{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-09-06-01", "volume": "bmtnabi_1856-09-06_01", "ocr_sha256": "7ec5dafae33220f65fc98039b2f7fee1161cdf997e5ae5e5d174052a8376b891", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/09/06_01/bmtnabi_1856-09-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-06_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-09-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "286", "page_fin": "286", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 422, "texte": "Inhalt.\nTheodor Pixis. Von L. Bis eh off. Protest gegen die zweite, verbesserte und von H. W. Stolze revidirte Ste-\nreotyp-Ausgabe (Wolfenbütte!, bei L. Holle) von L. van Beethovens letzten Clavier-Sona!en. Von Mortier de Fontaine. -- Tages-\nund Unterhaltungsblatt (Köln, L. Brassin, F. W. Vogt, Exequien für Th. Pixis Hamburg, Nina Hartmann erstes Auftreten\nJohanna Wagner Wien, Lorberkranz für Ander Prag, Wagner-Woche)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-06-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-06_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-09-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "286", "page_fin": "287", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.2.2", "titre_corps": "Theodor Pixis.", "titre_sommaire": "Theodor Pixis.", "signature_source": "L. Bischoff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.1", "debut_caractere": 424, "fin_caractere_exclue": 3924, "texte": "Theodor Pixis.\n\nDie erschütternde Kunde von dem Tode dieses reich\nbegabten, von seinen Freunden geliebten und von Allen\nhoch geachteten und bewunderten Tonkünstlers kam so\nplötzlich und unerwartet, dass wir noch jetzt kaum an ihre\nschreckliche Wahrheit glauben und uns nicht an den Ge-\ndanken gewöhnen können, dass er uns auf immer entrissen\nsei. Und doch ist er dahin! Vergebens kämpften Jugend\nund Geist gegen den übermächtigen Feind alles Lebens\nauf Erden, der seine Beute nur allzu sicher gefasst hatte.\nAus der Blüthe der Jahre und des Wirkens und des Ruh-\nmes riss er ihn mitten heraus und zertrümmerte den Bau,\nin welchem die Kunst eine Heimat gefunden halte. Ver-\nstummt ist das harmonische Saitenspiel, auf dessen tönen-\nden Schwingen der Edle sich und uns so oft über die Erde\nempor hob, die ihn nun deckt!\nTheodor Pixis war den 15. April 1831 zu Prag ge-\nboren. Sein Vater, F. W. Pixis, vermählt mit Wilhelmine\nSenft aus Prag, war Tonkünstler und Lehrer an dem Con-\nservatorium daselbst. Theodor zeigte zwar schon früh un-\ngewöhnliche musicaüscbe Anlagen, indess wartete doch der\nVater mit dem wirklichen Unterrichte in der Musik, bis\nder Knabe das siebente Jahr vollendet hatte. Durch den\nUnterricht entwickelte sich nun allerdings in diesem eine\ngrosse Neigung und ein eben so grosses Talent zur Musik;\nallein gleichzeitig offenbarte sich die Liebe und Anlage zu\neiner anderen Kunst, zum Zeichnen, auf entschiedene Weise,\nund Theodor machte darin so bedeutende Fortschritte, be-\nsonders im Architektonischen, dass sein Vater ihn nicht\nnur keineswegs von dieser neuen Kunstliebe und Beschäf-\ntigung zurückhielt, sondern ihn zu fortgesetztem Fleisse\ndarin ermunterte, weil er geradezu der Meinung war, dass\nder Knabe eher ein tüchtiger Baumeister, als ein berühm-\nter Musiker werden könnte.\nIndess die Sorge für die Erziehung und Vorbereitung\nzu dem künftigen Berufe des Sohnes ruhte nicht lange in\nden Händen des Vaters. Er starb, ehe Theodor sein zwölf-\ntes Jahr erreicht hatte.\nDieses traurige Ereigniss veranlasste den Bruder des\nVerstorbenen, den berühmten Componisten und Ciavier-\nVirtuosen J. P. Pixis, zu einer Reise nach Prag, um die\ntief betrübte Familie zu trösten und die Zukunft des Kna-\nben zu besprechen. Allein der Oheim und die Mutter ka-\nmen darüber zu keinem Entschlüsse, da der Knabe auf die\nwiederholten Fragen des ersteren über die Wahl seiner\nkünftigen Thätigkeit nie eine Antwort gab, ja, sogar un-\nsanft dadurch berührt schien, und durch nichts eine ent-\nschiedene Neigung oder Vorliebe für irgend einen Stand\nverrieth.\nDer Oheim musste zu seinem Bedauern Prag wieder\nverlassen, ohne den hauptsächlichsten Zweck seiner Reise\nerreicht zu haben. Unter dem Nachlasse des Verstorbenen\nbefand sich eine werthvoile Violine, welche dieser vor meh-\nreren Jahren von seinem Bruder zum Geschenk erhalten\nhatte. Herr J. P. Pixis versprach seiner Schwägerin, das\nkostbare Instrument zum Vortheil der Familie in Italien\noder in Paris zu veräussern, liess vorläufig eine Banknote\nvon tausend Gulden dafür zurück und nahm die Violine mit.\nDas brachte den Knaben zum Sprechen. Er brach das\nbisherige Schweigen über seine innerste Neigung und ge-\nstand nun erst, wie ein Jüngling, dem die Geliebte entris-\nsen wird, der Mutter seine tiefe Liebe zur Tonkunst und\nseinen Entschluss, sich der Musik zu widmen. Der Oheim\nwar kaum acht Wochen von Prag weg, als er einen Brief\nvon seiner Schwägerin erhielt, worin sie ihm den wahrhaft\nleidenden Zustand Theodor's und seine unbezwingliche"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5150, "texte": "Sehnsucht nach der Violine seines Vaters schilderte, und\nihn dringend bat, das Instrument nicht zu verkaufen, da\nihr Sohn sich dahin ausgesprochen habe, nur in dem Stu-\ndium der Musik die Befriedigung seiner Neigung und, wie\ner hoffe, sein Lebensglück finden zu können.\nDas entschied natürlich, und Theodor wurde bald dar-\nauf (1843) Schüler des Conservatoriums zu Prag, das er\nnach Vollendung einer dreijährigen, eifrig angewandten\nLehrzeit (namentlich unter Leitung des Prof. Wildner)\nmit den glänzendsten Zeugnissen verliess.\nSofort liess ihn sein Oheim zu sich nach Baden kom-\nmen und nahm ihn von da mit nach Paris. Hier erregte\nsein Spiel bereits so viel Aufsehen, dass ihn der berühmte\nHabenek, damals Director der Conservatoire-Concerte, zum\nöffentlichen Auftreten in einem Concerte einlud, was denn\nauch mit dem erfreulichsten Erfolge geschah.\nIm folgenden Jahre hatte er das Glück, in Cannstadt,\nwo sich Vieuxtemps drei Monate lang aufhielt, den un-\nschätzbaren Unterricht dieses grossen Meisters benutzen zu\nkönnen, der ihm die schönste Zukunft prophezeite. Von\ndieser Zeit her schreibt sich die Vorliebe des Dahingeschiede-\nnen iür Vieuxtemps' Compositionen, welche er, besonders auch\ndie grossen Concerte desselben, ganz ausgezeichnet vortrug.\nEr besuchte darauf die rheinischen Städte Karlsruhe,\nMannheim, Darmstadt u. s. w., und sein Spiel fand überall\nden grössten Beifall. Auch war er auf dieser Reise so\nglücklich, eine Empfehlung an die Frau Herzogin von Or-\nleans in Paris von Dero Frau Mutter zu erhalten.\nSo betrat er zum zweiten Male mit erhöhten Hoffnun-\ngen die Residenzstadt Louis Philippe's. Er wurde der Her-\nzogin von Orleans vorgestellt, hatte sich einer huldvollen\nAufnahme zu erfreuen und sollte durch Vermitttlung der\nhohen Frau in acht Tagen vor dem Könige spielen. Dieses\nbeglückende Versprechen wurde ihm am 18. Februar\n1848 und sechs Tage darauf waren mit so vielem An-\nderen auch alle Hoffnungen des jungen Künsljers unter\nden Trümmern des Thrones begraben.\nDie Tage der Republik waren nicht geeignet, der\nKunst eine Heimat in Paris zu bereiten. Pixis kehrte nach\nBaden zu seinem Oheim zurück und machte in den näch-\nsten Jahren mehrere Kunstreisen, auf denen er namentlich\nauch in Frankfurt, Köln, Hannover und Berlin auftrat und\nüberall eine glänzende Aufnahme fand.\nIm Herbste 1850 erhielt er den ehrenvollen Ruf nach\nKöln als Lehrer des Violinspiels an der Rheinischen Musik-\nschule und Mitglied des Orchesters, und nach Franz Hart-\nmann's Tode trat er in dessen Stelle als Concertmeister.\nVon hier aus machte er in den Herbst- und Weih-\nnachts-Ferien auch ferner noch Reisen ins Ausland, als de-\nren Glanzpunkte seine Kunstreise durch Holland im Jahre\n1853 und sein Auftreten in Paris im Jahre 1855 zu er-\nwähnen sind. In Amsterdam erregte er in den Concerten\nvon Felix Meritisbesonders durch den Vortrag der Con-\ncerte in Evon Vieuxtemps und in D von Beethoven gros-\nses Aufsehen. In Paris spielte er sechs bis acht Mal in den\nConcerten, welche der kölner Männergesang-Verein dort\nim September und October vorigen Jahres gab. Gleich bei\nseinem ersten Auftreten in dem Concerte am 25. Septem-\nber „gewann sein vortreffliches Spiel\" wie die öffentli-\nchen Blätter sich ausdrückten—„im Vortrage einer Phan-\ntasie von Vieuxtemps und einer anderen von seiner eige-\nnen Composition durch den schönen vollen Ton, die aus-\ngezeichnete Reinheit, die vollendete Technik, mit welcher\ner besonders in dem letzten Stücke ganz enorme Schwie-\nrigkeiten mit der grössten Leichtigkeit überwand, und durch\nden ausdrucksvollen Vortrag rauschenden Beifall und Her-\nvorruf.\" Nach allen seinen Leistungen in den folgenden\nConcerten wurde er jedesmal wiederholt gerufen. Es war\nschade, dass sein würdiger Oheim nicht Zeuge dieser glän-\nzenden Anerkennung seines Neffen in Paris, der hohen\nSchule und vorzugsweisen Heimat des vollendeten Violin-\nspiels, sein konnte. Jene Anerkennung war aber noch um\nso ehrenvoller, als die Concerte des Männergesang-Vereins\nim Saale Herz neben einem sehr gebildeten Publicum stets\ndie Auswahl der pariser Künstler versammelten.\nUnd in der That, Theodor Pixis verdiente diese Aus-\nzeichnung der bravos spontanes in einer Stadt, wo so man-\ncher Beifall nur ein gemachter ist, vollkommen. Sein Spiel\nhalte sich namentlich in den letzten Jahren zu einer selte-\nnen Vollendung heraufgebildet und zeigte die Meisterschaft\nim ganzen Umfange des Wortes. Wer Beethoven's und\nVieuxtemps' grosse und breite Compositionen so vorträgt,\nwie er es that, der steht auf der Höhe der wahren musi-\ncalischen Kunst und der vollkommenen Technik zugleich.\nRichtige Auffassung des Ganzen, voller und gediegener Ton,\nReinheit und staunenswerthe Sicherheit in Doppelgriffen\naller Intervalle, bewusster Adel im Tragen der ernsten\nMelodie, Zartheit und Zierlichkeit in der Ausführung des\nAnmuthigen und Lieblichen und jeder Art von Ornamen-\nten, eine treffliche Bogenlührung, Leitern von Staccato, in\ndenen keine Sprosse auch nur um eine Linie zu nah oder\nzu weit von der anderen stand das alles zusammenge-\nhalten und beherrscht von einer wahrhaft classischen Ruhe,\ndie auch bei leidenschaftlichem Ausdrucke nie das Maass"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2237, "texte": "verlor und selbst seiner äusseren Haltung einen edeln, har-\nmonischen Ausdruck verlieh das waren die hervorstechen-\nden Eigenschaften des Künstlers, den wir verloren haben\nund der in seinem sechsundzwanzigsten Jahre diese hohe\nStufe erreicht und menschlichem Ermessen nach noch eine\nlange und grosse Wirksamkeit für die Kunst vor sich hatte!