{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-08-30-01", "volume": "bmtnabi_1856-08-30_01", "ocr_sha256": "7767058cc4b9913b32f3ff8cf3a9517e6b7027e1ffd8e2bd7dd862e44d5eddb1", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/08/30_01/bmtnabi_1856-08-30_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-08-30-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-08-30_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-08-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "277", "page_fin": "277", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 421, "texte": "Inhalt.\nGeorg Friedrich Händel. 11. Dessen erste Säcularfeier. Der geistliche Männergesang (W. Greef's geistliche Män-\nnerchöre 11. Heft. Th. Elze, Chorgesänge zum Gebrauche beim Gottesdienste, Op. 4. Männer-Quartette, Op. 6 und 7. C. Feye,\nHymne, Op. 19). —P. J. v. Lintpaintner, iNekrolog. Tages- und Unterh altungsblatt (Wiesbaden Baden-Baden Wien,\nHunyady, Oper von Erkel, Iphigenie von Gluck, Ph. J. Biotte y Paris)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-08-30-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-08-30_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-08-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "277", "page_fin": "281", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.2.2", "titre_corps": "Georg Friedrich Händel.", "titre_sommaire": "Georg Friedrich Händel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.1", "debut_caractere": 423, "fin_caractere_exclue": 3927, "texte": "Georg Friedrich Händel.\nII.\n(I. S. Nr. 34.)\nNach diesen wiederholten Unfällen und einer sehr\nschweren Krankheit ging er ungefähr in der Mitte des Jah-\nres 1741 nach Irland. Gleich nach seiner Ankunft in\nDublin gab er den Messias zum Besten des dortigen\nGefangenhauses, und dieser menschenfreundliche Zug fand\nso allgemeinen Beifall, als seine Musik. Händel'sßuhm ver-\nbreitete sich immer mehr und mehr in Irland, und seine\nVerhältnisse fingen an, wieder besser zu werden. Im An-\nfange des Jahres 1742 kam er nach London zurück, mit\ndem Vorsatze, sich den nunmehrigen Opern-Unternehmern\nnicht mehr zu widersetzen; und so hörten die alten Feind-\nseligkeiten allmählich auf. Sein Samson, womit er dieses\nJahr in den Fasten die Bühne in Coventgarden eröffnete,\nführte das Publicum scharenweise herbei, so dass das Haus\nallemal gedrückt voll war, und einzelne Arien daraus sich\nbald überall verbreiteten. Dieses Oratorium ist nächst dem\nMessias auch immer das beliebteste in England geblieben,\nund der Messias hat auch gegen seine Verkleinerer den\nhohen Rang der Bewunderung, der ihm zukam und bei\njeder Wiederholung wuchs, behauptet. Händel schenkte\neine schöne Abschrift davon an das Findlings-Hospital,\nführte zu dessen Bestem ihn von 1749 an jährlich auf,\nund gab zur Capelle dieses Hospitals auch eine Orgel her.\nSo lange er lebte, geschah die Aufführung immer unter\nseiner eigenen Direction und brachte in eilf Jahren beinahe\n7000 Pfund ein. Nach seinem Tode hat man immer damit\nfortgefahren; aber siebenzehn Aufführungen haben nur die\nHälfte von jener Summe eingebracht, vielleicht weil Hän-\ndel nicht dirigirte.\nWenngleich sein Messias immer berühmter ward und\nbei dessen Vorstellung das Gedränge der Zuhörer sich stets\nvergrösserte, so war doch das Haus bei einigen seiner an-\nderen Oratorien so leer, dass die Kosten kaum bestritten\nwerden konnten. Und da er sein zahlreiches Orchester\nreichlich besoldete*), so war er 1745 nach zwei Auffüh-\nrungen des Hercules, den 5. und 12. Januar, ausser Stande,\nzu bezahlen. Dr. Burney erklärt sich nicht weiter dar-\nüber, ob Händel überall nicht habe bezahlen können, oder\nob er nur durch einen unerwarteten Zufall verhindert wor-\nden, gewisse Posten für jetzt an dem bestimmten Zeit-\npunkte zu bezahlen. Letzteres scheint der Fall gewesen zu\nsein; denn im März darauf setzte er seine Oratorien wie-\nder fort; und obgleich die Plätze oft leer waren, so muss\ner im Ganzen doch dabei verdient haben, wenn man auf\nseinen beträchtlichen Nachlass und das Geschenk an das\nFindlings-Hospital Rücksicht nimmt. Den beharrlich-\nsten Zuhörer halten seine Oratorien an dem Könige\nGeorg dem Zweiten, der immer da war, wenn auch der\nganze Hof fehlte. Dem Lord Chesterfield begegnete einst,\nda er vom Oratorium in Coventgarden kam, ein angesehe-\nner Mann, der eben hingehen wollte. „Wie so, Mvlord,\"\nfragte dieser, „sind Sie umsonst gegangen? Ist diesen Abend\nkein Oratorium?\" „0 ja,\" antwortete der Lord, „sie\nspielen schon; aber ich mochte nicht da bleiben, um den\nKönig nicht in seiner Einsamkeit zu stören.\" Händel'n be-\nfremdete es auch gar nicht, wenn er bisweilen den Wän-\nden seine Oratorien sang. Im Jahre 1749 war es bei der\nAufführung der Theodora so anhaltend leer, dass er froh\nwar, wenn Musiker, die dabei nicht zu spielen hatten, Frei-\n\n*) Händel führte alle seine Sachen, besonders die Oratorien,\nmit sehr starker Instrumental-Besetzung auf. Sein Orchester\n■war zahlreicher, als man es bis damals gesehen hatte. Pope\nnannte ihn desshalb den „Hundertarmigen\"."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5130, "texte": "Billette nehmen wollten. Zwei solcher Herren wandten sich\nnach diesem Missgeschicke der Theodora an Händel um\nfreien Einlass zu seinem Messias. „Gehorsamer Diener, ihr\nHerren!\" rief er ihnen zu: „ihr seid verzweifelt lecker! In\ndie Theodora wollt ihr nicht kommen; da war Platz genug\nzum Tanzen!\" Zuweilen sprach er seinen Freunden,\nwenn sie, ehe der Vorhang aufgezogen ward, sich gegen\nihn über die geringe Anzahl der Zuhörer beklagten, eben\nso drollig als stoisch Muth ein und sagte: „Das macht\nnichts; desto besser wird die Musik klingen.\" Seine Con-\ncerte aber, die er nebst den Oratorien fortsetzte, brachten\nihm viel ein. Burney erzählt, der Einnehmer bei denselben\nhabe ihm öfters versichert, dass ihn das Geld, welches er\nan einem Abende zu Händel'n trug, ob es gleich Gold-\nund Silbermünze war, eben so leicht hätte niederwerfen\nund ihm ein Fieber zuziehen können, als die Kupfermünze\ndem Maler Correggio that, wenn er es eben so weit zu. tra-\ngen gehabt hätte.\nHändel übte sich beständig im Spielen und hatte\nauch ein starkes Gedächtniss; denn als er in seinen letzten\nJahren blind war, fuhr er noch immer fort, Concerte zu\ngeben, worin er verschiedene von seinen alten Orgel-Com-\npositionen spielte. Er componirte auch noch, und soll das\nDuett im Judas Makkabäus: Si\ndem Herrn Smith in die Feder dictirt haben. Seine Geistes-\nkräfte erhielten sich in der jugendlichen Munterkeit und\nblieben thätig, wie sie immer gewesen waren; und wie\nreich und feurig seine Phantasie noch nach dem siebenzig-\nsten Jahre geblieben ist, bezeugen seine letzten Concerte,\nvon denen er dem Orchester bloss die Ritornell-Sätze gab\nund die Solostellen alle aus dem Stegreif spielte, indess die\nInstrumente ihm freie Hand liessen und das Zeichen er-\nwarteten, wonach sie mit dem Tut! eintraten. Den 6. April\n1759 war er zum letzten Male Anlührer eines von seinen\nOratorien, und den 13., am stillen Freitag, starb er. Seine\nBeerdigung geschah den 20. April in der Westminster-\nAbtei, und der Dechant Doctor Pearce verrichtete dabei\nmit dem Chor die gewöhnlichen Feierlichkeiten. Ein öffent-\nliches Leichenbegängniss, wie Rameau und Jomelli hatten,\nward bei Händel nicht angestellt. Allgemeinere und mehr\nnationale Beweise der Hochachtung und Verehrung blieben\neiner neuen Generation vorbehalten.\nHändel's Figur war gross, und er war etwas unter-\nsetzt, stämmig und unbehülflich in seinem Anstände; sein\nGesicht aber, voll Feuer und Würde, verrieth Geistesgrösse\nund Genie; in seinem Umgange rauh, zufahrend und ent-\nscheidend, aber ohne alle Bösartigkeit und Tücke. Er\nbrachte 1748 der Frasi einst das Duett im Judas Makka-\nbäus: From these deread sienes,gab das Tempo an und\nsang ihr die erste Stimme vor. Burney, der damals noch\njung war, stand hinter ihm und sang die zweite Stimme\nleise mit, welches HändePn so gefiel, dass er ihm sagte, er\nsolle lauter singen. Zum Unglück fehlte er, und Händel\nward, seiner Gewohnheit nach, böse, Burney erholte sich\nvom Schrecken und wagte es, ihm zu sagen, er glaube, dass\netwas darin verschrieben sei. Händel sah nach, fand, dass\ner Recht hätte, und sagte sogleich höflich und mit einer\ngutmüthigen Freundlichkeit: „Um Vergebung also! ich\nbin ein närrischer Kerl; Master Schmitt hat Schuld.\"\n—ln den lebhaftesten Aufwallungen seines Zorns und sei-\nner Ungeduld war auch immer eine gewisse Laune und\nSpasshaftigkeit, die vollends durch sein gebrochenes Eng-\nlisch noch komischer wurde. Auf seiner Reise 1741 nach\nIrland musste er widrigen Windes wegen sich ein paar\nTage in Chester aufhalten. Händel wollte indess einige\nChorstimmen probiren und bat sich von dem dortigen Or-\nganisten Baker einige Chorsänger aus, die vom Blatt singen\nkönnten. Unter diesen war ein Buchdrucker, Janson, der\neine gute Bassstimme hatte. Janson fehlte in einem Chor\ndes Messias so arg, dass Händel ihn aufs derbste anfuhr, in\nvier oder fünf Sprachen fluchte und zuletzt in gebroche-\nnem Englisch ausrief: „Du Schuft, du! Sagtest du nicht,\ndu könntest vom Blatt wegsingen?\" „Ja, Herr Capell-\nmeister,\" sagte jener, „das kann ich auch; aber nicht\ngleich das erste Mal.\"\nMit seinen Capellisten, so grossmülhig er sie bezahlte,\nso despotisch ging er auch mit ihnen um und sagte ihnen\ndie Wahrheit immer recht derb. Dabei fluchte er sehr,\nwas damals freilich üblicher als jetzt, aber immer noch\nausserordentlich war. Die Arie Verdi prati aus der Oper\nAlcina wurde ihm anlänglich von Carestini zurückgeschickt,\nweil er sie nicht singen könnte. Voller Wuth ging Händel\nzu ihm und fuhr ihn mit den Worten an: „Du Hund!\nMuss ich nicht besser wissen als du, was du singen kannst?\nWillst du die Arien nicht singen, die ich dir gebe, so be-\nzahle ich dir keinen Stüber.\" —Als die Cuzzoni sich trotzig\nweigerte, seine herrliche Arie: im Otho zu\nsingen, sagte er zu ihr, er wisse wohl, sie sei ein wahrer\nTeufel; er wolle ihr aber schon zeigen, dass er Beelzebub,\nder oberste der Teufel, sei. Und gleich fasste er sie um\nden Leib und schwur, sie zum Fenster hinaus zu werfen,\nwenn sie nicht den Augenblick ihm gehorchen wollte.