{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-08-16-01", "volume": "bmtnabi_1856-08-16_01", "ocr_sha256": "ac61cdf1f08a5dea3fa8d89cf2bb7802ff2d9c51bcbfd0ce4d911657a40fbb3c", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/08/16_01/bmtnabi_1856-08-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-08-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-08-16_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-08-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "261", "page_fin": "261", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 427, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe. Von B. P. 111. (Bouffes Parisiens und Jak. Offenbach dessen Preis-Ausscbreiben für eine Operette\nConcerte des Conservatoire Vereine für Kammermusik Ernst Lübeck Brousil Gernsheim). Aus Elberfeld (van Eyken's\nOrgel-Concerte). Handels Denkmal in Halle. Tages- und Un ter h alt un gs bla 11 (Köln Ems Baden-Baden—Würzburg\nWien Pesth (Liszt) Brüssel Wettstreit für Sologesang in Löwen Liverpool J. 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Ernst Lübeck— Familie Brousil\nFritz Gernsheim.]\nIch habe bis jetzt in meinen Briefen die Bouffes Pari-\nsiens noch kaum erwähnt; sie haben jedoch eine gewisse\nBedeutung gewonnen, die hiesigen musicaüschen Zeitungen\nund die Feuilletons der politischen widmen ihnen fast re-\ngelmässige Artikel, und die Unternehmung unseres geschick-\nten und talentvollen Landsmannes Offenbach aus Köln\nverdient mit Recht diese Aufmerksamkeit.\nDie Posse hat sicherlich auch ihre berechtigten An-\nsprüche an künstlerische Gestaltung, und wenn die komi-\nsche Oper sich nur erinnern wollte, dass sie aus jener her-\nvorgegangen ist, so würde sie nicht mit vornehmer Miene\nauf ihre Mutter, wie die Tochter eines Kaufmannes, die\neinen Grafen geheirathet hat, herabsehen. In ihrem Vater-\nlande Italien war die Posse in Verbindung mit Musik und\nTanz ein wesentliches Stück des Kunstlebens, und Dichter\nund Componisten verschmähten es nicht, sie im nationalen\nGeiste zu bearbeiten und (namentlich musicalisch) zu ver-\nedeln, wie das die lange und glänzende Reihe der Opera\nbuffa von Pergolese's Serva Padrona bis zu Rossini beweis't,\nder seine besten Melodieen nicht für zu gut hielt, um pos-\nsenhafte Scenen, wie im Turco in Italia, L'ltaliana in Al-\ngeri, ja, selbst im Barbiere und anderen damit zu schmücken.\nSeitdem aber der Italiäner nicht mehr lacht, sondern nur\nam Tragischen, Zerrissenen, Blutigen auf der Bühne seine\nFreude findet, fristen Arlequin und Colombine und ihre\nganze Sippschaft kaum auf Dorf-Jahrmärkten ein dürftiges\nLeben. Wie in Frankreich der Geist der komischen Oper\nentartet ist, habe ich schon oben (Art. I.) besprochen.\nEs war desshalb ein glücklicher Gedanke, dass Jakob\nOffenbach die Errichtung eines kleinen Theaters in den\nChamps Elysees projectirte, auf welchem die possenhafte\nKomik in steter Verbindung mit der Musik ihren Thron\naufschlagen und alle diejenigen Leute um sich versammeln\nsollte, welche sich noch nicht schämten, zu lachen und\nSpass zu verstehen. Der Erfolg zeigte sehr bald, dass es\ndergleichen noch eine ungeheure Menge in Paris gibt; denn\ndie Pforten des neuen Tempels des Komus wurden alle\nAbende förmlich belagert.\nMan muss diese Unternehmung ja nicht mit den so\ngenannten Sommer-Theatern, wie sie jetzt in Deutschland\nüberall auftauchen, verwechseln. Die ha-\nben mit dem Sommer nichts weiter gemein als die grünen\nAlleen der Champs Elysees, unter deren Schatten ihr rings\ngeschlossenes und mit Gas beleuchtetes allerliebstes Theater\nsteht. Bis zum Schauspiel unter freiem Himmel und bei\nSonnenlicht hat man es hier doch noch nicht gebracht, da-\nfür liebt man die Illusion zu sehr—und mit Recht. Uebri-\ngens hatte die Lage des Palastes der Ausstellung ursprüng-\nlich den Fingerzeig lür die Wahl des Platzes des neuen\nBufFo-Theaters gegeben. Im Winter spielte OfFenbach (seit\ndem 29. December 1855) in einem anderen, sehr hübsch\neingerichteten Theater im Passage Choiseul.\nZwei Dinge brachten den alle Erwartung übersteigen-\nden Erfolg hervor: der Ueberdruss des echten pariser Publi-\ncums an den tragisch-komischen Opern und die wirklichen\nTalente, welche Offenbach das Glück hatte, mit dem seini-\ngen für die Dichtung und die Aufführung zu verbinden. Die\nDichter Mery, Plouvier und Moineaux lieferten ihm die er-\nsten Sachen, Moineaux vor Allem"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5016, "texte": "eine possenhafte Scene zweier Blinden auf dem Pont neuf,\ndie aus Brodneid in Streit gerathen, in der Hitze des Wort-\nwechsels ihre Rollen vergessen und mit den klarsten Augen\neinander in die Haare fallen, aus Instinct aber bei je-\nder Erscheinung eines Vorühergehenden augenblicklich wie\nauf Commando wieder stockblind sind u. s. w. u. s. w.\nDiese Scene, durchweg auf die Erschütterung des Zwerch-\nfells berechnet und mit einer allerliebsten Musik von Offen-\nbach versehen, verschaffte den Bouffes sehr bald die Vogue\nund da immer und immer etwas Neues folgte und we-\nder der Witz der Dichter noch das musicalische Talent\nOffenbach's, der auch zugleich sein eigener Chef d'orchestre\nist, ermüdete, so nahm diese Vogue den Winter hindurch\nzu und hält sich auch jetzt wieder im Sommer auf der\ngleichen Höhe.\nDie Concession erlaubt dem neuen Theater nur drei\nPersonen zusammen auf die Scene zu bringen. Es besitzt\naber drei Tenöre und eine Sopranistin, welche alle vortreff-\nliche Schauspieler und gute Sänger sind. Offenbach soll\nsie alle in den Cafes chantants aufgetrieben haben; von dem\nbesten derselben, Darcier, ist das ganz sicher. Dieser ist\nein wahrer Künstler, auch im Gesänge. Pradeau und Ber-\nthier sind zwei ganz ausgezeichnete Komiker, und sie krä-\nhen nicht wie die gallischen Hähne in den Vaudeville-\nTheatern, sondern sie singen. Mademoiselles Masy und\nSchneider sind ebenfalls von grossem Talente. Am schwäch-\nsten ist das Ballet (auch nur drei Personen) besetzt, das\nüberhaupt nicht dahin gehört und auch immer mehr bei\nSeite gestellt wird, seitdem man sich überzeugt hat, dass\ndie Komödie besser zieht als der Tanz.\nSeit der Eröffnung hat dieses Theater mehr als ein\npaar Dutzend Neuigkeiten gebracht, monatlich zwei bis\ndrei, zuweilen auch von anderen Componisten als Offen-\nbach. Nach und neben den Avhaben\neine chinesische Farce, „Les Pantins de Violette\" mit Mu-\nsik von A. Adam, „ L'lmpresariou, nach Mozart's „Schau-\nspiel-Director\" mit Beibehaltung seiner Musik, „La Rose\nde Ste. Flour\"und ganz kürzlich 66\"—am meisten\ngefallen. Letztere Operette hat nicht das westfälische Kar-\ntenspiel Sechsundsechszig, sondern ein Lotterieloos dieser\nNummer zum Gegenstande, und die Katastrophe liegt in\nder Umkehrung, zwar nicht des Canons, noch der Wissen-\nschaft, aber der Zahl:— denn der Gewinn ist auf 99 ge-\nfallen.\nNeuerdings hat Offenbach einen Preis von 1200 Fr.\nund eine goldene Medaille von 300 Fr. Werth auf die\nbeste Composition einer einactigen Operette ausgeschrieben.\nEr hat dabei einen doppelten Zweck: erstens die Rückkehr\nzur alten, ursprünglichen und echten Gattung der komi-\nschen Oper anzubahnen, und zweitens jungen Talenten Ge-\nlegenheit zu geben, sich zu zeigen; denn nur solche Be-\nwerber werden zugelassen, von welchen noch keine Com-\nposition im Theater der grossen oder der komischen Oper\naufgelührt worden ist. Einige von den Concurs-Bedingun-\ngen scheinen mir auch lür Deutschland (Tonhalle, Mozart-\nVerein u. s. w.) der Beachtung Werth, da sie die saure\nMühe der Preisrichter gar sehr erleichtern. Hier sind sie:\nJeder Bewerber muss vor. dem 25. August einsen-\nden: 1) eine Melodie mit Chor und Clavier-Begleitung; 2)\neine Melodie mit Orchester; 3) einen Orchestersatz in Par-\ntitur. Danach werden sechs wirkliche Bewerber aus\nden Einsendern gewählt. Diesen wird vom 15. bis 20.\nSeptember eine Melodie vorgelegt, welche sie bei verschlos-\nsenen Thören instrumentiren müssen. Erst dann wird ihnen\ndas Libretto der Oper zur Preis-Composition übergeben.\nIn Bezug auf seinen ersten Zweck (die Bückkehr zur\nalten Einfachheit) musste Offenbach, den Verhältnissen der\njetzigen komischen Oper in Paris und Männern wie Meyer-\nbeer, Auber, Halevy u. s. w. gegenüber, mit Filzschuhen\nüber den Stiefeln auftreten. Was er aber in der Hauptsache\n(in der Einleitung zum Preis-Ausschreiben) sagt, gehört der\nKunstgeschichte an und stimmt so sehr mit den Ansichten,\ndie ich seit Jahren in meinen Briefen in der Niederrheini-\nschen Musik-Zeitung ausgesprochen habe, überein, dass\nich bei dem Interesse, welches die Sache für die Opern-\nComposition überhaupt hat, mich nicht enthalten kann, es\nhier mitzutheilen.\nNachdem er einige Blicke in die Geschichte der komi-\nschen Oper in Frankreich und in die Leistungen ihrer Ko-\nryphäen geworfen hat, sagt er: „Man kann den Gang der\nkomischen Oper seit ihrem Ursprung bis auf unsere Zeit\nleicht verfolgen. Anfangs ein kleiner Bach mit klarem\nWasser, frischem Ufer, dehnt er sich allmählich aus und\nist jetzt sogar ein Strom geworden, der in einem weiten\nBette gewaltige Wogen dahin wälzt.\n„Wenn das ein Fortschritt sein soll, so ist es doch\nwahrlich kein Fortschritt in der Gattung, welche von der\nfranzösischen Bühne so gut wie verschwunden ist. Der\nGrund liegt in den Textbüchern; anstatt munter, lebhaft,\nanmuthig zu sein, haben sie sich in Opern-Gedichte ver-\nwandelt, ihre Farbe verdunkelt, ihren Rahmen übermässig\nausgedehnt u. s. w.\n„Freilieh werden Dichter und Theater-Directoren durch\nden Geschmack des Publicums mit fortgerissen, und wenn"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4899, "texte": "eine Partitur wie der Stern des Nordens eine vollständige\ngrosse Oper nahe an 200 Vorstellungen erlebt und in\neinigen Monaten die Gesammt-Einnahme, welche die Weisse\nDame in dreissig Jahren eingebracht hat, übersteigt, so\nrauss freilich ein Director mit dem Strome schwimmen. Die\nMenge will das Imposante, das Pomphafte; und so hat die\nkomische Oper Formen und Proportionen angenommen,\nwelche die Gattung und ihren Charakter ganz und gar un-\nkenntlich machen.\nDDie Bouffes Parisienswollen den Versuch machen,\ndie ursprüngliche und echte Gattung wieder herzustellen,\nund sie glauben, trotz der engen und bescheidenen Sphäre,\nin welcher sie bleiben werden, dennoch auch der wahren\nKunst einen Dienst leisten zu können. Dieses kleine Thea-\nter hat in der unerschöpflichen Ader der französischen Hei-\nterkeit und in dem Streben nach jener musicalischen Ein-\nfachheit und Charakteristik, in welcher Cimarosa und die\nersten Meister Italiens Muster sind, die Quellen seines Er-\nfolgs gefunden. Und dabei will es auch bleiben, verhehlt\nsich aber keineswegs, dass gerade der enge Rahmen und\ndie Kürze der Stücke die Aufgabe keineswegs erleichtern,\nsondern erschweren.