besinnen werden.\nWie gesagt, entsprach Liszt's Leitung allen Wünschen.\nDass er die Tempi etwas rascher nahm, als es ältere Ca-\npellmeister pflegen, entspricht ganz unserer Ueherzeugung,\ndass das geübtere Ohr unserer Generation manches Tempo\nein wenig belebter verträgt und erheischt, als man es vor\nfünfzig Jahren nahm. Nachahmenswert!) ist es, dass Liszt\nzwischen den einzelnen Sätzen der Sinfonie sehr kurze\nRuhepausen machte und während derselben kein Nach-\nstimmen der Instrumente gestattete.\nEines schönen. Erinnerungszeichens an das Mozarllest\nmöge hier noch gedacht sein: der Denkmünze, welche Pro-\nfessor Radnitzky, unser rühmlich bekannter Medailleur,\nzur Feier des Mozartfestes verfertigte. Die Medaille zeigt\nauf der einen Seite das wohlgetroffene und sehr schön ge-\nprägte Portrait Mozarl's, auf der anderen einen knieenden\nGenius, dessen Saitenspiel lauschende Engelsköpfchen aus\nden Wolken hervorlockt. Anstatt einer Inschrift schlingt\nsich um dieses Bild das Ihema aus der Ouvertüre zur Zau-\nber Hole in deutlicher, aber bescheiden gehaltener Noten-\nschrift— ein glücklicher Gedanke, welcher das Individuelle\nder Feier in ihrer eigenen Sprache hervorhebt, ohne doch\nmit dieser musicalischen Anspielung die plastische Schön-\nheit der eigenen Kunst zu verletzen.\n(Wiener Presse.)\n\nEd. H."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-16-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-16_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-02-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "51", "page_fin": "53", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.2.3", "titre_corps": "Für Pianoforte.", "titre_sommaire": "Für Pianoforte.", "signature_source": "Louis Kindscher", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.3", "debut_caractere": 1536, "fin_caractere_exclue": 4126, "texte": "Für Pianoforte.\n\nAnton Krause, Drei instructive Sonaten für das\nPianoforte. Op. 1. Leipzig, bei Breilkopf & Här-\ntel. Jede 15 Ngr.\nMotto: Omne tulit\nutile dulci.\nDie instructive Sonate hat vorzugsweise den pä-\ndagogischen Zweck zu verfolgen. Der Componist soll\nsich als Lehrer auf den niedrigen Standpunkt des Lernen-\nden zurück zu versetzen verstehen, um diesem -zu geben,\nwas er eben als Lernender braucht und woran derselbe\nsich schnell, wie ohne zu grosse Mühe zurecht finden und\nrespective in der Kunst-Technik emporarbeiten kann. So\nweit hat zwar der eben erwähnte Componist schon seiner\nPflicht hauptsächlich Genüge gethan; versteht er es aber\nausserdem noch, seine Schul-Aufgaben in eine mehr ästhe-\ntische und NB. geistige Form zu bringen, versteht er, der\nSchule hiedurch die ihr anklebende Trockenheit und Lang-\nweiligkeit zu nehmen, so hat er mehr gethan und den be-\ndeutend höheren Zweck erreicht !ür den Lernenden, dass\ndieser nun durch den Reiz des Schönen gewaltig an-\ngezogen wird und somit auch schneller und leichter aui\nseinem Wege Fortschritte macht. So gibt es unter älteren\nund neueren derartigen Compositionen viele, welche die\nJugend gern spielt: Clement!, Moscheies, Hunten, Chwa-\ntal u. s. w. Aber ganz vorzugsweise ist der Liebling der\nJugend Kuh lau, der zugleich leicht ausführbar und schön\n(melodisch resp.) zu schreiben und damit doch die sämmt-\nlichen Anforderungen der Schule und Technik -zu verbin-\nden wussle (Tonleiter, Accord, Legato, Staccalo u. s. w.).\nDer Componist vorliegender Sonaten hat sich nun in sei-\nnem Opus 1 das vorerwähnte Feld erwählt und auf das\nTitelblatt die' Bemerkung gesetzt: „Es war Absicht des\nComponisten, in vorliegenden Stücken leicht auszuführende,\nbeim Unterrichte anwendbare Stücke in Form der Sonate\nzu bieten, und so künstlerischen und pädagogischen Zweck\nzu vereinen.\" Man sieht schon aus der Arbeit, dass neben\nLust und Liebe auch innerer Beruf und Talent für die Sache\nvorhanden ist, und somit ist jene Absicht auch in vielen\nStücken erreicht. Es möge sich daher der Verfasser weiter\nversuchen und der lernbegierigen Jugend Nutzen und Freude\nzu bereiten sich bestreben.\nNr. 1 ist „Kinder-Sonate\" überschrieben. ErsterSatz\nAllegro, C-dur, 4/V Leicht ausführbar. Die Kinder lernen\nhier ihrer schwachen Kraft schon etwas mehr vertrauen,\nweil sie ohne grosse Mühe etwas zu Stande bringen, was\nihnen eben nicht zu häufig gelingt. Etwas schwieriger in\ndieser Beziehung scheint das Andante, F-dur, 2//4, von wel-\nchem wir noch eine Stelle aj sowohl der besseren Ortho-\ngraphie als Modulation wegen so verändert wünschten b):"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4016, "texte": "Da bei den Kindern in der Regel ein rasches Tempo sehr\nimponirl, so werden sie sich auch darum angelrieben füh-\nlen, die unschwere Aufgabe des letzten\nC-dui , /ii ,zu lösen, sollte zugleich auch hier, wie im er-\nsten Satze, manche Melodie weniger Ansprache als die an-\ndere finden. Auch hat der Verfasser wohl in seiner Kinder-\nSonate nicht reiflich genug erwogen, wie unpädagogisch\neine Quinten-Parallele sein kann:\nund man soll ja auch schon den Kindern nicht den „Teu-\nfel an die Wand malen\".\nNr. 2, Sonate überschrieben. 1) Romanze {Andante),\nB-dur, ,5/4. Melodisch und gesangvoll, doch schon mit etwas\ngrösserer Anforderung an die technische Ausführung, theils\nwegen einigci Harmonie-Griffe, theils wegen einiger Sprünge.\n2) Schei zo (f ivace), (j-duv, s/s- Munter, der Schluss auch\nonginel und frappant, obgleich zwei Tacte etwas stark an\ndie erste Barcarole in Auber's Stummen von Portici strei-\nfen. 3) Thema mit Variationen, melodisch und ins\nOhr fallend und zugleich nicht zu schwer.\nNr. 3, Presto, B-dur, %, hat viel Schwung und Fluss,\nd. h. auch Mendelssohn'schen, für welche Person insbe-\nsondere zwei Stellen zeugen. Ungeachtet des Tempo ist\ndie Ausführung hier wieder sehr dankbar für den Spieler\neingerichtet, was sich der Verfasser überhaupt dem An-\nscheine nach vorgenommen hat; denn im Fluge stört natür-\nlich auch das kleinste Hinderniss. Adagio, F-dur, 3/4, ein\nmelodischer Satz, der auch Streben nach Originalität\nschon der Anfangs-Accord O-nwll, die zweite Stufe der\nIlaupt-Tonart. Aus pädagogischer Rücksicht muss sich Re*\nferent aber einmal gegen den Gebrauch des Punktes erklä-\nren, wo nämlich auf ihn der Tact fällt, wie hier z. B.:\nJ* J« ' Nicht nur bei dieser Synkope, sondern sogar\nim Allgemeinen bei gewöhnlichen punktirten Noten vvird\nmeist der Punkt übersehen, und zwar darum, weil er im-\nmer etwas Anderes, Relatives ist und eine Abstraction von\nder vorhergehenden Note voraussetzt, was ira Moment\nvor sich gehen und natürlich die Ausführung erschweren\nmuss. (Schiller sagt: „Ein mächt'ger Herrscher ist der Au-\ngenblick.\") Wenn es daher nichts Neues ist, dass beim\nPunkte oft gar nichts gedacht wird, so wäre, um die-\nsem zu begegnen, der Punkt besser in eine wirkliche\nNote, aus dem Ideellen in etwas Reelles umzusetzen 5\ndenn Caspar im Freischütz spricht auch wohl: „Wäs die\nAugen sehen, glaubt das Herz!\" Im %,\nkommen schon einige höhere Anforderungen: die unge-\nwohnteren Tonarten, B-moll und Des-dur, auch die .rhyth-\nmische Verbindung von zwei geraden Achteln mit der Ach-\ntel-Triole. Der Satz ist natürlich in Rondo-Form und theil-\nweise in der Kuhlau'schen Manier gehalten, da auch ein\nsolches Vorbild die aufmerksamste Beachtung, wie die\ntreuestc Folge verdient. Noch ist zu erwähnen, dass der\nFingersatz beigefügt ist.\nAnton Krause, Etüden zur Ausbildung des Trillers\nfür das Pianoforle. Op. 2. Zwei Hefte. Leipzig,\nbei Breitkopf & Härtel, h 20 Ngr. °*\nDer Iniler i.st unstreitig unter den 1 on-Verzierungen\ndie hauptsächlichste und brillanteste, und es verlohnt sich\ndaher schon der Mühe, ihn richtig zu erlernen. Die Anfor-\nderung an ihn bezieht sich erstlich auf die Egalität und\nzweitens auch auf die Rapidität des Anschlags zweier Fin-\nger. Diesem Bedürfnisse hat der Componist in verschiede-\nnen Triller-Passagen zu entsprechen sich bemüht, worin\nsogar der Daumen und der kleine Finger sich betheiligen\nmüssen. Da der eigentliche Triller nur auf dem Intervall\nder grossen oder kleinen Secunde beruht, so dürften den\nNummern 1, 3, 5, 7, 8 auch die meisten Beziehungen\nhierauf beigemessen werden. Wenn dies wiederum in eini-\ngen anderen Nummern fehlt, und man daher nichts von\neiner solchen Beziehung auf den Triller gewahrt, so hat\nder Componist dieses magere melodische Thema entweder\nmit Absicht verlassen oder überhaupt bloss den egalen\nFinger-Anschlag im Auge gehabt. In der Etüde soll sich\nnun Notwendigkeit und Freiheit verbinden, oder die todte,\ntrockene Form, welche die Schule gibt, soll als ein leben-\ndiges Glied und Haupt-Motiv im grossen Ganzen erschei-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 995, "texte": "nen. Und somit wird denn auch zugleich für den Schüler\ndie Schul-Pille sehr angenehm übersilbert, indem hier sein\nästhetisches Interesse mit in Anregung kommen soll. Der-\nartige Etüden sind auch die vollkommensten: Clementi,\nGramer, A. E. Müller, Moscheies, Herz, Hunten u. s. w.\nDas Streben des Componisten, der Schule zu nützen, ver-\ndient schon billig Anerkennung, und somit sei das Werk\nhiermit empfohlen, auch um so mehr, je weniger es über-\nhaupt bis jetzt noch derartige Werke in der Literatur gibt.