{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-03-15-01", "volume": "bmtnabi_1856-03-15_01", "ocr_sha256": "8f6439424693f1a00b4a41846c83c006d426e0f5cb0da908c3d83fbaae3b5bd8", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/03/15_01/bmtnabi_1856-03-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-03-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-03-15_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "81", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 458, "texte": "Inhalt.\n1. Der Musik-Verlag in Deutschland. 2. Sinfonie von E. Franck. 11. Von L. B. - Berliner Briefe (Oper Concerte\nnnd Kammermusik Joachim's Violin-Conccrt Neue Sinfonie von R. Wurst). Von G. E. Aus Wien (Der Goldschmied von U m\nvon Mosenthal und Marschner). Aus Karlsruhe (C'äcilicn-Verein). Tages - und Lnterhaltungsblatt (Köln, 111. Concert des\nMännergesang-Vereins, V. Soiree Magdeburg Mainz Wien Rossini's neueste Composition New-lork, Männergesang)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-03-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-03-15_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "83", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.2.2", "titre_corps": "1. Der Musik-Verlag in Deutschland. 2. Sinfonie von Ed. Franck.", "titre_sommaire": "1. Der Musik-Verlag in Deutschland. 2. Sinfonie von Ed. Franck.", "signature_source": "L. 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Dazu\nkommt, dass sowohl durch die Fortschritte in der Runst\nder Vervielfältigung des Geschriebenen durch jegliche Art\nvon Druck, als durch die Concurrenz die Preise der Her-\nstellung gegen früher bedeutend niedriger geworden sind.\nEine Verlags-Gesellschaft würde daher nur ein mässi-\nges Capital aufzubringen haben, wenn sie auf Actien ge-\ngründet würde. Noch leichter möchte sie vielleicht durch\nUnterzeichnung von jährlichen Beiträgen zu Stande kommen.\nMit einigen Tausend Thalern jährlich lässt sich im Musik-\nVerlage schon viel leisten. Will man ein selbstständiges Ge-\nschäft gründen, so muss natürlich ein Mann von Fach, ein\ntüchtiger Geschäftslührer angestellt werden. Zieht man aber\nvor, in engeren Schranken zu bleiben, so tritt man mit\neinem Musik-Verleger von gediegenem Rufe in Verbindung,\nder gegen gewisse Vortheile den Geschäftsbetrieb über-\nnimmt. Die Mitglieder der Gesellschaft müssten freilich von\ndem Gedanken belebt sein, dass ihre Beiträge zur Hebung\nder Tonkunst bestimmt sind, nicht zur Erzielung eines\nGewinnes; denn die Hauptsache ist ja eben, dass eine\nGesammtheit ein Risico übernimmt, vor welchem der Ein-\nzelne zurücktritt; dass aber bei einer sachverständigen\nund gewissenhaften Auswahl der zu veröffentlichenden\nWerke von einem Verluste nicht die Rede sein würde,\ndavon bin ich fest überzeugt. Die stets zunehmende Menge\nvon musicalischen Vereinen sowohl für Gesang- als Instru-\nmental-Musik, und die Concert-lnstitute in allen Städten\nDeutschlands bürgen für den Absatz von guten Oratorien,\nCantaten, Ouvertüren und Sinfonieen, d. h. für einen Ab-\nsatz, der die Rosten vollständig deckt. Die Verleger wissen\ndas auch recht gut; aber als Raufleuten kann man es ihnen\nnicht verdenken, wenn sie nichts unternehmen, was ihnen\nkeine sichere Aussicht auf Gewinn zu bieten scheint.\nUeber die Art der Tilgung der Actien oder Rückzah-\nlung der Beiträge, die im Grunde nur als Vorschüsse zu\nbetrachten, über die Verwendung des Gewinns, ob zu einer\nProcent-Dividende oder zur Vermehrung, beziehungsweise\nGründung eines Capital-Fonds, überhaupt über alles eigent-\nlich Raufmännische die geeigneten Vorschläge zu machen,\nmuss ich Männern, welche in der Handlungs-Wissenschaft\nund Handlungs-Praxis besser bewandert sind als ich, über-\nlassen. Oft aber bedarf es nur der Anregung eines Planes,\num die rechten Leute zur Verwirklichung desselben zu fin-\nden. Darauf stelle ich auch hier meine Hoffnung.\nWohl kenne ich die schwache Seite meines Vorschlags.\nSie liegt nicht in dem Zusammenbringen der nöthigen\nFonds, sondern in der Schwierigkeit der Gründung eines\nAreopags, der über den Ankauf und die Veröffentlichung\nder Manuscripte zu entscheiden habe. Es sollten sich indess\ndoch wohl Grundsätze aufstellen lassen, welche die Ge-\nschworenen bei der Urtheilsfindung und Werthbestimmung\nzu leiten hätten, wodurch in Verbindung mit der morali\"\nschen Bürgschaft der zu wählenden Richter dem Einflüsse\npersönlicher Rücksichten und des Coterieenwesens gesteuert\nwürde.\nEin solcher Verein dürfte gerade das wirksamste Mittel\ngegen die Coterieen und das musicalisch-kritische Bündler-\nwesen sein, welches heutzutage überhand genommen hat."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5127, "texte": "Dem Vorstände desselben würde in der That das Wort\ngeilen: „Der Tonkunst Würde ist in eure Hand gegeben\nbewahret sie!\"\nBis dahin, dass sich diese Wünsche verwirklichen, hal-\nlen wir es für Pflicht der Kritik, nicht bloss das Gedruckte\nzu berücksichtigen, sondern auch auf vorzügliche Werke,\ndie nur handschriftlich vorhanden sind, aufmerksam zu ma-\nchen. Wir haben diese Pflicht bei verschiedenen Compo-\nsitionen von F. Hiller, Franz Derckum, Rieh. Würst, Karl\nReinthaler, Ed. Franck u. s. w. bereits öfter erfüllt, und\nwenden uns jetzt zu der Sinfonie von Franck, welche in\neinem der letzten Concerte allgemeinen Beifall erlangt hat\nund im Manuscript uns vorliegt.\nBekanntlich hat die neue Inhaltslehre in der Insiru-\nmental-Musik Werke erzeugt, die mit den Ansprüchen auf-\ntreten, eine Revolution in der Sinfonie machen zu wollen.\nIhr Princip fällt in der Hauptsache mit dem Grundsatze der\nZukunfts-Musiker zusammen, dass die Musik an und für\nsich keinen Inhalt habe, sondern ihn von aussen, entweder\ndurch die Dichtkunst oder durch bestimmte Vorstellungen,\nerhalten müsse; dass sie nicht eine selbstständige Wirkung\nzum Zwecke habe, sondern nur Mittel des Ausdruckes sei.\nDaher denn die Programm-Musik, wie sie bei Berlioz und\nneuerlich in den symphonischen Dichtungen von Liszt her-\nvortritt. Diese Schule sucht die Grundlagen des musicali-\nschen Ausdruckes nicht in dem Wesen der Töne, in ihrer\nBewegung und Verknüpfung, sondern in äusseren, nicht\nmusicalischen Dingen, in Vorstellungen, Anschauungen, Ge-\ngenständen, Ereignissen. Sie gibt damit die Begeisterung\ndes musicalischen Genius durch rein musicalische Ideen, eben\nso wie die Ausführung dieser Ideen durch rein musicalisches\nWissen und Können auf wonach denn z. B. sämmtliche\nQuartette von Haydn, Mozart, Beethoven, Spohr u. s. w.\ninhaltslose Musik sind.\nEine andere, ihnen verwandte Gattung von Compo-\nnisten, eigentlich ihre Vorläufer, nahmen nicht den Genius\nBeethoven's, so wie er sich in seinem canzen Schaffen von\nAnfang bis Ende offenbart, zum Vorbilde, sondern nur des-\nsen letzte Sprühungen, weniger zum Muster als zur Ent-\nschuldigung für die Arbeiten einer künstlerischen Rellexion,\nwelche immer mehr und mehr aus aller Form und Gestalt\nhinaus in eine raffinirte Künstlichkeit drängte und bald da-\nhin lührte, dass die Kunst die Einsicht in ihr wahres We-\nsen verlor, ihre Natur verläugnete und nur nach Tenden-\nzen fragte. Robert Schümann'« grosses Talent verlor sich\nin diese, wir möchten sagen: musicalisch-mystische Rich-\ntung, deren Anhänger es lür verdienstlich halten, Empfin-\ndung, Melodie, Rhythmus und die ganze Architektur des\nMusikstückes zu verstecken und zu verhüllen und die Ueber-\nsetzung des Wortes Harmonie in , wohllautende Ueber-\neinstimmung\" durch klaffende Dissonanzen Lügen zu\nstrafen.\nWenn wir nun ganz einfach sagen, dass Ed. Franck\nin seinen Compositionen und in besonderer Beziehung in\nder G-moll-Smhme, von der wir reden, weder der einen,\nnoch der anderen von den so eben bezeichneten Richtun-\ngen verfällt, und dass dies gleich bei dem ersten Anhören\nnicht nur dem Musiker, sondern dem ganzen Publicum klar\nwird, so erkennen wir damit schon ein sehr grosses Ver-\ndienst und eine sehr lobenswerthe Charakterstärke bei ei-\nnem Componisten unserer Zeit an, weil sich nicht läugnen\nlässt, dass selbst reich begabte Künstler der Gegenwart,\nverführt durch das Geschrei einer Clique und den Wieder-\nhall, den es bei der unreifen Jugend und in vornehmen\nKreisen des blasirten, überreizten Alters findet, sich her-\nbei lassen, dem Zeitgeiste Zugeständnisse zu gewähren und\nihre Gerichte durch Gewürz aus der neu entdeckten Mu-\nsikweit schmackhaft zu machen. Fügen wir nun aber hin-\nzu, dass Franck durch dieses Orchesterwerk den Beweis\ngeliefert hat, dass das unmittelbare und naive Schaffen, das\nErzeugen aus Instinct, dem Treibhausproduciren der Re-\nflexion gegenüber, auch jetzt noch wie in der classischen\nPeriode möglich und von unbestreitbarer Wirkung ist, so\nsprechen wir nur ein Urtheil aus, in welchem Kenner und\nLaien nach Anhören des Werkes übereinstimmten. Natür-\nlich ist hier das Wort „naiv\" im ästhetischen Sinne zu neh-\nmen: es ist nicht von derNaivetät des Kindes, sondern des\nGenius die Rede, welche darin besteht, dass er, vom inne-\nren Triebe gedrängt, nur das gibt, was in ihm ist, nicht\netwas, das reflectirende Berechnung von draussen holt.\nDie Sinfonie besteht aus vier Sätzen, von denen wir\nkaum einem den Vorzug vor dem anderen geben möch-\nten, nur dass, wie natürlich, der erste Satz, als den Haupt-\nCharakter des Ganzen darstellend und reichere Gelegen-\nheit zur Entfaltung und Durchführung grösserer musica-\nlischer Gedanken bietend, vorzugsweise in Anspruch nimmt.