\n„Denn in einer Oper, die kaum drei Viertelstunden\ndauert, die nur drei, höchstens vier Personen auf die Scene\nbringen darf, deren Orchester höchstens 30 Musiker zählt,\nmuss man musicalische Ideen haben und mit dem baaren\nGelde der Melodie die Zuhörer befriedigen. Mit Lärm und\nerborgtem Glänze ist da nichts zu machen, und, wohl\nzu merken: mit einem kleinen Orchester ist es sehr schwer\noder vielmehr unmöglich, die Mängel des harmonischen\nWissens und die Fehler zu vertuschen, welche ein Orchester\nvon achtzig Mann verdeckt.\"\nGehen wir nun zu der Conc ert-und Kammer-\nmusik über, so ist darüber fast nur zu wiederholen, was\nschon oft gesagt ist. Die letztere überflügelt die erstere,\nbeide aber halten an der einmal feststehenden Form fest,\nderen charakteristischer Zug trotz aller guten Compo-\nsitionen, die man hört doch fast immer ein gewisser\nSalon-Tvpus bleibt, wobei mehr das Amüsement als die\nErbauung durch die Musik, mehr die Ausführung als die\nComposition berücksichtigt wird. Daher denn die oft ganz\ngewissenlose Zerstückelung von Musikstücken, wovon\nselbst die Programme der Concert-Gesellschaft des Con-\nservatoire nicht frei sind, wie sie denn überhaupt die Auf-\nmerksamkeit ihres Publicums für die Sinfonie durch einge-\nstreute Leckerbissen von Solo's erkaufen müssen. Dass\ndiese letzteren jetzt häufiger als früher aus der älteren Mu-\nsik (Lulli, Rameau, Gluck, Martini u. s. w.) genommen\nwerden, ist nichts als Sache der Mode.\nDie Conservatoire-Gesellschaft hat vom 13. Januar\nbis 13. April acht Concerte und in der Osterwoche zwei\nConcerls spirkuels gegeben. Von Sinfonieen kamen vor:\nBeethoven in D, Haydn in C Mozart in D\nBeethoven Nr. 9 mit Chören Haydn in Beet ho-\nven's Musik zu Egmont Beethoven Nr. Bin\nBeethoven's Pastorale, Mendelssohn's Musik zum\nSommernachtstraum Beethoven Nr. 4in und Frag-\nmente aus Prometheus Haydn in Gr, Beethoven's\nPastorale. In den Concerts sp 1. Beethoven in\nC-moll;2. Beethoven in A\nVon grösseren Gesangstücken für Chor und Orchester\nkamen vor: Weber, Finale des I. Actes von Oberon —-\nBeethoven, zweites Finale aus Fidelio (unvollständig)-\nMendelssohn, Psalm 42—Mendelssohn, Lorelei\nMarcello,- Psalm—Spontini, Finale des 11. Actes der\nVestalin Rossini, Stabat Mater Mozart, Ave verum\nMendelssohn, zweichöriger Psalm Beethoven,\nSchlusschor aus Christus am Oelberge.\nDie bekannten Kunststücke des Vortrages einzelner Sätze\naus dem Septett von Beethoven und zweier Quartette von\nHaydn durch sämmtliche Geiger fehlten natürlich nicht, eben\nso wenig wie die Wiederholung einiger kleinen Chöre von\nRameau,Lesueuru. s.w. Ouvertüren wurden gespielt\nvon Beethoven Op. 115, Rossini Teil, Beethoven Egmont,\nMozart Zauberflöte, Gluck Iphigenie, Mendelssohn Sommer-\nnachtstraum, Weber Oberon. Als alleiniger Instrumental-\nSolist trat Bottesini (im VII. Concerte) mit einer Phantasie\nauf, in welcher er die zarte Amine die gefahrvolle Schlaf-\nwandlung über die Saiten des Contrabasses zum freudigen\nErstaunen des Publicums, ohne den Hals zu brechen, aus-\nführen liess. Die Umgebungen der Tochter Bellini's waren\nBeethoven, Mozart, Rameau und Spontini! Bottesini spielt\nübrigens auf einem nur dreisaitigen Contrabass.\nVon den Concerten der Ste. Cecile habe ich diesen\nWinter nichts vernommen. Der Verein\nsetzte seine öffentlichen Versammlungen (drei oder vier) mit\nEifer fort. Das ist alles, was die grosse Concertmusik in\nder kaiserlichen Residenz aufzuweisen hat.\nWenn es bei den Zuhörern der Kammermusik al-\nlerdings auch Vexecution ä tout prix! Heisst, so bemerkt\nman doch, dass sich selbst die Säle derjenigen Vereine,\nwelche nur Classisches und Hochclassisches und sogar als\nGanzes, nicht in Stücke zerhackt, bringen (was freilich im-\nmer noch selten ist), sich mehr lullen, als in den letzten"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4773, "texte": "Jahren. Dabei ist freilich auch die Mode mit im Spiel, aber\nes ist eine gute Mode. Es scheint, dass der brutale Or-\nchesterlärm in den Theatern die Leute, die noch Sinn für\ndie Tonkunst haben, in die Quartett-Vereine treibt, wo sie\ndoch wenigstens sicher sind, Musik zu hören. So hat\nParis denn in dieser Saison an sechs bis acht Quartett-Cirkel\ngehabt, die mehr odpr weniger sich auf Specialitäten legten,\nd. h. vorherrschend nur Compositionen eines bestimmten\nMeisters vortrugen, aber alle zahlreich besucht waren.\nDer älteste Verein von Alard, F ranchomme, Ney\nund Blanc spielt die classischen Trio's, Quartette und\nQuintette von Haydn, Mozart und Beethoven (der ersten\nPeriode).\nDer Verein Maurin, Sabatier, Mas und Chevil-\nlard hat sich die Werke der zweiten und letzten Periode\nBeethoven's zum Vorwurf der sorglältigsten Ausführung\ngewählt.\nDie Herren Gouffe, Guerreau, Blanc, Ney,\nRignault undLebouc waren Anfangs ausschliessliche\nDolmetscher der Kammermusik von Onslow, haben aber\njetzt auch besonders Compositionen der Neueren in ihren\nKreis gezogen.\nEinen vierten Verein bilden Armingaud, Jacquard,\nLalo und Lapret; der Componist, dessen Werke sie\nvorzugsweise vorführen, ist Felix Mendelssohn.\nDer Pianist Krüger versucht mit dem Violinisten\nHammer (aus Elberfeld) und dem Violoncellisten Rignault\nRob. Schumann's Trio's einzubürgern-\nFerner führt Charles Dancla in seinem Quartett-\nCirkel besonders seine eigenen und anderer Zeitgenossen\nCompositionen auf, während die Herren Paulin (Sänger)\nund Lebouc (Violoncellist) Soireen geben, in denen nur\nder älteren Musik (musique rin Instrumental-\nund Vocal-Vorträgen gehuldigt wird.— In dem Cirkel der\nMad. Tardieu hört man ebenfalls nur classische, bis auf\nJ. S. Bach zurückgreifende Ciaviermusik.\nMan muss gestehen, dass das Aufkommen und Gedeihen\nso vieler und durchaus tüchtiger Vereine für die reinste\nund edelste Gattung der Musik dem Boden, auf welchem\nsie wachsen, ein sehr günstiges Zeugniss gibt. Das Quar-\ntett Alard behauptet immer noch seinen Rang; das von\nMaurin kommt ihm nahe, übertrifft es vielleicht hier und\nda an Zusammenspiel, namentlich wenn man die grösseren\nSchwierigkeiten der letzten Beethoven'schen Quartette in\nAnschlag bringt allein in Bezug auf die Auffassung sind\ndiejenigen Stimmen aus Deutschland, welche diese nicht\ngrossartig genug finden, wohl meistens im Recht. In einer\nder Sitzungen Maurin's erregte der junge Theodor Rit-\nter durch den Vortrag von Beethoven's Sonate Op. 111\neinen Enthusiasmus, der sowohl dem Publicum als dem\nsechszehnjährigen Künstler zu grosser Ehre gereicht; die\nLeistung war in der That vorzüglich.\nArmingaud hat das Verdienst, die Pariser mit Men-\ndelssohn's Quartetten, Trio's u. s. w. bekannt gemacht zu\nhaben, von denen sie noch wenig wussten. Die Piano-Partie\nführte Ernst Lübeck mit Glanz aus, wie er denn über-\nhaupt unter den Hunderten von Pianisten in Paris dennoch\nals ein wahrer Heros in der Bewältigung des Instrumentes\nanerkannt wird. Das Streich-Quartett Armingaud's ist recht\ngut, aber er nimmt alle Tempi viel zu schnell, namentlich\nin den feinen Scherzi, was die Wirkung gar sehr beein-\nträchtigt.\nDas Unternehmen von Paulin und Lebouc ist recht\neigentlich ein Unternehmen, d. h. es ist dabei hauptsächlich\nauf die Einnahme und auf die Anziehungskraft der Ab-\nwechselung und der Mode gerechnet. Dass diese Mode die\nältere Musik trifft, habe ich schon gesagt. Uebrigens fehl-\nten auch Mozart und Beethoven, selbst Onslow hier nicht.\nDie erste Violine spielte Ernst, das Pianoforte Fräulein\nLouise Matt mann; als Sängerinnen hörte man die Da-\nmen Gaveaux-Sabatier und Viardot. Die Programme\nenthielten stets eine grosse Anzahl von Nummern, daher\ndie Bruchstück-Mosaik hier recht zu Hause war; allein der\nSaal von Pleyel fasste kaum die Menge der Zuhörer. Man\nliebt die Kürze und den Wechsel. Nun, für den letzteren\nwurde auch gehörig gesorgt, z.8.: Concert in D von Bach\n(Allegro), Quartett von Beethoven Nr. 10, Arie des Admet\nvon Gluck, Terzette von Rameau, Lulli, d'Aleyrac, Andante\nund Variationen aus der Sonate Op. 47 von Beethoven\n(Mattmann und Ernst), Finale des Quintetts Nr. 9 von\nOnslow, Arie aus Rinaldo von Händel und ein Miserere von\nihm, Arie aus Armide von Gluck, spanische Lieder (Mad.\nViardot). Bunt genug für eine\net historique\", wie der Zettel besagt. In den folgenden sang\ndie Viardot auch eine Arie von Graun (aus Britannicus) mit\nellenlangen Coloraturzöpfen; einen Sturm von Beifall rief\nsie durch den genialen Vortrag der Arie des Lucifer aus\nHändel's R isurrezionehervor.\nDu siehst, dass die historische Musik, die Musik der\nVergangenheit, hier florirt; über die Musik der Zukunft\naber denkt man wie Voltaire über J. B. Rousseau's\nla posterite: „Mon ami! voilä une lettre qui ne sera ja-\nmais regue ä son adresse/\""}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3317, "texte": "Unter der Masse von Tonkünsllern, welche Einzel-\nConcerte oder Matineen gaben, sind als eigentliche Hexen-\nmeister Bottesini und Vivier auszuzeichnen; bei letz-\nterem war das italiänische Theater einmal wieder ganz voll\n(Ende Mai), und er entzückte die lühlenden Herzen durch\nseinen Gesang auf dem Waldhorn in Schubert's „Lob der\nThränen\" und ähnlichen Melodieen, und machte die Menge\nrasend durch seine zwei-, drei- und vierstimmigen Fanfa-\nren, ein allerdings fast unbegreifliches Künststück, welches\ner wiederholen musste.\nUnter den Pianisten erregte Ernst Lübeck grosses\nAufsehen, und das will hier viel sagen. Er war die ganze\nSaison hindurch der Löwe des Pianoforte und ärntete noch\nam 12. Juni im italiänischen Theater, bei 36 Grad Hitze,\ndurch den Vortrag von Weber's Concertstück stürmischen\nBeifall. In seinem eigenen Concerte (im März) spielte er\nu. A. die Phantasie von Liszt über Motive aus „Robert\nder Teufel\", und mit Recht behauptete die Kritik in der\nGaz. et Rev. Musicale, dass nur der Componist selbst und\nE. Lübeck im Stande wären, die wahrhaft „teuflischen\"\nSchwierigkeiten so zu bewältigen, dass die in einander ver-\nschlungenen Haupt-Motive klar und versländlich hervorträ-\nten. Auch wenn man die wunderbare Technik von Liszt,\nThalberg und Schulhoff gehört habe, erstaune man dennoch\nüber die Bravour Lübeck's. In seinen eigenen Compositio-\nnen, von denen besonders ein und\ndu Perou gefielen, zeigt sich ein nicht gewöhnliches Talent\nund viel Geschmack und Gewandtheit in Behandlung des\nInstrumentes. Ernst Lübeck ist bereits vor einiger Zeit von\ndem Könige von Holland zum Hof-Pianisten ernannt wor-\nden; er ist der älteste Sohn des königlichen Capellmeisters\nund Directors der Musikschule im Haag, Herrn Heinrich\nLübeck. [Von seinen Kunstreisen durch das südliche Ame-\nrica und die westindischen Inseln ist in der Niederrheini-\nschen Musik-Zeitung schon früher die Rede gewesen.]