\nIn den übrigen Nummern, wo die eigentliche Triiler-Uebung\nfehlt, hätte dafür, wo nicht der auf dem Ciavier weniger\nübliche Doppel-Triller, so doch der mit dem Triller nahe\nverwandte Doppelschlag und Prall-Triller eine Anwendung\nund Stelle vielleicht finden können. Schliesslich wünschte\nReferent den Daumen bei den Obertasten darum weniger\n\\\nin Anwendung gebracht, um dem hieraus leicht hervorge-\nhenden lästigen Rücken und Bewegen der Hand zu begeg-\nnen, z. B.:\nGöthen.\n\nLouis Kindscher."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-16-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-16_01#c008", "volume": "bmtnabi_1856-02-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "53", "page_fin": "55", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.2.4", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. 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Februar 1856.\nIch habe in meinem Berichte noch Einzelnes aus frü-\nherer Zeit nachzuholen, obschon im Ganzen Berlin in die-\nsem Winter weniger von Concerten heimgesucht wurde,\nals man befürchtete; Virtuosen sind fern geblieben, die\nkleineren Conccrt-Unternehmer haben den Muth verloren;\njedenfalls verdanken wir den ersten Einwanderungs-Versu-\nchen der Zukunfts-Musik in unsere Concertsäle, dass wir\nvon mancher überflüssigen Vergangenheits-Musik verschont\ngeblieben sind.— Von der Oper ist nicht viel zu berichten.\nEiner Aufführung der Armide gedenke ich nur darum,\nweil dieses Werk im vorigen Winter auf unserem Repertoire\ngänzlich fehlte. Die Besetzung ist unvollkommen sowohl in\nden Neben- als in den Haupt-Partieen; nur Frau Kpster\ngibt die Hauptrolle mit Würde und künstlerischem Ver-\nstände. Noch Bedeutenderes leistete diese Sängerin, von\nder wir nach wie vor rühmen müssen, dass sie die Stütze\nunseres classischenßepertoires ist, als Vesta!in; sie stand\nganz auf der Höhe dramatischer Empfindung, zu der sich\nSpontini in diesem Werke mehr als in seinen späteren em-\nporgeschwungen hat. Der Stern'sehe Orchester-Verein\nhat inzwischen zwei neue Concerte gegeben und in densel-\nben seinen Ruf glänzend bewährt. Namentlich zeichnete sich\ndie Ausführung der Schubert'schen C-dar-Sinfonie durch\nPräcision vorteilhaft aus. Herr v. Bülow bewährte in\ndem Vortrage der Beethoven'schen Phantasie für Ciavier,\nChor und Orchester und des D-moll-Concertes von Seb.\nBach seine musterhafte Technik. Mitglieder des Stern'schen\nGesang-Vereins trugen einen wenig bekannten Chor von\nHaydn, „Der Sturm\", einen Chor aus einer Bach'schen\nCantate, „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden\", der\ndurch sein mildes, liebliches Colorit auffällt, und einen aus\ndem fünfzehnten Jahrhundert herrührenden, in pariser Con-\ncerten bereits vor längerer Zeit aufgeführten Hymnus auf\ndie Dreieinigkeit vor. Letzterer fand bei dem Publicum sehr\nvielen Beifall, dem wir uns indessen nicht anschliessen kön-\nnen. Die einfachsten und ältesten Stücke, die der Dom-Chor\nin seinen Concerten singt, z. B. die Improperien von Vit-\ntoria, sind wahre Kunstwerke im Vergleich dazu. Eine ganz\neinfache Melodie, die ohne rhythmische Ausbildung sich in\nein paar Tönen bewegt, sich bis zur Ermüdung wiederholt\nund von den einfachsten Dreiklängen in durchaus homo-\nphoner Weise begleitet wird, das ist die unbehülfliche\nSprache der Kindheit. Daran Geschmack zu finden, ist\neben so krankhaft und romantisch, als die entgegengesetzte\nVcrirrung. Wir wollen uns vor Ausschweifungen hüten,\ndann werden wir auch keine Hunger- und Wasser-Curen\nnöthig haben. Die Faust-Ouverture von Richard\nWagner hat bei dem grösseren Theile des Publicums\nkeinen Anklang gefunden. Nach unserer Ansicht ist gegen\ndieses Werk ein viel stärkerer Protest einzulegen, als ge-\ngen alles, was im Tannhäuser vorkommt. Ich muss hier an\ndas erinnern, was ich bei Gelegenheit des Tannhäuser über\ndie durchgehende Tendenz Wagner's gesagt habe, den Aus-\ndruck bis zur Maasslosigkeit zu steigern. Es ist sehr wohl-\nfeil, damit Wirkungen zu erreichen; aber sie sind nur (ür\nden ungebildeten Hörer vorhanden, dem entweder über-\nhaupt jede Bildung des Gefühls fremd oder wenigstens der\nmusicalische Ausdruck dalür unbekannt ist. Man lese die\nStelle in Wagner's Vorrede zu den von ihm herausgegebe-\nnen Opern-Texten, wo er von den Gaben der drei Nornen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5263, "texte": "spricht, deren eine „der nie zufriedene Geist sei, der stets\nauf Neues sinnt\". Der Zweck dieser Erzählung ist, zu erklä-\nren, dass ihm selbst diese Gabe zu Theil geworden sei, da\ner zu seinem Glücke keine Erziehung gehabt habe, und\ndass darin alles Genie bestehe. Dies gerade aber ist der\nPunkt, dies die Scheidewand, die seine Kunst-und Lebens-\nAnschauung von der herrschenden und hoffentlich uner-\nschüttert bleibenden lür immer trennt. Das ist es eben, was\nsolchen Werken, wie die Faust-Ouverture, fehlt, das Züch-\ntige, das Gemilderte, Geläuterte. Möge sich Wagner von\ndem Geiste der Liebe, dem er in seinen literarischen Wer-\nken so viele Huldigungen darbringt, tiefer und tiefer durch-\ndringen lassen; denn bis jetzt wandelt er als Componist\nmehr die Wege zerfahrener Lieblosigkeit, als die der ver-\nsöhnenden Liebe. — Die Sinfonie von Hiller „Es muss\ndoch Frühling werden\" fand die Anerkennung, die das mit\ngrossem technischem Geschick gearbeitete, von edler Ge-\nlühlsbilduug zeugende Werk verdient; doch fehlt ihr wohl\njene ursprüngliche Frische, die den Hörer ergreift und in\neine erhöhte Stimmung bringt. [?] — In den Sinfonie-Soireen\nder königlichen Capelle kam eine neue Sinfonie von R o b.\nRad ecke (D-moll) zur Aufführung. Zur Kategorie der\nZukunfts-Musik können wir dieselbe nicht zählen, wenn-\ngleich einzelne harmonische Wendungen (namentlich im An-\ndante) und theilweise auch die Behandlung der Instrumen-\ntation damit in einiger Verwandtschaft stehen; im Ganzen\ngehört sie zu jenen Werken, in denen der Reichthum der\nGedanken zu der Grösse der Form nicht in dem richtigen\nVerhältnisse steht. Auch in der technischen Verarbeitung\nder zu Grunde gelegten Themate ist der Componist noch\nnicht Meister; wenn ihm auch einzelne Stellen anerkennungs-\nsverth gelingen, so lühlt man doch zu oft die Verlegenheit,\nin der er sich befand, lür die Dauer eines so grossen Wer-\nkes durchweg interessant und neu zu sein. — Der Stern'-\nsche Gesang-Verein führte in einer Privat-Aufführung am\nCiavier eine Cantate von Richard Würst „ Der Wasser-\nneck \" auf. Sie dauert etwa eine Stunde. Auch musicalisch\nbetrachtet, hält sie sich in kleineren Dimensionen. Die Solo-\ngesänge haben meistens etwas Liedarliges, die Chöre sind\nim Ganzen weder breit ausgeführt noch von polyphoner\nAnlage. Innerhalb dieser Gränzen hat der Componist aber\netwas sehr Ansprechendes hervorgebracht. Es ist ihm na-\nmentlich gelungen, natürliche, innige und edle Melodieen\nzu finden, denen sich das Geiühl gern und willig hingibt.\nDarauf legen wir noch mehr Gewicht, als auf das technische\nGeschick, mit dem Würst sein Werk abgerundet und fest\ngegliedert hat. In demselben Concerte spielten die Herren\nv. Bül ow und Laub eine noch nicht herausgegebene So-\nnate von Joachim Ralf für Ciavier und Violine, die sich\nin einzelnen Sätzen durch grosses technisches Geschick,\ndurch Phantasie und Klarheit auszeichnet, dieser Richtung\naber nicht immer treu bleibt. Doch ist dies ein Werk, ge-\ngen das wir uns nur in bedingter W eise erklären können;\nder Componist hat jedenfalls einen sehr anerkennungswer-\nthen Fonds von musicalischer Erfindungskraft und Bildung\nin sich, und mitunter mögen es vielleicht nur theoretische\nGrillen, z. B. über das Verhällniss der Melodie zur Harmo-\nnie und der Homophonie zur Polyphonie, sein, die ihn zu\nweit führen.— Ein neues Streich-Quartett von Louis Eh-\nlert, das zur Aufführung kam, habe.ich nicht selbst ge-\nhört; es werden sowohl die Grundgedanken desselben, als\ndie feine, geistreiche Auslührurig sehr gerühmt. ln den\nbeiden letzten Concerten des Dom-Chors, die nach wie\nvor das glänzendste Publicum heranziehen und auf der auch\nIhnen bekannten Höhe der Ausführung stehen, kamen zwei\nhier noch nicht gehörte Stücke von Seb. Bach (die Motette\n„Komm, Jesu, komm\" und ein Chor aus einer Cantate,\n„Wie schön leucbt't uns der Morgenstern\") und der grosse\nDoppel-Chor aus Mozart's Daoidde penilente (ursprünglich\nein Qui lollis aus der C-moll-Messe, deren bedeutendste\nNummern Mozart mit verändertem Texte in den David ein-\nschob, da ihm die Zeit fehlte, ein ganz neues Werk zu\nschreiben) zur Aufführung. Letzterer ist von überraschen-\nder Kühnheit der Harmonie. Bei wiederholten Aufführun-\ngen würden wir dem Texte der Messe vor dem des David\nden Vorzug geben. Mit wenigen Worten erwähne ich des\nPianisten Rie, der sich durch vorzügliche Technik und ru-\nhige, edle Auffassung auszeichnet, der Sängerin de Villar\n(einer Portugiesin, Schülerin von Garcia), deren Stimme,\nnamentlich in der höheren Lage, etwas sehr Liebliches und\nAbgerundetes hat, und der Sängerin Parisolli aus Rom,\neiner Contra-Altistin, die in manchen Beziehungen, nament-\nlich in der Intonation, eine treffliche Technik besitzt, aber\nzu sehr der modern-ilaliänischen, herausfordernden Manier\ndes Gesanges anhängt, als dass wir Geschmack daran fin-\nden könnten.\nZum Schlüsse meines Berichtes einige Worte über die\nMozartfeier, die, so schnell sie auch veranstaltet wurde,\ndennoch sehr würdig ausfiel. Die Auflührung des Figaro\nvon Seiten der k. Oper, in der auch die kleinen Hollen von\nMitgliedern ersten Ranges besetzt waren, war musterhaft.