{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-06-14-01", "volume": "bmtnabi_1856-06-14_01", "ocr_sha256": "41ec4e32d3c98f7ad215310f13f14884594a000410bd1ce57308d3109c5eb2c1", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/06/14_01/bmtnabi_1856-06-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-06-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 517, "texte": "Inhalt.\nEin freimütiges Wort über die IX. Sinfonie von Beethoven. Von K. Overweg.— Das 34. niederrheinische Musikfest\nin Düsseldorf. IV. Von L. Bischoff. Männergesang in Schwaben. Beurteilungen. Für Pianoforte (Th. Leschetitzky). Mo-\nin Frankfurt a. M. Preis-Ausschreiben. Tages- und Unterhaltungsblatt (Neuwied, Ems, \\\\iesbaden u. s. w.).\nBeilage, Beurtheilungen. Für Pianoforte (J. Sachs, A. Hesse, C. Decker, G. Gerland, Fr. Abt). Für Pianoforte und Streich-\nInstrumente (A. Dietrich, A. Rubinstein, L. Stainlein)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-14-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-14_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-06-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "188", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.2.2", "titre_corps": "Ein freimüthiges Wort über die neunte Sinfonie von Beethoven, hervorgerufen durch das Musikfest in Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Ein freimüthiges Wort über die neunte Sinfonie von Beethoven, hervorgerufen durch das Musikfest in Düsseldorf.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.1", "debut_caractere": 519, "fin_caractere_exclue": 4187, "texte": "Ein freimüthiges Wort über die neunte Sinfonie von\nBeethoven, hervorgerufen durch das Musikfest\nin Düsseldorf.\nNoch lönen mir im Ohr und Herzen die Nachklänge\nso vieles Schönen und Herrlichen wieder, welches dieses\nFest in Vocal- und Instrumental-Musik, durch eine Aus-\nwahl gediegener Composilionen, vortrefflich geleitet und\nausgelührt von einem Vereine tüchtiger musicalischer Ta-\nlente und Kräfte, Künstler und Dilettanten, den lauschen-\nden Zuhörern darbot. Ich überlasse gewandteren und ge-\nlehrteren Federn, die vielseitigen hohen Genüsse, in denen\nich noch schwelge, näher zu beschreiben, bin aber im Vor-\naus überzeugt, dass auch die lebendigsten Schilderungen\nnur ein mattes Abbild lür diejenigen sein werden, welche\ndas Fest nicht selbst besuchen konnten.\nMich veranlasste hauptsächlich die neunte Sinfonie von\nBeelhoven, die weite Reise zu unternehmen. Ich wollte\ndieses eben so grossartige als schwierige Werk noch ein-\nmal vor meinem Abgange aus diesem Leben, in möglichster\nVollkommenheit von grossen Massen ausgelührt, hören.\nBis dahin konnte ich mich mit dem Schlusssatze desselben\nimmer noch nicht so recht befreunden, hoffte jedoch, mit\nmeinem Urtheile darüber mich alsdann auch demjenigen so\nvieler anderen eifrigen Verehrer des grossen Meisters an-\nschliessen zu können, da ich voraussetzte, mein Irrthum sei\nnur durch nicht genug gelungene oder nicht mit hinläng-\nlichen Mitteln ausgestattet gewesene Aufführungen entstan-\nden. Dass ich mein Urtheil über diesen Schlusssatz auch\nheute noch nicht ändern kann, verursacht mir dem un-\nsterblichen Beethoven mit ganzer Seele ergeben—-selbst\ndas grösste Leid und geht mir tief zu Herzen; indessen\nkann man sein Gefühl, wenn man sonst der Wahrheit zu\nhuldigen gewohnt ist und es nicht vorzieht, nur stets die\nAussprüche grosser Autoritäten nachzubeten, doch nicht\nverläugnen. Auf die Gefahr hin, von Vielen bemitleidet,\nwohl gar verdammt zu werden, wage ich daher, meine\nMeinung zu äussern. Es ist allerdings nur die eines Dilet-\ntanten; indessen warum soll einem solchen kein Urtheil\nzustehen, zumal wenn derselbe über sechszig Jahre lang,\nder Musik, soweit es seine Berufsgeschäfte erlaubten, mit\nLeidenschaft zugethan, stets Gelegenheit hatte, Gutes und\nselbst das Beste in allen Fächern dieser Kunst zu hören,\nauch oft selbst thätig und verschiedenartig darin zu wirken?\nVorläufig muss ich noch bemerken, dass, wenn ich\nüber ein Werk, einen einzelnen Satz oder eine Stelle irgend\neines anerkannt grossen Componisten, in welchen er mei-\nnen Geschmack nicht befriedigte, gegen Andere, nament-\nlich Musikverständige, mich frei aussprach, es mir mit-\nunter wohl vorkam, als ob ich auch ihre Ansicht getroffen\nhaben möchte. Man getraute sich aber nicht, diese laut zu\näussern, theils wohl aus Furcht, sich zu compromittiren,\ntheils wohl auch aus dem zu ehrenden Grunde der Pietät\nlür die Meister. Nebenbei bemerkt, machte ich auch die\nErfahrung, dass Laien in der Musik, wenn solche sonst\nnur eifrige Freunde derselben waren, mitunter treffendere\nUrtheile über Compositionen vorausgesetzt, dass letztere\nnicht zu gelehrt und ihnen zu schwer begreiflich waren\nfällten, als manche Musikverständige, und ich versäumte\nes nicht gern, sie darüber auszuhorchen.\nUebrigens scheint es mir verzeihlich, wenn ein eifriger\nMusikfreund, der weder durch irgend eine Art von In-\nteresse geleitet, noch sonst gewohnt ist, eine Composition\nnur nach mehr oder minder bereits grossen Namen auf\ndem Titelblatte zu beurtheilen, danach trachtet, sich ein\nselbstständiges Urtheil nach den Eindrücken und Gefühlen\nzu bilden, welche eine solche auf ihn macht. Bei nach sei-\nner Ansicht indifferenten Werken und Meistern wird es"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4890, "texte": "ihm sehr gleichgültig sein, wenn Andere verschiedener Mei-\nnung sind. Nicht aber also ist ihm zu Muthe, wenn ihm so\netwas bei einem von ihm und Allen hochgeschätzten Com-\nponisten begegnet.\nBevor ich weiter gehe, muss ich noch ausdrücklich er-\nwähnen, dass Beethoven namentlich in seinen Sinfonieen\nund in der Kammermusik mir vorzüglich werth, vielseitig,\ngewaltig, ja, bis jetzt unübertrefflich erscheint. Was dessen\nVocalmusik anlangt, so hat derselbe darin im Verhältnisse\nzur Instrumentalmusik nicht nur viel weniger, obgleich\ndarunter auch manches ausgezeichnet Schöne, geschrieben,\nsondern auch Mehreres, welches mir weniger zusagt als\ndas, was andere grosse Meister in diesem Fache leisteten.\nUm nun auf die neunte Sinfonie am zweiten Tage des\ndiesjährigen Musikfestes zu kommen, so machten die drei\nersten Sätze derselben in Composition und Ausführung\neinen mehr als gewöhnlich entzückenden, bezaubernden\nEindruck auf mich. Man getraute sich kaum zu athmen.\nUm so mehr gab ich mich der süssen Hoffnung hin, dies-\nmal auch den Schlusssatz dieser Sinfonie, von einem sol-\nchen Chor und Orchester ausgeführt, in einer noch nie ge-\nhörten Vollkommenheit und Mächtigkeit zu\" vernehmen,\nund freute mich schon innig, dadurch meine bis jetzt dar-\nüber gehegten Zweifel, „ob dieser letzte Satz, der durch\nHinzutritt des Chors und des erhabenen Textes eigentlich\ndie Krone des Ganzen bilden soll, allerwärts meinen Er-\nwartungen entspreche\", beseitigen und mit vollem Herzen,\nmit voller Ueberzeugung in den Jubel Anderer mit ein-\nstimmen zu können.\nLeider fand ich mich auch diesmal getäuscht! Diesel-\nben Empfindungen, die ich früher hatte, traten bei gewis-\nsen Stellen, wenn auch bei so vollkommener Ausführung\nweniger grell, mir doch wieder entgegen.\nErstens konnte ich überhaupt das vom Meister trotz\nden so verschiedenartigen, gewaltigen Gedanken, welche im\nTexte liegen, so oft und ziemlich gleichmässig wiederholte\nMotiv zum Chorsatze dem Texte weder entsprechend noch\nerhaben genug, am wenigsten aber eines Beelhoven und\nder drei ersten, so prächtigen Sätze würdig genug aner-\nkennen.\nNächstdem sind zweitens mehrere Verse der herrlichen\nSchiller'schen Ode vom Componisten weggelassen worden\nund ganz unbeachtet geblieben. Mit einer so gehaltvollen\nDichtung sollte man aber nicht also schalten, wenn man\nsie einmal durch die Composition dem Publicum noch wer-\nther machen will.\nDrittens bewegt sich der Chor-Sopran und Alt oft in\nso hohen Tönen, dass der Ausdruck der Freude mir we-\nnigstens zu famos, mitunter sogar einem Kreischen ähnlich\nerscheint. Nicht dass ich damit den schönen, von mir sonst\nals vorzüglich frisch, anmuthig und riihmenswerth aner-\nkannten Damenstimmen des herrlichen rheinischen Chors\neinen Vorwurf machen wollte. Dies sei fern! Ich bedauerte\ndie Sängerinnen vielmehr, indem gewiss nur wenige der-\nselben ohne Anstrengung es vermochten, die so hohen\nTöne, in welchen sich der Sopran und Alt dieses Chors\noft und anhaltend bewegt, anmuthig und erquicklich lür die\nZuhörer wiederzugeben, trotzdem, dass derselbe durch die\nbeiden anderen Chorstimmen und ein gewaltiges Orchester\nsehr gedeckt wurde.\nViertens entspricht eben so wenig meinem Gelübl und\nGeschmack der Eintritt des Chorbasses bei der Stelle:\n„Seid umschlungen, Millionen!\" Wenn dieselbe an sich\nschon eben nicht melodiös und von besonderem Gehalte\nist, so halte ich es auch lür unpassend, die erwähnte Text-\nStelle bloss mit einem Chor-Bass, anstatt mit vollem Chor\nzu Gehör zu bringen.\nFünftens. Der lange Zwischensat/, lür Instrumente nach\nden Worten: „Freudig wie ein Held zum Siegen\", wirkte\nebenfalls nicht wohlthätig, sondern störend auf mich ein.\nDiesen Satz kann ich auch eben nicht genial und hieher\npassend finden, vielmehr schleppt er sich in grosser Länge\nund in beständigen Nachahmungen seines Thema's nur\ndurch viele Tonarten bis zu endlichem Eintritt der Wieder-\nholung des ersten Verses: „Freude, schöner Götterfun-\nken!\" fort. Ich kann in diesem Instrumentalsatze aber we-\nder eine Art Sieges-Hymne oder Nachspiel in Bezug auf\nden vorher gehörten Text, noch eine freudige Einleitung\nzu dem später wieder eintretenden ersten Verse der Ode\nerkennen. Dieser Satz, an solcher Stelle angebracht, be-\nrührt indessen mich und gewiss Viele, welche die Schiller'-\nsche Ode kennen, namentlich beim ersten Anhören, noch\nunangenehmer dadurch, dass man nach Beendigung des\nvierten den lünften Vers: „Aus der Wahrheit Feuerspie-\ngel\", von Menschenslimmen zu hören erwartet, sich darin\naber getäuscht findet.\nIch glaube nicht zu irren, wenn ich behaupte, dass bei\njedem anderen, nicht in so hohem Rufe wie Beethoven ste-\nhenden Componisten, wenn dieser das oben Erwähnte in\ngleicher Weise aufgefasst hätte, dasselbe von vielen Seiten\nmit Tadel belegt worden wäre. Heucheln und Schmeicheln\naber kann ich nicht; ich gebe die Eindrücke wieder, wie\nich sie empfunden habe. Fragt man mich nun nach dem"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5158, "texte": "Total-Eindrucke des letzten Satzes, so bekenne ich of-\nfen, dass derselbe, anstatt den drei vorhergegangenen\nSätzen gemäss, überhaupt aber als Schlusssalz, und na-\nmentlich durch Hinzutritt des Chors, eine Steigerung des\nEntzückens für die ganze Sinfonie hervorzubringen, nach\nmeiner bescheidenen Ansicht eher einen Rückschlag ver-\nanlasst. Allerdings hat er Momente, welche vortrefflich\nund ausserordentlich ergreifend sind. Als Beispiel führe ich\nnur die Stelle an: „Ahnest du den Schöpfer, Welt?\"\nwie unendlich erhaben ist diese durch Töne wiedergege-\nben!— und so andere mehr; indessen eben weil die hoch-\nerregte Begeisterung der Zuhörer wie früherhin nicht im-\nmerfort gesteigert wird, solche mitunter vielmehr Gelegen-\nheit findet, sich abzukühlen, so kann dieselbe durch den\nSchlusssatz, wie es doch die Sache erfordert, nicht bis zum\nhöchsten Enthusiasmus sich aufschwingen.\nMan klatscht zwar und ruft sein „Bravo\" auch am\nSchlüsse der Sinfonie, wo möglich noch freigebiger und\nstärker, als nach den ersten Sätzen; denn man anerkennt\nnoch in frischer Erinnerung von Neuem dankbar die uns\ndurch dieselben dargebotenen herrlichen Genüsse, während\nauch der vierte Satz immer als ein von dem grossen Beet-\nhoven gedachter da steht und vieles Vortreffliche enthält.\nMan schliesst also mit dem kräftigsten Applaus.\nIch mag aber nicht danach fragen, ob Jedem das Herz\nam Ende der Sinfonie auch so übervoll war, wie bei den\nfrüheren Sätzen, wo die Gefühle durch Applaus sich mit\nGewalt Luft machen mussten. Ich würde doch nur von den\nWenigsten ihre Herzens-Meinung zu hören bekommen,\nauch wenn das wirklich bei der Mehrzahl nicht der Fall\ngewesen wäre. So viel habe ich indessen an mir selbst und\nauch bei meinen Nachbarn wahrgenommen, dass die Auf-\nmerksamkeit und Spannung im vierten Satze bei Weitem\nnicht mehr die frühere war; auch der grosse Applaus schien\nmir mehr ein vorsätzlicher zu sein, und weil man dem Gan-\nzen jedenfalls nochmals seine innige Verehrung bezeigen\nwollte.\nWenn' meine Ansicht und das heisse Verlangen, dass\ndie Composition des vierten Satzes eigentlich die drei ersten\nnoch übertreffen möge, von Anderen als „Unersättlichkeit\"\nmir vorgeworfen wird, so muss und werde ich dies gedul-\ndig hinnehmen, glaube aber den hohen Meister weit mehr\ndurch die Behauptung zu ehren: „Beethoven konnte und\nwürde den Schlusssatz die vorher gegangenen noch über-\ntreffend geliefert haben, wenn der Chor ganz weggeblieben\nund dann dieser Instrumentalsatz vielleicht nur mit den\nWorten: „ „Ode an die Freude* überschrieben worden\nwäre\", als wenn ich mich überrede, den Schlusssatz trotz\nseiner Mängel auch als ein Meisterstück nur desshalb auf-\nzufassen, weil er Beethoven's gewaltigem Geiste-entstammt.\nDer Chor musste dem Fluge seiner Phantasie grosse Be-\nschränkungen auferlegen. Umgekehrt konnte in den Gesang\nwelchem namentlich hei so erhabenem Texte unbedingt\nder Vorrang und höchste Ausdruck gebührte—jetzt nicht\ndas gelegt werden, was ein Beethoven hinein gelegt haben\nwürde, sobald das Orchester mehr begleitend, nicht aber\nin nunmehriger Weise sinfonieartig daneben fortwirkt und\ndadurch die freie Bewegung dem Texte angemessener Ge-\nsang-Partieen bedeutend hemmt. Nur ein Beethoven war\nim Stande, in der von ihm erwählten Verbindung des Ge-\nsanges mit einem Sinfoniesatze noch so Grosses zu leisten.\nImmerfort bietet diese Verbindung aber nicht nur bedeu-\ntende Schwierigkeiten lür die Ausführenden, sondern der\nGesang, allein und an sich betrachtet, konnte dadurch we-\nder an Ausdruck, Schönheit, noch an Sangbarkeit gewin-\nnen. Begegnet es doch mitunter dem grössten Feldherrn,\ndass er einen verfehlten Zug macht; warum sollte es nicht\nauch vorkommen, dass selbst der hochgefeiertste Componist\nsich einmal in der Anlage vergreifen könnte? Wen der\nSchlusssatz aber auch in aller Hinsicht zufrieden stellt, den\nmöchte ich fast darum beneiden und bedauern, dass meine\nEmpfindungen dabei nicht mit ihm übereinstimmen.\nNahm bisher vielleicht mancher billig denkende und\nwenigstens im Stillen mit mir einverstandene Leser noch\nAnstand, sein: „Kreuziget, kreuziget ihn!\" über mich aus-\nzurufen, so wird er nun, wenn er weiter zu lesen fort-\nfährt, mit Einern Male anderen Sinnes werden und den Ge-\ndanken: „Ah, aus Grunde also fandest du, elender\nWicht, an dem vierten Satze von Beethoven's neunter Sin-\nfonie etwas zu tadeln!