\nEr sah nie auf die Person, die ihm etwas in den Weg\nlegte; was er dachte, musste heraus. Er ward immer böse,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5368, "texte": "wenn der Prinz und die Prinzessin von Wales nicht zur\nrechten Zeit zu den Proben seiner Oratorien in Carleton\nHouse kamen. Welche Würde und Nachdruck dabei in sei-\nnem Gesichte sich gezeigt habe, beweis't die Achtung des\nPrinzen für ihn, indem er zugab, dass Händel Recht habe,\nsich zu beschweren. Wenn aber die Hofdamen oder Kam-\nmerfrauen während der Musik plauderten, so pflegte er\nnicht nur zu fluchen, sondern sie gar bei Namen aufzuru-\nfen. Dann sagte die Prinzessin gemeiniglich mit Sanftmuth :\n„Stille, stille! Händel ist böse!\" Sein natürlicher Hang\nzu Witz und Laune, und die glückliche Gabe, die gemein-\nsten Vorlälle auf eine anziehende, ungewöhnliche Art zu\nerzählen, machte ihn lähig, Personen und Sachen in dem\nlächerlichsten Lichte darzustellen; Burney meint, Händel\nwürde, wäre er wie Swift Meister der Sprache gewesen,\neben so witzige Einfälle und ziemlich von eben dem\nSchlage gehabt haben.\nEr war immer sehr fleissig und fand in der Beschäfti-\ngung mit seiner Kunst mehr Vergnügen als in dem freund-\nschaftlichsten Umgange, für den er nur wenig Zeit übrig\nbehielt. Daher hatte er ausser seinem Fache auch nur we-\nnig sonstige Kenntnisse. Sein Geist war immer thätig, und\nseine Phantasie wirkte so stark, dass es ihm zur Gewohn-\nheit ward, laute Selbstgespräche mit sich zu halten. Er\nhatte einst einen Knaben zu sich ins Haus genommen, der\nihm nicht nur seiner Anlagen zur Musik, sondern auch\nseines sittsamen Betragens und Fleisses wegen empfohlen\nwar, nachher aber verdorben wurde und davon lief. Händel\nging darauf einmal im Park, wie er glaubte, allein, spa-\nziren und sagte laut zu sich selbst: „Der Teufel! seinen\nVater hat er angeführt; seine Mutter hat er angeführt;\naber mich hat er nicht angeführt; es ist ein verwünsch-\nter Schurke— ein Taugenichts!\"\nSeine eigene Grösse kannte er, wurde aber dadurch\nauch oft verleitet, ein unbilliges oder einseitiges Urtheil\nüber andere Künstler zu fällen. So war das über Gluck,\nder 1745 nach England kam, beschaffen. Pope wünschte,\ndass Händel seine Eurydice, die er schon lür Dr. Green,\neinen Anhänger von Bononcini, durch Vertheilung des Tex-\ntes in Arien und Recitative lyrischer und musicalischer ge-\nmacht hatte, componiren möchte. Händel erfuhr diese vor-\ngenommene Veränderung kaum, so wies er sie von sich\nund sagte: „Das ist ja eben das Ding, das mein Balgtreter\nschon lür ein Doctor-Patent in Cambridge gesetzt hat!\"\n\"Er nannte ihn seinen Balgtreter, weil Green ehedem aus\ngrosser Bewunderung der Händel'schen Spielart sich hatte\ngefallen lassen, die Bälge zu treten, wenn er die Orgel in\nder St.-Pauls-Kirche spielte. Ein gewisser Geistlicher, Fei-\nton, von dem eine Sammlung Orgel-Concerte gut aufge-\nnommen war, eröffnete eine Subscription zu einer zweiten\nSammlung und bat den Anführer des königlichen Orchesters,\nBrown, er möchte Händel'n um die Erlaubniss bitten, sei-\nnen Namen mit unter die Subscribcnten zu setzen. Brown,\nder bei Händel sehr beliebt war, brachte seinen Antrag\nso fein als möglich an. Händel liess sich eben rasiren,\nschob des Barbiers Hand auf die Seite, fuhr auf und schrie\nmit eingeseiftem Gesichte: „Dass Sie des Teufels würden!\nEin Pfaff will Concerte machen? Warum macht er\nkeine Predigten?\" Die Componisten unter den Englän-\ndern selbst verachtete er nebst den Orgelspielern von\nGreen bis zu Harry Burgess hinunter, alle mit einander,\nund pflegte zu sagen: „Als ich hieher kam, fand ich unter\nden Engländern viele gute Spieler und keine Componisten;\nund jetzt gibt es lauter Componisten und keine Spieler.\"\nHändel war ein Freund der Religion, der Rechtschaf-\nfenheit, Redlichkeit und Grossmuth. Der Armen gedachte\ner vielmals, sein Orchester bezahlte er reichlich; er fehlte\nselten in dem Concerte, welches zum Besten abgelebter\nTonkünstler und ihrer Familien gegeben wurde, kannte\nden rechten Gebrauch der Zeit und nutzte sie gut. Er\nwar keinem der menschlichen Gesellschaft nachtheiligen\nLaster ergeben. Sein starker Körper bedurfte freilich eines\ngrossen Nahrungsvorrathes, und in dessen Auswahl war er\nein ziemlicher Epikuräer*). In der Oratorienzeit pflegte er\ndie vorzüglichsten Musiker oft zu bewirthen. Brown, der\neinstmals von der Gesellschaft war, erzählte Burney, dass\nHändel während der Mahlzeit oft rief: „0, mir lallt was\nein!\" und dann wünschten seine Gäste, dass ihretwegen\ndas Publicum keine von seinen schätzbaren musicalischen\nIdeen verlieren möchte, und baten ihn, in sein Zimmer zu\n\n*) Der selige Ad. C. Cunzen, herzoglich mecklenburgischer Ca-\npellmeister, der ein so brillanter und gründlicher Orgelspieler\nwar, dass er nur Händel n über sich litt, lebte mit Letzterem\neine geraume Zeit in London und pflegte unter Anderem zu\nerzählen, dass als Spieler keiner Händel'n je übertreffen\nkönnte; ihn aber spielen zu sehen, besonders in Privat-Ge-\nsellschaften, wenn er unter Freunden sich befand, wäre einem\nanderen Spieler kaum auszuhalten möglich gewesen. Beim\nPhantasmen spielte er dann stellenweise, und zwar nicht sel-\nten nur mit Einer Hand, während er mit der anderen Con-\nfect aus seinen getüllten Taschen holte und ganz gemächlich\nverzehrte, so dass Cunzen, der bei seinem Spiel immer in\nFeuer gerieth und mit dem ganzen Körper zu arbeiten schien,\nallemal, wie er selbst sagte, Händel'n dieser äusseren Kälte\nund Ruhe wegen beneidete und die Zähne vor Aergerniss\nzusammenbiss. Confect war überhaupt Händel s tägliche Na-\nscherei."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4932, "texte": "gehen und sie aufzuschreiben. Dies that er indess so oft,\ndass zuletzt einer von denen, die ihm am wenigsten trau-\nten, die Neugierde hatte, durch das Schlüsselloch zu gucken,\nwo er sah, dass diese Gedanken bloss auf ein frisches An-\nker Burgunderwein verwandt wurden, indess seine Gäste\nsich mit Portwein begnügten.\nHändel war so fett, dass die Knöchel an seinen Hän-\nden, die gewöhnlich etwas hervorstehen, eingedrückt und\ntief im Fleische einliegend waren. Bei der Cibben spielte\ner einst das Ciavier. Der Schauspieler Quin, der seiner na-\ntürlichen Rauhigkeit ungeachtet ein grosser Musikfreund\nwar und Händel'n daselbst hörte, ward nach seiner Ent-\nfernung von der Mrs. Cibben gefragt, ob Händel nicht eine\nallerliebste Hand habe.— „EineHand,Madame?\" versetzte\ner: „Sie irren, es ist ein Fuss!\" „Nun gut denn,\" sagte\nsie: „hat er nicht schöne Finger?\" „Zehen, Ma-\ndame, bei meiner Treu!\" Dieser Fettigkeit ungeachtet,\nwar sein Anschlag so sanft und sein Ton so eben, dass\nseine Finger an die Tasten angewachsen zu sein schienen.\nSie waren so gebogen und dicht an einander, wenn er\nspielte, dass man keine Bewegung, und kaum die Finger\nselbst, wahrnahm.\nSein Vermögen, das an die zwanzigtausend Pfund\nreichte, fiel meistens seinen Verwandten in Deutschland zu,\nausser tausend Pfund, welche der musicalischen Versor-\ngungs-Anstalt vermacht waren.\nDie hundertjährige Jubelfeier von Händel's Geburtstag\nzu London im Jahre 1784 (nach Escbenburg's Nachfor-\nschungen in Halle ein Jahr zu früh veranstaltet) war das\nerste von den grossen Musikfesten, die bis auf den heuti-\ngen Tag in England und seit 1809 auch in Deutschland\nalljährlich gegeben werden. Desshalb dürfte es anziehend\nsein, einige merkwürdige Einzelheiten über jene Feier aus\nderselben Quelle (dem oben angeführten Werke Burney's,\nder als Augenzeuge darüber berichtet) mitzutheilen.\nDas Andenken Händel's wurde durch fünf grosse\nConcert-Aufführungen gefeiert, die den 26., 27. und 29.\nMai und den 3. und 5. Juni 1784 in der Westminster-\nAbtei Statt fanden, mit Ausnahme des zweiten Concertes,\nwelches im Pantheon gegeben wurde. Die erste Anregung\ndazu hatte Joah Bates gegeben, Gründer und Vorsteher\nder Gesellschaft für alte Musik (1776), und er erwarb sich\nauch um die Anordnung und Ausführung des Ganzen das\ngrösste Verdienst. In der Westminster-Abtei wurde auf\nBefehl des Königs ein kolossaler Orchesterbau bewerk-\nstelligt.\n„Um das Orchester\", sagt Burney, „so stark und voll-\nständig als möglich zu machen, wurde beschlossen, jede\nArt von Instrumenten, die bei einer starken Musik und in\neinem grossen Räume vorzügliche Wirkung hervorbrächte,\ndabei zu gebrauchen, als: Posaunen, Pauken, das Doppel-\nFagott. Man errichtete eine Orgel an dem westlichen Ende\nder Abtei, im Hintergrunde des Orchesters, und verband\ndie Orgeltasten mit einem Ciavierwerke, das neunzehn Fuss\nweit von der Orgel abstand und wovon die Tasten zwan-\nzig Fuss sieben Zoll senkrecht tiefer lagen, als die Orgel-\ntasten selbst. Dieser weiten Entfernung der Tasten von\ndem Orgelwerke ungeachtet, waren sie durch mechanische\nHülfsmiltel anschlagbarer gemacht worden, als man es er-\nwartet hatte. Das Orchester war vorn sieben Fuss hoch\nvom Boden, erhob sich von da allmählich bis zu der gröss-\nten Höhe von vierzig Fuss, von der Basis der Pfeiler an\ngerechnet, und erstreckte sich von der Mitte bis an das\nEnde der Seitenflügel. Von jedem Concerte ward nicht\nmehr als Eine General-Probe angestellt, so genau und or-\ndentlich ging Alles dabei zu.\nDie Anzahl der Mitglieder bestand aus 5 Directoren,\n3 Directions-Gehülfen, dein Anlührer Joah Bates, der die\nOrgel spielte, und seinem Gehülfen John Ashley, aus 43\nPersonen bei der ersten und 47 bei der zweiten Violine,\nwovon zwei bei der ersten und zwei bei der zweiten Vio-\nline die Principalstimme führten; ferner aus 26 Bratschen,\n26 Hoboen, 6 Flöten, 21 Violoncellen, 26 Fagotten, 1\nDoppel-Fagott, 15 Contrabässen, 12 Trompeten, 6 Po-\nsaunen, 12 Hörnern und 4 Pauken; 7 Solo-Discantisten,\n53 Chor-Discantisten, 3 Solo-Altistenund 45 Chor-Altisten,\n3 Solo-Tenoristen, 79 Chor-Tenoristen, 5 Solo-Basssän-\ngern und 79 Chor-Bassisten, zusammen also aus 539\nPersonen. Die musicalischen Dirigenten waren Cr am er\nund Hay. Die Mara sang die Haupt-Soli.