{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-06-21-01", "volume": "bmtnabi_1856-06-21_01", "ocr_sha256": "c479c50b12c25950146437750ad77a690bb1072ef858ae79963314ecd7bfc111", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/06/21_01/bmtnabi_1856-06-21_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-21-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-21_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-06-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "109", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 472, "texte": "Inhalt.\nAdolf Adam (Schluss). Von L. Bischoff. Londoner Briefe (Johanna Wagner Lumley's Oper Jenny Lind Phil-\nharmonische Concerte. Von C. A. Beurteilungen. Gesang mit Pianoforte (Karl Löwe, V Balladen, Op. 124. C. G. Reissiger,\nOp. 203. Au°*. Schäfer, Op. 46. Constantin Decker, Op. 34. Wiih. Tschirch, Op. 32. Robert Radecke, Op. 9. J. Hoven, Op. 47. os.\nOessauer, Op. 60). Tages- und Unterhai-tungsblatt (Berlin Mainz, J. Schulhoff Rossini Sirassburg, Sängerfest Wien)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-21-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-21_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-06-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "200", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.2.2", "titre_corps": "Adolf Adam.", "titre_sommaire": "Adolf Adam.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.1", "debut_caractere": 474, "fin_caractere_exclue": 3914, "texte": "Adolf Adam.\n\n(Schluss. S. Nr. 22.)\nWährend seines Aufenthaltes in Russland trat Adam auch\nals Schriftsteller auf. Er schrieb von Petersburg aus Be-\nrichte über den Zustand der Musik in Russland, die in der\npariser musicalischen Zeitung gedruckt wurden.\nIm Jahre 1841 machte das Ballet (Larlotla\nGrisi) im Opernhause ein fast noch nie gesehenes Glück;\ndie Musik dazu ist Adam's Meisterstück in dieser Gattung.\nGretry's Richard Coeur de Lionwurde neu in Sccne ge-\nsetzt; die musicalische Bearbeitung und grösstentheils neue\nInstrumentirung hatte Adam übernommen. Ausserdem\nschrieb er noch eine dreiactige Oper: ,\nwelche bald wieder von der Bühne verschwand. Mehr Er-\nfolg hatten 1842 das Ballet und\ndie komische Oper Le Roi d'Dagegen hielt sich\nCaglioslro (drei Acte) nicht, trotzdem dass Chollet wieder\ndarin auftrat. Um diese Zeit (1844) starb Berton; Adam\nerhielt seine Stelle in der Akademie und schrieb sich nun\nmit grossem Genügen A. Adaw Allem sein\nerstes Auftreten als Akademiker war nicht glücklich. Er\nhatte sich an eine ernste Oper gewagt: Richard en Palestine\nsie fiel gänzlich durch und ruht seitdem in der Bibliothek\nder grossen Oper. Das Ballet (wie-\nderum für Carlotta Grisi) brachte im folgenden Jahre den\nUnfall in Vergessenheit.\nMittlerweile hatte sich in Paris das Bedürfniss eines\nzweiten Theaters für komische Opern gellend gemacht,\nzumal da es für junge Coraponisten schwer hielt, ihre\nWerke auf die allein privilegirte Scene der königlichen\nOpera comique zu bringen. Adam fasste den Gedanken, an\ndie Spitze eines solchen Unternehmens zu treten; er fand\nUnterstützung bei der Presse und noch wirksamere bei\ndem Minister Guizot, durch dessen Vermittlung er die Summe\nvon 100,000 Francs und die Concession erhielt. Adam\neröffnete sein Thedtre deV Opera im November\n1847 und machte glänzende Geschäfte; er zog Marie\nGabel, die schöne, anmuthige Sängerin, meisterhaft in der\nColoratur und im Spiel, die noch jetzt bewundert wird,\nwiewohl ihre beaux jours,namentlich was die Stimme be-\ntrifft, vorbei sind, aus Belgien nach Paris, wo sie früher bei\nihrem ersten Auftreten schon Aufmerksamkeit erregt hatte.\nDiese Dame trug nicht wenig zum Erfolge der neuen Un-\nternehmung bei. Da kam aber die Februar-Revolution; der\nAdel wollte gar keine Musik und das Volk nur die\nseillaise oder die Parisienne hören, und Adam musste im\nApril 1848 sein Theater sehliessen. Er ging als Ehren-\nmann aus dieser Krisis hervor, die ihn um sein ganzes Ver-\nmögen brachte; denn er blieb allen eingegangenen Ver-\nbindlichkeiten treu und trug im Laufe der folgenden Jahre\nregelmässig seine Schulden ab.\nDies muss man in die Wagschale legen, wenn man\nihm wegen seiner Vielschreiberei und fabrikartigen Arbeit\nin seinen letzten Lebensjahren nicht Unrecht thun will.\nFreilich kann man einen solchen Missbrauch der natürlichen\nAnlagen und des errungenen Rufes zum Gelderwerb vom\nkünstlerischen Standpunkte aus nimmermehr rechtfertigen;\nallein zu entschuldigen ist er wahrlich, wenn das Gewerbe\nnicht zu Schwelgcrei und Ueppigkeit, sondern zur Erhal-\ntung des ehrlichen Namens als Mensch und Bürger betrie-\nben wird.\nAdam entwickelte jetzt in der That eine fabelhafte\nThätigkeit als Componist und als Schriftsteller in den mu-\nsicalischen Zeitungen, in dem Constilutionnel und in der\nÄssernblee Nationale. Das Feuilleton der letzteren .hat ei\nbis zu seinem Tode behalten. Sein hierarisches Verdienst\nwar gerade nicht geeignet, seinen Ruf zu vergrössern;"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1469, "texte": "aber sehr wenig in der idealischen Welt. Und dann wissen\nSie ja, dass das mein Genre nicht ist; wohl Anmuth, Fein-\nheit, Heiterkeit hierzu aber gehört brutale Kraft, die\nich nicht habe.\"\nUeber Adam's Charakter als Mensch herrscht nur Eine\nStimme: er war in jeder Hinsicht ehrenwerth. Seine Häus-\nlichkeit war einfach, ja, beschränkt; wenigstens stach sie\ngegen den Luxus anderer Kunstgenossen sehr ab. Seinen\nFreunden war er stets zugänglich und liebevoll, und ver-\nlangte dagegen nichts weiter, als dass sie es ihm nicht übel\nnahmen, wenn er gern und viel von sich selbst sprach. Er\nwar heiter und fröhlich von Natur und so fern von Miss-\ntrauen, dass er alle Menschen für gut hielt. Als echtes pa-\nriser Kind fühlte er sich nur in Paris wohl und glücklich.\nVon Schwärmerei für Natur hielt er nicht viel; nicht dass\ner die Schönheiten der Natur nicht empfand, aber sie mach-\nten ihn melancholisch, und das war ein fremder Tropfen\nBlutes in seinen Adern; er musste in das bewegte Resi-\ndenzleben zurück. Da arbeitete er mit Lust beim Gerassel\nder Wagen und dem Lärm der Strasse. Zwei Hunde und\neine prächtige Katze spielten um ihn herum, ein Laubfrosch\nkletterte die Leiter in seinem gläsernen Wasserkäfich auf\nund ab, und ein Papagei kreischte zu den Accorden, die der\nMeister auf einem alten Spinett von Gretry anschlug. Vor\nseinem Bette lag am Morgen des 3. Mai ein schönes Wind-\nspiel und lauschte auf das Erwachen seines Herrn. Er er-\nwachte nicht wieder*).\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-21-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-21_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-06-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "200", "page_fin": "202", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.2.3", "titre_corps": "Londoner Briefe.", "titre_sommaire": "Londoner Briefe.", "signature_source": "C. A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.2", "debut_caractere": 1471, "fin_caractere_exclue": 4975, "texte": "Londoner Briefe.