{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-06-07-01", "volume": "bmtnabi_1856-06-07_01", "ocr_sha256": "4c1a083c835d336bfa16b65224acc4ae0673b47a0b15c5955ae7c81f99a7e204", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/06/07_01/bmtnabi_1856-06-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-06-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "177", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 481, "texte": "Inhalt.\nDas 34. niederrheinische Musikfest in Düsseldorf. III. Von L. Bischoff. — Clavier-Compositionen von Gustav Flügel.\n\"Von L B. Aus Brüssel (Conservcitoive, Association, Cercle, H, Wieniawski, Gebrüder Doppler, Miss Sherrington, H. von Brzowsky,\nKufferaths Soireen, Orgelbau-Werkstatt von Merklin-Schütze). — Aus Dresden (Fräul. Michal, Fräul. Harting, Herr Weiss, Herr Rieh.\nColbrun. — Tages-und Unterhaltungsblatt (Köln, Zweite Soiree von J. Stockhausen — Cöthen — Leipzig)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-07-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-07_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-06-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "180", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.2.2", "titre_corps": "Das 34. niederrheinische Musikfest in Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Das 34. niederrheinische Musikfest in Düsseldorf.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.1", "debut_caractere": 483, "fin_caractere_exclue": 4486, "texte": "Das 34. niederrheinische Musikfest in Düsseldorf.\nIII.\n(S. I. Nr. 20, 11. Nr. 22.)\nDen zweiten Festabend eröffnete die Ouvertüre zu\nden Abenceragen von Cherubini. Ob die genannte Oper,\nwelche der Meister um das Jahr 1813 componirt oder\nwenigstens vollendet hat, eine oder mehrere Aufführungen\nerlebte, wissen wir nicht; bekannt ist nichts daraus gewor-\nden, als die Ouvertüre, ein treffliches, mehr ins Feine als\nins Grosse gearbeitetes Werk, über dessen meisterhafte\nAusführung durch Rietz und das diesjährige Orchester wir\nbereits im ersten Artikel gesprochen haben. Abgesehen\nvon dieser, kann man die Wahl der Ouvertüre für ein Mu-\nsikfest und vollends die Zusammenstellung mit den beiden\nfolgenden Werken nicht gut heissen.\nEs waren dies R. Schumann's Adventlied von\nRückert und Händel's Alexanderfest. Die ausführlichere\nBeurtheilung von Schumann's bestem Gesangwerke, „Pa-\nradies und Peri\", welche die Nr. 26 dieser Blätter vom\nvorigen Jahre (ebenfalls bei Gelegenheit des niederrheini-\nschen Musikfestes) enthält, überhebt uns, über das Advent-\nlied zu sprechen, welches wohl die schwächste von Schu-\nmann's Gesang-Compositionen sein dürfte. Mit Ausnahme\nvon einer oder zwei Stellen für Frauenstimmen ist in allem\nUebrigen kein Motiv von Bedeutung zu finden, und Aus-\nsendinge, wie der (übrigens ganz unnothwendige)-Wechsel\nzwischen Fünf- und Vier-Viertellact, können den Mangel\nan Originalität nicht ersetzen. Das Ganze liess sehr kalt.\nZu solchen Missgriflen in der Wahl kommt man, wenn\nman durchaus diesen oder jenen Namen auf dem Programme\nhaben will; das ist dann zuweilen eine Pietät, die ihren\nZweck mehr verfehlt als erreicht.\nAber auch das Alexanderfest machte nicht den Ein-\ndruck auf die Zuhörerschaft, den sonst Händel's Oratorien\nbei den niederrheinischen Musikfesten machen. Das lag\nebenfalls zum Theil an dem Werke selbst, zum Theil an\nder Ausführung. Allerdings hat Händel's Genius auch bei\nder Composition dieses seines fünften Werkes in der Reihe\nder Oratorien und Cantaten („Esther\" 1720, „Acis und\nGalathea\" 1721, „Deborah\" 1733, „Athalia\" 1733,\n„Das Alexanderfest\" 1736 in Aachen geschrieben) ge-\nwaltet; allein erstens lässt die Musik doch nicht „die\nSchwächen des Gedichtes*) vergessen\", wie der geehrte\n\n*) Die verehrte Redaction der Kölnischen Zeitung belehrt uns\nin einer Anmerkung zu unserem Artikel 111. über das Musik-\nfest (in Nr. 142 vom 23. Mai), „Lord Byron sei der Meinung\ngewesen, dass dieses Eine kleine Gedicht die ganze englische\nLyrik aufwiege\", und fügt hinzu, dass „ihre Ansicht der By-\nron's weit näher stehe\", als der unsrigen. Gegen das Letztere\nkönnen wir natürlich nichts haben. Aber dass Byrons und\nder Redaction Ansicht in unserer Zeit ganz vereinzelt dastehe,\ndürfte unschwer zu beweisen sein, da über den Mangel an\nPhantasie und wahrer Poesie in J. Dryden's lyrischen Ge-\ndichten jetzt nur Eine Stimme herrscht, die selbst bis in die\nConvcrsations-Lexica hinein leicht zu verfolgen ist. Sollte\nLord Byron in der That sich jene Aeusserung haben zu\nSchulden kommen lassen, so würde das höchstens interessant\nsein (und desshalb die Nach Weisung wünschenswerth), aber\nkeineswegs maassgebend; und hat er unter seinem Ausdrucke\n„die ganze englische Lyrik\", also bis auf seine Zeit, ver-\nstanden, so beweis't das nur, dass ein grosser Dichter den-\nnoch ein sehr schlechter Aeslheliker sein \"kann, indem schon\nin Cowper, vollends aber in Burns, Wordsworth, Walter\nScott, Thomas Moore u. s. w. hundert Mal mehr natürliche\nEmpfindung und poetische Wahrheit ist, als in Dryden's ly-\nrischen Gedichten, die in ihrem altfranzösischen Zuschnitte\nhöchstens als glatte Verstandes-Producte gelten können. Hat\nByron aber vielleicht nur die ganze englische Lyrik bis auf\nDryden gemeint, so ist auch selbst in dieser Beschränkung\nsein Urtheil falsch, indem nicht bloss die wundervollen lyri-\nschen Stellen in Shakespearc's Dramen, sondern auch selbst\ndessen eigentliche, in Form und Inhalt lyrische Gedichte\nunendlich höher stehen, als das Beste von Dryden in dieser"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4743, "texte": "Vorredner des diesjährigen Programmes (dem Vernehmen\nnach Prof. 0. Jahn) sich sehr glimpflich ausdrückt, sie tre-\nten noch immer grell genug hervor; und zweitens sind die\nvorzugsweise begeisternden Elemente der Händel'schen\nMusik, die Elemente der Kraft, Grossartigkeit, erhabenen\nEinfachheit der Motive und ihrer Verarbeitung zu Chören,\nhier nicht so hervortretend, als in den späteren Oratorien:\nIsrael in Aegypten, Josua, Samson, Judas Maccabäus, Mes-\nsias u. s. w. Chöre, nicht bloss wie den vollkommensten\naller, das Halleluja, sondern wie „Das Ross und den Rei-\nter\" im Israel, den Siegesgesang im Judas, „Sie treten\nDeinen Knecht in Staub\" und „Im Donner komm, o Gott,\nherab\" im Samson und viele ähnliche sucht man imAlexan-\nderfest vergebens, und es wird doch Niemand läugnen wol-\nlen, dass für unsere Zeit die Chöre in Händel die Haupt-\nsache sind. Man geht sogar keineswegs zu weit, wenn man\nsagt, dass im Alexanderfest eine gewisse der Zeit angehö-\nrige italiänische Manier den Componisten oft zu rein musi-\ncalischer Arbeit verleitet habe, d. h. solcher, welche auf\nden Charakter des Textes und auf die Situation keine Rück-\nsicht nimmt. Oder will man etwa behaupten, dass die So-\npran-Arie Nr. 25 aus B-durund der darauf folgende Chor\nauf dasselbe Motiv:\nden Worten: „Thaiseilt voran, sie leuchtet ihnen zur Ver-\nheerung, und eine zweite Helena steckt sie ein zweites\nTroja in Brand\" —und der musicalischen Plastik einer Scene,\nin welcher der König „die Fackel schwingt\", die „Fürsten\nihm mit wilder Freude zujauchzen\", entsprechen? Nimmt\nman nun vollends ins Auge, dass dieser Chor die Kata-\nstrophe den Brand von Persepolis veranschaulichen\nsoll, dass sich das ganze Gedicht über die Macht der Mu-\nsik damit abschliesst und nichts weiter folgt, als eine fro-\nstige Betrachtung über die Erfindung der Orgel, so wird\nman unsere Meinung vollkommen gerechtfertigt finden.\nDies zur Erklärung und Entschuldigung einer Zuhö-\nrerschaft von 1856, die sich nicht mehr absolut, sondern\nnur relativ an Händel's Alexanderfest begeistert.\nDie Ausführung war in den Chören nicht so genau\nund glänzend frisch, wie im Elias, namentlich waren die\nEinsätze einige Male nicht fest und kräftig genug. Die Soli\nsangen Fräul. Tietjens, Herr Schneider und Herr Slock-\nhausen. Der Letztere hätte diese Partie, wenigstens die\nzweite Arie in D-durund G-mowelche für einen wirk-\nlichen und kräftigen Bass geschrieben ist, nicht übernehmen\nsollen, da für dieselbe trotz dem, dass Herr Rietz das Or-\nchester, die Trompeten mit eingeschlossen, bei diesem Auf-\nrufe „zur Rache\" nur „säuseln\" liess, was er zu verant-\nworten hat, die Stimme und in Folge dessen auch der ener-\ngische Vortrag nicht ausreichte. Die erste, höher liegende\nArie aus F-dursang er dagegen recht gut und ärntele lau-\nten Beifall. Herr Schneider, von den Solisten am meisten\nbeschäftigt, trug seine ganze Partie und namentlich die\nerste Arie in A-dur (sonst auch vom Sopran gesungen) und\ndie Recitalive, unter denen wir besonders Nr. 4 und Nr.\n20 auszeichnen, vortrefflich vor. Die Arie aus A-moll im\nersten Theiie:\nWar, he song, is toil and trouble,\nHonnour had anemply u. s. w.\n(„Krieg ist Arbeit und Unruhe, Ehre hat eine leere Blase\"),\nkann nicht nur als Probe für die Poesie dienen, sondern\nleider hat auch die Musik hier die Schwäche des Gedichtes\nnicht verdeckt. Was sich damit machen lässt, das machte\nder Sänger daraus. Fräul. Tieljens bewährte auch hier,\nwas wir bei Gelegenhtit des Elias über sie gesagt haben;\nauszuzeichnen ist der Vortrag der Arie Nr. 7 in\n„Der König lauscht\", welcher der lebhafteste Beifall folgte,\nund des lydischen Braulliedes, welches Herr Grützmacher\naus Leipzig auf dem Violoncello trefflich begleitete; viel-\nleicht wäre dabei mehr Einfachheit, wir möchten sagen:\nNatur, zu wünschen gewesen. Doch erhielt der herrliche\nTon desselben und der zarte Vortrag mit Recht stürmi-\nschen Beifall. Die Nummer selbst ist eine Perle in dem\nWerke. Welche bewundernswerthe Idee, dem Ausdruck\nder Liebe und Sehnsucht in der Sopranstimme einen Wie-\nderhall im Tenor eines Instrumentes zu geben, gleichsam\n\nArt. Man vergleiche nur Shakespcare's „Sonette\", „Venus\nund Adonis\", „Der leidenschaftliche Pilger\", „Des Mädchens\nKlage\" u. s. w. Wir möchten Lord Byron parodirend sagen:\nFolgendes kleine Lied aus König Heinrich VIII. über die\nMacht der Töne ist uns lieher als das ganze Alexanderfest:\nOrpheus' Laute hiess die Wipfel,\nWüster Berge kalte Gipfel\nNiedersteigen, wenn er sang.\nPflanz' und .Blütlr und Frühlingssegen\nSprosst, als folgten Sonn' und liegen\nEwig nur dem Wunderklang.\nAlle Wesen, die ihn hörten,\nWogen selbst, die sturmempörten,\nNeigen still ihr Haupt herab.\nSolche Macht ward süssen Tönen;\nHerzensweh und Todessehnen\nWiegten sie in Schlaf und Grab."