{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-05-03-01", "volume": "bmtnabi_1856-05-03_01", "ocr_sha256": "d1e4c83d6396196df25ee3e47871253f7151acce0e2b91eb2f1a7ec32a00da80", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/05/03_01/bmtnabi_1856-05-03_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-05-03-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-05-03_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-05-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "137", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 368, "texte": "Inhalt.\nW. A. Mozart von 0. Jahn. 11. Von L. Bischoff. Für Gesang (H. von Sahr, W. F. G. Nicolai). Von L. Kind-\nscher. Aus New-York. Von th. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Alfred Jaell, Johann Thelen Barmen,-Elias\nDresden, Orpheus, FräuL Rosa Delmont Ad. Köckert Honorar vom Männergesang-Vereine in Wien an W. Tschirch Heine's\nGedichte von Hoven und Ehrenstein)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-05-03-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-05-03_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-05-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "140", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.2.2", "titre_corps": "W. A. Mozart.", "titre_sommaire": "W. A. 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Die erste Auflage ist binnen drei Mo-\nnaten vom Lager des Verlegers verschwunden eine, in\nDeutschland wenigstens, fast beispiellose Thatsache, die je-\nden Verehrer Mozart's, das heisst jeden Verehrer des wah-\nren Musicalisch-Schönen, mit Freude erfüllen und dem\nVerfasser der schönste und-ehrenvollste Lohn für seine\nHingebung an die schwierige Aufgabe sein muss. Um so\nmehr ist es die Pflicht der Kritik, hinter der Theilnahme\ndes Publicums nicht zurück zu bleiben.\nBekanntlich war eine Biographie Beethoven's der ur-\nsprüngliche Vorwurf, den Jahn (ür seine schriftstellerische\nThätigkeit auf dem Gebiete der Tonkunst gewählt hatte.\nEr sah aber bald ein, d-ass es unmöglich sein würde, das\nNeue und Grosse, das dieser geschaffen, vollkommen be-\ngreiflich zu machen, ohne die Leistungen Mozart's klar zu\nÜbersehen, dessen Erbschaft Beethoven antreten musste,\num seine Stellung in der Geschichte der Musik zu gewin-\nnen; So entstand das Buch über Mozart. Die Gewissenhaf-\ntigkeit, mit welcher das Biographische und Bibliographische\nerforscht, aufgeklärt und festgestellt, und den Geist, in wel-\nchem die künstlerische Natur Mozart's aufgefasst und ihre\nEntwicklung verfolgt ist, haben wir bereits im ersten Ar-\ntikel mit wenigen Worten angedeutet.\nDie Widmung an Prof. Hartenstein gibt zunächst eine\nUebersicht und kritische Würdigung der bisherigen Mozart-\nLiteratur. Bis auf die Erscheinung von Nissen's Buch floss\ndie Kunde über Mozart hauptsächlich aus dem biographi-\nschen Artikel in Schlichtegroll's Nekrolog von 1791, der\nnur in den Nachrichten über die Jugendzeit genau, sonst\noberflächlich ist und in Bezug auf Mozart als Menschen\nvoll ungünstigen Vorurtheils, welches, aus dieser Quelle\ngeflossen, selbst bis in die Gegenwart die Wahrheit getrübt\nhat. Zuverlässig und treu gemeint war das, was Franz\nNiemtscheck in seinem Leben von Mozart (Prag, 1798.\n1808) brachte. Dagegen hat sich durch Jahn's Untersu-\nchungen gezeigt, dass dasjenige, was F. Rochlitz in den\ndrei ersten Jahrgängen der Allgemeinen Musicalischen Zei-\ntung über Mozart gegeben, zum grossen Theile irrig, ja\n(namentlich die Erzählung von den Umständen bei seiner\nVerheirathung), völlig unwahr ist.\nEinen Reichthum von neuen Quellen erschloss Nis-\nsen's Biographie (1828). Nissen, der als dänischer Diplo-\nmat in Wien Mozart's Witwe kennen lernte und heira-\nthete, lebte zuletzt in Salzburg, wo er sein Buch schrieb.\nAusser den mündlichen Ueberlieferungen durch seine Gattin\nund durch Mozart's Schwester, die ebenfalls noch in Salz-\nburg lebte, standen ihm eine Menge von Urkunden, na-\nmentlich alle Familienbriefe, zur Verfügung. Jedermann\nweiss, dass sein Buch durch den Mangel an Form in jeder\nHinsicht, an musicalischem Urtheil, an richtigem Tact bei\nder Auswahl des Wichligen oder Interessanten ungeniess-\nbar ist. Indem Jahn, der glücklicher Weise „für die Zeit\nvon 1777 an die Familien-Correspondenz selbst benutzen\nkonnte\", die genannten Mängel noch heller ins Licht stellt,\nzumal den letzten, da er ihn controliren konnte, so lässt er\nauf der anderen Seite seinem Fleisse und redlichen Willen\nund dem grossen Verdienste, den Werth einer Menge"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5264, "texte": "von Documenten, welche später verkommen sind, erkannt\nzu haben, volle GerechtigkeitWiderfahren und erinnert auch\nnoch daran, dass Nissen schon am 24. März 1826 starb\nund die letzte Redaction der Biographie Mozart's nicht be-\nsorgen konnte. • f , .\nDiese Anerkennung ist ehrenwerth. Eben so die Wür-\ndigung des Artikels von Fetis in dessen Biographie uni-\nverselle des Musiciens, und besonders auch des Life of Mo-\nzart, including his correspondence von Edward Holmes,\nLondon, 1845. Dagegen scheint uns der Verfasser in\ndem Urtheil über Alex. Ulibitscheff [Biographie de\nMozart etc. Moscou,lB43; Deutsch, Stuttgart, 1817) im\nGanzen zwar nicht ungerecht, aber doch etwas schroff.\nWir sind wahrlich nicht der Meinung, dass bei wissen-\nschaftlichen und Kunst-Gegenständen eine falsch verstan-\ndene Humanität die Ueberzeugung und Wahrheit vertu-\nschen und übertünchen, und man jeden, den man tadelt,\nmit Sammt-Handschuhen anlassen solle. Allein Ulibitschefl's\nWerk ist doch mehr als die Frucht einer „liebenswürdi-\ngen, enthusiastischen Verehrung \", und seine Betrachtungen\nüber die Meisterwerke Mozart's sind trotz der allgemei-\nnen Richtigkeit der Bemerkung, dass „sie hauptsächlich\nnur das wiedergeben, was Ulibitscheff dabei gedacht und\nempfunden und was ihm über dieselben eingefallen sei\"\ndoch mehr als bloss „angenehm und geistreich\", und mehr\nals Erzeugnisse einer bloss „weltmännischen Bildung und\ndilettantischen Neigung\". Der Verfasser gibt die Verschie-\ndenheit der Standpunkte bei Abfassung beider Werke, des\nseinigen und des fremden, richtig an, scheint sie aber im\nVerlaufe der Rede wieder zu vergessen. Ulibitscheff ist\nmehr als ein Dilettant im gewöhnlichen Sinne, das zeigen\nseine Analysen offenbar, trotzdem dass sie mit allerlei phan-\ntastischem und in russischer Weltbildung gar gebackenem\nBeiwerk verbrämt sind. Es fehlt ihm auch keineswegs an\nSinn lür die künstlerische Form und an Würdigung dersel-\nben als des Wesentlichsten im Kunstwerke *). Das alles\ngilt aber, auch nach unserem Urtheile, nur von demjenigen\nT heile seines Werkes, welcher sich mit den Analysen be-\nschäftigt. Die Mängel der Biographie und der einleitenden\nUebersicht über die Geschichte der Musik liegen allerdings\nklar zu Tage, und in dem Vorwurfe der übertriebenen An-\nwendung des an sich wahren Gedankens auf Mozart, dass\njede bedeutende Erscheinung die Summe aller ihr vorher-\ngehenden sein, sie in sich begreifen und abschliessen müsse,\nferner der daraus folgenden Verkennung Beethoven's, sind\nwir vollkommen einverstanden mit dem Verfasser.\nBei der Aufgabe, die dieser sich gestellt, eine zuver-\nlässige Darstellung des Lebens und eine Geschichte der\nkünstlerischen Ausbildung und eine Charakteristik der künst-\nlerischen Leistungen Mozart's zu liefern, musste sich ihm\nbald die Unzulänglichkeit des bis jetzt vorliegenden Mate-\nrials ergeben. Es galt also, ergiebige Quellen zu finden.\nIm Sommer 1852 war 0. Jahn in Wien und fand\nmehr, als er erwartet hatte, für Mozart, da er eigentlich\nhauptsächlich für Beethoven dorthin gegangen war. Dahin\ngehörten auf der k. k. Hof-Bibliothek mehrere Handschrif-\nten Mozart's, namentlich verschiedene Manuscripte des\nquiem, „welche lür die Entscheidung einer so wunderlich\nverzettelten Frage den sicheren Anhaltspunkt gewähren\",\nworauf wir sehr neugierig sind. Ferner war ihm der treff-\nliche, leider kurz darauf gestorbene Aloys Fuchs von gros-\nsem Nutzen durch die Mittheilung seiner Sammlungen, wo-\nbei auch eine Reihe Mozarl'scher Briefe, welche Fuchs sich\nabgeschrieben halte. Von ihm erfuhr Jahn denn auch, dass\nMozart's Correspondenz an das Mozarteum in Salzburg\ngekommen sei. Wolfgang Mozart der Sohn halte sie der\nFrau Baronin Cavalcabo hinterlassen, diese sie dem Mozar-\nteum geschenkt. Als Rest derselben (welche Nissen noch\nganz vorgelegen halte) fanden sich nur noch die Briefe von\n1777 bis 17 84, glücklicher Weise der wichtigste Theil.\nAusserdem war nichts in Salzburg zu gewinnen; obwohl\ndie Witwe und die Schwester Mozart's dort bis in die letz-\nten Jahrzehende gelebt haben, war doch Alles vergessen,\nverschollen und verkommen, sowohl Ueberlieferung als Fa-\nmilien-Papiere.\nProfessor Jahn knüpft hieran die Bitte um freundliche\nMiltheilung Mozart'scher Reliquien,.deren sich gewiss noch\nmanche bisher unbekannte in den Händen Einzelner be-\nfinden. 9fl(fn fpffofim us ribifii\nDie bei Weitem wichtigste Unterstützung gewährten\ndie Herren Gebrüder K a r 1 und Julius Andre in Frank-\nfurt am Main dem Verfasser. Er bekennt mit dem aufrich-\ntigsten Danke, „dass ohne das ehrenvolle Vertrauen und\ndie freundschaftliche Förderung derselben sein Buch das\nnicht hätte erreichen können, worin er dessen wesentlichen\nVorzug setzen zu können glaube\", das ist die Verfolgung\nund Würdigung der künstlerischen Entwicklung Mozart's.\n\n*) Üeberhaupt sollte man mit der Anwendung des Wortes „Di-\nlettant\" in geringschätzender Weise unserer Ansicht nach\netwas vorsichtiger sein. Im Gegensatze zum schaffenden\nKünstler von Fach (wozu in der Tonkunst in allgemeinem\nSinne auch der ausübende, obgleich nur in zweiter Reihe\nschaffende, Künstler gehört) wird der Dilettant immer zurück*\nstehen; aber sein Verhältniss zum Kunstwerke ist ein\nanderes; denn der ernste Dilettantismus ist meistens der Weg\nzur Kun st rs tä ndi g k e it.\n& i"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5021, "texte": "Hiedurch namentlich hat Jahn das Glück gehabt, Mozart's\nsämmtliche Compositionen mit geringen Ausnahmen nicht\nnur vollständig, sondern weitaus die meisten in seiner Hand-\nschrift kennen gelernt zu haben.