\nZu jenen Vorzügen gesellte sich noch eine ausserordent-\nliche Fertigkeit im Vomblattspielen und ein bewunderns-\nwerthes musicalisches Gedächtniss, welches ihn nie im Stiche\nliess, so dass er nicht nur kürzere Stücke, sondern auch\ndie grössten Concerte, und sogar das Beethoven'scbe, aus-\nwendig spielte. Und dabei war nicht die geringste Affecta-\ntion, von welcher überhaupt so wenig wie von irgend einer\nCharlatanerie bei ihm auch nur die leiseste Spur vorhanden\nwar; das Auswendigspielen war ihm zur anderen Natur\ngeworden, er lühlte sich freier und konnte sich nur dann\nrecht in die Reproduction des Kunstwerks grosser Meister\nversenken, wenn er kein Pult und kein Notenblatt vor\nsich hatte.\nAber auch als Lehrer hat er Treffliches geleistet, wie\nnamentlich die Prüfung der ersten Violinciasse an der Rhei-\nnischen Musikschule, welche in diesen Tagen abgehalten\nworden ist, auf erfreuliche und schmerzliche Weise zugleich\nbewiesen hat.\nVon seinen Compositionen sind zwei Hefte Lieder und\nmehrere Solostücke lür die Violine mit Clavier-Begleitung\ngedruckt und sehr beifällig aufgenommen worden. Andere,\n1 !\nnamentlich Phantasieen und Variationen in glänzendem Con-\ncertstil für Violine und Orchester geschrieben, hat er hand-\nschriftlich hinterlassen; unter diesen sind die Phantasie über\nitaiiänische Melodieen, die Variationen über schwedische\nLieder und eine Phantasie nach Lamartine's\nrant auszuzeichnen.\nSein Ende war herzerschütternd; nach fünftägigem\nKrankenlager starb er am 1. August, Abends halb eilf Uhr,\nfern von den Seinigen und, obwohl unter treuer Pflege,\ndoch ohne einen letzten Druck von Freundeshand, da Nie-\nmand die plötzliche Wendung zum Schrecklichsten ahnen\nkonnte. Ein Gehirnschlag vernichtete sein irdisches Dasein.\nAm 30. August versammelten die feierlichen Exequien in\nder hohen Domkirche seine zahlreichen Freunde, Schüler,\nVerehrer und Kunstgenossen.\n\nL. Bischoff."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-06-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-06_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-09-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "287", "page_fin": "291", "image_debut": 3, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.2.3", "titre_corps": "Protest gegen die zweite, verbesserte und von H. W. Stolze revidirte Stereotyp-Ausgabe (Wolfenbüttel, bei L. Holle) von L. van Beethoven’s letzten Clavier-Sonaten.", "titre_sommaire": "Protest gegen die zweite, verbesserte und von H. W. Stolze revidirte Stereotyp-Ausgabe (Wolfenbüttel, bei L. Holle) von L. van Beethoven’s letzten Clavier-Sonaten.", "signature_source": "Mortier de Fontaine", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.3", "debut_caractere": 2239, "fin_caractere_exclue": 4652, "texte": "Protest gegen die zweite, verbesserte und von H. W.\nStolze revidirte Stereotyp-Ausgabe (Wolfenbüttel, bei\nL. Holle) von L. van Beethoven’s letzten\nClavier-Sonaten.\n\nAn Herrn Professor Bischoff.\nIm Sommer 1850 erwiesen Sie mir die Ehre, mich\nzur gelegentlichen Mitarbeitung an der von Ihnen in Köln\nzu gründenden Musik-Zeitung aufzufordern, und ich ver-\nsprach zuvörderst den Versuch einer kritischen Be-\nleuchtung der letzten, so wenig gekannten und zu\nabweichenden Kunst-Ansichten immer noch Anlass geben-\nden Clavier-Werke 101, 102 (zwei Sonaten mit Vio-\nloncello), 106, 109, 110 und 111 Beethoven's zu\nliefern. Leider mangelte mir seitdem bei meinen fast\nbeständigen Reisen die nöthige Ruhe und Anregung zur\nBearbeitung eines Stoffes, der Schwierigkeiten mannigfacher\nArt bot.\nDann abe» wollte es mich auch dünken, dass, um die\nAllmacht der Meisterschaft, die alle geheimnissvollsten Tie-\nfen des Tonreiches durchwühlende Kühnheit der Harmonie,\ndie Ursprünglichkeit der mit dem ungestümen Erguss tita-\nnischer Kraft abwechselnden und in den Zauber der Anmuth\nund des Liebreizes getauchten Gedanken, welche diese\nTondichtungen von Beethoven's früheren - bewunderten\nselbst noch so wesentlich unterscheidet, erkennen und\nanstaunen zu helfen, gelehrte Commentare, gründliche und\nnoch so beredte Analysen (hätten meine Kenntnisse und\nrhetorischen Talente auch dazu hingereicht) weit zurücktreten\nmüssten vor einer lebendigen Erläuterung, einem Vor-\ntrage, der schwungvoll und doch maasshaltend, getreu,\nobjectiv und doch tief innerlich empfunden gelänge. Diese\nEigenschaften des Vortrages zu erstreben, diese wahrste,\nedelste Virtuosität mir zum Ziel zu setzen und, zu reiferer\nErkenntniss (zur Bewilligung, ihm nahen zu dürfen) gelangt,\nmir jene neueste, allerneueste Clavier-Musik zum geistigen\nEigenthum zu machen, ward mir Lebens-Aufgabe, für de-\nren Lösung ich keine andere Belohnung hoffe als jene, mit\nErfolg durch das Erworbene auf Andere zu wirken.\nMein Aufenthalt im Norden bietet mir zwar selten Ge-\nlegenheit, Zuhörerkreise zu versammeln, in denen ein wah-\nres Verlangen nach Höherem waltet, in denen Herzen, die\nfähig sind, entzündet und durch das in sich aufgenommene\nSchöne erhoben zu werden, nicht der Zahl derer weichen,\ndie das nur beachten und hochstellen, was, für sie berech-\nnet, sich zu ihnen herablässt. Dennoch unterlasse ich nicht,\nimmer einen oder den anderen jener Schätze öffentlich zu"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5122, "texte": "Gehör zu bringen, so wie ich auch, so oft es nur thunlich\nist, einzelnen verwandten Gemüthern privatim mehrere der-\nselben— in geweihten Stunden selbst alle— mit jener Liebe\naufdecke, die man vielleicht in vollerem Maasse da spendet,\nwo Vorurtheile noch zu bekämpfen sind.\nDas von mir gewählte werkthätige Verfahren förderte\nindess zwar langsam, gebrach es dennoch einem Streben,\ndas so entschlossen sich Bahn zu brechen trachtete, nicht\nan Aufmunterung, die mich bestärkte, auf dem ein-\ngeschlagenen Wege fortzuschreiten. So ward ich immer\nlänger und länger von der Erfüllung des einst gegebe-\nnen Versprechens abgehalten, was Ihnen um so weniger\nerheblich erschienen sein muss, als Ihre Zeitschrift mittler-\nweile durch ausgezeichnete mitwirkende Kräfte zu einem\nder achtungswürdigsten Organe für Musik sich emporge-\nschwungen hat.\nVor Kurzem stiess ich aber auf eine den Titel : „Beet-\nhoven's sämmlliche (?) Compositionen, zweite, verbes-\nserte Auflage, Wolfenbüttel, bei L. Holle führende Aus-\ngabe, und wurde beim Durchblättern des zweiten Bandes,\nBeethoven's letzte achtzehn Sonaten enthaltend,\ndurch eigenthümliche Fehler, vorsätzliche Aenderungen ver-\nrathend, so empfindlich berührt, dass ich die allerletzten\nfünf, für Pianoforte allein, einer genaueren Prüfung unter-\nzog, um Ihnen deren Ergebnisse mitzutheilen, was ich\ndenn heute voller Entrüstung über das Verfahren des Her-\nausgebers au thun mir erlaube.\nDa eine grosse Ungerechtigkeit im unmotivirten Be-\nschuldigen läge, so mögen Urteilsfähige durch folgende\nBelege überzeugt werden, wie sehr ältere, wohlbe-\nkannte Versündigungen an Beethoven hier überboten\nworden sind. Nicht nur sind einzelne Noten geändert, an-\ndere ausgelassen, sondern es sind sogar neue hinzugefügt;\nungewöhnliche Rhythmen sind gerade gerichtet, schnelle\nTactarten in «lässigere verwandelt, Forte-, Piano-, Sfor-\nzando-, Staccato- und Pedal-Zeichen zugesetzt oder am\nunrechten Orte versetzt, andere Zeichen und deutsche Vor-\ntrags-Andeutungen gestrichen, Accorde, geniale Harmonieen\nvernichtet, durch andere, grundfalsche oder der Reihe des\nGewöhnlichen entlehnte, ersetzt.\nMöchte ich nun gleich in gerechtem Unwillen dem\nDrange folgen, jeden an diesen Werken verübten Frevel\nhervorzuheben, so will ich mich dennoch hier nur darauf\nbeschränken, das Vornehmste davon aufzuführen.\nMit der Ä-dur-Sonate, Op. 101, welche nebst\njenen aus E-dur, As-durund weniger angetastet\nwurde, anfangend, machen wir im ersten, einen unerreich- I\nten Zauber enthaltenden Stücke darauf aufmerksam, dass:\n1) die Synkope vom ersten zum zweiten Tacte (S. 2, Z. 2)\nfehlt, und da Synkopen hier und namentlich in den Verän-\nderungen der Arietta (Op. III) eine so wichtige Rolle\nspielen, so ist deren Vorhandensein und richtige Setzung\nwesentlich*); 2) steht nach dem Schlussfalle in die Do-\nminant (S. 3, Z. 8, T. 9) statt\ndrücklich dis,eine Verdoppelung der grossen Terz der\nSeptimen-Harmonie der oberen Dominant-Quint, welche\nHarmonie mit dem Dreiklange der Ober-Dominante über\ndiesen liegensollenden Bass e—h —e in eigenartigen, erreg-\nten und wunderbar wirkenden Rhythmen abwechselt; 3)\nsind die diatonisch steigenden a...h...eis (S. 3, Z. 11, T.\n10), letzteres eis ist hier zur zweiten Stimme geworden,\ndurch a... eis... e, eine einzige Oberstimme bildend,ersetzt,\nund 4) bleibt ein bis zum Schlüsse des Stückes, vom zwei-\nten Theile des achten Tactes an, sich dehnendes Crescendo\naus. Im folgenden, das Scherzo vertretenden, marschmässi-\ngen, geistsprudelnden Satze ist 1) ein (S. 4, Z. 3, T. 3),\ndie charakterisirende Note der Figur, gestrichen; 2) das\nerste d (S. 4, Z. 12, T. 3) vertieft, womit dieser in den\ntiefsten Tiefen vordringende Bass einen sinnlosen, unerträg-\nlichen Missklang, und zwar durch die Entstellung der ihn\nbildenden, ihrer harmonischen Bestimmung gewaltsam ent-\nrückten Intervalle, erzeugt. Wir schweigen über die unwe-\nsentlicheren Verunstaltungen, welche das ausgebliebene Auf-\nlösungszeichen vordem Triller (S. 6,Z. 7, T. 1), das zuge-\nsetzte bvor dem a(S. 6, Z. 10, T. 3) zum Vorschein\nbringen. Uebrigens ist im canonischen Trio ein in allen Aus-\ngaben befindlicher Druckfehler hier vielleicht zufällig\nbeseitigt, was der Wahrheit gemäss bemerkt wird.\nEinige den Gebrauch der Verschiebung betreffende Anmer-\nkungen (U. C. —T. C.— „eineSaite\", „alle Saiten\", „nach\nund nach alle Saiten\") vermisst man im dritten Satze gänz-\nlich. Beethoven machte sie in letzterer Zeit oft und genau.