\nAus Deutschland war das ganze Nachtigallennest der\nFamilie Brousil aus Prag hier. Die interessanten Kinder\ngerade ein halbes Dutzend voll, drei Mädchen von 6\nbis 1 7 Jahren und drei Knaben von 7 bis 1 1 Jahren\nhaben im April zwei Concerte gegeben und viel Beifall ge-\nfunden; sie haben ausserdem in vielen Soireen und, wenn\nich nicht irre, auch an dem kaiserlichen Hofe gespielt. Am\ntalentvollsten sind die Violinisten, Bertha (14 Jahre) und\nAloys (7 Jahre alt).—Auch Fritz G ern s h e i m, 15 Jahre\nalt [?], hat am 9. Mai ein Concert mit vollem Orchester\ngegeben; er spielte das G-mollvon Mendelssohn\nmit grosser Fertigkeit, jedoch ohne tiefere Auflassung und\nmit Unruhe; einige Schumann'sche und Mendelssohn'sche\nkleinere Ciavierstücke gelangen besser. Er dirigirte auch\neine Ouvertüre über Partant p und einen „wa-\nlachischen Marsch\" (mit lünf oder sechs Flöten) von seiner\nComposition. Er war der Aristokratie der Vorstadt St.\nGermain gut empfohlen und wurde überhaupt sehr prote-\ngirt. Er ist nicht ohne Talent; allein von seiner wirklich\nkünstlerischen Entwicklung erwarte ich wenig, wenn ich\ndas, was er jetzt ist, mit dem vergleiche, was er vor zwei\nbis drei Jahren war, wo ich ihn am Rheine gehört habe.\nHerr Th. Parmentier mag es verantworten, wenn er in der\nGaz. Mus.vom 10. Februar weissagt: „Sein Name wird\nbald als ein Diamant mehr in dem reichen musicalischen\nSchrein Deutschlands glänzen!\"\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-08-16-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-08-16_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-08-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "265", "page_fin": "266", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.2.3", "titre_corps": "Aus Elberfeld.", "titre_sommaire": "Aus Elberfeld.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.5", "debut_caractere": 3319, "fin_caractere_exclue": 5020, "texte": "Aus Elberfeld.\nIhr geehrter Berichterstatter, der Ihnen unlängst über\ndie Aufführungen der hiesigen Liedertafel referirte, hatte\nwohl Recht, wenn er sich darüber beklagte, dass die Welt\nvon unseren musicalischen Zuständen so wenig zu hören\nbekäme; er hatte um so mehr Recht, als unsere Concert-\nAufführungen wohl einen sehr begründeten Anspruch auf\nöffentliche Anerkennung haben. Doch es wäre wohl etwas\nallzu sehr post festum,wollte ich Ihnen heute noch einige\nMittheilungen über die Concerte der letzten Saison zugehen\nlassen, die unter der tüchtigen Leitung unseres wackeren\nSchornstein von Statten gingen, und leider ist uns auch\ndie Hoffnung genommen, Ihnen über ein anderes grosses\nund schönes Unternehmen berichten zu können, das hier\nschon seit geraumer Zeit vorbereitet wurde. Ich meine die\nAufführung der Matthäus-Passion von Bach, die nun plötz-\nlich auf unerwartete Hindernisse gestossen ist, welche sie\nvorläufig unmöglich machen. Wir hatten alle Ursache, eine\nausgezeichnete Leistung erwarten zu dürfen. Unser vortreff-\nlicher Chor hatte sich mit einem Eifer dem Studium dieses\nMeisterwerkes hingegeben, wie er zur schönen Sommerzeit\ngewiss eben so selten als bewundernswerth ist, und\nSchornstein hatte mit der gewohnten unermüdlichen\nSorgfalt und Ausdauer die Proben in einer Weise geleitet,\ndie zu dem schönsten Erfolge berechtigte. Hoffentlich wird\nder Herbst das zur Reife bringen, was der Sommer zeitigte.\nLassen Sie mich Ihnen daher heute von einem ande-\nren Genüsse erzählen, der uns in den letzten Tagen ge-\nwährt wurde, als am 28. Juli, dem Todestage Johann Se-\nbastian Bach's, Organist van Evken in der hiesigen gros-\nsen reformirten Kirche ein Orgel-Concert veranstaltete, das"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4210, "texte": "als eine würdige Erinnerungsfeier an den unsterblichen Alt-\nmeister dem Concertgeber gegenüber uns zu grossem\nDanke verpflichtet. Das Programm bestand ausschliesslich\naus Compositionen Bach's und enthielt u. A.: das gross-\narlige Präludium und Fuge (ä 3 soggetti) in Es-dur; die\nihrer mannigfachen Schwierigkeiten wegen selten zur Auf-\nlührung gelangende Toccata in das Trio (in\nüber „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'\"; die Fuge in E-dur\n(aus dem wohltemperirten Ciavier); dann die herrliche\nPhantasie und Fuge in G-mollund die Choral-Vorspiele:\n„Schmücke dich, o liebe Seele\", „Wachet auf, ruft uns\ndie Stimme\" und „Wenn wir in höchsten Nöthen sind\"\nein Programm, das uns die unendliche Ideenwelt des\ngrossen Genius in rechter Weise aufzuschliessen geeignet\nwar und das hinsichtlich der Ausführung in van Eyken\nden „rechten Mann\" gefunden hatte. Ein eben so zahlrei-\nches als gewähltes Publicum von nah und fern hatte sich\nin den heiligen Räumen versammelt und lauschte mit stiller\nAndacht den Accorden, die mit ihrer überzeugenden Kraft\ndahin braus'ten und für den grossen Meister bewundernde\nEhrfurcht, für seinen Dolmetscher aber Lob und Beifall\nerrangen. Herr van Eyken hat in den letzten beiden Jahren\nnun schon eine ziemlich ansehnliche Reihe von Orgel-Vor-\nträgen gehalten und sich eben so sehr als tüchtigen Mu-\nsiker wie als Meister des Orgelspiels bekundet. Besonders\nhalten wir auch das für eben so verdienstlich als lobenswerth,\ndass er sich vorzugsweise, fast ausschliesslich, auf classi-\nschem Boden bewegte und uns nicht bloss die gewöhn-\nlichen „ Paradepferde\" der Orgelspieler, sondern auch solche\nSachen vorführte, die seltener zum Vortrage kommen. So\nhörten wir ausser den bereits genannten eine ganze Reihe\nvon Präludien und Fugen von J. S. Bach, ferner Compo-\nsitionen von C. F. Becker, J. Andre, M. G. Fischer, Gade\n(Tonstücke lür Orgel), A. Hesse, Höpfner, Krebs, Kühm-\nstedt, Merkel, W. A. Mozart (Fuge in Phantasie\nin F-moll,von Ritter eingerichtet), Mendelssohn, 0. Nicolai\n(Fest-Ouverture über „Ein' feste Burg\", eingerichtet von\nF. Liszt), Rink, E. F. Richter, A. G. Ritter, Jos. Schnei-\nder, Rob. Schumann u. s. w.\nAuch van Eyken's eigene Compositionen, von denen\nwir die Orgel-Sonaten 1, 2, 3, Präludien, Fuge in Es-dur\nund einige vortreffliche Arrangements aus Beethoven, C.\nReinecke, Schumann und Händel zu hören Gelegenheit\nhatten, bekunden ein ausgezeichnetes Talent und ein tüch-\ntiges Streben. Oft genug schätzt man heute den Werth\ndes Componisten nach der Opus-Zahl seiner Werke, und\nwer da nicht wenigstens schon Opus 50 hinter sich hat,\nder ist eine unbekannte Grösse ohne Anspruch auf „Ruf\".\nVan Eyken gehört glücklicher Weise nicht zu den Viel-\nschreibern ; seine Muse hält sich frisch und sammelt noch\nimmer mehr Kraft bei ihrem erhabenen Vorbilde. Doch\nwurden schon früher zwei seiner grösseren Compositionen\nin Holland als Preis-Arbeiten gekrönt, und beide, sowohl\nsein „Lucifer\" als auch eine jetzt im Erscheinen begriffene\nSonate lür Violine und Pianoforte brachten dem Compo-\nnisten die ungetheilteste Anerkennung von Männern von\nFach ein, wie Schumann, Marschner, Hauptmann und An-\nderen, und seine Orgel-Sonaten wurden ja auch in Ihrer\nZeitung sehr beifällig beurtheilt. Wie wir hören, ist der\nComponist jetzt mit der Ueberarbeitung des „Lucifer\" be-\nschäftigt, der für Chor, Soli und Orchester geschrieben ist.\nDer Stoff ist derselbe, den Milton in seinem verlorenen Pa-\nradies behandelt. Hoffentlich wird uns der nächste Winter\ndas Werk vorführen; dann ist es uns vielleicht gestattet,\nauslührlicher darauf zurück zu kommen.\nSchliesslich will ich noch bemerken, dass Herr van\nEyken vor Antritt einer grösseren Kunstreise noch seinen\nletzten Orgel-Vortrag (am 9. August) zu einer Gedächt-\nnissfeier lür Robert Schumann gestaltete. Das Pro-\ngramm enthielt nur Compositionen des leider so früh Ent-\nschlafenen und brachte u. A. die Fugen Nr. 1, 2, 3 und\nDoppelfuge (Nr. 6) über den Namen „Bach\", das von van\nEyken arrangirte Abendlied aus Op. 85, und das Largo\naus der dritten Sinfonie und den Canon aus Op. 56, die\nbeide von ergreifender Wirkung sind. Es war ein Act der\nPietät, für den dem Veranstalter der Dank aller Verehrer\ndes grossen Genius gebührt. —7.—"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-08-16-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-08-16_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-08-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "266", "page_fin": "267", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.2.4", "titre_corps": "Säcularfeier des Todestages von Georg Friedrich Händel.", "titre_sommaire": "Säcularfeier des Todestages von Georg Friedrich Händel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.6", "debut_caractere": 4212, "fin_caractere_exclue": 5147, "texte": "Säcularfeier des Todestages von Georg\nFriedrich Händel.\nEs hat sich in Halle ein Comite gebildet, welches folgenden\nAufruf erlassen hat:\n„Am 13. April 1759 verschied Georg Friedrich Händel,\neiner der grössten Männer deutscher Nation, einer der bedeutend-\nsten Männer seiner Kunst. Die bevorstehende hundertjährige\nWiederkehr seines Todestages mahnt alle Deutschen, die noch im-\nmer ungelös'te Schuld des Dankes gegen ihren Landsmann abzu-\ntragen. Zu unserer grossen Genugthuung vernehmen wir, dass Vor-\nbereitungen getroffen werden, das Andenken Händel's durch eine\nGesammt-Ausgabe seiner Werke zu ehren. Indess ist wünschens-\nwerth, dass zu diesem Zeichen der Anerkennung noch ein zweites\nhinzu komme. Halle, die Stadt, wo Händel geboren wurde und\ndie ersten so wichtigen Eindrücke der Jugend empfangen hat,\nwünscht, dass in seinen Mauern ihm ein Denkmal gegründet werde.\nZur Errichtung eines solchen ist ein Comite zusammen getreten."