\nWir sind bei der Angabe der Quellen und Hülfstaittel,\ndie Jahn zu Gebote standen, ausführlicher gewesen, weil\ndaraus hauptsächlich zu ersehen, was die musicalische Welt\nvon der Benutzung solchen Materials zu erwarten hat,\nwenn sie auf gewissenhafte Weise, mit Tact und richtigem\nUrtheile und mit der Gewandtheit und dem Scharfblicke\nphilologischer Thätigkeit gehandhabt wird. Diese Eigen-\nschaften finden sich auf die erfreulichste Weise bei dem\nneuen Biographen Mozart's vereinigt, und wenn man auch\nbeim Anblicke des Buches, das uns auf mehr als 700 Sei-\nten erst bis 1777, mithin nur bis zum Beginne der Periode\nder grossen Schöpfungen Mozart's, die mit dem Idomeneo\nanfangen, lührt, einen kleinen Schreck bekommt, so fesselt\ndoch abgesehen von Stil und Darstellung den Leser\nallein schon die mit jedem Abschnitte wachsende Ueber-\nzeugung, dass hier die Frucht einer Wahrheitsforschung\nvorliegt, deren Redlichkeit und Fleiss in unserer Zeit der\nraisonnirenden Oberflächlichkeit doppelt rühmenswerth ist.\nAber die Ergebnisse der Forschung sind dann auch mit so\nviel Verstand und Geist zu einem Lebensbilde des Menschen\nund Künstlers verarbeitet, dass das Werk eine hohe Stufe\nin der biographischen und kunstgeschichllichen Literatur\nder Deutschen einnimmt.\nDas erste Buch, „Mozart's Knabenjahre\"\nüberschrieben, umfasst in neun Abschnitten die Erziehung\nund frühe Entwicklung des Knaben, seine Reisen als Wun-\nderkind in Deutschland, Frankreich und England, seine er-\nsten Compositionen u. s. w. bis zum Jahre 1768. (S. 1\nbis 130, Beilagen S. 131 bis 170.)\nGleich der erste Abschnitt zeigt durch die treffliche\nCharakteristik, die Jahn von Mozart's Vater gibt, mit was\niür einem Schriftsteller wir es zu thun haben. Leopold\nMozart (geb. den 14. November 1719 zu Augsburg), der\nSohn eines Buchbinders, widmete sich den Rechtsstudien\nin Salzburg, wurde aus Noth Kammerdiener des Domherrn\nGrafen Thum, aus Anerkennung seines musicalischen Ta-\nlentes, Könnens und Wissens Hof-Musicus, dann Hof-Com-\nponist und als bedeutender Violinspieler Anführer des Or-\nchesters, endlich (1762) Vice-Capellmeister desErzbischo-\nfes Sigismund von Salzburg. Man könnte davon mit An-\nwendung seiner eigenen Worte bei Gelegenheit einer an-\nderen Ehrenbezeigung sagen: „Potz Plunder, das spritzt!\"\n•' _ denn ausser dem Titel und mühevoller Arbeit brachte\ndie errungene Stellung eben nicht viel ein. Es war also die\nRücksicht auf den Erwerb bei den Reisen, die er mit sei-\nnen Kindern machte, nicht bloss zu entschuldigen, sondern\nNotwendigkeit und Pflicht.\nDen grössten Ruf erwarb er sich durch den „Versuch\neiner gründlichen Violinschule\" (1756). In ihr spricht sich\nder ernste und tüchtige Sinn aus, welcher den ganzen Mann\nkennen lehrt. Von den vielen charakteristischen Stellen,\nwelche Jahn anführt, ziehen wir nur einige aus zum Nutzen\nund Frommen der Gegenwart und zum interessanten Ver-\ngleich mit demjenigen, was wir in den beiden letzten Num-\nmern aus K. Ph. E. Bach's „Versuch über das Ciavierspiel\"\nbeigebracht haben. Diese alten Meister „versuchten\" im-\nmer nur, zu belehren, während heute die „ einzig richtigen\nMethoden\" u. dgl. an der Tagesordnung sind. L. Mozart\nwill vor Allem Gründlichkeit und Tüchtigkeit der musica-\nlischen Ausbildung; er will Künstler, nicht Virtuosen bilden.\nSo sagt er unter Anderem:\n„Ein guter Violinist soll selbst in der Rhetorik und\nPoetik bewandert sein, um mit Verstand vortragen zu\nkönnen.\"\n„Zuvörderst einen rechtschaffeuen und mannbaren\nTon! Der Schüler soll gleich die Geige etwas stark bezie-\nhen, damit durch das starke Niederdrücken der Finger und\nkräftige Anhalten des Bogens die Glieder abgehärtet und\ndadurch ein männlicher und starker Bogenstrich erobert\nwerde. Denn was kann wohl Abgeschmackteres sein, als\nwenn man sich nicht getraut, die Geige recht anzugreifen,\nsondern mit dem Bogen (der oft nur mit zween Fingern\ngehalten wird) die Saiten kaum berührt und eine so künst-\nliche Hinaufwispelung bis an den Sattel vornimmt,\ndass man nur da und dort eine Note zischen hört, folglich\nnicht weiss, was es sagen will, weil Alles nur einem Traume\ngleicht ! Solche Luft-Violinisten sind oft so verwegen, dass\nsie die schwersten Stücke aus dem Stegreif wegspielen.\nDenn ihre Wispelei, wenn sie gleich nichts treffen, hört\nman nicht\" u. s. w.\nDann preis't er, gerade wie K. Ph. E. Bach, die Nach-\nahmung der Singkunst und „ den einfachen und natürlichen\nGesang als das höchste Ziel\" des Violinspieles an, geht\nscharf über die „Notenwürger\" und deren „ungereim-\ntes und lächerliches Fickfack\" her, über das Tremolo der\nSpieler, „die bei jeder Note beständig zittern, als wenn sie\ndas immerwährende Fieber hätten\", ferner „ über das be-\nständige Einmischen des Flascholets, wodurch eine recht\nlächerliche, und wegen Ungleichheit des Tones eine\nwider die Natur selbst streitende Musik ent-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 804, "texte": "steht, und geisselt die „Einbildungs-Virtuosen\" eben so,\nwie die „Halb-Componisten8,\nDieser Mann von scharfem Verstände, gründlichem\nWissen, sittlichem Ernste betrachtete die Ausbildung sei-\nnes Sohnes als seine höchste Lebens-Aufgabe. Bei der in-\nnigsten Liebe zu ihm blieb er dennoch unverblendet für\nseine Schwächen, erkannte und bewunderte sein Genie mit\nrichtigem Urtheile, warnte und tadelte aber, wo es nöthig\nwar, mit Strenge. So kam dem Genie die trefflichste Er-\nziehung auf das glücklichste entgegen.\nWolfgang's Mutter, Anna Maria Pertlin aus Salzburg,\nwar eine schöne Frau, voll Gutmüthigkeit und Liebe, sonst\nnicht bedeutend, wiewohl keineswegs ohne Verstand. Nur\nin Hinsicht auf ihre Neigung zum Derbkomischen, das über-\nhaupt die Salzburger kennzeichnen soll, ist Wolfgang ihr\nechter Sohn."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-05-03-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-05-03_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-05-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "140", "page_fin": "142", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.2.3", "titre_corps": "Für Gesang.", "titre_sommaire": "Für Gesang.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.4", "debut_caractere": 806, "fin_caractere_exclue": 4758, "texte": "Für Gesang.\nHeinrich von Sahr, Sechs Lieder für eine Bass-\nstimme mit Begleitung des Pianoforte. Op. 2.\nLeipzig, Breitkopf & Härtel. Preis 15 Ngr.\"\nHeinrich von Sahr, Sechs Lieder—aus dem Spa-\nnischen übersetzt von Em. Geibel und Paul Heyse\nfür eine Sopranstimme mit Begleitung des\nPianoforte. Op. 5. Leipzig, Breitkopf & Härtel.\nPreis 20 Ngr.\nObwohl sich an verschiedenen einzelnen Stellen das Opus 2\nals solches bisweilen geltend macht, und dies respective auch\nmehr in formeller Hinsicht, so ist doch im Allgemeinen dem\nVerfasser Beruf und Talent nicht abzusprechen. Die ersten\nbeiden Lieder: „ Dein Bildniss wunderselig8 und: „ Vesper8,\nsind im gemüthlichen Tone gehalten. Im letzten Liede, ge-\ngen das Ende zu, kehrt die Melodie des ersten Verses wie-\nder, was zwar ganz in der Ordnung; aber es kehrt auch\neine Pause wieder, die nun in diesem letzten Verse nicht\nin der Ordnung ist und vielmehr eine Trennung des Sinnes\nbewirkt, wo im Texte keine vorhanden:\nErster Vers:\nDie Abendglocken klangen schon durch das stille Thal;.! da sassen\nLetzter Vers:\nIch wollt', ich lag' begraben und über mir rauschte weit die Linde\n—. Auch hatte der Bass anstatt seines gehaltenen Grund-\ntones an dieser Stelle eine gute Gelegenheit, sowohl zum\nAusdruck des „ weiten Lauschens durch eine bewegtere\nBegleitungs-Figur etwas beizutragen, als auch überhaupt\nhiedurch in den Schluss etwas mehr Bewegung zu bringen,\nder gegen die kurz vorher gehörten Sechszehntheile sonst\nzu schläfrig absticht. Originel und ausdrucksvollst dage-\ngen die Stelle: „Was geh'n die Glocken heute, als ob ich\nweinen müsst'\". Nr. 3, „Auf dem Wasser\", 12/8.\nEine überraschende Wendung macht der Verfasser am\nSchlüsse der Verse bei den Worten: „Ich möchte froh sein,\ndoch mein Herz ist todt\", durch das auftretende\nwomit auch das Nachspiel schliesst. Nr. 4, „An Sie\", ist\ndie schwächste Nummer, die vielleicht nur darum an die\nOeffentlichkeit getreten ist, um die Zahl 6 füllen zu helfen.\nVon Zeile 3 an stört auch in der Melodie eine unange-\nnehme Monotonie, indem je vier auf einander folgende zwei-\ntactige Rhythmen mit Einer und derselben Unterquinte\nbeginnen. Von gemüthlichem Ausdrucke sind wieder die\nbeiden letzten Lieder, Nr. 5, „ Des Müden Abendlied8, und\nNr. 6, „Der Einsiedler8. Von eigentümlicher Wirkung\nist in Nr. 5 die Stelle: „0, singe nur zu, du Spielmann du8\n(der Tod nämlich hier zu verstehen).\nDas zweite Liederheft des Componisten, Op. 5, steht\nschon an Bedeutung höher, als das erste. Und wenn schon\nein Streben nach Ausdruck sich in letzterem kund gab, so\nhat dies in jenem dem Anscheine nach und respective auf\nGrundlage der lyrisch-gemüthlichen Texte neue Schwung-\nkraft gewonnen. Besonders hat der Verfasser es auf eine\nscharfe Hervorhebung der Situation abgesehen (was na-*\nmentlich den neuen Lieder-Componisten vorzugsweise eigen),\nwodurch eben auch die Composition einen fast dramati-\nschen Eindruck macht, und wozu sich dann die Phantasie\nleicht das passende Bild selbst zeichnet. Natürlich ist in\nser Hinsicht vorzugsweise die Rede von der Begleitung,\nwelche nunmehr der Melodie die Palme abzuringen sucht,\nund die Befürchtung erscheint keineswegs ungegründet,\ndass es in der Zukunft mit der Selbstständigkeit der\nMelodie etwas sehr fraglich aussehen werde. (Vergl, des\nReferenten Abhandlung im Jahrg. 111., Nr. 41, der Nieder-\nrheinischen Musik-Zeitung: „Die Beschaffenheit einiger Lie-\nder-Compositionen der Neuzeit\".)— Nr. 1, „Klinge, klinge,\nmein Pandero\", ist ein solches Genre-Tonbild einer weib-\nlichen Resignation, die gerade unter einer beabsichtigten\nVerhüllung dieser durch die heitere Kunst um so tiefer den\nheimlichen Schmerz fühlt. (Seite 3, Zeile 2, Tact 3 in der\nSingstimme das Achtel f in a zu verwandeln). Einen\nmehr volkstümlichen Charakter zeigt Nr. 2: „Schäumend\nfloss der Bach und spritzte\". Naiv repräsentiren in der Be-\ngleitung die jedesmaligen nachschlagenden drei kurzen Ach-\ntel das „Spritzen\" der Bacheswelle. Fast wiederholt sich"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4495, "texte": "die mit den beiden Sechszehntheilen beginnende Haupt-Melo-\ndie zu oft.