\" nicht unterdrücken können. Ich\ngrolle ihm desshalb nicht; denn es dürfte mir im umgekehr-\nten Falle wohl eben so ergehen. Nichts desto weniger will\nich versuchen, ihm seinen Irrthum zu benehmen. Wer mich\nnäher kennt, wird zwar, so hoffe ich, nicht in obbemerkter\nWeise über mich urtheilen, obgleich er weiss, dass „mein\nOpus 27 die Ode an die Freude\" enthält. Es gilt mir\naber, auch in den Augen so vieler Anderen nicht in fal-\nschem Lichte zu erscheinen, und desshalb wolle man mir\nvergönnen, noch einige Worte zu meiner Verteidigung zu\nsagen. Vorerst lässt es meine hohe, innige Achtung und\nVerehrung für Beethoven, so wie für dessen mannigfaltige\nund grossartige Schöpfungen schon an und lür sich nicht\nzu, dass meine Wenigkeit, was Composition betrifft, nur\nirgend in Betracht kommen könnte. Was fragt man nach"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3534, "texte": "einem kaum glimmenden Lämpchen, wenn das göttliche\nSonnenlicht hell strahlt ! Dies nun in Bezug auf den\nSchlusssatz der neunten Sinfonie und mein Opus 27 ange-\nwandt, so dürfte es auch nicht einmal zu meiner Rechtfer-\ntigung dienen, „dass letzteres bereits vor ziemlich iünfzig\nJahren, sein Dasein einem musicalischen Streite verdankend,\nalso weit früher als die neunte Sinfonie erschienen ist, von\nmir geschrieben worden\" ; denn ein Jeder könnte mir hier-\nauf, und mit Recht, entgegnen: „Wie aber mochtest du es\nwagen, dasselbe erst jetzt, Beethoven gegenüber, noch in\nDruck wenn auch nur zum Besten milder Zwecke\nherauszugeben?\"\nHierzu bestimmten mich aber folgende einfache Gründe:\n1. Das Beethoven'sche Werk kann in Betracht seiner\nMächtigkeit, Schwierigkeiten und der damit verknüpften\nbedeutenden Kosten halber nur durch grosse, in künstleri-\nscher Hinsicht weit vorgeschrittene Massen in würdiger\nVollkommenheit zur Ausführung gebracht werden. Wie\nselten findet sich aber ein Verein, der allem diesem gewach-\nsen ist, beisammen, und wie nur so Wenigen ist es, selbst\nwenn dieser Fall eintritt, vergönnt, sich den Genuss zu\nverschaffen, die erhabene Ode Schiller's durch Töne ver-\nherrlicht zu hören und sich daran zu erfreuen! Ich meinte\ndesshalb:\n2. ein so köstliches Gedicht sei es werth und gewisser\nMaassen dazu auserkoren, auch ausserdem noch mit einem\nmusicalischen Gewände versehen vorhanden zu sein, so\ndass es auch in kleinen Cirkeln von mit einiger Fertigkeit\nausgerüsteten Musikfreunden vorgetragen und dennoch\nVielen zu Gehör gebracht, also ziemlich einem Jeden zu-\ngänglich und verständlich werden möge. Nur zu diesem\nZwecke habe ich mein Opus 27 der Oeffentlichkeit über-\ngeben. Allerdings konnte ich dem grossartigen Texte nur\nmit Tönen folgen, in so weit meine schwachen Kräfte dazu\nausreichten, und bescheide mich im Voraus, dass niemand\nes für der Mühe werth halten wird, sich mit meiner Com-\nposition bekannt zu machen, welchem die Beethoven'sche\nin würdiger Ausführung zu hören, sich die Gelegenheit\nbietet. Vielleicht dürfte es mir aber nicht ganz misslungen\nsein, denjenigen eine kleine Freude dadurch zu bereiten,\nwelche jenen Genuss ganz entbehren müssen, ja, selbst de-\nnen, die nur in häuslichen Kreisen am Gesänge unter Piano-\nforte-Begleitung sich zu ergötzen Gelegenheit haben. Für\nGesang-Vereine mag\n3. die Bemerkung hier noch Platz finden, dass dieses\nOpus, sobald meine Zeit es mir irgend erlaubt, auch mit\nOrchester-Begleitung (zum Besten armer, verwahrlos'ter\nKinder) erscheint, und dass die Tonart (welche\nich der Composition, als der Freude angemessen, früher\nzum Grunde legte und auch im Clavier-Auszuge beibehal-\nten habe) bei Ausgabe der Partitur in verändert\nwerden soll, um die Auslührung noch mehr zu erleichtern.\nNächstdem werde ich auch noch einige wenige Stellen\nsangbarer einzurichten mich bemühen.\nIch schliesse nicht nur mit dem Bewusstsein, das Vot-\nstehende rein von allen Neben-Absichten, fern von Anmaas-\nsung oder Interesse niedergeschrieben, und damit nur meine\nGefühle über den Schlusssatz der neunten Beethoven'schen\nSinfonie wahrhaft ausgedrückt zu haben, sondern werde es\nauch geduldig hinnehmen, wenn mich Andere darob ver-\nhöhnen sollten. Worte und gelehrte Phrasen sind aber\nallein nicht vermögend, in Dingen, wo das eigene Gefühl\njedes Einzelnen hauptsächlich Richter ist, eine andere Ueber-\nzeugung hervorzubringen, und ich lasse Jedem gern die\nseinige. Darum jetzt und auch ferner kein Wort mehr\ndarüber.\nKöln, im Mai 1856.\nKarl Over weg aus Naumburg a. d. Saale."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-14-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-14_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-06-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "188", "page_fin": "190", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.2.3", "titre_corps": "Das 34. niederrheinische Musikfest in Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Das 34. niederrheinische Musikfest in Düsseldorf.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.4", "debut_caractere": 3536, "fin_caractere_exclue": 4781, "texte": "Das 34. niederrheinische Musikfest in Düsseldorf.\n\nIV.\n(S. I. Nr. 20, 11. Nr. 22, 111. Nr. 23.)\nWenn wir auch dem Sprüchworte:\nest disputandum\", nur eine bedingte Wahrheit einräumen,\nund mehr für das gewöhnliche Leben als für die Kunst, so\nhat doch die individuelle Meinung bei dem Urtheile über\ndas Kunstschöne ihre Berechtigung, zumal wenn sie so\nharmlos und gemüthlich auftritt, wie in dem obigen Auf-\nsatze des wackeren Over weg aus Naumburg, der das\nHerz nicht nur iür die Tonkunst, sondern auch für das\nWohl der Menschheit auf dem rechten Flecke hat, wie seine\nStiftungen und seine ganze Wirksamkeit beweisen. Der\nUnterschied der Berechtigung liegt nämlich darin, dass ein\nindividuelles Urtheil dem Kunstwerke selbst nichts gibt\nund nichts nimmt, sondern nur zu dessen Prüfung veran-\nlasst,— eine individuelle Auffassung des Inhalts und der\ndadurch bedingten Vortragsweise aber das Kunstwerk in\nseiner Erscheinung beeinträchtigt, also ihm ins Fleisch\nschneidet. Bekanntlich steht das Urtheil Overweg's über\nden letzten Satz der neunten Sinfonie nicht vereinzelt da.\nDer Haupt-Irrthum der Gegner desselben dürfte der sein,\ndass sie den Satz als Vocal-Musikstück betrachten, was er\nkeineswegs ist, noch sein soll; er bleibt Sinfonie-Satz, zu"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5238, "texte": "dessen Ausführung nur die Singstimmen als eine Gattung\nklangvollster Instrumente hinzutreten. Für die Factur muss\nman die Phantasie Op. 80 und das letzte Finale aus dem\nFidelio in Betracht ziehen. Ein anderes Mal mehr davon.\nWir haben noch über den dritten Tag des Musik-\nfestes zu berichten, wozu wir nur einen kleinen Raum in\nAnspruch nehmen dürfen. Eine neue Composition von J.\nTausch, Ouvertüre in C-moll, erwarb sich Beifall; es ist\nein wirkungsvolles, klar gearbeitetes Orchesterstück. Der\nVortrag der Pianoforte-Stimme in Beethoven's Trio-\nConcert durch Herrn Tausch verdient Auszeichnung; er\nbekundete den musicalisch, nicht bloss technisch gebildeten\nMusiker, blieb dem Geiste der Composition treu und hielt\nsich fern von aller Ziererei. Die Herren Laub und Grütz-\nmacher fanden in ihren Partieen mehr Gelegenheit (such-\nten sie auch wohl mitunter mehr), sich als Virtuosen zu\nzeigen, und wirkten durch vollen Ton und im letzten Satze\nbesonders auch durch elegante Ausführung zu einem vor-\ntrefflichen Ganzen. Herr Grützmacher trug hier die Palme\ndavon; Ton und Vortrag dieses ausgezeichneten Violon-\ncellisten stellen wir weit höher, als die Seiltänzereien man-\ncher in Paris gefeierten Grösse auf diesem Instrumente.\nAusserdem spielte Herr Laub noch das Violin-Concert von\nMendelssohn mit ausserordentlichem Applaus; sein\nVortrag war hier in jeder Hinsicht meisterhaft; er ent-\nwickelte alle die trefflichen Eigenschaften eines Violinisten,\ndie in diesen Blättern bereits öfter an ihm rühmlichst er-\nwähnt worden sind. Auf uns persönlich wirkte namentlich\nin der Probe sein Spiel auf hinreissende Weise und ver-\nsetzte uns in diejenige Stimmung, in welcher man den\nKünstler über die vollendete Darstellung des Schönen ver-\ngisst, das der Componist geschaffen hat.\nIn Gesang-Vorträgen hörten wir (mit Ausnahme der\nFrau Hofbauer-Findorf, welche Düsseldorf schon am Mon-\ntag wieder verlassen hatte) sämmtliche Solisten des Festes,\nFräul. Ti etjens und die Herren Schneider, Stock-\nhausen und DuMont-Fier. Zu rühmen ist, dass Alle\nnur Compositionen classischer Meister vortrugen; das mo-\nderne Coloratur-Geklingel der Italiäner und Franzosen blieb\ndiesmal dem Feste fern. Fräul. Tietjens bewährte in Mo-\nzartes „Martern aller Arten\" und in Beethoven's Scene aus\nFidelio ihr Talent des dramatischen Gesanges, schien aber\ndurch die Anstrengung der vorigen Tage etwas erschöpft,\nwas noch viel mehr bei den Hornisten im Orchester der\nFall war. Herr Schneider trat sehr bescheiden mit Beet-\nhoven's „Liederkranz an die ferne Geliebte\" auf, wodurch\ner im Voraus auf jede Wirkung auf Sinnenreiz verzichtete,\naber die wärmste Anerkennung eines seelenvollen Vortrags\närntete. Herr DuMont sang die Arie in aus der\nSchöpfung. Im Recitativ schwächte hier und da ein zu ge-\ndehnter Vortrag die Wirkung seiner klangvollen Stimme,\ndie sich aber in der Arie selbst glänzend entfaltete; man\nhörte zum ersten Male bei dem diesjährigen Feste eine\nBass-Arie mit voller und kräftiger Orchester-Begleitung.\nIn der zweiten Abtheilung sang Herr DuMont Schubert's\n„Wanderer\" undMarschner's „Du bist mein\" auf vortreff-\nliche Weise und mit einem Erfolg, der an den Enthusias-\nmus erinnerte, den derselbe Sänger in London und in Pa-\nris in den letzten Jahren erregt hat. Namentlich lauschte\ndas Publicum dem Vortrage des „Wanderer\" mit athem-\nloser Stille und brach am Schlüsse desselben, und eben so\nnach dem Marschner'schen Liede in so anhaltenden Beifall\naus, dass Herr DuMont noch einmal vortreten musste. Er\nwar, wie auch am vorigen Tage, wo er namentlich die\nschwierige, fast unsangbare erste Cadenz in der neunten\nSinfonie mit Glanz vortrug, ganz vorzüglich bei Stimme,\nund der „Wanderer\" war eine echt künstlerische Leistung\ndurch gleiche und schöne Tonfülle, tiefes Gefühl, das, dem\nmännlichen Ernste treu bleibend, nicht in weichliche Em-\npfindelei ausartete, und durch richtige Declamation.\nDer Beifall des Publicums war um so ehrenvoller, als\nHerr DuMont neben Herrn Jul. Stockhausen, einem\nvollendeten Künstler von Fach, einen schweren Stand hatte.\nHerr Stockhausen trug in der ersten Abtheilung die Arie\ndes Seneschall aus dem Jean de Paris von Boieldieu auf\nausgezeichnete Weise vor; die Auflassung des Charakters\nder Musik dieser Gattung, der feine, nirgends ins Niedrige\noder gar Plumpe gehende Ausdruck des Komischen, der\nGeschmack in den Verzierungen, die vollendete Technik in\nAusführung derselben und in Behandlung der Stimme über-\nhaupt, die richtige, von der deutlichsten Aussprache, in\nwelcher er mit Roger zu vergleichen ist, unterstützte De-\nclamation machen ihn zu einer bedeutenden Erscheinung,\nDiese Musik und das Lied, das sind die Gattungen, die\nihm vollkommen zusagen und denen die natürliche Beschaf-\nfenheit seiner an sich wenig klangvollen Stimme gewachsen\nist. Durch die letztere Bemerkung ist nicht ausgeschlossen,\ndass sein Bariton, besonders in der Tenor-Region, dennoch\neinen gewissen sinnlichen Reiz hat, zu dem auch die Me-\nthode, Alles mit offenen Tönen zu singen, überall, wo diese\nTöne gelingen, beitragen; dabei ist freilich die Gefahr gross,\nindem eine Linie Anstrengung mehr, als diese Töne ver-\ntragen können, ihnen eine unedle Farbe gibt. Von den drei\nLiedern („Frühlingsglaube\" von Schubert, „Frühlingslied\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 562, "texte": "von Mendelssohn, „Frühlingsnacht8 von Schumann), welche\nalle vortrefflich gesungen wurden, trug der in die reizendste\nAnmuth gekleidete Vortrag des letztgenannten den Sieg\ndavon und erregte einen Sturm von Beifall, der nicht eher\nnachliess, als bis Herr Stockhausen wieder vortrat und das\nLied, das auch als Composition einen wahren Zauber aus-\nübt, wiederholte.\nEine Wiederholung der Schluss-Scene des ersten Theiles\ndes „Elias8 vereinigte noch einmal die sämmtlichen Gesang-\nund Orchester-Kräfte und beschloss die schönen und wahr-\nhaft festlichen Tage.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-14-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-14_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-06-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "190", "page_fin": "191", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.2.4", "titre_corps": "Männergesang.", "titre_sommaire": "Männergesang.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.6", "debut_caractere": 564, "fin_caractere_exclue": 5069, "texte": "Männergesang.\nDer sechste Jahres-Bericht des Ausschusses des schwä-\nbischen Sängerbundes in Stuttgart (Dr.K. Pfaff, Dr.\n0. Elben, Dr. J. Faisst, Raur, G. A. Zumsteeg) über den\nStand desselben und die vorjährigen Sängerfeste (durch Zu-\nfall uns verspätet zugegangen) enthält folgende überall\nauch am Rheine —zu beherzigende Worte:\n„Wenn man das Verzeichniss unserer Mitglieder durch-\ngeht, so ergibt sich in mehrfach wiederkehrenden Beispie-\nlen ein öfter gerügter Missstand, dass nämlich an Einem\nund demse 1 ben Orte mehrere kleine, schwache Ver-\neine, statt Eines grossen bestehen. Begreiflicher Weise\nwollen wir damit nicht in Abrede stellen, dass in grösseren\nStädten mehrere Vereine bestehen können; aber es scheint\nuns keines Beweises zu bedürfen, dass in den meisten\nStädten und Dörfern der Volksgesang nur gedeihen kann,\nwenn alle Krälte einmüthig in Einem Vereine zusammen-\nwirken. Wir erlauben uns, einige Beispiele der vielfach jetzt\nvorhandenen Zersplitterung anzuführen. Göppingen, früher\ndurch die Leistungen seines Liederkranzes im wohlverdien-\ntesten Rufe, zählte in den letzten Jahren vier Vereine, alle\nvier Mitglieder des Bundes, von denen begreiflicher Weise\nkeiner die nothwendige starke Anzahl von Singkräften in\nsich schliessen konnte. Aus Tuttlingen liegt uns eine Mit-\ntheilung vor, wonach dort fünf Sing-Vereine bestehen. „ „Je\nmehr Gesang-Vereine,\"8 lügt mit Recht der Briefsteller bei,\n„ „desto weniger kann man überhaupt ausrichten.8 8 Städte\nwie Urach, Blaubeuren, Crailsheim, Geisslingen, Bietigheim,\nPfullingen und viele andere könnten Tüchtiges leisten, wenn\nsie, statt zwei, bloss Einen Liederkranz hätten. Wie lässt\nsich aber gar ein tüchtiger, kräftiger Männerchor erwarten,\nwenn kleine Orte, wie Giengen a. d. Br. (2201 Einw.),\noder Neuenstein (1506 Einw.), zwei Liederkränze haben!\nSolche kleine Vereine können sich zu keinem lebensvollen\nDasein aufschwingen; meist wird durch solche Zersplitterung\nund Sonderbündelei der Volksgesang überhaupt verscheucht.