\nDen ersten Abend ward in der Westminster-Abtei\naufgeführt die Krönungs-Motette, welche Händel 1727\nverfertigt hatte; hierauf die Ouvertüre aus der Esther, com-\nponirt 1720; das Hetlinger verfertigt 1743\nauf den Sieg der Engländer über die Franzosen. Im zwei-\nten Theile kam aus dem 1740 zum ersten Male aufge-\nführten Oratorium Saul die Ouvertüre und der Todten-\nmarsch; ferner ein Theil der 1737 in der Westminster-\nAbtei beim Begräbnisse der Königin Caroline aufgeführten\nMotette, der gegen das Vorige einen sanften und rührenden\nContrast machte, und ein Chor aus dem einzigen Jubilate,\ndas Händel je verfertigt hat, und welches er 1713 zu\ngleicher Zeit mit dem Utrechter Te Deum in seiner gross-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1527, "texte": "ten und prächtigsten Schreibart setzte. Im dritten Theile\nward eine 1719 verfertigte Motette und ein Stück aus\nIsrael in Aegypten, 1738 componirt, aufgeführt. Den fol-\ngenden Abend wurden im Pantheon verschiedene Händel'-\nsehe Compositionen von 200 auserlesenen Tonkünstlern\nexecutirt in Gegenwart von mehr als 1600 Zuhörern.\nDieses Concert that aber nicht die Wirkung des vorigen,\nworan die heisse Witterung grösstentheils schuld war.\nUnter den Stücken, welche diesen Abend gegeben wurden,\nist eine andere, auch 1727 verfertigte Krönungs-Motette,\nvon der Burney eine hübsche Anekdote erzählt. Die\nBischöfe hatten nämlich dem Componisten die Texte, die\ner in Musik setzen sollte, zugeschickt. Händel'n machte\ndies verdriesslich, weil er glaubte, man halte ihn lür un-\nwissend und unbelesen in der Bibel. „Ich habe\", liess er\nihnen sagen, „meine Bibel fleissig genug gelesen und werde\nmir die Sprüche selbst aussuchen.\" Dies that er auch und\ntraf in dem Anfangsspruche: „Mein Herz dichtet ein feines\nLied; ich will singen von einem Könige\", Ps. XLV. 1.,\neine sehr kluge Wahl. ln der dritten Aufführung ward\nder Messias, den Händel 1741 componirte, gegeben; in\nder vierten verschiedene kleinere und aus grösseren Hän-\ndel'schen Werken genommene Stücke, und in der fünften\nwieder der Messias. Der ganze Ertrag dieser fünf musica-\nlischen Aufführungen war 12,736 Pf.-12 Sh. 10 P.» wo-\nvon 1000 Pf. an das Westminster-Hospital, 6000 Pf.\nan die Versorgungs-Anstalt für Tonkünstler fielen und der\nBest mit den gehabten Kosten aufging."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-08-30-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-08-30_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-08-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "283", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.2.3", "titre_corps": "Der geistliche Männergesang.", "titre_sommaire": "Der geistliche Männergesang.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.5", "debut_caractere": 1529, "fin_caractere_exclue": 5043, "texte": "Der geistliche Männergesang.\nEs liegt uns das 11. Heft der „Geistlichen Män-\nnerchöre, herausgegeben von Wilhelm Greef, Essen,\n1856, bei G. D. Bädeker\", Preis 10 Sgr. vor, und es\nmacht uns eine wahre Freude, diese treffliche zweite Samm-\nlung, welche die erste nicht bloss an Umfang, sondern\nauch an werthvollem Inhalte, namentlich in Bezug auf Ori-\nginal-Compositionen, übertrifft, den Freunden des ernsten\nMännergesangs und den Geistlichen und Leitern von kirch-\nlichen Sängerchören zu empfehlen. Wie schon bei Anzeige\ndes I. Heftes (Niederrh.Musik-Zeitung, 1855, Nr. 52) be-\nmerkt, ist die Zahl guter geistlicher Männerchöre, nament-\nlich der zum kirchlichen Gebrauche geeigneten, nicht gross;\ndie Literatur des Männergesanges ist im Vergleiche mit\nanderen Zweigen des Gesanges arm daran und am ärmsten in\nBezug auf den liturgischen Männergesang. Woher sonst\ndie gewöhnlichen Erscheinungen, um nur Einiges zu er-\nwähnen, dass man von den Männerchören die so genannte\nkleine Doxologie: „Ehre sei dem Vater und dem Sohne\"\n(welche der unsterbliche Felix Mendelssohn-Bartholdy für\nden gemischten Chor der Domkirche zu Berlin in drei\nverschiedenen Bearbeitungen gegeben), oder das „Heilig\",\noder selbst das in musicalischer Beziehung gemeiniglich we-\nnig beachtete und doch so bedeutungsvolle „Amen\" u. a.\nm. ohne gehörige Auffassung, Unterscheidung und Berück-\nsichtigung für die verschiedenen kirchlichen Feste und\nFeiern meist in Einer und derselben Form und Ausdrucks-\nweise hört ? Gewiss gibt es da Manches, das sehr beschränkte\nund seichte Ansichten verräth. Schweigen wir von dem\nTactlosen und gar Unerfreulichen, dass z. B. in einer zwei\nBände starken Sammlung sich V. Becker's: „ Ein Kirchlein\nsteht im Blauen\" (mit sehr geringer Text-Aenderung) als\nEinweihungs-Gesang einer Kirche (!) findet u. dgl. m.; oder\nauch, dass man einerseits häufig andere als die zu Compo-\nsitionen so sehr sich eignenden Bibelverse zu Grunde legt,\nund andererseits Gesangformen wählt, welche die Erbauung\neher stören als fördern. Sicherlich ist hier noch viel Ver-\ndienst zu erwerben, und willkommen muss jeder wirklich\nfördernde Beitrag sein.\nVeranlassung hierzu geben in unseren Tagen für die\nprotestantische Kirche insbesondere die liturgischen An-\ndachten (neben dem gewöhnlichen Haupt-Gottesdienste\ndurch Predigt-Erbauung u. s. w.), deren Geschichte sich\nbis in die frühesten Jahrhunderte verfolgen lässt und deren\nallmählicher Verfall in den beiden letzten Jahrhunderten\nmit dem Sinken und der Auflösung der kirchlichen Sänger-\nchöre u. A. eng zusammenhängt. Dass dem kirchlichen\nvollen Chorgesange neben dem Gemeindegesange zur Er-\nhöhung gottesdienstlicher Festfeier der Platz wieder werde,\nvon dem er an vielen Orten verdrängt ist, dazu wird hof-\nfentlich das vorliegende 11. Heft der „Geistlichen Männer-\nchöre\" in hohem Grade mitwirken. Dasselbe schliesst sich\nin seinem ersten Theile an die weit verbreiteten „Liturgi-\nschen Andachten der königlichen Hof- und Domkirche, her-\nausgegeben von Fr. A. Strauss (zweite Auflage, Berlin,\nVerlag von W. Hertz, 1853)\", an, auf welche Schrift, als\nauf einen zweckmässigen Anhaltspunkt, auch die preussi-\nschen Regulative die Lehrer-Seminare hinweisen. Es gibt\nunter: A. 93 liturgische Männerchöre für zwölf\nAndachten (Weihnachten, Neujahr, Passionszeit, Ostern u.\ns. w.) nebst einem Anhange von Responsorien und Chor-\ngesängen für den sonntäglichen Haupt-Gottesdienst, und\nunter B. Zugaben, 30 Chöre zur Auswahl bei Festen\nund Feierlichkeiten, Morgen- und Abend-Andachten—also"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5098, "texte": "im Ganzen 123 Gesang-Nummern, von denen 72 Origi-\nnal- Compositionen sind. Diese letzteren sind, ausser vom\nHerausgeber, von L. Erk, H.Enkhausen, F. Filitz,\nG. Flügel, E. Wilsing und von Ernst Richter (23),\neinem ausgezeichneten früheren Schüler von Bernhard\nKlein. Aus dem Nachlasse des letztgenannten Meisters\nbringt dieses Helt schon vier schöne Original-Nummern,\nworunter ein dem musicalischen Publicum bisher unbekann-\nter grosser religiöser Gesang (Psalm 97: „Der Herr ist\nKönig\") mit Pianoforte-Begleitung, welche bei grösseren\nAufführungen wegbleiben kann, sich befindet. Diese Num-\nmer wird den vielen Verehrern B. Klein's besonders lieb\nsein. Eine andere Composition desselben Psalmes in fin-\ndet sich bekanntlich in seinen gedruckten Werken (Berlin,\nbei Trautwein). Die hier durch Greef veröffentlichte ist in\nC-dur und hat fünf Sätze: Alleg4/j, 4/4,\nAllegro assai, 3/\\, Adagio,4/4, 4/4, fugirt.\nDie 51 nicht originalen Nummern sind grossentheils\nclassische Tonsätze von Josquin de Pres (gest. um\n1515), F. Anerio, G. P. Palestrina, G. M. Nanini,\nOrlando di Lasso, T. L. da Vittoria, J. Gallus\n(Händl), A. L otti —• mehrere dieser Nummern nach\nHandschriften mitgetheilt —, ferner von R. Creyghton,\nP. Rogers, M. Ludecus, M. Frank, J. Eccard, M.\nPrätorius, D. Bortniansky, J. G. Schicht, J. C.\nSchärtlich, B.A.Weber, E. Grell, S. von Neu-\nkomm u. A. Ueber jeden Componisten und Tonsetzer,\nderen Namen schon eine gewisse Bürgschaft leisten, gibt\ndas beigelügte, alphabetisch geordnete Verzeichniss biogra-\nphische Notizen. Die Texte sind überall streng biblisch ge-\nwählt, wie es sich lür den Hauptzweck der Sammlung ge-\nbührt, und ist andererseits nicht zu verkennen, dass bei\nAuswahl und Anordnung der Gesänge im Allgemeinen auf\nEinheit im Stil gesehen worden ist, so dass neben den äl-\nteren Compositionen aus der höchsten Blüthezeit der Kir-\nchenmusik solche neuere Aufnahme gefunden, die im kirch-\nlichen Geiste und Stile componirt sind.\nDa unsere Sanges-Literatur bisher für Männerstim-\nmen zu liturgischen Andachten kein Werk hatte,\ndas die christlichen Feste, Festzeiten und religiösen Feiern,\nMorgen- und Abend-Andachten berücksichtigte, so waren\nzur Herstellung eines solchen die einzelnen zerstreuten Ton-\nsätze aus alter und neuer Zeit zu sammeln, mit Sorgfalt zu\nprüfen und zu sondern, manche lür den Männerchor zu ge-\nstalten,, und bei ihrer Zusammenstellung zu einem geordne-\nten, zusammenhangenden Ganzen auch Lücken zu füllen. In\nallen diesen Beziehungen ist die jahrelange Mühe und liebe-\nvolle Hingebung des Herrn Herausgebers an diese Arbeit\nnicht zu verkennen. Findet man nun bei genauer Prüfung\ndes Geleisteten noch dazu, dass neben der erforderlichen\nSachrücksicht auch die praktische durch eine reiche Aus-\nwahl mehrere der Chorgesänge können auch auf ande-\nren Stellen benutzt werden für mehr und für weniger\ngeübte Chöre, für grössere und für kleinere Vereine und\nLebens-Gemeinschaften möglichst beachtet, zugleich ein all-\nseitiger, intensiver wie extensiver Fortschritt im Liturgi-\nschen angestrebt worden, dabei jedoch nicht minder eine\nevangelisch-freie Bewegung und Mannigfaltigkeit auf fester,\ngeordneter Grundlage belassen ist, so muss man zugleich ,\nmit dem Danke für die Gabe die grosse Hochachtung für\ndie Gesinnung und Ausdauer des Herausgebers, wie für\nsein Wissen und Können in musicalischer Hinsicht aus-\nsprechen.