—Der lyrische Inhalt von Nr. 3 : „Holde schat-\ntenreiche Bäume\", ist in der Composition mit Sorgfalt auf-\ngefasst und wiedergegeben. Originel und passend ist am\nSchlüsse die Umwandlung der Haupt-Tonart H-dur in H-\nmoll bei den Worten: „Ach, indessen hat er wohl an schö-\nnerm Munde mich vergessen.\" —Nr. 4: „Sie blasen zum\nAbmarsch\", ist gemüthlich und hat Eigenthümliches. Die\nEinleitung, wie deren Refrain, scheint jedoch für eine den\nGeliebten abrufende „Marschmusik\" nicht recht zu passen,\nobwohl man deutlich auch nachher erkennt, dass der Com-\nponist wirklich eine solche gemeint hat. Die Nummern 5\nund 6 mögen vielleicht durch ihre grössere Kürze als Zu-\ngabe erscheinen, enthalten aber dessen ungeachtet Gemüth-\nliches. Zu bemerken ist, dass der Schluss-Accord von Nr.\n5, C-moll,mit der veränderten grossen Terz geschehen\nmuss, auf Veranlassung des in der Harmoniefolge vorher\nzweimaligen, die Haupt-Tonart umstimmenden e.\nW. F. G. Nicolai, Vier Lieder (ür eine Sopran-\noder Tenorstimme mit Begleitung des Pianoforte.\nOp. 1. Leipzig, Breitkopf & Härtel. Pr. 20 Ngr.\nNr? 1: „0, sieh mich nicht so freundlich an\", Text\nvon Geibel, wird sich Interesse erwerben; denn die Com-\nposition hat Ausdruck der Empfindung, und die Melodie, j\nwelche hier im Liede noch nicht von der Begleitung über- i\nflügelt wird und noch rein nach alter gewohnter Weise\nhervortritt, macht auf das Ohr einen gelalligen Eindruck.\nUnd dazu ist sie im Allgemeinen eben auch von Rechts\nwegen berufen.— Um bei der Stelle: „der Allen wohlge-\nthan\", das letzte W ort in ein recht helles Licht zu setzen,\nhat der Componist einen grossen Nonensprung gebraucht.\nDer Referent hatte Gelegenheit, bei einer Auslührung die-\nses Liedes den genannten, hoch gelegenen und zum Theil\nschwer zu treffenden Tonsprung in eine kleine Septime\nverwandelt zu hören, was die Wirkung keineswegs\nschwächte, nur milderte, und dabei in nicht minderem Grade\nhervorhob.— Nr. 2: „Ich muss hinaus, ich muss zu dir.\"\nDas Drängen der Gefühle, die Leidenschaft sucht hier den\nAusdruck in der bewegten Begleitung (Achtel-Triolen), so\nwie auch zumeist in deren harmonischer Fülle oder Viel-\nstimmigkeit. Man erkennt auch hier, dass der Componist\nseinem Ideale nachstrebt; nur stellen sich leider auf diesem\nWege auch manche Hindernisse entgegen, die man in der\nRegel erst erkennt, wenn man sie erfahren hat. So ist\nes z. B. zwar ganz analog, das höchste Gefühl durch den\nhöchsten Ton auszudrücken*), aber nun fragt es sich, ob\nSänger oder Sängerin ihr langes a (als Violin-Note das zwei-\ngestrichene) auf den Syiben „Dir\" und „Du\" ohne Mühe\nauszuhalten vermögen. Nr. 3: „Du bist so still, so sanft,\nso sinnig.a Einzelnes dem Ausdrucke nach wohl glücklich\ngetroffen, nur springt die Form noch nicht leicht und un-\ngezwungen aus der Idee; auch erscheinen einige Melodieen\netwas zu ordinär. Alles dieses kann einem Op. 1 wohl be-\ngegnen, wenn nur darin der Geist schon seine Schwingen,\nwenn auch leise, regt. Mit der Zeit und fernerem Streben\nsondern sich dann die Schlacken, und das reine Gold kommt\nzu Tage. Nr. 4: „Feldeinwärts flog ein Vögelein.\" Die-\nses allbekannte Herbstlied von L. Tieck ist gleichfalls und\nschon längst mit einer allbekannten Composition von Rei-\nchardt versehen, die so glücklich getroffen, so einfach-schön\nist, dass es als ein Wagniss erscheinen muss, wenn eine\nneue Composition über diesen Text an die Oeffentlichkeit\ntritt.\nW. F. G. Nicolai, Vier Lieder für eine Singstimme\nmit Begleitung des Pianoforte. Op. 2. Leipzig,\nBreitkopf & Härtel. Preis 25 Ngr.\nNr. 1: „Ich hör' ein Vöglein locken.\" Das Ganze von\ninnigem und zartem Ausdrucke. Da das den zweiten Vers\nbeginnende Wörtchen „und\" so arrogant sich zeigt, so-\nwohl eine lange Betonung als sogar eine Stellung auf die\ngute und respective erste Zeit des Tactes zu beanspruchen\na), so muss es nothwendig auf den ihm gebührenden Platz\nverwiesen werden b): ;\nNr. 2, A-dur, %, beginnt mit dem Texte: „Wrie die\nBlümlein draussen zittern in der Abendlüfte Weh'n.\" Die-\nser Gedanke hat für die Unterstimme der rechten Hand\neine Sechszehntel-Begleitung in der sich (hier durch acht\nTacte) stetig wiederholenden Untersecunde fis-e hervorge-\nrufen. Unmittelbar nachher tritt der Schluss des Verses\nein, welcher mit seinem Texte: „Bleib' bei mir und geh'\nnit fort, an meinem Herzen ist der schönste Ort\", zum\nRefrain für die nachfolgenden zwei Verse wird. Diese Wie-\n\n*) Beethoven's Fidelio: „Tödt' erst sein Weib!\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2879, "texte": "derholung ist sehr wirksam, weniger die des Wortes „Her-\nzen8, wo nämlich die zweite und kurze Sylbe auf die\ngute Achtelzeit gestellt ist. Etwas auffällig erscheinen über\nden beiden ersten Refrains die Ueberschriften: „Bittend8\nund „Herzlich8, so wie die über den zweiten Vers ge-\nstellte: „Mit Hingebung8. Wenn's nicht schon in den No-\nten liegt, diese Zusätze bringen's nicht hinein, eben so we-\nnig, wie ein Sänger seine auszudrückende Sehnsucht durch\nAugenverdrehen und Gesichterschneiden, wie eine Sängerin\nihre Gefühls-Innigkeit durch übermässiges Tremuliren. Hier\nsoll ein- für allemal dem Ohr, nicht dem Auge die An-\nschauung geboten werden. Oder es müsste hier der Ge-\nfühls-Lyrik die Gefühls-Dramatik zu Hülfe kommen\nmit ihrem theatralischen Geberdenspiel, wovon aber doch\nwieder ein- für allemal beim Vortrage eines einfachen\nLiedes nicht die Rede ist oder sein kann*). Nr. 3: „Es\ntreibt dich fort von Ort zu Ort\", Stete Triolen-\nBegleitung, welche die Unruhe mit charakterisiren soll. Wie\nvorhin erwähnt, steht auch hier wieder so eine Gemüths-\nUeberschrift: „Traurig8, bei den Worten: „ Was du so\nsehr geliebet hast, sollst du nicht wiederseh'n.8 Wer's hier\ngedruckt nicht lies't, der hört's nicht; denn sowohl Me-\nlodie als Harmonie (1., V., I.) klingen ganz lustig. Aber\nwenn sich dieser Fall am Ende und, von einer Seite be-\ntrachtet, noch immer psychologisch wirklich rechtfertigen\nHesse, indem ein edles Gemüth seine „Resignation8 mit\nFreudigkeit sowohl ausüben als auch aussprechen kann, so\nist dagegen folgende Stelle um so weniger psychologisch\nzu rechtfertigen:\nEs kann hier Brief und Siegel gegeben werden, dass das\n„ geliebte einzige Glück8 bei einer solchen Anrede, unter\nMitwirkung der sie so nachdrücklich begleitenden „Ver-\nminderten\" (nomen et omen habet!) nicht zurückkehren,\nnicht einmal Stand halten, vielmehr Reissaus nehmen\nwerde. Weit eher hätte dieser Text unter die Anfangs-\nMelodie gepasst, und umgekehrt dieser anfangende Text:\n„Es treibt dich fort von Ort zu Ort\", unter jene vermin-\nderten Septimen-Accorde. Man wird hierbei ganz unwill-\nkürlich an das bekannte Singspiel „ Fröhlich8 erinnert, wo\nder eben genannte Schauspieler und der alte Officier in\nseligem Wein-Humor beim heiteren Gesänge einmal die\nMelodieen verwechseln, und wo dann Einer nach dem An-\nderen singt:\nNr. 4: „ Frühlings-Sonnenschein.8 Gemütblich und einfach\ngehalten. ■— Im Allgemeinen ist auch über diesen Compo-\nnisten zu sagen, dass er ernstlich strebt, sein Ideal zu ver-\nwirklichen. Wenn dies auch im Anfange nicht überall ge-\nlingt, wo in der Regel die Form den Geist noch zu sehr\nin Schranken hält, so wird bei grösserer Uebung und fort-\ngesetztem Fleisse die Sache sich endlich auch einmal um*\ndrehen, und die Form sich der Idee unterwerfen und leicht\nund willig fügen lernen.\n(Schluss folgt.)\n\n*) Beiden mehr complicirten der Gegenwart freilich dies weniger!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-05-03-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-05-03_01#c008", "volume": "bmtnabi_1856-05-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "142", "page_fin": "143", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.2.4", "titre_corps": "Aus New-York.", "titre_sommaire": "Aus New-York.", "signature_source": "th", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.6", "debut_caractere": 2881, "fin_caractere_exclue": 3722, "texte": "Aus New-York.\n\nDen 3. April 1856.\nDie musicalischen Zustände in New-York haben in letzterer Zeit\neinen guten Aufschwung genommen. Die philharmonischen\nConcerte stehen oben an. Die Besetzung des Orchesters ist gross-\nartig (18 erste Violinen, 9 Contrabässe u. s. w.). Jedes Concert\nbringt in der Regel eine Sinfonie und zwei Ouvertüren, nebst Ge-\nsang- und Instrumental-Virtuosen-Vorträgen. Die Programme brin-\ngen meist nur classische Compositionen. Der Zudrang ist beispiel-\nlos. Niemals reicht der Raum für die anströmende Menge aus. so\ndass Hunderte stets zurückgewiesen werden müssen. Der musicali-\nsche Director ist Herr Karl Bergmann. An Kunstwerth ste-\nhen mit den philharmonischen Concerten auf gleicher Stufe die bei-\nden Quartett-Gesellschaften. Die eine heisst Eisfeldt'sche\nSoiree, die jüngere W. Mason-Bergmann'sche Matinee. Die"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5205, "texte": "Leistungen beider Gesellschaften sind höchst ehrenwerth; sie pfle-\ngen Beide nur classische Musik und haben neuerdings die letzten\nschwierigen Quartette von Beethoven und Franz Schubert mit vie-\nlem Erfolge gespielt. W. Mason ist ein gediegener Pianist (Schüler\nvon Liszt), der auch ein bedeutendes Compositions-Talent besitzt.\nDer junge Künstler hat kürzlich eine sehr dankbare Bravour-Piece\nvon seiner Composition gespielt: Silver Spring (Silber-Quelle), welche\nim wahren Sinne des Wortes Furore macht.\nDie italienische Oper hat ausgezeichnete Mitglieder, Ma-\ndame La Gränge an der Spitze. Die Chöre sind gut besetzt. Das\nOrchester zählt die besten Musiker der Stadt, die ersten Stimmen\nsind mit Virtuosen besetzt. Der Capcllmeister könnte besser\nsein; Routine fehlt ihm nicht, aber musicalisches Wissen. Die\nenglische Oper gibt durchweg besuchte Vorstellungen; doch\nkönnen dieselben in keiner Weise mit denen der italiänischen Oper\nverglichen werden. Die Prima Donna, ein Fräul. Pyne, ist eine\nmusicalische Celebrität, welche schon in London Aufsehen erregte.