{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-02-23-01", "volume": "bmtnabi_1856-02-23_01", "ocr_sha256": "10852a8cc80792e1945e21e92bbe1c8808957010c24987c5548bd74ebfbd1b3a", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/02/23_01/bmtnabi_1856-02-23_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-23-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-23_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-02-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "57", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 299, "texte": "Inhalt.\nMälzel's Metronom erster und zweiter Construction. 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Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Sing-Akademie Ge-\nsang-Verein Vierte Soiree für Kammermusik, Kunst-Nachrichten Stoppellese)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-23-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-23_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-02-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "59", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.2.2", "titre_corps": "Mälzel’s Metronom erster und zweiter Construction.", "titre_sommaire": "Mälzel’s Metronom erster und zweiter Construction.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.1", "debut_caractere": 301, "fin_caractere_exclue": 3992, "texte": "Mälzel’s Metronom erster und zweiter Construction.\nMitgetheilt von A. Schindler.\nEs dürfte nur sehr Wenigen noch erinnerlich sein,\ndass Mälzel's Tact-Maschine ursprünglich eine andere ge-\nwesen, als die späterhin allgemein bekannt gewordene. Auch\nin meiner Erinnerung, lür historische Dinge nicht eben\nschwach, war diese Thatsache schon beinahe ganz ver-\nwischt. Dreissig bis vierzig Jahre sind eine geraume Zeit,\num bestandener Dinge mit Sicherheit sich zu erinnern,\nwenn nicht feste Merkmale im Gedächtnisse haften geblie-\nben, die in späteren Jahren über die Kluft hinweg helfen.\nEs dämmerte nur mehr in meiner Erinnerung, als habe ich\neinstens in Wien, auch bei Beethoven, eine Tact-Maschine\nvon Mälzel gesehen, die wesentliche Unterschiede von den\ngegenwärtig bestehenden aufzuweisen gehabt. Diese zwei-\nfelhafte Erinnerung erneuerte sich jedesmal peinigend, so\noft ich die vielerlei metronomischen Angaben in den Nach-\ndrücken der Beethoven'schen Clavier-Musik einer Prüfung\nunterzog und mit dem vom Componisten unmittelbar Ueber-\nkommenen verglich. Endlich hat der Zufall aus diesem Dun-\nkel geholfen. Bei dem Hof-Opernsänger Cramolini zu\nDarmstadt fand ich ein wohlerhaltenes Exemplar der ur-\nsprünglichen Construction von Mälzel's Metronom, vom\nEigenthümer selber in Wien gekauft. Ob dieser Fund\nvon einiger Wichtigkeit ist, mögen gebildete Musiker und\nMusikfreunde aus dem Folgenden selber ermitteln.\nDie erste Construction des Metronoms zeigt eine Py-\nramide von zwölf Zoll Höhe, mit einem auf der Vorder-\nseite von aussen hangenden Pendel zur Ermittlung der wa-\ngerechten Stellung. Zu sicherer Erreichung dieses Zweckes\nbefindet sich noch an einem der vorderen Drahtlüsse eine\nSchraube. Auf dem blechernen Schilde lies't man die Firma\nMälzel nebst der Jahreszahl 1815. Die Pendelsäule zeigt\nnur die Zahlen von 50 bis inclusive 160. Des hohen\nKostenpreises wegen (drei Louisd'or per Stück) fand diese\nMaschine nur sehr geringe Beachtung. Dies bestimmte den\nin Paris wohnenden Erfinder, schon um die zwanziger Jahre\nvon seinem in Wien lebenden Bruder die Maschine in ver-\nkleinertem Maassslabe, ungelähr acht Zoll hoch, für\nDeutschland anfertigen zu lassen, wovon das Stück zu einem\nLouisd'or abgegeben wurde. Abweichungen dieser verklei-\nnerten von der ursprünglichen Construction halten damals\nschon Grund zu Riagen gegeben, weil die Tempi sich nicht\nmehr genau bestimmen liessen ohne Beisatz, nach welcher\nConstruction die Metronomisirung geschehen.\nEs versteht sich, dass mit dem darmstädter Funde un-\ngesäumt Vergleiche mit der von Mälzel selber abgeänder-\nten Construction, wie auch mit pariser und mainzer\nNachahmungen angestellt wurden, und, wie gebührlich, im\nBeisein von Fachmännern. Kaiser Karl's V. Worte, nicht\nzwei Uhren übereinstimmend gehen mac-hen zu können,\nviel weniger Millionen Köpfe, liessen sich bestens auf unser\nMetronom-Examen anwenden. Es war nicht anders, als be-\nfänden wir uns in der Werkstätte eines Uhrmachers. Bei\nden höchsten Nummern ergab sich, die erste Construction\nals Normale angenommen, eine ziemliche Gleichheit der\nPendelschläge; je niedriger aber, desto auffallender die Ab-\nweichung, so zwar, dass oftmals schon der zweite Pendel-\nschlag um eine oder gar zwei Secunden differirte, bald nach\nvorwärts, bald nach rückwärts. Somit ward aus einem ein-\nfachen Allegro (im Verständnisse der classi sehen Epoche)\nbald ein Allegro molto, bald ein AUegretto.\nWill man erwägen, dass Beethoven <■ seine Sinfonieen\nvermittels einer Maschine erster Construction metrono-\nmisirt hat, wie sie die leipziger Allgem. Musik-Zeitung von\n1817 Seite 873 aufweiset*), so stellen sich die späteren\n\n*) In demselben Jahrgange des leipziger Kunst-Organs, S. 633,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4953, "texte": "Fabricale auf Grund ihrer grossen Abweichungen von der\nersten Construction augenscheinlich als die nächsten Quel-\nlen dar, aus denen so viele irrthümliche Auffassungen die-\nser Werke herzuleiten sind, anderer Gründe nicht zu ge-\ndenken, als z. B. Clavier-Virtuosen an der Spitze der Or-\nchester und Chor-Massen u. a. noch. Oben erwähntes\nMetronom-Examen vergewisserte mich und die anwesen-\nO \\\nden Künstler über die Gründe, welche Beethoven zu_einer\nanderen Metronomisirung der in der meh-\nrere Jahre später gedruckten Partitur veranlasst haben.\nDas Werk musste durch Uebertragung der metronomischen\nZeichen von der grossen auf die kleinen Maschinen in eini-\ngen Sätzen unausführbar werden, und der bekannte Lehrsatz\nConradin Kreutzens: „Das Tempo ist nur dann zu\nschnell, wenn die Tonfiguren, vornehmlich in der Ober-\nstimme, nicht mehr deutlich zu Gehör kommen\" (um die\nMittelstimmen pflegte Conradin Kreutzer sich niemals zu\nbekümmern), fand seine volle Richtigkeit in Bezug auf Aus-\nführbarkeit jener Sinfonie mit der Metronomisirung von\n1817. —C. Czerny erklärt ausdrücklich, dass er sich bei\nMetronomisirung der Beethoven'schen Clavier-Werke einer\nwiener Maschine (wahrscheinlich einer verkleinerten) be-\ndient habe. Wenn überhaupt dem richtigen Verständnisse\neines Tonstückes vermittels einer Maschine nachgeholfen\nwerden soll, so verdient Czerny's Beispiel Nachahmung.\nSollte gefragt werden bei der Untersuchung zu Darm-\nstadt ward auch* gefragt —, wie es denn kam, dass Beet-\nhoven ausser der neunten Sinfonie weder die Missa solem-\nnis, noch die letzten Quartette, ja, keine der letzten Sona-\nten, von Op. 101 beginnend, das doch schon 1816*) er-\nschienen war (nicht, wie Czerny angibt, 1819), mit dem\nMetronom versehen hat; führt man an, dass diese Unter-\nlassung mit seiner enthusiastischen Empfehlung des M. Me-\ntronoms in seiner Zuschrift von 1817 an Ignaz von Mo-\nsel **) in Widerspruch steht: so suche ich meinerseits die\nGründe in der Nicht-Uebereinstimmung der Maschinen un-\nter einander, aber auch noch in seiner Ueberzeugung, dass\ndiese Quartette sowohl wie die Sonaten die Anwendung\ndes Metronoms unräthlich machen, ja, ihrem Wesen nach\ngeradezu ausschliessen, des Grundes nicht zu gedenken,\nDass Künstler von hoher Ausbildung und Intelligenz (solche\nbeansprucht ja Beethoven's Ciavier- und Quartett-Musik\nfast durchgehends) keiner Tact-Maschine bedürfen. Was\nsoll der Metronom z. B. bei dem mehrfachen Tempo-\nWechsel im ersten Satze der Sonate F-moll (Op. 2) nach\nC. Czerny's Angabe? Und doch hat Czerny noch eine we-\nsentliche Nuance nach Beethoven's Lehre hierbei übergan-\ngen. Ich war im Irrthume, als ich den Metronom in den\nNachdrucken der letzten Sonaten für authentisch hielt. Die\nspäterhin mir verschafften Original-Drucke (die letzte Cor-\nrectur der vollständigen Sonate Op. 109 von des Meisters\nHand fand sich bei mir vor) überzeugten mich, dass Beet-\nhoven selber nichts dafür gethan. Was die vielen Nach-\ndrucke überhaupt verschuldet, die Menge grober Fehler, die\neinzelne enthalten, ist unsäglich. Mögen darum die Besitzer\nvon Original-Drucken diese in Ehren halten; denn für ihre\nCorrectheit sorgte Beethoven stets selber, wo auch das\nWerk erschienen. Mit welcher Strenge und Genauigkeit\ndies fortan geschehen, vermag unter Anderen auch Herr\nMoriz Schlesinger zu bezeugen. Die Correcturen der letz-\nten Sonate, Op. 111, mussten nicht weniger denn drei\nMal die Reise von Paris nach Wien machen, zur Verzweif-\nlung des Verlegers. Die Reinschrift der zahllosen Fehler\nwar stets von meiner Hand..\nEs sei mir bei dieser Gelegenheit verstattet, nur zwei\nBeispiele aus der Menge verschiedener Metronomisirungen\nanschaulich zu machen.\nA)Sonate in Cis-moll,fälschlich „Mondschein-Sonate\"\ngenannt.\nErster Satz (Adagio soslenuto), in der londoner, wiener\nund braunschweiger Ausgabe übereinstimmend J = 60;\nC. Czerny dagegen J = 54; ein W. K. (in Nr. 41 dieser\nZeitung vom vorigen Jahre) J = 66.\nDritter Satz (Presto agilato),dort J=92; bei Czerny\nJ = 80; von W. K. j = 176.\nB) Sonate in D-moll, Op. 31.\nErster Satz (Allegro), bei C. Czerny J = 104; von\nW.K. I=l2o.\nZweiter Satz (Adagio), bei C. Czerny = 84; von\nW. K. J = 50.\nDritter Salz (Allegretto), bei C. Czerny J. = 76; von\nW. Iv. J. = 66 bis 96.\nWelche von diesen Angaben ist die richtige, oder wel-\nche kommt den Intentionen des Componisten wohl am\nnächsten? Czerny behauptet, er habe alle Clavier-Werke\nvon Beethoven selber vortragen gehört. Die Untersuchung\ndieser Behauptung, und was sich auf deren allfällige Wahr-\n\nbefindet sich die Metronomisirung der Etüden von Gramer,\nmithin gleichfalls vermittels der ersten Construction.\n*) Beethoven's Brief vom 23. Februar 1816 bei Gelegenheit der\nUebersendung dieser Sonate an seine „liebe, werthe Dorothea 2\nCacilia4', wie er Frau von Erdtmann zu nennen pflegte, liegt\nmir vor.\n**) S, den Abdruck dieses Briefes in Nr. 28 des 111. Jahrg. (8.\nJan. 1853) der „Rheinischen Musik-Zeitung, herausgegeben\nvon Prof. L. Bischoff'."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1113, "texte": "heit begründen lasse, soll mich ein ander Mal beschäftigen.\nUnbestritten soll es bleiben, dass er das Glück gehabt, über\nverschiedene Werke unmittelbare Belehrung von dem gros-\nsen Meister selber zu erhalten, darum allein schon vor al-\nlen anderen Metronomiseurs beachtet zu werden verdient.\nWas können die Anderen für ihr Thun anführen? Ihre\nSubjectivität. Allen Respect dafür. Sie mag in aller Musik\nbis zu einer gewissen Gränzlinie ihre Berechtigung finden.