\nDas Concert, das Mittags in der Sing-Akademie Statt fand,\nbegann mit Stücken aus dem Belmonte, Titus und\nlutte(von den Damen Köster, Wagner, Bottich er,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1211, "texte": "den Herren Mantius, Zschiesche, Krause und der\nk. Capeila unter Leitung der Cajfellmeister Dorn und\nTaub er t ausgeführt); dann sang der Dom-Chor das\nverum und brachte einen so tiefen Eindruck damit hervor,\ndass ein stürmischer Da-Capo-Ruf dem Vortrage desselben\nfolgte; den Schluss machte das zu dessen Ausfüh-\nrung sich die besten Kräfte der Sing-Akademie, des Stern'-\nschen und Jähns'schen Gesang-Vereins unter Leitung des\nM.-D. Grell vereinigt hatten. Am Abende des Tages fand\nein Souper Statt, dem die ersten Sänger und Sängerin-\nnen unserer Bühne und ausser ihnen Frau v.Bock (Schrö-\nder-Devrient) durch den Vortrag vieler Solo- und Ensemble-\nStücke von Mozart eine so hohe künstlerische Weihe gaben,\nwie sie bei ähnlichen Gelegenheiten vielleicht noch nicht\nvorgekommen ist. Die k. Capelle feierte das Andenken\nMozart's durch eine besondere Soiree, in Bezug auf welche\nnamentlich der meisterhafte Vortrag des\ndurch den M.-D. Taubert, der in Zartheit des Anschlags\nund Sinnigkeit der Auffassung zu den ersten Pianisten ge-\nhört, und die Ausführung des Adagio aus dem G-moll-\nQuintett durch das Ensemble der Streich-Instrumente, de-\nren Klangwirkung ausserordentlich schön war, hervorzu-\nheben sind.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-16-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-16_01#c009", "volume": "bmtnabi_1856-02-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "55", "page_fin": "56", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.2.5", "titre_corps": "Mozartfeier in Dresden.", "titre_sommaire": "Mozartfeier in Dresden.", "signature_source": "Louise N.", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.7", "debut_caractere": 1213, "fin_caractere_exclue": 6410, "texte": "Mozartfeier in Dresden.\n\nVor hundert Jahren, den 27. Januar 1756, ward Mozart gebo-\nren. Die Erinnerung daran hatte Begeisterungs-Flammen aller Or-\nten angezündet, und dem Unsterblichen ward zu seinem hundert-\njährigen Geburtstage allenthalben mit seinen unsterblichen Werken\ngehuldigt. Eine würdige, einfache, erhebende leier hatte die dres-\ndener Hofbühne vorbereitet.\nIm gedrängt vollen, festlich erleuchteten Hause kündigte sich\nder Geist des Verewigten mit der Ouvertüre zur Zauberflöte an.\nGleich die ersten Klänge versetzten natürlich in eine geweihte\nStimmung, welche sich den ganzen Abend über erhielt. Nach Be-\nendigung der Ouvertüre trat uns auf der Bühne in der dramati-\nschen Künstlerin Frau Bayer-Bürk eine Gestalt entgegen, an\nder jeder Zoll „Genius\" zu sein schien. Die „deutsche lonkunst\",\nin weissem Gewände, mit dem Eichenkranze im Haar und der\ngoldenen Harfe in der Hand, brachte dem Verewigten ein schönes\npoetisches Huldigungswort, welches ihr als Prolog (gedichtet von\nDr. Julius Pabst) in den Mund gelegt worden. Besonders wirkungs-\nvoll waren folgende Worte:\nNicht Missgunst, eigner Kleinheit sich bewusst,\nStört seines Schaffens reine Himmelslust;\nIhm schwebt es vor in ungetrübter Klarheit:\nDer Tonkunst höchstes Ziel ist Wahrheit!\nFern vom zerstörend eitlen Zukunftstreben,\nGiesst er in jede Form ein neues Leben;\nSo reift er im Bewusstsein hoher Sendung\nZum nie geahnten Urbild der Vollendung.\nSodann wurde im Prolog auf das zur Verherrlichung des Fest-\nabends gewählte Werk Mozart's hingewiesen:\nIdomeneus, sein liebstes Werk der Jugend,\nDies Werk, zwar früh geschätzt, doch lang' verkannt,\nIn der Archive Staub zurück gebannt,\nBis Dresden es zu neuem Leben führte,\nDass wundersam es Aller Herzen rührte\nIdomeneus, ihn lasst in seiner vollen\nUrew'gen Schöne heut vor Euch entrollen.\nDoch mag zuvor in tlücht'gem Zauberwalten\nVorüber ziehn die Reihe der Gestalten, u. s. w.\nHierauf erschienen nun wie durch Zauberei in lebenden Bil-\ndern Scenen aus den classischen Opern Mozart's, von passender\nMusik und verbindenden, erläuternden Worten des Prologs beglei-\ntet. Das Ganze zog wie ein schöner, lebhafter Traum an uns vor-\nüber, dessen Glanzpunkt auf die Erscheinung fiel, welche der Pro-\nlog folgender Maassen ankündigte:\nSucht Ihr sein Grab? Er hat auf Erden keines;\nGeht nicht, wo Staub im Staube ruht, nach Wien;\nTin Volke lebt Sein Bild, ein ewig reines,\nUmrauscht von seinen hehren Melodie'n.\n(Hinter der Scene Orgel- und Harfenklänge.)\nVernehmt den Klang, die laut beredten Zeugen,\nDie hier erschuf des Meisters Genius,\nSie sind's, die huldigend sich vor ihm beugen,\nBewundernd bringen ihren Jubelgruss u. s. wr.\nDa öffnete sich der Hintergrund, und die Statue Mozart's, mit\nLorbern gekrönt, stand vor uns; zu seinen Füssen umgeben von\nallen Gestalten aus den lebenden Bildern (ausgenommen Basilio,\nOsmin, Comthur), welche mit Blumengewinden un 3 Kränzen nach\nihm hindeuteten, zu ihm empor sahen. Dazu erklang jener weihe-\nvolle Schluss-Chor aus der Zauberflöte, worein sich abgebrochene\nBeifallslaute des Publicums mischten, bis nach dem Schlüsse des\nGanzen ein allgemeiner Jubel losbrach, wobei man erst gewahr\nwurde, dass man wachend geträumt.\nAlsdann ging die Oper Idomeneus in Scene, welche durch sich\nselbst, so wie durch ihre Darstellung einen grossartigen Eindruck\nmachte. Das Ideal Gluck wirft noch die Strahlen seiner Eigentüm-\nlichkeit auf dieses Werk, welches das erste classische Mozart's für\ndie Bühne zu nennen ist. Wie frei bewegt sich aber schon der\neigene Genius in der Gluck'schen Sphäre, wie mächtig schnell\nwachsen ihm die Flügel, dass er siegend bald durch alle Sphären\neilt! Doch bleiben wir bei Idomeneus. Man hat dieser Oper zum\nVorwurfe gemacht, dass sie weniger zum dramatischen Effect ge-\neignet sei. Das mag in der Anlage der Handlung liegen, die beson-\nders im ersten Acte etwas langsam vor sich geht und von vielen\nArien aufgehalten wird. Aber trotzdem zeigt sich schon hier eine\nso fesselnde Zeichnung der Gefühle, dass man bewundernd gern\nverweilt und Handlung Handlung sein lasst. Aber im zweiten und\ndritten Acte steigert sich die musicalische Wirkung dermaassen, dass\nder Effect erschütternd und tief wird, und die Oper damit in die\nReihe des Höchsten, was Tonkunst geschaffen hat, eintritt. Welch\neine Scala der Gefühle in den Arien der llia und Elektra! Welch\nein Chor mit Zwischengesang (Still ist im Meer die Welle), woraus\nuns griechische Luft anweht und ein sonniger Himmel anblickt!\nWelch ein Abschieds-Gesang voll höchstem Schmerz und höchstem\nWohllaut! und nun der Sturm, diese Pracht-Scene für Chor\n(Fliehet, verlasset diese schreckliche Stätte] und Orchester, wo der\nAufruhr der Gemüther und der Elemente so treu und musica-\nlisch schön gemalt ist! Auch ist schon bei dieser Oper Mozart's\ndas Vocale von dem Instrumentalen so durchdrungen und bedingt,\nwie Seele und Leib. Die leiseste Regung geht durch Beides, Alles\nbegegnet einander und schliesst sich an, wie Glieder einer Keite,\nDas ist Organismus, ästhetischer Organismus!\nDer Preis für die Leistungen der Sänger am Festabende gebührt\nHerrn Tichatscheck, welchem die Partie des Idomeneo so in\nStimme und Seele liegt, dass sie überhaupt zum Allerbesten gebort."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2594, "texte": "was er bieten kann. Neben ihm glänzt Frau Bürde-Ney als Elek-\ntra, wie es wohl jetzt keine zweite hinsichtlich des Gesanges geben\ndürfte. Das Weiche liegt eben so in ihrer Stimmgewalt wie das\nHeroische, die Zartheit eben so wie Leidenschaft, und desshajh ist\nsie in der Lösung dieser schwierigen Gesangs-Aufgabe so glücklich.\nFrau Krebs-Michalesi nimmt sich als Idamaat, was Gesang\nund auch Persönlichkeit betrifft, sehr vorteilhaft aus. Frl. Bunke\nsingt die schöne Partie der llia mit dem schönen Streben, das be-\nscheiden seine Gränzen kennt und sich nicht übernimmt. In eini-\ngen Momenten wusste sie durch Vortrag die Herzen wirklich zu\nrühren, wenn ihr auch nicht Alles in Darstellung vollkommen ge-\nlang. Alles Andere war so, wie es sein sollte, und besonders rüh-\nmend sei noch des Chors und des ausgezeichneten Orchesters ge-\ndacht, das unter vorzüglicher Leitung des Hof-Capellmcisters Herrn\nReissiger mit Triumph die Oper des Festabends zu Ende führte.\nGebadet in den reinen Tonwellen Mozart's nahm Jeder ein Hoch-\ngefühl mit sich, das als Stern der Erinnerung an diesen Abend\ngewiss niemals verlöschen wird.\nNB. Der hiesige Tonkünstler-Verein, dessen wir schon vormals\nin diesem B'atte rühmend gedachten, derselbe, in dem die Elite\nhiesiger Musikkräfte sich zusammen gefunden und durch den guten\nGeist echter Kunst-Verbrüderung zusammen gehalten wird, hat am\nVorabende des hundertsten Geburtstages des Gefeierten ein Fest,\nund zwar ganz in Mozart's Geiste, veranstaltet. Man hat daselbst\nAlles vom Erhabensten bis zum heitersten Humor genossen, wobei\naber die Grazien, welche Mozart nie verliessen, auch hier jedes\nUebermaass zu entfernen gewusst hatten. Ein Quintett, eine Sonate\nä quatre mains, ein Octelt, ganz vorzüglich ausgeführt, hat hier den\nKern zur erhebenden Feier gebildet.