{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-04-26-01", "volume": "bmtnabi_1856-04-26_01", "ocr_sha256": "bdc16652511a598bb818ded2fb606881bd316e5011287a2cc807835c43277a12", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/04/26_01/bmtnabi_1856-04-26_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-04-26-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-04-26_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-04-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "129", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 335, "texte": "Inhalt.\nKarl Philipp Emanuel Bach. (Schluss.) Von L. B Aus Prag, Von 10. Aus Braunschweig. Von T. Londoner\nBriefe (Beinthaler's Jephtaj. Von CA. Tages- und Un terh alt u ngs blatt (Köln, Afred Jaell, Theater, Musikfest in Düsseldorf\nBerlin, „Jerusalems Zerstörung durch Titus'4 von Emil Naumann Deutsche Tonhalle [Preis-Ausschreiben])."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-04-26-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-04-26_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-04-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "131", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.2.2", "titre_corps": "Karl Philipp Emanuel Bach.", "titre_sommaire": "Karl Philipp Emanuel Bach.", "signature_source": "L. 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Sie\nist hauptsächlich auf die feine und richtige Begleitung einer\nSolostimme (Gesang oder Instrument) nach dem bezifferten\noder auch nicht bezifferten Grundbass berechnet, auf das\nso genannte Generalbass-Spielen, das freilich dem grossen\nHaufen der heutigen Clavierspieler als ein überflüssiger\nStudien-Luxus erscheint, da man ja jetzt überall die aus-\ngefüllte Harmonie in den vollstimmigsten Clavier-Auszügen\n(hochtrabend sogar Ciavier-Partituren genannt) vor sich\nhabe und nur frisch weg vom Blatte zu lesen und die\nFaust voll zu packen brauche, um zu begleiten, anstatt sich\nden Kopf mit der augenblicklichen harmonischen Ausfüh-\nrung zu zerbrechen, wie die guten Alten es mussten. Also\nein Fortschritt. O ja, aber, wie so häufig in der Kunst, ein\nFortschritt in die Breite, nicht in die Tiefe. Den guten\nAlten galt nun einmal der Clavierspieler nicht bloss als Be-\nherrscher eines Instrumentes, sondern als der vorzugsweise\nberufene Meister der Harmonik, der Compositions- und\nDirections-Lehre und Praxis, als der Vertreter der Ton-\nkunst im Ganzen.\nFür diesen also schrieb K. Ph. E. Bach seine Anleitung,\nund jeder Pianist, der noch ein höheres Ziel vor Augen\nhat, als virtuoses Geklingel, wird sie auch jetzt noch mit\nNutzen studiren. Ja, es dürfte sogar wünschenswerth sein,\ndass die neuesten Componirenden im eigentlichen Sinne,\nd. h. die Zusammensteller von Accorden und Vorhalten,\ndie vollständige Harmonie-Lehre, welche dieser Theil des\nBüchleins enthält, einmal wieder mit Aufmerksamkeit durch-\nläsen, um ihre Dissonanzen-Wuth zu dämpfen und ihre\nRohheit im Zusammenschweissen zu glätten. Und doch ist\nBach durchaus nicht ein blosser Rechenmeister, sondern\nerscheint auch hier als ein Künstler, der seinen Stoff mit\nFreiheit zu behandeln lehrt, ohne ihm Gewalt anzuthun\nund seine edle Natur zu verhunzen. Aber auch Dilettanten,\nwelche sich eine Uebersicht der Accord-Lehre verschaffen\nwollen, ist dieser Abschnitt zu empfehlen, der alles We-\nsentliche und Feststehende derselben in deutlicher, weder\ndurch Philosophie noch Romantik verbrämter Darstellung\nenthält.\nDie Art, wie sich Bach über das Wesen und die Praxis\nder Begleitung ausspricht, ist oft sehr interessant. So heisst\nes unter Anderem:\n„Ein Accompagnist muss jedem Stücke mit dem rech-\nten Vortrage die ihm zukommende Harmonie, und zwar in\nder gehörigen Stärke und Weite, anpassen. Er muss dem\nSolisten auf das genaueste folgen denn man empfindet\nsogleich, wie Einer auf den Anderen genau hört und sei-\nnen Vortrag danach einrichtet, damit sie vereint den ge-\nsuchten Endzweck erreichen. Dieses Lauschen ist über-\nhaupt bei aller Musik unentbehrlich.\"\n„Bei der Uebung im Uebersetzen (Transponiren) lasse\nman kurze Beispiele in allen Lagen in alle Tonarten über-\nsetzen, nehme aber die Tonarten ausser der Reihe. Nur\ndadurch wird man endlich Meister über die Intervalle, sie\nmögen liegen, wo sie wollen.\"\n„Das Accompagnement nimmt noch einen grösseren\nAntheil an den Regeln des guten Vortrages, als die Aus-\nführung blosser Handsachen. Ich weiss nicht, ob einem\nvollkommenen Begleiter nicht noch mehr Ehre gebühre, als"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5107, "texte": "dem, der begleitet wird. Letzterer kann lange Zeit zuge-\nbracht haben, sein Stück gut heraus zu bringen, der Ac-\ncompagnist hat manchmal kaum Zeil, es nur flüchtig anzu-\nsehen, und muss dessen ungeachtet alle die Schönheiten un-\nterstützen und befördern, welche mit vieler Zeit und Mühe\neinstudirt sind. Der Sänger behält freilich alles Bravo ge-\nmeiniglich lür sich, gibt seinem Begleiter nichts davon ab;\ndenn er kennt den Schlendrian, vermöge dessen ihm dieses\nBravo eigenthümlich und ganz allein gegeben wird.\"\n„Der gewöhnlichste Ausdruck, womit man einen gu-\nten Accompagnisten bezeichnet, pflegt zu sein: „ „eraccom-\npagnirt mit Discretion.\"\" Dieses Lob ist von grosser Be-\ndeutung; denn es heisst: der Begleiter weiss zu unter-\nscheiden und hiernach seine Einrichtungen zu treffen.—\nEr hilft mit der grössten Bescheidenheit denjenigen, die er\nbegleitet, ungeachtet er sie an Künstlerschaft bisweilen\nüberragt, die erwünschte Ehre mit erwerben. Diese Be-\nscheidenheit zeigt er besonders gegen Personen, die nicht\ndie Musik zu ihrem Berufe erwählt haben. Er lässt lieber\nhervorragen, als dass er sie verdunkelt. Er bringt seine\nKünste nicht alle Augenblicke, sondern sparsam und nur\nalsdann an, wenn sie von Wirkung lür das Ganze sind und\ner Niemanden damit einschränkt. Keine allzu grosse Weis-\nheit darf ihn drücken, und er vergisst niemals, dass\ner nur begleitet und nicht führt. Er weiss, dass\nein gutes Accompagnement die Auslührung eines Stückes\nbelebt, und dass der beste Auslührer durch eine elende\nBegleitung ungemein verliert, weil ihm alle Schönheiten\nverdorben werden, und was das Schlimmste dabei ist, dass\ner ganz und gar aus der guten Disposition, worin er war,\nkommen muss. Mit Einem Worte: ein discreter Accom-\npagnist muss eine gute musicalische Seele, vie-\nlen Verstand und guten Willen haben.\"—Wahr-\nlich, so ist es; und das gilt nicht nur für die Begleitung\nam Ciavier, wo diese guten Lehren zumal bei dem über-\nmässig figurirten und harmonisch überfüllten Accompagne-\nment in unserer Zeit doppelt beachtet werden müssen, son-\ndern auch für die begleitenden Quartett- und Orchester-\nspieler, sowohl bei Gesang-, als bei Instrumental-Solo-Vor-\nträgen. Wenn also auch der grösste Theil der Vorschriften\nüber die Begleitung, z. B. auch der Abschnitt über das\nAccompagnement des Recitativs in der Oper und im Ora-\ntorium, die frühere Periode der ausführenden Musik be-\ntrifft, wo stets am Flügel dirigirt wurde, so zeigen doch\nschon die ausgezogenen Stellen, dass auch heute noch sehr\nVieles davon fruchtbar sein kann. Besonders aber ist das\nder Fall für jüngere Dirigenten und Leiter von Gesang-\nVereinen, die in die Notwendigkeit kommen, ältere Musik\nzu begleiten und einzustudiren, und dabei häufig in Ver-\nlegenheit und Irrthümer verfallen.\nDer Abschnitt „von der freien Phantasie\" ist\nzwar kurz, enthält aber auch treffliche- Sachen. Zunächst\nbehandelt Bach die Vorspiele oder das Präludiren und gibt\nin neunzehn Beispielen, meist harmonischen Variationen der\nTonleiter, und in vier Beispielen von Orgelpunkten Anlei-\ntung dazu. Ueber das ausführlichere freie Phantasmen, „das\nvorzüglichste Mittel für den Clavierspieler, sich der Gemü-\nther der Zuhörer zu bemeistern\", sagt er unter Anderem:\n„Zur freien Phantasie, dem unmittelbarenUeberlassen\nan die eben regen musicalischen Eingebungen, ist nicht ge-\nrade die vollste Kenntniss der Compositionskunst nöthig,\nsondern nur gründliche Einsichten in die Harmonie und\neinige Regeln über die Einrichtung derselben; aber vor Al-\nlem natürliche Anlage. Desshalb kann einer die Composi-\ntionskunst mit bestem Erfolge studirt haben und gute Pro-\nben mit der Feder ablegen, dessen ungeachtet aber schlecht\nphantasiren. Dagegen glaube ich, dass man einem im Phan-\ntasmen glücklichen Kopfe mit Gewissheit einen guten Fort-\ngang in der Composition prophezeien darf, wenn er nicht\nzu spät anfängt, und wenn er viel schreibt.\"\n„Man muss bei der Phantasie eine Tonart festsetzen,\nin welcher man anfängt und aufhört, wenn man auch in\nandere Tonarten weitläufiger ausweicht.— Ueberraschende\nharmonische Wendungen und andere vernünftige Betrüge-\nreien machen eine Phantasie gut, frisch, reizend; allein sie\nmüssen nicht immer vorkommen, damit das Na-\ntürliche des Gedankenstromes nicht ganz und gar\ndadurch verwischt wird.\"\n„Man kann auch in entlegenere Tonarten auswei-\nchen, allein man muss dazu vorbereiten, damit die Ueber-\nraschung des Ohrs nicht unangenehm wird. Man wird Cla-\nvierspieler treffen, welche die Chromatik verstehen und ihre\nSätze vertheidigen können, aber nur wenige, welche die\nChromatik angenehm vorzutragen und ihr das Rauhe zu\nbenehmen wissen.\" (Hierauf folgen siebenzehn Beispiele\ntrefflicher Ausweichungen von in in in in\nin F-und in Fis, in G und in As, in A, in B, in H.)\nDen Beispielen lügt er hinzu, was heute so oft verges-\nsen wird: „Merken wir überhaupt, dass man sich bei Aus-\nweichungen, in denen man sich weiter von der festgesetz-\nten Tonart entfernt, etwas länger aufhalten muss, als bei\nden übrigen.\"\nDann kommt er auf die Fruchtbarkeit des „Septimen-\nAccords mit der verminderten Septime und falschen Quinte\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1470, "texte": "lür die harmonischen Veränderungen, gibt auch davon Bei-\nspiele und fährt dann fort:\n„Durch eine richtige Kenntniss und einen muthi-\ngen Gebrauch der Harmonie wird man Meister in allen\nTonarten, und der Componist erfindet auch im galanten\nStyl Modulationen, die noch nicht da gewesen sind. Klug-\nheit, Wissenschaft und Muth leiden keine eingeschränkten\nAusweichungen, wie unsere Alten vorschrieben. Aber viele\nunserer heutigen Componisten lernen nicht\ngenug; sie verlassen sich auf ihr so genanntes Genie. Sie\nhalten die Wissenschaft der Harmonie lür zu trocken oder\nlür ihr Genie zu einschränkend; aber sie kennen sie nicht\nund haben nicht viel davon gelernt. Sie verkleistern ihre\nGänge mit Tändeleien, Harfen-Bässen und anderen Kleinig-\nkeiten. Durch eine gute Anleitung und gute Muster kann\nman dagegen dahin gelangen, auf die gewöhnliche, wie auf\neine entfernte Art neu, angenehm und überraschend zu\nmoduliren. Von solchen Arten kommen viele Proben in mei-\nnen Sonaten,Rondo's,Phantasieen, in meinem „„Heilig\"\"\nund besonders auch in einem Duelt aus meiner „„Aufer-\nstehung Jesu\"\" vor, wo auf die natürlichste Art, ohne\nenharmonische Künste, der Zuhörer überrascht wird. Rech-\nnet man nun noch dazu den vernünftigen Gebrauch der\nenharmonischen Künste: welcher Reichthum öffnet sich!