\nGerade hier, im Adagio der grossen B-dur-Somte, im\nPrestissimo (109) und im Adagio und Finale der As-dur-\nSonate (bei und nach den drei Umgestaltungen des Fugen-\nThema's) bringt deren Befolgung sehr schöne, überraschende\nWirkungen hervor. Die Veranlassung ihres Verschwindens,\nder Entstellung des fünften Tactes und des Ausbleibens\neines e (S. 7, Z. 8, T. 3) nicht wohl errathend, schreiten\n\n*) Die im Musikhandel selten gewordene Steiner'sche Origi-\nnal-Ausgabe dieser Sonate ist, obgleich die beste, treueste,\nvon solchen Nachlässigkeiten auch nicht gänzlich frei. So\nauch die der C-»»oZ/-Sonate, Op. 111 (Berlin, bei Ad.\nMt. Schlesinger), welche jedoch allen anderen vorzu-\nziehen sind."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5860, "texte": "wir weiter. Die beiden d,statt (S. 8, Z. 7, T. 2 wohl\nnur Druckfehler); das falsch unterlegte Fortissimo (S. 10,\nZ. 1 und 2, T. 2); den durch die beabsichtigte, aber un-\nterlassene Correctur der Quinten fünfstimmig gewordenen\ndreissigstenTact der vierstimmigen genialen Nachahmungen;\ndas erhöhte c (S. 10, Z. 12, T. 8); das nicht erhöhte\n(S. 11, Z. 10, T. 5); die falsch gesetzten Sforzando-Zei-\nchen (S. 12, Z. 1, T. 6, 7 und 8); die dem verminderten\nSeptimen-Accorde abgelös'ten drei c (S. 12, Z. 3, T. 1)\nim Finale nur vorübergehend andeutend, müssen wir das\nBestimmendere der Aufschrift: „Geschwind, doch nicht zu\nsehrund mit Entschlossenheit\", kurzweg durch „Allegro\"\nnicht sehr glücklich für Deutsche übersetzt finden.\nDie Werke 109, 110 und 111, welche, als ver-\nschontere, weniger berührte, vor der gigantischen B-dur-\nSonate noch flüchtig besprochen werden sollen, gehören,\nwie schon gesagt, mit dieser und der so eben untersuchten\nA-dur-Son&te zur hervorragendsten allerneuesten Ciavier-\nMusik. Gibt es poetische Naturen, die sie je gehört ha-\nben, ohne mächtig ergriffen zu sein, ohne den ungeahn-\nten tiefsten und nachhaltigsten Eindruck zu empfangen?\nEs sind Dichtungen, welche die Musik-Literatur\nsonst nicht aufzuweisen hat; sie sind, was Inhalt, Neu-\nheit und Mannigfaltigkeit der Form betrifft, ohne Muster,\nwie ohne Gegenstücke. Da keine Traditionen über deren\nVortrag existiren, so ist man um so mehr darauf angewie-\nsen, jede Belehrung aus den vorhandenen, von Beethoven\nherrührenden, diesen näher bezeichnenden, Kunstwörtern\nund Vortrags-Zeichen zu schöpfen. Dass im ersten Stücke\nder E- d ur-Sonate S. 2, T. 5 und S. 3,Z. 11 und 12,\nT. 1, Crescendos hinzugefügt worden, muss also um so ent-\nschiedener gemissbilligt werden, als Beethoven sie hier\ndurchaus nicht gewollt hat. Die kräftig hervorgehobenen\nverminderten Septimen-Accorde zu Anfange der beiden\nAdagio espressivoverlieren ihre so zu sagen mahnende Be-\ndeutung, wenn sie nicht plötzlich stark eintreten. Densel-\nben Tadel verdient auch das S. 3, Z. 3 und 4 angebrachte\nForte; nach den schwungvoll hinanstürmenden Accorden\nmuss, trotz des vorangehenden Crescendo's, das duftende\nMotiv plötzlich leise und über die (auch p.) sich entgegen-\nstemmenden Bass-Figuren wie Herübergewehtes mild durch-\nschimmern. Die S. 3, T. 1, zugefügte, von Beethoven ge-\nflissentlich ausgelassene Quint dis, worin die Erhöhung von\ne zu eis,von eis zu cisis(S. 3, Z. 3,4, T. 6), wo also Da-\ngewesenes das Eigenthümlichere so keck verdrängt, beweis't\nüberdies, wie gewissenhafte Treue dem grossen Ludwig\ngegenüber von einzelnen deutschen Musikern jetzt noch\nausgeübt wird\"). Das Prestissimo, das Andante und die\nersten Variationen mit Stillschweigen übergehend, stossen\nwir auf eine lange, unklare, italienische, das „etwas lang-\nsamer als das Thema44 übersetzende Ueberschrift der vier-\nten Variation. Diese selbst erleidet manches Missgeschick;\nwir heben namentlich die Quintenfolgen erzeugende Ent-\nstellung einer gluthsprühenden Stelle (S. 11, Z. 1 und 2,\nT. 3 Z. 3 und 4, T. 1) hervor.\nin dem naiv-innigen, ich möchte sagen: unbefangen-\nliebenswürdigen, Motiv des ersten Satzes der wunderbaren\n\n*) Erlauben Sie mir, bei dieser Gelegenheit eine bieher wohl\ngehörende Bemerkung über die ähnliche, auffallende\nAenderung einer seit über vierzig Jahre unangefochten\ngebliebenen von Vielen bewunderten Stelle in Beet-\nhoven's Phantasie für Piano forte, Orchester und\nChor, Op. 80, deren Urheber ungenannt ist, zu machen,\neine Bemerkung, die jeden gesinnungstüchtigen Musiker mit\nder Besorgniss erfüllen muss, dass, wenn ferner die unglück-\nselige Sucht des Bessermachenwoliens überhaupt und Unbe-\nrufener insbesondere gestattet bliebe, diese an den letzten So-\nnaten mit Violoncello (Op. 102), an den 33 Veränderungen\n(Op. 120), an der Missa solemMs, an der neunten Sinfonie\nund den letzten Quartetten Glanzpunkte genug finden würden,\nbei denen sie ihrem Gelüste fröhnen könnten, und somit die\nkommenden Geschlechter statt der Barmomeen Beethoyen's\ndie ihrigen freilich unschuldigeren überliefert bekämen.\nBewusste, corrigirt sein sollende Stelle ist in der in\nneuerer Zeit bei Breitkopf und Härtel erschienenen Partitur,\nS. 3, Z. 12, T. 2, zu finden. Ich besitze ein Exemplar die-\nser Phantasie, woraus Beethoven sie selbst (öffentlich?) ge-\nspielt haben soll, und das von ihm jedenfalls mit den Worten:\n„An Freund Zmeskall,\nvom ganz kleinen Autor selbst\",\nbegleitet, einer nicht unbedeutenden wiener musicalischeri\nPersönlichkeit verehrt ist. Die unveränderte Beibehaltung der\nfraglichen, mit einem Auflösungszeichen versehenen vier f\nlässt leicht annehmen, dass die frühere Lesart, wo die Auf-\nlösung des fis auf Wege geschah, die rich-\ntige ist, da Beethoven einen solchen Fehler gewiss nicht ge-\nduldet hätte. Ein meinem Exemplare vorangehendes, seine\nEchtheit zugleich bekundendes, kalligraphirtes Zueignungs-\nblatt möge hier in Abschrift folgen:\n„Gegenwärtiges Exemplar, welches L. van Beethoven laut\ndessen eigenhändig beigefügter Bestätigung seinem Freunde\nZmeskall verehrt hatte, wurde von der Gesellschaft der Mu-\nsikfreunde des österreichischen Kaiserstaates die in Besitz\ndesselben durch ihren ehemaligen Protector, weiland S. K. 11.\nden Durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Rudolf, Cardinal Erz-\nbischof von Olmütz, gelangte dem Herrn Mortier de\nFontaine bei Gelegenheit, als diese Phantasie aus gegen-\nwärtigem Exemplare in dem Concerte der Gesellschaft am\n20. December 1846 im k. k. Grossen Redoutensaale zu Wien\nvorgetragen, als Anerkennung seines ausgezeichneten Vortra-\nges achtungsvoll verehrt. Im Namen der Gesellschaft: (Gez.)\nFriedrich E. Landgraf zu Fürstenberg, Präses. Dr. Moriz von\nStubenrauch, Secretär. Friedrich Klemm, Vorsteher des Co-\nmite der Gesellschafts-Concerte. Ignaz Paul, Mitglied des lei-\ntenden Ausschusses und Mitvorstand des Comite der Gesell-\nschafts-Concerte.\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5240, "texte": "Op. 110, findet sich beim Halt T. 4\nein leicht zu erkennender Druckfehler. So ist es aber nicht\n5. 3, Z. 8, T. 1, wo ein zugesetztes vergebens seiner\nAuflösung harrt; noch weniger S. 5, Z. 13 und 14, T.\n3, wo ein Quartsext-Accord den Platz eines Dominant-\nDreiklanges sich widerrechtlich aneignet. Nur ein mit dem\nheutigen Tonsystem-Organismus unvollkommen Vertrauter\nkonnte etwas zwar Abweichendes, das aber dennoch natür-\nlich gegeben ist, absonderlich finden und sich veranlasst\nfühlen, im Scherzo-Satze S. 7, Z. 5, T. 5 S. 8, Z. 9,\nT. 5, statt eines \\ vor des (das Stück ist aus ein\nüberflüssiges b zuzufügen und zwei Tacte später das\nnöthige bzu streichen.\nEben so arg sind in der hochpathetischen Einleitung\neines Wunderwerkes (C- moll-Sonate, Op. 111) die\ndüsteren Accordfolgen Tact 7 und 8 verdorben. Im er-\nschütternden Allegro sind nur etwa S. 5 ungehörige Vor-\ntragszeicben >- r=— zu rügen und im zweiten und\nletzten Satze kleinere Fehler, welche bei Vorlage der Ori-\nginal-Ausgabe theilweise beseitigt werden können.\nIn der grossen /i -du r-Sonate, Op. 106, ist\naber von vorn herein der gewaltigen, strömenden Kraft, die\nATies fortzureissen verkündet (Cq Allabrevetact, Mälzel Me-\ntronom J = 138), ein entrüstendes „Halte ein!\" zugeru-\nfen; denn Göthe's Worte sollten hier zur Wahrheit\nwerden— „die jetzige Generation fürchtet sich vor aller\nechten Kraft, und nur bei der Schwäche ist es ihr gemüth-\nlich und poetisch zu Sinne*).\" Das einst so stolze, kühne\nHauptmotiv, nun gebändigt, gebrochen (4/4-Tact, M. M.\nj = 138)**), ist unkenntlich, das heisst wahrhaft gemüth-\nlich geworden. Seinem Gefährten, dem Cantabile, werden\nspäter auch (S. 6) ausgeklügelte Besserungsmittel nicht er-\nspart und kleine Nonen-Intervallen zu grossen erhoben (S.\n6, Z. 13, T. 5 und 7) u. s. w. u. s. w. Da eine Bene-\ndictiner-Geduld dazu gehörte, alle die Zusätze an Vortrags-\nzeichen, die hier wimmeln, anzuführen, so erwähnen wir\nnur einiger Verwechslungen von ganzen mit halben Noten\n(S. 6, Z. 11, T. 5 S. 10, Z. 1, T. 5); unrichtiger\nSetzung des Octaven-Zeichens (S. 7, Z. 7, T. 2 S. 8,\nZv-2, T. 4); auffallender Fälschungen (S. 8, Z. 8, T. 6),\nwo der Bass, anstatt auf h,dem gewesenen (?-Drei-\nklange gehörend, auf c springt und so der kommenden\nHarmonie zuertheilt wird; S. 9, Z. 10, T. 5, wo das ur-\nsprüngliche Motiv des Ganges im Bass hier\nin letzter Versetzung nicht mehr dieselben Intervalle der\ngrossen Quart, der kleinen Terz, sondern die der ver-\nminderten Quart: c... fes,der verminderten Terz:\nfes...d. ..es durchstreift. Durch die auch a 11 e r i r t e Beglei-\ntung ergibt sich hier eine F-moZZ-Harmonie, anstatt einer in\nFes-dur. Unbegreiflich ist es, dass dieselbe, in leiterfremder\nTonart schon vorkommende Stelle Gnade gefunden hatte.\nDas Scherzo, das jetzt folgt, bleibt fürs erste weg\nund findet sich erst nach dem Adagio, mit M. M. j = 132\nversehen,wieder. Es übrigens in diesem, demßeethoven'-\nschen Zeitmaasse ( i =80) um mehr noch als die Hälfte\nlangsameren Tempo vortragen, hiesse geradezu, diese^die\nhöchsten Sphären der Poesie erreichende Anwandlung dä-\nmonischen Muthwillens zu einem gemüthlichen deutschen\nLändler umwandeln.\nIm Adagio (sostenutoist, nebenbei gesagt, weil es\nwohl mit appassionatozu paradox klang, gestrichen) im\nAdagio, sage ich, legt sich des Bearbeiters verbessernde\nHand eben so wenig Zügel an, wie im Vorhergehen-\nden und Nachfolgenden. Wir erwähnen nur die S. 13, Z.