\nDie Haupt-Tonart desselben ist nach einem ein-\nleitenden Adagio von dreissig Tacten, welches sehr melo-\ndiös ist (nicht ohne einen kleinen Anklang an den An-\nfang des Adagio's im jF-dur-Quartett Op. 18 von Beet-\nhoven), tritt ein Allegro agitato in 4A Tact ein, welches\nfrisch und lebendig in Einem Gusse dahin strömt, nirgends\nhockt und stockt, nirgends den ebenmässigen Gliederbau\nweder versteckt noch verunstaltet, sondern durch klare"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1871, "texte": "thematische Arbeit und reinen harmonischen Fluss von An-\nfang bis zu Ende spannt und trotz leidenschaftlicher Bewe-\ngung nicht wehe, sondern wohl thut.\nDas Andante, 6/s in Es-dur, ist ein wunderlieblicher\nSatz, der den Eindruck macht, als träte man in einer feier-\nlichen Stimmung ins Freie zu einem Dankfeste. Nicht das\nRingen einer zerknirschten, nach Entsündigung lechzenden\nSeele spricht sich hier aus, sondern die Gefühle der freu-\ndigen Rührung guter Menschen, die von verschiedenen Sei-\nten unter sanften, heiteren, aber doch feierlichen Klängen\nheranziehen, um unter Gottes freiem Himmel dem zu dan-\nken, „der sie schuf, die schöne Welt\". Der ganze, nicht\neben kurze Satz (etwa 130 Tacte) ist aut zwei sehr ein-\nfache Motive gebaut:\nDie Instrumentirung ist vortrefflich; das ganze Or-\nchester ist betheiligt, sogar vier Hörner, Pauken und Trom-\npeten und drei Posaunen; allein das Blechcorps ist bis auf\nzwei Stellen gegen den Schluss hin stets nur\nverwandt, so dass sich einmal sogar die Solo-Violine etwa\nzehn Tacte lang in sanften Schwingungen darüber wiegen\nkann.\nDas Menuetto wirft uns mit und einem schrof-\nfen Rhythmus, der aber keineswegs sich überstürzt oder\nübersynkopirt, wieder in das bewegtere Leben zurück. Das\nTrio in G-durist ein kleiner Edelstein vom reinsten Was-\nser und mit grosser Kunstgeschicklichkeit zierlich geschlif-\nfen; denn es ist durchweg als Canon in der Octave gear-\nbeitet und doch nichts weniger als steif, sondern stets me-\nlodiös und fliessend:\nDas letzte Allegro, G-dur,2/4-Tact, lällt durchaus\nnicht gegen die früheren ab; es bildet einen lebhaften, heite-\nren Schluss, der den Charakter der drei ersten Sätze nicht nur\nnicht verletzt, sondern im Gegentheil ihm, namentlich auch\ndurch den einfachen pastoralen Mittelsatz, völlig angemes-\nsen ist und das Ganze zu einem einheitlichen und stylvollen\nKunstwerke abrundet.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-03-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-03-15_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "83", "page_fin": "85", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.2.3", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. 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Micha!, die in Ham-\nburg mit Beifall aufgetreten sein soll und sich auch hier\neinem kleinen, aber ausgewählten Publicum in einer Privat-\nMatinee (beim Hof-Musikhändler Bock, der überhaupt durch-\nreisende Künstler in die hiesige musicalische Welt einzu-\nführen pflegt) als eine coloraturfertige Sängerin empfahl,\nderen Stimme aber hinsichtlich der Fülle und des Wohl-\nklangs nicht zu den hervorragenden gehört, wollte bei der\nköniglichen Oper gastiren, gab es inzwischen, nachdem\nschon die Vorstellung angekündigt und die Billets verkauft\nwaren, wieder auf. Für die nächste Zeit haben wir ein\nGastspiel von Frau Bürde-Ney zu erwarten. Ausserdem\nstehen Aufführungen der neu einstudirten Zauberflöte und\ndes Carlo Broschi von Auber bevor. Dorn's neue komi-\nsche Oper ist auf den nächsten Winter verschoben worden,\nMantius bleibt vorläufig noch als thätiges Mitglied an un-\nserer Bühne; er wäre in diesem Augenblicke nicht zu er-\nsetzen. Berlin bedarf dringend eines Tenors, der in classi-\nscher Richtung gebildet ist. Sterben solche Tenöre denn\nganz aus? Ist die Sucht nach forcirten Brust- und weibi-\nschen Falset-Tönen schon so allgemein geworden, dass es\nkeine gesunden und natürlichen Tenorstimmen mehr gibt?\nAuch unsere Concert-Cyklen gehen allmählich zu Ende.\nDie Quartett-Soireen der Herren Zimmermann, Ron-\nneburger, Richter und Espenhahn, die durch die\nSolidität der Ausführung es verdienen, zu unseren würdig-\nsten Concerten gezählt zu werden, obschon den Werken,\nderen Vertretung sie übernomtr.en haben, mitunter ein hö-\nheres Maass von Phantasie nicht schaden würde, haben mit\neinem Quintett-Abende geschlossen, der in jeder Beziehung\neine echt künstlerische Erhebung gewährte. Die Herren\nRad ecke und Grünwald, die ebenfalls ein nicht gerin-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5242, "texte": "ges Verdienst um unser Kunstleben haben, indem sie theils\nältere classische Werke der Kammermusik, theils Neueres\nin meistens gediegener, oft vorzüglicher Ausführung dem\nPublicum vorführen, haben ebenfalls im Laufe der letzten\ndrei Wochen den Schluss mit ihrem Cyklus gemacht. Er-\nwähnungswerth sind aus dem Programme der beiden letz-\nten von ihnen veranstalteten Concerte eine sehr einfache,\naber liebliche Sonate lür Piano und Violine von Haydn\n(G-dur), die jüngst von Clara Schumann und Joachim in\nLeipzig gespielt wurde sie ist ursprünglich lür Piano,\nVioline und Cello, ferner ein Trio von Brahms, das von\neinem sehr ernsten, aber fast zu grübelnden Streben zeugt;\nendlich Schubert's poesiereiche e für Ciavier.\nHerr Radecke gefällt uns als Ciavierspieler vorzugsweise\nwegen der musicalischen Tüchtigkeit, die in seinem Spiel\nhervortritt. Herr Grünwald leistet als Violinspieler oft\nBedeutendes, namentlich da, wo es gilt, zarte, innige Em-\npfindung auszudrücken. Sein Ton ist ungemein weich, und\nder gebundene Vortrag der Cantilene gelingt ihm meister-\nhaft. Die Liebig'sehen Sinfonie-Soireen beschränkten\nsich auf die bekannten und geläufigen Sinfonieen und Ouver-\ntüren, mit Ausnahme einer Fesca'schen Ouvertüre und einer\nRomberg'schen Sinfonie, welche letztere wir selbst waren\nverhindert, sie zu hören durch die naive Treuherzigkeit\nihres Tones nicht ohne Beifall vorüberging. Die Sin g-\nAkademie hat ihre Abonnements-Concerte mit einer vor-\ntrefflichen Aufführung des Paulus beschlossen. Die Chöre\nklangen so frisch und feurig, wie seit langer Zeit nicht; der\nKlang der Stimmen war dabei durchweg edel und wohl-\nthuend, namentlich zeichnete sich der Sopran durch den\nweichen Einsatz der Höhe aus. Unter denSoli's ragten na-\nmentlich die Herren Krause und Mantius hervor.— Ein\nClavierspieler Rie gab eine Matinee. Er besitzt eine treff-\nliche Technik und eine ruhige, maassvolle Art des Spiels,\ndie zwar ebenfalls ihre Vorzüge hat, aber noch nicht dem\nhöchsten Kunst-Ideal entspricht. Einen sehr bedeutenden\nVirtuosen lernten wir in Herrn Dr. Damrosch kennen\nDie immer mehr zunehmende Theilnahmlosigkeit des Publi-\ncums gegen Virtuosen zwang ihn, was wir nicht ganz billi-\ngen— denn sein Talent und sein Fleiss sind Höheres werth\n—, für einen ungewöhnlich geringen Eintrittspreis Concerte\nim Gesellschaftshause zu veranstalten; doch hat er sich da-\ndurch wenigstens bekannt gemacht. Wir würden ihn den\nersten lebenden Violinisten gleichstellen können, wenn er\nmehr Fülle des Tones, mehr Ernst und Tiefe der Empfin-\ndung und eine noch grössere Sicherheit der Technik hätte.\nDoch sieht er jedenfalls den ersten Künstlern seines Faches\nsehr nahe. Er besitzt, wie uns scheint, eine äusserst erreg-\nbare Phantasie, die unermüdlich geschäftig ist, kleine Poin-\nten und Feinheiten des Ausdrucks zu finden, es in der Be-\nhandlung des Tones zu eindringlicher, wenngleich etwas\nstechender, Schärfe bringt und in dem Vortrage zusammen-\nhangender Melodieen den Sinn für innige und warme Ac-\ncentuirung nirgends vermissen lässt. Aber es fehlt noch\netwas zu vollendeter Grösse. Er müsste sich mit seiner\nEmpfindung noch mehr in die Tiefe versenken und von in-\nnen heraus gestalten. Um ein Bild zu gebrauchen: er er»\nscheint uns wie ein Sänger, der nicht mit der ganzen, vol-\nlen Bruststimme zu singen versteht. Dies scheint zunächst\nein rein materieller Mangel. Aber es ist mehr; denn die\nganze und volle Empfindung bedarf auch der ganzen und\nvollen Körperlichkeit. Joachim ist der sprechende Beweis\ndalür. Die Gesanglehrerin Frau Zimmermann veran-\nstaltete mit ihren Schülerinnen eine Gedächtnissfeier für den\nin Rom kürzlich gestorbenen Componisten de Witt, an\ndem die musicalische Welt ein viel versprechendes und sehr\nedel gebildetes Talent verloren hat. Er ist aus der Schule\nDehn's hervorgegangen. Seine Compositionen haben die\nKlarheit und formelle Gewandtheit, die wir bis jetzt bei\nallen uns bekannten Schülern Dehn's gefunden haben. Lei-\nder kam das beste Werk von de Witt, ein\nnicht zur Aufführung. Unter den jungen Damen, die bei\nder Feier thätig waren, trat manche ansprechende und\nnicht ohne Geschmack gebildete Stimme hervor. Auch\nzwei Schülerinnen des Herrn Rellstab, die jungen Damen\nW rch 1 a ws ki und Hagemann, legten Proben eines in\nmanchen Beziehungen recht gut gebildeten Talentes ab;\nwenn uns an der ersteren namentlich der volle, sympa-\nthische Klang der Stimme erfreut, so weiss die letztere ihre\nKunstfertigkeit zur Geltung zu bringen.