\nBeispiele, dass von mehreren Vereinen kleinerer Orte der\neine oder andere oder alle beide bei ihrer inneren Schwäche\nnur ein kümmerliches und kurzes Dasein fristen, geben die\nErfahrungen des Sängerbundes genug an die Hand; in Back-\nnang, Oehringen, Mezingen, Cannstatt u. s. w. z. B. konn-\nten sich zwei Vereine nicht halten, in Balingen sind unter\nden Eifersüchteleien zweier Vereine alle beide schlafen ge-\ngangen. Wir haben uns beim ravensburger Liederfeste aus\nAniass der ehrenvollen, den beiden wackeren Vereinen zu\nBiberach zu ertheilenden Auszeichnungen erlaubt, beide zur\nVereinigung in Einen Liederkranz, welcher Ausgezeichnetes\nleisten könnte, aufzumuntern. Wir sprechen jetzt öffentlich\nlür alle Vereine, bei welchen ähnliche Verhältnisse obwal-\nten, denselben Wunsch aus, indem wir uns freuen, einen\nanerkennungswerthen Vorgang anzuführen: in Heilbronn\nsind kürzlich die beiden Vereine Eintracht und Frohsinn zu\nEinem mit dem guten alten Namen Liederkranz zu-\nsammengetreten. 8\nDer schwäbische Sängerbund zählt jetzt 147 Vereine,\nvon denen die grössere Zahl kleineren Städten, Flecken\nund Dörfern angehört. Diese Verbreitung der Gesangeslust\nim südlichen Deutschland ist eine bemerkenswerthe und\nimmerhin erfreuliche Thatsache. Der Bund hat eine gemein-\nschaftliche Casse, welche aus den geringen Beiträgen der\nVereine gebildet wird und etwa 1050 Gulden jährlich\nverrechnet. Auch die Anlage einer musicalischen Bibliothek\nmacht Fortschritte.— Ueber die Feste heisst es a. a. 0.:\n„Was die Lieder feste unseres Bundes im verflos-\nsenen Sommer betrifft, so können wir hinsichtlich des all-\ngemeinen Festes in Ravensburg, wie des Gaufestes in Vai-\nhingen a. d. E. auf die Fest-Berichte im Schwäb. Mercur\nverweisen. Es wurde dort namentlich auch über die freund-\nschaftlichen Beziehungen berichtet, welche zwischen den\nSängern Schwabens, der Schweiz, Baierns, Badens, Fran-\nkens, Oesterreichs u.s.w. geschlossen worden Beziehun-\ngen, die seither aufs freundlichste fortgepflegt wurden. Der\nschwäbische Sängerbund dankt dem ravensburger Feste ins-\nbesondere das werthvolle Geschenk des eidgenössischen\nSänger-Vereins: einen schönen silbernen Pocal mit der sin-\nnigen Umschrift: „Weit über enge Marken zieht den trau-\nten Kreis das deutsche Lied.8 Auch das Gau-Liederfest zu\nVaihingen erhielt durch die Anwesenheit mancher Sänger-\ngäste aus dem benachbarten Baden (Karlsruhe, Bruchsal,\nPforzheim u. s. w.) einen besonderen Reiz. In beiden Fest-\nStädten verdienen die Veranstaltungen der localen Festleiter"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 677, "texte": "die vollste Anerkennung, welche wir auch hier auszuspre-\nchen lür Pflicht erachten. In Bezug auf die musicalische\nLeistung des Gesammt-Chors zeichnete sich das ravens-\nburger Fest wohl vor allen bisherigen schwäbischen Lie-\nderfesten in hohem Grade aus. Der alte Liedermeister Al-\nbert Methfessel äussert sich hierüber in einem an ein\nMitglied des Ausschusses gerichteten Schreiben folgender\nMaassen: „„Ich spreche dem ganzen herrlichen Sänger-\nbunde meine begeisterte Freude, meine bewusstvolle Be-\nwunderung aus über seine Leistungen, welche mir die\nwahre Macht des Gesanges, vorzüglich im Kirchen-Con-\ncerte, im schönsten Glänze, mit tief erschütternder Wir-\nkung zeigten.\"\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-14-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-14_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-06-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "191", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.2.5", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.7", "debut_caractere": 679, "fin_caractere_exclue": 2981, "texte": "Beurtheilungen.\nFür Pianoforte.\nCompositionen von Th. Leschetitzky.\n(Sämmtlich im Verlage von Schlesinger in Berlin.)\nAndante finale de Lucia d\ngauche seule. Op. 13.\nSouvenir de St. Petersbourg, Mazurka. Op. 15.\nLes clocheltes, Impromptu. 16.\nSix Meditations. Op. 19.\nPerpetuum mobile, Etüde 20.\nPolka de Salon. Op. 21.\nDiese Compositionen gehören sämmtlich, dem Salon an und be-\nsitzen so ziemlich alle Eigenschaften, welche dazu gehören, um in\ndenjenigen eleganten Kreisen zu wirken, in denen man gern\nzur Musik greift, um die Langeweile zu verscheuchen. Tiefere Mu-\nsik wäre da nicht wohl angebracht, und es stellt sich also immer\nwieder von Zeit zu Zeit ein gewisses Bedürfniss für solche Sachen\nheraus, da die Salonmusik mehr als jede andere der Mode unter-\nworfen ist. Wenn elegante Pianisten das Nocturno von Döhler, die\nTriller-Etude von Mayer oder La von Blumenthal in sol-\nchen Kreisen nicht wohl mehr spielen können, indem sie nach-\ngerade allzu abgedroschen sind, so sind vorliegende Sachen vielleicht\ngar Manchem willkommen, und wir wollen gern glauben, dass es\ndiesem oder jenem Opus von Herrn Leschetitzky gelingen könnte,\nsich die Gunst der dabei interessirten Pianisten auf einige Zeit zu\nerwerben, bis sie nach kurzer Frist wieder anderen Modesachen\nweichen müssen. Wir glaubten übrigens, dass die linkshändigen\nSachen jetzt bereits aus der Mode gekommen wären; jedenfalls bat\ndieses Op. 13 (!) den geringsten Werth. Besseres sucht der Compo-\nnist in den Meclitations zu geben, welche auch in der Ihat am\nwerthvollsten unter den vorliegenden Sachen sind. Der Componist\ngab ihnen folgende Ueberschriften:\ndu printemps, Berceuse, Decouragement, Für gewisse\nZwecke sind diese Meditation sauch beim Unterrichte recht wohl\nzu verbrauchen. Bei Sachen von so gutem, leichtem Fluss, von\nmassiger Schwierigkeit und angenehmer Spielart übt der Schüler\nmit Erfolg das elegante Spiel, welches er freilich bei den tiefgeisti-\ngen Sachen eines Chopin (dessen Compositionen ich ungern zur\nSalonmusik zählen höre), bei den fein empfundenen, liebenswürdi-\ngen Pianoforte-Compositionen eines Mendelssohn, ja, selbst bei\nBeethoven's Meisterwerken nicht entbehren kann, obgleich bei die-\nsen Sachen, wie männiglich bekannt, es mit der Eleganz allein\nnicht gethan ist.\n(§iehe den Verfolg- in der Beilage.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-14-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-14_01#c006", "volume": "bmtnabi_1856-06-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "191", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.2.6", "titre_corps": "Mozart-Stiftung zu Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Mozart-Stiftung zu Frankfurt am Main.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.7", "debut_caractere": 2983, "fin_caractere_exclue": 3789, "texte": "Mozart-Stiftung zu Frankfurt am Main.\nDie bei dem Concurs um das Stipendium der Mozart-Stiftung\nin Frankfurt am Main zur Prüfung der von den Bewerbern einge-\nlieferten Probe-Arbeiten erwählten Preisrichter, die Herren: Capell-\nmeister H. Esser in Wien, Musik-Director M. Hauptmann in Leip-\nzig, Musik-Director Franz Messer in Frankfurt am Main, haben ihre\nGutachten erstattet. Nach Inhalt derselben und in Gemässheit un-\nserer Statuten ist durch Beschluss des Verwaltungs-Ausschusses\nvom 6. Juni d. J. Herr C. Joseph Brambach*) von Bonn als\nStipendiat der Stiftung ernannt und demselben der Bezug des Sti-\npendiums im Betrage von jährlich vierhundert Gulden zuerkannt\nworden.\nFrankfurt am Main, den 7. Juni 1856.\nDer Verwaltungs-Ausschuss der Mozart-Stiftung.\nDr. Ponfick, Präsident. Dr. A. Giar, Secretär."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-14-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-14_01#c007", "volume": "bmtnabi_1856-06-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "192", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.2.7", "titre_corps": "An deutsche Dichter.", "titre_sommaire": "An deutsche Dichter.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.7", "debut_caractere": 3791, "fin_caractere_exclue": 5404, "texte": "An deutsche Dichter.\nUnser Verein setzt hiermit den Preis von 200 Gulden rhei-\nnisch aus für den Original-Text zu einer deutschen Operette\nin Einem Aufzuge, welcher als Preis-Aufgabe zur musicalischen\nBearbeitung ausgeschrieben werden soll.\nDie Preis-Bewerbungen, leserlich geschrieben und mit einem\ndeutschen Spruche oder beliebigen Zeichen versehen, wollen spä-\ntestens im Monat December d. J. „der deutschen Tonhalle\"\nfrei hieher eingesandt werden nebst einem versiegelten Zelte), der\nden Namen, Stand und Wohnort des Verfassers enthält und auf\nwelchem derselbe einen Tondichter nennt, welchen er als Preis-\nrichter wählt.\nZu den auf diese Art meiststimmig ernannten zwei ernennen\nwir den dritten Preisrichter, worauf dasjenige der wie oben be-\nstimmt und rechtzeitig eingekommenen Werke den Preis erhält,\nwelchem ihn diese Preisrichter zuerkennen.\nDas gekrönte Werk wird gegen Uebersendung des Preises an\ndessen Verfasser Eigenthum der Tonhalle, und jener, wie auch die\nVerfasser der preisrichterlich belobten Werke werden unter Be-\nnennung der Preisrichter bekannt gemacht.\nSämmtliche Bewerbungen, ausser der dem Vereine eigentüm-\nlichen, werden in unserem Archiv aufbewahrt, wenn sie nicht bin-\nnen sechs Monaten, von jener Bekanntmachung an, zurückverlangt\nwerden; die Rücksendung geschieht jedoch nur auf unmittelba-\nres Verlangen der Verfasser und auf Kosten derselben.\nMannheim, im Juni 1856.\nDer Vorstand der deutschen Tonhalle.\n\n*) Herr C. J. Brambach ist auf der Rheinischen Musik-\nschule gebildet und in der Theorie und Compositionslehre\nSchüler der Herren F. Hill er und Fr. Derckum.\nDie Redaction«"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2970, "texte": "Herr Gustav Flügel, Musiklehrer am k. Seminar zu Neu-\nwied, ist von dem k. Ministerium der geistlichen und Unterrichts-\nAngelegenheiten in Berlin mittels ehrenvoller Zuschrift vom 31. Mai\nd. J. zum Musik-Dir eet or ernannt worden.\nAugust Müller, Organist in Ems, hat „dreissig der schön-\nsten protestantischen Choräle mit einfacher Harmonie für Orgel\noder Fianoforte\" (Ems, bei L. J. Kirchberger) herausgegeben. Die\nChoräle, meist aus dem siebenzehnten Jahrhundert, sind gut aus-\ngewählt; bei einigen ist die Harmonie älterer Componisten (wie\nz. B. Seb. Bach's) beibehalten.\n** WiesKjaden, 5. Juni. Gestern fand hier das letzte der\nvon dem Cäcilien-Verein in Vereinigung mit dem Theater-Orchester\narrangirten Concerte Statt; es brachte uns die zwei ersten Theile\naus Haydn's Jahreszeiten und auf vielseitiges Verlangen eine Wie-\nderholung der in dem dritten Vereins-Concerte zum ersten Male\naufgeführten „Ersten Walpurgisnacht44 von F. Mendelssohn-Bartholdy.\nDie Soli in ersterem Werke waren durch Frau Jagels-Roth,\ndie Herren Brunner und Eichberger, und in letzterem durch\nFrau Hagen und die Herren Brunner, Ueberhorst und\nEichberg er sehr gut besetzt; die Chöre waren mit Fleiss und\nSorgfalt einstudirt und wurden von sämmtlichen Ausführenden, ein-\nzelne ängstliche Einsätze abgerechnet, zur vollen Geltung gebracht.\nDas rühmlichst bekannte Orchester leistete ebenfalls Vorzügliches,\nso dass wir die unter der Leitung unseres Capellmeisters Herrn\nHagen uns gebrachte Aufführung dieser beiden schönen Tonwerke\nais eine höchst gelungene, effectvolle bezeichnen können.\nSondersliausera. Sonntag den 18. Mai haben unsere dies-\njährigen Loh-Concerte wieder begonnen. Ein sehr gewähltes Pro-\ngramm leitete sie auf würdige Weise ein. Dasselbe bot der fürst-\nlichen Hofcapelle neue Gelegenheit, ihren längst bewährten Ruf\naufs glänzendste zu rechtfertigen. Sämmtliche Ensemblestücke wur-\nden mit eben so vieler Präcision als künstlerischer Vollendung\ndurchgeführt. Unser durch Decret Sr. Durchlaucht des Fürsten\njüngst erst zum Kammer-Virtuosen ernannter Hornist Mayer ent-\nzückte durch den Vortrag eines Concerts von Kuntze die Menge\nder Zuhörer, die jedem seiner Töne in athemloser Stille lauschten.\nHerr Mayer ist Meister auf seinem Instrumente, sein Vortrag mu-\nstergültig. In Anbetracht so künstlerischer Vollendung, wie Herr\nMayer sie auf seinem Instrumente besitzt, erscheint die Verleihung\ndes Prädicates eines Kammer-Virtuosen an denselben als ein schö-\nner Beweis, dass Se. Durchlaucht unser kunstsinniger Fürst wahres\nVerdienst, wie und wo es sich zeige, zu würdigen und hervorzu-\nheben stets bereit ist.\nDer Stifts-Vicar Dr. Domini cus Metten leiter zu Regens-\nburg, einer tier tüchtigsten Dilettanten und Musik-Verständigen in\nSüddeutschland, hat einen Festgruss ~Hedyphonia\"— an den\nhochwürdigsten, in Wien tagenden österreichischen Episcopat gedich-\ntet und für vier Männerstimmen gesetzt, welcher in eleganter Aus-\ngabe in Regensburg bei Pustet erschienen ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-14-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-14_01#c008", "volume": "bmtnabi_1856-06-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "194", "image_debut": 9, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.2.8", "titre_corps": "Beilage zu Nr. 24 der Niederrheinischen Musik-Zeitung. 14. Juni 1856.", "titre_sommaire": "Beilage zu Nr. 24 der Niederrheinischen Musik-Zeitung. 14. Juni 1856.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4071, "texte": "Beilage zu Nr. 24 der Niederrheinischen Musik-Zeitung. 14. Juni 1856.\nJules Sachs, Etüde caracteristique „Verlorenes\nGlück\" pour le Piano. Op. 11. Berlin, bei Schle-\nsinger. Preis 15 Sgr.\nDie Etüde zeugt von Geschmack und guter Kenntniss des In-\nstrumentes. Ohne von grösserer Bedeutung zu sein, macht sie einen\nangenehmen Eindruck, da sie sich von aller Trivialität frei erhält\nund sich angenehm spielt. Mit der Ueberschrift nehme man's nicht\nzu genau. Gern hätten wir den letzten Fortissimo-Accord entbehrt,\nda er nach Effecthascherei schmeckt. Ein ruhiges Verklingen wäre\nkünstlerischer gewesen.\nAdolf Hesse, Quatrüme Rondeau. Oeuvre 78. Bres-\nlau, chez Leuckardt. Pr. 20 Sgr. 2 me. Edition.\nEine so wackere, künstlerisch gehaltene Composition, wie sie\nsich von einem so ehrenvoll bekannten Musiker, wie Hesse ist,\nnur erwarten lässt. Der geehrte Componist versuchte vielleicht\netwas zu sehr auf Kosten seiner Individualität, elegant zu sein, und\nist dadurch je zuweilen etwas gewöhnlich geworden; doch findet dies\nnur auf wenige Einzelheiten Anwendung. Das Haupt-Thema, auf\ndas es beim Rondeau wegen seiner häufigen Wiederkehr sehr an-\nkommt, ist reizvoll genug. Was die „Deuxieme edition\" anlangt, so\nscheint's uns freilich fast, als wenn diese Bezeichnung nur auf das\nTitelblatt bezogen werden dürfte; denn die Noten, welche ziemlich\nunklar und grau sind, sehen nicht aus, als wenn sie unlängst ge-\nstochen wären; wir sind neuerdings von der Verlagshandlung an\nbessere Ausstattung gewöhnt. Das Rondeau ist auch sehr ver-\nwendbar beim Unterrichte, und wir empfehlen es Lehrern und\nSchülern, wie überhaupt allen Clavierspielern von Geschmack\nbestens.