{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-04-05-01", "volume": "bmtnabi_1856-04-05_01", "ocr_sha256": "b6724af19a857007ac7aa6bb3bba759d01765a8b155568e09d6843918c33eac2", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/04/05_01/bmtnabi_1856-04-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-04-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-04-05_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "105", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 331, "texte": "Inhalt.\nlieber die Natur des Gesanges und sein Verhältniss zur Dichtkunst. (Schluss.) Von G. Pfarrius. Die musicalische\nWinterzeit von 1855—1856 in Düsseldorf. Von —6—. - Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, VI. Soiree Düsseldorf, Mu-\nsikfest Ründeroth, Concert von G. Flügel Darmstadt Weimar Braunschweig, F. Hiller Wien, Paulus)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-04-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-04-05_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "108", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.2.2", "titre_corps": "Ueber die Natur des Gesanges und sein Verhältniss zur Dichťtkunst.", "titre_sommaire": "Ueber die Natur des Gesanges und sein Verhältniss zur Dichťtkunst.", "signature_source": "G. 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Nr. 13.) ;\nWir haben gesehen, wie aus dem Schrei, der ur-\nsprünglichen, naturnothwendigen Aeusserung inneren Le-\nbens, in welcher Empfindung und Vorstellung instinctmäs-\nsig verbunden lagen, für Beide selbstständige Träger sich\nheraussonderten, ja, gleichsam wie aus einem gemeinschaftli-\nchen Keim hervor wuchsen, lür die Empfindung der ge-\nschwungene Ton, lür die Vorstellung das Wort; wir haben\nBeide auf ihrem gesonderten Entwicklungsgange verfolgt\nund angedeutet, wie aus jenem die Tonkunst, aus diesem\ndie Dichtkunst hervorblühte; wir Hessen aber bis hieher,\num in die Untersuchung nicht zu viel auf einmal aufzuneh-\nmen, unerwähnt, dass Tonkunst und Dichtkunst, gemäss\nder nachgewiesenen innigen Verwandtschaft in Bezug auf\nUrsprung, Beschaffenheit und Ziel, von Anfang an alle Ent-\nwicklungsstufen in immerwährendem engstem Bünd-\nnisse mit einander zurückgelegt haben, und dies unbehindert\nder selbstständigen Ausprägung ihres besonderen Charakters,\nja, mit der Einträchtigkeit, dass sie auch ihre zeitweise geson-\ndert gemachten Fortschritte hülfreich einander zu Gut kom-\nmen liessen. Zu keinem Ergebnisse lührt hiebei die Frage,\nob die Dichtkunst mehr durch die Tonkunst, oder die Ton-\nkunst mehr durch die Dichtkunst herangezogen wurde, da\nsie gleichsam vom Mutterschoosse aus in engster Vereini-\ngung ins Leben traten. Das Wort, das Zeichen der Vor-\nstellung, sobald diese von der Empfindung begleitet war,\nbegann wie von selbst zu hallen und ward geschwungener\nTon; der geschwungene Ton, als Ausdruck der Empfin-\ndung, rüstete sich, sobald diese mit einer bestimmten Vor-\nstellung verbunden war, wie von selbst mit dem Zeichen\ndieser Vorstellung, dem Worte, und ward so zugleich\nauch Träger derselben. In der Liebesklage, im Schlachten-\nrufe, im Gebete hallte das Wort wie von selbst als ge-\nschwungener Ton, ging in denselben über und brachte mit\nihm als untrennbares Ganzes eine Wirkung hervor, die Jedes\nfür sich hervorzubringen nicht im Stande war. Aber in dem\nMaas.se, wie die Behandlung von Wort und Ton eine freie\nund schöne, d. h. eine Kunst wurde, in dem Maasse be-\ntätigte sich auch ihre Vereinigung mit Freiheit und Schön-\nheit, und ward Gesang. Der Gesang also ist seinem Kern\nund Grundwesen nach nichts Anderes, als der entwickelte,\ndurch des Menschen Freiheits- und Schönheits-Sinn geadelte\nSchrei; in ihm wirken die gesonderten Elemente wieder\nvereinigt, einander ergänzend, einander stärkend, einander\ntragend; was Anfangs ein Erzeugniss der Naturnothwen-\ndigkeit, des Instinctes war, ist jetzt ein Gebilde künstleri-\nscher Freiheit, behält aber sein ursprüngliches Wesen in\nso fern bei, als seine beiden Elemente nicht zufällig und\nversuchsweise, neben einander oder einander ablösend, sich\nbekunden, sondern, kraft ihres Ursprunges, kraft ihres Ver-\nhältnisses der Wechselwirkung ein Ganzes bildend, auch\neine ganze, einheitliche Wirkung hervorbringen.\nSind ja doch hierbei auch zwei in einander verschmolzene\nFactoren in Thätigkeit, von denen ein jeder für sich schon\ndas Schöne in hohem Maasse zu wirken im Stande ist.\nDie Empfindung, das Gefühl, die Stimmung, die durch das\nblosse Vorstellungs-El< ment, das Wort, erregt werden\nkann, bringt ja für sich schon die Saiten des Gemüthes in\njene geheimnissvollen Schwingungen, die mehr oder weni-\nger den ganzen Menschen dem gewöhnlichen, dem Alltags-\nZustande entheben, ihn mit Wonne und dem Drange\nzum Auffluge über die Schranken von Zeit und Raum er-\nfüllen, kurz: die wir das Poetische, die wir die Wir-\nkungen des künstlerisch Schönen nennen; und ist,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5269, "texte": "vvos Niemand läugnen wird, das durch die Empfindungs-\nElemenfe, die Töne, hervorgebrachte Schöne, also das mu-\nsicalisch Schöne, in seinen Endwirkungen auf das Gemüth\nqualitativ mit dem genannten Eines und dasselbe, so erklärt\nsich, wie die einen Wirkungen durch die anderen vergrös-\nsert, wie die einen Gemüths-Erregungen durch die anderen\ngemehrt und verstärkt, wie Beide zusammen in ihrem ein-\nheitlichen Erfolge jene Macht darzustellen im Stande sind,\ndie wir die Macht des Gesanges nennen. Ein Beispiel möge\ndas Gesagte erläutern. Das Heine'sche Gedicht „Auf Flü-\ngeln des Gesanges * bringt in dem Leser eine gewisse eigen-\nthümliche Stimmung und mit ihr die Erregung des Gefühls\ndes Schönen hervor: wird dieses Gedicht in der ihm von\nMendelssohn verliehenen musicalischen Ausdrucksweise als\nLied vorgetragen, so fährt es fort, dieselbe eigentümliche\nStimmung und mit ihr das Gefühl des Schönen zu erregen,\nBeides aber in stärkerem Grade, indem zwei Momente, das\ndichterische und das musicalische, in Erstrebung eines ge-\nmeinschaftlichen, einheitlichen Resultates einander unter-\nstützen; das musicalisch gewirkte Schöne verstärkt das\ndichterisch gewirkte, weil es sich in derselben Stimmung,\nwie diesas, vollzieht; es würde es nicht verstärken, sondern\nunberührt lassen, wenn es in einer anderen Stimmung als\nder vom Dichter erregten vollzogen worden wäre, wenn\nz. B. der Tonkünstler den Worten des Dichters einen mu-\nsicalischen Ausdruck gegeben hätte, der an und für sich als\nMusik überaus schön wäre, aber etwa die Stimmung einer\nZech-Gesellschaft anklänge. Scheiden wir in dem genannten\nLiede die Tonschöpfung von der dichterischen, so bleibt der\nersteren Beides, die gewisse eigenthümliche Stimmung und\ndie mit ihr hervortretenden musicalischen Schönheiten; aber\ndie Stimmung ist eine schwankende, gefährdete, undeut-\nlichere, mithin schwächere, und die musicalischen Schön-\nheiten, wie gross sie auch sein mögen, erzeugen nicht\nman mache die Probe die oben bezeichnete poetische\nEkstase der Seele in dem Maasse, wie sie durch die Ver-\neinigung der Tonschöpfung mit der dichterischen hervorge-\nbracht wurde.\nDie Frage nun, ob bei einer solchen in der Seele des\nHörers durch den Gesang entstehenden Erregung das Vor-\nstellungs-Element, das dichterische, oder das Empfindungs-\nElement, das musicalische, den grösseren Antheil habe,\nlässt sich nicht mit einer Antwort für alle Fälle entschei-\nden. Hat ein grosser Componist einen schwachen Text ge-\nwählt, so wird das Ton-Element den grösseren, hat ein\ngrosser Dichter einen schwachen Componisten gefunden, so\nwird das Wort-Element den grösseren Antheil haben. Ich\nerinnere an gewisse Reichard'sche Compositionen Schiller'-\nscher Gedichte und an gewisse Texte Mozart'scher Ton-\ngebilde. Bei der Wirkung des oben genannten Heine-Men-\ndelssohn'schen Liedes würde ich beiden Elementen einen\ngleichen Antheil vindiciren. Ferner kommt bei Beantwortung\njener Frage wesentlich die Verschiedenheit in Betracht, die\nzwischen den Individualitäten obwaltet. Ein und dasselbe\nGesangstück kann auf zwei Individuen einen gleich starken\nEindruck machen, gleichwohl hat bei dem einen das musi-\ncalische Element, hei dem anderen das dichterische einen\ngrösseren Antheil an diesem Eindrucke. Es wird davon ab-\nhangen, ob ein Individuum glücklicher organisirt und aus-\ngebildet ist zur Aufnahme von musicalischen oder zur Auf-\nnahme von Vorstellungs-Wirkungen. So gibt es z. B. Per-\nsönlichkeiten, bei welchen an dem starken Eindrucke, den\nder erste Chorgesang im Fidelio auf sie macht, die Vor-\nstellung von der Lage der nach finsterer Einkerkerung\nplötzlich einmal wieder unter freiem Himmel athmenden\nGefangenen einen grösseren Antheil hat, als der der Vor-\nstellung verliehene musicalische Ausdruck. Es kann dies\neine Einseitigkeit, aber nicht eine Abnormität des inneren\nMenschen genannt werden, da in Bezug auf diese Gattung\nvon Seelen-Anlagen die Natur wenig Individuen völlig gleich\ngebildet hat. Die Ansicht, welche a priori dem Vorstellungs-\nElemente den grösseren Antheil an der Wirkung eines Ge-\nsangstückes beimissl, ist eben so irrig wie die, welche a\npriori vom Ton-Elemente ein Gleiches behauptet. Anders\nverhält es sich mit der Sache, wenn der Künstler entweder\neinerseits die Rede nur in erhöhterem Schwung-Tone, näm-\nlich als Recitativ, vortragen lässt, oder andererseits gros-\nsen musicalischen Ausführungen einen kleinen Theil der\nRede unterlegt, wie es z. B. mit dem Wörtchen „Amen*\noft geschieht; dann hat natürlich im ersten Falle das Vor-\nstellungs-Element, im zweiten das Ton-Element den grös-\nseren Antheil an der Wirkung; aber der Künstler ist auch\ndort in der Sphäre der Dichtkunst geblieben, hier hat er\nsich in die Sphäre der reinen Tonkunst hinüber begeben,\nund in beiden Fällen ist das Kunstwerk nicht eigentlich\nGesang zu nennen; namentlich ist im letzteren die mensch-\nliche Stimme gleichsam nur als Instrument für einen rein\nmusicalischen Vortrag gewählt.\nDer Gesang ist, um an das Obige wieder anzuknüpfen,\nalso nach Ursprung und Wirkung eine Ausdrucksweise,\ndie mit der Organisation des menschlichen Wesens physisch\nund geistig in engem, naturnothwendigem Zusammenhange\nsteht; der Trieb dazu ist ein tiefer, einheitlicher, mächtiger;\nseine Gebilde sind ursprünglich nicht als Zusammensetzun-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5203, "texte": "gen, „Compositionen\", sondern als Stücke aus einem\nGusse aus der Seele hervorgegangen, wie denn auch Dich-\nter und Sänger historisch nachweislich einst eine Person\nbildeten; eist eine Kunst, die zu allen Zeiten unter allen\nVölkern, je nach der Stufe ihrer Entwicklung, sich ausbil-\ndete, die von allen Künsten die grösste Pflege und Aus-\nübung gefunden und in ihren Wirkungen auf das mensch-\nliche Gemüth von keiner übertreffen wird.