\n\nJohanna Wagner - Lumley's Oper Jenny Lind\nPhilharmonische Concerte.]\nDen 15. Juni 1856.\nIch eile, Ihnen vor allem Anderen über den ungeheu-\nren Erfolg zu berichten, den Johanna Wagner bei\nihrem ersten Auftreten, gestern Sonnabend den 14. Juni,\nauf Her Majesty Theaire als Romeo in Beilini's Montecchi e\nCapuletti gehabt hat. Sie hat einen vollständigen Sieg er-\nrungen, an ihren Vater und dessen Process denkt Niemand\nmehr, die Bewunderung der Künstlerin übersteigt ganz\nund gar das sonst hier gewöhnliche Maass; die älteren\nLeute erinnerten sich an den Enthusiasmus, den einst die\nPasta bei ihrem ersten Auftreten erregt— nur mit diesem\nsei die Begeisterung des Publicums am gestrigen Abende\nzu vergleichen. Und es ist wahr, ich habe hier noch keinen\nähnlichen Triumph erlebt- und doch ist Jenny Lind noch\nhier und gibt so eben ihre drei Abschieds-Concerte. In Ihrer\nZeitung las ich einmal, mit fünf bis sechs Rollen könne Jo-\nhanna Wagner die Weit erobern; nun, die Weltstadt Lon-\ndon hat sie bereits mit einer einzigen erobert. Selbst die\nKritik ist ihr gegenüber Poesie geworden, und die streng-\nsten Musiker staunen, dass durch eine deutsche Künstlerin\nein solcher Geist, eine solche Erhabenheit in eine gehalt-\nlose italiänische Opernrausik kommen kann.\nWenn die Ristori als Medea vor dem felsigen Hinter-\ngrunde nur über die Bühne schritt, so wusste man, woran\nman war. Eben so erging es Allen bei Johanna Wagner.\n„Als sie auf die Scene hervortrat,\" sagt „die\nherrliche Gestalt in glänzende Rüstung gehüllt, die vollen\nblonden Locken über den Nacken wallend, der hohe Feder-\nbusch vom Helme wehend, gab sie schon durch ihre Fr-\nscheinung Bürgschaft für ihren Sieg. Vera incessu patuit\nDeal Es war eine Offenbarung von Hoheit in ihrem gan-\nzen Auftreten, und die klangvolle Stimme, mit welcher der\njugendliche Held seine Sendung kund gab, und welche\ndurch den Saal wie weckender Posaunenton drang, machte\nden Eindruck eines anhaltenden Erstaunens. Das Publicum\nvermochte nicht zu entscheiden, ob es eine grosse Sängerin\noder eine grosse Schauspielerin sehe, aber das war ihm\nklar, dass eine grosse Erscheinung vor seinen Augen stand.\nEin leichter und doch majestätischer Gang, eine Stimme,\nwelche die Tiefe des Contre-Alts mit dem Sopran verbindet,\neine begeisterte Declamation, eine natürliche Grazie, die\njede Stellung zu einer malerischen Illustration macht\ndas ist ein Verein von Elementen, welche wohl im Stande\nsind, der kritischen Reflexion für den Augenblick alle\nMacht zu nehmen. Die wahrhaft heroische Weise, mit wel-\ncher sie die drohende Herausforderung: „La tremenda ul-\ntrice spada\",den Feinden entgegenrief, schloss glanzvoll\ndie erste Scene; und in der nächsten, dem Duett mit Giu-\nlietta, entfaltete Fräul. Wagner die volle Leidenschaft einer\nglühenden Liebe in demselben grossen plastischen Stil, in\nweichem sie die Regungen des Hasses dargestellt hatte.\nEin enthusiastischer Applaus folgte der Scene, und ein\nschwacher Versuch einer Aeusserung von Missbilligung—\noffenbar persönlich— diente nur dazu, die Begeisterung des\nHauses von Neuem zu entzünden, so dass Fräul. Wagner\nstürmisch wieder auf die Scene gerufen wurde.\nIndessen ist die Kritik nicht blind gegeu die Unvoll-\nkommenheiten der Künstlerin, wenn man sie nur als Sän-\ngerin betrachtet. Man unterscheidet auch hier in ihrem Or-\ngan zwei Stimmen, welche sich nicht immer ohne merk-\n\n*) Ueber seinen plötzlichen Tod und das feierliche Begräbniss\nvergl. die Nachrichten im Tagesblatte von Nr. 19 und 20."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5102, "texte": "liehen Uebergang vermählen; man hört auch hier, dass nicht\nalle Töne gleich voll und rund herauskommen; allein dar-\nüber ist nur Eine Stimme, dass alle diese Kleinigkeiten vor\neiner 3o grossartigen künstlerischen Schöpfung, als ihr Ro-\nmeo ist, verschwinden. Die Kampf-Scene mit Tibaldo be-\nreitete ihr wieder neuen Triumph. Doch das Höchste leistete\nsie im letzten Acte, Die Spannung und athemlose Stille,\nmit welcher das Publicum ihren Tönen lauschte und an\nihren Bewegungen hing, war ein ehrenvolles Zeichen wah-\nren Kunstsinnes; aber mit dem Fallen des Vorhanges brach\ndie Bewunderung unaufhaltsam aus, und Fräul. Wagner\nwurde drei Mal gerufen. Fräul. Jenny Bauer, auch eine\nDeutsche, welche die Giulielta sang, ist eine junge, talent-\nvolle Sängerin, die sich ebenfalls lebhaften Beifalls zu er-\nfreuen hatte. Herr Reichard t, wieder ein Deutscher,\nder, wie Sie wissen, seit mehreren Jahren in London bei\ndem Publicum der Concerte gut accreditirt ist, trat- als neu\nangestelltes Mitglied in der Rolle des Tibaldo auf dem kö-\nniglichen Theater zum ersten Male auf. Seine Stimme ist\nschwach und nicht von einnehmendem Wohllaut; allein er\nist ein tüchtiger Musiker und weiss zu singen. Die junge\nund wunderschöne Marietta Piccolomini, von der ich\nIhnen neulich schrieb, ist in Verdi's aufgetreten,\nund zwar mit grossem Erfolg. Die Oper ist seitdem meh-\nrere Male gegeben und macht eben durch die Piccolomini\njedesmal ein volles Haus. Es scheint überhaupt, dass der\nwieder auferstandene Herr Lumley dieses Mal gute Ge-\nschäfte macht.\nKommen wir zu Frau Goldschmidt-Lind, welche\nihren Triumphzug durch England in diesem Monate durch\ndrei Abschieds-Concerte in London beschliessen und am\n30. Juni (hört und eilt herbei!) unwiderruflich zum letz-\nten Male lür die Engländer, nein, für sich, aber vor Eng-\nländern singen wird. Welch ein Congress von Fürstinnen des\nGesanges ist jetzt hier! Alboni, Bosio, Novello, Viardot,\nGrisi, Jenny Ney, Johanna Wagner, Jenny Lind! Dennoch\nmuss man Jenny Lind, auch trotz der angegriffenen Stimmt,\nden ersten Rang einräumen. Ihre Concerte gibt sie in\nExeter Hall. Das erste fand am 11. Juni und dei\nungeheure Raum war gedrängt gefüllt; da man aber dalür\ngesorgt hatte, dass nicht mehr Billets ausgegeben worden,\nals der Saal fasste, so fühlte man sich doch nicht einge-\nzwängt. Das zweite, in welchem die Schöpfung aufgeführt\nwird, ist auf den 25., das letzte, wie gesagt, auf den 30.