\n*i 8 set #* # i m\ni '\nValse melancolique, suivie de deux Mazurkas. OP. 29.\nMagdeburg, Beinrichshofen. Preis 10 Sgr.\nCinq Morceaux de Salon. Oeuvre 30. Preis 1 Thlr.\nEbendaselbst.\nAndante expressivo(Leb' wohl) et Allegro appassionato.\nOp. 31. Preis 1 5 Sgr. Ebendaselbst.\nDiese Werke gehören entschieden der besseren Salonmusik an\nund machen um ihrer guten Intentionen willen einen vorteilhaf-\nten Eindruck. Der Walzer gehört in das Genre der sentimentalen\nW7alzer, für welche Franz Schubert mit seinem Sehnsuchts-Walzcr\nden Ton angegeben hat, und welcher so häufig nachgeahmt wor-\nden, ohne je ganz erreicht zu sein. Die Mazurka's sind hübsch;\ndass sie an Chopin erinnern, wird ihnen kein vernünftiger Musiker\nzum Vorwurf machen. Die Morceaux de Salon mit den Ucberschrif-\nten i Gondoliera, Melancolie, Notteiriio (Abendglocken), Friere, Ca-\npriccio brillant (Uebermuth), scheinen uns mcistentheüs in der H-\nguration zu complicirt, um sich ein grösseres Publicum, für das sie\ndoch eigentlich bestimmt sind, erwerben zu können. Sie spielen\nsich zum Theil nicht angenehm, und sind doch andererseits nicht\nbedeutend genug, um den Spieler für längeres Studiren zu beloh-\nnen. Am meisten gefällt uns das Andante und Allegro Op. 31, und\nvon diesen das Allegro, welches eine edle Leidenschaft birgt, zwar\netwas liedartig gehalten ist, aber ein sehr schönes Maass und\nschöne Form hat und von trefflicher Wirkung ist.\nG. Gerland, Drei Sonaten für Pianoforle. Op. 1.\nRassel, bei Luckhardt. Preis Nr. I—3 ä 1 Thlr.\nDie Freude, welche wir empfanden, als wir den Titel über-\nlasen und im Stillen den Ernst und den Mulh eines jungen Com-\nponisten lobten, der als Erstlingswerk drei grössere Clavier-Sonaten\nin die Welt sendet, ward bedeutend getrübt, als wir begannen, sie\ndurchzuspielen. Die Kritik hat mit ihnen eigentlich nichts zu schaf-\nfen; denn wenn sie gleich die Aufgabe hat, zu belehren, so\nkann man doch keinen Unterricht von ihr verlangen, und des\nUnterrichtes ist der Componist noch sehr bedürftig, sonst würden\nbei ihm schlechte Fortschreitungen, wie diese:\nnicht so häufig vorkommen. Wo dergleichen noch passiren kann,\nist natürlich von geschickter Behandlung der Form gar nicht die\nRede; und da überdies die Erfindung sehr alltäglich, die Behand-\nlung des Instrumentes sehr ungeschickt und nicht selten von häss-\nlicher Wirkung ist (man nehme als gleichzeitigen Beleg für beide\nBehauptungen das folgende Beispiel):"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1152, "texte": "so bleibt nicht viel zu loben. Erwähnen wollen wir noch, dass\nder Compopist sich im Finale der dritten Sonate mit einer freien\nFuge versucht hat, welche trotz ihrer Schwächen und Mängel (wo-\nhin wir Sequenzen wie folgende:\ndennoch zu dem Leidlichsten gehört, was der Componist in allen\ndrei Sonaten niedergelegt hat. Ehe derselbe aber ernstere Studien\ngemacht, möge er die Oeffentlichkeit meiden.\nFr. Abt, Tyrolienne pour Piano. Op. 125. Pr. 54Kr.\nPolka-Mazurka brillante. Op. 126. Pr. 54\nKr. Offenbach, Andre.\nNachdem wir wiederholt in den musicalischen Berichten aus\nBraunschweig von der echt künstlerischen Thätigkeit des Capell-\nmeisters Abt gelesen haben, ist es uns wahrhaft betrübend, solchen\ntrivialen Erzeugnissen seiner Muse begegnen zu müssen. Sie gehö-\nren zu derjenigen Sorte brillanter Tanzmusik, welche häufig mit\nGlück von Dilettanten cultivirt wird. Wir haben zwar von Abt\nnoch nichts Tiefes und Bedeutsames kennen gelernt, aber doch\nManches von einfach gutem und natürlichem Ausdruck, und wir\nwünschten aufrichtig, dass der Componist sich nicht durch die Ver-\nöffentlichung solcher Sachen die Achtung seiner Mitkünstler ver-\nscherzte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-14-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-14_01#c013", "volume": "bmtnabi_1856-06-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "194", "page_fin": "196", "image_debut": 10, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.2.9", "titre_corps": "Für Pianoforte und Streich-Instrumente.", "titre_sommaire": "Für Pianoforte und Streich-Instrumente.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.10", "debut_caractere": 1154, "fin_caractere_exclue": 3906, "texte": "Für Pianoforte und Streich-Instrumente.\nAlbert Dietrich, Trio für Pianoforte, Violine und\nVioloncell. Op. 9. Leipzig, bei Breitkopf & Här-\ntel. Preis 3 Thlr.\nDas Werk ist eine höchst erfreuliche Erscheinung und verdient\ndie Beachtung aller Freunde edler Kammermusik in hohem Grade;\nes ist zwar augenscheinlich unter dem Einflüsse Robert Schümanns\n(dem es zugeeignet ist) entstanden, doch berührt dies keineswegs\nunangenehm, da sich mehr eine geistige Verwandtschaft bekundet\nals eine absichtliche Nachahmung von Aeusserlichkeiten, wie dies\nbei wirklichen Copiecn fast immer der Fall ist. Der Componist\nbesitzt augenscheinlich eine schöne Erfindungsgabe, bedeutende\nGeschicklichkeit in Handhabung der Form (wobei ihm jedwede\npraktische Verwendung aller polyphonen Künste trefflich zur Seite\nsteht) und eine echt künstlerische Gesinnung. Wenn sich der Com-\nponist in folgenden Werken noch mehr von seinem Vorbilde eman-\neipirt und sich etwas knapper, conciser in der Form zu halten\nlernt, so wird er ohne Zweifel ganz Vortreffliches leisten. Das erste\nAllegro, C-moll, 4/4-Tact, ist seiner Grundstimmung nach leiden-\nschaftlich bewegt, doch hat der Componist es verstanden, ihm durch\ndas liebliche und reiche Gegen-Thema:\nwelches später zu vielen interessanten imitatorischen Verschlin-\ngungen Anlass gibt, ein anderes, wohlthuend contrastircndes Ele-\nment beizugesellen. In der Durchführung findet sich hier und da\neine etwas zu orchestrale Behandlung der Instrumente ein Vor-\nwurf, der in noch höherem Grade dem Finale zu machen ist. Wir\nglauben nicht ungerecht zu sein, wenn wir der Meinung sind, dass\nder sonst so feinfühlende und formgewandte Mendelssohn durch\nseine Trio's und namentlich durch sein zweites Trio in C-moll die\nSchuld trägt, wenn unsere jüngeren Componisten meistenteils von\ndem echten Trio-Stil (wie ihn Beethoven so meisterlich vorgezeich-\nnet hat) hier und da abweichen und namentlich im Pianoforte eine\nzu massenhafte und virtuosenhafte Figuration anwenden. Das Ada-\ngio (G-dur, 2/4) beginnt mit einem schönen, gleichsam beruhigenden\nund tröstenden Thema, welches auch recht interessant behandelt\nwird; doch weiss der Componist bei der übermässigen Länge des\nSatzes nicht lange genug das Interesse des Hörers zu fesseln. Es\nwäre besser gewesen, wenn der Componist den Gegensatz (Poco\npiu mosso) nicht später in G-moll wiedergebracht hätte; .wir sind\nüberhaupt nicht sehr erbaut von den allzu contrastirenden Gegen-\nsätzen im Adagio, namentlich mit Tempo-Wechsel; bei den Gross-\nmeistern finden wir sie sehr selten. Der dritte Satz ist ein Mode-\nrato quasi Allegrelto (C-moll, Das Thema ist wiederum\nlieblich und originel, doch leidet der zweite Theil an einiger Un-\nklarheit. Der Componist hat zu viel geben, zu fleissig arbeiten"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3859, "texte": "wollen, und so durch allerhand Neben- und Beiwerk den Haupt-\ngedanken erstickt und der Durchsichtigkeit und Klarheit geschadet.\nDas Finale {C-dury 4/4-Tact, Allegro moJto vivace) ist frisch Und feu-\nrig, hier und da sehr interessant gearbeitet (s. unter Anderem die\nBenutzung des Haupt-Thema's in der Gegenbewegung, S. 44 u.\na. m.). Nur macht es, um ungeschminkt zu reden, etwas zu viel\nSpectakel. Doch sind alle diese kleinen Mängel in Anbetracht der\ngrossen Vorzüge des Werkes von geringem Belang, und begrüssen\nwir in dem jungen Componisten nochmals mit Freuden ein viel-\nversprechendes Talent, eine edle Künstler-Natur, die nicht so viele\nSchlacken abzuwerfen hat, als manche andere hochgepriesene junge\n(lomponisten, welche bereits als fertige Meister annoncirt werden,\ninzwischen aber noch sehr ungeniessbare Sachen schreiben. Sei\ndas Trio nochmals dringend empfohlen.\nI . ...\nAntoine Rubinstein,Deux\nViolon et Violoncelle. Op. 15. Leipzig, Fred. Hof-\n* meisten Preis ä 2 Thlr. 25 Sgr.\n19. Leipzig, Breitkopf & Härtel. Preis 2 Thlr.\n20 Sgr.\nDer Vorwurf, welchen wir dem Dietrich'schen Trio wegen theil-\nweise zu orchestraler Behandlung der Instrumente machten, trifft\ndie vorliegenden Werke von Rubinstein in viel höherem Grade, da\nsich zu einer virtuosenhaften Behandlung des Claviers, welche nicht\nselten in leere Arpeggien-Klingelei ausartet, noch ein übertriebener\nGebrauch des Unisono zwischen Geige und Violoncello gesellt. Da-\ndurch lassen sich wohl äusserliche Effecte, erreichen, wie wir de-\nren z. B. im zweiten Trio auf S. 15 begegnen, aber man darf uns\nnicht glauben machen wollen (wie das in Bezug auf Rubinstein die\nPresse von manchen Seiten her zu thun bemüht war), dass der-\ngleichen Leichtfertigkeiten und Banalitäten sich mit einer durchweg\ngenialen, ja, originellen und epochemachenden Künsler-Natur ver-\ntragen. Wir stehen keinen Augenblick an, in Herrn Rubinstein ein\nrecht viel versprechendes Talent anzuerkennen, welches zu mancher\nschönen Hoffnung berechtigen dürfte, wenn er sich aller Fesseln\ndes modernen Virtuosenthums entledigen könnte, wenn er wähle-\nrischer in der Benutzung seiner musicalischen Gedanken würde\nund nicht gleich mit dem Ersten, Besten zufrieden wäre, mehr In-\nnigkeit und Gefühlstiefe zu offenbaren lernte und endlich die ver-\nschiedenen Stilarten in der Musik aus einander zu halten wüsste.\nDoch kann unserer Ansicht nach von ihm als von einem Meister\nnoch nicht die Rede sein. Fast alle in vorliegenden Werken vor-\nkommenden Hauptgedanken gehören mehr entweder der Opern-\nmusik (selbst hier und da der Tanzmusik) oder der Symphonie an,\nals der Kammermusik. Wer denkt nicht z. B. bei dem Scherzo der\nViolin-Sonate an französische Opernmusik vom reinsten Wasser?\nWer denkt nicht bei dem darauf folgenden Trio und namentlich\nbei dem Fortissimo-Einsatz auf S. 22 mehr an den Circus als an\neine bescheidene Sonate für Piano und Violine?\nWer entbehrt nicht im Finale dieser Sonate, wenn die Violine sich\nsechszehn Tacte fortissimo hindurch auf diesem verminderten Sep-\ntimen-Accord ergeht,\n, um dann auf\nvierzehn Tacten dem folgenden\nPlatz\nzu machen wer entbehrt da nicht Posaunen und Tuba und alle\ndie göttliche Blechmusik, um solchem Gebahren der Geige Wider-\nstand leisten zu können? Einer ähnlichen Ungeheuerlichkeit be-\ngegnen wir am Schlüsse des ersten Trio, am Schlüsse des Scherzo\nund des Finale vom zweiten Trio, während im Uebrigen anzuer-\nkennen, dass die Trio's doch etwas maassvoller gehalten, als die\nSonate. Von eigentlicher Polyphonie ist aber fast nie die Rede, da-\ngegen ist fast immer ein oder das andere Instrument ganz beglei-\ntend oder nebensächlich. Wir führen beispielsweise nur an, dass\ndas Violoncell im Scherzo des zweiten Trio erst einmal eilf Tacte\nunisono mit der rechten Hand des Pianoforte und dann unmittelbar\ndarauf einige fünfzig Tacte lang in Octaven mit der Violine fort-\n#"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5907, "texte": "geht; nach einigen Tacten Pausen beginnt das Unisono mit der\nGeige wieder auf dreizehn Tacte und kehrt auch nicht lange darauf\nfür sechszehn Tacte abermals mit der rechten Hand des Claviers\nzurück. Aehnliche Unbeholfenheit in gleichzeitiger Verwendung der\ndrei Instrumente findet man fast in allen Sätzen eines jeden Trio.\nSchliesslich machen wir den Componisten noch auf eine Manier\naufmerksam, die ihm vielleicht unbewusst eigen, und welche die\nunerträgliche Breite und dadurch entstehende Langweiligkeit seiner\nSachen mit sich bringt. Es ist dies die Sucht, die einzelnen Motive\nzu wiederholen und zu versetzen und dann nicht selten die so ge-\nbauten Perioden noch einmal zu wiederholen. Man schlage z. B.\nS. 40 im zweiten Trio auf; Tact 1 wiederholt sich dreimal, wäh-\nrend Tact I—31—3 sich dann wieder in den Tacten 5-—7 wiederholen.\nAehnliches findet man dtnn gleich im Beginn des zweiten Theiles,\nwo selten ein Motiv erscheint, das nicht sogleich zweimal gebracht\nwrird. Auch im Scherzo des Trio findet man Beweise für diese Be-\nhauptung in auffallender Weise. S. 36: Tact 5 wiederholt sich vier-\nmal, Tact 13—20 wiederholt sich Note für Note in den Tacten\n21—28, Tact 29 -32 wiederholt sich in den Tacten 33—36, Tact\n37—40 wiederholt sich in den Tacten 41—44, Tact 45 wiederholt\nsich viermal. Dergleichen findet man fast auf jeder Seite. Der\nComponist kann uns nicht der ungründlichen Durchsicht seiner\nSachen bezüchtigen, wenn wir unsere Behauptungen mit solchen\nBeispielen belegen. Wer sich die Miihe geben will, die Violin-So-\nnate genauer durchzusehen, wird S. B—SO das Unglaubliche an\nSequenzen und Schusterflecken finden, während z. B. im Finale\nwiederum sich Tact um Tact, Satz um Satz und Periode um Pe-\nriode wiederholt. Eine gewisse Routine im Schreiben, der damit\nverbundene leichte Fluss, eine Art jugendlicher Lebendigkeit und\näusserlich wirksame Behandlung der Instrumente, namentlich des\nPianofortc, sind Vorzüge, die wir gern anerkennen, die aber die\nLeichtfertigkeit und den hohlen Pathos in der Erfindung, so wie\nauch die Verstösse gegen den Stil der Kammermusik nicht er-\nsetzen können.\nTrio pour Piano, Violon\nLouis Slainlein.\nOp. 9. Mayence, ches les Bls de B. Schölt.\nDieses Trio unterscheidet sich nicht nur vortheilhaft von den\nzuletzt erwähnten von A. Rubinstein durch richtigere und ein-\nfachere Behandlung der drei Instrumente, als wesentlicher Solo-\nstimmen, nicht als Orchester Imitation, sondern es hat auch bei\nWeitem mehr Flus3 und natürliche Folge, und zeigt eine so grosse\nSicherheit in der Harmonie und Gewandtheit in der Behandlung\nder Form, dass man wenn nicht der Stand des Grafen durch\nden Titel bezeichnet wäre es nicht für das Wrerk eines Dilettan-\nten, sondern eines in der Factur geübten Meisters halten müsste.\nDesto ehrenvoller für den deutschen Dilellantismus überhaupt und\nlür den des Grafen L. Stainlcin insbesondere, der freilich in der\nmusicalischen Welt und namentlich in den Künstlerkreisen von\nWien, Paris, Brüssel, Lüttich, Köln u. s. w. längst als auch dem\nKunst-Adel ebenbürtig anerkannt ist. Alle seine Compositionen, be-\nsonders aach die Quartette für Streich-Instrumente, tragen den\nStempel einer keineswegs gewöhnlichen Erfindungsgabe und liefern\nin der Art und Weise der Arbeit den Beweis von der Gründlich-\nkeit der musicalischen Kenntnisse des Componisten, in der Schreib-\nart yon dem Studium der classischen Muster. Die letztere schliesst\nsich weniger an Mendelssohn, als an Haydn, Mozart, Hummel und\nOnslow an.