\nWenn hierbei nicht in Abrede zu stellen ist, dass\nDichtkunst und Tonkunst, jede auf ihrem gesonderten Ge-\nbiete, im Laufe der Zeit Eroberungen gemacht haben, in\nderen Folge sie vielfach einander entfremdet wurden und\nzur Erhaltung ihres Bundes grosser gegenseitiger Conces-\nsionen bedürfen, wenn jede in ihrem Bereiche eine Domaine\nerrungen, die als ein Noli me tätigere alle Gemeinschaft\nausschliesst, so kann dennoch nicht bestritten werden, dass\nein reicher, üppiger Boden zu gemeinschaftlicher Pflege\nauch bis heute ihnen geblieben, ja, dass da, wo sie in Con-\nllict und Missverhältniss zu einander getreten sind, der\nGrund gerade in der Verkennung und Nichtbeachtung der\nGränzen dieses gemeinschaftlichen Bodens gesucht wer-\nden muss.\nDie Anhaltspunkte zur Bestimmung dieser Gränzen\nergeben sich im Allgemeinen aus dem, was wir als Grund\nund Wesen des Gesanges darzustellen bemüht waren. Zu-\nnächst ergibt sich daraus, dass die Thätigkeit des Künstlers\nbei Hervorbringung von Gesang-Gebilden in dem Bestreben\nbestehen muss, von den Worten und Weisen, Vorstellungs-\nund Empfindungs-Trägern, nur solche in einer Vereinigung\ndarzustellen, die durch sich selbst zur Vereinigung drän-\ngen, d. h. die kraft des Verhältnisses der Wechselwirkung,\nin welcher Empfindung und Vorstellung zueinander stehen,\neine Einheit zu bilden im Stande sind; je vollständiger ihm\ndieses gelingt, desto vollständiger wird die Wirkung seiner\nErzeugnisse sein. Die durch die Vorstellung erregte Em-\npfindung pflegt der Seele eine Stimmung zu geben, die sie\ndrängt, dieselbe Empfindung oder Stimmung durch den\ngeschwungenen Ton auszudrücken, sich ihrer zu entäussern.\nWenn schon der Laie in der Kunst eine solche Aufforde-\nrung in sich lühlt und ihr durch schwache Andeutungen\nfast unwillkürlich Folge zu geben sucht, so ist sie desto\nlebendiger im Künstler, dessen Mission ja eben darin be-\nsteht, Inneres äusserlich darzustellen; die Geschicklichkeit\nin Auffindung und Verwendung der hierzu vorhandenen\nMittel ist ein Theil seiner Künstler-Begabung. Neben dem,\nwas das Wort als Vorstellungs-Träger wirkt, tragen zur\nErhöhung und Individualisirung der bezeichneten Stimmung\nnoch wesentlich jene Momente bei, die ihm durch die an\nsich schon in das Gebiet der Tonkunst streifende dichteri-\nsche Behandlung inwohnen, als da sind: Accentuation,\nRhythmus, Reim, Versgliederung und besonders die That-\nsache, dass in vielen Fällen schon das Wort an und für\nsich, kraft seiner materiellen Natur als Ton und kraft sei-\nnes Ursprungs aus dem Schrei, die Art der Tonschwingung\nanregt, die der Empfindung, von welcher es begleitet ist,\nentspricht. Sind ja doch eine nicht geringe Anzahl von\nWorten nicht bloss Zeichen einer Vorstellung, sondern auch\ndurch die Natur ihres Tones zugleich Vermittler der die\nVorstellung begleitenden Empfindung, wie etwa die Worte:\nSchauer, grauenhaft, frostig, zittern, jauchzen, und eine\nMenge Ur- und Stammwörter, wie sie in jeder Sprache\nvorkommen, besonders in denen solcher Völker, deren grosse\nLebhaftigkeit fast jede Vorstellung mit einer Empfindung\nbegleitet. Diese Benutzung des Worttones bei der Gesang-\nschöpfung, die nicht mit Tonmalerei verwechselt werden\ndarf, ist von grosser Bedeutung, und wer sie versäumt,\nentbehrt eines mächtigen Hebels.\nIndessen trotz den Mitteln engster Vereinigung, welche\nin den genannten Momenten Dichtkunst und Tonkunst fin-\nden, bestände für sie dennoch die Gefahr, in Zwiespalt zu\ngerathen, wenn sie nicht mit gegenseitigen Zugeständnissen\nauf ihr gemeinschaftliches Ziel hinarbeiteten. Da jede ja\nauch die ihr ausschliesslich eigenen Gesetze hat, ohne deren\nBeachtung sie gar nicht im Stande ist, au wirken, da die\nTonkunst z. B. das musicalisch Schöne oft nur durch Ton-\nEntwicklungeu, Figuren, Perioden u. s. w. vollziehen kann,\ndie nach Maass und Umfang mit dem Worte und seinen\nEntwicklungen in keinem Verhältnisse stehen, und umge-\nkehrt ein Gleiches von der Dichtkunst gilt, so muss im Auf-\nnehmen und Abgeben der Hauptwirkung zwischen Beiden\nein Wechsel eintreten, der, wenn er nicht gewisse Gränzen\nüberschreitet, dem Gesammt-Erfolge nicht nur nicht scha-\ndet, sondern ihn sogar wesentlich fördert. Wo z. B. durch\nein einziges Wort eine Empfindung erregt wird, die nur\ndurch eine Reihe von Tonschwingungen in entsprechender\nWeise wiedergegeben werden kann, und umgekehrt oft\ndurch einen einzigen Tonschwung eine Empfindung rege\nwird, die nur durch eine Reihe von Wörtern in entsprechen-\nder Weise sich anregen lässt, da bleibt im ersten Falle das\nWort so lange mehr oder weniger müssig, indem es die\nHauptwirkung dem Tone überlässt, und im zweiten Falle\nbleibt es der Ton, indem er die Hauptwirkung dem Worte\nüberlässt. Das Erstere pflegt durch Dehnung oder Wieder-\nholung des Wortes, das Zweite dadurch zu geschehen,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3573, "texte": "Dass der geschwungene fon entweder seine Figur zur Auf-\nnahme mehrerer Wörter gliedert und erweitert, oder eine\nArt von Abspannung, ja, mitunter sogar gänzliche Ruhe\nsich gönnt, damit die Wortreihe sich vollende. Das Mehr\noder Weniger ist zum Theil bedingt durch die Gattung\ndes Gesanges, und hängt davon ab, ob im einfachen Liede,\noder in der Arie, oder im Choral, oder im musicalischen\nDrama Dicht- und Tonkunst die Verbindung feiern. Bei al-\nlen Gattungen aber kommt dieser Wechsel im Abgeben\nund Aulnehmen der Hauptwirkung zwischen Wort und\nlon im Bereich Einer und derselben Stimmung zu voller\nGeltung und ist eine charakteristische Eigenschaft des Ge-\nsanges. Der Künstler, der ihn streng vermeiden zu müssen\nglaubt und sich abmüht, die beiden Elemente, Wort und\nlon, stets zugleich und stets mit gleicher Kraft wirken zu\nlassen, verkennt seine Aufgabe.\nAber in noch höherem Grade verkennt er sie, wenn\ner hierbei esn gewisses Maass überschreitet, wenn er das\nWort im Schwung-Tone ausdehnt und wiederholt, dass da-\nbei die Vorstellung, deren Zeichen es ist, gänzlich abhan-\nden kommt, oder wenn er den Schwung-Ton so lange\nruhen lässt, dass die Unmittelbarkeit des Empfindens auf-\nhört; im ersten Falle verlor er sich ins Gebiet der reinen\nlonkunst, im zweiten Falle in das der gesonderten Dicht-\nkunst, und in beiden Fällen hört sein Kunstgebilde auf,\nGesang zu sein. Es fehlt nicht an Beispielen dieser Gattung;\nhäufig geschieht es, dass der Künstler mit gänzlicher Hintan-\nsetzung des Wortes durch unverhäknissmässige Entwick-\nlung des lon-Elementes die Vorstellung in völlige Verges-\nsenheit bringt, ja, dass er, fortgerissen von der Gewalt rein\nmusicalischer Motive, eine der durch die Vorstellung er-\nweckten ganz entgegengesetzte Empfindung oder Stimmung\nanregt. Dass er sich alsdann nicht mehr auf dem Gebiete\ndes Gesanges, sondern auf dem der reinen Tonkunst be-\nwegt, bedarf keiner weiteren Erörterung; auch behauptet\nman natürlich mit vollem Rechte von einem solchen Kunst-\nwerke, dass der Ton einen grösseren Antheil an der Wir-\nkung habe, als das Wort. Eben so hat diese Behauptung\nauch da ihre Richtigkeit, wo die Worte so vorgetragen\nwerden, dass der Zuhörer sie nicht versteht, oder wo sie\neiner dem Zuhörer fremden Sprache angehören, wo also\ndas, was sich lür Gesang ausgibt, ihm gegenüber nichts\nweiter ist, als eine durch die menschliche Stimme, als blos-\nses lon-Instrument, ausgeführte rein musicalische Pro-\nduetion. Umgekehrt nun finden sich auch Beispiele von Ton-\ngebilden, worin das Wort mit seiner Vorstellung ein so\nunverhältnissmässiges Uebergewicht hat, dass sie aufhören,\nGesang zu sein. Weit entfernt davon sind wir, solchen Er-\nzeugnissen, die gewisser Maassen zwei eigene, einander ge-\ngenüber liegende Rubriken bilden, ihren Kunstwerth über-\nhaupt abzusprechen; der bleibt ihnen, so gewiss es eine\nDichtkunst und eine Tonkunst gibt; jede von ihnen wird\nnach Maassgabe individueller Geschmacks-Entwicklung, trotz\ngegenseitiger Anfeindung, durch alle Volksschichten hin-\ndurch ihre Verehrer und Anhänger finden; aber dass sie\nnach Wesen und W'irkung nicht mehr unter den Begriff\ndes Gesanges fallen, dessen Macht auf der möglichst voll-\nkommenen Verschmelzung zweier gleich berechtigten Ele-\nmente beruht, das haben wir nachzuweisen uns bestrebt.\nDie Bestimmung des rechten Maasses bei dieser Verschmel-\nzung in gegebenen Fällen, die Entdeckung des oft verbor-\ngen und wunderbar Uebereinstimmenden, die Offenbarung\ndesselben in einem einheitlich wirkenden Gebilde, das ist\ndas Geheimniss der Kunst, das lehrt die Berufenen der\nGenius."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-04-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-04-05_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "111", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.2.3", "titre_corps": "Die musicalische Winterzeit von 1855-1856 in Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Die musicalische Winterzeit von 1855-1856 in Düsseldorf.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.4", "debut_caractere": 3575, "fin_caractere_exclue": 5021, "texte": "Die musicalische Winterzeit von 1855-1856\nin Düsseldorf.\nUnsere musicalische Winter-Saison wurde durch das\nachte und letzte Concert des allgemeinen Musik-Vereins am\n1 I. März geschlossen. Eine kurze Besprechung unserer\nZustände, nachdem wir in den letzten Jahren regelmässig\nin diesen Blättern darüber berichtet, scheint uns auch\njetzt so wünschenswert!), dass wir vor dem Unerquicklichen\nunserer Aufgabe nicht zurücktreten zu dürfen glauben. Wir\nwerden uns möglichst an der Sache halten, bedauern in-\ndess, wo sie darunter leiden würde, auch die Person nicht\nschonen zu können. Unsere bisherigen zarleren Andeutun-\ngen sind bis jetzt unbeachtet geblieben, wesshalb wir eine\ndeutlichere Sprache zu lühren genöthigt sind.\nWir haben im vorigen Sommer mitgetheilt, dass unser\nGemeinderath gegen das Gutachten des Vorstandes des All-\ngemeinen Musik-Vereins und seiner eigenen musicalisch-\ntechnischen Commission Herrn Tausch zum städtischen Mu-\nsik-Director erwählte. Nachdem durch Ausschreiben einer\nConcurrenz sich viele Künstler angemeldet, welche sich auf\nglänzende Erfolge in ihrem bisherigen Wirkungskreise be-\nrufen konnten, überraschte die Wahl um so mehr, als sie,\ndiesen gegenüber, den Charakter der Mystification annahm.\nDass sich die Väter der Stadt den Einwirkungen der\nfreunde des Herrn Tausch nicht zu entziehen vermochten,\nhat uns weniger überrascht, als der Mangel ihrer eigenen\nUeberlegung, der sich in der Wahl ausspricht. Nach den"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5173, "texte": "Erfahrungen der vorhergegangenen Jahre mussten sie ein-\nsehen, dass wir nicht nur eines fachlich und allgemein ge-\nbildeten Musikers bedurften, sondern auch eines Mannes\nvon Energie, von Ausdauer, von Rührigkeit, von festem,\nselbstständigem künstlerischem Streben, und vor Allem von\neinnehmender, gewandter und anregender Persönlichkeit.