\nAuch der schon erwähnte Musik-Director Herr Hugo Hüner-\nfürst hatte am Tage zuvor in seinem Concert-Locale (Saal des\nLinke'schen Bades), das sich zunehmend mit Kunst-Liebhabern füllt,\ndas Andenken an Mozart würdig gefeiert. Sein Ruf als Dirigent,\nden er gleich mit nach Dresden brachte, steht hier nunmehr aner-\nkannt fest, und sein künstlerisches Streben, das ihn fort und fort\nbegleitet, wird ihn schon noch Hohes erreichen lassen. So klein\ndas Orchester ist, dem er vorsteht, so durchdrungen ist es von Prä-\ncision und dem Dictate seines Dirigenten, und Öie Betonung,\nwelche jedes poetische Erzeugniss, so auch jede Composition erst\nnach vollem Wcrlhe beleuchtet, ist hier Hauptgewalt und zugleich\nHauptbeweis für ästhetisches Feingefühl und echtes Kunstbewusstsein.\nDresden.\n\nLouise N., geb. K."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-16-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-16_01#c010", "volume": "bmtnabi_1856-02-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.2.6", "titre_corps": "Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale.", "titre_sommaire": "Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.8", "debut_caractere": 2596, "fin_caractere_exclue": 6339, "texte": "Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale.\nDinstag, den 12. Februar.\nI. 1) Sinfonie in G-moll von Ed. Franck (Manuscripl);\n2) Sopran-Arie aus Romeo und Julie von Zingarelli, vorgetra-\ngen von Frau Marie Reclam, geb. Sachs; 3) Motette von\nJ. Haydn: „Des Slaubes eitle Sorgen\"; 4) Paradies und Peri,\nzweiter Theil, von R. Schumann. IL 5) Musik von L. van\nBeethoven zu Göthe's Egmont, mit verbindenden Worten, ge-\ndichtet und gesprochen von C. 0. Stcrnau.\nDer Sinfonie von Ed. Franck werden wir in der nächsten\nNummer einen besonderen Artikel widmen, da uns der heute zu-\ngemessene Raum nicht vergönnt, dieses Werk so ausführlich zu be-\nsprechen, wie dasselbe es verdient.\nFrau Dr. Reclam aus Leipzig war dem dringenden Verlan-\ngen der Concert-Direction und der vielen Freunde, welche sie sich\ndurch ihre frühere künstlerische Wirksamkeit hier in Köln erwor-\nben hat, freundlich nachgekommen und erfreute uns nach langer\nZeit einmal wieder durch ihren trefflich gebildeten Gesang. .Dil*\nArie „Ombra adorala\" von Zingarelli (oder Crescentini) trug sie mit\nschöner, volltönender Stimme vor, deren Behandlung im Ansatz,\nim gehaltenen Tone und im Portamento das unverlierbare Gut\nernster Kunst-Studien bewährte. Weniger ausreichend erschien die\nStimme in der Peri, wo namentlich die Arie der Jungfrau: „O,\nlass mich von der Luft durchdringen\", eine leidenschaftlichere Auf-\nfassung und Ausführung bedingt. Von den Liedern Clärchens ge-\nlang das erste: „Die Trommel gerührt\", vorzugsweise gut; der Vor-\ntrag des zweiten: „Freudvoll und leidvoll\", ist eine der schwierig-\nsten Aufgaben für eine Sängerin. Diesmal trat noch die Störung\nhinzu, dass die Violinen das Tempo vivace einen halben Tact zu\nfrüh anfingen. Ausserdem halten wir noch das Vergnügen, Frau\nReclam in einem Privatcirkel zu hören, wo sie durch alle die treff-\nlichen Eigenschaften ihres Gesanges, und namentlich durch den\nvollendeten Vortrag eines reizenden Frühlingsliedes von J. Moschc-\nles entzückte.\nJ. Haydn's Motette: „Insanae et vcinae curaewurde gut aus-\ngeführt; sie machte einen starken Contrast mit dem unmittelbar fol-\ngenden Theilc von R. Schumann's „Paradies und Peri\", worin\ndes Klagens und Jammerns doch gar zu viel und des Trostes zu\nwenig ist. Wir haben uns über die Gründe, wesshalb dieses Werk\nauch auf ein gebildetes Publicum keinen schlagenden Gesammt-\nEindruck macht, im dritten Artikel unseres Berichtes über das vor-\njährige Musikfest in Düsseldorf (Nr. 26, vom 30. Juni des vorigen\nJahrgangs) ausführlich ausgesprochen. Wenn aber die Erfahrung\nin Düsseldorf bei einer im Ganzen vortrefflichen Aufführung und\nder Mitwirkung einer Jenny Lind dies bestätigt hat, wie kommt\nman dazu, uns einen Theil desselben in Köln trotzdem noch ein-\nmal und mit weit schwächeren Mitteln zu octroyiren ? Sonst\nstemmt man sich so gegen theilweise Aufführungen; ein Theil\nHändel, Haydn, Mozart, Mendelssohn würde aber einen ganz an-\nderen Eindruck gemacht haben, wenn man denn doch einmal Ein-\nzelnes aus einem Ganzen geben will, wogegen wir auch gar nichts\neinzuwenden haben bei Abonnements-Concerten.\nDie zweite Abtheilung brachte die herrliche Musik Beetho-\nven's zu Göthe's Egmont. Die Ausführung der Ouvertüre war\nschwungvoll; die übrigen Sätze licssen einige Mal die nöthige Prä-\ncision auffallend vermissen, und der Vortrag ermangelte z. B. in\ndem Allegretto Nr. 5 (Oboe-Solo), dessen Tempo übrigens im Ver-\nhältnisse zu dem Allegro assai vivace des Liedes zu schnell war, und\nin dem Andante agüato Nr. 6 der Zartheit und des weichen Aus-\ndrucks; dieser ganze Satz darf aus dem Sotio voce nicht herausge-\nhen, selbst die Crescendi führen stets wieder zum Diminuendo oder\nPiano. und das Molto legato und Molto espressivo verdient überall\ndie grösste Beachtung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-16-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-16_01#c011", "volume": "bmtnabi_1856-02-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.8", "debut_caractere": 6341, "fin_caractere_exclue": 7002, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Herr Karl Reinthaler ist von dem k. Preussischen\nMinisterium des Cultus u. s. w. zum Musik-Di rector ernannt\nworden.\nDer berühmte Pianist Anton Rubin stein wird in nächster \"\"\nWoche hier eintreffen. Dem Vernehmen nach werden wir im näch-\nsten Gesellschafts-Concerte ihn und wahrscheinlich auch einige von\nseinen Compositionen hören.\n>\n,Es ist uns unmöglich, allen Zusendungen aus Nah und Fern\nvon Berichten und Gedichten über die Mozartfeier Platz zu geben,\nwiewohll sie die erfreulichen Beweise liefern, wie allgemein die\nFeier gewesen und mit welchem Eifer und mit wie warmer Theil-\nnahme man begangen hat. Die Redaction."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas Mozartfest in Wien. Von Ed. H. Beurtheilungen: Ant. Krause, Drei instruetive Son iten für Pianoforte. Op. 1. -\nDerselbe, Etüden zur Ausbildung des Trillers. Von L. Kindscher. Berliner Briefe (Oper Slern'seher Verein Faust-Ouverture\nvon Wagner Sinfonie von F. Ililler Radecke Rieh. Wi'irst Concerte Mozartfeier). Von G. E. Mozartfeier in Dresden.\nVon Louise N., geb. K. Siebentes Gesells.chafts-Concert in Köln Tages- und Unterhaltungsbtatt\n\nDas Mozartfest in Wien.\n\nDas Fest-Concert zur hundertjährigen Wiederkehr von\nMozart's Geburtstag ist am 27. und 28. Januar im gros-\nsen Redoutensaale unter ungewöhnlichem äuserem Glänze\nvor sich gegangen. Der Saal strahlte in wahrhaft ballmässi-\nger Beleuchtung und fassle unten kaum das Publicum, aber\nnoch schwieriger die Masse von Mitwirkenden, zu welcher\ndie Musikfreunde, der Männergesang-Verein, die Hofcapelle,\ndas Hof-Opern-Orchester, endlich die ersten Kräfte des\nKärnthnerthor-Theaters sich vereinigt hatten. Das Erschei-\nnen Ihrer Majestäten und des Allerhöchsten Hofes verlieh\ndiesem Concerte überdies einen ungewohnten auszeichnen-\nden Glanz. Bekanntlich war es der Gemeinderath der\nv Stadt Wien, welcher das Fest-Concert zum Gedächtnisse\nMozart's veranstaltete. Er hat sich damit um den vollsten\nDank jedes vaterländischen Kunstfreundes verdient gemacht;\ndenn nicht ein Privatmann oder ein Verein, sondern die\nStadt Wien selbst musste durch diese Huldigung die\nuntilgbare Schuld wenigstens anerkennen, in welche sie\ngegen ihren Bürger Mozart zu dessen Lebzeiten verfiel.\nDie Stellung, die Mozart als Mann und vollendeter Mei-\nster in Wien einnahm, war eine traurige Fortsetzung der\nMissachtung, welche der Knabe und Jüngling von seinem\ngeistlichen Souverain in Salzburg zu tragen hatte.\nIn der Anordnung des Fest-Concertes ging das Co-\nmite offenbar von dem Princip aus, durch Vertretung al-\nler musicalischen Hauptgattungen die künstlerische Uni-\nversalität Mozart's zu illustriren. Dieser Gedanke, die\nwunderbare Vielseitigkeit Mozart's in dem kleinen Rahmen\neines Concertes abzuspiegeln, hat jedenfalls viel Bestechen-\ndes, muss aber in der Ausführung unläugbaren Uebelstän-\nden begegnen. Stücke, wie das erste Finale aus Don Juan\nund das Dies irae aus dem Requiem gehören nun einmal\nnicht ins Concert.\nEiner kleineren Stadt, welche nicht in der Verfassung\nist, nehst Mozart's symphonistiscben Compositionen noch\nseine kirchlichen und dramatischen Meisterwerke in der Kir-\nche und im Theater würdig aufzuführen, mag allenfalls ein\nsolches Zusammenrücken aller Style angemessen scheinen.\nWien hätte ein Mo zart fest nach allen vier Weltgegen-\nden des musicalischen Reiches feiern können und sollen: in\nder Kirche, im Concertsaale, in der „Kammer\" und im\nTheater.\nDie vollständige Aufführung des in einer der\ngrösseren Kirchen hätte dem Feste vorausgehen und eine\nmusterhafte Vorstellung des Don Juan es beschliessen sol-\nlen. Statt dessen gab man am 27. im Kärnthnerthor-Theater\n„Gute Nach t, Her r Pantalon\"!! Ausserdem, dass das\nProgramm Concertwidriges enthielt, brachte es auch zu\nVieles*). Man wurde erdrückt von Musik und musste bei\nder ungeheuren Hitze, die im Saale herrschte, sich lange\nvor dem Ende geistig und körperlich ermattet fühlen. Musik-\nProductionen sollten aber eher die grösste Selbstverläug-\nnung üben, ehe sie durch Ueberfülle den Totai-Eindruck\ntrüben.\nDie Ausführung der Musikstücke war mit Ausnahme\ndes Finale aus Don Juan eine vorzügliche. Dieses Finale,\ndessen Uebertragung in den Concertsaal, wie erwähnt,\nschon an sich ein Missgriff, wurde überdies von den ersten\nSängern und Sängerinnen des Kärnthnerthor-Theaters mit\neiner an Impietät gränzenden Lässigkeit abgesungen, gonz\nwie ein langweiliges Pensum, dessen man sich mit Unlust\nentledigt.