\n12, T. 3 und S. 17, Z. 12, T. 3 ersonnenen Correctu-\nren; das geschmacklose Verbrämen des vierten Tactes nach\nWiederkehr (in D-durj des gefühlvollen Gesanges ('S. 16,\nZ. 7); die S. 1 4, Z. 3 und 4, T. 2, von H-dur nach D-\ndur, S. 18, Z. 3 und 4, T. 3, von Es-dur nach Fis-dur\nzurückführenden herrlichen Modulationen, die durch ihren\nbesonderen Rhythmus noch einen so eingenthümlichen Zau-\nber erhielten, und hier in gerade Zeitgliederungen oder,\ndeutlicher gesagt, in die gewöhnliche rhythmische Anord-\nnung der 6/8 gebracht werden. Wo also Beethoven einen\nHauch von Milde und stiller Ergebung ausgoss, der bis zum\ntiefsten Innern rührend drang, hat des Bearbeiters Ent-\nweihung eine triviale Symmetrisirung, eine tödliche Mono-\ntonie erzeugt.\nDiesem in lautloser Stille verhallenden Adagio schloss\nsich ein phantastisches Largo im 4/4-Tact mit derßemer-\n\n*) Gespräche mit Gölhe von J. P. Eckermann. I. Theil, S. 382.\n**) JBeethoven's eigene Metro n omisiru n g der neun-\nten Sinfonie kann aus Gründen, die hier nicht zu erörtern\nsind, im Scherzo und dessen Trio namentlich Manchem un-\nanwendbar scheinen. Herr C. Czerny hat sie in seinem\nsonst nicht sehr treuen Arrangement für das Pianoforte zu\nvier Händen überall treulichst beibehalten; Hof-Capellmeister\nDr. Franz Liszt hingegen, der dieselbe Sinfonie mit glück-\nlichster Umgehung mancher Schwierigkeiten meisterhaft für\nzwei Pianoforte gesetzt hat, zog es vor, lieber gar keine Me-\ntronomisirung vorzuzeichnen, als hier oder da die Beethoven'-\nsche vielleicht zu ändern. Das Verfahren Czerny's und Fr.\nLiszt's ist als das angemessenste zu rühmen, und unsere un-\nmaassgebliche Meinung jedenfalls die, dass Beethoven's Me-\ntronomisirung da, wo sie, wie in dieser Sonate Op. 106, vor-\nhanden ist, durchaus unangetastet bleibe, und wo keine ist,\nauch keine hinzugefügt werde."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4338, "texte": "kung an: „Per la misura si co\ncio e£ £ £ js \"und M. M. =• 76. Das Largo, das,\nnach dem Scherzo verlegt, jener Bemerkung hier bar\nist, erhält eine andere, doppeltschnellere Bewegung\n(J* =76) vorgezeichnet! Der den Zustand einer förmli-\nchen Unbelebtheit und des allmählichen Erwachens aus dem\nträumerischen in sich Versunkensein des Adagio malende An-\nfang dieses unnennbar schönen Stückes ist vernichtet und\neiner Ausgeburt des Unsinnes nicht unähnlich gemacht.\nUeberhaupt ist durch dieses Durcheinanderwerfen der Sätze\ndie Bedeutung dieser Introduction zur Fuge, der innere\nZnsammenhang, die Gliederung, die Gestalt des ganzen\nerhabenen Werkes untergraben*).\nGegen die darauf folgende Fuge, die majestätisch-energi-\nsche, einzige Form, mit der das Riesen-Clavierstück be-\nschlossen werden konnte, ist manches Anathem geschleu-\ndert worden; da aber hier nicht der Ort ist, wo für ihre\nVertheidigung Lanzen gebrochen werden sollen, so sei es\nwenigstens vergönnt, im Allgemeinen zu bemerken, dass\nbei allem contrapunktischen Aufwände, allen bei unseren ge-\nlehrten Vorfahren beliebten Spitzfindigkeiten, als Vergrös-\nserung, Umkehrung des Hauptmotivs, dessen widrige, rück-\ngängige oder rückgängig verkehrte Bewegung u. s. w. das\nStück, weit entfernt, trocken oder scholastisch zu sein,\nmächtig die Einbildungskraft des Hörers ergreifen kann,\nwenn dieser nicht Alles gleich zu fassen und zu übersehen\nbegehrt, wie es die meisten Musiker verlangen, sondern\nreflexionslos sich den Eindrücken dieser Genie-Blitze hin-\ngibt.—Zurück zur Untersuchung.\nKaum lässt man in Wolfenbüttel oder Celle, denn\nHerr Stolze ist dort Stadt- und Schloss-Organist, wie wir\nso eben aus der Liste der Bach-Gesellschafts-Mitglieder er-\nsehen —, kaum lässt man also dort die erste, den Tur-\nnierplatz betretende Stimme mit dem entschlossen-feuri-\ngen Hauptmotiv sich Bahn brechen, im doppelten Contra-\npunkte als Gegenmotiv die Antwort begleiten und ein un-\ntergeordneteres\nnoch\nanstimmen, so unterschiebt Herr Stolze dem Schlüsse (3.\nTact) desselben seinen eigenen Gedanken und zwar in die-\nser Form:\nDa aber Beethoven gerade das\nTheilchen:\num mit einem versetzten\nBruchstücke des ersten Gegenmotivs über die das Haupt-\nthema zu Ende bringende dritte Stimme Zwischensätze zu\nbilden, benutzt, so ist es schwer, zu errathen, was Herrn\nStolze eigentlich veranlasst hat, diese Notengruppe ohne\nweitere Umstände zu vertilgen.\nHier brechen wir unsere Untersuchungen ab; denn\nwir wissen genug, um den Schluss zu ziehen, dass entwe-\nder eine beispiellose Missachtung des gewaltigen Geistes\nBeethoven's dazu gehört, um seine Werke frevelnd anzu-\ntasten, oder die grosse Anmaassung, sich über seinen mu-\nsicalischen Standpunkt erhaben genug zu glauben, um seine\nHarmonieen verbessern zu wollen. Dass jenseit des Rhei-\nnes dergleichen geschehen konnte, ist bedauernswürdig ge-\nnug; dass aber in unseren Tagen Deutsche (des ehrwürdi-\ngen Altmeisters, dessen berühmter Name auf diesen Wer-\nken wohl als Lockspeise prangt, aber keinem Kunstverstän-\ndigen denVerdacht, als habe er sich an den gerügten Ver-\nsündigungen betheiligt, einflössen wird, nicht zu gedenken),\ndass Deutschland, die Wiege eines auf dem Weltschauplatze\nin vorderster Reihe stehenden, unsterblichen Meisters\nDeutschland, die Pflegerin, die treu sein sollende Hüterin\nseiner unerreichten Tonwerke, Verstümmelungen derselben\nauftischt, ist wahrhaft empörend und verdient öffentlich\ngerügt zu werden.\nEiner neuen purificirten Auflage wollen wir Glück\nund Gedeihen gern wünschen. In ihrer jetzigen Gestalt\nsei ihr aber jede weitere und ihrer äussersten Billigkeit\nwegen wahrhaft drohende —Verbreitung durch alle Mittel\nverwehrt, und es scheint uns Pflicht der Pietät gegen Beet-\nhoven, dass auch andere Musik-Zeitungen durch Hinwei-\nsung auf diesen Protest das Ihrige zur Ehrenrettung Beet-\nhoven's beitragen.\nMoskau, den 3/15. August 1856.\n\n*) Beinahe Aehnliches ist im eben erwähnten vierhändigen Ar-\nrangement der neunten Sinfonie Beethoven's durch Herrn C.\nCzerny zu Tag gefördert worden, indem dieser das ganze Scherzo\nmit allen Wiederholungen dem Trio folgen lässt, anstatt (wie\nS. 73 der Partitür) zur schnell abschliessenden Coda überzu-\ngehen, wodurch der prächtige Satz (an einigen Orten selbst\nvon Orchestern so aufgeführt) eine seiner Wirkung nachthei-\nlige Ausdehnung erlangt.\n\nMortier de Fontaine."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-06-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-06_01#c007", "volume": "bmtnabi_1856-09-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "291", "page_fin": "292", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.7", "debut_caractere": 4340, "fin_caractere_exclue": 4910, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nlifilll. In einer der letzten Versammlungen der Philharmoni-\nschen Gesellschaft hörten wir eine Ouvertüre in für gros-\nses Orchester von Louis Brassin, welche allgemein ansprach.\nSie ist im heiteren Stile geschrieben, hat frische Melodieen und\nzeigt eine bei einem so jungen Componisten seltene Gewandtheit\nin Handhabung der Form und der Instrumentirung.\nWir haben Gelegenheit gehabt, die Partitur der Choral-Sinfo-\nnie, mit welcher Herr F. W. 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August die beabsichtigte Aufführung des Requiem von\nMozart von der geistlichen Behörde nicht gestattet worden ist,\nzumal, da die officielle Kunde von der Aufführung desselben Re-\nquiems in diesen Tagen bei dem Seelenamte für den Capellmeister\nP. von Lintpaintner in der katholischen Kirche zu Stuttgart den\nBeweis gab, dass das unsterbliche Werk des grössten deutschen\nTonsetzers nicht durch eine allgemein gültige Satzung der\nKirche in den Bann gethan ist. Wenn das Circular des erzbischöf-\nlichen Vicariats vom 10. August 1854 mit Recht „eine strengere\nSichtung und Beschränkung\" der kirchlichen Werke mit In-\nstrumental-Begleitung verlangt und nur „solche Musikwerke zur\nAufführung zulassen will, welche die Herzen zur Andacht\nstimmen und wahrhaft erbauen\", so dürfte die Erhebung\nzu Gott und die tiefe Andacht, zu welcher Mozart's Requiem ein\nhalbes Jahrhundert lang Tausende von Christenherzen gestimmt\nhat, sicherlich eine ganz andere und der Kirche würdigere sein,\nals diejenige Stimmung, in welche man durch Compositionen von\ntrivialen und modern-italiänisehen Melodieen versetzt wird, wenn\nsie auch ohne Instrumental-Begleitung und ohne Frauenstimmen\ngesungen werden.\n** Am 2. September betrat Fräul. Nina Hart-\nman n, Tochter des leider so -verstorbenen Concertmeisters F.\nHartmann in Köln, welche ihre künstlerische Ausbildung der Rhei-\nnischen Musikschule und hauptsächlich dem Herrn Gesanglehrer\nErnst Koch in Köln verdankt, hier zum ersten Male die\nBühne als Adalgisa in Bellini's Norma. Trotz der Befangenheit,\nmit welcher die junge Sängerin auftrat, erhielt sie gleich nach dem\nVortrage des Gebets lauten Beifall, der sich im Duett mit Sever\nzum Enthusiasmus steigerte und den ganzen Abend durch anhielt.\nFräul, Hartmann wurde vier Mal, bei offener Scene und am Schlüsse,\ngerufen; der Erfolg war vollständig. Dem Vernehmen nach ist sie\nfür unsere Bühne engagirt, wozu wir dem Director Sachse nur\nGlück wünschen können. Die Norma sang Frau Vi ola-Mi 11 er-\nmayer (Frau Palm-Spatzer hat ein ernster Fieber-Anfall noch\nnicht zum Auftreten kommen lassen). Frau Viola hat eine grosse\nStimme und für dieses schwere Material eine treffliche, in jeder\nHinsicht gediegene Ausbildung. Da sie aber Mezzo Soprano ist, so\nmachte ihr die Höhe der Partie der Norma auch trotz des Trans-\nponirens einige Mühe. In dem Ensemble des grossen Duetts sang\nFräul. Hartmann die Oberstimme und hatte sich auch des beson-\nderen Beifalls unserer Capellmeister, der Herren Ignaz Lachner\nund F. Dupont, zu erfreuen.\nNach einer Correspondenz aus Königsberg in der Kölnischen\nZeitung vom 4. September hat sich die k. Hof-Opernsängerin Fräul.\nJohanna Wagner am 30. August dort mit dem Appeliations-\ngerichts-Referendarius Herrn Jachmann, der vor Kurzem von\ndem königsberger Landkreise in zweiter Reihe zum Landrathe ge-\nwählt wurde, verlobt.