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1581, "texte": "Dasselbe beabsichtigte ursprünglich, hier am Orte eine Anstalt zu\nbegründen, welche die Pflege Händel'scher Musik zu ihrer beson-\nderen Aufgabe hätte. Wir bescheiden uns indess, dass man in\neinem derartigen Plane, zum Schaden des Hauptzweckes, eine Be-\ngünstigung nur localer Interessen finden könnte, und fordern da-\nher zunächst dazu auf:\nAndenken durch Errichtung seines Stand-\nbildes an seinem Geburtsorte zu ehren.444'\n„Dieses Unternehmen wird zuversichtlich die Unterstützung aller\nderer, die Händel geistige Anregung und Erhebung verdanken, also\nder grossen Mehrzahl der Gebildeten aller Nationen finden. Für\nMusiker wird es ohnehin Ehrensache sein, solchen Zweck zu för-\ndern. Entspräche der Erfolg der Grösse des Meisters, so würden\nwir uns vielleicht in den Stand gesetzt sehen, neben dem neuen\nauch den ursprünglichen Plan zu verwirklichen. Die Nähe der\nSäcularfeier veranlasst uns aber zu der Bitte, dass alle Freunde\nunseres musicalischen Vorhabens sich möglichst beeilen mögen,\ndurch musicalische Aufführungen, Subscriptionen und sonst geeig-\nnete Mittel dessen rechtzeitige Ausführung zu ermöglichen. Ueber\nden Fortgang des Unternehmens und die Verwendung der einge-\nhenden (an Herrn Gemeinderath Wucherer hierselbst zu adres-\nsirenden) Geldbeiträge werden wir nicht verfehlen, öffentlich Re-\nchenschaft abzulegen. Wir bitten um weiteste Verbreitung dieses\nAufrufes und hoffen namentlich, dass die verehrten Redactionen\ndeutscher Zeitungen uns durch den Abdruck desselben, so wie\ndurch Annahme von Geldbeiträgen freundlich unterstützen werden.\n„Halle, im Juni 1856.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-08-16-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-08-16_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-08-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "267", "page_fin": "268", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.7", "debut_caractere": 1583, "fin_caractere_exclue": 6937, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöln. Der Männergesang-Verein hat am Sonntag den\n10. d. Mts. eine Sängerfahrt auf dem Rheine gemacht. Das be-\nkränzte und beflaggte niederländische Schnellboot brachte den\nmunteren Kreis von Damen und Herren schon gegen Uhr Mor-\ngens nach Königswinter. Von da ging es zu Fuss über Ober-Dol-\niendorf nach Heisterbach, wo die Gesänge unter den grünen Bu-\nchenhallen einen herrlichen Eindruck machten; dann den roman-\ntischen und an schönen Fernsichten so reichen Fussweg um die\nKuppe des Petersberges herum nach Königswinter zurück. Im\nHotel de TEurope wurde ein heiteres Mahl von 123 Gedecken ein-\ngenommen und mit Gesängen und humoristischen Vorträgen ge-\nwürzt. Späterhin ging ein Theil der Gesellschaft zu Fuss nach Go-\ndesberg, ein anderer erreichte dasselbe Ziel in Nachen bis Plitters-\ndorf und von da zu Lande. In Godesberg strömten durch die herr-\nliche Abendluft die Lieder am volltönendsten, so dass die ganze\nzahlreiche Gesellschaft der Besucher der Garten-Anlagen vor dem\nHotel Blinzler ihre Freude daran hatte. Franz Weber war, wie\nauf den grossen Sängerfahrten des Vereins, mit seiner musicalischen\nSeele, seiner unverwüstlichen Laune und seinem nie ermattenden\nDirigenten-Eifer wie immer das belebende Princip des Ganzen.\nDer letzte Eisenbahn-Zug führte den fröhlichen Verein nach Köln\nzurück.\nDieser Tage ist hier ein ausgezeichnet schöner Concertflügel\naus der berühmten Fabrik von Broadwood in London ange-\nkommen, welchen Herr Broadwood nnserem Ferdinand Hiller\nzum Geschenke gemacht hat. Da die Engländer gewohnt sind,\nnichts halb zu thun, so hat Herr Broadwood einen seiner Werk-\nmeister mit dem Instrumente von London hieher geschickt, und\ndieser hat den erhaltenen Auftrag, den kostbaren Flügel nicht eher\nzu verlassen, als bis er ihn in Hiller's Saale aufgestellt habe, auf\ndas gewissenhafteste vollzogen.\nDer junge Pianist Arthur Napoleon, der hier in gutem\nAndenken steht, war diese Woche auf der Durchreise nach den\nBädern einen Tag hier. Er hat in der nun geschlossenen Saison\nin London mit grossem Beifalle gespielt, worüber in den englischen\nBlättern nur Eine Stimme herrscht, indem auch diejenigen Kriti-\nker, die ihn wegen seiner Jugend im vorigen Jahre noch nicht\nrecht anerkennen wollten, gegenwärtig voll seines Lobes sind. Sein\ngrosses Talent hat sich, seitdem wir ihn nicht gehört, auf eine be-\nwundernswerthe Weise entwickelt.\n** Ems, 7. Aug. Das gestern Abends hier Statt gehabte Con-\ncert des berühmten Componisten Herrn Henri Herz, unter Mit-\nwirkung der Sängerin Fräul. de Villar aus Portugal, ist als das\nbeste und gelungenste während der ganzen Saison zu bezeichnen.\nSowohl der Saal als die Galerie waren vollständig besetzt, und be-\nfanden sich ausser der Prinzessin Friedrich von Holland, der Kron-\nprinzessin von Schweden und dem Prinzen Georg von Preussen\ndie hiesigen russischen, französischen und englischen Notabilitäten\nunter den Anwesenden. Diesem schon vor einigen Tagen angezeigt\ngewesenen Coneerte sahen alle Musikfreunde mit einem Interesse\nentgegen, welches bei dem grossen Rufe des als Componisten wie\nals Virtuosen so hervorragenden Künstlers ein gewiss wohlbegrün-\ndetes war. Schon bei seinem Auftreten wollte der Applaus kein\nEnde nehmen, wurde aber noch verstärkt durch den Vortrag sei-\nner beiden Compositionen Grand Concerto (das fünfte) und Grande\nFanlaisie mililaire sur des motifs de la Fille du Regiment, so wie\nzweier neuen, hier componirten Piecen: Charit du Pelerin und Grand\nGalop brillant, welche man seinen besten Compositionen zur Seite\nstellen kann und die gewiss in Kürze populär werden dürften.\nFräul. de Villar, welcher wegen der Sicherheit, womit sie ihr\nOrgan beherrscht, der reinen Intonation, so wie der überaus kräf-\ntigen Stimme eine eben so lebhafte als wohlverdiente Anerkennung\nzu Theil wurde, wünschen wir, dass sie mit eben so ungeteiltem\nBeifalle auch in den anderen Taunusbädern, wo sie noch Coneerte\nzu geben gedenkt, aufgenommen werde.\n*** Baden-Baden, 8. August. Herr Benazet lässt nun auch\neine französische Salon-Oper für unsere französich-russische Som-\nmer-Colonie kommen. Mademoiselle Caroline Düprez und zwei\nSänger der komischen Oper von Paris werden eine Operette auf-\nführen, welche Clapisson besonders lür „das Etablissement\" des\nHerrn Benazet componirt hat. Man sieht, auch die Fürsten der\nSpielbank begünstigen die Kunst. Doch das ist noch nicht Alles.\nAm 14. August wird derselbe ein grosses Concert unter Berlioz\nDirection zum Besten der Ueberschwemmten in Frankreich veran-\nstalten, in welchem die Viardot und die Duprez und der Te-\nnor Gremminger aus Karlsruhe (welche Ehre für einen Deut-\nschen!) nebst der karlsruher Capelle mitwirken werden. Doch wel-\nlen wir Herrn Benazet nicht Unrecht thun; denn er hat auch den\ndeutschen Violinspieler Adolf Köckert eingeladen, welcher am\n7. d. Mts. Mendelssohn's Concert und eine eigene Composition mit\nausserordentlichem Erfolg spielte und eine Anerkennung errang,\ndie nach Alard's und Sivori's Vorträgen um so ehrenvoller\nwar, je mehr das hiesige Publicum nur aus Ausländern besteht\nund alles Ausländische vorzugsweise erhebt. Die treffliche Pianistin\nMa 11 ma n n aus Paris, deren Vortrag Beethoven'scher Sonaten\nfast an ideale Vollendung reicht, und der ClavierspieJer Wie-\nniawski sind auch hier.\nDie spanische Sängerin de Fortuni macht in Homburg\ngrosses Aufsehen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4470, "texte": "Würztoiarg. Der hiesige Sängerkranz hat am 31. Juli sei-\nnem Dirigenten V. E. Becker, welcher den Preis der Tonhalle\nzu Mannheim für seine Composition des „Festgesanges an Schil-\nler\" erbölten hat, ein Fest gegeben und ihm einen silbernen Po-\ncal überreicht.\nWien, Die gefeierte Schauspielerin Fräulein Louise Neu-\nmann wird sich mit einem Grafen Schönfeld vermählen und sich\nvon der Bühne zurückziehen. Ein unersetzlicher Verlust für das\nHotburg-Theater.\nLiszt ist am Samstag den 9. August in Wien eingetroffen,\nSonntag früh über Gran wo er sich nöthiger Vorbesprechungen\nund localer Orientirung halber einen Tag aufhält nach Pesth\nabgegangen.\nPestH, 10. August. Wenn ich nochmals auf die Angelegen-\nheit der Liszt'schen Einweihungs-Messe zurückkomme, so geschieht\nes, um Ihnen berichten zu können, dass die Sache eine erfreuliche\nWendung genommen habe. Es ist nämlich definitiv bestimmt, dass\ndie Liszt'sche Messe am Einweihungstage der Kirche zu Grau un-\nter des Componisten persönlicher Leitung zur Aufführung gelangen\nwerde. So wie das niedrige Intriguenspiel, dessen Opfer das Liszt'-\nsche Werk beinahe geworden wäre, in allen künstlerischen und\npatriotischen Kreisen, in der einheimischen wie auswärtigen ge-\nsinnungstüehtigen [!] Presse einen allgemeinen, einstimmigen Schrei\nder Entrüstung hervorgerufen hat, so konnte die neueste Wendling\nbegreiflicher Weise nicht verfehlen, die erregten Gemüther mit dem\nGefühle freudigster Genugthuung zu erfüllen. An Thatsächlichern\nkann ich Ihnen noch berichten, dass Liszt dieser Tage schon hier\neintrifft, worauf die Proben sogleich beginnen werden. Die Be-\nsetzung, so viel bis jetzt festgesetzt worden ist, soll an 60 Instru-\ninentalisten (10 erste und zweite Violinen, 8 Violen, 6 Violoncells\nund Contrabässe, einfache Harmonie) und eben so viele Sänger be-\ntragen ; die Solosänger sind noch nicht namhaft gemacht. Wie ich\nendlich bestimmt versichern höre, dürfte in dem Concerte, welches\nLiszt zu Gunsten unseres Conservatoriums im Museumssaale zu\nveranstalten versprach, nebst der Aufführung einer seiner „sympho-\nnischen Dichtungen\" auch die Reprise der Einweihungs-Messe\nStatt finden, damit auch das grössere Publicum Pesths, welches\ndie Messe in Gran nicht hören kann, des Genusses dieses Werkes\ntheilhaftig werde. (Wiener 81. f. Musik.)\nBi*Ussel« Das Theätre de la Monnaye, im vorigen WTinter ab-\ngebrannt, wurde am 25. Juli, bei dem Jubelfeste des Königs, wie-\nder eröffnet, bleibt aber den August über noch geschlossen.\nWettstreit im Sologesänge. Die Sociele royale de l'Aca-\ndfonie de Musique zu Louvain (Löwen) in Belgien ladet die Di-\nlettanten des In- und Auslandes zu einem Wettstreite im Solo-\ngesänge, sowohl von Damen als Herren, unter den Auspi-\ncien der Stadt Löwen, an deren Communalfeste, dem 9. Septem-\nber, ein. Die Haupt-Bedingungen sind: Jeder Theilnehmer kann\nein Gesangstück nach eigener Wahl vortragen; ist es eine Ro-\nmanze (Lied), so muss sie zwei Strophen, aber nicht mehr als drei,\nhaben. Begleitung bloss am Pianoforte, durch wen man will.\nAusgeschlossen sind alle gegenwärtigen oder ehemaligen Bühnen-\nsänger oder Gesanglebrer von Fach, eben so die Einwohner der\nStadt und ihres Gebietes. Anmeldungen bei Herrn Adolphe Brion,\nrue des Vaches Nr. 18 ä Louvain..\nEhrenpreise. A. Für Damen: ein Schmuck, erster Preis im\nWerthe von 200 Fr., zweiter von 100 Fr. B. Für Herren: eine\ngoldene Medaille, erster Preis im Werthe von 200 Fr., zweiter\nvon 100 Fr.\nDie St.