\nReicher an Chorgesängen, als die heutigen Liturgieen,\nwaren schon die älteren evangelischen Kirchen-Agenden,\nund mögen mehrere der aus früheren Jahrhunderten hier\nmitgetheilten Chöre—„ Blüthen rein christlicher Frömmig-\nkeit, die ihren Duft Jahrhunderte hindurch nicht verloren\"\n(wie in Nr. 28 dieser Blätter von den Schätzen altchristli-\ncher Musik so treffend und schön gesagt wird) der fast\ngänzlichen und unverdienten Vergessenheit nunmehr ent-\nzogen sein, z. B. das uralte „Herr, erbarme dich\" (S. 17),\ndas sehr andachtsvolle „O Lamm Gottes\" (S. 21), das\ntiefgefühlte „Ecce, quomodomoritur justus\" von J. Gallus,\nder vortreffliche Wechselgesang: „Rede, mein Volk, sprich\",\nvon L. da Vittoria (S. 34) u. s. w. Den lateinischen Ge-\nsängen ist ein deutscher Text gewissenhaft untergelegt\nworden. Aber auch mehrere der neueren Compositionen\nsind als eine Bereicherung des religiösen Männergesanges\nanzusehen, wie z. B. die vier sechs- und achtstimmigen\nDoppelchöre von E.Richter, Nr. 7 (S. 30) von demselben,\ndie schon erwähnten vier Nummern von B. Klein, Nr. 1\n(S. 47) von G. Flügel u. s. w. Interessant war uns die\nvon anderer Seite mifgetheilte Bemerkung, dass sich der\nBittgesang unter C. auf S. 89 schon in Liturgieen des\nsechszehnten Jahrhunderts selbst als Gemein de-Gesang\nin Rheinland und Westfalen findet. Offenbar war der evan-\ngelische Kirchengesang früher vielfältiger als jetzt, theils\ndurch verschiedene Gesangformen, theils durch Wechsel-\ngesänge (Antiphonen) u. s. w. So werde die Gemeinde\nmehr thätig im Gottesdienste, und dann wird wiederum die\nEinwirkung auf sie durch Predigt oder Schrift-Vorlesung\nnebst Gebet und durch den kirchlichen Sängerchor vielsei-\ntiger, an- und erziehender. Der heilige Gesang wird uns"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1896, "texte": "immer erheben, und desshaib ist dessen Verbesserung und\nVermehrung in Kirche, höheren Lehranstalten, Haus und\nLeben stets eine wichtige Sache.\nDer fabelhaft billige Preis dieser Sammlung bei schö-\nnem weissem Papier und scharfem Noten- und Buchstaben-\nDruck verdient noch besonders hervorgehoben zu werden.\nWir schliessen hier an: Chorgesänge zum Ge-\nbrauche beim öffentlichen Gottesdienste, mit\nBegleitung der Orgel, componirt von Theodor Elze,\nMusiklehrer und Organist an der evangelischen Christus-\nkirche zu Laibach. Op. 4. Preis 2 Thlr.\nDieses Heft enthält (ausser einem „Gesang am Char-\nfreitage\" und einem „Weihnachtschor\", die lür Sopran,\nAlt, Tenor und Bass geschrieben sind) einen „Osterchor\",\neinen Gesang „am Pfingstfeste\" und „am Aerntefeste\"\nfür vierstimmigen Männerchor. Wir können dem Compo-\nnisten nur rathen, mit der Veröffentlichung seiner Arbei-\nten nicht zu eilen: die vorliegenden tragen im Allgemeinen\nnoch zu sehr das Gepräge des Dilettantismus, im Beson-\nderen aber fehlt der Erfindung sowohl, wie der Ausfüh-\nrung der ernste Geist und kirchliche Stil, den ihre Bestim-\nmung verlangt. Auch sind die gewählten (nicht bibli-\nschen) Texte keineswegs von erbaulichem noch poetischem\nGehalt. Ein Heft von vier Quartetten, Op. 6, und\neines von drei Quartetten, Op. 7, für vier Männer-\nstimmen von demselben Componisten, deren Inhalt weltliche\nLieder sind, zeigen, dass derselbe auf diesem Gebiete in\nZukunft vielleicht Besseres leisten wird, als auf dem kirch-\nlichen. Eine ungewöhnliche Begabung vermögen wir aber\nauch hier nicht zu entdecken; es geht Alles nach bekann-\nter Weise her, und es fehlt auch nicht an Missgriffen der\nAuffassung, wie z. B. am Schlüsse von W. Müller's Wan-\nderlied:\nEine Hymne für vier Männerstimmen von\nKarl Feye, Offenbach, bei J. Andre. Op. 19. Preis 27\nKr. enthaltend ein Hallelujah mit nüchternem Text, er-\nhebt sich nicht über das Gewöhnliche."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-08-30-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-08-30_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-08-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "283", "page_fin": "283", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.2.4", "titre_corps": "Peter Joseph von Lintpaintner.", "titre_sommaire": "Peter Joseph von Lintpaintner.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.7", "debut_caractere": 1898, "fin_caractere_exclue": 3990, "texte": "Peter Joseph von Lintpaintner.\n(Nekrolog.)\nAm 21. August ist cler königlich würtembergische Hof-Gapell-\nmeister Peter Joseph von Lintpaintner zu Langenargen,\neinem Dorfe am Bodensee, wo er seit mehreren Jahren einige\nSommermonate hindurch zur Erholung zu verweilen pflegte, an\nder Wassersucht gestorben. Noch vor wenigen Wochen war er in\nanscheinend voller Rüstigkeit bei dem schweizerischen Sängerfeste\nin St. Gallen als Preisrichter zugegen, und wollte zum September\nnach Stuttgart zu seinem gewohnten Wirkungskreise zurückkehren,\nals ihn der tödliche Anfall der Krankheit ereilte.\nLintpaintner war aus Coblenz, wo er am 9. December 1791\ndas Licht der Welt erblickte. Sein Vater, Jakob Lintpaintner, war\nals Tenorist von Ruf ein Schüler Righini's in der kurfürst-\nlichen Capelle seit 1779 angestellt und stand später bei dem Kur-\nfürsten Clemens Wenzeslaus in grosser Gunst. Auch seine Mutter\nwar aus einer musicalischen Familie. Bei dem Einfalle der Fran-\nzosen wanderte der Kurfürst aus, und Lintpaintner, kaum drei\nJahre alt, kam mit seinem Vater, den der Kurfürst zu seinem\nReise-Cassirer ernannt hatte, nach Augsburg, wo der Fürst seine\nResidenz aufschlug.\nIn Augsburg verlebte Lintpaintner seine Kindheit und Jugend\nund genoss eine sorgfältige Erziehung. Seit seinem sechsten Jahre\nbesuchte er das Gymnasium, und da er früh musicalische Anlagen\nzeigte, so unterrichtete ihn der Musik-Director Plotterle auf der\nVioline, der Dom-Capitular Witzka auf dem Ciavier und im Gene-\nralbass. Der Kurfürst blieb sein dauernder Gönner und schickte\nihn zu weiterer Ausbildung nach München, wo sich sein Compo-\nsitions-Talent unter des trefflichen Capellmeisters Winter Leitung\nrasch entfaltete, so dass er dort bereits eine Oper, eine Messe und\nein Te Deum schrieb. Im Jahre 1812 war er im Begriffe, eine\nReise nach Italien anzutreten, als sein hoher Gönner, der Kurfürst,\nstarb. Lintpaintner, kaum 21 Jahre alt, nahm nun eine Stelle als\nMusik-Director bei dem Theater am Isarthor in München an, die\ner im Jahre 1819 mit der Stelle eines königlichen Hof-Capellmei-\nsters in Stuttgart vertauschte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-08-30-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-08-30_01#c006", "volume": "bmtnabi_1856-08-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "283", "page_fin": "284", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.7", "debut_caractere": 3992, "fin_caractere_exclue": 4888, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nWiesbaden. Der bisherige kürfürstlich hessische Hof-Ca-\npellmeister Joh. Jos. Bott hat hier in einigen Concerten gespielt\nund sich als Violin-Virtuose ersten Ranges bewährt.\nIn Baden-Baden ist die französische Operette von\nSt. Georges und Clapisson gegeben worden und hat gefallen:\ndie Hauptrolle gab Caroline Duprez.\n** Wien. Am 14. d. Mts. wurde hier die lange besprochene\nund als etwas ganz Eigentümliches angekündigte ungarische\nOper Hunyady Läszlo, Musik von Franz Erkel, im Theater\nan der Wien von der ungarischen Opern-Gesellschaft aus Arad\nzum ersten Male gegeben. In so fern die Handlung aus der unga-\nrischen Geschichte, der Text, von Egressy, in ungarischer Spra-\nche abgefasst, die Musik von einem Ungar gemacht ist und von\nungarischen Sängern gesungen wurde, ist dieses Werk allerdings\neine National-Oper und ist als solche in Ungarn populär geworden."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3804, "texte": "Der deutsche, weniger magyarisch begeisterte Zuhörer wird aber\nsehr bald finden, dass das National-Ungarische in der Musik die-\nser Oper nur in den vorherrschenden Moll-Tonarten und in der\nBenutzung nationaler Weisen, oder wenigstens in Anklängen an\nsolche, besteht. Ausserdem herrscht der neuere Eklekticismus der\n7 *\nFranzosen vor, die Arien folgen meist der hergebrachten italiäni-\nschen Form und zeichnen sich keineswegs durch originelle Erfin-\ndung aus; die Chöre greifen zwar oft ein, entbehren aber des dra-\nmatischen Charakters und der mehrstimmigen, geschweige denn\npolyphonen Arbeit. Der Text ist auch eben kein Meisterstück; es\nist viel die Rede von dem, was gethan ist und gethan werden soll,\naber es geschieht wenig. Wenn demnach der Erfolg bei dem hie-\nsigen Publicum und der Kritik den vielfach angeregten Hoffnun-\ngen nicht entsprochen hat, so muss man doch dem Componisten\nGerechtigkeit in Anerkennung gar mancher Vorzüge seines Wer-\nkes vor manchen anderen neueren Opern widerfahren lassen. Herr\nErkel hat in einigen Nummern gezeigt, dass er melodisches Talent\nbesitzt, und dass er, was heutzutage so selten ist, für Gesang zu\nschreiben versteht. Dabei ist die Behandlung des Orchesters durch-\nweg lobenswerlh, sehr oft fein und interessant, und niemals in\nübertäubenden und die Singstimme erstickenden Lärm ausartend.\nAuch verfehlten trotz der sehr mittelmässigen Aufführung, bei wel-\ncher nur die erste Sängerin, Frau Doria-Laszlö, befriedigen konnte,\ndie wirklich ungarischen feurigen Rhythmen und schwärmerischen\nMelodieen ihre grosse Wirkung nicht. Bei einer vollkommenen\nAufführung und Besetzung mit tüchtigen Sängern dürfte sich wahr-\nscheinlich das Urtheil über den Hunyady Läszlo im Vergleich zu\nso manchen flachen Opern des Repertoires des Hoftheaters günstig\nstellen. Als ein geniales oder gar reformatorisches Werk kann die\nOper aber freilich nicht betrachtet werden.\nAm 18. August, zum Geburtsfeste des Kaisers, wurde nach lan-\nger Ruhe Gluck's „Iphigenie in Tauris\" auf dem Hof-Opern-\nTheater wieder ins Leben gerufen. Esser leitete die Aufführung\nauf treffliche Weise, und die Regie hatte es nicht an würdiger\nAusstattung fehlen lassen. Die Besetzung war folgende: Iphigenie\nFräul. Tietjens, Orestes Erl, Pylades Ander, Thoas\nBeck. Die beiden letzteren wurden durch Beifall und Hervorruf\nwiederholt ausgezeichnet; Erl war der Rolle als Schauspieler nicht\ngewachsen, und Fräul. Tietjens liess auch in manchen Scenen den\nclassischen Stil und die Tiefe des Gefühls vermissen. Immerhin\nwar die Aufführung lür die musicalische Welt Wiens ein Ereig-\nniss. Freilich hatte sie, bei dem hier vorherrschenden Geschmacke,\ndas Publicum nicht in Fülle herbeigezogen; allein was da war,\nzeigte sich sichtbar empfänglich und ergriffen von dem Eindrucke\ndes erhabenen Werkes.