\nDas vorliegende Trio besteht aus drei Sätzen: Allegro con Spi-\nrito in C-moll, 6/ö-Tact Andante religioso in As-dur, 6 'g-Yact\nFinale allegro agitalo in C-moll, 2/4-Tact. Alle drei Sätze bekunden\ndie angegebenen vorzüglichen Eigenschaften des Componisten. Sie\nsind allerdings mehr mit Geist als mit Phantasie geschrieben; da-\nfür sind sie aber auch eben so frei von den Ueberwallungen einer\nexcentrischen Phantasie, die als genial gelten will, als von der\nnüchternen Arbeit des Verstandes, der sich in Combinations-Excm-\npcl verliert. Die neueste Richtung, durch die Instrumental-Musik\nAbgüsse oder Licht-Ton-Bilder (musicalische Photographie) von\nGegenständen zu geben, ist dem Componisten glücklicher Weise\nganz fremd. Dagegen zeichnen ihn der Sinn für Ebenmaass und\nKlarheit und zusammenhangender Fluss der musiealischen Gedan-\nken aus. Da die Ausführung nicht schwierig ist, wiewohl besonders\nfür Yioloncell und Violine sehr dankbar (deren Partieen zwar keine\nSchwierigkeiten darbieten, aber doch gute Spieler verlangen der\nGraf ist selbst ein tüchtiger Violoncellist), so ist das Trio beson-\nders solchen Kreisen von Kunstfreunden zu empfehlen, welche sich\nan Kammermusik erfreuen.\nFügen wir das letzt vorhergegangene Werk desselben Com-\nponisten :\nSonate pour Piano et Violoncelle. A Mme. La Prin-\ncesse Aug. d'Auersperg. Par le Comte L. Stain-\nlein. Op. 8. Mayence, B. Schott fils.\nhinzu, so müssen wir dieser Sonate noch in höherem Grade das\nWort reden, als dem eben besprochenen Trio; denn hier waltet,\nnamentlich im ersten Satze (Allegro non troppo, G-moll, V-i-Tact),\neine mehr leidenschaftlich sprühende Phantasie vor, als dort, ohne\ndass dadurch die Klarheit der Arbeit getrübt oder das Ebenmaass\nder Form gestört und der Faden der Gedankenfolge zerrissen\nwürde. Aber auch das Andante espressico in Es-dur, 6 in\nwelchem das Violoncell in melodiöser Weise mit Recht die Haupt-\nrolle spielt, und das Finale allegro agitalo in G-moll, 6g-Tact, der\nErguss einer sprudelnden Frische und Lebendigkeit, stehen dem\nersten Satze würdig zur Seite und werden sich gleich beim ersten\nHören besser empfehlen, als der Buchstabe das vermag.\nEin solches Streben und eine so edle Richtung auf die wahre\nKunst, wric diese Werke offenbaren, wäre gar manchem Compo-\nnisten unserer Zeit zu wünschen, und Resultate derselben wie die\nvorliegenden, würden auch wenn sie von einem Künstler von Fach\nherrührten, ihm sehr ehrenvoll sein."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nEin freimütiges Wort über die IX. Sinfonie von Beethoven. Von K. Overweg.— Das 34. niederrheinische Musikfest\nin Düsseldorf. IV. Von L. Bischoff. Männergesang in Schwaben. Beurteilungen. Für Pianoforte (Th. Leschetitzky). Mo-\nin Frankfurt a. M. Preis-Ausschreiben. Tages- und Unterhaltungsblatt (Neuwied, Ems, \\\\iesbaden u. s. w.).\nBeilage, Beurtheilungen. Für Pianoforte (J. Sachs, A. Hesse, C. Decker, G. Gerland, Fr. Abt). Für Pianoforte und Streich-\nInstrumente (A. Dietrich, A. Rubinstein, L. Stainlein).\n\nEin freimüthiges Wort über die neunte Sinfonie von\nBeethoven, hervorgerufen durch das Musikfest\nin Düsseldorf.\nNoch lönen mir im Ohr und Herzen die Nachklänge\nso vieles Schönen und Herrlichen wieder, welches dieses\nFest in Vocal- und Instrumental-Musik, durch eine Aus-\nwahl gediegener Composilionen, vortrefflich geleitet und\nausgelührt von einem Vereine tüchtiger musicalischer Ta-\nlente und Kräfte, Künstler und Dilettanten, den lauschen-\nden Zuhörern darbot. Ich überlasse gewandteren und ge-\nlehrteren Federn, die vielseitigen hohen Genüsse, in denen\nich noch schwelge, näher zu beschreiben, bin aber im Vor-\naus überzeugt, dass auch die lebendigsten Schilderungen\nnur ein mattes Abbild lür diejenigen sein werden, welche\ndas Fest nicht selbst besuchen konnten.\nMich veranlasste hauptsächlich die neunte Sinfonie von\nBeelhoven, die weite Reise zu unternehmen. Ich wollte\ndieses eben so grossartige als schwierige Werk noch ein-\nmal vor meinem Abgange aus diesem Leben, in möglichster\nVollkommenheit von grossen Massen ausgelührt, hören.\nBis dahin konnte ich mich mit dem Schlusssatze desselben\nimmer noch nicht so recht befreunden, hoffte jedoch, mit\nmeinem Urtheile darüber mich alsdann auch demjenigen so\nvieler anderen eifrigen Verehrer des grossen Meisters an-\nschliessen zu können, da ich voraussetzte, mein Irrthum sei\nnur durch nicht genug gelungene oder nicht mit hinläng-\nlichen Mitteln ausgestattet gewesene Aufführungen entstan-\nden. Dass ich mein Urtheil über diesen Schlusssatz auch\nheute noch nicht ändern kann, verursacht mir dem un-\nsterblichen Beethoven mit ganzer Seele ergeben—-selbst\ndas grösste Leid und geht mir tief zu Herzen; indessen\nkann man sein Gefühl, wenn man sonst der Wahrheit zu\nhuldigen gewohnt ist und es nicht vorzieht, nur stets die\nAussprüche grosser Autoritäten nachzubeten, doch nicht\nverläugnen. Auf die Gefahr hin, von Vielen bemitleidet,\nwohl gar verdammt zu werden, wage ich daher, meine\nMeinung zu äussern. Es ist allerdings nur die eines Dilet-\ntanten; indessen warum soll einem solchen kein Urtheil\nzustehen, zumal wenn derselbe über sechszig Jahre lang,\nder Musik, soweit es seine Berufsgeschäfte erlaubten, mit\nLeidenschaft zugethan, stets Gelegenheit hatte, Gutes und\nselbst das Beste in allen Fächern dieser Kunst zu hören,\nauch oft selbst thätig und verschiedenartig darin zu wirken?\nVorläufig muss ich noch bemerken, dass, wenn ich\nüber ein Werk, einen einzelnen Satz oder eine Stelle irgend\neines anerkannt grossen Componisten, in welchen er mei-\nnen Geschmack nicht befriedigte, gegen Andere, nament-\nlich Musikverständige, mich frei aussprach, es mir mit-\nunter wohl vorkam, als ob ich auch ihre Ansicht getroffen\nhaben möchte. Man getraute sich aber nicht, diese laut zu\näussern, theils wohl aus Furcht, sich zu compromittiren,\ntheils wohl auch aus dem zu ehrenden Grunde der Pietät\nlür die Meister. Nebenbei bemerkt, machte ich auch die\nErfahrung, dass Laien in der Musik, wenn solche sonst\nnur eifrige Freunde derselben waren, mitunter treffendere\nUrtheile über Compositionen vorausgesetzt, dass letztere\nnicht zu gelehrt und ihnen zu schwer begreiflich waren\nfällten, als manche Musikverständige, und ich versäumte\nes nicht gern, sie darüber auszuhorchen.\nUebrigens scheint es mir verzeihlich, wenn ein eifriger\nMusikfreund, der weder durch irgend eine Art von In-\nteresse geleitet, noch sonst gewohnt ist, eine Composition\nnur nach mehr oder minder bereits grossen Namen auf\ndem Titelblatte zu beurtheilen, danach trachtet, sich ein\nselbstständiges Urtheil nach den Eindrücken und Gefühlen\nzu bilden, welche eine solche auf ihn macht. Bei nach sei-\nner Ansicht indifferenten Werken und Meistern wird es"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.2", "texte": "ihm sehr gleichgültig sein, wenn Andere verschiedener Mei-\nnung sind. Nicht aber also ist ihm zu Muthe, wenn ihm so\netwas bei einem von ihm und Allen hochgeschätzten Com-\nponisten begegnet.\nBevor ich weiter gehe, muss ich noch ausdrücklich er-\nwähnen, dass Beethoven namentlich in seinen Sinfonieen\nund in der Kammermusik mir vorzüglich werth, vielseitig,\ngewaltig, ja, bis jetzt unübertrefflich erscheint. Was dessen\nVocalmusik anlangt, so hat derselbe darin im Verhältnisse\nzur Instrumentalmusik nicht nur viel weniger, obgleich\ndarunter auch manches ausgezeichnet Schöne, geschrieben,\nsondern auch Mehreres, welches mir weniger zusagt als\ndas, was andere grosse Meister in diesem Fache leisteten.\nUm nun auf die neunte Sinfonie am zweiten Tage des\ndiesjährigen Musikfestes zu kommen, so machten die drei\nersten Sätze derselben in Composition und Ausführung\neinen mehr als gewöhnlich entzückenden, bezaubernden\nEindruck auf mich. Man getraute sich kaum zu athmen.\nUm so mehr gab ich mich der süssen Hoffnung hin, dies-\nmal auch den Schlusssatz dieser Sinfonie, von einem sol-\nchen Chor und Orchester ausgeführt, in einer noch nie ge-\nhörten Vollkommenheit und Mächtigkeit zu\" vernehmen,\nund freute mich schon innig, dadurch meine bis jetzt dar-\nüber gehegten Zweifel, „ob dieser letzte Satz, der durch\nHinzutritt des Chors und des erhabenen Textes eigentlich\ndie Krone des Ganzen bilden soll, allerwärts meinen Er-\nwartungen entspreche\", beseitigen und mit vollem Herzen,\nmit voller Ueberzeugung in den Jubel Anderer mit ein-\nstimmen zu können.\nLeider fand ich mich auch diesmal getäuscht! Diesel-\nben Empfindungen, die ich früher hatte, traten bei gewis-\nsen Stellen, wenn auch bei so vollkommener Ausführung\nweniger grell, mir doch wieder entgegen.\nErstens konnte ich überhaupt das vom Meister trotz\nden so verschiedenartigen, gewaltigen Gedanken, welche im\nTexte liegen, so oft und ziemlich gleichmässig wiederholte\nMotiv zum Chorsatze dem Texte weder entsprechend noch\nerhaben genug, am wenigsten aber eines Beelhoven und\nder drei ersten, so prächtigen Sätze würdig genug aner-\nkennen.\nNächstdem sind zweitens mehrere Verse der herrlichen\nSchiller'schen Ode vom Componisten weggelassen worden\nund ganz unbeachtet geblieben. Mit einer so gehaltvollen\nDichtung sollte man aber nicht also schalten, wenn man\nsie einmal durch die Composition dem Publicum noch wer-\nther machen will.\nDrittens bewegt sich der Chor-Sopran und Alt oft in\nso hohen Tönen, dass der Ausdruck der Freude mir we-\nnigstens zu famos, mitunter sogar einem Kreischen ähnlich\nerscheint. Nicht dass ich damit den schönen, von mir sonst\nals vorzüglich frisch, anmuthig und riihmenswerth aner-\nkannten Damenstimmen des herrlichen rheinischen Chors\neinen Vorwurf machen wollte. Dies sei fern! Ich bedauerte\ndie Sängerinnen vielmehr, indem gewiss nur wenige der-\nselben ohne Anstrengung es vermochten, die so hohen\nTöne, in welchen sich der Sopran und Alt dieses Chors\noft und anhaltend bewegt, anmuthig und erquicklich lür die\nZuhörer wiederzugeben, trotzdem, dass derselbe durch die\nbeiden anderen Chorstimmen und ein gewaltiges Orchester\nsehr gedeckt wurde.\nViertens entspricht eben so wenig meinem Gelübl und\nGeschmack der Eintritt des Chorbasses bei der Stelle:\n„Seid umschlungen, Millionen!\" Wenn dieselbe an sich\nschon eben nicht melodiös und von besonderem Gehalte\nist, so halte ich es auch lür unpassend, die erwähnte Text-\nStelle bloss mit einem Chor-Bass, anstatt mit vollem Chor\nzu Gehör zu bringen.\nFünftens. Der lange Zwischensat/, lür Instrumente nach\nden Worten: „Freudig wie ein Held zum Siegen\", wirkte\nebenfalls nicht wohlthätig, sondern störend auf mich ein.\nDiesen Satz kann ich auch eben nicht genial und hieher\npassend finden, vielmehr schleppt er sich in grosser Länge\nund in beständigen Nachahmungen seines Thema's nur\ndurch viele Tonarten bis zu endlichem Eintritt der Wieder-\nholung des ersten Verses: „Freude, schöner Götterfun-\nken!\" fort. Ich kann in diesem Instrumentalsatze aber we-\nder eine Art Sieges-Hymne oder Nachspiel in Bezug auf\nden vorher gehörten Text, noch eine freudige Einleitung\nzu dem später wieder eintretenden ersten Verse der Ode\nerkennen. Dieser Satz, an solcher Stelle angebracht, be-\nrührt indessen mich und gewiss Viele, welche die Schiller'-\nsche Ode kennen, namentlich beim ersten Anhören, noch\nunangenehmer dadurch, dass man nach Beendigung des\nvierten den lünften Vers: „Aus der Wahrheit Feuerspie-\ngel\", von Menschenslimmen zu hören erwartet, sich darin\naber getäuscht findet.\nIch glaube nicht zu irren, wenn ich behaupte, dass bei\njedem anderen, nicht in so hohem Rufe wie Beethoven ste-\nhenden Componisten, wenn dieser das oben Erwähnte in\ngleicher Weise aufgefasst hätte, dasselbe von vielen Seiten\nmit Tadel belegt worden wäre. Heucheln und Schmeicheln\naber kann ich nicht; ich gebe die Eindrücke wieder, wie\nich sie empfunden habe. Fragt man mich nun nach dem"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.3", "texte": "Total-Eindrucke des letzten Satzes, so bekenne ich of-\nfen, dass derselbe, anstatt den drei vorhergegangenen\nSätzen gemäss, überhaupt aber als Schlusssalz, und na-\nmentlich durch Hinzutritt des Chors, eine Steigerung des\nEntzückens für die ganze Sinfonie hervorzubringen, nach\nmeiner bescheidenen Ansicht eher einen Rückschlag ver-\nanlasst. Allerdings hat er Momente, welche vortrefflich\nund ausserordentlich ergreifend sind. Als Beispiel führe ich\nnur die Stelle an: „Ahnest du den Schöpfer, Welt?\"\nwie unendlich erhaben ist diese durch Töne wiedergege-\nben!— und so andere mehr; indessen eben weil die hoch-\nerregte Begeisterung der Zuhörer wie früherhin nicht im-\nmerfort gesteigert wird, solche mitunter vielmehr Gelegen-\nheit findet, sich abzukühlen, so kann dieselbe durch den\nSchlusssatz, wie es doch die Sache erfordert, nicht bis zum\nhöchsten Enthusiasmus sich aufschwingen.\nMan klatscht zwar und ruft sein „Bravo\" auch am\nSchlüsse der Sinfonie, wo möglich noch freigebiger und\nstärker, als nach den ersten Sätzen; denn man anerkennt\nnoch in frischer Erinnerung von Neuem dankbar die uns\ndurch dieselben dargebotenen herrlichen Genüsse, während\nauch der vierte Satz immer als ein von dem grossen Beet-\nhoven gedachter da steht und vieles Vortreffliche enthält.\nMan schliesst also mit dem kräftigsten Applaus.\nIch mag aber nicht danach fragen, ob Jedem das Herz\nam Ende der Sinfonie auch so übervoll war, wie bei den\nfrüheren Sätzen, wo die Gefühle durch Applaus sich mit\nGewalt Luft machen mussten. Ich würde doch nur von den\nWenigsten ihre Herzens-Meinung zu hören bekommen,\nauch wenn das wirklich bei der Mehrzahl nicht der Fall\ngewesen wäre. So viel habe ich indessen an mir selbst und\nauch bei meinen Nachbarn wahrgenommen, dass die Auf-\nmerksamkeit und Spannung im vierten Satze bei Weitem\nnicht mehr die frühere war; auch der grosse Applaus schien\nmir mehr ein vorsätzlicher zu sein, und weil man dem Gan-\nzen jedenfalls nochmals seine innige Verehrung bezeigen\nwollte.\nWenn' meine Ansicht und das heisse Verlangen, dass\ndie Composition des vierten Satzes eigentlich die drei ersten\nnoch übertreffen möge, von Anderen als „Unersättlichkeit\"\nmir vorgeworfen wird, so muss und werde ich dies gedul-\ndig hinnehmen, glaube aber den hohen Meister weit mehr\ndurch die Behauptung zu ehren: „Beethoven konnte und\nwürde den Schlusssatz die vorher gegangenen noch über-\ntreffend geliefert haben, wenn der Chor ganz weggeblieben\nund dann dieser Instrumentalsatz vielleicht nur mit den\nWorten: „ „Ode an die Freude* überschrieben worden\nwäre\", als wenn ich mich überrede, den Schlusssatz trotz\nseiner Mängel auch als ein Meisterstück nur desshalb auf-\nzufassen, weil er Beethoven's gewaltigem Geiste-entstammt.\nDer Chor musste dem Fluge seiner Phantasie grosse Be-\nschränkungen auferlegen. Umgekehrt konnte in den Gesang\nwelchem namentlich hei so erhabenem Texte unbedingt\nder Vorrang und höchste Ausdruck gebührte—jetzt nicht\ndas gelegt werden, was ein Beethoven hinein gelegt haben\nwürde, sobald das Orchester mehr begleitend, nicht aber\nin nunmehriger Weise sinfonieartig daneben fortwirkt und\ndadurch die freie Bewegung dem Texte angemessener Ge-\nsang-Partieen bedeutend hemmt. Nur ein Beethoven war\nim Stande, in der von ihm erwählten Verbindung des Ge-\nsanges mit einem Sinfoniesatze noch so Grosses zu leisten.