\nWollen aber doch die Herren, die an vorstehenden Bei-\nspielen Antheil haben, die Angaben ihrer Confratres den\neigenen Subjectivitäts-Gefühlen entgegen halten: ich wette,\nEiner erklärt den Anderen -alsbald für wahnsinnig. Kurz,\nwenn der Gipfelpunkt aller Begriffs-Verwirrung in unserem\nFalle noch nicht erreicht sein sollte, so bedarf es nach mei-\nner Beobachtung nur noch eines Geringen, nämlich, dass\nFrau Clara Schumann, Herr Ernst Pauer und noch\neinige andere hochberühmle Virtuosen in classischer Musik\ndie Gefälligkeit haben, ihre respectiven „ Subjectivitäts-An-\nschauungen\" in Beethoven'scher Musik vermittels des Me-\ntronoms zu veröffentlichen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-23-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-23_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-02-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "59", "page_fin": "60", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.2.3", "titre_corps": "Musicalische Zustände in München.", "titre_sommaire": "Musicalische Zustände in München.", "signature_source": "n", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.3", "debut_caractere": 1115, "fin_caractere_exclue": 4985, "texte": "Musicalische Zustände in München.\n\nDas öffentliche Musikleben Münchens fällt vornehmlich\nin die Adventszeit und in die Fastenzeit; dasselbe war in\nder letzten Adventszeit ein ziemlich bewegtes. Das Gelei-\nstete kann nun überschaut werden. Zunächst wurde von\nSeiten der Hofcapelle unter Franz Lachner's Oberlei-\ntung, gleichwie in den Vorjahren, im Odeon eine Reihe von\nConcerten gegeben. Lachner hat sich dadurch um München\nsehr verdient gemacht, dass er mit eiserner Consequenz\nseinem Publicum immer wieder solches zu hören gab, was\nzu den höchsten Schöpfungen der Tonkunst zählt. Er ist\nes, von dem man geradezu sagen muss, dass er den Sinn\nfür höhere Concert-Musik in München erst geweckt hat.\nSelbst eine gewisse Einseitigkeit, mit welcher er einzelne\nSinfonieen anderen gegenüber stets wieder vorführt, that\nhier gut. Denn dadurch, dass das Publicum in wahrhaft\ngrossen, mustergültigen Tonwerken vollständig heimisch\nwird, empfängt es einerseits sowohl den höchsten Genuss\nals auch andererseits einen sicheren Maassstab für die Be-\nurtheilung der Schöpfungen, die ihm vorgeführt werden.\nBeides gehört zu den Hauptzwecken vernünftig geleiteter\nConcerte. Damit sich jedoch im Gehör des Publicums ein\nTonstück vollkommen einbürgere, bedarf es eben einer oft-\nmaligen Wiederholung desselben. Doch wäre es wünschens-\nwerth, dass vornehmlich noch mehrere von Haydn's, Mo-\nzart's und vielleicht auch Schubert's Sinfonieen und von den\nBeethoven'schen auch die ersten gehört werden könnten.\nVon den Werken neuerer Tondichter bekamen wir\nbis zu diesem Winter nur Sinfonieen unbedeutenderer\nKräfte, wie von Esser und Ulrich, zu hören. Gade, Schu-\nmann und Hiller hingegen, mit deren Richtung wir auch\nnicht durchweg übereinstimmen, deren Bedeutung aber iür\nunsere Zeit nicht geläugnet werden kann, blieben so gut\nwie unbekannt. \"\nIn Bezug auf ihr Zusammenspiel verdient die hiesige\nHofcapelle den guten Ruf, den sie besitzt. Jedes einzelne\nMitglied der Capelle fühlt warm lür seine Kunst und leistet\nauch Tüchtiges auf seinem betreffenden Instrumente, wäh-\nrend Lachner sicher und kräftig das Ganze zusammenhält.\nVon seiner energischen Auffassung der gewaltigen Ton-\nwerke wird das ganze Orchester beherrscht. So wird das\nZusammenspiel, wie vielleicht bei keiner anderen deutschen\nCapelle, feurig, frisch und virtuos. In München war bisher\nder Chorgesang, gegenüber der reinen Instrumental-Musik,\nsehr in den Hintergrund getreten; in den Concerten der\nHofcapelle bekam man in den letzten Jahren von Oratorien-\nMusik, mit Ausnahme von Beethoven's grosser Messe, nur\nHaydn's Schöpfung und seine vier Jahreszeiten zu hören.\nIn letzter Zeit überwarf sich noch die Hofcapelle mit dem\nThealerchor, so dass hiedurch lür diesen Winter die Auf-\nführung der neunten Sinfonie von Beethoven und anderer\nChorwerke unmöglich gemacht wurde. Durch den vor einem\nJahre begründeten Oratorien-Verein wird nun auch die\nOratorien-Musik mehr vertreten. Herr v. Perfall hat sich\nmit grosser Liebe zur Sache der Leitung desselben unter-\nzogen. Bei der im vorigen Jahre Statt gehabten Aufführung\ndes Händel'schen Samson und einer Abtheilung aus dem\nGluck'schen Orpheus zeigte es sich, dass man- auch auf\ndiesem Felde nur das Bedeutende dem Publicum in wür-\ndiger Weise darzubieten brauche, und siehe da, es verfehlt\nnicht seine Wirkung. Gegenwärtig wird Mendelssohn's\nElias einstudirt. Möge der Verein vor Allem Händel's und\nBach's grosse classische Schöpfungen bei uns einbürgern!\nDann wird er Dauerhaftes leisten.\nWie die Orchester-Musik durch die Odeons-Concerte,\nso wurde auch die Kammermusik vertreten, und zwar durch\neinen Cyklus von Trio-Soireen, welche Herr Franz W ü 11-\nner unter Beihülfe der Herren Lauterbach und Mül-\nler veranstaltete. Schon im vorigen Jahre hatte Lauterbach\nQuartett-Soireen und Wüllner Trio-Soireen gegeben, welche\nletztere bis dahin in München nicht vorgekommen waren."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3450, "texte": "Wüllner hat das grosse Verdienst, dass er es durch die\nArt seines Spiels und durch das, was er spielt, immer grös-\nseren Kreisen begreiflich macht, wozu das Ciavier vorhan-\nden sei. Unter seinen Bänden wird die Tastatur nicht zum\nSchauplatze musicalischer Sturmübungen, sondern sie dient\nihm dazu, wahrhaft seelenerquickende Tonschöpfungen treu\nund unverfälscht wiederzugeben. Wie durch den Gesang,\nso wird vornehmlich auch durch das Clavierspiel die Musik\nim Hause heimisch gemacht. Darum ist für eine Stadt\neiner, welcher zeigt, was das Wahre sei, so wichtig. Lau-\nterbach's Violinspiele hört man es an, wie er mit grosser\nLiebe in die Tondichtung sich eingelebt hat, welche er mit\nvollendeter Technik, grossem Tone und edler Auffassung\nwiedergibt. Die Programme der erwähnten Trio-Soireen\nwurden gebildet von Werken Haydn's, Beethoven's, Schu-\nberts, Mendelssohn's u. s. w.\nNeben diesen regelmässig Statt findenden Aufführun-\ngen hatten wir in diesem Winter mehr als sonst\nauswärtige Componisten und Ciavierspieler kennen zu lernen.\n1 aubert, Hiller und Ernst Pauer aus London brach-\nten Sinfonieen zur Aufführung; auch liess jeder der Ge-\nnannten sich als Ciavierspieler hören. Die bedeutendste der\ndrei Sinfonieen war diejenige Hiller's; sie trug einen ern-\nsten Charakter, und poetische Motive waren in ihr conse-\nquent durchgearbeitet. Pauer versteht mit gediegener Ord-\nnungsliebe die ihm zugemessene Gabe auszunutzen; hie-\ndurch leistet er immerhin Ehrenwerthes. Taubert's Sinfonie\nmachte den Eindruck, als ob der Tondichter den Mangel\ngrosser musicalischer Ideen mit dem Glänze eines falschen\nPathos zu verdecken suche. In seiner Musik zum Sturme\nwird wohl das Toben des Sturmes selbst, das Wesen und\nTreiben der Luftgeister, so wie die Erscheinung eines sol-\nchen Ungethüms wie Caliban's durch nackte Instrumental-\nEffecte versinnlicht, hinter denen aber nichts liegt, was das\nGemüth der Hörer erfassen und lebendig in demselben an-\nklingen könnte. Als Clavierspieler zeichneten sich Hiller\nund Pauer vor Taubert durch einen markigeren, volleren\nTon und durch edlere Auffassung aus. Ausser den Genann-\nten liess sich noch ein Clavier-Virtuose, Namens Pruck-\nner, ein Schüler Liszt's, hören. Pruckner ist vor Allem\nMeister der Technik; sein Spiel zeichnet sich durch vollen\nTon, durch Klarheit und Ruhe, überhaupt durch alle Eigen-\nschaften eines ungewöhnlichen Virtuosen aus.\nNoch wäre von der Oper zu sprechen. Das Repertoire\nderselben beschränkt sich auf wenige Werke, die das Pu-\nblicum hauptsächlich durch den grossen Aufwand, mit dem\nsie gegeben werden, anlocken. Dahin gehören die Meyer-\nbeer'schen Opern, Wagner's Tannhäuser und Verdi's Ri-\ngoletto. Der Nordstern steht in Aussicht. Die classischen\nOpern scheinen seit einiger Zeit für uns nicht mehr vor-\nhanden zu sein. In welcher Gnade die Musik überhaupt bei\nHerrn Dingelstedt steht, ersieht man auch daraus, dass er\nder Hofcapelle für die Mozartfeier die Stimmen zur Zau-\nberflöten-Ouverture aus der Theater-Bibliothek verwei-\ngerte; die Capelle sah sich gezwungen, noch in der letzten\nStunde jene Stimmen copiren zu lassen.\nWas das Mozart-Concert selbst anbelangt, so war die\nAusführung der einzelnen Werke vortrefflich; auf dem Pro-\ngramm wurde eine Sinfonie schmerzlich vermisst, welche\nstatt anderer Dinge hätte gespielt werden können.\nUeber das hiesige Conservatorium der Musik werde\nich Ihnen in meinem nächsten Briefe Mittheilung machen.\nMünchen, den 28. Januar 1856.\n\nn"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-23-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-23_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-02-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "60", "page_fin": "62", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.2.4", "titre_corps": "Musikleben in Braunschweig.", "titre_sommaire": "Musikleben in Braunschweig.", "signature_source": "Tr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.4", "debut_caractere": 3452, "fin_caractere_exclue": 4935, "texte": "Musikleben in Braunschweig.\n\nDer gegenwärtige Winter brachte in seiner nun be-\nreits verflossenen Hälfte mancherlei musicalische Genüsse;\nschwierig würde es jedoch sein, nach dem numerischen\nUebergewichte dieser Productionen auf dem einen oder an-\nderen Gebiete der Tonkunst auf den eigentlichen Geschmack\nBraunschweigs zu schliessen, da die Wage bald nach der\nclassischen Vergangenheit, bald nach der frivolsten Moder-\nnität hinüberschwankte. Mit mehr Grund als selbst in der\nPolitik sollte man in der Kunst die Stimmen wie die Kunst-\nleistungen wägen, statt zählen, und nur bei offenbarer\nTheilnahmlosigkeit gegen bestimmte Richtungen und gleich\nentschiedener Vorliebe lür ihre Gegensätze ein Urtheil über\nden vorhandenen Geschmack fällen.\nDie drei Corporationen, von welchen die grösseren\nMusik-Aufführungen Braunschweigs ausgingen, die herzog-\nliche Capelle, die Oper und die Sing-Akademie, brachten\nzum grössten Theile gereifte Früchte aus dem Garten der\nClassicität und schmückten ihre Tafel nur mit einzelnen\nBlumen der neuesten und künftigen Zeit. Den sicheren\nBoden der Muster-Periode unter den Füssen, schritten sie\nmit Vorsicht, aber nicht mit Widerstreben, dem klippen-\nvollen, vulcanischen Felde der ,musicalischen Entwicklungen\nder Gegenwart zu.\nDie herzogliche Capelle, deren Leistungen selbst dem\ngrössten der heutigen Instrumental-Virtuosen, Hector Ber-\nlioz, genügten, brachte uns in ihrem vorletzten Concerte\nMozart's C-dur-S'\\nton\\e,daneben die F-dwr-Sinfonie von"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5170, "texte": "Beethoven und die Ouvertüre zur Fingalshöhle von Men-\ndelssohn, ein geschmackvolles, und eine Anschauung des\nEntwicklungsganges der Instrumental-Musik gewährendes\nProgramm. Wie in dem Mozart'schen Werke der eigent-\nliche Satz, die melodische Form und thematische Verarbei-\ntung als Wichtigstes vorangestellt und der grosse Instru-\nmental-Complex. nur zur kunstvollen Verschlingung der Ge-\ndanken benutzt war, so brachte die Beethoven'sche Schö-\npfung neben diesen äusserlichen Vorzügen auch die man-\nnigfaltigste Charakteristik der Instrumente zui; Geltung und\nmachte sich von der strengen Stylform durch rhythmische\nund harmonische Kühnheiten subjectiv frei, während Men-\ndelssohn's Tondichtung bereits auf das modernste Gebiet\nder Instrumental-Musik, die Tonmalerei, Darstellung von\nNaturereignissen, Stimmungen u. s. w. durch Musik streifte.