{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-05-10-01", "volume": "bmtnabi_1856-05-10_01", "ocr_sha256": "ff2ce9a0f69a3612fd17d43dd07a1246288e7305308dbc9ab3ed737420ab0ffe", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/05/10_01/bmtnabi_1856-05-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-05-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-05-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-05-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "145", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 486, "texte": "Inhalt.\nLondoner Briefe (Beginn der Season. Ilaliänische Oper von Gye im Lyceum-Theater, Lumley eröffnet Her Majesty's Theaire\nwieder, Concert-Gesellschaften). Von C. A. - Für Gesang (Julius 0. Grimm). Schluss. Von L. Kindscher. Ankündigung einer voll-\nständigen Ausgabe von Händel's Werken. 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Wir haben dieses Mal wieder zwei\nitaliänische Opern, was seit einigen Jahren nicht der Fall\nwar, daneben die alte und die neue philharmonische Gesell-\nschaft, die Scicred Harmonie Society, die Musical Union, die\nAmateur Society u. s. w. Mr. Hullah's Orchester-Concerte\nhaben mit dem sechsten am Montag den 21. April ge-\nschlossen ; sein Unternehmen ist von Erfolg gewesen und\nwird gewiss in die feststehende Reihe der musicalischen\nUnterhaltungen treten, zumal da es eine Lücke in der Zeit\nausfüllt (Februar, März, April), wo die Musik-Institute von\nAlt-England noch nicht zu öffnen pflegen.\nHerr Gye musste nach dem Brande von Coventgarden\nmit seiner Oper nach dem Lyceum wandern, das er sehr\nbequem und geschmackvoll hat einrichten lassen. Aber frei-\nlich fehlt es an Raum, und der beinahe gänzliche Mangel\neines Parterres wird sogar von manchen Sängern, nicht\nbloss Zuschauern, übel empfunden, weil sie ihre guten\nFreunde mit harthäutigen Händen nicht placiren können.\nDie Akustik ist auch keineswegs vorzüglich. Eröffnet wurde\n(am 15. v. Mts.) mit dem Trovatore von Verdi. Bisher\nhatte Bossini stets diese Ehre; die Kunst hat bei dem Tau-\nsche wahrlich nicht gewonnen. Die Königin und Prinz Al-\nbert waren zugegen, und das Lyceum-Theater hat sich\nwohl nie eine so glänzende Versammlung träumen lassen.\nCosta, welcher dirigirt, wurde ehrenvoll empfangen. Das\nGod save tlie Queen sangen Jenny Ney, die Maray und\nForme». Ausser den genannten Künstlern zählt die Ge-\nsellschaft zu ihren Mitgliedern die Damen Bosio, Nan-\ntier Didiee (Alt oder Mezzo-Sopran), Grisi, die Herren\nMario, T a m berl i k, G ar d o n i, Gr a z i a n i, L ab 1 a c h e,\nRonconi, Tagliafico. Man muss gestehen, das vornehme\nlondoner Publicum hat eine rührende Anhänglichkeit an\ndas Alte; ohne diese dürfte es schwer sein, sich durch die\nhistorischen Erinnerungen aus dem Leben der Grisi, Ma-\nrio's und Ronconi's enthusiastisch befriedigt zu zeigen. Die\nGrisi ist natürlich wieder in der Norma aufgetreten. Or-\nchester und Chor sind gut.\nGegen diese Phalanx, welche die Veteranen der Kunst\nund der Gunst vereinigt, wird es der zweiten Unternehmung\nschwer fallen, anzukämpfen und durchzukommen. An ihrer\nSpitze steht kein Anderer als Herr Lumley. Freilich hat\ner HerMajesty's Theatre mit allen Traditionen dieser Opern-\nbühne lür sich; aber man hat auch die Traditionen des\nHerrn Lumley und seiner Geschäftsführung nicht vergessen,\nund so wird es darauf ankommen, ob er im Stande ist,\ndas Misstrauen zu bewältigen, das Künstler und Publicum\ngegen ihn theilen. Um das Innere des Musentempels pracht-\nvoll herzustellen, sind ein paar Hundert Arbeiter seit sechs\nWochen beschäftigt, und gegen die Gye'sche Phalanx sucht\nLumley, was noch von seiner alten Garde kampffähig ist,\num sich zu scharen, z. B. die Alboni und Am ad ei, den\nTenor Calzolari, den Bass Belletti, die Tänzerin\nRosati.\nAber auch an neuen und blendenden Fahnenträgerin-\nnen lässt er es nicht fehlen. Dahin gehört zuerst Ma-\nrietta Piccolomini, die gepriesene jugendliche Trium-\nphatorin des letzten Carnevals in Italien, zwanzig Jahre alt,\nSprössling des uralt berühmten Hauses der Piccolomini,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5068, "texte": "„ welches Karl der Grosse nach Gallien verpflanzte, das\naber, nach Italien zurückgepflanzt, der Welt zwei Päpste,\nmehrere Cardinäle, Bischöfe, Marschälle, Geschichtschreiber\nu. s. w. gegeben\"*) (ja, wie man sagt, zwei Dichter oben-\nein, den Octavio und Max, die zusammen das Wallenstein'-\nsche Drama „Friedrich von Schiller\" geschrieben haben).\nDiese junge Fürstin hat Rang, Familie, Verhältnisse, Reich-\nthum, Alles aufgeopfert, um dem unwiderstehlichen Drange\nzur Kunst zu folgen, und ist mit Genehmigung des Pap-\nstes— Bühnensängerin geworden. Und so „wie ihr Vor-\nlahr, Papst Pius 11., im Jahre 1464 den Sultan Mahomet\n11. zu bekehren strebte\", so wird sie im Jahre 1856 das-\nselbe versuchen, wenn Abdul Medjid nach London\nkommen sollte, was bei den freundschaftlichen Verhältnis-\nsen zwischen Lurnley und Lord Stratford de Redcliffe gar\nnicht unwahrscheinlich ist. Hören wir nur noch die in-\nteressante historische Parallele, welche der unter dem\nlexte genannte Biograph folgender Maassen zieht: „Nach\nihrem Auftreten in Siennä, ihrem Geburtsorte, wurde sie\nim Triumphe mit Fackelzug und Musik nach ihrer Woh-\nnung geführt. Wunderbares Spiel des Schicksals! Im\nJahre 1459 wurde der Papst Pius 11. Piccolomini aus\nder Kirche nach seinem Palaste von dem begeisterten\nVolke begleitet, das die Spuren seiner Sandalen küsste.\nUnd vier Jahrhunderte später sahen wir die Ur-Ur-Gross-\nniciite desselben von zahlloser Menge, die von allen Seiten\nItaliens herbeigeströmt war, sie zu hören, über denselben\nPlatz geleitet nach ihrer Wohnung. Der Eine kam aus dem\nDome, die Ande.e aus dem Theater; sie schritten über den-\nselben Platz unter derselben feierlichen Begeisterung, der\nLine gekrönt mit der Tiara, die Andere mit goldenen Lor-\nbern und als die Ristori des Gesanges ausseru-\nD o\nlen; wie der Hohepriester Ablass ertheilte, so warf sie\nihr Taschentuch von Spitzen der Menge hin,\num dessen Slü c k e sich die Bewunderer ris-\nsen.\"— Ist das nicht echt italienisch?\nNeben dieser fürstlichen Sängerin werden noch meh-\nrere Damen (Albertini, Rizza u. s. w.) und Herren\n(S a 1 v i a n i, Ii e a u c a rd e, M ar i a ni, F or t i n i, Z uc c o n i\nu. s. w.) aufgeführt. Wie! und keine deutsche Sängerin?\neine Oper im heutigen London ohne Deutsche? Das geht\nnicht an. Halt, halt! Lumley kennt seine Leute. Darum\naufgeschaut! Obenan auf dem Programme Ehre der deut-\nschen fiunst steht Johanna Wagner. Wie! Johanna\nWagner? dieselbe, die vor drei Jahren den berühmten Pro-\ncess hier in London veranlasste? die hier unmöglich ist?\n*) Colonel S. Cojombari in L'lllustration, Journal UniverseL\nDieselbe! Sie wird (jedoch erst Anfangs Juni) in den Capuletti\nund Montecchi auftreten, und „Vor Romeo's Rächerarme\"\nwerden die Cabalen zerstieben davor ist mir gar nicht\nbange. Schon fragt man sich, wer alsdann die Fides singen\nwerde, Alboni oder Johanna? God dam! that is ihe ques-\ntion. Wer aber, abgesehen vom Gesänge, die umfangreiche\nAlboni als noch mehr Propheten drohende Mutterfigur mit\nder edlen, heroischen Gestalt der Wagner vergleicht, der\nwird schwerlich im Zweifel sein. Indess, was ist in England\nbei der italianisirten haute volee nicht möglich? Ist doch die\nAlboni sogar als Cherubino in Figaro's Hochzeit angekün-\ndigt ! Schade, dass die Oper nicht auf Deutsch gesungen\nwird, sonst miisste Susanna, wenn sie ihm das Häubchen\naufsetzt, singen:\n„Wenn den die Mädchen lieben,\nSo sind sie schrecklich dumm!\"\nDoch gehen wir zur Concert-Musik über, zumal, da\nwir erst sehen und hören müssen, was uns Lumley bringt.\nAm 10. Mai, in der Pfingstnacht, will er mit\neröffnen.\nDie „philharmonische Gesellschaft\" hat am 14. April\ndas erste Concert ihrer dreiundvierzigsten Season gegeben.\nSterndale Bennet ist durch diejenige Partei in und\nausser der Direction, welche das for\ntalenl! auf ihrem Banner führt, dieses Jahr zum Dirigenten\ngewählt worden. Bei der Gelegenheit sind allerlei Curiosa,\ndie Dirigenten-Wahl früherer Jahre betreffend, zum Vor-\nschein gekommen, unter Anderem auch, dass Richard Wag-\nner seine Berufung bei grosser Verlegenheit der Direction\n(welche freilich hauptsächlich aus persönlichen An- und\nRücksichten entstanden war) nur der zufälligen Empfehlung\nseines Namens durch den Violinisten Sainton verdankte und\n„der Gesellschaft nahe an 60 Pf. St. (400 Thlr.) allein\nlür Reise-Ausgaben kostete\". Nun frohlockt die stock-eng-\nlische Partei. Sic transit gloria Costae, gloria Wagnerii\nelc. Und der arme Wagner muss noch gar die Schuld der\nin der Fhat mittelmässigen Aufführungen im diesjährigen\nersten Concerle tragen ; denn „er hat das Orchester demo-\nralisirt!\" Allein trotz alles Schreiens: „Es gibt nur Eine\nPhilharmonie, und Bennett ist ihr Prophet!\" hat man\ndoch eingesehen, dass Herr Bennett als Dirigent noch viel\nlernen muss, zumal da dem diesjährigen Orchester manche\nder tüchtigsten Künstler fehlen, vor Allen die vortrefflichen\nAnlübrer Sainton und Blagrowe an der ersten Violine.\nMacfarren's Ouvertüre zu Don Carlos gab einen schla-\ngenden Vergieichungs-Anhalt; man hatte sie kurz vorher\nin St. Martin's Hall (Mr. Hullah) bei Weitem besser ausge-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5045, "texte": "führt gehört; hier machte sie gar keine Wirkung. Ausser-\ndem wurde Mendelssohn's e und Beet-\nhoven's gegeben. Clara Novello sang,\nClara Schumann spielte. Davon nachher.\nUm gerecht zu sein, müssen wir hinzulügen, dass die\nAuslührung der Orchesterstücke im zweiten Goncerte\n{Montag, den 28. April) besser ausfiel. Es war mehr Zu-\nsammenspiel, mehr Ausdruck im ersten hatte man kaum\nein Piano gehört —, zuweilen sogar mehr Schwung da.\nMan gab Mozart's G-moll- und Beethoven's Pasloral-\nSinfonie, Frau Schumann spielte Mendelssohn's D-\nmo/Z-Concert, Frau V i a r d ot sang mit Form es das Duett\naus Faust von Spohr, das eben nicht vorzüglich ging;\nFormes riss sich durch die Arie des Osmin glänzend em-\npor, Frau Viardot weniger, da sie eine alte Arie von Graun\nmit sehr geschmacklosen Coloraturen vortrug.\nFrau Schumann ist zum ersten Male in London und\nfindet, wie natürlich, grosse Anerkennung, die sich jedoch\nkeineswegs überall zum Enthusiasmus steigert. Sie trat im\nersten philharmonischen Concerte mit Becthoven's\nConcert auf und spielte im zweiten Theile die 1 7\ntions serieuses von Mendelssohn. Dann trug sie in Ella's\nMusical Union am folgenden Tage Beethoven's Sonate in\nD-moll, Op. 29, die Phantasie „Abends\" von B. Schu-\nmann, Op. 1 2, und zwei Lieder ohne Worte von Mendels-\nsohn vor; im zweiten philharmonischen Concerte, wie gesagt,\ndas D-moll-Coucert von Mendelssohn. Im ersten Concerte\nerhielt sie warmen und stürmischen Beifall; auch die Kritik\nstellte die geniale Frau allgemein unter die Pianisten ersten\nRanges. Nach den folgenden Leistungen fehlte es jedoch\nnicht an einzelnen und in der That sehr richtigen Bemer-\nkungen, welche, wiewohl auf zarte Weise, Uebertreibung\nder Tempi und des leidenschaftlichen Ausdruckes rügten,\nund ihr zwar eine eigenthümliche Auffassung zugestanden,\ndie jedoch schwerlich überall zu rechtfertigen sein dürfte.