\nDie österreichische Gesandtschaft in Stockholm hat an das\nOberstkämmerer-Amt in Wien einen schweren silbernen Lorber-\nkranz von meisterhafter Arbeit und grossem Werthe gesandt, wel-\ncher von den kunstliebenden Damen Stockholms dem österreichi-\nschen Kammersänger Herrn Ander für sein Wirken als Sänger\nund als Wohlthäter der Armen in Stockholm gewidmet wurde.\nWien. Das für Robert Schumann pröjectirte Todtenarot\nkonnte nicht abgehalten werden, da der Verstorbene sich zur evan-\ngelischen Confession bekannte.\nIn Prag wird eine Wagner-Woche vorbereitet, in welcher\n„Der fliegende Holländer\", „Tannhäuser\" und „Lohengrin\" zur\nAufführung kommen sollen, und zwar bei Gelegenheit der diesjäh-\nrigen Versammlung der Forst- und Landwirthe, wozu bereits an\n1100 Wohnungen bestellt worden sind. Die Verehrer Wagner's\nhoffen von dem unverdorbenen Geschmack der Bewohner der\nWälder und Fluren eine unparteiische Würdigung der Kunstwerke\nder Zukunft."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nTheodor Pixis. Von L. Bis eh off. Protest gegen die zweite, verbesserte und von H. W. Stolze revidirte Ste-\nreotyp-Ausgabe (Wolfenbütte!, bei L. Holle) von L. van Beethovens letzten Clavier-Sona!en. Von Mortier de Fontaine. -- Tages-\nund Unterhaltungsblatt (Köln, L. Brassin, F. W. Vogt, Exequien für Th. Pixis Hamburg, Nina Hartmann erstes Auftreten\nJohanna Wagner Wien, Lorberkranz für Ander Prag, Wagner-Woche).\n\nTheodor Pixis.\n\nDie erschütternde Kunde von dem Tode dieses reich\nbegabten, von seinen Freunden geliebten und von Allen\nhoch geachteten und bewunderten Tonkünstlers kam so\nplötzlich und unerwartet, dass wir noch jetzt kaum an ihre\nschreckliche Wahrheit glauben und uns nicht an den Ge-\ndanken gewöhnen können, dass er uns auf immer entrissen\nsei. Und doch ist er dahin! Vergebens kämpften Jugend\nund Geist gegen den übermächtigen Feind alles Lebens\nauf Erden, der seine Beute nur allzu sicher gefasst hatte.\nAus der Blüthe der Jahre und des Wirkens und des Ruh-\nmes riss er ihn mitten heraus und zertrümmerte den Bau,\nin welchem die Kunst eine Heimat gefunden halte. Ver-\nstummt ist das harmonische Saitenspiel, auf dessen tönen-\nden Schwingen der Edle sich und uns so oft über die Erde\nempor hob, die ihn nun deckt!\nTheodor Pixis war den 15. April 1831 zu Prag ge-\nboren. Sein Vater, F. W. Pixis, vermählt mit Wilhelmine\nSenft aus Prag, war Tonkünstler und Lehrer an dem Con-\nservatorium daselbst. Theodor zeigte zwar schon früh un-\ngewöhnliche musicaüscbe Anlagen, indess wartete doch der\nVater mit dem wirklichen Unterrichte in der Musik, bis\nder Knabe das siebente Jahr vollendet hatte. Durch den\nUnterricht entwickelte sich nun allerdings in diesem eine\ngrosse Neigung und ein eben so grosses Talent zur Musik;\nallein gleichzeitig offenbarte sich die Liebe und Anlage zu\neiner anderen Kunst, zum Zeichnen, auf entschiedene Weise,\nund Theodor machte darin so bedeutende Fortschritte, be-\nsonders im Architektonischen, dass sein Vater ihn nicht\nnur keineswegs von dieser neuen Kunstliebe und Beschäf-\ntigung zurückhielt, sondern ihn zu fortgesetztem Fleisse\ndarin ermunterte, weil er geradezu der Meinung war, dass\nder Knabe eher ein tüchtiger Baumeister, als ein berühm-\nter Musiker werden könnte.\nIndess die Sorge für die Erziehung und Vorbereitung\nzu dem künftigen Berufe des Sohnes ruhte nicht lange in\nden Händen des Vaters. Er starb, ehe Theodor sein zwölf-\ntes Jahr erreicht hatte.\nDieses traurige Ereigniss veranlasste den Bruder des\nVerstorbenen, den berühmten Componisten und Ciavier-\nVirtuosen J. P. Pixis, zu einer Reise nach Prag, um die\ntief betrübte Familie zu trösten und die Zukunft des Kna-\nben zu besprechen. Allein der Oheim und die Mutter ka-\nmen darüber zu keinem Entschlüsse, da der Knabe auf die\nwiederholten Fragen des ersteren über die Wahl seiner\nkünftigen Thätigkeit nie eine Antwort gab, ja, sogar un-\nsanft dadurch berührt schien, und durch nichts eine ent-\nschiedene Neigung oder Vorliebe für irgend einen Stand\nverrieth.\nDer Oheim musste zu seinem Bedauern Prag wieder\nverlassen, ohne den hauptsächlichsten Zweck seiner Reise\nerreicht zu haben. Unter dem Nachlasse des Verstorbenen\nbefand sich eine werthvoile Violine, welche dieser vor meh-\nreren Jahren von seinem Bruder zum Geschenk erhalten\nhatte. Herr J. P. Pixis versprach seiner Schwägerin, das\nkostbare Instrument zum Vortheil der Familie in Italien\noder in Paris zu veräussern, liess vorläufig eine Banknote\nvon tausend Gulden dafür zurück und nahm die Violine mit.\nDas brachte den Knaben zum Sprechen. Er brach das\nbisherige Schweigen über seine innerste Neigung und ge-\nstand nun erst, wie ein Jüngling, dem die Geliebte entris-\nsen wird, der Mutter seine tiefe Liebe zur Tonkunst und\nseinen Entschluss, sich der Musik zu widmen. Der Oheim\nwar kaum acht Wochen von Prag weg, als er einen Brief\nvon seiner Schwägerin erhielt, worin sie ihm den wahrhaft\nleidenden Zustand Theodor's und seine unbezwingliche"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.2", "texte": "Sehnsucht nach der Violine seines Vaters schilderte, und\nihn dringend bat, das Instrument nicht zu verkaufen, da\nihr Sohn sich dahin ausgesprochen habe, nur in dem Stu-\ndium der Musik die Befriedigung seiner Neigung und, wie\ner hoffe, sein Lebensglück finden zu können.\nDas entschied natürlich, und Theodor wurde bald dar-\nauf (1843) Schüler des Conservatoriums zu Prag, das er\nnach Vollendung einer dreijährigen, eifrig angewandten\nLehrzeit (namentlich unter Leitung des Prof. Wildner)\nmit den glänzendsten Zeugnissen verliess.\nSofort liess ihn sein Oheim zu sich nach Baden kom-\nmen und nahm ihn von da mit nach Paris. Hier erregte\nsein Spiel bereits so viel Aufsehen, dass ihn der berühmte\nHabenek, damals Director der Conservatoire-Concerte, zum\nöffentlichen Auftreten in einem Concerte einlud, was denn\nauch mit dem erfreulichsten Erfolge geschah.\nIm folgenden Jahre hatte er das Glück, in Cannstadt,\nwo sich Vieuxtemps drei Monate lang aufhielt, den un-\nschätzbaren Unterricht dieses grossen Meisters benutzen zu\nkönnen, der ihm die schönste Zukunft prophezeite. Von\ndieser Zeit her schreibt sich die Vorliebe des Dahingeschiede-\nnen iür Vieuxtemps' Compositionen, welche er, besonders auch\ndie grossen Concerte desselben, ganz ausgezeichnet vortrug.\nEr besuchte darauf die rheinischen Städte Karlsruhe,\nMannheim, Darmstadt u. s. w., und sein Spiel fand überall\nden grössten Beifall. Auch war er auf dieser Reise so\nglücklich, eine Empfehlung an die Frau Herzogin von Or-\nleans in Paris von Dero Frau Mutter zu erhalten.\nSo betrat er zum zweiten Male mit erhöhten Hoffnun-\ngen die Residenzstadt Louis Philippe's. Er wurde der Her-\nzogin von Orleans vorgestellt, hatte sich einer huldvollen\nAufnahme zu erfreuen und sollte durch Vermitttlung der\nhohen Frau in acht Tagen vor dem Könige spielen. Dieses\nbeglückende Versprechen wurde ihm am 18. Februar\n1848 und sechs Tage darauf waren mit so vielem An-\nderen auch alle Hoffnungen des jungen Künsljers unter\nden Trümmern des Thrones begraben.\nDie Tage der Republik waren nicht geeignet, der\nKunst eine Heimat in Paris zu bereiten. Pixis kehrte nach\nBaden zu seinem Oheim zurück und machte in den näch-\nsten Jahren mehrere Kunstreisen, auf denen er namentlich\nauch in Frankfurt, Köln, Hannover und Berlin auftrat und\nüberall eine glänzende Aufnahme fand.\nIm Herbste 1850 erhielt er den ehrenvollen Ruf nach\nKöln als Lehrer des Violinspiels an der Rheinischen Musik-\nschule und Mitglied des Orchesters, und nach Franz Hart-\nmann's Tode trat er in dessen Stelle als Concertmeister.\nVon hier aus machte er in den Herbst- und Weih-\nnachts-Ferien auch ferner noch Reisen ins Ausland, als de-\nren Glanzpunkte seine Kunstreise durch Holland im Jahre\n1853 und sein Auftreten in Paris im Jahre 1855 zu er-\nwähnen sind. In Amsterdam erregte er in den Concerten\nvon Felix Meritisbesonders durch den Vortrag der Con-\ncerte in Evon Vieuxtemps und in D von Beethoven gros-\nses Aufsehen. In Paris spielte er sechs bis acht Mal in den\nConcerten, welche der kölner Männergesang-Verein dort\nim September und October vorigen Jahres gab. Gleich bei\nseinem ersten Auftreten in dem Concerte am 25. Septem-\nber „gewann sein vortreffliches Spiel\" wie die öffentli-\nchen Blätter sich ausdrückten—„im Vortrage einer Phan-\ntasie von Vieuxtemps und einer anderen von seiner eige-\nnen Composition durch den schönen vollen Ton, die aus-\ngezeichnete Reinheit, die vollendete Technik, mit welcher\ner besonders in dem letzten Stücke ganz enorme Schwie-\nrigkeiten mit der grössten Leichtigkeit überwand, und durch\nden ausdrucksvollen Vortrag rauschenden Beifall und Her-\nvorruf.\" Nach allen seinen Leistungen in den folgenden\nConcerten wurde er jedesmal wiederholt gerufen. Es war\nschade, dass sein würdiger Oheim nicht Zeuge dieser glän-\nzenden Anerkennung seines Neffen in Paris, der hohen\nSchule und vorzugsweisen Heimat des vollendeten Violin-\nspiels, sein konnte. Jene Anerkennung war aber noch um\nso ehrenvoller, als die Concerte des Männergesang-Vereins\nim Saale Herz neben einem sehr gebildeten Publicum stets\ndie Auswahl der pariser Künstler versammelten.\nUnd in der That, Theodor Pixis verdiente diese Aus-\nzeichnung der bravos spontanes in einer Stadt, wo so man-\ncher Beifall nur ein gemachter ist, vollkommen. Sein Spiel\nhalte sich namentlich in den letzten Jahren zu einer selte-\nnen Vollendung heraufgebildet und zeigte die Meisterschaft\nim ganzen Umfange des Wortes. Wer Beethoven's und\nVieuxtemps' grosse und breite Compositionen so vorträgt,\nwie er es that, der steht auf der Höhe der wahren musi-\ncalischen Kunst und der vollkommenen Technik zugleich.\nRichtige Auffassung des Ganzen, voller und gediegener Ton,\nReinheit und staunenswerthe Sicherheit in Doppelgriffen\naller Intervalle, bewusster Adel im Tragen der ernsten\nMelodie, Zartheit und Zierlichkeit in der Ausführung des\nAnmuthigen und Lieblichen und jeder Art von Ornamen-\nten, eine treffliche Bogenlührung, Leitern von Staccato, in\ndenen keine Sprosse auch nur um eine Linie zu nah oder\nzu weit von der anderen stand das alles zusammenge-\nhalten und beherrscht von einer wahrhaft classischen Ruhe,\ndie auch bei leidenschaftlichem Ausdrucke nie das Maass"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.3", "texte": "verlor und selbst seiner äusseren Haltung einen edeln, har-\nmonischen Ausdruck verlieh das waren die hervorstechen-\nden Eigenschaften des Künstlers, den wir verloren haben\nund der in seinem sechsundzwanzigsten Jahre diese hohe\nStufe erreicht und menschlichem Ermessen nach noch eine\nlange und grosse Wirksamkeit für die Kunst vor sich hatte!