\nDieses letzte Gebiet betrat unsere Capelle in einem\nfolgenden Concerte, zu welchem Franz Liszt aus Wei-\nmar herübergekommen war, durch Aufführung zweier sei-\nner Tondichtungen, «Orpheus\" und „Promotheus\". Es\nversteht sich von selbst, dass dem productiven Künstler die\nWahl seines Vorwurfs durchaus freisteht, und dass epische\nStoffe so gut wie dramatische und lyrische eine Behand-\nlung in Tönen gestatten. Fraglich nur ist, wie weit der\nTondichter in dieser letzteren Beziehung gehen kann, und\nob er, dem das Mittel des Wortes fehlt, sich auf die Ver-\nsinnlichung bestimmter Einzelheiten, auf eine Reihenfolge\nvon Vorgängen einlassen darf, oder sich damit begnügen\nmuss, das Allgemein-Charakteristische seines Stoffes musi-\ncalisch wiederzugeben, seinen Gegenstand aus dem Ele-\nmente der Gedanken und Worte in das der Töne zu über-\ntragen und in demselben selbstständig neu zu gebären. Das\nvon Liszt beiden Compositionen beigegebene Programm be-\nwies wenigstens, dass er selbst noch an jener Möglichkeit\nzweifelte, und wir sind der festen Ueberzeugung, dass eine\nepische Musik in jenem Sinne unmöglich, vielmehr alles\nDescriptive in der Musik nur auf die musicalisch-selbststän-\ndige Weise auszudrücken ist, welche sich an einzelne Vor-\ngänge, gar bestimmte Worte und Gedanken nicht bindet.\nIm Gegensalze zu den Berichten über Aufführung derLiszt'-\nschen Siiifonieen in Berlin müssen wir gestehen, dass wir\ndie harmonischen Willkürlichkeiten, die rhythmischen\nSchroffheiten gern übersehen haben würden, wenn beide\nWerke überhaupt nur mehr darstellende, schöpferische\nKraft bekundet, nur der gespannten Einbildungskraft des\nHörers mehr Beschäftigung gegeben hätten. Aber eine\nängstliche, fast sclavische Erfüllung des beigegebenen Pro-\ngramms, eine Tonmalerei, welche die Zuhörer mit Händen\ngreifen Hess, was durch sie zu schildern der Componist sich\nvorgenommen hatte, ein prosaisches, dürftiges Arbeiten nach\nder Schablone, dem auch alles Originelle, alles Leben und\nFeuer fehlte, eine matte Harmonieführung, die man bis zu\nEnde accordweise hätte angeben können, war alles, was\nwir hörten! Ein Ton-Epos, welches Orpheus' Leierklänge\ndurch einige Harfen-Accorde, die zauberhafte Bewegung\nder Natur durch eine monotone Figur, das Auftreten der\nwilden -Thiere durch das Grunzen der Bässe ankündigt, das\nEmporstürmen Promotheus' zum Himmel durch ein uniso-\nnes Hinaufarbeiten des Orchesters bis in die höchsten Ton-\nlagen, und das Krächzen des Geiers durch drei dissonirende,\newig wiederkehrende Accorde in Oboe und Clarinette aus-\ndrückt und zuletzt einen linkischen Anlauf zu einer Schluss-\nFuge nimmt, der aber im Anfange schon aufhört, ist denn\ndoch, gelinde gesagt, prosaisch und dürftig genug! Ueber\ndiesen klar aufliegenden Mängeln vergassen wir wirklich die\nAbweichungen von den herkömmlichen Gesetzen der Har-\nmoniefolge! Die Gefahr, welche diesen nicht auf willkürli-\nchen Annahmen beruhenden, sondern durch Gehör und\nGefühl gegebenen und durch Jahrhunderte der Anwendung\nbewährten Gesetzen von Seiten dieses Zukunfts-Musikers\ndroht, ist so gross nicht.\nUnsere Oper ist in jeder Hinsicht nur noch der Schat-\nten von dem, was sie ehemals war. Wenn früher das das-\nsische Repertoire excellirte, so wurde in den letzten Jah-\nren nur auf die Aufführung einigerneuen italiänischen Opern\nFleiss verwandt und der Geschmack des ohnehin nicht mehr\nso theaterlustigen Publicums an älterer Musik durch meh-\nrere höchst mittelmässige Aufführungen auf diesem Gebiete\ngründlich ruinirt. Die einzige neu aufgeführte nicht italiäni-\nsche Oper war Meyerbeer's Nordstern. Ein Stoppelwerk\nnach den übrigen Arbeiten dieses Meisters, abstossend in\nStoff und in musicalischer Beziehung, überall das Streben\nbekundend, die versiegende Schöpferkraft und Lebendigkeit\ndes Gefühls, die Melodieen-Armuth durch instrumentale\nAeusserlichkeiten, durch erkünstelte Wendungen im Rhyth-\nmus, nie da gewesene Accentuirungen in der vocalen De-\nclamation zu ersetzen. Die Wagner'schen Opern, deren\nAufführung die hiesigen Musikfreunde, wenngleich aus den\nwidersprechendsten Gründen, sehnlich wünschen, werden\nwohl nach Braunschweig zuletzt gelangen. Man suche aber\nden Grund nicht in dem classischen Purismus der hierin\nallein maassgebenden Autoritäten oder in der Theilnahm-\nlosigkeit der Braunschweiger, die gern »Alles prüfen und\ndas Beste behalten\"."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2871, "texte": "An Oratorien führte uns die hiesige Sing-Akademie\nim Verlaufe der letzten Zeit Werke aus den verschieden-\nsten Zeit-Perioden vor, darunter zuletzt Robert Schumann's\n„Paradies und Peri\", Graun's „Tod Jesu\" und Mendels-\nsohn's „Paulus\". Die beiden letztgenannten Werke fanden\nunter den Mitwirkenden wie unter dem Publicum eine aus-\nserordentliche, das Schumann'sche Werk nur eine geringe\nTheilnahme eine Erscheinung, welche wir uns vollkommen\nerklären. Dem an zart empfundenen Einzelheiten reichen\nOratorium Schumann's fehlt im Ganzen doch der Fluss und\nSchwung, welcher jene Wirkung allein erzieh; Singstim-\nmen wie Instrumentation sind unpraktisch, kommen nicht\nzur Geltung und decken sich zum Theil; es mangelt die\neigentlich künstlerische Objectivität, welche die Anleitung\nzur Art und Weise der Darstellung aus dem Werke selbst\nreden lässt und nicht erst darauf wartet, dass der Sänger\nund Musiker diese von aussen und mit Berechnung hinein-\nträgt und dem Werke den Ausdruck und das Gefühl auf\nkünstlichem Wege einhaucht, welche dieses ihm verleihen\nsollte. Dazu diese gesuchte Noten-Orthographie, welche,\num nur originel zu sein, die Execulion so erschwert! Wie\nanders Graun und Mendelssohn mit ihrer auf gründliches\nStudium der Menschenstimmen, wie die des wirkungsvollen\nChorsatzes gegründeten Praxis! Für die oft ermüdenden\nKeprisen der sämmtlich in drei Sätze abgetheillen Arien im\n„Tod Jesu\" fanden selbst die Anhänger der Modernität\nEntschädigung in den vortrefflichen Recitativen und Chören\nund in der abgerundeten, fasslichen Form des Ganzen. We-\nniger gelungen in der Ausführung war der „Paulus\"; aus-\nser dem Miss Verhältnisse zwischen den schwachen Männer-\ncbören zu dem überstarken Sopran und gleichfalls domini-\nrenden Alt, machte sich ein störendes Abweichen des Or-\nchesters vom Chor im Tacte bemerkbar, was wohl auch\nVeranlassung gab, dass der Chor im Vortrage nicht so fein\nnuancirte, wie wohl zu wünschen gewesen wäre. In näch-\nster Zeit steht eine Aufführung von Mozart's „Idomeneo\"\nbevor.\nDie Thätigkeit der hiesigen Männergesang-Vereine, un-\nter denen die Liedertafel bei Weitem den Vorrang behaup-\ntet,0 kehrte in letzter Zeit, nachdem sie sich an den schwie-\nrigsten und künstlichsten Ton werken ihrer Gattung, an\nOratorien und Rhapsodieen für vierstimmigen Männerchor\nmit Orchester (an und für sich etwas Albernes) [?] u. s. w.\nerschöpft hatte, zu dem Bereiche ihrer eigentlichen Bestim-\nmung, dem Liede, zurück, und man lies't auf ihren Pro-\ngrammen neben Abt, Tschirch und Kücken auch wieder\ndie Namen der Meister: Weber, Kreutzer, Schneider und\nSilcher, und das Publicum überrascht sich selbst bei dem\nGefühle, dass Letztere doch auch schöne Sachen schrieben.\nEs ist erfreulich, dass die unbefangene Natur nach den\nmancherlei Wanderfahrten des Geschmacks oft einen so\ntreuen Wegweiser in* das Land des Schönen abgibt.\nEnde Januar 1856.\n\nTr."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-02-23-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-02-23_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-02-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "62", "page_fin": "64", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.6", "debut_caractere": 2873, "fin_caractere_exclue": 6066, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nliöln. Am Montag den 18. d. Mts. fand eine öffentliche\nVersammlung der Sing-Ak adem ie im grossen Casinosaale\nunter Leitung des Dirigenten derselben, Herrn Musik-Directors Fr.\nWeber, Statt. Die Gesellschaft führte Händel's Samson und\nMendelssohn's 42. Psalm („Wie der Hirsch schreit\") mit Cia-\nvierbegleitung vor einer eingeladenen zahlreichen Zuhörerschaft auf.\nSo viel man auch gegen Auflührungen grosser Gesang- und Or-\nchesterwerke am Pianoforle bekanntlich sagen kann, so haben sie\ndoch unserer Meinung nach ein grosses Interesse, weil man dabei,\nindem die Singstimmcn nicht durch das Orchester gestützt, geho-\nben oder auch verdeckt werden, am besten die Tüchtigkeit eines\nGesang-Vereins bcurthcilen kann. Uebrigens hat es auch einen ge-\nwissen Reiz, bei so polyphonen Chören, wie z. B. den Händel'-\nschen, die einzelnen Stimmen so leicht und klar verfolgen zu kön-\nnen. lis ist daher eine sehr löbliche Sitte der Akademie, alljährlich\ndurch eine solche öffentliche Aufführung die Fortdauer ihres Stre-\nbens und den Fortschritt ihrer Leistungen in künstlerischer Hin-\nsicht zu bekunden und auf diese Weise eine Art von Rechenschafts-\nBericht über die Wirksamkeit ihres Dirigenten und die eifrige\nTheilnahme ihrer Mitglieder abzulegen. Dieser lebendige Bericht\nist dieses Mal sehr befriedigend ausgefallen, besonders wenn man\nbedenkt, dass Weber selbst begleitete, mithin die Leitung durch\nden Dirigentenstab fehlte. Der zahlreiche Chor sang je länger, je\nkräftiger und feuriger, und unter den Solostimmen, sämmtlich durch\nMitglieder der Akademie besetzt, hörten wir namentlich eine Alt-\nund eine Sopran-Stimme, deren Nicht-Mitwirkung bei den Gesell-\nschafls-Concerten sehr zu bedauern ist. Unter den Männer-Soli's\nverdient der Vortrag der Arie des Manoah: „Dein Heldenarm\",\ndurch Herrn Schiffer ausgezeichnet zu werden.\nAm Dinslag den 19. d. Mts. fand die vierte Soiree für\nKammermusik Statt. Herr Capellmeister Hill er spielte Hüm-\nme Ts Quintett in Es-mollund Mozarl's Sonate in iür Cia-\nvier und Violine mil Herrn Concertmeister Pixis. Dass die Lei-\nstung beider Künstler vortrefflich war, brauchen wir nicht erst\nnoch zu bemerken; ob aber Hummel und Mozart die schnellen\nTempi der letzten Sätze gebilligt haben würden? Schwerlich!\nDoch unsere Pulse schlagen rascher, folglich auch unsere Tactmes-\nser. Ausserdem hörten wir zwischen den genannten Stücken F.\nSchuberl's Violin-Quartett in D-moll.