\nNur muss man die Gewürze nicht zu oft brauchen und nicht\nzu stark auftragen, sonst verlieren sie ihren Reiz!\"\nMan fragt sich erstaunt: hat der Mann 1756 oder\n1856 geschrieben??\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-04-26-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-04-26_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-04-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "131", "page_fin": "132", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.2.3", "titre_corps": "Aus Prag.", "titre_sommaire": "Aus Prag.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.3", "debut_caractere": 1472, "fin_caractere_exclue": 4968, "texte": "Aus Prag.\nDen 16. April 1856.\nAm Schlüsse des Winter-Feldzuges auf dem Gebiete\nder reproducirenden Tonkunst, der so manches Interessante\nbrachte, auf dem Podium des Concertsaales wie auf den\nBrettern, welche die Welt bedeuten, sei es uns, indem\nwir das Referat über andere hervorragende Erscheinungen\nAnderen überlassen, erlaubt, nur der heurigen Leistungen\ndes prager Conservatoriums in Ihrem geschätzten Blatte zu\nerwähnen. Das gewiss nicht ohne Grund und vorhergegan-\ngene Verdienste weithin berühmte Institut trat ja mit dem\nJahre 1856 eben in ein neues Stadium seines Wirkens.\nDer auf sechs Jahre normirte Lehr-Cursus war eben mit\ndem vorigen Jahre abgelaufen, und mit dem heurigen wurde\nein neuer begonnen. Die Concerte wurden daher mit einem\nganz neuen Orchester, mit Solisten, die erst eine dreijäh-\nrige, mithin eine halbe Lehrzeit bestanden, präsentirt. Aber\nauch damit scheint sich eine neue Aera für das prager Con-\nservatorium zu eröffnen, dass sich sein Bestand in Rück-\nsicht der materiellen Mittel und auf soliderer Grundlage\nals bisher consolidirt haben soll. Die Bestätigung dieser\nNachricht dürfte nicht nur den hiesigen, sondern auch den\nauswärtigen Freunden der nicht nur für Böhmen und ganz\nOesterreich wichtigen Anstalt willkommen sein. Ein Insti-\ntut, das sein Dasein und sein Fortbestehen nur der Kunst-\nliebe des vaterländischen Adels und Privatmitteln zu dan-\nken hat und seine Leistungen kühn mit manchem anderen\nvergleichen kann, zählt überall Freunde, die sich für sein\nFortbestehen, für sein Fortblühen interessiren, und wären es\nkeine anderen als jene, die ihre jetzige Stellung der ältesten\nmusicalischen Hochschule Deutschlands, auf welcher sie\nihre Ausbildung genossen, zu verdanken haben. Solche fin-\nden sich an allen Orten der Welt, wohin der Cultus der\nTonkunst gedrungen. Sind die halb- und ganzjährigen\nöffentlichen Prüfungen dazu bestimmt, den auf dem päda-\ngogischen Felde der Kunst Erfahrenen über System und\nMethode des Instituts Rechenschaft zu geben, so bieten die\nConcerte die lebendigen Früchte lehrender und bilden-\nder Wirksamkeit in den concertanten Leistungen der Zög-\nlinge als Solisten und als Ensemblespieler. Dass die\nvirtuose Seite musicalischer Bildung im Conservatorium\neine besondere und, wie es sich von selbst versteht,\nwesentliche Pflege geniesst, beweis't der Umstand, dass\ndie concertanten Vorträge einzelner Obligat-Instrumente\nnicht selten zu den wahrhaft concertanten gehören und mit\njenen manches fahrenden Virtuosen berühmten Namens\nrivalisiren können. Auch heuer wurde in dieser Beziehung\nHinreichendes und Genügendes, ja, mit Rücksicht auf die\nerst im Jahre 1852 erfolgte Aufnahme aller sich produ-\ncirenden Zöglinge nicht selten Ueberraschendes geleistet.\nWir nennen vor Allem den Vortrag des Maurer'schen Qua-\ndrupel-Concertes, in welchem die Schüler Anton Melone,\nJoseph Kulik, Franz Schmid und Theodor Tomaschek in\nRücksicht der Reinheit, Klarheit und Deutlichkeit des Spiels,\nin Rücksicht technischer Gewandtheit und vollkommen prä-\ncisen Zusammenspiels kaum etwas zu wünschen übrig Hes-\nsen; ferner die Clarinettisten Karl Pelzer und Johann Tyr-\ndek in dem mit schönem Tone und grosser Accuratesse\ngeblasenen Müller'schen Duo, und den Contrabassisten\nAdolf Moisk, welcher in einem Divertimento von Abert\ndem ehrwürdigen Grundherrn des Orchesters die ihm nur\nimmer möglichen graciösen und virtuosen Eigenschaften\neines eleganten Solisten octroyirte. Wenn wir von den\nViolinisten Ludwig Hansky und Franz Bausch zwar mit"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4368, "texte": "gutem Gewissen behaupten können, dass auch bei ihnen\nFleiss und Streben nach dem Höchsten mit offenbarem Ta-\nlente Hand in Hand gehen, so gilt dieses Lob in Rücksicht\nihrer Vorträge doch nur relativ. Daran haben aber sie keine\nSchuld, sondern, wie wir erinnern, die Aulbürdung von\nAufgaben, welche nur (ür Künstler und Virtuosen höheren\nAlters und reiferer Erfahrung bestimmt sind. Zu diesen\ngehören aber offenbar das Concert von David und das\nRondo und Adagio von Vieuxtemps. Von Instrumentalisten\nliessen sich noch der Oboist Wenzel Tucyck (Concertino\nvon Vogt), die Hornisten Franz Grimm und Franz Janatra\n(Duo von Saar) und endlich Franz Rychorowsky in einem\nConcertino für die Trompete hören und verdienen ebenfalls\neine ehrenvolle, für sie und ihre Lehrer sprechende Er-\nwähnung.\nEine erfreuliche Erscheinung der heurigen Produc-\ntionen boten auch die Gesanges-Vorträge dreier Schülerin-\nnen der Opernschule. Karoline Kropp sang die Echo-Arie\nder Giralda von Adam, Wilhelmine Medall die später com-\nponirte Arie der Susanna von Mozart, und Maria Soukup\nMendelssohn's Concert-Arie. Schon die Wahl weis't jeden,\nder diese Tonstücke kennt, auf den Charakter der Organe\nund auf die Individualität der Sängerinnen hin. Es kann\nhier von einer Besprechung der Leistungen dieser Kunst-\nAspirantinnen nicht die Rede sein; es genüge die allgemeine\nBemerkung, dass Stimmmittel, musicalisches Talent und\ndie in kurzer Frist bereits erlangte Technik (ür die Zu-\nkunft der Damen, natürlich innerhalb der einer jeden von\nder Natur gesetzten Gränzen, Erfreuliches hoffen lassen.\nWir kommen nun zu den Leistungen des Conservata-\nriums als Orchesterschule, dem Glanzpunkte der Concerte.\nIn dieser Beziehung sind die Verdienste des Directors Herrn\nJ. F. Kittl nicht hoch genug anzuschlagen. Die Auffüh-\nrungen grosser Instrumentalwerke sind stets der Art, dass\nbei Beurtheilung derselben der Maassstab, den man sonst\nbei Leistungen eines aus Eleven zusammengesetzten Or-\nchesters in der Regel anlegt, nothwendig überschritten wer-\nden muss. Nicht bloss relativ ist das Ensemble ein vorzüg-\nliches, es kann als ein solches im Allgemeinen bezeichnet\nwerden. Die Präcision, feine Nuancirung, die poetische Fär-\nbung, mit welcher Mozart's Sinfonie in zum grössten\nTheile die siebente Beethoven's, des letzteren Prometheus-\nOuverture und jene zur Fingalshöhle von Mendelssohn auf-\ngeführt wurden, rangirt die Vorträge des jugendlichen Or-\nchesters unter jene der accreditirtesten Instrumentalkörper,\nseinen Leiter unter die geistvollsten, energischsten Capell-\nmeister. Besonderen Beifalls und einer bis ins geringste De-\ntail vollkommenen Aufführung erfreute sich die\nSinfonie von J. Kittl, ein Tonwerk ersten Ranges. Es zeugt\nnicht nur die Intention von der besonderen Begabung,\nsondern auch die recht gediegene Mache von der Bildung\nund Routine des Componisten. Ausser diesen angeführten\nWerken brachte das dritte Concert noch eine dritte Con-\ncert-Ouverture, das Manuscript des Herrn Louis (?) Saar,\neines jungen prager Piano-Virtuosen und Componisten.\nWenn das Tonstück auch nicht von einer ursprünglichen,\noriginellen Dichtergabe übersprudelt, so ist doch die Be-\nsonnenheit und Formen-Gewandtheit bei solcher Jugend\nanzuerkennen.\nBei einem Wohlthätigkeits-Concerte wirkte auch das\nConservatorium mit, und zwar in zwei Orchester-Piecen.\nA. Dreyschock's Ouvertüre ist eine sehr tüchtige Arbeit,\nnicht ohne Schwung, und bei so feurig accuratem Vortrage,\nwie diesmal, effectvoll. Abert's Jubel-Ouverture über die\nKaiser-Hymne fand schon von Stuttgart aus eine sehr lo-\nbende Empfehlung. Abert ist ein Zögling des Conservato-\nriums zu Prag und ein produetives Talent hohen Ranges.\nDie zwei bereits hier gegebenen Sinfonieen desselben mach-\nten Sensation, und auch in der Novität finden sich Momente,\nwelche das charakteristische Gepräge eines Tondichters von\nmelodischer Kraft, des geborenen Harmonikers und Instru-\nmentalisten an sich tragen. Wenn ein junger Künstler zu\nbedeutenden Hoffnungen berechtigt, so ist es Abert. Möge\nsich das Gerücht, Abert wolle seine Stellung bei der Stutt-\ngarter Hofcapelle aufgeben und Wien zu seinem bleiben-\nden Aufenthalte wählen, nicht bewahrheiten! Die Donau-\nstadt bietet keinen gedeihlichen Wirkungskreis, keine zei-\ntigende Atmosphäre für ein so tiefes, ernstes Talent, als\nwelches sich Abert in seinen bisherigen Productionen er-\nwiesen. 10."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-04-26-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-04-26_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-04-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "132", "page_fin": "134", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.2.4", "titre_corps": "Aus Braunschweig.", "titre_sommaire": "Aus Braunschweig.", "signature_source": "T", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.4", "debut_caractere": 4370, "fin_caractere_exclue": 4978, "texte": "Aus Braunschweig.\n\nDen 18. April 1856.\nEine gleich reiche Mannigfaltigkeit, wie die erste Hälfte\nder musicalischen Winter-Saison, bot uns die nunmehr ge-\nschlossene zweite Hälfte dar. Das Interesse Braunschweigs\nan jeder Gattung Musik bethätigte sich abermals in der\nvon uns früher angedeuteten Weise; gleich weit entfernt\nvon der sich überstürzenden Sucht nach Neuem, die jede\nKunstschöpfung wie einen neu erschienenen Mode-Artikel\nhastig verbraucht und dann bei Seite wirft, wie von der\nkrankhaften, erkünstelten Vorliebe für das Alte, weil es alt\nist und der profanen Gegenwart möglichst fern liegt, legte"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5080, "texte": "' das hiesige Publicum nur eine eklektische Theilnahme an\ndem wirklich Guten, unabhängig von Zeit und Richtung,\nan den Tag, und müssen wir gestehen, dass wir diese alles\nmusicalische Partei- und Cliquen-Wesen völlig ignorirende\nSelbstständigkeit im Urtheile mit Freude als einen Beweis\nbegrüssten, dass die nur sich selbst folgende Natur, die\nunbefangene Meinung der oft geschmähten, nicht Partei\nnehmenden „Menge\" meistentheils das Richtige trifft und\nder zuverlässigste Leitfaden aus dem Geschmacks-Labyrinth\nunserer Zeit in das sonnige Land des wahren Schönen ist.