\nDas vorletzte Concert des Stern'sehen Orchester-\nVereins begann mit Schumann's Ouvertüre zu Manfred, die\nuns als ein sehr edles, wenngleich nicht zur vollen Reife\ngelangtes, Werk erscheint. Ein Theil des Stern'schen Ge-\nsang-Vereins sang mit sehr lebendiger, fast zu absichtlicher\nNuancirung den reizenden Chor der Wache aus den beiden\nGeizigen von Gretry. Herr Laub spielte das Violin-Concert\nvon Joachim— und damit standen wir wieder auf dem\nBoden der Zukunfts-Musik. Doch wäre es freilich gänzlich\nfalsch, alle diese Bestrebungen unterschiedslos zusammen\nzu werfen. Das Violin-Concert von Joachim ist sowohl in\nseinen Grundlagen namentlich hinsichtlich des ersten Mo-\ntivs— als in der weiteren Entwicklung keineswegs so ein-\nfach, kernig und gesund, wie jedes wahre Kunstwerk sein"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1379, "texte": "Muss; es ist eben ein Werk, das keinen rechten Kern hat,\nsondern ganz und gar den Geist der auflösenden, zersetzen-\nden Romantik in sich trägt; aber innerhalb dieser Richtung\nspricht sich eine sehr reiche Phantasie und ein ideales Stre-\nben darin aus. Nachdem wir dieses Werk von Joachim\nkennen gelernt haben, mögen wir nicht die Hoffnung auf-\ngeben, dass er zu wahren, objectiven Kunstwerken, die\nmehr Natur und weniger Caprice, mehr objectiven Kunst-\ngehalt und weniger subjective Kunstfertigkeit in sich ent-\nhalten, durchdringen werde. Dass Joachim das Objective\nerstrebt, beweis't die streng thematische Behandlung des\nConcertes. Aber damit ist es nicht abgethan. Denn nicht\njeder musicalische Gedanke ist ein Kerngedanke, der sich\ndazu eignet, einer breiten Ausführung zu Grunde zu liegen.\n—Den Schluss des Concertes machte eine neue Sinfonie\n(.D-moll) von Richard Würst, die, ohne gerade durch\neine entschieden abweichende Persönlichkeit hervorzuragen,\ndurch die Glätte und Rundung der Form, durch geschickte\nWahl der Themen und melodische Schönheit, durch eine\näusserst wohlklingende Instrumentation einen sehr ange-\nnehmen Eindruck machte und vom Publicum wohl aufge-\nnommen wurde. So viel wir aus der Erinnerung urtheilen\nkönnen, glauben wir, dass diese Sinfonie vor der in Köln\nvor mehreren Jahren mit dem Preise gekrönten noch den\nVorzug grösserer Frische hat.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-03-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-03-15_01#c006", "volume": "bmtnabi_1856-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "86", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.2.4", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.5", "debut_caractere": 1381, "fin_caractere_exclue": 4956, "texte": "Aus Wien.\n[Der Goldschmied von Ulm von Mosenthal und\nMar sehn er.]\nAm 1. März wurde in dem Theater an der Wien\n,Der Goldschmied von Ulm\", romantisches Zaubermärchen\nin drei Aufzügen von S. H. Mosenthal, Musik von H.\nMarschner, zum ersten Male gegeben. Leider war die\nAufführung entsetzlich mangelhalt, was dem Erfolge be-\ndeutend schaden musste, der indess trotzdem doch ein\nhöchst ehrenvoller war. Freilich fühlten sich durch die\nDichtung diejenigen getäuscht, welche von Mosenthal die\nWiederbelebung der ehemaligen wiener Zauber Oper, je-\nnes echt nationalen deutschen Productes, erwartet hatten.\nDem ist nicht so; das Stück hat als Gattung einen\nzwitterartigen Charakter, es ist weder eine Oper noch ein\nDrama, und eine solche Unbestimmtheit der Form macht\neigentlich ein wirkliches Kunstwerk schon unmöglich. Für\nein Opern-Gerüst ist der Bau des Textes zu sehr ausge-\nführt, der Musik also zu wenig Spielraum gelassen; lür ein\nDrama wird hingegen der Musik zu viel Boden gegeben,\nund es fehlt dann besonders auch an lebendig fortschrei-\ntender Handlung und bei allen vorhandenen Vorzügen\neiner edeln und dichterischen Sprache —an jenem phanta-\nsiereichen Schaffen märchenhafter Gebilde in greilbaren Ge-\nstalten, und an jenem Schwünge der naiven Poesie, die\nwir in den Raimund'schen Stücken finden.\nDer Componist hatte mithin eine schwierige Aufgabe;\nseiner Kunst war hier nicht verstattet, das Ganze zu durch-\ndringen und zu gestalten, der Magerkeit der Handlung und\nden Schwächen der Charakteristik durch musicalische Schö-\npfung aufzuhelfen, ja, sie vergessen zu machen und z. B.\ndurch grosse Finale's und deren geniale Bearbeitung hinzu-\nreissen. Nein, er musste sich in vorgeschriebenen Gränzen\nbewegen, er durfte nichts umschaffen, sondern nur das Ge-\ngebene an denjenigen Stellen, wo der Dichter es eben\nwollte, musicalisch coloriren; ja, nach dem Verhältnisse\nund dem Maasse des Ganzen sieht dieser Wille des Dich-\nters sogar häufig bloss wie ein Zugeständniss, wie eine\nErlaubniss für den Musiker aus. Bei so bewandten Um-\nständen ist die Musik nicht im Stande, durch sich allein ein\nsolches Bühnenwerk zu halten; das Drama ist die Haupt-\nsache, der poetische Werth des Stückes an und für sich\nmuss den Erfolg erzeugen; die Musik kann ihn nur erhö-\nhen. Ob nun der Gehalt der Dichtung im Stande sein wird,\ndas Stück zu halten, das muss die Zeit lehren. Da es jeden-\nfalls das lebhafte Interesse der deutschen Bühnenwelt an\nund für sich und durch die Musik eines so gefeierten Ton-\nsetzers wie Marschner in Anspruch nimmt, so ist es keine\nFrage, dass es überall zur Aufführung kommen wird, wo\ndie Intendanzen und Directionen noch Sinn für deutsche\nKunst-Erzeugnisse haben. Alsdann wird es sich zeigen, ob\nes sich auf dem Repertoire behauptet. Dieses von hier aus,\nnach einer in jeder, namentlich aber in musicalischer Hin-\nsicht erbärmlichen Aufführung, läugnen zu wollen, wäre\nmehr als Anmaassung, abgesehen davon, dass es den Wie-\nnern öfter schon passirt ist, an Sachen keinen Geschmack\nzu finden, die anderwärts die Leute in Enthusiasmus ver-\nsetzt haben.\nDer Stoff und die Handlung gehören in die Kategorie\ndes Teufelsspuks und des Seelenverkaufs, deren Farben\nfreilich heutzutage schon etwas verblasst sind. Indess der\nDeutsche liebt es, bei dem sittlichen Ernste, der doch, Gott\nsei Dank! noch immer im Volke vorwaltet, den Kampf zwi-\nschen dem Bösen und dem Guten und den Sieg des letzte-\nren im romantischen Gewände und in sinnlicher Anschau-\nlichkeit dargestellt zu sehen, und da es auch diesem Mär-\nchen von dem Galgenmännlein, von dem Ruprecht mit dem"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3337, "texte": "Stelzfuss und seinem Talisman nicht an sittlichem Kern\nfehlt, so wird ihm auch die Theilnahme nicht entgehen.\nEinem jungen Goldschmieds-Gesellen wird des reichen Mei-\nsters Töchterlein Katharina, die ihm natürlich innigliche\nGegenliebe spendet, versagt und einem Anderen verlobt.\nDer Hochzeits-Zug nahet schon, da kauft er einem verteu-\nfelten Kerl lür seinen letzten Heller einen Talisman ab, der\nihm nun zwar Freuden und Reichthum die Fülle schafft,\naber nur bei Tage bis Mitternacht; nach zwölf Uhr Nachts\nverfällt der Besitzer—- wahrscheinlich bis Sonnenaufgang\nn o\nschrecklicher Höllenpein. Er lässt nun Paläste im Nu ent-\nstehen, gibt ein Prachtlest in Ulm, ist im Begriffe, die Ge-\nliebte zu umschlingen da schlägt's Mitternacht, eine\nGlocke, die bekanntlich in der dämonischen Welt eine\ngrosse Rolle spielt, und er stürzt sich verzweifelt in die\nDonau. Da er aber den Talisman bei sich hat, so genirt\nihn das nicht, und er muss n wieder ans Ufer.\nDenn der Haupltrumpf liegt darin, dass er diesen Talisman\nweder wegwerfen noch verschenken, sondern nur um die\nHälfte des Einkaufspreises wieder losschlagen darf, voraus-\ngesetzt, dass er einen Käufer findet. Der schlaue Ruprecht\nhat aber nur einen Heller dalür genommen, und da der\nHeller die kleinste, nicht weiter theilbare Münze ist, so be-\nfindet sich der Goldschmieds-Geselle, der des Talismans\nherzlich überdrüssig ist, in einer fatalen Lage. Auch ver-\nfehlt er nicht, halb wahnsinnig auf der Scene zu erscheinen.\nDas gute Princip aber, dargestellt in der Person des from-\nmen Lehrjungen Walter, heilt ihn und führt ihn wieder\ngen Ulm. Der Kaiser Maximilian stürmt die Stadt, Heinrich\nrettet ihm durch den Talisman das Leben. Aus Dank-\nbarkeit halbirt Max vermöge des Münz-Regals von nun an\nden Werth des Hellers; Katharina kauft nun lür einen hal-\nben Heller dem Geliebten den Talisman ab, vernichtet durch\nihr inbrünstiges Gebet dessen teuflische Wirkung, und wir\nsind am glücklichen Ende.\nDie Partitur mag wohl 15 l6 Nummern enthalten.\nDie Ouvertüre ist nicht in dem Styl der bisherigen Marsch-\nner'sehen Opern-Ouverturen geschrieben, d. h. sie hat nicht\ndie bestimmt ausgesprochene Einheit des Charakters, welche\njene auszeichnen. Während jene uns nur in die Stimmung\nversetzen, welche geeignet ist, die folgende Handlung in\nuns aufzunehmen, scheint die Ouvertüre des Goldschmiedes\nmehr ein Gemälde des Inhalts vom Drama geben zu wol-\nlen. Dabei müssen Sie mich nicht missverstehen, als könnte\nich voraussetzen, dass Marschner jemals zu den plastischen\nObjectivitäts-Musikern hinabsteigen wollte; dalür ist er\nwahrhaftig zu reich an Musik. Diese, die Musik, bleibt denn\nauch in der Ouvertüre, von der ich spreche, oben auf und\nbildet ein durch Phantasie und harmonische Klarheit an-\nsprechendes Ganzes. Dagegen erschien die Introduclion zum\nzweiten Acte, wiewohl recht melodiös, doch zu wenig ori-\nginel. Die Marktscene und die Musik zu der Arbeit der\nKobolde, welche dem Heinrich den Palast und das Fest\nbereiten, ist vortrefflich und sehr charakteristisch. Auch der\nMarsch beim Einzüge ist von imposanter Wirkung. Das\nVorzuglichste jedoch hat derComponist in den Liedern und\nChören geleistet: sie sind alle schön; am meisten regt aber\nder Marschner'sche Genius die Schwingen in dem Leier-\nmanns-Liede des Ruprecht und in den Chören und Lager-\nliedern des dritten Actes."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-03-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-03-15_01#c007", "volume": "bmtnabi_1856-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "86", "page_fin": "87", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.2.5", "titre_corps": "Aus Karlsruhe.", "titre_sommaire": "Aus Karlsruhe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.6", "debut_caractere": 3339, "fin_caractere_exclue": 5005, "texte": "Aus Karlsruhe.