\nDie deutsche Oper ist noch in der Kindheit höchst mit-\ntelmässig in jeder Beziehung. Jetzt soll aber ein neues Unterneh-\nmen zu Stande kommen, unter Leitung eines Herrn von Berkel.\nDie Concertgeber, oder richtiger gesagt: reisenden Concert-Ge-\nsellschaften, weil jeder Virtuose sich seinen Beistand engagirt und\ndamit durchs Land zieht, sind in diesem Jahre nicht glücklich in\nihren Unternehmungen. Es sollen hier nur die hervorragendsten\nangeführt werden. Die beiden Geiger Gebrüder Mollenhauer\nsind ganz vortrefflich, und ihr Zusammenspiel ruft auch bei Ken-\nnern den lebhaftesten Beifall hervor; dennoch haben sie wenig mehr\nals ihre Aufenthalts- und Concert-Kosten gemacht. Der berühmte\nVirtuose Ole Bull zieht jetzt durch die kleinen Städte und selbst\nda nur mit kärglichem Success. Wo der Ole Bull noch nicht ge-\nsehen worden, läuft der grosse Haufen das erste Mal neugierig hin,\ndas zweite Mal wird die Nase gerümpft und bedauert, dass ein so\ngrosses Genie so wenig in der Kunst leistet. Der Pianist Gockel\ngibt vereinigt mit dem Violinisten P. Jullien Concerte. Dieses\nKünstlerpaar macht hier unter allen Concerlgebern das grösste Auf-\nsehen und die besten Geschäfte. Man sagt, dass jeder von ihnen\nbereits 50,000 Francs erübrigt, und dass namentlich Gockel durch\nseine Compositionen ein erkleckliches Honorar von dem Verleger\nbezieht ; besonders sollen ihm die Niagara Caprice, der Concert-\nGalopp, die Polichinelle, Souvenir de heaux joars (Phantasiestück)\nsehr hoch bezahlt worden sein. Als Pianist und Componist wird\nGockel hier hoch geschätzt. Das Publicum begrüsst ihn bei jedem\nöffentlichen Auftreten enthusiastisch, und so oft er von obigen Com-\npositionen zu Gehör bringt, ist er genöthigt zum Da-Capo-Spielen.\nEs gibt hierzu keineswegs der classische Werth die Anregung, son-\ndern der innewohnende melodische Reiz und die Effecte, welche\nvon ihm mit so seltener Bravour wiedergegeben werden und wo-\ndurch die grosse Menge gewonnen wird. Hier liegt auch der\nGrund, dass Gockel von der Kritik beschuldigt wird, zu wenig\nClassisches zu spielen. Aber Schulhoff, Dreysehock, Willmers und\nConsorten verfallen in gleiche Fehler, spielen meist nur ihre eige-\nnen Compositionen, und sie haben vom Virtuosen-Standpunkte aus\nnicht ganz Unrecht. P. Jullien ist ein genialer Geiger. Kaum fünf-\nzehn Jahre alt, spielt er Paganini, Vieuxtemps, Ernst, Spohr mit\nseltener Virtuosität. Eigenes Schaffungs-Talent besitzt er nicht; viel-\nleicht dass sich dasselbe später entwickelt. Auch Gockel und Jullien\nverlassen America, gehen jetzt von hier nach Havannah und dann\nnach Deutschland zurück. Schliesslich noch muss ein sehr bedeu-\ntender Pianist erwähnt werden. Es ist dies Gottschalk, den man\neigentlich den Virtuosen der Technik nennen sollte. Er ist fran-\nzösischer Schule und hat es durch ausdauernden Fleiss so weit ge-\nbracht, dass Niemand im Stande ist, seine Transscriptionen von Ne-\ngerliedern, als: Bamboula, Bananier, Bciujock in grosserer Vollkom-\nmenheit zu spielen. Es ist das ein eitles Verdienst, aber es muss\ndoch anerkannt werden. Gottschalk's Compositions-Talent hat sich\nbis jetzt noch nicht ausreichend bewiesen, um sich der Kritik ge-\ngenüber stellen zu können. Was seine Vorträge von classischen\nWerken anbelangt, so hat derselbe stets harten Tadel erfahren\nmüssen. Die fingerfixen Virtuosen sind selten musicalisch genug,\num in den Geist der grossen Meister eindringen zu können. Gott-\nschalk geht nach Südamerica, und so wären die Vereinigten Staa-\nten aller reisenden Virtuosität baar.\nDer Musikhandel florirt hier; er ist meist in den Händen\nder und unter diesen halten Schuberth & Comp, (von\nHamburg) durch ihren bedeutenden Verlag das Heft in der Hand.\nSie bringen fast alle Compositionen der hier concertirenden Com-\nponisten an sich, so auch haben sie von den oben genannten W.\nMason, Gockel, Mollenhauer, Ole Bull u. s. w. alle besseren Sachen\nverlegt. Bei Gebrüder Mason erscheint, wie Sie wissen* eine mu-\nsicalische Zeitung, die New-York Musical Review, welche bei aller\nleicht zu erklärenden Vorliebe für alles Americanische eine gedie-\ngene Kunslrichtung, so weit das sich hier thun lässt, verfolgt.\n\nth."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-05-03-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-05-03_01#c009", "volume": "bmtnabi_1856-05-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "143", "page_fin": "144", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.7", "debut_caractere": 5207, "fin_caractere_exclue": 6558, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMüln. Herr Alfred Ja eil wird nächsten D ins tag, den 6.\nd. Mts., eine musicalische Soiree im Hotel Disch geben.\nDas Theater hat geschlossen. Die letzten Opern-Vorstellungen\nwaren Lohengrin, Templer und Jüdin, Nordstern und Robert der\nTeufel. Herr Johann Thelen aus Köln, vor einigen Jahren\ndurch Herrn E. Koch für das Theater gebildet, zeigte sich in der\nStummen, der Lucia, dem Nordstern und Robert als ein sehr\nwackerer Sänger; seine schöne Rassstimme gehört zu den klang-\nvollsten und wohllautendsten, die wir kennen.\n** Hunnen. Am 6. April wurde (im letzten Abonnements-\nConcerte)Mendelssohn's Elias unter Herrn C. Reinecke's\nLeitung recht gut aufgeführt. Die Chöre waren sehr gut eingeübt.\nHerr DuMont-Fier übertraf sich selbst in der Partie des Elias;\nseine Leistung an diesem Abende war wahrhaft grossartig. Auch\ndie nächste Soiree für Kammermusik verherrlichte er durch sein\nTalent, und wir haben fast noch nie eine so schlagende Wirkung\nauf unser Publicum erlebt, als seine Vorträge erzeugten. Herr E.\nKoch trug die Recitative und die Tenor-Arie ebenfalls vortreff-\nlich, wie immer, vor; die Sopran-Soli waren durch Fräul. Mann\nund eine wackere Dilettantin genügend besetzt. ln der vorletz-\nten Soiree fand das Clavier-Trio von Albert Dietrich grossen\nAnklang. Am 8. Mai wird unser Dilettanten-Verein die komi"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4842, "texte": "sehen Operetten „Der Holzdieb44 von H. Marschner und „Der\nvierjährige Posten4' von C. Reinecke aufführen.\nMan schreibt aus Dresden: „Den Freunden classischer Musik\nund insbesondere den Verehrern Gluck's war am gestrigen Tage\nein seltener Genuss geboten. Im königlichen Hoftheater fand unter\ndes ersten Gapellmeisters Reissiger vortrefflicher Direction die Auf-\nführung von Gluck's „„Orpheus und Euridice44 44 Statt, einer Oper,\ndie seit vielen Jahren hier nicht zu Gehör kam. Es erhielt die ge-\nstrige Aufführung noch ein besonderes Interesse durch das Auf-\ntreten einer jungen Künstlerin, die darin zum ersten Male über-\nhaupt die Bretter betrat. Es ist dies Fräul. Rosa Delmont\nde Ahna), die, seit einiger Zeit von der Direction der hiesigen Hof-\nbühne engagirt, den Orpheus sang. Sie wurde nach jedem Acte\ngerufen. Die Altstimme von Fräul. Delmont beherrscht einen aus-\nserordentlichen Umfang, und können in so jungen Jahren auch nicht\nalle Stimm-Register gleichmässig vollkommen ausgebildet sein, so\nist das ernste Bestreben der begabten Sängerin nach einer solchen\nAusbildung sichtbar vorhanden. Mehrere Partieen der Oper brachte\nFräul. Delmont mit guter Auffassung und künstlerischem Ausdruck\nzur Darstellung* $o dass wir ihr nach einem solchen Anfange eine\nbedeutende Stellung unter den künstlerischen Notabilitäten der Ge-\ngenwart wohl verheissen dürfen. Von reichen und schönen Natur-\ngaben unterstützt, machte auch ihre Mimik und ihr sonstiges Spiel\neinen vorteilhaften Eindruck.\nDer treffliche Violinist Ado 1 f Köckert hat zum Beschlüsse\nseines Aufenthaltes in der Schweiz im vergangenen Monate noch\ndrei Concerte in Genf mit so ausserordentlichem Erfolge —jetzt\nwahrlich eine seltene Sache gegeben, dass ihm am Schlüsse des\nletzten sogar Blumensträusse zuflogen und die öffentlichen Blätter\nGedichte auf sein edles und hinreissendes Spiel brachten. Doppelt\nehrenwerth für den Künstler und das genfer Publicum ist es, dass\nHerr Köckert diese Erfolge durch den Vortrag der gediegensten\nMusik, wie der Quartette von Beethoven, des Violin-Concertes\nund des Octettes von Mendelssohn, dann mehrerer Stücke von\nVieuxtemps u. s. w. erzielt hat. Gegenwärtig befindet er sich,\nenglischen Blättern nach, in London.\nDer Männergesang-Verein in Wien macht aus dem Be-\nschlüsse (den wir früher erwähnt haben), dem Componisten, dessen\nWerk, gleichgültig, ob gedruckt oder Manuscript, zum ersten Male\nin seinen Goncerten aufgeführt wird, ein Honorar zu bewilligen,\neine Wahrheit, wie das folgende Schreiben zeigt. Möge dieser löb-\nliche Brauch bei allen Gesang-Vereinen eingeführt werden!\n„An Herrn Musik-Director W. Tschirch zu Gera.\n„Freundlichen Sängergruss zuvor! Nach einem Beschlüsse des\nwiener Männergesang-Vereins, „„für die erstmalige Aufführung eines\nmehrstimmigen Gesangstückes für Männerstimmen in einer öffent-\nlichen Production dem Componisten einen Ehrensold zu verabfol-\ngen44 \", sind wir nun in der angenehmen Lage, Sie, hochverehrter\nHerr, zu benachrichtigen, dass wir Ihr schönes Werk: „„Eine\nNacht auf dem Meere44 44, aufgeführt haben und Ihnen einen\nEhrensold von Fünf k. k. Ducaten zuerkennen, welchen wir hier\nzugleich beischliessen und über dessen Empfang wir uns eine Be-\nstätigung erbitten.\n„Wir sprechen den Wunsch aus, dass die vielen Männergesang-\nVereine des grossen deutschen Vaterlandes nach Möglichkeit unser\nBeispiel nachahmen möchten, damit die Herren Componisteh nicht\ngezwungen wären, als Dank für das Vergnügen, das ihre Werke\nsowohl Sängern als Hörern gewähren, nur Worte hinzunehmen.\n„Wien, am 14. April 1856.\n*,Vom Männergesang-Vereine.