\nAm Donnerstag den 21. d. Mts. hielt der städtische Ge-\nsangj Verein unter Leitung seines Dirigenten, des Herrn Musik-\nDirectors R. R eint haier, im Saale des Hotel Disch ebenfalls eine\nöffentliche Versammlung vor einem eingeladenen Publicum,\nwas um so erfreulicher war, da, so viel wir uns erinnern, dieser\nehrenwerthe Verein viele Jahre lang mit dergleichen Aufführungen\npausirt hatte. Herr Reinthaler hat das Verdienst, die Theilnahme\nder Mitglieder an den Uebungen bedeutend gesteigert zu haben,\nund der gestrige Abend gab durch die präcise Ausführung aller\nMusikstücke, namentlich der schwierigen Motette von J. S. Bach:\n„Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit\", einen glänzenden Beweis von\nden Erfolgen seiner Anstrengungen. Da es das erste Mal ist, dass"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6669, "texte": "der Verein Bach singt, so muss man dem Ergebnisse dieses gewag-\nten Versuches alles Lob spenden; späterhin wird der Vortrag die-\nser Art von Musik sicherlich auch an Innigkeit gewinnen. Ferner\nkamen zur Ausführung das Ave verum von Cherubini, Terzett\nfür eine Sopran- und zwei Altstimmen (ohne Chor), das acht-\nstimmige Crucißxus von Lotti, ebenfalls zum ersten Male hier ge-\nhört, drei Lieder für Chor von C. Reinthaler auf Texte\nvon Geibel, mit deren Auffassung wir nicht übereinstimmen kön-\nnen, und die zwei ersten Theile von Haydn's Schöpfung.\nUeberall gingen die Chöre vortrefflich, und auch die Soli wurden\nvon Fräul. Nina Hartmann, den Herren DuMont und Koch\nund einigen Dilettantinnen mit schönen Stimmen und musicalischer\nBildung sehr gut gesungen. Die treffliche Akustik des Saales im\nHotel Disch trug auch das Ihrige zu der Wirkung des Ganzen und\nEinzelnen bei.\nDer eminente belgische Pianist Aug. Dupont, Professor der\nersten Piano-Classe am Conservatorium zu Brüssel, wird in diesen\nTagen eine Kunstreise nach den grösseren Städten von Holland\nund Deutschland antreten und etwa um den 15. März in Köln\neintreffen.\nCrotlia. Am 6. Februar führte Hector Berlioz im Hof-\ntheater seine „Kindheit Christi\" auf. Der herzogliche Intendant\nübergab ihm vor der Aufführung im Namen des Herzogs das Ver-\ndienstkreuz des Ernestinischen Haus-Ordens. Franz Liszt wohnte\ndem Concerte bei. In W7eimar ist am 11. Februar „Faust\" und\nam 16. „Benvenuto Cellini\" aufgeführt worden. („Der Bien' muss!\")\nv i\nWeimar. Zu den wenigen Städten, welche am 27. Januar\nkeine Mozart'sche Oper aufführten, gehört auch Weimar. Wegen\nErkrankung eines Bühnen-Mitgliedes wurde der angekündigte Don\nJuan nicht gegeben, und die von nah und fern herzugeströmten\nMusikfreunde mussten diesmal, ohne etwas gehört zu haben, wieder\numkehren.\nMannheim. Den Beschluss des Mozartfestes am 27. Januar\nmachte die sehr gelungene Aufführung von Figaro's Hochzeit. Für\nMannheim dürfte von ganz besonderem Interesse und auch für\nAuswärtige gewiss nicht uninteressant die Thatsache sein, dass Mo-\nzart die erste Aufführung dieser Oper auf hiesiger Bühne am 24.\nOctober 1790 selbst dirigirte.\nEieipzig-. Der Violinist Jacques Dupuis aus Lütt ich\nhat hier Gewandhaus-Concerte am 14. d. Mis. mit grossem Er-\nfolge gespielt. Er geht von hier nach Dresden und von da nach\nHannover, wo er den 1. März die Ehre haben wird, vor Ihren\nMajestäten sich hören zu lassen.\nF'ranlifnrt a. M. Die hiesige Theater-Intendanz hat am 29.\nJanuar-einen Vertrag mit Frau An schütz abgeschlossen, wonach\ndieselbe für die Bühne wieder engagirt ist. Ihre erste Rolle war\ndie Valentine in den Hugenotten. Als Königin glänzte neben ihr\nFräul. Veith und wurde gerufen.\nAlex. Dreyschock ist auf der Reise nach Dänemark und\nSchweden begriffen. Zu Hamburg spielte er im achten philhar-\nmonischen Concerte Beethoven's Es-dur-Concert und einige klei-\nnere eigene Compositionen.\nWien. Franz Liszt hat ein sehr ehrenvolles Schreiben, un-\nterzeichnet von dem Bürgermeister der Reichs-Hauptstadt, Dr. Joh.\nCaspar Ritter von Seiller, und dem Vorstande des Mozart-\nfest-Comite's, Franz Ritter Riedl von Rieden au, d. d. 28.\nJanuar 1856, erhalten, das mit den Worten endigt: „Schliesslich\nfühlen die Unterzeichneten sich verpflichtet, Ihnen, wohlgeborener\nHerr, für die uneigennützige Bereitwilligkeit, mit welcher Sie der\nEinladung zur Uebernahme der Leitung der Fest-Production ent-\nsprochen haben, nochmals den verbindlichsten Dank im Namen der\nReichs-Hauptstadt abzustatten.\"\nFlotow's neue Oper Alb in in drei Acten, Text von Mosen-\nthal, ging am 12. Februar in Scene. Das Haus war gedrängt voll;\nIhre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, Ihre Kaiserlichen\nHoheiten der Erzherzog Franz Karl und die Erzherzoginnen Elisa-\nbeth und Marie nebst noch anderen Gliedern des Allerhöchsten\nKaiserhauses wohnten der Vorstellung bei. Der Erfolg war im Gan-\nzen kein günstiger. Nach dem ersten Acte, der am meisten gefiel,\nwurde der Tonsetzer zwar ein paar Mal, jedoch mit keiner Einhel-\nligkeit des Beifalls, gerufen, und nach dem zweiten Acte wurde\ndem von einem nur kleinen Theile des Publicums ausgegangenen\nVerlangen nach dem Wiedererscheinen desselben durch mehrfache\nZeichen des Missfallens entgegengetreten.\nDas erste .diesjährige philharmonische Goncert unter der Leitung\ndes Herrn Hof-Capellmeisters Karl Eckert fand am 10. Februar\num die Mittagsstunde im k. k. Grossen Redouiensaale vor einer\näusserst zahlreichen, glänzenden Versammlung Statt.\nFrau Clara Schumann hat hier fünf Concerte mit dem\ngrössten Beifalle, gegeben.\nMozart's ältester Sohn Karl lebt noch in Mailand; er ist\nnicht Musiker, sondern bei der k. k. Kanzlei angestellt Die Einla-\ndung eines Freundes, nach Frankfurt am Main zur Jubelfeier zu\nkommen, lehnte er wegen ünpässlichkeit ab. Der Jüngere (1792\ngeboren), ergriff den Tonkünstler-Beruf; er war ein ausgezeichneter\nGlavierspieler, machte auch eine Kunstreise durch Deutschland und\nItalien, sonst lebte er meistens in Lemberg in Galizien. Unter sei-\nnen Compositionen ist das Clavier-Concert in Es-clur (Op. 25) aus-\nzuzeichnen, welches neben HummeFs Concerten einen ehrenvollen\nPlatz verdient.\nDie erste Pamina, Fräul. Gottlieb, welche am 27. Januar\nnoch dem Mozartfeste beiwohnte, ist am 4. Februar im 86. Jahre\nan Altersschwäche gestorben.\n— /\nMailand. Ein im Teatro Re von-Antonio Bazzini gege-\nbenes Goncert hatte den glänzendsten Erfolg. Die Versammlung\nwar durch das wundervolle Spiel des in ganz Europa gefeierten\nViolin-Virtuosen in ein wahres Entzücken versetzt.\nVenedig1, Meyerbeer ist in Venedig und wird sich da-\nselbst vielleicht durch längere Zeit aufhalten. Er ist dieser Stadt\nmit jener Neigung zugethan, welche sie als diejenige verdient, wo\ner vor mehr als dreissig Jahren die ersten Lorbern in seinem Cro-\nciato in Egitto pflückte. Es geht das Gerücht, dass er von dem Ge-\ndanken nicht entfernt sei, eine Oper für unser grosses Theater zu\ncomponiren, und dass er sogar schon der Direction ein Versprechen\ngemacht haben solle. * (Gazetta di Milano.)\nTurin. Die „Sicilianische Vesper\" von Verdi ist unter dem\nTitel „Giovannci di Guzman\" auf der turiner Opernbühne aufgeführt\nworden. Die Gazetta Piemontese spricht sich über diese Verpflan-\nzung der Handlung von Sicilien nach Portugal und Verwandlung\ndes Johann v. Procida in Ribeiro Pinto sehr scharf aus. An der\nMusik lobt sie Studium der Harmonie, Klang, Fülle, Tüchtigkeit\nder Behandlung, geschickte Herbeiführung von Effecten und Anre-\ngungen ; allein sie hebt auch die Gesanges-Armuth und den Mangel\nan jener glücklichen Unmittelbarkeit und jener Frische der Bilder\nund Farben hervor, welche nach ihrer Meinung die italienische\nSchule auszeichnen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4560, "texte": "Von Petersburg ist uns das Programm der Mozartfeier\nzugegangen, welche die philharmonische Gesellschaft mit\nGenehmigung (avec la santiion) S. K. Majestät in der Salle' de I'As-\nsemblee de la Noblesse zum.Bestcn ihres Künstler-Witwen- und Wai-\nsen-Fonds veranstaltet hat, mit Unterstützung der Mitglieder der\nitaliänischen Oper (die Damen Lotti, Marray, Demeric-Lablache,\nBosio; die Herren Tamberlick, Calzolari, Lablache, Tagliafico) und\ndes Herrn A. v. Kontsky, Pianisten Sr. Majestät des Königs von\nPreussen. Das Charakteristische an diesem Programme ist, dass der\nerste Theil des Concertes aut eine würdige Weise durch eine\nschöne Auswahl Mozarfscher Compositionen dem Zwecke ent-\nspricht: 1) Sinfonie in C-dur (mit der Fuge); 2) Sextett aus Cosi\nfan tutte; 3) Tenor-Arie aus Don Juan; 4) Duett aus der Entfüh-\nrung (Calzolari und Lablache); 5) Arie aus Figaro; 6) Sextett aus\nDon Juan; 7) Arie aus Don Juan (Mad. Bosio Zerline); 8) Concert\nfür das Ciavier in C-dur (A. von Konlsky) der zweite Theil\nhingegen vier Nummern von Meyerbeer (Gesang aus Margarethe\nvon Anjou, Prophet, Nordstern und zum Schlüsse Ouvertüre de\nVEtoile du Nord avec la Musique militair e), das Damen-Ter-\nzett aus Cimarosa's Matrimonio segreto und das Finale des 11.\nActes des Trovatore von Verdi enthält. —■ Was wird der alte Uli-\nbitschef dazu sagen ? Indess, die Preise der numerirten Plätze wa-\nren auf 3 Silberrubel, die anderen im Saale und auf der Galerie\nauf 2 Silberrubel gesetzt, und so musste der sehr ehrenwerthe Vor-\nstand der philharmonischen Gesellschaft schon zum Besten der\nWitwen und WTaisen den Geschmack der hohen Aristokratie be-\nrücksichtigen. Es waren über 4000 Zuhörer da.\nStoppellese auf dem Felde musicalischer Schrift-\nstell er ei. 1) In einem schweizerischen Blatte heisst es in\ndem Berichte über das V. Abonnements-Concert in St. G. u. A.:\n„Der Geist der heiligen Musica hatte gegenwärtigen Concert-Aposlel\nsüssen Weines voll gemacht denn es wurde uns eine deli-\nciöse Weinkarte geboten. Zuerst kam gemüthlicher, echt deutscher\nRheinwein aus dem Freischütz-Weinberge des Herrn C. M. von\nWeber und zog in klingenden Wellen in unsere durstigen Seelen.\nHierauf kredenzte uns in zierlichem Poeale Fräul. v. Kn. edeln,\nfeurigen Lacrymae Christi mit der Etiquette Fidelio und durch-\nglühte mit Lavagluth unsere Herzen. Nach diesem schenkte Herr\nIL in der Spohr'schen Gesangscene seinen Cyperwein aus\nduftdurchhauchten Maitrank Mendelssohn'scher Lieder bot wie-\nderum Fräul. v. Kn. dann braus'te Richard Wagner's Rienzi-\nmarsch-Sauser heran dann holte uns Capellmeister Prome-\ntheus in seinem Tactrohr olympischen Nektar herab und liess\nuns aus dem C-moll-Beeher in vollen Zügen schlürfen —. In\nseligem Benebeltsein verliess die Versammlung den schönen Ton-\nWeinkeller.14 (!!)