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5010, "texte": "erst die Vervollständigung der Empfindung! Die neue\nUebersetzung, welche das Textbuch gibt und die an den\nmeisten Stellen wirkliche Verbesserungen hat (die wir aber\nnicht überall in den gesungenen Worten hörten), genügt\nhier nicht; denn in ihr:\n„Sanft erklang in lyd'scher Weise\nSeine Leier lieblich leise\"\nfehlt die Hauptsache, das „Einwiegen in süsse Lust \". Noch\nEins ist uns in der Ausführung aufgefallen. Warum die\ntheilweise Begleitung der Ilecitative mit dem Flügel? Die\nOrgel kann er doch keinesfalls ersetzen, und wenn man ein\nHändel'sches Musikstück mit Mozart's Instrumentirung gibt,\nso ist offenbar der Flügel und Contrabass, statt der vollstän-\ndigen Accorde im Streich-Quartett, ein störender Ana-\nchronismus.\nWenn der Beifall in der ersten Abtheilung des zwei-\nten Abends, ausgenommen nach der Cherubinischen Ouver-\ntüre, zwar nur ein mässiger, aber immer achtungsvoller und\nauch Einzelnes hervorhebender war, so steigerte ihn Be et-\nil oven's neunte Sinfonie zu einer begeisterten Höhe,\nwie wir sie durch Orchestermusik selten oder nie bei Mu-\nsikfesten erlebt haben. Allen Sätzen, besonders aber den\nreinen Instrumenlalsätzen, den drei ersten, folgte jedesmal\nwiederholt stürmischer Applaus. Bei der technischen Voll-\nendung, mit welcher die Sinfonie ausgeführt wurde, war es\ndoch vor Allem die überwältigende Gewalt des musicali-\nschen Inhalts, was diese ungeheure Wirkung machte;\ndenn wir dürfen es der Sache wegen nicht mit Stillschwei-\ngen übergehen, dass Herr Rietz eben diese trefflichen tech-\nnischen Kräfte zu einer Uebereilung der meisten Tempi\nmissbrauchte, wogegen uns die anderweitigen ausgezeich-\nneten Dirigenten-Eigenschaften desselben im Einstudiren\nund Zusammenhalten der Massen, in Erzeugung der gröss-\nten Präcision und feinen Schattirung und in der Sicherheit\nim Praktischen und Theoretischen, das bei der Orchester-\nleitung gefordert wird, nicht blind machen dürfen. Der\nCharakter des ersten Satzes spricht sich in der scharf be-\ngränzten, energischen Rhythmik, wie in der Melodie des\nHaupt-Thema's so deutlich aus, dass auch ohne die War-\nnung des Zusatzes: ma non troppo, kein Kenner der\nBeethoven'schen Musik an ein reines Allegro denken kann,\nweil die gewöhnliche Bewegung desselben den Ausdruck\njenes Charakters geradezu unmöglich macht. Nun hat der\nMeister aber noch obenein un poco maestoso dazu ge-\nsetzt, damit man ihn ja recht verstehe, und das ist bei Beet-\nhoven's Bezeichnungs-Art kein moderner sentimentaler Ge-\nfühls-Ausdruck, sondern eine wirkliche Tempo-Bezeich-\nnung, indem maestoso ursprünglich „majestätisch\" bedeu-\ntet, aber eben so wie andante („gehend\"), largo („breit\")\nu. s. w. zu einem stehenden Kunst-Ausdrucke geworden\nIst, um einen gewissen würdigen Gang, eine gemessene\nBewegung des Tactes anzudeuten. (Vergl. im finale S. 222\nder Partitur, auch S. 168.) Es heisst also: Dieser Satz\nsoll fast so genommen werden, wie ein\nErwägt man die Menge von Sechszehnteln, selbst in Sex-\ntolen, ja, die \\ielen Zweiunddreissigstel, welche darin vor-\nkommen; sieht man ferner, dass die Blas-Instrumente häu-\nfig Sechszehntel espressivo vortragen (Partitur S.\n12, 15, 17, 33, 41), ja, ebenfalls Sechszehntel sogar\ncantabile behandelt werden sollen (S. 21), so muss man\nein schnelles Tempo dieses Zweiviertel-Tactes geradezu lür\neinen Missgriff erklären, vollends wenn noch obenein hier\nund da geeilt wird, wie z. B. am Schlüsse des ersten Theiles\n(S. 13), wo die scharfen Stoss-Rhythmen, deren guter\nTacttheil acht Mal hinter einander in vierTacten mit einem\ndicken F {forte) in jeder Stimme deutlich genug markirt\nist, eher ein breites Zurückhalten, das Zügeln eines feuri-\ngen Rosses durch eine feste Faust, rechtfertigen würden,\nals ein Wettrennen zum Ziele, wobei das deutliche Ab-\nsetzen des Zweiunddreissigstels (als Complement des Punk-\ntes am Sechszehntel) in den Bogen-Instrumenten geradezu\nunmöglich wird.\nAuch das Tempo des Scherzo, obwohl molto vivace,\nwar etwas zu schnell; der Absatz des Achtels nach dem\npunktirten Viertel kommt nicht heraus und gehört doch\nzum wesentlichen Ausdruck des Charakters. Und wo soll\ndann das Presto hinaus? Da tritt dann gar häufig die\nErscheinung ein, dass das Pres langsamer wird, als das\nMolto vivace!\nDas Adagio und die dazwischen eintretenden Andante's\nwurden in jeder Hinsicht sehr gut ausgelührt; in dem Fi-\nnale der bei Weitem grösste Theil ebenfalls; nur zuletzt\nwurde wieder so gelaufen, dass die Instrumente zwar glück-\nlich ans Ziel gelangten, die Menschenstimmen aber ausser\nAthem kamen und sich nur in den vier Tacten Maestoso\nwieder als singende zusammenfanden.\nWir sind bei diesem wichtigen Punkte ins Einzelne\ngegangen, weil man nicht gründlich genug gegen die Lehre\nvon der „individuellen Auflassung\" der classischen Werke\nauftreten kann, in Folge deren auch die Tempi in die\nWillkür des Ausführenden gelegt werden, während doch\ndie allein richtige Bestimmung derselben in dem erschöpfen-\nden Studium des geistigen Inhalts des einzelnen Musik-\nstückes und der sämmtlichen Werke eines Componisten"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2769, "texte": "und in der Ehrfurcht vor dessen eigenen Bezeichnungen\nliegt. Wenn ich Beethoven hören will, so will ich ihn hö-\nren, nicht das, was Hans oder Kunz aus ihm macht, wenn\ndiese letzteren auch wer weiss wie berühmt sind. Es gibt\nlür jede Composition nur Ein Tempo, und das darf nicht\naus der Persönlichkeit des Spielers oder Dirigenten, son-\ndern allein aus dem Charakter des Stückes und den Anga-\nben des Componisten geschöpft werden. Der grösste Irr-\nthum ist der, Leidenschaft und Feuer des Vortrages in der\nSchnelligkeit des Zeitmaasses zu suchen. Nichts ist nament-\nlich mit Beethoven unverträglicher, als fieberhafte Unruhe\nund übertriebene Hast. Aber auch Mozart unterliegt heut-\n2utage in dem Zeitmaasse häufig der falschen Behandlung,\nbesonders in den Ouvertüren zu Don Juan und zur Zau-\nberflöte. Die letztere wurde auch in Düsseldorf (am dritten\nTage) viel zu schnell genommen; alle Klarheit und aller\nAusdruck des Weichen und Anmuthigen in den Blas-In-\nstrumenten geht dadurch verloren. Auch können wir das\nHervorheben des vierten Achtels im Haupt-Thema durch\nein Fol tissimo nicht für richtig halten; die Sforzandi in\neiner Periode, deren Vortrag p vorgeschrieben ist, dür-\nlen diesen allgemeinen Charakter der ganzen Periode nicht\naufgeben, sie müssen durch den Accent hervorgehoben\nwerden, aber keineswegs wie plötzliche Bomben in den\nruhigen Strom fallen. So glaubte man wenigstens bisher.\nWenn aber die Neueren lür ihre Jagden auf classisches\nHochwild anführen, das Blut rolle schneller in den Adern\ndes heutigen Geschlechts und rechtfertige den Fortschritt\nauch in der Schnelligkeit der Tempi, so ist das gerade das-\nselbe, als wenn ein heissblutiger Schauspieler den Monolog\nWallenstein's: „Hier steh' ich, ein entlaubter Stamm\", mit\nder übersprudelnden Hast des entrüsteten Capuciners in\ndemselben Drama vortragen und sich durch die individuelle\nAuffassung entschuldigen wollte, dass Wallenstein jeden-\nlalls, wenn er heutzutage lebte, so schnell sprechen würde,\nwie er.\nFügen wir schliesslich noch hinzu, dass der Chor in\nder Sinfonie an den meisten Steilen ausserordentlich klang-\nvoll durchgriff, auch mit grosser Genauigkeit einfiel, der\nSopran auf den einmal erklommenen Höhen nicht schwankte,\ndie fenöre und Bässe vortrefflich waren und die grosseMasse\nüberhaupt einen prachtvollen Eindruck machte. Das Solo-\nQuartett war unvollkommen durch die nothwendig gewor-\ndene schnelle Uebernahme der Alt-Partie durch eine\"Dilet-\ntantin, was um so mehr zu bedauern war, da Frl. Tietjens und\nHerr Schneider, und vorzugsweise Herr DuMont-Fier,\nder aus reiner Liebe zur Sache die schwierige Bass-Partie\nübernommen hatte, welcher er bekanntlich in einem Grade\ngewachsen ist, wie ihn nur wenige Sänger erreichen dürf-\nten, ihre Aufgabe ganz befriedigend lös'ten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-07_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-06-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "180", "page_fin": "182", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.2.3", "titre_corps": "Clavier-Compositionen von Gustav Flügel.", "titre_sommaire": "Clavier-Compositionen von Gustav Flügel.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.4", "debut_caractere": 2771, "fin_caractere_exclue": 5092, "texte": "Clavier-Compositionen von Gustav Flügel.\n\nEs thut wohl, unter der grossen Zahl von Compo-\nnisten, die für das Pianoforte schreiben, dann und wann\neinen anzutreffen oder ihm wieder zu begegnen, der nicht\ndarauf ausgeht, den Heisshunger der klimpernden Menge\nzu stillen, sondern dem es darum zu thun ist, dem Ernste\nder Kunst zu huldigen und im Stillen an ihrem Tempel\nfortzubauen, unbekümmert, ob sein Thun in die Augen\nläilt und den grossen Haufen anlockt oder nicht. Um so\nhat alsdann die Kritik die Pflicht, auf die Ergebnisse\neines solchen echt künstlerischen Schaffens stets wieder\nhinzuweisen, die neueren Blüthen desselben zu begrüssen\nund an das Licht der Oeffentlichkeit zu stellen.\nGustav Flügel ist seit seinem ersten Auftreten der\nedelsten Richtung der Ciaviermusik treu geblieben, ohne\ndesshalb die Rücksicht auf den grossen Fortschritt des\nI ianolof tespiels, der durch die Vervollkommnung des In-\nstrumentenbaues und die methodisch erhöhte Fertigkeit\nerzeugt ist, auch nur einen Augenblick aus den Augen zu\nsetzen. Im Gegentheil, seine Ciaviersachen beweisen, dass\ndie Effecte des neueren Clavierspiels, welche keineswegs\nzu vernachlässigen sind, sich sehr wohl mit dem Ernste\nund aer Gediegenheit der Composition vereinigen lassen.\nDies ist schon ein grosses Verdienst seiner Ciavierwerke;\nsie beweisen alle bis auf die neuesten, welche uns zu die-\nsen Zeilen veranlassen, dass das moderne Melodieenspiel\nmit orchestraler Begleitung und die Benutzung der über\nsechs Octaven hinaus erweiterten Scala des Pianoforte sich\nganz anders anwenden lassen als zu Läufen mit durch-\ngehenden (oft durch und durch gehenden) Noten über die\nganze Claviatur hinweg, unter deren kaltem Schneegestö-\nber ein italienischer Singsang auf den scharf eingesetzten\nStelzen eines und des anderen einzelnen Fingers daher-\nstapelt. G. Flügel hat niemals seine Phantasie zu derglei-\nchen „Phantasmen\" gemissbraucht. Auf der anderen Seite\nhat ihn aber auch der Ernst des Willens nicht zu Grübe-\nleien und combinatorischen Rellexions-Erzeugnissen verlei-\ntet, wozu allerdings ein sittlicher Abscheu vor dem Tri-\nvialen leicht verführen kann, wovon wir berühmte Beispiele\nhaben, und wovor wir gerade die talentvollsten jüngeren\nComponisten am meisten warnen müssen. Wir wollen es\nnicht verhehlen, dass wir bei diesen letzten Worten vor-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5157, "texte": "züglich an Johann Brahms denken, den wir dieser Tage\npersönlich kennen gelernt haben; aus seinem Ciavierspiel,\nwie aus seinem ganzen Wesen spricht uns eine wahre\nkünstlerische Natur an, deren Entwicklung auch für die\nComposition wir zuversichtlich entgegen sehen, so wenig\nHeil auch der lür jetzt eingeschlagene Weg bringen kann.