\nIn der D-moll-Soiiale nahm sie den letzten Satz furchtbar\nschnell, und das Presto in C (Lieder ohne Worte, Nr. 4,\nHeft 6) wurde zum Prestissimo. Die Versammlung war\nkeineswegs entzückt; zwar sagt M „\nes thut uns leid lür die Versammlung.\" Aber ein anderes\nBlatt (The Athenaeum)meint: „ Es würde kaum einen Zweck\nhaben, auf der Stufe der Laufbahn, wo Frau Schumann\njetzt steht, Ausstellungen zu begründen, welche bei einigen\nihrer Vorträge gemacht werden könnten, d. h. mehr zu\nthun, als darauf hinzuweisen, dass eine gewisse Stimmung\noder Laune zuweilen bei der Ausführung vorwaltet, wel-\ncher die Deutlichkeit geopfert wird, um leidenschaftlich zu\nwerden*). Die Leidenschaft, wenn sie durch die Darstel-\nlung erreicht werden soll, ist Sache der Natur und Wirk-\nlichkeit, nicht der Verzerrung (grimace) und Coquetterie.\nUebrigens stellt dasselbe Blatt Frau Schumann „im Vor-\ntrage classischer Musik höher als alle Clavierspielerinn en,\ndie man bis jetzt in England gehört\" -—und nennt sie „eine\nKünstlerin, welche eben so gut bezaubern als die Intelligenz\nbefriedigen könne, und die überall eine herzliche Aufnahme\nfinden werde, selbst wenn die bekannten Umstände ihr\nnicht die Sympathieen in aussergewöhnlichem Grade ge-\nwinnen müssten.\"— Im zweiten philharmonischen Concerte\ntrug sie das Adagio des D-moll-Cvortrefflich vor;\nder letzte Satz konnte jedoch keineswegs befriedigen. Sogar\nder Berichterstatter der Musical der sich selbst lür\n„einen unbegränzten Bewunderer\" der Frau Schumann\nerklärt, sagt: „Sie war nervös, unruhig und brauchte das\nPedal fast von Anfang bis Ende.\" Er setzt hinzu: „Sie\nweiss selbst gewiss ganz wohl, dass sie diesen letzten Satz\nnicht den vierten Theil so gut spielte, als sie ihn spielen\nkann.\"—Ob er in dieser Voraussetzung Recht habe, wage\nich nicht, zu behaupten.\nDie Concerte der „ neuen philharmonischen Gesellschaft\"\nleitet Benedict mit bekanntem Directions-Talente. Das\nzweite (dem ersten konnte ich nicht beiwohnen) brachte\nzwei Neuigkeiten, die Sinfonie Nr. 2 in Es von Gounod\nund eine Hamlet-Ouverture von G. A. Macfarren. Gou-\nnod's Sinfonie, welche in Paris in gutem Rufe stehen soll,\nist ein sehr achtungswerthes Werk; es leidet aber, wie fast\nalles Neue heutzutage, am Mangel von Originalität. Dennoch\nist es tausend Mal besser, wenn ein Componist die Bahn\nder classischen Heroen betritt, sollte er auch dadurch ver-\nleitet werden, an den ersten Satz der Eroica auffallend zu\nerinnern, wie hier geschieht, als wenn er aus Sucht nach\nNeuem und Unerhörtem auf die dürre Haide der Specu-\nlation geräth. Die Sinfonie gehört sicher zu den besten\nmusicalischen Erzeugnissen der Gegenwart. Macfarren's\nOuvertüre steht hoch über der anderen zu Don Carlos.\nDieser Hamlet-Prolog ist eine Composition voll Geist und\nKraft; trotz der nicht vorzüglichen Ausführung hatte sie\ndennoch grossen Erfolg. Vortreffliche Leistungen waren\nSainton's Vortrag des Spohr'schen Violin-Concertes in\n\n*) Das scheint die Bemerkungen A. in diesen Blät-\ntern über das jetzige Spiel der Frau Schumann zu bestäti-\ngen. Auch in Wien ist es, wie wir hören, einer scharfen\nKritik unterworfen worden, die uns aber bis jetzt noch nicht\nzu Gesicht gekommen ist.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1507, "texte": "E-moll und John Barnett's Clavierspiel in dem wunder-\nschönen G-dur-Concerte von Beethoven.\nDie Amateur Society veranstaltet ebenfalls sehr be-\nsuchte Concerte, welche Henry Leslie, der auch als\nComponist einen Ruf hat, dirigirt. Der Kryslall Palast bleibt\nauch nicht stumm; dort macht eine schwedische Nachtigall,\ndiesmal aber auf der Flöte, Cleopatra Tornborg, Aufsehen.\nVon Sängerinnen sind Clara Novello und Miss\nS her rington am meisten in Anspruch genommen. Frau\nLind-Goldsehmidt soll lür die alt-philharmonischen\nConcerte zugesagt haben. Gegenwärtig bereis't sie die Pro-\nvinz und spendet von ihren reichen Einnahmen fast überall\neinen Theil zu wohlthäligen Zwecken. Frau Rudersdorf\ngab vorige Woche ein Morgen-Concert im dem prächtigen\nConcertsaale des Palastes des Marquis von Breadalbane,\nunter dem Patronate von drei Herzoginnen, zwei Marquisin-\nnen, zwei Gräfinnen und anderen Personen von Rang. Die\nZuhörerschaft war eine der glänzendsten, die man sehen\nkann; die Equipagen lullten den ganzen Square. Miss Dolby,\nBenedict, Sainton, Pisoni, Reichardt unterstützten die deut-\nsche Sängerin, welche eine höchst geachtete Stellung in\nder hiesigen fashionablen Welt einnimmt.\nCosta's Oratorium „Eli\" wurde ebenfalls in voriger\nWoche zum vierten Male in Exeter Hall gegeben. Es\nwurde im Ganzen besser aufgeführt als die drei ersten Male,\nder Saal war auch gefüllter und die Theilnahme des Publi-\ncums lebendiger. Aber auch welch ein Solisten-Quartett!\nNovello, Viardot, Sims Reeves und Formes!\n\nC. A."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-05-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-05-10_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-05-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "148", "page_fin": "150", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.2.3", "titre_corps": "Für Gesang.", "titre_sommaire": "Für Gesang.", "signature_source": "Louis Kindscher", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.4", "debut_caractere": 1509, "fin_caractere_exclue": 4692, "texte": "Für Gesang.\n\n(Schluss. S. Nr. 18.)\nJulius 0. Grimm, Sechs Lieder für eine Sing-\nstimme mit Pianoforte-Begfeitung Op. 1. Leipzig,\nBreitkopf & Härtel. Preis 25 Ngr.\nWenn der Componist mit seinen beiden Vorgängern\ndas gemein hat, dass sein Streben gleichfalls nach Gemüths-\nAusdruck in Melodie wie Begleitung gerichtet ist; wenn er\nauch, wie diese Vorgenannten, manchen glücklichen Wurf\ndarin gethan hat, so unterscheidet sich doch sein Opus 1,\nsein Ausgang darin, dass hier ein ungleich weiterer geisti-\nger Vorsprung vorhanden ist, welcher von einer regen\nPhantasie, so wie von einer glücklichen Begabung für mu-\nsicalische Poesie zeugt, dass unverkennbar eine gewisse\nKraft sich darthut, von deren künftiger Entwicklung sich\nschon wirkliche Kunstleistungen vorausahnen lassen, Nr, 1:\n„In der Mondnacht.\" Der zarte Gefühls-Ausdruck des Ge-\ndichtes ist in der Composition wiedergegeben. Nr. 2:\n„Ach, es sitzt mein Lieb und weint.\" In A-dur, 4.4, be-\nginnt das Vorspiel (drei Tacte) und auf „Lieb\" wendet sich\ndie Tonart in A-moll,jedoch zu unerwartet, wesshalb die-\nser conlrastirende, den Schmerz malende Gefühls-Ausdruck\nder Moll-Tonart schon auf dem vorletzten Viertel des Vor-\nspiels eine geeignete Stellung gefunden haben würde. Trö-\nstender scheint das Dur bei den Worten: „Weine nicht.\"\nAm Ende des zweiten Tactes der Singstimme befindet sich\nin der unteren Triolen-Bealeitung ein etwas störender\nQuerstand zwischen den Tönen f und fis, dessen Hebung\ndurch fhier auch zugleich einen besseren Effect gemacht\nhaben würde. In der dritten Notenzeile ist unten eine\nscheinbar fehlerhafte Quinten-Parallele vermieden, oben\nist eine wirkliche stehen geblieben. Mag diese Sache\nvon Manchen als eine Kleinigkeit, als kein Fehler angesehen\nwerden, die Kritik darf darum auch hier nichts Derartiges\nverschweigen. Im zweiten Verse hat bei folgender Stelle:\nder declamatorische Wort-Accent auf „dein\" dem folgen-\nden Worte Schaden gethan; denn „Auge\" ist nicht\nsondern -y wiederzugeben. Nr. 3: „An Sie.\" Ein musi-\ncalisches Genrebild: Welle und Weide in Sympathie und\nZwiegespräch. Das leise Rauschen malt die Sechszehntheil-\nBegleitung der Unterstimme in der rechten Hand. Etwas\nquerständig erscheint wieder S. 10 die erste Zeile. Nr.\n4: „Er ging dahin\", Lento, 2/4.Die über die un-\nteren Sechszehntheile gestellten stetigen Viertel der rech-\nten Hand wollen sich scheinbar fast als fallende Thränen-\ntropfen aufführen. Eine solche rein plastische Richtung\nnimmt nun auch insbesondere die Begleitung der beiden\nSchlussnummern, und es hat einen starken Anschein, dass\nsich dieselbe auf Unkosten der Melodie, theils durch instru-\nmentale Figuren, theils durch übermässigen harmonischen\nAulwand, erheben wolle, vergleichbar jener Manier in der\nMalerei, wo z. B. bei einem Eichenstamme die Farben so\ndick aufgetragen werden, dass die Baumrinde mit ihren\nNarben nun völlig plastisch, hervorstehend, erscheint.\nWenn dieses aber Sache der wirklichen Plastik ist, so soll\ndoch dagegen die Malerei hübsch auf ihrer ebenen Fläche,\njede Kunst überhaupt auch in ihren Gränzen verbleiben.\nDie nothwendige Folge hiervon aber im Allgemeinen ist,\ndass die Melodie, welche doch die Alleinherrschaft im Liede"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3816, "texte": "hat und haben soll, mehr in Schatten zurücktreten muss,\nje mehr die Begleitung sich vorzudrängen und egoistisch\nins Licht zu stellen strebt. Nr. 5: „Gondoliera\", hat\neinige gut gelungene, wirklich originelle Stellen. Die fast\nstetig in beiden Händen abwechselnde, aus vier Tönen be-\nstehende Achtelfigur wirkt ganz dramatisch, und soll die\nSituation die Scene in einer von den bewegten Meeres-\nwellen schaukelnden Gondel versinnlichen helfen. Stellt man\nhierzu noch die vielen Sprünge im Bass, so dürfte einem\nSänger hier die Selbstbegleitung auf dem Ciavier zu schwer,\nvielleicht unmöglich werden, wie auch schon in Nr. 3 die\nVerbindung der Achtel-Triolen der Singstimme mit den\nvier Sechszehntheilen des Accompagnements. Nr. 6:\n„Hast du denn ganz vergessen\", steht dem Ausdrucke\nnach auf derselben Höhe, wie die vorhergehende. Zwei\nsich wiederholende Accorde deuten in der Begleitung schon\nvorläufig die Frage an, wiederholen sich im Laufe des\nLiedes, wie noch am wirklichen Schlüsse, und bilden somit\neine Art Refrain, der von besonderer Wirkung ist. So fin-\nden sich auch noch verschiedene so genannte Effect-Stellen,\nderen Wirksamkeit mehr auf dramatischem als lyrischem\nBoden beruht. Ein Beispiel von so grellem Lichte und\ndunklem Schlagschatten: „Das Herz ist nicht zerprungen,—\nJulius 0. Grimm, Sechs Lieder für eine Sing-\nstimme mit Pianoforte-Begleitung. Op. 3. Leipzig,\nBreilkopf & Härtel. Preis 20 Ngr.