-Georgs-II alle in Liverpool (über deren Pracht-\nbau wir im vorigen Jahrgange in den Artikeln über die Musik-\nZustände in England berichtet haben) wird in diesem Sommer\nvollendet. Die Einweihung ist auf den 5. September festgesetzt und\ndazu als Solo-Quartett die Damen Novello und Alboni und die\nHerren Sims-Reeves und Karl Formes engagirt. Bisher ist\nin dem grossen Saale, in welchem die gewaltige Orgel steht, eine\nReihe von 68 Orgel-Concerten fürs Volk zu 6 P. (5 Sgr.), ja,\nzuweilen zu 3 P. Eintrittsgeld, gegeben worden (Organist Mr. Best),\nwelche von der Arbeiter-Bevölkerung dermaassen besucht worden\nsind, dass im Durchschnitt 900—1000 Personen jeden Sonntag und\nMontag zugegen waren und der Ueberschuss nach Abzug aller\nKosten 1000 Pf. St. betrug.\nCapellmeister Johann Strauss setzt seine Musik-Produetion\nim Concertgarten zu Petersburg unter grossem Beifalle und sehr\nzahlreichem Besuche fort. Bei dem letzten Concerte war auch Ad-\nmiral Charles Napier zugegen. Strauss begibt sich zu der Krö-\nnungsfeier nach Moskau."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe. Von B. P. 111. (Bouffes Parisiens und Jak. Offenbach dessen Preis-Ausscbreiben für eine Operette\nConcerte des Conservatoire Vereine für Kammermusik Ernst Lübeck Brousil Gernsheim). Aus Elberfeld (van Eyken's\nOrgel-Concerte). Handels Denkmal in Halle. Tages- und Un ter h alt un gs bla 11 (Köln Ems Baden-Baden—Würzburg\nWien Pesth (Liszt) Brüssel Wettstreit für Sologesang in Löwen Liverpool J. Strauss).\n\nPariser Briefe.\n\n[Musterung der musicalisch-dramatisch en Neuigkei-\nten auf den pariser Opernbühnen im Winter 1855\n1856. Uebersicht der Goncert- und Kammermusik.]\n(I. S. Nr. 30, 11. Nr. 32.)\nIII.\n[Bouffes Parisiens Jak. Offenbach dessen Preis-Aussehreiben\nfür eine komische Operette und Bedingungen der Mitbewerbung\nConcerte Kammermusik. Ernst Lübeck— Familie Brousil\nFritz Gernsheim.]\nIch habe bis jetzt in meinen Briefen die Bouffes Pari-\nsiens noch kaum erwähnt; sie haben jedoch eine gewisse\nBedeutung gewonnen, die hiesigen musicaüschen Zeitungen\nund die Feuilletons der politischen widmen ihnen fast re-\ngelmässige Artikel, und die Unternehmung unseres geschick-\nten und talentvollen Landsmannes Offenbach aus Köln\nverdient mit Recht diese Aufmerksamkeit.\nDie Posse hat sicherlich auch ihre berechtigten An-\nsprüche an künstlerische Gestaltung, und wenn die komi-\nsche Oper sich nur erinnern wollte, dass sie aus jener her-\nvorgegangen ist, so würde sie nicht mit vornehmer Miene\nauf ihre Mutter, wie die Tochter eines Kaufmannes, die\neinen Grafen geheirathet hat, herabsehen. In ihrem Vater-\nlande Italien war die Posse in Verbindung mit Musik und\nTanz ein wesentliches Stück des Kunstlebens, und Dichter\nund Componisten verschmähten es nicht, sie im nationalen\nGeiste zu bearbeiten und (namentlich musicalisch) zu ver-\nedeln, wie das die lange und glänzende Reihe der Opera\nbuffa von Pergolese's Serva Padrona bis zu Rossini beweis't,\nder seine besten Melodieen nicht für zu gut hielt, um pos-\nsenhafte Scenen, wie im Turco in Italia, L'ltaliana in Al-\ngeri, ja, selbst im Barbiere und anderen damit zu schmücken.\nSeitdem aber der Italiäner nicht mehr lacht, sondern nur\nam Tragischen, Zerrissenen, Blutigen auf der Bühne seine\nFreude findet, fristen Arlequin und Colombine und ihre\nganze Sippschaft kaum auf Dorf-Jahrmärkten ein dürftiges\nLeben. Wie in Frankreich der Geist der komischen Oper\nentartet ist, habe ich schon oben (Art. I.) besprochen.\nEs war desshalb ein glücklicher Gedanke, dass Jakob\nOffenbach die Errichtung eines kleinen Theaters in den\nChamps Elysees projectirte, auf welchem die possenhafte\nKomik in steter Verbindung mit der Musik ihren Thron\naufschlagen und alle diejenigen Leute um sich versammeln\nsollte, welche sich noch nicht schämten, zu lachen und\nSpass zu verstehen. Der Erfolg zeigte sehr bald, dass es\ndergleichen noch eine ungeheure Menge in Paris gibt; denn\ndie Pforten des neuen Tempels des Komus wurden alle\nAbende förmlich belagert.\nMan muss diese Unternehmung ja nicht mit den so\ngenannten Sommer-Theatern, wie sie jetzt in Deutschland\nüberall auftauchen, verwechseln. Die ha-\nben mit dem Sommer nichts weiter gemein als die grünen\nAlleen der Champs Elysees, unter deren Schatten ihr rings\ngeschlossenes und mit Gas beleuchtetes allerliebstes Theater\nsteht. Bis zum Schauspiel unter freiem Himmel und bei\nSonnenlicht hat man es hier doch noch nicht gebracht, da-\nfür liebt man die Illusion zu sehr—und mit Recht. Uebri-\ngens hatte die Lage des Palastes der Ausstellung ursprüng-\nlich den Fingerzeig lür die Wahl des Platzes des neuen\nBufFo-Theaters gegeben. Im Winter spielte OfFenbach (seit\ndem 29. December 1855) in einem anderen, sehr hübsch\neingerichteten Theater im Passage Choiseul.\nZwei Dinge brachten den alle Erwartung übersteigen-\nden Erfolg hervor: der Ueberdruss des echten pariser Publi-\ncums an den tragisch-komischen Opern und die wirklichen\nTalente, welche Offenbach das Glück hatte, mit dem seini-\ngen für die Dichtung und die Aufführung zu verbinden. Die\nDichter Mery, Plouvier und Moineaux lieferten ihm die er-\nsten Sachen, Moineaux vor Allem"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.2", "texte": "eine possenhafte Scene zweier Blinden auf dem Pont neuf,\ndie aus Brodneid in Streit gerathen, in der Hitze des Wort-\nwechsels ihre Rollen vergessen und mit den klarsten Augen\neinander in die Haare fallen, aus Instinct aber bei je-\nder Erscheinung eines Vorühergehenden augenblicklich wie\nauf Commando wieder stockblind sind u. s. w. u. s. w.\nDiese Scene, durchweg auf die Erschütterung des Zwerch-\nfells berechnet und mit einer allerliebsten Musik von Offen-\nbach versehen, verschaffte den Bouffes sehr bald die Vogue\nund da immer und immer etwas Neues folgte und we-\nder der Witz der Dichter noch das musicalische Talent\nOffenbach's, der auch zugleich sein eigener Chef d'orchestre\nist, ermüdete, so nahm diese Vogue den Winter hindurch\nzu und hält sich auch jetzt wieder im Sommer auf der\ngleichen Höhe.\nDie Concession erlaubt dem neuen Theater nur drei\nPersonen zusammen auf die Scene zu bringen. Es besitzt\naber drei Tenöre und eine Sopranistin, welche alle vortreff-\nliche Schauspieler und gute Sänger sind. Offenbach soll\nsie alle in den Cafes chantants aufgetrieben haben; von dem\nbesten derselben, Darcier, ist das ganz sicher. Dieser ist\nein wahrer Künstler, auch im Gesänge. Pradeau und Ber-\nthier sind zwei ganz ausgezeichnete Komiker, und sie krä-\nhen nicht wie die gallischen Hähne in den Vaudeville-\nTheatern, sondern sie singen. Mademoiselles Masy und\nSchneider sind ebenfalls von grossem Talente. Am schwäch-\nsten ist das Ballet (auch nur drei Personen) besetzt, das\nüberhaupt nicht dahin gehört und auch immer mehr bei\nSeite gestellt wird, seitdem man sich überzeugt hat, dass\ndie Komödie besser zieht als der Tanz.\nSeit der Eröffnung hat dieses Theater mehr als ein\npaar Dutzend Neuigkeiten gebracht, monatlich zwei bis\ndrei, zuweilen auch von anderen Componisten als Offen-\nbach. Nach und neben den Avhaben\neine chinesische Farce, „Les Pantins de Violette\" mit Mu-\nsik von A. Adam, „ L'lmpresariou, nach Mozart's „Schau-\nspiel-Director\" mit Beibehaltung seiner Musik, „La Rose\nde Ste. Flour\"und ganz kürzlich 66\"—am meisten\ngefallen. Letztere Operette hat nicht das westfälische Kar-\ntenspiel Sechsundsechszig, sondern ein Lotterieloos dieser\nNummer zum Gegenstande, und die Katastrophe liegt in\nder Umkehrung, zwar nicht des Canons, noch der Wissen-\nschaft, aber der Zahl:— denn der Gewinn ist auf 99 ge-\nfallen.\nNeuerdings hat Offenbach einen Preis von 1200 Fr.\nund eine goldene Medaille von 300 Fr. Werth auf die\nbeste Composition einer einactigen Operette ausgeschrieben.\nEr hat dabei einen doppelten Zweck: erstens die Rückkehr\nzur alten, ursprünglichen und echten Gattung der komi-\nschen Oper anzubahnen, und zweitens jungen Talenten Ge-\nlegenheit zu geben, sich zu zeigen; denn nur solche Be-\nwerber werden zugelassen, von welchen noch keine Com-\nposition im Theater der grossen oder der komischen Oper\naufgelührt worden ist. Einige von den Concurs-Bedingun-\ngen scheinen mir auch lür Deutschland (Tonhalle, Mozart-\nVerein u. s. w.) der Beachtung Werth, da sie die saure\nMühe der Preisrichter gar sehr erleichtern. Hier sind sie:\nJeder Bewerber muss vor. dem 25. August einsen-\nden: 1) eine Melodie mit Chor und Clavier-Begleitung; 2)\neine Melodie mit Orchester; 3) einen Orchestersatz in Par-\ntitur. Danach werden sechs wirkliche Bewerber aus\nden Einsendern gewählt. Diesen wird vom 15. bis 20.\nSeptember eine Melodie vorgelegt, welche sie bei verschlos-\nsenen Thören instrumentiren müssen. Erst dann wird ihnen\ndas Libretto der Oper zur Preis-Composition übergeben.\nIn Bezug auf seinen ersten Zweck (die Bückkehr zur\nalten Einfachheit) musste Offenbach, den Verhältnissen der\njetzigen komischen Oper in Paris und Männern wie Meyer-\nbeer, Auber, Halevy u. s. w. gegenüber, mit Filzschuhen\nüber den Stiefeln auftreten. Was er aber in der Hauptsache\n(in der Einleitung zum Preis-Ausschreiben) sagt, gehört der\nKunstgeschichte an und stimmt so sehr mit den Ansichten,\ndie ich seit Jahren in meinen Briefen in der Niederrheini-\nschen Musik-Zeitung ausgesprochen habe, überein, dass\nich bei dem Interesse, welches die Sache für die Opern-\nComposition überhaupt hat, mich nicht enthalten kann, es\nhier mitzutheilen.\nNachdem er einige Blicke in die Geschichte der komi-\nschen Oper in Frankreich und in die Leistungen ihrer Ko-\nryphäen geworfen hat, sagt er: „Man kann den Gang der\nkomischen Oper seit ihrem Ursprung bis auf unsere Zeit\nleicht verfolgen. Anfangs ein kleiner Bach mit klarem\nWasser, frischem Ufer, dehnt er sich allmählich aus und\nist jetzt sogar ein Strom geworden, der in einem weiten\nBette gewaltige Wogen dahin wälzt.\n„Wenn das ein Fortschritt sein soll, so ist es doch\nwahrlich kein Fortschritt in der Gattung, welche von der\nfranzösischen Bühne so gut wie verschwunden ist. Der\nGrund liegt in den Textbüchern; anstatt munter, lebhaft,\nanmuthig zu sein, haben sie sich in Opern-Gedichte ver-\nwandelt, ihre Farbe verdunkelt, ihren Rahmen übermässig\nausgedehnt u. s. w.\n„Freilieh werden Dichter und Theater-Directoren durch\nden Geschmack des Publicums mit fortgerissen, und wenn"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.3", "texte": "eine Partitur wie der Stern des Nordens eine vollständige\ngrosse Oper nahe an 200 Vorstellungen erlebt und in\neinigen Monaten die Gesammt-Einnahme, welche die Weisse\nDame in dreissig Jahren eingebracht hat, übersteigt, so\nrauss freilich ein Director mit dem Strome schwimmen. Die\nMenge will das Imposante, das Pomphafte; und so hat die\nkomische Oper Formen und Proportionen angenommen,\nwelche die Gattung und ihren Charakter ganz und gar un-\nkenntlich machen.