\nAusser der erwähnten charakteristischen Eigenschaft\nder Ciavierwerke G. Flügel's, nämlich der Vereinigung der\nalten Gründlichkeit der Arbeit in polyphoner Schreibart,\ndie zugleich den tüchtigen Organisten verräth, mit der\nneueren Technik und Berücksichtigung der Individualität\ndes jetzigen Pianoforte, zeichnen sich dieselben auch in Be-\nzug auf Erfindung vorteilhaft aus und offenbaren, in so\nweit dies überhaupt im richtigen Sinne heutzutage noch\nmöglich ist, Originalität, d. h. einen Stil, ✓ der weder über\nden Mendelssohn'schen, noch über den Schumann'schen\nLeisten geschlagen ist. Wrir glauben nicht zu viel zu sagen,\nwenn wir die fünf grossen Sonaten Flügel's unmittelbar\nan die Sonaten von Beethoven, F. Schubert und C. M. von\nWeber reihen. Schon in der ersten, Op. 4, aus H-dur,\nenthält das Allegro und das Scherzo mehr wahrhaft musi-\ncalisches Leben, als eine ganze Brut aus der Laichzeit der-\nselben Periode. Und doch übertrifft die zweite, Op. 7 in\nH-moll, namentlich im Allegro maestoso, jene an Schwung\nder Phantasie und an Energie des Charakters, die sich je-\ndoch nie ins Maasslose verlieren, sondern in dem, obschon\ntief gewühlten, doch fest begränzten Bette der strengen\nRunstform daherströmen. Eben so tüchtig und in demsel-\nben Geiste folgten die dritte, Op. 13 in die vierte,\nOp. 20 in C-moll, die fünfte, Op. 36 in C-dur, ihren Vor-\ngängerinnen.\nAn die letztere schliessen sich:\nDrei Ciavierstücke, Alf. Dörffel zugeeignet, Op.\n38. Leipzig, bei C. Merseburger. Heft I. 15 Ngr.\n11. 10 Ngr.\nVolks-Poesieen. Zwei Phantasieen lür Pianoforte,\nProf. Kühmstedt zugeeignet. Op. 40. Leipzig,\nbei C. F. W. Siegel. I. 10 Ngr. 11. 7 ?/2 Ngr.\nMelancholie. Nachtstück lür das Pianoforte. C. Sie-\ngel zugeeignet. Op. 41. Preis 1 *2 x/%Ngr.\nMan könnte diese Compositionen „noble Salonslücke\"\nnennen, wenn das Hauptwort nicht so verrufen wäre, dass\nes das Beiwort gewisser Maassen Lügen straft. Deuten wir\ndenn ihren Charakter lieber dadurch an, dass wir sie als\nechte Rammermusik bezeichnen, die sowohl den sinnigen\nSpieler und Hörer in der Einsamkeit oder im kleineren\nRreise des Hauses ergötzen, als auch im Soiree- und Con-\ncert-Saale ein grösseres Publicum von wahren Kunstfreun-\nden anregen und in hohem Grade befriedigen werden. Die\nstrenge Form der Sonaten haben sie verlassen, aber nicht\nden ernsten Stil; sie bekunden im Gegentheil von Neuem\njene Eigenschaften des Componisten, die wir oben erwähnt\nund welche ihn allen Ciavierspielern werth machen müssen.\nDie Auslührung ist nicht immer leicht, bietet jedoch un-\nnöthig gehäufte oder zwecklos gesteigerte Schwierigkeiten\nnirgends dar.\nDas 38. Werk enthält im I. Hefte „Frage und Ant-\nwort\", ein kurzes, anspruchloses Andante und Presto in\nA-dur,und „Dithyrambe\", einen feurigen Satz in\nwelcher schon bedeutender auftritt; im 11. Hefte: „Vor-\nwärts\", nur Eine Nummer, aber eine höchst charakteristi-\nsche. Es ist ein energischer und ungestümer Satz in Cis-\nmoll, in 12/3-Tact, mit durchweg scharf punktirtem Rhyth-\nmus, dessen Bedeutung durch eine absichtliche (vom Com-\nponisten selbst bezeichnete) Erinnerung an das zweite Mo-\ntiv in Körner's und C. M. von Weber's Schwertlied offen-\nbar wird. Ein Zwischensatz in A-dur, 4/i-Tact, mildert den\nstürmenden Drang und macht besonders durch seinen Ein-\ntritt eine schöne Wirkung, bis die Wiederholung des 12/s>-\nTactes die Ahnung der Ruhe wieder verscheucht und zum\nimmer mächtiger drängenden Schlüsse eilt. Der Vortrag\nerfordert ein tüchtiges Handgelenk und viel Rraft; eine\nschlagende Wirkung kann nicht ausbleiben*).\nVon den „ Volks-Poesieen\" (mit dem Namen wollen\nwir es nicht allzu genau nehmen), Op. 40, ist Nr. 2 eine\nkleine, artig duftende Blülhe, ein Erzeugniss sanfter Em-\npfindung, Nr. 1 aber ein gar frisches, originelles Ding voll\nstrotzender Lebenskraft.\nEinen ganz verschiedenen Geist athmet das 41. Werk,\n„Melancholie\". Lasse man sich ja nicht durch den Titel\nverleiten, hier eine von den nichtssagenden so genannten\nmelancholischen Melodieen mit Begleitung von Tonica und\nDominante zu erwarten. Das Stück ist in Erfindung, Form\nund Arbeit ganz vortrefflich. Es sind ernste Variationen,\n\n*) Der Mittelsatz in A-dur soll doch wahrscheinlich in weniger\nbewegtem Zeitmaasse gespielt werden. Die Ueberscbrift „Sanft\nund ruhig\" bezeichnet aber bloss den Vortrag, nicht das\nTempo. Wenn die deutschen Bezeichnungen deutlicher\nausdrücken, was der Verfasser will, so haben wir nichts da-\ngegen; sind sie aber lür den Musiker undeutlicher als die\nhergebrachten technischen Ausdrücke, so schaden sie dem\nVortrage, anstatt ihn zu befördern. Bei Allegro, Andante, Presto\nu. s. w. Weiss und muss jeder Musiker wissen, was er zu\nthun hat, während er bei den deutschen Bezeichnungen, die\njeder Componist willkürlich erfindet, sehr oft in Zweifel\nbleibt, zumal wenn kein Zeitmaass nach dem Metronom an-\ngegeben ist."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1813, "texte": "die den einfachen, mehr ruhig entsagenden als düsteren oder\nunmuthsvollen Charakter und auch das langsame Zeitmaass\n(mit wenigen Ausnahmen) des Thema's (Cis-moll, 3/j, 16\nTacte) durchweg beibehalten und in der letzten in\n(mit der Coda zwei Seiten lang) aus der Entsagung selbst\neinen beruhigeaden Trost hervorspriessen lassen. Die Fi-\nguration geht nirgends über die Bewegung in Achteln hin-\naus ; dass das Ganze aber nicht in verschwimmende Weich-\nlichkeit ausarte, dalür ist durch frischen und doch keines-\nwegs gesuchten Harmonieenwechsel und durch die kräftige\nVariation gesorgt, in welcher das Thema in die Contratöne\ndes Basses und in das Fortissimo gelegt ist. Da tritt es\nmit voller Entschiedenheit auf; der männliche Ernst stemmt\nsich gegen das Geschick und den Verlust. Der Schluss\nbricht mit dem Dominant-Accord von Cis-moll ab, eine\nPause von Einem Tacte folgt, dann tritt das Cis-dur wie\nein milder Himmelsthau ein, fasst aber das Thema in an-\nderem Rhythmus auf, indem es den früheren Auftact\nzum guten Tacttheile macht und dadurch in Verbindung\nmit dem Dur, wir möchten sagen: plastisch die Empfin-\ndung der Ruhe darstellt, die mit dem Leben abgeschlossen\nhat und ein Höheres ahnt. Das alles ist fein und sinnig\ngedacht und verräth den eben so sehr ästhetisch als musi-\ncalisch gebildeten Künstler. In der Form hat dieses\n„ Nachtstück % in welchem aber die Sterne gar hell blin-\nken, noch die Eigentümlichkeit, dass die achttactige Ein-\nleitung oder richtiger Vorbereitung zum Thema im Ver-\nlaufe des zusammenhangenden Ganzen noch drei Mal wie-\nderkehrt und die Veränderungen in Einen Rahmen fasst.\nFügen wir schliesslich noch hinzu, dass in Bezug auf den\nGebrauch beim Unterrichte vorgeschrittener Schüler nichts\neine trefflichere Uebung für das gebundene Spiel darbietet,\nals dieses Stück.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-07_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-06-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "182", "page_fin": "183", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.2.4", "titre_corps": "Aus Brüssel.", "titre_sommaire": "Aus Brüssel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.6", "debut_caractere": 1815, "fin_caractere_exclue": 5094, "texte": "Aus Brüssel.\n[Concerte des Conservatoire Jss o ciati o n des Ar-\nbstes Cerc l e artistique et litt er dir e - Künstler-\nConcerte: H. Wieniawski, Gebrüder Doppler, Miss\nSherrington, Fräul. von Brzowska u. s. w. Soireen\nbei F. Kufferath Orgelbau-Werkstatt von\nMerklin und Schütze.]\nIch bin Ihnen noch einen Bericht über die musicali-\nschen Ereignisse des verflossenen Winters in Brüssel schul-\ndig— da haben Sie ihn. Ueber die musicalischen Ereig-\nnisse? Nun, so hoch wollen wir den Bogen nicht\nspannen. Allein es ist doch allerlei Musik gemacht worden,\nund ich will den Lesern Ihres Blattes wenigstens eine\nUebersicht des Erwähnenswerthen geben.\nAb Jove principium !Herr Fet i s, Director des Con-\nservatoire, dirigirt bekanntlich auch die öffentlichen Con-\ncerte dieses Instituts, welche, seit Jahren bestehend,\nim Conservatismus mit den Conservatoire-Concerten in Pa-\nris wetteifern, sich aber sonst in manchen Dingen und be-\nsonders auch darin von ihnen unterscheiden, dass sie meist\nSchüler der Ansialt als Solisten vorführen. Wir haben vier\nConcerte gehabt (20. Januar, 3. und 17. Februar und 9.\nMärz). Im ersten hörten wir die Sinfonie Nr. 8 in B von\nHaydn in guter Ausführung, das Allegretto der Sinfonie\nNr. 8 von Beethoven [Wie? ein Bruchstück einer Beetho-\nven'schen Sinfonie in Conservatoire-Concerten??], welches\netwas zu schleppend vorgetragen wurde, eine Phantasie\nlür Flöte, ein Clavier-Concert von H. Litolff und mehrere\nGesangstücke (Soli und Ensembles), unter denen der Vor-\ntrag einer Arie aus Gluck's Armide durch Herrn War-\nnots Auszeichnung verdient. Das Finale aus dem zweiten\nActe von Figaro's Hochzeit ist doch schon gar zu oft in\ndiesen Concerten da gewesen, und es dürfte überhaupt sehr\ndie Frage sein, ob dergleichen Scenen aus komischen Opern,\nwobei Spiel und Action wesentlich sind, sich für Concerte,\nvollends für Conservatoire-Concerte, eignen. Im zweiten\nhörten wir Mozart's Es-dur-Sinfonie (Nr. 3) hier zum er-\nsten Male. Herr Fetis gab das Andante, so wie es gedruckt\nist, d. h. mit der Wiederholung! Die Leonoren-Ouverture\nvon Beethoven ging gut; in Mendelssohn's „Meeresstille\"\nu. s. w. war weder die Auffassung noch die unruhige Aus-\nführung zu loben. Herr Cornelis, Professor am Conser-\nvatoire, sang die grosse Arie aus Joseph von Mehul vor-\ntrefflich. Ein Chor aus dem Messias kam auch zu Gehör!\nDie Pastoral-Sinfonie im dritten Concerte ging bis auf das\nAndante gut; dieses wurde durch das über alle Maassen\nschleppende Tempo verdorben. Auch bemerken wir, dass\nBeethoven in demselben nicht alle, sondern nur zwei Vio-\nloncelle, und zwar con Sordini, haben will*). Die Oberon-\nOuverture wurde gut ausgeführt. Fräul. Schmidt spielte\nein Concert von Chopin. Das letzte Concert (9. März)\nbrachte Beethoven's das Trio des Scherzo\nschleppte gar sehr, und vom hohen der Trompete war\nnichts zu hören. Der blinde Herr Dubois gab eine Impro-\nvisation auf dem Harmonium, aus der 56. Sinfonie von\nHaydn wurde nur das Andante gemacht, ferner eine Arie\nvon Bellini, eine von Cimarosa und das Finale des ersten\n\n*) In den Partitur-Ausgaben ist diese Angabc gewöhnlich ver-\ngessen; in der ersten Ausgabe der Orchesterstimmen steht\naber Beethoven's Meinung als Anmerkung unter der ersten\nSeite des Andante in der Violoncellstimme.