{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-03-22-01", "volume": "bmtnabi_1856-03-22_01", "ocr_sha256": "cc0a73c7de27e9dc66cd71a2f49334150d2eff0aee66264865667e58acb318ee", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/03/22_01/bmtnabi_1856-03-22_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-03-22-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-03-22_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-03-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "89", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 477, "texte": "Inhalt.\nNoch Einmal: Die drei B-dur-Accorde in der Zauberflöle. Von L. BischolT. Ciavierstücke von J. 0. Grimm, 11. von\nSahr, Ad. Schlösser, H. Strauss, W. Heller. I. Von L. Kindscher. — Aus Bonn (Abonnements-Concert). Von ***. — Aus Elberfeld\n(Opern-Aufführungen durch Dilettanten). •— Neuntes Gesellschafts-Concert in Köln (Messias). — Tages - und Unterhaltungsblatt\n(Köln, Rheinische Musikschule, F. Hiller, E. Michelmann — München — Th. Döhler f — Neapel — Paris u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-03-22-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-03-22_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-03-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "90", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.2.2", "titre_corps": "Noch Einmal: Die drei B-dur-Accorde in der Zauberflöte.", "titre_sommaire": "Noch Einmal: Die drei B-dur-Accorde in der Zauberflöte.", "signature_source": "L. 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Liszt das Verdienst zuspraeh, die\nNichtVerbindung der zwei halben zu einer ganzen Note z u-\nerst als etwas ganz Neues aufgebracht zu haben, erklärten\nwir lür unsere Person sehr bestimmt, dass dies etwas Altes\nund Allbekanntes sei (Nr. 6 dieses Jahrgangs). Als dage-\ngen die Herren Reuling und Schindler in Nr. 9 auf die\nTradition in Wien zu Gunsten des Gegentheils hinwiesen,\nmachte uns dies und die Berufung auf Namen wie Jos.\nWeigl und Ign. von Seyfried stutzig, und wir wiesen auf\ndie Entscheidung durch Einsicht der Original-Partitur hin.\nDass aber die Original-Partitur der Ouvertüre gesto-\nchen vorhanden sei und bereits im März 1829 von An-\nton Andre bei J. Andre in Offenbach mit diplomatischer\nGenauigkeit in schwarzem und rothem Druck veröffentlicht\nworden, um den ersten Entwurf und die Correcturen von\nder Instrumentirung und den späteren Zusätzen zu unter-\nscheiden, das wussten wir nicht oder hatten es vergessen.\nDurch die freundliche Zuschrift des Herrn Kunst- und Mu-\nsicalienhändlers Bernh. Priedel in Dresden wurden wir\ndarauf aufmerksam gemacht. Dort hatte man nämlich vor\neinigen Jahren, um die streitigen Ansichten der beiden Ca-\npellmeister Reissiger und Krebs zu schlichten, jene Parti-\ntur kommen lassen und das letzte noch vorräthige Exem-\nplar derselben Yon der Verlagshandlung erhalten. Glück-\nlicher Weise besitzt F. Hiller ein Exemplar, und dieses\nliegt uns vor.\nA. Andre bemerkt in dem Vorberichte, dass ihm der\nUnterschied in der Farbe der Dinte (die Instrumentirung\nu.s.w. ist mit blässerer Dinte geschrieben) im Manuscripte\ndie Sonderung durch farbigen Druck möglich gemacht habe,\nund dass er „Alles auf das genaueste nach der Origi-\nnal-Handschrift habe fertigen lassen.\"\nIn dieser Partitur nun finden sich S. 13 die drei B-\ndur-Accorde folgender Maassen geschrieben:\nDiese Noten in schwarzem Druck, also bereits im ersten\nEntwurf; der rothe zeigt dann die vollständige Ausfüllung\nin den Flöten, Oboen, Clarinetten, Fagotten, Hörnern und\nTrompeten—überall ohne Bindebogen.\nDie drei Posaunen hatte Mozart „auf einem Extra-\nblatte notirt\"; sie sind auch hier auf einem solchen abge-\ndruckt. Die drei Accorde ebenfalls ohne Ligatur.\nAber noch mehr. Im Vorberichte lührt A. Andre die-\njenigen Stellen der Partitur an, „welche besonders bemer-\nkenswerth erscheinen möchten\", und da heisst es denn\nunter Nr. 4 wörtlich, wie folgt:\n„Die Einleitungs-Figur des zweiten Theiles die-\nser Ouvertüre. Mozart bemerkte diesen Satz nur in den\nhöchsten Tönen desselben; da er aber den ersten Ton die-\nses Satzes nicht bloss im Einklang und dessen Octave, son-\ndern mit dem vollständigen Dreiklang instrumentiren wollte,\nso bemerkte er die Quinte des Accords in der zweiten\nOboe. Dass dieser dem profanen Publicum nicht verständ-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2292, "texte": "liehe Satz da und dort unrichtig aufgefasst und so execu-\ntirt wurde, als seien die beiden halben Noten nur eine\ndurch den Tactstrich getrennte ganze Note, dadurch\nrausste leider dieses feierliche Einleitungs-Adagio, an wel-\nches sich gerade nur diese nunmehr gleichsam mystisch\nbeginnende Bearbeitung dieses herrlichen Kunstwerkes an-\nschliessen konnte, ganz entstellt werden.\"\nFügen wir noch hinzu, was uns Professor 0. Jahn\nüber dieselbe Sache mittheilt: „ Bei den Accorden in der\nOuvertüre wie im zweiten Acte sind auch in der Simrock'-\nschen, recht genau gedruckten Partitur der Zauberflöte\nkeine Ligaturen; ich habe diese mit dem Original vergli-\nchen und mir nichts angemerkt. Da ich mit der streitigen\nFrage bekannt war, so glaube ich, dass das\nsilentiohier gültig ist. Uebrigens war Mozart eifriger Frei-\nmaurer, und das hat bei der Zauberflöte sichtlich mit-\ngewirkt.\"\nDas Gewicht des symbolischen Grundes lür die Nicht-\nLigatur können wir Nicht-Maurer, mithin Glieder des „pro-\nfanen\" Publicums, nicht würdigen; es wird uns aber sehr\nwahrscheinlich, dass es mit in die Wagschale gelegt wer-\nden muss. Entscheidend lür den musicalischen Vortrag ist\njedenfalls die klar und urkundlich in der Partitur vorlie-\ngende Absicht Mozart's. Die wiener Tradition ist mithin\ndieses Mal im Irrthum, und die Praxis im nördlichen\nDeutschland, wo allerdings auch die Maurerei mehr Wur-\nzel gefasst hat als im vorzugsweise katholischen Süden, die\nrichtige. Dass die Ligatur-Bogen in mehreren Ausgaben\nvon Clavier-Auszügen falsch sind, versteht sich nach allem\nObigen von selbst.\nSchliesslich wollen wir noch bemerken, dass in dem\nAndre'schen Abdrucke der Original-Partitur von einer Ac-\ncentuation des zweiten und vierten Viertels des Haupt-\nThema's nicht die Rede, sondern nur das vierte in allen\nvier Taeten mit f. bezeichnet ist; es ist daher fehlerhaft,\nwenn sich die ersten Violinen in ihrem dritten Tacte zu\neiner Betonung auch des zweiten Viertels dadurch verlei-\nten lassen, dass im Gegen-Thema (in der 11. Violine) das b\nauf diesem zweiten Viertel allerdings ein hat, was aber\nden Führer nichts angeht. Eben so wenig weis't die Par-\ntitur vor dem Eintritte des vollen Orchesters im 24.\nTacte ein Crescendo auf, wie man es zuweilen an dieser\nStelle fälschlich angebracht hört.\n\nL. Bischoff."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-03-22-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-03-22_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-03-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "90", "page_fin": "93", "image_debut": 2, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.2.3", "titre_corps": "Clavierstücke von J. O. Grimm, H. von Sahr, Ad. Schlösser, H. Strauss, W. Heller.", "titre_sommaire": "Clavierstücke von J. O. Grimm, H. von Sahr, Ad. Schlösser, H. Strauss, W. 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Es sind darin auch—\nund NB. unter einem raschen Tempo auszuführen—der\nSpannungen, Sprünge, harmonischen Vollgrifle nicht we-\nnige zu finden. Nur fragt es sich, ob all dieser Aufwand\nvon Kunstmitteln auch im Gleichgewichte und Verhältnisse\nzum anderen Theile, dem melodischen, steht. Und eben\ndieser letztere scheint hier auf Unkosten der technischen\nMittel etwas in den Hintergrund zu treten, und Mancher\nwürde vielleicht bei sich denken: der Sache wegen brauchte\nes nicht so vieler Umstände. Was bleibt denn überhaupt\ndem Spieler lür ein Ersatz lür seine gehabte Springe- oder\nQuälerei? Und wer wirklich auch mehr spielend die Tech-\nnik beherrschen kann, wird der sich auch lür melodischen\nMangel an der Technik entschädigt halten wollen? Wie\nganz anders sind z. B. nicht diese erwähnten beiden Ele-\nmente, die Kunst und die Natur, und wie in so schönem\nGleichgewichte vereint in Hummel's „ bella Capricciosa\",\nwo neben Bravour und Eleganz im Vortrage auch noch\ndas Ohr und das Herz ihren Antheil finden, und dies\nin wirklich schönen Melodieen! Aber es scheint, dass\ndiese Gemüths- und Natur-Wahrheit der ehemaligen Kunst\nin der Richtung der neueren „romantischen\" Schule eben\nso verachtet und verpönt sei, wie eben auch in der so ge-\nnannten feinen und vornehmen Welt so manches natür-\nliche Gefühl für unschicklich oder gemein gehalten und\nerklärt wird. Einen Vorzug hat von diesen beiden Compo-\nsitionen Nr. 1 H-mollvor Nr. 2 in welcher auch\nein paar unschön klingende Stellen, S. 4, Tact 2 und 5.\nJulius 0. Grimm, Abendbilder. Fünf Ciavierstücke.\nOp. 2. Leipzig, Breitkopf & Härtel. Preis 25 Ngr.\nNr. 1. Abendlandschaft. Lento, H-moll. 2/4. Wenn\ndurch die Kunst ein Bild eines anderen Gegenstandes\ngegeben werden soll, so hat sie in ihrem Bereiche alle\ndie möglichen ähnlichen Beziehungen zu diesem Gegen-\nstande hervorzuheben und hinzustellen, damit der Beschauer\nhier auch wirklich dem Künstler folgen und nachfühlen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4928, "texte": "kann. Was aber der Componist mit seiner Abendlandschaft\ngemeint, würde ohne Ueberschrift wohl schwer zu errathen\nsein. Während man bei einem solchen Bilde das Ideal der\nruhenden Naturschöne vor Augen hat, gibt dieser Satz\nvielmehr eine gewisse heimliche Unruhe. Oder ist es ein\ninnerer Gewissens-Wurm, den die äussere Ruhe der Natur\nbeschwichtigen soll, beschwichtigen möchte, aber nicht\nkann? Wollen daher solche allgemeine Beziehungen der\nSache nicht oder auch nicht genügend entsprechen, so\nbleibe die Ueberschrift lieber gänzlich weg; die Phantasie\ndes Hörers wird nach Gefallen schon selbst eine suchen.