\nDie Aussprüche Voltaire's und Lord Byron's, dass jede\nGattung Poesie gestattet sei, ausgenommen die langwei-\nlige, lassen sich, wie auf jede Art Kunst-Production, auch\nmit vollem Rechte auf die Musik anwenden, und die\ngrosse Mehrzahl der Musik-Liebhaber macht, dem Partei-\ntreiben, wie der so genannten Fach-Kenntniss gleich\nfremd, glücklicher Weise nur diesen Einen Unterschied, ob\nihr etwas gefällt oder nicht gefällt, und entscheidet damit,\ntrotz der Declamationen vorgeblicher Kenner, denen die\nTerminologie ihres Faches eben so geläufig, wie ihnen das\nwahre Wesen der Kunst oft fremd ist, schliesslich doch\nAlles.\nDas erste der beiden Schluss-Concerte der Hofcapelle\nbrachte uns die D-dwr-Sinfonie von Beethoven, Nr. 2, die\nOuvertüre zu Iphigenie von Gluck und drei Compositionen\nvon einem jungen Componisten, dem als Clavierspieler be-\nkannten Anton Rubinstein. Vortrefflich wirkte zur\nAusführung des reizenden Beethoven'schen Werkes der\nschöne Rathhaussaal mit, dessen durchbrochene Balkendecke\nein Ineinanderfliessen der Töne auch bei den künstlerischen\nRhythmen und dem raschesten Tempo verhindert und dem\nZuhörer die schöne Tonschöpfung im deutlichsten akusti-\nschen Relief vorführt. Es möchte schwerlich ein für In-\nstrumentalwerke so geeignetes Local zum zweiten Male\nsich finden, wie dieser ernste mittelalterliche Saal, der auch\ndas zarteste Piano dem Zuhörer in die entfernteste Fenster-\n>\nnische hinüberträgt und—auch jeden Fehler verrathend\nden Meister vom Schüler so scharf unterscheidet. Hier ge-\nreichte er dem vortrefflichen Zusammenspiel des Orchesters\nzum Triumphe. Der Schluss der Gluck'schen Ouvertüre,\neine kurze, harmonische, beruhigende Verarbeitung des\nSchlussgedankens, ist jedoch, wenn wir nicht irren, von\nMozart, nicht von Richard Wagner, wie das Programm be-\nsagte; wenigstens erinnern wir uns, das Werk schon früher\nin dieser Weise gehört zu haben, ehe Richard Wagner's\nName auch nur bekannt war; vielleicht ist die Instrumen-\ntirung von ihm angegeben.\nHerrn Rubinstein's Spiel bewies viel Feuer und eine\nenorme Bravour; Zartheit, Geschmack und Ausdruck ver-\nmissen wir; überhaupt fühlte sich das Publicum durch ihn\nmehr frappirt und aufgeregt, als gerade angenehm berührt;\nmit einer gewissen Verstimmung schien es die Ruhe und\nKlarheit von Herrn Rubinstein's Vorgänger, Alfred Jaell,\nwelcher im ersten Concerte der Hofcapelle begeisterten\nBeifall fand, zu vermissen. Auch die Compositionen des\njungen Virtuosen (er führte ausser drei zusammenhangen-\nden Clavier-Piecen eine Ouvertüre zur Oper Demitri und\nein Concert für Orchester und Pianoforte auf) trifft derselbe\nVorwurf der Unklarheit, Unruhe und Formlosigkeit. Wel-\ncher Missbrauch war z. B. in der Ouvertüre mit den Syn-\nkopen getrieben! Offenbar ist Herr Rubinstein nicht ohne\nBegabung, aber der innere stürmische Drang darf nicht alle\nForm über den Haufen stossen. Wir wünschen dem jungen\nMusiker um seiner selbst willen keinen stärkeren Beifall,\nals er ihn bei uns fand, damit er zur Einkehr in sich selbst\ngezwungen werde, sich sein stürmisches Talent etwas ab-\nklären lasse und in die Schranken fügen lerne, die kein\nschaffender Künstler überschreiten darf, wenn er mehr als\nephemere Bedeutung beansprucht.\nIn dem zweiten Concerte sahen wir einen schätzens-\nwerthen Gast, Herrn Ferdinand Hiller aus Köln, un-\nsere Capelle leiten, und zwar um mehrere grössere Ton-\nwerke von ihm selbst uns vorzuführen. Neben der Ouver-\ntüre zur Oper „EinTraum in der Christnacht\" hörten wir\nnoch sein Concert für Pianoforte und Orchester in Fis-moll\nund seine Sinfonie „Es muss doch Frühling werden\". Im\nvortheilhaftesten Gegensatze zu den eben von uns bespro-\nchenen Compositionen hatten wir an den Werken des be-\nrühmten Rheinländers namentlich die Vollendung der Form,\nden Reichthum an Gedanken und die gewandte instrumen-\ntale Verarbeitung zu bewundern. Die in der Form zum\nTheil neue Sinfonie, in so fern sie der Wiederholungen\nentbehrte, bewies eine Fülle von Phantasie und Empfin-\ndung und eine Herrschaft über das Orchester, welche in\ndem Zuhörer stets die behagliche Stimmung hervorruft, die\nder unbefangene Genuss eines Kunstwerkes voraussetzt.\nDie von mancher Seite für unschön gehaltene grosse Sep-\ntime im ersten Satze der Sinfonie ist unserer Ansicht nach\ngerade dem entsprechend, was sie ausdrücken soll, und ver-\nliert bei einiger ästhetischen Interpretation das Harte und\nPeinliche der äusseren Form im Zusammenhange mit dem\nübrigen Werke bald. Das Clavierspiel unseres, verehrten\nGastes war durchaus vortrefflich."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3011, "texte": "Unsere unter Franz Abt's Leitung stehende Sing-\nAkademie hatte dieses Mal zu ihrem Charfreilags-Concerte\nHaydn's „Sieben Worte\" ausgewählt. Obgleich die von\nHaydn selbst in der Vorrede zum Clavier-Auszuge seines\nWerkes mitgetheilte Entstehungs-Geschichte desselben, wo-\nnach der ursprünglich nur für Instrumente geschriebenen\nComposition der Text erst nachträglich untergelegt wor-\nden, so wie die Monotonie der ohne Soli stets nur wech-\nselnden Chöre und Quartette eine Theilnahmlosigkeit des\nPublicums befürchten liess, bewies doch der Erfolg das\nGegentheil. Der überfüllte Saal lauschte mit grösster Auf-\nmerksamkeit den einfachen, ernsten Tönen des Vaters\nHaydn; und wenn auch hin und wieder die seltsame Auf-\nfassung mancher Stellen, die in der Entstehung des Werkes\nihren Ursprung hatte, wie z. B. der Hörnersatz: „In Deine\nHände befehle ich meinen Geist!\" bei welchem das tiefe\nEs im Solo-Basse im Gegensatze zu der Bedeutung der gan-\nzen Stelle fast von komischer Wirkung war, ferner die aus\ngleichen Gründen nothwendig gewordene Zerreissung der\nWorte: „Jesus dürstet, ihm reicht man Wein welchen\nman mit Galle mischet\", wobei die Vocal-Declamation bei\n„Wein\" fast einen vollständigen Schluss machte gerügt\nwurde, so hörten wir doch auch allgemein die Fasslichkeit\nund Klarheit des Werkes im Gedanken-Ausdruck, die mäs-\nsige, fein berechnete Instrumentirung und die erhabene\nWirkung der mit weiser Berechnung zwischen letztere ein-\ngeschobenen Vocal-Chorsätze rühmen. Wie wir hören, wird\nauf nächsten Busstag, den zweiten Haupt-Concerttag der\nSing-Akademie, das Requiem von Cherubini vorbereitet.\nZunächst wird der Verein sich an der in Magdeburg im\nJuni aufzuführenden „Schöpfung\" betheiligen.\nDas zur Hälfte aus zwei Söhnen von Karl Müller neu\nrecrutirte Müller'sche Quartett hat vor Kurzem hier sein\nerstes Concert gegeben. So lange das vortreflliche Spiel\nKarl Müller's das Quartett trägt und den übrigen Mitglie-\ndern nur die Rollen geschickter Ripienisten zutheilt, wird\ndas neue Quartett als legitimer Erbe des alten auftreten\nkönnen. Herr Karl Müller jun. wird jedoch, um einst die\nVollendung seines Vaters erreichen zu können, den ei bis\njetzt nicht ersetzt, noch bedeutende Studien zu machen ha-\nben. Ob das junge Quartett überhaupt das alte demnächst\nzu ersetzen im Stande ist, bleibt noch der Zukunft zum Be-\nweise überlassen; Hoffen wir es um der Kunst willen, in\nder dieses unerreichbar dasteht.\nIn einem von einem hiesigen jungen Pianisten, Herrn\nLohmann (Schüler Littolf's), veranstaltetenConcerte hat-\nten wir Gelegenheit, neben dem Concertgeber, welcher\ngute Anlagen und ein fleissiges Streben bekundete, auch\neinen jungen Violin-Virtuosen, Herrn David aus Hamburg\n(Schüler FreudenthaPs), zu bewundern. Der ihm zu Theil\nwerdende reiche Beifall war wohlverdient und wiederholte\nsich in einem späteren Concerte im Hoftheater. Wir wün-\nschen, dass der talentvolle junge Künstler einst den Lohn\nseines eifrigen Strebens ärnten und seinem berühmten Na-\nMensvetter nichts nachgeben möge.\n\nT."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-04-26-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-04-26_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-04-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "134", "page_fin": "135", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.2.5", "titre_corps": "Londoner Briefe.", "titre_sommaire": "Londoner Briefe.", "signature_source": "C. 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Desshalb mögen Worte\nder Anerkennung dafür eine geziemende Einleitung zu den\nBemerkungen sein, welche wir über das neue Oratorium\neines neuen deutschen Componisten, Herrn Reinthaler's\nJephta, miltheilen wollen. Einige Nummern dieses Werkes\nund ihren Eindruck beim Durchlesen haben wir bereits im\nAthenäum im vergangenen Jahre erwähnt. Die Aufführung\ndes ganzen Werkes rechtfertigte die vorgefasste gute Mei-\nnung darüber. In dem neuen Oratorium ist vieles, was\nsehr gut ist. Was weniger anspricht, fällt unserer Ansicht\nnach mehr dem Mangel an Erfahrung als dem Talente, theil-\nweise vielleicht auch den Umständen zur Last. Dahin rech-\nnen wir die Zusammenstellung des Textes, bei welchem wir\neine durchgreifende Haupt-Idee vermissen, und eine ge-\nwisse Eintönigkeit in den Solis, in welchen durchaus die\nBassstimme vorherrscht. Jedoch ist die Behandlung der\nTochter Jephta's vorzüglich. Während Händel nur an des\nMädchens Jugend dachte, hat Reinthaler sie aufgefasst als\ndie Tochter eines jüdischen Häuptlings, welche auszog, ih-\nren Vater zu begrüssen, mit der Cymbel des Triumphes in\nder Hand und Prophezeiung in ihrem Munde. Es ist etwas\nHebräisches und Majestätisches in der Auffassung dieses\nCharakters, welcher vereinzelt dasteht und dem ganzen\nOratorium Farbe und eine gewisse Hoheit des Tones gibt.\nIhre Gesangstücke, welche zum Theil wiederholt werden\nmussten, charakterisiren die Fürstin und die Priesterin.\nWenn Händel's Tochter Jephta's einer heiligen Jungfrau"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4281, "texte": "gleicht, wie Fra Beato sie bildete, so hat die Reinthal er's\nin etwa Aehnlichkeit mit den prächtigen und anmuthigen\nSchöpfungen Domenichino's. Die alte Auffassung mag der\n-Ueberlieferung nach die treuere sein; die neue zeugt von\nBescheidenheit und Muth, indem sie die nämliche biblische\nFigur in einem ganz anderen Lichte zeigt. Wir müssen\nHerrn Reinthaier Glück wünschen, eine Sängerin wie Ma-\ndame Novello zur Darstellerin seiner Heldin gefunden zu\nhaben. Wir haben diese Dame nie so unvergleichlich singen\nhören, wie an diesem Abende. Abgesehen von ihrer Stimme\nund ihrer musicalischen Schule, zeigte sie eine solche Farbe,\neinen solchen declamatorischen Ausdruck, ein solches Feuer\ninnerhalb der Gränzen des oratorischen Vortrages, dass sie\nalles übertraf, was wir je von einer englischen Sopranistin\ngehört haben. Die anderen Solisten waren Mr. Thomas als\nJephta, welcher im zweiten Theile an Kraft verlor, Mr.