\nAnmerkung der Redaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5048, "texte": "Actes aus Cherubini's Wasserträger gesungen. Sie können\nhiernach ungefähr beurlheilen, was das erste Concert-In-\nstitut in Belgien für Programme hat. An Chorgesang oder\ngar an ganze Cantaten oder Oratorien ist nicht zu denken.\nDaneben haben wir noch zwei Concert-Vereine, die\nAssociation des Artistes Musiciens,die im zehnten Jahre\nbesteht, und den Cercle Artislique Die erstere\nhat diesen Winter zwei Mal Haydn's Schöpfung gege-\nben das war ein Ereigniss und ein recht erfreuliches.\nChor und Soli waren durch das Opern-Personal besetzt,\nund der Zudrang des Publicums war ausserordentlich. Dem\nlobenswerthen Unternehmen ist das beste Gedeihen zu\nwünschen. Der Cercle ist ein neues Institut, nach Art des\nMuseums in Frankfurt am Main. Kammermusik wechselt mit\nGesang und Vorlesungen in monatlichen Versammlungen ab.\nVon Virtuosen-Concerten hatten die Soireen von H.\nWieni awski den grössten Erfolg, und mit Recht. Er\närntete überall, wo er hier auftrat, stürmischen Beifall. Ne-\nben ihm verdienen die Gebrüder Doppler, Flötisten aus\nPesth, rühmende Erwähnung; ihr Zusammenblasen ist in\nder That herrlich, die Egalität und Reinheit in den Doppel-\nläufen ist bewundernswerth, und auch ihre Compositionen\nsind recht interessant. Sie haben grossen Erfolg und gute\nEinnahmen gehabt. Auch der Violinspieler Ch. Huber\naus Ungarn, der sie begleitet, trug (namentlich in einer\nPhantasie über National-Thema's für zwei Flöten und Vio-\nline) das Seinige dazu bei. Das Concert des Herrn J.\nSteveniers (Professors am Conservatoire)hatte das Merk-\nwürdige, dass zu Mendelssohn's J.-<fotr-Quintett das Scherzo\nund Adagio aus dem B-wo//-Quartett gespielt und mit dem\nletzteren geschlossen wurde! Ferner gaben uns Herr Las-\nsen und der Concertgeber ein Stückchen von Beethoven's\ngrosser Sonate in A (Kreutzer gewidmet), nämlich das\nPresto. Dagegen spielte Wieniawski in seiner Soiree am\n25. Febr. das ganze Quartett Nr. 7 in F von Beethoven.\nDer Pianist Alb. Sowinski und die Pianistin Hed-\nwig von Brzowska. Der Erstere spielte nur von seinen\neigenen Compositionen Salonstücke, jedoch auch ein Trio;\ndie Letztere trug meist gute Musik von bewährten Meistern\nvor, das Septett von Hummel, ein Trio von C. Eckert, die\nVariationen für zwei Piano's von R. Schumann und Sachen\nvon Chopin, Liszt und Henselt. Allein die Bewältigung und\nder Vortrag liessen noch viel zu wünschen übrig.\nGrossen und verdienten Erfolg hatte die Sängerin 11.\nSherrington. Sie hat eine schöne Stimme und versteht\nzu singen; auch zeigt sie sich frei von aller Uebertreibung.\nSie trug die Sopran-Arie aus der Schöpfung, eine italiäni-\nsehe von Bellini, einige Lieder von Schubert diese na-\nmentlich mit natürlicher Auffassung und einige Duette\nvon Mendelssohn und Rossini mit ihrer jüngeren Schwester\nauf reizende Weise vor; denn diese letztere hat ebenfalls\neine schöne Stimme und viel Talent. Herr Lern mens\nspielte in diesem Concerte die von C. M.\nvon Weber, d. h. den ersten Satz derselben, und dazu das\nMenuett aus der Es-dur-Somls!\nF. Kufferath's Soireen für Kammermusik haben\nauch in diesem Winter regelmässig alle acht Tage Statt\ngefunden und einen schönen Kreis von Künstlern und\nKunstfreunden, einheimischen und fremden, vereinigt. Das\nViolin-Quartett bilden hier Leonard (Viol. I.), Fried-\nrichs (Viol. IL), ein Schüler Spohr's, Kufferath (Brat-\nsche), Müller, Schüler von Servais (Violoncell); die Piano-\nPartie führt Herr Kufferath aus. Hier hörte man das selt-\nnere Alte, z. B. Mozart's Qnintett für Clarinette in\ndie Principalstimme vortrefflich von Herrn Blaes vorge-\ntragen, und das meiste Neue, z. B. Schumann's I. und\n11. Violin-Quartett, drei Violin-Quartette von Rubinstein\nnebst seiner Sonate für Piano und Violine (weder jene noch\ndie Sonate sprachen an), Clavier-Trio's von F. Kuffera th,\nC. Reinecke, Joh. Brahms (in H-dur) u. s. w. Ueber\ndie künstlerische Ausführung brauchen wir nichts zu be-\nmerken, die erwähnten Namen charakterisiren sie hinläng-\nlich. Auch 11. Wieniawski spielte hier öfter, wie denn alle\ndurchreisenden Künstler stets diesen Kreis vorzugsweise\nbesuchen.\nUnsere trefflichen Orgelbauer, die Herren Merklin\nund Schütze, haben ihr Etablissement wieder bedeutend\nvergrössert und namentlich einen hohen, geräumigen Saal\ngebaut, in welchem sie die grössten Orgeln aufstellen kön-\nnen. Ich weiss nicht, ob ich das Orgel-Concert schon ein-\nmal erwähnt habe, welches zur Einweihung desselben im\nvorigen Jahre veranstaltet wurde und in welchem Herr\nKufferath sich so ausgezeichneten Beifall erwarb. Es ist\nnoch in gutem Andenken, und man freut sich jetzt beson-\nders darauf, in demselben Saale die grosse Orgel für die\nKathedrale in Murcia zu hören, welche binnen sechs bis\nacht Wochen aufgestellt wird. Hoffentlich werden die Her-\nren Merklin und Schütze den Tag, an welchem dieses im-\nposante Werk dem kunstliebenden Publicum vorgeführt\nwird, im Voraus näher bestimmen, damit es auch auswär-\ntigen Künstlern möglich werde, dasselbe zu bewundern.\nHerr Damcke, früher in Petersburg, ist von Frank-\nfurt am Main zurückgekehrt und hat sich hier niedergelassen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-07_01#c006", "volume": "bmtnabi_1856-06-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "184", "page_fin": "184", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.2.5", "titre_corps": "Aus Dresden.", "titre_sommaire": "Aus Dresden.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3215, "texte": "Aus Dresden.\nDen 15. Mai 1856.\nWährend die Berühmtheiten unserer Hofbühne fast sämmtlich\nauf Reisen sind, haben wir hier so viele Gäste zu sehen und zu\nhören bekommen, dass eine erfreuliche Abwechslung und ein In-\nteresse am Iheater auch in den Tagen bemerklich war, die als die\nersten Frühlingstage nicht eben dazu vorhanden zu sein scheinen,\num die Abende im Theater zuzubringen.\nEs würde mich zu weit führen, über alle unsere Bühnengäste\nausführlich zu referiren, zumal Keiner derselben eigentlich recht\ndurchgeschlagen hat. Fräul. L. Michal aus Schweden ist eine\nausgezeichnete Coloratursängerin, keineswegs aber, wie einseitiger\nEnthusiasmus die Welt glauben machen will, eine „zweite Lind\";\nFräul. Elise Harting aus Schwerin ist eine treffliche Soubrette,\nohne sich jedoch durch besonders originelle Züge geltend zu ma-\nchen; Herr Ernst Weiss aus Stettin (nicht zu verwechseln mit\ndem früher am dresdener Hoftheater engagirt gewesenen Bassisten\nWeiss) ist ein sehr begabter Baritonist, dem aber die Leichtigkeit\nim Vortrage mangelt, und der sich durch den Beifall, den man ihm\nanderwärts gezollt, nicht im höheren Kunststreben beirren lassen\ndarf. Derselbe ist durch die Munificenz des trefflichen Herzogs\nErnst von Gotha auf dem münchener Conservatorium gebildet und\nnoch ein junger Mann, der wohl einmal seinen Namen haben wird,\naber, wie gesagt, noch ernstlich studiren muss, wenn er als wirk-\nlicher Künstler gelten will.\nUnserer Oper ist bereits seit mehreren Monaten in der Person\ndes Herrn Richard Colbrun ein Bassist gewonnen, der, ein\nFranzose von Geburt und Schüler Garcias, vor ungefähr einem\nJahre nach Deutschland gekommen ist. Die Direction der dresde-\nner Hoibühne erkannte mit richtigem Tacte Herrn Colbrun's un-\ngewöhnliches Gesangs-Talent und engagirte denselben, obwohl er\nnoch nie auf einer deutschen Bühne aufgetreten war. Er debutirte\nals Sarastro in der Zauberflöte; seitdem trat er auf als Bertram in\nRobert der Teufel, Cardinal in der Jüdin, Osmin in der Entfüh-\nrung, Marcel in den Hugenotten u.s.w. Was nun seine Begabung\nbetrifft, so besteht diese zunächst in einer wirklich tiefen Bass-\nstimme, die bekanntlich gegenwärtig zu den Seltenheiten gehört.\nDer Klang derselben ist durchaus edel, rein und kernig, und ihr\nUmfang vom tiefen D bis über zwei Octaven hinauf, ohne dass\nHerr Colbrun diese Höhe zu forciren braucht.\nEs erscheint uns'gerade als ein charakteristisches Merkmal der\nGesangesleistungen dieses Künstlers, dass er seineStimme in einem\ngleich massigen, egalen Klange zu erhalten sucht und alle Effect-\nhascherei und Uebertreibung vermeidet; sein Vortrag ist sauber,\neinfach und gesund, das Product einer verständigen Schule und'\nfleissigen Studiums und, was als ein weiterer, seltener Vorzug gel-\nten mag, für eine Bassstimme auffallend gefühlvoll und zärtlich.\nVVenn Herr Colbrun bei diesen ausgezeichneten Fähigkeiten trotz-\ndem noch keineswegs einer besonderen Popularität sich erfreut, so\nsuchen wir den Grund dieser Erscheinung in seiner Ungeübtheit\nim scenischen Spiel. Wird er, wie es wünschenswerth ist, öfters\nbeschäftigt, und erhält dadurch sein Spiel die unumgänglich nöthige\nRoutine, so prognosticiren wir ihm eine bedeutende Stellung in\nder Gesangeswelt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-07-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-07_01#c007", "volume": "bmtnabi_1856-06-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "184", "page_fin": "184", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.8", "debut_caractere": 3217, "fin_caractere_exclue": 5724, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nFreitag, den 30. Mai, gab Herr Stock hausen hier\nnoch eine Soiree in dem kleinen Saale des Germanischen Hofes.\nDie Zuhörerschaft war nicht zahlreich, aber sehr dankbar. Er trug\nden Cyklus der Lieder Wilh. Müller's, betitelt „Die schöne\nMüllerin\", in Musik gesetzt von F. Schubert, vor. Hiller be-\ngleitete ihn am Piano, spielte dazwischen den 2w/«r-Satz aus Beet*\"\nhoven s Lychnowski-Sonate, Op. 90 eine sehr sinnige Wahl\nund gewährte ausserdem dem Sänger Erholung, indem er zwei Mal\nvon einem Liede zum anderen in längerer freier Phantasie über-\nging, wobei er die eben gesungene Schubert'sche Melodie, und das\nzweite Mal daneben auch Anklänge an das Beethoven'sche Haupt-\nMotiv mit Meisterschaft in compositorischer Gewandtheit und im\n\\ ortrage benutzte. Damit er sich aber nicht beklage, dass wir\nHerrn Stockhausen über ihn vernachlässigten, so beeilen wir uns\nzu constatiren, dass der vortreffliche Minnesänger den lebhaftesten\nBeifall fast nach jeder Nummer erhielt und, wiewohl nicht ganz\ngut disponirt, dennoch die meisten Lieder und unter diesen wie-\nderum die weichen und sentimentalen vorzüglich schön, und na-\nmentlich „Ungeduld\", „Die böse Farbe44, „Der Müller und der Bach44\nund „Des Baches Wiegenlied44 mit ergreifendem Ausdrucke vor-\ntrug. Weniger genügten uns „Die Wanderschaft44, „Feierabend44\n(fühlbar transponirt), „Eifersucht und Stolz'4, „Trockene Blumen44.