\nDie Pianistin Rosa Kastner verweilt seit einigen Tagen in\nBaden bei Wien und erregte neulich durch ihren Vortrag von\nLiszt's Propheten-Illustrationen in Saphir's Akademie stürmischen\nBeifall.\nDer unglückliche Sänger Staudigl hat einen lebensgefährli-\nchen Krankheits-Anfall gehabt, dem er jedoch nicht erlegen ist,\nwie einige Blätter meldeten.\nPhilipp Jakob Riotte, ehemaliger Capellmeister des Thea-\nters an der Wien, Opern-Componist (Der Sturm, Präciosa, Stumme\nLiebe, Selene u. s. w.), geboren zu St. Wendel bei Trier den 16.\nAugust 1776, ist am 20. August d. J. im Alter von 80 Jahren ge-\nstorben. Seine letzte Composition: Der Sieg des Kreuzes, wurde\nam 29. November 1852 im grossen Redoutensaale aufgeführt.\nParis. A. Panseron hat vom Könige von Preussen den\nRothen Adler-Orden erhalten.\nMad. Borghi-Mamo wird nächstens im Propheten und Maci\nMedori in den Hugenotten auftreten.\nDer älteste Sohn von Fr. Liszt, Daniel Henri, bat auf dem Ly-\ncee Bonaparte den ersten Preis für die lateinische Rede\nerhalten."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nGeorg Friedrich Händel. 11. Dessen erste Säcularfeier. Der geistliche Männergesang (W. Greef's geistliche Män-\nnerchöre 11. Heft. Th. Elze, Chorgesänge zum Gebrauche beim Gottesdienste, Op. 4. Männer-Quartette, Op. 6 und 7. C. Feye,\nHymne, Op. 19). —P. J. v. Lintpaintner, iNekrolog. Tages- und Unterh altungsblatt (Wiesbaden Baden-Baden Wien,\nHunyady, Oper von Erkel, Iphigenie von Gluck, Ph. J. Biotte y Paris).\n\nGeorg Friedrich Händel.\nII.\n(I. S. Nr. 34.)\nNach diesen wiederholten Unfällen und einer sehr\nschweren Krankheit ging er ungefähr in der Mitte des Jah-\nres 1741 nach Irland. Gleich nach seiner Ankunft in\nDublin gab er den Messias zum Besten des dortigen\nGefangenhauses, und dieser menschenfreundliche Zug fand\nso allgemeinen Beifall, als seine Musik. Händel'sßuhm ver-\nbreitete sich immer mehr und mehr in Irland, und seine\nVerhältnisse fingen an, wieder besser zu werden. Im An-\nfange des Jahres 1742 kam er nach London zurück, mit\ndem Vorsatze, sich den nunmehrigen Opern-Unternehmern\nnicht mehr zu widersetzen; und so hörten die alten Feind-\nseligkeiten allmählich auf. Sein Samson, womit er dieses\nJahr in den Fasten die Bühne in Coventgarden eröffnete,\nführte das Publicum scharenweise herbei, so dass das Haus\nallemal gedrückt voll war, und einzelne Arien daraus sich\nbald überall verbreiteten. Dieses Oratorium ist nächst dem\nMessias auch immer das beliebteste in England geblieben,\nund der Messias hat auch gegen seine Verkleinerer den\nhohen Rang der Bewunderung, der ihm zukam und bei\njeder Wiederholung wuchs, behauptet. Händel schenkte\neine schöne Abschrift davon an das Findlings-Hospital,\nführte zu dessen Bestem ihn von 1749 an jährlich auf,\nund gab zur Capelle dieses Hospitals auch eine Orgel her.\nSo lange er lebte, geschah die Aufführung immer unter\nseiner eigenen Direction und brachte in eilf Jahren beinahe\n7000 Pfund ein. Nach seinem Tode hat man immer damit\nfortgefahren; aber siebenzehn Aufführungen haben nur die\nHälfte von jener Summe eingebracht, vielleicht weil Hän-\ndel nicht dirigirte.\nWenngleich sein Messias immer berühmter ward und\nbei dessen Vorstellung das Gedränge der Zuhörer sich stets\nvergrösserte, so war doch das Haus bei einigen seiner an-\nderen Oratorien so leer, dass die Kosten kaum bestritten\nwerden konnten. Und da er sein zahlreiches Orchester\nreichlich besoldete*), so war er 1745 nach zwei Auffüh-\nrungen des Hercules, den 5. und 12. Januar, ausser Stande,\nzu bezahlen. Dr. Burney erklärt sich nicht weiter dar-\nüber, ob Händel überall nicht habe bezahlen können, oder\nob er nur durch einen unerwarteten Zufall verhindert wor-\nden, gewisse Posten für jetzt an dem bestimmten Zeit-\npunkte zu bezahlen. Letzteres scheint der Fall gewesen zu\nsein; denn im März darauf setzte er seine Oratorien wie-\nder fort; und obgleich die Plätze oft leer waren, so muss\ner im Ganzen doch dabei verdient haben, wenn man auf\nseinen beträchtlichen Nachlass und das Geschenk an das\nFindlings-Hospital Rücksicht nimmt. Den beharrlich-\nsten Zuhörer halten seine Oratorien an dem Könige\nGeorg dem Zweiten, der immer da war, wenn auch der\nganze Hof fehlte. Dem Lord Chesterfield begegnete einst,\nda er vom Oratorium in Coventgarden kam, ein angesehe-\nner Mann, der eben hingehen wollte. „Wie so, Mvlord,\"\nfragte dieser, „sind Sie umsonst gegangen? Ist diesen Abend\nkein Oratorium?\" „0 ja,\" antwortete der Lord, „sie\nspielen schon; aber ich mochte nicht da bleiben, um den\nKönig nicht in seiner Einsamkeit zu stören.\" Händel'n be-\nfremdete es auch gar nicht, wenn er bisweilen den Wän-\nden seine Oratorien sang. Im Jahre 1749 war es bei der\nAufführung der Theodora so anhaltend leer, dass er froh\nwar, wenn Musiker, die dabei nicht zu spielen hatten, Frei-\n\n*) Händel führte alle seine Sachen, besonders die Oratorien,\nmit sehr starker Instrumental-Besetzung auf. Sein Orchester\n■war zahlreicher, als man es bis damals gesehen hatte. Pope\nnannte ihn desshalb den „Hundertarmigen\"."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.2", "texte": "Billette nehmen wollten. Zwei solcher Herren wandten sich\nnach diesem Missgeschicke der Theodora an Händel um\nfreien Einlass zu seinem Messias. „Gehorsamer Diener, ihr\nHerren!\" rief er ihnen zu: „ihr seid verzweifelt lecker! In\ndie Theodora wollt ihr nicht kommen; da war Platz genug\nzum Tanzen!\" Zuweilen sprach er seinen Freunden,\nwenn sie, ehe der Vorhang aufgezogen ward, sich gegen\nihn über die geringe Anzahl der Zuhörer beklagten, eben\nso drollig als stoisch Muth ein und sagte: „Das macht\nnichts; desto besser wird die Musik klingen.\" Seine Con-\ncerte aber, die er nebst den Oratorien fortsetzte, brachten\nihm viel ein. Burney erzählt, der Einnehmer bei denselben\nhabe ihm öfters versichert, dass ihn das Geld, welches er\nan einem Abende zu Händel'n trug, ob es gleich Gold-\nund Silbermünze war, eben so leicht hätte niederwerfen\nund ihm ein Fieber zuziehen können, als die Kupfermünze\ndem Maler Correggio that, wenn er es eben so weit zu. tra-\ngen gehabt hätte.\nHändel übte sich beständig im Spielen und hatte\nauch ein starkes Gedächtniss; denn als er in seinen letzten\nJahren blind war, fuhr er noch immer fort, Concerte zu\ngeben, worin er verschiedene von seinen alten Orgel-Com-\npositionen spielte. Er componirte auch noch, und soll das\nDuett im Judas Makkabäus: Si\ndem Herrn Smith in die Feder dictirt haben. Seine Geistes-\nkräfte erhielten sich in der jugendlichen Munterkeit und\nblieben thätig, wie sie immer gewesen waren; und wie\nreich und feurig seine Phantasie noch nach dem siebenzig-\nsten Jahre geblieben ist, bezeugen seine letzten Concerte,\nvon denen er dem Orchester bloss die Ritornell-Sätze gab\nund die Solostellen alle aus dem Stegreif spielte, indess die\nInstrumente ihm freie Hand liessen und das Zeichen er-\nwarteten, wonach sie mit dem Tut! eintraten. Den 6. April\n1759 war er zum letzten Male Anlührer eines von seinen\nOratorien, und den 13., am stillen Freitag, starb er. Seine\nBeerdigung geschah den 20. April in der Westminster-\nAbtei, und der Dechant Doctor Pearce verrichtete dabei\nmit dem Chor die gewöhnlichen Feierlichkeiten. Ein öffent-\nliches Leichenbegängniss, wie Rameau und Jomelli hatten,\nward bei Händel nicht angestellt. Allgemeinere und mehr\nnationale Beweise der Hochachtung und Verehrung blieben\neiner neuen Generation vorbehalten.\nHändel's Figur war gross, und er war etwas unter-\nsetzt, stämmig und unbehülflich in seinem Anstände; sein\nGesicht aber, voll Feuer und Würde, verrieth Geistesgrösse\nund Genie; in seinem Umgange rauh, zufahrend und ent-\nscheidend, aber ohne alle Bösartigkeit und Tücke. Er\nbrachte 1748 der Frasi einst das Duett im Judas Makka-\nbäus: From these deread sienes,gab das Tempo an und\nsang ihr die erste Stimme vor. Burney, der damals noch\njung war, stand hinter ihm und sang die zweite Stimme\nleise mit, welches HändePn so gefiel, dass er ihm sagte, er\nsolle lauter singen. Zum Unglück fehlte er, und Händel\nward, seiner Gewohnheit nach, böse, Burney erholte sich\nvom Schrecken und wagte es, ihm zu sagen, er glaube, dass\netwas darin verschrieben sei. Händel sah nach, fand, dass\ner Recht hätte, und sagte sogleich höflich und mit einer\ngutmüthigen Freundlichkeit: „Um Vergebung also! ich\nbin ein närrischer Kerl; Master Schmitt hat Schuld.\"\n—ln den lebhaftesten Aufwallungen seines Zorns und sei-\nner Ungeduld war auch immer eine gewisse Laune und\nSpasshaftigkeit, die vollends durch sein gebrochenes Eng-\nlisch noch komischer wurde. Auf seiner Reise 1741 nach\nIrland musste er widrigen Windes wegen sich ein paar\nTage in Chester aufhalten. Händel wollte indess einige\nChorstimmen probiren und bat sich von dem dortigen Or-\nganisten Baker einige Chorsänger aus, die vom Blatt singen\nkönnten. Unter diesen war ein Buchdrucker, Janson, der\neine gute Bassstimme hatte. Janson fehlte in einem Chor\ndes Messias so arg, dass Händel ihn aufs derbste anfuhr, in\nvier oder fünf Sprachen fluchte und zuletzt in gebroche-\nnem Englisch ausrief: „Du Schuft, du! Sagtest du nicht,\ndu könntest vom Blatt wegsingen?\" „Ja, Herr Capell-\nmeister,\" sagte jener, „das kann ich auch; aber nicht\ngleich das erste Mal.\"\nMit seinen Capellisten, so grossmülhig er sie bezahlte,\nso despotisch ging er auch mit ihnen um und sagte ihnen\ndie Wahrheit immer recht derb. Dabei fluchte er sehr,\nwas damals freilich üblicher als jetzt, aber immer noch\nausserordentlich war. Die Arie Verdi prati aus der Oper\nAlcina wurde ihm anlänglich von Carestini zurückgeschickt,\nweil er sie nicht singen könnte. Voller Wuth ging Händel\nzu ihm und fuhr ihn mit den Worten an: „Du Hund!\nMuss ich nicht besser wissen als du, was du singen kannst?\nWillst du die Arien nicht singen, die ich dir gebe, so be-\nzahle ich dir keinen Stüber.