\nJuni angesetzt. Auf der Theater-Bühne wird sie keinesfalls,\nwie wir trotz der umlaufenden Gerüchte mit Bestimmtheit\nversichern können, wieder auftreten. Auf die Nachricht von\nBarnum's Bankerott in New-York soll sie, wie hiesige Blät-\nter aus americanischen berichten, einen Brief an eine be-\nfreundete Dame in Philadelphia geschrieben haben, in wel-\nchem sie sich sehr theilnehmend und ehrenvoll für Barnum\nausspricht und ihre Absicht ausdrückt, ein Capitai zu seiner\nVerfügung zu stellen. Das Concert am 11. Juni dirigirte\nBenedict. Frau Goldschmidt sang eine Arie aus Gluck's\nArmida und im Contrast dazu aus Bellini's\nNachtwandlerin, ein paar schwedische Lieder, ein Duett\naus Semiramis mit Frau Viardot, die Soli in aer Morgen-\nhymne aus der „Vestalin mit eben derselben, ein Duett von\nRossini mit Belletti! So viel gibt sie in Deutschland an\nEinem Abende freilich nicht zum Besten; aber Pfunde und\nThaler sind auch verschiedene Grössen. Ausserdem spielte\nihr Mann das Concertstück von C. M. von Weber und die\nPhantasie mit Chor von Beethoven, M. Ganz seine Phan-\ntasie über Don Juan für Violoncell und ein Duo COYICG) TAUT\nfür Violine und Cello mit seinem Bruder. Im Ganzen sechs-\nzehn Nummern. Tagskosten und Honorar mögen an 2000\nThlr. betragen haben, die Einnahme über 10,000 Thlr.\n—Am vortrefflichsten war Jenny Lind in dem Finale aus\nder Nachtwandlerin; da konnte man wirklich sagen: „So\netwas kommt nicht wieder!\" Eben so schlugen die schwe-\ndischen Lieder, wie immer, durch. Dagegen liess die Gluck'-\nsche Arie beinahe kalt, und das Duett aus Semiramis würde\nRossini schwerlich als das seinige anerkannt haben, so will-\nkürlich und geradezu unwürdig verfuhren beide grosse\nSängerinnen damit.\nDie Concerte der Musik-Vereine gehen ihren Gang.\nDie Philharmonie Society brachte in ihrem dritten eine Sin-\nfonie von Haydn und Nr. V. in C-moll von Beethoven; in\nder letzteren war Sterndale Bennett so kühn, die bekann-\nten zwei Tacte im Scherzo zum ersten Male hier zu Lande\nwegzulassen. Jenny Ney sang Beethoven's mit\nKraft und Glanz, Herr Cooper spielte Spohr's Gesangscene\nvortrefflich, und die Gebrüder Doppler amusirten durch\neine Ungariade für zwei Flöten und Violine. lm vierten\nConcerte hörten wir Spohr's Sinfonie in und Mo-\nzart's in C mit der Fuge; ausserdem noch Mendelssohn's\nSommernachtstraum- und Beethoven's Fidelio-Ouverture\ndas ist doch neben fünf Solo-Nummern etwas zu viel. Unter\nden letzteren zeichneten sich der Gesang von Clara Novello\naus und Goldschmidt's Vortrag des G-dur-Concerts von\nBeethoven. Ein altes Violoncell-Concert von Haydn, das\nPiatti spielte, hätte er immerhin in der Antiquar-Bude lie-\n-1 gen lassen können, wo er es entdeckt haben will."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1564, "texte": "Das dritte Concert der New Philharmonie Society lei-\ntete Dr. Wylde. Die Ausführung der Sinfonie Nr. VII. in\nA-dur von Beethoven machte ihm alle Ehre. Frau Schu-\nmann spielte ein Pianoforte-Concert in A-moll von Rob.\nSchumann. Der Vortrag war voll Feuer und bewunderns-\nwerth, und einstimmiger Beifall belohnte die geniale Frau\nfür die Anstrengungen, welche sie (wie ein hiesiges Blatt\nsagt) machte, um die curiosen Rhapsodieen ihres Gatten\neinem londoner Publicum als Musik darzustellen. Eine\nDeutsche, Fräul. Krall, sang eine Arie von Gluck und\nWeber's Cavatine aus dem Freischütz mit vielem und ver-\ndientem Beifall.— Das vierte Concert dirigirte Benedict.\nMozart's Sinfonie in Es wurde ganz vorzüglich ausgeführt,\nehen so Beethoven's grosse Leonoren-Ouverture. Herr\nGoldschmidt spielte ein Clavier-Concert in von sei-\nner Composition; es besteht nur aus zwei Sätzen, Andante\nund Allegro,die mit Geschick und nicht ohne hübsche Er-\nfindung geschrieben sind und geschmackvoll und glänzend\nvorgetragen wurden. Herr Goldschmidt wurde gerufen.\nHerr von der Osten sang eine Arie aus Giuck's Iphi-\ngenie auf Tauris und die Romanze aus Euryanthe, Fräul.\nBauer (beiläufig gesagt, die dritte Sängerin mit dem Vor-\nnamen Jenny) Arien aus Figaro und Robert. Herr von der\nOsten hat eine hübsche Tenorstimme, allein im Vortrage\nwill er, wie es scheint, zu sehr vortragen und wird da-\ndurch mehr oder weniger geziert.\nIjeber die Concerte im Krystallpalaste und in den an-\nderen musicalischen Vereinen, so wie über Privat-Concerte\nu. s. w. berichte ich Ihnen nächstens.\n\nC. A."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-21-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-21_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-06-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "202", "page_fin": "204", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.2.4", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.4", "debut_caractere": 1566, "fin_caractere_exclue": 3991, "texte": "Beurtheilungen.\nLieder und Gesänge für eine Singstimme mit Be-\ngleitung des Pianoforte.\nKarl Löwe. Der letzte Ritter von A. Grün. Max in\nAugsburg. Max und Dürer. Abschied. Fünf Balla-\nden. Op. 124. Wien, Mechetti.\nEx ungue leonem!Auch ohne den Namen des genia-\nlen Componistea auf dem Titel gelesen zu haben, würde\nman den geistreichen, unübertroffenen Balladen-Compo-\nnisten erkannt haben. Es ist eine wahre Herzens-Erquickung,\nwieder einmal solch ursprünglicher, frischer, dabei geistrei-\ncher und origineller Musik zu begegnen. Am meisten be-\nwundern wir den greisen Componisten um des unerschöpf-\nlich sprudelnden Quells seiner Melodieen willen, die uns\nnoch eben so zauberisch umstricken, wie zu den Zeiten, da\ner „Des Goldschmieds Töchterlein\", „Herr Oluf\" u. A.\nschrieb. Eine Kritik ist nicht vonnöthen, wo die ganze mu-\nsicalische Welt in ihrem Urlheile über den Meister so einig\nist, und wo es nur gilt, zu sagen: „Er ist der Alte noch.\"\nWill man unsere subjective Meinung noch hören, so lügen\nwir hinzu, dass wir den ersten beiden Balladen den Vor-\nzug geben.\nC. G. Reissiger. Sechs Lieder lür eine Alt- oder\nBass-Stimme. Op. 203. Offenbach. Andre. Preis\n1 FI. 12 Kr.\nAuch diese Lieder, brauchen Seitens der Kritik nur\nerwähnt zu werden; denn ein Jeder kennt die Art Reissi-\nger's und weiss, dass ein alter, gewandter Prakticus wie\ndieser mit seinem zweihundert und dritten Werke seine\nW eise nicht mehr ändert. So sind denn auch diese Lieder,\nwie seine früheren, durch die er sich in weiten Kreisen so\nviele Freunde erworben hat, sehr sangbar, leicht zu accom-\npagniren, von gelällig melodischem, meist sentimentalem\nAusdrucke, doch ohne eigentliche Gefühlstiefe und nicht\neben sehr gewählt in melodischer wie harmonischer Bezie-\nhung. Wie unbekümmert der Componist schreibt, was ihm\neben bequem und gewohnt zu schreiben, davon gibt unter\nAnderem das Factum Zeugniss, dass der Componist in\nEinem Hefte den ohnedies so sehr verbrauchten, italiäni-\nsirenden Schluss von der Terz auf die Tonica herab in fol-\ngender Weise:\ndrei Mal benutzt. Die einzelnen Lieder: „Des Müden\nAbendlied % „Nun die Schatten dunkeln\" und „Hoffnung\"\nvon Geibel, »Ob du mir nah, ob fern\" und „Johanna\"\nvon Sternau, „Antwort\" von Platen sind lür sich ä 18\nKr. zu haben.\nAug. Schäffer. Drei Lieder. Op. 46. Breslau,\nLeuckart. Preis 20 Sgr.\nAuch Herr Schäffer scheint seinen Lieblingsschluss zu\nhaben. Im ersten Liede kommt dieser Ganzschluss:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3644, "texte": "und zwar gleich zwei Mal vor. Da jedes Lied drei Stro-\nphen hat, so hört man also diesen Schluss oft genug. Cha-\nrakteristisch für die Art von Componirerei dieses Herrn ist\ndie bei beiden ganz gleich ausfallende Nuancirung. Eine\nwahrhafte Caricatur ist der Schluss des dritten Liedes.