\n\n*) Das Programm enthielt: 1) Ouvertüre zur Zauberflöte; 2) Prie-\nsterchor „Isis und Osiris\"; 3) Clayier-Concert; 4) Dies irae;\n5) Cr-mo/Z-Sinfonie; 6) Concert-Arie mit Yiolin-Solo; 7) Fi-'\nnale aus Don Juan."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.2", "texte": "Im Dies irae, das seine erschütternde Gewalt jedesmal\nwie neu bewährt, wirkten die Chöre prachtvoll. Von den\nSolisten reichten die Herren Erl und Staudigl mit der\nStimmkraft nicht aus, dennoch hätte man ihre Mitwirkung\nwohl allgemein bei der Verherrlichung eines Meisters ver-\nmisst, um dessen geistliche und weltliche Musik sie (insbe-\nsondere Staudigl) erhebliche Verdienste haben. Eine bei\naller Rococo-Fagon liebenswürdige Concert-Arie mit Vio-\n• lin-Solo trug Fräul. Tietjens mit Herrn Hellmesber-\nger sehr beifällig vor. Herr Dachs spielte einen sehr an-\nmuthigen und reizend instrumentirten Concertsatz (C-moll)\nin gewohnter zierlicher Weise. Dass das Ciavier im grossen\nRedoutensaale keinen lebensfrischen Eindruck macht, wird\ndem wackeren Herrn Dachs Niemand zur Last legen.\nDurchaus vollkommen war die Exequirung der ewig ju-\ngendlichen 6?-mo//-Sinfonie. Bekanntlich ging das ganze\ntest-Concert unter der persönlichen Leitung von Franz\nLiszt vor sich. Seine zu diesem Zwecke vom wiener Ge-\nmeinderathe veranlasste Berufung hat unter den Musikern\nund im Publicum so lebhafte Discussionen veranlasst, dass\nwir dieser Frage, so delicat sie ist, nicht aus dem Wege\ngehen wollen.\nAlles wohl erwogen, was sich gegen die Einladung\nLiszt's ernstlich einwenden lässt, kann man doch eigentlich\nvon ihr nur sagen, dass sie nicht nothwendig war. Sie\nwar lürs Erste nicht nothwendig, weii wir in Wien an\nH e 11 m e s b e r g e r, Esser, Eckert sehr tüchtige und ge-\nbildete Capellmeister besitzen, denen die Leitung eines gros-\nsen Concertes, und vollends eines nur aus Mozart beste-\nhenden, mit der höchsten Beruhigung anvertraut werden\nkonnte.\n(Heber Stegmaver's treffliche Schulung der Chöre\nhatte Liszt selbst Gelegenheit, sich rühmend auszusprechen.)\nFürs Zweite steht Liszt's künstlerische Individualität\nzu Mozart in gar keiner organischen Beziehung, noch we-\nniger in der factischen, dass Liszt zum Verständnisse und\nzur Verbreitung Mozart's etwas beigetragen hätte, wie ihm\ndies in hohem Grade rückstchllich B e e t h o v e n' s zugestan-\nden werden muss. Ein Beethoven- oder Schubert-Fest von\nallgemeiner nationaler Bedeutung wäre in der That nicht\nvollständig ohne die Gegenwart Liszt's.\nZu Mozart verhält sich Liszt ganz anders; ist er doch\nFahnenträger einer musicalischen Partei, welche Mozart's\nCompositionen zu den abgelhanen Ammen-Märchen und\nGrossmutter-Schwächen wirft, über die der echte Jünger\nRichard Wagner's nur noch lächeln kann.\nPremier des compositeurs mediocres\", sagte uns einst eine\nAutorität dieser neuen Propaganda. Liszt hat übrigens vor\nwenigen Tag/m in einem eigenen Aulsalze für seinen gut\nMozart'schen Glauben das Wort erhoben und die Oppo-\nsition darauf reducirt, dass man auf dem Standpunkte Mo-\nzart s nicht liir alle Zeit stehen bleiben müsse, wogegen\nsieh allerdings nichts einwenden lässt. Beethoven war\nes, der zuerst und wissentlich mit dem Mozart'schen Ideale\nbrach, dennoch aber hat er stets mit liebevoller Verehrung\nan Mozart gehangen, aus dem er hervorging.\nAls das Fest-Comite Liszt zur Direction einlud, hatte\nes vor Allem wohl den Wunsch, durch eine hervorragende\nund berühmte Persönlichkeit demConcerle nicht bloss Tüch-\ntigkeit, sondern auch Glanz zu verleihen. Dass sich mit dem\nRuhme Liszt's kein anderer lebender Dirigent vergleichen\nkann, wird man kaum bestreiten*). Es war demnach auch\nmit Sicherheit voraus zu sehen, dass die Erscheinung Liszt's\nhinreichen würde, ein ausserordentliches Zuströmen des\nPublicums an beiden Concerltagen zu bewirken. Wir glau-\nben kaum, dass ohne Liszt der Andrang ein so ausseror-\ndentlicher gewesen wäre—eine Erwägung, welche bei der\nwohlthätigen Widmung der Einnahme dem Comite wichtig\ngenug sein musste.\nMochte nun im Schoosse des Comite's lür oder cecen\nDo\nLiszt's Berufung noch so heftig gestritten werden mit -\ndem Augenblicke, als diese Berufung beschlossen war und\nLiszt seine Bereitwilligkeit erklärt hatte, ihr Folge zu lei-\nsten, mit diesem Augenblicke hätte jede scheelsüchtige Re-\ngung schweigen sollen. Liszt, der die Einladung nicht an-\ngesucht, sondern ihr mit einer seltenen Uneigennützigkeit\nohne jede Vergütung gefolgt war, Liszt, der die mühevol-\nlen Proben mit einem Eifer leitete, dessen Verdienst nur\ndurch die Bescheidenheit noch überboten wurde, mit wel-\ncher er beim Fest-Concerte selbst sich so ganz in den Hin-\ntergrund stellte, Liszt hätte vom Momente seines Eintref-\nfens mit jener auszeichnenden Rücksicht behandelt werden\nsollen, die man einem so bedeutenden und liebenswürdigen\nGaste schuldet\nDass dies weder von Seiten der Musiker noch selbst\ndes Publicums in dem Maasse geschah, welches wahre Ur-\nbanität so gern einhält, ist uns sehr bedauernswerth er-\nschienen. Gern hätten wir es unerwähnt gelassen, doch\ndurften wir den Anlass nicht versäumen, gegen einen Pfahl-\nPatriotismus zu protesliren, dessen Glaubensbekenntniss\noffenbar mit dem Artikel beginnt, dass man gegen Fremde\nunartig sein darf.\n\n*) Sind denn Spohr und Marschner todt? Und auf welche\nArt von Ruhm kam es denn hier eigentlich an? Die Red."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.3", "texte": "Wenn diese Partei unserer Weichbild-Fanatiker sich\nentsprechend festsetzt, so wird sie es aus lauter Patriotis-\nmus dahin bringen, dass ausgezeichnete Männer wie Liszt\nund Meyerbeer sich vor einem Besuche in Wien künftig\nein Weilchen besinnen werden.\nWie gesagt, entsprach Liszt's Leitung allen Wünschen.\nDass er die Tempi etwas rascher nahm, als es ältere Ca-\npellmeister pflegen, entspricht ganz unserer Ueherzeugung,\ndass das geübtere Ohr unserer Generation manches Tempo\nein wenig belebter verträgt und erheischt, als man es vor\nfünfzig Jahren nahm. Nachahmenswert!) ist es, dass Liszt\nzwischen den einzelnen Sätzen der Sinfonie sehr kurze\nRuhepausen machte und während derselben kein Nach-\nstimmen der Instrumente gestattete.\nEines schönen. Erinnerungszeichens an das Mozarllest\nmöge hier noch gedacht sein: der Denkmünze, welche Pro-\nfessor Radnitzky, unser rühmlich bekannter Medailleur,\nzur Feier des Mozartfestes verfertigte. Die Medaille zeigt\nauf der einen Seite das wohlgetroffene und sehr schön ge-\nprägte Portrait Mozarl's, auf der anderen einen knieenden\nGenius, dessen Saitenspiel lauschende Engelsköpfchen aus\nden Wolken hervorlockt. Anstatt einer Inschrift schlingt\nsich um dieses Bild das Ihema aus der Ouvertüre zur Zau-\nber Hole in deutlicher, aber bescheiden gehaltener Noten-\nschrift— ein glücklicher Gedanke, welcher das Individuelle\nder Feier in ihrer eigenen Sprache hervorhebt, ohne doch\nmit dieser musicalischen Anspielung die plastische Schön-\nheit der eigenen Kunst zu verletzen.\n(Wiener Presse.)\n\nEd. H.\n\nFür Pianoforte.\n\nAnton Krause, Drei instructive Sonaten für das\nPianoforte. Op. 1. Leipzig, bei Breilkopf & Här-\ntel. Jede 15 Ngr.\nMotto: Omne tulit\nutile dulci.\nDie instructive Sonate hat vorzugsweise den pä-\ndagogischen Zweck zu verfolgen. Der Componist soll\nsich als Lehrer auf den niedrigen Standpunkt des Lernen-\nden zurück zu versetzen verstehen, um diesem -zu geben,\nwas er eben als Lernender braucht und woran derselbe\nsich schnell, wie ohne zu grosse Mühe zurecht finden und\nrespective in der Kunst-Technik emporarbeiten kann. So\nweit hat zwar der eben erwähnte Componist schon seiner\nPflicht hauptsächlich Genüge gethan; versteht er es aber\nausserdem noch, seine Schul-Aufgaben in eine mehr ästhe-\ntische und NB. geistige Form zu bringen, versteht er, der\nSchule hiedurch die ihr anklebende Trockenheit und Lang-\nweiligkeit zu nehmen, so hat er mehr gethan und den be-\ndeutend höheren Zweck erreicht !ür den Lernenden, dass\ndieser nun durch den Reiz des Schönen gewaltig an-\ngezogen wird und somit auch schneller und leichter aui\nseinem Wege Fortschritte macht. So gibt es unter älteren\nund neueren derartigen Compositionen viele, welche die\nJugend gern spielt: Clement!, Moscheies, Hunten, Chwa-\ntal u. s. w. Aber ganz vorzugsweise ist der Liebling der\nJugend Kuh lau, der zugleich leicht ausführbar und schön\n(melodisch resp.) zu schreiben und damit doch die sämmt-\nlichen Anforderungen der Schule und Technik -zu verbin-\nden wussle (Tonleiter, Accord, Legato, Staccalo u. s. w.).\nDer Componist vorliegender Sonaten hat sich nun in sei-\nnem Opus 1 das vorerwähnte Feld erwählt und auf das\nTitelblatt die' Bemerkung gesetzt: „Es war Absicht des\nComponisten, in vorliegenden Stücken leicht auszuführende,\nbeim Unterrichte anwendbare Stücke in Form der Sonate\nzu bieten, und so künstlerischen und pädagogischen Zweck\nzu vereinen.\" Man sieht schon aus der Arbeit, dass neben\nLust und Liebe auch innerer Beruf und Talent für die Sache\nvorhanden ist, und somit ist jene Absicht auch in vielen\nStücken erreicht. Es möge sich daher der Verfasser weiter\nversuchen und der lernbegierigen Jugend Nutzen und Freude\nzu bereiten sich bestreben.