\nOhne der Ehrenhaftigkeit des Herrn Tausch zu nahe zu\ntreten, dürfen wir die Herren vom Gemeinderathe fragen:\nBesitzt er diese Eigenschaften? Konnten sie darüber im\nZweifel sein, und wird es ohne sie je gelingen, unsere\nKräfte zu bilden, entfremdete wieder zu gewinnen und neue\nanzuziehen? Die Wahl wird als ein mit den verschiedenar-\ntigsten Mitteln erfochtener Sieg der Partei angesehen, welche\nihre jetzige Stellung, ihren jetzigen Emfluss durch eine be-\ndeutende Persönlichkeit als gefährdet betrachtet. Wir hal-\nten uns lür verpflichtet, den hochstehenden Bewerbern um\ndie jetzt von Herrn Tausch eingenommene Stellung gegen-\nüber, diese Ansicht offen auszusprechen.\nDer Allgemeine Musik-Verein ist in den letzten Jahren\nimmer mehr zusammen geschmolzen, so dass er nur über\ngeringe pecuniäre Mittel verlügt; sein Einfiuss auf unsere\nZustände bleibt indess so lange von der grössten Bedeu-\ntung, als er die Abonnements-Concerte, unter technischer\nLeitung des städtischen Musik-Directors, veranstaltet und\nsein Vorstand mit dem des Gesang-Vereins für gemischten\nChor die Concert-Direction bildet. In ihr prägen sich zwei\nverschiedene Parteien immer scharfer aus, von welchen die\nbei Weitem zahlreichere eine rein beralhende Fraction aus-\nmacht, welche der kleineren bereitwilligst die äusseren An-\nordnungen und Geschäfte überliisst. Letztere entwickelt\neine Thätigkeit, welche überall, selbst bei den unbedeutend-\nsten Gelegenheiten, nicht selten in ergötzlicher Weise be-\nmerkbar wird. Nach der selbstgefälligen Zufriedenheit, wel-\nche sich in Miene und Wort ausspricht, scheint indess die\nmusicalische Bildung und Intelligenz dieser kleinen Fraction\nin umgekehrtem Verhältnisse zu dem Grade ihrer Thätig-\nkeit zu stehen, und desshalb wird sich ihr Einfiuss schwer-\nlich zu einem günstigen je zu erheben.vera ögen. Die Ma-\njorität der Concert-Direction glaubt offenbar ihrer Pflicht\ngenügt zu haben, wenn die classische Richtung der Pro-\ngramme erhallen bleibt; die musicalische Ausführung scheint\nihr weder Sorge noch Kummer zu machen; denn kein Ver-\nsuch irgend einer Art ist uns bekannt geworden, um sie\nzu heben. Als charakteristisch erscheint uns eine aus zu-\nverlässigster Quelle geschöpfte Erklärung des jetzigen Prä-\nsidenten des Vereins: er könne den Vorsitz nur unter der\nBedingung annehmen, dass man ihn aller Verpflichtungen\nzu persönlicher Thätigkeit entbinde, weil er sich für\ndie Concerte nur seiner eigenen Mitwirkung\nin Chor und Orchester wegen interessire. W'ir\nüberlassen es jedem Unbefangenen, erbauliche Betrachtun-\ngen über den Geist anzustellen, der nach einer solchen,\nohne jede Entgegnung gebliebenen Erklärung in dem Ver-\neine zu herrschen scheint, welcher nach den Statuten die\nBeförderung der Tonkunst in Düsseldorf zum Zwecke ha-\nben soll. Zur ferneren Charakteristik dürfen wir es nicht\nunerwähnt lassen, dass in dem Verkehr der Concert-Di-\nrection mit dritten Personen häufig die auffallendsten Ab-\nweichungen von den Conventionellen Gebräuchen und For-\nmen vorkommen, welche nicht selten zu unangenehmen,\nder Sache schädlichen Berührungen führen.\nDer Gesang-Verein für gemischten Chor hat im Laufe\ndes letzten Winters abermals Zuwachs erhalten; er besitzt,\nausser im Tenor, viele kräftige, zum Theil aber fast gänz-\nlich ungebildete Stimmen. Alle Mitglieder werden indess\nzur Mitwirkung in den Concerten zugelassen. Diese Con- _\ncession mag für die Vermehrung der Zahl der Mitglieder\nnach ihnen scheint das Mitsingen die Hauptsache!\nund für die pecuniäre Blüthe des Vereins vorteilhaft sein:\nauf die Leistungen aber wird sie jedenfalls den nachtheilig-\nsten Einfiuss üben. Durchgreifende Einrichtungen und Be-\nstrebungen, die verschiedenen Bildungsstufen der Mitglieder\nauszugleichen, haben auch im verflossenen Winter nicht\nStatt gefunden.\n. . • '• *\nDas Orchester ist in seiner Besetzung ziemlich unver-\nändert geblieben; es hat ebenfalls verschiedene Kräfte, mit\nwelchen sich ganz Tüchtiges leisten liesse, wenn man sie\nin geeigneter Weise zu bilden suchte.\nDie letzten acht Abonnements-Concerte brachten fol-\ngende Werke: Sinfonia eroicavon Beethoven, Militär-Sin-\nfonie, G-dur, von Haydn, Sinfonie C-dur von Mozart, Sin-\nfonie Ä-durvon Beethoven, Sinfonie Nr. I. von Gade, Ouver-\ntüre zußuvßlas von Mendelssohn, Concert-Ouvertüre\nvon Rietz, Ouvertüre zum Beherrscher der Geister von\nWeber, Ouvertüre „Die Najaden\" von Sterndale Bennet,\nOuvertüre zur Zauberflöle von Mozart, Ouvertüre zu Fa-\nniska von Cherubini, Ouvertüre im ernsten Styl von Spohr,\nBeethoven's Musik zu Egmont, Erlkönigs Tochter, Ballade\nfür Chor, Soli und Orchester von Gade, Gesang der Geister\nüber den Wassern von Hiller, Chöre aus Elias von Men-\ndelssohn, Chöre ausJephta von Händel, Hymne „Gottheit, Dir\nsei Preis und Ehre\" von Mozart, „ Die Pilgerfahrt der Rose■\nvon Schumann, Motette„ Des Staubes eitle Sorgen# von Haydn,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4788, "texte": "Musik zu Preciosa von C. M. von Weber, „o,weint um\nsie\" aus Byron's hebräischen Gesängen von Hiller, Psalm\n„Nicht unserm Namen, o Herr\" von Mendelssohn, zwei\nvierstimmige Lieder für Chor und Orchester von Hauser.\nHerr Tausch spielte das C-moll-Covon Mozart, Fräul.\nAgnes Schönerstadt, eine hier lebende talentvolle Schülerin\nvon Frau Clara Schumann, das C-moll-Concert von Beet-\nhoven, und ausserdem hörten wir in Solo-Vorträgen die\nSängerinnen Fräul. Louise Thelen, Fräul. Anna Schornstein\nund Fräul. IdaDannemann aus Elberfeld, Fräul. Nina Hart-\nmann aus Köln, ferner den Kammersänger Koch aus Köln,\nden Cellisten Grützmacher aus Leipzig und unseren Geiger\nFranz Seiss. Ein Theil der Soli wurde von Dilettanten ge-\nsungen.\nUeber die Leistungen des Orchesters müssen wir das\nwiederholen, was wir in unseren vorigen Berichten darüber\nsagten. Unreinheit der Stimmung, Unsauberkeiten, Fehler,\nMangel an jeder Feinheit der Nuancirung, Missverhältniss\nder begleitenden zu den melodieführenden Stimmen charak-\nterisiren dieselben. Man fühlt, dass die Ausfühl enden me-\nchanisch, nachlässig und theilnahmlos ihre Stimmen abspie-\nlen, und dass dem Dirigenten die Eigenschaften fehlen, wo-\ndurch sich eine Aufführung geistig beleben lässt. Die Beet-\nhoven'schen Sinfonieen sind das Einzige, was Beide mit einer\ngewissen Vorliebe zu behandeln scheinen, und wenn ihre\nAusführung auch weit hinter dem zurückbleibt, was Men-\ndelssohn, Rietz und Hiller hier leisteten, so bilden sie doch\ndas relativ Beste unserer Concerte.\nDie Chor-Leistungen blieben, wie früher, hinter jenen\ndes Orchesters noch bedeutend zurück. Wir erinnern uns\nkeines einzigen Musikstückes, das vollkommen rein, klar\nund sicher, geschweige denn fein und charakteristisch vor-\ngetragen worden wäre. Der Chor folgte zudem nicht selten\nden vorgeschriebenen Zeichen so ungeschickt, dass der Vor-\ntrag selbst leichter Stellen dadurch zur Caricatur wurde.\nWir erinnern z. B. an den bekannten Chor aus Idomeneo\n„Ruhig sind Wind und Welle\". An der Stelle:\nmachte der Sopran beim Uebergang vom Piano zum Forte\nauf giseine ungemein komische Wirkung. Im letzten Con-\ncerte erreichte die Unsicherheit und Unreinheit in dem\nSchlusschor des Mendelssohn'schen Psalmes und den Hau-\nser'schen Liedern—es ist, nebenbei gesagt, eine eigentüm-\nliche Idee, das kleine Heine'sche Gedicht „Leise zieht durch\nmein Gemüth\" und das Reinick'sche Frühlingslied „Ging\nunter dunkeln Zweigen\" für vierstimmigen Chor und Or-\nchester-Begleitung, letztere mit Pauken und Trompeten, zu\ncomponiren! eine solche Höhe, dass Alles chaotisch ver-\nschwamm.\nDie Solo-Vorträge enthielten Gelungenes und Vorzüg-\nliches neben gänzlich Verfehltem; zu Letzterem ist nament-\nlich Manches von den Vorträgen einheimischer und auswär-\ntiger Dilettanten zu zählen. Es gehört zu den erfreulichsten\nSeiten unseres rheinischen Musiklebens, dass Dilettanten\nöffentlich singen, weil dadurch Werke zugänglich werden,\nauf deren Aufführung man sonst verzichten müsste; wenn\nindess der Musik-Director den Dilettanten auftreten lässt,\nohne seine Leistungen zu prüfen, ohne mit ihm seine Partie\ngehörig zu studiren, so handelt er gewissenlos an dem\nWerke, an dem Publicum und an dem Dilettanten selbst,\nden er der Kritik aussetzt. Unsere Concerte dienten leider\nzu manchem gänzlich verfehlten Erstlings-Versuche, wofür\ndie Verantwortung nicht auf den Dilettanten, sondern auf\nHerrn Tausch zurückfällt.\nWir wollen nicht zu ermitteln suchen, ob die Concerte\nder letzten Saison denen der vorletzten gegenüber als fort-\ngeschritten zu betrachten sind oder nicht; sie blieben je-\ndenfalls auf so niedriger Stufe, dass sie zu einer Hoffnung\nfür die Zukunft nicht berechtigten. Ueberhaupt gibt sich in\nunseren Zuständen an den leitenden Stellen ein Mangel an\nmusicalischer Bildung und künstlerischem Sinne, eine Ueber-\nschätzung der eigenen Leistungen, eine Nonchalance in der\nBehandlung der schwierigsten Aufgaben zu erkennen, woran\njeder glückliche Erfolg scheitern muss. Wir dürfen daher\neine Wendung zum Bessern erst nach einem Wechsel der\nMajorität der leitenden Personen erwarten, weil sich die\nBildung unserer zum Theil bedeutenden Kräfte nur auf\nder Basis angemessener Reformen und methodisch durch-\ngeführter Principien erreichen läss£.\nEine Bemerkung über unser Concert-Publicum glau-\nben wir mittheilen zu müssen. Die junge Welt, welche im-\nmer zahlreicher auf dem Orchester paradirt, scheint dem\nSaale eine Menge Papa's und Mama's, Onkel, Tanten und\nVerwandte zugeführt zu haben, welche ein so dankbares\nPublicum bilden, dass auf seinen Beifall sicher zu rechnen\nist. Im Ganzen hat der Concert-Besuch abgenommen, und wir\nglauben die wahren Freunde der Tonkunst von nah und von\nfern immer häufiger zu vermissen ein trauriger Beweis,\ndass für sie die Concerte an Anziehungskraft verlieren."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2342, "texte": "Die Nonchalance, welche wir andeuteten, manifestirt\nsich sogar auf einem Felde, auf welchem sie nie vorkom-\nmen sollte, auf dem der Kirchenmusik. Wir hörten am\nGrünendonnerstage in der Hauptkirche einige Chöre von\nPalestrina und das schöne achtstimmige Crucifixus von Lotti,\ndas wir schon durch Mendelssohn und Rietz kennen lern-\nten. Jene bereiteten die Aufführung durch eine Reihe der\nsorgfältigsten Proben vor, Herr Tausch dagegen war mit\neinigen wenigen fertig geworden. Selbst der beste Chor,\nder zum ersten Male alt-italiänische Musik a capella singt,\nkann nach so kurzer Vorbereitung die geistige Seite der\nAufgabe nicht lösen, das wird jeder, der sie begreift, ein-\nsehen; bei unserem Chor aber musste auch die technische\nBehandlung höchst mangelhaft bleiben. Wir wollen nur\nausser der Unreinheit und Unsicherheit im Allgemeinen\neinige besonders hervortretende Schattenseiten der Auffüh-\nrung erwähnen. Vor dem Chor Palestrina's „ Tenebrae factae\nsunt * wussten die Sänger nach längerem, in der ganzen\nKirche vernehmbarem Summen den Ton nicht zu treffen.\nDer einfache Dur-Accord, womit der Chor beginnt, wurde\ndesshalb so verfehlt, dass man befürchten musste, die Sän-\nger würden sich nicht wieder zurecht finden. In dem Cru-\ncifixus führen die tieferen Stimmen auf den Worten „sub\nPontio Pilatou eine Figur aus, die sich durch die Harmo-\nnieen der übrigen schlingt. Statt diese Figur sanft zu bin-\nden und mit jenen zu verweben, wurde sie so gestossen,\nin so rascher Bewegung und mit so starken rhythmischen\nAccenlen vorgetragen, dass sie, aus dem Ganzen vollstän-\ndig hervortretend, einen an Trivialität gränzenden Charak-\nter annahm, den wir im grellsten Widerspruch zur Würde\ndes Gottesdienstes fanden.