\nZu jenen Vorzügen gesellte sich noch eine ausserordent-\nliche Fertigkeit im Vomblattspielen und ein bewunderns-\nwerthes musicalisches Gedächtniss, welches ihn nie im Stiche\nliess, so dass er nicht nur kürzere Stücke, sondern auch\ndie grössten Concerte, und sogar das Beethoven'scbe, aus-\nwendig spielte. Und dabei war nicht die geringste Affecta-\ntion, von welcher überhaupt so wenig wie von irgend einer\nCharlatanerie bei ihm auch nur die leiseste Spur vorhanden\nwar; das Auswendigspielen war ihm zur anderen Natur\ngeworden, er lühlte sich freier und konnte sich nur dann\nrecht in die Reproduction des Kunstwerks grosser Meister\nversenken, wenn er kein Pult und kein Notenblatt vor\nsich hatte.\nAber auch als Lehrer hat er Treffliches geleistet, wie\nnamentlich die Prüfung der ersten Violinciasse an der Rhei-\nnischen Musikschule, welche in diesen Tagen abgehalten\nworden ist, auf erfreuliche und schmerzliche Weise zugleich\nbewiesen hat.\nVon seinen Compositionen sind zwei Hefte Lieder und\nmehrere Solostücke lür die Violine mit Clavier-Begleitung\ngedruckt und sehr beifällig aufgenommen worden. Andere,\n1 !\nnamentlich Phantasieen und Variationen in glänzendem Con-\ncertstil für Violine und Orchester geschrieben, hat er hand-\nschriftlich hinterlassen; unter diesen sind die Phantasie über\nitaiiänische Melodieen, die Variationen über schwedische\nLieder und eine Phantasie nach Lamartine's\nrant auszuzeichnen.\nSein Ende war herzerschütternd; nach fünftägigem\nKrankenlager starb er am 1. August, Abends halb eilf Uhr,\nfern von den Seinigen und, obwohl unter treuer Pflege,\ndoch ohne einen letzten Druck von Freundeshand, da Nie-\nmand die plötzliche Wendung zum Schrecklichsten ahnen\nkonnte. Ein Gehirnschlag vernichtete sein irdisches Dasein.\nAm 30. August versammelten die feierlichen Exequien in\nder hohen Domkirche seine zahlreichen Freunde, Schüler,\nVerehrer und Kunstgenossen.\n\nL. Bischoff.\n\nProtest gegen die zweite, verbesserte und von H. W.\nStolze revidirte Stereotyp-Ausgabe (Wolfenbüttel, bei\nL. Holle) von L. van Beethoven’s letzten\nClavier-Sonaten.\n\nAn Herrn Professor Bischoff.\nIm Sommer 1850 erwiesen Sie mir die Ehre, mich\nzur gelegentlichen Mitarbeitung an der von Ihnen in Köln\nzu gründenden Musik-Zeitung aufzufordern, und ich ver-\nsprach zuvörderst den Versuch einer kritischen Be-\nleuchtung der letzten, so wenig gekannten und zu\nabweichenden Kunst-Ansichten immer noch Anlass geben-\nden Clavier-Werke 101, 102 (zwei Sonaten mit Vio-\nloncello), 106, 109, 110 und 111 Beethoven's zu\nliefern. Leider mangelte mir seitdem bei meinen fast\nbeständigen Reisen die nöthige Ruhe und Anregung zur\nBearbeitung eines Stoffes, der Schwierigkeiten mannigfacher\nArt bot.\nDann abe» wollte es mich auch dünken, dass, um die\nAllmacht der Meisterschaft, die alle geheimnissvollsten Tie-\nfen des Tonreiches durchwühlende Kühnheit der Harmonie,\ndie Ursprünglichkeit der mit dem ungestümen Erguss tita-\nnischer Kraft abwechselnden und in den Zauber der Anmuth\nund des Liebreizes getauchten Gedanken, welche diese\nTondichtungen von Beethoven's früheren - bewunderten\nselbst noch so wesentlich unterscheidet, erkennen und\nanstaunen zu helfen, gelehrte Commentare, gründliche und\nnoch so beredte Analysen (hätten meine Kenntnisse und\nrhetorischen Talente auch dazu hingereicht) weit zurücktreten\nmüssten vor einer lebendigen Erläuterung, einem Vor-\ntrage, der schwungvoll und doch maasshaltend, getreu,\nobjectiv und doch tief innerlich empfunden gelänge. Diese\nEigenschaften des Vortrages zu erstreben, diese wahrste,\nedelste Virtuosität mir zum Ziel zu setzen und, zu reiferer\nErkenntniss (zur Bewilligung, ihm nahen zu dürfen) gelangt,\nmir jene neueste, allerneueste Clavier-Musik zum geistigen\nEigenthum zu machen, ward mir Lebens-Aufgabe, für de-\nren Lösung ich keine andere Belohnung hoffe als jene, mit\nErfolg durch das Erworbene auf Andere zu wirken.\nMein Aufenthalt im Norden bietet mir zwar selten Ge-\nlegenheit, Zuhörerkreise zu versammeln, in denen ein wah-\nres Verlangen nach Höherem waltet, in denen Herzen, die\nfähig sind, entzündet und durch das in sich aufgenommene\nSchöne erhoben zu werden, nicht der Zahl derer weichen,\ndie das nur beachten und hochstellen, was, für sie berech-\nnet, sich zu ihnen herablässt. Dennoch unterlasse ich nicht,\nimmer einen oder den anderen jener Schätze öffentlich zu"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.4", "texte": "Gehör zu bringen, so wie ich auch, so oft es nur thunlich\nist, einzelnen verwandten Gemüthern privatim mehrere der-\nselben— in geweihten Stunden selbst alle— mit jener Liebe\naufdecke, die man vielleicht in vollerem Maasse da spendet,\nwo Vorurtheile noch zu bekämpfen sind.\nDas von mir gewählte werkthätige Verfahren förderte\nindess zwar langsam, gebrach es dennoch einem Streben,\ndas so entschlossen sich Bahn zu brechen trachtete, nicht\nan Aufmunterung, die mich bestärkte, auf dem ein-\ngeschlagenen Wege fortzuschreiten. So ward ich immer\nlänger und länger von der Erfüllung des einst gegebe-\nnen Versprechens abgehalten, was Ihnen um so weniger\nerheblich erschienen sein muss, als Ihre Zeitschrift mittler-\nweile durch ausgezeichnete mitwirkende Kräfte zu einem\nder achtungswürdigsten Organe für Musik sich emporge-\nschwungen hat.\nVor Kurzem stiess ich aber auf eine den Titel : „Beet-\nhoven's sämmlliche (?) Compositionen, zweite, verbes-\nserte Auflage, Wolfenbüttel, bei L. Holle führende Aus-\ngabe, und wurde beim Durchblättern des zweiten Bandes,\nBeethoven's letzte achtzehn Sonaten enthaltend,\ndurch eigenthümliche Fehler, vorsätzliche Aenderungen ver-\nrathend, so empfindlich berührt, dass ich die allerletzten\nfünf, für Pianoforte allein, einer genaueren Prüfung unter-\nzog, um Ihnen deren Ergebnisse mitzutheilen, was ich\ndenn heute voller Entrüstung über das Verfahren des Her-\nausgebers au thun mir erlaube.\nDa eine grosse Ungerechtigkeit im unmotivirten Be-\nschuldigen läge, so mögen Urteilsfähige durch folgende\nBelege überzeugt werden, wie sehr ältere, wohlbe-\nkannte Versündigungen an Beethoven hier überboten\nworden sind. Nicht nur sind einzelne Noten geändert, an-\ndere ausgelassen, sondern es sind sogar neue hinzugefügt;\nungewöhnliche Rhythmen sind gerade gerichtet, schnelle\nTactarten in «lässigere verwandelt, Forte-, Piano-, Sfor-\nzando-, Staccato- und Pedal-Zeichen zugesetzt oder am\nunrechten Orte versetzt, andere Zeichen und deutsche Vor-\ntrags-Andeutungen gestrichen, Accorde, geniale Harmonieen\nvernichtet, durch andere, grundfalsche oder der Reihe des\nGewöhnlichen entlehnte, ersetzt.\nMöchte ich nun gleich in gerechtem Unwillen dem\nDrange folgen, jeden an diesen Werken verübten Frevel\nhervorzuheben, so will ich mich dennoch hier nur darauf\nbeschränken, das Vornehmste davon aufzuführen.\nMit der Ä-dur-Sonate, Op. 101, welche nebst\njenen aus E-dur, As-durund weniger angetastet\nwurde, anfangend, machen wir im ersten, einen unerreich- I\nten Zauber enthaltenden Stücke darauf aufmerksam, dass:\n1) die Synkope vom ersten zum zweiten Tacte (S. 2, Z. 2)\nfehlt, und da Synkopen hier und namentlich in den Verän-\nderungen der Arietta (Op. III) eine so wichtige Rolle\nspielen, so ist deren Vorhandensein und richtige Setzung\nwesentlich*); 2) steht nach dem Schlussfalle in die Do-\nminant (S. 3, Z. 8, T. 9) statt\ndrücklich dis,eine Verdoppelung der grossen Terz der\nSeptimen-Harmonie der oberen Dominant-Quint, welche\nHarmonie mit dem Dreiklange der Ober-Dominante über\ndiesen liegensollenden Bass e—h —e in eigenartigen, erreg-\nten und wunderbar wirkenden Rhythmen abwechselt; 3)\nsind die diatonisch steigenden a...h...eis (S. 3, Z. 11, T.\n10), letzteres eis ist hier zur zweiten Stimme geworden,\ndurch a... eis... e, eine einzige Oberstimme bildend,ersetzt,\nund 4) bleibt ein bis zum Schlüsse des Stückes, vom zwei-\nten Theile des achten Tactes an, sich dehnendes Crescendo\naus. Im folgenden, das Scherzo vertretenden, marschmässi-\ngen, geistsprudelnden Satze ist 1) ein (S. 4, Z. 3, T. 3),\ndie charakterisirende Note der Figur, gestrichen; 2) das\nerste d (S. 4, Z. 12, T. 3) vertieft, womit dieser in den\ntiefsten Tiefen vordringende Bass einen sinnlosen, unerträg-\nlichen Missklang, und zwar durch die Entstellung der ihn\nbildenden, ihrer harmonischen Bestimmung gewaltsam ent-\nrückten Intervalle, erzeugt. Wir schweigen über die unwe-\nsentlicheren Verunstaltungen, welche das ausgebliebene Auf-\nlösungszeichen vordem Triller (S. 6,Z. 7, T. 1), das zuge-\nsetzte bvor dem a(S. 6, Z. 10, T. 3) zum Vorschein\nbringen. Uebrigens ist im canonischen Trio ein in allen Aus-\ngaben befindlicher Druckfehler hier vielleicht zufällig\nbeseitigt, was der Wahrheit gemäss bemerkt wird.\nEinige den Gebrauch der Verschiebung betreffende Anmer-\nkungen (U. C. —T. C.— „eineSaite\", „alle Saiten\", „nach\nund nach alle Saiten\") vermisst man im dritten Satze gänz-\nlich. Beethoven machte sie in letzterer Zeit oft und genau.\nGerade hier, im Adagio der grossen B-dur-Somte, im\nPrestissimo (109) und im Adagio und Finale der As-dur-\nSonate (bei und nach den drei Umgestaltungen des Fugen-\nThema's) bringt deren Befolgung sehr schöne, überraschende\nWirkungen hervor. Die Veranlassung ihres Verschwindens,\nder Entstellung des fünften Tactes und des Ausbleibens\neines e (S. 7, Z. 8, T. 3) nicht wohl errathend, schreiten\n\n*) Die im Musikhandel selten gewordene Steiner'sche Origi-\nnal-Ausgabe dieser Sonate ist, obgleich die beste, treueste,\nvon solchen Nachlässigkeiten auch nicht gänzlich frei. So\nauch die der C-»»oZ/-Sonate, Op. 111 (Berlin, bei Ad.\nMt. Schlesinger), welche jedoch allen anderen vorzu-\nziehen sind."