\nImmerfort bietet diese Verbindung aber nicht nur bedeu-\ntende Schwierigkeiten lür die Ausführenden, sondern der\nGesang, allein und an sich betrachtet, konnte dadurch we-\nder an Ausdruck, Schönheit, noch an Sangbarkeit gewin-\nnen. Begegnet es doch mitunter dem grössten Feldherrn,\ndass er einen verfehlten Zug macht; warum sollte es nicht\nauch vorkommen, dass selbst der hochgefeiertste Componist\nsich einmal in der Anlage vergreifen könnte? Wen der\nSchlusssatz aber auch in aller Hinsicht zufrieden stellt, den\nmöchte ich fast darum beneiden und bedauern, dass meine\nEmpfindungen dabei nicht mit ihm übereinstimmen.\nNahm bisher vielleicht mancher billig denkende und\nwenigstens im Stillen mit mir einverstandene Leser noch\nAnstand, sein: „Kreuziget, kreuziget ihn!\" über mich aus-\nzurufen, so wird er nun, wenn er weiter zu lesen fort-\nfährt, mit Einern Male anderen Sinnes werden und den Ge-\ndanken: „Ah, aus Grunde also fandest du, elender\nWicht, an dem vierten Satze von Beethoven's neunter Sin-\nfonie etwas zu tadeln!\" nicht unterdrücken können. Ich\ngrolle ihm desshalb nicht; denn es dürfte mir im umgekehr-\nten Falle wohl eben so ergehen. Nichts desto weniger will\nich versuchen, ihm seinen Irrthum zu benehmen. Wer mich\nnäher kennt, wird zwar, so hoffe ich, nicht in obbemerkter\nWeise über mich urtheilen, obgleich er weiss, dass „mein\nOpus 27 die Ode an die Freude\" enthält. Es gilt mir\naber, auch in den Augen so vieler Anderen nicht in fal-\nschem Lichte zu erscheinen, und desshalb wolle man mir\nvergönnen, noch einige Worte zu meiner Verteidigung zu\nsagen. Vorerst lässt es meine hohe, innige Achtung und\nVerehrung für Beethoven, so wie für dessen mannigfaltige\nund grossartige Schöpfungen schon an und lür sich nicht\nzu, dass meine Wenigkeit, was Composition betrifft, nur\nirgend in Betracht kommen könnte. Was fragt man nach"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.4", "texte": "einem kaum glimmenden Lämpchen, wenn das göttliche\nSonnenlicht hell strahlt ! Dies nun in Bezug auf den\nSchlusssatz der neunten Sinfonie und mein Opus 27 ange-\nwandt, so dürfte es auch nicht einmal zu meiner Rechtfer-\ntigung dienen, „dass letzteres bereits vor ziemlich iünfzig\nJahren, sein Dasein einem musicalischen Streite verdankend,\nalso weit früher als die neunte Sinfonie erschienen ist, von\nmir geschrieben worden\" ; denn ein Jeder könnte mir hier-\nauf, und mit Recht, entgegnen: „Wie aber mochtest du es\nwagen, dasselbe erst jetzt, Beethoven gegenüber, noch in\nDruck wenn auch nur zum Besten milder Zwecke\nherauszugeben?\"\nHierzu bestimmten mich aber folgende einfache Gründe:\n1. Das Beethoven'sche Werk kann in Betracht seiner\nMächtigkeit, Schwierigkeiten und der damit verknüpften\nbedeutenden Kosten halber nur durch grosse, in künstleri-\nscher Hinsicht weit vorgeschrittene Massen in würdiger\nVollkommenheit zur Ausführung gebracht werden. Wie\nselten findet sich aber ein Verein, der allem diesem gewach-\nsen ist, beisammen, und wie nur so Wenigen ist es, selbst\nwenn dieser Fall eintritt, vergönnt, sich den Genuss zu\nverschaffen, die erhabene Ode Schiller's durch Töne ver-\nherrlicht zu hören und sich daran zu erfreuen! Ich meinte\ndesshalb:\n2. ein so köstliches Gedicht sei es werth und gewisser\nMaassen dazu auserkoren, auch ausserdem noch mit einem\nmusicalischen Gewände versehen vorhanden zu sein, so\ndass es auch in kleinen Cirkeln von mit einiger Fertigkeit\nausgerüsteten Musikfreunden vorgetragen und dennoch\nVielen zu Gehör gebracht, also ziemlich einem Jeden zu-\ngänglich und verständlich werden möge. Nur zu diesem\nZwecke habe ich mein Opus 27 der Oeffentlichkeit über-\ngeben. Allerdings konnte ich dem grossartigen Texte nur\nmit Tönen folgen, in so weit meine schwachen Kräfte dazu\nausreichten, und bescheide mich im Voraus, dass niemand\nes für der Mühe werth halten wird, sich mit meiner Com-\nposition bekannt zu machen, welchem die Beethoven'sche\nin würdiger Ausführung zu hören, sich die Gelegenheit\nbietet. Vielleicht dürfte es mir aber nicht ganz misslungen\nsein, denjenigen eine kleine Freude dadurch zu bereiten,\nwelche jenen Genuss ganz entbehren müssen, ja, selbst de-\nnen, die nur in häuslichen Kreisen am Gesänge unter Piano-\nforte-Begleitung sich zu ergötzen Gelegenheit haben. Für\nGesang-Vereine mag\n3. die Bemerkung hier noch Platz finden, dass dieses\nOpus, sobald meine Zeit es mir irgend erlaubt, auch mit\nOrchester-Begleitung (zum Besten armer, verwahrlos'ter\nKinder) erscheint, und dass die Tonart (welche\nich der Composition, als der Freude angemessen, früher\nzum Grunde legte und auch im Clavier-Auszuge beibehal-\nten habe) bei Ausgabe der Partitur in verändert\nwerden soll, um die Auslührung noch mehr zu erleichtern.\nNächstdem werde ich auch noch einige wenige Stellen\nsangbarer einzurichten mich bemühen.\nIch schliesse nicht nur mit dem Bewusstsein, das Vot-\nstehende rein von allen Neben-Absichten, fern von Anmaas-\nsung oder Interesse niedergeschrieben, und damit nur meine\nGefühle über den Schlusssatz der neunten Beethoven'schen\nSinfonie wahrhaft ausgedrückt zu haben, sondern werde es\nauch geduldig hinnehmen, wenn mich Andere darob ver-\nhöhnen sollten. Worte und gelehrte Phrasen sind aber\nallein nicht vermögend, in Dingen, wo das eigene Gefühl\njedes Einzelnen hauptsächlich Richter ist, eine andere Ueber-\nzeugung hervorzubringen, und ich lasse Jedem gern die\nseinige. Darum jetzt und auch ferner kein Wort mehr\ndarüber.\nKöln, im Mai 1856.\nKarl Over weg aus Naumburg a. d. Saale.\n\nDas 34. niederrheinische Musikfest in Düsseldorf.\n\nIV.\n(S. I. Nr. 20, 11. Nr. 22, 111. Nr. 23.)\nWenn wir auch dem Sprüchworte:\nest disputandum\", nur eine bedingte Wahrheit einräumen,\nund mehr für das gewöhnliche Leben als für die Kunst, so\nhat doch die individuelle Meinung bei dem Urtheile über\ndas Kunstschöne ihre Berechtigung, zumal wenn sie so\nharmlos und gemüthlich auftritt, wie in dem obigen Auf-\nsatze des wackeren Over weg aus Naumburg, der das\nHerz nicht nur iür die Tonkunst, sondern auch für das\nWohl der Menschheit auf dem rechten Flecke hat, wie seine\nStiftungen und seine ganze Wirksamkeit beweisen. Der\nUnterschied der Berechtigung liegt nämlich darin, dass ein\nindividuelles Urtheil dem Kunstwerke selbst nichts gibt\nund nichts nimmt, sondern nur zu dessen Prüfung veran-\nlasst,— eine individuelle Auffassung des Inhalts und der\ndadurch bedingten Vortragsweise aber das Kunstwerk in\nseiner Erscheinung beeinträchtigt, also ihm ins Fleisch\nschneidet. Bekanntlich steht das Urtheil Overweg's über\nden letzten Satz der neunten Sinfonie nicht vereinzelt da.\nDer Haupt-Irrthum der Gegner desselben dürfte der sein,\ndass sie den Satz als Vocal-Musikstück betrachten, was er\nkeineswegs ist, noch sein soll; er bleibt Sinfonie-Satz, zu"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.5", "texte": "dessen Ausführung nur die Singstimmen als eine Gattung\nklangvollster Instrumente hinzutreten. Für die Factur muss\nman die Phantasie Op. 80 und das letzte Finale aus dem\nFidelio in Betracht ziehen. Ein anderes Mal mehr davon.\nWir haben noch über den dritten Tag des Musik-\nfestes zu berichten, wozu wir nur einen kleinen Raum in\nAnspruch nehmen dürfen. Eine neue Composition von J.\nTausch, Ouvertüre in C-moll, erwarb sich Beifall; es ist\nein wirkungsvolles, klar gearbeitetes Orchesterstück. Der\nVortrag der Pianoforte-Stimme in Beethoven's Trio-\nConcert durch Herrn Tausch verdient Auszeichnung; er\nbekundete den musicalisch, nicht bloss technisch gebildeten\nMusiker, blieb dem Geiste der Composition treu und hielt\nsich fern von aller Ziererei. Die Herren Laub und Grütz-\nmacher fanden in ihren Partieen mehr Gelegenheit (such-\nten sie auch wohl mitunter mehr), sich als Virtuosen zu\nzeigen, und wirkten durch vollen Ton und im letzten Satze\nbesonders auch durch elegante Ausführung zu einem vor-\ntrefflichen Ganzen. Herr Grützmacher trug hier die Palme\ndavon; Ton und Vortrag dieses ausgezeichneten Violon-\ncellisten stellen wir weit höher, als die Seiltänzereien man-\ncher in Paris gefeierten Grösse auf diesem Instrumente.\nAusserdem spielte Herr Laub noch das Violin-Concert von\nMendelssohn mit ausserordentlichem Applaus; sein\nVortrag war hier in jeder Hinsicht meisterhaft; er ent-\nwickelte alle die trefflichen Eigenschaften eines Violinisten,\ndie in diesen Blättern bereits öfter an ihm rühmlichst er-\nwähnt worden sind. Auf uns persönlich wirkte namentlich\nin der Probe sein Spiel auf hinreissende Weise und ver-\nsetzte uns in diejenige Stimmung, in welcher man den\nKünstler über die vollendete Darstellung des Schönen ver-\ngisst, das der Componist geschaffen hat.\nIn Gesang-Vorträgen hörten wir (mit Ausnahme der\nFrau Hofbauer-Findorf, welche Düsseldorf schon am Mon-\ntag wieder verlassen hatte) sämmtliche Solisten des Festes,\nFräul. Ti etjens und die Herren Schneider, Stock-\nhausen und DuMont-Fier. Zu rühmen ist, dass Alle\nnur Compositionen classischer Meister vortrugen; das mo-\nderne Coloratur-Geklingel der Italiäner und Franzosen blieb\ndiesmal dem Feste fern. Fräul. Tietjens bewährte in Mo-\nzartes „Martern aller Arten\" und in Beethoven's Scene aus\nFidelio ihr Talent des dramatischen Gesanges, schien aber\ndurch die Anstrengung der vorigen Tage etwas erschöpft,\nwas noch viel mehr bei den Hornisten im Orchester der\nFall war. Herr Schneider trat sehr bescheiden mit Beet-\nhoven's „Liederkranz an die ferne Geliebte\" auf, wodurch\ner im Voraus auf jede Wirkung auf Sinnenreiz verzichtete,\naber die wärmste Anerkennung eines seelenvollen Vortrags\närntete. Herr DuMont sang die Arie in aus der\nSchöpfung. Im Recitativ schwächte hier und da ein zu ge-\ndehnter Vortrag die Wirkung seiner klangvollen Stimme,\ndie sich aber in der Arie selbst glänzend entfaltete; man\nhörte zum ersten Male bei dem diesjährigen Feste eine\nBass-Arie mit voller und kräftiger Orchester-Begleitung.\nIn der zweiten Abtheilung sang Herr DuMont Schubert's\n„Wanderer\" undMarschner's „Du bist mein\" auf vortreff-\nliche Weise und mit einem Erfolg, der an den Enthusias-\nmus erinnerte, den derselbe Sänger in London und in Pa-\nris in den letzten Jahren erregt hat. Namentlich lauschte\ndas Publicum dem Vortrage des „Wanderer\" mit athem-\nloser Stille und brach am Schlüsse desselben, und eben so\nnach dem Marschner'schen Liede in so anhaltenden Beifall\naus, dass Herr DuMont noch einmal vortreten musste. Er\nwar, wie auch am vorigen Tage, wo er namentlich die\nschwierige, fast unsangbare erste Cadenz in der neunten\nSinfonie mit Glanz vortrug, ganz vorzüglich bei Stimme,\nund der „Wanderer\" war eine echt künstlerische Leistung\ndurch gleiche und schöne Tonfülle, tiefes Gefühl, das, dem\nmännlichen Ernste treu bleibend, nicht in weichliche Em-\npfindelei ausartete, und durch richtige Declamation.\nDer Beifall des Publicums war um so ehrenvoller, als\nHerr DuMont neben Herrn Jul. Stockhausen, einem\nvollendeten Künstler von Fach, einen schweren Stand hatte.\nHerr Stockhausen trug in der ersten Abtheilung die Arie\ndes Seneschall aus dem Jean de Paris von Boieldieu auf\nausgezeichnete Weise vor; die Auflassung des Charakters\nder Musik dieser Gattung, der feine, nirgends ins Niedrige\noder gar Plumpe gehende Ausdruck des Komischen, der\nGeschmack in den Verzierungen, die vollendete Technik in\nAusführung derselben und in Behandlung der Stimme über-\nhaupt, die richtige, von der deutlichsten Aussprache, in\nwelcher er mit Roger zu vergleichen ist, unterstützte De-\nclamation machen ihn zu einer bedeutenden Erscheinung,\nDiese Musik und das Lied, das sind die Gattungen, die\nihm vollkommen zusagen und denen die natürliche Beschaf-\nfenheit seiner an sich wenig klangvollen Stimme gewachsen\nist. Durch die letztere Bemerkung ist nicht ausgeschlossen,\ndass sein Bariton, besonders in der Tenor-Region, dennoch\neinen gewissen sinnlichen Reiz hat, zu dem auch die Me-\nthode, Alles mit offenen Tönen zu singen, überall, wo diese\nTöne gelingen, beitragen; dabei ist freilich die Gefahr gross,\nindem eine Linie Anstrengung mehr, als diese Töne ver-\ntragen können, ihnen eine unedle Farbe gibt. Von den drei\nLiedern („Frühlingsglaube\" von Schubert, „Frühlingslied\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.6", "texte": "von Mendelssohn, „Frühlingsnacht8 von Schumann), welche\nalle vortrefflich gesungen wurden, trug der in die reizendste\nAnmuth gekleidete Vortrag des letztgenannten den Sieg\ndavon und erregte einen Sturm von Beifall, der nicht eher\nnachliess, als bis Herr Stockhausen wieder vortrat und das\nLied, das auch als Composition einen wahren Zauber aus-\nübt, wiederholte.\nEine Wiederholung der Schluss-Scene des ersten Theiles\ndes „Elias8 vereinigte noch einmal die sämmtlichen Gesang-\nund Orchester-Kräfte und beschloss die schönen und wahr-\nhaft festlichen Tage.\n\nL. B.\n\nMännergesang.\nDer sechste Jahres-Bericht des Ausschusses des schwä-\nbischen Sängerbundes in Stuttgart (Dr.K. Pfaff, Dr.\n0. Elben, Dr. J. Faisst, Raur, G. A. Zumsteeg) über den\nStand desselben und die vorjährigen Sängerfeste (durch Zu-\nfall uns verspätet zugegangen) enthält folgende überall\nauch am Rheine —zu beherzigende Worte:\n„Wenn man das Verzeichniss unserer Mitglieder durch-\ngeht, so ergibt sich in mehrfach wiederkehrenden Beispie-\nlen ein öfter gerügter Missstand, dass nämlich an Einem\nund demse 1 ben Orte mehrere kleine, schwache Ver-\neine, statt Eines grossen bestehen. Begreiflicher Weise\nwollen wir damit nicht in Abrede stellen, dass in grösseren\nStädten mehrere Vereine bestehen können; aber es scheint\nuns keines Beweises zu bedürfen, dass in den meisten\nStädten und Dörfern der Volksgesang nur gedeihen kann,\nwenn alle Krälte einmüthig in Einem Vereine zusammen-\nwirken. Wir erlauben uns, einige Beispiele der vielfach jetzt\nvorhandenen Zersplitterung anzuführen. Göppingen, früher\ndurch die Leistungen seines Liederkranzes im wohlverdien-\ntesten Rufe, zählte in den letzten Jahren vier Vereine, alle\nvier Mitglieder des Bundes, von denen begreiflicher Weise\nkeiner die nothwendige starke Anzahl von Singkräften in\nsich schliessen konnte. Aus Tuttlingen liegt uns eine Mit-\ntheilung vor, wonach dort fünf Sing-Vereine bestehen. „ „Je\nmehr Gesang-Vereine,\"8 lügt mit Recht der Briefsteller bei,\n„ „desto weniger kann man überhaupt ausrichten.8 8 Städte\nwie Urach, Blaubeuren, Crailsheim, Geisslingen, Bietigheim,\nPfullingen und viele andere könnten Tüchtiges leisten, wenn\nsie, statt zwei, bloss Einen Liederkranz hätten. Wie lässt\nsich aber gar ein tüchtiger, kräftiger Männerchor erwarten,\nwenn kleine Orte, wie Giengen a. d. Br. (2201 Einw.),\noder Neuenstein (1506 Einw.), zwei Liederkränze haben!