\nDDie Bouffes Parisienswollen den Versuch machen,\ndie ursprüngliche und echte Gattung wieder herzustellen,\nund sie glauben, trotz der engen und bescheidenen Sphäre,\nin welcher sie bleiben werden, dennoch auch der wahren\nKunst einen Dienst leisten zu können. Dieses kleine Thea-\nter hat in der unerschöpflichen Ader der französischen Hei-\nterkeit und in dem Streben nach jener musicalischen Ein-\nfachheit und Charakteristik, in welcher Cimarosa und die\nersten Meister Italiens Muster sind, die Quellen seines Er-\nfolgs gefunden. Und dabei will es auch bleiben, verhehlt\nsich aber keineswegs, dass gerade der enge Rahmen und\ndie Kürze der Stücke die Aufgabe keineswegs erleichtern,\nsondern erschweren.\n„Denn in einer Oper, die kaum drei Viertelstunden\ndauert, die nur drei, höchstens vier Personen auf die Scene\nbringen darf, deren Orchester höchstens 30 Musiker zählt,\nmuss man musicalische Ideen haben und mit dem baaren\nGelde der Melodie die Zuhörer befriedigen. Mit Lärm und\nerborgtem Glänze ist da nichts zu machen, und, wohl\nzu merken: mit einem kleinen Orchester ist es sehr schwer\noder vielmehr unmöglich, die Mängel des harmonischen\nWissens und die Fehler zu vertuschen, welche ein Orchester\nvon achtzig Mann verdeckt.\"\nGehen wir nun zu der Conc ert-und Kammer-\nmusik über, so ist darüber fast nur zu wiederholen, was\nschon oft gesagt ist. Die letztere überflügelt die erstere,\nbeide aber halten an der einmal feststehenden Form fest,\nderen charakteristischer Zug trotz aller guten Compo-\nsitionen, die man hört doch fast immer ein gewisser\nSalon-Tvpus bleibt, wobei mehr das Amüsement als die\nErbauung durch die Musik, mehr die Ausführung als die\nComposition berücksichtigt wird. Daher denn die oft ganz\ngewissenlose Zerstückelung von Musikstücken, wovon\nselbst die Programme der Concert-Gesellschaft des Con-\nservatoire nicht frei sind, wie sie denn überhaupt die Auf-\nmerksamkeit ihres Publicums für die Sinfonie durch einge-\nstreute Leckerbissen von Solo's erkaufen müssen. Dass\ndiese letzteren jetzt häufiger als früher aus der älteren Mu-\nsik (Lulli, Rameau, Gluck, Martini u. s. w.) genommen\nwerden, ist nichts als Sache der Mode.\nDie Conservatoire-Gesellschaft hat vom 13. Januar\nbis 13. April acht Concerte und in der Osterwoche zwei\nConcerls spirkuels gegeben. Von Sinfonieen kamen vor:\nBeethoven in D, Haydn in C Mozart in D\nBeethoven Nr. 9 mit Chören Haydn in Beet ho-\nven's Musik zu Egmont Beethoven Nr. Bin\nBeethoven's Pastorale, Mendelssohn's Musik zum\nSommernachtstraum Beethoven Nr. 4in und Frag-\nmente aus Prometheus Haydn in Gr, Beethoven's\nPastorale. In den Concerts sp 1. Beethoven in\nC-moll;2. Beethoven in A\nVon grösseren Gesangstücken für Chor und Orchester\nkamen vor: Weber, Finale des I. Actes von Oberon —-\nBeethoven, zweites Finale aus Fidelio (unvollständig)-\nMendelssohn, Psalm 42—Mendelssohn, Lorelei\nMarcello,- Psalm—Spontini, Finale des 11. Actes der\nVestalin Rossini, Stabat Mater Mozart, Ave verum\nMendelssohn, zweichöriger Psalm Beethoven,\nSchlusschor aus Christus am Oelberge.\nDie bekannten Kunststücke des Vortrages einzelner Sätze\naus dem Septett von Beethoven und zweier Quartette von\nHaydn durch sämmtliche Geiger fehlten natürlich nicht, eben\nso wenig wie die Wiederholung einiger kleinen Chöre von\nRameau,Lesueuru. s.w. Ouvertüren wurden gespielt\nvon Beethoven Op. 115, Rossini Teil, Beethoven Egmont,\nMozart Zauberflöte, Gluck Iphigenie, Mendelssohn Sommer-\nnachtstraum, Weber Oberon. Als alleiniger Instrumental-\nSolist trat Bottesini (im VII. Concerte) mit einer Phantasie\nauf, in welcher er die zarte Amine die gefahrvolle Schlaf-\nwandlung über die Saiten des Contrabasses zum freudigen\nErstaunen des Publicums, ohne den Hals zu brechen, aus-\nführen liess. Die Umgebungen der Tochter Bellini's waren\nBeethoven, Mozart, Rameau und Spontini! Bottesini spielt\nübrigens auf einem nur dreisaitigen Contrabass.\nVon den Concerten der Ste. Cecile habe ich diesen\nWinter nichts vernommen. Der Verein\nsetzte seine öffentlichen Versammlungen (drei oder vier) mit\nEifer fort. Das ist alles, was die grosse Concertmusik in\nder kaiserlichen Residenz aufzuweisen hat.\nWenn es bei den Zuhörern der Kammermusik al-\nlerdings auch Vexecution ä tout prix! Heisst, so bemerkt\nman doch, dass sich selbst die Säle derjenigen Vereine,\nwelche nur Classisches und Hochclassisches und sogar als\nGanzes, nicht in Stücke zerhackt, bringen (was freilich im-\nmer noch selten ist), sich mehr lullen, als in den letzten"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.4", "texte": "Jahren. Dabei ist freilich auch die Mode mit im Spiel, aber\nes ist eine gute Mode. Es scheint, dass der brutale Or-\nchesterlärm in den Theatern die Leute, die noch Sinn für\ndie Tonkunst haben, in die Quartett-Vereine treibt, wo sie\ndoch wenigstens sicher sind, Musik zu hören. So hat\nParis denn in dieser Saison an sechs bis acht Quartett-Cirkel\ngehabt, die mehr odpr weniger sich auf Specialitäten legten,\nd. h. vorherrschend nur Compositionen eines bestimmten\nMeisters vortrugen, aber alle zahlreich besucht waren.\nDer älteste Verein von Alard, F ranchomme, Ney\nund Blanc spielt die classischen Trio's, Quartette und\nQuintette von Haydn, Mozart und Beethoven (der ersten\nPeriode).\nDer Verein Maurin, Sabatier, Mas und Chevil-\nlard hat sich die Werke der zweiten und letzten Periode\nBeethoven's zum Vorwurf der sorglältigsten Ausführung\ngewählt.\nDie Herren Gouffe, Guerreau, Blanc, Ney,\nRignault undLebouc waren Anfangs ausschliessliche\nDolmetscher der Kammermusik von Onslow, haben aber\njetzt auch besonders Compositionen der Neueren in ihren\nKreis gezogen.\nEinen vierten Verein bilden Armingaud, Jacquard,\nLalo und Lapret; der Componist, dessen Werke sie\nvorzugsweise vorführen, ist Felix Mendelssohn.\nDer Pianist Krüger versucht mit dem Violinisten\nHammer (aus Elberfeld) und dem Violoncellisten Rignault\nRob. Schumann's Trio's einzubürgern-\nFerner führt Charles Dancla in seinem Quartett-\nCirkel besonders seine eigenen und anderer Zeitgenossen\nCompositionen auf, während die Herren Paulin (Sänger)\nund Lebouc (Violoncellist) Soireen geben, in denen nur\nder älteren Musik (musique rin Instrumental-\nund Vocal-Vorträgen gehuldigt wird.— In dem Cirkel der\nMad. Tardieu hört man ebenfalls nur classische, bis auf\nJ. S. Bach zurückgreifende Ciaviermusik.\nMan muss gestehen, dass das Aufkommen und Gedeihen\nso vieler und durchaus tüchtiger Vereine für die reinste\nund edelste Gattung der Musik dem Boden, auf welchem\nsie wachsen, ein sehr günstiges Zeugniss gibt. Das Quar-\ntett Alard behauptet immer noch seinen Rang; das von\nMaurin kommt ihm nahe, übertrifft es vielleicht hier und\nda an Zusammenspiel, namentlich wenn man die grösseren\nSchwierigkeiten der letzten Beethoven'schen Quartette in\nAnschlag bringt allein in Bezug auf die Auffassung sind\ndiejenigen Stimmen aus Deutschland, welche diese nicht\ngrossartig genug finden, wohl meistens im Recht. In einer\nder Sitzungen Maurin's erregte der junge Theodor Rit-\nter durch den Vortrag von Beethoven's Sonate Op. 111\neinen Enthusiasmus, der sowohl dem Publicum als dem\nsechszehnjährigen Künstler zu grosser Ehre gereicht; die\nLeistung war in der That vorzüglich.\nArmingaud hat das Verdienst, die Pariser mit Men-\ndelssohn's Quartetten, Trio's u. s. w. bekannt gemacht zu\nhaben, von denen sie noch wenig wussten. Die Piano-Partie\nführte Ernst Lübeck mit Glanz aus, wie er denn über-\nhaupt unter den Hunderten von Pianisten in Paris dennoch\nals ein wahrer Heros in der Bewältigung des Instrumentes\nanerkannt wird. Das Streich-Quartett Armingaud's ist recht\ngut, aber er nimmt alle Tempi viel zu schnell, namentlich\nin den feinen Scherzi, was die Wirkung gar sehr beein-\nträchtigt.\nDas Unternehmen von Paulin und Lebouc ist recht\neigentlich ein Unternehmen, d. h. es ist dabei hauptsächlich\nauf die Einnahme und auf die Anziehungskraft der Ab-\nwechselung und der Mode gerechnet. Dass diese Mode die\nältere Musik trifft, habe ich schon gesagt. Uebrigens fehl-\nten auch Mozart und Beethoven, selbst Onslow hier nicht.\nDie erste Violine spielte Ernst, das Pianoforte Fräulein\nLouise Matt mann; als Sängerinnen hörte man die Da-\nmen Gaveaux-Sabatier und Viardot. Die Programme\nenthielten stets eine grosse Anzahl von Nummern, daher\ndie Bruchstück-Mosaik hier recht zu Hause war; allein der\nSaal von Pleyel fasste kaum die Menge der Zuhörer. Man\nliebt die Kürze und den Wechsel. Nun, für den letzteren\nwurde auch gehörig gesorgt, z.8.: Concert in D von Bach\n(Allegro), Quartett von Beethoven Nr. 10, Arie des Admet\nvon Gluck, Terzette von Rameau, Lulli, d'Aleyrac, Andante\nund Variationen aus der Sonate Op. 47 von Beethoven\n(Mattmann und Ernst), Finale des Quintetts Nr. 9 von\nOnslow, Arie aus Rinaldo von Händel und ein Miserere von\nihm, Arie aus Armide von Gluck, spanische Lieder (Mad.\nViardot). Bunt genug für eine\net historique\", wie der Zettel besagt. In den folgenden sang\ndie Viardot auch eine Arie von Graun (aus Britannicus) mit\nellenlangen Coloraturzöpfen; einen Sturm von Beifall rief\nsie durch den genialen Vortrag der Arie des Lucifer aus\nHändel's R isurrezionehervor.\nDu siehst, dass die historische Musik, die Musik der\nVergangenheit, hier florirt; über die Musik der Zukunft\naber denkt man wie Voltaire über J. B. Rousseau's\nla posterite: „Mon ami! voilä une lettre qui ne sera ja-\nmais regue ä son adresse/\""}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.5", "texte": "Unter der Masse von Tonkünsllern, welche Einzel-\nConcerte oder Matineen gaben, sind als eigentliche Hexen-\nmeister Bottesini und Vivier auszuzeichnen; bei letz-\nterem war das italiänische Theater einmal wieder ganz voll\n(Ende Mai), und er entzückte die lühlenden Herzen durch\nseinen Gesang auf dem Waldhorn in Schubert's „Lob der\nThränen\" und ähnlichen Melodieen, und machte die Menge\nrasend durch seine zwei-, drei- und vierstimmigen Fanfa-\nren, ein allerdings fast unbegreifliches Künststück, welches\ner wiederholen musste.