\n„J. Egge!, Vorstand.64\nDen musicalischen Verehrern der Heine'sehen Poesie bringen\nwir in diesem Augenblicke, wo der Tod des Dichters die Theil-\nnahme Deutschlands für ihn wiederum lebendig macht, die geist-\nvollen Gompositionen seiner Gedichte von Hoven in Erinnerung,\nnamentlich: „Die Heimkehr. Acht und achtzig Gedichte\naus Heine s Reisebildern.4* Wir kennen keinen Componisten,\nwelcher die Aufgabe, Gemüth und Humor zugleich, und oft in\nEinem und demselben Stücke, musicalisch aufzufassen und charak-\nteristisch auszudrücken, mit so viel Talent und ästhetischem Fein-\ngefühl zu lösen vermöchte, als Hoven. Wir haben in der musica-\nlischen Literatur der neueren Zeit, mit Ausnahme einiger Lieder\nvon Reissiger, wenig oder gar nichts, das in dieser Gattung des\nkomischen und humoristischen, ja, sogar des ironischen Ausdrucks\nseinen Producten (Ghamisso's ,jZopf\", „Der Säuferkampf4, „Die\nHeimkehr44 u. s. w.) an die Seite zu setzen wäre.\nAls sehr beachtungswerth werden uns auch die „Musicalischen\nDeclamationen\", d. i. Compositionen, Heine'scher Lieder von\nJoh. Wolf von Ehrenstein (Dresden, bei Meserj genannt, die\nuns jedoch noch nicht zu Gesicht gekommen sind. Herr v. Ehren-\nstein, seit frühester Kindheit erblindet, gehört einer der ersten\nFamilien Dresdens an."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nW. A. Mozart von 0. Jahn. 11. Von L. Bischoff. Für Gesang (H. von Sahr, W. F. G. Nicolai). Von L. Kind-\nscher. Aus New-York. Von th. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Alfred Jaell, Johann Thelen Barmen,-Elias\nDresden, Orpheus, FräuL Rosa Delmont Ad. Köckert Honorar vom Männergesang-Vereine in Wien an W. Tschirch Heine's\nGedichte von Hoven und Ehrenstein).\n\nW. A. Mozart.\nVon Otto Jahn.\nII.\n(S. I. Nr. 4.)\nSeitdem wir in der Nummer vom 26. Januar, dem\nVorabende von Mozart's hundertjähriger Geburtsfeier, den\nersten Theil von 0. Jahn's Buch als Festgeschenk willkom-\nmen hiessen und dessen Verbreitung voraussagten, hat sich\ndiese Voraussagung in so grossem Maassstabe verwirklicht,\ndass uns bereits der zweite, unveränderte Abdruck\ndes Werkes vorliegt. Die erste Auflage ist binnen drei Mo-\nnaten vom Lager des Verlegers verschwunden eine, in\nDeutschland wenigstens, fast beispiellose Thatsache, die je-\nden Verehrer Mozart's, das heisst jeden Verehrer des wah-\nren Musicalisch-Schönen, mit Freude erfüllen und dem\nVerfasser der schönste und-ehrenvollste Lohn für seine\nHingebung an die schwierige Aufgabe sein muss. Um so\nmehr ist es die Pflicht der Kritik, hinter der Theilnahme\ndes Publicums nicht zurück zu bleiben.\nBekanntlich war eine Biographie Beethoven's der ur-\nsprüngliche Vorwurf, den Jahn (ür seine schriftstellerische\nThätigkeit auf dem Gebiete der Tonkunst gewählt hatte.\nEr sah aber bald ein, d-ass es unmöglich sein würde, das\nNeue und Grosse, das dieser geschaffen, vollkommen be-\ngreiflich zu machen, ohne die Leistungen Mozart's klar zu\nÜbersehen, dessen Erbschaft Beethoven antreten musste,\num seine Stellung in der Geschichte der Musik zu gewin-\nnen; So entstand das Buch über Mozart. Die Gewissenhaf-\ntigkeit, mit welcher das Biographische und Bibliographische\nerforscht, aufgeklärt und festgestellt, und den Geist, in wel-\nchem die künstlerische Natur Mozart's aufgefasst und ihre\nEntwicklung verfolgt ist, haben wir bereits im ersten Ar-\ntikel mit wenigen Worten angedeutet.\nDie Widmung an Prof. Hartenstein gibt zunächst eine\nUebersicht und kritische Würdigung der bisherigen Mozart-\nLiteratur. Bis auf die Erscheinung von Nissen's Buch floss\ndie Kunde über Mozart hauptsächlich aus dem biographi-\nschen Artikel in Schlichtegroll's Nekrolog von 1791, der\nnur in den Nachrichten über die Jugendzeit genau, sonst\noberflächlich ist und in Bezug auf Mozart als Menschen\nvoll ungünstigen Vorurtheils, welches, aus dieser Quelle\ngeflossen, selbst bis in die Gegenwart die Wahrheit getrübt\nhat. Zuverlässig und treu gemeint war das, was Franz\nNiemtscheck in seinem Leben von Mozart (Prag, 1798.\n1808) brachte. Dagegen hat sich durch Jahn's Untersu-\nchungen gezeigt, dass dasjenige, was F. Rochlitz in den\ndrei ersten Jahrgängen der Allgemeinen Musicalischen Zei-\ntung über Mozart gegeben, zum grossen Theile irrig, ja\n(namentlich die Erzählung von den Umständen bei seiner\nVerheirathung), völlig unwahr ist.\nEinen Reichthum von neuen Quellen erschloss Nis-\nsen's Biographie (1828). Nissen, der als dänischer Diplo-\nmat in Wien Mozart's Witwe kennen lernte und heira-\nthete, lebte zuletzt in Salzburg, wo er sein Buch schrieb.\nAusser den mündlichen Ueberlieferungen durch seine Gattin\nund durch Mozart's Schwester, die ebenfalls noch in Salz-\nburg lebte, standen ihm eine Menge von Urkunden, na-\nmentlich alle Familienbriefe, zur Verfügung. Jedermann\nweiss, dass sein Buch durch den Mangel an Form in jeder\nHinsicht, an musicalischem Urtheil, an richtigem Tact bei\nder Auswahl des Wichligen oder Interessanten ungeniess-\nbar ist. Indem Jahn, der glücklicher Weise „für die Zeit\nvon 1777 an die Familien-Correspondenz selbst benutzen\nkonnte\", die genannten Mängel noch heller ins Licht stellt,\nzumal den letzten, da er ihn controliren konnte, so lässt er\nauf der anderen Seite seinem Fleisse und redlichen Willen\nund dem grossen Verdienste, den Werth einer Menge"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.2", "texte": "von Documenten, welche später verkommen sind, erkannt\nzu haben, volle GerechtigkeitWiderfahren und erinnert auch\nnoch daran, dass Nissen schon am 24. März 1826 starb\nund die letzte Redaction der Biographie Mozart's nicht be-\nsorgen konnte. • f , .\nDiese Anerkennung ist ehrenwerth. Eben so die Wür-\ndigung des Artikels von Fetis in dessen Biographie uni-\nverselle des Musiciens, und besonders auch des Life of Mo-\nzart, including his correspondence von Edward Holmes,\nLondon, 1845. Dagegen scheint uns der Verfasser in\ndem Urtheil über Alex. Ulibitscheff [Biographie de\nMozart etc. Moscou,lB43; Deutsch, Stuttgart, 1817) im\nGanzen zwar nicht ungerecht, aber doch etwas schroff.\nWir sind wahrlich nicht der Meinung, dass bei wissen-\nschaftlichen und Kunst-Gegenständen eine falsch verstan-\ndene Humanität die Ueberzeugung und Wahrheit vertu-\nschen und übertünchen, und man jeden, den man tadelt,\nmit Sammt-Handschuhen anlassen solle. Allein Ulibitschefl's\nWerk ist doch mehr als die Frucht einer „liebenswürdi-\ngen, enthusiastischen Verehrung \", und seine Betrachtungen\nüber die Meisterwerke Mozart's sind trotz der allgemei-\nnen Richtigkeit der Bemerkung, dass „sie hauptsächlich\nnur das wiedergeben, was Ulibitscheff dabei gedacht und\nempfunden und was ihm über dieselben eingefallen sei\"\ndoch mehr als bloss „angenehm und geistreich\", und mehr\nals Erzeugnisse einer bloss „weltmännischen Bildung und\ndilettantischen Neigung\". Der Verfasser gibt die Verschie-\ndenheit der Standpunkte bei Abfassung beider Werke, des\nseinigen und des fremden, richtig an, scheint sie aber im\nVerlaufe der Rede wieder zu vergessen. Ulibitscheff ist\nmehr als ein Dilettant im gewöhnlichen Sinne, das zeigen\nseine Analysen offenbar, trotzdem dass sie mit allerlei phan-\ntastischem und in russischer Weltbildung gar gebackenem\nBeiwerk verbrämt sind. Es fehlt ihm auch keineswegs an\nSinn lür die künstlerische Form und an Würdigung dersel-\nben als des Wesentlichsten im Kunstwerke *). Das alles\ngilt aber, auch nach unserem Urtheile, nur von demjenigen\nT heile seines Werkes, welcher sich mit den Analysen be-\nschäftigt. Die Mängel der Biographie und der einleitenden\nUebersicht über die Geschichte der Musik liegen allerdings\nklar zu Tage, und in dem Vorwurfe der übertriebenen An-\nwendung des an sich wahren Gedankens auf Mozart, dass\njede bedeutende Erscheinung die Summe aller ihr vorher-\ngehenden sein, sie in sich begreifen und abschliessen müsse,\nferner der daraus folgenden Verkennung Beethoven's, sind\nwir vollkommen einverstanden mit dem Verfasser.\nBei der Aufgabe, die dieser sich gestellt, eine zuver-\nlässige Darstellung des Lebens und eine Geschichte der\nkünstlerischen Ausbildung und eine Charakteristik der künst-\nlerischen Leistungen Mozart's zu liefern, musste sich ihm\nbald die Unzulänglichkeit des bis jetzt vorliegenden Mate-\nrials ergeben. Es galt also, ergiebige Quellen zu finden.\nIm Sommer 1852 war 0. Jahn in Wien und fand\nmehr, als er erwartet hatte, für Mozart, da er eigentlich\nhauptsächlich für Beethoven dorthin gegangen war. Dahin\ngehörten auf der k. k. Hof-Bibliothek mehrere Handschrif-\nten Mozart's, namentlich verschiedene Manuscripte des\nquiem, „welche lür die Entscheidung einer so wunderlich\nverzettelten Frage den sicheren Anhaltspunkt gewähren\",\nworauf wir sehr neugierig sind. Ferner war ihm der treff-\nliche, leider kurz darauf gestorbene Aloys Fuchs von gros-\nsem Nutzen durch die Mittheilung seiner Sammlungen, wo-\nbei auch eine Reihe Mozarl'scher Briefe, welche Fuchs sich\nabgeschrieben halte. Von ihm erfuhr Jahn denn auch, dass\nMozart's Correspondenz an das Mozarteum in Salzburg\ngekommen sei. Wolfgang Mozart der Sohn halte sie der\nFrau Baronin Cavalcabo hinterlassen, diese sie dem Mozar-\nteum geschenkt. Als Rest derselben (welche Nissen noch\nganz vorgelegen halte) fanden sich nur noch die Briefe von\n1777 bis 17 84, glücklicher Weise der wichtigste Theil.\nAusserdem war nichts in Salzburg zu gewinnen; obwohl\ndie Witwe und die Schwester Mozart's dort bis in die letz-\nten Jahrzehende gelebt haben, war doch Alles vergessen,\nverschollen und verkommen, sowohl Ueberlieferung als Fa-\nmilien-Papiere.\nProfessor Jahn knüpft hieran die Bitte um freundliche\nMiltheilung Mozart'scher Reliquien,.deren sich gewiss noch\nmanche bisher unbekannte in den Händen Einzelner be-\nfinden. 9fl(fn fpffofim us ribifii\nDie bei Weitem wichtigste Unterstützung gewährten\ndie Herren Gebrüder K a r 1 und Julius Andre in Frank-\nfurt am Main dem Verfasser. Er bekennt mit dem aufrich-\ntigsten Danke, „dass ohne das ehrenvolle Vertrauen und\ndie freundschaftliche Förderung derselben sein Buch das\nnicht hätte erreichen können, worin er dessen wesentlichen\nVorzug setzen zu können glaube\", das ist die Verfolgung\nund Würdigung der künstlerischen Entwicklung Mozart's.\n\n*) Üeberhaupt sollte man mit der Anwendung des Wortes „Di-\nlettant\" in geringschätzender Weise unserer Ansicht nach\netwas vorsichtiger sein. Im Gegensatze zum schaffenden\nKünstler von Fach (wozu in der Tonkunst in allgemeinem\nSinne auch der ausübende, obgleich nur in zweiter Reihe\nschaffende, Künstler gehört) wird der Dilettant immer zurück*\nstehen; aber sein Verhältniss zum Kunstwerke ist ein\nanderes; denn der ernste Dilettantismus ist meistens der Weg\nzur Kun st rs tä ndi g k e it.