\nWir schliessen hiermit den diesjährigen Bericht. Wer\nsich unserer musicalischen Aera erinnert, die, mit Mendels-\nsohn beginnend, unter Rietz und Hiller fortblühte, bis sie\ndurch Schumann's unglückliches Geschick in das jetzige\nStadium zurückfiel, der wird das Traurige unserer Zustände\ndoppelt empfinden. Er wird aber auch aus jener Epoche\nden Trost schöpfen, dass es für Düsseldorf eine Zeit gab,\nin der die Tonkunst um ihrer selbst willen mit Ernst und Be-\ngeisterung gepflegt wurde, und an der Hoffnung festhalten,\ndass eine solche, trotz aller düsteren Wolken, die sich jetzt\nvor unseren Blick lagern, wiederkehren kann. —6"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-04-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-04-05_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "112", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.7", "debut_caractere": 2344, "fin_caractere_exclue": 6495, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nftfilra. Am 2. April fand die letzte Soiree für Kammer-\nmusik im Hotel Disch Statt; sie war eine der interessantesten,\njedoch nur schwach besucht. Ed. Franck eröffnete sie mit dem\nvollendeten Vortrage des Es-(i«r-Quartetts von Mozart für Piano-\nforte, Violine, Bratsche und Violoncell, und schloss sie mit der\nglänzenden Ausführung eines Clavier-Trio's von seiner Com-\nposition (Manuseript), welches, wie alles, was Franck in den letzten\n3—4 Jahren geschrieben hat, den Stempel eigentümlicher Erfin-\ndung und geistvoller Behandlung trägt. Dieses Trio erhielt grossen\nBeifall, den es unserer Meinung nach besonders auch desswegen\nverdient, wreil es weder ein Sinfoniestück äla Mendelssohn, noch\nein Bravour-Solostück für das Pianoforteist, sondern ein echtes\nTrio, an dem die drei Instrumente wesentlich betheiligt sind.\nZwischen diesen beiden Musikstücken führten die Herren Pixis,\nDerckum, Peters und B. Breuer die schwierige Aufgabe,\ndas Violin-Quartett Op. 130 in B-dur von Beethoven zu Gehör\nzu bringen, auf eine sehr gelungene und mit grossem Danke anzu-\nerkennende Weise durch. Diese treffliche Leistung bildete den\nSchlussstein zu den schönen Ausführungen, welche wir unserem\nQuartett-Vereine in dieser Saison verdanken; wo solche Musik wie\ndieses Beethoven'sche Quartett neben der oft übermässigen Beschäf-\ntigung der ausführenden Künstler, welche durch drei bis vier Opern\nwöchentlich, durch Concerte, Musikschule und Privat-Unterricht in\nAnspruch genommen werden, mit solcher Liebe studirt wird, da\nkann man sicher darauf bauen, dass ein fester Stützpunkt für eine\nedle Geschmacksrichtung und wahren Kunstsinn stets vorhanden\nsein wird. Das nicht zahlreiche, aber gewählte Publicum folgte der\nAusführung d-es Riesen-Quartetts mit gespannter Aufmerksamkeit;\nder erste Satz, obwohl gross und breit vorgetragen, erzeugt doch\nmehr Staunen und Befriedigung des musicalischen Interesses, als\ner die Empfindung in der Tiefe des Gemüthes aufregt. Die fünf\nanderen Sätze aber, die bei aller Genialität der Erfindung und der\nbis zum Aeussersten durchgeführten Selbstständigkeit der Stimmen\ndennoch der Auffassung überall sicheren Halt bieten, wurden mit\ndem lebhaftesten Beifall aufgenommen.\nIBUsseldoi*r. Das 34. niederrheinische Musik fest\nwird Pfingsten den 11., 12. und 13. Mai hier gefeiert werden. Zur\nAufführung kommen: Elias von Mendelssohn; am zweiten Tage:\nCherubini, Ouvertüre zu den Abenceragen, Adventlied von R.\nSchumann, das Alexanderfest von Händel und die neunte\nSinfonie von Beethoven. Herr Capellmeister Julius Rietz,\nfrüher in Düsseldorf, jetzt bekanntlich Dirigent der Gewandhaus-\nConcerte in Leipzig, wird die Aufführungen leiten. Von Solosän-\ngern werden bis jetzt genannt Fräul. Tietjens aus Wien, Fräul.\nThelen aus Düsseldorf, Frau Hoffbauer (geb. Findorf) aus\nHalberstadt und der Tenorist Herr Karl Schneider aus Leipzig.\n** EiindeFOtlt. Am 24. März haben wir hier ein Concert\ngehabt, welches wir der Veranstaltung der Lehrer aus dem Kreise\nWiehl, der Theilnahme des Herrn A. Pfender hierselbst für die\nTonkunst, und vor Allem der uneigennützigen Mitwirkung des Herrn\nGustav Flügel, Musiklehrers am k. Seminar zu Neuwied, ver-\ndanken, welcher dem mildthätigen Zwecke zu Liebe das Ganze lei-\ntete und durch eigene Vorträge auf dem Pianoforte verherrlichte.\nDa der Ort im Mittelpunkte einer der gewerbreichsten Gegenden\nliegt, so war das Concert sehr zahlreich besucht. Zwischen einigen\nMännerchören und einem allerliebsten Quartett für Sopran, Alt,\nTenor und Bass, wobei sich die gesangreiche Familie Lamberti\nauszeichnete, trug Herr Flügel Beethoven's grosse Sonate, Op.\n53, St. Heller's Erlkönig, Taubert's Campanella, Concert-Va-\nriationen über Thema's aus Rossini's Teil von H. Herz und drei\nrecht schöne eigene Compositionen: „Stille Frage\", „Heimweh\" und\n„Vorwärts44 mit vortrefflichem Ausdruck und lebhaftestem Beifalle\nvor. Ich war sehr froh, auf meiner Durchreise eine so angenehme\nAbend-Unterhaltung zu finden, und freute mich ausser der schönen\nCiaviermusik, die ich hier ganz unerwartet hörte, besonders auch der\nlebhaften Theilnahme für die Tonkunst, die ich in dieser Gegend fand."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6305, "texte": "In Mainz ist am 24. Januar d. J. eine Oper „Otto, der Schütz\"\nvon dem dortigen Musik-Director Karl Reiss gegeben und gün-\nstig aufgenommen worden. Der Text ist nach G. Kinkels Gedicht\nbearbeitet, die Hindlung soll jedoch der Kraft, durch vier Acte zu\nspannen, entbehren. •- '\nBarmstadt. Im dritten philharmonischen Concerte der gross-\nherzoglichen Capelle hörten wir eine Sinfonie in C-dur von dem\ngegenwärtig hier in seiner Vaterstadt lebenden k. k. Österreichi-\nschen Hof-Opern-Capcllmeister Wilhelm Heuling. Das Werk\nzeichnet sich aus durch ansprechende, auch schöne Motive in allen\nvier Sätzen. Die thematische Verarbeitung bekundet überall den\nMeister in Handhabung der Kunstformen, wodurch das Interesse\ndes Zuhörers immer wach erhalten wird. Musterhafte Klarheit ohne\nSeichtigkeit herrscht im ganzen Werke. Gut ausgeführt, wird es\nallenthalben Vergnügen machen, und wolien wir unsererseits hier-\nmit das particulare Vergnügen auch noch damit aussprechen, wie-\nder einmal ein neues Werk dieser obersten Gattung in dem natür-\nlichen C-dur gehört zu haben. Wie selten, oder vielmehr gar nicht,\nwürdigt sich ein Sinfonie-Componist der jüngsten Generation zu\ndieser Tonart herab, weil sie, an sich zu klar, zu naiv, zu beschei-\nden fast, zu stark gewürzten Modulationen und anderen beliebten\nUeberraschungen keine oder doch zu wenig Gelegenheit bietet!\nEine Anzahl Kreuze oder Bc vermag allerdings die Phantasie in\nhöhere Regionen zu tragen, um darin nach Erfindungs-Quellen zu\nspüren, die auf flacher Erde sich nicht auffinden lassen wollen. S.\nDas erste mittelrheinische Musikfest wird im August\nd. J. zu Darm Stadt gehalten werden. Die Städte Darmstadt,\nMainz, Wiesbaden und Mannheim haben sich dazu verei-\nnigt; sie besitzen gute musicalische Kräfte und viele Musik-Di-\nrectoren! Darmstadt hat für das erste Fest 1500 Fl. bewilligt und\neinen etwa nöthigen Kosten-Zuschuss bis zu 10,000 Fl. verbürgt.\nZur Haupt-Aufführung ist Händel's Messias bestimmt.\nWeimar. Am 1. März hat H. Berlioz hier unter Mitwir-\nkung des Monlag'schen Gesang-Vereins, der Hofcapelle, des Chors\nund der Sänger vom Hoftheater seine musicalisch-dramatische Le-\ngende: „Faust's Verdammniss\", vollständig in ihren vier Abthei-\nlungen ausgeführt.\n*** Urämischweigy 28. März. Ich schreibe Ihnen nur vor-\nläufig, dass Herr Capellmeister Hiller gestern in dem Concerte\nder hiesigen Hofcapelle seine Sinfonie „Es muss doch Frühling\nwerden\" und seine Ouvertüre zu dem Traum aus der Christnacht\naufgeführt und sein Fis-moll-Concert für Pianoforte und Orchester\ngespielt hat. Die Compositionen, so wie das vortreffliche Ciavier-\nspiel fanden grossen Beifall; die Sinfonie wurde mit Enthusiasmus\naufgenommen. Mit der Ausführung war der Componist sehr zu-\nfrieden. Nächstens mehr!\n* Wien. In einer Privat-Soiree, veranstaltet durch Herrn Karl\nHaslinger im Haus-Theater des Freiherrn von Pasqualati, wurden\nzwei symphonistische Dichtungen von F. Liszt: Les Preludes und\nOrpheus, von dem Componisten für zwei Pianoforte eingerichtet,\nvorgetragen. Die N. W. M.-Z. sagt darüber: „Wenn diese Dichtun-\ngen Liszt's, ungeachtet des vortrefflichen Vortrags, der ersteren\ndurch die Herren Pruckner und Kolb, der letzteren durch die\nHerren Haslinger und Kolb, und ungeachtet eines erläuternden\nGedichtes zu Orpheus minder ansprachen, so liegt dies wohl zum\nTheil in der noch minderen Vertrautheit des hiesigen Publicums\nmit dieser Art beinahe dithyrambisch gehaltener Ton-Charakteristi-\nken, bei denen die grösste Ungebundenheit in der Form Gesetz\nist, zum Theil in der hieraus wirklich entspringenden dunkeln, je-\ndoch schönen Regellosigkeit, welche namentlich in der Dichtung\nOrpheus mitunter störend wirkte; dass es bei einem Manne von\ndem Geiste und der musicalischen Bildung und Begeisterung Liszt's\nin ähnlichen Werken nicht an interessanten geistreichen Zügen und\nCombinationen fehlt, versteht sich wohl von selbst.44\nDie Gesellschaft der Tonkünstler hat zur Aufführung in ihren\nzwei Jahres-Concerten zum Besten ihrer Witwen-Versorgungs-An-\nstalt zum ersten Male ein neueres Werk, Mendelssohn's Pau-\nlus, gewählt, welches am 16. und 17. Marz im Hofburg-Theater,\ndas nach aller Sitte zu diesen Concerten eingeräumt wird, gegeben\nwurde. Bisher hatte man sich ausschliesslich an Haydn gehalten\nund entweder die Schöpfung oder die Jahreszeiten gegeben. Sie\nhatten der Anstalt stets eine volle Einnahme gebracht, und man\nkönnte sowohl in Hinsicht auf diesen financiellen Zweck, als in\nBetracht dessen, dass jene Werke in Wien und zunächst für Wien\ngeschrieben worden und somit ihre Aufführung gewisser Maassen\neine jährliche Gedächtnissfeier war, wohl fragen, ob die wieder-\nholten Vorwürfe eines Theiles der Presse gegen diesen so genann-\nten „Schlendrian\" auch wirklich berechtigt gewesen seien. Glück-\nlicher Weise hat nun zwar der „Paulus\" auch das Haus gefüllt;\nallein die Ausführung war sehr mittelmässig, was bei einer Vereini-\ngung sonst zerstreuter Kräfte zu einem Ganzen für den augenblick-\nlichen Zweck nicht wohl anders möglich ist. Die Stimmung des\nPublicums war desshalb eine sehr matte und laue, der Beifall sel-\nten und schwach, bei den Chören gar nicht vorhanden, nur bei\nStaudigl's Arien des Paulus und bei Erl's Vortrag der Cavatine mit\nobligater Violoncell-Begleitung vernehmbar.