\n2) In einem wiener Berichte über Meyerbeer's Nord-\nstern heisst es, wie aus dem Zusammenhange hervorgeht, in vol-\nlem Ernste, nachdem gezeigt, dass Meyerbeer durch Robert, die\nHugenotten, den Propheten sich den bewegenden Ideen der Zeit\nstets angeschlossen, und seine Kunstwerke der umfassende Aus-\ndruck der Zeit seien, wörtlich, wie folgt:\n„Wie hätte Meyerbeer jetzt zurückbleiben können, wo die Welt-\nfrage in ein neues Stadium getreten? Der „„Nordstern\"\" ist der\nAusdruck des gegenwärtigsten Standes der Geschichte. Aber so\nwie Europa, wurde auch Meyerbeer von der Plötzlichkeit des Um-\nschwungs überrascht, und so wie die Welt, glaubt auch Meyerbeer\nnicht an die Dauer dieses Zustandes. Es war also keine Zeit zu\nverlieren, und so mag es denn gekommen sein, dass Meyerbeer be-\nreits fertiges Material benutzte, indem er demselben eine veränderte\nAnwendung gab. Weitere Analogieen, welche beweisen, wie sehr\nMeyerbeer es sich zur Aufgabe macht, mit seiner dramatischen\nMusik Weltgeschichte zu schreiben, wären unschwer selbst bis in\ndie Details darzuthun. Hier nur einige Züge. Russland vindicirt\ndiesem Invasionskriege den Charakter der Heiligkeit Meyerbeer\nerfand einen „ „heiligen Marsch\" \", der nur beklagen lässt, dass er\nbereits als Dessauer Marsch bekannt sei, dessen plötzlicheßussifi-\ncirung daher Manchen überraschen dürfte. Preussen, sagt man,\nsympathisire mit Russland; liegt nicht in der Uebertragung einer\npreussischen Glorifications-Musik, wie solche das „„Feldlager in\nSchlesien\"\" war, auf moskowitisches Terrain ein bezeichnender Act\nmusicalisch-politischer Logik? Es geht aus all diesem hervor,\ndass Meyerbeer der einzige Componist sei, der die Aufgabe, sich\nstets auf der Höhe der Gegenwart zu halten, am consequentesten\nverfolgt und festgehalten habe\" u. s. w."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMälzel's Metronom erster und zweiter Construction. Mitgetheilt von A. Schindler. Musicalische Zustände in Mün-\nchen. Von —n—. Musikleben in Braunschweig. Von Tr. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Sing-Akademie Ge-\nsang-Verein Vierte Soiree für Kammermusik, Kunst-Nachrichten Stoppellese).\n\nMälzel’s Metronom erster und zweiter Construction.\nMitgetheilt von A. Schindler.\nEs dürfte nur sehr Wenigen noch erinnerlich sein,\ndass Mälzel's Tact-Maschine ursprünglich eine andere ge-\nwesen, als die späterhin allgemein bekannt gewordene. Auch\nin meiner Erinnerung, lür historische Dinge nicht eben\nschwach, war diese Thatsache schon beinahe ganz ver-\nwischt. Dreissig bis vierzig Jahre sind eine geraume Zeit,\num bestandener Dinge mit Sicherheit sich zu erinnern,\nwenn nicht feste Merkmale im Gedächtnisse haften geblie-\nben, die in späteren Jahren über die Kluft hinweg helfen.\nEs dämmerte nur mehr in meiner Erinnerung, als habe ich\neinstens in Wien, auch bei Beethoven, eine Tact-Maschine\nvon Mälzel gesehen, die wesentliche Unterschiede von den\ngegenwärtig bestehenden aufzuweisen gehabt. Diese zwei-\nfelhafte Erinnerung erneuerte sich jedesmal peinigend, so\noft ich die vielerlei metronomischen Angaben in den Nach-\ndrücken der Beethoven'schen Clavier-Musik einer Prüfung\nunterzog und mit dem vom Componisten unmittelbar Ueber-\nkommenen verglich. Endlich hat der Zufall aus diesem Dun-\nkel geholfen. Bei dem Hof-Opernsänger Cramolini zu\nDarmstadt fand ich ein wohlerhaltenes Exemplar der ur-\nsprünglichen Construction von Mälzel's Metronom, vom\nEigenthümer selber in Wien gekauft. Ob dieser Fund\nvon einiger Wichtigkeit ist, mögen gebildete Musiker und\nMusikfreunde aus dem Folgenden selber ermitteln.\nDie erste Construction des Metronoms zeigt eine Py-\nramide von zwölf Zoll Höhe, mit einem auf der Vorder-\nseite von aussen hangenden Pendel zur Ermittlung der wa-\ngerechten Stellung. Zu sicherer Erreichung dieses Zweckes\nbefindet sich noch an einem der vorderen Drahtlüsse eine\nSchraube. Auf dem blechernen Schilde lies't man die Firma\nMälzel nebst der Jahreszahl 1815. Die Pendelsäule zeigt\nnur die Zahlen von 50 bis inclusive 160. Des hohen\nKostenpreises wegen (drei Louisd'or per Stück) fand diese\nMaschine nur sehr geringe Beachtung. Dies bestimmte den\nin Paris wohnenden Erfinder, schon um die zwanziger Jahre\nvon seinem in Wien lebenden Bruder die Maschine in ver-\nkleinertem Maassslabe, ungelähr acht Zoll hoch, für\nDeutschland anfertigen zu lassen, wovon das Stück zu einem\nLouisd'or abgegeben wurde. Abweichungen dieser verklei-\nnerten von der ursprünglichen Construction halten damals\nschon Grund zu Riagen gegeben, weil die Tempi sich nicht\nmehr genau bestimmen liessen ohne Beisatz, nach welcher\nConstruction die Metronomisirung geschehen.\nEs versteht sich, dass mit dem darmstädter Funde un-\ngesäumt Vergleiche mit der von Mälzel selber abgeänder-\nten Construction, wie auch mit pariser und mainzer\nNachahmungen angestellt wurden, und, wie gebührlich, im\nBeisein von Fachmännern. Kaiser Karl's V. Worte, nicht\nzwei Uhren übereinstimmend gehen mac-hen zu können,\nviel weniger Millionen Köpfe, liessen sich bestens auf unser\nMetronom-Examen anwenden. Es war nicht anders, als be-\nfänden wir uns in der Werkstätte eines Uhrmachers. Bei\nden höchsten Nummern ergab sich, die erste Construction\nals Normale angenommen, eine ziemliche Gleichheit der\nPendelschläge; je niedriger aber, desto auffallender die Ab-\nweichung, so zwar, dass oftmals schon der zweite Pendel-\nschlag um eine oder gar zwei Secunden differirte, bald nach\nvorwärts, bald nach rückwärts. Somit ward aus einem ein-\nfachen Allegro (im Verständnisse der classi sehen Epoche)\nbald ein Allegro molto, bald ein AUegretto.\nWill man erwägen, dass Beethoven <■ seine Sinfonieen\nvermittels einer Maschine erster Construction metrono-\nmisirt hat, wie sie die leipziger Allgem. Musik-Zeitung von\n1817 Seite 873 aufweiset*), so stellen sich die späteren\n\n*) In demselben Jahrgange des leipziger Kunst-Organs, S. 633,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.2", "texte": "Fabricale auf Grund ihrer grossen Abweichungen von der\nersten Construction augenscheinlich als die nächsten Quel-\nlen dar, aus denen so viele irrthümliche Auffassungen die-\nser Werke herzuleiten sind, anderer Gründe nicht zu ge-\ndenken, als z. B. Clavier-Virtuosen an der Spitze der Or-\nchester und Chor-Massen u. a. noch. Oben erwähntes\nMetronom-Examen vergewisserte mich und die anwesen-\nO \\\nden Künstler über die Gründe, welche Beethoven zu_einer\nanderen Metronomisirung der in der meh-\nrere Jahre später gedruckten Partitur veranlasst haben.\nDas Werk musste durch Uebertragung der metronomischen\nZeichen von der grossen auf die kleinen Maschinen in eini-\ngen Sätzen unausführbar werden, und der bekannte Lehrsatz\nConradin Kreutzens: „Das Tempo ist nur dann zu\nschnell, wenn die Tonfiguren, vornehmlich in der Ober-\nstimme, nicht mehr deutlich zu Gehör kommen\" (um die\nMittelstimmen pflegte Conradin Kreutzer sich niemals zu\nbekümmern), fand seine volle Richtigkeit in Bezug auf Aus-\nführbarkeit jener Sinfonie mit der Metronomisirung von\n1817. —C. Czerny erklärt ausdrücklich, dass er sich bei\nMetronomisirung der Beethoven'schen Clavier-Werke einer\nwiener Maschine (wahrscheinlich einer verkleinerten) be-\ndient habe. Wenn überhaupt dem richtigen Verständnisse\neines Tonstückes vermittels einer Maschine nachgeholfen\nwerden soll, so verdient Czerny's Beispiel Nachahmung.\nSollte gefragt werden bei der Untersuchung zu Darm-\nstadt ward auch* gefragt —, wie es denn kam, dass Beet-\nhoven ausser der neunten Sinfonie weder die Missa solem-\nnis, noch die letzten Quartette, ja, keine der letzten Sona-\nten, von Op. 101 beginnend, das doch schon 1816*) er-\nschienen war (nicht, wie Czerny angibt, 1819), mit dem\nMetronom versehen hat; führt man an, dass diese Unter-\nlassung mit seiner enthusiastischen Empfehlung des M. Me-\ntronoms in seiner Zuschrift von 1817 an Ignaz von Mo-\nsel **) in Widerspruch steht: so suche ich meinerseits die\nGründe in der Nicht-Uebereinstimmung der Maschinen un-\nter einander, aber auch noch in seiner Ueberzeugung, dass\ndiese Quartette sowohl wie die Sonaten die Anwendung\ndes Metronoms unräthlich machen, ja, ihrem Wesen nach\ngeradezu ausschliessen, des Grundes nicht zu gedenken,\nDass Künstler von hoher Ausbildung und Intelligenz (solche\nbeansprucht ja Beethoven's Ciavier- und Quartett-Musik\nfast durchgehends) keiner Tact-Maschine bedürfen. Was\nsoll der Metronom z. B. bei dem mehrfachen Tempo-\nWechsel im ersten Satze der Sonate F-moll (Op. 2) nach\nC. Czerny's Angabe? Und doch hat Czerny noch eine we-\nsentliche Nuance nach Beethoven's Lehre hierbei übergan-\ngen. Ich war im Irrthume, als ich den Metronom in den\nNachdrucken der letzten Sonaten für authentisch hielt. Die\nspäterhin mir verschafften Original-Drucke (die letzte Cor-\nrectur der vollständigen Sonate Op. 109 von des Meisters\nHand fand sich bei mir vor) überzeugten mich, dass Beet-\nhoven selber nichts dafür gethan. Was die vielen Nach-\ndrucke überhaupt verschuldet, die Menge grober Fehler, die\neinzelne enthalten, ist unsäglich. Mögen darum die Besitzer\nvon Original-Drucken diese in Ehren halten; denn für ihre\nCorrectheit sorgte Beethoven stets selber, wo auch das\nWerk erschienen. Mit welcher Strenge und Genauigkeit\ndies fortan geschehen, vermag unter Anderen auch Herr\nMoriz Schlesinger zu bezeugen. Die Correcturen der letz-\nten Sonate, Op. 111, mussten nicht weniger denn drei\nMal die Reise von Paris nach Wien machen, zur Verzweif-\nlung des Verlegers. Die Reinschrift der zahllosen Fehler\nwar stets von meiner Hand..\nEs sei mir bei dieser Gelegenheit verstattet, nur zwei\nBeispiele aus der Menge verschiedener Metronomisirungen\nanschaulich zu machen.\nA)Sonate in Cis-moll,fälschlich „Mondschein-Sonate\"\ngenannt.\nErster Satz (Adagio soslenuto), in der londoner, wiener\nund braunschweiger Ausgabe übereinstimmend J = 60;\nC. Czerny dagegen J = 54; ein W. K. (in Nr. 41 dieser\nZeitung vom vorigen Jahre) J = 66.\nDritter Satz (Presto agilato),dort J=92; bei Czerny\nJ = 80; von W. K. j = 176.\nB) Sonate in D-moll, Op. 31.\nErster Satz (Allegro), bei C. Czerny J = 104; von\nW.K. I=l2o.\nZweiter Satz (Adagio), bei C. Czerny = 84; von\nW. K. J = 50.\nDritter Salz (Allegretto), bei C. Czerny J. = 76; von\nW. Iv. J. = 66 bis 96.\nWelche von diesen Angaben ist die richtige, oder wel-\nche kommt den Intentionen des Componisten wohl am\nnächsten? Czerny behauptet, er habe alle Clavier-Werke\nvon Beethoven selber vortragen gehört. Die Untersuchung\ndieser Behauptung, und was sich auf deren allfällige Wahr-\n\nbefindet sich die Metronomisirung der Etüden von Gramer,\nmithin gleichfalls vermittels der ersten Construction.\n*) Beethoven's Brief vom 23. Februar 1816 bei Gelegenheit der\nUebersendung dieser Sonate an seine „liebe, werthe Dorothea 2\nCacilia4', wie er Frau von Erdtmann zu nennen pflegte, liegt\nmir vor.\n**) S, den Abdruck dieses Briefes in Nr. 28 des 111. Jahrg. (8.\nJan. 1853) der „Rheinischen Musik-Zeitung, herausgegeben\nvon Prof. L. Bischoff'."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.3", "texte": "heit begründen lasse, soll mich ein ander Mal beschäftigen.\nUnbestritten soll es bleiben, dass er das Glück gehabt, über\nverschiedene Werke unmittelbare Belehrung von dem gros-\nsen Meister selber zu erhalten, darum allein schon vor al-\nlen anderen Metronomiseurs beachtet zu werden verdient.\nWas können die Anderen für ihr Thun anführen? Ihre\nSubjectivität. Allen Respect dafür. Sie mag in aller Musik\nbis zu einer gewissen Gränzlinie ihre Berechtigung finden.