\nMontem Smith, Mr. Wallworth, Miss Banks, Miss Palmer\nund Miss Schott. Als das Erstlingswerk eines Componisten,\nwelcher bis jetzt wenig Gelegenheit zur Selbstkritik durch\nAnhörung seiner Schöpfungen hatte, verdient Herrn Rein-\nthaler's Jephta hohes Lob. Das Werk ist frei von jedem\nverkehrten Versuche, zu betäuben und zu verblüffen, und\nes sind darin, ohne dass sich gerade der Stil schon ausge-\nprägt, keine Spuren von geborgten Gedanken und Effecten,\nkein Beugen vor den neuen Götzen Deutschlands, mögen\nsie Classiker (?) oder Romantiker sein. Es ist glänzend, wir-\nkungs- und ausdrucksvoll in den Ideen, es zeigt überall\nsicheres Wissen und Gewandtheit in den Formen und oft\nTalent für pomphafte Massen-Effecte. Man stösst nur sehr\nselten auf etwas Gezwungenes in der Schreibart und in den\nGedanken von Anfang bis zu Ende, dagegen auf viel schön\nfliessende Melodie. Aber es ist zu gedehnt. Die Introduction\nmit ihren Bass-Soli ist nicht ganz frei von Längen, ob-\nwohl die Chöre, welche sie abschliessen, schön und breit\ngehalten sind. Auch das Auftreten Jephta's: „\nLord\"\", obgleich majestätisch, festlich und glänzend, ermü-\ndet ein wenig durch Wiederholungen und Länge. Einige\nVerbindungen von Chor und Solo sind sehr glücklich, be-\nsonders die kurze Scene zwischen den Aeltesten aus Gilead\nund Jephta im ersten Theile, und die Arie mit Chor im\nzweiten Theile. Von der Hauptpartie der Heldin haben wir\nschon gesprochen. In dem Quartette ist eine Mischung von\nKraft und Feinheit (jedoch der strengen canonischen Form\nunterthan), welche lyrisch und neu ist. Auch Herrn Rein-\nthaler's Behandlung des Orchesters ist gut. Die Partitur\nist vielleicht zu reichlich gefüllt, nach der Gewohnheit des\nTages; aber es ist Alles klangvoll. Kurz: wir können die-\nsen Bericht nicht besser schliessen, als indem wir wie-\nderholen, was wir im vorigen Jahre nach einer Durchlesung\nvon einigen Theilen des neuen Jephta sagten: „„Wenn\nHerr Reinthaier sich einer fliessenden Arbeit befleissigt,\nwenn er darauf hält, nachzudenken, zu prüfen, zu warten,\naber still fortzufahren, zu schaffen, so wird er der deut-\nschen Musik Ehre machen.a\" Seit Mendelssohn's Auftreten\nhaben wir nichts so viel Versprechendes aus seinem Vater-\nlande gehört. Das Oratorium wurde durchweg mit\nintelligenter Aufmerksamkeit angehört und gut aufgenom-\nmen. Der Componist wurde am Schlüsse mit Begeisterung\napplaudirt von einem Auditorium, das die vorzüglichsten\nMusiker aus London unter sich zählte.\"\nAlle übrigen Blätter stimmen in Anerkennung und\nLob der Composition überein, wogegen die Ausführung\nmannigfach getadelt und es bedauert wird, dass Herr Rein-\nthaier nicht selbst sie geleitet habe. Namentlich behauptet\nauch die Musical World,dass die Aufführung der Compo-\nsition nicht würdig gewesen sei. An diesen Vorwürfen ist\n(nach meinem eigenen Urtheile) manches Wahre; doch schei-\nnen sie mir übertrieben und mögen vielleicht durch Local-\nUrsachen etwas stark gefärbt sein. Das Orchester z. B. war\nganz vortrefflich, und einzelne Solisten, wie Frau Novello\nvor Allen, aber auch der Tenor Herr Montem Smith und\nder Bariton Herr Thomas (wenigstens im ersten Theile)\nwaren recht gut. Freilich hätte das Ganze mehr Kraft und\nFeuer haben können. Der Erfolg jedoch, und zwar ein\nglänzender, durch lauten und wiederholten Beifall bekun-\ndeter, ist eine Thatsache, die von Niemandem bestritten\nwird.\n\nC. A."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-04-26-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-04-26_01#c006", "volume": "bmtnabi_1856-04-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "136", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.7", "debut_caractere": 4283, "fin_caractere_exclue": 5246, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Herr Alfred Jaell ist von Sr. Majestät dem Könige\nvon Hannover zum Hof-Pianisten ernannt worden. Er befindet sich\nseit einigen Tagen hier; hoffentlich werden wir ihn auch öffent-\nlich hören.\nDie Theaterzeit geht zu Ende. Eine Vorstellung der Stummen\nvon Portici am letzten Donnerstag zeichnete sich dadurch aus, dass\ndie Rollen des Masaniello und des Pietro durch die Herrn Dr. Rade-\nmacher und Johann Thelen (vom Hoftheater zu Wiesbaden)\nvorzüglich gut gegeben wurden und Fran Mampe-Babnigg die\nPrinzessin ganz vortrefflich sang.\nIn Bezug auf das Musikfest in Düsseldorf erfahren wir,\ndass auf den Antrag des Comite's Herr DuMont-Fier die Aus-\nführung der Bass-Partie in Händel's Alexanderfest und Beethoven's\nneunter Sinfonie am zweiten Tage übernommen hat, was alle seine\nVerehrer und namentlich die Freunde eines Vortrags der schwie-\nrigen Partie in der neunten Sinfonie im Geiste Beethoven's mit\nFreude vernehmen werden."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6244, "texte": "* Berlin« Am Buss- und Bet-Tage, dem 16. d. Mts., gab die\nSing-Akademie ein neues Oratorium, oder Cantate von Emil\nNaumann: „Jerusalems Zerstörung durch Titus.44 Der\nText ist ein poetischer Commentar zu dem Gemälde von Kaul-\nbach im Treppenhause des neuen Museums*). Er ist vom Gehei-\nmen Postrathe Schüller verfasst. Die Stirnmen der Kritik in der\nNational-Zeitung (—t) und in der Vossischen (L. Reilstab) sind in\nBezug auf die Mängel der Composition einig. Von Erfolg konnte\nnicht die Rede sein. Jene schildert das Werk, das einen durchaus\nmalerischen oder vielmehr decorativen Charakter trage, als eine zu-\nsammenhanglose Reihe von einzelnen Tableaux, wirft der Anlage\ndes Ganzen überhaupt Aeusserlichkeit der Auffassung vor, daraus\nfolgende Anwendung der verschiedensten Stil-Gattungen, ferner\nvorzugsweise materiellen Ausdruck und tumultuarische Orchestra-\ntion, welche alles Maass überschreite. Rellstab, dem man doch\nkeineswegs zu grosse Strenge und Mangel an Wohlwollen vorwerfen\nkann, sagt unter Anderem: „Die Musik ist uns nicht als ein aus\ndem inneren Drange geborenes Erzeugniss erschienen. Ein Streben\nnach äusserlicher Wirkung tritt überwiegend darin hervor ; dazu\nsetzt der Componist alle Kräfte und Mittel, die ihm zu Gebote\nstehen, in Bewegung. Hätte er eben so ernst und eifrig nach den\nhöheren Zielen der Kunst, Maass, Einfachheit, Wahrheit, gestrebt,\nals nach den Machtschlägen der Effecte, er würde durch jene Zu-\nrückhaltung, glauben wir, eine grössere Wirkung erreicht haben,\nals durch diese Entfesselung aller Kräfte. Sollen wir von dem Stil\nder Musik sprechen, wobei wir nicht etwa den kirchlichen oder\nweltlichen meinen, sondern den individuellen Charakter, der sich\ndarin ausprägt, so würden wir sagen, dass in den Grundzügen, be-\nsonders im Anfange des Werkes, sich eine nahe Anlehnung an\nMendelssohn ausspricht, die späterhin auch öfter, in der harmoni-\nschen Behandlung zumal, wiederkehrt. Eine sonstige Eigentümlich-\nkeit hat uns nicht bestimmt entgegen treten wollen; doch möchten\nwir unser Wrort darum nicht für entscheidend, auch nicht für uns\nselbst, ausgeben, da eine nähere Kenntniss der umfassenden Ar-\nbeit, wodurch die Einzelheiten sich gegen einander messen und\nwägen lassen, uns vielleicht anderer Ansicht machen würde. Indes-\nsen müssen wir doch bekennen, dass der Eindruck des Ganzen uns\nkein erwärmender gewesen ist, dass der Componist uns mehr das\nSeltsame, Schroffe aufzusuchen scheint, als es ihm gelingt, das na-\ntürlich Wohlthuende und doch dabei Selbslgültige zu finden. Auf\ndie Dauer wirkt ein solches Bestreben sogar entfremdend, verletzend,\nund selbst die sichere Gewandtheit neben einzelnen wirkungsvollen,\nheraustretenden Zügen entschädigen uns nicht tür die unserem Sinne\n\"widerstrebende Richtung im Allgemeinen. Zu fortdauernd ruft die\nArbeit uns die tiefen Worte zu: „„Die Botschaft hör' ich wohl, al-\nlein mir fehlt der Glaube!4444 Die Gestalt des ewigen Juden hätten\n\"wir am liebsten ganz aus dem Gedichte hinweggewünscht. Der\nMusiker konnte sie kaum anders zeichnen, alsergethan; diese zer-\nrissenen Rhythmen, diese scharfen Modulationen enthalten manchen\nwirkungsvollen Moment, obwohl das Ganze uns mehr peinigt als\nin irgend einer künstlerisch wohlthuenden Weise berührt. Noch\ngesteigert wird diese unbehagliche Wirkung in dem Dämonen-Chor\nmit einer betäubenden, schrillenden Instrumentation. Soll uns aber\njemals bei kirchlichen Werken zu Muthe werden, wie in den diaboli-\nschen oder dämonischen Scenen unserer neueren Opern? Noch-\nmals kommen wir darauf zurück: Was nehmen wir aus dem Gan-\nzen der Arbeit mit? Doch gewiss nicht die Rührung oder Erschüt-\nterung, die Erbauung oder Heiligung, zu der die Kunst auf diesem\nGebiete uns emportragen soll!\"\nKöln, 21. April. Das gestern im Vaudeville-Theater Statt ge-\nhabte Concert von dem Männergesang-Yereine „Harmonie\" er-\nfreute sich allgemeinen Beifalls. Die Chöre, sowohl mit als ohne\nInstrumental-Begleitung, wurden sämmtlich applaudirt. Dem Diri-\ngenten Herrn Herx gebührt für die Mühen und Aufopferungen,\ndenen er zur Förderung des Gesanges sich unterzieht, die gerech-\nteste Anerkennung und öffentlicher Dank. H. J. M.\nDeutsche Tonhalle.\nWir setzen hiermit einen Preis von 250 Gulden rheinisch aus\nfür nicht zu sehr gedehnte Original-Musik für vollständiges Orchester\nzu Schiller's romantischer Tragödie „Die Jungfrau von Orleans\",\nund zwar aus wenigstens folgenden Stücken bestehend:\nEröffnung (Ouvertüre) zum Prolog und Einleitungen zu je den\nfolgenden fünf Aufzügen; Musik während des Monologs der Jo-\nhanna (4. Aufzug, 1. Auftritt), Krönungsmarsch (4. Aufzug, 4. und\n6. Auftritt) und Musik zum Schlüsse des 5. Aufzuges (Tod der\nJohanna).\nMit diesem Preise wird diejenige der in Partitur einkommenden\nBewerbungen um denselben gekrönt, welche die zu erwählenden\nPreisrichter als die vorzüglichste unter den preiswürdigen erkennen.\nWir laden im Namen des Vereins deutsche Tondichter zur Be-\ntheiligung hierbei mit dem Ersuchen ein, unter Beachtung der wei-\nteren diesfälligen Bestimmung in den Vereins-Satzungen (bei uns\nzu beziehen), die Werke im Laufe des Monats 0 c tob er d.\nJ. frei „der deutschen Tonhalle44 hieher einzusenden, jedes mit\neinem deutschen Spruche versehen und von einem versiegelten\nZettel begleitet, der den Namen und Wohnort des Verfassers ent-\nhält und auf welchem derselbe einen Tondichter als Preisrichter\nbezeichnet.