\nNr. 2. Bunte Gesellschaft im Freien (Scherzo, Allegro\nmolto quasi Presto).Wenngleich auch die vorige Tonart,\ndas düstere H-moll, hier die Grundfarbe, so ist dieser Satz\nnicht so verschwommen und streitet auch keineswegs mit\nseiner Ueberschrift. Das Bild scheint sogar so scharf um-\nrissen, dass es fast wie plastisch erscheint. In einer beson-\nderen, durch den Geist des Weines angeregten Menschen-\ngruppe bricht, etwa durch ein unvorsichtiges Wort, ein\nplötzlicher Streit aus, der unter den beiden Parteien zu-\ngleich Veranlassung zu anhaltenden Discussionen wird. Da\ntreten Einige, die aus der Entfernung diesem Getümmel\nzusahen, hinzu und bemühen sich sorgsam, durch beruhi-\ngende, begütigende Worte Frieden zu stiften, wenigstens\nnur, um einen scandalösen Excess zu verhüten. Kaum ist\njedoch die lange Ermahnungs-Predigt geschlossen, so ent-\nspinnt sich wieder der alte Wortwechsel und so, dass es\nfast zur Schlägerei kommt. Und nochmals und ganz in der\nKürze eine Friedens-Mahnung. Aber, ach! sie goss nicht\nWasser, sondern Oel ins Feuer, und nun beginnt eine\nmordmässige Rase- und Rauferei, die ihr endliches Ziel und\nStreben nur in einem allgemeinen Prügelregen sucht und\nfindet, und das wird denn doch, wenn auch im Freien, al-\nlerdings etwas zu bunt.\nNr. 3. Abendröthe (Andante con molo, A-moll, s/8).\nHier wird leider kein „Willkommen, o seliger Abend\" ge-\nsungen, in welches Lied eine ganze Gesellschaft gemüthlich\nmit einstimmt beim Anschauen des Himmels,\nden des Abends sanfte Rothe\nlieblich malt\nsondern es ist eher eine Schaamröthe über eine begangene\nThat, oder auch: es spiegelt sich ein sanfter Abend in der\nErinnerung eines Trauernden und weckt gerade darin den\nSchmerz um etwas Verlorenes.—Weite Griffe und Span-\nnungen, vorzüglich in der linken Hand. Einige harmoni-\nsche Curiosa gibt die Schlusszeile zu bedenken.\nNr. 4. Elfenchor (AllegreUo grazioso ma cm spirilo,\nD-dur, %)• Wiederum besser charakterisirt als das Vor-\nhergehende. Es malt das leichte, luftige Treiben dieser klei-\nnen beschwingten Geister und ihren Rundgesang. Ein leich-\nter und kurzer Anschlag wird erfordert.\nNr. 5. Harfners Nachruf (Andante sostenuto quasi Ada-\ngio, E-dur, 6/s). Was man sich hier denken soll, mag auf\nden ersten beiden Seiten Jeder sich selbst heraussuchen,\nwenn es möglich ist. Mit dem Beginne der dritten Seite\nahnt man endlich durch die arpeggirten und sonstigen\ngebrochenen Harmonieen etwas, von dem die Rede. lm\nDurchschnitt spielen sich diese Abendbilder nicht zu schwer.\nDer Componist scheint an mehreren Orten Robert Schu-\nmann sich zum Muster genommen zu haben.\nHeinrich von Sahr, Acht Stücke für das Piano-\nforte. Op. 1. Leipzig, Breitkopf & Härtel. Preis\n25 Ngr. A| K : : ;:v: J |\nSind von verschiedenem, d. h. mehr oder minderem In-\nteresse. Zu den mehr ansprechenden gehört Nr. 1 „ In nordi-\nscher Weise\", wo das tief Melancholische einer Ossian'schen\nKlage sich abspiegelt; ferner die beiden Andante Nr. 3 und\n5. In Nr. 4 hört man vier Mal das viertactige Thema hin-\nter einander, und das ist Monotonie und Quälerei lürs Ohr.\nDas Jagdlied Nr. 6 hat nicht die nothwendige Frische und\nDerbheit; es ist ihm sogar etwas von einer gewissen Ge-\ndankenblässe, von einer Sentimentalität angekränkelt, die\nvielleicht wohl ein vornehmer Jäger-Stutzer, aber der echte\nWaidmann nicht kennt. Hier auch zu erwähnen die ein-\nfache, gesunde Natur in den beiden Jägerchören aus dem\nFreischütz und aus Euryanthe von C. M. von Weber.\nAdolf Schlösser, Am Golf von Neapel. Phantasie-\nstück für das Pianoforte. Op. 7. Leipzig, Breit-\nkopf & Härtel. Preis 15 Ngr.\nDer Name soll die Sache bezeichnen und umgekehrt,\nwenn nicht alle Beziehung aufhören soll. Aber eben so\nwenig bekannter Maassen das Wort lucus, der Hain, a\nnon lucendo erklärt werden mag, oder so wenig auch—\num einen musicalischen Vergleich hier stellen\naus dem unsinnigen Tremuliren, aus dem Hin- und Her-\nwackeln des Oberkörpers einer Sängerin der beabsichtigte\nAusdruck für die Gefühls-Innigkeit klar wird, eben so we-\nnig vermag der Titel „Am Golf von Neapel\", so wie auch\ndie über den nicht eben interessanten Mittelsatz B-moll ge-\nsetzte Ueberschrift Tempestuosodie Absicht des Compo-\nnisten in den Tönen zu erklären, wie zu realisiren, das\nAuge müsste denn dem Ohr zu Hülfe kommen, um das\nrechte Verständniss zu geben. Aber die Eingangsthür zum"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4399, "texte": "Geiste des Hörers soll in der Musik lediglich das Ohr sein.\n(Darum könnten auch Mozart's Opern-Charaktere wohl der\nWorte entbehren, da schon der blosse Ton-Ausdruck die\nganze Person und ihre Gemüthsstimmung zeichnet.) Also\nhätte der Verfasser jedenfalls besser gethan, seiner Com-\nposition nichts an die Stirn zu setzen; denn es gibt ja be-\nkanntlich auch verschiedene Arten Rosen, Georginen u. s.\nw., welche die Namen Jenny Lind, Herzog Wellington, Kai-\nser Napoleon u. s. w. führen, wo das Sprüchwort: „Der\nName thut nichts zur Sache\", sich eben recht schlagend\nbewährt. Ein etwas coquettes macht sich oben auf der\nletzten Seite und für fgeltend, da, wo eben die Haupt-\nTonart Des-dur im ® Accord festen Fuss fassen will. Die\nneuere Romantik liebt aber nun einmal mehr, wo möglich\nrecht überschwänglich und künstlich, als gerade recht ein-\nfach und natürlich zu erscheinen.\nAdolphe Schlösser, Le papillon, elude de concert\npour le Piano. 0p.9.\nHärtel. Preis 1 5 Ngr.\nVivace, H-dur,V4. Schon mehr Consequenz, als im\nVorigen. Unter gebundenem und leichtem Vortrage hat\ndie rechte Hand beständige Sechszehntheil-Triolen, die\naus der Hohe in die Tiefe gehen, zu spielen. Im ach-\nten Tacte ist, und zwar nur auf einer Sechszehntheil-\nPause mit Fermate, eine kurze Rulle (schwebender Nonen-\nAccord), wo wahrscheinlich den losen Flatterer auf die\nDauer eines Augenblicks eine reizende Blume fesselte.\nAber er kann nicht verweilen, der kleine Leichtsinn, und\nnun geht's wieder auf und ab in die sonnigen Lüfte. Nun\nwerden die Triolen von der linken Hand in H-moll eine\nWeile fortgeführt, bis sie die rechte wieder in der ursprüng-\nlichen Tonart und im Thema erfasst. Der nun folgende\nMittelsatz, G-dur, piü meno (nämlich vivace) ma non troppo,\nhat wiederum eine etwas fragliche Bedeutung für und Be-\nziehung auf den Gegenstand und scheint bloss als Neben-\nTonart dienen zu sollen, durch welche das später wieder\nerscheinende Haupt-Thema einen Gegensatz, eine Art Folie,\ngewinnt. Obgleich Etüde de Concert überschrieben, ist die\nAusführung dieses Werkes nicht gerade für Virtuosen be-\nrechnet; denn auch Nicht-Virtuosen werden schon damit\nfertig werden, und bloss im erwähnten G-dur haben beide\nHände wegen Ausbreitung der Harmonie in den Mittel-\nstimmen einige Sprünge zu machen. Was würden aber die\nalten Theoretiker zu folgender Stelle wohl sagen:\nwo in Einem und demselben Viertel, und noch dazu querstän-\ndig, beide Nonen (die Dur-und zugleich erschei-\nnen? Vielleicht nichts Anderes, als: die neuere Romantik ist\nsehr genial, wie Figura zeigt; denn der Genius kennt\nkeine Schranken und sie wird, wie zu erwarten steht,\nbald die drückenden Quinten- und Octaven-Fesseln zerbre-\nchen. Es kommt endlich sogar dahin, dass es gar keine\nRegel mehr geben wird, welche von der frei gewordenen\nComponisten-Nachwelt ad acta zu den staubigeu Folianten\nder Musik-Archive getragen ist, und der griesgrämigen Kri-\ntik (wenn es ja dann noch eine gibt) antwortet man ent-\nweder mit den Worten Ludwig's des Vierzehnten:\nc'est moi!u oder mit denen desDey aus Rossini's Italiänerin\nin Algier: „Ich kenne kein anderes Gesetz als meinen\nWillen!\"\nAdolphe Schlösser, Allegro capriccioso pour le\nPiano. Op. 8. Leipsic, chez Breitkopf Sf Härtel.\nPreis 20 Ngr.\nDie Composition zeigt eine gute Arbeit und Gewandt-\nheit in der Factur. Die verschiedenen Themas treten zuerst\nin verschiedenen Tonarten auf und kommen dann später\nwieder zum Vorschein, und dieses zuweilen auf eine frap-\npante, überraschende Weise. Somit gewahrt man neben\nMannigfaltigkeit und Abwechslung auch einen gewissen or-\nganischen Zusammenhang, welcher eben durch die Ordnung\nund Symmetrie schon einen wohlgefälligen Eindruck machen\nwird. Auch sind dieMelodieen meist alle ansprechend. Was\ndas Technische anlangt, so scheint hier zugleich derEtuden-\nZweck mit berücksichtigt (wofür die gebrochenen Doppel-\nOctaven mit dem Fingerwechsel, so wie die Triolen-Figur\nim piü mossosprechen) und die Composition auch mehr für\nvorgeschrittene Ciavierspieler geschrieben zu sein. Ortho-\ngraphischer wäre aber im ersten piü mosso jedenfalls a c\neis d, statt a c des d gewesen; ferner hört man ein paar\nMal eine viertactige Sequenz, die auch unter ähnlicher Me-\nlodie und Harmonie als ein gewöhnlicher Schusterfleck gel-\nten kann, und mit der oben erwähnten fraglichen\nZerbrechung der Quinten und Octaven scheint es in der\nnachfolgenden Stelle wirklicher Ernst zu sein:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1215, "texte": "Adolphe Schlösser,\nPiano. 0p.6. Leipsic,\nPreis 15 Ngr.\nDer Arbeit und formellen Anordnung nach von ähn-\nlicher Art, wie das Vorhergehende. Als Grundstimmung\nfür das Seriöse ist die Tonart gewählt, welche\nwieder Milderung wie Gegensatz im verwandten A-dur fin-\ndet, in welchem nämlich die Linke das vorige Thema mit\nübernimmt, während die Rechte eine neue Melodie dazu\nstellt, bis endlich die Haupt-Tonart ihr Recht behauptet\nund auch wieder in der Oberstimme ihren Ausdruck findet.