\nWollen aber doch die Herren, die an vorstehenden Bei-\nspielen Antheil haben, die Angaben ihrer Confratres den\neigenen Subjectivitäts-Gefühlen entgegen halten: ich wette,\nEiner erklärt den Anderen -alsbald für wahnsinnig. Kurz,\nwenn der Gipfelpunkt aller Begriffs-Verwirrung in unserem\nFalle noch nicht erreicht sein sollte, so bedarf es nach mei-\nner Beobachtung nur noch eines Geringen, nämlich, dass\nFrau Clara Schumann, Herr Ernst Pauer und noch\neinige andere hochberühmle Virtuosen in classischer Musik\ndie Gefälligkeit haben, ihre respectiven „ Subjectivitäts-An-\nschauungen\" in Beethoven'scher Musik vermittels des Me-\ntronoms zu veröffentlichen.\n\nMusicalische Zustände in München.\n\nDas öffentliche Musikleben Münchens fällt vornehmlich\nin die Adventszeit und in die Fastenzeit; dasselbe war in\nder letzten Adventszeit ein ziemlich bewegtes. Das Gelei-\nstete kann nun überschaut werden. Zunächst wurde von\nSeiten der Hofcapelle unter Franz Lachner's Oberlei-\ntung, gleichwie in den Vorjahren, im Odeon eine Reihe von\nConcerten gegeben. Lachner hat sich dadurch um München\nsehr verdient gemacht, dass er mit eiserner Consequenz\nseinem Publicum immer wieder solches zu hören gab, was\nzu den höchsten Schöpfungen der Tonkunst zählt. Er ist\nes, von dem man geradezu sagen muss, dass er den Sinn\nfür höhere Concert-Musik in München erst geweckt hat.\nSelbst eine gewisse Einseitigkeit, mit welcher er einzelne\nSinfonieen anderen gegenüber stets wieder vorführt, that\nhier gut. Denn dadurch, dass das Publicum in wahrhaft\ngrossen, mustergültigen Tonwerken vollständig heimisch\nwird, empfängt es einerseits sowohl den höchsten Genuss\nals auch andererseits einen sicheren Maassstab für die Be-\nurtheilung der Schöpfungen, die ihm vorgeführt werden.\nBeides gehört zu den Hauptzwecken vernünftig geleiteter\nConcerte. Damit sich jedoch im Gehör des Publicums ein\nTonstück vollkommen einbürgere, bedarf es eben einer oft-\nmaligen Wiederholung desselben. Doch wäre es wünschens-\nwerth, dass vornehmlich noch mehrere von Haydn's, Mo-\nzart's und vielleicht auch Schubert's Sinfonieen und von den\nBeethoven'schen auch die ersten gehört werden könnten.\nVon den Werken neuerer Tondichter bekamen wir\nbis zu diesem Winter nur Sinfonieen unbedeutenderer\nKräfte, wie von Esser und Ulrich, zu hören. Gade, Schu-\nmann und Hiller hingegen, mit deren Richtung wir auch\nnicht durchweg übereinstimmen, deren Bedeutung aber iür\nunsere Zeit nicht geläugnet werden kann, blieben so gut\nwie unbekannt. \"\nIn Bezug auf ihr Zusammenspiel verdient die hiesige\nHofcapelle den guten Ruf, den sie besitzt. Jedes einzelne\nMitglied der Capelle fühlt warm lür seine Kunst und leistet\nauch Tüchtiges auf seinem betreffenden Instrumente, wäh-\nrend Lachner sicher und kräftig das Ganze zusammenhält.\nVon seiner energischen Auffassung der gewaltigen Ton-\nwerke wird das ganze Orchester beherrscht. So wird das\nZusammenspiel, wie vielleicht bei keiner anderen deutschen\nCapelle, feurig, frisch und virtuos. In München war bisher\nder Chorgesang, gegenüber der reinen Instrumental-Musik,\nsehr in den Hintergrund getreten; in den Concerten der\nHofcapelle bekam man in den letzten Jahren von Oratorien-\nMusik, mit Ausnahme von Beethoven's grosser Messe, nur\nHaydn's Schöpfung und seine vier Jahreszeiten zu hören.\nIn letzter Zeit überwarf sich noch die Hofcapelle mit dem\nThealerchor, so dass hiedurch lür diesen Winter die Auf-\nführung der neunten Sinfonie von Beethoven und anderer\nChorwerke unmöglich gemacht wurde. Durch den vor einem\nJahre begründeten Oratorien-Verein wird nun auch die\nOratorien-Musik mehr vertreten. Herr v. Perfall hat sich\nmit grosser Liebe zur Sache der Leitung desselben unter-\nzogen. Bei der im vorigen Jahre Statt gehabten Aufführung\ndes Händel'schen Samson und einer Abtheilung aus dem\nGluck'schen Orpheus zeigte es sich, dass man- auch auf\ndiesem Felde nur das Bedeutende dem Publicum in wür-\ndiger Weise darzubieten brauche, und siehe da, es verfehlt\nnicht seine Wirkung. Gegenwärtig wird Mendelssohn's\nElias einstudirt. Möge der Verein vor Allem Händel's und\nBach's grosse classische Schöpfungen bei uns einbürgern!\nDann wird er Dauerhaftes leisten.\nWie die Orchester-Musik durch die Odeons-Concerte,\nso wurde auch die Kammermusik vertreten, und zwar durch\neinen Cyklus von Trio-Soireen, welche Herr Franz W ü 11-\nner unter Beihülfe der Herren Lauterbach und Mül-\nler veranstaltete. Schon im vorigen Jahre hatte Lauterbach\nQuartett-Soireen und Wüllner Trio-Soireen gegeben, welche\nletztere bis dahin in München nicht vorgekommen waren."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.4", "texte": "Wüllner hat das grosse Verdienst, dass er es durch die\nArt seines Spiels und durch das, was er spielt, immer grös-\nseren Kreisen begreiflich macht, wozu das Ciavier vorhan-\nden sei. Unter seinen Bänden wird die Tastatur nicht zum\nSchauplatze musicalischer Sturmübungen, sondern sie dient\nihm dazu, wahrhaft seelenerquickende Tonschöpfungen treu\nund unverfälscht wiederzugeben. Wie durch den Gesang,\nso wird vornehmlich auch durch das Clavierspiel die Musik\nim Hause heimisch gemacht. Darum ist für eine Stadt\neiner, welcher zeigt, was das Wahre sei, so wichtig. Lau-\nterbach's Violinspiele hört man es an, wie er mit grosser\nLiebe in die Tondichtung sich eingelebt hat, welche er mit\nvollendeter Technik, grossem Tone und edler Auffassung\nwiedergibt. Die Programme der erwähnten Trio-Soireen\nwurden gebildet von Werken Haydn's, Beethoven's, Schu-\nberts, Mendelssohn's u. s. w.\nNeben diesen regelmässig Statt findenden Aufführun-\ngen hatten wir in diesem Winter mehr als sonst\nauswärtige Componisten und Ciavierspieler kennen zu lernen.\n1 aubert, Hiller und Ernst Pauer aus London brach-\nten Sinfonieen zur Aufführung; auch liess jeder der Ge-\nnannten sich als Ciavierspieler hören. Die bedeutendste der\ndrei Sinfonieen war diejenige Hiller's; sie trug einen ern-\nsten Charakter, und poetische Motive waren in ihr conse-\nquent durchgearbeitet. Pauer versteht mit gediegener Ord-\nnungsliebe die ihm zugemessene Gabe auszunutzen; hie-\ndurch leistet er immerhin Ehrenwerthes. Taubert's Sinfonie\nmachte den Eindruck, als ob der Tondichter den Mangel\ngrosser musicalischer Ideen mit dem Glänze eines falschen\nPathos zu verdecken suche. In seiner Musik zum Sturme\nwird wohl das Toben des Sturmes selbst, das Wesen und\nTreiben der Luftgeister, so wie die Erscheinung eines sol-\nchen Ungethüms wie Caliban's durch nackte Instrumental-\nEffecte versinnlicht, hinter denen aber nichts liegt, was das\nGemüth der Hörer erfassen und lebendig in demselben an-\nklingen könnte. Als Clavierspieler zeichneten sich Hiller\nund Pauer vor Taubert durch einen markigeren, volleren\nTon und durch edlere Auffassung aus. Ausser den Genann-\nten liess sich noch ein Clavier-Virtuose, Namens Pruck-\nner, ein Schüler Liszt's, hören. Pruckner ist vor Allem\nMeister der Technik; sein Spiel zeichnet sich durch vollen\nTon, durch Klarheit und Ruhe, überhaupt durch alle Eigen-\nschaften eines ungewöhnlichen Virtuosen aus.\nNoch wäre von der Oper zu sprechen. Das Repertoire\nderselben beschränkt sich auf wenige Werke, die das Pu-\nblicum hauptsächlich durch den grossen Aufwand, mit dem\nsie gegeben werden, anlocken. Dahin gehören die Meyer-\nbeer'schen Opern, Wagner's Tannhäuser und Verdi's Ri-\ngoletto. Der Nordstern steht in Aussicht. Die classischen\nOpern scheinen seit einiger Zeit für uns nicht mehr vor-\nhanden zu sein. In welcher Gnade die Musik überhaupt bei\nHerrn Dingelstedt steht, ersieht man auch daraus, dass er\nder Hofcapelle für die Mozartfeier die Stimmen zur Zau-\nberflöten-Ouverture aus der Theater-Bibliothek verwei-\ngerte; die Capelle sah sich gezwungen, noch in der letzten\nStunde jene Stimmen copiren zu lassen.\nWas das Mozart-Concert selbst anbelangt, so war die\nAusführung der einzelnen Werke vortrefflich; auf dem Pro-\ngramm wurde eine Sinfonie schmerzlich vermisst, welche\nstatt anderer Dinge hätte gespielt werden können.\nUeber das hiesige Conservatorium der Musik werde\nich Ihnen in meinem nächsten Briefe Mittheilung machen.\nMünchen, den 28. Januar 1856.\n\nn\n\nMusikleben in Braunschweig.\n\nDer gegenwärtige Winter brachte in seiner nun be-\nreits verflossenen Hälfte mancherlei musicalische Genüsse;\nschwierig würde es jedoch sein, nach dem numerischen\nUebergewichte dieser Productionen auf dem einen oder an-\nderen Gebiete der Tonkunst auf den eigentlichen Geschmack\nBraunschweigs zu schliessen, da die Wage bald nach der\nclassischen Vergangenheit, bald nach der frivolsten Moder-\nnität hinüberschwankte. Mit mehr Grund als selbst in der\nPolitik sollte man in der Kunst die Stimmen wie die Kunst-\nleistungen wägen, statt zählen, und nur bei offenbarer\nTheilnahmlosigkeit gegen bestimmte Richtungen und gleich\nentschiedener Vorliebe lür ihre Gegensätze ein Urtheil über\nden vorhandenen Geschmack fällen.\nDie drei Corporationen, von welchen die grösseren\nMusik-Aufführungen Braunschweigs ausgingen, die herzog-\nliche Capelle, die Oper und die Sing-Akademie, brachten\nzum grössten Theile gereifte Früchte aus dem Garten der\nClassicität und schmückten ihre Tafel nur mit einzelnen\nBlumen der neuesten und künftigen Zeit. Den sicheren\nBoden der Muster-Periode unter den Füssen, schritten sie\nmit Vorsicht, aber nicht mit Widerstreben, dem klippen-\nvollen, vulcanischen Felde der ,musicalischen Entwicklungen\nder Gegenwart zu.\nDie herzogliche Capelle, deren Leistungen selbst dem\ngrössten der heutigen Instrumental-Virtuosen, Hector Ber-\nlioz, genügten, brachte uns in ihrem vorletzten Concerte\nMozart's C-dur-S'\\nton\\e,daneben die F-dwr-Sinfonie von"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.5", "texte": "Beethoven und die Ouvertüre zur Fingalshöhle von Men-\ndelssohn, ein geschmackvolles, und eine Anschauung des\nEntwicklungsganges der Instrumental-Musik gewährendes\nProgramm. Wie in dem Mozart'schen Werke der eigent-\nliche Satz, die melodische Form und thematische Verarbei-\ntung als Wichtigstes vorangestellt und der grosse Instru-\nmental-Complex. nur zur kunstvollen Verschlingung der Ge-\ndanken benutzt war, so brachte die Beethoven'sche Schö-\npfung neben diesen äusserlichen Vorzügen auch die man-\nnigfaltigste Charakteristik der Instrumente zui; Geltung und\nmachte sich von der strengen Stylform durch rhythmische\nund harmonische Kühnheiten subjectiv frei, während Men-\ndelssohn's Tondichtung bereits auf das modernste Gebiet\nder Instrumental-Musik, die Tonmalerei, Darstellung von\nNaturereignissen, Stimmungen u. s. w. durch Musik streifte.