\nMehr über Herrn Stockhausen's Gesang nach dem zu sagen, was\nHerr Dr. G. Engel aus Berlin und wir selbst in der vorigen\nNummer dieser Blätter und in den Berichten über das düsseldorfer\nMusikfest in der „Kölnischen Zeitung44 bereits gesagt haben, würde\ndie Anerkennung der grossen Vorzüge dieses ausgezeichneten Sän-\ngers für alle diejenigen, die heutzutage noch vorurtheilsfrei und mit\nVerstand zu lesen verstehen, nicht erhöhen, und den Anderen ge-\ngenüber nur an das hübsche Bild der „Mohrenwäsche44 erinnern,\ndas in allen Zimmern hängt. L. B.\nIn Cöthen fand am 1. Mai in der St.-Agnus-Kirchc ein von\nDr. Lutze zum Besten einiger hülflosen Familien veranstaltetes,\nzahlreich besuchtes Orgel-Concert Statt, um welches sich die Herren\nMagnus und L. Kindscher durch Orgel-Vorträge und Lei-\ntung der Chöre rühmenswerth verdient machten.\n\"\" \"\nIn der Vorstellung des Don Juan am 16. Mai zu Leipzig\nspielte der von dem unglücklichen Zufalle (einem Armbruche) ge-\nnesene Concertmeister David wieder im Orchester mit. Nach\ndem Vortrage des Pizzicato in dem Ständchen erhielt er einen\nrauschenden Applaus."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas 34. niederrheinische Musikfest in Düsseldorf. III. Von L. Bischoff. — Clavier-Compositionen von Gustav Flügel.\n\"Von L B. Aus Brüssel (Conservcitoive, Association, Cercle, H, Wieniawski, Gebrüder Doppler, Miss Sherrington, H. von Brzowsky,\nKufferaths Soireen, Orgelbau-Werkstatt von Merklin-Schütze). — Aus Dresden (Fräul. Michal, Fräul. Harting, Herr Weiss, Herr Rieh.\nColbrun. — Tages-und Unterhaltungsblatt (Köln, Zweite Soiree von J. Stockhausen — Cöthen — Leipzig).\n\nDas 34. niederrheinische Musikfest in Düsseldorf.\nIII.\n(S. I. Nr. 20, 11. Nr. 22.)\nDen zweiten Festabend eröffnete die Ouvertüre zu\nden Abenceragen von Cherubini. Ob die genannte Oper,\nwelche der Meister um das Jahr 1813 componirt oder\nwenigstens vollendet hat, eine oder mehrere Aufführungen\nerlebte, wissen wir nicht; bekannt ist nichts daraus gewor-\nden, als die Ouvertüre, ein treffliches, mehr ins Feine als\nins Grosse gearbeitetes Werk, über dessen meisterhafte\nAusführung durch Rietz und das diesjährige Orchester wir\nbereits im ersten Artikel gesprochen haben. Abgesehen\nvon dieser, kann man die Wahl der Ouvertüre für ein Mu-\nsikfest und vollends die Zusammenstellung mit den beiden\nfolgenden Werken nicht gut heissen.\nEs waren dies R. Schumann's Adventlied von\nRückert und Händel's Alexanderfest. Die ausführlichere\nBeurtheilung von Schumann's bestem Gesangwerke, „Pa-\nradies und Peri\", welche die Nr. 26 dieser Blätter vom\nvorigen Jahre (ebenfalls bei Gelegenheit des niederrheini-\nschen Musikfestes) enthält, überhebt uns, über das Advent-\nlied zu sprechen, welches wohl die schwächste von Schu-\nmann's Gesang-Compositionen sein dürfte. Mit Ausnahme\nvon einer oder zwei Stellen für Frauenstimmen ist in allem\nUebrigen kein Motiv von Bedeutung zu finden, und Aus-\nsendinge, wie der (übrigens ganz unnothwendige)-Wechsel\nzwischen Fünf- und Vier-Viertellact, können den Mangel\nan Originalität nicht ersetzen. Das Ganze liess sehr kalt.\nZu solchen Missgriflen in der Wahl kommt man, wenn\nman durchaus diesen oder jenen Namen auf dem Programme\nhaben will; das ist dann zuweilen eine Pietät, die ihren\nZweck mehr verfehlt als erreicht.\nAber auch das Alexanderfest machte nicht den Ein-\ndruck auf die Zuhörerschaft, den sonst Händel's Oratorien\nbei den niederrheinischen Musikfesten machen. Das lag\nebenfalls zum Theil an dem Werke selbst, zum Theil an\nder Ausführung. Allerdings hat Händel's Genius auch bei\nder Composition dieses seines fünften Werkes in der Reihe\nder Oratorien und Cantaten („Esther\" 1720, „Acis und\nGalathea\" 1721, „Deborah\" 1733, „Athalia\" 1733,\n„Das Alexanderfest\" 1736 in Aachen geschrieben) ge-\nwaltet; allein erstens lässt die Musik doch nicht „die\nSchwächen des Gedichtes*) vergessen\", wie der geehrte\n\n*) Die verehrte Redaction der Kölnischen Zeitung belehrt uns\nin einer Anmerkung zu unserem Artikel 111. über das Musik-\nfest (in Nr. 142 vom 23. Mai), „Lord Byron sei der Meinung\ngewesen, dass dieses Eine kleine Gedicht die ganze englische\nLyrik aufwiege\", und fügt hinzu, dass „ihre Ansicht der By-\nron's weit näher stehe\", als der unsrigen. Gegen das Letztere\nkönnen wir natürlich nichts haben. Aber dass Byrons und\nder Redaction Ansicht in unserer Zeit ganz vereinzelt dastehe,\ndürfte unschwer zu beweisen sein, da über den Mangel an\nPhantasie und wahrer Poesie in J. Dryden's lyrischen Ge-\ndichten jetzt nur Eine Stimme herrscht, die selbst bis in die\nConvcrsations-Lexica hinein leicht zu verfolgen ist. Sollte\nLord Byron in der That sich jene Aeusserung haben zu\nSchulden kommen lassen, so würde das höchstens interessant\nsein (und desshalb die Nach Weisung wünschenswerth), aber\nkeineswegs maassgebend; und hat er unter seinem Ausdrucke\n„die ganze englische Lyrik\", also bis auf seine Zeit, ver-\nstanden, so beweis't das nur, dass ein grosser Dichter den-\nnoch ein sehr schlechter Aeslheliker sein \"kann, indem schon\nin Cowper, vollends aber in Burns, Wordsworth, Walter\nScott, Thomas Moore u. s. w. hundert Mal mehr natürliche\nEmpfindung und poetische Wahrheit ist, als in Dryden's ly-\nrischen Gedichten, die in ihrem altfranzösischen Zuschnitte\nhöchstens als glatte Verstandes-Producte gelten können. Hat\nByron aber vielleicht nur die ganze englische Lyrik bis auf\nDryden gemeint, so ist auch selbst in dieser Beschränkung\nsein Urtheil falsch, indem nicht bloss die wundervollen lyri-\nschen Stellen in Shakespearc's Dramen, sondern auch selbst\ndessen eigentliche, in Form und Inhalt lyrische Gedichte\nunendlich höher stehen, als das Beste von Dryden in dieser"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.2", "texte": "Vorredner des diesjährigen Programmes (dem Vernehmen\nnach Prof. 0. Jahn) sich sehr glimpflich ausdrückt, sie tre-\nten noch immer grell genug hervor; und zweitens sind die\nvorzugsweise begeisternden Elemente der Händel'schen\nMusik, die Elemente der Kraft, Grossartigkeit, erhabenen\nEinfachheit der Motive und ihrer Verarbeitung zu Chören,\nhier nicht so hervortretend, als in den späteren Oratorien:\nIsrael in Aegypten, Josua, Samson, Judas Maccabäus, Mes-\nsias u. s. w. Chöre, nicht bloss wie den vollkommensten\naller, das Halleluja, sondern wie „Das Ross und den Rei-\nter\" im Israel, den Siegesgesang im Judas, „Sie treten\nDeinen Knecht in Staub\" und „Im Donner komm, o Gott,\nherab\" im Samson und viele ähnliche sucht man imAlexan-\nderfest vergebens, und es wird doch Niemand läugnen wol-\nlen, dass für unsere Zeit die Chöre in Händel die Haupt-\nsache sind. Man geht sogar keineswegs zu weit, wenn man\nsagt, dass im Alexanderfest eine gewisse der Zeit angehö-\nrige italiänische Manier den Componisten oft zu rein musi-\ncalischer Arbeit verleitet habe, d. h. solcher, welche auf\nden Charakter des Textes und auf die Situation keine Rück-\nsicht nimmt. Oder will man etwa behaupten, dass die So-\npran-Arie Nr. 25 aus B-durund der darauf folgende Chor\nauf dasselbe Motiv:\nden Worten: „Thaiseilt voran, sie leuchtet ihnen zur Ver-\nheerung, und eine zweite Helena steckt sie ein zweites\nTroja in Brand\" —und der musicalischen Plastik einer Scene,\nin welcher der König „die Fackel schwingt\", die „Fürsten\nihm mit wilder Freude zujauchzen\", entsprechen? Nimmt\nman nun vollends ins Auge, dass dieser Chor die Kata-\nstrophe den Brand von Persepolis veranschaulichen\nsoll, dass sich das ganze Gedicht über die Macht der Mu-\nsik damit abschliesst und nichts weiter folgt, als eine fro-\nstige Betrachtung über die Erfindung der Orgel, so wird\nman unsere Meinung vollkommen gerechtfertigt finden.\nDies zur Erklärung und Entschuldigung einer Zuhö-\nrerschaft von 1856, die sich nicht mehr absolut, sondern\nnur relativ an Händel's Alexanderfest begeistert.\nDie Ausführung war in den Chören nicht so genau\nund glänzend frisch, wie im Elias, namentlich waren die\nEinsätze einige Male nicht fest und kräftig genug. Die Soli\nsangen Fräul. Tietjens, Herr Schneider und Herr Slock-\nhausen. Der Letztere hätte diese Partie, wenigstens die\nzweite Arie in D-durund G-mowelche für einen wirk-\nlichen und kräftigen Bass geschrieben ist, nicht übernehmen\nsollen, da für dieselbe trotz dem, dass Herr Rietz das Or-\nchester, die Trompeten mit eingeschlossen, bei diesem Auf-\nrufe „zur Rache\" nur „säuseln\" liess, was er zu verant-\nworten hat, die Stimme und in Folge dessen auch der ener-\ngische Vortrag nicht ausreichte. Die erste, höher liegende\nArie aus F-dursang er dagegen recht gut und ärntele lau-\nten Beifall. Herr Schneider, von den Solisten am meisten\nbeschäftigt, trug seine ganze Partie und namentlich die\nerste Arie in A-dur (sonst auch vom Sopran gesungen) und\ndie Recitalive, unter denen wir besonders Nr. 4 und Nr.\n20 auszeichnen, vortrefflich vor. Die Arie aus A-moll im\nersten Theiie:\nWar, he song, is toil and trouble,\nHonnour had anemply u. s. w.\n(„Krieg ist Arbeit und Unruhe, Ehre hat eine leere Blase\"),\nkann nicht nur als Probe für die Poesie dienen, sondern\nleider hat auch die Musik hier die Schwäche des Gedichtes\nnicht verdeckt. Was sich damit machen lässt, das machte\nder Sänger daraus. Fräul. Tieljens bewährte auch hier,\nwas wir bei Gelegenhtit des Elias über sie gesagt haben;\nauszuzeichnen ist der Vortrag der Arie Nr. 7 in\n„Der König lauscht\", welcher der lebhafteste Beifall folgte,\nund des lydischen Braulliedes, welches Herr Grützmacher\naus Leipzig auf dem Violoncello trefflich begleitete; viel-\nleicht wäre dabei mehr Einfachheit, wir möchten sagen:\nNatur, zu wünschen gewesen. Doch erhielt der herrliche\nTon desselben und der zarte Vortrag mit Recht stürmi-\nschen Beifall. Die Nummer selbst ist eine Perle in dem\nWerke. Welche bewundernswerthe Idee, dem Ausdruck\nder Liebe und Sehnsucht in der Sopranstimme einen Wie-\nderhall im Tenor eines Instrumentes zu geben, gleichsam\n\nArt. Man vergleiche nur Shakespcare's „Sonette\", „Venus\nund Adonis\", „Der leidenschaftliche Pilger\", „Des Mädchens\nKlage\" u. s. w. Wir möchten Lord Byron parodirend sagen:\nFolgendes kleine Lied aus König Heinrich VIII. über die\nMacht der Töne ist uns lieher als das ganze Alexanderfest:\nOrpheus' Laute hiess die Wipfel,\nWüster Berge kalte Gipfel\nNiedersteigen, wenn er sang.\nPflanz' und .Blütlr und Frühlingssegen\nSprosst, als folgten Sonn' und liegen\nEwig nur dem Wunderklang.\nAlle Wesen, die ihn hörten,\nWogen selbst, die sturmempörten,\nNeigen still ihr Haupt herab.