\nEben diesem Wiedererscheinen des tritt jedoch\nvier Tacte zuvor etwas feindlich ein zweimaliges entge-\ngen, so dass, obgleich sogar der D-dur-Accord (VI von\nFis-moll) folgt, man nach dem einleitenden Dominant-Ac-\ncord nun nicht naehr Fis-moll erwartet. Dieses störende\nais (S. 2, vorvorletzter Tact) müsste daher in umgeän-\ndert werden. Von etwas frappanter Art ist auch noch fol-\ngende Stelle wohl auch fürs Auge, wie fürs Ohr:\nDas auch hier nicht zu verkennende Arbeits-Talent\ndes Verfassers dürfte sich nicht ohne Vortheil in der „So-\nnate für Ciavier8 bethätigen. Und wird sich hier der Com-\nponist auch noch die Bildung schöner Melodieen angelegen\nsein lassen, so wird jedenfalls etwas Tüchtiges von ihm er-\nwartet werden können."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-03-22-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-03-22_01#c008", "volume": "bmtnabi_1856-03-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "94", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.2.4", "titre_corps": "Aus Bonn.", "titre_sommaire": "Aus Bonn.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.5", "debut_caractere": 1217, "fin_caractere_exclue": 4147, "texte": "Aus Bonn.\nAm 14. März schlössen unsere Abonnements-Concerte\nauf eine würdige Weise mit der Aufführung der\neroica von Beethoven und des von Cheru-\nbini. Herr Prof. 0. Jahn hatte, dem hiesigen Gebrauche\ngemäss, mit folgenden Worten das Publicum darauf vor-\nbereitet :\n„Das letzte Concertbringt uns zwei der grössten und\nernstesten Meisterwerke, welche die Musik des neunzehn-\nten Jahrhunderts aufzuweisen hat: Beethoven's Sinfo-\nnia eroicaund das Requiemlür gemischten Chor von Che-\nrubini. Beide sprechen das, wonach die neuere Kunst in\nunablässigem Streben ringt, die Freiheit des Individuums,\nmit seltener Kraft und Entschiedenheit aus; in Beiden ist\naber nicht minder bestimmt ausgedrückt, dass die künstle-\nrische wie die sittliche Freiheit nur darin beruht, dass der\nschaffende Künstler wie der handelnde Mensch die Gesetze\nder Kunst und der Sittlichkeit nicht als hemmende Fesseln,\nsondern als die nothwendige Bedingung seiner Existenz\nerkennt. Daher finden wir in beiden Kunstwerken die Form,\nwelche dem flüchtigen Blicke als ein Aeusserliches erscheint,\ndas er vernachlässigen dürfe, wenn es ihm lästig werde,\nmit Ernst und Strenge, aber auch mit Liebe und Freude\nbehandelt, weil in ihr das Leben des Kunstwerkes besteht.\n„Beethoven's Sinfonia eroica, im Jahre 1804 voll-\nendet, war das erste grosse Werk, in welchem sich seine\neigenthümliche Natur frei aussprach; durch äussere Aus-\ndehnung, durch grossartige Behandlung der Formen poly-\nphoner Instrumental-Musik in jeder Beziehung, durch Be-\ndeutung des idealen Gehalts überschritt sie weit die Schran-\nken, welche damals der Sinfonie gesteckt waren. Beethoven\nerkannte dies durch die stolze Bitte an, mit welcher er sie\nveröffentlichte: man möge, wenn man sie aufführe, nicht\nzu viel vorher geben, damit der Zuhörer sie in sich aufzu-\nnehmen fähig sei. Bekanntlich hatte er die Sinfonie ursprüng-\nlich Buonaparte überschrieben, und voll Zorn, dass der\nMann, den er als eine repubiicanische Heldengrösse ver-\nehrte, sich zum Kaiser erniedrigt habe, das Titelblatt zer-\nrissen und die Sinfonie dem Andenken eines grossen Man-\nnes gewidmet. In der That würde man sich sehr irren,\nwollte man in der Sinfonie eine Art von biographischem Ab-\nriss der Thaten des ersten Consuls oder auch nur eine\nCharakteristik der specifischen Heldennatur Napoleon's fin-\nden das Kriegerische ist ja nicht einmal äusserlich, am\nwenigsten durch den Trauermarsch ausgedrückt —; das We-\nsen eines heroischen Charakters glaubte Beethoven in sei-\nnem Werke ausgedrückt zu haben, als dessen sichtbarer\nTypus ihm damals Napoleon erschien; in Wahrheit gehören\nalle individuellen Züge Beethoven's eigener, grosser Natur\nan. Das Wesen des Heroismus aber setzte er in die sitt-\nliche Energie des Willens im Kampfe mit den Hemmnissen,\ndie der Mensch auf jedem Gebiete und in jedem Augen-\nblicke zu besiegen hat, wenn er das Ziel erreichen will,\nwelches er als das höchste erkennt. Das ist kein Zerquälen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3640, "texte": "uin eingebildete Noth, mit welcher der hypochondrische\nGrübler sich peinigt; kein Spielen mit selbstgeschaffenen\nSchwierigkeiten, in deren Ueberwindung der Virtuose\nglänzt; es ist der ernste, selbstbewusste, ehrliche Kampf\num innere Ruhe und Freiheit. Es ist mithin auch kein ab-\nstracter, im Voraus zurecht gelegter Stoff für eine musica-\nlische Darstellung; das Aussprechen eines inneren, immer\nund immer sich erneuernden Kampfes in küntlerischer Ge-\nstaltung ist vielmehr ein Act der wahren Reinigung und\nSelbstbefreiung des Künstlers.\n„Nicht minder bedeutend ist Cherubini's Requiem.\nAuch in seiner künstlerischen Natur ist Stolz und Energie,\nein bewusstes und entschiedenes Wahren der Individualität\njeder fremden Autorität gegenüber, eben so stark hervor-\ntretend, als die Anerkennung des durch die Gesetze der\nKunst Gebotenen; daher seine meisterhafte, strenge Be-\nhandlung der Form. Ein geborener Italiäner, war er in Pa-\nris heimisch geworden, und vereinigt in seinen künstleri-\nschen Leistungen auf eine merkwürdige Weise leidenschaft-\nliches, rasch aulloderndes Feuer mit einer geistreichen Fein-\nheit, die nicht selten bis zur epigrammatischen Pointe führt,\nfast immer eine knappe Kürze hervorbringt, ohne den stren-\ngen Ernst und die Grösse seiner Auffassungsweise je zu\nbeeinträchtigen. Die Tiefe der gemüthlichen Empfindung,\nwelche dem Deutschen eigen ist und ihn so leicht in die\nBreite subjectiver Sentimentalität sich verlaufen lässt, fehlt\nihm fast eben so sehr, als das Behagen am bloss äusser-\nlichen Wohlklang, das die Italiäner erfüllt. Seine Eigen-\nthümlichkeit tritt vornehmlich in diesem bestimmt\nund gross hervor. Unverkennbar ist ein gewisser Gegensatz\ngegen das Mozart'sche Requiem,das geraume Zeit hindurch\nmaassgebend geworden war, in der Auffassung des Ganzen,\nwie in der Behandlung im Einzelnen. Nicht als ob Cheru-\nbini sich vorgenommen hätte, Alles anders zu machen, als\nMozart; aber der ihm in dessen Requiem entgegentretende\nAusdruck einer so verschieden organisirten künstlerischen\nNatur liess unwillkürlich die Aeusserungen seiner eigenen\num so schärfer und prägnanter sich gestalten. So tritt uns\ndenn ein das Ganze durchdringender Ernst, eine Strenge\nentgegen, die bis zum Herben und Furchtbaren sich stei-\ngern und auch in der Trauer, in der Bitte den Grund-Cha-\nrakter des Erschütternden bewahren, welcher dem Gedan-\nken an den Tod und die letzten Dinge innewohnt. Den\nHöhepunkt erreicht die musicalische Darstellung im Dies\nirae. Während in den Sätzen, welche sich den kirchlichen\nFunctionen anschliessen, eben durch diese ihre rituale Be-\nstimmung eine gewisse Mässigung in der Auffassung wie\nin der formalen Behandlung hervortritt, lührt das\nmit allen Mitteln, über welche die Kunst zu gebieten hat,\ndie furchtbare Erscheinung des jüngsten Gerichtes uns vor\ndie Seele in einem meisterhaft angeordneten und geglieder-\nten Ganzen, das uns durch den strengen und schauerlichen\nErnst, welcher den Glanz der Farbenpracht durchdringt,\nan jene grossartigen Gemälde des jüngsten Gerichtes erin-\nnert, mit welchen die alten Meister die Kirchen schmückten.1'\nDie Ausführung beider Werke war recht lobenswerth.\nBeim Requiem machte sich freilich an der schwächeren Be-\nsetzung der Männerstimmen der Anfang der Universitäts-\nFerien bemerklich. So weit übrigens die Vereinigung,\nzweckmässige Verwendung und Benutzung der vorhande-\nnen Kräfte von dem Dirigenten abhängt, hat Herr Musik-\nDirector Albert Dietrich auch bei diesem Concerte\nwiederum bewiesen, was wir schon in den früheren erkannt\nhatten, dass er mit Sachkenntniss und Umsicht, mit Eifer\nund Begeisterung die Lösung seiner Aufgabe ins Auge\nfasst."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-03-22-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-03-22_01#c009", "volume": "bmtnabi_1856-03-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "94", "page_fin": "95", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.2.5", "titre_corps": "Aus Elberfeld.", "titre_sommaire": "Aus Elberfeld.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.6", "debut_caractere": 3642, "fin_caractere_exclue": 4673, "texte": "Aus Elberfeld.\nUnser Elberfeld ist ein Ort, der in sehr vielen Dingen\näusserst rührig und thätig ist, aber im Ganzen lieber han-\ndelt und thut, als davon spricht und schwatzt. So geht es\ndenn auch in musicalischen Dingen bei uns; wir machen\nviel Musik und gute Musik, aber\nSi charlae sileant quod\nMercedem tuleris!\nd. h. auf Deutsch: „Es kräht kein Hahn danach, wenn die\nNiederrheinische Musik-Zeitung davon schweigt!\" Von un-\nseren Concerten und Musik-Aufführungen kann man mit\ndemselben alten Heiden Horatius sagen:\nomnes „illaud\nUrgentur ignotique longa\nNocte, carent quia vate sacro!\nd. h.: „Alle unsere Leistungen liegen ungelobt und unbe-\nkannt in langer Nacht, weil sie des Berichterstatters ent-\nbehren !\"\nOhne nun ein „heiligerSänger\" zu sein, will ich doch,\nobwohl nicht einmal ein Sänger schlechtweg, Ihnen sagen,\ndass die hiesige Liedertafel unter Herrn Wein-\nbrenner sich in diesem Winter zu Unternehmungen em-\npor geschwungen hat, welche um so mehr Anerkennung\nverdienen, als es den Männergesang-Vereinen in der Regel"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3687, "texte": "nicht zugemuthet werden kann, Aufführungen von Opern\nzu veranstalten.\n„Wie! von Opern? Ihr kommt mir doch wohl nicht\nmit „„Mordgrundbruck\"\" oder „ „Barden und Buddel\"\"\nund dergleichen?\" Nein, vereintester Herr Redacteur.\nDie Mitglieder unserer Liedertafel und ihr Dirigent sind so\nliebenswürdig, dass in ihren musicalischen Kränzchen die\nnoch weit liebenswürdigeren Damen nicht bloss als Zuhö-\nrerinnen erscheinen, sondern auch als mitwirkende Künst-\nlerinnen. So haben dieselben vereint vor mehreren Wochen\nz. B. den Dorfbarbier von Schenk vollständig gege-\nben, wobei wir sogar zwei Nummern, die bei den Auffüh-\nrungen auf der Bühne gewöhnlich fehlen, in dem neu er-\nschienenen Clavier-Auszuge aber vorhanden sind, gehört\nhaben, nämlich ein Duett zwischen Suschen und Joseph\nund die vortreffliche Verzweiflungs-Arie des Joseph, und\nuns überhaupt an dem köstlichen Humor dieser echt deut-\nschen komischen Musik gar weidlich ergötzten, zumal da\ndie Vorstellung eine so abgerundete war, wie man sie nur\nselten hört, und dennoch nur von Dilettanten!