\nMannheim, 8. Ostermonat 1856. Der Vorstand.\n*) In Erwartung eines Berichtes unseres Herrn Correspondenten\nin Berlin geben wir obige, uns von anderer Seite zugegangene\nNotizen. Man begreift kaum, wie E. Naumann, der, so viel\nwir wissen, durch die classische Kunst genährt und herange-\nbildet, ja, in Bezug auf kirchliche Musik hyperclassisch ist\nund deren Ideal nur bei den Italiänern und Niederländern\nder vorigen Jahrhunderte fand, solch einen Stoff zu musicali-\nscher Behandlung wählen konnte! Das berühmte Gemälde\nhat bei allen einzelnen Schönheiten selbst keine Einheit und\nkeinen Stil; wo soll da Beides vollends in einer Musik her-\nkommen, welche danach noch einmal malt? Es ist für die\nVocalmusik kein Heil zu erwarten, wenn sie nicht zur Ein-\nfachheit des poetischen Stoffes und geradezu gesagt zur\nUnter Ordnung desselben unter die Musik zurück-\nkehrt. Anm. der Redaction."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nKarl Philipp Emanuel Bach. (Schluss.) Von L. B Aus Prag, Von 10. Aus Braunschweig. Von T. Londoner\nBriefe (Beinthaler's Jephtaj. Von CA. Tages- und Un terh alt u ngs blatt (Köln, Afred Jaell, Theater, Musikfest in Düsseldorf\nBerlin, „Jerusalems Zerstörung durch Titus'4 von Emil Naumann Deutsche Tonhalle [Preis-Ausschreiben]).\n\nKarl Philipp Emanuel Bach.\n\n(Schluss. S. Nr. 16.)\nDer zweite Theil des „Versuches über die wahre Art,\ndas Ciavier zu spielen\", enthält die Lehre von der\nBegleitung und den dazu nöthigen harmonischen Kennt-\nnissen (S. 14*2 423) mit einem Anhange über die freie\nPhantasie (S. 424 436).\nMan sieht aus dem Umfange der Seitenzahl, dass die\nLehre von der Begleitung sehr ausführlich behandelt ist. Sie\nist hauptsächlich auf die feine und richtige Begleitung einer\nSolostimme (Gesang oder Instrument) nach dem bezifferten\noder auch nicht bezifferten Grundbass berechnet, auf das\nso genannte Generalbass-Spielen, das freilich dem grossen\nHaufen der heutigen Clavierspieler als ein überflüssiger\nStudien-Luxus erscheint, da man ja jetzt überall die aus-\ngefüllte Harmonie in den vollstimmigsten Clavier-Auszügen\n(hochtrabend sogar Ciavier-Partituren genannt) vor sich\nhabe und nur frisch weg vom Blatte zu lesen und die\nFaust voll zu packen brauche, um zu begleiten, anstatt sich\nden Kopf mit der augenblicklichen harmonischen Ausfüh-\nrung zu zerbrechen, wie die guten Alten es mussten. Also\nein Fortschritt. O ja, aber, wie so häufig in der Kunst, ein\nFortschritt in die Breite, nicht in die Tiefe. Den guten\nAlten galt nun einmal der Clavierspieler nicht bloss als Be-\nherrscher eines Instrumentes, sondern als der vorzugsweise\nberufene Meister der Harmonik, der Compositions- und\nDirections-Lehre und Praxis, als der Vertreter der Ton-\nkunst im Ganzen.\nFür diesen also schrieb K. Ph. E. Bach seine Anleitung,\nund jeder Pianist, der noch ein höheres Ziel vor Augen\nhat, als virtuoses Geklingel, wird sie auch jetzt noch mit\nNutzen studiren. Ja, es dürfte sogar wünschenswerth sein,\ndass die neuesten Componirenden im eigentlichen Sinne,\nd. h. die Zusammensteller von Accorden und Vorhalten,\ndie vollständige Harmonie-Lehre, welche dieser Theil des\nBüchleins enthält, einmal wieder mit Aufmerksamkeit durch-\nläsen, um ihre Dissonanzen-Wuth zu dämpfen und ihre\nRohheit im Zusammenschweissen zu glätten. Und doch ist\nBach durchaus nicht ein blosser Rechenmeister, sondern\nerscheint auch hier als ein Künstler, der seinen Stoff mit\nFreiheit zu behandeln lehrt, ohne ihm Gewalt anzuthun\nund seine edle Natur zu verhunzen. Aber auch Dilettanten,\nwelche sich eine Uebersicht der Accord-Lehre verschaffen\nwollen, ist dieser Abschnitt zu empfehlen, der alles We-\nsentliche und Feststehende derselben in deutlicher, weder\ndurch Philosophie noch Romantik verbrämter Darstellung\nenthält.\nDie Art, wie sich Bach über das Wesen und die Praxis\nder Begleitung ausspricht, ist oft sehr interessant. So heisst\nes unter Anderem:\n„Ein Accompagnist muss jedem Stücke mit dem rech-\nten Vortrage die ihm zukommende Harmonie, und zwar in\nder gehörigen Stärke und Weite, anpassen. Er muss dem\nSolisten auf das genaueste folgen denn man empfindet\nsogleich, wie Einer auf den Anderen genau hört und sei-\nnen Vortrag danach einrichtet, damit sie vereint den ge-\nsuchten Endzweck erreichen. Dieses Lauschen ist über-\nhaupt bei aller Musik unentbehrlich.\"\n„Bei der Uebung im Uebersetzen (Transponiren) lasse\nman kurze Beispiele in allen Lagen in alle Tonarten über-\nsetzen, nehme aber die Tonarten ausser der Reihe. Nur\ndadurch wird man endlich Meister über die Intervalle, sie\nmögen liegen, wo sie wollen.\"\n„Das Accompagnement nimmt noch einen grösseren\nAntheil an den Regeln des guten Vortrages, als die Aus-\nführung blosser Handsachen. Ich weiss nicht, ob einem\nvollkommenen Begleiter nicht noch mehr Ehre gebühre, als"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.2", "texte": "dem, der begleitet wird. Letzterer kann lange Zeit zuge-\nbracht haben, sein Stück gut heraus zu bringen, der Ac-\ncompagnist hat manchmal kaum Zeil, es nur flüchtig anzu-\nsehen, und muss dessen ungeachtet alle die Schönheiten un-\nterstützen und befördern, welche mit vieler Zeit und Mühe\neinstudirt sind. Der Sänger behält freilich alles Bravo ge-\nmeiniglich lür sich, gibt seinem Begleiter nichts davon ab;\ndenn er kennt den Schlendrian, vermöge dessen ihm dieses\nBravo eigenthümlich und ganz allein gegeben wird.\"\n„Der gewöhnlichste Ausdruck, womit man einen gu-\nten Accompagnisten bezeichnet, pflegt zu sein: „ „eraccom-\npagnirt mit Discretion.\"\" Dieses Lob ist von grosser Be-\ndeutung; denn es heisst: der Begleiter weiss zu unter-\nscheiden und hiernach seine Einrichtungen zu treffen.—\nEr hilft mit der grössten Bescheidenheit denjenigen, die er\nbegleitet, ungeachtet er sie an Künstlerschaft bisweilen\nüberragt, die erwünschte Ehre mit erwerben. Diese Be-\nscheidenheit zeigt er besonders gegen Personen, die nicht\ndie Musik zu ihrem Berufe erwählt haben. Er lässt lieber\nhervorragen, als dass er sie verdunkelt. Er bringt seine\nKünste nicht alle Augenblicke, sondern sparsam und nur\nalsdann an, wenn sie von Wirkung lür das Ganze sind und\ner Niemanden damit einschränkt. Keine allzu grosse Weis-\nheit darf ihn drücken, und er vergisst niemals, dass\ner nur begleitet und nicht führt. Er weiss, dass\nein gutes Accompagnement die Auslührung eines Stückes\nbelebt, und dass der beste Auslührer durch eine elende\nBegleitung ungemein verliert, weil ihm alle Schönheiten\nverdorben werden, und was das Schlimmste dabei ist, dass\ner ganz und gar aus der guten Disposition, worin er war,\nkommen muss. Mit Einem Worte: ein discreter Accom-\npagnist muss eine gute musicalische Seele, vie-\nlen Verstand und guten Willen haben.\"—Wahr-\nlich, so ist es; und das gilt nicht nur für die Begleitung\nam Ciavier, wo diese guten Lehren zumal bei dem über-\nmässig figurirten und harmonisch überfüllten Accompagne-\nment in unserer Zeit doppelt beachtet werden müssen, son-\ndern auch für die begleitenden Quartett- und Orchester-\nspieler, sowohl bei Gesang-, als bei Instrumental-Solo-Vor-\nträgen. Wenn also auch der grösste Theil der Vorschriften\nüber die Begleitung, z. B. auch der Abschnitt über das\nAccompagnement des Recitativs in der Oper und im Ora-\ntorium, die frühere Periode der ausführenden Musik be-\ntrifft, wo stets am Flügel dirigirt wurde, so zeigen doch\nschon die ausgezogenen Stellen, dass auch heute noch sehr\nVieles davon fruchtbar sein kann. Besonders aber ist das\nder Fall für jüngere Dirigenten und Leiter von Gesang-\nVereinen, die in die Notwendigkeit kommen, ältere Musik\nzu begleiten und einzustudiren, und dabei häufig in Ver-\nlegenheit und Irrthümer verfallen.\nDer Abschnitt „von der freien Phantasie\" ist\nzwar kurz, enthält aber auch treffliche- Sachen. Zunächst\nbehandelt Bach die Vorspiele oder das Präludiren und gibt\nin neunzehn Beispielen, meist harmonischen Variationen der\nTonleiter, und in vier Beispielen von Orgelpunkten Anlei-\ntung dazu. Ueber das ausführlichere freie Phantasmen, „das\nvorzüglichste Mittel für den Clavierspieler, sich der Gemü-\nther der Zuhörer zu bemeistern\", sagt er unter Anderem:\n„Zur freien Phantasie, dem unmittelbarenUeberlassen\nan die eben regen musicalischen Eingebungen, ist nicht ge-\nrade die vollste Kenntniss der Compositionskunst nöthig,\nsondern nur gründliche Einsichten in die Harmonie und\neinige Regeln über die Einrichtung derselben; aber vor Al-\nlem natürliche Anlage. Desshalb kann einer die Composi-\ntionskunst mit bestem Erfolge studirt haben und gute Pro-\nben mit der Feder ablegen, dessen ungeachtet aber schlecht\nphantasiren. Dagegen glaube ich, dass man einem im Phan-\ntasmen glücklichen Kopfe mit Gewissheit einen guten Fort-\ngang in der Composition prophezeien darf, wenn er nicht\nzu spät anfängt, und wenn er viel schreibt.\"\n„Man muss bei der Phantasie eine Tonart festsetzen,\nin welcher man anfängt und aufhört, wenn man auch in\nandere Tonarten weitläufiger ausweicht.— Ueberraschende\nharmonische Wendungen und andere vernünftige Betrüge-\nreien machen eine Phantasie gut, frisch, reizend; allein sie\nmüssen nicht immer vorkommen, damit das Na-\ntürliche des Gedankenstromes nicht ganz und gar\ndadurch verwischt wird.\"\n„Man kann auch in entlegenere Tonarten auswei-\nchen, allein man muss dazu vorbereiten, damit die Ueber-\nraschung des Ohrs nicht unangenehm wird. Man wird Cla-\nvierspieler treffen, welche die Chromatik verstehen und ihre\nSätze vertheidigen können, aber nur wenige, welche die\nChromatik angenehm vorzutragen und ihr das Rauhe zu\nbenehmen wissen.\" (Hierauf folgen siebenzehn Beispiele\ntrefflicher Ausweichungen von in in in in\nin F-und in Fis, in G und in As, in A, in B, in H.)\nDen Beispielen lügt er hinzu, was heute so oft verges-\nsen wird: „Merken wir überhaupt, dass man sich bei Aus-\nweichungen, in denen man sich weiter von der festgesetz-\nten Tonart entfernt, etwas länger aufhalten muss, als bei\nden übrigen.