\nUnter den Pianisten erregte Ernst Lübeck grosses\nAufsehen, und das will hier viel sagen. Er war die ganze\nSaison hindurch der Löwe des Pianoforte und ärntete noch\nam 12. Juni im italiänischen Theater, bei 36 Grad Hitze,\ndurch den Vortrag von Weber's Concertstück stürmischen\nBeifall. In seinem eigenen Concerte (im März) spielte er\nu. A. die Phantasie von Liszt über Motive aus „Robert\nder Teufel\", und mit Recht behauptete die Kritik in der\nGaz. et Rev. Musicale, dass nur der Componist selbst und\nE. Lübeck im Stande wären, die wahrhaft „teuflischen\"\nSchwierigkeiten so zu bewältigen, dass die in einander ver-\nschlungenen Haupt-Motive klar und versländlich hervorträ-\nten. Auch wenn man die wunderbare Technik von Liszt,\nThalberg und Schulhoff gehört habe, erstaune man dennoch\nüber die Bravour Lübeck's. In seinen eigenen Compositio-\nnen, von denen besonders ein und\ndu Perou gefielen, zeigt sich ein nicht gewöhnliches Talent\nund viel Geschmack und Gewandtheit in Behandlung des\nInstrumentes. Ernst Lübeck ist bereits vor einiger Zeit von\ndem Könige von Holland zum Hof-Pianisten ernannt wor-\nden; er ist der älteste Sohn des königlichen Capellmeisters\nund Directors der Musikschule im Haag, Herrn Heinrich\nLübeck. [Von seinen Kunstreisen durch das südliche Ame-\nrica und die westindischen Inseln ist in der Niederrheini-\nschen Musik-Zeitung schon früher die Rede gewesen.]\nAus Deutschland war das ganze Nachtigallennest der\nFamilie Brousil aus Prag hier. Die interessanten Kinder\ngerade ein halbes Dutzend voll, drei Mädchen von 6\nbis 1 7 Jahren und drei Knaben von 7 bis 1 1 Jahren\nhaben im April zwei Concerte gegeben und viel Beifall ge-\nfunden; sie haben ausserdem in vielen Soireen und, wenn\nich nicht irre, auch an dem kaiserlichen Hofe gespielt. Am\ntalentvollsten sind die Violinisten, Bertha (14 Jahre) und\nAloys (7 Jahre alt).—Auch Fritz G ern s h e i m, 15 Jahre\nalt [?], hat am 9. Mai ein Concert mit vollem Orchester\ngegeben; er spielte das G-mollvon Mendelssohn\nmit grosser Fertigkeit, jedoch ohne tiefere Auflassung und\nmit Unruhe; einige Schumann'sche und Mendelssohn'sche\nkleinere Ciavierstücke gelangen besser. Er dirigirte auch\neine Ouvertüre über Partant p und einen „wa-\nlachischen Marsch\" (mit lünf oder sechs Flöten) von seiner\nComposition. Er war der Aristokratie der Vorstadt St.\nGermain gut empfohlen und wurde überhaupt sehr prote-\ngirt. Er ist nicht ohne Talent; allein von seiner wirklich\nkünstlerischen Entwicklung erwarte ich wenig, wenn ich\ndas, was er jetzt ist, mit dem vergleiche, was er vor zwei\nbis drei Jahren war, wo ich ihn am Rheine gehört habe.\nHerr Th. Parmentier mag es verantworten, wenn er in der\nGaz. Mus.vom 10. Februar weissagt: „Sein Name wird\nbald als ein Diamant mehr in dem reichen musicalischen\nSchrein Deutschlands glänzen!\"\n\nB. P.\n\nAus Elberfeld.\nIhr geehrter Berichterstatter, der Ihnen unlängst über\ndie Aufführungen der hiesigen Liedertafel referirte, hatte\nwohl Recht, wenn er sich darüber beklagte, dass die Welt\nvon unseren musicalischen Zuständen so wenig zu hören\nbekäme; er hatte um so mehr Recht, als unsere Concert-\nAufführungen wohl einen sehr begründeten Anspruch auf\nöffentliche Anerkennung haben. Doch es wäre wohl etwas\nallzu sehr post festum,wollte ich Ihnen heute noch einige\nMittheilungen über die Concerte der letzten Saison zugehen\nlassen, die unter der tüchtigen Leitung unseres wackeren\nSchornstein von Statten gingen, und leider ist uns auch\ndie Hoffnung genommen, Ihnen über ein anderes grosses\nund schönes Unternehmen berichten zu können, das hier\nschon seit geraumer Zeit vorbereitet wurde. Ich meine die\nAufführung der Matthäus-Passion von Bach, die nun plötz-\nlich auf unerwartete Hindernisse gestossen ist, welche sie\nvorläufig unmöglich machen. Wir hatten alle Ursache, eine\nausgezeichnete Leistung erwarten zu dürfen. Unser vortreff-\nlicher Chor hatte sich mit einem Eifer dem Studium dieses\nMeisterwerkes hingegeben, wie er zur schönen Sommerzeit\ngewiss eben so selten als bewundernswerth ist, und\nSchornstein hatte mit der gewohnten unermüdlichen\nSorgfalt und Ausdauer die Proben in einer Weise geleitet,\ndie zu dem schönsten Erfolge berechtigte. Hoffentlich wird\nder Herbst das zur Reife bringen, was der Sommer zeitigte.\nLassen Sie mich Ihnen daher heute von einem ande-\nren Genüsse erzählen, der uns in den letzten Tagen ge-\nwährt wurde, als am 28. Juli, dem Todestage Johann Se-\nbastian Bach's, Organist van Evken in der hiesigen gros-\nsen reformirten Kirche ein Orgel-Concert veranstaltete, das"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.6", "texte": "als eine würdige Erinnerungsfeier an den unsterblichen Alt-\nmeister dem Concertgeber gegenüber uns zu grossem\nDanke verpflichtet. Das Programm bestand ausschliesslich\naus Compositionen Bach's und enthielt u. A.: das gross-\narlige Präludium und Fuge (ä 3 soggetti) in Es-dur; die\nihrer mannigfachen Schwierigkeiten wegen selten zur Auf-\nlührung gelangende Toccata in das Trio (in\nüber „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'\"; die Fuge in E-dur\n(aus dem wohltemperirten Ciavier); dann die herrliche\nPhantasie und Fuge in G-mollund die Choral-Vorspiele:\n„Schmücke dich, o liebe Seele\", „Wachet auf, ruft uns\ndie Stimme\" und „Wenn wir in höchsten Nöthen sind\"\nein Programm, das uns die unendliche Ideenwelt des\ngrossen Genius in rechter Weise aufzuschliessen geeignet\nwar und das hinsichtlich der Ausführung in van Eyken\nden „rechten Mann\" gefunden hatte. Ein eben so zahlrei-\nches als gewähltes Publicum von nah und fern hatte sich\nin den heiligen Räumen versammelt und lauschte mit stiller\nAndacht den Accorden, die mit ihrer überzeugenden Kraft\ndahin braus'ten und für den grossen Meister bewundernde\nEhrfurcht, für seinen Dolmetscher aber Lob und Beifall\nerrangen. Herr van Eyken hat in den letzten beiden Jahren\nnun schon eine ziemlich ansehnliche Reihe von Orgel-Vor-\nträgen gehalten und sich eben so sehr als tüchtigen Mu-\nsiker wie als Meister des Orgelspiels bekundet. Besonders\nhalten wir auch das für eben so verdienstlich als lobenswerth,\ndass er sich vorzugsweise, fast ausschliesslich, auf classi-\nschem Boden bewegte und uns nicht bloss die gewöhn-\nlichen „ Paradepferde\" der Orgelspieler, sondern auch solche\nSachen vorführte, die seltener zum Vortrage kommen. So\nhörten wir ausser den bereits genannten eine ganze Reihe\nvon Präludien und Fugen von J. S. Bach, ferner Compo-\nsitionen von C. F. Becker, J. Andre, M. G. Fischer, Gade\n(Tonstücke lür Orgel), A. Hesse, Höpfner, Krebs, Kühm-\nstedt, Merkel, W. A. Mozart (Fuge in Phantasie\nin F-moll,von Ritter eingerichtet), Mendelssohn, 0. Nicolai\n(Fest-Ouverture über „Ein' feste Burg\", eingerichtet von\nF. Liszt), Rink, E. F. Richter, A. G. Ritter, Jos. Schnei-\nder, Rob. Schumann u. s. w.\nAuch van Eyken's eigene Compositionen, von denen\nwir die Orgel-Sonaten 1, 2, 3, Präludien, Fuge in Es-dur\nund einige vortreffliche Arrangements aus Beethoven, C.\nReinecke, Schumann und Händel zu hören Gelegenheit\nhatten, bekunden ein ausgezeichnetes Talent und ein tüch-\ntiges Streben. Oft genug schätzt man heute den Werth\ndes Componisten nach der Opus-Zahl seiner Werke, und\nwer da nicht wenigstens schon Opus 50 hinter sich hat,\nder ist eine unbekannte Grösse ohne Anspruch auf „Ruf\".\nVan Eyken gehört glücklicher Weise nicht zu den Viel-\nschreibern ; seine Muse hält sich frisch und sammelt noch\nimmer mehr Kraft bei ihrem erhabenen Vorbilde. Doch\nwurden schon früher zwei seiner grösseren Compositionen\nin Holland als Preis-Arbeiten gekrönt, und beide, sowohl\nsein „Lucifer\" als auch eine jetzt im Erscheinen begriffene\nSonate lür Violine und Pianoforte brachten dem Compo-\nnisten die ungetheilteste Anerkennung von Männern von\nFach ein, wie Schumann, Marschner, Hauptmann und An-\nderen, und seine Orgel-Sonaten wurden ja auch in Ihrer\nZeitung sehr beifällig beurtheilt. Wie wir hören, ist der\nComponist jetzt mit der Ueberarbeitung des „Lucifer\" be-\nschäftigt, der für Chor, Soli und Orchester geschrieben ist.\nDer Stoff ist derselbe, den Milton in seinem verlorenen Pa-\nradies behandelt. Hoffentlich wird uns der nächste Winter\ndas Werk vorführen; dann ist es uns vielleicht gestattet,\nauslührlicher darauf zurück zu kommen.\nSchliesslich will ich noch bemerken, dass Herr van\nEyken vor Antritt einer grösseren Kunstreise noch seinen\nletzten Orgel-Vortrag (am 9. August) zu einer Gedächt-\nnissfeier lür Robert Schumann gestaltete. Das Pro-\ngramm enthielt nur Compositionen des leider so früh Ent-\nschlafenen und brachte u. A. die Fugen Nr. 1, 2, 3 und\nDoppelfuge (Nr. 6) über den Namen „Bach\", das von van\nEyken arrangirte Abendlied aus Op. 85, und das Largo\naus der dritten Sinfonie und den Canon aus Op. 56, die\nbeide von ergreifender Wirkung sind. Es war ein Act der\nPietät, für den dem Veranstalter der Dank aller Verehrer\ndes grossen Genius gebührt. —7.—\n\nSäcularfeier des Todestages von Georg\nFriedrich Händel.\nEs hat sich in Halle ein Comite gebildet, welches folgenden\nAufruf erlassen hat:\n„Am 13. April 1759 verschied Georg Friedrich Händel,\neiner der grössten Männer deutscher Nation, einer der bedeutend-\nsten Männer seiner Kunst. Die bevorstehende hundertjährige\nWiederkehr seines Todestages mahnt alle Deutschen, die noch im-\nmer ungelös'te Schuld des Dankes gegen ihren Landsmann abzu-\ntragen. Zu unserer grossen Genugthuung vernehmen wir, dass Vor-\nbereitungen getroffen werden, das Andenken Händel's durch eine\nGesammt-Ausgabe seiner Werke zu ehren. Indess ist wünschens-\nwerth, dass zu diesem Zeichen der Anerkennung noch ein zweites\nhinzu komme. Halle, die Stadt, wo Händel geboren wurde und\ndie ersten so wichtigen Eindrücke der Jugend empfangen hat,\nwünscht, dass in seinen Mauern ihm ein Denkmal gegründet werde.\nZur Errichtung eines solchen ist ein Comite zusammen getreten."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.7", "texte": "Dasselbe beabsichtigte ursprünglich, hier am Orte eine Anstalt zu\nbegründen, welche die Pflege Händel'scher Musik zu ihrer beson-\nderen Aufgabe hätte. Wir bescheiden uns indess, dass man in\neinem derartigen Plane, zum Schaden des Hauptzweckes, eine Be-\ngünstigung nur localer Interessen finden könnte, und fordern da-\nher zunächst dazu auf:\nAndenken durch Errichtung seines Stand-\nbildes an seinem Geburtsorte zu ehren.444'\n„Dieses Unternehmen wird zuversichtlich die Unterstützung aller\nderer, die Händel geistige Anregung und Erhebung verdanken, also\nder grossen Mehrzahl der Gebildeten aller Nationen finden. Für\nMusiker wird es ohnehin Ehrensache sein, solchen Zweck zu för-\ndern. Entspräche der Erfolg der Grösse des Meisters, so würden\nwir uns vielleicht in den Stand gesetzt sehen, neben dem neuen\nauch den ursprünglichen Plan zu verwirklichen. Die Nähe der\nSäcularfeier veranlasst uns aber zu der Bitte, dass alle Freunde\nunseres musicalischen Vorhabens sich möglichst beeilen mögen,\ndurch musicalische Aufführungen, Subscriptionen und sonst geeig-\nnete Mittel dessen rechtzeitige Ausführung zu ermöglichen. Ueber\nden Fortgang des Unternehmens und die Verwendung der einge-\nhenden (an Herrn Gemeinderath Wucherer hierselbst zu adres-\nsirenden) Geldbeiträge werden wir nicht verfehlen, öffentlich Re-\nchenschaft abzulegen. Wir bitten um weiteste Verbreitung dieses\nAufrufes und hoffen namentlich, dass die verehrten Redactionen\ndeutscher Zeitungen uns durch den Abdruck desselben, so wie\ndurch Annahme von Geldbeiträgen freundlich unterstützen werden.