\nNr. 1 ist „Kinder-Sonate\" überschrieben. ErsterSatz\nAllegro, C-dur, 4/V Leicht ausführbar. Die Kinder lernen\nhier ihrer schwachen Kraft schon etwas mehr vertrauen,\nweil sie ohne grosse Mühe etwas zu Stande bringen, was\nihnen eben nicht zu häufig gelingt. Etwas schwieriger in\ndieser Beziehung scheint das Andante, F-dur, 2//4, von wel-\nchem wir noch eine Stelle aj sowohl der besseren Ortho-\ngraphie als Modulation wegen so verändert wünschten b):"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.4", "texte": "Da bei den Kindern in der Regel ein rasches Tempo sehr\nimponirl, so werden sie sich auch darum angelrieben füh-\nlen, die unschwere Aufgabe des letzten\nC-dui , /ii ,zu lösen, sollte zugleich auch hier, wie im er-\nsten Satze, manche Melodie weniger Ansprache als die an-\ndere finden. Auch hat der Verfasser wohl in seiner Kinder-\nSonate nicht reiflich genug erwogen, wie unpädagogisch\neine Quinten-Parallele sein kann:\nund man soll ja auch schon den Kindern nicht den „Teu-\nfel an die Wand malen\".\nNr. 2, Sonate überschrieben. 1) Romanze {Andante),\nB-dur, ,5/4. Melodisch und gesangvoll, doch schon mit etwas\ngrösserer Anforderung an die technische Ausführung, theils\nwegen einigci Harmonie-Griffe, theils wegen einiger Sprünge.\n2) Schei zo (f ivace), (j-duv, s/s- Munter, der Schluss auch\nonginel und frappant, obgleich zwei Tacte etwas stark an\ndie erste Barcarole in Auber's Stummen von Portici strei-\nfen. 3) Thema mit Variationen, melodisch und ins\nOhr fallend und zugleich nicht zu schwer.\nNr. 3, Presto, B-dur, %, hat viel Schwung und Fluss,\nd. h. auch Mendelssohn'schen, für welche Person insbe-\nsondere zwei Stellen zeugen. Ungeachtet des Tempo ist\ndie Ausführung hier wieder sehr dankbar für den Spieler\neingerichtet, was sich der Verfasser überhaupt dem An-\nscheine nach vorgenommen hat; denn im Fluge stört natür-\nlich auch das kleinste Hinderniss. Adagio, F-dur, 3/4, ein\nmelodischer Satz, der auch Streben nach Originalität\nschon der Anfangs-Accord O-nwll, die zweite Stufe der\nIlaupt-Tonart. Aus pädagogischer Rücksicht muss sich Re*\nferent aber einmal gegen den Gebrauch des Punktes erklä-\nren, wo nämlich auf ihn der Tact fällt, wie hier z. B.:\nJ* J« ' Nicht nur bei dieser Synkope, sondern sogar\nim Allgemeinen bei gewöhnlichen punktirten Noten vvird\nmeist der Punkt übersehen, und zwar darum, weil er im-\nmer etwas Anderes, Relatives ist und eine Abstraction von\nder vorhergehenden Note voraussetzt, was ira Moment\nvor sich gehen und natürlich die Ausführung erschweren\nmuss. (Schiller sagt: „Ein mächt'ger Herrscher ist der Au-\ngenblick.\") Wenn es daher nichts Neues ist, dass beim\nPunkte oft gar nichts gedacht wird, so wäre, um die-\nsem zu begegnen, der Punkt besser in eine wirkliche\nNote, aus dem Ideellen in etwas Reelles umzusetzen 5\ndenn Caspar im Freischütz spricht auch wohl: „Wäs die\nAugen sehen, glaubt das Herz!\" Im %,\nkommen schon einige höhere Anforderungen: die unge-\nwohnteren Tonarten, B-moll und Des-dur, auch die .rhyth-\nmische Verbindung von zwei geraden Achteln mit der Ach-\ntel-Triole. Der Satz ist natürlich in Rondo-Form und theil-\nweise in der Kuhlau'schen Manier gehalten, da auch ein\nsolches Vorbild die aufmerksamste Beachtung, wie die\ntreuestc Folge verdient. Noch ist zu erwähnen, dass der\nFingersatz beigefügt ist.\nAnton Krause, Etüden zur Ausbildung des Trillers\nfür das Pianoforle. Op. 2. Zwei Hefte. Leipzig,\nbei Breitkopf & Härtel, h 20 Ngr. °*\nDer Iniler i.st unstreitig unter den 1 on-Verzierungen\ndie hauptsächlichste und brillanteste, und es verlohnt sich\ndaher schon der Mühe, ihn richtig zu erlernen. Die Anfor-\nderung an ihn bezieht sich erstlich auf die Egalität und\nzweitens auch auf die Rapidität des Anschlags zweier Fin-\nger. Diesem Bedürfnisse hat der Componist in verschiede-\nnen Triller-Passagen zu entsprechen sich bemüht, worin\nsogar der Daumen und der kleine Finger sich betheiligen\nmüssen. Da der eigentliche Triller nur auf dem Intervall\nder grossen oder kleinen Secunde beruht, so dürften den\nNummern 1, 3, 5, 7, 8 auch die meisten Beziehungen\nhierauf beigemessen werden. Wenn dies wiederum in eini-\ngen anderen Nummern fehlt, und man daher nichts von\neiner solchen Beziehung auf den Triller gewahrt, so hat\nder Componist dieses magere melodische Thema entweder\nmit Absicht verlassen oder überhaupt bloss den egalen\nFinger-Anschlag im Auge gehabt. In der Etüde soll sich\nnun Notwendigkeit und Freiheit verbinden, oder die todte,\ntrockene Form, welche die Schule gibt, soll als ein leben-\ndiges Glied und Haupt-Motiv im grossen Ganzen erschei-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.5", "texte": "nen. Und somit wird denn auch zugleich für den Schüler\ndie Schul-Pille sehr angenehm übersilbert, indem hier sein\nästhetisches Interesse mit in Anregung kommen soll. Der-\nartige Etüden sind auch die vollkommensten: Clementi,\nGramer, A. E. Müller, Moscheies, Herz, Hunten u. s. w.\nDas Streben des Componisten, der Schule zu nützen, ver-\ndient schon billig Anerkennung, und somit sei das Werk\nhiermit empfohlen, auch um so mehr, je weniger es über-\nhaupt bis jetzt noch derartige Werke in der Literatur gibt.\nIn den übrigen Nummern, wo die eigentliche Triiler-Uebung\nfehlt, hätte dafür, wo nicht der auf dem Ciavier weniger\nübliche Doppel-Triller, so doch der mit dem Triller nahe\nverwandte Doppelschlag und Prall-Triller eine Anwendung\nund Stelle vielleicht finden können. Schliesslich wünschte\nReferent den Daumen bei den Obertasten darum weniger\n\\\nin Anwendung gebracht, um dem hieraus leicht hervorge-\nhenden lästigen Rücken und Bewegen der Hand zu begeg-\nnen, z. B.:\nGöthen.\n\nLouis Kindscher.\n\nBerliner Briefe.\n\n[Oper Stern'sc her Verein Faust-Ouverture von\nWagner - Sinfonie von F. II iiier Radecke\nllicb. Wurst Concerte Mozart fei er.]\nDen 10. Februar 1856.\nIch habe in meinem Berichte noch Einzelnes aus frü-\nherer Zeit nachzuholen, obschon im Ganzen Berlin in die-\nsem Winter weniger von Concerten heimgesucht wurde,\nals man befürchtete; Virtuosen sind fern geblieben, die\nkleineren Conccrt-Unternehmer haben den Muth verloren;\njedenfalls verdanken wir den ersten Einwanderungs-Versu-\nchen der Zukunfts-Musik in unsere Concertsäle, dass wir\nvon mancher überflüssigen Vergangenheits-Musik verschont\ngeblieben sind.— Von der Oper ist nicht viel zu berichten.\nEiner Aufführung der Armide gedenke ich nur darum,\nweil dieses Werk im vorigen Winter auf unserem Repertoire\ngänzlich fehlte. Die Besetzung ist unvollkommen sowohl in\nden Neben- als in den Haupt-Partieen; nur Frau Kpster\ngibt die Hauptrolle mit Würde und künstlerischem Ver-\nstände. Noch Bedeutenderes leistete diese Sängerin, von\nder wir nach wie vor rühmen müssen, dass sie die Stütze\nunseres classischenßepertoires ist, als Vesta!in; sie stand\nganz auf der Höhe dramatischer Empfindung, zu der sich\nSpontini in diesem Werke mehr als in seinen späteren em-\nporgeschwungen hat. Der Stern'sehe Orchester-Verein\nhat inzwischen zwei neue Concerte gegeben und in densel-\nben seinen Ruf glänzend bewährt. Namentlich zeichnete sich\ndie Ausführung der Schubert'schen C-dar-Sinfonie durch\nPräcision vorteilhaft aus. Herr v. Bülow bewährte in\ndem Vortrage der Beethoven'schen Phantasie für Ciavier,\nChor und Orchester und des D-moll-Concertes von Seb.\nBach seine musterhafte Technik. Mitglieder des Stern'schen\nGesang-Vereins trugen einen wenig bekannten Chor von\nHaydn, „Der Sturm\", einen Chor aus einer Bach'schen\nCantate, „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden\", der\ndurch sein mildes, liebliches Colorit auffällt, und einen aus\ndem fünfzehnten Jahrhundert herrührenden, in pariser Con-\ncerten bereits vor längerer Zeit aufgeführten Hymnus auf\ndie Dreieinigkeit vor. Letzterer fand bei dem Publicum sehr\nvielen Beifall, dem wir uns indessen nicht anschliessen kön-\nnen. Die einfachsten und ältesten Stücke, die der Dom-Chor\nin seinen Concerten singt, z. B. die Improperien von Vit-\ntoria, sind wahre Kunstwerke im Vergleich dazu. Eine ganz\neinfache Melodie, die ohne rhythmische Ausbildung sich in\nein paar Tönen bewegt, sich bis zur Ermüdung wiederholt\nund von den einfachsten Dreiklängen in durchaus homo-\nphoner Weise begleitet wird, das ist die unbehülfliche\nSprache der Kindheit. Daran Geschmack zu finden, ist\neben so krankhaft und romantisch, als die entgegengesetzte\nVcrirrung. Wir wollen uns vor Ausschweifungen hüten,\ndann werden wir auch keine Hunger- und Wasser-Curen\nnöthig haben. Die Faust-Ouverture von Richard\nWagner hat bei dem grösseren Theile des Publicums\nkeinen Anklang gefunden. Nach unserer Ansicht ist gegen\ndieses Werk ein viel stärkerer Protest einzulegen, als ge-\ngen alles, was im Tannhäuser vorkommt. Ich muss hier an\ndas erinnern, was ich bei Gelegenheit des Tannhäuser über\ndie durchgehende Tendenz Wagner's gesagt habe, den Aus-\ndruck bis zur Maasslosigkeit zu steigern. Es ist sehr wohl-\nfeil, damit Wirkungen zu erreichen; aber sie sind nur (ür\nden ungebildeten Hörer vorhanden, dem entweder über-\nhaupt jede Bildung des Gefühls fremd oder wenigstens der\nmusicalische Ausdruck dalür unbekannt ist. Man lese die\nStelle in Wagner's Vorrede zu den von ihm herausgegebe-\nnen Opern-Texten, wo er von den Gaben der drei Nornen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.6", "texte": "spricht, deren eine „der nie zufriedene Geist sei, der stets\nauf Neues sinnt\". Der Zweck dieser Erzählung ist, zu erklä-\nren, dass ihm selbst diese Gabe zu Theil geworden sei, da\ner zu seinem Glücke keine Erziehung gehabt habe, und\ndass darin alles Genie bestehe. Dies gerade aber ist der\nPunkt, dies die Scheidewand, die seine Kunst-und Lebens-\nAnschauung von der herrschenden und hoffentlich uner-\nschüttert bleibenden lür immer trennt. Das ist es eben, was\nsolchen Werken, wie die Faust-Ouverture, fehlt, das Züch-\ntige, das Gemilderte, Geläuterte. Möge sich Wagner von\ndem Geiste der Liebe, dem er in seinen literarischen Wer-\nken so viele Huldigungen darbringt, tiefer und tiefer durch-\ndringen lassen; denn bis jetzt wandelt er als Componist\nmehr die Wege zerfahrener Lieblosigkeit, als die der ver-\nsöhnenden Liebe. — Die Sinfonie von Hiller „Es muss\ndoch Frühling werden\" fand die Anerkennung, die das mit\ngrossem technischem Geschick gearbeitete, von edler Ge-\nlühlsbilduug zeugende Werk verdient; doch fehlt ihr wohl\njene ursprüngliche Frische, die den Hörer ergreift und in\neine erhöhte Stimmung bringt. [?] — In den Sinfonie-Soireen\nder königlichen Capelle kam eine neue Sinfonie von R o b.