\nNachdem es im Gedichte hiess:\nUnd mit dem ersten Strahle\nGeht's fort zur blut'gen Schlacht,\nDer Trompeter hoch zu Rosse\nStürmt hin in Todesnachl;\nGetroffen von der Kugel,\nFällt er auf grünem Rain\ncomponirt Herr Schäffer die Schluss-Strophen folgender\nMaassen:\ner bl'as't zum letzten Male: Leb' wohl und gedenke mein!\nWir versichern dem Componisten doch halt! wir wol-\nlen uns nicht ereifern. Es mag wohl ein Publicum geben,\ndas auch nach solchen Liedern Verlangen trägt, und so\nwollen wir ihnen denn ihr kurzes Leben gönnen; nach\nwenigen Jahren weiss ja ohnehin Niemand mehr von ihrer\nExistenz.\nConstantin Decker. Fünf Lieder. Op. 34. Preis\n15 Sgr. Magdeburg, Heinrichshofen.\nDie Texte von Geibel, Prutz, Rückert, Bechstein sind\nhübsch gewählt, die Compositionen sinnig und von einfa-\nchem, ungeschminktem Ausdrucke, wenn auch nicht von\nabsonderlicher Tiefe. Leider findet sich auch mancher Ge-\nmeinplatz, den der geschätzte Componist wohl hätte ver-\nmeiden können. Mit der Composition des Rückert'schen\n„Liebst du um Schönheit\" können wir uns nicht einver-\nstanden erklären. Im Ganzen ist uns der Componist in sei-\nnen Piano-Compositionen lieber.\nWilh. Tschirch. Fünf Lieder lür Sopran oder Te-\nnor. Op. 32. Berlin, Schlesinger. Preis 3A Thlr.\nDie Auffassung des ersten Liedes: „ Horch! es tönen\nleise Klänge lieblich durch die stille Nacht\", im\nassai, %-Tact, ist gewiss überraschend, und können wir\nuns, namentlich da die Melodie etwas Tanzarliges hat, nicht\nmit ihr befreunden. Die Lieder verrathen übrigens durch-\nweg den routinirten Musiker, der stets einen gewissen,\nmindestens äusseren Effect zu erreichen weiss. Die Lieder\nstehen, was die Erfassung der Stimmung des Textes und\nwas die musicalische Wiedergabe anlangt, ungefähr mit\nReissiger'schen, mit den besseren (d. h. mit den ersten) Lie-\ndern von Kücken und ähnlichen auf gleicher Stufe. Men-\ndelssohn'scher oder gar Schubert'scher Einfluss ist an ihnen\nnicht bemerkbar.\nRobert Radecke. Fünf Lieder lür Sopran oder\nTenor. Op. 9. Magdeburg, Heinrichshofen. Preis\n15 Sgr.\nDie Lieder geben Zeugniss von dem edelsten Streben,\nverrathen tiefe Empfindung und einen fein gebildeten Ge-\nschmack, der den Componisten vor jedem Gemeinplatze\nbewahrt. In manchen Liedern hat er sich aber etwas\nzu sehr der Vorliebe für harmonischen Reichthum und in-\nteressante Modulation hingegeben und alsdann die Herr-\nschaft der Melodie, welche beim Liede doch stets die Haupt-\nsache sein sollte, beeinträchtigt. Am schönsten finden wir\nNr. 3, 4 und 5, welche auch dieser Vorwurf am wenig-\nsten trifft und welche zu den hübschesten Liedern gehören,\ndie wir in neuerer Zeit von den jüngeren Lieder-Compo-\nnisten kennen lernten. Schliesslich machen wir noch auf ein\n«fr\nseltsames Zusammentreffen mit einem anderen jüngeren\nComponisten aufmerksam, weil es um so eigentümlicher,\nda der fragliche Satz eben kein ganz gewöhnlicher, und weil\nder Componist dieser Lieder möglicher Weise mit dem in\nRede stehenden Werke gar nicht bekannt ist. Wir erin-\nnern uns nämlich aus einem vor mehreren Jahren in diesen\nBlättern kritisirten Streich-Quartette von Reinecke, Op. 30\n(Rheinische Musik-Zeitung, Jahrg. 111., Nr. II), eines The-\nma's, welches in harmonischer wie melodischer Beziehung\ngar seltsam mit einer Stelle aus dem zweiten dieser Lieder\nübereinstimmt, und theilen der Curiosität halber die beiden\nStellen nachstehend mit:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1270, "texte": "J. Hoven. Sechs Gedichte von Chamisso. Op. 47.\nHeft 2. Wien, Mechetti. 25 Ngr.\nDer Verfasser hat sich bereits einen Ruf als glücklicher\nComponist uncomponirbarer Lieder erworben, und hat\nauch wieder in diesem Hefte, namentlich in der zweiten\nNummer, „ Minnedienst % das Mögliche in dieser Art ge-\nleistet. Die Lieder verlangen übrigens einen Sänger, der\nden richtigen Ton des Humors zu treffen weiss, ohne zu\noutriren, und zugleich einen Hörerkreis, der musicalischen\nHumor zu würdigen versteht.\nJos. Dessauer. Gesänge. Op. 60. Heft 1 und 2.\nDer Haupt-Charakterzug dieses Componisten oder we-\nnigstens dieser Lieder ist eine gewisse graziöse Coquetterie,\nund wenn sich diese auch nicht wohl mit allen Gedichten\nverträgt, so kann man doch dem Componisten darob nicht\neigentlich gram werden, da er doch nie geradezu frivol\nwird und sich immer nobel und geschmackvoll erhält. Am\nmeisten leidet natürlich durch den Hang nach pikanten nnd\ncoquetten Rhythmen die Declamation, mit der es der Com-\nponist überhaupt so sehr genau nicht nimmt, und man\nstösst daher auf Stellen wie folgende, die sich ein gründ-\nlicher deutscher Componist freilich nicht gern verzeiht.\nDia Lieder sind jedoch als Salonlieder sehr zu empfehlen\nund werden sich als solche dem Sänger dankbar erweisen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-06-21-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-06-21_01#c012", "volume": "bmtnabi_1856-06-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "204", "page_fin": "204", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.6", "debut_caractere": 1272, "fin_caractere_exclue": 4008, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIn Berlin wurde bei Anwesenheit der russischen Kaiserin als\nFest-Oper Meyerbeer's „Ein Feldlager in Schlesien\" gegeben.\nMit dem „Nordstern\", in welchen bekanntlich sieben oder neun\nNummern aus dem „Feldlager\" übergegangen sind, ist in Berlin\nnatürlich nichts zu machen. Indess bedauerte man doch, dass die\nanwesenden hohen Herrschaften und Gefolge die neue „russische\nheilige Hymne\" im Nordstern, nämlich den Dessauer Marsch, nicht\nhören konnten!\n*\nDer frühere Thcater-Director in Riga und Köln, Herr Ferdi-\nnand Röder, gibt in Berlin einen „Theater-Moniteur44\nheraus, dessen bis jetzt erschienene Nummern das Blatt vorthcil-\nhaft charakterisiren. Ein Theatergeschäfts-Burcau ist damit ver-\nbunden.\nMainz« Julius Schulhoff, von Paris kommend, weilte\neinige Tage hier und erfreute seine Freunde um so mehr durch\ndiesen Besuch, als er sich ihnen nicht nur in bester Gesundheit\nvorstellen konnte, sondern auch durch den Vortrag einiger neuen\nCompositionen wiederholt bekundete, dass er als Künstler den er-\nsten Platz einnimmt. [Er ist jetzt in Wien.] (S.-D. M.-Z.)\nRossini ist vor Kurzem in Baden-Baden gewesen. Er ist\nvon da nach Wildbad gegangen, um dort die Cur zu gebrauchen.