\nDer Componist fährt fort, wo er stehen geblieben, und\ngibt hier im Anfange wieder ein paar eigentliche musicali-\nsche Gemälde oder vielmehr Gemülhs-Reflexe, die aus dem\nmächtigen Eindrucke der Meeresgrösse und aus deren Wir-\nkung hervorgegangen sind. Gleich die erste Nummer:\n„Erste Meerfahrt\", ist stark bewegt gehalten. —Aber wie-\nder fast gänzlich plastisch ist Nr. 2: „ Meeresabend\", bei\nden Anfangsworlen: „Sie hat den ganzen Tag getobt, als\nwie in Zorn und Pein\", wo die Harmonie nicht nur in\neigenthümlicher Folge, nämlich in lauter das Gelühl nicht\nzur Ruhe kommen lassenden Dissonanzen, sondern noch\ndazu in reicher Fülle auftritt, fast wie in Stahl und Eisen\ngerüstet, um durch alle diese Mittel ein Bild von des wil-\nden umheimlichen Kämpens Wuth, die nun endlich besänf-\ntigt, geben zu wollen. Um mit Rückert zu reden, wäre das\ndaher auch so ein „gepanzertes Sonett\" (musicalisches) zu\nnennen, wo die innewohnende Fülle der Mimik die Musik\nwiederum ganz auf den vorhin erwähnten dramatischen\nStandpunkt drängt. Neu ist dieser Schritt von Lyrik zu\nDramatik, der die moderne Lieder-Composition vorzugs-\nweise kennzeichnet, übrigens nicht; er ist auch in anderen\nKünsten— wie der Rabbi in Uriel Acosta sagt schon da\ngewesen. Zu erwähnen die bekannten Meister in der bil-\ndenden Kunst: Chodowiecki und Ramberg, von denen der\nerste den Ausdruck mehr in der Gesichts-Miene (Empfin-\ndung, Lyrik), der andere dagegen mehr in der Situation, in\nder äusseren Staffage und Umgebung wiederzugeben, wie\nzu erreichen suchte (dramatisches Element). Soll nun auch\nim Allgemeinen das Drängen nach solchen haarscharfen\nUmrissen der Charakteristik nicht hiermit unbedingt geta-\ndelt oder geradezu verworfen werden, so ist doch wenig-\nstens jetzt die Verwarnung an der Zeit, des Guten hier\nnicht zu viel zu thun und NB. das Kind (die Melodie) nicht\nmit dem Bade auszuschütten. Nr. 3: „Gebet auf dem\nWasser.\" Die „grosse Idee\" des kurzen Gedichtes war\nhier besonders geeignet, den Verfasser geistig anzuregen\nund zugleich eine der vorzüglicheren Compositionen in die-\nser Sammlung zu begründen. Leider macht einmal wieder\neine falsche Pause einen Ruhepunkt, einen Abschnitt, wo\nim Sinne des Textes noch gar kein solcher vorhanden:\n» 0 ) 0\n' y\n„Mir ist zu Muth, als schliefe der Woge Grimm und Macht,\"\nln Nr. 4: „Heimkehr\", malt sich lebhaft jener freudige\nAffect des Gemüthes beim Wiedersehen einer theuren Hei-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 639, "texte": "mat. Etwas malt wollen dagegen die Worte und resp. de-\nren Wiederholung erscheinen: „Wie immer schön und\nsüss.\" Man könnte dieses Lied als Schluss des das Meer\nund eine Seereise überhaupt schildernden Lieder-Cyklus,\nder letztere gebildet von den drei ersten Nummern, be-\ntrachten.— In Nr. 5: „Wenn droben eine Lerche singt\",\nund Nr. 6: „Abschiedslied\", tritt wieder die Melodie in\nguter gewohnterWeise, mit Einem Worte: selbstständiger,\nauf, da ihr Begleiter für diesmal so galant ist, ihr den\nVortritt zu gönnen, der auch ihrer jungfräulichen Schön-\nheit, überhaupt ihrer edeln Weiblichkeit, zukommt und\ngebührt.\nCöthen.\n\nLouis Kindscher."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-05-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-05-10_01#c006", "volume": "bmtnabi_1856-05-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "151", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.2.4", "titre_corps": "Ankündigung einer vollständigen Ausgabe von Händel’s Werken.", "titre_sommaire": "Ankündigung einer vollständigen Ausgabe von Händel’s Werken.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.6", "debut_caractere": 641, "fin_caractere_exclue": 6267, "texte": "Ankündigung einer vollständigen Ausgabe\nvon Händel’s Werken.\nIm Jahre 1859 (am 14. April) kehrt der Tag wieder, an dem\nvor hundert Jahren Georg Fr. Händel verschied. In der Stadt\nHalle werden die Vorbereitungen getroffen, dem grossen Tonkünst-\nler, der dort 1685 geboren ist, ein Ehren-Denkmal zu errichten;\nund dieses wird voraussichtlich die Anregung geben, dass dieser\nTag in einer grossartigen, des Anlasses würdigen Säcularfeier in\nganz Deutschland begangen werde.\nDer Gedanke zu diesem Ehrenfeste in Händel's Vaterstadt be-\nrührte sich mit einem verwandten Entwürfe, der gleichzeitig in an-\nderen Kreisen angeregt wurde: dem ehrwürdigen Todten noch ein\nzweites, weiteres Denkmal in dem deutschen Volke zu stiften durch\neine vollständige, kritische Muster-Ausgabe seiner Werke. Es ist\ndies eine Ehrenschuld, welche Deutschland zu entrichten hat, und die\nin dem Jahrhundert seit Händel's Tode ausstehen geblieben ist.\nInnere und äussere Verhältnisse haben in Händel's Jugendzeit\nzusammengewirkt, ihn seinem Vaterlande zu entführen. Sein Bil-\ndungsdrang trieb ihn früh in die hohe Musikschule der Zeit, nach\nItalien; dann fesselte ihn Ruhm und Ehre in England, wo er der\nTonkunst eine neue Heimat schuf. Dadurch ist er, dadurch sind\nseine Tonwerke, denen meist nur italiänische und englische Texte\nunterliegen, uns äusserlich entzogen, innerlich für lange entfremdet\nworden; und sie sind es zum guten Theile noch. Die Engländer,\nunter denen er die längste Zeit lebte und wirkte und starb, haben\nihn und seine Kunst unter sich eingebürgert, haben ihm sein Ge-\ndächtnissmal in dem Pantheon ihrer grossen Eingeborenen erhöht\nund haben mehrfach Hand angelegt, seine Werke zu sammeln, die\nsie in ihrer grösseren Zahl handschriftlich besitzen und als ein\nNational-Eigenthum bewahren und verehren.\nGleichwohl gibt es auch in England keine vollendete Sammlung\nvon Händel's Werken. In der vollständigsten Ausgabe (von Arnold)\nsind die italiänischen Werke des Meisters nur sehr spärlich, seine\ndeutschen Erstlinge aus Halle und Hamburg, die seinen Zusam-\nmenhang mit der deutschen Musik zur Anschauung bringen, gar\nnicht vertreten; in allem Mitgetheilten ist die Partitur sehr fern\nvon Correctheit, und der Text nicht selten ganz unverständlich. Die\nneu begonnene Ausgabe der Händel-Gesellschaft sucht grösseren\nAnforderungen zu entsprechen. Aber sie zieht sich langsam hin;\nund würde sie einst vollendet, so bestände sie nur in einer ge-\nschlossenen Anzahl von Exemplaren. Für alle weiteren Kreise in\nDeutschland bliebe sie immer unbrauchbar, schon aus Mangel eines\ndeutschen Textes.\nWas von Händel's Werken in Deutschland und für Deutschland\nzubereitet ist, bleibt, wie Vieles auch dafür in den letzten Jahr-\nzehenden geschah, immer nur ein dürftiges Stückwerk. Von seinen\nitaliänischen Werken, über deren ästhetischen und geschichtlichen\nWerth Viele absprechen und Keiner ein Urtheil haben kann, ist\nkein einziges in Deutschland bekannt. Von den oratorischen Ton-\nwerken zu englischen Texten gibt es noch immer eine Anzahl, von\nderen blossem Dasein und Namen selbst viele eifrige Musikfreunde\nin Deutschland keine Kunde haben. Unter den öfter aufgeführten,\nin Clavier-Auszügen verbreiteten Stücken dieser Classe sind einige\nder vortrefflichsten gerade, wie Samson und Belsazar, nur ärmliche\nAuszüge, die von dem Ganzen keine Vorstellung geben. In echter\nund voller Gestalt und mit einem angemessenen deutschen Texte\nausgestattet existirt unter uns, kann man sagen, kaum ein einziges\nvon Händel's sämmtlichen Werken.\nSoll Händel jemals unter uns wieder zurückgebürgert werden,\nsollen wir in unserer Kenntniss und Würdigung des Genius, der\nunser ist, nicht hinter den Engländern zurückbleiben, sollen wir\nden Verlust des äusseren Besitzes seiner Werke, deren Handschrif-\nten der grosse Friedrich 11. nach Händel's Tode vergebens zu er-\nwerben trachtete, durch innere Aneignung gut machen, so ist es\nunbestreitbar das dringendste Bedürfniss, dass eine vollständige, hi-\nstorisch kritische Ausgabe dieser Werke von Deutschen für Deutsch-\nland besorgt werde.\nDiese Aufgabe anzugreifen, haben sich auf den Anlass der be-\nvorstehenden Säcularfeier, auf Anregung und unter der hohen Pro-\ntection und Förderung Sr. K. Hoheit des kunstsinnigen Hersogs\nvon Sachsen-Coburg-Gotha Männer aus allen Theilen Deutschlands\nzu einem Ausschusse vereinigt, der sich in seiner Gesammtheit\nverpflichtet, dieser Unternehmung überall die möglichst grosse Un-\nterstützung zu leihen und Theilnahme zu gewinnen, und aus dessen\nMitte demnächst ein engeres Directorium von fünf Mitgliedern wird\nausgeschieden werden, dem die Leitung und Ausführung der Aus-\ngabe obliegen soll*).\nZu einem Monumente für den Tonkünstler bestimmt, sollte\ndiese Ausgabe, so viel es möglich ist, zugleich ein Denkmal deut-\nscher Sorgfalt und Gründlichkeit werden. Sie soll die Partituren\nnach der genauesten Vergleichung der Original-Handschriften und\nder vorhandenen Abschriften und alten Drucke in möglichst reiner\nGestalt herstellen. Zur Beförderung der allgemeinsten Nutzbarkeit\nund Verbreitung sollen ihnen bei den Gesangwerken Ciavier-Aus-\nzüge beigegeben werden. Den ursprünglich englischen und italiäni-\n\n*) Die Namen der Mitglieder des Ausschusses werden wir später\nmittheilen. Es kann aber, unserer Meinung nach, das Ver-\ntrauen in die Unternehmung nur steigern, wenn wir schon\njetzt veröffentlichen, dass zur Bildung des Directoriums die\nHerren Hauptmann, Dehn und Chrysander in Leipzig\nund Berlin (als eigentlich musicalische Direction), Gervinus\nin Heidelberg und Breitkopf & Härtel in Leipzig von\nden Anregern des Unternehmens vorgeschlagen worden sind.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3408, "texte": "sehen Texten soll eine sorgfältig gearbeitete deutsche Uebersctzung\nhinzugefügt sein. Zweckmässige sachliche und bibliographische Ein-\nleitungen und Bemerkungen in möglichster Kürze und Vollständig-\nkeit sollen jedem einzelnen Werke vorausgehen. Sämmtliche Werke,\ndie sich in die drei Gassen von Opern, Oratorien und Hymnen,\nKammer- und Instrumental-Werken abtheilen, werden innerhalb\ndieser Abtheilungen in chronologischer Folge geordnet werden,\nohne dass darum bei Bearbeitung und Erscheinung der einzelnen\nWerke eben diese Ordnung eingehalten werden müsste. Was dem\nBedürfnisse und allgemeineren Interesse näher liegt, was bedeutend,\nwas neu und unbekannt ist, mag für die ersten Erscheinungen im-\nmerhin bevorzugt werden, wenn nur jedem einzelnen Bande die\nbestimmte Stelle angewiesen ist, in die er sich in dem Ganzen\neinreiht. Um zugleich der Mannigfaltigkeit zu dienen, und um die\nVollendung der Ausgabe nicht ins Unabsehbare zu verschleppen,\nsollen jährlich drei Bände, Einer aus jeder der drei Abtheilungen,\nerscheinen, nnter denen die Opern auf 20, die oratorischen Werke\nauf 28, die Instrumentalwerke und übrigen Gesangstücke auf 12\nBände überschlagen sind.\nDruck und Vertrieb haben die Herren Breitkopf und Härtel in\nLeipzig übernommen. Ein fester Preis des Ganzen wie der einzel-\nnen Bände lässt sich im Voraus nicht feststellen, da die Ausgabe,\nwie die der Bach'schen Werke, nicht eine Sache buchhändlerischer,\nsondern gesellschaftlicher Unternehmung sein soll. Je nach der zu-\nnehmenden Zahl der Unterzeichner wird sich der Preis vermindern.\nFindet die Ausgabe der Werke von Händel dieselbe Theilnahme,\nwie die der Bach'schen Werke, so würde der Aufwand für den\nBand durchschnittlich fünf Thaler nicht übersteigen.