\" —Als die Cuzzoni sich trotzig\nweigerte, seine herrliche Arie: im Otho zu\nsingen, sagte er zu ihr, er wisse wohl, sie sei ein wahrer\nTeufel; er wolle ihr aber schon zeigen, dass er Beelzebub,\nder oberste der Teufel, sei. Und gleich fasste er sie um\nden Leib und schwur, sie zum Fenster hinaus zu werfen,\nwenn sie nicht den Augenblick ihm gehorchen wollte.\nEr sah nie auf die Person, die ihm etwas in den Weg\nlegte; was er dachte, musste heraus. Er ward immer böse,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.3", "texte": "wenn der Prinz und die Prinzessin von Wales nicht zur\nrechten Zeit zu den Proben seiner Oratorien in Carleton\nHouse kamen. Welche Würde und Nachdruck dabei in sei-\nnem Gesichte sich gezeigt habe, beweis't die Achtung des\nPrinzen für ihn, indem er zugab, dass Händel Recht habe,\nsich zu beschweren. Wenn aber die Hofdamen oder Kam-\nmerfrauen während der Musik plauderten, so pflegte er\nnicht nur zu fluchen, sondern sie gar bei Namen aufzuru-\nfen. Dann sagte die Prinzessin gemeiniglich mit Sanftmuth :\n„Stille, stille! Händel ist böse!\" Sein natürlicher Hang\nzu Witz und Laune, und die glückliche Gabe, die gemein-\nsten Vorlälle auf eine anziehende, ungewöhnliche Art zu\nerzählen, machte ihn lähig, Personen und Sachen in dem\nlächerlichsten Lichte darzustellen; Burney meint, Händel\nwürde, wäre er wie Swift Meister der Sprache gewesen,\neben so witzige Einfälle und ziemlich von eben dem\nSchlage gehabt haben.\nEr war immer sehr fleissig und fand in der Beschäfti-\ngung mit seiner Kunst mehr Vergnügen als in dem freund-\nschaftlichsten Umgange, für den er nur wenig Zeit übrig\nbehielt. Daher hatte er ausser seinem Fache auch nur we-\nnig sonstige Kenntnisse. Sein Geist war immer thätig, und\nseine Phantasie wirkte so stark, dass es ihm zur Gewohn-\nheit ward, laute Selbstgespräche mit sich zu halten. Er\nhatte einst einen Knaben zu sich ins Haus genommen, der\nihm nicht nur seiner Anlagen zur Musik, sondern auch\nseines sittsamen Betragens und Fleisses wegen empfohlen\nwar, nachher aber verdorben wurde und davon lief. Händel\nging darauf einmal im Park, wie er glaubte, allein, spa-\nziren und sagte laut zu sich selbst: „Der Teufel! seinen\nVater hat er angeführt; seine Mutter hat er angeführt;\naber mich hat er nicht angeführt; es ist ein verwünsch-\nter Schurke— ein Taugenichts!\"\nSeine eigene Grösse kannte er, wurde aber dadurch\nauch oft verleitet, ein unbilliges oder einseitiges Urtheil\nüber andere Künstler zu fällen. So war das über Gluck,\nder 1745 nach England kam, beschaffen. Pope wünschte,\ndass Händel seine Eurydice, die er schon lür Dr. Green,\neinen Anhänger von Bononcini, durch Vertheilung des Tex-\ntes in Arien und Recitative lyrischer und musicalischer ge-\nmacht hatte, componiren möchte. Händel erfuhr diese vor-\ngenommene Veränderung kaum, so wies er sie von sich\nund sagte: „Das ist ja eben das Ding, das mein Balgtreter\nschon lür ein Doctor-Patent in Cambridge gesetzt hat!\"\n\"Er nannte ihn seinen Balgtreter, weil Green ehedem aus\ngrosser Bewunderung der Händel'schen Spielart sich hatte\ngefallen lassen, die Bälge zu treten, wenn er die Orgel in\nder St.-Pauls-Kirche spielte. Ein gewisser Geistlicher, Fei-\nton, von dem eine Sammlung Orgel-Concerte gut aufge-\nnommen war, eröffnete eine Subscription zu einer zweiten\nSammlung und bat den Anführer des königlichen Orchesters,\nBrown, er möchte Händel'n um die Erlaubniss bitten, sei-\nnen Namen mit unter die Subscribcnten zu setzen. Brown,\nder bei Händel sehr beliebt war, brachte seinen Antrag\nso fein als möglich an. Händel liess sich eben rasiren,\nschob des Barbiers Hand auf die Seite, fuhr auf und schrie\nmit eingeseiftem Gesichte: „Dass Sie des Teufels würden!\nEin Pfaff will Concerte machen? Warum macht er\nkeine Predigten?\" Die Componisten unter den Englän-\ndern selbst verachtete er nebst den Orgelspielern von\nGreen bis zu Harry Burgess hinunter, alle mit einander,\nund pflegte zu sagen: „Als ich hieher kam, fand ich unter\nden Engländern viele gute Spieler und keine Componisten;\nund jetzt gibt es lauter Componisten und keine Spieler.\"\nHändel war ein Freund der Religion, der Rechtschaf-\nfenheit, Redlichkeit und Grossmuth. Der Armen gedachte\ner vielmals, sein Orchester bezahlte er reichlich; er fehlte\nselten in dem Concerte, welches zum Besten abgelebter\nTonkünstler und ihrer Familien gegeben wurde, kannte\nden rechten Gebrauch der Zeit und nutzte sie gut. Er\nwar keinem der menschlichen Gesellschaft nachtheiligen\nLaster ergeben. Sein starker Körper bedurfte freilich eines\ngrossen Nahrungsvorrathes, und in dessen Auswahl war er\nein ziemlicher Epikuräer*). In der Oratorienzeit pflegte er\ndie vorzüglichsten Musiker oft zu bewirthen. Brown, der\neinstmals von der Gesellschaft war, erzählte Burney, dass\nHändel während der Mahlzeit oft rief: „0, mir lallt was\nein!\" und dann wünschten seine Gäste, dass ihretwegen\ndas Publicum keine von seinen schätzbaren musicalischen\nIdeen verlieren möchte, und baten ihn, in sein Zimmer zu\n\n*) Der selige Ad. C. Cunzen, herzoglich mecklenburgischer Ca-\npellmeister, der ein so brillanter und gründlicher Orgelspieler\nwar, dass er nur Händel n über sich litt, lebte mit Letzterem\neine geraume Zeit in London und pflegte unter Anderem zu\nerzählen, dass als Spieler keiner Händel'n je übertreffen\nkönnte; ihn aber spielen zu sehen, besonders in Privat-Ge-\nsellschaften, wenn er unter Freunden sich befand, wäre einem\nanderen Spieler kaum auszuhalten möglich gewesen. Beim\nPhantasmen spielte er dann stellenweise, und zwar nicht sel-\nten nur mit Einer Hand, während er mit der anderen Con-\nfect aus seinen getüllten Taschen holte und ganz gemächlich\nverzehrte, so dass Cunzen, der bei seinem Spiel immer in\nFeuer gerieth und mit dem ganzen Körper zu arbeiten schien,\nallemal, wie er selbst sagte, Händel'n dieser äusseren Kälte\nund Ruhe wegen beneidete und die Zähne vor Aergerniss\nzusammenbiss. Confect war überhaupt Händel s tägliche Na-\nscherei."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.4", "texte": "gehen und sie aufzuschreiben. Dies that er indess so oft,\ndass zuletzt einer von denen, die ihm am wenigsten trau-\nten, die Neugierde hatte, durch das Schlüsselloch zu gucken,\nwo er sah, dass diese Gedanken bloss auf ein frisches An-\nker Burgunderwein verwandt wurden, indess seine Gäste\nsich mit Portwein begnügten.\nHändel war so fett, dass die Knöchel an seinen Hän-\nden, die gewöhnlich etwas hervorstehen, eingedrückt und\ntief im Fleische einliegend waren. Bei der Cibben spielte\ner einst das Ciavier. Der Schauspieler Quin, der seiner na-\ntürlichen Rauhigkeit ungeachtet ein grosser Musikfreund\nwar und Händel'n daselbst hörte, ward nach seiner Ent-\nfernung von der Mrs. Cibben gefragt, ob Händel nicht eine\nallerliebste Hand habe.— „EineHand,Madame?\" versetzte\ner: „Sie irren, es ist ein Fuss!\" „Nun gut denn,\" sagte\nsie: „hat er nicht schöne Finger?\" „Zehen, Ma-\ndame, bei meiner Treu!\" Dieser Fettigkeit ungeachtet,\nwar sein Anschlag so sanft und sein Ton so eben, dass\nseine Finger an die Tasten angewachsen zu sein schienen.\nSie waren so gebogen und dicht an einander, wenn er\nspielte, dass man keine Bewegung, und kaum die Finger\nselbst, wahrnahm.\nSein Vermögen, das an die zwanzigtausend Pfund\nreichte, fiel meistens seinen Verwandten in Deutschland zu,\nausser tausend Pfund, welche der musicalischen Versor-\ngungs-Anstalt vermacht waren.\nDie hundertjährige Jubelfeier von Händel's Geburtstag\nzu London im Jahre 1784 (nach Escbenburg's Nachfor-\nschungen in Halle ein Jahr zu früh veranstaltet) war das\nerste von den grossen Musikfesten, die bis auf den heuti-\ngen Tag in England und seit 1809 auch in Deutschland\nalljährlich gegeben werden. Desshalb dürfte es anziehend\nsein, einige merkwürdige Einzelheiten über jene Feier aus\nderselben Quelle (dem oben angeführten Werke Burney's,\nder als Augenzeuge darüber berichtet) mitzutheilen.\nDas Andenken Händel's wurde durch fünf grosse\nConcert-Aufführungen gefeiert, die den 26., 27. und 29.\nMai und den 3. und 5. Juni 1784 in der Westminster-\nAbtei Statt fanden, mit Ausnahme des zweiten Concertes,\nwelches im Pantheon gegeben wurde. Die erste Anregung\ndazu hatte Joah Bates gegeben, Gründer und Vorsteher\nder Gesellschaft für alte Musik (1776), und er erwarb sich\nauch um die Anordnung und Ausführung des Ganzen das\ngrösste Verdienst. In der Westminster-Abtei wurde auf\nBefehl des Königs ein kolossaler Orchesterbau bewerk-\nstelligt.\n„Um das Orchester\", sagt Burney, „so stark und voll-\nständig als möglich zu machen, wurde beschlossen, jede\nArt von Instrumenten, die bei einer starken Musik und in\neinem grossen Räume vorzügliche Wirkung hervorbrächte,\ndabei zu gebrauchen, als: Posaunen, Pauken, das Doppel-\nFagott. Man errichtete eine Orgel an dem westlichen Ende\nder Abtei, im Hintergrunde des Orchesters, und verband\ndie Orgeltasten mit einem Ciavierwerke, das neunzehn Fuss\nweit von der Orgel abstand und wovon die Tasten zwan-\nzig Fuss sieben Zoll senkrecht tiefer lagen, als die Orgel-\ntasten selbst. Dieser weiten Entfernung der Tasten von\ndem Orgelwerke ungeachtet, waren sie durch mechanische\nHülfsmiltel anschlagbarer gemacht worden, als man es er-\nwartet hatte. Das Orchester war vorn sieben Fuss hoch\nvom Boden, erhob sich von da allmählich bis zu der gröss-\nten Höhe von vierzig Fuss, von der Basis der Pfeiler an\ngerechnet, und erstreckte sich von der Mitte bis an das\nEnde der Seitenflügel. Von jedem Concerte ward nicht\nmehr als Eine General-Probe angestellt, so genau und or-\ndentlich ging Alles dabei zu.\nDie Anzahl der Mitglieder bestand aus 5 Directoren,\n3 Directions-Gehülfen, dein Anlührer Joah Bates, der die\nOrgel spielte, und seinem Gehülfen John Ashley, aus 43\nPersonen bei der ersten und 47 bei der zweiten Violine,\nwovon zwei bei der ersten und zwei bei der zweiten Vio-\nline die Principalstimme führten; ferner aus 26 Bratschen,\n26 Hoboen, 6 Flöten, 21 Violoncellen, 26 Fagotten, 1\nDoppel-Fagott, 15 Contrabässen, 12 Trompeten, 6 Po-\nsaunen, 12 Hörnern und 4 Pauken; 7 Solo-Discantisten,\n53 Chor-Discantisten, 3 Solo-Altistenund 45 Chor-Altisten,\n3 Solo-Tenoristen, 79 Chor-Tenoristen, 5 Solo-Basssän-\ngern und 79 Chor-Bassisten, zusammen also aus 539\nPersonen. Die musicalischen Dirigenten waren Cr am er\nund Hay. Die Mara sang die Haupt-Soli.