\nRad ecke (D-moll) zur Aufführung. Zur Kategorie der\nZukunfts-Musik können wir dieselbe nicht zählen, wenn-\ngleich einzelne harmonische Wendungen (namentlich im An-\ndante) und theilweise auch die Behandlung der Instrumen-\ntation damit in einiger Verwandtschaft stehen; im Ganzen\ngehört sie zu jenen Werken, in denen der Reichthum der\nGedanken zu der Grösse der Form nicht in dem richtigen\nVerhältnisse steht. Auch in der technischen Verarbeitung\nder zu Grunde gelegten Themate ist der Componist noch\nnicht Meister; wenn ihm auch einzelne Stellen anerkennungs-\nsverth gelingen, so lühlt man doch zu oft die Verlegenheit,\nin der er sich befand, lür die Dauer eines so grossen Wer-\nkes durchweg interessant und neu zu sein. — Der Stern'-\nsche Gesang-Verein führte in einer Privat-Aufführung am\nCiavier eine Cantate von Richard Würst „ Der Wasser-\nneck \" auf. Sie dauert etwa eine Stunde. Auch musicalisch\nbetrachtet, hält sie sich in kleineren Dimensionen. Die Solo-\ngesänge haben meistens etwas Liedarliges, die Chöre sind\nim Ganzen weder breit ausgeführt noch von polyphoner\nAnlage. Innerhalb dieser Gränzen hat der Componist aber\netwas sehr Ansprechendes hervorgebracht. Es ist ihm na-\nmentlich gelungen, natürliche, innige und edle Melodieen\nzu finden, denen sich das Geiühl gern und willig hingibt.\nDarauf legen wir noch mehr Gewicht, als auf das technische\nGeschick, mit dem Würst sein Werk abgerundet und fest\ngegliedert hat. In demselben Concerte spielten die Herren\nv. Bül ow und Laub eine noch nicht herausgegebene So-\nnate von Joachim Ralf für Ciavier und Violine, die sich\nin einzelnen Sätzen durch grosses technisches Geschick,\ndurch Phantasie und Klarheit auszeichnet, dieser Richtung\naber nicht immer treu bleibt. Doch ist dies ein Werk, ge-\ngen das wir uns nur in bedingter W eise erklären können;\nder Componist hat jedenfalls einen sehr anerkennungswer-\nthen Fonds von musicalischer Erfindungskraft und Bildung\nin sich, und mitunter mögen es vielleicht nur theoretische\nGrillen, z. B. über das Verhällniss der Melodie zur Harmo-\nnie und der Homophonie zur Polyphonie, sein, die ihn zu\nweit führen.— Ein neues Streich-Quartett von Louis Eh-\nlert, das zur Aufführung kam, habe.ich nicht selbst ge-\nhört; es werden sowohl die Grundgedanken desselben, als\ndie feine, geistreiche Auslührurig sehr gerühmt. ln den\nbeiden letzten Concerten des Dom-Chors, die nach wie\nvor das glänzendste Publicum heranziehen und auf der auch\nIhnen bekannten Höhe der Ausführung stehen, kamen zwei\nhier noch nicht gehörte Stücke von Seb. Bach (die Motette\n„Komm, Jesu, komm\" und ein Chor aus einer Cantate,\n„Wie schön leucbt't uns der Morgenstern\") und der grosse\nDoppel-Chor aus Mozart's Daoidde penilente (ursprünglich\nein Qui lollis aus der C-moll-Messe, deren bedeutendste\nNummern Mozart mit verändertem Texte in den David ein-\nschob, da ihm die Zeit fehlte, ein ganz neues Werk zu\nschreiben) zur Aufführung. Letzterer ist von überraschen-\nder Kühnheit der Harmonie. Bei wiederholten Aufführun-\ngen würden wir dem Texte der Messe vor dem des David\nden Vorzug geben. Mit wenigen Worten erwähne ich des\nPianisten Rie, der sich durch vorzügliche Technik und ru-\nhige, edle Auffassung auszeichnet, der Sängerin de Villar\n(einer Portugiesin, Schülerin von Garcia), deren Stimme,\nnamentlich in der höheren Lage, etwas sehr Liebliches und\nAbgerundetes hat, und der Sängerin Parisolli aus Rom,\neiner Contra-Altistin, die in manchen Beziehungen, nament-\nlich in der Intonation, eine treffliche Technik besitzt, aber\nzu sehr der modern-ilaliänischen, herausfordernden Manier\ndes Gesanges anhängt, als dass wir Geschmack daran fin-\nden könnten.\nZum Schlüsse meines Berichtes einige Worte über die\nMozartfeier, die, so schnell sie auch veranstaltet wurde,\ndennoch sehr würdig ausfiel. Die Auflührung des Figaro\nvon Seiten der k. Oper, in der auch die kleinen Hollen von\nMitgliedern ersten Ranges besetzt waren, war musterhaft.\nDas Concert, das Mittags in der Sing-Akademie Statt fand,\nbegann mit Stücken aus dem Belmonte, Titus und\nlutte(von den Damen Köster, Wagner, Bottich er,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.7", "texte": "den Herren Mantius, Zschiesche, Krause und der\nk. Capeila unter Leitung der Cajfellmeister Dorn und\nTaub er t ausgeführt); dann sang der Dom-Chor das\nverum und brachte einen so tiefen Eindruck damit hervor,\ndass ein stürmischer Da-Capo-Ruf dem Vortrage desselben\nfolgte; den Schluss machte das zu dessen Ausfüh-\nrung sich die besten Kräfte der Sing-Akademie, des Stern'-\nschen und Jähns'schen Gesang-Vereins unter Leitung des\nM.-D. Grell vereinigt hatten. Am Abende des Tages fand\nein Souper Statt, dem die ersten Sänger und Sängerin-\nnen unserer Bühne und ausser ihnen Frau v.Bock (Schrö-\nder-Devrient) durch den Vortrag vieler Solo- und Ensemble-\nStücke von Mozart eine so hohe künstlerische Weihe gaben,\nwie sie bei ähnlichen Gelegenheiten vielleicht noch nicht\nvorgekommen ist. Die k. Capelle feierte das Andenken\nMozart's durch eine besondere Soiree, in Bezug auf welche\nnamentlich der meisterhafte Vortrag des\ndurch den M.-D. Taubert, der in Zartheit des Anschlags\nund Sinnigkeit der Auffassung zu den ersten Pianisten ge-\nhört, und die Ausführung des Adagio aus dem G-moll-\nQuintett durch das Ensemble der Streich-Instrumente, de-\nren Klangwirkung ausserordentlich schön war, hervorzu-\nheben sind.\n\nG. E.\n\nMozartfeier in Dresden.\n\nVor hundert Jahren, den 27. Januar 1756, ward Mozart gebo-\nren. Die Erinnerung daran hatte Begeisterungs-Flammen aller Or-\nten angezündet, und dem Unsterblichen ward zu seinem hundert-\njährigen Geburtstage allenthalben mit seinen unsterblichen Werken\ngehuldigt. Eine würdige, einfache, erhebende leier hatte die dres-\ndener Hofbühne vorbereitet.\nIm gedrängt vollen, festlich erleuchteten Hause kündigte sich\nder Geist des Verewigten mit der Ouvertüre zur Zauberflöte an.\nGleich die ersten Klänge versetzten natürlich in eine geweihte\nStimmung, welche sich den ganzen Abend über erhielt. Nach Be-\nendigung der Ouvertüre trat uns auf der Bühne in der dramati-\nschen Künstlerin Frau Bayer-Bürk eine Gestalt entgegen, an\nder jeder Zoll „Genius\" zu sein schien. Die „deutsche lonkunst\",\nin weissem Gewände, mit dem Eichenkranze im Haar und der\ngoldenen Harfe in der Hand, brachte dem Verewigten ein schönes\npoetisches Huldigungswort, welches ihr als Prolog (gedichtet von\nDr. Julius Pabst) in den Mund gelegt worden. Besonders wirkungs-\nvoll waren folgende Worte:\nNicht Missgunst, eigner Kleinheit sich bewusst,\nStört seines Schaffens reine Himmelslust;\nIhm schwebt es vor in ungetrübter Klarheit:\nDer Tonkunst höchstes Ziel ist Wahrheit!\nFern vom zerstörend eitlen Zukunftstreben,\nGiesst er in jede Form ein neues Leben;\nSo reift er im Bewusstsein hoher Sendung\nZum nie geahnten Urbild der Vollendung.\nSodann wurde im Prolog auf das zur Verherrlichung des Fest-\nabends gewählte Werk Mozart's hingewiesen:\nIdomeneus, sein liebstes Werk der Jugend,\nDies Werk, zwar früh geschätzt, doch lang' verkannt,\nIn der Archive Staub zurück gebannt,\nBis Dresden es zu neuem Leben führte,\nDass wundersam es Aller Herzen rührte\nIdomeneus, ihn lasst in seiner vollen\nUrew'gen Schöne heut vor Euch entrollen.\nDoch mag zuvor in tlücht'gem Zauberwalten\nVorüber ziehn die Reihe der Gestalten, u. s. w.\nHierauf erschienen nun wie durch Zauberei in lebenden Bil-\ndern Scenen aus den classischen Opern Mozart's, von passender\nMusik und verbindenden, erläuternden Worten des Prologs beglei-\ntet. Das Ganze zog wie ein schöner, lebhafter Traum an uns vor-\nüber, dessen Glanzpunkt auf die Erscheinung fiel, welche der Pro-\nlog folgender Maassen ankündigte:\nSucht Ihr sein Grab? Er hat auf Erden keines;\nGeht nicht, wo Staub im Staube ruht, nach Wien;\nTin Volke lebt Sein Bild, ein ewig reines,\nUmrauscht von seinen hehren Melodie'n.\n(Hinter der Scene Orgel- und Harfenklänge.)\nVernehmt den Klang, die laut beredten Zeugen,\nDie hier erschuf des Meisters Genius,\nSie sind's, die huldigend sich vor ihm beugen,\nBewundernd bringen ihren Jubelgruss u. s. wr.\nDa öffnete sich der Hintergrund, und die Statue Mozart's, mit\nLorbern gekrönt, stand vor uns; zu seinen Füssen umgeben von\nallen Gestalten aus den lebenden Bildern (ausgenommen Basilio,\nOsmin, Comthur), welche mit Blumengewinden un 3 Kränzen nach\nihm hindeuteten, zu ihm empor sahen. Dazu erklang jener weihe-\nvolle Schluss-Chor aus der Zauberflöte, worein sich abgebrochene\nBeifallslaute des Publicums mischten, bis nach dem Schlüsse des\nGanzen ein allgemeiner Jubel losbrach, wobei man erst gewahr\nwurde, dass man wachend geträumt.