\nMöchte denn dieser vaterländischen Unternehmung bei allen\nBeschützern. Pflegern und Ausübern der Kunst die Unterstützung\nzu Theil werden, die ihre Ausrührung möglich macht! Wir zwei-\nfeln nicht, dass die deutsche Nation, die noch keinem ihrer grossen\nGeister eine Sammlung seiner Werke versagt hat, die jetzt eben\ndie Ausgabe der Werke von Bach so bereitwillig fördert, den glei-\nchen Eifer auch für Händel's unsterbliche Tonstücke einsetzen\nwerde, des Zweiten in diesem gleichaltrigen Meisterpaare, deren\nNamen so oft mit Ehrfurcht neben einander genannt werden.\nAuf eines der einfachsten und natürlichsten Förderungsmittel\ndieses Unternehmens wünschen wir noch besonders hindeuten zu\ndürfen: es wäre die Subseription der vielen grossen und kleinen\nMusik-Vereine in Deutschland auf je Ein Exemplar dieser Werke,\ndessen Betrag (wo nicht andere Wege näher liegen) durch Auffüh-\nrungen, die dem Zuhörer in demselben Augenblicke etwas darbie-\nten von dem, für dessen Förderung er wieder etwas bieten soll,\nbeschafft werden könnte. Und dies zwar ohne irgend eine grosse\nBelästigung, da sich die Vollendung der ganzen Ausgabe auf alle\nFälle durch eine Reihe von Jahren hinziehen muss, auf die sich\ndie aufzuwendenden Mühen und Mittel selbst für kleinere Vereine\nleicht vertheilen würden. Dieser Weg, auf dem die Kunst selber\ndie Kunst fördern würde, verspräche zugleich den sichersten inne-\nren Erfolg dieser Unternehmung, weil er der volkstümlichste Weg\nist, auf dem Händel am unmittelbarsten und lebendigsten in die\nGesammtheit der Nation eindringen und am schnellsten und gewis-\nsesten jener grossen Volksgunst, die er in England voraus hat,\nauch bei uns theilhaftig werden würde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-05-10-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-05-10_01#c007", "volume": "bmtnabi_1856-05-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "151", "page_fin": "152", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.7", "debut_caractere": 3410, "fin_caractere_exclue": 7174, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nWölai. Am 27. April feierte der kölner Männer gesang-\nVer ein sein vierzehnjähriges Stiftungsfest durch ein Abendessen\nim Rheinischen Hofe, welches durch Gesang, humoristische Dich-\ntungen und Toaste die Würze der Heiterkeit erhielt. Vor Allem\nklang das Hoch auf den Dirigenten Franz Weber laut und freu-\ndig durch den Saal. Nach der beim Feste vertheilten Liste zählt\nder Verein ausser dem Dirigenten 111 wirkliche Mitglieder. Die\nReihe der Ehren-Mitglieder, von denen einige in Köln wohnende\nauch als Sänger mitwirken (z. B. Herr M. DuMont-Fi er), um-\nfasst 93 Namen, unter ihnen G. Rossini, der bei der Anwesen-\nheit des Vereins zu Paris im vorigen Jahre mit grosser Freund-\nlichkeit die Ernennung entgegennahm.\nVor einigen Tagen hörten wir in einem Privatkreise die Auf-\nführung einer neuen Composition von Max Bruch, dem Stipen-\ndiaten des frankfurter Mozart-Vereins und Schüler F. lii 1 ler's,\ndie komische Operette „Scherz, List und Rache\" von Göthe. Die\ndrei Gesang-Particen führten Frau Mampe-Babnigg, Herr Mu-\nsik-Director Weber und der Componist selbst aus; HilJer be-\ngleitete am Pianoforte. Diese Arbeit des jungen Tonkünstlers be-\nwährte von Neuem seine ungewöhnlichen musicalischen Anlagen\nund seine grossen Fortschritte unter der trefflichsten Anleitung. Es\nwaren namentlich die Ensemblestücke und vorzugsweise das letzte\nFinale, welche den offenbaren Beruf des fleissigen und bescheide-\nnen jungen Mannes zur Composition bekundeten; die melodische\nFrische und dramatische Lebendigkeit derselben erregten in jedem\nZuhörer freudiges Erstaunen.\nAm 6. d. Mts. gab Herr Alfred Ja eil eine Soiree im Hotel\nDisch, weiche für die gegenwärtige Jahreszeit recht besucht war.\nEr bewährte sieh als einen der ersten Meister in der modernen\nGattung des Clavierspiels, und überall, wo diese ihre Freunde hat,\nmuss er Furore machen. Sein Anschlag ist unübertrefflich; in einer\nvon ihm variirten Melodie Anglaise brachte er eine Kette von Tril-\nlern an, deren vollendete Rundung, Egalität und Nuaneirung nichts\nzu wünschen übrig liess. Auch hätten wir kaum geglaubt, dass es\nder Kraft von zehn Fingern möglich sei, die materielle Massenwir-\nkung des Orchesters am Schlüsse der Tannhäuser-Ouvertüre mit\nso erschreckender Wahrheit auf dem Ciavier wiederzugeben, als\nHerr Jaeli es in einer „Paraphrase aus Lohengrin und Tannhäuser\"\nthat. Den häufigen Gebrauch der Verschiebung der Claviatur auf\nEine Saite müssen wir bei ihm, wie bei Rubinstein, entschieden\nmissbilligen; sie eignet sich nur für gebrochene Accorde und sanf-\nten Gesang im Adagio, alles Uebrige, namentlich Passagen, werden\ndabei zu einer widrigen „Wispelei\". Auch Bedarf der so fein aus-\ngebildete Anschlag des Herrn Jaell dieses äusseren Mittels zur\nNuaneirung keineswegs. Alles, was vorgetragen wurde, gehörte\nmit Ausnahme der G-dur-Sonate mit Violine von Beethoven, Op.\n96, die wie eine keusche Nonne errötheie, weil gezwungen, in eine\nGesellschaft zu treten, wohin sie nicht passt der Compositions-\nManier Thalberg's an, die sich überlebt hat.\nG. fteinthaler ist von seiner Reise nach London wieder\nhier eingetroffen, nachdem er am Himmelfahrtstage, den L Mai,\nauch in dem letzten städtischen Abonnements-Concerte zu Aachen\nden ersten Theil seines Oratoriums „Jephta und seine Tochter\"\ndirigirt hat. Ueber diese Aufführung, zu welcher das Theater in\nder Art, wie sonst bei den Musik festen, eingerichtet war, berichten\nPrivat-Mittheilungen und ein ausführlicher Aufsatz in der Aachener\nZeitung, Nr. 12(3, ausserordentlich vorteilhaft. Die Composition\nhatte auch dort grossen Erfolg. Im ersten Theile des Concertes\nfand eine sehr wirkungsvolle Ausführung der Sinfonie Nr. 8 von\nBeethoven unter der Leitung des Herrn von Turanyi, städti-\nschen Capellmeisters, Statt."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5517, "texte": "** Aus der Eifel. Am Himmelfahrtstage wurde in Kirsch-\nseifen bei Schleiden eine Orgel eingeweiht, welche die Herren\nGebrüder Risch aus Reifferscheid der dortigen evangelischen\nKirche geschenkt haben. Herr Gustav Flügel aus Neuwied\nwar so freundlich gewesen, der Einladung zu folgen, auf derselben\nein Präludium von seiner Composition zum ersten Male zu spielen,\ndas künftig an jedem Himmelfahrtstage ausgeführt werden soll. Am\nAbende desselben Tages hatte der Sing-Verein zu Schleiden ein\nConcert zum Besten der Armen veranstaltet. Für diesen Verein\nhatte der vor acht Jahren verstorbene Herr Karl Pönsgen aus\neigenen Mitteln einen sehr hübschen Concertsaal bauen lassen. Der\ntreffliche Mann, dessen Name einen Ehrenplatz verdient,\nleitete den Verein fast 25 Jahre lang mit unermüdlicher Thätigkeit,\nbrachte unter zahlreicher Betheiligung in regelmässigen Versamm-\nlungen nur classische Musik zur Aufführung und hinterliess dem-\nselben zum allgemeinen Besten einen Flügel und eine ansehnliche\nmusicalische Bibliothek. Gegenwärtig ist sein Sohn, Herr Ferd.\nPönsgen, Mitglied des Vorstandes des Vereins, dessen Uebungen\nHerr Lehrer und Organist H. Fetz leitet. In dem Concerte am 1.\nd. Mts. wurde F. Hill er's „0, weint um sie\" und Chöre aus den\nJahreszeiten, aus Händel's Salomon und aus B. Klein's Jephta ge-\nsungen. Herr G. Flügel trug mehrere Stücke auf dem Pianoforte\n(von Beethoven, Chopin und von seiner eigenen Composition) mit\nbekannter Tüchtigkeit und Kunstfertigkeit vor.\nAm 20. April starb zu München der rühmlich bekannte\nCello-Virtuose Joseph Menter. Derselbe war zu Teisendorf bei\nLandshut am 19. Januar 1808 geboren und siedelte mit seinem\nVater, der in herzoglich leuchtenberg'schen Diensten stand, nach\nEichstädt über. Schon als Knabe zeigte er ungemeine Vorliebe und\nentschiedenes Talent für Musik. Sein Vater liess ihn daher, seiner\nNeigung nachgebend, die Violine lehren. Doch als er in einem\nConcerte ausgezeichnet Cello spielen hörte, entzückte es ihn so sehr,\ndass er die Violine mit diesem Instrumente vertauschte. Menter\nüberflügelte bald alle seine Lehrer, und nachdem er einige Kunst-\nreisen gemacht, folgte er im Jahre 1827 einem ehrenvollen Rufe\nnach Hechingen an die rasch emporblühende Capelle des dortigen\nkunstsinnigen Fürsten. Schon im Jahre 1832 ward er als k. baicri-\nscher Hofmusicus nach München berufen, wo er, einige Kunstrei-\nsen nach der Schweiz, Oesterreich und England abgerechnet, bis\nzu seinem frühen Ende lebte.\nEs bestätigt sich leider, dass der Sänger Staudigl\nder Macht des Irrsinns verfallen ist\nFräul. Kastner und Herr Julius Stock hausen haben hier\nConcerte gegeben. Das Clavierspiel der ersteren hat angesprochen,\nnamentlich durch das Maasshalten und einen feinen, geschmack-\nvollen Vortrag. Ausser dem Capriccio von Mendelssohn und der\ngrossen Sonate in A (mit Violine) von Beethoven bot ihr Programm\nnur sehr leichte Salonwaare. Ueber Herrn Stockhausen sagen\ndie wiener „Blätter für Musik\" u. A.:\n„Zur guten Stunde ist der liebenswürdige Sänger Stockhausen\ngekommen, dem Publicum praktisch zu zeigen, was wir eigentlich\nunter vollendeter Gesangsbildung, edlem, oft idealisch schönem Vor-\ntrage verstehen. Wenn man mit einer Stimme, wie jener Stockhau-\nsen's, die selbst in ihrer ersten Jugendfrische kaum von Bedeutung\ndes Volumens und besonderem Wohlklange gewesen sein mochte,\njetzt aber auch an Sonorität viel eingebüsst hat, einen solchen Zau-\nber auf Herz, Gemüth und Verstand ausüben kann, wie es diesem\nKünstler mit jedem seiner Vorträge unfehlbar gelingt; wenn man\nmit Stimmresten ein Publicum, dem die gigantischen Klänge der\nwälschen Operngäste gewaltig in den Ohren klingen, enthusiasmi-\nren, dasselbe mit einem bescheidenen Liede bei einfacher Clavier-\nBegleitung zum überströmenden Herzensjubel bewegen kann: so\nMuss doch unbedingt eine hohe Kraft vorhanden sein, die den\nMangel an sinnlichem Stimmreize so vollends zu paralysiren ver-\nmag. Und wahrlich! sie ist vorhanden in einer Fülle, die selbst bei\nnoch grösserer Abschwächung der Mittel ihre hinreissende Wir-\nkung nicht verfehlen könnte; es ist eine Kraft, die nie abnehmen\nkann; denn sie ist frei, an keine Materie gebunden, es ist der Geist\ndes echten, tiefen, künstlerischen Empfindens, der sich im vollende-\nten Geschmacke des Vortrags ausspricht. Sein Ansatz, sein Porta-\nmento, dieses wunderbare Tragen, Schwellen und Abrunden des\nTones, seine haarscharfe Intonation, seine Aussprache, Declamation,\nkurz: alles, was man unter Schule und Technik begreift, ist bei\ndiesem Künstler von tadelloser Vollendung.