\nAllein dabei blieb es nicht. Am 8. d. Mts. brachte die\nLiedertafel in ihrem dritten Kränzchen die vollständige Auf-\nführung von Weber's Freischütz. So sehr wir auch\ndurch die früheren dramatischen Leistungen in den Kränz-\nchen befriedigt waren, so hielten wir es doch für unmög-\nlich, dass ein Kreis von Dilettanten im Stande sein würde,\neine derartige Oper mit so grossem Personale und so\nschwierigen Ensemblestücken genügend auszuführen. Der\nErfolg übertraf aber so sehr alle Erwartungen, dass die\nDarstellung nicht allein in jeder Beziehung gut und abge-\nrundet, sondern sogar in einzelnen Partieen ausgezeichne-\nter war, als auf vielen Bühnen. Hierzu rechnen wir ganz\nbesonders die Chöre, namentlich in der Introduction, am\nSchlüsse des darauf folgenden Terzettes und im letzten Fi-\nnale; sodann die Partie des Eremiten, die wir niemals so\nvortrefflich hörten. Sämmtliche Haupt-Partieen: Agathe,\nAennchen, Max und Caspar, waren in den besten Händen\nund wurden so gut ausgeführt, dass wir lebhaft bedauern,\ndie Darsteller hier nicht namhaft machen zu dürfen, und\nuns darauf beschränken müssen, den herzlichsten Dank der\nZuhörer für ihre Leistungen auszusprechen.\nDie Aufführung fand in geschlossenem Kreise Statt,\nda ausser den Familien der Liedertafel-Mitglieder jedem\nAnderen der Zutritt versagt war. Bei dem hohen Genüsse,\nden diese Darstellung gewährte, konnte es nicht ausblei-\nben, dass Hunderte bedauerten, nicht Theil nehmen zu\ndürfen, und dass der allgemeine Wunsch laut wurde, die\nOper möchte in einer jedem Musikfreunde zugänglichen\nDarstellung wiederholt werden. Die Liedertafel kam diesem\nWunsche um so bereitwilliger entgegen, weil sie dadurch\nGelegenheit erhielt, ihrem Dirigenten Herrn Weinbrenner\nsich erkenntlich zu beweisen, dessen rastlosen Anstrengun-\ngen sie ganz allein den ausserordentlichen Erfolg verdankt,\nwelcher der ersten Aufführung zu Theil wurde.\nDiese Wiederholung fand nun zum Benefiz des Herrn\nWeinbrenner am Freitag den 14. d. Mts. Statt in dem\ndurch seine ausgezeichnete Akustik so günstigen Casino-\nsaale und mit vollständig besetztem Orchester, während bei\nder ersten Vorstellung nur die Hälfte der Capelle mitge-\nwirkt hatte. Die Oper wurde genau nach der Partitur (Ber-\nlin, bei Schlesinger) gegeben, keine Note weggelassen, so\ndass wir in dem letzten Finale etwa dreissig Tacte (in der\nPartie des Eremiten) hörten, die uns ganz unbekannt wa-\nren. Die Ensemblestücke und vollends die Chöre waren\nvon vortrefflicher Wirkung, und das Ganze begeisterte das\nPublicum, welches der Saal kaum fassen konnte, zu wie-\nderholtem lebhaftestem Beifall, der am Schlüsse in einen\nunendlichen Applaus ausbrach."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-03-22-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-03-22_01#c010", "volume": "bmtnabi_1856-03-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "96", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.2.6", "titre_corps": "Neuntes Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale.", "titre_sommaire": "Neuntes Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.7", "debut_caractere": 3689, "fin_caractere_exclue": 5301, "texte": "Neuntes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale.\nPalmsonntag, den 16. März.\nObschon es sonst hier nicht Sitte ist, ganze Oratorien in den\nGesellschafts-Concerten aufzuführen, weil man nicht gern eine Sin-\nfonie entbehrt, so konnte doch dieses Mal die Aufführung des\nMessias von G. F. Händel nicht anders als allgemeine Zustim-\nmung finden. Der Chor war so zahlreich, wie wohl diesen Winter\nnoch nie; es war ein erhebender Eindruck; den diese Fülle klang-\nreicher Stimmen, diese Sicherheit und Freudigkeit des Gesanges\nder begeisterten Schar machte. Die Frische und Kraft hielt in\nallen vier Stimmen bis zur letzten Note aus, und der Schlusschor\nerregte dcsshalb mit seiner glänzenden, auf und ab und durch einander\nwogenden Fugenflut fast eben so grosses Erstaunen und rauschen-\nden Beifall, als das Hallelujah. Es war überall Schwung, Geist und\nFeuer, und dennoch überall Maass. Es wurde nichts überstürzt,\neher sogar möchte unsere jetzige Empfindungsweise hier und da\nein etwas rascheres Zeitmaass verlangen oder wenigstens rechtfer-\ntigen, wie denn auch in England fast sämmtliche Tempi bewegter\ngenommen werden.\nWas von den Solostücken zur Ausführung kam, wurde von\nFräulein Thelen aus Düsseldorf (Sopran), Frau ß. aus Köln (Alt),\nHerrn K. aus Bonn (Tenor) und Herrn Musik-Director Rein tha-\nler, der an Herrn DuMont's Stelle eintrat, ganz gut gesungen,\nwenn auch nicht von Allen mit der grossen Stimmfülle, welche\nHändel's Arien erfordern, so doch würdig und in dem Geiste und\nin der richtigen Vortragsweise Händel'scher Musik, was am Ende\ndoch die Hauptsache ist. Das Publicum zeichnete besonders die'"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 284, "texte": "Vortrage der zweiten Alt-Arie: „Er\" ward verschmähet\", und der\nSopran-Arie: „Ich weiss, dass mein Erlöser lebt\", durch lauten\nBeifall aus. lm Orchester kamen in der Begleitung der Soli\neinige Ungenauigkeiten vor. Das Ganze war aber für jeden Freund\nmonumentaler Musik ein wahres Fest."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-03-22-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-03-22_01#c011", "volume": "bmtnabi_1856-03-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "96", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.8", "debut_caractere": 286, "fin_caractere_exclue": 5440, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolu. Die Rheinische Musikschule hielt am 14. und\n15. d. Mts. ihre jährliche Prüfung ab, welche ganz erfreuliche Re-\nsultate zeigte. Was speciel die angehenden Pianisten betrifft, so\nbekundeten ihre sämmtlichen Leistungen die treffliche Schule eines\ngediegenen Ciavierspiels, wodurch die Anstalt sich vorzüglich aus-\nzeichnet.\nDas Prüfungs-Concert am 18. d. Mts. hat die besten Ta-\nlente der oberen Classen vorgeführt und bewiesen, dass die Fort-\nschritte im Violinspiel und im Gesänge ebenfalls bedeutend sind.\nNach einem ins Einzelne gehenden Berichte in der Kölnischen\nZeitung Nr. 81 wurden alle Leistungen freudig anerkannt; nament-\nlich wird der junge Violinist Bach (von Bonn) ausgezeichnet. (Wir\nbedauern, nicht nach eigener Anhörung über das Goncert berichten\ntu können. Der „aussergewohnlich zahlreiche Besuch44 scheint die\nEinladungs- und Eintritts-Karten dermaassen absorbirt zu haben,\ndass für uns keine übrig blieb. Die Redaction.)\nHerr Ed. Michelmann aus Soest liess sich im Theater auf\nder Flöte hören. Der noch junge Mann, dem die Natur das Licht\nder Augen versagt hat, zeigte reine Intonation und sehr anerken-\nnenswerthe Fertigkeit.\nFerd. Hiller ist von der Gesellschaft Ca eil i a in Amster-\ndam zum Ehren-Mitgliede ernannt worden so viel wir wissen,\nder erste Ausländer, dem diese Ehre zu Theil wird. Er wird wäh-\nrend der Ferien der Musikschule einen Ausflug nach Braun-\nschweig machen, einer Einladung der dortigen herzoglichen Ca-\npelle folgend, in ihrem letzten diesjährigen Concerte einige von\nseinen Compositionen aufzuführen, beziehungsweise vorzutragen.\nMünchen« In dem zweiten Fasten-Concerte wurde hier Beet-\nhoven's Musik zu dem Ballet: „Die Geschöpfe des Prometheus44,\nvollständig gegeben, Sie enthält ausser der Ouvertüre fünfzehn\nNummern, zu denen G. S e i d 1 einige erläuternde Dichtungen ge-\nliefert hat. Franz Lachner verdankt die Partitur dieser mit Aus-\nnahme der Ouvertüre fast unbekannten trefflichen Musik der Kunst-\nhandlung Artaria in Wien, in deren Besitz sie sich befindet. Die\nWirkung war ausserordentlich, so dass die Musik in einem Extra-\nConcerte wiederholt werden musste.\nIn Wien ist ausser einer Mozart-Medaille (in Silber 10\nFL, in Erz 2 Fl.) auch ein Medaillon Mozart's in Gyps in\nden dortigen Musikhandlungen zu haben. Dieses letztere ist von\neinem im Jahre 1781 von dem Bildhauer Bosch in Buchsbaum\ngeschnittenen Original abgeformt. Im Jahre 1789 wurde dieses Bild,\nals das einzige von zuverlässiger Aehnlichkeit, von Mannsfeld\nin Kupfer gestochen und dieser Stich nach Mozart's Tode von\nKoll wieder nachgestochen. Das Original in Buchsbaum ist Eigen-\nthum des k. k. Bankbeamten J. Küss in Wien.\nDas eidgenössische Musikfest der Schweiz wird dieses\nJahr den 13» und 14. Juli in St. Gallen gefeiert werden.\nUeber Theodor Döhler's Tod tragen wir noch nach, dass\ner am 21. Februar d. J. zu Florenz an einem Blutsturze gestor-\nben ist. Er ist nur 42 Jahre alt geworden und hatte in den letzten\nJahren mit schweren körperlichen Leiden zu kämpfen. Seine Gat-\ntin Elisa, Gräfin Tscheremeleff, aus einer der angesehensten Farni-,\nlien in Russland, verschönerte in glücklichen Tagen sein Leben\nund linderte durch treue Pflege seine Schmerzen. Er hinterlässt\nden Ruhm eines der grössten Pianisten; namentlich war sein ge-\nbundenes Spiel unübertrefflich. Seine letzte Composition, eine Ta-\nrantella mit dem bezeichnenden Motto: „Veder Napoli e poi morir !-\"\nträgt die Opuszahl 75.\nDie Sängerin Medori hat in Neapel ausserordentlich gefallen.\nAls Künstlerin rechnet man ihr auch das besonders hoch an, dass\nsie das Anerbieten von 800 Ducaten für noch dreimaliges Auftre-\nten auf dem Theater S. Carlo desswegen ausschlug, weil die Opern\ndes Repertoires keine Meisterwerke nach ihrem Sinne wären. Sie\nkehrt nach Wien zurück.\nDie Gazetta Musicale von Neapel bringt an der Spitze ihrer\nNr. 10 in dicken Lettern folgende „Telegraphische Depe-\nsche. Mailand, den 5. März, Gestern Abends Einava, furore\ngrande, zwanzig Mal Hervorruf, ein Chor da capo verlangt, Applaus\nvon fünfzehn Minuten lang.44\nParis. Von dem „Nordstern44 fand in voriger Woche die 168.