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.5", "texte": "wir weiter. Die beiden d,statt (S. 8, Z. 7, T. 2 wohl\nnur Druckfehler); das falsch unterlegte Fortissimo (S. 10,\nZ. 1 und 2, T. 2); den durch die beabsichtigte, aber un-\nterlassene Correctur der Quinten fünfstimmig gewordenen\ndreissigstenTact der vierstimmigen genialen Nachahmungen;\ndas erhöhte c (S. 10, Z. 12, T. 8); das nicht erhöhte\n(S. 11, Z. 10, T. 5); die falsch gesetzten Sforzando-Zei-\nchen (S. 12, Z. 1, T. 6, 7 und 8); die dem verminderten\nSeptimen-Accorde abgelös'ten drei c (S. 12, Z. 3, T. 1)\nim Finale nur vorübergehend andeutend, müssen wir das\nBestimmendere der Aufschrift: „Geschwind, doch nicht zu\nsehrund mit Entschlossenheit\", kurzweg durch „Allegro\"\nnicht sehr glücklich für Deutsche übersetzt finden.\nDie Werke 109, 110 und 111, welche, als ver-\nschontere, weniger berührte, vor der gigantischen B-dur-\nSonate noch flüchtig besprochen werden sollen, gehören,\nwie schon gesagt, mit dieser und der so eben untersuchten\nA-dur-Son&te zur hervorragendsten allerneuesten Ciavier-\nMusik. Gibt es poetische Naturen, die sie je gehört ha-\nben, ohne mächtig ergriffen zu sein, ohne den ungeahn-\nten tiefsten und nachhaltigsten Eindruck zu empfangen?\nEs sind Dichtungen, welche die Musik-Literatur\nsonst nicht aufzuweisen hat; sie sind, was Inhalt, Neu-\nheit und Mannigfaltigkeit der Form betrifft, ohne Muster,\nwie ohne Gegenstücke. Da keine Traditionen über deren\nVortrag existiren, so ist man um so mehr darauf angewie-\nsen, jede Belehrung aus den vorhandenen, von Beethoven\nherrührenden, diesen näher bezeichnenden, Kunstwörtern\nund Vortrags-Zeichen zu schöpfen. Dass im ersten Stücke\nder E- d ur-Sonate S. 2, T. 5 und S. 3,Z. 11 und 12,\nT. 1, Crescendos hinzugefügt worden, muss also um so ent-\nschiedener gemissbilligt werden, als Beethoven sie hier\ndurchaus nicht gewollt hat. Die kräftig hervorgehobenen\nverminderten Septimen-Accorde zu Anfange der beiden\nAdagio espressivoverlieren ihre so zu sagen mahnende Be-\ndeutung, wenn sie nicht plötzlich stark eintreten. Densel-\nben Tadel verdient auch das S. 3, Z. 3 und 4 angebrachte\nForte; nach den schwungvoll hinanstürmenden Accorden\nmuss, trotz des vorangehenden Crescendo's, das duftende\nMotiv plötzlich leise und über die (auch p.) sich entgegen-\nstemmenden Bass-Figuren wie Herübergewehtes mild durch-\nschimmern. Die S. 3, T. 1, zugefügte, von Beethoven ge-\nflissentlich ausgelassene Quint dis, worin die Erhöhung von\ne zu eis,von eis zu cisis(S. 3, Z. 3,4, T. 6), wo also Da-\ngewesenes das Eigenthümlichere so keck verdrängt, beweis't\nüberdies, wie gewissenhafte Treue dem grossen Ludwig\ngegenüber von einzelnen deutschen Musikern jetzt noch\nausgeübt wird\"). Das Prestissimo, das Andante und die\nersten Variationen mit Stillschweigen übergehend, stossen\nwir auf eine lange, unklare, italienische, das „etwas lang-\nsamer als das Thema44 übersetzende Ueberschrift der vier-\nten Variation. Diese selbst erleidet manches Missgeschick;\nwir heben namentlich die Quintenfolgen erzeugende Ent-\nstellung einer gluthsprühenden Stelle (S. 11, Z. 1 und 2,\nT. 3 Z. 3 und 4, T. 1) hervor.\nin dem naiv-innigen, ich möchte sagen: unbefangen-\nliebenswürdigen, Motiv des ersten Satzes der wunderbaren\n\n*) Erlauben Sie mir, bei dieser Gelegenheit eine bieher wohl\ngehörende Bemerkung über die ähnliche, auffallende\nAenderung einer seit über vierzig Jahre unangefochten\ngebliebenen von Vielen bewunderten Stelle in Beet-\nhoven's Phantasie für Piano forte, Orchester und\nChor, Op. 80, deren Urheber ungenannt ist, zu machen,\neine Bemerkung, die jeden gesinnungstüchtigen Musiker mit\nder Besorgniss erfüllen muss, dass, wenn ferner die unglück-\nselige Sucht des Bessermachenwoliens überhaupt und Unbe-\nrufener insbesondere gestattet bliebe, diese an den letzten So-\nnaten mit Violoncello (Op. 102), an den 33 Veränderungen\n(Op. 120), an der Missa solemMs, an der neunten Sinfonie\nund den letzten Quartetten Glanzpunkte genug finden würden,\nbei denen sie ihrem Gelüste fröhnen könnten, und somit die\nkommenden Geschlechter statt der Barmomeen Beethoyen's\ndie ihrigen freilich unschuldigeren überliefert bekämen.\nBewusste, corrigirt sein sollende Stelle ist in der in\nneuerer Zeit bei Breitkopf und Härtel erschienenen Partitur,\nS. 3, Z. 12, T. 2, zu finden. Ich besitze ein Exemplar die-\nser Phantasie, woraus Beethoven sie selbst (öffentlich?) ge-\nspielt haben soll, und das von ihm jedenfalls mit den Worten:\n„An Freund Zmeskall,\nvom ganz kleinen Autor selbst\",\nbegleitet, einer nicht unbedeutenden wiener musicalischeri\nPersönlichkeit verehrt ist. Die unveränderte Beibehaltung der\nfraglichen, mit einem Auflösungszeichen versehenen vier f\nlässt leicht annehmen, dass die frühere Lesart, wo die Auf-\nlösung des fis auf Wege geschah, die rich-\ntige ist, da Beethoven einen solchen Fehler gewiss nicht ge-\nduldet hätte. Ein meinem Exemplare vorangehendes, seine\nEchtheit zugleich bekundendes, kalligraphirtes Zueignungs-\nblatt möge hier in Abschrift folgen:\n„Gegenwärtiges Exemplar, welches L. van Beethoven laut\ndessen eigenhändig beigefügter Bestätigung seinem Freunde\nZmeskall verehrt hatte, wurde von der Gesellschaft der Mu-\nsikfreunde des österreichischen Kaiserstaates die in Besitz\ndesselben durch ihren ehemaligen Protector, weiland S. K. 11.\nden Durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Rudolf, Cardinal Erz-\nbischof von Olmütz, gelangte dem Herrn Mortier de\nFontaine bei Gelegenheit, als diese Phantasie aus gegen-\nwärtigem Exemplare in dem Concerte der Gesellschaft am\n20. December 1846 im k. k. Grossen Redoutensaale zu Wien\nvorgetragen, als Anerkennung seines ausgezeichneten Vortra-\nges achtungsvoll verehrt. Im Namen der Gesellschaft: (Gez.)\nFriedrich E. Landgraf zu Fürstenberg, Präses. Dr. Moriz von\nStubenrauch, Secretär. Friedrich Klemm, Vorsteher des Co-\nmite der Gesellschafts-Concerte. Ignaz Paul, Mitglied des lei-\ntenden Ausschusses und Mitvorstand des Comite der Gesell-\nschafts-Concerte.\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.6", "texte": "Op. 110, findet sich beim Halt T. 4\nein leicht zu erkennender Druckfehler. So ist es aber nicht\n5. 3, Z. 8, T. 1, wo ein zugesetztes vergebens seiner\nAuflösung harrt; noch weniger S. 5, Z. 13 und 14, T.\n3, wo ein Quartsext-Accord den Platz eines Dominant-\nDreiklanges sich widerrechtlich aneignet. Nur ein mit dem\nheutigen Tonsystem-Organismus unvollkommen Vertrauter\nkonnte etwas zwar Abweichendes, das aber dennoch natür-\nlich gegeben ist, absonderlich finden und sich veranlasst\nfühlen, im Scherzo-Satze S. 7, Z. 5, T. 5 S. 8, Z. 9,\nT. 5, statt eines \\ vor des (das Stück ist aus ein\nüberflüssiges b zuzufügen und zwei Tacte später das\nnöthige bzu streichen.\nEben so arg sind in der hochpathetischen Einleitung\neines Wunderwerkes (C- moll-Sonate, Op. 111) die\ndüsteren Accordfolgen Tact 7 und 8 verdorben. Im er-\nschütternden Allegro sind nur etwa S. 5 ungehörige Vor-\ntragszeicben >- r=— zu rügen und im zweiten und\nletzten Satze kleinere Fehler, welche bei Vorlage der Ori-\nginal-Ausgabe theilweise beseitigt werden können.\nIn der grossen /i -du r-Sonate, Op. 106, ist\naber von vorn herein der gewaltigen, strömenden Kraft, die\nATies fortzureissen verkündet (Cq Allabrevetact, Mälzel Me-\ntronom J = 138), ein entrüstendes „Halte ein!\" zugeru-\nfen; denn Göthe's Worte sollten hier zur Wahrheit\nwerden— „die jetzige Generation fürchtet sich vor aller\nechten Kraft, und nur bei der Schwäche ist es ihr gemüth-\nlich und poetisch zu Sinne*).\" Das einst so stolze, kühne\nHauptmotiv, nun gebändigt, gebrochen (4/4-Tact, M. M.\nj = 138)**), ist unkenntlich, das heisst wahrhaft gemüth-\nlich geworden. Seinem Gefährten, dem Cantabile, werden\nspäter auch (S. 6) ausgeklügelte Besserungsmittel nicht er-\nspart und kleine Nonen-Intervallen zu grossen erhoben (S.\n6, Z. 13, T. 5 und 7) u. s. w. u. s. w. Da eine Bene-\ndictiner-Geduld dazu gehörte, alle die Zusätze an Vortrags-\nzeichen, die hier wimmeln, anzuführen, so erwähnen wir\nnur einiger Verwechslungen von ganzen mit halben Noten\n(S. 6, Z. 11, T. 5 S. 10, Z. 1, T. 5); unrichtiger\nSetzung des Octaven-Zeichens (S. 7, Z. 7, T. 2 S. 8,\nZv-2, T. 4); auffallender Fälschungen (S. 8, Z. 8, T. 6),\nwo der Bass, anstatt auf h,dem gewesenen (?-Drei-\nklange gehörend, auf c springt und so der kommenden\nHarmonie zuertheilt wird; S. 9, Z. 10, T. 5, wo das ur-\nsprüngliche Motiv des Ganges im Bass hier\nin letzter Versetzung nicht mehr dieselben Intervalle der\ngrossen Quart, der kleinen Terz, sondern die der ver-\nminderten Quart: c... fes,der verminderten Terz:\nfes...d. ..es durchstreift. Durch die auch a 11 e r i r t e Beglei-\ntung ergibt sich hier eine F-moZZ-Harmonie, anstatt einer in\nFes-dur. Unbegreiflich ist es, dass dieselbe, in leiterfremder\nTonart schon vorkommende Stelle Gnade gefunden hatte.\nDas Scherzo, das jetzt folgt, bleibt fürs erste weg\nund findet sich erst nach dem Adagio, mit M. M. j = 132\nversehen,wieder. Es übrigens in diesem, demßeethoven'-\nschen Zeitmaasse ( i =80) um mehr noch als die Hälfte\nlangsameren Tempo vortragen, hiesse geradezu, diese^die\nhöchsten Sphären der Poesie erreichende Anwandlung dä-\nmonischen Muthwillens zu einem gemüthlichen deutschen\nLändler umwandeln.\nIm Adagio (sostenutoist, nebenbei gesagt, weil es\nwohl mit appassionatozu paradox klang, gestrichen) im\nAdagio, sage ich, legt sich des Bearbeiters verbessernde\nHand eben so wenig Zügel an, wie im Vorhergehen-\nden und Nachfolgenden. Wir erwähnen nur die S. 13, Z.\n12, T. 3 und S. 17, Z. 12, T. 3 ersonnenen Correctu-\nren; das geschmacklose Verbrämen des vierten Tactes nach\nWiederkehr (in D-durj des gefühlvollen Gesanges ('S. 16,\nZ. 7); die S. 1 4, Z. 3 und 4, T. 2, von H-dur nach D-\ndur, S. 18, Z. 3 und 4, T. 3, von Es-dur nach Fis-dur\nzurückführenden herrlichen Modulationen, die durch ihren\nbesonderen Rhythmus noch einen so eingenthümlichen Zau-\nber erhielten, und hier in gerade Zeitgliederungen oder,\ndeutlicher gesagt, in die gewöhnliche rhythmische Anord-\nnung der 6/8 gebracht werden. Wo also Beethoven einen\nHauch von Milde und stiller Ergebung ausgoss, der bis zum\ntiefsten Innern rührend drang, hat des Bearbeiters Ent-\nweihung eine triviale Symmetrisirung, eine tödliche Mono-\ntonie erzeugt.\nDiesem in lautloser Stille verhallenden Adagio schloss\nsich ein phantastisches Largo im 4/4-Tact mit derßemer-\n\n*) Gespräche mit Gölhe von J. P. Eckermann. I. Theil, S. 382.