\nSolche kleine Vereine können sich zu keinem lebensvollen\nDasein aufschwingen; meist wird durch solche Zersplitterung\nund Sonderbündelei der Volksgesang überhaupt verscheucht.\nBeispiele, dass von mehreren Vereinen kleinerer Orte der\neine oder andere oder alle beide bei ihrer inneren Schwäche\nnur ein kümmerliches und kurzes Dasein fristen, geben die\nErfahrungen des Sängerbundes genug an die Hand; in Back-\nnang, Oehringen, Mezingen, Cannstatt u. s. w. z. B. konn-\nten sich zwei Vereine nicht halten, in Balingen sind unter\nden Eifersüchteleien zweier Vereine alle beide schlafen ge-\ngangen. Wir haben uns beim ravensburger Liederfeste aus\nAniass der ehrenvollen, den beiden wackeren Vereinen zu\nBiberach zu ertheilenden Auszeichnungen erlaubt, beide zur\nVereinigung in Einen Liederkranz, welcher Ausgezeichnetes\nleisten könnte, aufzumuntern. Wir sprechen jetzt öffentlich\nlür alle Vereine, bei welchen ähnliche Verhältnisse obwal-\nten, denselben Wunsch aus, indem wir uns freuen, einen\nanerkennungswerthen Vorgang anzuführen: in Heilbronn\nsind kürzlich die beiden Vereine Eintracht und Frohsinn zu\nEinem mit dem guten alten Namen Liederkranz zu-\nsammengetreten. 8\nDer schwäbische Sängerbund zählt jetzt 147 Vereine,\nvon denen die grössere Zahl kleineren Städten, Flecken\nund Dörfern angehört. Diese Verbreitung der Gesangeslust\nim südlichen Deutschland ist eine bemerkenswerthe und\nimmerhin erfreuliche Thatsache. Der Bund hat eine gemein-\nschaftliche Casse, welche aus den geringen Beiträgen der\nVereine gebildet wird und etwa 1050 Gulden jährlich\nverrechnet. Auch die Anlage einer musicalischen Bibliothek\nmacht Fortschritte.— Ueber die Feste heisst es a. a. 0.:\n„Was die Lieder feste unseres Bundes im verflos-\nsenen Sommer betrifft, so können wir hinsichtlich des all-\ngemeinen Festes in Ravensburg, wie des Gaufestes in Vai-\nhingen a. d. E. auf die Fest-Berichte im Schwäb. Mercur\nverweisen. Es wurde dort namentlich auch über die freund-\nschaftlichen Beziehungen berichtet, welche zwischen den\nSängern Schwabens, der Schweiz, Baierns, Badens, Fran-\nkens, Oesterreichs u.s.w. geschlossen worden Beziehun-\ngen, die seither aufs freundlichste fortgepflegt wurden. Der\nschwäbische Sängerbund dankt dem ravensburger Feste ins-\nbesondere das werthvolle Geschenk des eidgenössischen\nSänger-Vereins: einen schönen silbernen Pocal mit der sin-\nnigen Umschrift: „Weit über enge Marken zieht den trau-\nten Kreis das deutsche Lied.8 Auch das Gau-Liederfest zu\nVaihingen erhielt durch die Anwesenheit mancher Sänger-\ngäste aus dem benachbarten Baden (Karlsruhe, Bruchsal,\nPforzheim u. s. w.) einen besonderen Reiz. In beiden Fest-\nStädten verdienen die Veranstaltungen der localen Festleiter"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.7", "texte": "die vollste Anerkennung, welche wir auch hier auszuspre-\nchen lür Pflicht erachten. In Bezug auf die musicalische\nLeistung des Gesammt-Chors zeichnete sich das ravens-\nburger Fest wohl vor allen bisherigen schwäbischen Lie-\nderfesten in hohem Grade aus. Der alte Liedermeister Al-\nbert Methfessel äussert sich hierüber in einem an ein\nMitglied des Ausschusses gerichteten Schreiben folgender\nMaassen: „„Ich spreche dem ganzen herrlichen Sänger-\nbunde meine begeisterte Freude, meine bewusstvolle Be-\nwunderung aus über seine Leistungen, welche mir die\nwahre Macht des Gesanges, vorzüglich im Kirchen-Con-\ncerte, im schönsten Glänze, mit tief erschütternder Wir-\nkung zeigten.\"\"\n\nBeurtheilungen.\nFür Pianoforte.\nCompositionen von Th. Leschetitzky.\n(Sämmtlich im Verlage von Schlesinger in Berlin.)\nAndante finale de Lucia d\ngauche seule. Op. 13.\nSouvenir de St. Petersbourg, Mazurka. Op. 15.\nLes clocheltes, Impromptu. 16.\nSix Meditations. Op. 19.\nPerpetuum mobile, Etüde 20.\nPolka de Salon. Op. 21.\nDiese Compositionen gehören sämmtlich, dem Salon an und be-\nsitzen so ziemlich alle Eigenschaften, welche dazu gehören, um in\ndenjenigen eleganten Kreisen zu wirken, in denen man gern\nzur Musik greift, um die Langeweile zu verscheuchen. Tiefere Mu-\nsik wäre da nicht wohl angebracht, und es stellt sich also immer\nwieder von Zeit zu Zeit ein gewisses Bedürfniss für solche Sachen\nheraus, da die Salonmusik mehr als jede andere der Mode unter-\nworfen ist. Wenn elegante Pianisten das Nocturno von Döhler, die\nTriller-Etude von Mayer oder La von Blumenthal in sol-\nchen Kreisen nicht wohl mehr spielen können, indem sie nach-\ngerade allzu abgedroschen sind, so sind vorliegende Sachen vielleicht\ngar Manchem willkommen, und wir wollen gern glauben, dass es\ndiesem oder jenem Opus von Herrn Leschetitzky gelingen könnte,\nsich die Gunst der dabei interessirten Pianisten auf einige Zeit zu\nerwerben, bis sie nach kurzer Frist wieder anderen Modesachen\nweichen müssen. Wir glaubten übrigens, dass die linkshändigen\nSachen jetzt bereits aus der Mode gekommen wären; jedenfalls bat\ndieses Op. 13 (!) den geringsten Werth. Besseres sucht der Compo-\nnist in den Meclitations zu geben, welche auch in der Ihat am\nwerthvollsten unter den vorliegenden Sachen sind. Der Componist\ngab ihnen folgende Ueberschriften:\ndu printemps, Berceuse, Decouragement, Für gewisse\nZwecke sind diese Meditation sauch beim Unterrichte recht wohl\nzu verbrauchen. Bei Sachen von so gutem, leichtem Fluss, von\nmassiger Schwierigkeit und angenehmer Spielart übt der Schüler\nmit Erfolg das elegante Spiel, welches er freilich bei den tiefgeisti-\ngen Sachen eines Chopin (dessen Compositionen ich ungern zur\nSalonmusik zählen höre), bei den fein empfundenen, liebenswürdi-\ngen Pianoforte-Compositionen eines Mendelssohn, ja, selbst bei\nBeethoven's Meisterwerken nicht entbehren kann, obgleich bei die-\nsen Sachen, wie männiglich bekannt, es mit der Eleganz allein\nnicht gethan ist.\n(§iehe den Verfolg- in der Beilage.)\n\nMozart-Stiftung zu Frankfurt am Main.\nDie bei dem Concurs um das Stipendium der Mozart-Stiftung\nin Frankfurt am Main zur Prüfung der von den Bewerbern einge-\nlieferten Probe-Arbeiten erwählten Preisrichter, die Herren: Capell-\nmeister H. Esser in Wien, Musik-Director M. Hauptmann in Leip-\nzig, Musik-Director Franz Messer in Frankfurt am Main, haben ihre\nGutachten erstattet. Nach Inhalt derselben und in Gemässheit un-\nserer Statuten ist durch Beschluss des Verwaltungs-Ausschusses\nvom 6. Juni d. J. Herr C. Joseph Brambach*) von Bonn als\nStipendiat der Stiftung ernannt und demselben der Bezug des Sti-\npendiums im Betrage von jährlich vierhundert Gulden zuerkannt\nworden.\nFrankfurt am Main, den 7. Juni 1856.\nDer Verwaltungs-Ausschuss der Mozart-Stiftung.\nDr. Ponfick, Präsident. Dr. A. Giar, Secretär.\n\nAn deutsche Dichter.\nUnser Verein setzt hiermit den Preis von 200 Gulden rhei-\nnisch aus für den Original-Text zu einer deutschen Operette\nin Einem Aufzuge, welcher als Preis-Aufgabe zur musicalischen\nBearbeitung ausgeschrieben werden soll.\nDie Preis-Bewerbungen, leserlich geschrieben und mit einem\ndeutschen Spruche oder beliebigen Zeichen versehen, wollen spä-\ntestens im Monat December d. J. „der deutschen Tonhalle\"\nfrei hieher eingesandt werden nebst einem versiegelten Zelte), der\nden Namen, Stand und Wohnort des Verfassers enthält und auf\nwelchem derselbe einen Tondichter nennt, welchen er als Preis-\nrichter wählt.\nZu den auf diese Art meiststimmig ernannten zwei ernennen\nwir den dritten Preisrichter, worauf dasjenige der wie oben be-\nstimmt und rechtzeitig eingekommenen Werke den Preis erhält,\nwelchem ihn diese Preisrichter zuerkennen.\nDas gekrönte Werk wird gegen Uebersendung des Preises an\ndessen Verfasser Eigenthum der Tonhalle, und jener, wie auch die\nVerfasser der preisrichterlich belobten Werke werden unter Be-\nnennung der Preisrichter bekannt gemacht.\nSämmtliche Bewerbungen, ausser der dem Vereine eigentüm-\nlichen, werden in unserem Archiv aufbewahrt, wenn sie nicht bin-\nnen sechs Monaten, von jener Bekanntmachung an, zurückverlangt\nwerden; die Rücksendung geschieht jedoch nur auf unmittelba-\nres Verlangen der Verfasser und auf Kosten derselben.\nMannheim, im Juni 1856.\nDer Vorstand der deutschen Tonhalle.\n\n*) Herr C. J. Brambach ist auf der Rheinischen Musik-\nschule gebildet und in der Theorie und Compositionslehre\nSchüler der Herren F. Hill er und Fr. Derckum.\nDie Redaction«"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.8", "texte": "Herr Gustav Flügel, Musiklehrer am k. Seminar zu Neu-\nwied, ist von dem k. Ministerium der geistlichen und Unterrichts-\nAngelegenheiten in Berlin mittels ehrenvoller Zuschrift vom 31. Mai\nd. J. zum Musik-Dir eet or ernannt worden.\nAugust Müller, Organist in Ems, hat „dreissig der schön-\nsten protestantischen Choräle mit einfacher Harmonie für Orgel\noder Fianoforte\" (Ems, bei L. J. Kirchberger) herausgegeben. Die\nChoräle, meist aus dem siebenzehnten Jahrhundert, sind gut aus-\ngewählt; bei einigen ist die Harmonie älterer Componisten (wie\nz. B. Seb. Bach's) beibehalten.\n** WiesKjaden, 5. Juni. Gestern fand hier das letzte der\nvon dem Cäcilien-Verein in Vereinigung mit dem Theater-Orchester\narrangirten Concerte Statt; es brachte uns die zwei ersten Theile\naus Haydn's Jahreszeiten und auf vielseitiges Verlangen eine Wie-\nderholung der in dem dritten Vereins-Concerte zum ersten Male\naufgeführten „Ersten Walpurgisnacht44 von F. Mendelssohn-Bartholdy.\nDie Soli in ersterem Werke waren durch Frau Jagels-Roth,\ndie Herren Brunner und Eichberger, und in letzterem durch\nFrau Hagen und die Herren Brunner, Ueberhorst und\nEichberg er sehr gut besetzt; die Chöre waren mit Fleiss und\nSorgfalt einstudirt und wurden von sämmtlichen Ausführenden, ein-\nzelne ängstliche Einsätze abgerechnet, zur vollen Geltung gebracht.\nDas rühmlichst bekannte Orchester leistete ebenfalls Vorzügliches,\nso dass wir die unter der Leitung unseres Capellmeisters Herrn\nHagen uns gebrachte Aufführung dieser beiden schönen Tonwerke\nais eine höchst gelungene, effectvolle bezeichnen können.\nSondersliausera. Sonntag den 18. Mai haben unsere dies-\njährigen Loh-Concerte wieder begonnen. Ein sehr gewähltes Pro-\ngramm leitete sie auf würdige Weise ein. Dasselbe bot der fürst-\nlichen Hofcapelle neue Gelegenheit, ihren längst bewährten Ruf\naufs glänzendste zu rechtfertigen. Sämmtliche Ensemblestücke wur-\nden mit eben so vieler Präcision als künstlerischer Vollendung\ndurchgeführt. Unser durch Decret Sr. Durchlaucht des Fürsten\njüngst erst zum Kammer-Virtuosen ernannter Hornist Mayer ent-\nzückte durch den Vortrag eines Concerts von Kuntze die Menge\nder Zuhörer, die jedem seiner Töne in athemloser Stille lauschten.\nHerr Mayer ist Meister auf seinem Instrumente, sein Vortrag mu-\nstergültig. In Anbetracht so künstlerischer Vollendung, wie Herr\nMayer sie auf seinem Instrumente besitzt, erscheint die Verleihung\ndes Prädicates eines Kammer-Virtuosen an denselben als ein schö-\nner Beweis, dass Se. Durchlaucht unser kunstsinniger Fürst wahres\nVerdienst, wie und wo es sich zeige, zu würdigen und hervorzu-\nheben stets bereit ist.\nDer Stifts-Vicar Dr. Domini cus Metten leiter zu Regens-\nburg, einer tier tüchtigsten Dilettanten und Musik-Verständigen in\nSüddeutschland, hat einen Festgruss ~Hedyphonia\"— an den\nhochwürdigsten, in Wien tagenden österreichischen Episcopat gedich-\ntet und für vier Männerstimmen gesetzt, welcher in eleganter Aus-\ngabe in Regensburg bei Pustet erschienen ist."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.9", "texte": "Beilage zu Nr. 24 der Niederrheinischen Musik-Zeitung. 14. Juni 1856.\nJules Sachs, Etüde caracteristique „Verlorenes\nGlück\" pour le Piano. Op. 11. Berlin, bei Schle-\nsinger. Preis 15 Sgr.\nDie Etüde zeugt von Geschmack und guter Kenntniss des In-\nstrumentes. Ohne von grösserer Bedeutung zu sein, macht sie einen\nangenehmen Eindruck, da sie sich von aller Trivialität frei erhält\nund sich angenehm spielt. Mit der Ueberschrift nehme man's nicht\nzu genau. Gern hätten wir den letzten Fortissimo-Accord entbehrt,\nda er nach Effecthascherei schmeckt. Ein ruhiges Verklingen wäre\nkünstlerischer gewesen.\nAdolf Hesse, Quatrüme Rondeau. Oeuvre 78. Bres-\nlau, chez Leuckardt. Pr. 20 Sgr. 2 me. Edition.\nEine so wackere, künstlerisch gehaltene Composition, wie sie\nsich von einem so ehrenvoll bekannten Musiker, wie Hesse ist,\nnur erwarten lässt. Der geehrte Componist versuchte vielleicht\netwas zu sehr auf Kosten seiner Individualität, elegant zu sein, und\nist dadurch je zuweilen etwas gewöhnlich geworden; doch findet dies\nnur auf wenige Einzelheiten Anwendung. Das Haupt-Thema, auf\ndas es beim Rondeau wegen seiner häufigen Wiederkehr sehr an-\nkommt, ist reizvoll genug. Was die „Deuxieme edition\" anlangt, so\nscheint's uns freilich fast, als wenn diese Bezeichnung nur auf das\nTitelblatt bezogen werden dürfte; denn die Noten, welche ziemlich\nunklar und grau sind, sehen nicht aus, als wenn sie unlängst ge-\nstochen wären; wir sind neuerdings von der Verlagshandlung an\nbessere Ausstattung gewöhnt. Das Rondeau ist auch sehr ver-\nwendbar beim Unterrichte, und wir empfehlen es Lehrern und\nSchülern, wie überhaupt allen Clavierspielern von Geschmack\nbestens.\n*i 8 set #* # i m\ni '\nValse melancolique, suivie de deux Mazurkas. OP. 29.\nMagdeburg, Beinrichshofen. Preis 10 Sgr.\nCinq Morceaux de Salon. Oeuvre 30. Preis 1 Thlr.\nEbendaselbst.\nAndante expressivo(Leb' wohl) et Allegro appassionato.\nOp. 31. Preis 1 5 Sgr. Ebendaselbst.\nDiese Werke gehören entschieden der besseren Salonmusik an\nund machen um ihrer guten Intentionen willen einen vorteilhaf-\nten Eindruck. Der Walzer gehört in das Genre der sentimentalen\nW7alzer, für welche Franz Schubert mit seinem Sehnsuchts-Walzcr\nden Ton angegeben hat, und welcher so häufig nachgeahmt wor-\nden, ohne je ganz erreicht zu sein. Die Mazurka's sind hübsch;\ndass sie an Chopin erinnern, wird ihnen kein vernünftiger Musiker\nzum Vorwurf machen. Die Morceaux de Salon mit den Ucberschrif-\nten i Gondoliera, Melancolie, Notteiriio (Abendglocken), Friere, Ca-\npriccio brillant (Uebermuth), scheinen uns mcistentheüs in der H-\nguration zu complicirt, um sich ein grösseres Publicum, für das sie\ndoch eigentlich bestimmt sind, erwerben zu können. Sie spielen\nsich zum Theil nicht angenehm, und sind doch andererseits nicht\nbedeutend genug, um den Spieler für längeres Studiren zu beloh-\nnen. Am meisten gefällt uns das Andante und Allegro Op. 31, und\nvon diesen das Allegro, welches eine edle Leidenschaft birgt, zwar\netwas liedartig gehalten ist, aber ein sehr schönes Maass und\nschöne Form hat und von trefflicher Wirkung ist.\nG. Gerland, Drei Sonaten für Pianoforle. Op. 1.\nRassel, bei Luckhardt. Preis Nr. I—3 ä 1 Thlr.