\"\nAm 3. Mai ist der berühmte Componist Adolf Adam in Pa-\nris plötzlich gestorben. Am Abende vorher war er noch um 11\nUhr in der Directorial-Loge der grossen Oper in der muntersten\nStimmung. Er ging darauf mit dem Dichter de St. Georges nach\ndem Theätre lyrique. Nach Hause zurückgekehrt, schrieb er noch\neinen Brief und ein paar Zeilen Noten, welche auf dem Pianoforte\nliegen blieben. Am Morgen um 8 Uhr trat seine Gattin in sein\nSchlafzimmer und fand ihn todt. Der Arzt hat seine Meinung spä-\nter dahin abgegeben, dass A. Adam an einer Herzensergiessung\ngestorben sei, und dass die Vernichtung seiner Lebenskraft so plötz-\nlich gewesen sein müsse, dass er nicht einmal einen Schrei habe\nausstossen können. Adolf Adam war noch nicht volle 53 Jahre alt.\nEr war Officier der Ehrenlegion, Mitglied des Instituts und Pro-\nfessor der Compositionslehre am kaiserlichen Conservatorium. Von\nseinen zahlreichen Opern hat in Deutschland der Postillon von\nLonjumeau das meiste Glück gemacht."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nLondoner Briefe (Beginn der Season. Ilaliänische Oper von Gye im Lyceum-Theater, Lumley eröffnet Her Majesty's Theaire\nwieder, Concert-Gesellschaften). Von C. A. - Für Gesang (Julius 0. Grimm). Schluss. Von L. Kindscher. Ankündigung einer voll-\nständigen Ausgabe von Händel's Werken. Tages- und Unterh alt ungsblatt (Köln, Stiftungsfest des Männergesang-Vereins, Neue\nComposition von Max Bruch, Soiree von Alfred Jaell Aus der Eifcl Joseph Menter | Wien -- Paris, Adolf Adam f).\n\nLondoner Briefe.\n\n[Beginn der Season Italiänische Oper von Gye im\nLyceum -Theater Lumley eröffnet Her M aj es ty s\nTheatre wieder Concert-G esellschaft en Stem-\nel ale Bennelt Clara Schumann 11. Sinfonie von\nGounod Ouvertüren von G. A. Mäcfarren zu Don\nCarlos und zu Hamlet Frau Rudersdorf\nCosta's „Eli\".]\nWir sind nun wieder in der Jahreszeit, wo man sich\nin London sehr wenig um das frische Grün und die vollen\nBlüthen im Freien, desto mehr aber um die Concerte und\nTheater bekümmert. Wir haben dieses Mal wieder zwei\nitaliänische Opern, was seit einigen Jahren nicht der Fall\nwar, daneben die alte und die neue philharmonische Gesell-\nschaft, die Scicred Harmonie Society, die Musical Union, die\nAmateur Society u. s. w. Mr. Hullah's Orchester-Concerte\nhaben mit dem sechsten am Montag den 21. April ge-\nschlossen ; sein Unternehmen ist von Erfolg gewesen und\nwird gewiss in die feststehende Reihe der musicalischen\nUnterhaltungen treten, zumal da es eine Lücke in der Zeit\nausfüllt (Februar, März, April), wo die Musik-Institute von\nAlt-England noch nicht zu öffnen pflegen.\nHerr Gye musste nach dem Brande von Coventgarden\nmit seiner Oper nach dem Lyceum wandern, das er sehr\nbequem und geschmackvoll hat einrichten lassen. Aber frei-\nlich fehlt es an Raum, und der beinahe gänzliche Mangel\neines Parterres wird sogar von manchen Sängern, nicht\nbloss Zuschauern, übel empfunden, weil sie ihre guten\nFreunde mit harthäutigen Händen nicht placiren können.\nDie Akustik ist auch keineswegs vorzüglich. Eröffnet wurde\n(am 15. v. Mts.) mit dem Trovatore von Verdi. Bisher\nhatte Bossini stets diese Ehre; die Kunst hat bei dem Tau-\nsche wahrlich nicht gewonnen. Die Königin und Prinz Al-\nbert waren zugegen, und das Lyceum-Theater hat sich\nwohl nie eine so glänzende Versammlung träumen lassen.\nCosta, welcher dirigirt, wurde ehrenvoll empfangen. Das\nGod save tlie Queen sangen Jenny Ney, die Maray und\nForme». Ausser den genannten Künstlern zählt die Ge-\nsellschaft zu ihren Mitgliedern die Damen Bosio, Nan-\ntier Didiee (Alt oder Mezzo-Sopran), Grisi, die Herren\nMario, T a m berl i k, G ar d o n i, Gr a z i a n i, L ab 1 a c h e,\nRonconi, Tagliafico. Man muss gestehen, das vornehme\nlondoner Publicum hat eine rührende Anhänglichkeit an\ndas Alte; ohne diese dürfte es schwer sein, sich durch die\nhistorischen Erinnerungen aus dem Leben der Grisi, Ma-\nrio's und Ronconi's enthusiastisch befriedigt zu zeigen. Die\nGrisi ist natürlich wieder in der Norma aufgetreten. Or-\nchester und Chor sind gut.\nGegen diese Phalanx, welche die Veteranen der Kunst\nund der Gunst vereinigt, wird es der zweiten Unternehmung\nschwer fallen, anzukämpfen und durchzukommen. An ihrer\nSpitze steht kein Anderer als Herr Lumley. Freilich hat\ner HerMajesty's Theatre mit allen Traditionen dieser Opern-\nbühne lür sich; aber man hat auch die Traditionen des\nHerrn Lumley und seiner Geschäftsführung nicht vergessen,\nund so wird es darauf ankommen, ob er im Stande ist,\ndas Misstrauen zu bewältigen, das Künstler und Publicum\ngegen ihn theilen. Um das Innere des Musentempels pracht-\nvoll herzustellen, sind ein paar Hundert Arbeiter seit sechs\nWochen beschäftigt, und gegen die Gye'sche Phalanx sucht\nLumley, was noch von seiner alten Garde kampffähig ist,\num sich zu scharen, z. B. die Alboni und Am ad ei, den\nTenor Calzolari, den Bass Belletti, die Tänzerin\nRosati.\nAber auch an neuen und blendenden Fahnenträgerin-\nnen lässt er es nicht fehlen. Dahin gehört zuerst Ma-\nrietta Piccolomini, die gepriesene jugendliche Trium-\nphatorin des letzten Carnevals in Italien, zwanzig Jahre alt,\nSprössling des uralt berühmten Hauses der Piccolomini,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.2", "texte": "„ welches Karl der Grosse nach Gallien verpflanzte, das\naber, nach Italien zurückgepflanzt, der Welt zwei Päpste,\nmehrere Cardinäle, Bischöfe, Marschälle, Geschichtschreiber\nu. s. w. gegeben\"*) (ja, wie man sagt, zwei Dichter oben-\nein, den Octavio und Max, die zusammen das Wallenstein'-\nsche Drama „Friedrich von Schiller\" geschrieben haben).\nDiese junge Fürstin hat Rang, Familie, Verhältnisse, Reich-\nthum, Alles aufgeopfert, um dem unwiderstehlichen Drange\nzur Kunst zu folgen, und ist mit Genehmigung des Pap-\nstes— Bühnensängerin geworden. Und so „wie ihr Vor-\nlahr, Papst Pius 11., im Jahre 1464 den Sultan Mahomet\n11. zu bekehren strebte\", so wird sie im Jahre 1856 das-\nselbe versuchen, wenn Abdul Medjid nach London\nkommen sollte, was bei den freundschaftlichen Verhältnis-\nsen zwischen Lurnley und Lord Stratford de Redcliffe gar\nnicht unwahrscheinlich ist. Hören wir nur noch die in-\nteressante historische Parallele, welche der unter dem\nlexte genannte Biograph folgender Maassen zieht: „Nach\nihrem Auftreten in Siennä, ihrem Geburtsorte, wurde sie\nim Triumphe mit Fackelzug und Musik nach ihrer Woh-\nnung geführt. Wunderbares Spiel des Schicksals! Im\nJahre 1459 wurde der Papst Pius 11. Piccolomini aus\nder Kirche nach seinem Palaste von dem begeisterten\nVolke begleitet, das die Spuren seiner Sandalen küsste.\nUnd vier Jahrhunderte später sahen wir die Ur-Ur-Gross-\nniciite desselben von zahlloser Menge, die von allen Seiten\nItaliens herbeigeströmt war, sie zu hören, über denselben\nPlatz geleitet nach ihrer Wohnung. Der Eine kam aus dem\nDome, die Ande.e aus dem Theater; sie schritten über den-\nselben Platz unter derselben feierlichen Begeisterung, der\nLine gekrönt mit der Tiara, die Andere mit goldenen Lor-\nbern und als die Ristori des Gesanges ausseru-\nD o\nlen; wie der Hohepriester Ablass ertheilte, so warf sie\nihr Taschentuch von Spitzen der Menge hin,\num dessen Slü c k e sich die Bewunderer ris-\nsen.\"— Ist das nicht echt italienisch?\nNeben dieser fürstlichen Sängerin werden noch meh-\nrere Damen (Albertini, Rizza u. s. w.) und Herren\n(S a 1 v i a n i, Ii e a u c a rd e, M ar i a ni, F or t i n i, Z uc c o n i\nu. s. w.) aufgeführt. Wie! und keine deutsche Sängerin?\neine Oper im heutigen London ohne Deutsche? Das geht\nnicht an. Halt, halt! Lumley kennt seine Leute. Darum\naufgeschaut! Obenan auf dem Programme Ehre der deut-\nschen fiunst steht Johanna Wagner. Wie! Johanna\nWagner? dieselbe, die vor drei Jahren den berühmten Pro-\ncess hier in London veranlasste? die hier unmöglich ist?\n*) Colonel S. Cojombari in L'lllustration, Journal UniverseL\nDieselbe! Sie wird (jedoch erst Anfangs Juni) in den Capuletti\nund Montecchi auftreten, und „Vor Romeo's Rächerarme\"\nwerden die Cabalen zerstieben davor ist mir gar nicht\nbange. Schon fragt man sich, wer alsdann die Fides singen\nwerde, Alboni oder Johanna? God dam! that is ihe ques-\ntion. Wer aber, abgesehen vom Gesänge, die umfangreiche\nAlboni als noch mehr Propheten drohende Mutterfigur mit\nder edlen, heroischen Gestalt der Wagner vergleicht, der\nwird schwerlich im Zweifel sein. Indess, was ist in England\nbei der italianisirten haute volee nicht möglich? Ist doch die\nAlboni sogar als Cherubino in Figaro's Hochzeit angekün-\ndigt ! Schade, dass die Oper nicht auf Deutsch gesungen\nwird, sonst miisste Susanna, wenn sie ihm das Häubchen\naufsetzt, singen:\n„Wenn den die Mädchen lieben,\nSo sind sie schrecklich dumm!\"\nDoch gehen wir zur Concert-Musik über, zumal, da\nwir erst sehen und hören müssen, was uns Lumley bringt.\nAm 10. Mai, in der Pfingstnacht, will er mit\neröffnen.\nDie „philharmonische Gesellschaft\" hat am 14. April\ndas erste Concert ihrer dreiundvierzigsten Season gegeben.\nSterndale Bennet ist durch diejenige Partei in und\nausser der Direction, welche das for\ntalenl! auf ihrem Banner führt, dieses Jahr zum Dirigenten\ngewählt worden. Bei der Gelegenheit sind allerlei Curiosa,\ndie Dirigenten-Wahl früherer Jahre betreffend, zum Vor-\nschein gekommen, unter Anderem auch, dass Richard Wag-\nner seine Berufung bei grosser Verlegenheit der Direction\n(welche freilich hauptsächlich aus persönlichen An- und\nRücksichten entstanden war) nur der zufälligen Empfehlung\nseines Namens durch den Violinisten Sainton verdankte und\n„der Gesellschaft nahe an 60 Pf. St. (400 Thlr.) allein\nlür Reise-Ausgaben kostete\". Nun frohlockt die stock-eng-\nlische Partei. Sic transit gloria Costae, gloria Wagnerii\nelc. Und der arme Wagner muss noch gar die Schuld der\nin der Fhat mittelmässigen Aufführungen im diesjährigen\nersten Concerle tragen ; denn „er hat das Orchester demo-\nralisirt!\" Allein trotz alles Schreiens: „Es gibt nur Eine\nPhilharmonie, und Bennett ist ihr Prophet!\" hat man\ndoch eingesehen, dass Herr Bennett als Dirigent noch viel\nlernen muss, zumal da dem diesjährigen Orchester manche\nder tüchtigsten Künstler fehlen, vor Allen die vortrefflichen\nAnlübrer Sainton und Blagrowe an der ersten Violine.\nMacfarren's Ouvertüre zu Don Carlos gab einen schla-\ngenden Vergieichungs-Anhalt; man hatte sie kurz vorher\nin St. Martin's Hall (Mr. Hullah) bei Weitem besser ausge-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.3", "texte": "führt gehört; hier machte sie gar keine Wirkung. Ausser-\ndem wurde Mendelssohn's e und Beet-\nhoven's gegeben. Clara Novello sang,\nClara Schumann spielte. Davon nachher.\nUm gerecht zu sein, müssen wir hinzulügen, dass die\nAuslührung der Orchesterstücke im zweiten Goncerte\n{Montag, den 28. April) besser ausfiel. Es war mehr Zu-\nsammenspiel, mehr Ausdruck im ersten hatte man kaum\nein Piano gehört —, zuweilen sogar mehr Schwung da.\nMan gab Mozart's G-moll- und Beethoven's Pasloral-\nSinfonie, Frau Schumann spielte Mendelssohn's D-\nmo/Z-Concert, Frau V i a r d ot sang mit Form es das Duett\naus Faust von Spohr, das eben nicht vorzüglich ging;\nFormes riss sich durch die Arie des Osmin glänzend em-\npor, Frau Viardot weniger, da sie eine alte Arie von Graun\nmit sehr geschmacklosen Coloraturen vortrug.