\nSolche Macht ward süssen Tönen;\nHerzensweh und Todessehnen\nWiegten sie in Schlaf und Grab."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.3", "texte": "erst die Vervollständigung der Empfindung! Die neue\nUebersetzung, welche das Textbuch gibt und die an den\nmeisten Stellen wirkliche Verbesserungen hat (die wir aber\nnicht überall in den gesungenen Worten hörten), genügt\nhier nicht; denn in ihr:\n„Sanft erklang in lyd'scher Weise\nSeine Leier lieblich leise\"\nfehlt die Hauptsache, das „Einwiegen in süsse Lust \". Noch\nEins ist uns in der Ausführung aufgefallen. Warum die\ntheilweise Begleitung der Ilecitative mit dem Flügel? Die\nOrgel kann er doch keinesfalls ersetzen, und wenn man ein\nHändel'sches Musikstück mit Mozart's Instrumentirung gibt,\nso ist offenbar der Flügel und Contrabass, statt der vollstän-\ndigen Accorde im Streich-Quartett, ein störender Ana-\nchronismus.\nWenn der Beifall in der ersten Abtheilung des zwei-\nten Abends, ausgenommen nach der Cherubinischen Ouver-\ntüre, zwar nur ein mässiger, aber immer achtungsvoller und\nauch Einzelnes hervorhebender war, so steigerte ihn Be et-\nil oven's neunte Sinfonie zu einer begeisterten Höhe,\nwie wir sie durch Orchestermusik selten oder nie bei Mu-\nsikfesten erlebt haben. Allen Sätzen, besonders aber den\nreinen Instrumenlalsätzen, den drei ersten, folgte jedesmal\nwiederholt stürmischer Applaus. Bei der technischen Voll-\nendung, mit welcher die Sinfonie ausgeführt wurde, war es\ndoch vor Allem die überwältigende Gewalt des musicali-\nschen Inhalts, was diese ungeheure Wirkung machte;\ndenn wir dürfen es der Sache wegen nicht mit Stillschwei-\ngen übergehen, dass Herr Rietz eben diese trefflichen tech-\nnischen Kräfte zu einer Uebereilung der meisten Tempi\nmissbrauchte, wogegen uns die anderweitigen ausgezeich-\nneten Dirigenten-Eigenschaften desselben im Einstudiren\nund Zusammenhalten der Massen, in Erzeugung der gröss-\nten Präcision und feinen Schattirung und in der Sicherheit\nim Praktischen und Theoretischen, das bei der Orchester-\nleitung gefordert wird, nicht blind machen dürfen. Der\nCharakter des ersten Satzes spricht sich in der scharf be-\ngränzten, energischen Rhythmik, wie in der Melodie des\nHaupt-Thema's so deutlich aus, dass auch ohne die War-\nnung des Zusatzes: ma non troppo, kein Kenner der\nBeethoven'schen Musik an ein reines Allegro denken kann,\nweil die gewöhnliche Bewegung desselben den Ausdruck\njenes Charakters geradezu unmöglich macht. Nun hat der\nMeister aber noch obenein un poco maestoso dazu ge-\nsetzt, damit man ihn ja recht verstehe, und das ist bei Beet-\nhoven's Bezeichnungs-Art kein moderner sentimentaler Ge-\nfühls-Ausdruck, sondern eine wirkliche Tempo-Bezeich-\nnung, indem maestoso ursprünglich „majestätisch\" bedeu-\ntet, aber eben so wie andante („gehend\"), largo („breit\")\nu. s. w. zu einem stehenden Kunst-Ausdrucke geworden\nIst, um einen gewissen würdigen Gang, eine gemessene\nBewegung des Tactes anzudeuten. (Vergl. im finale S. 222\nder Partitur, auch S. 168.) Es heisst also: Dieser Satz\nsoll fast so genommen werden, wie ein\nErwägt man die Menge von Sechszehnteln, selbst in Sex-\ntolen, ja, die \\ielen Zweiunddreissigstel, welche darin vor-\nkommen; sieht man ferner, dass die Blas-Instrumente häu-\nfig Sechszehntel espressivo vortragen (Partitur S.\n12, 15, 17, 33, 41), ja, ebenfalls Sechszehntel sogar\ncantabile behandelt werden sollen (S. 21), so muss man\nein schnelles Tempo dieses Zweiviertel-Tactes geradezu lür\neinen Missgriff erklären, vollends wenn noch obenein hier\nund da geeilt wird, wie z. B. am Schlüsse des ersten Theiles\n(S. 13), wo die scharfen Stoss-Rhythmen, deren guter\nTacttheil acht Mal hinter einander in vierTacten mit einem\ndicken F {forte) in jeder Stimme deutlich genug markirt\nist, eher ein breites Zurückhalten, das Zügeln eines feuri-\ngen Rosses durch eine feste Faust, rechtfertigen würden,\nals ein Wettrennen zum Ziele, wobei das deutliche Ab-\nsetzen des Zweiunddreissigstels (als Complement des Punk-\ntes am Sechszehntel) in den Bogen-Instrumenten geradezu\nunmöglich wird.\nAuch das Tempo des Scherzo, obwohl molto vivace,\nwar etwas zu schnell; der Absatz des Achtels nach dem\npunktirten Viertel kommt nicht heraus und gehört doch\nzum wesentlichen Ausdruck des Charakters. Und wo soll\ndann das Presto hinaus? Da tritt dann gar häufig die\nErscheinung ein, dass das Pres langsamer wird, als das\nMolto vivace!\nDas Adagio und die dazwischen eintretenden Andante's\nwurden in jeder Hinsicht sehr gut ausgelührt; in dem Fi-\nnale der bei Weitem grösste Theil ebenfalls; nur zuletzt\nwurde wieder so gelaufen, dass die Instrumente zwar glück-\nlich ans Ziel gelangten, die Menschenstimmen aber ausser\nAthem kamen und sich nur in den vier Tacten Maestoso\nwieder als singende zusammenfanden.\nWir sind bei diesem wichtigen Punkte ins Einzelne\ngegangen, weil man nicht gründlich genug gegen die Lehre\nvon der „individuellen Auflassung\" der classischen Werke\nauftreten kann, in Folge deren auch die Tempi in die\nWillkür des Ausführenden gelegt werden, während doch\ndie allein richtige Bestimmung derselben in dem erschöpfen-\nden Studium des geistigen Inhalts des einzelnen Musik-\nstückes und der sämmtlichen Werke eines Componisten"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.4", "texte": "und in der Ehrfurcht vor dessen eigenen Bezeichnungen\nliegt. Wenn ich Beethoven hören will, so will ich ihn hö-\nren, nicht das, was Hans oder Kunz aus ihm macht, wenn\ndiese letzteren auch wer weiss wie berühmt sind. Es gibt\nlür jede Composition nur Ein Tempo, und das darf nicht\naus der Persönlichkeit des Spielers oder Dirigenten, son-\ndern allein aus dem Charakter des Stückes und den Anga-\nben des Componisten geschöpft werden. Der grösste Irr-\nthum ist der, Leidenschaft und Feuer des Vortrages in der\nSchnelligkeit des Zeitmaasses zu suchen. Nichts ist nament-\nlich mit Beethoven unverträglicher, als fieberhafte Unruhe\nund übertriebene Hast. Aber auch Mozart unterliegt heut-\n2utage in dem Zeitmaasse häufig der falschen Behandlung,\nbesonders in den Ouvertüren zu Don Juan und zur Zau-\nberflöte. Die letztere wurde auch in Düsseldorf (am dritten\nTage) viel zu schnell genommen; alle Klarheit und aller\nAusdruck des Weichen und Anmuthigen in den Blas-In-\nstrumenten geht dadurch verloren. Auch können wir das\nHervorheben des vierten Achtels im Haupt-Thema durch\nein Fol tissimo nicht für richtig halten; die Sforzandi in\neiner Periode, deren Vortrag p vorgeschrieben ist, dür-\nlen diesen allgemeinen Charakter der ganzen Periode nicht\naufgeben, sie müssen durch den Accent hervorgehoben\nwerden, aber keineswegs wie plötzliche Bomben in den\nruhigen Strom fallen. So glaubte man wenigstens bisher.\nWenn aber die Neueren lür ihre Jagden auf classisches\nHochwild anführen, das Blut rolle schneller in den Adern\ndes heutigen Geschlechts und rechtfertige den Fortschritt\nauch in der Schnelligkeit der Tempi, so ist das gerade das-\nselbe, als wenn ein heissblutiger Schauspieler den Monolog\nWallenstein's: „Hier steh' ich, ein entlaubter Stamm\", mit\nder übersprudelnden Hast des entrüsteten Capuciners in\ndemselben Drama vortragen und sich durch die individuelle\nAuffassung entschuldigen wollte, dass Wallenstein jeden-\nlalls, wenn er heutzutage lebte, so schnell sprechen würde,\nwie er.\nFügen wir schliesslich noch hinzu, dass der Chor in\nder Sinfonie an den meisten Steilen ausserordentlich klang-\nvoll durchgriff, auch mit grosser Genauigkeit einfiel, der\nSopran auf den einmal erklommenen Höhen nicht schwankte,\ndie fenöre und Bässe vortrefflich waren und die grosseMasse\nüberhaupt einen prachtvollen Eindruck machte. Das Solo-\nQuartett war unvollkommen durch die nothwendig gewor-\ndene schnelle Uebernahme der Alt-Partie durch eine\"Dilet-\ntantin, was um so mehr zu bedauern war, da Frl. Tietjens und\nHerr Schneider, und vorzugsweise Herr DuMont-Fier,\nder aus reiner Liebe zur Sache die schwierige Bass-Partie\nübernommen hatte, welcher er bekanntlich in einem Grade\ngewachsen ist, wie ihn nur wenige Sänger erreichen dürf-\nten, ihre Aufgabe ganz befriedigend lös'ten.\n\nClavier-Compositionen von Gustav Flügel.\n\nEs thut wohl, unter der grossen Zahl von Compo-\nnisten, die für das Pianoforte schreiben, dann und wann\neinen anzutreffen oder ihm wieder zu begegnen, der nicht\ndarauf ausgeht, den Heisshunger der klimpernden Menge\nzu stillen, sondern dem es darum zu thun ist, dem Ernste\nder Kunst zu huldigen und im Stillen an ihrem Tempel\nfortzubauen, unbekümmert, ob sein Thun in die Augen\nläilt und den grossen Haufen anlockt oder nicht. Um so\nhat alsdann die Kritik die Pflicht, auf die Ergebnisse\neines solchen echt künstlerischen Schaffens stets wieder\nhinzuweisen, die neueren Blüthen desselben zu begrüssen\nund an das Licht der Oeffentlichkeit zu stellen.\nGustav Flügel ist seit seinem ersten Auftreten der\nedelsten Richtung der Ciaviermusik treu geblieben, ohne\ndesshalb die Rücksicht auf den grossen Fortschritt des\nI ianolof tespiels, der durch die Vervollkommnung des In-\nstrumentenbaues und die methodisch erhöhte Fertigkeit\nerzeugt ist, auch nur einen Augenblick aus den Augen zu\nsetzen. Im Gegentheil, seine Ciaviersachen beweisen, dass\ndie Effecte des neueren Clavierspiels, welche keineswegs\nzu vernachlässigen sind, sich sehr wohl mit dem Ernste\nund aer Gediegenheit der Composition vereinigen lassen.\nDies ist schon ein grosses Verdienst seiner Ciavierwerke;\nsie beweisen alle bis auf die neuesten, welche uns zu die-\nsen Zeilen veranlassen, dass das moderne Melodieenspiel\nmit orchestraler Begleitung und die Benutzung der über\nsechs Octaven hinaus erweiterten Scala des Pianoforte sich\nganz anders anwenden lassen als zu Läufen mit durch-\ngehenden (oft durch und durch gehenden) Noten über die\nganze Claviatur hinweg, unter deren kaltem Schneegestö-\nber ein italienischer Singsang auf den scharf eingesetzten\nStelzen eines und des anderen einzelnen Fingers daher-\nstapelt. G. Flügel hat niemals seine Phantasie zu derglei-\nchen „Phantasmen\" gemissbraucht. Auf der anderen Seite\nhat ihn aber auch der Ernst des Willens nicht zu Grübe-\nleien und combinatorischen Rellexions-Erzeugnissen verlei-\ntet, wozu allerdings ein sittlicher Abscheu vor dem Tri-\nvialen leicht verführen kann, wovon wir berühmte Beispiele\nhaben, und wovor wir gerade die talentvollsten jüngeren\nComponisten am meisten warnen müssen. Wir wollen es\nnicht verhehlen, dass wir bei diesen letzten Worten vor-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.5", "texte": "züglich an Johann Brahms denken, den wir dieser Tage\npersönlich kennen gelernt haben; aus seinem Ciavierspiel,\nwie aus seinem ganzen Wesen spricht uns eine wahre\nkünstlerische Natur an, deren Entwicklung auch für die\nComposition wir zuversichtlich entgegen sehen, so wenig\nHeil auch der lür jetzt eingeschlagene Weg bringen kann.