\nDen ersten Abend ward in der Westminster-Abtei\naufgeführt die Krönungs-Motette, welche Händel 1727\nverfertigt hatte; hierauf die Ouvertüre aus der Esther, com-\nponirt 1720; das Hetlinger verfertigt 1743\nauf den Sieg der Engländer über die Franzosen. Im zwei-\nten Theile kam aus dem 1740 zum ersten Male aufge-\nführten Oratorium Saul die Ouvertüre und der Todten-\nmarsch; ferner ein Theil der 1737 in der Westminster-\nAbtei beim Begräbnisse der Königin Caroline aufgeführten\nMotette, der gegen das Vorige einen sanften und rührenden\nContrast machte, und ein Chor aus dem einzigen Jubilate,\ndas Händel je verfertigt hat, und welches er 1713 zu\ngleicher Zeit mit dem Utrechter Te Deum in seiner gross-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.5", "texte": "ten und prächtigsten Schreibart setzte. Im dritten Theile\nward eine 1719 verfertigte Motette und ein Stück aus\nIsrael in Aegypten, 1738 componirt, aufgeführt. Den fol-\ngenden Abend wurden im Pantheon verschiedene Händel'-\nsehe Compositionen von 200 auserlesenen Tonkünstlern\nexecutirt in Gegenwart von mehr als 1600 Zuhörern.\nDieses Concert that aber nicht die Wirkung des vorigen,\nworan die heisse Witterung grösstentheils schuld war.\nUnter den Stücken, welche diesen Abend gegeben wurden,\nist eine andere, auch 1727 verfertigte Krönungs-Motette,\nvon der Burney eine hübsche Anekdote erzählt. Die\nBischöfe hatten nämlich dem Componisten die Texte, die\ner in Musik setzen sollte, zugeschickt. Händel'n machte\ndies verdriesslich, weil er glaubte, man halte ihn lür un-\nwissend und unbelesen in der Bibel. „Ich habe\", liess er\nihnen sagen, „meine Bibel fleissig genug gelesen und werde\nmir die Sprüche selbst aussuchen.\" Dies that er auch und\ntraf in dem Anfangsspruche: „Mein Herz dichtet ein feines\nLied; ich will singen von einem Könige\", Ps. XLV. 1.,\neine sehr kluge Wahl. ln der dritten Aufführung ward\nder Messias, den Händel 1741 componirte, gegeben; in\nder vierten verschiedene kleinere und aus grösseren Hän-\ndel'schen Werken genommene Stücke, und in der fünften\nwieder der Messias. Der ganze Ertrag dieser fünf musica-\nlischen Aufführungen war 12,736 Pf.-12 Sh. 10 P.» wo-\nvon 1000 Pf. an das Westminster-Hospital, 6000 Pf.\nan die Versorgungs-Anstalt für Tonkünstler fielen und der\nBest mit den gehabten Kosten aufging.\n\nDer geistliche Männergesang.\nEs liegt uns das 11. Heft der „Geistlichen Män-\nnerchöre, herausgegeben von Wilhelm Greef, Essen,\n1856, bei G. D. Bädeker\", Preis 10 Sgr. vor, und es\nmacht uns eine wahre Freude, diese treffliche zweite Samm-\nlung, welche die erste nicht bloss an Umfang, sondern\nauch an werthvollem Inhalte, namentlich in Bezug auf Ori-\nginal-Compositionen, übertrifft, den Freunden des ernsten\nMännergesangs und den Geistlichen und Leitern von kirch-\nlichen Sängerchören zu empfehlen. Wie schon bei Anzeige\ndes I. Heftes (Niederrh.Musik-Zeitung, 1855, Nr. 52) be-\nmerkt, ist die Zahl guter geistlicher Männerchöre, nament-\nlich der zum kirchlichen Gebrauche geeigneten, nicht gross;\ndie Literatur des Männergesanges ist im Vergleiche mit\nanderen Zweigen des Gesanges arm daran und am ärmsten in\nBezug auf den liturgischen Männergesang. Woher sonst\ndie gewöhnlichen Erscheinungen, um nur Einiges zu er-\nwähnen, dass man von den Männerchören die so genannte\nkleine Doxologie: „Ehre sei dem Vater und dem Sohne\"\n(welche der unsterbliche Felix Mendelssohn-Bartholdy für\nden gemischten Chor der Domkirche zu Berlin in drei\nverschiedenen Bearbeitungen gegeben), oder das „Heilig\",\noder selbst das in musicalischer Beziehung gemeiniglich we-\nnig beachtete und doch so bedeutungsvolle „Amen\" u. a.\nm. ohne gehörige Auffassung, Unterscheidung und Berück-\nsichtigung für die verschiedenen kirchlichen Feste und\nFeiern meist in Einer und derselben Form und Ausdrucks-\nweise hört ? Gewiss gibt es da Manches, das sehr beschränkte\nund seichte Ansichten verräth. Schweigen wir von dem\nTactlosen und gar Unerfreulichen, dass z. B. in einer zwei\nBände starken Sammlung sich V. Becker's: „ Ein Kirchlein\nsteht im Blauen\" (mit sehr geringer Text-Aenderung) als\nEinweihungs-Gesang einer Kirche (!) findet u. dgl. m.; oder\nauch, dass man einerseits häufig andere als die zu Compo-\nsitionen so sehr sich eignenden Bibelverse zu Grunde legt,\nund andererseits Gesangformen wählt, welche die Erbauung\neher stören als fördern. Sicherlich ist hier noch viel Ver-\ndienst zu erwerben, und willkommen muss jeder wirklich\nfördernde Beitrag sein.\nVeranlassung hierzu geben in unseren Tagen für die\nprotestantische Kirche insbesondere die liturgischen An-\ndachten (neben dem gewöhnlichen Haupt-Gottesdienste\ndurch Predigt-Erbauung u. s. w.), deren Geschichte sich\nbis in die frühesten Jahrhunderte verfolgen lässt und deren\nallmählicher Verfall in den beiden letzten Jahrhunderten\nmit dem Sinken und der Auflösung der kirchlichen Sänger-\nchöre u. A. eng zusammenhängt. Dass dem kirchlichen\nvollen Chorgesange neben dem Gemeindegesange zur Er-\nhöhung gottesdienstlicher Festfeier der Platz wieder werde,\nvon dem er an vielen Orten verdrängt ist, dazu wird hof-\nfentlich das vorliegende 11. Heft der „Geistlichen Männer-\nchöre\" in hohem Grade mitwirken. Dasselbe schliesst sich\nin seinem ersten Theile an die weit verbreiteten „Liturgi-\nschen Andachten der königlichen Hof- und Domkirche, her-\nausgegeben von Fr. A. Strauss (zweite Auflage, Berlin,\nVerlag von W. Hertz, 1853)\", an, auf welche Schrift, als\nauf einen zweckmässigen Anhaltspunkt, auch die preussi-\nschen Regulative die Lehrer-Seminare hinweisen. Es gibt\nunter: A. 93 liturgische Männerchöre für zwölf\nAndachten (Weihnachten, Neujahr, Passionszeit, Ostern u.\ns. w.) nebst einem Anhange von Responsorien und Chor-\ngesängen für den sonntäglichen Haupt-Gottesdienst, und\nunter B. Zugaben, 30 Chöre zur Auswahl bei Festen\nund Feierlichkeiten, Morgen- und Abend-Andachten—also"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.6", "texte": "im Ganzen 123 Gesang-Nummern, von denen 72 Origi-\nnal- Compositionen sind. Diese letzteren sind, ausser vom\nHerausgeber, von L. Erk, H.Enkhausen, F. Filitz,\nG. Flügel, E. Wilsing und von Ernst Richter (23),\neinem ausgezeichneten früheren Schüler von Bernhard\nKlein. Aus dem Nachlasse des letztgenannten Meisters\nbringt dieses Helt schon vier schöne Original-Nummern,\nworunter ein dem musicalischen Publicum bisher unbekann-\nter grosser religiöser Gesang (Psalm 97: „Der Herr ist\nKönig\") mit Pianoforte-Begleitung, welche bei grösseren\nAufführungen wegbleiben kann, sich befindet. Diese Num-\nmer wird den vielen Verehrern B. Klein's besonders lieb\nsein. Eine andere Composition desselben Psalmes in fin-\ndet sich bekanntlich in seinen gedruckten Werken (Berlin,\nbei Trautwein). Die hier durch Greef veröffentlichte ist in\nC-dur und hat fünf Sätze: Alleg4/j, 4/4,\nAllegro assai, 3/\\, Adagio,4/4, 4/4, fugirt.\nDie 51 nicht originalen Nummern sind grossentheils\nclassische Tonsätze von Josquin de Pres (gest. um\n1515), F. Anerio, G. P. Palestrina, G. M. Nanini,\nOrlando di Lasso, T. L. da Vittoria, J. Gallus\n(Händl), A. L otti —• mehrere dieser Nummern nach\nHandschriften mitgetheilt —, ferner von R. Creyghton,\nP. Rogers, M. Ludecus, M. Frank, J. Eccard, M.\nPrätorius, D. Bortniansky, J. G. Schicht, J. C.\nSchärtlich, B.A.Weber, E. Grell, S. von Neu-\nkomm u. A. Ueber jeden Componisten und Tonsetzer,\nderen Namen schon eine gewisse Bürgschaft leisten, gibt\ndas beigelügte, alphabetisch geordnete Verzeichniss biogra-\nphische Notizen. Die Texte sind überall streng biblisch ge-\nwählt, wie es sich lür den Hauptzweck der Sammlung ge-\nbührt, und ist andererseits nicht zu verkennen, dass bei\nAuswahl und Anordnung der Gesänge im Allgemeinen auf\nEinheit im Stil gesehen worden ist, so dass neben den äl-\nteren Compositionen aus der höchsten Blüthezeit der Kir-\nchenmusik solche neuere Aufnahme gefunden, die im kirch-\nlichen Geiste und Stile componirt sind.\nDa unsere Sanges-Literatur bisher für Männerstim-\nmen zu liturgischen Andachten kein Werk hatte,\ndas die christlichen Feste, Festzeiten und religiösen Feiern,\nMorgen- und Abend-Andachten berücksichtigte, so waren\nzur Herstellung eines solchen die einzelnen zerstreuten Ton-\nsätze aus alter und neuer Zeit zu sammeln, mit Sorgfalt zu\nprüfen und zu sondern, manche lür den Männerchor zu ge-\nstalten,, und bei ihrer Zusammenstellung zu einem geordne-\nten, zusammenhangenden Ganzen auch Lücken zu füllen. In\nallen diesen Beziehungen ist die jahrelange Mühe und liebe-\nvolle Hingebung des Herrn Herausgebers an diese Arbeit\nnicht zu verkennen. Findet man nun bei genauer Prüfung\ndes Geleisteten noch dazu, dass neben der erforderlichen\nSachrücksicht auch die praktische durch eine reiche Aus-\nwahl mehrere der Chorgesänge können auch auf ande-\nren Stellen benutzt werden für mehr und für weniger\ngeübte Chöre, für grössere und für kleinere Vereine und\nLebens-Gemeinschaften möglichst beachtet, zugleich ein all-\nseitiger, intensiver wie extensiver Fortschritt im Liturgi-\nschen angestrebt worden, dabei jedoch nicht minder eine\nevangelisch-freie Bewegung und Mannigfaltigkeit auf fester,\ngeordneter Grundlage belassen ist, so muss man zugleich ,\nmit dem Danke für die Gabe die grosse Hochachtung für\ndie Gesinnung und Ausdauer des Herausgebers, wie für\nsein Wissen und Können in musicalischer Hinsicht aus-\nsprechen.