\nFrau Schumann ist zum ersten Male in London und\nfindet, wie natürlich, grosse Anerkennung, die sich jedoch\nkeineswegs überall zum Enthusiasmus steigert. Sie trat im\nersten philharmonischen Concerte mit Becthoven's\nConcert auf und spielte im zweiten Theile die 1 7\ntions serieuses von Mendelssohn. Dann trug sie in Ella's\nMusical Union am folgenden Tage Beethoven's Sonate in\nD-moll, Op. 29, die Phantasie „Abends\" von B. Schu-\nmann, Op. 1 2, und zwei Lieder ohne Worte von Mendels-\nsohn vor; im zweiten philharmonischen Concerte, wie gesagt,\ndas D-moll-Coucert von Mendelssohn. Im ersten Concerte\nerhielt sie warmen und stürmischen Beifall; auch die Kritik\nstellte die geniale Frau allgemein unter die Pianisten ersten\nRanges. Nach den folgenden Leistungen fehlte es jedoch\nnicht an einzelnen und in der That sehr richtigen Bemer-\nkungen, welche, wiewohl auf zarte Weise, Uebertreibung\nder Tempi und des leidenschaftlichen Ausdruckes rügten,\nund ihr zwar eine eigenthümliche Auffassung zugestanden,\ndie jedoch schwerlich überall zu rechtfertigen sein dürfte.\nIn der D-moll-Soiiale nahm sie den letzten Satz furchtbar\nschnell, und das Presto in C (Lieder ohne Worte, Nr. 4,\nHeft 6) wurde zum Prestissimo. Die Versammlung war\nkeineswegs entzückt; zwar sagt M „\nes thut uns leid lür die Versammlung.\" Aber ein anderes\nBlatt (The Athenaeum)meint: „ Es würde kaum einen Zweck\nhaben, auf der Stufe der Laufbahn, wo Frau Schumann\njetzt steht, Ausstellungen zu begründen, welche bei einigen\nihrer Vorträge gemacht werden könnten, d. h. mehr zu\nthun, als darauf hinzuweisen, dass eine gewisse Stimmung\noder Laune zuweilen bei der Ausführung vorwaltet, wel-\ncher die Deutlichkeit geopfert wird, um leidenschaftlich zu\nwerden*). Die Leidenschaft, wenn sie durch die Darstel-\nlung erreicht werden soll, ist Sache der Natur und Wirk-\nlichkeit, nicht der Verzerrung (grimace) und Coquetterie.\nUebrigens stellt dasselbe Blatt Frau Schumann „im Vor-\ntrage classischer Musik höher als alle Clavierspielerinn en,\ndie man bis jetzt in England gehört\" -—und nennt sie „eine\nKünstlerin, welche eben so gut bezaubern als die Intelligenz\nbefriedigen könne, und die überall eine herzliche Aufnahme\nfinden werde, selbst wenn die bekannten Umstände ihr\nnicht die Sympathieen in aussergewöhnlichem Grade ge-\nwinnen müssten.\"— Im zweiten philharmonischen Concerte\ntrug sie das Adagio des D-moll-Cvortrefflich vor;\nder letzte Satz konnte jedoch keineswegs befriedigen. Sogar\nder Berichterstatter der Musical der sich selbst lür\n„einen unbegränzten Bewunderer\" der Frau Schumann\nerklärt, sagt: „Sie war nervös, unruhig und brauchte das\nPedal fast von Anfang bis Ende.\" Er setzt hinzu: „Sie\nweiss selbst gewiss ganz wohl, dass sie diesen letzten Satz\nnicht den vierten Theil so gut spielte, als sie ihn spielen\nkann.\"—Ob er in dieser Voraussetzung Recht habe, wage\nich nicht, zu behaupten.\nDie Concerte der „ neuen philharmonischen Gesellschaft\"\nleitet Benedict mit bekanntem Directions-Talente. Das\nzweite (dem ersten konnte ich nicht beiwohnen) brachte\nzwei Neuigkeiten, die Sinfonie Nr. 2 in Es von Gounod\nund eine Hamlet-Ouverture von G. A. Macfarren. Gou-\nnod's Sinfonie, welche in Paris in gutem Rufe stehen soll,\nist ein sehr achtungswerthes Werk; es leidet aber, wie fast\nalles Neue heutzutage, am Mangel von Originalität. Dennoch\nist es tausend Mal besser, wenn ein Componist die Bahn\nder classischen Heroen betritt, sollte er auch dadurch ver-\nleitet werden, an den ersten Satz der Eroica auffallend zu\nerinnern, wie hier geschieht, als wenn er aus Sucht nach\nNeuem und Unerhörtem auf die dürre Haide der Specu-\nlation geräth. Die Sinfonie gehört sicher zu den besten\nmusicalischen Erzeugnissen der Gegenwart. Macfarren's\nOuvertüre steht hoch über der anderen zu Don Carlos.\nDieser Hamlet-Prolog ist eine Composition voll Geist und\nKraft; trotz der nicht vorzüglichen Ausführung hatte sie\ndennoch grossen Erfolg. Vortreffliche Leistungen waren\nSainton's Vortrag des Spohr'schen Violin-Concertes in\n\n*) Das scheint die Bemerkungen A. in diesen Blät-\ntern über das jetzige Spiel der Frau Schumann zu bestäti-\ngen. Auch in Wien ist es, wie wir hören, einer scharfen\nKritik unterworfen worden, die uns aber bis jetzt noch nicht\nzu Gesicht gekommen ist.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.4", "texte": "E-moll und John Barnett's Clavierspiel in dem wunder-\nschönen G-dur-Concerte von Beethoven.\nDie Amateur Society veranstaltet ebenfalls sehr be-\nsuchte Concerte, welche Henry Leslie, der auch als\nComponist einen Ruf hat, dirigirt. Der Kryslall Palast bleibt\nauch nicht stumm; dort macht eine schwedische Nachtigall,\ndiesmal aber auf der Flöte, Cleopatra Tornborg, Aufsehen.\nVon Sängerinnen sind Clara Novello und Miss\nS her rington am meisten in Anspruch genommen. Frau\nLind-Goldsehmidt soll lür die alt-philharmonischen\nConcerte zugesagt haben. Gegenwärtig bereis't sie die Pro-\nvinz und spendet von ihren reichen Einnahmen fast überall\neinen Theil zu wohlthäligen Zwecken. Frau Rudersdorf\ngab vorige Woche ein Morgen-Concert im dem prächtigen\nConcertsaale des Palastes des Marquis von Breadalbane,\nunter dem Patronate von drei Herzoginnen, zwei Marquisin-\nnen, zwei Gräfinnen und anderen Personen von Rang. Die\nZuhörerschaft war eine der glänzendsten, die man sehen\nkann; die Equipagen lullten den ganzen Square. Miss Dolby,\nBenedict, Sainton, Pisoni, Reichardt unterstützten die deut-\nsche Sängerin, welche eine höchst geachtete Stellung in\nder hiesigen fashionablen Welt einnimmt.\nCosta's Oratorium „Eli\" wurde ebenfalls in voriger\nWoche zum vierten Male in Exeter Hall gegeben. Es\nwurde im Ganzen besser aufgeführt als die drei ersten Male,\nder Saal war auch gefüllter und die Theilnahme des Publi-\ncums lebendiger. Aber auch welch ein Solisten-Quartett!\nNovello, Viardot, Sims Reeves und Formes!\n\nC. A.\n\nFür Gesang.\n\n(Schluss. S. Nr. 18.)\nJulius 0. Grimm, Sechs Lieder für eine Sing-\nstimme mit Pianoforte-Begfeitung Op. 1. Leipzig,\nBreitkopf & Härtel. Preis 25 Ngr.\nWenn der Componist mit seinen beiden Vorgängern\ndas gemein hat, dass sein Streben gleichfalls nach Gemüths-\nAusdruck in Melodie wie Begleitung gerichtet ist; wenn er\nauch, wie diese Vorgenannten, manchen glücklichen Wurf\ndarin gethan hat, so unterscheidet sich doch sein Opus 1,\nsein Ausgang darin, dass hier ein ungleich weiterer geisti-\nger Vorsprung vorhanden ist, welcher von einer regen\nPhantasie, so wie von einer glücklichen Begabung für mu-\nsicalische Poesie zeugt, dass unverkennbar eine gewisse\nKraft sich darthut, von deren künftiger Entwicklung sich\nschon wirkliche Kunstleistungen vorausahnen lassen, Nr, 1:\n„In der Mondnacht.\" Der zarte Gefühls-Ausdruck des Ge-\ndichtes ist in der Composition wiedergegeben. Nr. 2:\n„Ach, es sitzt mein Lieb und weint.\" In A-dur, 4.4, be-\nginnt das Vorspiel (drei Tacte) und auf „Lieb\" wendet sich\ndie Tonart in A-moll,jedoch zu unerwartet, wesshalb die-\nser conlrastirende, den Schmerz malende Gefühls-Ausdruck\nder Moll-Tonart schon auf dem vorletzten Viertel des Vor-\nspiels eine geeignete Stellung gefunden haben würde. Trö-\nstender scheint das Dur bei den Worten: „Weine nicht.\"\nAm Ende des zweiten Tactes der Singstimme befindet sich\nin der unteren Triolen-Bealeitung ein etwas störender\nQuerstand zwischen den Tönen f und fis, dessen Hebung\ndurch fhier auch zugleich einen besseren Effect gemacht\nhaben würde. In der dritten Notenzeile ist unten eine\nscheinbar fehlerhafte Quinten-Parallele vermieden, oben\nist eine wirkliche stehen geblieben. Mag diese Sache\nvon Manchen als eine Kleinigkeit, als kein Fehler angesehen\nwerden, die Kritik darf darum auch hier nichts Derartiges\nverschweigen. Im zweiten Verse hat bei folgender Stelle:\nder declamatorische Wort-Accent auf „dein\" dem folgen-\nden Worte Schaden gethan; denn „Auge\" ist nicht\nsondern -y wiederzugeben. Nr. 3: „An Sie.\" Ein musi-\ncalisches Genrebild: Welle und Weide in Sympathie und\nZwiegespräch. Das leise Rauschen malt die Sechszehntheil-\nBegleitung der Unterstimme in der rechten Hand. Etwas\nquerständig erscheint wieder S. 10 die erste Zeile. Nr.\n4: „Er ging dahin\", Lento, 2/4.Die über die un-\nteren Sechszehntheile gestellten stetigen Viertel der rech-\nten Hand wollen sich scheinbar fast als fallende Thränen-\ntropfen aufführen. Eine solche rein plastische Richtung\nnimmt nun auch insbesondere die Begleitung der beiden\nSchlussnummern, und es hat einen starken Anschein, dass\nsich dieselbe auf Unkosten der Melodie, theils durch instru-\nmentale Figuren, theils durch übermässigen harmonischen\nAulwand, erheben wolle, vergleichbar jener Manier in der\nMalerei, wo z. B. bei einem Eichenstamme die Farben so\ndick aufgetragen werden, dass die Baumrinde mit ihren\nNarben nun völlig plastisch, hervorstehend, erscheint.\nWenn dieses aber Sache der wirklichen Plastik ist, so soll\ndoch dagegen die Malerei hübsch auf ihrer ebenen Fläche,\njede Kunst überhaupt auch in ihren Gränzen verbleiben.\nDie nothwendige Folge hiervon aber im Allgemeinen ist,\ndass die Melodie, welche doch die Alleinherrschaft im Liede"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.5", "texte": "hat und haben soll, mehr in Schatten zurücktreten muss,\nje mehr die Begleitung sich vorzudrängen und egoistisch\nins Licht zu stellen strebt. Nr. 5: „Gondoliera\", hat\neinige gut gelungene, wirklich originelle Stellen. Die fast\nstetig in beiden Händen abwechselnde, aus vier Tönen be-\nstehende Achtelfigur wirkt ganz dramatisch, und soll die\nSituation die Scene in einer von den bewegten Meeres-\nwellen schaukelnden Gondel versinnlichen helfen. Stellt man\nhierzu noch die vielen Sprünge im Bass, so dürfte einem\nSänger hier die Selbstbegleitung auf dem Ciavier zu schwer,\nvielleicht unmöglich werden, wie auch schon in Nr. 3 die\nVerbindung der Achtel-Triolen der Singstimme mit den\nvier Sechszehntheilen des Accompagnements. Nr. 6:\n„Hast du denn ganz vergessen\", steht dem Ausdrucke\nnach auf derselben Höhe, wie die vorhergehende. Zwei\nsich wiederholende Accorde deuten in der Begleitung schon\nvorläufig die Frage an, wiederholen sich im Laufe des\nLiedes, wie noch am wirklichen Schlüsse, und bilden somit\neine Art Refrain, der von besonderer Wirkung ist. So fin-\nden sich auch noch verschiedene so genannte Effect-Stellen,\nderen Wirksamkeit mehr auf dramatischem als lyrischem\nBoden beruht. Ein Beispiel von so grellem Lichte und\ndunklem Schlagschatten: „Das Herz ist nicht zerprungen,—\nJulius 0. Grimm, Sechs Lieder für eine Sing-\nstimme mit Pianoforte-Begleitung. Op. 3. Leipzig,\nBreilkopf & Härtel. Preis 20 Ngr.