\nAusser der erwähnten charakteristischen Eigenschaft\nder Ciavierwerke G. Flügel's, nämlich der Vereinigung der\nalten Gründlichkeit der Arbeit in polyphoner Schreibart,\ndie zugleich den tüchtigen Organisten verräth, mit der\nneueren Technik und Berücksichtigung der Individualität\ndes jetzigen Pianoforte, zeichnen sich dieselben auch in Be-\nzug auf Erfindung vorteilhaft aus und offenbaren, in so\nweit dies überhaupt im richtigen Sinne heutzutage noch\nmöglich ist, Originalität, d. h. einen Stil, ✓ der weder über\nden Mendelssohn'schen, noch über den Schumann'schen\nLeisten geschlagen ist. Wrir glauben nicht zu viel zu sagen,\nwenn wir die fünf grossen Sonaten Flügel's unmittelbar\nan die Sonaten von Beethoven, F. Schubert und C. M. von\nWeber reihen. Schon in der ersten, Op. 4, aus H-dur,\nenthält das Allegro und das Scherzo mehr wahrhaft musi-\ncalisches Leben, als eine ganze Brut aus der Laichzeit der-\nselben Periode. Und doch übertrifft die zweite, Op. 7 in\nH-moll, namentlich im Allegro maestoso, jene an Schwung\nder Phantasie und an Energie des Charakters, die sich je-\ndoch nie ins Maasslose verlieren, sondern in dem, obschon\ntief gewühlten, doch fest begränzten Bette der strengen\nRunstform daherströmen. Eben so tüchtig und in demsel-\nben Geiste folgten die dritte, Op. 13 in die vierte,\nOp. 20 in C-moll, die fünfte, Op. 36 in C-dur, ihren Vor-\ngängerinnen.\nAn die letztere schliessen sich:\nDrei Ciavierstücke, Alf. Dörffel zugeeignet, Op.\n38. Leipzig, bei C. Merseburger. Heft I. 15 Ngr.\n11. 10 Ngr.\nVolks-Poesieen. Zwei Phantasieen lür Pianoforte,\nProf. Kühmstedt zugeeignet. Op. 40. Leipzig,\nbei C. F. W. Siegel. I. 10 Ngr. 11. 7 ?/2 Ngr.\nMelancholie. Nachtstück lür das Pianoforte. C. Sie-\ngel zugeeignet. Op. 41. Preis 1 *2 x/%Ngr.\nMan könnte diese Compositionen „noble Salonslücke\"\nnennen, wenn das Hauptwort nicht so verrufen wäre, dass\nes das Beiwort gewisser Maassen Lügen straft. Deuten wir\ndenn ihren Charakter lieber dadurch an, dass wir sie als\nechte Rammermusik bezeichnen, die sowohl den sinnigen\nSpieler und Hörer in der Einsamkeit oder im kleineren\nRreise des Hauses ergötzen, als auch im Soiree- und Con-\ncert-Saale ein grösseres Publicum von wahren Kunstfreun-\nden anregen und in hohem Grade befriedigen werden. Die\nstrenge Form der Sonaten haben sie verlassen, aber nicht\nden ernsten Stil; sie bekunden im Gegentheil von Neuem\njene Eigenschaften des Componisten, die wir oben erwähnt\nund welche ihn allen Ciavierspielern werth machen müssen.\nDie Auslührung ist nicht immer leicht, bietet jedoch un-\nnöthig gehäufte oder zwecklos gesteigerte Schwierigkeiten\nnirgends dar.\nDas 38. Werk enthält im I. Hefte „Frage und Ant-\nwort\", ein kurzes, anspruchloses Andante und Presto in\nA-dur,und „Dithyrambe\", einen feurigen Satz in\nwelcher schon bedeutender auftritt; im 11. Hefte: „Vor-\nwärts\", nur Eine Nummer, aber eine höchst charakteristi-\nsche. Es ist ein energischer und ungestümer Satz in Cis-\nmoll, in 12/3-Tact, mit durchweg scharf punktirtem Rhyth-\nmus, dessen Bedeutung durch eine absichtliche (vom Com-\nponisten selbst bezeichnete) Erinnerung an das zweite Mo-\ntiv in Körner's und C. M. von Weber's Schwertlied offen-\nbar wird. Ein Zwischensatz in A-dur, 4/i-Tact, mildert den\nstürmenden Drang und macht besonders durch seinen Ein-\ntritt eine schöne Wirkung, bis die Wiederholung des 12/s>-\nTactes die Ahnung der Ruhe wieder verscheucht und zum\nimmer mächtiger drängenden Schlüsse eilt. Der Vortrag\nerfordert ein tüchtiges Handgelenk und viel Rraft; eine\nschlagende Wirkung kann nicht ausbleiben*).\nVon den „ Volks-Poesieen\" (mit dem Namen wollen\nwir es nicht allzu genau nehmen), Op. 40, ist Nr. 2 eine\nkleine, artig duftende Blülhe, ein Erzeugniss sanfter Em-\npfindung, Nr. 1 aber ein gar frisches, originelles Ding voll\nstrotzender Lebenskraft.\nEinen ganz verschiedenen Geist athmet das 41. Werk,\n„Melancholie\". Lasse man sich ja nicht durch den Titel\nverleiten, hier eine von den nichtssagenden so genannten\nmelancholischen Melodieen mit Begleitung von Tonica und\nDominante zu erwarten. Das Stück ist in Erfindung, Form\nund Arbeit ganz vortrefflich. Es sind ernste Variationen,\n\n*) Der Mittelsatz in A-dur soll doch wahrscheinlich in weniger\nbewegtem Zeitmaasse gespielt werden. Die Ueberscbrift „Sanft\nund ruhig\" bezeichnet aber bloss den Vortrag, nicht das\nTempo. Wenn die deutschen Bezeichnungen deutlicher\nausdrücken, was der Verfasser will, so haben wir nichts da-\ngegen; sind sie aber lür den Musiker undeutlicher als die\nhergebrachten technischen Ausdrücke, so schaden sie dem\nVortrage, anstatt ihn zu befördern. Bei Allegro, Andante, Presto\nu. s. w. Weiss und muss jeder Musiker wissen, was er zu\nthun hat, während er bei den deutschen Bezeichnungen, die\njeder Componist willkürlich erfindet, sehr oft in Zweifel\nbleibt, zumal wenn kein Zeitmaass nach dem Metronom an-\ngegeben ist."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.6", "texte": "die den einfachen, mehr ruhig entsagenden als düsteren oder\nunmuthsvollen Charakter und auch das langsame Zeitmaass\n(mit wenigen Ausnahmen) des Thema's (Cis-moll, 3/j, 16\nTacte) durchweg beibehalten und in der letzten in\n(mit der Coda zwei Seiten lang) aus der Entsagung selbst\neinen beruhigeaden Trost hervorspriessen lassen. Die Fi-\nguration geht nirgends über die Bewegung in Achteln hin-\naus ; dass das Ganze aber nicht in verschwimmende Weich-\nlichkeit ausarte, dalür ist durch frischen und doch keines-\nwegs gesuchten Harmonieenwechsel und durch die kräftige\nVariation gesorgt, in welcher das Thema in die Contratöne\ndes Basses und in das Fortissimo gelegt ist. Da tritt es\nmit voller Entschiedenheit auf; der männliche Ernst stemmt\nsich gegen das Geschick und den Verlust. Der Schluss\nbricht mit dem Dominant-Accord von Cis-moll ab, eine\nPause von Einem Tacte folgt, dann tritt das Cis-dur wie\nein milder Himmelsthau ein, fasst aber das Thema in an-\nderem Rhythmus auf, indem es den früheren Auftact\nzum guten Tacttheile macht und dadurch in Verbindung\nmit dem Dur, wir möchten sagen: plastisch die Empfin-\ndung der Ruhe darstellt, die mit dem Leben abgeschlossen\nhat und ein Höheres ahnt. Das alles ist fein und sinnig\ngedacht und verräth den eben so sehr ästhetisch als musi-\ncalisch gebildeten Künstler. In der Form hat dieses\n„ Nachtstück % in welchem aber die Sterne gar hell blin-\nken, noch die Eigentümlichkeit, dass die achttactige Ein-\nleitung oder richtiger Vorbereitung zum Thema im Ver-\nlaufe des zusammenhangenden Ganzen noch drei Mal wie-\nderkehrt und die Veränderungen in Einen Rahmen fasst.\nFügen wir schliesslich noch hinzu, dass in Bezug auf den\nGebrauch beim Unterrichte vorgeschrittener Schüler nichts\neine trefflichere Uebung für das gebundene Spiel darbietet,\nals dieses Stück.\n\nL. B.\n\nAus Brüssel.\n[Concerte des Conservatoire Jss o ciati o n des Ar-\nbstes Cerc l e artistique et litt er dir e - Künstler-\nConcerte: H. Wieniawski, Gebrüder Doppler, Miss\nSherrington, Fräul. von Brzowska u. s. w. Soireen\nbei F. Kufferath Orgelbau-Werkstatt von\nMerklin und Schütze.]\nIch bin Ihnen noch einen Bericht über die musicali-\nschen Ereignisse des verflossenen Winters in Brüssel schul-\ndig— da haben Sie ihn. Ueber die musicalischen Ereig-\nnisse? Nun, so hoch wollen wir den Bogen nicht\nspannen. Allein es ist doch allerlei Musik gemacht worden,\nund ich will den Lesern Ihres Blattes wenigstens eine\nUebersicht des Erwähnenswerthen geben.\nAb Jove principium !Herr Fet i s, Director des Con-\nservatoire, dirigirt bekanntlich auch die öffentlichen Con-\ncerte dieses Instituts, welche, seit Jahren bestehend,\nim Conservatismus mit den Conservatoire-Concerten in Pa-\nris wetteifern, sich aber sonst in manchen Dingen und be-\nsonders auch darin von ihnen unterscheiden, dass sie meist\nSchüler der Ansialt als Solisten vorführen. Wir haben vier\nConcerte gehabt (20. Januar, 3. und 17. Februar und 9.\nMärz). Im ersten hörten wir die Sinfonie Nr. 8 in B von\nHaydn in guter Ausführung, das Allegretto der Sinfonie\nNr. 8 von Beethoven [Wie? ein Bruchstück einer Beetho-\nven'schen Sinfonie in Conservatoire-Concerten??], welches\netwas zu schleppend vorgetragen wurde, eine Phantasie\nlür Flöte, ein Clavier-Concert von H. Litolff und mehrere\nGesangstücke (Soli und Ensembles), unter denen der Vor-\ntrag einer Arie aus Gluck's Armide durch Herrn War-\nnots Auszeichnung verdient. Das Finale aus dem zweiten\nActe von Figaro's Hochzeit ist doch schon gar zu oft in\ndiesen Concerten da gewesen, und es dürfte überhaupt sehr\ndie Frage sein, ob dergleichen Scenen aus komischen Opern,\nwobei Spiel und Action wesentlich sind, sich für Concerte,\nvollends für Conservatoire-Concerte, eignen. Im zweiten\nhörten wir Mozart's Es-dur-Sinfonie (Nr. 3) hier zum er-\nsten Male. Herr Fetis gab das Andante, so wie es gedruckt\nist, d. h. mit der Wiederholung! Die Leonoren-Ouverture\nvon Beethoven ging gut; in Mendelssohn's „Meeresstille\"\nu. s. w. war weder die Auffassung noch die unruhige Aus-\nführung zu loben. Herr Cornelis, Professor am Conser-\nvatoire, sang die grosse Arie aus Joseph von Mehul vor-\ntrefflich. Ein Chor aus dem Messias kam auch zu Gehör!\nDie Pastoral-Sinfonie im dritten Concerte ging bis auf das\nAndante gut; dieses wurde durch das über alle Maassen\nschleppende Tempo verdorben. Auch bemerken wir, dass\nBeethoven in demselben nicht alle, sondern nur zwei Vio-\nloncelle, und zwar con Sordini, haben will*). Die Oberon-\nOuverture wurde gut ausgeführt. Fräul. Schmidt spielte\nein Concert von Chopin. Das letzte Concert (9. März)\nbrachte Beethoven's das Trio des Scherzo\nschleppte gar sehr, und vom hohen der Trompete war\nnichts zu hören. Der blinde Herr Dubois gab eine Impro-\nvisation auf dem Harmonium, aus der 56. Sinfonie von\nHaydn wurde nur das Andante gemacht, ferner eine Arie\nvon Bellini, eine von Cimarosa und das Finale des ersten\n\n*) In den Partitur-Ausgaben ist diese Angabc gewöhnlich ver-\ngessen; in der ersten Ausgabe der Orchesterstimmen steht\naber Beethoven's Meinung als Anmerkung unter der ersten\nSeite des Andante in der Violoncellstimme.\nAnmerkung der Redaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.7", "texte": "Actes aus Cherubini's Wasserträger gesungen. Sie können\nhiernach ungefähr beurlheilen, was das erste Concert-In-\nstitut in Belgien für Programme hat. An Chorgesang oder\ngar an ganze Cantaten oder Oratorien ist nicht zu denken.