\nUnser Musikleben, in so fern es nicht die Oper im\nHoftheater in sich begreift, wird vorzüglich durch den hie-\nsigen Cäcilien-Verein genährt. In welcher Weise, da-\nvon werden Ihnen die Programme der Concerte desselben\nin dieser Saison eine Vorstellung geben, welche genügend\ndarthun dürfte, dass der Versuch, durch das grosse Mu-\nsikfest den Geschmack zu reformiren (?), gänzlich miss-\nglückt ist und dass die Propaganda für die Zukunfts-Musik\nhier nichts weniger als tiefe Wurzeln geschlagen hat. Diese\nConcerte bringen hauptsächlich Vocal-Musik, sowohl für\nChor als für Einzelgesang, zu Gehör, daneben aber auch\nvon Instrumental-Musik Ouvertüren, Quartett-Musik und\nSolovorträge. Von grösseren Chor- und Orchester-Wer-\nken sind in diesem Winter aufgeführt worden: „Bitten\",\ngeistliches Lied von K. Ph. Eman. Bach, Ave Maria\nfür Tenor und achtstimmigen Chor von F. Mendels-\nsohn - B a r t h.o 1 d y, der 100. Psalm, für Soli, Chor und\nOrchester von Händel, der 42. Psalm von Mendels-\nsohn - B a r t h o 1 '1 v, Chor aus Iphigenie in Aulis von\nGluck, Chöre und Soli (Nr. 2, 3, 4) aus Mendels-\nsohn's Musik zu Racine's Athalia. Von Mozart:\nverum corpus und das Requiem.Die Soli in diesen Wer-\nken, so wie auch einzelne Gesangstücke, wurden zum\ngrössten S he'le von Mitgliedern des Vereins vorgetragen;\nausserdem wirkten Herr und Frau Haus er, Frau Kam-\nmersängerin Howitz, Fräulein Antonie Rochlitz und\nHerr Kammersänger Oberhofer mit.\nIn dem Concerte zum ehrenden Gedächtniss des hun-\ndertsten Geburtstages von W. A. Mozart, welches erst\nam 16. Febr. Statt finden konnte, weil an dem Tage selbst\ndas Hoftheater eine Feier veranstaltete, hatte Herr Kam-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1852, "texte": "mersänger Hai tzin ger aus Pietät für den Namen Mozart\ndie Tenorpartie im Requiem übernommen und bewährte\ndarin immer noch den alten Ruf, der ihn in die Reihe der\nersten Tenorsänger Deutschlands stellt. Die Aufführung\ndieses erhabenen Schwanengesangs des unsterblichen Mei-\nsters erwarb sich die vollste Anerkennung; die schwierigen\nChöre wurden mit seltener Präcision und Sicherheit ausge-\nführt und mit denjenigen Schattirungen, welche der Vor-\ntrag einer solchen Composition erheischt. Der Cäcilien-\nVerein hat bewiesen, dass er manches, was sich ihm im\nAnfange des Winters entgegen stellte, überwunden hat,\nund hat zugleich einen hohen Begriff von seiner Tüchtig-\nkeit und der trefflichen Benutzung seiner Kräfte gegeben.\nDie hohe Gegenwart Sr. Königlichen Hoheit des Regen-\nten und der Prinzessin Marie verherrlichten das Fest,\nwelches durch einen sinnigen Prolog, verfasst von Herrn\nMünzrath Kachel, eingeleitet wurde. Ausser den genann-\nten Werken brachte das Programm noch zwei Lieder\n(„Das Veilchen\" und „Vergissmeinnicht\"), das Quintett\nund Finale aus dem ersten Acte von Titus, die Ouvertüre\nzur Zauberflöte und das Clavier-Concert Nr. 7 in C-moll,\nvon einer auswärtigen Dilettantin vortrefflich vorgetragen.\nUnter den Einzelgesängen verdienten einige von B eet-\nil oven's „schottischen Liederna mit Ciavier-, Violin-und\nVioloncell-Begleitung bemerkt zu werden, welche Frau\nIlauser vortrug.\nVon Orchester-Werken hörten wir Beethoven's\nOuvertüre (Nr. 3, C-dur) zu Leonore und Niels W.\nGade's Ouvertüre „Im HochlandEine eigentümliche\nErscheinung in diesen Concerten bildet der Vortrag von\nStreich-Quartetten durch die Herren Pechatscheck,\nBlumenstengel, Spiess und Segis te r. Wir hörten\nvon ihnen im I. Concert das Quartett Nr. 10 D-dur von\nMozart, im 111. das Quartett Nr. 5 A-dur von Beetho-\nven, dv ren Ausführung einen hohen Genuss darbot"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-03-15-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-03-15_01#c008", "volume": "bmtnabi_1856-03-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "88", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.7", "debut_caractere": 1854, "fin_caractere_exclue": 5869, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nJULöin« Sonntag den 9. März fand das 111. Abonnements-\nConcert des Männerg esang-Vereins Statt. Unter den\nNeuigkeiten, welche es zu Gehör brachte, gebührt der „Frühlings-\nzeit44, Gedicht von Müller von der Werra, Musik vom k. Musik-\nDirector Franz Weber hierselbst, der Preis. Nächstdem ist das\n„Abendständchen44 von Eichendorf und Niels W. Gade zu nen-\nnen; jedoch sind drei Strophen etwas viel auf die hübsche, aber\nsehr gezogene Melodie; dann das Silcher'sche Volkslied „Maidle,\nlass dir was verzähle4', und Marschners „Wach auf!\" Weniger\nsprachen an Gade's „Studenten44, Marschner's „0 schöner Früh-\nling44, Schärtlich's „Heimath\" und Silcher's Volkslied „Die Marien-\nJbiume\", Von den älteren Liedern hatten C. Kreutzens „Märznacht4*,\n„Wasserfahrt44 und „Türkisches Schenkliedu den ge-\nwohnten Erfolg. Die Instrumental-Vorträge hatte Herr Concertmei-\nster P i xis übernommen; er trug eine Phantasie von seiner Com-\nposition mit bekannter Virtuosität vor und erregte stürmischen Ap-\nplaus durch Vieuxtemps' Variationen über ein nordamericanisches\nVolkslied (Yanhee dooclle?), was uns für Vieuxtemps und Pixis und\ndas Publicum sehr leid that; denn Ersterer sollte solches Zeug\nnicht schreiben, Letzterer es nicht spielen und das Publicum es\nnicht beklatschen.\nIn der V. Soiree für Kammermusik erfreute uns der vor-\ntreffliche Vortrag des lieblichen uartetts von J. Havdn\nund des /)-?rao//-Quartetts von Mozart durch die Herren Pixis,\nDerckum, Peters und B. Breuer. Auch die Sonate in C-moll von\nBeethoven für Pianoforte und Violine wurde von den Herren\nllreunung und Pixis meisterhaft ausgeführt.\nMagdeburg wird nach langer Pause diesen Sommer, wie wir\nhören, wieder einmal ein grosses Mu s ikf e s t haben und da-\ndurch die Erinnerungen an die früheren Feste an der Elbe unter\nSchneider und Spohr wieder auffrischen. Zur Aufführung sind\nHaydn's Schöpfung und Beethoven's neunte Sinfonie bestimmt.\nIn Mainz ist am 3. d. M. Mendelssohn's Elias durch die\nvereinten Kräfte der „Liedertafel\" und des „Damengesang-Vereins\"\nunter der Leitung des interimistischen Dirigenten beider Vereine,\nHerrn Capellmeisters Reiss, aufgeführt worden.\nWie». Se. Majestät der Kaiser ist der Gesellschaft der\nMusikfreunde als Mitglied beigetreten und hat als solches einen\njährlichen Beitrag von 1000 Gulden auf Höchstdero Privat-Schatulle\nangewiesen. Die genannte Gesellschaft kündigt noch zwei ausser-\nordentliche Concerts spiriinels an, in deren einem JBeethoven's\nneunte Sinfonie aufgeführt werden soll.\nIn der k. k. Hofcapelle wrurde am 2. d. Mts. unter der Leitung\ndes Hof-Capellmeisters Assmayr die F-e/wr-Messe von Lotti mit\nEinlagen von Orlando Lasso aufgeführt in Wien als ein\nEreigniss im Reiche der Kirchenmusik zu betrachten! An demsel-\nben Tage gab Clara Schumann ihr Abschieds-Concert.\nMan sagt, Joachim werde sich mit der Tochter der Frau\nBettina von Arnim vermählen.\nRossini hat für Madame de Luigi, seine Schülerin, eine\nneue Melodie dramatique: „La Separationgeschrieben, die in die-\nsen Tagen in Paris bei Leon Escudier mit einem Portrait Rossini'*\nnach einer Photographie von Hadar erscheinen wird.\nAm 21. Februar ist Theodor Döhler in Florenz gestor-\nben. Sein Leichenbegängniss war sehr feierlich. Seine Witwe wird\nihm auf der Beerdigungsstätte ein Denkmal setzen lassen.\nAugust Dupont, der belgische Pianist, macht in Holland\nFurore. Der holländische Pianist Ernst Lübeck ist wieder in\nParis, wo schon im vorigen Winter sein Spiel Aufsehen machte.\nEine der Berühmtheiten der guten alten komischen Oper in\nParis, Mademoiselle Desbrosses, ist vor wenigen Tagen im\nAlter von 92 Jahren gestorben. Ihr erstes Auftreten fällt noch in\ndie Wiegenzeit der komischen Oper, 1776, als die Operetten von\nDuni, Philidor, Monsigny, Gretry blühten. Nach 53jähriger Wirk-\nsamkeit auf einer und derselben Bühne als höchst beliebte Sän-\ngerin und Schauspielerin zog sie sich im April 1829 zurück. Ihre\njüngere Schwester, bis 1814 am Thedtre franqais, starb vor einigen\nJahren im Alter von 86 Jahren."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2236, "texte": "Bas Coventgard en - T heater in London, das am 6. d. Mts.\nbis auf die Hauptmauern niederbrannte, war seit dem 18. Septem-\nber 1809, wo es mit einer Vorstellung des Macbeth eingeweiht\nwurde, im Gebrauche; die italienische Oper nahm jedoch erst\n1847 unter Gye's Direction davon Besitz. Der Schaden wird auf\n250,000 Pf. St. geschätzt; der Unternehmer der Maskenbälle, Herr\nAnderson, hat ebenfalls viel dabei verloren, da er nur für 2000\nPf. St. versichert hatte. Das frühere Theater stand von 1732 bis\nzum 20. September 1808, wo es abbrannte. Der Grundstein zu\ndem jetzt vom Feuer verzehrten war den 31. Dec. 1808 gelegt.\nJenny Goldschmidt-Lind wird mit dem Violinisten Ernst\neine Concertreise durch England machen.\nüüew-York, 16. Febr. Der Männergesang wird hier sorg-\nfältig gepflegt, jedoch meist nur von Deutschen. Es sind jetzt\nzwölf Vereine dafür in New-York und den Vorstädten vorhanden,\nwelche im Durchschnitt den Vereinen am Rheine nicht nachzustehen\nbrauchen. Die besten sind der „Liederkranz\" und der „Arion\".