\n& i"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.3", "texte": "Hiedurch namentlich hat Jahn das Glück gehabt, Mozart's\nsämmtliche Compositionen mit geringen Ausnahmen nicht\nnur vollständig, sondern weitaus die meisten in seiner Hand-\nschrift kennen gelernt zu haben.\nWir sind bei der Angabe der Quellen und Hülfstaittel,\ndie Jahn zu Gebote standen, ausführlicher gewesen, weil\ndaraus hauptsächlich zu ersehen, was die musicalische Welt\nvon der Benutzung solchen Materials zu erwarten hat,\nwenn sie auf gewissenhafte Weise, mit Tact und richtigem\nUrtheile und mit der Gewandtheit und dem Scharfblicke\nphilologischer Thätigkeit gehandhabt wird. Diese Eigen-\nschaften finden sich auf die erfreulichste Weise bei dem\nneuen Biographen Mozart's vereinigt, und wenn man auch\nbeim Anblicke des Buches, das uns auf mehr als 700 Sei-\nten erst bis 1777, mithin nur bis zum Beginne der Periode\nder grossen Schöpfungen Mozart's, die mit dem Idomeneo\nanfangen, lührt, einen kleinen Schreck bekommt, so fesselt\ndoch abgesehen von Stil und Darstellung den Leser\nallein schon die mit jedem Abschnitte wachsende Ueber-\nzeugung, dass hier die Frucht einer Wahrheitsforschung\nvorliegt, deren Redlichkeit und Fleiss in unserer Zeit der\nraisonnirenden Oberflächlichkeit doppelt rühmenswerth ist.\nAber die Ergebnisse der Forschung sind dann auch mit so\nviel Verstand und Geist zu einem Lebensbilde des Menschen\nund Künstlers verarbeitet, dass das Werk eine hohe Stufe\nin der biographischen und kunstgeschichllichen Literatur\nder Deutschen einnimmt.\nDas erste Buch, „Mozart's Knabenjahre\"\nüberschrieben, umfasst in neun Abschnitten die Erziehung\nund frühe Entwicklung des Knaben, seine Reisen als Wun-\nderkind in Deutschland, Frankreich und England, seine er-\nsten Compositionen u. s. w. bis zum Jahre 1768. (S. 1\nbis 130, Beilagen S. 131 bis 170.)\nGleich der erste Abschnitt zeigt durch die treffliche\nCharakteristik, die Jahn von Mozart's Vater gibt, mit was\niür einem Schriftsteller wir es zu thun haben. Leopold\nMozart (geb. den 14. November 1719 zu Augsburg), der\nSohn eines Buchbinders, widmete sich den Rechtsstudien\nin Salzburg, wurde aus Noth Kammerdiener des Domherrn\nGrafen Thum, aus Anerkennung seines musicalischen Ta-\nlentes, Könnens und Wissens Hof-Musicus, dann Hof-Com-\nponist und als bedeutender Violinspieler Anführer des Or-\nchesters, endlich (1762) Vice-Capellmeister desErzbischo-\nfes Sigismund von Salzburg. Man könnte davon mit An-\nwendung seiner eigenen Worte bei Gelegenheit einer an-\nderen Ehrenbezeigung sagen: „Potz Plunder, das spritzt!\"\n•' _ denn ausser dem Titel und mühevoller Arbeit brachte\ndie errungene Stellung eben nicht viel ein. Es war also die\nRücksicht auf den Erwerb bei den Reisen, die er mit sei-\nnen Kindern machte, nicht bloss zu entschuldigen, sondern\nNotwendigkeit und Pflicht.\nDen grössten Ruf erwarb er sich durch den „Versuch\neiner gründlichen Violinschule\" (1756). In ihr spricht sich\nder ernste und tüchtige Sinn aus, welcher den ganzen Mann\nkennen lehrt. Von den vielen charakteristischen Stellen,\nwelche Jahn anführt, ziehen wir nur einige aus zum Nutzen\nund Frommen der Gegenwart und zum interessanten Ver-\ngleich mit demjenigen, was wir in den beiden letzten Num-\nmern aus K. Ph. E. Bach's „Versuch über das Ciavierspiel\"\nbeigebracht haben. Diese alten Meister „versuchten\" im-\nmer nur, zu belehren, während heute die „ einzig richtigen\nMethoden\" u. dgl. an der Tagesordnung sind. L. Mozart\nwill vor Allem Gründlichkeit und Tüchtigkeit der musica-\nlischen Ausbildung; er will Künstler, nicht Virtuosen bilden.\nSo sagt er unter Anderem:\n„Ein guter Violinist soll selbst in der Rhetorik und\nPoetik bewandert sein, um mit Verstand vortragen zu\nkönnen.\"\n„Zuvörderst einen rechtschaffeuen und mannbaren\nTon! Der Schüler soll gleich die Geige etwas stark bezie-\nhen, damit durch das starke Niederdrücken der Finger und\nkräftige Anhalten des Bogens die Glieder abgehärtet und\ndadurch ein männlicher und starker Bogenstrich erobert\nwerde. Denn was kann wohl Abgeschmackteres sein, als\nwenn man sich nicht getraut, die Geige recht anzugreifen,\nsondern mit dem Bogen (der oft nur mit zween Fingern\ngehalten wird) die Saiten kaum berührt und eine so künst-\nliche Hinaufwispelung bis an den Sattel vornimmt,\ndass man nur da und dort eine Note zischen hört, folglich\nnicht weiss, was es sagen will, weil Alles nur einem Traume\ngleicht ! Solche Luft-Violinisten sind oft so verwegen, dass\nsie die schwersten Stücke aus dem Stegreif wegspielen.\nDenn ihre Wispelei, wenn sie gleich nichts treffen, hört\nman nicht\" u. s. w.\nDann preis't er, gerade wie K. Ph. E. Bach, die Nach-\nahmung der Singkunst und „ den einfachen und natürlichen\nGesang als das höchste Ziel\" des Violinspieles an, geht\nscharf über die „Notenwürger\" und deren „ungereim-\ntes und lächerliches Fickfack\" her, über das Tremolo der\nSpieler, „die bei jeder Note beständig zittern, als wenn sie\ndas immerwährende Fieber hätten\", ferner „ über das be-\nständige Einmischen des Flascholets, wodurch eine recht\nlächerliche, und wegen Ungleichheit des Tones eine\nwider die Natur selbst streitende Musik ent-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.4", "texte": "steht, und geisselt die „Einbildungs-Virtuosen\" eben so,\nwie die „Halb-Componisten8,\nDieser Mann von scharfem Verstände, gründlichem\nWissen, sittlichem Ernste betrachtete die Ausbildung sei-\nnes Sohnes als seine höchste Lebens-Aufgabe. Bei der in-\nnigsten Liebe zu ihm blieb er dennoch unverblendet für\nseine Schwächen, erkannte und bewunderte sein Genie mit\nrichtigem Urtheile, warnte und tadelte aber, wo es nöthig\nwar, mit Strenge. So kam dem Genie die trefflichste Er-\nziehung auf das glücklichste entgegen.\nWolfgang's Mutter, Anna Maria Pertlin aus Salzburg,\nwar eine schöne Frau, voll Gutmüthigkeit und Liebe, sonst\nnicht bedeutend, wiewohl keineswegs ohne Verstand. Nur\nin Hinsicht auf ihre Neigung zum Derbkomischen, das über-\nhaupt die Salzburger kennzeichnen soll, ist Wolfgang ihr\nechter Sohn.\n\nFür Gesang.\nHeinrich von Sahr, Sechs Lieder für eine Bass-\nstimme mit Begleitung des Pianoforte. Op. 2.\nLeipzig, Breitkopf & Härtel. Preis 15 Ngr.\"\nHeinrich von Sahr, Sechs Lieder—aus dem Spa-\nnischen übersetzt von Em. Geibel und Paul Heyse\nfür eine Sopranstimme mit Begleitung des\nPianoforte. Op. 5. Leipzig, Breitkopf & Härtel.\nPreis 20 Ngr.\nObwohl sich an verschiedenen einzelnen Stellen das Opus 2\nals solches bisweilen geltend macht, und dies respective auch\nmehr in formeller Hinsicht, so ist doch im Allgemeinen dem\nVerfasser Beruf und Talent nicht abzusprechen. Die ersten\nbeiden Lieder: „ Dein Bildniss wunderselig8 und: „ Vesper8,\nsind im gemüthlichen Tone gehalten. Im letzten Liede, ge-\ngen das Ende zu, kehrt die Melodie des ersten Verses wie-\nder, was zwar ganz in der Ordnung; aber es kehrt auch\neine Pause wieder, die nun in diesem letzten Verse nicht\nin der Ordnung ist und vielmehr eine Trennung des Sinnes\nbewirkt, wo im Texte keine vorhanden:\nErster Vers:\nDie Abendglocken klangen schon durch das stille Thal;.! da sassen\nLetzter Vers:\nIch wollt', ich lag' begraben und über mir rauschte weit die Linde\n—. Auch hatte der Bass anstatt seines gehaltenen Grund-\ntones an dieser Stelle eine gute Gelegenheit, sowohl zum\nAusdruck des „ weiten Lauschens durch eine bewegtere\nBegleitungs-Figur etwas beizutragen, als auch überhaupt\nhiedurch in den Schluss etwas mehr Bewegung zu bringen,\nder gegen die kurz vorher gehörten Sechszehntheile sonst\nzu schläfrig absticht. Originel und ausdrucksvollst dage-\ngen die Stelle: „Was geh'n die Glocken heute, als ob ich\nweinen müsst'\". Nr. 3, „Auf dem Wasser\", 12/8.\nEine überraschende Wendung macht der Verfasser am\nSchlüsse der Verse bei den Worten: „Ich möchte froh sein,\ndoch mein Herz ist todt\", durch das auftretende\nwomit auch das Nachspiel schliesst. Nr. 4, „An Sie\", ist\ndie schwächste Nummer, die vielleicht nur darum an die\nOeffentlichkeit getreten ist, um die Zahl 6 füllen zu helfen.\nVon Zeile 3 an stört auch in der Melodie eine unange-\nnehme Monotonie, indem je vier auf einander folgende zwei-\ntactige Rhythmen mit Einer und derselben Unterquinte\nbeginnen. Von gemüthlichem Ausdrucke sind wieder die\nbeiden letzten Lieder, Nr. 5, „ Des Müden Abendlied8, und\nNr. 6, „Der Einsiedler8. Von eigentümlicher Wirkung\nist in Nr. 5 die Stelle: „0, singe nur zu, du Spielmann du8\n(der Tod nämlich hier zu verstehen).\nDas zweite Liederheft des Componisten, Op. 5, steht\nschon an Bedeutung höher, als das erste. Und wenn schon\nein Streben nach Ausdruck sich in letzterem kund gab, so\nhat dies in jenem dem Anscheine nach und respective auf\nGrundlage der lyrisch-gemüthlichen Texte neue Schwung-\nkraft gewonnen. Besonders hat der Verfasser es auf eine\nscharfe Hervorhebung der Situation abgesehen (was na-*\nmentlich den neuen Lieder-Componisten vorzugsweise eigen),\nwodurch eben auch die Composition einen fast dramati-\nschen Eindruck macht, und wozu sich dann die Phantasie\nleicht das passende Bild selbst zeichnet. Natürlich ist in\nser Hinsicht vorzugsweise die Rede von der Begleitung,\nwelche nunmehr der Melodie die Palme abzuringen sucht,\nund die Befürchtung erscheint keineswegs ungegründet,\ndass es in der Zukunft mit der Selbstständigkeit der\nMelodie etwas sehr fraglich aussehen werde. (Vergl, des\nReferenten Abhandlung im Jahrg. 111., Nr. 41, der Nieder-\nrheinischen Musik-Zeitung: „Die Beschaffenheit einiger Lie-\nder-Compositionen der Neuzeit\".)— Nr. 1, „Klinge, klinge,\nmein Pandero\", ist ein solches Genre-Tonbild einer weib-\nlichen Resignation, die gerade unter einer beabsichtigten\nVerhüllung dieser durch die heitere Kunst um so tiefer den\nheimlichen Schmerz fühlt. (Seite 3, Zeile 2, Tact 3 in der\nSingstimme das Achtel f in a zu verwandeln). Einen\nmehr volkstümlichen Charakter zeigt Nr. 2: „Schäumend\nfloss der Bach und spritzte\". Naiv repräsentiren in der Be-\ngleitung die jedesmaligen nachschlagenden drei kurzen Ach-\ntel das „Spritzen\" der Bacheswelle. Fast wiederholt sich"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.5", "texte": "die mit den beiden Sechszehntheilen beginnende Haupt-Melo-\ndie zu oft.