\nVorstellung Statt. Adela Ristori feiert wieder dieselben\nTriumphe, wie voriges Jahr. Der Paganini der Contrabassisten,\nBottesini, spielt jetzt öfter in den Zwischenacten der italiänischen\nOper; sein Vortrag des Carneval von Venedig erregte fabelhaften\nBeifallssturm, eben so seine Phantasie La Cerrito. Ueber seine Oper\nL'Assedio di Firenze nächstens ausführlicher.\nAm 13. d. Mts. Musste die angekündigte Vorstellung von Ver-\ndes II Trovatore aufgeschoben und dem bereits versammelten Pu-\nblicum das Eintrittsgeld zurückgezahlt werden/Herr Blanchet, Mu-\nsik-Verleger, hatte durch einen Gerichtsvollzieher und einen Po-\nlicei-Commissar Einspruch gethan, weil der Unternehmer Calzado\nden Trovatore contract massig nur mit Mario in der Haupt-\nrolle geben darf, diesem aber, der unwohl war, den Tenor Mon-\ngini subslituiren wollte.\nDie France Musicals erzählt uns, dass Mad. Ristori nächsten«\nin „Rosamunda, einer der besten Tragödien von Schi 11 er\",\nauftreten werde!\nDer Italiäner Braga macht als Violoncellist in Paris Aufsehen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nNoch Einmal: Die drei B-dur-Accorde in der Zauberflöle. Von L. BischolT. Ciavierstücke von J. 0. Grimm, 11. von\nSahr, Ad. Schlösser, H. Strauss, W. Heller. I. Von L. Kindscher. — Aus Bonn (Abonnements-Concert). Von ***. — Aus Elberfeld\n(Opern-Aufführungen durch Dilettanten). •— Neuntes Gesellschafts-Concert in Köln (Messias). — Tages - und Unterhaltungsblatt\n(Köln, Rheinische Musikschule, F. Hiller, E. Michelmann — München — Th. Döhler f — Neapel — Paris u. s. w.).\n\nNoch Einmal: Die drei B-dur-Accorde in der\nZauberflöte.\n\nEs ist im Grunde genommen kein gutes Zeichen für\nunsere musicalischen Gesetz-Bewahrer, dass eine Sache,\nwelche bereits vor Jahren urkundlich und rechtskräftig ent-\nschieden worden ist, wiederum in Frage kommen kann.\nWir meinen die Vortragsweise der drei e in\nder Ouvertüre und nach dem Priesterraarsch in Mozart's\nZauberflöte. Als man von Wien aus dem Dirigenten des\nMozart-Concertes F. Liszt das Verdienst zuspraeh, die\nNichtVerbindung der zwei halben zu einer ganzen Note z u-\nerst als etwas ganz Neues aufgebracht zu haben, erklärten\nwir lür unsere Person sehr bestimmt, dass dies etwas Altes\nund Allbekanntes sei (Nr. 6 dieses Jahrgangs). Als dage-\ngen die Herren Reuling und Schindler in Nr. 9 auf die\nTradition in Wien zu Gunsten des Gegentheils hinwiesen,\nmachte uns dies und die Berufung auf Namen wie Jos.\nWeigl und Ign. von Seyfried stutzig, und wir wiesen auf\ndie Entscheidung durch Einsicht der Original-Partitur hin.\nDass aber die Original-Partitur der Ouvertüre gesto-\nchen vorhanden sei und bereits im März 1829 von An-\nton Andre bei J. Andre in Offenbach mit diplomatischer\nGenauigkeit in schwarzem und rothem Druck veröffentlicht\nworden, um den ersten Entwurf und die Correcturen von\nder Instrumentirung und den späteren Zusätzen zu unter-\nscheiden, das wussten wir nicht oder hatten es vergessen.\nDurch die freundliche Zuschrift des Herrn Kunst- und Mu-\nsicalienhändlers Bernh. Priedel in Dresden wurden wir\ndarauf aufmerksam gemacht. Dort hatte man nämlich vor\neinigen Jahren, um die streitigen Ansichten der beiden Ca-\npellmeister Reissiger und Krebs zu schlichten, jene Parti-\ntur kommen lassen und das letzte noch vorräthige Exem-\nplar derselben Yon der Verlagshandlung erhalten. Glück-\nlicher Weise besitzt F. Hiller ein Exemplar, und dieses\nliegt uns vor.\nA. Andre bemerkt in dem Vorberichte, dass ihm der\nUnterschied in der Farbe der Dinte (die Instrumentirung\nu.s.w. ist mit blässerer Dinte geschrieben) im Manuscripte\ndie Sonderung durch farbigen Druck möglich gemacht habe,\nund dass er „Alles auf das genaueste nach der Origi-\nnal-Handschrift habe fertigen lassen.\"\nIn dieser Partitur nun finden sich S. 13 die drei B-\ndur-Accorde folgender Maassen geschrieben:\nDiese Noten in schwarzem Druck, also bereits im ersten\nEntwurf; der rothe zeigt dann die vollständige Ausfüllung\nin den Flöten, Oboen, Clarinetten, Fagotten, Hörnern und\nTrompeten—überall ohne Bindebogen.\nDie drei Posaunen hatte Mozart „auf einem Extra-\nblatte notirt\"; sie sind auch hier auf einem solchen abge-\ndruckt. Die drei Accorde ebenfalls ohne Ligatur.\nAber noch mehr. Im Vorberichte lührt A. Andre die-\njenigen Stellen der Partitur an, „welche besonders bemer-\nkenswerth erscheinen möchten\", und da heisst es denn\nunter Nr. 4 wörtlich, wie folgt:\n„Die Einleitungs-Figur des zweiten Theiles die-\nser Ouvertüre. Mozart bemerkte diesen Satz nur in den\nhöchsten Tönen desselben; da er aber den ersten Ton die-\nses Satzes nicht bloss im Einklang und dessen Octave, son-\ndern mit dem vollständigen Dreiklang instrumentiren wollte,\nso bemerkte er die Quinte des Accords in der zweiten\nOboe. Dass dieser dem profanen Publicum nicht verständ-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.2", "texte": "liehe Satz da und dort unrichtig aufgefasst und so execu-\ntirt wurde, als seien die beiden halben Noten nur eine\ndurch den Tactstrich getrennte ganze Note, dadurch\nrausste leider dieses feierliche Einleitungs-Adagio, an wel-\nches sich gerade nur diese nunmehr gleichsam mystisch\nbeginnende Bearbeitung dieses herrlichen Kunstwerkes an-\nschliessen konnte, ganz entstellt werden.\"\nFügen wir noch hinzu, was uns Professor 0. Jahn\nüber dieselbe Sache mittheilt: „ Bei den Accorden in der\nOuvertüre wie im zweiten Acte sind auch in der Simrock'-\nschen, recht genau gedruckten Partitur der Zauberflöte\nkeine Ligaturen; ich habe diese mit dem Original vergli-\nchen und mir nichts angemerkt. Da ich mit der streitigen\nFrage bekannt war, so glaube ich, dass das\nsilentiohier gültig ist. Uebrigens war Mozart eifriger Frei-\nmaurer, und das hat bei der Zauberflöte sichtlich mit-\ngewirkt.\"\nDas Gewicht des symbolischen Grundes lür die Nicht-\nLigatur können wir Nicht-Maurer, mithin Glieder des „pro-\nfanen\" Publicums, nicht würdigen; es wird uns aber sehr\nwahrscheinlich, dass es mit in die Wagschale gelegt wer-\nden muss. Entscheidend lür den musicalischen Vortrag ist\njedenfalls die klar und urkundlich in der Partitur vorlie-\ngende Absicht Mozart's. Die wiener Tradition ist mithin\ndieses Mal im Irrthum, und die Praxis im nördlichen\nDeutschland, wo allerdings auch die Maurerei mehr Wur-\nzel gefasst hat als im vorzugsweise katholischen Süden, die\nrichtige. Dass die Ligatur-Bogen in mehreren Ausgaben\nvon Clavier-Auszügen falsch sind, versteht sich nach allem\nObigen von selbst.\nSchliesslich wollen wir noch bemerken, dass in dem\nAndre'schen Abdrucke der Original-Partitur von einer Ac-\ncentuation des zweiten und vierten Viertels des Haupt-\nThema's nicht die Rede, sondern nur das vierte in allen\nvier Taeten mit f. bezeichnet ist; es ist daher fehlerhaft,\nwenn sich die ersten Violinen in ihrem dritten Tacte zu\neiner Betonung auch des zweiten Viertels dadurch verlei-\nten lassen, dass im Gegen-Thema (in der 11. Violine) das b\nauf diesem zweiten Viertel allerdings ein hat, was aber\nden Führer nichts angeht. Eben so wenig weis't die Par-\ntitur vor dem Eintritte des vollen Orchesters im 24.\nTacte ein Crescendo auf, wie man es zuweilen an dieser\nStelle fälschlich angebracht hört.\n\nL. Bischoff.\n\nClavierstücke von J. O. Grimm, H. von Sahr, Ad.\nSchlösser, H. Strauss, W. Heller.\nI.\nJulius O. Grimm, Zwei Scherzi für das Pianoforte\nzu vier Händen. Frau Clara Schumann verehrend\ngewidmet. Op. 4. Arrangement lür das Pianoforte\nzu zwei Händen. Leipzig, Breitkopf & HärteJ. Nr.\n1, Preis 20 Ngr. Nr. 2, Preis 15 Ngr.\nWie man sowohl aus der Dedication als aus dem von\nvier Händen auf zwei zurückgeführten Arrangement schon\nvermuthen kann, haben diese Seherzi die technische Bra-\nvour zu ihrem Vorwurf genommen. Es sind darin auch—\nund NB. unter einem raschen Tempo auszuführen—der\nSpannungen, Sprünge, harmonischen Vollgrifle nicht we-\nnige zu finden. Nur fragt es sich, ob all dieser Aufwand\nvon Kunstmitteln auch im Gleichgewichte und Verhältnisse\nzum anderen Theile, dem melodischen, steht. Und eben\ndieser letztere scheint hier auf Unkosten der technischen\nMittel etwas in den Hintergrund zu treten, und Mancher\nwürde vielleicht bei sich denken: der Sache wegen brauchte\nes nicht so vieler Umstände. Was bleibt denn überhaupt\ndem Spieler lür ein Ersatz lür seine gehabte Springe- oder\nQuälerei? Und wer wirklich auch mehr spielend die Tech-\nnik beherrschen kann, wird der sich auch lür melodischen\nMangel an der Technik entschädigt halten wollen? Wie\nganz anders sind z. B. nicht diese erwähnten beiden Ele-\nmente, die Kunst und die Natur, und wie in so schönem\nGleichgewichte vereint in Hummel's „ bella Capricciosa\",\nwo neben Bravour und Eleganz im Vortrage auch noch\ndas Ohr und das Herz ihren Antheil finden, und dies\nin wirklich schönen Melodieen! Aber es scheint, dass\ndiese Gemüths- und Natur-Wahrheit der ehemaligen Kunst\nin der Richtung der neueren „romantischen\" Schule eben\nso verachtet und verpönt sei, wie eben auch in der so ge-\nnannten feinen und vornehmen Welt so manches natür-\nliche Gefühl für unschicklich oder gemein gehalten und\nerklärt wird. Einen Vorzug hat von diesen beiden Compo-\nsitionen Nr. 1 H-mollvor Nr. 2 in welcher auch\nein paar unschön klingende Stellen, S. 4, Tact 2 und 5.\nJulius 0. Grimm, Abendbilder. Fünf Ciavierstücke.\nOp. 2. Leipzig, Breitkopf & Härtel. Preis 25 Ngr.