\nDa wir auf Privatwegen erfahren und kürzlich sogar in öffent-\nlichen Blättern gelesen haben, dass Sir William Don „im Auf-\ntrage des bekannten Germanenfreundes Herrn Mitchell in Lon-\ndon\" (Wiener Blätter für Musik, Nr. 26 vom 28. März) eine Ge-\nsellschaft für deutsche Theater-Vorstellungen in London\nzusammen zu bringen suche, so halten wir es im Interesse der\ndeutschen Bühnenkünstler und unserer freundschaftlichen Verbin-\ndung mit Herrn Mitchell gemäss für Pflicht, folgende Zeilen aus\nseinem Schreiben an uns bekannt zu machen:\n„London, 1. April 1856.\n„Ich habe gar keine Kunde von dem (Don'schen) Unter-\nnehmen, wovon Sie mir schreiben; ich bin nicht au'f die\nentfernteste Weise daran betheiligt. —-\n„(Unterz.) John Mitchell.\n„An Herrn Prof. L. Bischoff in Köln.\"\n.Wir fügen noch hinzu, dass Herr Mitchell keinesfalls gesonnen\nist, dieses Jahr ein ähnliches Unternehmen ins Leben zu rufen.\nAuch wissen wir aus sehr guter Quelle, dass ein solches gegen-\nwärtig gar keine Aussicht auf günstigen Erfolg hat. Man sehe sich\nalso vor!\nDießedactioru"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nlieber die Natur des Gesanges und sein Verhältniss zur Dichtkunst. (Schluss.) Von G. Pfarrius. Die musicalische\nWinterzeit von 1855—1856 in Düsseldorf. Von —6—. - Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, VI. Soiree Düsseldorf, Mu-\nsikfest Ründeroth, Concert von G. Flügel Darmstadt Weimar Braunschweig, F. Hiller Wien, Paulus).\n\nUeber die Natur des Gesanges und sein Verhältniss\nzur Dichťtkunst.\nVon G. Pfarrius.\n(Schluss. S. Nr. 13.) ;\nWir haben gesehen, wie aus dem Schrei, der ur-\nsprünglichen, naturnothwendigen Aeusserung inneren Le-\nbens, in welcher Empfindung und Vorstellung instinctmäs-\nsig verbunden lagen, für Beide selbstständige Träger sich\nheraussonderten, ja, gleichsam wie aus einem gemeinschaftli-\nchen Keim hervor wuchsen, lür die Empfindung der ge-\nschwungene Ton, lür die Vorstellung das Wort; wir haben\nBeide auf ihrem gesonderten Entwicklungsgange verfolgt\nund angedeutet, wie aus jenem die Tonkunst, aus diesem\ndie Dichtkunst hervorblühte; wir Hessen aber bis hieher,\num in die Untersuchung nicht zu viel auf einmal aufzuneh-\nmen, unerwähnt, dass Tonkunst und Dichtkunst, gemäss\nder nachgewiesenen innigen Verwandtschaft in Bezug auf\nUrsprung, Beschaffenheit und Ziel, von Anfang an alle Ent-\nwicklungsstufen in immerwährendem engstem Bünd-\nnisse mit einander zurückgelegt haben, und dies unbehindert\nder selbstständigen Ausprägung ihres besonderen Charakters,\nja, mit der Einträchtigkeit, dass sie auch ihre zeitweise geson-\ndert gemachten Fortschritte hülfreich einander zu Gut kom-\nmen liessen. Zu keinem Ergebnisse lührt hiebei die Frage,\nob die Dichtkunst mehr durch die Tonkunst, oder die Ton-\nkunst mehr durch die Dichtkunst herangezogen wurde, da\nsie gleichsam vom Mutterschoosse aus in engster Vereini-\ngung ins Leben traten. Das Wort, das Zeichen der Vor-\nstellung, sobald diese von der Empfindung begleitet war,\nbegann wie von selbst zu hallen und ward geschwungener\nTon; der geschwungene Ton, als Ausdruck der Empfin-\ndung, rüstete sich, sobald diese mit einer bestimmten Vor-\nstellung verbunden war, wie von selbst mit dem Zeichen\ndieser Vorstellung, dem Worte, und ward so zugleich\nauch Träger derselben. In der Liebesklage, im Schlachten-\nrufe, im Gebete hallte das Wort wie von selbst als ge-\nschwungener Ton, ging in denselben über und brachte mit\nihm als untrennbares Ganzes eine Wirkung hervor, die Jedes\nfür sich hervorzubringen nicht im Stande war. Aber in dem\nMaas.se, wie die Behandlung von Wort und Ton eine freie\nund schöne, d. h. eine Kunst wurde, in dem Maasse be-\ntätigte sich auch ihre Vereinigung mit Freiheit und Schön-\nheit, und ward Gesang. Der Gesang also ist seinem Kern\nund Grundwesen nach nichts Anderes, als der entwickelte,\ndurch des Menschen Freiheits- und Schönheits-Sinn geadelte\nSchrei; in ihm wirken die gesonderten Elemente wieder\nvereinigt, einander ergänzend, einander stärkend, einander\ntragend; was Anfangs ein Erzeugniss der Naturnothwen-\ndigkeit, des Instinctes war, ist jetzt ein Gebilde künstleri-\nscher Freiheit, behält aber sein ursprüngliches Wesen in\nso fern bei, als seine beiden Elemente nicht zufällig und\nversuchsweise, neben einander oder einander ablösend, sich\nbekunden, sondern, kraft ihres Ursprunges, kraft ihres Ver-\nhältnisses der Wechselwirkung ein Ganzes bildend, auch\neine ganze, einheitliche Wirkung hervorbringen.\nSind ja doch hierbei auch zwei in einander verschmolzene\nFactoren in Thätigkeit, von denen ein jeder für sich schon\ndas Schöne in hohem Maasse zu wirken im Stande ist.\nDie Empfindung, das Gefühl, die Stimmung, die durch das\nblosse Vorstellungs-El< ment, das Wort, erregt werden\nkann, bringt ja für sich schon die Saiten des Gemüthes in\njene geheimnissvollen Schwingungen, die mehr oder weni-\nger den ganzen Menschen dem gewöhnlichen, dem Alltags-\nZustande entheben, ihn mit Wonne und dem Drange\nzum Auffluge über die Schranken von Zeit und Raum er-\nfüllen, kurz: die wir das Poetische, die wir die Wir-\nkungen des künstlerisch Schönen nennen; und ist,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.2", "texte": "vvos Niemand läugnen wird, das durch die Empfindungs-\nElemenfe, die Töne, hervorgebrachte Schöne, also das mu-\nsicalisch Schöne, in seinen Endwirkungen auf das Gemüth\nqualitativ mit dem genannten Eines und dasselbe, so erklärt\nsich, wie die einen Wirkungen durch die anderen vergrös-\nsert, wie die einen Gemüths-Erregungen durch die anderen\ngemehrt und verstärkt, wie Beide zusammen in ihrem ein-\nheitlichen Erfolge jene Macht darzustellen im Stande sind,\ndie wir die Macht des Gesanges nennen. Ein Beispiel möge\ndas Gesagte erläutern. Das Heine'sche Gedicht „Auf Flü-\ngeln des Gesanges * bringt in dem Leser eine gewisse eigen-\nthümliche Stimmung und mit ihr die Erregung des Gefühls\ndes Schönen hervor: wird dieses Gedicht in der ihm von\nMendelssohn verliehenen musicalischen Ausdrucksweise als\nLied vorgetragen, so fährt es fort, dieselbe eigentümliche\nStimmung und mit ihr das Gefühl des Schönen zu erregen,\nBeides aber in stärkerem Grade, indem zwei Momente, das\ndichterische und das musicalische, in Erstrebung eines ge-\nmeinschaftlichen, einheitlichen Resultates einander unter-\nstützen; das musicalisch gewirkte Schöne verstärkt das\ndichterisch gewirkte, weil es sich in derselben Stimmung,\nwie diesas, vollzieht; es würde es nicht verstärken, sondern\nunberührt lassen, wenn es in einer anderen Stimmung als\nder vom Dichter erregten vollzogen worden wäre, wenn\nz. B. der Tonkünstler den Worten des Dichters einen mu-\nsicalischen Ausdruck gegeben hätte, der an und für sich als\nMusik überaus schön wäre, aber etwa die Stimmung einer\nZech-Gesellschaft anklänge. Scheiden wir in dem genannten\nLiede die Tonschöpfung von der dichterischen, so bleibt der\nersteren Beides, die gewisse eigenthümliche Stimmung und\ndie mit ihr hervortretenden musicalischen Schönheiten; aber\ndie Stimmung ist eine schwankende, gefährdete, undeut-\nlichere, mithin schwächere, und die musicalischen Schön-\nheiten, wie gross sie auch sein mögen, erzeugen nicht\nman mache die Probe die oben bezeichnete poetische\nEkstase der Seele in dem Maasse, wie sie durch die Ver-\neinigung der Tonschöpfung mit der dichterischen hervorge-\nbracht wurde.\nDie Frage nun, ob bei einer solchen in der Seele des\nHörers durch den Gesang entstehenden Erregung das Vor-\nstellungs-Element, das dichterische, oder das Empfindungs-\nElement, das musicalische, den grösseren Antheil habe,\nlässt sich nicht mit einer Antwort für alle Fälle entschei-\nden. Hat ein grosser Componist einen schwachen Text ge-\nwählt, so wird das Ton-Element den grösseren, hat ein\ngrosser Dichter einen schwachen Componisten gefunden, so\nwird das Wort-Element den grösseren Antheil haben. Ich\nerinnere an gewisse Reichard'sche Compositionen Schiller'-\nscher Gedichte und an gewisse Texte Mozart'scher Ton-\ngebilde. Bei der Wirkung des oben genannten Heine-Men-\ndelssohn'schen Liedes würde ich beiden Elementen einen\ngleichen Antheil vindiciren. Ferner kommt bei Beantwortung\njener Frage wesentlich die Verschiedenheit in Betracht, die\nzwischen den Individualitäten obwaltet. Ein und dasselbe\nGesangstück kann auf zwei Individuen einen gleich starken\nEindruck machen, gleichwohl hat bei dem einen das musi-\ncalische Element, hei dem anderen das dichterische einen\ngrösseren Antheil an diesem Eindrucke. Es wird davon ab-\nhangen, ob ein Individuum glücklicher organisirt und aus-\ngebildet ist zur Aufnahme von musicalischen oder zur Auf-\nnahme von Vorstellungs-Wirkungen. So gibt es z. B. Per-\nsönlichkeiten, bei welchen an dem starken Eindrucke, den\nder erste Chorgesang im Fidelio auf sie macht, die Vor-\nstellung von der Lage der nach finsterer Einkerkerung\nplötzlich einmal wieder unter freiem Himmel athmenden\nGefangenen einen grösseren Antheil hat, als der der Vor-\nstellung verliehene musicalische Ausdruck. Es kann dies\neine Einseitigkeit, aber nicht eine Abnormität des inneren\nMenschen genannt werden, da in Bezug auf diese Gattung\nvon Seelen-Anlagen die Natur wenig Individuen völlig gleich\ngebildet hat. Die Ansicht, welche a priori dem Vorstellungs-\nElemente den grösseren Antheil an der Wirkung eines Ge-\nsangstückes beimissl, ist eben so irrig wie die, welche a\npriori vom Ton-Elemente ein Gleiches behauptet. Anders\nverhält es sich mit der Sache, wenn der Künstler entweder\neinerseits die Rede nur in erhöhterem Schwung-Tone, näm-\nlich als Recitativ, vortragen lässt, oder andererseits gros-\nsen musicalischen Ausführungen einen kleinen Theil der\nRede unterlegt, wie es z. B. mit dem Wörtchen „Amen*\noft geschieht; dann hat natürlich im ersten Falle das Vor-\nstellungs-Element, im zweiten das Ton-Element den grös-\nseren Antheil an der Wirkung; aber der Künstler ist auch\ndort in der Sphäre der Dichtkunst geblieben, hier hat er\nsich in die Sphäre der reinen Tonkunst hinüber begeben,\nund in beiden Fällen ist das Kunstwerk nicht eigentlich\nGesang zu nennen; namentlich ist im letzteren die mensch-\nliche Stimme gleichsam nur als Instrument für einen rein\nmusicalischen Vortrag gewählt.\nDer Gesang ist, um an das Obige wieder anzuknüpfen,\nalso nach Ursprung und Wirkung eine Ausdrucksweise,\ndie mit der Organisation des menschlichen Wesens physisch\nund geistig in engem, naturnothwendigem Zusammenhange\nsteht; der Trieb dazu ist ein tiefer, einheitlicher, mächtiger;\nseine Gebilde sind ursprünglich nicht als Zusammensetzun-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.3", "texte": "gen, „Compositionen\", sondern als Stücke aus einem\nGusse aus der Seele hervorgegangen, wie denn auch Dich-\nter und Sänger historisch nachweislich einst eine Person\nbildeten; eist eine Kunst, die zu allen Zeiten unter allen\nVölkern, je nach der Stufe ihrer Entwicklung, sich ausbil-\ndete, die von allen Künsten die grösste Pflege und Aus-\nübung gefunden und in ihren Wirkungen auf das mensch-\nliche Gemüth von keiner übertreffen wird.