—Der lyrische Inhalt von Nr. 3 : „Holde schat-\ntenreiche Bäume\", ist in der Composition mit Sorgfalt auf-\ngefasst und wiedergegeben. Originel und passend ist am\nSchlüsse die Umwandlung der Haupt-Tonart H-dur in H-\nmoll bei den Worten: „Ach, indessen hat er wohl an schö-\nnerm Munde mich vergessen.\" —Nr. 4: „Sie blasen zum\nAbmarsch\", ist gemüthlich und hat Eigenthümliches. Die\nEinleitung, wie deren Refrain, scheint jedoch für eine den\nGeliebten abrufende „Marschmusik\" nicht recht zu passen,\nobwohl man deutlich auch nachher erkennt, dass der Com-\nponist wirklich eine solche gemeint hat. Die Nummern 5\nund 6 mögen vielleicht durch ihre grössere Kürze als Zu-\ngabe erscheinen, enthalten aber dessen ungeachtet Gemüth-\nliches. Zu bemerken ist, dass der Schluss-Accord von Nr.\n5, C-moll,mit der veränderten grossen Terz geschehen\nmuss, auf Veranlassung des in der Harmoniefolge vorher\nzweimaligen, die Haupt-Tonart umstimmenden e.\nW. F. G. Nicolai, Vier Lieder (ür eine Sopran-\noder Tenorstimme mit Begleitung des Pianoforte.\nOp. 1. Leipzig, Breitkopf & Härtel. Pr. 20 Ngr.\nNr? 1: „0, sieh mich nicht so freundlich an\", Text\nvon Geibel, wird sich Interesse erwerben; denn die Com-\nposition hat Ausdruck der Empfindung, und die Melodie, j\nwelche hier im Liede noch nicht von der Begleitung über- i\nflügelt wird und noch rein nach alter gewohnter Weise\nhervortritt, macht auf das Ohr einen gelalligen Eindruck.\nUnd dazu ist sie im Allgemeinen eben auch von Rechts\nwegen berufen.— Um bei der Stelle: „der Allen wohlge-\nthan\", das letzte W ort in ein recht helles Licht zu setzen,\nhat der Componist einen grossen Nonensprung gebraucht.\nDer Referent hatte Gelegenheit, bei einer Auslührung die-\nses Liedes den genannten, hoch gelegenen und zum Theil\nschwer zu treffenden Tonsprung in eine kleine Septime\nverwandelt zu hören, was die Wirkung keineswegs\nschwächte, nur milderte, und dabei in nicht minderem Grade\nhervorhob.— Nr. 2: „Ich muss hinaus, ich muss zu dir.\"\nDas Drängen der Gefühle, die Leidenschaft sucht hier den\nAusdruck in der bewegten Begleitung (Achtel-Triolen), so\nwie auch zumeist in deren harmonischer Fülle oder Viel-\nstimmigkeit. Man erkennt auch hier, dass der Componist\nseinem Ideale nachstrebt; nur stellen sich leider auf diesem\nWege auch manche Hindernisse entgegen, die man in der\nRegel erst erkennt, wenn man sie erfahren hat. So ist\nes z. B. zwar ganz analog, das höchste Gefühl durch den\nhöchsten Ton auszudrücken*), aber nun fragt es sich, ob\nSänger oder Sängerin ihr langes a (als Violin-Note das zwei-\ngestrichene) auf den Syiben „Dir\" und „Du\" ohne Mühe\nauszuhalten vermögen. Nr. 3: „Du bist so still, so sanft,\nso sinnig.a Einzelnes dem Ausdrucke nach wohl glücklich\ngetroffen, nur springt die Form noch nicht leicht und un-\ngezwungen aus der Idee; auch erscheinen einige Melodieen\netwas zu ordinär. Alles dieses kann einem Op. 1 wohl be-\ngegnen, wenn nur darin der Geist schon seine Schwingen,\nwenn auch leise, regt. Mit der Zeit und fernerem Streben\nsondern sich dann die Schlacken, und das reine Gold kommt\nzu Tage. Nr. 4: „Feldeinwärts flog ein Vögelein.\" Die-\nses allbekannte Herbstlied von L. Tieck ist gleichfalls und\nschon längst mit einer allbekannten Composition von Rei-\nchardt versehen, die so glücklich getroffen, so einfach-schön\nist, dass es als ein Wagniss erscheinen muss, wenn eine\nneue Composition über diesen Text an die Oeffentlichkeit\ntritt.\nW. F. G. Nicolai, Vier Lieder für eine Singstimme\nmit Begleitung des Pianoforte. Op. 2. Leipzig,\nBreitkopf & Härtel. Preis 25 Ngr.\nNr. 1: „Ich hör' ein Vöglein locken.\" Das Ganze von\ninnigem und zartem Ausdrucke. Da das den zweiten Vers\nbeginnende Wörtchen „und\" so arrogant sich zeigt, so-\nwohl eine lange Betonung als sogar eine Stellung auf die\ngute und respective erste Zeit des Tactes zu beanspruchen\na), so muss es nothwendig auf den ihm gebührenden Platz\nverwiesen werden b): ;\nNr. 2, A-dur, %, beginnt mit dem Texte: „Wrie die\nBlümlein draussen zittern in der Abendlüfte Weh'n.\" Die-\nser Gedanke hat für die Unterstimme der rechten Hand\neine Sechszehntel-Begleitung in der sich (hier durch acht\nTacte) stetig wiederholenden Untersecunde fis-e hervorge-\nrufen. Unmittelbar nachher tritt der Schluss des Verses\nein, welcher mit seinem Texte: „Bleib' bei mir und geh'\nnit fort, an meinem Herzen ist der schönste Ort\", zum\nRefrain für die nachfolgenden zwei Verse wird. Diese Wie-\n\n*) Beethoven's Fidelio: „Tödt' erst sein Weib!\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.6", "texte": "derholung ist sehr wirksam, weniger die des Wortes „Her-\nzen8, wo nämlich die zweite und kurze Sylbe auf die\ngute Achtelzeit gestellt ist. Etwas auffällig erscheinen über\nden beiden ersten Refrains die Ueberschriften: „Bittend8\nund „Herzlich8, so wie die über den zweiten Vers ge-\nstellte: „Mit Hingebung8. Wenn's nicht schon in den No-\nten liegt, diese Zusätze bringen's nicht hinein, eben so we-\nnig, wie ein Sänger seine auszudrückende Sehnsucht durch\nAugenverdrehen und Gesichterschneiden, wie eine Sängerin\nihre Gefühls-Innigkeit durch übermässiges Tremuliren. Hier\nsoll ein- für allemal dem Ohr, nicht dem Auge die An-\nschauung geboten werden. Oder es müsste hier der Ge-\nfühls-Lyrik die Gefühls-Dramatik zu Hülfe kommen\nmit ihrem theatralischen Geberdenspiel, wovon aber doch\nwieder ein- für allemal beim Vortrage eines einfachen\nLiedes nicht die Rede ist oder sein kann*). Nr. 3: „Es\ntreibt dich fort von Ort zu Ort\", Stete Triolen-\nBegleitung, welche die Unruhe mit charakterisiren soll. Wie\nvorhin erwähnt, steht auch hier wieder so eine Gemüths-\nUeberschrift: „Traurig8, bei den Worten: „ Was du so\nsehr geliebet hast, sollst du nicht wiederseh'n.8 Wer's hier\ngedruckt nicht lies't, der hört's nicht; denn sowohl Me-\nlodie als Harmonie (1., V., I.) klingen ganz lustig. Aber\nwenn sich dieser Fall am Ende und, von einer Seite be-\ntrachtet, noch immer psychologisch wirklich rechtfertigen\nHesse, indem ein edles Gemüth seine „Resignation8 mit\nFreudigkeit sowohl ausüben als auch aussprechen kann, so\nist dagegen folgende Stelle um so weniger psychologisch\nzu rechtfertigen:\nEs kann hier Brief und Siegel gegeben werden, dass das\n„ geliebte einzige Glück8 bei einer solchen Anrede, unter\nMitwirkung der sie so nachdrücklich begleitenden „Ver-\nminderten\" (nomen et omen habet!) nicht zurückkehren,\nnicht einmal Stand halten, vielmehr Reissaus nehmen\nwerde. Weit eher hätte dieser Text unter die Anfangs-\nMelodie gepasst, und umgekehrt dieser anfangende Text:\n„Es treibt dich fort von Ort zu Ort\", unter jene vermin-\nderten Septimen-Accorde. Man wird hierbei ganz unwill-\nkürlich an das bekannte Singspiel „ Fröhlich8 erinnert, wo\nder eben genannte Schauspieler und der alte Officier in\nseligem Wein-Humor beim heiteren Gesänge einmal die\nMelodieen verwechseln, und wo dann Einer nach dem An-\nderen singt:\nNr. 4: „ Frühlings-Sonnenschein.8 Gemütblich und einfach\ngehalten. ■— Im Allgemeinen ist auch über diesen Compo-\nnisten zu sagen, dass er ernstlich strebt, sein Ideal zu ver-\nwirklichen. Wenn dies auch im Anfange nicht überall ge-\nlingt, wo in der Regel die Form den Geist noch zu sehr\nin Schranken hält, so wird bei grösserer Uebung und fort-\ngesetztem Fleisse die Sache sich endlich auch einmal um*\ndrehen, und die Form sich der Idee unterwerfen und leicht\nund willig fügen lernen.\n(Schluss folgt.)\n\n*) Beiden mehr complicirten der Gegenwart freilich dies weniger!\n\nAus New-York.\n\nDen 3. April 1856.\nDie musicalischen Zustände in New-York haben in letzterer Zeit\neinen guten Aufschwung genommen. Die philharmonischen\nConcerte stehen oben an. Die Besetzung des Orchesters ist gross-\nartig (18 erste Violinen, 9 Contrabässe u. s. w.). Jedes Concert\nbringt in der Regel eine Sinfonie und zwei Ouvertüren, nebst Ge-\nsang- und Instrumental-Virtuosen-Vorträgen. Die Programme brin-\ngen meist nur classische Compositionen. Der Zudrang ist beispiel-\nlos. Niemals reicht der Raum für die anströmende Menge aus. so\ndass Hunderte stets zurückgewiesen werden müssen. Der musicali-\nsche Director ist Herr Karl Bergmann. An Kunstwerth ste-\nhen mit den philharmonischen Concerten auf gleicher Stufe die bei-\nden Quartett-Gesellschaften. Die eine heisst Eisfeldt'sche\nSoiree, die jüngere W. Mason-Bergmann'sche Matinee. Die"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.7", "texte": "Leistungen beider Gesellschaften sind höchst ehrenwerth; sie pfle-\ngen Beide nur classische Musik und haben neuerdings die letzten\nschwierigen Quartette von Beethoven und Franz Schubert mit vie-\nlem Erfolge gespielt. W. Mason ist ein gediegener Pianist (Schüler\nvon Liszt), der auch ein bedeutendes Compositions-Talent besitzt.\nDer junge Künstler hat kürzlich eine sehr dankbare Bravour-Piece\nvon seiner Composition gespielt: Silver Spring (Silber-Quelle), welche\nim wahren Sinne des Wortes Furore macht.\nDie italienische Oper hat ausgezeichnete Mitglieder, Ma-\ndame La Gränge an der Spitze. Die Chöre sind gut besetzt. Das\nOrchester zählt die besten Musiker der Stadt, die ersten Stimmen\nsind mit Virtuosen besetzt. Der Capcllmeister könnte besser\nsein; Routine fehlt ihm nicht, aber musicalisches Wissen. Die\nenglische Oper gibt durchweg besuchte Vorstellungen; doch\nkönnen dieselben in keiner Weise mit denen der italiänischen Oper\nverglichen werden. Die Prima Donna, ein Fräul. Pyne, ist eine\nmusicalische Celebrität, welche schon in London Aufsehen erregte.\nDie deutsche Oper ist noch in der Kindheit höchst mit-\ntelmässig in jeder Beziehung. Jetzt soll aber ein neues Unterneh-\nmen zu Stande kommen, unter Leitung eines Herrn von Berkel.