\nStrassl>urg\\ Die herrlichste Witterung begünstigte den ersten\nTag des grossen Sängerfestes (8. Juni). Um 1 Uhr Mittags hatten\nsich die verschiedenen Gesang-Gesellschaften auf dem Austerlitz-\nPlatze vereinigt, und der Zug setzte sich nach dem Stadthause in\nBewegung. Die Strassen, durch welche derselbe kam, waren von\nTausenden von Zuschauern überfüllt. Bis in die obersten Giebel\nder Häuser bemerkte man Neugierige. Der Zug hielt vor defn Stadt-\nhause. Nach einer Anrede des den abwesenden Maire vertretenden\nAdjuncten ward ein von dem Volksdichter Daniel Hirtz in strass-\nburger Mundart verfasster Sängergruss abgesungen. Der Ehrenwein\nward vertheilt und Mozart's Chor „Die Eintracht'4 vorgetragen. Ge-\ngen 3 Uhr erschienen die Vereine in dem Coneertsaale, der Tau&endc\nvon Zuhörern aufgenommen hatte. Sämmtliche Chöre und Gesänge,\ndie ausgeführt wurden, zeugten von der Tüchtigkeit der Sänger.\nHerrn Liebe müssen wir als einen in jeder Beziehung tüchtigen\nDirigenten des Künstlerfestes bezeichnen. Erst nach 6 Uhr Abends\nwar das Concert beendet. Am zweiten Tage des Festes wurden\nHaydn's „Jahreszeilen\" aufgeführt.\nH. Marschner ist nach Wricn gereis't und wird dort seinen\n„Goldschmied von Ulm44 auf die Bühne bringen.\nDer Violinist Otto von Königslöw bercis't gegenwärtig den\nösterreichischen Kaiserstaat. In Laib ach hat er bereits im Mai\ndrei sehr besuchte Concerte mit grösstem Beifalle gegeben.\nDer Bericht über das Musikfest in Magdeburg geht uns\nbeim Schlüsse des Blattes zu und wird in Nr. 26 erscheinen.\nDie Redact."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAdolf Adam (Schluss). Von L. Bischoff. Londoner Briefe (Johanna Wagner Lumley's Oper Jenny Lind Phil-\nharmonische Concerte. Von C. A. Beurteilungen. Gesang mit Pianoforte (Karl Löwe, V Balladen, Op. 124. C. G. Reissiger,\nOp. 203. Au°*. Schäfer, Op. 46. Constantin Decker, Op. 34. Wiih. Tschirch, Op. 32. Robert Radecke, Op. 9. J. Hoven, Op. 47. os.\nOessauer, Op. 60). Tages- und Unterhai-tungsblatt (Berlin Mainz, J. Schulhoff Rossini Sirassburg, Sängerfest Wien).\n\nAdolf Adam.\n\n(Schluss. S. Nr. 22.)\nWährend seines Aufenthaltes in Russland trat Adam auch\nals Schriftsteller auf. Er schrieb von Petersburg aus Be-\nrichte über den Zustand der Musik in Russland, die in der\npariser musicalischen Zeitung gedruckt wurden.\nIm Jahre 1841 machte das Ballet (Larlotla\nGrisi) im Opernhause ein fast noch nie gesehenes Glück;\ndie Musik dazu ist Adam's Meisterstück in dieser Gattung.\nGretry's Richard Coeur de Lionwurde neu in Sccne ge-\nsetzt; die musicalische Bearbeitung und grösstentheils neue\nInstrumentirung hatte Adam übernommen. Ausserdem\nschrieb er noch eine dreiactige Oper: ,\nwelche bald wieder von der Bühne verschwand. Mehr Er-\nfolg hatten 1842 das Ballet und\ndie komische Oper Le Roi d'Dagegen hielt sich\nCaglioslro (drei Acte) nicht, trotzdem dass Chollet wieder\ndarin auftrat. Um diese Zeit (1844) starb Berton; Adam\nerhielt seine Stelle in der Akademie und schrieb sich nun\nmit grossem Genügen A. Adaw Allem sein\nerstes Auftreten als Akademiker war nicht glücklich. Er\nhatte sich an eine ernste Oper gewagt: Richard en Palestine\nsie fiel gänzlich durch und ruht seitdem in der Bibliothek\nder grossen Oper. Das Ballet (wie-\nderum für Carlotta Grisi) brachte im folgenden Jahre den\nUnfall in Vergessenheit.\nMittlerweile hatte sich in Paris das Bedürfniss eines\nzweiten Theaters für komische Opern gellend gemacht,\nzumal da es für junge Coraponisten schwer hielt, ihre\nWerke auf die allein privilegirte Scene der königlichen\nOpera comique zu bringen. Adam fasste den Gedanken, an\ndie Spitze eines solchen Unternehmens zu treten; er fand\nUnterstützung bei der Presse und noch wirksamere bei\ndem Minister Guizot, durch dessen Vermittlung er die Summe\nvon 100,000 Francs und die Concession erhielt. Adam\neröffnete sein Thedtre deV Opera im November\n1847 und machte glänzende Geschäfte; er zog Marie\nGabel, die schöne, anmuthige Sängerin, meisterhaft in der\nColoratur und im Spiel, die noch jetzt bewundert wird,\nwiewohl ihre beaux jours,namentlich was die Stimme be-\ntrifft, vorbei sind, aus Belgien nach Paris, wo sie früher bei\nihrem ersten Auftreten schon Aufmerksamkeit erregt hatte.\nDiese Dame trug nicht wenig zum Erfolge der neuen Un-\nternehmung bei. Da kam aber die Februar-Revolution; der\nAdel wollte gar keine Musik und das Volk nur die\nseillaise oder die Parisienne hören, und Adam musste im\nApril 1848 sein Theater sehliessen. Er ging als Ehren-\nmann aus dieser Krisis hervor, die ihn um sein ganzes Ver-\nmögen brachte; denn er blieb allen eingegangenen Ver-\nbindlichkeiten treu und trug im Laufe der folgenden Jahre\nregelmässig seine Schulden ab.\nDies muss man in die Wagschale legen, wenn man\nihm wegen seiner Vielschreiberei und fabrikartigen Arbeit\nin seinen letzten Lebensjahren nicht Unrecht thun will.\nFreilich kann man einen solchen Missbrauch der natürlichen\nAnlagen und des errungenen Rufes zum Gelderwerb vom\nkünstlerischen Standpunkte aus nimmermehr rechtfertigen;\nallein zu entschuldigen ist er wahrlich, wenn das Gewerbe\nnicht zu Schwelgcrei und Ueppigkeit, sondern zur Erhal-\ntung des ehrlichen Namens als Mensch und Bürger betrie-\nben wird.\nAdam entwickelte jetzt in der That eine fabelhafte\nThätigkeit als Componist und als Schriftsteller in den mu-\nsicalischen Zeitungen, in dem Constilutionnel und in der\nÄssernblee Nationale. Das Feuilleton der letzteren .hat ei\nbis zu seinem Tode behalten. Sein hierarisches Verdienst\nwar gerade nicht geeignet, seinen Ruf zu vergrössern;"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.2", "texte": "aber sehr wenig in der idealischen Welt. Und dann wissen\nSie ja, dass das mein Genre nicht ist; wohl Anmuth, Fein-\nheit, Heiterkeit hierzu aber gehört brutale Kraft, die\nich nicht habe.\"\nUeber Adam's Charakter als Mensch herrscht nur Eine\nStimme: er war in jeder Hinsicht ehrenwerth. Seine Häus-\nlichkeit war einfach, ja, beschränkt; wenigstens stach sie\ngegen den Luxus anderer Kunstgenossen sehr ab. Seinen\nFreunden war er stets zugänglich und liebevoll, und ver-\nlangte dagegen nichts weiter, als dass sie es ihm nicht übel\nnahmen, wenn er gern und viel von sich selbst sprach. Er\nwar heiter und fröhlich von Natur und so fern von Miss-\ntrauen, dass er alle Menschen für gut hielt. Als echtes pa-\nriser Kind fühlte er sich nur in Paris wohl und glücklich.\nVon Schwärmerei für Natur hielt er nicht viel; nicht dass\ner die Schönheiten der Natur nicht empfand, aber sie mach-\nten ihn melancholisch, und das war ein fremder Tropfen\nBlutes in seinen Adern; er musste in das bewegte Resi-\ndenzleben zurück. Da arbeitete er mit Lust beim Gerassel\nder Wagen und dem Lärm der Strasse. Zwei Hunde und\neine prächtige Katze spielten um ihn herum, ein Laubfrosch\nkletterte die Leiter in seinem gläsernen Wasserkäfich auf\nund ab, und ein Papagei kreischte zu den Accorden, die der\nMeister auf einem alten Spinett von Gretry anschlug. Vor\nseinem Bette lag am Morgen des 3. Mai ein schönes Wind-\nspiel und lauschte auf das Erwachen seines Herrn. Er er-\nwachte nicht wieder*).\n\nL. B.\n\nLondoner Briefe.\n\nJohanna Wagner - Lumley's Oper Jenny Lind\nPhilharmonische Concerte.]\nDen 15. Juni 1856.