\nWenn hierbei nicht in Abrede zu stellen ist, dass\nDichtkunst und Tonkunst, jede auf ihrem gesonderten Ge-\nbiete, im Laufe der Zeit Eroberungen gemacht haben, in\nderen Folge sie vielfach einander entfremdet wurden und\nzur Erhaltung ihres Bundes grosser gegenseitiger Conces-\nsionen bedürfen, wenn jede in ihrem Bereiche eine Domaine\nerrungen, die als ein Noli me tätigere alle Gemeinschaft\nausschliesst, so kann dennoch nicht bestritten werden, dass\nein reicher, üppiger Boden zu gemeinschaftlicher Pflege\nauch bis heute ihnen geblieben, ja, dass da, wo sie in Con-\nllict und Missverhältniss zu einander getreten sind, der\nGrund gerade in der Verkennung und Nichtbeachtung der\nGränzen dieses gemeinschaftlichen Bodens gesucht wer-\nden muss.\nDie Anhaltspunkte zur Bestimmung dieser Gränzen\nergeben sich im Allgemeinen aus dem, was wir als Grund\nund Wesen des Gesanges darzustellen bemüht waren. Zu-\nnächst ergibt sich daraus, dass die Thätigkeit des Künstlers\nbei Hervorbringung von Gesang-Gebilden in dem Bestreben\nbestehen muss, von den Worten und Weisen, Vorstellungs-\nund Empfindungs-Trägern, nur solche in einer Vereinigung\ndarzustellen, die durch sich selbst zur Vereinigung drän-\ngen, d. h. die kraft des Verhältnisses der Wechselwirkung,\nin welcher Empfindung und Vorstellung zueinander stehen,\neine Einheit zu bilden im Stande sind; je vollständiger ihm\ndieses gelingt, desto vollständiger wird die Wirkung seiner\nErzeugnisse sein. Die durch die Vorstellung erregte Em-\npfindung pflegt der Seele eine Stimmung zu geben, die sie\ndrängt, dieselbe Empfindung oder Stimmung durch den\ngeschwungenen Ton auszudrücken, sich ihrer zu entäussern.\nWenn schon der Laie in der Kunst eine solche Aufforde-\nrung in sich lühlt und ihr durch schwache Andeutungen\nfast unwillkürlich Folge zu geben sucht, so ist sie desto\nlebendiger im Künstler, dessen Mission ja eben darin be-\nsteht, Inneres äusserlich darzustellen; die Geschicklichkeit\nin Auffindung und Verwendung der hierzu vorhandenen\nMittel ist ein Theil seiner Künstler-Begabung. Neben dem,\nwas das Wort als Vorstellungs-Träger wirkt, tragen zur\nErhöhung und Individualisirung der bezeichneten Stimmung\nnoch wesentlich jene Momente bei, die ihm durch die an\nsich schon in das Gebiet der Tonkunst streifende dichteri-\nsche Behandlung inwohnen, als da sind: Accentuation,\nRhythmus, Reim, Versgliederung und besonders die That-\nsache, dass in vielen Fällen schon das Wort an und für\nsich, kraft seiner materiellen Natur als Ton und kraft sei-\nnes Ursprungs aus dem Schrei, die Art der Tonschwingung\nanregt, die der Empfindung, von welcher es begleitet ist,\nentspricht. Sind ja doch eine nicht geringe Anzahl von\nWorten nicht bloss Zeichen einer Vorstellung, sondern auch\ndurch die Natur ihres Tones zugleich Vermittler der die\nVorstellung begleitenden Empfindung, wie etwa die Worte:\nSchauer, grauenhaft, frostig, zittern, jauchzen, und eine\nMenge Ur- und Stammwörter, wie sie in jeder Sprache\nvorkommen, besonders in denen solcher Völker, deren grosse\nLebhaftigkeit fast jede Vorstellung mit einer Empfindung\nbegleitet. Diese Benutzung des Worttones bei der Gesang-\nschöpfung, die nicht mit Tonmalerei verwechselt werden\ndarf, ist von grosser Bedeutung, und wer sie versäumt,\nentbehrt eines mächtigen Hebels.\nIndessen trotz den Mitteln engster Vereinigung, welche\nin den genannten Momenten Dichtkunst und Tonkunst fin-\nden, bestände für sie dennoch die Gefahr, in Zwiespalt zu\ngerathen, wenn sie nicht mit gegenseitigen Zugeständnissen\nauf ihr gemeinschaftliches Ziel hinarbeiteten. Da jede ja\nauch die ihr ausschliesslich eigenen Gesetze hat, ohne deren\nBeachtung sie gar nicht im Stande ist, au wirken, da die\nTonkunst z. B. das musicalisch Schöne oft nur durch Ton-\nEntwicklungeu, Figuren, Perioden u. s. w. vollziehen kann,\ndie nach Maass und Umfang mit dem Worte und seinen\nEntwicklungen in keinem Verhältnisse stehen, und umge-\nkehrt ein Gleiches von der Dichtkunst gilt, so muss im Auf-\nnehmen und Abgeben der Hauptwirkung zwischen Beiden\nein Wechsel eintreten, der, wenn er nicht gewisse Gränzen\nüberschreitet, dem Gesammt-Erfolge nicht nur nicht scha-\ndet, sondern ihn sogar wesentlich fördert. Wo z. B. durch\nein einziges Wort eine Empfindung erregt wird, die nur\ndurch eine Reihe von Tonschwingungen in entsprechender\nWeise wiedergegeben werden kann, und umgekehrt oft\ndurch einen einzigen Tonschwung eine Empfindung rege\nwird, die nur durch eine Reihe von Wörtern in entsprechen-\nder Weise sich anregen lässt, da bleibt im ersten Falle das\nWort so lange mehr oder weniger müssig, indem es die\nHauptwirkung dem Tone überlässt, und im zweiten Falle\nbleibt es der Ton, indem er die Hauptwirkung dem Worte\nüberlässt. Das Erstere pflegt durch Dehnung oder Wieder-\nholung des Wortes, das Zweite dadurch zu geschehen,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.4", "texte": "Dass der geschwungene fon entweder seine Figur zur Auf-\nnahme mehrerer Wörter gliedert und erweitert, oder eine\nArt von Abspannung, ja, mitunter sogar gänzliche Ruhe\nsich gönnt, damit die Wortreihe sich vollende. Das Mehr\noder Weniger ist zum Theil bedingt durch die Gattung\ndes Gesanges, und hängt davon ab, ob im einfachen Liede,\noder in der Arie, oder im Choral, oder im musicalischen\nDrama Dicht- und Tonkunst die Verbindung feiern. Bei al-\nlen Gattungen aber kommt dieser Wechsel im Abgeben\nund Aulnehmen der Hauptwirkung zwischen Wort und\nlon im Bereich Einer und derselben Stimmung zu voller\nGeltung und ist eine charakteristische Eigenschaft des Ge-\nsanges. Der Künstler, der ihn streng vermeiden zu müssen\nglaubt und sich abmüht, die beiden Elemente, Wort und\nlon, stets zugleich und stets mit gleicher Kraft wirken zu\nlassen, verkennt seine Aufgabe.\nAber in noch höherem Grade verkennt er sie, wenn\ner hierbei esn gewisses Maass überschreitet, wenn er das\nWort im Schwung-Tone ausdehnt und wiederholt, dass da-\nbei die Vorstellung, deren Zeichen es ist, gänzlich abhan-\nden kommt, oder wenn er den Schwung-Ton so lange\nruhen lässt, dass die Unmittelbarkeit des Empfindens auf-\nhört; im ersten Falle verlor er sich ins Gebiet der reinen\nlonkunst, im zweiten Falle in das der gesonderten Dicht-\nkunst, und in beiden Fällen hört sein Kunstgebilde auf,\nGesang zu sein. Es fehlt nicht an Beispielen dieser Gattung;\nhäufig geschieht es, dass der Künstler mit gänzlicher Hintan-\nsetzung des Wortes durch unverhäknissmässige Entwick-\nlung des lon-Elementes die Vorstellung in völlige Verges-\nsenheit bringt, ja, dass er, fortgerissen von der Gewalt rein\nmusicalischer Motive, eine der durch die Vorstellung er-\nweckten ganz entgegengesetzte Empfindung oder Stimmung\nanregt. Dass er sich alsdann nicht mehr auf dem Gebiete\ndes Gesanges, sondern auf dem der reinen Tonkunst be-\nwegt, bedarf keiner weiteren Erörterung; auch behauptet\nman natürlich mit vollem Rechte von einem solchen Kunst-\nwerke, dass der Ton einen grösseren Antheil an der Wir-\nkung habe, als das Wort. Eben so hat diese Behauptung\nauch da ihre Richtigkeit, wo die Worte so vorgetragen\nwerden, dass der Zuhörer sie nicht versteht, oder wo sie\neiner dem Zuhörer fremden Sprache angehören, wo also\ndas, was sich lür Gesang ausgibt, ihm gegenüber nichts\nweiter ist, als eine durch die menschliche Stimme, als blos-\nses lon-Instrument, ausgeführte rein musicalische Pro-\nduetion. Umgekehrt nun finden sich auch Beispiele von Ton-\ngebilden, worin das Wort mit seiner Vorstellung ein so\nunverhältnissmässiges Uebergewicht hat, dass sie aufhören,\nGesang zu sein. Weit entfernt davon sind wir, solchen Er-\nzeugnissen, die gewisser Maassen zwei eigene, einander ge-\ngenüber liegende Rubriken bilden, ihren Kunstwerth über-\nhaupt abzusprechen; der bleibt ihnen, so gewiss es eine\nDichtkunst und eine Tonkunst gibt; jede von ihnen wird\nnach Maassgabe individueller Geschmacks-Entwicklung, trotz\ngegenseitiger Anfeindung, durch alle Volksschichten hin-\ndurch ihre Verehrer und Anhänger finden; aber dass sie\nnach Wesen und W'irkung nicht mehr unter den Begriff\ndes Gesanges fallen, dessen Macht auf der möglichst voll-\nkommenen Verschmelzung zweier gleich berechtigten Ele-\nmente beruht, das haben wir nachzuweisen uns bestrebt.\nDie Bestimmung des rechten Maasses bei dieser Verschmel-\nzung in gegebenen Fällen, die Entdeckung des oft verbor-\ngen und wunderbar Uebereinstimmenden, die Offenbarung\ndesselben in einem einheitlich wirkenden Gebilde, das ist\ndas Geheimniss der Kunst, das lehrt die Berufenen der\nGenius.\n\nDie musicalische Winterzeit von 1855-1856\nin Düsseldorf.\nUnsere musicalische Winter-Saison wurde durch das\nachte und letzte Concert des allgemeinen Musik-Vereins am\n1 I. März geschlossen. Eine kurze Besprechung unserer\nZustände, nachdem wir in den letzten Jahren regelmässig\nin diesen Blättern darüber berichtet, scheint uns auch\njetzt so wünschenswert!), dass wir vor dem Unerquicklichen\nunserer Aufgabe nicht zurücktreten zu dürfen glauben. Wir\nwerden uns möglichst an der Sache halten, bedauern in-\ndess, wo sie darunter leiden würde, auch die Person nicht\nschonen zu können. Unsere bisherigen zarleren Andeutun-\ngen sind bis jetzt unbeachtet geblieben, wesshalb wir eine\ndeutlichere Sprache zu lühren genöthigt sind.\nWir haben im vorigen Sommer mitgetheilt, dass unser\nGemeinderath gegen das Gutachten des Vorstandes des All-\ngemeinen Musik-Vereins und seiner eigenen musicalisch-\ntechnischen Commission Herrn Tausch zum städtischen Mu-\nsik-Director erwählte. Nachdem durch Ausschreiben einer\nConcurrenz sich viele Künstler angemeldet, welche sich auf\nglänzende Erfolge in ihrem bisherigen Wirkungskreise be-\nrufen konnten, überraschte die Wahl um so mehr, als sie,\ndiesen gegenüber, den Charakter der Mystification annahm.\nDass sich die Väter der Stadt den Einwirkungen der\nfreunde des Herrn Tausch nicht zu entziehen vermochten,\nhat uns weniger überrascht, als der Mangel ihrer eigenen\nUeberlegung, der sich in der Wahl ausspricht. Nach den"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.5", "texte": "Erfahrungen der vorhergegangenen Jahre mussten sie ein-\nsehen, dass wir nicht nur eines fachlich und allgemein ge-\nbildeten Musikers bedurften, sondern auch eines Mannes\nvon Energie, von Ausdauer, von Rührigkeit, von festem,\nselbstständigem künstlerischem Streben, und vor Allem von\neinnehmender, gewandter und anregender Persönlichkeit.\nOhne der Ehrenhaftigkeit des Herrn Tausch zu nahe zu\ntreten, dürfen wir die Herren vom Gemeinderathe fragen:\nBesitzt er diese Eigenschaften? Konnten sie darüber im\nZweifel sein, und wird es ohne sie je gelingen, unsere\nKräfte zu bilden, entfremdete wieder zu gewinnen und neue\nanzuziehen? Die Wahl wird als ein mit den verschiedenar-\ntigsten Mitteln erfochtener Sieg der Partei angesehen, welche\nihre jetzige Stellung, ihren jetzigen Emfluss durch eine be-\ndeutende Persönlichkeit als gefährdet betrachtet. Wir hal-\nten uns lür verpflichtet, den hochstehenden Bewerbern um\ndie jetzt von Herrn Tausch eingenommene Stellung gegen-\nüber, diese Ansicht offen auszusprechen.