\nDer Componist fährt fort, wo er stehen geblieben, und\ngibt hier im Anfange wieder ein paar eigentliche musicali-\nsche Gemälde oder vielmehr Gemülhs-Reflexe, die aus dem\nmächtigen Eindrucke der Meeresgrösse und aus deren Wir-\nkung hervorgegangen sind. Gleich die erste Nummer:\n„Erste Meerfahrt\", ist stark bewegt gehalten. —Aber wie-\nder fast gänzlich plastisch ist Nr. 2: „ Meeresabend\", bei\nden Anfangsworlen: „Sie hat den ganzen Tag getobt, als\nwie in Zorn und Pein\", wo die Harmonie nicht nur in\neigenthümlicher Folge, nämlich in lauter das Gelühl nicht\nzur Ruhe kommen lassenden Dissonanzen, sondern noch\ndazu in reicher Fülle auftritt, fast wie in Stahl und Eisen\ngerüstet, um durch alle diese Mittel ein Bild von des wil-\nden umheimlichen Kämpens Wuth, die nun endlich besänf-\ntigt, geben zu wollen. Um mit Rückert zu reden, wäre das\ndaher auch so ein „gepanzertes Sonett\" (musicalisches) zu\nnennen, wo die innewohnende Fülle der Mimik die Musik\nwiederum ganz auf den vorhin erwähnten dramatischen\nStandpunkt drängt. Neu ist dieser Schritt von Lyrik zu\nDramatik, der die moderne Lieder-Composition vorzugs-\nweise kennzeichnet, übrigens nicht; er ist auch in anderen\nKünsten— wie der Rabbi in Uriel Acosta sagt schon da\ngewesen. Zu erwähnen die bekannten Meister in der bil-\ndenden Kunst: Chodowiecki und Ramberg, von denen der\nerste den Ausdruck mehr in der Gesichts-Miene (Empfin-\ndung, Lyrik), der andere dagegen mehr in der Situation, in\nder äusseren Staffage und Umgebung wiederzugeben, wie\nzu erreichen suchte (dramatisches Element). Soll nun auch\nim Allgemeinen das Drängen nach solchen haarscharfen\nUmrissen der Charakteristik nicht hiermit unbedingt geta-\ndelt oder geradezu verworfen werden, so ist doch wenig-\nstens jetzt die Verwarnung an der Zeit, des Guten hier\nnicht zu viel zu thun und NB. das Kind (die Melodie) nicht\nmit dem Bade auszuschütten. Nr. 3: „Gebet auf dem\nWasser.\" Die „grosse Idee\" des kurzen Gedichtes war\nhier besonders geeignet, den Verfasser geistig anzuregen\nund zugleich eine der vorzüglicheren Compositionen in die-\nser Sammlung zu begründen. Leider macht einmal wieder\neine falsche Pause einen Ruhepunkt, einen Abschnitt, wo\nim Sinne des Textes noch gar kein solcher vorhanden:\n» 0 ) 0\n' y\n„Mir ist zu Muth, als schliefe der Woge Grimm und Macht,\"\nln Nr. 4: „Heimkehr\", malt sich lebhaft jener freudige\nAffect des Gemüthes beim Wiedersehen einer theuren Hei-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.6", "texte": "mat. Etwas malt wollen dagegen die Worte und resp. de-\nren Wiederholung erscheinen: „Wie immer schön und\nsüss.\" Man könnte dieses Lied als Schluss des das Meer\nund eine Seereise überhaupt schildernden Lieder-Cyklus,\nder letztere gebildet von den drei ersten Nummern, be-\ntrachten.— In Nr. 5: „Wenn droben eine Lerche singt\",\nund Nr. 6: „Abschiedslied\", tritt wieder die Melodie in\nguter gewohnterWeise, mit Einem Worte: selbstständiger,\nauf, da ihr Begleiter für diesmal so galant ist, ihr den\nVortritt zu gönnen, der auch ihrer jungfräulichen Schön-\nheit, überhaupt ihrer edeln Weiblichkeit, zukommt und\ngebührt.\nCöthen.\n\nLouis Kindscher.\n\nAnkündigung einer vollständigen Ausgabe\nvon Händel’s Werken.\nIm Jahre 1859 (am 14. April) kehrt der Tag wieder, an dem\nvor hundert Jahren Georg Fr. Händel verschied. In der Stadt\nHalle werden die Vorbereitungen getroffen, dem grossen Tonkünst-\nler, der dort 1685 geboren ist, ein Ehren-Denkmal zu errichten;\nund dieses wird voraussichtlich die Anregung geben, dass dieser\nTag in einer grossartigen, des Anlasses würdigen Säcularfeier in\nganz Deutschland begangen werde.\nDer Gedanke zu diesem Ehrenfeste in Händel's Vaterstadt be-\nrührte sich mit einem verwandten Entwürfe, der gleichzeitig in an-\nderen Kreisen angeregt wurde: dem ehrwürdigen Todten noch ein\nzweites, weiteres Denkmal in dem deutschen Volke zu stiften durch\neine vollständige, kritische Muster-Ausgabe seiner Werke. Es ist\ndies eine Ehrenschuld, welche Deutschland zu entrichten hat, und die\nin dem Jahrhundert seit Händel's Tode ausstehen geblieben ist.\nInnere und äussere Verhältnisse haben in Händel's Jugendzeit\nzusammengewirkt, ihn seinem Vaterlande zu entführen. Sein Bil-\ndungsdrang trieb ihn früh in die hohe Musikschule der Zeit, nach\nItalien; dann fesselte ihn Ruhm und Ehre in England, wo er der\nTonkunst eine neue Heimat schuf. Dadurch ist er, dadurch sind\nseine Tonwerke, denen meist nur italiänische und englische Texte\nunterliegen, uns äusserlich entzogen, innerlich für lange entfremdet\nworden; und sie sind es zum guten Theile noch. Die Engländer,\nunter denen er die längste Zeit lebte und wirkte und starb, haben\nihn und seine Kunst unter sich eingebürgert, haben ihm sein Ge-\ndächtnissmal in dem Pantheon ihrer grossen Eingeborenen erhöht\nund haben mehrfach Hand angelegt, seine Werke zu sammeln, die\nsie in ihrer grösseren Zahl handschriftlich besitzen und als ein\nNational-Eigenthum bewahren und verehren.\nGleichwohl gibt es auch in England keine vollendete Sammlung\nvon Händel's Werken. In der vollständigsten Ausgabe (von Arnold)\nsind die italiänischen Werke des Meisters nur sehr spärlich, seine\ndeutschen Erstlinge aus Halle und Hamburg, die seinen Zusam-\nmenhang mit der deutschen Musik zur Anschauung bringen, gar\nnicht vertreten; in allem Mitgetheilten ist die Partitur sehr fern\nvon Correctheit, und der Text nicht selten ganz unverständlich. Die\nneu begonnene Ausgabe der Händel-Gesellschaft sucht grösseren\nAnforderungen zu entsprechen. Aber sie zieht sich langsam hin;\nund würde sie einst vollendet, so bestände sie nur in einer ge-\nschlossenen Anzahl von Exemplaren. Für alle weiteren Kreise in\nDeutschland bliebe sie immer unbrauchbar, schon aus Mangel eines\ndeutschen Textes.\nWas von Händel's Werken in Deutschland und für Deutschland\nzubereitet ist, bleibt, wie Vieles auch dafür in den letzten Jahr-\nzehenden geschah, immer nur ein dürftiges Stückwerk. Von seinen\nitaliänischen Werken, über deren ästhetischen und geschichtlichen\nWerth Viele absprechen und Keiner ein Urtheil haben kann, ist\nkein einziges in Deutschland bekannt. Von den oratorischen Ton-\nwerken zu englischen Texten gibt es noch immer eine Anzahl, von\nderen blossem Dasein und Namen selbst viele eifrige Musikfreunde\nin Deutschland keine Kunde haben. Unter den öfter aufgeführten,\nin Clavier-Auszügen verbreiteten Stücken dieser Classe sind einige\nder vortrefflichsten gerade, wie Samson und Belsazar, nur ärmliche\nAuszüge, die von dem Ganzen keine Vorstellung geben. In echter\nund voller Gestalt und mit einem angemessenen deutschen Texte\nausgestattet existirt unter uns, kann man sagen, kaum ein einziges\nvon Händel's sämmtlichen Werken.\nSoll Händel jemals unter uns wieder zurückgebürgert werden,\nsollen wir in unserer Kenntniss und Würdigung des Genius, der\nunser ist, nicht hinter den Engländern zurückbleiben, sollen wir\nden Verlust des äusseren Besitzes seiner Werke, deren Handschrif-\nten der grosse Friedrich 11. nach Händel's Tode vergebens zu er-\nwerben trachtete, durch innere Aneignung gut machen, so ist es\nunbestreitbar das dringendste Bedürfniss, dass eine vollständige, hi-\nstorisch kritische Ausgabe dieser Werke von Deutschen für Deutsch-\nland besorgt werde.\nDiese Aufgabe anzugreifen, haben sich auf den Anlass der be-\nvorstehenden Säcularfeier, auf Anregung und unter der hohen Pro-\ntection und Förderung Sr. K. Hoheit des kunstsinnigen Hersogs\nvon Sachsen-Coburg-Gotha Männer aus allen Theilen Deutschlands\nzu einem Ausschusse vereinigt, der sich in seiner Gesammtheit\nverpflichtet, dieser Unternehmung überall die möglichst grosse Un-\nterstützung zu leihen und Theilnahme zu gewinnen, und aus dessen\nMitte demnächst ein engeres Directorium von fünf Mitgliedern wird\nausgeschieden werden, dem die Leitung und Ausführung der Aus-\ngabe obliegen soll*).\nZu einem Monumente für den Tonkünstler bestimmt, sollte\ndiese Ausgabe, so viel es möglich ist, zugleich ein Denkmal deut-\nscher Sorgfalt und Gründlichkeit werden. Sie soll die Partituren\nnach der genauesten Vergleichung der Original-Handschriften und\nder vorhandenen Abschriften und alten Drucke in möglichst reiner\nGestalt herstellen. Zur Beförderung der allgemeinsten Nutzbarkeit\nund Verbreitung sollen ihnen bei den Gesangwerken Ciavier-Aus-\nzüge beigegeben werden. Den ursprünglich englischen und italiäni-\n\n*) Die Namen der Mitglieder des Ausschusses werden wir später\nmittheilen. Es kann aber, unserer Meinung nach, das Ver-\ntrauen in die Unternehmung nur steigern, wenn wir schon\njetzt veröffentlichen, dass zur Bildung des Directoriums die\nHerren Hauptmann, Dehn und Chrysander in Leipzig\nund Berlin (als eigentlich musicalische Direction), Gervinus\nin Heidelberg und Breitkopf & Härtel in Leipzig von\nden Anregern des Unternehmens vorgeschlagen worden sind.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.7", "texte": "sehen Texten soll eine sorgfältig gearbeitete deutsche Uebersctzung\nhinzugefügt sein. Zweckmässige sachliche und bibliographische Ein-\nleitungen und Bemerkungen in möglichster Kürze und Vollständig-\nkeit sollen jedem einzelnen Werke vorausgehen. Sämmtliche Werke,\ndie sich in die drei Gassen von Opern, Oratorien und Hymnen,\nKammer- und Instrumental-Werken abtheilen, werden innerhalb\ndieser Abtheilungen in chronologischer Folge geordnet werden,\nohne dass darum bei Bearbeitung und Erscheinung der einzelnen\nWerke eben diese Ordnung eingehalten werden müsste. Was dem\nBedürfnisse und allgemeineren Interesse näher liegt, was bedeutend,\nwas neu und unbekannt ist, mag für die ersten Erscheinungen im-\nmerhin bevorzugt werden, wenn nur jedem einzelnen Bande die\nbestimmte Stelle angewiesen ist, in die er sich in dem Ganzen\neinreiht. Um zugleich der Mannigfaltigkeit zu dienen, und um die\nVollendung der Ausgabe nicht ins Unabsehbare zu verschleppen,\nsollen jährlich drei Bände, Einer aus jeder der drei Abtheilungen,\nerscheinen, nnter denen die Opern auf 20, die oratorischen Werke\nauf 28, die Instrumentalwerke und übrigen Gesangstücke auf 12\nBände überschlagen sind.\nDruck und Vertrieb haben die Herren Breitkopf und Härtel in\nLeipzig übernommen. Ein fester Preis des Ganzen wie der einzel-\nnen Bände lässt sich im Voraus nicht feststellen, da die Ausgabe,\nwie die der Bach'schen Werke, nicht eine Sache buchhändlerischer,\nsondern gesellschaftlicher Unternehmung sein soll. Je nach der zu-\nnehmenden Zahl der Unterzeichner wird sich der Preis vermindern.\nFindet die Ausgabe der Werke von Händel dieselbe Theilnahme,\nwie die der Bach'schen Werke, so würde der Aufwand für den\nBand durchschnittlich fünf Thaler nicht übersteigen.\nMöchte denn dieser vaterländischen Unternehmung bei allen\nBeschützern. Pflegern und Ausübern der Kunst die Unterstützung\nzu Theil werden, die ihre Ausrührung möglich macht! Wir zwei-\nfeln nicht, dass die deutsche Nation, die noch keinem ihrer grossen\nGeister eine Sammlung seiner Werke versagt hat, die jetzt eben\ndie Ausgabe der Werke von Bach so bereitwillig fördert, den glei-\nchen Eifer auch für Händel's unsterbliche Tonstücke einsetzen\nwerde, des Zweiten in diesem gleichaltrigen Meisterpaare, deren\nNamen so oft mit Ehrfurcht neben einander genannt werden.