\nNr. 1. Abendlandschaft. Lento, H-moll. 2/4. Wenn\ndurch die Kunst ein Bild eines anderen Gegenstandes\ngegeben werden soll, so hat sie in ihrem Bereiche alle\ndie möglichen ähnlichen Beziehungen zu diesem Gegen-\nstande hervorzuheben und hinzustellen, damit der Beschauer\nhier auch wirklich dem Künstler folgen und nachfühlen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.3", "texte": "kann. Was aber der Componist mit seiner Abendlandschaft\ngemeint, würde ohne Ueberschrift wohl schwer zu errathen\nsein. Während man bei einem solchen Bilde das Ideal der\nruhenden Naturschöne vor Augen hat, gibt dieser Satz\nvielmehr eine gewisse heimliche Unruhe. Oder ist es ein\ninnerer Gewissens-Wurm, den die äussere Ruhe der Natur\nbeschwichtigen soll, beschwichtigen möchte, aber nicht\nkann? Wollen daher solche allgemeine Beziehungen der\nSache nicht oder auch nicht genügend entsprechen, so\nbleibe die Ueberschrift lieber gänzlich weg; die Phantasie\ndes Hörers wird nach Gefallen schon selbst eine suchen.\nNr. 2. Bunte Gesellschaft im Freien (Scherzo, Allegro\nmolto quasi Presto).Wenngleich auch die vorige Tonart,\ndas düstere H-moll, hier die Grundfarbe, so ist dieser Satz\nnicht so verschwommen und streitet auch keineswegs mit\nseiner Ueberschrift. Das Bild scheint sogar so scharf um-\nrissen, dass es fast wie plastisch erscheint. In einer beson-\nderen, durch den Geist des Weines angeregten Menschen-\ngruppe bricht, etwa durch ein unvorsichtiges Wort, ein\nplötzlicher Streit aus, der unter den beiden Parteien zu-\ngleich Veranlassung zu anhaltenden Discussionen wird. Da\ntreten Einige, die aus der Entfernung diesem Getümmel\nzusahen, hinzu und bemühen sich sorgsam, durch beruhi-\ngende, begütigende Worte Frieden zu stiften, wenigstens\nnur, um einen scandalösen Excess zu verhüten. Kaum ist\njedoch die lange Ermahnungs-Predigt geschlossen, so ent-\nspinnt sich wieder der alte Wortwechsel und so, dass es\nfast zur Schlägerei kommt. Und nochmals und ganz in der\nKürze eine Friedens-Mahnung. Aber, ach! sie goss nicht\nWasser, sondern Oel ins Feuer, und nun beginnt eine\nmordmässige Rase- und Rauferei, die ihr endliches Ziel und\nStreben nur in einem allgemeinen Prügelregen sucht und\nfindet, und das wird denn doch, wenn auch im Freien, al-\nlerdings etwas zu bunt.\nNr. 3. Abendröthe (Andante con molo, A-moll, s/8).\nHier wird leider kein „Willkommen, o seliger Abend\" ge-\nsungen, in welches Lied eine ganze Gesellschaft gemüthlich\nmit einstimmt beim Anschauen des Himmels,\nden des Abends sanfte Rothe\nlieblich malt\nsondern es ist eher eine Schaamröthe über eine begangene\nThat, oder auch: es spiegelt sich ein sanfter Abend in der\nErinnerung eines Trauernden und weckt gerade darin den\nSchmerz um etwas Verlorenes.—Weite Griffe und Span-\nnungen, vorzüglich in der linken Hand. Einige harmoni-\nsche Curiosa gibt die Schlusszeile zu bedenken.\nNr. 4. Elfenchor (AllegreUo grazioso ma cm spirilo,\nD-dur, %)• Wiederum besser charakterisirt als das Vor-\nhergehende. Es malt das leichte, luftige Treiben dieser klei-\nnen beschwingten Geister und ihren Rundgesang. Ein leich-\nter und kurzer Anschlag wird erfordert.\nNr. 5. Harfners Nachruf (Andante sostenuto quasi Ada-\ngio, E-dur, 6/s). Was man sich hier denken soll, mag auf\nden ersten beiden Seiten Jeder sich selbst heraussuchen,\nwenn es möglich ist. Mit dem Beginne der dritten Seite\nahnt man endlich durch die arpeggirten und sonstigen\ngebrochenen Harmonieen etwas, von dem die Rede. lm\nDurchschnitt spielen sich diese Abendbilder nicht zu schwer.\nDer Componist scheint an mehreren Orten Robert Schu-\nmann sich zum Muster genommen zu haben.\nHeinrich von Sahr, Acht Stücke für das Piano-\nforte. Op. 1. Leipzig, Breitkopf & Härtel. Preis\n25 Ngr. A| K : : ;:v: J |\nSind von verschiedenem, d. h. mehr oder minderem In-\nteresse. Zu den mehr ansprechenden gehört Nr. 1 „ In nordi-\nscher Weise\", wo das tief Melancholische einer Ossian'schen\nKlage sich abspiegelt; ferner die beiden Andante Nr. 3 und\n5. In Nr. 4 hört man vier Mal das viertactige Thema hin-\nter einander, und das ist Monotonie und Quälerei lürs Ohr.\nDas Jagdlied Nr. 6 hat nicht die nothwendige Frische und\nDerbheit; es ist ihm sogar etwas von einer gewissen Ge-\ndankenblässe, von einer Sentimentalität angekränkelt, die\nvielleicht wohl ein vornehmer Jäger-Stutzer, aber der echte\nWaidmann nicht kennt. Hier auch zu erwähnen die ein-\nfache, gesunde Natur in den beiden Jägerchören aus dem\nFreischütz und aus Euryanthe von C. M. von Weber.\nAdolf Schlösser, Am Golf von Neapel. Phantasie-\nstück für das Pianoforte. Op. 7. Leipzig, Breit-\nkopf & Härtel. Preis 15 Ngr.\nDer Name soll die Sache bezeichnen und umgekehrt,\nwenn nicht alle Beziehung aufhören soll. Aber eben so\nwenig bekannter Maassen das Wort lucus, der Hain, a\nnon lucendo erklärt werden mag, oder so wenig auch—\num einen musicalischen Vergleich hier stellen\naus dem unsinnigen Tremuliren, aus dem Hin- und Her-\nwackeln des Oberkörpers einer Sängerin der beabsichtigte\nAusdruck für die Gefühls-Innigkeit klar wird, eben so we-\nnig vermag der Titel „Am Golf von Neapel\", so wie auch\ndie über den nicht eben interessanten Mittelsatz B-moll ge-\nsetzte Ueberschrift Tempestuosodie Absicht des Compo-\nnisten in den Tönen zu erklären, wie zu realisiren, das\nAuge müsste denn dem Ohr zu Hülfe kommen, um das\nrechte Verständniss zu geben. Aber die Eingangsthür zum"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.4", "texte": "Geiste des Hörers soll in der Musik lediglich das Ohr sein.\n(Darum könnten auch Mozart's Opern-Charaktere wohl der\nWorte entbehren, da schon der blosse Ton-Ausdruck die\nganze Person und ihre Gemüthsstimmung zeichnet.) Also\nhätte der Verfasser jedenfalls besser gethan, seiner Com-\nposition nichts an die Stirn zu setzen; denn es gibt ja be-\nkanntlich auch verschiedene Arten Rosen, Georginen u. s.\nw., welche die Namen Jenny Lind, Herzog Wellington, Kai-\nser Napoleon u. s. w. führen, wo das Sprüchwort: „Der\nName thut nichts zur Sache\", sich eben recht schlagend\nbewährt. Ein etwas coquettes macht sich oben auf der\nletzten Seite und für fgeltend, da, wo eben die Haupt-\nTonart Des-dur im ® Accord festen Fuss fassen will. Die\nneuere Romantik liebt aber nun einmal mehr, wo möglich\nrecht überschwänglich und künstlich, als gerade recht ein-\nfach und natürlich zu erscheinen.\nAdolphe Schlösser, Le papillon, elude de concert\npour le Piano. 0p.9.\nHärtel. Preis 1 5 Ngr.\nVivace, H-dur,V4. Schon mehr Consequenz, als im\nVorigen. Unter gebundenem und leichtem Vortrage hat\ndie rechte Hand beständige Sechszehntheil-Triolen, die\naus der Hohe in die Tiefe gehen, zu spielen. Im ach-\nten Tacte ist, und zwar nur auf einer Sechszehntheil-\nPause mit Fermate, eine kurze Rulle (schwebender Nonen-\nAccord), wo wahrscheinlich den losen Flatterer auf die\nDauer eines Augenblicks eine reizende Blume fesselte.\nAber er kann nicht verweilen, der kleine Leichtsinn, und\nnun geht's wieder auf und ab in die sonnigen Lüfte. Nun\nwerden die Triolen von der linken Hand in H-moll eine\nWeile fortgeführt, bis sie die rechte wieder in der ursprüng-\nlichen Tonart und im Thema erfasst. Der nun folgende\nMittelsatz, G-dur, piü meno (nämlich vivace) ma non troppo,\nhat wiederum eine etwas fragliche Bedeutung für und Be-\nziehung auf den Gegenstand und scheint bloss als Neben-\nTonart dienen zu sollen, durch welche das später wieder\nerscheinende Haupt-Thema einen Gegensatz, eine Art Folie,\ngewinnt. Obgleich Etüde de Concert überschrieben, ist die\nAusführung dieses Werkes nicht gerade für Virtuosen be-\nrechnet; denn auch Nicht-Virtuosen werden schon damit\nfertig werden, und bloss im erwähnten G-dur haben beide\nHände wegen Ausbreitung der Harmonie in den Mittel-\nstimmen einige Sprünge zu machen. Was würden aber die\nalten Theoretiker zu folgender Stelle wohl sagen:\nwo in Einem und demselben Viertel, und noch dazu querstän-\ndig, beide Nonen (die Dur-und zugleich erschei-\nnen? Vielleicht nichts Anderes, als: die neuere Romantik ist\nsehr genial, wie Figura zeigt; denn der Genius kennt\nkeine Schranken und sie wird, wie zu erwarten steht,\nbald die drückenden Quinten- und Octaven-Fesseln zerbre-\nchen. Es kommt endlich sogar dahin, dass es gar keine\nRegel mehr geben wird, welche von der frei gewordenen\nComponisten-Nachwelt ad acta zu den staubigeu Folianten\nder Musik-Archive getragen ist, und der griesgrämigen Kri-\ntik (wenn es ja dann noch eine gibt) antwortet man ent-\nweder mit den Worten Ludwig's des Vierzehnten:\nc'est moi!u oder mit denen desDey aus Rossini's Italiänerin\nin Algier: „Ich kenne kein anderes Gesetz als meinen\nWillen!\"\nAdolphe Schlösser, Allegro capriccioso pour le\nPiano. Op. 8. Leipsic, chez Breitkopf Sf Härtel.\nPreis 20 Ngr.\nDie Composition zeigt eine gute Arbeit und Gewandt-\nheit in der Factur. Die verschiedenen Themas treten zuerst\nin verschiedenen Tonarten auf und kommen dann später\nwieder zum Vorschein, und dieses zuweilen auf eine frap-\npante, überraschende Weise. Somit gewahrt man neben\nMannigfaltigkeit und Abwechslung auch einen gewissen or-\nganischen Zusammenhang, welcher eben durch die Ordnung\nund Symmetrie schon einen wohlgefälligen Eindruck machen\nwird. Auch sind dieMelodieen meist alle ansprechend. Was\ndas Technische anlangt, so scheint hier zugleich derEtuden-\nZweck mit berücksichtigt (wofür die gebrochenen Doppel-\nOctaven mit dem Fingerwechsel, so wie die Triolen-Figur\nim piü mossosprechen) und die Composition auch mehr für\nvorgeschrittene Ciavierspieler geschrieben zu sein. Ortho-\ngraphischer wäre aber im ersten piü mosso jedenfalls a c\neis d, statt a c des d gewesen; ferner hört man ein paar\nMal eine viertactige Sequenz, die auch unter ähnlicher Me-\nlodie und Harmonie als ein gewöhnlicher Schusterfleck gel-\nten kann, und mit der oben erwähnten fraglichen\nZerbrechung der Quinten und Octaven scheint es in der\nnachfolgenden Stelle wirklicher Ernst zu sein:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.5", "texte": "Adolphe Schlösser,\nPiano. 0p.6. Leipsic,\nPreis 15 Ngr.\nDer Arbeit und formellen Anordnung nach von ähn-\nlicher Art, wie das Vorhergehende. Als Grundstimmung\nfür das Seriöse ist die Tonart gewählt, welche\nwieder Milderung wie Gegensatz im verwandten A-dur fin-\ndet, in welchem nämlich die Linke das vorige Thema mit\nübernimmt, während die Rechte eine neue Melodie dazu\nstellt, bis endlich die Haupt-Tonart ihr Recht behauptet\nund auch wieder in der Oberstimme ihren Ausdruck findet.