\nDer Allgemeine Musik-Verein ist in den letzten Jahren\nimmer mehr zusammen geschmolzen, so dass er nur über\ngeringe pecuniäre Mittel verlügt; sein Einfiuss auf unsere\nZustände bleibt indess so lange von der grössten Bedeu-\ntung, als er die Abonnements-Concerte, unter technischer\nLeitung des städtischen Musik-Directors, veranstaltet und\nsein Vorstand mit dem des Gesang-Vereins für gemischten\nChor die Concert-Direction bildet. In ihr prägen sich zwei\nverschiedene Parteien immer scharfer aus, von welchen die\nbei Weitem zahlreichere eine rein beralhende Fraction aus-\nmacht, welche der kleineren bereitwilligst die äusseren An-\nordnungen und Geschäfte überliisst. Letztere entwickelt\neine Thätigkeit, welche überall, selbst bei den unbedeutend-\nsten Gelegenheiten, nicht selten in ergötzlicher Weise be-\nmerkbar wird. Nach der selbstgefälligen Zufriedenheit, wel-\nche sich in Miene und Wort ausspricht, scheint indess die\nmusicalische Bildung und Intelligenz dieser kleinen Fraction\nin umgekehrtem Verhältnisse zu dem Grade ihrer Thätig-\nkeit zu stehen, und desshalb wird sich ihr Einfiuss schwer-\nlich zu einem günstigen je zu erheben.vera ögen. Die Ma-\njorität der Concert-Direction glaubt offenbar ihrer Pflicht\ngenügt zu haben, wenn die classische Richtung der Pro-\ngramme erhallen bleibt; die musicalische Ausführung scheint\nihr weder Sorge noch Kummer zu machen; denn kein Ver-\nsuch irgend einer Art ist uns bekannt geworden, um sie\nzu heben. Als charakteristisch erscheint uns eine aus zu-\nverlässigster Quelle geschöpfte Erklärung des jetzigen Prä-\nsidenten des Vereins: er könne den Vorsitz nur unter der\nBedingung annehmen, dass man ihn aller Verpflichtungen\nzu persönlicher Thätigkeit entbinde, weil er sich für\ndie Concerte nur seiner eigenen Mitwirkung\nin Chor und Orchester wegen interessire. W'ir\nüberlassen es jedem Unbefangenen, erbauliche Betrachtun-\ngen über den Geist anzustellen, der nach einer solchen,\nohne jede Entgegnung gebliebenen Erklärung in dem Ver-\neine zu herrschen scheint, welcher nach den Statuten die\nBeförderung der Tonkunst in Düsseldorf zum Zwecke ha-\nben soll. Zur ferneren Charakteristik dürfen wir es nicht\nunerwähnt lassen, dass in dem Verkehr der Concert-Di-\nrection mit dritten Personen häufig die auffallendsten Ab-\nweichungen von den Conventionellen Gebräuchen und For-\nmen vorkommen, welche nicht selten zu unangenehmen,\nder Sache schädlichen Berührungen führen.\nDer Gesang-Verein für gemischten Chor hat im Laufe\ndes letzten Winters abermals Zuwachs erhalten; er besitzt,\nausser im Tenor, viele kräftige, zum Theil aber fast gänz-\nlich ungebildete Stimmen. Alle Mitglieder werden indess\nzur Mitwirkung in den Concerten zugelassen. Diese Con- _\ncession mag für die Vermehrung der Zahl der Mitglieder\nnach ihnen scheint das Mitsingen die Hauptsache!\nund für die pecuniäre Blüthe des Vereins vorteilhaft sein:\nauf die Leistungen aber wird sie jedenfalls den nachtheilig-\nsten Einfiuss üben. Durchgreifende Einrichtungen und Be-\nstrebungen, die verschiedenen Bildungsstufen der Mitglieder\nauszugleichen, haben auch im verflossenen Winter nicht\nStatt gefunden.\n. . • '• *\nDas Orchester ist in seiner Besetzung ziemlich unver-\nändert geblieben; es hat ebenfalls verschiedene Kräfte, mit\nwelchen sich ganz Tüchtiges leisten liesse, wenn man sie\nin geeigneter Weise zu bilden suchte.\nDie letzten acht Abonnements-Concerte brachten fol-\ngende Werke: Sinfonia eroicavon Beethoven, Militär-Sin-\nfonie, G-dur, von Haydn, Sinfonie C-dur von Mozart, Sin-\nfonie Ä-durvon Beethoven, Sinfonie Nr. I. von Gade, Ouver-\ntüre zußuvßlas von Mendelssohn, Concert-Ouvertüre\nvon Rietz, Ouvertüre zum Beherrscher der Geister von\nWeber, Ouvertüre „Die Najaden\" von Sterndale Bennet,\nOuvertüre zur Zauberflöle von Mozart, Ouvertüre zu Fa-\nniska von Cherubini, Ouvertüre im ernsten Styl von Spohr,\nBeethoven's Musik zu Egmont, Erlkönigs Tochter, Ballade\nfür Chor, Soli und Orchester von Gade, Gesang der Geister\nüber den Wassern von Hiller, Chöre aus Elias von Men-\ndelssohn, Chöre ausJephta von Händel, Hymne „Gottheit, Dir\nsei Preis und Ehre\" von Mozart, „ Die Pilgerfahrt der Rose■\nvon Schumann, Motette„ Des Staubes eitle Sorgen# von Haydn,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.6", "texte": "Musik zu Preciosa von C. M. von Weber, „o,weint um\nsie\" aus Byron's hebräischen Gesängen von Hiller, Psalm\n„Nicht unserm Namen, o Herr\" von Mendelssohn, zwei\nvierstimmige Lieder für Chor und Orchester von Hauser.\nHerr Tausch spielte das C-moll-Covon Mozart, Fräul.\nAgnes Schönerstadt, eine hier lebende talentvolle Schülerin\nvon Frau Clara Schumann, das C-moll-Concert von Beet-\nhoven, und ausserdem hörten wir in Solo-Vorträgen die\nSängerinnen Fräul. Louise Thelen, Fräul. Anna Schornstein\nund Fräul. IdaDannemann aus Elberfeld, Fräul. Nina Hart-\nmann aus Köln, ferner den Kammersänger Koch aus Köln,\nden Cellisten Grützmacher aus Leipzig und unseren Geiger\nFranz Seiss. Ein Theil der Soli wurde von Dilettanten ge-\nsungen.\nUeber die Leistungen des Orchesters müssen wir das\nwiederholen, was wir in unseren vorigen Berichten darüber\nsagten. Unreinheit der Stimmung, Unsauberkeiten, Fehler,\nMangel an jeder Feinheit der Nuancirung, Missverhältniss\nder begleitenden zu den melodieführenden Stimmen charak-\nterisiren dieselben. Man fühlt, dass die Ausfühl enden me-\nchanisch, nachlässig und theilnahmlos ihre Stimmen abspie-\nlen, und dass dem Dirigenten die Eigenschaften fehlen, wo-\ndurch sich eine Aufführung geistig beleben lässt. Die Beet-\nhoven'schen Sinfonieen sind das Einzige, was Beide mit einer\ngewissen Vorliebe zu behandeln scheinen, und wenn ihre\nAusführung auch weit hinter dem zurückbleibt, was Men-\ndelssohn, Rietz und Hiller hier leisteten, so bilden sie doch\ndas relativ Beste unserer Concerte.\nDie Chor-Leistungen blieben, wie früher, hinter jenen\ndes Orchesters noch bedeutend zurück. Wir erinnern uns\nkeines einzigen Musikstückes, das vollkommen rein, klar\nund sicher, geschweige denn fein und charakteristisch vor-\ngetragen worden wäre. Der Chor folgte zudem nicht selten\nden vorgeschriebenen Zeichen so ungeschickt, dass der Vor-\ntrag selbst leichter Stellen dadurch zur Caricatur wurde.\nWir erinnern z. B. an den bekannten Chor aus Idomeneo\n„Ruhig sind Wind und Welle\". An der Stelle:\nmachte der Sopran beim Uebergang vom Piano zum Forte\nauf giseine ungemein komische Wirkung. Im letzten Con-\ncerte erreichte die Unsicherheit und Unreinheit in dem\nSchlusschor des Mendelssohn'schen Psalmes und den Hau-\nser'schen Liedern—es ist, nebenbei gesagt, eine eigentüm-\nliche Idee, das kleine Heine'sche Gedicht „Leise zieht durch\nmein Gemüth\" und das Reinick'sche Frühlingslied „Ging\nunter dunkeln Zweigen\" für vierstimmigen Chor und Or-\nchester-Begleitung, letztere mit Pauken und Trompeten, zu\ncomponiren! eine solche Höhe, dass Alles chaotisch ver-\nschwamm.\nDie Solo-Vorträge enthielten Gelungenes und Vorzüg-\nliches neben gänzlich Verfehltem; zu Letzterem ist nament-\nlich Manches von den Vorträgen einheimischer und auswär-\ntiger Dilettanten zu zählen. Es gehört zu den erfreulichsten\nSeiten unseres rheinischen Musiklebens, dass Dilettanten\nöffentlich singen, weil dadurch Werke zugänglich werden,\nauf deren Aufführung man sonst verzichten müsste; wenn\nindess der Musik-Director den Dilettanten auftreten lässt,\nohne seine Leistungen zu prüfen, ohne mit ihm seine Partie\ngehörig zu studiren, so handelt er gewissenlos an dem\nWerke, an dem Publicum und an dem Dilettanten selbst,\nden er der Kritik aussetzt. Unsere Concerte dienten leider\nzu manchem gänzlich verfehlten Erstlings-Versuche, wofür\ndie Verantwortung nicht auf den Dilettanten, sondern auf\nHerrn Tausch zurückfällt.\nWir wollen nicht zu ermitteln suchen, ob die Concerte\nder letzten Saison denen der vorletzten gegenüber als fort-\ngeschritten zu betrachten sind oder nicht; sie blieben je-\ndenfalls auf so niedriger Stufe, dass sie zu einer Hoffnung\nfür die Zukunft nicht berechtigten. Ueberhaupt gibt sich in\nunseren Zuständen an den leitenden Stellen ein Mangel an\nmusicalischer Bildung und künstlerischem Sinne, eine Ueber-\nschätzung der eigenen Leistungen, eine Nonchalance in der\nBehandlung der schwierigsten Aufgaben zu erkennen, woran\njeder glückliche Erfolg scheitern muss. Wir dürfen daher\neine Wendung zum Bessern erst nach einem Wechsel der\nMajorität der leitenden Personen erwarten, weil sich die\nBildung unserer zum Theil bedeutenden Kräfte nur auf\nder Basis angemessener Reformen und methodisch durch-\ngeführter Principien erreichen läss£.\nEine Bemerkung über unser Concert-Publicum glau-\nben wir mittheilen zu müssen. Die junge Welt, welche im-\nmer zahlreicher auf dem Orchester paradirt, scheint dem\nSaale eine Menge Papa's und Mama's, Onkel, Tanten und\nVerwandte zugeführt zu haben, welche ein so dankbares\nPublicum bilden, dass auf seinen Beifall sicher zu rechnen\nist. Im Ganzen hat der Concert-Besuch abgenommen, und wir\nglauben die wahren Freunde der Tonkunst von nah und von\nfern immer häufiger zu vermissen ein trauriger Beweis,\ndass für sie die Concerte an Anziehungskraft verlieren."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.7", "texte": "Die Nonchalance, welche wir andeuteten, manifestirt\nsich sogar auf einem Felde, auf welchem sie nie vorkom-\nmen sollte, auf dem der Kirchenmusik. Wir hörten am\nGrünendonnerstage in der Hauptkirche einige Chöre von\nPalestrina und das schöne achtstimmige Crucifixus von Lotti,\ndas wir schon durch Mendelssohn und Rietz kennen lern-\nten. Jene bereiteten die Aufführung durch eine Reihe der\nsorgfältigsten Proben vor, Herr Tausch dagegen war mit\neinigen wenigen fertig geworden. Selbst der beste Chor,\nder zum ersten Male alt-italiänische Musik a capella singt,\nkann nach so kurzer Vorbereitung die geistige Seite der\nAufgabe nicht lösen, das wird jeder, der sie begreift, ein-\nsehen; bei unserem Chor aber musste auch die technische\nBehandlung höchst mangelhaft bleiben. Wir wollen nur\nausser der Unreinheit und Unsicherheit im Allgemeinen\neinige besonders hervortretende Schattenseiten der Auffüh-\nrung erwähnen. Vor dem Chor Palestrina's „ Tenebrae factae\nsunt * wussten die Sänger nach längerem, in der ganzen\nKirche vernehmbarem Summen den Ton nicht zu treffen.\nDer einfache Dur-Accord, womit der Chor beginnt, wurde\ndesshalb so verfehlt, dass man befürchten musste, die Sän-\nger würden sich nicht wieder zurecht finden. In dem Cru-\ncifixus führen die tieferen Stimmen auf den Worten „sub\nPontio Pilatou eine Figur aus, die sich durch die Harmo-\nnieen der übrigen schlingt. Statt diese Figur sanft zu bin-\nden und mit jenen zu verweben, wurde sie so gestossen,\nin so rascher Bewegung und mit so starken rhythmischen\nAccenlen vorgetragen, dass sie, aus dem Ganzen vollstän-\ndig hervortretend, einen an Trivialität gränzenden Charak-\nter annahm, den wir im grellsten Widerspruch zur Würde\ndes Gottesdienstes fanden.