\nAuf eines der einfachsten und natürlichsten Förderungsmittel\ndieses Unternehmens wünschen wir noch besonders hindeuten zu\ndürfen: es wäre die Subseription der vielen grossen und kleinen\nMusik-Vereine in Deutschland auf je Ein Exemplar dieser Werke,\ndessen Betrag (wo nicht andere Wege näher liegen) durch Auffüh-\nrungen, die dem Zuhörer in demselben Augenblicke etwas darbie-\nten von dem, für dessen Förderung er wieder etwas bieten soll,\nbeschafft werden könnte. Und dies zwar ohne irgend eine grosse\nBelästigung, da sich die Vollendung der ganzen Ausgabe auf alle\nFälle durch eine Reihe von Jahren hinziehen muss, auf die sich\ndie aufzuwendenden Mühen und Mittel selbst für kleinere Vereine\nleicht vertheilen würden. Dieser Weg, auf dem die Kunst selber\ndie Kunst fördern würde, verspräche zugleich den sichersten inne-\nren Erfolg dieser Unternehmung, weil er der volkstümlichste Weg\nist, auf dem Händel am unmittelbarsten und lebendigsten in die\nGesammtheit der Nation eindringen und am schnellsten und gewis-\nsesten jener grossen Volksgunst, die er in England voraus hat,\nauch bei uns theilhaftig werden würde.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nWölai. Am 27. April feierte der kölner Männer gesang-\nVer ein sein vierzehnjähriges Stiftungsfest durch ein Abendessen\nim Rheinischen Hofe, welches durch Gesang, humoristische Dich-\ntungen und Toaste die Würze der Heiterkeit erhielt. Vor Allem\nklang das Hoch auf den Dirigenten Franz Weber laut und freu-\ndig durch den Saal. Nach der beim Feste vertheilten Liste zählt\nder Verein ausser dem Dirigenten 111 wirkliche Mitglieder. Die\nReihe der Ehren-Mitglieder, von denen einige in Köln wohnende\nauch als Sänger mitwirken (z. B. Herr M. DuMont-Fi er), um-\nfasst 93 Namen, unter ihnen G. Rossini, der bei der Anwesen-\nheit des Vereins zu Paris im vorigen Jahre mit grosser Freund-\nlichkeit die Ernennung entgegennahm.\nVor einigen Tagen hörten wir in einem Privatkreise die Auf-\nführung einer neuen Composition von Max Bruch, dem Stipen-\ndiaten des frankfurter Mozart-Vereins und Schüler F. lii 1 ler's,\ndie komische Operette „Scherz, List und Rache\" von Göthe. Die\ndrei Gesang-Particen führten Frau Mampe-Babnigg, Herr Mu-\nsik-Director Weber und der Componist selbst aus; HilJer be-\ngleitete am Pianoforte. Diese Arbeit des jungen Tonkünstlers be-\nwährte von Neuem seine ungewöhnlichen musicalischen Anlagen\nund seine grossen Fortschritte unter der trefflichsten Anleitung. Es\nwaren namentlich die Ensemblestücke und vorzugsweise das letzte\nFinale, welche den offenbaren Beruf des fleissigen und bescheide-\nnen jungen Mannes zur Composition bekundeten; die melodische\nFrische und dramatische Lebendigkeit derselben erregten in jedem\nZuhörer freudiges Erstaunen.\nAm 6. d. Mts. gab Herr Alfred Ja eil eine Soiree im Hotel\nDisch, weiche für die gegenwärtige Jahreszeit recht besucht war.\nEr bewährte sieh als einen der ersten Meister in der modernen\nGattung des Clavierspiels, und überall, wo diese ihre Freunde hat,\nmuss er Furore machen. Sein Anschlag ist unübertrefflich; in einer\nvon ihm variirten Melodie Anglaise brachte er eine Kette von Tril-\nlern an, deren vollendete Rundung, Egalität und Nuaneirung nichts\nzu wünschen übrig liess. Auch hätten wir kaum geglaubt, dass es\nder Kraft von zehn Fingern möglich sei, die materielle Massenwir-\nkung des Orchesters am Schlüsse der Tannhäuser-Ouvertüre mit\nso erschreckender Wahrheit auf dem Ciavier wiederzugeben, als\nHerr Jaeli es in einer „Paraphrase aus Lohengrin und Tannhäuser\"\nthat. Den häufigen Gebrauch der Verschiebung der Claviatur auf\nEine Saite müssen wir bei ihm, wie bei Rubinstein, entschieden\nmissbilligen; sie eignet sich nur für gebrochene Accorde und sanf-\nten Gesang im Adagio, alles Uebrige, namentlich Passagen, werden\ndabei zu einer widrigen „Wispelei\". Auch Bedarf der so fein aus-\ngebildete Anschlag des Herrn Jaell dieses äusseren Mittels zur\nNuaneirung keineswegs. Alles, was vorgetragen wurde, gehörte\nmit Ausnahme der G-dur-Sonate mit Violine von Beethoven, Op.\n96, die wie eine keusche Nonne errötheie, weil gezwungen, in eine\nGesellschaft zu treten, wohin sie nicht passt der Compositions-\nManier Thalberg's an, die sich überlebt hat.\nG. fteinthaler ist von seiner Reise nach London wieder\nhier eingetroffen, nachdem er am Himmelfahrtstage, den L Mai,\nauch in dem letzten städtischen Abonnements-Concerte zu Aachen\nden ersten Theil seines Oratoriums „Jephta und seine Tochter\"\ndirigirt hat. Ueber diese Aufführung, zu welcher das Theater in\nder Art, wie sonst bei den Musik festen, eingerichtet war, berichten\nPrivat-Mittheilungen und ein ausführlicher Aufsatz in der Aachener\nZeitung, Nr. 12(3, ausserordentlich vorteilhaft. Die Composition\nhatte auch dort grossen Erfolg. Im ersten Theile des Concertes\nfand eine sehr wirkungsvolle Ausführung der Sinfonie Nr. 8 von\nBeethoven unter der Leitung des Herrn von Turanyi, städti-\nschen Capellmeisters, Statt."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560510-01.1.8", "texte": "** Aus der Eifel. Am Himmelfahrtstage wurde in Kirsch-\nseifen bei Schleiden eine Orgel eingeweiht, welche die Herren\nGebrüder Risch aus Reifferscheid der dortigen evangelischen\nKirche geschenkt haben. Herr Gustav Flügel aus Neuwied\nwar so freundlich gewesen, der Einladung zu folgen, auf derselben\nein Präludium von seiner Composition zum ersten Male zu spielen,\ndas künftig an jedem Himmelfahrtstage ausgeführt werden soll. Am\nAbende desselben Tages hatte der Sing-Verein zu Schleiden ein\nConcert zum Besten der Armen veranstaltet. Für diesen Verein\nhatte der vor acht Jahren verstorbene Herr Karl Pönsgen aus\neigenen Mitteln einen sehr hübschen Concertsaal bauen lassen. Der\ntreffliche Mann, dessen Name einen Ehrenplatz verdient,\nleitete den Verein fast 25 Jahre lang mit unermüdlicher Thätigkeit,\nbrachte unter zahlreicher Betheiligung in regelmässigen Versamm-\nlungen nur classische Musik zur Aufführung und hinterliess dem-\nselben zum allgemeinen Besten einen Flügel und eine ansehnliche\nmusicalische Bibliothek. Gegenwärtig ist sein Sohn, Herr Ferd.\nPönsgen, Mitglied des Vorstandes des Vereins, dessen Uebungen\nHerr Lehrer und Organist H. Fetz leitet. In dem Concerte am 1.\nd. Mts. wurde F. Hill er's „0, weint um sie\" und Chöre aus den\nJahreszeiten, aus Händel's Salomon und aus B. Klein's Jephta ge-\nsungen. Herr G. Flügel trug mehrere Stücke auf dem Pianoforte\n(von Beethoven, Chopin und von seiner eigenen Composition) mit\nbekannter Tüchtigkeit und Kunstfertigkeit vor.\nAm 20. April starb zu München der rühmlich bekannte\nCello-Virtuose Joseph Menter. Derselbe war zu Teisendorf bei\nLandshut am 19. Januar 1808 geboren und siedelte mit seinem\nVater, der in herzoglich leuchtenberg'schen Diensten stand, nach\nEichstädt über. Schon als Knabe zeigte er ungemeine Vorliebe und\nentschiedenes Talent für Musik. Sein Vater liess ihn daher, seiner\nNeigung nachgebend, die Violine lehren. Doch als er in einem\nConcerte ausgezeichnet Cello spielen hörte, entzückte es ihn so sehr,\ndass er die Violine mit diesem Instrumente vertauschte. Menter\nüberflügelte bald alle seine Lehrer, und nachdem er einige Kunst-\nreisen gemacht, folgte er im Jahre 1827 einem ehrenvollen Rufe\nnach Hechingen an die rasch emporblühende Capelle des dortigen\nkunstsinnigen Fürsten. Schon im Jahre 1832 ward er als k. baicri-\nscher Hofmusicus nach München berufen, wo er, einige Kunstrei-\nsen nach der Schweiz, Oesterreich und England abgerechnet, bis\nzu seinem frühen Ende lebte.\nEs bestätigt sich leider, dass der Sänger Staudigl\nder Macht des Irrsinns verfallen ist\nFräul. Kastner und Herr Julius Stock hausen haben hier\nConcerte gegeben. Das Clavierspiel der ersteren hat angesprochen,\nnamentlich durch das Maasshalten und einen feinen, geschmack-\nvollen Vortrag. Ausser dem Capriccio von Mendelssohn und der\ngrossen Sonate in A (mit Violine) von Beethoven bot ihr Programm\nnur sehr leichte Salonwaare. Ueber Herrn Stockhausen sagen\ndie wiener „Blätter für Musik\" u. A.:\n„Zur guten Stunde ist der liebenswürdige Sänger Stockhausen\ngekommen, dem Publicum praktisch zu zeigen, was wir eigentlich\nunter vollendeter Gesangsbildung, edlem, oft idealisch schönem Vor-\ntrage verstehen. Wenn man mit einer Stimme, wie jener Stockhau-\nsen's, die selbst in ihrer ersten Jugendfrische kaum von Bedeutung\ndes Volumens und besonderem Wohlklange gewesen sein mochte,\njetzt aber auch an Sonorität viel eingebüsst hat, einen solchen Zau-\nber auf Herz, Gemüth und Verstand ausüben kann, wie es diesem\nKünstler mit jedem seiner Vorträge unfehlbar gelingt; wenn man\nmit Stimmresten ein Publicum, dem die gigantischen Klänge der\nwälschen Operngäste gewaltig in den Ohren klingen, enthusiasmi-\nren, dasselbe mit einem bescheidenen Liede bei einfacher Clavier-\nBegleitung zum überströmenden Herzensjubel bewegen kann: so\nMuss doch unbedingt eine hohe Kraft vorhanden sein, die den\nMangel an sinnlichem Stimmreize so vollends zu paralysiren ver-\nmag. Und wahrlich! sie ist vorhanden in einer Fülle, die selbst bei\nnoch grösserer Abschwächung der Mittel ihre hinreissende Wir-\nkung nicht verfehlen könnte; es ist eine Kraft, die nie abnehmen\nkann; denn sie ist frei, an keine Materie gebunden, es ist der Geist\ndes echten, tiefen, künstlerischen Empfindens, der sich im vollende-\nten Geschmacke des Vortrags ausspricht. Sein Ansatz, sein Porta-\nmento, dieses wunderbare Tragen, Schwellen und Abrunden des\nTones, seine haarscharfe Intonation, seine Aussprache, Declamation,\nkurz: alles, was man unter Schule und Technik begreift, ist bei\ndiesem Künstler von tadelloser Vollendung.\"\nAm 3. Mai ist der berühmte Componist Adolf Adam in Pa-\nris plötzlich gestorben. Am Abende vorher war er noch um 11\nUhr in der Directorial-Loge der grossen Oper in der muntersten\nStimmung. Er ging darauf mit dem Dichter de St. Georges nach\ndem Theätre lyrique. Nach Hause zurückgekehrt, schrieb er noch\neinen Brief und ein paar Zeilen Noten, welche auf dem Pianoforte\nliegen blieben. Am Morgen um 8 Uhr trat seine Gattin in sein\nSchlafzimmer und fand ihn todt. Der Arzt hat seine Meinung spä-\nter dahin abgegeben, dass A. Adam an einer Herzensergiessung\ngestorben sei, und dass die Vernichtung seiner Lebenskraft so plötz-\nlich gewesen sein müsse, dass er nicht einmal einen Schrei habe\nausstossen können. Adolf Adam war noch nicht volle 53 Jahre alt.\nEr war Officier der Ehrenlegion, Mitglied des Instituts und Pro-\nfessor der Compositionslehre am kaiserlichen Conservatorium. Von\nseinen zahlreichen Opern hat in Deutschland der Postillon von\nLonjumeau das meiste Glück gemacht."}]}