\nEben diesem Wiedererscheinen des tritt jedoch\nvier Tacte zuvor etwas feindlich ein zweimaliges entge-\ngen, so dass, obgleich sogar der D-dur-Accord (VI von\nFis-moll) folgt, man nach dem einleitenden Dominant-Ac-\ncord nun nicht naehr Fis-moll erwartet. Dieses störende\nais (S. 2, vorvorletzter Tact) müsste daher in umgeän-\ndert werden. Von etwas frappanter Art ist auch noch fol-\ngende Stelle wohl auch fürs Auge, wie fürs Ohr:\nDas auch hier nicht zu verkennende Arbeits-Talent\ndes Verfassers dürfte sich nicht ohne Vortheil in der „So-\nnate für Ciavier8 bethätigen. Und wird sich hier der Com-\nponist auch noch die Bildung schöner Melodieen angelegen\nsein lassen, so wird jedenfalls etwas Tüchtiges von ihm er-\nwartet werden können.\n\nAus Bonn.\nAm 14. März schlössen unsere Abonnements-Concerte\nauf eine würdige Weise mit der Aufführung der\neroica von Beethoven und des von Cheru-\nbini. Herr Prof. 0. Jahn hatte, dem hiesigen Gebrauche\ngemäss, mit folgenden Worten das Publicum darauf vor-\nbereitet :\n„Das letzte Concertbringt uns zwei der grössten und\nernstesten Meisterwerke, welche die Musik des neunzehn-\nten Jahrhunderts aufzuweisen hat: Beethoven's Sinfo-\nnia eroicaund das Requiemlür gemischten Chor von Che-\nrubini. Beide sprechen das, wonach die neuere Kunst in\nunablässigem Streben ringt, die Freiheit des Individuums,\nmit seltener Kraft und Entschiedenheit aus; in Beiden ist\naber nicht minder bestimmt ausgedrückt, dass die künstle-\nrische wie die sittliche Freiheit nur darin beruht, dass der\nschaffende Künstler wie der handelnde Mensch die Gesetze\nder Kunst und der Sittlichkeit nicht als hemmende Fesseln,\nsondern als die nothwendige Bedingung seiner Existenz\nerkennt. Daher finden wir in beiden Kunstwerken die Form,\nwelche dem flüchtigen Blicke als ein Aeusserliches erscheint,\ndas er vernachlässigen dürfe, wenn es ihm lästig werde,\nmit Ernst und Strenge, aber auch mit Liebe und Freude\nbehandelt, weil in ihr das Leben des Kunstwerkes besteht.\n„Beethoven's Sinfonia eroica, im Jahre 1804 voll-\nendet, war das erste grosse Werk, in welchem sich seine\neigenthümliche Natur frei aussprach; durch äussere Aus-\ndehnung, durch grossartige Behandlung der Formen poly-\nphoner Instrumental-Musik in jeder Beziehung, durch Be-\ndeutung des idealen Gehalts überschritt sie weit die Schran-\nken, welche damals der Sinfonie gesteckt waren. Beethoven\nerkannte dies durch die stolze Bitte an, mit welcher er sie\nveröffentlichte: man möge, wenn man sie aufführe, nicht\nzu viel vorher geben, damit der Zuhörer sie in sich aufzu-\nnehmen fähig sei. Bekanntlich hatte er die Sinfonie ursprüng-\nlich Buonaparte überschrieben, und voll Zorn, dass der\nMann, den er als eine repubiicanische Heldengrösse ver-\nehrte, sich zum Kaiser erniedrigt habe, das Titelblatt zer-\nrissen und die Sinfonie dem Andenken eines grossen Man-\nnes gewidmet. In der That würde man sich sehr irren,\nwollte man in der Sinfonie eine Art von biographischem Ab-\nriss der Thaten des ersten Consuls oder auch nur eine\nCharakteristik der specifischen Heldennatur Napoleon's fin-\nden das Kriegerische ist ja nicht einmal äusserlich, am\nwenigsten durch den Trauermarsch ausgedrückt —; das We-\nsen eines heroischen Charakters glaubte Beethoven in sei-\nnem Werke ausgedrückt zu haben, als dessen sichtbarer\nTypus ihm damals Napoleon erschien; in Wahrheit gehören\nalle individuellen Züge Beethoven's eigener, grosser Natur\nan. Das Wesen des Heroismus aber setzte er in die sitt-\nliche Energie des Willens im Kampfe mit den Hemmnissen,\ndie der Mensch auf jedem Gebiete und in jedem Augen-\nblicke zu besiegen hat, wenn er das Ziel erreichen will,\nwelches er als das höchste erkennt. Das ist kein Zerquälen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.6", "texte": "uin eingebildete Noth, mit welcher der hypochondrische\nGrübler sich peinigt; kein Spielen mit selbstgeschaffenen\nSchwierigkeiten, in deren Ueberwindung der Virtuose\nglänzt; es ist der ernste, selbstbewusste, ehrliche Kampf\num innere Ruhe und Freiheit. Es ist mithin auch kein ab-\nstracter, im Voraus zurecht gelegter Stoff für eine musica-\nlische Darstellung; das Aussprechen eines inneren, immer\nund immer sich erneuernden Kampfes in küntlerischer Ge-\nstaltung ist vielmehr ein Act der wahren Reinigung und\nSelbstbefreiung des Künstlers.\n„Nicht minder bedeutend ist Cherubini's Requiem.\nAuch in seiner künstlerischen Natur ist Stolz und Energie,\nein bewusstes und entschiedenes Wahren der Individualität\njeder fremden Autorität gegenüber, eben so stark hervor-\ntretend, als die Anerkennung des durch die Gesetze der\nKunst Gebotenen; daher seine meisterhafte, strenge Be-\nhandlung der Form. Ein geborener Italiäner, war er in Pa-\nris heimisch geworden, und vereinigt in seinen künstleri-\nschen Leistungen auf eine merkwürdige Weise leidenschaft-\nliches, rasch aulloderndes Feuer mit einer geistreichen Fein-\nheit, die nicht selten bis zur epigrammatischen Pointe führt,\nfast immer eine knappe Kürze hervorbringt, ohne den stren-\ngen Ernst und die Grösse seiner Auffassungsweise je zu\nbeeinträchtigen. Die Tiefe der gemüthlichen Empfindung,\nwelche dem Deutschen eigen ist und ihn so leicht in die\nBreite subjectiver Sentimentalität sich verlaufen lässt, fehlt\nihm fast eben so sehr, als das Behagen am bloss äusser-\nlichen Wohlklang, das die Italiäner erfüllt. Seine Eigen-\nthümlichkeit tritt vornehmlich in diesem bestimmt\nund gross hervor. Unverkennbar ist ein gewisser Gegensatz\ngegen das Mozart'sche Requiem,das geraume Zeit hindurch\nmaassgebend geworden war, in der Auffassung des Ganzen,\nwie in der Behandlung im Einzelnen. Nicht als ob Cheru-\nbini sich vorgenommen hätte, Alles anders zu machen, als\nMozart; aber der ihm in dessen Requiem entgegentretende\nAusdruck einer so verschieden organisirten künstlerischen\nNatur liess unwillkürlich die Aeusserungen seiner eigenen\num so schärfer und prägnanter sich gestalten. So tritt uns\ndenn ein das Ganze durchdringender Ernst, eine Strenge\nentgegen, die bis zum Herben und Furchtbaren sich stei-\ngern und auch in der Trauer, in der Bitte den Grund-Cha-\nrakter des Erschütternden bewahren, welcher dem Gedan-\nken an den Tod und die letzten Dinge innewohnt. Den\nHöhepunkt erreicht die musicalische Darstellung im Dies\nirae. Während in den Sätzen, welche sich den kirchlichen\nFunctionen anschliessen, eben durch diese ihre rituale Be-\nstimmung eine gewisse Mässigung in der Auffassung wie\nin der formalen Behandlung hervortritt, lührt das\nmit allen Mitteln, über welche die Kunst zu gebieten hat,\ndie furchtbare Erscheinung des jüngsten Gerichtes uns vor\ndie Seele in einem meisterhaft angeordneten und geglieder-\nten Ganzen, das uns durch den strengen und schauerlichen\nErnst, welcher den Glanz der Farbenpracht durchdringt,\nan jene grossartigen Gemälde des jüngsten Gerichtes erin-\nnert, mit welchen die alten Meister die Kirchen schmückten.1'\nDie Ausführung beider Werke war recht lobenswerth.\nBeim Requiem machte sich freilich an der schwächeren Be-\nsetzung der Männerstimmen der Anfang der Universitäts-\nFerien bemerklich. So weit übrigens die Vereinigung,\nzweckmässige Verwendung und Benutzung der vorhande-\nnen Kräfte von dem Dirigenten abhängt, hat Herr Musik-\nDirector Albert Dietrich auch bei diesem Concerte\nwiederum bewiesen, was wir schon in den früheren erkannt\nhatten, dass er mit Sachkenntniss und Umsicht, mit Eifer\nund Begeisterung die Lösung seiner Aufgabe ins Auge\nfasst.\n\nAus Elberfeld.\nUnser Elberfeld ist ein Ort, der in sehr vielen Dingen\näusserst rührig und thätig ist, aber im Ganzen lieber han-\ndelt und thut, als davon spricht und schwatzt. So geht es\ndenn auch in musicalischen Dingen bei uns; wir machen\nviel Musik und gute Musik, aber\nSi charlae sileant quod\nMercedem tuleris!\nd. h. auf Deutsch: „Es kräht kein Hahn danach, wenn die\nNiederrheinische Musik-Zeitung davon schweigt!\" Von un-\nseren Concerten und Musik-Aufführungen kann man mit\ndemselben alten Heiden Horatius sagen:\nomnes „illaud\nUrgentur ignotique longa\nNocte, carent quia vate sacro!\nd. h.: „Alle unsere Leistungen liegen ungelobt und unbe-\nkannt in langer Nacht, weil sie des Berichterstatters ent-\nbehren !\"\nOhne nun ein „heiligerSänger\" zu sein, will ich doch,\nobwohl nicht einmal ein Sänger schlechtweg, Ihnen sagen,\ndass die hiesige Liedertafel unter Herrn Wein-\nbrenner sich in diesem Winter zu Unternehmungen em-\npor geschwungen hat, welche um so mehr Anerkennung\nverdienen, als es den Männergesang-Vereinen in der Regel"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.7", "texte": "nicht zugemuthet werden kann, Aufführungen von Opern\nzu veranstalten.\n„Wie! von Opern? Ihr kommt mir doch wohl nicht\nmit „„Mordgrundbruck\"\" oder „ „Barden und Buddel\"\"\nund dergleichen?\" Nein, vereintester Herr Redacteur.\nDie Mitglieder unserer Liedertafel und ihr Dirigent sind so\nliebenswürdig, dass in ihren musicalischen Kränzchen die\nnoch weit liebenswürdigeren Damen nicht bloss als Zuhö-\nrerinnen erscheinen, sondern auch als mitwirkende Künst-\nlerinnen. So haben dieselben vereint vor mehreren Wochen\nz. B. den Dorfbarbier von Schenk vollständig gege-\nben, wobei wir sogar zwei Nummern, die bei den Auffüh-\nrungen auf der Bühne gewöhnlich fehlen, in dem neu er-\nschienenen Clavier-Auszuge aber vorhanden sind, gehört\nhaben, nämlich ein Duett zwischen Suschen und Joseph\nund die vortreffliche Verzweiflungs-Arie des Joseph, und\nuns überhaupt an dem köstlichen Humor dieser echt deut-\nschen komischen Musik gar weidlich ergötzten, zumal da\ndie Vorstellung eine so abgerundete war, wie man sie nur\nselten hört, und dennoch nur von Dilettanten!