\nIch eile, Ihnen vor allem Anderen über den ungeheu-\nren Erfolg zu berichten, den Johanna Wagner bei\nihrem ersten Auftreten, gestern Sonnabend den 14. Juni,\nauf Her Majesty Theaire als Romeo in Beilini's Montecchi e\nCapuletti gehabt hat. Sie hat einen vollständigen Sieg er-\nrungen, an ihren Vater und dessen Process denkt Niemand\nmehr, die Bewunderung der Künstlerin übersteigt ganz\nund gar das sonst hier gewöhnliche Maass; die älteren\nLeute erinnerten sich an den Enthusiasmus, den einst die\nPasta bei ihrem ersten Auftreten erregt— nur mit diesem\nsei die Begeisterung des Publicums am gestrigen Abende\nzu vergleichen. Und es ist wahr, ich habe hier noch keinen\nähnlichen Triumph erlebt- und doch ist Jenny Lind noch\nhier und gibt so eben ihre drei Abschieds-Concerte. In Ihrer\nZeitung las ich einmal, mit fünf bis sechs Rollen könne Jo-\nhanna Wagner die Weit erobern; nun, die Weltstadt Lon-\ndon hat sie bereits mit einer einzigen erobert. Selbst die\nKritik ist ihr gegenüber Poesie geworden, und die streng-\nsten Musiker staunen, dass durch eine deutsche Künstlerin\nein solcher Geist, eine solche Erhabenheit in eine gehalt-\nlose italiänische Opernrausik kommen kann.\nWenn die Ristori als Medea vor dem felsigen Hinter-\ngrunde nur über die Bühne schritt, so wusste man, woran\nman war. Eben so erging es Allen bei Johanna Wagner.\n„Als sie auf die Scene hervortrat,\" sagt „die\nherrliche Gestalt in glänzende Rüstung gehüllt, die vollen\nblonden Locken über den Nacken wallend, der hohe Feder-\nbusch vom Helme wehend, gab sie schon durch ihre Fr-\nscheinung Bürgschaft für ihren Sieg. Vera incessu patuit\nDeal Es war eine Offenbarung von Hoheit in ihrem gan-\nzen Auftreten, und die klangvolle Stimme, mit welcher der\njugendliche Held seine Sendung kund gab, und welche\ndurch den Saal wie weckender Posaunenton drang, machte\nden Eindruck eines anhaltenden Erstaunens. Das Publicum\nvermochte nicht zu entscheiden, ob es eine grosse Sängerin\noder eine grosse Schauspielerin sehe, aber das war ihm\nklar, dass eine grosse Erscheinung vor seinen Augen stand.\nEin leichter und doch majestätischer Gang, eine Stimme,\nwelche die Tiefe des Contre-Alts mit dem Sopran verbindet,\neine begeisterte Declamation, eine natürliche Grazie, die\njede Stellung zu einer malerischen Illustration macht\ndas ist ein Verein von Elementen, welche wohl im Stande\nsind, der kritischen Reflexion für den Augenblick alle\nMacht zu nehmen. Die wahrhaft heroische Weise, mit wel-\ncher sie die drohende Herausforderung: „La tremenda ul-\ntrice spada\",den Feinden entgegenrief, schloss glanzvoll\ndie erste Scene; und in der nächsten, dem Duett mit Giu-\nlietta, entfaltete Fräul. Wagner die volle Leidenschaft einer\nglühenden Liebe in demselben grossen plastischen Stil, in\nweichem sie die Regungen des Hasses dargestellt hatte.\nEin enthusiastischer Applaus folgte der Scene, und ein\nschwacher Versuch einer Aeusserung von Missbilligung—\noffenbar persönlich— diente nur dazu, die Begeisterung des\nHauses von Neuem zu entzünden, so dass Fräul. Wagner\nstürmisch wieder auf die Scene gerufen wurde.\nIndessen ist die Kritik nicht blind gegeu die Unvoll-\nkommenheiten der Künstlerin, wenn man sie nur als Sän-\ngerin betrachtet. Man unterscheidet auch hier in ihrem Or-\ngan zwei Stimmen, welche sich nicht immer ohne merk-\n\n*) Ueber seinen plötzlichen Tod und das feierliche Begräbniss\nvergl. die Nachrichten im Tagesblatte von Nr. 19 und 20."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.3", "texte": "liehen Uebergang vermählen; man hört auch hier, dass nicht\nalle Töne gleich voll und rund herauskommen; allein dar-\nüber ist nur Eine Stimme, dass alle diese Kleinigkeiten vor\neiner 3o grossartigen künstlerischen Schöpfung, als ihr Ro-\nmeo ist, verschwinden. Die Kampf-Scene mit Tibaldo be-\nreitete ihr wieder neuen Triumph. Doch das Höchste leistete\nsie im letzten Acte, Die Spannung und athemlose Stille,\nmit welcher das Publicum ihren Tönen lauschte und an\nihren Bewegungen hing, war ein ehrenvolles Zeichen wah-\nren Kunstsinnes; aber mit dem Fallen des Vorhanges brach\ndie Bewunderung unaufhaltsam aus, und Fräul. Wagner\nwurde drei Mal gerufen. Fräul. Jenny Bauer, auch eine\nDeutsche, welche die Giulielta sang, ist eine junge, talent-\nvolle Sängerin, die sich ebenfalls lebhaften Beifalls zu er-\nfreuen hatte. Herr Reichard t, wieder ein Deutscher,\nder, wie Sie wissen, seit mehreren Jahren in London bei\ndem Publicum der Concerte gut accreditirt ist, trat- als neu\nangestelltes Mitglied in der Rolle des Tibaldo auf dem kö-\nniglichen Theater zum ersten Male auf. Seine Stimme ist\nschwach und nicht von einnehmendem Wohllaut; allein er\nist ein tüchtiger Musiker und weiss zu singen. Die junge\nund wunderschöne Marietta Piccolomini, von der ich\nIhnen neulich schrieb, ist in Verdi's aufgetreten,\nund zwar mit grossem Erfolg. Die Oper ist seitdem meh-\nrere Male gegeben und macht eben durch die Piccolomini\njedesmal ein volles Haus. Es scheint überhaupt, dass der\nwieder auferstandene Herr Lumley dieses Mal gute Ge-\nschäfte macht.\nKommen wir zu Frau Goldschmidt-Lind, welche\nihren Triumphzug durch England in diesem Monate durch\ndrei Abschieds-Concerte in London beschliessen und am\n30. Juni (hört und eilt herbei!) unwiderruflich zum letz-\nten Male lür die Engländer, nein, für sich, aber vor Eng-\nländern singen wird. Welch ein Congress von Fürstinnen des\nGesanges ist jetzt hier! Alboni, Bosio, Novello, Viardot,\nGrisi, Jenny Ney, Johanna Wagner, Jenny Lind! Dennoch\nmuss man Jenny Lind, auch trotz der angegriffenen Stimmt,\nden ersten Rang einräumen. Ihre Concerte gibt sie in\nExeter Hall. Das erste fand am 11. Juni und dei\nungeheure Raum war gedrängt gefüllt; da man aber dalür\ngesorgt hatte, dass nicht mehr Billets ausgegeben worden,\nals der Saal fasste, so fühlte man sich doch nicht einge-\nzwängt. Das zweite, in welchem die Schöpfung aufgeführt\nwird, ist auf den 25., das letzte, wie gesagt, auf den 30.\nJuni angesetzt. Auf der Theater-Bühne wird sie keinesfalls,\nwie wir trotz der umlaufenden Gerüchte mit Bestimmtheit\nversichern können, wieder auftreten. Auf die Nachricht von\nBarnum's Bankerott in New-York soll sie, wie hiesige Blät-\nter aus americanischen berichten, einen Brief an eine be-\nfreundete Dame in Philadelphia geschrieben haben, in wel-\nchem sie sich sehr theilnehmend und ehrenvoll für Barnum\nausspricht und ihre Absicht ausdrückt, ein Capitai zu seiner\nVerfügung zu stellen. Das Concert am 11. Juni dirigirte\nBenedict. Frau Goldschmidt sang eine Arie aus Gluck's\nArmida und im Contrast dazu aus Bellini's\nNachtwandlerin, ein paar schwedische Lieder, ein Duett\naus Semiramis mit Frau Viardot, die Soli in aer Morgen-\nhymne aus der „Vestalin mit eben derselben, ein Duett von\nRossini mit Belletti! So viel gibt sie in Deutschland an\nEinem Abende freilich nicht zum Besten; aber Pfunde und\nThaler sind auch verschiedene Grössen. Ausserdem spielte\nihr Mann das Concertstück von C. M. von Weber und die\nPhantasie mit Chor von Beethoven, M. Ganz seine Phan-\ntasie über Don Juan für Violoncell und ein Duo COYICG) TAUT\nfür Violine und Cello mit seinem Bruder. Im Ganzen sechs-\nzehn Nummern. Tagskosten und Honorar mögen an 2000\nThlr. betragen haben, die Einnahme über 10,000 Thlr.