\"\nDann kommt er auf die Fruchtbarkeit des „Septimen-\nAccords mit der verminderten Septime und falschen Quinte\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.3", "texte": "lür die harmonischen Veränderungen, gibt auch davon Bei-\nspiele und fährt dann fort:\n„Durch eine richtige Kenntniss und einen muthi-\ngen Gebrauch der Harmonie wird man Meister in allen\nTonarten, und der Componist erfindet auch im galanten\nStyl Modulationen, die noch nicht da gewesen sind. Klug-\nheit, Wissenschaft und Muth leiden keine eingeschränkten\nAusweichungen, wie unsere Alten vorschrieben. Aber viele\nunserer heutigen Componisten lernen nicht\ngenug; sie verlassen sich auf ihr so genanntes Genie. Sie\nhalten die Wissenschaft der Harmonie lür zu trocken oder\nlür ihr Genie zu einschränkend; aber sie kennen sie nicht\nund haben nicht viel davon gelernt. Sie verkleistern ihre\nGänge mit Tändeleien, Harfen-Bässen und anderen Kleinig-\nkeiten. Durch eine gute Anleitung und gute Muster kann\nman dagegen dahin gelangen, auf die gewöhnliche, wie auf\neine entfernte Art neu, angenehm und überraschend zu\nmoduliren. Von solchen Arten kommen viele Proben in mei-\nnen Sonaten,Rondo's,Phantasieen, in meinem „„Heilig\"\"\nund besonders auch in einem Duelt aus meiner „„Aufer-\nstehung Jesu\"\" vor, wo auf die natürlichste Art, ohne\nenharmonische Künste, der Zuhörer überrascht wird. Rech-\nnet man nun noch dazu den vernünftigen Gebrauch der\nenharmonischen Künste: welcher Reichthum öffnet sich!\nNur muss man die Gewürze nicht zu oft brauchen und nicht\nzu stark auftragen, sonst verlieren sie ihren Reiz!\"\nMan fragt sich erstaunt: hat der Mann 1756 oder\n1856 geschrieben??\n\nL. B.\n\nAus Prag.\nDen 16. April 1856.\nAm Schlüsse des Winter-Feldzuges auf dem Gebiete\nder reproducirenden Tonkunst, der so manches Interessante\nbrachte, auf dem Podium des Concertsaales wie auf den\nBrettern, welche die Welt bedeuten, sei es uns, indem\nwir das Referat über andere hervorragende Erscheinungen\nAnderen überlassen, erlaubt, nur der heurigen Leistungen\ndes prager Conservatoriums in Ihrem geschätzten Blatte zu\nerwähnen. Das gewiss nicht ohne Grund und vorhergegan-\ngene Verdienste weithin berühmte Institut trat ja mit dem\nJahre 1856 eben in ein neues Stadium seines Wirkens.\nDer auf sechs Jahre normirte Lehr-Cursus war eben mit\ndem vorigen Jahre abgelaufen, und mit dem heurigen wurde\nein neuer begonnen. Die Concerte wurden daher mit einem\nganz neuen Orchester, mit Solisten, die erst eine dreijäh-\nrige, mithin eine halbe Lehrzeit bestanden, präsentirt. Aber\nauch damit scheint sich eine neue Aera für das prager Con-\nservatorium zu eröffnen, dass sich sein Bestand in Rück-\nsicht der materiellen Mittel und auf soliderer Grundlage\nals bisher consolidirt haben soll. Die Bestätigung dieser\nNachricht dürfte nicht nur den hiesigen, sondern auch den\nauswärtigen Freunden der nicht nur für Böhmen und ganz\nOesterreich wichtigen Anstalt willkommen sein. Ein Insti-\ntut, das sein Dasein und sein Fortbestehen nur der Kunst-\nliebe des vaterländischen Adels und Privatmitteln zu dan-\nken hat und seine Leistungen kühn mit manchem anderen\nvergleichen kann, zählt überall Freunde, die sich für sein\nFortbestehen, für sein Fortblühen interessiren, und wären es\nkeine anderen als jene, die ihre jetzige Stellung der ältesten\nmusicalischen Hochschule Deutschlands, auf welcher sie\nihre Ausbildung genossen, zu verdanken haben. Solche fin-\nden sich an allen Orten der Welt, wohin der Cultus der\nTonkunst gedrungen. Sind die halb- und ganzjährigen\nöffentlichen Prüfungen dazu bestimmt, den auf dem päda-\ngogischen Felde der Kunst Erfahrenen über System und\nMethode des Instituts Rechenschaft zu geben, so bieten die\nConcerte die lebendigen Früchte lehrender und bilden-\nder Wirksamkeit in den concertanten Leistungen der Zög-\nlinge als Solisten und als Ensemblespieler. Dass die\nvirtuose Seite musicalischer Bildung im Conservatorium\neine besondere und, wie es sich von selbst versteht,\nwesentliche Pflege geniesst, beweis't der Umstand, dass\ndie concertanten Vorträge einzelner Obligat-Instrumente\nnicht selten zu den wahrhaft concertanten gehören und mit\njenen manches fahrenden Virtuosen berühmten Namens\nrivalisiren können. Auch heuer wurde in dieser Beziehung\nHinreichendes und Genügendes, ja, mit Rücksicht auf die\nerst im Jahre 1852 erfolgte Aufnahme aller sich produ-\ncirenden Zöglinge nicht selten Ueberraschendes geleistet.\nWir nennen vor Allem den Vortrag des Maurer'schen Qua-\ndrupel-Concertes, in welchem die Schüler Anton Melone,\nJoseph Kulik, Franz Schmid und Theodor Tomaschek in\nRücksicht der Reinheit, Klarheit und Deutlichkeit des Spiels,\nin Rücksicht technischer Gewandtheit und vollkommen prä-\ncisen Zusammenspiels kaum etwas zu wünschen übrig Hes-\nsen; ferner die Clarinettisten Karl Pelzer und Johann Tyr-\ndek in dem mit schönem Tone und grosser Accuratesse\ngeblasenen Müller'schen Duo, und den Contrabassisten\nAdolf Moisk, welcher in einem Divertimento von Abert\ndem ehrwürdigen Grundherrn des Orchesters die ihm nur\nimmer möglichen graciösen und virtuosen Eigenschaften\neines eleganten Solisten octroyirte. Wenn wir von den\nViolinisten Ludwig Hansky und Franz Bausch zwar mit"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.4", "texte": "gutem Gewissen behaupten können, dass auch bei ihnen\nFleiss und Streben nach dem Höchsten mit offenbarem Ta-\nlente Hand in Hand gehen, so gilt dieses Lob in Rücksicht\nihrer Vorträge doch nur relativ. Daran haben aber sie keine\nSchuld, sondern, wie wir erinnern, die Aulbürdung von\nAufgaben, welche nur (ür Künstler und Virtuosen höheren\nAlters und reiferer Erfahrung bestimmt sind. Zu diesen\ngehören aber offenbar das Concert von David und das\nRondo und Adagio von Vieuxtemps. Von Instrumentalisten\nliessen sich noch der Oboist Wenzel Tucyck (Concertino\nvon Vogt), die Hornisten Franz Grimm und Franz Janatra\n(Duo von Saar) und endlich Franz Rychorowsky in einem\nConcertino für die Trompete hören und verdienen ebenfalls\neine ehrenvolle, für sie und ihre Lehrer sprechende Er-\nwähnung.\nEine erfreuliche Erscheinung der heurigen Produc-\ntionen boten auch die Gesanges-Vorträge dreier Schülerin-\nnen der Opernschule. Karoline Kropp sang die Echo-Arie\nder Giralda von Adam, Wilhelmine Medall die später com-\nponirte Arie der Susanna von Mozart, und Maria Soukup\nMendelssohn's Concert-Arie. Schon die Wahl weis't jeden,\nder diese Tonstücke kennt, auf den Charakter der Organe\nund auf die Individualität der Sängerinnen hin. Es kann\nhier von einer Besprechung der Leistungen dieser Kunst-\nAspirantinnen nicht die Rede sein; es genüge die allgemeine\nBemerkung, dass Stimmmittel, musicalisches Talent und\ndie in kurzer Frist bereits erlangte Technik (ür die Zu-\nkunft der Damen, natürlich innerhalb der einer jeden von\nder Natur gesetzten Gränzen, Erfreuliches hoffen lassen.\nWir kommen nun zu den Leistungen des Conservata-\nriums als Orchesterschule, dem Glanzpunkte der Concerte.\nIn dieser Beziehung sind die Verdienste des Directors Herrn\nJ. F. Kittl nicht hoch genug anzuschlagen. Die Auffüh-\nrungen grosser Instrumentalwerke sind stets der Art, dass\nbei Beurtheilung derselben der Maassstab, den man sonst\nbei Leistungen eines aus Eleven zusammengesetzten Or-\nchesters in der Regel anlegt, nothwendig überschritten wer-\nden muss. Nicht bloss relativ ist das Ensemble ein vorzüg-\nliches, es kann als ein solches im Allgemeinen bezeichnet\nwerden. Die Präcision, feine Nuancirung, die poetische Fär-\nbung, mit welcher Mozart's Sinfonie in zum grössten\nTheile die siebente Beethoven's, des letzteren Prometheus-\nOuverture und jene zur Fingalshöhle von Mendelssohn auf-\ngeführt wurden, rangirt die Vorträge des jugendlichen Or-\nchesters unter jene der accreditirtesten Instrumentalkörper,\nseinen Leiter unter die geistvollsten, energischsten Capell-\nmeister. Besonderen Beifalls und einer bis ins geringste De-\ntail vollkommenen Aufführung erfreute sich die\nSinfonie von J. Kittl, ein Tonwerk ersten Ranges. Es zeugt\nnicht nur die Intention von der besonderen Begabung,\nsondern auch die recht gediegene Mache von der Bildung\nund Routine des Componisten. Ausser diesen angeführten\nWerken brachte das dritte Concert noch eine dritte Con-\ncert-Ouverture, das Manuscript des Herrn Louis (?) Saar,\neines jungen prager Piano-Virtuosen und Componisten.\nWenn das Tonstück auch nicht von einer ursprünglichen,\noriginellen Dichtergabe übersprudelt, so ist doch die Be-\nsonnenheit und Formen-Gewandtheit bei solcher Jugend\nanzuerkennen.\nBei einem Wohlthätigkeits-Concerte wirkte auch das\nConservatorium mit, und zwar in zwei Orchester-Piecen.\nA. Dreyschock's Ouvertüre ist eine sehr tüchtige Arbeit,\nnicht ohne Schwung, und bei so feurig accuratem Vortrage,\nwie diesmal, effectvoll. Abert's Jubel-Ouverture über die\nKaiser-Hymne fand schon von Stuttgart aus eine sehr lo-\nbende Empfehlung. Abert ist ein Zögling des Conservato-\nriums zu Prag und ein produetives Talent hohen Ranges.\nDie zwei bereits hier gegebenen Sinfonieen desselben mach-\nten Sensation, und auch in der Novität finden sich Momente,\nwelche das charakteristische Gepräge eines Tondichters von\nmelodischer Kraft, des geborenen Harmonikers und Instru-\nmentalisten an sich tragen. Wenn ein junger Künstler zu\nbedeutenden Hoffnungen berechtigt, so ist es Abert. Möge\nsich das Gerücht, Abert wolle seine Stellung bei der Stutt-\ngarter Hofcapelle aufgeben und Wien zu seinem bleiben-\nden Aufenthalte wählen, nicht bewahrheiten! Die Donau-\nstadt bietet keinen gedeihlichen Wirkungskreis, keine zei-\ntigende Atmosphäre für ein so tiefes, ernstes Talent, als\nwelches sich Abert in seinen bisherigen Productionen er-\nwiesen. 10.\n\nAus Braunschweig.\n\nDen 18. April 1856.\nEine gleich reiche Mannigfaltigkeit, wie die erste Hälfte\nder musicalischen Winter-Saison, bot uns die nunmehr ge-\nschlossene zweite Hälfte dar. Das Interesse Braunschweigs\nan jeder Gattung Musik bethätigte sich abermals in der\nvon uns früher angedeuteten Weise; gleich weit entfernt\nvon der sich überstürzenden Sucht nach Neuem, die jede\nKunstschöpfung wie einen neu erschienenen Mode-Artikel\nhastig verbraucht und dann bei Seite wirft, wie von der\nkrankhaften, erkünstelten Vorliebe für das Alte, weil es alt\nist und der profanen Gegenwart möglichst fern liegt, legte"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.5", "texte": "' das hiesige Publicum nur eine eklektische Theilnahme an\ndem wirklich Guten, unabhängig von Zeit und Richtung,\nan den Tag, und müssen wir gestehen, dass wir diese alles\nmusicalische Partei- und Cliquen-Wesen völlig ignorirende\nSelbstständigkeit im Urtheile mit Freude als einen Beweis\nbegrüssten, dass die nur sich selbst folgende Natur, die\nunbefangene Meinung der oft geschmähten, nicht Partei\nnehmenden „Menge\" meistentheils das Richtige trifft und\nder zuverlässigste Leitfaden aus dem Geschmacks-Labyrinth\nunserer Zeit in das sonnige Land des wahren Schönen ist.