\nDieses letzte Gebiet betrat unsere Capelle in einem\nfolgenden Concerte, zu welchem Franz Liszt aus Wei-\nmar herübergekommen war, durch Aufführung zweier sei-\nner Tondichtungen, «Orpheus\" und „Promotheus\". Es\nversteht sich von selbst, dass dem productiven Künstler die\nWahl seines Vorwurfs durchaus freisteht, und dass epische\nStoffe so gut wie dramatische und lyrische eine Behand-\nlung in Tönen gestatten. Fraglich nur ist, wie weit der\nTondichter in dieser letzteren Beziehung gehen kann, und\nob er, dem das Mittel des Wortes fehlt, sich auf die Ver-\nsinnlichung bestimmter Einzelheiten, auf eine Reihenfolge\nvon Vorgängen einlassen darf, oder sich damit begnügen\nmuss, das Allgemein-Charakteristische seines Stoffes musi-\ncalisch wiederzugeben, seinen Gegenstand aus dem Ele-\nmente der Gedanken und Worte in das der Töne zu über-\ntragen und in demselben selbstständig neu zu gebären. Das\nvon Liszt beiden Compositionen beigegebene Programm be-\nwies wenigstens, dass er selbst noch an jener Möglichkeit\nzweifelte, und wir sind der festen Ueberzeugung, dass eine\nepische Musik in jenem Sinne unmöglich, vielmehr alles\nDescriptive in der Musik nur auf die musicalisch-selbststän-\ndige Weise auszudrücken ist, welche sich an einzelne Vor-\ngänge, gar bestimmte Worte und Gedanken nicht bindet.\nIm Gegensalze zu den Berichten über Aufführung derLiszt'-\nschen Siiifonieen in Berlin müssen wir gestehen, dass wir\ndie harmonischen Willkürlichkeiten, die rhythmischen\nSchroffheiten gern übersehen haben würden, wenn beide\nWerke überhaupt nur mehr darstellende, schöpferische\nKraft bekundet, nur der gespannten Einbildungskraft des\nHörers mehr Beschäftigung gegeben hätten. Aber eine\nängstliche, fast sclavische Erfüllung des beigegebenen Pro-\ngramms, eine Tonmalerei, welche die Zuhörer mit Händen\ngreifen Hess, was durch sie zu schildern der Componist sich\nvorgenommen hatte, ein prosaisches, dürftiges Arbeiten nach\nder Schablone, dem auch alles Originelle, alles Leben und\nFeuer fehlte, eine matte Harmonieführung, die man bis zu\nEnde accordweise hätte angeben können, war alles, was\nwir hörten! Ein Ton-Epos, welches Orpheus' Leierklänge\ndurch einige Harfen-Accorde, die zauberhafte Bewegung\nder Natur durch eine monotone Figur, das Auftreten der\nwilden -Thiere durch das Grunzen der Bässe ankündigt, das\nEmporstürmen Promotheus' zum Himmel durch ein uniso-\nnes Hinaufarbeiten des Orchesters bis in die höchsten Ton-\nlagen, und das Krächzen des Geiers durch drei dissonirende,\newig wiederkehrende Accorde in Oboe und Clarinette aus-\ndrückt und zuletzt einen linkischen Anlauf zu einer Schluss-\nFuge nimmt, der aber im Anfange schon aufhört, ist denn\ndoch, gelinde gesagt, prosaisch und dürftig genug! Ueber\ndiesen klar aufliegenden Mängeln vergassen wir wirklich die\nAbweichungen von den herkömmlichen Gesetzen der Har-\nmoniefolge! Die Gefahr, welche diesen nicht auf willkürli-\nchen Annahmen beruhenden, sondern durch Gehör und\nGefühl gegebenen und durch Jahrhunderte der Anwendung\nbewährten Gesetzen von Seiten dieses Zukunfts-Musikers\ndroht, ist so gross nicht.\nUnsere Oper ist in jeder Hinsicht nur noch der Schat-\nten von dem, was sie ehemals war. Wenn früher das das-\nsische Repertoire excellirte, so wurde in den letzten Jah-\nren nur auf die Aufführung einigerneuen italiänischen Opern\nFleiss verwandt und der Geschmack des ohnehin nicht mehr\nso theaterlustigen Publicums an älterer Musik durch meh-\nrere höchst mittelmässige Aufführungen auf diesem Gebiete\ngründlich ruinirt. Die einzige neu aufgeführte nicht italiäni-\nsche Oper war Meyerbeer's Nordstern. Ein Stoppelwerk\nnach den übrigen Arbeiten dieses Meisters, abstossend in\nStoff und in musicalischer Beziehung, überall das Streben\nbekundend, die versiegende Schöpferkraft und Lebendigkeit\ndes Gefühls, die Melodieen-Armuth durch instrumentale\nAeusserlichkeiten, durch erkünstelte Wendungen im Rhyth-\nmus, nie da gewesene Accentuirungen in der vocalen De-\nclamation zu ersetzen. Die Wagner'schen Opern, deren\nAufführung die hiesigen Musikfreunde, wenngleich aus den\nwidersprechendsten Gründen, sehnlich wünschen, werden\nwohl nach Braunschweig zuletzt gelangen. Man suche aber\nden Grund nicht in dem classischen Purismus der hierin\nallein maassgebenden Autoritäten oder in der Theilnahm-\nlosigkeit der Braunschweiger, die gern »Alles prüfen und\ndas Beste behalten\"."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.6", "texte": "An Oratorien führte uns die hiesige Sing-Akademie\nim Verlaufe der letzten Zeit Werke aus den verschieden-\nsten Zeit-Perioden vor, darunter zuletzt Robert Schumann's\n„Paradies und Peri\", Graun's „Tod Jesu\" und Mendels-\nsohn's „Paulus\". Die beiden letztgenannten Werke fanden\nunter den Mitwirkenden wie unter dem Publicum eine aus-\nserordentliche, das Schumann'sche Werk nur eine geringe\nTheilnahme eine Erscheinung, welche wir uns vollkommen\nerklären. Dem an zart empfundenen Einzelheiten reichen\nOratorium Schumann's fehlt im Ganzen doch der Fluss und\nSchwung, welcher jene Wirkung allein erzieh; Singstim-\nmen wie Instrumentation sind unpraktisch, kommen nicht\nzur Geltung und decken sich zum Theil; es mangelt die\neigentlich künstlerische Objectivität, welche die Anleitung\nzur Art und Weise der Darstellung aus dem Werke selbst\nreden lässt und nicht erst darauf wartet, dass der Sänger\nund Musiker diese von aussen und mit Berechnung hinein-\nträgt und dem Werke den Ausdruck und das Gefühl auf\nkünstlichem Wege einhaucht, welche dieses ihm verleihen\nsollte. Dazu diese gesuchte Noten-Orthographie, welche,\num nur originel zu sein, die Execulion so erschwert! Wie\nanders Graun und Mendelssohn mit ihrer auf gründliches\nStudium der Menschenstimmen, wie die des wirkungsvollen\nChorsatzes gegründeten Praxis! Für die oft ermüdenden\nKeprisen der sämmtlich in drei Sätze abgetheillen Arien im\n„Tod Jesu\" fanden selbst die Anhänger der Modernität\nEntschädigung in den vortrefflichen Recitativen und Chören\nund in der abgerundeten, fasslichen Form des Ganzen. We-\nniger gelungen in der Ausführung war der „Paulus\"; aus-\nser dem Miss Verhältnisse zwischen den schwachen Männer-\ncbören zu dem überstarken Sopran und gleichfalls domini-\nrenden Alt, machte sich ein störendes Abweichen des Or-\nchesters vom Chor im Tacte bemerkbar, was wohl auch\nVeranlassung gab, dass der Chor im Vortrage nicht so fein\nnuancirte, wie wohl zu wünschen gewesen wäre. In näch-\nster Zeit steht eine Aufführung von Mozart's „Idomeneo\"\nbevor.\nDie Thätigkeit der hiesigen Männergesang-Vereine, un-\nter denen die Liedertafel bei Weitem den Vorrang behaup-\ntet,0 kehrte in letzter Zeit, nachdem sie sich an den schwie-\nrigsten und künstlichsten Ton werken ihrer Gattung, an\nOratorien und Rhapsodieen für vierstimmigen Männerchor\nmit Orchester (an und für sich etwas Albernes) [?] u. s. w.\nerschöpft hatte, zu dem Bereiche ihrer eigentlichen Bestim-\nmung, dem Liede, zurück, und man lies't auf ihren Pro-\ngrammen neben Abt, Tschirch und Kücken auch wieder\ndie Namen der Meister: Weber, Kreutzer, Schneider und\nSilcher, und das Publicum überrascht sich selbst bei dem\nGefühle, dass Letztere doch auch schöne Sachen schrieben.\nEs ist erfreulich, dass die unbefangene Natur nach den\nmancherlei Wanderfahrten des Geschmacks oft einen so\ntreuen Wegweiser in* das Land des Schönen abgibt.\nEnde Januar 1856.\n\nTr.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nliöln. Am Montag den 18. d. Mts. fand eine öffentliche\nVersammlung der Sing-Ak adem ie im grossen Casinosaale\nunter Leitung des Dirigenten derselben, Herrn Musik-Directors Fr.\nWeber, Statt. Die Gesellschaft führte Händel's Samson und\nMendelssohn's 42. Psalm („Wie der Hirsch schreit\") mit Cia-\nvierbegleitung vor einer eingeladenen zahlreichen Zuhörerschaft auf.\nSo viel man auch gegen Auflührungen grosser Gesang- und Or-\nchesterwerke am Pianoforle bekanntlich sagen kann, so haben sie\ndoch unserer Meinung nach ein grosses Interesse, weil man dabei,\nindem die Singstimmcn nicht durch das Orchester gestützt, geho-\nben oder auch verdeckt werden, am besten die Tüchtigkeit eines\nGesang-Vereins bcurthcilen kann. Uebrigens hat es auch einen ge-\nwissen Reiz, bei so polyphonen Chören, wie z. B. den Händel'-\nschen, die einzelnen Stimmen so leicht und klar verfolgen zu kön-\nnen. lis ist daher eine sehr löbliche Sitte der Akademie, alljährlich\ndurch eine solche öffentliche Aufführung die Fortdauer ihres Stre-\nbens und den Fortschritt ihrer Leistungen in künstlerischer Hin-\nsicht zu bekunden und auf diese Weise eine Art von Rechenschafts-\nBericht über die Wirksamkeit ihres Dirigenten und die eifrige\nTheilnahme ihrer Mitglieder abzulegen. Dieser lebendige Bericht\nist dieses Mal sehr befriedigend ausgefallen, besonders wenn man\nbedenkt, dass Weber selbst begleitete, mithin die Leitung durch\nden Dirigentenstab fehlte. Der zahlreiche Chor sang je länger, je\nkräftiger und feuriger, und unter den Solostimmen, sämmtlich durch\nMitglieder der Akademie besetzt, hörten wir namentlich eine Alt-\nund eine Sopran-Stimme, deren Nicht-Mitwirkung bei den Gesell-\nschafls-Concerten sehr zu bedauern ist. Unter den Männer-Soli's\nverdient der Vortrag der Arie des Manoah: „Dein Heldenarm\",\ndurch Herrn Schiffer ausgezeichnet zu werden.\nAm Dinslag den 19. d. Mts. fand die vierte Soiree für\nKammermusik Statt. Herr Capellmeister Hill er spielte Hüm-\nme Ts Quintett in Es-mollund Mozarl's Sonate in iür Cia-\nvier und Violine mil Herrn Concertmeister Pixis. Dass die Lei-\nstung beider Künstler vortrefflich war, brauchen wir nicht erst\nnoch zu bemerken; ob aber Hummel und Mozart die schnellen\nTempi der letzten Sätze gebilligt haben würden? Schwerlich!\nDoch unsere Pulse schlagen rascher, folglich auch unsere Tactmes-\nser. Ausserdem hörten wir zwischen den genannten Stücken F.\nSchuberl's Violin-Quartett in D-moll.\nAm Donnerstag den 21. d. Mts. hielt der städtische Ge-\nsangj Verein unter Leitung seines Dirigenten, des Herrn Musik-\nDirectors R. R eint haier, im Saale des Hotel Disch ebenfalls eine\nöffentliche Versammlung vor einem eingeladenen Publicum,\nwas um so erfreulicher war, da, so viel wir uns erinnern, dieser\nehrenwerthe Verein viele Jahre lang mit dergleichen Aufführungen\npausirt hatte. Herr Reinthaler hat das Verdienst, die Theilnahme\nder Mitglieder an den Uebungen bedeutend gesteigert zu haben,\nund der gestrige Abend gab durch die präcise Ausführung aller\nMusikstücke, namentlich der schwierigen Motette von J. S. Bach:\n„Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit\", einen glänzenden Beweis von\nden Erfolgen seiner Anstrengungen. Da es das erste Mal ist, dass"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.7", "texte": "der Verein Bach singt, so muss man dem Ergebnisse dieses gewag-\nten Versuches alles Lob spenden; späterhin wird der Vortrag die-\nser Art von Musik sicherlich auch an Innigkeit gewinnen. Ferner\nkamen zur Ausführung das Ave verum von Cherubini, Terzett\nfür eine Sopran- und zwei Altstimmen (ohne Chor), das acht-\nstimmige Crucißxus von Lotti, ebenfalls zum ersten Male hier ge-\nhört, drei Lieder für Chor von C. Reinthaler auf Texte\nvon Geibel, mit deren Auffassung wir nicht übereinstimmen kön-\nnen, und die zwei ersten Theile von Haydn's Schöpfung.