\n—Am vortrefflichsten war Jenny Lind in dem Finale aus\nder Nachtwandlerin; da konnte man wirklich sagen: „So\netwas kommt nicht wieder!\" Eben so schlugen die schwe-\ndischen Lieder, wie immer, durch. Dagegen liess die Gluck'-\nsche Arie beinahe kalt, und das Duett aus Semiramis würde\nRossini schwerlich als das seinige anerkannt haben, so will-\nkürlich und geradezu unwürdig verfuhren beide grosse\nSängerinnen damit.\nDie Concerte der Musik-Vereine gehen ihren Gang.\nDie Philharmonie Society brachte in ihrem dritten eine Sin-\nfonie von Haydn und Nr. V. in C-moll von Beethoven; in\nder letzteren war Sterndale Bennett so kühn, die bekann-\nten zwei Tacte im Scherzo zum ersten Male hier zu Lande\nwegzulassen. Jenny Ney sang Beethoven's mit\nKraft und Glanz, Herr Cooper spielte Spohr's Gesangscene\nvortrefflich, und die Gebrüder Doppler amusirten durch\neine Ungariade für zwei Flöten und Violine. lm vierten\nConcerte hörten wir Spohr's Sinfonie in und Mo-\nzart's in C mit der Fuge; ausserdem noch Mendelssohn's\nSommernachtstraum- und Beethoven's Fidelio-Ouverture\ndas ist doch neben fünf Solo-Nummern etwas zu viel. Unter\nden letzteren zeichneten sich der Gesang von Clara Novello\naus und Goldschmidt's Vortrag des G-dur-Concerts von\nBeethoven. Ein altes Violoncell-Concert von Haydn, das\nPiatti spielte, hätte er immerhin in der Antiquar-Bude lie-\n-1 gen lassen können, wo er es entdeckt haben will."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.4", "texte": "Das dritte Concert der New Philharmonie Society lei-\ntete Dr. Wylde. Die Ausführung der Sinfonie Nr. VII. in\nA-dur von Beethoven machte ihm alle Ehre. Frau Schu-\nmann spielte ein Pianoforte-Concert in A-moll von Rob.\nSchumann. Der Vortrag war voll Feuer und bewunderns-\nwerth, und einstimmiger Beifall belohnte die geniale Frau\nfür die Anstrengungen, welche sie (wie ein hiesiges Blatt\nsagt) machte, um die curiosen Rhapsodieen ihres Gatten\neinem londoner Publicum als Musik darzustellen. Eine\nDeutsche, Fräul. Krall, sang eine Arie von Gluck und\nWeber's Cavatine aus dem Freischütz mit vielem und ver-\ndientem Beifall.— Das vierte Concert dirigirte Benedict.\nMozart's Sinfonie in Es wurde ganz vorzüglich ausgeführt,\nehen so Beethoven's grosse Leonoren-Ouverture. Herr\nGoldschmidt spielte ein Clavier-Concert in von sei-\nner Composition; es besteht nur aus zwei Sätzen, Andante\nund Allegro,die mit Geschick und nicht ohne hübsche Er-\nfindung geschrieben sind und geschmackvoll und glänzend\nvorgetragen wurden. Herr Goldschmidt wurde gerufen.\nHerr von der Osten sang eine Arie aus Giuck's Iphi-\ngenie auf Tauris und die Romanze aus Euryanthe, Fräul.\nBauer (beiläufig gesagt, die dritte Sängerin mit dem Vor-\nnamen Jenny) Arien aus Figaro und Robert. Herr von der\nOsten hat eine hübsche Tenorstimme, allein im Vortrage\nwill er, wie es scheint, zu sehr vortragen und wird da-\ndurch mehr oder weniger geziert.\nIjeber die Concerte im Krystallpalaste und in den an-\nderen musicalischen Vereinen, so wie über Privat-Concerte\nu. s. w. berichte ich Ihnen nächstens.\n\nC. A.\n\nBeurtheilungen.\nLieder und Gesänge für eine Singstimme mit Be-\ngleitung des Pianoforte.\nKarl Löwe. Der letzte Ritter von A. Grün. Max in\nAugsburg. Max und Dürer. Abschied. Fünf Balla-\nden. Op. 124. Wien, Mechetti.\nEx ungue leonem!Auch ohne den Namen des genia-\nlen Componistea auf dem Titel gelesen zu haben, würde\nman den geistreichen, unübertroffenen Balladen-Compo-\nnisten erkannt haben. Es ist eine wahre Herzens-Erquickung,\nwieder einmal solch ursprünglicher, frischer, dabei geistrei-\ncher und origineller Musik zu begegnen. Am meisten be-\nwundern wir den greisen Componisten um des unerschöpf-\nlich sprudelnden Quells seiner Melodieen willen, die uns\nnoch eben so zauberisch umstricken, wie zu den Zeiten, da\ner „Des Goldschmieds Töchterlein\", „Herr Oluf\" u. A.\nschrieb. Eine Kritik ist nicht vonnöthen, wo die ganze mu-\nsicalische Welt in ihrem Urlheile über den Meister so einig\nist, und wo es nur gilt, zu sagen: „Er ist der Alte noch.\"\nWill man unsere subjective Meinung noch hören, so lügen\nwir hinzu, dass wir den ersten beiden Balladen den Vor-\nzug geben.\nC. G. Reissiger. Sechs Lieder lür eine Alt- oder\nBass-Stimme. Op. 203. Offenbach. Andre. Preis\n1 FI. 12 Kr.\nAuch diese Lieder, brauchen Seitens der Kritik nur\nerwähnt zu werden; denn ein Jeder kennt die Art Reissi-\nger's und weiss, dass ein alter, gewandter Prakticus wie\ndieser mit seinem zweihundert und dritten Werke seine\nW eise nicht mehr ändert. So sind denn auch diese Lieder,\nwie seine früheren, durch die er sich in weiten Kreisen so\nviele Freunde erworben hat, sehr sangbar, leicht zu accom-\npagniren, von gelällig melodischem, meist sentimentalem\nAusdrucke, doch ohne eigentliche Gefühlstiefe und nicht\neben sehr gewählt in melodischer wie harmonischer Bezie-\nhung. Wie unbekümmert der Componist schreibt, was ihm\neben bequem und gewohnt zu schreiben, davon gibt unter\nAnderem das Factum Zeugniss, dass der Componist in\nEinem Hefte den ohnedies so sehr verbrauchten, italiäni-\nsirenden Schluss von der Terz auf die Tonica herab in fol-\ngender Weise:\ndrei Mal benutzt. Die einzelnen Lieder: „Des Müden\nAbendlied % „Nun die Schatten dunkeln\" und „Hoffnung\"\nvon Geibel, »Ob du mir nah, ob fern\" und „Johanna\"\nvon Sternau, „Antwort\" von Platen sind lür sich ä 18\nKr. zu haben.\nAug. Schäffer. Drei Lieder. Op. 46. Breslau,\nLeuckart. Preis 20 Sgr.\nAuch Herr Schäffer scheint seinen Lieblingsschluss zu\nhaben. Im ersten Liede kommt dieser Ganzschluss:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.5", "texte": "und zwar gleich zwei Mal vor. Da jedes Lied drei Stro-\nphen hat, so hört man also diesen Schluss oft genug. Cha-\nrakteristisch für die Art von Componirerei dieses Herrn ist\ndie bei beiden ganz gleich ausfallende Nuancirung. Eine\nwahrhafte Caricatur ist der Schluss des dritten Liedes.\nNachdem es im Gedichte hiess:\nUnd mit dem ersten Strahle\nGeht's fort zur blut'gen Schlacht,\nDer Trompeter hoch zu Rosse\nStürmt hin in Todesnachl;\nGetroffen von der Kugel,\nFällt er auf grünem Rain\ncomponirt Herr Schäffer die Schluss-Strophen folgender\nMaassen:\ner bl'as't zum letzten Male: Leb' wohl und gedenke mein!\nWir versichern dem Componisten doch halt! wir wol-\nlen uns nicht ereifern. Es mag wohl ein Publicum geben,\ndas auch nach solchen Liedern Verlangen trägt, und so\nwollen wir ihnen denn ihr kurzes Leben gönnen; nach\nwenigen Jahren weiss ja ohnehin Niemand mehr von ihrer\nExistenz.\nConstantin Decker. Fünf Lieder. Op. 34. Preis\n15 Sgr. Magdeburg, Heinrichshofen.