\nAlle halten sich diesen Winter zu einem Sängerbunde vereinigt,\nwelcher vier Concerte gibt, von denen das dritte in voriger Woche\nStatt fand. 600 Sänger und 80 Instrumentalisten wirkten in densel-\nben zusammen; einen gewaltigen Eindruck machte die Ausführung\ndes Preisliedes von Herx in Köln mit Begleitung von Blas-Instru-\nmenten (60 an der Zahl). Es musste wiederholt werden. Der Ein-\ntrittspreis ist absichtlich billig (V 2 Dollar, Amphitheater t/4 Dollar)\ngestellt, das Local aber eines der fashionabelsten. Dennoch werden\ndiese Concerte fast nur von Deutschen besucht und von einigen\nEngländern und Franzosen. Die echten Americaner scheinen wenig\nSinn für den Männergesang zu haben. Aufsehen macht, dass der\nberühmte Unternehmer Bar n u m fallirt hat [260,000 Dollars); der\nFall einer industriellen Compagnie, bei welcher er betheiligt war,\nhat ihn dazu gebracht. Kurz vor dem Ausbruche hatte er eben\neinen Contract mit deutschen Sängern zu dreissig Concerten unter-\nhandelt, der aber gtücklicher Weise noch nicht unterzeichnet war.\nWo eine alte (fast 200 jährige) Gamba, die sehr wohl zu einem\nVioloncell eingerichtet werden kann, billig zu verkaufen steht, er-\nfährt man auf portofreie Anfrage bei der Redaction."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.1", "texte": "Inhalt.\n1. Der Musik-Verlag in Deutschland. 2. Sinfonie von E. Franck. 11. Von L. B. - Berliner Briefe (Oper Concerte\nnnd Kammermusik Joachim's Violin-Conccrt Neue Sinfonie von R. Wurst). Von G. E. Aus Wien (Der Goldschmied von U m\nvon Mosenthal und Marschner). Aus Karlsruhe (C'äcilicn-Verein). Tages - und Lnterhaltungsblatt (Köln, 111. Concert des\nMännergesang-Vereins, V. Soiree Magdeburg Mainz Wien Rossini's neueste Composition New-lork, Männergesang).\n\n1. Der Musik-Verlag in Deutschland. 2. Sinfonie von\nEd. Franck.\n\nII.\nDer Musik-Verlag erfordert durchaus nicht so bedeu-\ntende Capitalien, als die meisten Handels-Ünternehmungen\nin anderen Zweigen; die Erfahrung lehrt, dass viele Musica-\nlienhändler, die ursprünglich nur über ein geringes Betriebs-\nVermögen verlügen konnten, mit dem Verlage von Eleinig-\nkeiten begannen und nach und nach sich in den Stand ge-\nsetzt sahen, ein grosses Verlags-Geschäft zu gründen. Dazu\nkommt, dass sowohl durch die Fortschritte in der Runst\nder Vervielfältigung des Geschriebenen durch jegliche Art\nvon Druck, als durch die Concurrenz die Preise der Her-\nstellung gegen früher bedeutend niedriger geworden sind.\nEine Verlags-Gesellschaft würde daher nur ein mässi-\nges Capital aufzubringen haben, wenn sie auf Actien ge-\ngründet würde. Noch leichter möchte sie vielleicht durch\nUnterzeichnung von jährlichen Beiträgen zu Stande kommen.\nMit einigen Tausend Thalern jährlich lässt sich im Musik-\nVerlage schon viel leisten. Will man ein selbstständiges Ge-\nschäft gründen, so muss natürlich ein Mann von Fach, ein\ntüchtiger Geschäftslührer angestellt werden. Zieht man aber\nvor, in engeren Schranken zu bleiben, so tritt man mit\neinem Musik-Verleger von gediegenem Rufe in Verbindung,\nder gegen gewisse Vortheile den Geschäftsbetrieb über-\nnimmt. Die Mitglieder der Gesellschaft müssten freilich von\ndem Gedanken belebt sein, dass ihre Beiträge zur Hebung\nder Tonkunst bestimmt sind, nicht zur Erzielung eines\nGewinnes; denn die Hauptsache ist ja eben, dass eine\nGesammtheit ein Risico übernimmt, vor welchem der Ein-\nzelne zurücktritt; dass aber bei einer sachverständigen\nund gewissenhaften Auswahl der zu veröffentlichenden\nWerke von einem Verluste nicht die Rede sein würde,\ndavon bin ich fest überzeugt. Die stets zunehmende Menge\nvon musicalischen Vereinen sowohl für Gesang- als Instru-\nmental-Musik, und die Concert-lnstitute in allen Städten\nDeutschlands bürgen für den Absatz von guten Oratorien,\nCantaten, Ouvertüren und Sinfonieen, d. h. für einen Ab-\nsatz, der die Rosten vollständig deckt. Die Verleger wissen\ndas auch recht gut; aber als Raufleuten kann man es ihnen\nnicht verdenken, wenn sie nichts unternehmen, was ihnen\nkeine sichere Aussicht auf Gewinn zu bieten scheint.\nUeber die Art der Tilgung der Actien oder Rückzah-\nlung der Beiträge, die im Grunde nur als Vorschüsse zu\nbetrachten, über die Verwendung des Gewinns, ob zu einer\nProcent-Dividende oder zur Vermehrung, beziehungsweise\nGründung eines Capital-Fonds, überhaupt über alles eigent-\nlich Raufmännische die geeigneten Vorschläge zu machen,\nmuss ich Männern, welche in der Handlungs-Wissenschaft\nund Handlungs-Praxis besser bewandert sind als ich, über-\nlassen. Oft aber bedarf es nur der Anregung eines Planes,\num die rechten Leute zur Verwirklichung desselben zu fin-\nden. Darauf stelle ich auch hier meine Hoffnung.\nWohl kenne ich die schwache Seite meines Vorschlags.\nSie liegt nicht in dem Zusammenbringen der nöthigen\nFonds, sondern in der Schwierigkeit der Gründung eines\nAreopags, der über den Ankauf und die Veröffentlichung\nder Manuscripte zu entscheiden habe. Es sollten sich indess\ndoch wohl Grundsätze aufstellen lassen, welche die Ge-\nschworenen bei der Urtheilsfindung und Werthbestimmung\nzu leiten hätten, wodurch in Verbindung mit der morali\"\nschen Bürgschaft der zu wählenden Richter dem Einflüsse\npersönlicher Rücksichten und des Coterieenwesens gesteuert\nwürde.\nEin solcher Verein dürfte gerade das wirksamste Mittel\ngegen die Coterieen und das musicalisch-kritische Bündler-\nwesen sein, welches heutzutage überhand genommen hat."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.2", "texte": "Dem Vorstände desselben würde in der That das Wort\ngeilen: „Der Tonkunst Würde ist in eure Hand gegeben\nbewahret sie!\"\nBis dahin, dass sich diese Wünsche verwirklichen, hal-\nlen wir es für Pflicht der Kritik, nicht bloss das Gedruckte\nzu berücksichtigen, sondern auch auf vorzügliche Werke,\ndie nur handschriftlich vorhanden sind, aufmerksam zu ma-\nchen. Wir haben diese Pflicht bei verschiedenen Compo-\nsitionen von F. Hiller, Franz Derckum, Rieh. Würst, Karl\nReinthaler, Ed. Franck u. s. w. bereits öfter erfüllt, und\nwenden uns jetzt zu der Sinfonie von Franck, welche in\neinem der letzten Concerte allgemeinen Beifall erlangt hat\nund im Manuscript uns vorliegt.\nBekanntlich hat die neue Inhaltslehre in der Insiru-\nmental-Musik Werke erzeugt, die mit den Ansprüchen auf-\ntreten, eine Revolution in der Sinfonie machen zu wollen.\nIhr Princip fällt in der Hauptsache mit dem Grundsatze der\nZukunfts-Musiker zusammen, dass die Musik an und für\nsich keinen Inhalt habe, sondern ihn von aussen, entweder\ndurch die Dichtkunst oder durch bestimmte Vorstellungen,\nerhalten müsse; dass sie nicht eine selbstständige Wirkung\nzum Zwecke habe, sondern nur Mittel des Ausdruckes sei.\nDaher denn die Programm-Musik, wie sie bei Berlioz und\nneuerlich in den symphonischen Dichtungen von Liszt her-\nvortritt. Diese Schule sucht die Grundlagen des musicali-\nschen Ausdruckes nicht in dem Wesen der Töne, in ihrer\nBewegung und Verknüpfung, sondern in äusseren, nicht\nmusicalischen Dingen, in Vorstellungen, Anschauungen, Ge-\ngenständen, Ereignissen. Sie gibt damit die Begeisterung\ndes musicalischen Genius durch rein musicalische Ideen, eben\nso wie die Ausführung dieser Ideen durch rein musicalisches\nWissen und Können auf wonach denn z. B. sämmtliche\nQuartette von Haydn, Mozart, Beethoven, Spohr u. s. w.\ninhaltslose Musik sind.\nEine andere, ihnen verwandte Gattung von Compo-\nnisten, eigentlich ihre Vorläufer, nahmen nicht den Genius\nBeethoven's, so wie er sich in seinem canzen Schaffen von\nAnfang bis Ende offenbart, zum Vorbilde, sondern nur des-\nsen letzte Sprühungen, weniger zum Muster als zur Ent-\nschuldigung für die Arbeiten einer künstlerischen Rellexion,\nwelche immer mehr und mehr aus aller Form und Gestalt\nhinaus in eine raffinirte Künstlichkeit drängte und bald da-\nhin lührte, dass die Kunst die Einsicht in ihr wahres We-\nsen verlor, ihre Natur verläugnete und nur nach Tenden-\nzen fragte. Robert Schümann'« grosses Talent verlor sich\nin diese, wir möchten sagen: musicalisch-mystische Rich-\ntung, deren Anhänger es lür verdienstlich halten, Empfin-\ndung, Melodie, Rhythmus und die ganze Architektur des\nMusikstückes zu verstecken und zu verhüllen und die Ueber-\nsetzung des Wortes Harmonie in , wohllautende Ueber-\neinstimmung\" durch klaffende Dissonanzen Lügen zu\nstrafen.\nWenn wir nun ganz einfach sagen, dass Ed. Franck\nin seinen Compositionen und in besonderer Beziehung in\nder G-moll-Smhme, von der wir reden, weder der einen,\nnoch der anderen von den so eben bezeichneten Richtun-\ngen verfällt, und dass dies gleich bei dem ersten Anhören\nnicht nur dem Musiker, sondern dem ganzen Publicum klar\nwird, so erkennen wir damit schon ein sehr grosses Ver-\ndienst und eine sehr lobenswerthe Charakterstärke bei ei-\nnem Componisten unserer Zeit an, weil sich nicht läugnen\nlässt, dass selbst reich begabte Künstler der Gegenwart,\nverführt durch das Geschrei einer Clique und den Wieder-\nhall, den es bei der unreifen Jugend und in vornehmen\nKreisen des blasirten, überreizten Alters findet, sich her-\nbei lassen, dem Zeitgeiste Zugeständnisse zu gewähren und\nihre Gerichte durch Gewürz aus der neu entdeckten Mu-\nsikweit schmackhaft zu machen. Fügen wir nun aber hin-\nzu, dass Franck durch dieses Orchesterwerk den Beweis\ngeliefert hat, dass das unmittelbare und naive Schaffen, das\nErzeugen aus Instinct, dem Treibhausproduciren der Re-\nflexion gegenüber, auch jetzt noch wie in der classischen\nPeriode möglich und von unbestreitbarer Wirkung ist, so\nsprechen wir nur ein Urtheil aus, in welchem Kenner und\nLaien nach Anhören des Werkes übereinstimmten. Natür-\nlich ist hier das Wort „naiv\" im ästhetischen Sinne zu neh-\nmen: es ist nicht von derNaivetät des Kindes, sondern des\nGenius die Rede, welche darin besteht, dass er, vom inne-\nren Triebe gedrängt, nur das gibt, was in ihm ist, nicht\netwas, das reflectirende Berechnung von draussen holt.\nDie Sinfonie besteht aus vier Sätzen, von denen wir\nkaum einem den Vorzug vor dem anderen geben möch-\nten, nur dass, wie natürlich, der erste Satz, als den Haupt-\nCharakter des Ganzen darstellend und reichere Gelegen-\nheit zur Entfaltung und Durchführung grösserer musica-\nlischer Gedanken bietend, vorzugsweise in Anspruch nimmt.