\n„Halle, im Juni 1856.\"\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöln. Der Männergesang-Verein hat am Sonntag den\n10. d. Mts. eine Sängerfahrt auf dem Rheine gemacht. Das be-\nkränzte und beflaggte niederländische Schnellboot brachte den\nmunteren Kreis von Damen und Herren schon gegen Uhr Mor-\ngens nach Königswinter. Von da ging es zu Fuss über Ober-Dol-\niendorf nach Heisterbach, wo die Gesänge unter den grünen Bu-\nchenhallen einen herrlichen Eindruck machten; dann den roman-\ntischen und an schönen Fernsichten so reichen Fussweg um die\nKuppe des Petersberges herum nach Königswinter zurück. Im\nHotel de TEurope wurde ein heiteres Mahl von 123 Gedecken ein-\ngenommen und mit Gesängen und humoristischen Vorträgen ge-\nwürzt. Späterhin ging ein Theil der Gesellschaft zu Fuss nach Go-\ndesberg, ein anderer erreichte dasselbe Ziel in Nachen bis Plitters-\ndorf und von da zu Lande. In Godesberg strömten durch die herr-\nliche Abendluft die Lieder am volltönendsten, so dass die ganze\nzahlreiche Gesellschaft der Besucher der Garten-Anlagen vor dem\nHotel Blinzler ihre Freude daran hatte. Franz Weber war, wie\nauf den grossen Sängerfahrten des Vereins, mit seiner musicalischen\nSeele, seiner unverwüstlichen Laune und seinem nie ermattenden\nDirigenten-Eifer wie immer das belebende Princip des Ganzen.\nDer letzte Eisenbahn-Zug führte den fröhlichen Verein nach Köln\nzurück.\nDieser Tage ist hier ein ausgezeichnet schöner Concertflügel\naus der berühmten Fabrik von Broadwood in London ange-\nkommen, welchen Herr Broadwood nnserem Ferdinand Hiller\nzum Geschenke gemacht hat. Da die Engländer gewohnt sind,\nnichts halb zu thun, so hat Herr Broadwood einen seiner Werk-\nmeister mit dem Instrumente von London hieher geschickt, und\ndieser hat den erhaltenen Auftrag, den kostbaren Flügel nicht eher\nzu verlassen, als bis er ihn in Hiller's Saale aufgestellt habe, auf\ndas gewissenhafteste vollzogen.\nDer junge Pianist Arthur Napoleon, der hier in gutem\nAndenken steht, war diese Woche auf der Durchreise nach den\nBädern einen Tag hier. Er hat in der nun geschlossenen Saison\nin London mit grossem Beifalle gespielt, worüber in den englischen\nBlättern nur Eine Stimme herrscht, indem auch diejenigen Kriti-\nker, die ihn wegen seiner Jugend im vorigen Jahre noch nicht\nrecht anerkennen wollten, gegenwärtig voll seines Lobes sind. Sein\ngrosses Talent hat sich, seitdem wir ihn nicht gehört, auf eine be-\nwundernswerthe Weise entwickelt.\n** Ems, 7. Aug. Das gestern Abends hier Statt gehabte Con-\ncert des berühmten Componisten Herrn Henri Herz, unter Mit-\nwirkung der Sängerin Fräul. de Villar aus Portugal, ist als das\nbeste und gelungenste während der ganzen Saison zu bezeichnen.\nSowohl der Saal als die Galerie waren vollständig besetzt, und be-\nfanden sich ausser der Prinzessin Friedrich von Holland, der Kron-\nprinzessin von Schweden und dem Prinzen Georg von Preussen\ndie hiesigen russischen, französischen und englischen Notabilitäten\nunter den Anwesenden. Diesem schon vor einigen Tagen angezeigt\ngewesenen Coneerte sahen alle Musikfreunde mit einem Interesse\nentgegen, welches bei dem grossen Rufe des als Componisten wie\nals Virtuosen so hervorragenden Künstlers ein gewiss wohlbegrün-\ndetes war. Schon bei seinem Auftreten wollte der Applaus kein\nEnde nehmen, wurde aber noch verstärkt durch den Vortrag sei-\nner beiden Compositionen Grand Concerto (das fünfte) und Grande\nFanlaisie mililaire sur des motifs de la Fille du Regiment, so wie\nzweier neuen, hier componirten Piecen: Charit du Pelerin und Grand\nGalop brillant, welche man seinen besten Compositionen zur Seite\nstellen kann und die gewiss in Kürze populär werden dürften.\nFräul. de Villar, welcher wegen der Sicherheit, womit sie ihr\nOrgan beherrscht, der reinen Intonation, so wie der überaus kräf-\ntigen Stimme eine eben so lebhafte als wohlverdiente Anerkennung\nzu Theil wurde, wünschen wir, dass sie mit eben so ungeteiltem\nBeifalle auch in den anderen Taunusbädern, wo sie noch Coneerte\nzu geben gedenkt, aufgenommen werde.\n*** Baden-Baden, 8. August. Herr Benazet lässt nun auch\neine französische Salon-Oper für unsere französich-russische Som-\nmer-Colonie kommen. Mademoiselle Caroline Düprez und zwei\nSänger der komischen Oper von Paris werden eine Operette auf-\nführen, welche Clapisson besonders lür „das Etablissement\" des\nHerrn Benazet componirt hat. Man sieht, auch die Fürsten der\nSpielbank begünstigen die Kunst. Doch das ist noch nicht Alles.\nAm 14. August wird derselbe ein grosses Concert unter Berlioz\nDirection zum Besten der Ueberschwemmten in Frankreich veran-\nstalten, in welchem die Viardot und die Duprez und der Te-\nnor Gremminger aus Karlsruhe (welche Ehre für einen Deut-\nschen!) nebst der karlsruher Capelle mitwirken werden. Doch wel-\nlen wir Herrn Benazet nicht Unrecht thun; denn er hat auch den\ndeutschen Violinspieler Adolf Köckert eingeladen, welcher am\n7. d. Mts. Mendelssohn's Concert und eine eigene Composition mit\nausserordentlichem Erfolg spielte und eine Anerkennung errang,\ndie nach Alard's und Sivori's Vorträgen um so ehrenvoller\nwar, je mehr das hiesige Publicum nur aus Ausländern besteht\nund alles Ausländische vorzugsweise erhebt. Die treffliche Pianistin\nMa 11 ma n n aus Paris, deren Vortrag Beethoven'scher Sonaten\nfast an ideale Vollendung reicht, und der ClavierspieJer Wie-\nniawski sind auch hier.\nDie spanische Sängerin de Fortuni macht in Homburg\ngrosses Aufsehen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560816-01.1.8", "texte": "Würztoiarg. Der hiesige Sängerkranz hat am 31. Juli sei-\nnem Dirigenten V. E. Becker, welcher den Preis der Tonhalle\nzu Mannheim für seine Composition des „Festgesanges an Schil-\nler\" erbölten hat, ein Fest gegeben und ihm einen silbernen Po-\ncal überreicht.\nWien, Die gefeierte Schauspielerin Fräulein Louise Neu-\nmann wird sich mit einem Grafen Schönfeld vermählen und sich\nvon der Bühne zurückziehen. Ein unersetzlicher Verlust für das\nHotburg-Theater.\nLiszt ist am Samstag den 9. August in Wien eingetroffen,\nSonntag früh über Gran wo er sich nöthiger Vorbesprechungen\nund localer Orientirung halber einen Tag aufhält nach Pesth\nabgegangen.\nPestH, 10. August. Wenn ich nochmals auf die Angelegen-\nheit der Liszt'schen Einweihungs-Messe zurückkomme, so geschieht\nes, um Ihnen berichten zu können, dass die Sache eine erfreuliche\nWendung genommen habe. Es ist nämlich definitiv bestimmt, dass\ndie Liszt'sche Messe am Einweihungstage der Kirche zu Grau un-\nter des Componisten persönlicher Leitung zur Aufführung gelangen\nwerde. So wie das niedrige Intriguenspiel, dessen Opfer das Liszt'-\nsche Werk beinahe geworden wäre, in allen künstlerischen und\npatriotischen Kreisen, in der einheimischen wie auswärtigen ge-\nsinnungstüehtigen [!] Presse einen allgemeinen, einstimmigen Schrei\nder Entrüstung hervorgerufen hat, so konnte die neueste Wendling\nbegreiflicher Weise nicht verfehlen, die erregten Gemüther mit dem\nGefühle freudigster Genugthuung zu erfüllen. An Thatsächlichern\nkann ich Ihnen noch berichten, dass Liszt dieser Tage schon hier\neintrifft, worauf die Proben sogleich beginnen werden. Die Be-\nsetzung, so viel bis jetzt festgesetzt worden ist, soll an 60 Instru-\ninentalisten (10 erste und zweite Violinen, 8 Violen, 6 Violoncells\nund Contrabässe, einfache Harmonie) und eben so viele Sänger be-\ntragen ; die Solosänger sind noch nicht namhaft gemacht. Wie ich\nendlich bestimmt versichern höre, dürfte in dem Concerte, welches\nLiszt zu Gunsten unseres Conservatoriums im Museumssaale zu\nveranstalten versprach, nebst der Aufführung einer seiner „sympho-\nnischen Dichtungen\" auch die Reprise der Einweihungs-Messe\nStatt finden, damit auch das grössere Publicum Pesths, welches\ndie Messe in Gran nicht hören kann, des Genusses dieses Werkes\ntheilhaftig werde. (Wiener 81. f. Musik.)\nBi*Ussel« Das Theätre de la Monnaye, im vorigen WTinter ab-\ngebrannt, wurde am 25. Juli, bei dem Jubelfeste des Königs, wie-\nder eröffnet, bleibt aber den August über noch geschlossen.\nWettstreit im Sologesänge. Die Sociele royale de l'Aca-\ndfonie de Musique zu Louvain (Löwen) in Belgien ladet die Di-\nlettanten des In- und Auslandes zu einem Wettstreite im Solo-\ngesänge, sowohl von Damen als Herren, unter den Auspi-\ncien der Stadt Löwen, an deren Communalfeste, dem 9. Septem-\nber, ein. Die Haupt-Bedingungen sind: Jeder Theilnehmer kann\nein Gesangstück nach eigener Wahl vortragen; ist es eine Ro-\nmanze (Lied), so muss sie zwei Strophen, aber nicht mehr als drei,\nhaben. Begleitung bloss am Pianoforte, durch wen man will.\nAusgeschlossen sind alle gegenwärtigen oder ehemaligen Bühnen-\nsänger oder Gesanglebrer von Fach, eben so die Einwohner der\nStadt und ihres Gebietes. Anmeldungen bei Herrn Adolphe Brion,\nrue des Vaches Nr. 18 ä Louvain..\nEhrenpreise. A. Für Damen: ein Schmuck, erster Preis im\nWerthe von 200 Fr., zweiter von 100 Fr. B. Für Herren: eine\ngoldene Medaille, erster Preis im Werthe von 200 Fr., zweiter\nvon 100 Fr.\nDie St.-Georgs-II alle in Liverpool (über deren Pracht-\nbau wir im vorigen Jahrgange in den Artikeln über die Musik-\nZustände in England berichtet haben) wird in diesem Sommer\nvollendet. Die Einweihung ist auf den 5. September festgesetzt und\ndazu als Solo-Quartett die Damen Novello und Alboni und die\nHerren Sims-Reeves und Karl Formes engagirt. Bisher ist\nin dem grossen Saale, in welchem die gewaltige Orgel steht, eine\nReihe von 68 Orgel-Concerten fürs Volk zu 6 P. (5 Sgr.), ja,\nzuweilen zu 3 P. Eintrittsgeld, gegeben worden (Organist Mr. Best),\nwelche von der Arbeiter-Bevölkerung dermaassen besucht worden\nsind, dass im Durchschnitt 900—1000 Personen jeden Sonntag und\nMontag zugegen waren und der Ueberschuss nach Abzug aller\nKosten 1000 Pf. St. betrug.\nCapellmeister Johann Strauss setzt seine Musik-Produetion\nim Concertgarten zu Petersburg unter grossem Beifalle und sehr\nzahlreichem Besuche fort. Bei dem letzten Concerte war auch Ad-\nmiral Charles Napier zugegen. Strauss begibt sich zu der Krö-\nnungsfeier nach Moskau."}]}