\nDaneben haben wir noch zwei Concert-Vereine, die\nAssociation des Artistes Musiciens,die im zehnten Jahre\nbesteht, und den Cercle Artislique Die erstere\nhat diesen Winter zwei Mal Haydn's Schöpfung gege-\nben das war ein Ereigniss und ein recht erfreuliches.\nChor und Soli waren durch das Opern-Personal besetzt,\nund der Zudrang des Publicums war ausserordentlich. Dem\nlobenswerthen Unternehmen ist das beste Gedeihen zu\nwünschen. Der Cercle ist ein neues Institut, nach Art des\nMuseums in Frankfurt am Main. Kammermusik wechselt mit\nGesang und Vorlesungen in monatlichen Versammlungen ab.\nVon Virtuosen-Concerten hatten die Soireen von H.\nWieni awski den grössten Erfolg, und mit Recht. Er\närntete überall, wo er hier auftrat, stürmischen Beifall. Ne-\nben ihm verdienen die Gebrüder Doppler, Flötisten aus\nPesth, rühmende Erwähnung; ihr Zusammenblasen ist in\nder That herrlich, die Egalität und Reinheit in den Doppel-\nläufen ist bewundernswerth, und auch ihre Compositionen\nsind recht interessant. Sie haben grossen Erfolg und gute\nEinnahmen gehabt. Auch der Violinspieler Ch. Huber\naus Ungarn, der sie begleitet, trug (namentlich in einer\nPhantasie über National-Thema's für zwei Flöten und Vio-\nline) das Seinige dazu bei. Das Concert des Herrn J.\nSteveniers (Professors am Conservatoire)hatte das Merk-\nwürdige, dass zu Mendelssohn's J.-<fotr-Quintett das Scherzo\nund Adagio aus dem B-wo//-Quartett gespielt und mit dem\nletzteren geschlossen wurde! Ferner gaben uns Herr Las-\nsen und der Concertgeber ein Stückchen von Beethoven's\ngrosser Sonate in A (Kreutzer gewidmet), nämlich das\nPresto. Dagegen spielte Wieniawski in seiner Soiree am\n25. Febr. das ganze Quartett Nr. 7 in F von Beethoven.\nDer Pianist Alb. Sowinski und die Pianistin Hed-\nwig von Brzowska. Der Erstere spielte nur von seinen\neigenen Compositionen Salonstücke, jedoch auch ein Trio;\ndie Letztere trug meist gute Musik von bewährten Meistern\nvor, das Septett von Hummel, ein Trio von C. Eckert, die\nVariationen für zwei Piano's von R. Schumann und Sachen\nvon Chopin, Liszt und Henselt. Allein die Bewältigung und\nder Vortrag liessen noch viel zu wünschen übrig.\nGrossen und verdienten Erfolg hatte die Sängerin 11.\nSherrington. Sie hat eine schöne Stimme und versteht\nzu singen; auch zeigt sie sich frei von aller Uebertreibung.\nSie trug die Sopran-Arie aus der Schöpfung, eine italiäni-\nsehe von Bellini, einige Lieder von Schubert diese na-\nmentlich mit natürlicher Auffassung und einige Duette\nvon Mendelssohn und Rossini mit ihrer jüngeren Schwester\nauf reizende Weise vor; denn diese letztere hat ebenfalls\neine schöne Stimme und viel Talent. Herr Lern mens\nspielte in diesem Concerte die von C. M.\nvon Weber, d. h. den ersten Satz derselben, und dazu das\nMenuett aus der Es-dur-Somls!\nF. Kufferath's Soireen für Kammermusik haben\nauch in diesem Winter regelmässig alle acht Tage Statt\ngefunden und einen schönen Kreis von Künstlern und\nKunstfreunden, einheimischen und fremden, vereinigt. Das\nViolin-Quartett bilden hier Leonard (Viol. I.), Fried-\nrichs (Viol. IL), ein Schüler Spohr's, Kufferath (Brat-\nsche), Müller, Schüler von Servais (Violoncell); die Piano-\nPartie führt Herr Kufferath aus. Hier hörte man das selt-\nnere Alte, z. B. Mozart's Qnintett für Clarinette in\ndie Principalstimme vortrefflich von Herrn Blaes vorge-\ntragen, und das meiste Neue, z. B. Schumann's I. und\n11. Violin-Quartett, drei Violin-Quartette von Rubinstein\nnebst seiner Sonate für Piano und Violine (weder jene noch\ndie Sonate sprachen an), Clavier-Trio's von F. Kuffera th,\nC. Reinecke, Joh. Brahms (in H-dur) u. s. w. Ueber\ndie künstlerische Ausführung brauchen wir nichts zu be-\nmerken, die erwähnten Namen charakterisiren sie hinläng-\nlich. Auch 11. Wieniawski spielte hier öfter, wie denn alle\ndurchreisenden Künstler stets diesen Kreis vorzugsweise\nbesuchen.\nUnsere trefflichen Orgelbauer, die Herren Merklin\nund Schütze, haben ihr Etablissement wieder bedeutend\nvergrössert und namentlich einen hohen, geräumigen Saal\ngebaut, in welchem sie die grössten Orgeln aufstellen kön-\nnen. Ich weiss nicht, ob ich das Orgel-Concert schon ein-\nmal erwähnt habe, welches zur Einweihung desselben im\nvorigen Jahre veranstaltet wurde und in welchem Herr\nKufferath sich so ausgezeichneten Beifall erwarb. Es ist\nnoch in gutem Andenken, und man freut sich jetzt beson-\nders darauf, in demselben Saale die grosse Orgel für die\nKathedrale in Murcia zu hören, welche binnen sechs bis\nacht Wochen aufgestellt wird. Hoffentlich werden die Her-\nren Merklin und Schütze den Tag, an welchem dieses im-\nposante Werk dem kunstliebenden Publicum vorgeführt\nwird, im Voraus näher bestimmen, damit es auch auswär-\ntigen Künstlern möglich werde, dasselbe zu bewundern.\nHerr Damcke, früher in Petersburg, ist von Frank-\nfurt am Main zurückgekehrt und hat sich hier niedergelassen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560607-01.1.8", "texte": "Aus Dresden.\nDen 15. Mai 1856.\nWährend die Berühmtheiten unserer Hofbühne fast sämmtlich\nauf Reisen sind, haben wir hier so viele Gäste zu sehen und zu\nhören bekommen, dass eine erfreuliche Abwechslung und ein In-\nteresse am Iheater auch in den Tagen bemerklich war, die als die\nersten Frühlingstage nicht eben dazu vorhanden zu sein scheinen,\num die Abende im Theater zuzubringen.\nEs würde mich zu weit führen, über alle unsere Bühnengäste\nausführlich zu referiren, zumal Keiner derselben eigentlich recht\ndurchgeschlagen hat. Fräul. L. Michal aus Schweden ist eine\nausgezeichnete Coloratursängerin, keineswegs aber, wie einseitiger\nEnthusiasmus die Welt glauben machen will, eine „zweite Lind\";\nFräul. Elise Harting aus Schwerin ist eine treffliche Soubrette,\nohne sich jedoch durch besonders originelle Züge geltend zu ma-\nchen; Herr Ernst Weiss aus Stettin (nicht zu verwechseln mit\ndem früher am dresdener Hoftheater engagirt gewesenen Bassisten\nWeiss) ist ein sehr begabter Baritonist, dem aber die Leichtigkeit\nim Vortrage mangelt, und der sich durch den Beifall, den man ihm\nanderwärts gezollt, nicht im höheren Kunststreben beirren lassen\ndarf. Derselbe ist durch die Munificenz des trefflichen Herzogs\nErnst von Gotha auf dem münchener Conservatorium gebildet und\nnoch ein junger Mann, der wohl einmal seinen Namen haben wird,\naber, wie gesagt, noch ernstlich studiren muss, wenn er als wirk-\nlicher Künstler gelten will.\nUnserer Oper ist bereits seit mehreren Monaten in der Person\ndes Herrn Richard Colbrun ein Bassist gewonnen, der, ein\nFranzose von Geburt und Schüler Garcias, vor ungefähr einem\nJahre nach Deutschland gekommen ist. Die Direction der dresde-\nner Hoibühne erkannte mit richtigem Tacte Herrn Colbrun's un-\ngewöhnliches Gesangs-Talent und engagirte denselben, obwohl er\nnoch nie auf einer deutschen Bühne aufgetreten war. Er debutirte\nals Sarastro in der Zauberflöte; seitdem trat er auf als Bertram in\nRobert der Teufel, Cardinal in der Jüdin, Osmin in der Entfüh-\nrung, Marcel in den Hugenotten u.s.w. Was nun seine Begabung\nbetrifft, so besteht diese zunächst in einer wirklich tiefen Bass-\nstimme, die bekanntlich gegenwärtig zu den Seltenheiten gehört.\nDer Klang derselben ist durchaus edel, rein und kernig, und ihr\nUmfang vom tiefen D bis über zwei Octaven hinauf, ohne dass\nHerr Colbrun diese Höhe zu forciren braucht.\nEs erscheint uns'gerade als ein charakteristisches Merkmal der\nGesangesleistungen dieses Künstlers, dass er seineStimme in einem\ngleich massigen, egalen Klange zu erhalten sucht und alle Effect-\nhascherei und Uebertreibung vermeidet; sein Vortrag ist sauber,\neinfach und gesund, das Product einer verständigen Schule und'\nfleissigen Studiums und, was als ein weiterer, seltener Vorzug gel-\nten mag, für eine Bassstimme auffallend gefühlvoll und zärtlich.\nVVenn Herr Colbrun bei diesen ausgezeichneten Fähigkeiten trotz-\ndem noch keineswegs einer besonderen Popularität sich erfreut, so\nsuchen wir den Grund dieser Erscheinung in seiner Ungeübtheit\nim scenischen Spiel. Wird er, wie es wünschenswerth ist, öfters\nbeschäftigt, und erhält dadurch sein Spiel die unumgänglich nöthige\nRoutine, so prognosticiren wir ihm eine bedeutende Stellung in\nder Gesangeswelt.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nFreitag, den 30. Mai, gab Herr Stock hausen hier\nnoch eine Soiree in dem kleinen Saale des Germanischen Hofes.\nDie Zuhörerschaft war nicht zahlreich, aber sehr dankbar. Er trug\nden Cyklus der Lieder Wilh. Müller's, betitelt „Die schöne\nMüllerin\", in Musik gesetzt von F. Schubert, vor. Hiller be-\ngleitete ihn am Piano, spielte dazwischen den 2w/«r-Satz aus Beet*\"\nhoven s Lychnowski-Sonate, Op. 90 eine sehr sinnige Wahl\nund gewährte ausserdem dem Sänger Erholung, indem er zwei Mal\nvon einem Liede zum anderen in längerer freier Phantasie über-\nging, wobei er die eben gesungene Schubert'sche Melodie, und das\nzweite Mal daneben auch Anklänge an das Beethoven'sche Haupt-\nMotiv mit Meisterschaft in compositorischer Gewandtheit und im\n\\ ortrage benutzte. Damit er sich aber nicht beklage, dass wir\nHerrn Stockhausen über ihn vernachlässigten, so beeilen wir uns\nzu constatiren, dass der vortreffliche Minnesänger den lebhaftesten\nBeifall fast nach jeder Nummer erhielt und, wiewohl nicht ganz\ngut disponirt, dennoch die meisten Lieder und unter diesen wie-\nderum die weichen und sentimentalen vorzüglich schön, und na-\nmentlich „Ungeduld\", „Die böse Farbe44, „Der Müller und der Bach44\nund „Des Baches Wiegenlied44 mit ergreifendem Ausdrucke vor-\ntrug. Weniger genügten uns „Die Wanderschaft44, „Feierabend44\n(fühlbar transponirt), „Eifersucht und Stolz'4, „Trockene Blumen44.\nMehr über Herrn Stockhausen's Gesang nach dem zu sagen, was\nHerr Dr. G. Engel aus Berlin und wir selbst in der vorigen\nNummer dieser Blätter und in den Berichten über das düsseldorfer\nMusikfest in der „Kölnischen Zeitung44 bereits gesagt haben, würde\ndie Anerkennung der grossen Vorzüge dieses ausgezeichneten Sän-\ngers für alle diejenigen, die heutzutage noch vorurtheilsfrei und mit\nVerstand zu lesen verstehen, nicht erhöhen, und den Anderen ge-\ngenüber nur an das hübsche Bild der „Mohrenwäsche44 erinnern,\ndas in allen Zimmern hängt. L. B.\nIn Cöthen fand am 1. Mai in der St.-Agnus-Kirchc ein von\nDr. Lutze zum Besten einiger hülflosen Familien veranstaltetes,\nzahlreich besuchtes Orgel-Concert Statt, um welches sich die Herren\nMagnus und L. Kindscher durch Orgel-Vorträge und Lei-\ntung der Chöre rühmenswerth verdient machten.\n\"\" \"\nIn der Vorstellung des Don Juan am 16. Mai zu Leipzig\nspielte der von dem unglücklichen Zufalle (einem Armbruche) ge-\nnesene Concertmeister David wieder im Orchester mit. Nach\ndem Vortrage des Pizzicato in dem Ständchen erhielt er einen\nrauschenden Applaus."}]}