\nDie Haupt-Tonart desselben ist nach einem ein-\nleitenden Adagio von dreissig Tacten, welches sehr melo-\ndiös ist (nicht ohne einen kleinen Anklang an den An-\nfang des Adagio's im jF-dur-Quartett Op. 18 von Beet-\nhoven), tritt ein Allegro agitato in 4A Tact ein, welches\nfrisch und lebendig in Einem Gusse dahin strömt, nirgends\nhockt und stockt, nirgends den ebenmässigen Gliederbau\nweder versteckt noch verunstaltet, sondern durch klare"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.3", "texte": "thematische Arbeit und reinen harmonischen Fluss von An-\nfang bis zu Ende spannt und trotz leidenschaftlicher Bewe-\ngung nicht wehe, sondern wohl thut.\nDas Andante, 6/s in Es-dur, ist ein wunderlieblicher\nSatz, der den Eindruck macht, als träte man in einer feier-\nlichen Stimmung ins Freie zu einem Dankfeste. Nicht das\nRingen einer zerknirschten, nach Entsündigung lechzenden\nSeele spricht sich hier aus, sondern die Gefühle der freu-\ndigen Rührung guter Menschen, die von verschiedenen Sei-\nten unter sanften, heiteren, aber doch feierlichen Klängen\nheranziehen, um unter Gottes freiem Himmel dem zu dan-\nken, „der sie schuf, die schöne Welt\". Der ganze, nicht\neben kurze Satz (etwa 130 Tacte) ist aut zwei sehr ein-\nfache Motive gebaut:\nDie Instrumentirung ist vortrefflich; das ganze Or-\nchester ist betheiligt, sogar vier Hörner, Pauken und Trom-\npeten und drei Posaunen; allein das Blechcorps ist bis auf\nzwei Stellen gegen den Schluss hin stets nur\nverwandt, so dass sich einmal sogar die Solo-Violine etwa\nzehn Tacte lang in sanften Schwingungen darüber wiegen\nkann.\nDas Menuetto wirft uns mit und einem schrof-\nfen Rhythmus, der aber keineswegs sich überstürzt oder\nübersynkopirt, wieder in das bewegtere Leben zurück. Das\nTrio in G-durist ein kleiner Edelstein vom reinsten Was-\nser und mit grosser Kunstgeschicklichkeit zierlich geschlif-\nfen; denn es ist durchweg als Canon in der Octave gear-\nbeitet und doch nichts weniger als steif, sondern stets me-\nlodiös und fliessend:\nDas letzte Allegro, G-dur,2/4-Tact, lällt durchaus\nnicht gegen die früheren ab; es bildet einen lebhaften, heite-\nren Schluss, der den Charakter der drei ersten Sätze nicht nur\nnicht verletzt, sondern im Gegentheil ihm, namentlich auch\ndurch den einfachen pastoralen Mittelsatz, völlig angemes-\nsen ist und das Ganze zu einem einheitlichen und stylvollen\nKunstwerke abrundet.\n\nL. B.\n\nBerliner Briefe.\n\n[Oper Concerte und Kammermusik Joachims\nViolin-Concert Neue Sinfonie von R. Wurst.]\nDen 5. März 1856.\nWir merken es, dass die Saison zu Ende geht. Die\nkönigliche Oper hat sich auf Wiederholungen des Tannhäu-\nser (der, wenn ich nicht irre, bis jetzt neun Mal bei vollem\nHause gegeben wurde, was für Berlin nichts sagen will),\ndes Fidelio, in dem Frau Köster neuerdings einen glän-\nzenden Triumph feierte, der Stummen u. s. w. beschränkt.\nEine schwedische Sängerin, Fräul. Micha!, die in Ham-\nburg mit Beifall aufgetreten sein soll und sich auch hier\neinem kleinen, aber ausgewählten Publicum in einer Privat-\nMatinee (beim Hof-Musikhändler Bock, der überhaupt durch-\nreisende Künstler in die hiesige musicalische Welt einzu-\nführen pflegt) als eine coloraturfertige Sängerin empfahl,\nderen Stimme aber hinsichtlich der Fülle und des Wohl-\nklangs nicht zu den hervorragenden gehört, wollte bei der\nköniglichen Oper gastiren, gab es inzwischen, nachdem\nschon die Vorstellung angekündigt und die Billets verkauft\nwaren, wieder auf. Für die nächste Zeit haben wir ein\nGastspiel von Frau Bürde-Ney zu erwarten. Ausserdem\nstehen Aufführungen der neu einstudirten Zauberflöte und\ndes Carlo Broschi von Auber bevor. Dorn's neue komi-\nsche Oper ist auf den nächsten Winter verschoben worden,\nMantius bleibt vorläufig noch als thätiges Mitglied an un-\nserer Bühne; er wäre in diesem Augenblicke nicht zu er-\nsetzen. Berlin bedarf dringend eines Tenors, der in classi-\nscher Richtung gebildet ist. Sterben solche Tenöre denn\nganz aus? Ist die Sucht nach forcirten Brust- und weibi-\nschen Falset-Tönen schon so allgemein geworden, dass es\nkeine gesunden und natürlichen Tenorstimmen mehr gibt?\nAuch unsere Concert-Cyklen gehen allmählich zu Ende.\nDie Quartett-Soireen der Herren Zimmermann, Ron-\nneburger, Richter und Espenhahn, die durch die\nSolidität der Ausführung es verdienen, zu unseren würdig-\nsten Concerten gezählt zu werden, obschon den Werken,\nderen Vertretung sie übernomtr.en haben, mitunter ein hö-\nheres Maass von Phantasie nicht schaden würde, haben mit\neinem Quintett-Abende geschlossen, der in jeder Beziehung\neine echt künstlerische Erhebung gewährte. Die Herren\nRad ecke und Grünwald, die ebenfalls ein nicht gerin-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.4", "texte": "ges Verdienst um unser Kunstleben haben, indem sie theils\nältere classische Werke der Kammermusik, theils Neueres\nin meistens gediegener, oft vorzüglicher Ausführung dem\nPublicum vorführen, haben ebenfalls im Laufe der letzten\ndrei Wochen den Schluss mit ihrem Cyklus gemacht. Er-\nwähnungswerth sind aus dem Programme der beiden letz-\nten von ihnen veranstalteten Concerte eine sehr einfache,\naber liebliche Sonate lür Piano und Violine von Haydn\n(G-dur), die jüngst von Clara Schumann und Joachim in\nLeipzig gespielt wurde sie ist ursprünglich lür Piano,\nVioline und Cello, ferner ein Trio von Brahms, das von\neinem sehr ernsten, aber fast zu grübelnden Streben zeugt;\nendlich Schubert's poesiereiche e für Ciavier.\nHerr Radecke gefällt uns als Ciavierspieler vorzugsweise\nwegen der musicalischen Tüchtigkeit, die in seinem Spiel\nhervortritt. Herr Grünwald leistet als Violinspieler oft\nBedeutendes, namentlich da, wo es gilt, zarte, innige Em-\npfindung auszudrücken. Sein Ton ist ungemein weich, und\nder gebundene Vortrag der Cantilene gelingt ihm meister-\nhaft. Die Liebig'sehen Sinfonie-Soireen beschränkten\nsich auf die bekannten und geläufigen Sinfonieen und Ouver-\ntüren, mit Ausnahme einer Fesca'schen Ouvertüre und einer\nRomberg'schen Sinfonie, welche letztere wir selbst waren\nverhindert, sie zu hören durch die naive Treuherzigkeit\nihres Tones nicht ohne Beifall vorüberging. Die Sin g-\nAkademie hat ihre Abonnements-Concerte mit einer vor-\ntrefflichen Aufführung des Paulus beschlossen. Die Chöre\nklangen so frisch und feurig, wie seit langer Zeit nicht; der\nKlang der Stimmen war dabei durchweg edel und wohl-\nthuend, namentlich zeichnete sich der Sopran durch den\nweichen Einsatz der Höhe aus. Unter denSoli's ragten na-\nmentlich die Herren Krause und Mantius hervor.— Ein\nClavierspieler Rie gab eine Matinee. Er besitzt eine treff-\nliche Technik und eine ruhige, maassvolle Art des Spiels,\ndie zwar ebenfalls ihre Vorzüge hat, aber noch nicht dem\nhöchsten Kunst-Ideal entspricht. Einen sehr bedeutenden\nVirtuosen lernten wir in Herrn Dr. Damrosch kennen\nDie immer mehr zunehmende Theilnahmlosigkeit des Publi-\ncums gegen Virtuosen zwang ihn, was wir nicht ganz billi-\ngen— denn sein Talent und sein Fleiss sind Höheres werth\n—, für einen ungewöhnlich geringen Eintrittspreis Concerte\nim Gesellschaftshause zu veranstalten; doch hat er sich da-\ndurch wenigstens bekannt gemacht. Wir würden ihn den\nersten lebenden Violinisten gleichstellen können, wenn er\nmehr Fülle des Tones, mehr Ernst und Tiefe der Empfin-\ndung und eine noch grössere Sicherheit der Technik hätte.\nDoch sieht er jedenfalls den ersten Künstlern seines Faches\nsehr nahe. Er besitzt, wie uns scheint, eine äusserst erreg-\nbare Phantasie, die unermüdlich geschäftig ist, kleine Poin-\nten und Feinheiten des Ausdrucks zu finden, es in der Be-\nhandlung des Tones zu eindringlicher, wenngleich etwas\nstechender, Schärfe bringt und in dem Vortrage zusammen-\nhangender Melodieen den Sinn für innige und warme Ac-\ncentuirung nirgends vermissen lässt. Aber es fehlt noch\netwas zu vollendeter Grösse. Er müsste sich mit seiner\nEmpfindung noch mehr in die Tiefe versenken und von in-\nnen heraus gestalten. Um ein Bild zu gebrauchen: er er»\nscheint uns wie ein Sänger, der nicht mit der ganzen, vol-\nlen Bruststimme zu singen versteht. Dies scheint zunächst\nein rein materieller Mangel. Aber es ist mehr; denn die\nganze und volle Empfindung bedarf auch der ganzen und\nvollen Körperlichkeit. Joachim ist der sprechende Beweis\ndalür. Die Gesanglehrerin Frau Zimmermann veran-\nstaltete mit ihren Schülerinnen eine Gedächtnissfeier für den\nin Rom kürzlich gestorbenen Componisten de Witt, an\ndem die musicalische Welt ein viel versprechendes und sehr\nedel gebildetes Talent verloren hat. Er ist aus der Schule\nDehn's hervorgegangen. Seine Compositionen haben die\nKlarheit und formelle Gewandtheit, die wir bis jetzt bei\nallen uns bekannten Schülern Dehn's gefunden haben. Lei-\nder kam das beste Werk von de Witt, ein\nnicht zur Aufführung. Unter den jungen Damen, die bei\nder Feier thätig waren, trat manche ansprechende und\nnicht ohne Geschmack gebildete Stimme hervor. Auch\nzwei Schülerinnen des Herrn Rellstab, die jungen Damen\nW rch 1 a ws ki und Hagemann, legten Proben eines in\nmanchen Beziehungen recht gut gebildeten Talentes ab;\nwenn uns an der ersteren namentlich der volle, sympa-\nthische Klang der Stimme erfreut, so weiss die letztere ihre\nKunstfertigkeit zur Geltung zu bringen.