\nDie Freude, welche wir empfanden, als wir den Titel über-\nlasen und im Stillen den Ernst und den Mulh eines jungen Com-\nponisten lobten, der als Erstlingswerk drei grössere Clavier-Sonaten\nin die Welt sendet, ward bedeutend getrübt, als wir begannen, sie\ndurchzuspielen. Die Kritik hat mit ihnen eigentlich nichts zu schaf-\nfen; denn wenn sie gleich die Aufgabe hat, zu belehren, so\nkann man doch keinen Unterricht von ihr verlangen, und des\nUnterrichtes ist der Componist noch sehr bedürftig, sonst würden\nbei ihm schlechte Fortschreitungen, wie diese:\nnicht so häufig vorkommen. Wo dergleichen noch passiren kann,\nist natürlich von geschickter Behandlung der Form gar nicht die\nRede; und da überdies die Erfindung sehr alltäglich, die Behand-\nlung des Instrumentes sehr ungeschickt und nicht selten von häss-\nlicher Wirkung ist (man nehme als gleichzeitigen Beleg für beide\nBehauptungen das folgende Beispiel):"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.10", "texte": "so bleibt nicht viel zu loben. Erwähnen wollen wir noch, dass\nder Compopist sich im Finale der dritten Sonate mit einer freien\nFuge versucht hat, welche trotz ihrer Schwächen und Mängel (wo-\nhin wir Sequenzen wie folgende:\ndennoch zu dem Leidlichsten gehört, was der Componist in allen\ndrei Sonaten niedergelegt hat. Ehe derselbe aber ernstere Studien\ngemacht, möge er die Oeffentlichkeit meiden.\nFr. Abt, Tyrolienne pour Piano. Op. 125. Pr. 54Kr.\nPolka-Mazurka brillante. Op. 126. Pr. 54\nKr. Offenbach, Andre.\nNachdem wir wiederholt in den musicalischen Berichten aus\nBraunschweig von der echt künstlerischen Thätigkeit des Capell-\nmeisters Abt gelesen haben, ist es uns wahrhaft betrübend, solchen\ntrivialen Erzeugnissen seiner Muse begegnen zu müssen. Sie gehö-\nren zu derjenigen Sorte brillanter Tanzmusik, welche häufig mit\nGlück von Dilettanten cultivirt wird. Wir haben zwar von Abt\nnoch nichts Tiefes und Bedeutsames kennen gelernt, aber doch\nManches von einfach gutem und natürlichem Ausdruck, und wir\nwünschten aufrichtig, dass der Componist sich nicht durch die Ver-\nöffentlichung solcher Sachen die Achtung seiner Mitkünstler ver-\nscherzte.\n\nFür Pianoforte und Streich-Instrumente.\nAlbert Dietrich, Trio für Pianoforte, Violine und\nVioloncell. Op. 9. Leipzig, bei Breitkopf & Här-\ntel. Preis 3 Thlr.\nDas Werk ist eine höchst erfreuliche Erscheinung und verdient\ndie Beachtung aller Freunde edler Kammermusik in hohem Grade;\nes ist zwar augenscheinlich unter dem Einflüsse Robert Schümanns\n(dem es zugeeignet ist) entstanden, doch berührt dies keineswegs\nunangenehm, da sich mehr eine geistige Verwandtschaft bekundet\nals eine absichtliche Nachahmung von Aeusserlichkeiten, wie dies\nbei wirklichen Copiecn fast immer der Fall ist. Der Componist\nbesitzt augenscheinlich eine schöne Erfindungsgabe, bedeutende\nGeschicklichkeit in Handhabung der Form (wobei ihm jedwede\npraktische Verwendung aller polyphonen Künste trefflich zur Seite\nsteht) und eine echt künstlerische Gesinnung. Wenn sich der Com-\nponist in folgenden Werken noch mehr von seinem Vorbilde eman-\neipirt und sich etwas knapper, conciser in der Form zu halten\nlernt, so wird er ohne Zweifel ganz Vortreffliches leisten. Das erste\nAllegro, C-moll, 4/4-Tact, ist seiner Grundstimmung nach leiden-\nschaftlich bewegt, doch hat der Componist es verstanden, ihm durch\ndas liebliche und reiche Gegen-Thema:\nwelches später zu vielen interessanten imitatorischen Verschlin-\ngungen Anlass gibt, ein anderes, wohlthuend contrastircndes Ele-\nment beizugesellen. In der Durchführung findet sich hier und da\neine etwas zu orchestrale Behandlung der Instrumente ein Vor-\nwurf, der in noch höherem Grade dem Finale zu machen ist. Wir\nglauben nicht ungerecht zu sein, wenn wir der Meinung sind, dass\nder sonst so feinfühlende und formgewandte Mendelssohn durch\nseine Trio's und namentlich durch sein zweites Trio in C-moll die\nSchuld trägt, wenn unsere jüngeren Componisten meistenteils von\ndem echten Trio-Stil (wie ihn Beethoven so meisterlich vorgezeich-\nnet hat) hier und da abweichen und namentlich im Pianoforte eine\nzu massenhafte und virtuosenhafte Figuration anwenden. Das Ada-\ngio (G-dur, 2/4) beginnt mit einem schönen, gleichsam beruhigenden\nund tröstenden Thema, welches auch recht interessant behandelt\nwird; doch weiss der Componist bei der übermässigen Länge des\nSatzes nicht lange genug das Interesse des Hörers zu fesseln. Es\nwäre besser gewesen, wenn der Componist den Gegensatz (Poco\npiu mosso) nicht später in G-moll wiedergebracht hätte; .wir sind\nüberhaupt nicht sehr erbaut von den allzu contrastirenden Gegen-\nsätzen im Adagio, namentlich mit Tempo-Wechsel; bei den Gross-\nmeistern finden wir sie sehr selten. Der dritte Satz ist ein Mode-\nrato quasi Allegrelto (C-moll, Das Thema ist wiederum\nlieblich und originel, doch leidet der zweite Theil an einiger Un-\nklarheit. Der Componist hat zu viel geben, zu fleissig arbeiten"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.11", "texte": "wollen, und so durch allerhand Neben- und Beiwerk den Haupt-\ngedanken erstickt und der Durchsichtigkeit und Klarheit geschadet.\nDas Finale {C-dury 4/4-Tact, Allegro moJto vivace) ist frisch Und feu-\nrig, hier und da sehr interessant gearbeitet (s. unter Anderem die\nBenutzung des Haupt-Thema's in der Gegenbewegung, S. 44 u.\na. m.). Nur macht es, um ungeschminkt zu reden, etwas zu viel\nSpectakel. Doch sind alle diese kleinen Mängel in Anbetracht der\ngrossen Vorzüge des Werkes von geringem Belang, und begrüssen\nwir in dem jungen Componisten nochmals mit Freuden ein viel-\nversprechendes Talent, eine edle Künstler-Natur, die nicht so viele\nSchlacken abzuwerfen hat, als manche andere hochgepriesene junge\n(lomponisten, welche bereits als fertige Meister annoncirt werden,\ninzwischen aber noch sehr ungeniessbare Sachen schreiben. Sei\ndas Trio nochmals dringend empfohlen.\nI . ...\nAntoine Rubinstein,Deux\nViolon et Violoncelle. Op. 15. Leipzig, Fred. Hof-\n* meisten Preis ä 2 Thlr. 25 Sgr.\n19. Leipzig, Breitkopf & Härtel. Preis 2 Thlr.\n20 Sgr.\nDer Vorwurf, welchen wir dem Dietrich'schen Trio wegen theil-\nweise zu orchestraler Behandlung der Instrumente machten, trifft\ndie vorliegenden Werke von Rubinstein in viel höherem Grade, da\nsich zu einer virtuosenhaften Behandlung des Claviers, welche nicht\nselten in leere Arpeggien-Klingelei ausartet, noch ein übertriebener\nGebrauch des Unisono zwischen Geige und Violoncello gesellt. Da-\ndurch lassen sich wohl äusserliche Effecte, erreichen, wie wir de-\nren z. B. im zweiten Trio auf S. 15 begegnen, aber man darf uns\nnicht glauben machen wollen (wie das in Bezug auf Rubinstein die\nPresse von manchen Seiten her zu thun bemüht war), dass der-\ngleichen Leichtfertigkeiten und Banalitäten sich mit einer durchweg\ngenialen, ja, originellen und epochemachenden Künsler-Natur ver-\ntragen. Wir stehen keinen Augenblick an, in Herrn Rubinstein ein\nrecht viel versprechendes Talent anzuerkennen, welches zu mancher\nschönen Hoffnung berechtigen dürfte, wenn er sich aller Fesseln\ndes modernen Virtuosenthums entledigen könnte, wenn er wähle-\nrischer in der Benutzung seiner musicalischen Gedanken würde\nund nicht gleich mit dem Ersten, Besten zufrieden wäre, mehr In-\nnigkeit und Gefühlstiefe zu offenbaren lernte und endlich die ver-\nschiedenen Stilarten in der Musik aus einander zu halten wüsste.\nDoch kann unserer Ansicht nach von ihm als von einem Meister\nnoch nicht die Rede sein. Fast alle in vorliegenden Werken vor-\nkommenden Hauptgedanken gehören mehr entweder der Opern-\nmusik (selbst hier und da der Tanzmusik) oder der Symphonie an,\nals der Kammermusik. Wer denkt nicht z. B. bei dem Scherzo der\nViolin-Sonate an französische Opernmusik vom reinsten Wasser?\nWer denkt nicht bei dem darauf folgenden Trio und namentlich\nbei dem Fortissimo-Einsatz auf S. 22 mehr an den Circus als an\neine bescheidene Sonate für Piano und Violine?\nWer entbehrt nicht im Finale dieser Sonate, wenn die Violine sich\nsechszehn Tacte fortissimo hindurch auf diesem verminderten Sep-\ntimen-Accord ergeht,\n, um dann auf\nvierzehn Tacten dem folgenden\nPlatz\nzu machen wer entbehrt da nicht Posaunen und Tuba und alle\ndie göttliche Blechmusik, um solchem Gebahren der Geige Wider-\nstand leisten zu können? Einer ähnlichen Ungeheuerlichkeit be-\ngegnen wir am Schlüsse des ersten Trio, am Schlüsse des Scherzo\nund des Finale vom zweiten Trio, während im Uebrigen anzuer-\nkennen, dass die Trio's doch etwas maassvoller gehalten, als die\nSonate. Von eigentlicher Polyphonie ist aber fast nie die Rede, da-\ngegen ist fast immer ein oder das andere Instrument ganz beglei-\ntend oder nebensächlich. Wir führen beispielsweise nur an, dass\ndas Violoncell im Scherzo des zweiten Trio erst einmal eilf Tacte\nunisono mit der rechten Hand des Pianoforte und dann unmittelbar\ndarauf einige fünfzig Tacte lang in Octaven mit der Violine fort-\n#"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560614-01.1.12", "texte": "geht; nach einigen Tacten Pausen beginnt das Unisono mit der\nGeige wieder auf dreizehn Tacte und kehrt auch nicht lange darauf\nfür sechszehn Tacte abermals mit der rechten Hand des Claviers\nzurück. Aehnliche Unbeholfenheit in gleichzeitiger Verwendung der\ndrei Instrumente findet man fast in allen Sätzen eines jeden Trio.\nSchliesslich machen wir den Componisten noch auf eine Manier\naufmerksam, die ihm vielleicht unbewusst eigen, und welche die\nunerträgliche Breite und dadurch entstehende Langweiligkeit seiner\nSachen mit sich bringt. Es ist dies die Sucht, die einzelnen Motive\nzu wiederholen und zu versetzen und dann nicht selten die so ge-\nbauten Perioden noch einmal zu wiederholen. Man schlage z. B.\nS. 40 im zweiten Trio auf; Tact 1 wiederholt sich dreimal, wäh-\nrend Tact I—31—3 sich dann wieder in den Tacten 5-—7 wiederholen.\nAehnliches findet man dtnn gleich im Beginn des zweiten Theiles,\nwo selten ein Motiv erscheint, das nicht sogleich zweimal gebracht\nwrird. Auch im Scherzo des Trio findet man Beweise für diese Be-\nhauptung in auffallender Weise. S. 36: Tact 5 wiederholt sich vier-\nmal, Tact 13—20 wiederholt sich Note für Note in den Tacten\n21—28, Tact 29 -32 wiederholt sich in den Tacten 33—36, Tact\n37—40 wiederholt sich in den Tacten 41—44, Tact 45 wiederholt\nsich viermal. Dergleichen findet man fast auf jeder Seite. Der\nComponist kann uns nicht der ungründlichen Durchsicht seiner\nSachen bezüchtigen, wenn wir unsere Behauptungen mit solchen\nBeispielen belegen. Wer sich die Miihe geben will, die Violin-So-\nnate genauer durchzusehen, wird S. B—SO das Unglaubliche an\nSequenzen und Schusterflecken finden, während z. B. im Finale\nwiederum sich Tact um Tact, Satz um Satz und Periode um Pe-\nriode wiederholt. Eine gewisse Routine im Schreiben, der damit\nverbundene leichte Fluss, eine Art jugendlicher Lebendigkeit und\näusserlich wirksame Behandlung der Instrumente, namentlich des\nPianofortc, sind Vorzüge, die wir gern anerkennen, die aber die\nLeichtfertigkeit und den hohlen Pathos in der Erfindung, so wie\nauch die Verstösse gegen den Stil der Kammermusik nicht er-\nsetzen können.\nTrio pour Piano, Violon\nLouis Slainlein.\nOp. 9. Mayence, ches les Bls de B. Schölt.\nDieses Trio unterscheidet sich nicht nur vortheilhaft von den\nzuletzt erwähnten von A. Rubinstein durch richtigere und ein-\nfachere Behandlung der drei Instrumente, als wesentlicher Solo-\nstimmen, nicht als Orchester Imitation, sondern es hat auch bei\nWeitem mehr Flus3 und natürliche Folge, und zeigt eine so grosse\nSicherheit in der Harmonie und Gewandtheit in der Behandlung\nder Form, dass man wenn nicht der Stand des Grafen durch\nden Titel bezeichnet wäre es nicht für das Wrerk eines Dilettan-\nten, sondern eines in der Factur geübten Meisters halten müsste.\nDesto ehrenvoller für den deutschen Dilellantismus überhaupt und\nlür den des Grafen L. Stainlcin insbesondere, der freilich in der\nmusicalischen Welt und namentlich in den Künstlerkreisen von\nWien, Paris, Brüssel, Lüttich, Köln u. s. w. längst als auch dem\nKunst-Adel ebenbürtig anerkannt ist. Alle seine Compositionen, be-\nsonders aach die Quartette für Streich-Instrumente, tragen den\nStempel einer keineswegs gewöhnlichen Erfindungsgabe und liefern\nin der Art und Weise der Arbeit den Beweis von der Gründlich-\nkeit der musicalischen Kenntnisse des Componisten, in der Schreib-\nart yon dem Studium der classischen Muster. Die letztere schliesst\nsich weniger an Mendelssohn, als an Haydn, Mozart, Hummel und\nOnslow an.\nDas vorliegende Trio besteht aus drei Sätzen: Allegro con Spi-\nrito in C-moll, 6/ö-Tact Andante religioso in As-dur, 6 'g-Yact\nFinale allegro agitalo in C-moll, 2/4-Tact. Alle drei Sätze bekunden\ndie angegebenen vorzüglichen Eigenschaften des Componisten. Sie\nsind allerdings mehr mit Geist als mit Phantasie geschrieben; da-\nfür sind sie aber auch eben so frei von den Ueberwallungen einer\nexcentrischen Phantasie, die als genial gelten will, als von der\nnüchternen Arbeit des Verstandes, der sich in Combinations-Excm-\npcl verliert. Die neueste Richtung, durch die Instrumental-Musik\nAbgüsse oder Licht-Ton-Bilder (musicalische Photographie) von\nGegenständen zu geben, ist dem Componisten glücklicher Weise\nganz fremd. Dagegen zeichnen ihn der Sinn für Ebenmaass und\nKlarheit und zusammenhangender Fluss der musiealischen Gedan-\nken aus. Da die Ausführung nicht schwierig ist, wiewohl besonders\nfür Yioloncell und Violine sehr dankbar (deren Partieen zwar keine\nSchwierigkeiten darbieten, aber doch gute Spieler verlangen der\nGraf ist selbst ein tüchtiger Violoncellist), so ist das Trio beson-\nders solchen Kreisen von Kunstfreunden zu empfehlen, welche sich\nan Kammermusik erfreuen.\nFügen wir das letzt vorhergegangene Werk desselben Com-\nponisten :\nSonate pour Piano et Violoncelle. A Mme. La Prin-\ncesse Aug. d'Auersperg. Par le Comte L. Stain-\nlein. Op. 8. Mayence, B. Schott fils.\nhinzu, so müssen wir dieser Sonate noch in höherem Grade das\nWort reden, als dem eben besprochenen Trio; denn hier waltet,\nnamentlich im ersten Satze (Allegro non troppo, G-moll, V-i-Tact),\neine mehr leidenschaftlich sprühende Phantasie vor, als dort, ohne\ndass dadurch die Klarheit der Arbeit getrübt oder das Ebenmaass\nder Form gestört und der Faden der Gedankenfolge zerrissen\nwürde. Aber auch das Andante espressico in Es-dur, 6 in\nwelchem das Violoncell in melodiöser Weise mit Recht die Haupt-\nrolle spielt, und das Finale allegro agitalo in G-moll, 6g-Tact, der\nErguss einer sprudelnden Frische und Lebendigkeit, stehen dem\nersten Satze würdig zur Seite und werden sich gleich beim ersten\nHören besser empfehlen, als der Buchstabe das vermag.\nEin solches Streben und eine so edle Richtung auf die wahre\nKunst, wric diese Werke offenbaren, wäre gar manchem Compo-\nnisten unserer Zeit zu wünschen, und Resultate derselben wie die\nvorliegenden, würden auch wenn sie von einem Künstler von Fach\nherrührten, ihm sehr ehrenvoll sein."}]}