\nAllein dabei blieb es nicht. Am 8. d. Mts. brachte die\nLiedertafel in ihrem dritten Kränzchen die vollständige Auf-\nführung von Weber's Freischütz. So sehr wir auch\ndurch die früheren dramatischen Leistungen in den Kränz-\nchen befriedigt waren, so hielten wir es doch für unmög-\nlich, dass ein Kreis von Dilettanten im Stande sein würde,\neine derartige Oper mit so grossem Personale und so\nschwierigen Ensemblestücken genügend auszuführen. Der\nErfolg übertraf aber so sehr alle Erwartungen, dass die\nDarstellung nicht allein in jeder Beziehung gut und abge-\nrundet, sondern sogar in einzelnen Partieen ausgezeichne-\nter war, als auf vielen Bühnen. Hierzu rechnen wir ganz\nbesonders die Chöre, namentlich in der Introduction, am\nSchlüsse des darauf folgenden Terzettes und im letzten Fi-\nnale; sodann die Partie des Eremiten, die wir niemals so\nvortrefflich hörten. Sämmtliche Haupt-Partieen: Agathe,\nAennchen, Max und Caspar, waren in den besten Händen\nund wurden so gut ausgeführt, dass wir lebhaft bedauern,\ndie Darsteller hier nicht namhaft machen zu dürfen, und\nuns darauf beschränken müssen, den herzlichsten Dank der\nZuhörer für ihre Leistungen auszusprechen.\nDie Aufführung fand in geschlossenem Kreise Statt,\nda ausser den Familien der Liedertafel-Mitglieder jedem\nAnderen der Zutritt versagt war. Bei dem hohen Genüsse,\nden diese Darstellung gewährte, konnte es nicht ausblei-\nben, dass Hunderte bedauerten, nicht Theil nehmen zu\ndürfen, und dass der allgemeine Wunsch laut wurde, die\nOper möchte in einer jedem Musikfreunde zugänglichen\nDarstellung wiederholt werden. Die Liedertafel kam diesem\nWunsche um so bereitwilliger entgegen, weil sie dadurch\nGelegenheit erhielt, ihrem Dirigenten Herrn Weinbrenner\nsich erkenntlich zu beweisen, dessen rastlosen Anstrengun-\ngen sie ganz allein den ausserordentlichen Erfolg verdankt,\nwelcher der ersten Aufführung zu Theil wurde.\nDiese Wiederholung fand nun zum Benefiz des Herrn\nWeinbrenner am Freitag den 14. d. Mts. Statt in dem\ndurch seine ausgezeichnete Akustik so günstigen Casino-\nsaale und mit vollständig besetztem Orchester, während bei\nder ersten Vorstellung nur die Hälfte der Capelle mitge-\nwirkt hatte. Die Oper wurde genau nach der Partitur (Ber-\nlin, bei Schlesinger) gegeben, keine Note weggelassen, so\ndass wir in dem letzten Finale etwa dreissig Tacte (in der\nPartie des Eremiten) hörten, die uns ganz unbekannt wa-\nren. Die Ensemblestücke und vollends die Chöre waren\nvon vortrefflicher Wirkung, und das Ganze begeisterte das\nPublicum, welches der Saal kaum fassen konnte, zu wie-\nderholtem lebhaftestem Beifall, der am Schlüsse in einen\nunendlichen Applaus ausbrach.\n\nNeuntes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale.\nPalmsonntag, den 16. März.\nObschon es sonst hier nicht Sitte ist, ganze Oratorien in den\nGesellschafts-Concerten aufzuführen, weil man nicht gern eine Sin-\nfonie entbehrt, so konnte doch dieses Mal die Aufführung des\nMessias von G. F. Händel nicht anders als allgemeine Zustim-\nmung finden. Der Chor war so zahlreich, wie wohl diesen Winter\nnoch nie; es war ein erhebender Eindruck; den diese Fülle klang-\nreicher Stimmen, diese Sicherheit und Freudigkeit des Gesanges\nder begeisterten Schar machte. Die Frische und Kraft hielt in\nallen vier Stimmen bis zur letzten Note aus, und der Schlusschor\nerregte dcsshalb mit seiner glänzenden, auf und ab und durch einander\nwogenden Fugenflut fast eben so grosses Erstaunen und rauschen-\nden Beifall, als das Hallelujah. Es war überall Schwung, Geist und\nFeuer, und dennoch überall Maass. Es wurde nichts überstürzt,\neher sogar möchte unsere jetzige Empfindungsweise hier und da\nein etwas rascheres Zeitmaass verlangen oder wenigstens rechtfer-\ntigen, wie denn auch in England fast sämmtliche Tempi bewegter\ngenommen werden.\nWas von den Solostücken zur Ausführung kam, wurde von\nFräulein Thelen aus Düsseldorf (Sopran), Frau ß. aus Köln (Alt),\nHerrn K. aus Bonn (Tenor) und Herrn Musik-Director Rein tha-\nler, der an Herrn DuMont's Stelle eintrat, ganz gut gesungen,\nwenn auch nicht von Allen mit der grossen Stimmfülle, welche\nHändel's Arien erfordern, so doch würdig und in dem Geiste und\nin der richtigen Vortragsweise Händel'scher Musik, was am Ende\ndoch die Hauptsache ist. Das Publicum zeichnete besonders die'"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560322-01.1.8", "texte": "Vortrage der zweiten Alt-Arie: „Er\" ward verschmähet\", und der\nSopran-Arie: „Ich weiss, dass mein Erlöser lebt\", durch lauten\nBeifall aus. lm Orchester kamen in der Begleitung der Soli\neinige Ungenauigkeiten vor. Das Ganze war aber für jeden Freund\nmonumentaler Musik ein wahres Fest.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolu. Die Rheinische Musikschule hielt am 14. und\n15. d. Mts. ihre jährliche Prüfung ab, welche ganz erfreuliche Re-\nsultate zeigte. Was speciel die angehenden Pianisten betrifft, so\nbekundeten ihre sämmtlichen Leistungen die treffliche Schule eines\ngediegenen Ciavierspiels, wodurch die Anstalt sich vorzüglich aus-\nzeichnet.\nDas Prüfungs-Concert am 18. d. Mts. hat die besten Ta-\nlente der oberen Classen vorgeführt und bewiesen, dass die Fort-\nschritte im Violinspiel und im Gesänge ebenfalls bedeutend sind.\nNach einem ins Einzelne gehenden Berichte in der Kölnischen\nZeitung Nr. 81 wurden alle Leistungen freudig anerkannt; nament-\nlich wird der junge Violinist Bach (von Bonn) ausgezeichnet. (Wir\nbedauern, nicht nach eigener Anhörung über das Goncert berichten\ntu können. Der „aussergewohnlich zahlreiche Besuch44 scheint die\nEinladungs- und Eintritts-Karten dermaassen absorbirt zu haben,\ndass für uns keine übrig blieb. Die Redaction.)\nHerr Ed. Michelmann aus Soest liess sich im Theater auf\nder Flöte hören. Der noch junge Mann, dem die Natur das Licht\nder Augen versagt hat, zeigte reine Intonation und sehr anerken-\nnenswerthe Fertigkeit.\nFerd. Hiller ist von der Gesellschaft Ca eil i a in Amster-\ndam zum Ehren-Mitgliede ernannt worden so viel wir wissen,\nder erste Ausländer, dem diese Ehre zu Theil wird. Er wird wäh-\nrend der Ferien der Musikschule einen Ausflug nach Braun-\nschweig machen, einer Einladung der dortigen herzoglichen Ca-\npelle folgend, in ihrem letzten diesjährigen Concerte einige von\nseinen Compositionen aufzuführen, beziehungsweise vorzutragen.\nMünchen« In dem zweiten Fasten-Concerte wurde hier Beet-\nhoven's Musik zu dem Ballet: „Die Geschöpfe des Prometheus44,\nvollständig gegeben, Sie enthält ausser der Ouvertüre fünfzehn\nNummern, zu denen G. S e i d 1 einige erläuternde Dichtungen ge-\nliefert hat. Franz Lachner verdankt die Partitur dieser mit Aus-\nnahme der Ouvertüre fast unbekannten trefflichen Musik der Kunst-\nhandlung Artaria in Wien, in deren Besitz sie sich befindet. Die\nWirkung war ausserordentlich, so dass die Musik in einem Extra-\nConcerte wiederholt werden musste.\nIn Wien ist ausser einer Mozart-Medaille (in Silber 10\nFL, in Erz 2 Fl.) auch ein Medaillon Mozart's in Gyps in\nden dortigen Musikhandlungen zu haben. Dieses letztere ist von\neinem im Jahre 1781 von dem Bildhauer Bosch in Buchsbaum\ngeschnittenen Original abgeformt. Im Jahre 1789 wurde dieses Bild,\nals das einzige von zuverlässiger Aehnlichkeit, von Mannsfeld\nin Kupfer gestochen und dieser Stich nach Mozart's Tode von\nKoll wieder nachgestochen. Das Original in Buchsbaum ist Eigen-\nthum des k. k. Bankbeamten J. Küss in Wien.\nDas eidgenössische Musikfest der Schweiz wird dieses\nJahr den 13» und 14. Juli in St. Gallen gefeiert werden.\nUeber Theodor Döhler's Tod tragen wir noch nach, dass\ner am 21. Februar d. J. zu Florenz an einem Blutsturze gestor-\nben ist. Er ist nur 42 Jahre alt geworden und hatte in den letzten\nJahren mit schweren körperlichen Leiden zu kämpfen. Seine Gat-\ntin Elisa, Gräfin Tscheremeleff, aus einer der angesehensten Farni-,\nlien in Russland, verschönerte in glücklichen Tagen sein Leben\nund linderte durch treue Pflege seine Schmerzen. Er hinterlässt\nden Ruhm eines der grössten Pianisten; namentlich war sein ge-\nbundenes Spiel unübertrefflich. Seine letzte Composition, eine Ta-\nrantella mit dem bezeichnenden Motto: „Veder Napoli e poi morir !-\"\nträgt die Opuszahl 75.\nDie Sängerin Medori hat in Neapel ausserordentlich gefallen.\nAls Künstlerin rechnet man ihr auch das besonders hoch an, dass\nsie das Anerbieten von 800 Ducaten für noch dreimaliges Auftre-\nten auf dem Theater S. Carlo desswegen ausschlug, weil die Opern\ndes Repertoires keine Meisterwerke nach ihrem Sinne wären. Sie\nkehrt nach Wien zurück.\nDie Gazetta Musicale von Neapel bringt an der Spitze ihrer\nNr. 10 in dicken Lettern folgende „Telegraphische Depe-\nsche. Mailand, den 5. März, Gestern Abends Einava, furore\ngrande, zwanzig Mal Hervorruf, ein Chor da capo verlangt, Applaus\nvon fünfzehn Minuten lang.44\nParis. Von dem „Nordstern44 fand in voriger Woche die 168.\nVorstellung Statt. Adela Ristori feiert wieder dieselben\nTriumphe, wie voriges Jahr. Der Paganini der Contrabassisten,\nBottesini, spielt jetzt öfter in den Zwischenacten der italiänischen\nOper; sein Vortrag des Carneval von Venedig erregte fabelhaften\nBeifallssturm, eben so seine Phantasie La Cerrito. Ueber seine Oper\nL'Assedio di Firenze nächstens ausführlicher.\nAm 13. d. Mts. Musste die angekündigte Vorstellung von Ver-\ndes II Trovatore aufgeschoben und dem bereits versammelten Pu-\nblicum das Eintrittsgeld zurückgezahlt werden/Herr Blanchet, Mu-\nsik-Verleger, hatte durch einen Gerichtsvollzieher und einen Po-\nlicei-Commissar Einspruch gethan, weil der Unternehmer Calzado\nden Trovatore contract massig nur mit Mario in der Haupt-\nrolle geben darf, diesem aber, der unwohl war, den Tenor Mon-\ngini subslituiren wollte.\nDie France Musicals erzählt uns, dass Mad. Ristori nächsten«\nin „Rosamunda, einer der besten Tragödien von Schi 11 er\",\nauftreten werde!\nDer Italiäner Braga macht als Violoncellist in Paris Aufsehen."}]}