\nDas vorletzte Concert des Stern'sehen Orchester-\nVereins begann mit Schumann's Ouvertüre zu Manfred, die\nuns als ein sehr edles, wenngleich nicht zur vollen Reife\ngelangtes, Werk erscheint. Ein Theil des Stern'schen Ge-\nsang-Vereins sang mit sehr lebendiger, fast zu absichtlicher\nNuancirung den reizenden Chor der Wache aus den beiden\nGeizigen von Gretry. Herr Laub spielte das Violin-Concert\nvon Joachim— und damit standen wir wieder auf dem\nBoden der Zukunfts-Musik. Doch wäre es freilich gänzlich\nfalsch, alle diese Bestrebungen unterschiedslos zusammen\nzu werfen. Das Violin-Concert von Joachim ist sowohl in\nseinen Grundlagen namentlich hinsichtlich des ersten Mo-\ntivs— als in der weiteren Entwicklung keineswegs so ein-\nfach, kernig und gesund, wie jedes wahre Kunstwerk sein"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.5", "texte": "Muss; es ist eben ein Werk, das keinen rechten Kern hat,\nsondern ganz und gar den Geist der auflösenden, zersetzen-\nden Romantik in sich trägt; aber innerhalb dieser Richtung\nspricht sich eine sehr reiche Phantasie und ein ideales Stre-\nben darin aus. Nachdem wir dieses Werk von Joachim\nkennen gelernt haben, mögen wir nicht die Hoffnung auf-\ngeben, dass er zu wahren, objectiven Kunstwerken, die\nmehr Natur und weniger Caprice, mehr objectiven Kunst-\ngehalt und weniger subjective Kunstfertigkeit in sich ent-\nhalten, durchdringen werde. Dass Joachim das Objective\nerstrebt, beweis't die streng thematische Behandlung des\nConcertes. Aber damit ist es nicht abgethan. Denn nicht\njeder musicalische Gedanke ist ein Kerngedanke, der sich\ndazu eignet, einer breiten Ausführung zu Grunde zu liegen.\n—Den Schluss des Concertes machte eine neue Sinfonie\n(.D-moll) von Richard Würst, die, ohne gerade durch\neine entschieden abweichende Persönlichkeit hervorzuragen,\ndurch die Glätte und Rundung der Form, durch geschickte\nWahl der Themen und melodische Schönheit, durch eine\näusserst wohlklingende Instrumentation einen sehr ange-\nnehmen Eindruck machte und vom Publicum wohl aufge-\nnommen wurde. So viel wir aus der Erinnerung urtheilen\nkönnen, glauben wir, dass diese Sinfonie vor der in Köln\nvor mehreren Jahren mit dem Preise gekrönten noch den\nVorzug grösserer Frische hat.\n\nG. E.\n\nAus Wien.\n[Der Goldschmied von Ulm von Mosenthal und\nMar sehn er.]\nAm 1. März wurde in dem Theater an der Wien\n,Der Goldschmied von Ulm\", romantisches Zaubermärchen\nin drei Aufzügen von S. H. Mosenthal, Musik von H.\nMarschner, zum ersten Male gegeben. Leider war die\nAufführung entsetzlich mangelhalt, was dem Erfolge be-\ndeutend schaden musste, der indess trotzdem doch ein\nhöchst ehrenvoller war. Freilich fühlten sich durch die\nDichtung diejenigen getäuscht, welche von Mosenthal die\nWiederbelebung der ehemaligen wiener Zauber Oper, je-\nnes echt nationalen deutschen Productes, erwartet hatten.\nDem ist nicht so; das Stück hat als Gattung einen\nzwitterartigen Charakter, es ist weder eine Oper noch ein\nDrama, und eine solche Unbestimmtheit der Form macht\neigentlich ein wirkliches Kunstwerk schon unmöglich. Für\nein Opern-Gerüst ist der Bau des Textes zu sehr ausge-\nführt, der Musik also zu wenig Spielraum gelassen; lür ein\nDrama wird hingegen der Musik zu viel Boden gegeben,\nund es fehlt dann besonders auch an lebendig fortschrei-\ntender Handlung und bei allen vorhandenen Vorzügen\neiner edeln und dichterischen Sprache —an jenem phanta-\nsiereichen Schaffen märchenhafter Gebilde in greilbaren Ge-\nstalten, und an jenem Schwünge der naiven Poesie, die\nwir in den Raimund'schen Stücken finden.\nDer Componist hatte mithin eine schwierige Aufgabe;\nseiner Kunst war hier nicht verstattet, das Ganze zu durch-\ndringen und zu gestalten, der Magerkeit der Handlung und\nden Schwächen der Charakteristik durch musicalische Schö-\npfung aufzuhelfen, ja, sie vergessen zu machen und z. B.\ndurch grosse Finale's und deren geniale Bearbeitung hinzu-\nreissen. Nein, er musste sich in vorgeschriebenen Gränzen\nbewegen, er durfte nichts umschaffen, sondern nur das Ge-\ngebene an denjenigen Stellen, wo der Dichter es eben\nwollte, musicalisch coloriren; ja, nach dem Verhältnisse\nund dem Maasse des Ganzen sieht dieser Wille des Dich-\nters sogar häufig bloss wie ein Zugeständniss, wie eine\nErlaubniss für den Musiker aus. Bei so bewandten Um-\nständen ist die Musik nicht im Stande, durch sich allein ein\nsolches Bühnenwerk zu halten; das Drama ist die Haupt-\nsache, der poetische Werth des Stückes an und für sich\nmuss den Erfolg erzeugen; die Musik kann ihn nur erhö-\nhen. Ob nun der Gehalt der Dichtung im Stande sein wird,\ndas Stück zu halten, das muss die Zeit lehren. Da es jeden-\nfalls das lebhafte Interesse der deutschen Bühnenwelt an\nund für sich und durch die Musik eines so gefeierten Ton-\nsetzers wie Marschner in Anspruch nimmt, so ist es keine\nFrage, dass es überall zur Aufführung kommen wird, wo\ndie Intendanzen und Directionen noch Sinn für deutsche\nKunst-Erzeugnisse haben. Alsdann wird es sich zeigen, ob\nes sich auf dem Repertoire behauptet. Dieses von hier aus,\nnach einer in jeder, namentlich aber in musicalischer Hin-\nsicht erbärmlichen Aufführung, läugnen zu wollen, wäre\nmehr als Anmaassung, abgesehen davon, dass es den Wie-\nnern öfter schon passirt ist, an Sachen keinen Geschmack\nzu finden, die anderwärts die Leute in Enthusiasmus ver-\nsetzt haben.\nDer Stoff und die Handlung gehören in die Kategorie\ndes Teufelsspuks und des Seelenverkaufs, deren Farben\nfreilich heutzutage schon etwas verblasst sind. Indess der\nDeutsche liebt es, bei dem sittlichen Ernste, der doch, Gott\nsei Dank! noch immer im Volke vorwaltet, den Kampf zwi-\nschen dem Bösen und dem Guten und den Sieg des letzte-\nren im romantischen Gewände und in sinnlicher Anschau-\nlichkeit dargestellt zu sehen, und da es auch diesem Mär-\nchen von dem Galgenmännlein, von dem Ruprecht mit dem"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.6", "texte": "Stelzfuss und seinem Talisman nicht an sittlichem Kern\nfehlt, so wird ihm auch die Theilnahme nicht entgehen.\nEinem jungen Goldschmieds-Gesellen wird des reichen Mei-\nsters Töchterlein Katharina, die ihm natürlich innigliche\nGegenliebe spendet, versagt und einem Anderen verlobt.\nDer Hochzeits-Zug nahet schon, da kauft er einem verteu-\nfelten Kerl lür seinen letzten Heller einen Talisman ab, der\nihm nun zwar Freuden und Reichthum die Fülle schafft,\naber nur bei Tage bis Mitternacht; nach zwölf Uhr Nachts\nverfällt der Besitzer—- wahrscheinlich bis Sonnenaufgang\nn o\nschrecklicher Höllenpein. Er lässt nun Paläste im Nu ent-\nstehen, gibt ein Prachtlest in Ulm, ist im Begriffe, die Ge-\nliebte zu umschlingen da schlägt's Mitternacht, eine\nGlocke, die bekanntlich in der dämonischen Welt eine\ngrosse Rolle spielt, und er stürzt sich verzweifelt in die\nDonau. Da er aber den Talisman bei sich hat, so genirt\nihn das nicht, und er muss n wieder ans Ufer.\nDenn der Haupltrumpf liegt darin, dass er diesen Talisman\nweder wegwerfen noch verschenken, sondern nur um die\nHälfte des Einkaufspreises wieder losschlagen darf, voraus-\ngesetzt, dass er einen Käufer findet. Der schlaue Ruprecht\nhat aber nur einen Heller dalür genommen, und da der\nHeller die kleinste, nicht weiter theilbare Münze ist, so be-\nfindet sich der Goldschmieds-Geselle, der des Talismans\nherzlich überdrüssig ist, in einer fatalen Lage. Auch ver-\nfehlt er nicht, halb wahnsinnig auf der Scene zu erscheinen.\nDas gute Princip aber, dargestellt in der Person des from-\nmen Lehrjungen Walter, heilt ihn und führt ihn wieder\ngen Ulm. Der Kaiser Maximilian stürmt die Stadt, Heinrich\nrettet ihm durch den Talisman das Leben. Aus Dank-\nbarkeit halbirt Max vermöge des Münz-Regals von nun an\nden Werth des Hellers; Katharina kauft nun lür einen hal-\nben Heller dem Geliebten den Talisman ab, vernichtet durch\nihr inbrünstiges Gebet dessen teuflische Wirkung, und wir\nsind am glücklichen Ende.\nDie Partitur mag wohl 15 l6 Nummern enthalten.\nDie Ouvertüre ist nicht in dem Styl der bisherigen Marsch-\nner'sehen Opern-Ouverturen geschrieben, d. h. sie hat nicht\ndie bestimmt ausgesprochene Einheit des Charakters, welche\njene auszeichnen. Während jene uns nur in die Stimmung\nversetzen, welche geeignet ist, die folgende Handlung in\nuns aufzunehmen, scheint die Ouvertüre des Goldschmiedes\nmehr ein Gemälde des Inhalts vom Drama geben zu wol-\nlen. Dabei müssen Sie mich nicht missverstehen, als könnte\nich voraussetzen, dass Marschner jemals zu den plastischen\nObjectivitäts-Musikern hinabsteigen wollte; dalür ist er\nwahrhaftig zu reich an Musik. Diese, die Musik, bleibt denn\nauch in der Ouvertüre, von der ich spreche, oben auf und\nbildet ein durch Phantasie und harmonische Klarheit an-\nsprechendes Ganzes. Dagegen erschien die Introduclion zum\nzweiten Acte, wiewohl recht melodiös, doch zu wenig ori-\nginel. Die Marktscene und die Musik zu der Arbeit der\nKobolde, welche dem Heinrich den Palast und das Fest\nbereiten, ist vortrefflich und sehr charakteristisch. Auch der\nMarsch beim Einzüge ist von imposanter Wirkung. Das\nVorzuglichste jedoch hat derComponist in den Liedern und\nChören geleistet: sie sind alle schön; am meisten regt aber\nder Marschner'sche Genius die Schwingen in dem Leier-\nmanns-Liede des Ruprecht und in den Chören und Lager-\nliedern des dritten Actes.\n\nAus Karlsruhe.