\nDie Aussprüche Voltaire's und Lord Byron's, dass jede\nGattung Poesie gestattet sei, ausgenommen die langwei-\nlige, lassen sich, wie auf jede Art Kunst-Production, auch\nmit vollem Rechte auf die Musik anwenden, und die\ngrosse Mehrzahl der Musik-Liebhaber macht, dem Partei-\ntreiben, wie der so genannten Fach-Kenntniss gleich\nfremd, glücklicher Weise nur diesen Einen Unterschied, ob\nihr etwas gefällt oder nicht gefällt, und entscheidet damit,\ntrotz der Declamationen vorgeblicher Kenner, denen die\nTerminologie ihres Faches eben so geläufig, wie ihnen das\nwahre Wesen der Kunst oft fremd ist, schliesslich doch\nAlles.\nDas erste der beiden Schluss-Concerte der Hofcapelle\nbrachte uns die D-dwr-Sinfonie von Beethoven, Nr. 2, die\nOuvertüre zu Iphigenie von Gluck und drei Compositionen\nvon einem jungen Componisten, dem als Clavierspieler be-\nkannten Anton Rubinstein. Vortrefflich wirkte zur\nAusführung des reizenden Beethoven'schen Werkes der\nschöne Rathhaussaal mit, dessen durchbrochene Balkendecke\nein Ineinanderfliessen der Töne auch bei den künstlerischen\nRhythmen und dem raschesten Tempo verhindert und dem\nZuhörer die schöne Tonschöpfung im deutlichsten akusti-\nschen Relief vorführt. Es möchte schwerlich ein für In-\nstrumentalwerke so geeignetes Local zum zweiten Male\nsich finden, wie dieser ernste mittelalterliche Saal, der auch\ndas zarteste Piano dem Zuhörer in die entfernteste Fenster-\n>\nnische hinüberträgt und—auch jeden Fehler verrathend\nden Meister vom Schüler so scharf unterscheidet. Hier ge-\nreichte er dem vortrefflichen Zusammenspiel des Orchesters\nzum Triumphe. Der Schluss der Gluck'schen Ouvertüre,\neine kurze, harmonische, beruhigende Verarbeitung des\nSchlussgedankens, ist jedoch, wenn wir nicht irren, von\nMozart, nicht von Richard Wagner, wie das Programm be-\nsagte; wenigstens erinnern wir uns, das Werk schon früher\nin dieser Weise gehört zu haben, ehe Richard Wagner's\nName auch nur bekannt war; vielleicht ist die Instrumen-\ntirung von ihm angegeben.\nHerrn Rubinstein's Spiel bewies viel Feuer und eine\nenorme Bravour; Zartheit, Geschmack und Ausdruck ver-\nmissen wir; überhaupt fühlte sich das Publicum durch ihn\nmehr frappirt und aufgeregt, als gerade angenehm berührt;\nmit einer gewissen Verstimmung schien es die Ruhe und\nKlarheit von Herrn Rubinstein's Vorgänger, Alfred Jaell,\nwelcher im ersten Concerte der Hofcapelle begeisterten\nBeifall fand, zu vermissen. Auch die Compositionen des\njungen Virtuosen (er führte ausser drei zusammenhangen-\nden Clavier-Piecen eine Ouvertüre zur Oper Demitri und\nein Concert für Orchester und Pianoforte auf) trifft derselbe\nVorwurf der Unklarheit, Unruhe und Formlosigkeit. Wel-\ncher Missbrauch war z. B. in der Ouvertüre mit den Syn-\nkopen getrieben! Offenbar ist Herr Rubinstein nicht ohne\nBegabung, aber der innere stürmische Drang darf nicht alle\nForm über den Haufen stossen. Wir wünschen dem jungen\nMusiker um seiner selbst willen keinen stärkeren Beifall,\nals er ihn bei uns fand, damit er zur Einkehr in sich selbst\ngezwungen werde, sich sein stürmisches Talent etwas ab-\nklären lasse und in die Schranken fügen lerne, die kein\nschaffender Künstler überschreiten darf, wenn er mehr als\nephemere Bedeutung beansprucht.\nIn dem zweiten Concerte sahen wir einen schätzens-\nwerthen Gast, Herrn Ferdinand Hiller aus Köln, un-\nsere Capelle leiten, und zwar um mehrere grössere Ton-\nwerke von ihm selbst uns vorzuführen. Neben der Ouver-\ntüre zur Oper „EinTraum in der Christnacht\" hörten wir\nnoch sein Concert für Pianoforte und Orchester in Fis-moll\nund seine Sinfonie „Es muss doch Frühling werden\". Im\nvortheilhaftesten Gegensatze zu den eben von uns bespro-\nchenen Compositionen hatten wir an den Werken des be-\nrühmten Rheinländers namentlich die Vollendung der Form,\nden Reichthum an Gedanken und die gewandte instrumen-\ntale Verarbeitung zu bewundern. Die in der Form zum\nTheil neue Sinfonie, in so fern sie der Wiederholungen\nentbehrte, bewies eine Fülle von Phantasie und Empfin-\ndung und eine Herrschaft über das Orchester, welche in\ndem Zuhörer stets die behagliche Stimmung hervorruft, die\nder unbefangene Genuss eines Kunstwerkes voraussetzt.\nDie von mancher Seite für unschön gehaltene grosse Sep-\ntime im ersten Satze der Sinfonie ist unserer Ansicht nach\ngerade dem entsprechend, was sie ausdrücken soll, und ver-\nliert bei einiger ästhetischen Interpretation das Harte und\nPeinliche der äusseren Form im Zusammenhange mit dem\nübrigen Werke bald. Das Clavierspiel unseres, verehrten\nGastes war durchaus vortrefflich."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.6", "texte": "Unsere unter Franz Abt's Leitung stehende Sing-\nAkademie hatte dieses Mal zu ihrem Charfreilags-Concerte\nHaydn's „Sieben Worte\" ausgewählt. Obgleich die von\nHaydn selbst in der Vorrede zum Clavier-Auszuge seines\nWerkes mitgetheilte Entstehungs-Geschichte desselben, wo-\nnach der ursprünglich nur für Instrumente geschriebenen\nComposition der Text erst nachträglich untergelegt wor-\nden, so wie die Monotonie der ohne Soli stets nur wech-\nselnden Chöre und Quartette eine Theilnahmlosigkeit des\nPublicums befürchten liess, bewies doch der Erfolg das\nGegentheil. Der überfüllte Saal lauschte mit grösster Auf-\nmerksamkeit den einfachen, ernsten Tönen des Vaters\nHaydn; und wenn auch hin und wieder die seltsame Auf-\nfassung mancher Stellen, die in der Entstehung des Werkes\nihren Ursprung hatte, wie z. B. der Hörnersatz: „In Deine\nHände befehle ich meinen Geist!\" bei welchem das tiefe\nEs im Solo-Basse im Gegensatze zu der Bedeutung der gan-\nzen Stelle fast von komischer Wirkung war, ferner die aus\ngleichen Gründen nothwendig gewordene Zerreissung der\nWorte: „Jesus dürstet, ihm reicht man Wein welchen\nman mit Galle mischet\", wobei die Vocal-Declamation bei\n„Wein\" fast einen vollständigen Schluss machte gerügt\nwurde, so hörten wir doch auch allgemein die Fasslichkeit\nund Klarheit des Werkes im Gedanken-Ausdruck, die mäs-\nsige, fein berechnete Instrumentirung und die erhabene\nWirkung der mit weiser Berechnung zwischen letztere ein-\ngeschobenen Vocal-Chorsätze rühmen. Wie wir hören, wird\nauf nächsten Busstag, den zweiten Haupt-Concerttag der\nSing-Akademie, das Requiem von Cherubini vorbereitet.\nZunächst wird der Verein sich an der in Magdeburg im\nJuni aufzuführenden „Schöpfung\" betheiligen.\nDas zur Hälfte aus zwei Söhnen von Karl Müller neu\nrecrutirte Müller'sche Quartett hat vor Kurzem hier sein\nerstes Concert gegeben. So lange das vortreflliche Spiel\nKarl Müller's das Quartett trägt und den übrigen Mitglie-\ndern nur die Rollen geschickter Ripienisten zutheilt, wird\ndas neue Quartett als legitimer Erbe des alten auftreten\nkönnen. Herr Karl Müller jun. wird jedoch, um einst die\nVollendung seines Vaters erreichen zu können, den ei bis\njetzt nicht ersetzt, noch bedeutende Studien zu machen ha-\nben. Ob das junge Quartett überhaupt das alte demnächst\nzu ersetzen im Stande ist, bleibt noch der Zukunft zum Be-\nweise überlassen; Hoffen wir es um der Kunst willen, in\nder dieses unerreichbar dasteht.\nIn einem von einem hiesigen jungen Pianisten, Herrn\nLohmann (Schüler Littolf's), veranstaltetenConcerte hat-\nten wir Gelegenheit, neben dem Concertgeber, welcher\ngute Anlagen und ein fleissiges Streben bekundete, auch\neinen jungen Violin-Virtuosen, Herrn David aus Hamburg\n(Schüler FreudenthaPs), zu bewundern. Der ihm zu Theil\nwerdende reiche Beifall war wohlverdient und wiederholte\nsich in einem späteren Concerte im Hoftheater. Wir wün-\nschen, dass der talentvolle junge Künstler einst den Lohn\nseines eifrigen Strebens ärnten und seinem berühmten Na-\nMensvetter nichts nachgeben möge.\n\nT.\n\nLondoner Briefe.\n\n[R. e i n t h a 1 e r' s Je p h t a.]\nAm 16. April wurde das Oratorium „Jephta und seine\nTochter\" von C. Heinthaler in St. Martin's Hall von der\nConcert-Gesellschaft des Herrn Hui lah unter Leitung die-\nses letzteren aufgeführt. Ich theile Ihnen die Urtheile der\nhiesigen.Dlätter darüber mit. Der musicalische Berichterstat-\nter des „Athenäums\" (Chorley) spricht sich folgender\nMaassen aus: „Herr Hullah hat das grosse Verdienst, dass\ner unser sich dagegen sträubendes Publicum dahin gebracht,\nmusicalische Neuigkeiten anzuhören. Desshalb mögen Worte\nder Anerkennung dafür eine geziemende Einleitung zu den\nBemerkungen sein, welche wir über das neue Oratorium\neines neuen deutschen Componisten, Herrn Reinthaler's\nJephta, miltheilen wollen. Einige Nummern dieses Werkes\nund ihren Eindruck beim Durchlesen haben wir bereits im\nAthenäum im vergangenen Jahre erwähnt. Die Aufführung\ndes ganzen Werkes rechtfertigte die vorgefasste gute Mei-\nnung darüber. In dem neuen Oratorium ist vieles, was\nsehr gut ist. Was weniger anspricht, fällt unserer Ansicht\nnach mehr dem Mangel an Erfahrung als dem Talente, theil-\nweise vielleicht auch den Umständen zur Last. Dahin rech-\nnen wir die Zusammenstellung des Textes, bei welchem wir\neine durchgreifende Haupt-Idee vermissen, und eine ge-\nwisse Eintönigkeit in den Solis, in welchen durchaus die\nBassstimme vorherrscht. Jedoch ist die Behandlung der\nTochter Jephta's vorzüglich. Während Händel nur an des\nMädchens Jugend dachte, hat Reinthaler sie aufgefasst als\ndie Tochter eines jüdischen Häuptlings, welche auszog, ih-\nren Vater zu begrüssen, mit der Cymbel des Triumphes in\nder Hand und Prophezeiung in ihrem Munde. Es ist etwas\nHebräisches und Majestätisches in der Auffassung dieses\nCharakters, welcher vereinzelt dasteht und dem ganzen\nOratorium Farbe und eine gewisse Hoheit des Tones gibt.\nIhre Gesangstücke, welche zum Theil wiederholt werden\nmussten, charakterisiren die Fürstin und die Priesterin.\nWenn Händel's Tochter Jephta's einer heiligen Jungfrau"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.7", "texte": "gleicht, wie Fra Beato sie bildete, so hat die Reinthal er's\nin etwa Aehnlichkeit mit den prächtigen und anmuthigen\nSchöpfungen Domenichino's. Die alte Auffassung mag der\n-Ueberlieferung nach die treuere sein; die neue zeugt von\nBescheidenheit und Muth, indem sie die nämliche biblische\nFigur in einem ganz anderen Lichte zeigt. Wir müssen\nHerrn Reinthaier Glück wünschen, eine Sängerin wie Ma-\ndame Novello zur Darstellerin seiner Heldin gefunden zu\nhaben. Wir haben diese Dame nie so unvergleichlich singen\nhören, wie an diesem Abende. Abgesehen von ihrer Stimme\nund ihrer musicalischen Schule, zeigte sie eine solche Farbe,\neinen solchen declamatorischen Ausdruck, ein solches Feuer\ninnerhalb der Gränzen des oratorischen Vortrages, dass sie\nalles übertraf, was wir je von einer englischen Sopranistin\ngehört haben. Die anderen Solisten waren Mr. Thomas als\nJephta, welcher im zweiten Theile an Kraft verlor, Mr.