\nAlsdann ging die Oper Idomeneus in Scene, welche durch sich\nselbst, so wie durch ihre Darstellung einen grossartigen Eindruck\nmachte. Das Ideal Gluck wirft noch die Strahlen seiner Eigentüm-\nlichkeit auf dieses Werk, welches das erste classische Mozart's für\ndie Bühne zu nennen ist. Wie frei bewegt sich aber schon der\neigene Genius in der Gluck'schen Sphäre, wie mächtig schnell\nwachsen ihm die Flügel, dass er siegend bald durch alle Sphären\neilt! Doch bleiben wir bei Idomeneus. Man hat dieser Oper zum\nVorwurfe gemacht, dass sie weniger zum dramatischen Effect ge-\neignet sei. Das mag in der Anlage der Handlung liegen, die beson-\nders im ersten Acte etwas langsam vor sich geht und von vielen\nArien aufgehalten wird. Aber trotzdem zeigt sich schon hier eine\nso fesselnde Zeichnung der Gefühle, dass man bewundernd gern\nverweilt und Handlung Handlung sein lasst. Aber im zweiten und\ndritten Acte steigert sich die musicalische Wirkung dermaassen, dass\nder Effect erschütternd und tief wird, und die Oper damit in die\nReihe des Höchsten, was Tonkunst geschaffen hat, eintritt. Welch\neine Scala der Gefühle in den Arien der llia und Elektra! Welch\nein Chor mit Zwischengesang (Still ist im Meer die Welle), woraus\nuns griechische Luft anweht und ein sonniger Himmel anblickt!\nWelch ein Abschieds-Gesang voll höchstem Schmerz und höchstem\nWohllaut! und nun der Sturm, diese Pracht-Scene für Chor\n(Fliehet, verlasset diese schreckliche Stätte] und Orchester, wo der\nAufruhr der Gemüther und der Elemente so treu und musica-\nlisch schön gemalt ist! Auch ist schon bei dieser Oper Mozart's\ndas Vocale von dem Instrumentalen so durchdrungen und bedingt,\nwie Seele und Leib. Die leiseste Regung geht durch Beides, Alles\nbegegnet einander und schliesst sich an, wie Glieder einer Keite,\nDas ist Organismus, ästhetischer Organismus!\nDer Preis für die Leistungen der Sänger am Festabende gebührt\nHerrn Tichatscheck, welchem die Partie des Idomeneo so in\nStimme und Seele liegt, dass sie überhaupt zum Allerbesten gebort."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560216-01.1.8", "texte": "was er bieten kann. Neben ihm glänzt Frau Bürde-Ney als Elek-\ntra, wie es wohl jetzt keine zweite hinsichtlich des Gesanges geben\ndürfte. Das Weiche liegt eben so in ihrer Stimmgewalt wie das\nHeroische, die Zartheit eben so wie Leidenschaft, und desshajh ist\nsie in der Lösung dieser schwierigen Gesangs-Aufgabe so glücklich.\nFrau Krebs-Michalesi nimmt sich als Idamaat, was Gesang\nund auch Persönlichkeit betrifft, sehr vorteilhaft aus. Frl. Bunke\nsingt die schöne Partie der llia mit dem schönen Streben, das be-\nscheiden seine Gränzen kennt und sich nicht übernimmt. In eini-\ngen Momenten wusste sie durch Vortrag die Herzen wirklich zu\nrühren, wenn ihr auch nicht Alles in Darstellung vollkommen ge-\nlang. Alles Andere war so, wie es sein sollte, und besonders rüh-\nmend sei noch des Chors und des ausgezeichneten Orchesters ge-\ndacht, das unter vorzüglicher Leitung des Hof-Capellmcisters Herrn\nReissiger mit Triumph die Oper des Festabends zu Ende führte.\nGebadet in den reinen Tonwellen Mozart's nahm Jeder ein Hoch-\ngefühl mit sich, das als Stern der Erinnerung an diesen Abend\ngewiss niemals verlöschen wird.\nNB. Der hiesige Tonkünstler-Verein, dessen wir schon vormals\nin diesem B'atte rühmend gedachten, derselbe, in dem die Elite\nhiesiger Musikkräfte sich zusammen gefunden und durch den guten\nGeist echter Kunst-Verbrüderung zusammen gehalten wird, hat am\nVorabende des hundertsten Geburtstages des Gefeierten ein Fest,\nund zwar ganz in Mozart's Geiste, veranstaltet. Man hat daselbst\nAlles vom Erhabensten bis zum heitersten Humor genossen, wobei\naber die Grazien, welche Mozart nie verliessen, auch hier jedes\nUebermaass zu entfernen gewusst hatten. Ein Quintett, eine Sonate\nä quatre mains, ein Octelt, ganz vorzüglich ausgeführt, hat hier den\nKern zur erhebenden Feier gebildet.\nAuch der schon erwähnte Musik-Director Herr Hugo Hüner-\nfürst hatte am Tage zuvor in seinem Concert-Locale (Saal des\nLinke'schen Bades), das sich zunehmend mit Kunst-Liebhabern füllt,\ndas Andenken an Mozart würdig gefeiert. Sein Ruf als Dirigent,\nden er gleich mit nach Dresden brachte, steht hier nunmehr aner-\nkannt fest, und sein künstlerisches Streben, das ihn fort und fort\nbegleitet, wird ihn schon noch Hohes erreichen lassen. So klein\ndas Orchester ist, dem er vorsteht, so durchdrungen ist es von Prä-\ncision und dem Dictate seines Dirigenten, und Öie Betonung,\nwelche jedes poetische Erzeugniss, so auch jede Composition erst\nnach vollem Wcrlhe beleuchtet, ist hier Hauptgewalt und zugleich\nHauptbeweis für ästhetisches Feingefühl und echtes Kunstbewusstsein.\nDresden.\n\nLouise N., geb. K.\n\nSiebentes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale.\nDinstag, den 12. Februar.\nI. 1) Sinfonie in G-moll von Ed. Franck (Manuscripl);\n2) Sopran-Arie aus Romeo und Julie von Zingarelli, vorgetra-\ngen von Frau Marie Reclam, geb. Sachs; 3) Motette von\nJ. Haydn: „Des Slaubes eitle Sorgen\"; 4) Paradies und Peri,\nzweiter Theil, von R. Schumann. IL 5) Musik von L. van\nBeethoven zu Göthe's Egmont, mit verbindenden Worten, ge-\ndichtet und gesprochen von C. 0. Stcrnau.\nDer Sinfonie von Ed. Franck werden wir in der nächsten\nNummer einen besonderen Artikel widmen, da uns der heute zu-\ngemessene Raum nicht vergönnt, dieses Werk so ausführlich zu be-\nsprechen, wie dasselbe es verdient.\nFrau Dr. Reclam aus Leipzig war dem dringenden Verlan-\ngen der Concert-Direction und der vielen Freunde, welche sie sich\ndurch ihre frühere künstlerische Wirksamkeit hier in Köln erwor-\nben hat, freundlich nachgekommen und erfreute uns nach langer\nZeit einmal wieder durch ihren trefflich gebildeten Gesang. .Dil*\nArie „Ombra adorala\" von Zingarelli (oder Crescentini) trug sie mit\nschöner, volltönender Stimme vor, deren Behandlung im Ansatz,\nim gehaltenen Tone und im Portamento das unverlierbare Gut\nernster Kunst-Studien bewährte. Weniger ausreichend erschien die\nStimme in der Peri, wo namentlich die Arie der Jungfrau: „O,\nlass mich von der Luft durchdringen\", eine leidenschaftlichere Auf-\nfassung und Ausführung bedingt. Von den Liedern Clärchens ge-\nlang das erste: „Die Trommel gerührt\", vorzugsweise gut; der Vor-\ntrag des zweiten: „Freudvoll und leidvoll\", ist eine der schwierig-\nsten Aufgaben für eine Sängerin. Diesmal trat noch die Störung\nhinzu, dass die Violinen das Tempo vivace einen halben Tact zu\nfrüh anfingen. Ausserdem halten wir noch das Vergnügen, Frau\nReclam in einem Privatcirkel zu hören, wo sie durch alle die treff-\nlichen Eigenschaften ihres Gesanges, und namentlich durch den\nvollendeten Vortrag eines reizenden Frühlingsliedes von J. Moschc-\nles entzückte.\nJ. Haydn's Motette: „Insanae et vcinae curaewurde gut aus-\ngeführt; sie machte einen starken Contrast mit dem unmittelbar fol-\ngenden Theilc von R. Schumann's „Paradies und Peri\", worin\ndes Klagens und Jammerns doch gar zu viel und des Trostes zu\nwenig ist. Wir haben uns über die Gründe, wesshalb dieses Werk\nauch auf ein gebildetes Publicum keinen schlagenden Gesammt-\nEindruck macht, im dritten Artikel unseres Berichtes über das vor-\njährige Musikfest in Düsseldorf (Nr. 26, vom 30. Juni des vorigen\nJahrgangs) ausführlich ausgesprochen. Wenn aber die Erfahrung\nin Düsseldorf bei einer im Ganzen vortrefflichen Aufführung und\nder Mitwirkung einer Jenny Lind dies bestätigt hat, wie kommt\nman dazu, uns einen Theil desselben in Köln trotzdem noch ein-\nmal und mit weit schwächeren Mitteln zu octroyiren ? Sonst\nstemmt man sich so gegen theilweise Aufführungen; ein Theil\nHändel, Haydn, Mozart, Mendelssohn würde aber einen ganz an-\nderen Eindruck gemacht haben, wenn man denn doch einmal Ein-\nzelnes aus einem Ganzen geben will, wogegen wir auch gar nichts\neinzuwenden haben bei Abonnements-Concerten.\nDie zweite Abtheilung brachte die herrliche Musik Beetho-\nven's zu Göthe's Egmont. Die Ausführung der Ouvertüre war\nschwungvoll; die übrigen Sätze licssen einige Mal die nöthige Prä-\ncision auffallend vermissen, und der Vortrag ermangelte z. B. in\ndem Allegretto Nr. 5 (Oboe-Solo), dessen Tempo übrigens im Ver-\nhältnisse zu dem Allegro assai vivace des Liedes zu schnell war, und\nin dem Andante agüato Nr. 6 der Zartheit und des weichen Aus-\ndrucks; dieser ganze Satz darf aus dem Sotio voce nicht herausge-\nhen, selbst die Crescendi führen stets wieder zum Diminuendo oder\nPiano. und das Molto legato und Molto espressivo verdient überall\ndie grösste Beachtung.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Herr Karl Reinthaler ist von dem k. Preussischen\nMinisterium des Cultus u. s. w. zum Musik-Di rector ernannt\nworden.\nDer berühmte Pianist Anton Rubin stein wird in nächster \"\"\nWoche hier eintreffen. Dem Vernehmen nach werden wir im näch-\nsten Gesellschafts-Concerte ihn und wahrscheinlich auch einige von\nseinen Compositionen hören.\n>\n,Es ist uns unmöglich, allen Zusendungen aus Nah und Fern\nvon Berichten und Gedichten über die Mozartfeier Platz zu geben,\nwiewohll sie die erfreulichen Beweise liefern, wie allgemein die\nFeier gewesen und mit welchem Eifer und mit wie warmer Theil-\nnahme man begangen hat. Die Redaction."}]}