\n**) JBeethoven's eigene Metro n omisiru n g der neun-\nten Sinfonie kann aus Gründen, die hier nicht zu erörtern\nsind, im Scherzo und dessen Trio namentlich Manchem un-\nanwendbar scheinen. Herr C. Czerny hat sie in seinem\nsonst nicht sehr treuen Arrangement für das Pianoforte zu\nvier Händen überall treulichst beibehalten; Hof-Capellmeister\nDr. Franz Liszt hingegen, der dieselbe Sinfonie mit glück-\nlichster Umgehung mancher Schwierigkeiten meisterhaft für\nzwei Pianoforte gesetzt hat, zog es vor, lieber gar keine Me-\ntronomisirung vorzuzeichnen, als hier oder da die Beethoven'-\nsche vielleicht zu ändern. Das Verfahren Czerny's und Fr.\nLiszt's ist als das angemessenste zu rühmen, und unsere un-\nmaassgebliche Meinung jedenfalls die, dass Beethoven's Me-\ntronomisirung da, wo sie, wie in dieser Sonate Op. 106, vor-\nhanden ist, durchaus unangetastet bleibe, und wo keine ist,\nauch keine hinzugefügt werde."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.7", "texte": "kung an: „Per la misura si co\ncio e£ £ £ js \"und M. M. =• 76. Das Largo, das,\nnach dem Scherzo verlegt, jener Bemerkung hier bar\nist, erhält eine andere, doppeltschnellere Bewegung\n(J* =76) vorgezeichnet! Der den Zustand einer förmli-\nchen Unbelebtheit und des allmählichen Erwachens aus dem\nträumerischen in sich Versunkensein des Adagio malende An-\nfang dieses unnennbar schönen Stückes ist vernichtet und\neiner Ausgeburt des Unsinnes nicht unähnlich gemacht.\nUeberhaupt ist durch dieses Durcheinanderwerfen der Sätze\ndie Bedeutung dieser Introduction zur Fuge, der innere\nZnsammenhang, die Gliederung, die Gestalt des ganzen\nerhabenen Werkes untergraben*).\nGegen die darauf folgende Fuge, die majestätisch-energi-\nsche, einzige Form, mit der das Riesen-Clavierstück be-\nschlossen werden konnte, ist manches Anathem geschleu-\ndert worden; da aber hier nicht der Ort ist, wo für ihre\nVertheidigung Lanzen gebrochen werden sollen, so sei es\nwenigstens vergönnt, im Allgemeinen zu bemerken, dass\nbei allem contrapunktischen Aufwände, allen bei unseren ge-\nlehrten Vorfahren beliebten Spitzfindigkeiten, als Vergrös-\nserung, Umkehrung des Hauptmotivs, dessen widrige, rück-\ngängige oder rückgängig verkehrte Bewegung u. s. w. das\nStück, weit entfernt, trocken oder scholastisch zu sein,\nmächtig die Einbildungskraft des Hörers ergreifen kann,\nwenn dieser nicht Alles gleich zu fassen und zu übersehen\nbegehrt, wie es die meisten Musiker verlangen, sondern\nreflexionslos sich den Eindrücken dieser Genie-Blitze hin-\ngibt.—Zurück zur Untersuchung.\nKaum lässt man in Wolfenbüttel oder Celle, denn\nHerr Stolze ist dort Stadt- und Schloss-Organist, wie wir\nso eben aus der Liste der Bach-Gesellschafts-Mitglieder er-\nsehen —, kaum lässt man also dort die erste, den Tur-\nnierplatz betretende Stimme mit dem entschlossen-feuri-\ngen Hauptmotiv sich Bahn brechen, im doppelten Contra-\npunkte als Gegenmotiv die Antwort begleiten und ein un-\ntergeordneteres\nnoch\nanstimmen, so unterschiebt Herr Stolze dem Schlüsse (3.\nTact) desselben seinen eigenen Gedanken und zwar in die-\nser Form:\nDa aber Beethoven gerade das\nTheilchen:\num mit einem versetzten\nBruchstücke des ersten Gegenmotivs über die das Haupt-\nthema zu Ende bringende dritte Stimme Zwischensätze zu\nbilden, benutzt, so ist es schwer, zu errathen, was Herrn\nStolze eigentlich veranlasst hat, diese Notengruppe ohne\nweitere Umstände zu vertilgen.\nHier brechen wir unsere Untersuchungen ab; denn\nwir wissen genug, um den Schluss zu ziehen, dass entwe-\nder eine beispiellose Missachtung des gewaltigen Geistes\nBeethoven's dazu gehört, um seine Werke frevelnd anzu-\ntasten, oder die grosse Anmaassung, sich über seinen mu-\nsicalischen Standpunkt erhaben genug zu glauben, um seine\nHarmonieen verbessern zu wollen. Dass jenseit des Rhei-\nnes dergleichen geschehen konnte, ist bedauernswürdig ge-\nnug; dass aber in unseren Tagen Deutsche (des ehrwürdi-\ngen Altmeisters, dessen berühmter Name auf diesen Wer-\nken wohl als Lockspeise prangt, aber keinem Kunstverstän-\ndigen denVerdacht, als habe er sich an den gerügten Ver-\nsündigungen betheiligt, einflössen wird, nicht zu gedenken),\ndass Deutschland, die Wiege eines auf dem Weltschauplatze\nin vorderster Reihe stehenden, unsterblichen Meisters\nDeutschland, die Pflegerin, die treu sein sollende Hüterin\nseiner unerreichten Tonwerke, Verstümmelungen derselben\nauftischt, ist wahrhaft empörend und verdient öffentlich\ngerügt zu werden.\nEiner neuen purificirten Auflage wollen wir Glück\nund Gedeihen gern wünschen. In ihrer jetzigen Gestalt\nsei ihr aber jede weitere und ihrer äussersten Billigkeit\nwegen wahrhaft drohende —Verbreitung durch alle Mittel\nverwehrt, und es scheint uns Pflicht der Pietät gegen Beet-\nhoven, dass auch andere Musik-Zeitungen durch Hinwei-\nsung auf diesen Protest das Ihrige zur Ehrenrettung Beet-\nhoven's beitragen.\nMoskau, den 3/15. August 1856.\n\n*) Beinahe Aehnliches ist im eben erwähnten vierhändigen Ar-\nrangement der neunten Sinfonie Beethoven's durch Herrn C.\nCzerny zu Tag gefördert worden, indem dieser das ganze Scherzo\nmit allen Wiederholungen dem Trio folgen lässt, anstatt (wie\nS. 73 der Partitür) zur schnell abschliessenden Coda überzu-\ngehen, wodurch der prächtige Satz (an einigen Orten selbst\nvon Orchestern so aufgeführt) eine seiner Wirkung nachthei-\nlige Ausdehnung erlangt.\n\nMortier de Fontaine.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nlifilll. In einer der letzten Versammlungen der Philharmoni-\nschen Gesellschaft hörten wir eine Ouvertüre in für gros-\nses Orchester von Louis Brassin, welche allgemein ansprach.\nSie ist im heiteren Stile geschrieben, hat frische Melodieen und\nzeigt eine bei einem so jungen Componisten seltene Gewandtheit\nin Handhabung der Form und der Instrumentirung.\nWir haben Gelegenheit gehabt, die Partitur der Choral-Sinfo-\nnie, mit welcher Herr F. W. Vogt von hier den akademischen\nPreis in Berlin gewonnen hat, einzusehen: sie besteht aus einem"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560906-01.1.8", "texte": "Instrumentalsatze über das Thema des Chorals: „Ein' feste Burg\",\nin welchen am Schlüsse der vierstimmige Gesang des Chorals ein-\nfällt; das Ganze bekundet ein recht hübsches Talent, und die eon-\ntrapunktische Arbeit zeugt von tüchtigen Studien.\nZu dem Sänger feste auf morgen sind grossartige Vorberei-\ntungen getroffen.\nEs ist allgemein aufgefallen, dass bei den Exequien für den\nverewigten Concertmeister Th. Pixis in der hohen Domkirche\nam 30. August die beabsichtigte Aufführung des Requiem von\nMozart von der geistlichen Behörde nicht gestattet worden ist,\nzumal, da die officielle Kunde von der Aufführung desselben Re-\nquiems in diesen Tagen bei dem Seelenamte für den Capellmeister\nP. von Lintpaintner in der katholischen Kirche zu Stuttgart den\nBeweis gab, dass das unsterbliche Werk des grössten deutschen\nTonsetzers nicht durch eine allgemein gültige Satzung der\nKirche in den Bann gethan ist. Wenn das Circular des erzbischöf-\nlichen Vicariats vom 10. August 1854 mit Recht „eine strengere\nSichtung und Beschränkung\" der kirchlichen Werke mit In-\nstrumental-Begleitung verlangt und nur „solche Musikwerke zur\nAufführung zulassen will, welche die Herzen zur Andacht\nstimmen und wahrhaft erbauen\", so dürfte die Erhebung\nzu Gott und die tiefe Andacht, zu welcher Mozart's Requiem ein\nhalbes Jahrhundert lang Tausende von Christenherzen gestimmt\nhat, sicherlich eine ganz andere und der Kirche würdigere sein,\nals diejenige Stimmung, in welche man durch Compositionen von\ntrivialen und modern-italiänisehen Melodieen versetzt wird, wenn\nsie auch ohne Instrumental-Begleitung und ohne Frauenstimmen\ngesungen werden.\n** Am 2. September betrat Fräul. Nina Hart-\nman n, Tochter des leider so -verstorbenen Concertmeisters F.\nHartmann in Köln, welche ihre künstlerische Ausbildung der Rhei-\nnischen Musikschule und hauptsächlich dem Herrn Gesanglehrer\nErnst Koch in Köln verdankt, hier zum ersten Male die\nBühne als Adalgisa in Bellini's Norma. Trotz der Befangenheit,\nmit welcher die junge Sängerin auftrat, erhielt sie gleich nach dem\nVortrage des Gebets lauten Beifall, der sich im Duett mit Sever\nzum Enthusiasmus steigerte und den ganzen Abend durch anhielt.\nFräul, Hartmann wurde vier Mal, bei offener Scene und am Schlüsse,\ngerufen; der Erfolg war vollständig. Dem Vernehmen nach ist sie\nfür unsere Bühne engagirt, wozu wir dem Director Sachse nur\nGlück wünschen können. Die Norma sang Frau Vi ola-Mi 11 er-\nmayer (Frau Palm-Spatzer hat ein ernster Fieber-Anfall noch\nnicht zum Auftreten kommen lassen). Frau Viola hat eine grosse\nStimme und für dieses schwere Material eine treffliche, in jeder\nHinsicht gediegene Ausbildung. Da sie aber Mezzo Soprano ist, so\nmachte ihr die Höhe der Partie der Norma auch trotz des Trans-\nponirens einige Mühe. In dem Ensemble des grossen Duetts sang\nFräul. Hartmann die Oberstimme und hatte sich auch des beson-\nderen Beifalls unserer Capellmeister, der Herren Ignaz Lachner\nund F. Dupont, zu erfreuen.\nNach einer Correspondenz aus Königsberg in der Kölnischen\nZeitung vom 4. September hat sich die k. Hof-Opernsängerin Fräul.\nJohanna Wagner am 30. August dort mit dem Appeliations-\ngerichts-Referendarius Herrn Jachmann, der vor Kurzem von\ndem königsberger Landkreise in zweiter Reihe zum Landrathe ge-\nwählt wurde, verlobt.\nDie österreichische Gesandtschaft in Stockholm hat an das\nOberstkämmerer-Amt in Wien einen schweren silbernen Lorber-\nkranz von meisterhafter Arbeit und grossem Werthe gesandt, wel-\ncher von den kunstliebenden Damen Stockholms dem österreichi-\nschen Kammersänger Herrn Ander für sein Wirken als Sänger\nund als Wohlthäter der Armen in Stockholm gewidmet wurde.\nWien. Das für Robert Schumann pröjectirte Todtenarot\nkonnte nicht abgehalten werden, da der Verstorbene sich zur evan-\ngelischen Confession bekannte.\nIn Prag wird eine Wagner-Woche vorbereitet, in welcher\n„Der fliegende Holländer\", „Tannhäuser\" und „Lohengrin\" zur\nAufführung kommen sollen, und zwar bei Gelegenheit der diesjäh-\nrigen Versammlung der Forst- und Landwirthe, wozu bereits an\n1100 Wohnungen bestellt worden sind. Die Verehrer Wagner's\nhoffen von dem unverdorbenen Geschmack der Bewohner der\nWälder und Fluren eine unparteiische Würdigung der Kunstwerke\nder Zukunft."}]}