\nUeberall gingen die Chöre vortrefflich, und auch die Soli wurden\nvon Fräul. Nina Hartmann, den Herren DuMont und Koch\nund einigen Dilettantinnen mit schönen Stimmen und musicalischer\nBildung sehr gut gesungen. Die treffliche Akustik des Saales im\nHotel Disch trug auch das Ihrige zu der Wirkung des Ganzen und\nEinzelnen bei.\nDer eminente belgische Pianist Aug. Dupont, Professor der\nersten Piano-Classe am Conservatorium zu Brüssel, wird in diesen\nTagen eine Kunstreise nach den grösseren Städten von Holland\nund Deutschland antreten und etwa um den 15. März in Köln\neintreffen.\nCrotlia. Am 6. Februar führte Hector Berlioz im Hof-\ntheater seine „Kindheit Christi\" auf. Der herzogliche Intendant\nübergab ihm vor der Aufführung im Namen des Herzogs das Ver-\ndienstkreuz des Ernestinischen Haus-Ordens. Franz Liszt wohnte\ndem Concerte bei. In W7eimar ist am 11. Februar „Faust\" und\nam 16. „Benvenuto Cellini\" aufgeführt worden. („Der Bien' muss!\")\nv i\nWeimar. Zu den wenigen Städten, welche am 27. Januar\nkeine Mozart'sche Oper aufführten, gehört auch Weimar. Wegen\nErkrankung eines Bühnen-Mitgliedes wurde der angekündigte Don\nJuan nicht gegeben, und die von nah und fern herzugeströmten\nMusikfreunde mussten diesmal, ohne etwas gehört zu haben, wieder\numkehren.\nMannheim. Den Beschluss des Mozartfestes am 27. Januar\nmachte die sehr gelungene Aufführung von Figaro's Hochzeit. Für\nMannheim dürfte von ganz besonderem Interesse und auch für\nAuswärtige gewiss nicht uninteressant die Thatsache sein, dass Mo-\nzart die erste Aufführung dieser Oper auf hiesiger Bühne am 24.\nOctober 1790 selbst dirigirte.\nEieipzig-. Der Violinist Jacques Dupuis aus Lütt ich\nhat hier Gewandhaus-Concerte am 14. d. Mis. mit grossem Er-\nfolge gespielt. Er geht von hier nach Dresden und von da nach\nHannover, wo er den 1. März die Ehre haben wird, vor Ihren\nMajestäten sich hören zu lassen.\nF'ranlifnrt a. M. Die hiesige Theater-Intendanz hat am 29.\nJanuar-einen Vertrag mit Frau An schütz abgeschlossen, wonach\ndieselbe für die Bühne wieder engagirt ist. Ihre erste Rolle war\ndie Valentine in den Hugenotten. Als Königin glänzte neben ihr\nFräul. Veith und wurde gerufen.\nAlex. Dreyschock ist auf der Reise nach Dänemark und\nSchweden begriffen. Zu Hamburg spielte er im achten philhar-\nmonischen Concerte Beethoven's Es-dur-Concert und einige klei-\nnere eigene Compositionen.\nWien. Franz Liszt hat ein sehr ehrenvolles Schreiben, un-\nterzeichnet von dem Bürgermeister der Reichs-Hauptstadt, Dr. Joh.\nCaspar Ritter von Seiller, und dem Vorstande des Mozart-\nfest-Comite's, Franz Ritter Riedl von Rieden au, d. d. 28.\nJanuar 1856, erhalten, das mit den Worten endigt: „Schliesslich\nfühlen die Unterzeichneten sich verpflichtet, Ihnen, wohlgeborener\nHerr, für die uneigennützige Bereitwilligkeit, mit welcher Sie der\nEinladung zur Uebernahme der Leitung der Fest-Production ent-\nsprochen haben, nochmals den verbindlichsten Dank im Namen der\nReichs-Hauptstadt abzustatten.\"\nFlotow's neue Oper Alb in in drei Acten, Text von Mosen-\nthal, ging am 12. Februar in Scene. Das Haus war gedrängt voll;\nIhre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, Ihre Kaiserlichen\nHoheiten der Erzherzog Franz Karl und die Erzherzoginnen Elisa-\nbeth und Marie nebst noch anderen Gliedern des Allerhöchsten\nKaiserhauses wohnten der Vorstellung bei. Der Erfolg war im Gan-\nzen kein günstiger. Nach dem ersten Acte, der am meisten gefiel,\nwurde der Tonsetzer zwar ein paar Mal, jedoch mit keiner Einhel-\nligkeit des Beifalls, gerufen, und nach dem zweiten Acte wurde\ndem von einem nur kleinen Theile des Publicums ausgegangenen\nVerlangen nach dem Wiedererscheinen desselben durch mehrfache\nZeichen des Missfallens entgegengetreten.\nDas erste .diesjährige philharmonische Goncert unter der Leitung\ndes Herrn Hof-Capellmeisters Karl Eckert fand am 10. Februar\num die Mittagsstunde im k. k. Grossen Redouiensaale vor einer\näusserst zahlreichen, glänzenden Versammlung Statt.\nFrau Clara Schumann hat hier fünf Concerte mit dem\ngrössten Beifalle, gegeben.\nMozart's ältester Sohn Karl lebt noch in Mailand; er ist\nnicht Musiker, sondern bei der k. k. Kanzlei angestellt Die Einla-\ndung eines Freundes, nach Frankfurt am Main zur Jubelfeier zu\nkommen, lehnte er wegen ünpässlichkeit ab. Der Jüngere (1792\ngeboren), ergriff den Tonkünstler-Beruf; er war ein ausgezeichneter\nGlavierspieler, machte auch eine Kunstreise durch Deutschland und\nItalien, sonst lebte er meistens in Lemberg in Galizien. Unter sei-\nnen Compositionen ist das Clavier-Concert in Es-clur (Op. 25) aus-\nzuzeichnen, welches neben HummeFs Concerten einen ehrenvollen\nPlatz verdient.\nDie erste Pamina, Fräul. Gottlieb, welche am 27. Januar\nnoch dem Mozartfeste beiwohnte, ist am 4. Februar im 86. Jahre\nan Altersschwäche gestorben.\n— /\nMailand. Ein im Teatro Re von-Antonio Bazzini gege-\nbenes Goncert hatte den glänzendsten Erfolg. Die Versammlung\nwar durch das wundervolle Spiel des in ganz Europa gefeierten\nViolin-Virtuosen in ein wahres Entzücken versetzt.\nVenedig1, Meyerbeer ist in Venedig und wird sich da-\nselbst vielleicht durch längere Zeit aufhalten. Er ist dieser Stadt\nmit jener Neigung zugethan, welche sie als diejenige verdient, wo\ner vor mehr als dreissig Jahren die ersten Lorbern in seinem Cro-\nciato in Egitto pflückte. Es geht das Gerücht, dass er von dem Ge-\ndanken nicht entfernt sei, eine Oper für unser grosses Theater zu\ncomponiren, und dass er sogar schon der Direction ein Versprechen\ngemacht haben solle. * (Gazetta di Milano.)\nTurin. Die „Sicilianische Vesper\" von Verdi ist unter dem\nTitel „Giovannci di Guzman\" auf der turiner Opernbühne aufgeführt\nworden. Die Gazetta Piemontese spricht sich über diese Verpflan-\nzung der Handlung von Sicilien nach Portugal und Verwandlung\ndes Johann v. Procida in Ribeiro Pinto sehr scharf aus. An der\nMusik lobt sie Studium der Harmonie, Klang, Fülle, Tüchtigkeit\nder Behandlung, geschickte Herbeiführung von Effecten und Anre-\ngungen ; allein sie hebt auch die Gesanges-Armuth und den Mangel\nan jener glücklichen Unmittelbarkeit und jener Frische der Bilder\nund Farben hervor, welche nach ihrer Meinung die italienische\nSchule auszeichnen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560223-01.1.8", "texte": "Von Petersburg ist uns das Programm der Mozartfeier\nzugegangen, welche die philharmonische Gesellschaft mit\nGenehmigung (avec la santiion) S. K. Majestät in der Salle' de I'As-\nsemblee de la Noblesse zum.Bestcn ihres Künstler-Witwen- und Wai-\nsen-Fonds veranstaltet hat, mit Unterstützung der Mitglieder der\nitaliänischen Oper (die Damen Lotti, Marray, Demeric-Lablache,\nBosio; die Herren Tamberlick, Calzolari, Lablache, Tagliafico) und\ndes Herrn A. v. Kontsky, Pianisten Sr. Majestät des Königs von\nPreussen. Das Charakteristische an diesem Programme ist, dass der\nerste Theil des Concertes aut eine würdige Weise durch eine\nschöne Auswahl Mozarfscher Compositionen dem Zwecke ent-\nspricht: 1) Sinfonie in C-dur (mit der Fuge); 2) Sextett aus Cosi\nfan tutte; 3) Tenor-Arie aus Don Juan; 4) Duett aus der Entfüh-\nrung (Calzolari und Lablache); 5) Arie aus Figaro; 6) Sextett aus\nDon Juan; 7) Arie aus Don Juan (Mad. Bosio Zerline); 8) Concert\nfür das Ciavier in C-dur (A. von Konlsky) der zweite Theil\nhingegen vier Nummern von Meyerbeer (Gesang aus Margarethe\nvon Anjou, Prophet, Nordstern und zum Schlüsse Ouvertüre de\nVEtoile du Nord avec la Musique militair e), das Damen-Ter-\nzett aus Cimarosa's Matrimonio segreto und das Finale des 11.\nActes des Trovatore von Verdi enthält. —■ Was wird der alte Uli-\nbitschef dazu sagen ? Indess, die Preise der numerirten Plätze wa-\nren auf 3 Silberrubel, die anderen im Saale und auf der Galerie\nauf 2 Silberrubel gesetzt, und so musste der sehr ehrenwerthe Vor-\nstand der philharmonischen Gesellschaft schon zum Besten der\nWitwen und WTaisen den Geschmack der hohen Aristokratie be-\nrücksichtigen. Es waren über 4000 Zuhörer da.\nStoppellese auf dem Felde musicalischer Schrift-\nstell er ei. 1) In einem schweizerischen Blatte heisst es in\ndem Berichte über das V. Abonnements-Concert in St. G. u. A.:\n„Der Geist der heiligen Musica hatte gegenwärtigen Concert-Aposlel\nsüssen Weines voll gemacht denn es wurde uns eine deli-\nciöse Weinkarte geboten. Zuerst kam gemüthlicher, echt deutscher\nRheinwein aus dem Freischütz-Weinberge des Herrn C. M. von\nWeber und zog in klingenden Wellen in unsere durstigen Seelen.\nHierauf kredenzte uns in zierlichem Poeale Fräul. v. Kn. edeln,\nfeurigen Lacrymae Christi mit der Etiquette Fidelio und durch-\nglühte mit Lavagluth unsere Herzen. Nach diesem schenkte Herr\nIL in der Spohr'schen Gesangscene seinen Cyperwein aus\nduftdurchhauchten Maitrank Mendelssohn'scher Lieder bot wie-\nderum Fräul. v. Kn. dann braus'te Richard Wagner's Rienzi-\nmarsch-Sauser heran dann holte uns Capellmeister Prome-\ntheus in seinem Tactrohr olympischen Nektar herab und liess\nuns aus dem C-moll-Beeher in vollen Zügen schlürfen —. In\nseligem Benebeltsein verliess die Versammlung den schönen Ton-\nWeinkeller.14 (!!)\n2) In einem wiener Berichte über Meyerbeer's Nord-\nstern heisst es, wie aus dem Zusammenhange hervorgeht, in vol-\nlem Ernste, nachdem gezeigt, dass Meyerbeer durch Robert, die\nHugenotten, den Propheten sich den bewegenden Ideen der Zeit\nstets angeschlossen, und seine Kunstwerke der umfassende Aus-\ndruck der Zeit seien, wörtlich, wie folgt:\n„Wie hätte Meyerbeer jetzt zurückbleiben können, wo die Welt-\nfrage in ein neues Stadium getreten? Der „„Nordstern\"\" ist der\nAusdruck des gegenwärtigsten Standes der Geschichte. Aber so\nwie Europa, wurde auch Meyerbeer von der Plötzlichkeit des Um-\nschwungs überrascht, und so wie die Welt, glaubt auch Meyerbeer\nnicht an die Dauer dieses Zustandes. Es war also keine Zeit zu\nverlieren, und so mag es denn gekommen sein, dass Meyerbeer be-\nreits fertiges Material benutzte, indem er demselben eine veränderte\nAnwendung gab. Weitere Analogieen, welche beweisen, wie sehr\nMeyerbeer es sich zur Aufgabe macht, mit seiner dramatischen\nMusik Weltgeschichte zu schreiben, wären unschwer selbst bis in\ndie Details darzuthun. Hier nur einige Züge. Russland vindicirt\ndiesem Invasionskriege den Charakter der Heiligkeit Meyerbeer\nerfand einen „ „heiligen Marsch\" \", der nur beklagen lässt, dass er\nbereits als Dessauer Marsch bekannt sei, dessen plötzlicheßussifi-\ncirung daher Manchen überraschen dürfte. Preussen, sagt man,\nsympathisire mit Russland; liegt nicht in der Uebertragung einer\npreussischen Glorifications-Musik, wie solche das „„Feldlager in\nSchlesien\"\" war, auf moskowitisches Terrain ein bezeichnender Act\nmusicalisch-politischer Logik? Es geht aus all diesem hervor,\ndass Meyerbeer der einzige Componist sei, der die Aufgabe, sich\nstets auf der Höhe der Gegenwart zu halten, am consequentesten\nverfolgt und festgehalten habe\" u. s. w."}]}