\nReicher an Chorgesängen, als die heutigen Liturgieen,\nwaren schon die älteren evangelischen Kirchen-Agenden,\nund mögen mehrere der aus früheren Jahrhunderten hier\nmitgetheilten Chöre—„ Blüthen rein christlicher Frömmig-\nkeit, die ihren Duft Jahrhunderte hindurch nicht verloren\"\n(wie in Nr. 28 dieser Blätter von den Schätzen altchristli-\ncher Musik so treffend und schön gesagt wird) der fast\ngänzlichen und unverdienten Vergessenheit nunmehr ent-\nzogen sein, z. B. das uralte „Herr, erbarme dich\" (S. 17),\ndas sehr andachtsvolle „O Lamm Gottes\" (S. 21), das\ntiefgefühlte „Ecce, quomodomoritur justus\" von J. Gallus,\nder vortreffliche Wechselgesang: „Rede, mein Volk, sprich\",\nvon L. da Vittoria (S. 34) u. s. w. Den lateinischen Ge-\nsängen ist ein deutscher Text gewissenhaft untergelegt\nworden. Aber auch mehrere der neueren Compositionen\nsind als eine Bereicherung des religiösen Männergesanges\nanzusehen, wie z. B. die vier sechs- und achtstimmigen\nDoppelchöre von E.Richter, Nr. 7 (S. 30) von demselben,\ndie schon erwähnten vier Nummern von B. Klein, Nr. 1\n(S. 47) von G. Flügel u. s. w. Interessant war uns die\nvon anderer Seite mifgetheilte Bemerkung, dass sich der\nBittgesang unter C. auf S. 89 schon in Liturgieen des\nsechszehnten Jahrhunderts selbst als Gemein de-Gesang\nin Rheinland und Westfalen findet. Offenbar war der evan-\ngelische Kirchengesang früher vielfältiger als jetzt, theils\ndurch verschiedene Gesangformen, theils durch Wechsel-\ngesänge (Antiphonen) u. s. w. So werde die Gemeinde\nmehr thätig im Gottesdienste, und dann wird wiederum die\nEinwirkung auf sie durch Predigt oder Schrift-Vorlesung\nnebst Gebet und durch den kirchlichen Sängerchor vielsei-\ntiger, an- und erziehender. Der heilige Gesang wird uns"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.7", "texte": "immer erheben, und desshaib ist dessen Verbesserung und\nVermehrung in Kirche, höheren Lehranstalten, Haus und\nLeben stets eine wichtige Sache.\nDer fabelhaft billige Preis dieser Sammlung bei schö-\nnem weissem Papier und scharfem Noten- und Buchstaben-\nDruck verdient noch besonders hervorgehoben zu werden.\nWir schliessen hier an: Chorgesänge zum Ge-\nbrauche beim öffentlichen Gottesdienste, mit\nBegleitung der Orgel, componirt von Theodor Elze,\nMusiklehrer und Organist an der evangelischen Christus-\nkirche zu Laibach. Op. 4. Preis 2 Thlr.\nDieses Heft enthält (ausser einem „Gesang am Char-\nfreitage\" und einem „Weihnachtschor\", die lür Sopran,\nAlt, Tenor und Bass geschrieben sind) einen „Osterchor\",\neinen Gesang „am Pfingstfeste\" und „am Aerntefeste\"\nfür vierstimmigen Männerchor. Wir können dem Compo-\nnisten nur rathen, mit der Veröffentlichung seiner Arbei-\nten nicht zu eilen: die vorliegenden tragen im Allgemeinen\nnoch zu sehr das Gepräge des Dilettantismus, im Beson-\nderen aber fehlt der Erfindung sowohl, wie der Ausfüh-\nrung der ernste Geist und kirchliche Stil, den ihre Bestim-\nmung verlangt. Auch sind die gewählten (nicht bibli-\nschen) Texte keineswegs von erbaulichem noch poetischem\nGehalt. Ein Heft von vier Quartetten, Op. 6, und\neines von drei Quartetten, Op. 7, für vier Männer-\nstimmen von demselben Componisten, deren Inhalt weltliche\nLieder sind, zeigen, dass derselbe auf diesem Gebiete in\nZukunft vielleicht Besseres leisten wird, als auf dem kirch-\nlichen. Eine ungewöhnliche Begabung vermögen wir aber\nauch hier nicht zu entdecken; es geht Alles nach bekann-\nter Weise her, und es fehlt auch nicht an Missgriffen der\nAuffassung, wie z. B. am Schlüsse von W. Müller's Wan-\nderlied:\nEine Hymne für vier Männerstimmen von\nKarl Feye, Offenbach, bei J. Andre. Op. 19. Preis 27\nKr. enthaltend ein Hallelujah mit nüchternem Text, er-\nhebt sich nicht über das Gewöhnliche.\n\nPeter Joseph von Lintpaintner.\n(Nekrolog.)\nAm 21. August ist cler königlich würtembergische Hof-Gapell-\nmeister Peter Joseph von Lintpaintner zu Langenargen,\neinem Dorfe am Bodensee, wo er seit mehreren Jahren einige\nSommermonate hindurch zur Erholung zu verweilen pflegte, an\nder Wassersucht gestorben. Noch vor wenigen Wochen war er in\nanscheinend voller Rüstigkeit bei dem schweizerischen Sängerfeste\nin St. Gallen als Preisrichter zugegen, und wollte zum September\nnach Stuttgart zu seinem gewohnten Wirkungskreise zurückkehren,\nals ihn der tödliche Anfall der Krankheit ereilte.\nLintpaintner war aus Coblenz, wo er am 9. December 1791\ndas Licht der Welt erblickte. Sein Vater, Jakob Lintpaintner, war\nals Tenorist von Ruf ein Schüler Righini's in der kurfürst-\nlichen Capelle seit 1779 angestellt und stand später bei dem Kur-\nfürsten Clemens Wenzeslaus in grosser Gunst. Auch seine Mutter\nwar aus einer musicalischen Familie. Bei dem Einfalle der Fran-\nzosen wanderte der Kurfürst aus, und Lintpaintner, kaum drei\nJahre alt, kam mit seinem Vater, den der Kurfürst zu seinem\nReise-Cassirer ernannt hatte, nach Augsburg, wo der Fürst seine\nResidenz aufschlug.\nIn Augsburg verlebte Lintpaintner seine Kindheit und Jugend\nund genoss eine sorgfältige Erziehung. Seit seinem sechsten Jahre\nbesuchte er das Gymnasium, und da er früh musicalische Anlagen\nzeigte, so unterrichtete ihn der Musik-Director Plotterle auf der\nVioline, der Dom-Capitular Witzka auf dem Ciavier und im Gene-\nralbass. Der Kurfürst blieb sein dauernder Gönner und schickte\nihn zu weiterer Ausbildung nach München, wo sich sein Compo-\nsitions-Talent unter des trefflichen Capellmeisters Winter Leitung\nrasch entfaltete, so dass er dort bereits eine Oper, eine Messe und\nein Te Deum schrieb. Im Jahre 1812 war er im Begriffe, eine\nReise nach Italien anzutreten, als sein hoher Gönner, der Kurfürst,\nstarb. Lintpaintner, kaum 21 Jahre alt, nahm nun eine Stelle als\nMusik-Director bei dem Theater am Isarthor in München an, die\ner im Jahre 1819 mit der Stelle eines königlichen Hof-Capellmei-\nsters in Stuttgart vertauschte.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nWiesbaden. Der bisherige kürfürstlich hessische Hof-Ca-\npellmeister Joh. Jos. Bott hat hier in einigen Concerten gespielt\nund sich als Violin-Virtuose ersten Ranges bewährt.\nIn Baden-Baden ist die französische Operette von\nSt. Georges und Clapisson gegeben worden und hat gefallen:\ndie Hauptrolle gab Caroline Duprez.\n** Wien. Am 14. d. Mts. wurde hier die lange besprochene\nund als etwas ganz Eigentümliches angekündigte ungarische\nOper Hunyady Läszlo, Musik von Franz Erkel, im Theater\nan der Wien von der ungarischen Opern-Gesellschaft aus Arad\nzum ersten Male gegeben. In so fern die Handlung aus der unga-\nrischen Geschichte, der Text, von Egressy, in ungarischer Spra-\nche abgefasst, die Musik von einem Ungar gemacht ist und von\nungarischen Sängern gesungen wurde, ist dieses Werk allerdings\neine National-Oper und ist als solche in Ungarn populär geworden."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560830-01.1.8", "texte": "Der deutsche, weniger magyarisch begeisterte Zuhörer wird aber\nsehr bald finden, dass das National-Ungarische in der Musik die-\nser Oper nur in den vorherrschenden Moll-Tonarten und in der\nBenutzung nationaler Weisen, oder wenigstens in Anklängen an\nsolche, besteht. Ausserdem herrscht der neuere Eklekticismus der\n7 *\nFranzosen vor, die Arien folgen meist der hergebrachten italiäni-\nschen Form und zeichnen sich keineswegs durch originelle Erfin-\ndung aus; die Chöre greifen zwar oft ein, entbehren aber des dra-\nmatischen Charakters und der mehrstimmigen, geschweige denn\npolyphonen Arbeit. Der Text ist auch eben kein Meisterstück; es\nist viel die Rede von dem, was gethan ist und gethan werden soll,\naber es geschieht wenig. Wenn demnach der Erfolg bei dem hie-\nsigen Publicum und der Kritik den vielfach angeregten Hoffnun-\ngen nicht entsprochen hat, so muss man doch dem Componisten\nGerechtigkeit in Anerkennung gar mancher Vorzüge seines Wer-\nkes vor manchen anderen neueren Opern widerfahren lassen. Herr\nErkel hat in einigen Nummern gezeigt, dass er melodisches Talent\nbesitzt, und dass er, was heutzutage so selten ist, für Gesang zu\nschreiben versteht. Dabei ist die Behandlung des Orchesters durch-\nweg lobenswerlh, sehr oft fein und interessant, und niemals in\nübertäubenden und die Singstimme erstickenden Lärm ausartend.\nAuch verfehlten trotz der sehr mittelmässigen Aufführung, bei wel-\ncher nur die erste Sängerin, Frau Doria-Laszlö, befriedigen konnte,\ndie wirklich ungarischen feurigen Rhythmen und schwärmerischen\nMelodieen ihre grosse Wirkung nicht. Bei einer vollkommenen\nAufführung und Besetzung mit tüchtigen Sängern dürfte sich wahr-\nscheinlich das Urtheil über den Hunyady Läszlo im Vergleich zu\nso manchen flachen Opern des Repertoires des Hoftheaters günstig\nstellen. Als ein geniales oder gar reformatorisches Werk kann die\nOper aber freilich nicht betrachtet werden.\nAm 18. August, zum Geburtsfeste des Kaisers, wurde nach lan-\nger Ruhe Gluck's „Iphigenie in Tauris\" auf dem Hof-Opern-\nTheater wieder ins Leben gerufen. Esser leitete die Aufführung\nauf treffliche Weise, und die Regie hatte es nicht an würdiger\nAusstattung fehlen lassen. Die Besetzung war folgende: Iphigenie\nFräul. Tietjens, Orestes Erl, Pylades Ander, Thoas\nBeck. Die beiden letzteren wurden durch Beifall und Hervorruf\nwiederholt ausgezeichnet; Erl war der Rolle als Schauspieler nicht\ngewachsen, und Fräul. Tietjens liess auch in manchen Scenen den\nclassischen Stil und die Tiefe des Gefühls vermissen. Immerhin\nwar die Aufführung lür die musicalische Welt Wiens ein Ereig-\nniss. Freilich hatte sie, bei dem hier vorherrschenden Geschmacke,\ndas Publicum nicht in Fülle herbeigezogen; allein was da war,\nzeigte sich sichtbar empfänglich und ergriffen von dem Eindrucke\ndes erhabenen Werkes.\nDie Pianistin Rosa Kastner verweilt seit einigen Tagen in\nBaden bei Wien und erregte neulich durch ihren Vortrag von\nLiszt's Propheten-Illustrationen in Saphir's Akademie stürmischen\nBeifall.\nDer unglückliche Sänger Staudigl hat einen lebensgefährli-\nchen Krankheits-Anfall gehabt, dem er jedoch nicht erlegen ist,\nwie einige Blätter meldeten.\nPhilipp Jakob Riotte, ehemaliger Capellmeister des Thea-\nters an der Wien, Opern-Componist (Der Sturm, Präciosa, Stumme\nLiebe, Selene u. s. w.), geboren zu St. Wendel bei Trier den 16.\nAugust 1776, ist am 20. August d. J. im Alter von 80 Jahren ge-\nstorben. Seine letzte Composition: Der Sieg des Kreuzes, wurde\nam 29. November 1852 im grossen Redoutensaale aufgeführt.\nParis. A. Panseron hat vom Könige von Preussen den\nRothen Adler-Orden erhalten.\nMad. Borghi-Mamo wird nächstens im Propheten und Maci\nMedori in den Hugenotten auftreten.\nDer älteste Sohn von Fr. Liszt, Daniel Henri, bat auf dem Ly-\ncee Bonaparte den ersten Preis für die lateinische Rede\nerhalten."}]}