\nDie Concertgeber, oder richtiger gesagt: reisenden Concert-Ge-\nsellschaften, weil jeder Virtuose sich seinen Beistand engagirt und\ndamit durchs Land zieht, sind in diesem Jahre nicht glücklich in\nihren Unternehmungen. Es sollen hier nur die hervorragendsten\nangeführt werden. Die beiden Geiger Gebrüder Mollenhauer\nsind ganz vortrefflich, und ihr Zusammenspiel ruft auch bei Ken-\nnern den lebhaftesten Beifall hervor; dennoch haben sie wenig mehr\nals ihre Aufenthalts- und Concert-Kosten gemacht. Der berühmte\nVirtuose Ole Bull zieht jetzt durch die kleinen Städte und selbst\nda nur mit kärglichem Success. Wo der Ole Bull noch nicht ge-\nsehen worden, läuft der grosse Haufen das erste Mal neugierig hin,\ndas zweite Mal wird die Nase gerümpft und bedauert, dass ein so\ngrosses Genie so wenig in der Kunst leistet. Der Pianist Gockel\ngibt vereinigt mit dem Violinisten P. Jullien Concerte. Dieses\nKünstlerpaar macht hier unter allen Concerlgebern das grösste Auf-\nsehen und die besten Geschäfte. Man sagt, dass jeder von ihnen\nbereits 50,000 Francs erübrigt, und dass namentlich Gockel durch\nseine Compositionen ein erkleckliches Honorar von dem Verleger\nbezieht ; besonders sollen ihm die Niagara Caprice, der Concert-\nGalopp, die Polichinelle, Souvenir de heaux joars (Phantasiestück)\nsehr hoch bezahlt worden sein. Als Pianist und Componist wird\nGockel hier hoch geschätzt. Das Publicum begrüsst ihn bei jedem\nöffentlichen Auftreten enthusiastisch, und so oft er von obigen Com-\npositionen zu Gehör bringt, ist er genöthigt zum Da-Capo-Spielen.\nEs gibt hierzu keineswegs der classische Werth die Anregung, son-\ndern der innewohnende melodische Reiz und die Effecte, welche\nvon ihm mit so seltener Bravour wiedergegeben werden und wo-\ndurch die grosse Menge gewonnen wird. Hier liegt auch der\nGrund, dass Gockel von der Kritik beschuldigt wird, zu wenig\nClassisches zu spielen. Aber Schulhoff, Dreysehock, Willmers und\nConsorten verfallen in gleiche Fehler, spielen meist nur ihre eige-\nnen Compositionen, und sie haben vom Virtuosen-Standpunkte aus\nnicht ganz Unrecht. P. Jullien ist ein genialer Geiger. Kaum fünf-\nzehn Jahre alt, spielt er Paganini, Vieuxtemps, Ernst, Spohr mit\nseltener Virtuosität. Eigenes Schaffungs-Talent besitzt er nicht; viel-\nleicht dass sich dasselbe später entwickelt. Auch Gockel und Jullien\nverlassen America, gehen jetzt von hier nach Havannah und dann\nnach Deutschland zurück. Schliesslich noch muss ein sehr bedeu-\ntender Pianist erwähnt werden. Es ist dies Gottschalk, den man\neigentlich den Virtuosen der Technik nennen sollte. Er ist fran-\nzösischer Schule und hat es durch ausdauernden Fleiss so weit ge-\nbracht, dass Niemand im Stande ist, seine Transscriptionen von Ne-\ngerliedern, als: Bamboula, Bananier, Bciujock in grosserer Vollkom-\nmenheit zu spielen. Es ist das ein eitles Verdienst, aber es muss\ndoch anerkannt werden. Gottschalk's Compositions-Talent hat sich\nbis jetzt noch nicht ausreichend bewiesen, um sich der Kritik ge-\ngenüber stellen zu können. Was seine Vorträge von classischen\nWerken anbelangt, so hat derselbe stets harten Tadel erfahren\nmüssen. Die fingerfixen Virtuosen sind selten musicalisch genug,\num in den Geist der grossen Meister eindringen zu können. Gott-\nschalk geht nach Südamerica, und so wären die Vereinigten Staa-\nten aller reisenden Virtuosität baar.\nDer Musikhandel florirt hier; er ist meist in den Händen\nder und unter diesen halten Schuberth & Comp, (von\nHamburg) durch ihren bedeutenden Verlag das Heft in der Hand.\nSie bringen fast alle Compositionen der hier concertirenden Com-\nponisten an sich, so auch haben sie von den oben genannten W.\nMason, Gockel, Mollenhauer, Ole Bull u. s. w. alle besseren Sachen\nverlegt. Bei Gebrüder Mason erscheint, wie Sie wissen* eine mu-\nsicalische Zeitung, die New-York Musical Review, welche bei aller\nleicht zu erklärenden Vorliebe für alles Americanische eine gedie-\ngene Kunslrichtung, so weit das sich hier thun lässt, verfolgt.\n\nth.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMüln. Herr Alfred Ja eil wird nächsten D ins tag, den 6.\nd. Mts., eine musicalische Soiree im Hotel Disch geben.\nDas Theater hat geschlossen. Die letzten Opern-Vorstellungen\nwaren Lohengrin, Templer und Jüdin, Nordstern und Robert der\nTeufel. Herr Johann Thelen aus Köln, vor einigen Jahren\ndurch Herrn E. Koch für das Theater gebildet, zeigte sich in der\nStummen, der Lucia, dem Nordstern und Robert als ein sehr\nwackerer Sänger; seine schöne Rassstimme gehört zu den klang-\nvollsten und wohllautendsten, die wir kennen.\n** Hunnen. Am 6. April wurde (im letzten Abonnements-\nConcerte)Mendelssohn's Elias unter Herrn C. Reinecke's\nLeitung recht gut aufgeführt. Die Chöre waren sehr gut eingeübt.\nHerr DuMont-Fier übertraf sich selbst in der Partie des Elias;\nseine Leistung an diesem Abende war wahrhaft grossartig. Auch\ndie nächste Soiree für Kammermusik verherrlichte er durch sein\nTalent, und wir haben fast noch nie eine so schlagende Wirkung\nauf unser Publicum erlebt, als seine Vorträge erzeugten. Herr E.\nKoch trug die Recitative und die Tenor-Arie ebenfalls vortreff-\nlich, wie immer, vor; die Sopran-Soli waren durch Fräul. Mann\nund eine wackere Dilettantin genügend besetzt. ln der vorletz-\nten Soiree fand das Clavier-Trio von Albert Dietrich grossen\nAnklang. Am 8. Mai wird unser Dilettanten-Verein die komi"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560503-01.1.8", "texte": "sehen Operetten „Der Holzdieb44 von H. Marschner und „Der\nvierjährige Posten4' von C. Reinecke aufführen.\nMan schreibt aus Dresden: „Den Freunden classischer Musik\nund insbesondere den Verehrern Gluck's war am gestrigen Tage\nein seltener Genuss geboten. Im königlichen Hoftheater fand unter\ndes ersten Gapellmeisters Reissiger vortrefflicher Direction die Auf-\nführung von Gluck's „„Orpheus und Euridice44 44 Statt, einer Oper,\ndie seit vielen Jahren hier nicht zu Gehör kam. Es erhielt die ge-\nstrige Aufführung noch ein besonderes Interesse durch das Auf-\ntreten einer jungen Künstlerin, die darin zum ersten Male über-\nhaupt die Bretter betrat. Es ist dies Fräul. Rosa Delmont\nde Ahna), die, seit einiger Zeit von der Direction der hiesigen Hof-\nbühne engagirt, den Orpheus sang. Sie wurde nach jedem Acte\ngerufen. Die Altstimme von Fräul. Delmont beherrscht einen aus-\nserordentlichen Umfang, und können in so jungen Jahren auch nicht\nalle Stimm-Register gleichmässig vollkommen ausgebildet sein, so\nist das ernste Bestreben der begabten Sängerin nach einer solchen\nAusbildung sichtbar vorhanden. Mehrere Partieen der Oper brachte\nFräul. Delmont mit guter Auffassung und künstlerischem Ausdruck\nzur Darstellung* $o dass wir ihr nach einem solchen Anfange eine\nbedeutende Stellung unter den künstlerischen Notabilitäten der Ge-\ngenwart wohl verheissen dürfen. Von reichen und schönen Natur-\ngaben unterstützt, machte auch ihre Mimik und ihr sonstiges Spiel\neinen vorteilhaften Eindruck.\nDer treffliche Violinist Ado 1 f Köckert hat zum Beschlüsse\nseines Aufenthaltes in der Schweiz im vergangenen Monate noch\ndrei Concerte in Genf mit so ausserordentlichem Erfolge —jetzt\nwahrlich eine seltene Sache gegeben, dass ihm am Schlüsse des\nletzten sogar Blumensträusse zuflogen und die öffentlichen Blätter\nGedichte auf sein edles und hinreissendes Spiel brachten. Doppelt\nehrenwerth für den Künstler und das genfer Publicum ist es, dass\nHerr Köckert diese Erfolge durch den Vortrag der gediegensten\nMusik, wie der Quartette von Beethoven, des Violin-Concertes\nund des Octettes von Mendelssohn, dann mehrerer Stücke von\nVieuxtemps u. s. w. erzielt hat. Gegenwärtig befindet er sich,\nenglischen Blättern nach, in London.\nDer Männergesang-Verein in Wien macht aus dem Be-\nschlüsse (den wir früher erwähnt haben), dem Componisten, dessen\nWerk, gleichgültig, ob gedruckt oder Manuscript, zum ersten Male\nin seinen Goncerten aufgeführt wird, ein Honorar zu bewilligen,\neine Wahrheit, wie das folgende Schreiben zeigt. Möge dieser löb-\nliche Brauch bei allen Gesang-Vereinen eingeführt werden!\n„An Herrn Musik-Director W. Tschirch zu Gera.\n„Freundlichen Sängergruss zuvor! Nach einem Beschlüsse des\nwiener Männergesang-Vereins, „„für die erstmalige Aufführung eines\nmehrstimmigen Gesangstückes für Männerstimmen in einer öffent-\nlichen Production dem Componisten einen Ehrensold zu verabfol-\ngen44 \", sind wir nun in der angenehmen Lage, Sie, hochverehrter\nHerr, zu benachrichtigen, dass wir Ihr schönes Werk: „„Eine\nNacht auf dem Meere44 44, aufgeführt haben und Ihnen einen\nEhrensold von Fünf k. k. Ducaten zuerkennen, welchen wir hier\nzugleich beischliessen und über dessen Empfang wir uns eine Be-\nstätigung erbitten.\n„Wir sprechen den Wunsch aus, dass die vielen Männergesang-\nVereine des grossen deutschen Vaterlandes nach Möglichkeit unser\nBeispiel nachahmen möchten, damit die Herren Componisteh nicht\ngezwungen wären, als Dank für das Vergnügen, das ihre Werke\nsowohl Sängern als Hörern gewähren, nur Worte hinzunehmen.\n„Wien, am 14. April 1856.\n*,Vom Männergesang-Vereine.\n„J. Egge!, Vorstand.64\nDen musicalischen Verehrern der Heine'sehen Poesie bringen\nwir in diesem Augenblicke, wo der Tod des Dichters die Theil-\nnahme Deutschlands für ihn wiederum lebendig macht, die geist-\nvollen Gompositionen seiner Gedichte von Hoven in Erinnerung,\nnamentlich: „Die Heimkehr. Acht und achtzig Gedichte\naus Heine s Reisebildern.4* Wir kennen keinen Componisten,\nwelcher die Aufgabe, Gemüth und Humor zugleich, und oft in\nEinem und demselben Stücke, musicalisch aufzufassen und charak-\nteristisch auszudrücken, mit so viel Talent und ästhetischem Fein-\ngefühl zu lösen vermöchte, als Hoven. Wir haben in der musica-\nlischen Literatur der neueren Zeit, mit Ausnahme einiger Lieder\nvon Reissiger, wenig oder gar nichts, das in dieser Gattung des\nkomischen und humoristischen, ja, sogar des ironischen Ausdrucks\nseinen Producten (Ghamisso's ,jZopf\", „Der Säuferkampf4, „Die\nHeimkehr44 u. s. w.) an die Seite zu setzen wäre.\nAls sehr beachtungswerth werden uns auch die „Musicalischen\nDeclamationen\", d. i. Compositionen, Heine'scher Lieder von\nJoh. Wolf von Ehrenstein (Dresden, bei Meserj genannt, die\nuns jedoch noch nicht zu Gesicht gekommen sind. Herr v. Ehren-\nstein, seit frühester Kindheit erblindet, gehört einer der ersten\nFamilien Dresdens an."}]}