\nDie Texte von Geibel, Prutz, Rückert, Bechstein sind\nhübsch gewählt, die Compositionen sinnig und von einfa-\nchem, ungeschminktem Ausdrucke, wenn auch nicht von\nabsonderlicher Tiefe. Leider findet sich auch mancher Ge-\nmeinplatz, den der geschätzte Componist wohl hätte ver-\nmeiden können. Mit der Composition des Rückert'schen\n„Liebst du um Schönheit\" können wir uns nicht einver-\nstanden erklären. Im Ganzen ist uns der Componist in sei-\nnen Piano-Compositionen lieber.\nWilh. Tschirch. Fünf Lieder lür Sopran oder Te-\nnor. Op. 32. Berlin, Schlesinger. Preis 3A Thlr.\nDie Auffassung des ersten Liedes: „ Horch! es tönen\nleise Klänge lieblich durch die stille Nacht\", im\nassai, %-Tact, ist gewiss überraschend, und können wir\nuns, namentlich da die Melodie etwas Tanzarliges hat, nicht\nmit ihr befreunden. Die Lieder verrathen übrigens durch-\nweg den routinirten Musiker, der stets einen gewissen,\nmindestens äusseren Effect zu erreichen weiss. Die Lieder\nstehen, was die Erfassung der Stimmung des Textes und\nwas die musicalische Wiedergabe anlangt, ungefähr mit\nReissiger'schen, mit den besseren (d. h. mit den ersten) Lie-\ndern von Kücken und ähnlichen auf gleicher Stufe. Men-\ndelssohn'scher oder gar Schubert'scher Einfluss ist an ihnen\nnicht bemerkbar.\nRobert Radecke. Fünf Lieder lür Sopran oder\nTenor. Op. 9. Magdeburg, Heinrichshofen. Preis\n15 Sgr.\nDie Lieder geben Zeugniss von dem edelsten Streben,\nverrathen tiefe Empfindung und einen fein gebildeten Ge-\nschmack, der den Componisten vor jedem Gemeinplatze\nbewahrt. In manchen Liedern hat er sich aber etwas\nzu sehr der Vorliebe für harmonischen Reichthum und in-\nteressante Modulation hingegeben und alsdann die Herr-\nschaft der Melodie, welche beim Liede doch stets die Haupt-\nsache sein sollte, beeinträchtigt. Am schönsten finden wir\nNr. 3, 4 und 5, welche auch dieser Vorwurf am wenig-\nsten trifft und welche zu den hübschesten Liedern gehören,\ndie wir in neuerer Zeit von den jüngeren Lieder-Compo-\nnisten kennen lernten. Schliesslich machen wir noch auf ein\n«fr\nseltsames Zusammentreffen mit einem anderen jüngeren\nComponisten aufmerksam, weil es um so eigentümlicher,\nda der fragliche Satz eben kein ganz gewöhnlicher, und weil\nder Componist dieser Lieder möglicher Weise mit dem in\nRede stehenden Werke gar nicht bekannt ist. Wir erin-\nnern uns nämlich aus einem vor mehreren Jahren in diesen\nBlättern kritisirten Streich-Quartette von Reinecke, Op. 30\n(Rheinische Musik-Zeitung, Jahrg. 111., Nr. II), eines The-\nma's, welches in harmonischer wie melodischer Beziehung\ngar seltsam mit einer Stelle aus dem zweiten dieser Lieder\nübereinstimmt, und theilen der Curiosität halber die beiden\nStellen nachstehend mit:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560621-01.1.6", "texte": "J. Hoven. Sechs Gedichte von Chamisso. Op. 47.\nHeft 2. Wien, Mechetti. 25 Ngr.\nDer Verfasser hat sich bereits einen Ruf als glücklicher\nComponist uncomponirbarer Lieder erworben, und hat\nauch wieder in diesem Hefte, namentlich in der zweiten\nNummer, „ Minnedienst % das Mögliche in dieser Art ge-\nleistet. Die Lieder verlangen übrigens einen Sänger, der\nden richtigen Ton des Humors zu treffen weiss, ohne zu\noutriren, und zugleich einen Hörerkreis, der musicalischen\nHumor zu würdigen versteht.\nJos. Dessauer. Gesänge. Op. 60. Heft 1 und 2.\nDer Haupt-Charakterzug dieses Componisten oder we-\nnigstens dieser Lieder ist eine gewisse graziöse Coquetterie,\nund wenn sich diese auch nicht wohl mit allen Gedichten\nverträgt, so kann man doch dem Componisten darob nicht\neigentlich gram werden, da er doch nie geradezu frivol\nwird und sich immer nobel und geschmackvoll erhält. Am\nmeisten leidet natürlich durch den Hang nach pikanten nnd\ncoquetten Rhythmen die Declamation, mit der es der Com-\nponist überhaupt so sehr genau nicht nimmt, und man\nstösst daher auf Stellen wie folgende, die sich ein gründ-\nlicher deutscher Componist freilich nicht gern verzeiht.\nDia Lieder sind jedoch als Salonlieder sehr zu empfehlen\nund werden sich als solche dem Sänger dankbar erweisen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIn Berlin wurde bei Anwesenheit der russischen Kaiserin als\nFest-Oper Meyerbeer's „Ein Feldlager in Schlesien\" gegeben.\nMit dem „Nordstern\", in welchen bekanntlich sieben oder neun\nNummern aus dem „Feldlager\" übergegangen sind, ist in Berlin\nnatürlich nichts zu machen. Indess bedauerte man doch, dass die\nanwesenden hohen Herrschaften und Gefolge die neue „russische\nheilige Hymne\" im Nordstern, nämlich den Dessauer Marsch, nicht\nhören konnten!\n*\nDer frühere Thcater-Director in Riga und Köln, Herr Ferdi-\nnand Röder, gibt in Berlin einen „Theater-Moniteur44\nheraus, dessen bis jetzt erschienene Nummern das Blatt vorthcil-\nhaft charakterisiren. Ein Theatergeschäfts-Burcau ist damit ver-\nbunden.\nMainz« Julius Schulhoff, von Paris kommend, weilte\neinige Tage hier und erfreute seine Freunde um so mehr durch\ndiesen Besuch, als er sich ihnen nicht nur in bester Gesundheit\nvorstellen konnte, sondern auch durch den Vortrag einiger neuen\nCompositionen wiederholt bekundete, dass er als Künstler den er-\nsten Platz einnimmt. [Er ist jetzt in Wien.] (S.-D. M.-Z.)\nRossini ist vor Kurzem in Baden-Baden gewesen. Er ist\nvon da nach Wildbad gegangen, um dort die Cur zu gebrauchen.\nStrassl>urg\\ Die herrlichste Witterung begünstigte den ersten\nTag des grossen Sängerfestes (8. Juni). Um 1 Uhr Mittags hatten\nsich die verschiedenen Gesang-Gesellschaften auf dem Austerlitz-\nPlatze vereinigt, und der Zug setzte sich nach dem Stadthause in\nBewegung. Die Strassen, durch welche derselbe kam, waren von\nTausenden von Zuschauern überfüllt. Bis in die obersten Giebel\nder Häuser bemerkte man Neugierige. Der Zug hielt vor defn Stadt-\nhause. Nach einer Anrede des den abwesenden Maire vertretenden\nAdjuncten ward ein von dem Volksdichter Daniel Hirtz in strass-\nburger Mundart verfasster Sängergruss abgesungen. Der Ehrenwein\nward vertheilt und Mozart's Chor „Die Eintracht'4 vorgetragen. Ge-\ngen 3 Uhr erschienen die Vereine in dem Coneertsaale, der Tau&endc\nvon Zuhörern aufgenommen hatte. Sämmtliche Chöre und Gesänge,\ndie ausgeführt wurden, zeugten von der Tüchtigkeit der Sänger.\nHerrn Liebe müssen wir als einen in jeder Beziehung tüchtigen\nDirigenten des Künstlerfestes bezeichnen. Erst nach 6 Uhr Abends\nwar das Concert beendet. Am zweiten Tage des Festes wurden\nHaydn's „Jahreszeilen\" aufgeführt.\nH. Marschner ist nach Wricn gereis't und wird dort seinen\n„Goldschmied von Ulm44 auf die Bühne bringen.\nDer Violinist Otto von Königslöw bercis't gegenwärtig den\nösterreichischen Kaiserstaat. In Laib ach hat er bereits im Mai\ndrei sehr besuchte Concerte mit grösstem Beifalle gegeben.\nDer Bericht über das Musikfest in Magdeburg geht uns\nbeim Schlüsse des Blattes zu und wird in Nr. 26 erscheinen.\nDie Redact."}]}