\nWir schliessen hiermit den diesjährigen Bericht. Wer\nsich unserer musicalischen Aera erinnert, die, mit Mendels-\nsohn beginnend, unter Rietz und Hiller fortblühte, bis sie\ndurch Schumann's unglückliches Geschick in das jetzige\nStadium zurückfiel, der wird das Traurige unserer Zustände\ndoppelt empfinden. Er wird aber auch aus jener Epoche\nden Trost schöpfen, dass es für Düsseldorf eine Zeit gab,\nin der die Tonkunst um ihrer selbst willen mit Ernst und Be-\ngeisterung gepflegt wurde, und an der Hoffnung festhalten,\ndass eine solche, trotz aller düsteren Wolken, die sich jetzt\nvor unseren Blick lagern, wiederkehren kann. —6\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nftfilra. Am 2. April fand die letzte Soiree für Kammer-\nmusik im Hotel Disch Statt; sie war eine der interessantesten,\njedoch nur schwach besucht. Ed. Franck eröffnete sie mit dem\nvollendeten Vortrage des Es-(i«r-Quartetts von Mozart für Piano-\nforte, Violine, Bratsche und Violoncell, und schloss sie mit der\nglänzenden Ausführung eines Clavier-Trio's von seiner Com-\nposition (Manuseript), welches, wie alles, was Franck in den letzten\n3—4 Jahren geschrieben hat, den Stempel eigentümlicher Erfin-\ndung und geistvoller Behandlung trägt. Dieses Trio erhielt grossen\nBeifall, den es unserer Meinung nach besonders auch desswegen\nverdient, wreil es weder ein Sinfoniestück äla Mendelssohn, noch\nein Bravour-Solostück für das Pianoforteist, sondern ein echtes\nTrio, an dem die drei Instrumente wesentlich betheiligt sind.\nZwischen diesen beiden Musikstücken führten die Herren Pixis,\nDerckum, Peters und B. Breuer die schwierige Aufgabe,\ndas Violin-Quartett Op. 130 in B-dur von Beethoven zu Gehör\nzu bringen, auf eine sehr gelungene und mit grossem Danke anzu-\nerkennende Weise durch. Diese treffliche Leistung bildete den\nSchlussstein zu den schönen Ausführungen, welche wir unserem\nQuartett-Vereine in dieser Saison verdanken; wo solche Musik wie\ndieses Beethoven'sche Quartett neben der oft übermässigen Beschäf-\ntigung der ausführenden Künstler, welche durch drei bis vier Opern\nwöchentlich, durch Concerte, Musikschule und Privat-Unterricht in\nAnspruch genommen werden, mit solcher Liebe studirt wird, da\nkann man sicher darauf bauen, dass ein fester Stützpunkt für eine\nedle Geschmacksrichtung und wahren Kunstsinn stets vorhanden\nsein wird. Das nicht zahlreiche, aber gewählte Publicum folgte der\nAusführung d-es Riesen-Quartetts mit gespannter Aufmerksamkeit;\nder erste Satz, obwohl gross und breit vorgetragen, erzeugt doch\nmehr Staunen und Befriedigung des musicalischen Interesses, als\ner die Empfindung in der Tiefe des Gemüthes aufregt. Die fünf\nanderen Sätze aber, die bei aller Genialität der Erfindung und der\nbis zum Aeussersten durchgeführten Selbstständigkeit der Stimmen\ndennoch der Auffassung überall sicheren Halt bieten, wurden mit\ndem lebhaftesten Beifall aufgenommen.\nIBUsseldoi*r. Das 34. niederrheinische Musik fest\nwird Pfingsten den 11., 12. und 13. Mai hier gefeiert werden. Zur\nAufführung kommen: Elias von Mendelssohn; am zweiten Tage:\nCherubini, Ouvertüre zu den Abenceragen, Adventlied von R.\nSchumann, das Alexanderfest von Händel und die neunte\nSinfonie von Beethoven. Herr Capellmeister Julius Rietz,\nfrüher in Düsseldorf, jetzt bekanntlich Dirigent der Gewandhaus-\nConcerte in Leipzig, wird die Aufführungen leiten. Von Solosän-\ngern werden bis jetzt genannt Fräul. Tietjens aus Wien, Fräul.\nThelen aus Düsseldorf, Frau Hoffbauer (geb. Findorf) aus\nHalberstadt und der Tenorist Herr Karl Schneider aus Leipzig.\n** EiindeFOtlt. Am 24. März haben wir hier ein Concert\ngehabt, welches wir der Veranstaltung der Lehrer aus dem Kreise\nWiehl, der Theilnahme des Herrn A. Pfender hierselbst für die\nTonkunst, und vor Allem der uneigennützigen Mitwirkung des Herrn\nGustav Flügel, Musiklehrers am k. Seminar zu Neuwied, ver-\ndanken, welcher dem mildthätigen Zwecke zu Liebe das Ganze lei-\ntete und durch eigene Vorträge auf dem Pianoforte verherrlichte.\nDa der Ort im Mittelpunkte einer der gewerbreichsten Gegenden\nliegt, so war das Concert sehr zahlreich besucht. Zwischen einigen\nMännerchören und einem allerliebsten Quartett für Sopran, Alt,\nTenor und Bass, wobei sich die gesangreiche Familie Lamberti\nauszeichnete, trug Herr Flügel Beethoven's grosse Sonate, Op.\n53, St. Heller's Erlkönig, Taubert's Campanella, Concert-Va-\nriationen über Thema's aus Rossini's Teil von H. Herz und drei\nrecht schöne eigene Compositionen: „Stille Frage\", „Heimweh\" und\n„Vorwärts44 mit vortrefflichem Ausdruck und lebhaftestem Beifalle\nvor. Ich war sehr froh, auf meiner Durchreise eine so angenehme\nAbend-Unterhaltung zu finden, und freute mich ausser der schönen\nCiaviermusik, die ich hier ganz unerwartet hörte, besonders auch der\nlebhaften Theilnahme für die Tonkunst, die ich in dieser Gegend fand."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560405-01.1.8", "texte": "In Mainz ist am 24. Januar d. J. eine Oper „Otto, der Schütz\"\nvon dem dortigen Musik-Director Karl Reiss gegeben und gün-\nstig aufgenommen worden. Der Text ist nach G. Kinkels Gedicht\nbearbeitet, die Hindlung soll jedoch der Kraft, durch vier Acte zu\nspannen, entbehren. •- '\nBarmstadt. Im dritten philharmonischen Concerte der gross-\nherzoglichen Capelle hörten wir eine Sinfonie in C-dur von dem\ngegenwärtig hier in seiner Vaterstadt lebenden k. k. Österreichi-\nschen Hof-Opern-Capcllmeister Wilhelm Heuling. Das Werk\nzeichnet sich aus durch ansprechende, auch schöne Motive in allen\nvier Sätzen. Die thematische Verarbeitung bekundet überall den\nMeister in Handhabung der Kunstformen, wodurch das Interesse\ndes Zuhörers immer wach erhalten wird. Musterhafte Klarheit ohne\nSeichtigkeit herrscht im ganzen Werke. Gut ausgeführt, wird es\nallenthalben Vergnügen machen, und wolien wir unsererseits hier-\nmit das particulare Vergnügen auch noch damit aussprechen, wie-\nder einmal ein neues Werk dieser obersten Gattung in dem natür-\nlichen C-dur gehört zu haben. Wie selten, oder vielmehr gar nicht,\nwürdigt sich ein Sinfonie-Componist der jüngsten Generation zu\ndieser Tonart herab, weil sie, an sich zu klar, zu naiv, zu beschei-\nden fast, zu stark gewürzten Modulationen und anderen beliebten\nUeberraschungen keine oder doch zu wenig Gelegenheit bietet!\nEine Anzahl Kreuze oder Bc vermag allerdings die Phantasie in\nhöhere Regionen zu tragen, um darin nach Erfindungs-Quellen zu\nspüren, die auf flacher Erde sich nicht auffinden lassen wollen. S.\nDas erste mittelrheinische Musikfest wird im August\nd. J. zu Darm Stadt gehalten werden. Die Städte Darmstadt,\nMainz, Wiesbaden und Mannheim haben sich dazu verei-\nnigt; sie besitzen gute musicalische Kräfte und viele Musik-Di-\nrectoren! Darmstadt hat für das erste Fest 1500 Fl. bewilligt und\neinen etwa nöthigen Kosten-Zuschuss bis zu 10,000 Fl. verbürgt.\nZur Haupt-Aufführung ist Händel's Messias bestimmt.\nWeimar. Am 1. März hat H. Berlioz hier unter Mitwir-\nkung des Monlag'schen Gesang-Vereins, der Hofcapelle, des Chors\nund der Sänger vom Hoftheater seine musicalisch-dramatische Le-\ngende: „Faust's Verdammniss\", vollständig in ihren vier Abthei-\nlungen ausgeführt.\n*** Urämischweigy 28. März. Ich schreibe Ihnen nur vor-\nläufig, dass Herr Capellmeister Hiller gestern in dem Concerte\nder hiesigen Hofcapelle seine Sinfonie „Es muss doch Frühling\nwerden\" und seine Ouvertüre zu dem Traum aus der Christnacht\naufgeführt und sein Fis-moll-Concert für Pianoforte und Orchester\ngespielt hat. Die Compositionen, so wie das vortreffliche Ciavier-\nspiel fanden grossen Beifall; die Sinfonie wurde mit Enthusiasmus\naufgenommen. Mit der Ausführung war der Componist sehr zu-\nfrieden. Nächstens mehr!\n* Wien. In einer Privat-Soiree, veranstaltet durch Herrn Karl\nHaslinger im Haus-Theater des Freiherrn von Pasqualati, wurden\nzwei symphonistische Dichtungen von F. Liszt: Les Preludes und\nOrpheus, von dem Componisten für zwei Pianoforte eingerichtet,\nvorgetragen. Die N. W. M.-Z. sagt darüber: „Wenn diese Dichtun-\ngen Liszt's, ungeachtet des vortrefflichen Vortrags, der ersteren\ndurch die Herren Pruckner und Kolb, der letzteren durch die\nHerren Haslinger und Kolb, und ungeachtet eines erläuternden\nGedichtes zu Orpheus minder ansprachen, so liegt dies wohl zum\nTheil in der noch minderen Vertrautheit des hiesigen Publicums\nmit dieser Art beinahe dithyrambisch gehaltener Ton-Charakteristi-\nken, bei denen die grösste Ungebundenheit in der Form Gesetz\nist, zum Theil in der hieraus wirklich entspringenden dunkeln, je-\ndoch schönen Regellosigkeit, welche namentlich in der Dichtung\nOrpheus mitunter störend wirkte; dass es bei einem Manne von\ndem Geiste und der musicalischen Bildung und Begeisterung Liszt's\nin ähnlichen Werken nicht an interessanten geistreichen Zügen und\nCombinationen fehlt, versteht sich wohl von selbst.44\nDie Gesellschaft der Tonkünstler hat zur Aufführung in ihren\nzwei Jahres-Concerten zum Besten ihrer Witwen-Versorgungs-An-\nstalt zum ersten Male ein neueres Werk, Mendelssohn's Pau-\nlus, gewählt, welches am 16. und 17. Marz im Hofburg-Theater,\ndas nach aller Sitte zu diesen Concerten eingeräumt wird, gegeben\nwurde. Bisher hatte man sich ausschliesslich an Haydn gehalten\nund entweder die Schöpfung oder die Jahreszeiten gegeben. Sie\nhatten der Anstalt stets eine volle Einnahme gebracht, und man\nkönnte sowohl in Hinsicht auf diesen financiellen Zweck, als in\nBetracht dessen, dass jene Werke in Wien und zunächst für Wien\ngeschrieben worden und somit ihre Aufführung gewisser Maassen\neine jährliche Gedächtnissfeier war, wohl fragen, ob die wieder-\nholten Vorwürfe eines Theiles der Presse gegen diesen so genann-\nten „Schlendrian\" auch wirklich berechtigt gewesen seien. Glück-\nlicher Weise hat nun zwar der „Paulus\" auch das Haus gefüllt;\nallein die Ausführung war sehr mittelmässig, was bei einer Vereini-\ngung sonst zerstreuter Kräfte zu einem Ganzen für den augenblick-\nlichen Zweck nicht wohl anders möglich ist. Die Stimmung des\nPublicums war desshalb eine sehr matte und laue, der Beifall sel-\nten und schwach, bei den Chören gar nicht vorhanden, nur bei\nStaudigl's Arien des Paulus und bei Erl's Vortrag der Cavatine mit\nobligater Violoncell-Begleitung vernehmbar.\nDa wir auf Privatwegen erfahren und kürzlich sogar in öffent-\nlichen Blättern gelesen haben, dass Sir William Don „im Auf-\ntrage des bekannten Germanenfreundes Herrn Mitchell in Lon-\ndon\" (Wiener Blätter für Musik, Nr. 26 vom 28. März) eine Ge-\nsellschaft für deutsche Theater-Vorstellungen in London\nzusammen zu bringen suche, so halten wir es im Interesse der\ndeutschen Bühnenkünstler und unserer freundschaftlichen Verbin-\ndung mit Herrn Mitchell gemäss für Pflicht, folgende Zeilen aus\nseinem Schreiben an uns bekannt zu machen:\n„London, 1. April 1856.\n„Ich habe gar keine Kunde von dem (Don'schen) Unter-\nnehmen, wovon Sie mir schreiben; ich bin nicht au'f die\nentfernteste Weise daran betheiligt. —-\n„(Unterz.) John Mitchell.\n„An Herrn Prof. L. Bischoff in Köln.\"\n.Wir fügen noch hinzu, dass Herr Mitchell keinesfalls gesonnen\nist, dieses Jahr ein ähnliches Unternehmen ins Leben zu rufen.\nAuch wissen wir aus sehr guter Quelle, dass ein solches gegen-\nwärtig gar keine Aussicht auf günstigen Erfolg hat. Man sehe sich\nalso vor!\nDießedactioru"}]}