\nMontem Smith, Mr. Wallworth, Miss Banks, Miss Palmer\nund Miss Schott. Als das Erstlingswerk eines Componisten,\nwelcher bis jetzt wenig Gelegenheit zur Selbstkritik durch\nAnhörung seiner Schöpfungen hatte, verdient Herrn Rein-\nthaler's Jephta hohes Lob. Das Werk ist frei von jedem\nverkehrten Versuche, zu betäuben und zu verblüffen, und\nes sind darin, ohne dass sich gerade der Stil schon ausge-\nprägt, keine Spuren von geborgten Gedanken und Effecten,\nkein Beugen vor den neuen Götzen Deutschlands, mögen\nsie Classiker (?) oder Romantiker sein. Es ist glänzend, wir-\nkungs- und ausdrucksvoll in den Ideen, es zeigt überall\nsicheres Wissen und Gewandtheit in den Formen und oft\nTalent für pomphafte Massen-Effecte. Man stösst nur sehr\nselten auf etwas Gezwungenes in der Schreibart und in den\nGedanken von Anfang bis zu Ende, dagegen auf viel schön\nfliessende Melodie. Aber es ist zu gedehnt. Die Introduction\nmit ihren Bass-Soli ist nicht ganz frei von Längen, ob-\nwohl die Chöre, welche sie abschliessen, schön und breit\ngehalten sind. Auch das Auftreten Jephta's: „\nLord\"\", obgleich majestätisch, festlich und glänzend, ermü-\ndet ein wenig durch Wiederholungen und Länge. Einige\nVerbindungen von Chor und Solo sind sehr glücklich, be-\nsonders die kurze Scene zwischen den Aeltesten aus Gilead\nund Jephta im ersten Theile, und die Arie mit Chor im\nzweiten Theile. Von der Hauptpartie der Heldin haben wir\nschon gesprochen. In dem Quartette ist eine Mischung von\nKraft und Feinheit (jedoch der strengen canonischen Form\nunterthan), welche lyrisch und neu ist. Auch Herrn Rein-\nthaler's Behandlung des Orchesters ist gut. Die Partitur\nist vielleicht zu reichlich gefüllt, nach der Gewohnheit des\nTages; aber es ist Alles klangvoll. Kurz: wir können die-\nsen Bericht nicht besser schliessen, als indem wir wie-\nderholen, was wir im vorigen Jahre nach einer Durchlesung\nvon einigen Theilen des neuen Jephta sagten: „„Wenn\nHerr Reinthaier sich einer fliessenden Arbeit befleissigt,\nwenn er darauf hält, nachzudenken, zu prüfen, zu warten,\naber still fortzufahren, zu schaffen, so wird er der deut-\nschen Musik Ehre machen.a\" Seit Mendelssohn's Auftreten\nhaben wir nichts so viel Versprechendes aus seinem Vater-\nlande gehört. Das Oratorium wurde durchweg mit\nintelligenter Aufmerksamkeit angehört und gut aufgenom-\nmen. Der Componist wurde am Schlüsse mit Begeisterung\napplaudirt von einem Auditorium, das die vorzüglichsten\nMusiker aus London unter sich zählte.\"\nAlle übrigen Blätter stimmen in Anerkennung und\nLob der Composition überein, wogegen die Ausführung\nmannigfach getadelt und es bedauert wird, dass Herr Rein-\nthaier nicht selbst sie geleitet habe. Namentlich behauptet\nauch die Musical World,dass die Aufführung der Compo-\nsition nicht würdig gewesen sei. An diesen Vorwürfen ist\n(nach meinem eigenen Urtheile) manches Wahre; doch schei-\nnen sie mir übertrieben und mögen vielleicht durch Local-\nUrsachen etwas stark gefärbt sein. Das Orchester z. B. war\nganz vortrefflich, und einzelne Solisten, wie Frau Novello\nvor Allen, aber auch der Tenor Herr Montem Smith und\nder Bariton Herr Thomas (wenigstens im ersten Theile)\nwaren recht gut. Freilich hätte das Ganze mehr Kraft und\nFeuer haben können. Der Erfolg jedoch, und zwar ein\nglänzender, durch lauten und wiederholten Beifall bekun-\ndeter, ist eine Thatsache, die von Niemandem bestritten\nwird.\n\nC. A.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Herr Alfred Jaell ist von Sr. Majestät dem Könige\nvon Hannover zum Hof-Pianisten ernannt worden. Er befindet sich\nseit einigen Tagen hier; hoffentlich werden wir ihn auch öffent-\nlich hören.\nDie Theaterzeit geht zu Ende. Eine Vorstellung der Stummen\nvon Portici am letzten Donnerstag zeichnete sich dadurch aus, dass\ndie Rollen des Masaniello und des Pietro durch die Herrn Dr. Rade-\nmacher und Johann Thelen (vom Hoftheater zu Wiesbaden)\nvorzüglich gut gegeben wurden und Fran Mampe-Babnigg die\nPrinzessin ganz vortrefflich sang.\nIn Bezug auf das Musikfest in Düsseldorf erfahren wir,\ndass auf den Antrag des Comite's Herr DuMont-Fier die Aus-\nführung der Bass-Partie in Händel's Alexanderfest und Beethoven's\nneunter Sinfonie am zweiten Tage übernommen hat, was alle seine\nVerehrer und namentlich die Freunde eines Vortrags der schwie-\nrigen Partie in der neunten Sinfonie im Geiste Beethoven's mit\nFreude vernehmen werden."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560426-01.1.8", "texte": "* Berlin« Am Buss- und Bet-Tage, dem 16. d. Mts., gab die\nSing-Akademie ein neues Oratorium, oder Cantate von Emil\nNaumann: „Jerusalems Zerstörung durch Titus.44 Der\nText ist ein poetischer Commentar zu dem Gemälde von Kaul-\nbach im Treppenhause des neuen Museums*). Er ist vom Gehei-\nmen Postrathe Schüller verfasst. Die Stirnmen der Kritik in der\nNational-Zeitung (—t) und in der Vossischen (L. Reilstab) sind in\nBezug auf die Mängel der Composition einig. Von Erfolg konnte\nnicht die Rede sein. Jene schildert das Werk, das einen durchaus\nmalerischen oder vielmehr decorativen Charakter trage, als eine zu-\nsammenhanglose Reihe von einzelnen Tableaux, wirft der Anlage\ndes Ganzen überhaupt Aeusserlichkeit der Auffassung vor, daraus\nfolgende Anwendung der verschiedensten Stil-Gattungen, ferner\nvorzugsweise materiellen Ausdruck und tumultuarische Orchestra-\ntion, welche alles Maass überschreite. Rellstab, dem man doch\nkeineswegs zu grosse Strenge und Mangel an Wohlwollen vorwerfen\nkann, sagt unter Anderem: „Die Musik ist uns nicht als ein aus\ndem inneren Drange geborenes Erzeugniss erschienen. Ein Streben\nnach äusserlicher Wirkung tritt überwiegend darin hervor ; dazu\nsetzt der Componist alle Kräfte und Mittel, die ihm zu Gebote\nstehen, in Bewegung. Hätte er eben so ernst und eifrig nach den\nhöheren Zielen der Kunst, Maass, Einfachheit, Wahrheit, gestrebt,\nals nach den Machtschlägen der Effecte, er würde durch jene Zu-\nrückhaltung, glauben wir, eine grössere Wirkung erreicht haben,\nals durch diese Entfesselung aller Kräfte. Sollen wir von dem Stil\nder Musik sprechen, wobei wir nicht etwa den kirchlichen oder\nweltlichen meinen, sondern den individuellen Charakter, der sich\ndarin ausprägt, so würden wir sagen, dass in den Grundzügen, be-\nsonders im Anfange des Werkes, sich eine nahe Anlehnung an\nMendelssohn ausspricht, die späterhin auch öfter, in der harmoni-\nschen Behandlung zumal, wiederkehrt. Eine sonstige Eigentümlich-\nkeit hat uns nicht bestimmt entgegen treten wollen; doch möchten\nwir unser Wrort darum nicht für entscheidend, auch nicht für uns\nselbst, ausgeben, da eine nähere Kenntniss der umfassenden Ar-\nbeit, wodurch die Einzelheiten sich gegen einander messen und\nwägen lassen, uns vielleicht anderer Ansicht machen würde. Indes-\nsen müssen wir doch bekennen, dass der Eindruck des Ganzen uns\nkein erwärmender gewesen ist, dass der Componist uns mehr das\nSeltsame, Schroffe aufzusuchen scheint, als es ihm gelingt, das na-\ntürlich Wohlthuende und doch dabei Selbslgültige zu finden. Auf\ndie Dauer wirkt ein solches Bestreben sogar entfremdend, verletzend,\nund selbst die sichere Gewandtheit neben einzelnen wirkungsvollen,\nheraustretenden Zügen entschädigen uns nicht tür die unserem Sinne\n\"widerstrebende Richtung im Allgemeinen. Zu fortdauernd ruft die\nArbeit uns die tiefen Worte zu: „„Die Botschaft hör' ich wohl, al-\nlein mir fehlt der Glaube!4444 Die Gestalt des ewigen Juden hätten\n\"wir am liebsten ganz aus dem Gedichte hinweggewünscht. Der\nMusiker konnte sie kaum anders zeichnen, alsergethan; diese zer-\nrissenen Rhythmen, diese scharfen Modulationen enthalten manchen\nwirkungsvollen Moment, obwohl das Ganze uns mehr peinigt als\nin irgend einer künstlerisch wohlthuenden Weise berührt. Noch\ngesteigert wird diese unbehagliche Wirkung in dem Dämonen-Chor\nmit einer betäubenden, schrillenden Instrumentation. Soll uns aber\njemals bei kirchlichen Werken zu Muthe werden, wie in den diaboli-\nschen oder dämonischen Scenen unserer neueren Opern? Noch-\nmals kommen wir darauf zurück: Was nehmen wir aus dem Gan-\nzen der Arbeit mit? Doch gewiss nicht die Rührung oder Erschüt-\nterung, die Erbauung oder Heiligung, zu der die Kunst auf diesem\nGebiete uns emportragen soll!\"\nKöln, 21. April. Das gestern im Vaudeville-Theater Statt ge-\nhabte Concert von dem Männergesang-Yereine „Harmonie\" er-\nfreute sich allgemeinen Beifalls. Die Chöre, sowohl mit als ohne\nInstrumental-Begleitung, wurden sämmtlich applaudirt. Dem Diri-\ngenten Herrn Herx gebührt für die Mühen und Aufopferungen,\ndenen er zur Förderung des Gesanges sich unterzieht, die gerech-\nteste Anerkennung und öffentlicher Dank. H. J. M.\nDeutsche Tonhalle.\nWir setzen hiermit einen Preis von 250 Gulden rheinisch aus\nfür nicht zu sehr gedehnte Original-Musik für vollständiges Orchester\nzu Schiller's romantischer Tragödie „Die Jungfrau von Orleans\",\nund zwar aus wenigstens folgenden Stücken bestehend:\nEröffnung (Ouvertüre) zum Prolog und Einleitungen zu je den\nfolgenden fünf Aufzügen; Musik während des Monologs der Jo-\nhanna (4. Aufzug, 1. Auftritt), Krönungsmarsch (4. Aufzug, 4. und\n6. Auftritt) und Musik zum Schlüsse des 5. Aufzuges (Tod der\nJohanna).\nMit diesem Preise wird diejenige der in Partitur einkommenden\nBewerbungen um denselben gekrönt, welche die zu erwählenden\nPreisrichter als die vorzüglichste unter den preiswürdigen erkennen.\nWir laden im Namen des Vereins deutsche Tondichter zur Be-\ntheiligung hierbei mit dem Ersuchen ein, unter Beachtung der wei-\nteren diesfälligen Bestimmung in den Vereins-Satzungen (bei uns\nzu beziehen), die Werke im Laufe des Monats 0 c tob er d.\nJ. frei „der deutschen Tonhalle44 hieher einzusenden, jedes mit\neinem deutschen Spruche versehen und von einem versiegelten\nZettel begleitet, der den Namen und Wohnort des Verfassers ent-\nhält und auf welchem derselbe einen Tondichter als Preisrichter\nbezeichnet.\nMannheim, 8. Ostermonat 1856. Der Vorstand.\n*) In Erwartung eines Berichtes unseres Herrn Correspondenten\nin Berlin geben wir obige, uns von anderer Seite zugegangene\nNotizen. Man begreift kaum, wie E. Naumann, der, so viel\nwir wissen, durch die classische Kunst genährt und herange-\nbildet, ja, in Bezug auf kirchliche Musik hyperclassisch ist\nund deren Ideal nur bei den Italiänern und Niederländern\nder vorigen Jahrhunderte fand, solch einen Stoff zu musicali-\nscher Behandlung wählen konnte! Das berühmte Gemälde\nhat bei allen einzelnen Schönheiten selbst keine Einheit und\nkeinen Stil; wo soll da Beides vollends in einer Musik her-\nkommen, welche danach noch einmal malt? Es ist für die\nVocalmusik kein Heil zu erwarten, wenn sie nicht zur Ein-\nfachheit des poetischen Stoffes und geradezu gesagt zur\nUnter Ordnung desselben unter die Musik zurück-\nkehrt. Anm. der Redaction."}]}