\nUnser Musikleben, in so fern es nicht die Oper im\nHoftheater in sich begreift, wird vorzüglich durch den hie-\nsigen Cäcilien-Verein genährt. In welcher Weise, da-\nvon werden Ihnen die Programme der Concerte desselben\nin dieser Saison eine Vorstellung geben, welche genügend\ndarthun dürfte, dass der Versuch, durch das grosse Mu-\nsikfest den Geschmack zu reformiren (?), gänzlich miss-\nglückt ist und dass die Propaganda für die Zukunfts-Musik\nhier nichts weniger als tiefe Wurzeln geschlagen hat. Diese\nConcerte bringen hauptsächlich Vocal-Musik, sowohl für\nChor als für Einzelgesang, zu Gehör, daneben aber auch\nvon Instrumental-Musik Ouvertüren, Quartett-Musik und\nSolovorträge. Von grösseren Chor- und Orchester-Wer-\nken sind in diesem Winter aufgeführt worden: „Bitten\",\ngeistliches Lied von K. Ph. Eman. Bach, Ave Maria\nfür Tenor und achtstimmigen Chor von F. Mendels-\nsohn - B a r t h.o 1 d y, der 100. Psalm, für Soli, Chor und\nOrchester von Händel, der 42. Psalm von Mendels-\nsohn - B a r t h o 1 '1 v, Chor aus Iphigenie in Aulis von\nGluck, Chöre und Soli (Nr. 2, 3, 4) aus Mendels-\nsohn's Musik zu Racine's Athalia. Von Mozart:\nverum corpus und das Requiem.Die Soli in diesen Wer-\nken, so wie auch einzelne Gesangstücke, wurden zum\ngrössten S he'le von Mitgliedern des Vereins vorgetragen;\nausserdem wirkten Herr und Frau Haus er, Frau Kam-\nmersängerin Howitz, Fräulein Antonie Rochlitz und\nHerr Kammersänger Oberhofer mit.\nIn dem Concerte zum ehrenden Gedächtniss des hun-\ndertsten Geburtstages von W. A. Mozart, welches erst\nam 16. Febr. Statt finden konnte, weil an dem Tage selbst\ndas Hoftheater eine Feier veranstaltete, hatte Herr Kam-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.7", "texte": "mersänger Hai tzin ger aus Pietät für den Namen Mozart\ndie Tenorpartie im Requiem übernommen und bewährte\ndarin immer noch den alten Ruf, der ihn in die Reihe der\nersten Tenorsänger Deutschlands stellt. Die Aufführung\ndieses erhabenen Schwanengesangs des unsterblichen Mei-\nsters erwarb sich die vollste Anerkennung; die schwierigen\nChöre wurden mit seltener Präcision und Sicherheit ausge-\nführt und mit denjenigen Schattirungen, welche der Vor-\ntrag einer solchen Composition erheischt. Der Cäcilien-\nVerein hat bewiesen, dass er manches, was sich ihm im\nAnfange des Winters entgegen stellte, überwunden hat,\nund hat zugleich einen hohen Begriff von seiner Tüchtig-\nkeit und der trefflichen Benutzung seiner Kräfte gegeben.\nDie hohe Gegenwart Sr. Königlichen Hoheit des Regen-\nten und der Prinzessin Marie verherrlichten das Fest,\nwelches durch einen sinnigen Prolog, verfasst von Herrn\nMünzrath Kachel, eingeleitet wurde. Ausser den genann-\nten Werken brachte das Programm noch zwei Lieder\n(„Das Veilchen\" und „Vergissmeinnicht\"), das Quintett\nund Finale aus dem ersten Acte von Titus, die Ouvertüre\nzur Zauberflöte und das Clavier-Concert Nr. 7 in C-moll,\nvon einer auswärtigen Dilettantin vortrefflich vorgetragen.\nUnter den Einzelgesängen verdienten einige von B eet-\nil oven's „schottischen Liederna mit Ciavier-, Violin-und\nVioloncell-Begleitung bemerkt zu werden, welche Frau\nIlauser vortrug.\nVon Orchester-Werken hörten wir Beethoven's\nOuvertüre (Nr. 3, C-dur) zu Leonore und Niels W.\nGade's Ouvertüre „Im HochlandEine eigentümliche\nErscheinung in diesen Concerten bildet der Vortrag von\nStreich-Quartetten durch die Herren Pechatscheck,\nBlumenstengel, Spiess und Segis te r. Wir hörten\nvon ihnen im I. Concert das Quartett Nr. 10 D-dur von\nMozart, im 111. das Quartett Nr. 5 A-dur von Beetho-\nven, dv ren Ausführung einen hohen Genuss darbot\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nJULöin« Sonntag den 9. März fand das 111. Abonnements-\nConcert des Männerg esang-Vereins Statt. Unter den\nNeuigkeiten, welche es zu Gehör brachte, gebührt der „Frühlings-\nzeit44, Gedicht von Müller von der Werra, Musik vom k. Musik-\nDirector Franz Weber hierselbst, der Preis. Nächstdem ist das\n„Abendständchen44 von Eichendorf und Niels W. Gade zu nen-\nnen; jedoch sind drei Strophen etwas viel auf die hübsche, aber\nsehr gezogene Melodie; dann das Silcher'sche Volkslied „Maidle,\nlass dir was verzähle4', und Marschners „Wach auf!\" Weniger\nsprachen an Gade's „Studenten44, Marschner's „0 schöner Früh-\nling44, Schärtlich's „Heimath\" und Silcher's Volkslied „Die Marien-\nJbiume\", Von den älteren Liedern hatten C. Kreutzens „Märznacht4*,\n„Wasserfahrt44 und „Türkisches Schenkliedu den ge-\nwohnten Erfolg. Die Instrumental-Vorträge hatte Herr Concertmei-\nster P i xis übernommen; er trug eine Phantasie von seiner Com-\nposition mit bekannter Virtuosität vor und erregte stürmischen Ap-\nplaus durch Vieuxtemps' Variationen über ein nordamericanisches\nVolkslied (Yanhee dooclle?), was uns für Vieuxtemps und Pixis und\ndas Publicum sehr leid that; denn Ersterer sollte solches Zeug\nnicht schreiben, Letzterer es nicht spielen und das Publicum es\nnicht beklatschen.\nIn der V. Soiree für Kammermusik erfreute uns der vor-\ntreffliche Vortrag des lieblichen uartetts von J. Havdn\nund des /)-?rao//-Quartetts von Mozart durch die Herren Pixis,\nDerckum, Peters und B. Breuer. Auch die Sonate in C-moll von\nBeethoven für Pianoforte und Violine wurde von den Herren\nllreunung und Pixis meisterhaft ausgeführt.\nMagdeburg wird nach langer Pause diesen Sommer, wie wir\nhören, wieder einmal ein grosses Mu s ikf e s t haben und da-\ndurch die Erinnerungen an die früheren Feste an der Elbe unter\nSchneider und Spohr wieder auffrischen. Zur Aufführung sind\nHaydn's Schöpfung und Beethoven's neunte Sinfonie bestimmt.\nIn Mainz ist am 3. d. M. Mendelssohn's Elias durch die\nvereinten Kräfte der „Liedertafel\" und des „Damengesang-Vereins\"\nunter der Leitung des interimistischen Dirigenten beider Vereine,\nHerrn Capellmeisters Reiss, aufgeführt worden.\nWie». Se. Majestät der Kaiser ist der Gesellschaft der\nMusikfreunde als Mitglied beigetreten und hat als solches einen\njährlichen Beitrag von 1000 Gulden auf Höchstdero Privat-Schatulle\nangewiesen. Die genannte Gesellschaft kündigt noch zwei ausser-\nordentliche Concerts spiriinels an, in deren einem JBeethoven's\nneunte Sinfonie aufgeführt werden soll.\nIn der k. k. Hofcapelle wrurde am 2. d. Mts. unter der Leitung\ndes Hof-Capellmeisters Assmayr die F-e/wr-Messe von Lotti mit\nEinlagen von Orlando Lasso aufgeführt in Wien als ein\nEreigniss im Reiche der Kirchenmusik zu betrachten! An demsel-\nben Tage gab Clara Schumann ihr Abschieds-Concert.\nMan sagt, Joachim werde sich mit der Tochter der Frau\nBettina von Arnim vermählen.\nRossini hat für Madame de Luigi, seine Schülerin, eine\nneue Melodie dramatique: „La Separationgeschrieben, die in die-\nsen Tagen in Paris bei Leon Escudier mit einem Portrait Rossini'*\nnach einer Photographie von Hadar erscheinen wird.\nAm 21. Februar ist Theodor Döhler in Florenz gestor-\nben. Sein Leichenbegängniss war sehr feierlich. Seine Witwe wird\nihm auf der Beerdigungsstätte ein Denkmal setzen lassen.\nAugust Dupont, der belgische Pianist, macht in Holland\nFurore. Der holländische Pianist Ernst Lübeck ist wieder in\nParis, wo schon im vorigen Winter sein Spiel Aufsehen machte.\nEine der Berühmtheiten der guten alten komischen Oper in\nParis, Mademoiselle Desbrosses, ist vor wenigen Tagen im\nAlter von 92 Jahren gestorben. Ihr erstes Auftreten fällt noch in\ndie Wiegenzeit der komischen Oper, 1776, als die Operetten von\nDuni, Philidor, Monsigny, Gretry blühten. Nach 53jähriger Wirk-\nsamkeit auf einer und derselben Bühne als höchst beliebte Sän-\ngerin und Schauspielerin zog sie sich im April 1829 zurück. Ihre\njüngere Schwester, bis 1814 am Thedtre franqais, starb vor einigen\nJahren im Alter von 86 Jahren."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560315-01.1.8", "texte": "Bas Coventgard en - T heater in London, das am 6. d. Mts.\nbis auf die Hauptmauern niederbrannte, war seit dem 18. Septem-\nber 1809, wo es mit einer Vorstellung des Macbeth eingeweiht\nwurde, im Gebrauche; die italienische Oper nahm jedoch erst\n1847 unter Gye's Direction davon Besitz. Der Schaden wird auf\n250,000 Pf. St. geschätzt; der Unternehmer der Maskenbälle, Herr\nAnderson, hat ebenfalls viel dabei verloren, da er nur für 2000\nPf. St. versichert hatte. Das frühere Theater stand von 1732 bis\nzum 20. September 1808, wo es abbrannte. Der Grundstein zu\ndem jetzt vom Feuer verzehrten war den 31. Dec. 1808 gelegt.\nJenny Goldschmidt-Lind wird mit dem Violinisten Ernst\neine Concertreise durch England machen.\nüüew-York, 16. Febr. Der Männergesang wird hier sorg-\nfältig gepflegt, jedoch meist nur von Deutschen. Es sind jetzt\nzwölf Vereine dafür in New-York und den Vorstädten vorhanden,\nwelche im Durchschnitt den Vereinen am Rheine nicht nachzustehen\nbrauchen. Die besten sind der „Liederkranz\" und der „Arion\".\nAlle halten sich diesen Winter zu einem Sängerbunde vereinigt,\nwelcher vier Concerte gibt, von denen das dritte in voriger Woche\nStatt fand. 600 Sänger und 80 Instrumentalisten wirkten in densel-\nben zusammen; einen gewaltigen Eindruck machte die Ausführung\ndes Preisliedes von Herx in Köln mit Begleitung von Blas-Instru-\nmenten (60 an der Zahl). Es musste wiederholt werden. Der Ein-\ntrittspreis ist absichtlich billig (V 2 Dollar, Amphitheater t/4 Dollar)\ngestellt, das Local aber eines der fashionabelsten. Dennoch werden\ndiese Concerte fast nur von Deutschen besucht und von einigen\nEngländern und Franzosen. Die echten Americaner scheinen wenig\nSinn für den Männergesang zu haben. Aufsehen macht, dass der\nberühmte Unternehmer Bar n u m fallirt hat [260,000 Dollars); der\nFall einer industriellen Compagnie, bei welcher er betheiligt war,\nhat ihn dazu gebracht. Kurz vor dem Ausbruche hatte er eben\neinen Contract mit deutschen Sängern zu dreissig Concerten unter-\nhandelt, der aber gtücklicher Weise noch nicht unterzeichnet war.\nWo eine alte (fast 200 jährige) Gamba, die sehr wohl zu einem\nVioloncell eingerichtet werden kann, billig zu verkaufen steht, er-\nfährt man auf portofreie Anfrage bei der Redaction."}]}