{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-09-13-01", "volume": "bmtnabi_1856-09-13_01", "ocr_sha256": "e0be5746872f143e621f1d146ba30d7b6d41ab70759ba430c628f18a90c668a0", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/09/13_01/bmtnabi_1856-09-13_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-13-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-13_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-09-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "294", "page_fin": "294", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 453, "texte": "Inhalt.\nUniversal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Ed. Bernsdorf. Das Musik-\nfest zu Darmstadt am 31. August und 1. September. Von Auch' io. Aus Gran. Aus Salzburg. Tages- und Unterhaltungs-\nblatt (Köln, Fräul. Auguste Brenken Bibliothek des Organisten Becker Wien, Dr. Hanslik, „Der Kadi\", komische Oper von Am-\nbroise Thomas Lintpaintner's Begr'abniss Belgische Componisten und Virtuosen Leopold von Meyer)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-13-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-13_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-09-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "294", "page_fin": "296", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.2.2", "titre_corps": "Universal-Lexikon der Tonkunst.", "titre_sommaire": "Universal-Lexikon der Tonkunst.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.1", "debut_caractere": 455, "fin_caractere_exclue": 4015, "texte": "Universal-Lexikon der Tonkunst.\nAngefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt\nvon Ed. Bernsdorf*).\nSo lautet der Titel der vierten Lieferung desSchla-\ndebach'schen Lexikons der Tonkunst, welche nach langer\nPause im Juli dieses Jahres ausgegeben worden ist. Die\nersten drei erschienen im April, August und September\nvorigen Jahres; die dritte enthielt eine Bekanntmachung\ndes Dr. Schladebach, in welcher er bat: „eine etwa ein-\ntretende kurze Verzögerung des Erscheinens der vierten\nLieferung, die durch möglichst beschleunigte Ausgabe der\nfolgenden Lieferungen aufgewogen werden soll, freundlich\nzu verzeihen. Dresden, im September 1855.\"\nJetzt, nachdem die „etwaige kurze\" Verzögerung\nneun Monate gedauert hat, erfahren wir durch ein Vorwort\ndes Verlegers Rob. Schäfer in Dresden (den 24. Juni)\nzu der vierten Lieferung, dass „nur Gründe der gewich-\ntigsten Art, deren Auseinandersetzung aber unstatthaft\nwäre, jene Unterbrechung zu veranlassen im Stande wa-\nren— dass aber nun alle Behinderungen hauptsächlich durch\ndas Engagement eines neuen Herausgebers, des Herrn\nEduard Bernsdorf, beseitigt sind.\"\nDer neue Herausgeber schweigt, und wenn er viel-\nleicht der Meinung ist, dass die Thatsachen besser reden,\nals alle Vorberichte und Verheissungen, so können wir ihm\nzwar darin nicht Unrecht geben, glauben aber doch, dass\ndas Publicum und vor Allem die Abonnenten in diesem\nganz eigentümlichen Falle eine Erklärung seinerseits, eine\nArt von Programm zu erwarten berechtigt waren.\nDagegen tritt der Herr Verleger mit folgender im Po-\nlicei-Tone gehaltenen Schluss-Phrase auf: „Ferner wieder-\nholen wir den geehrten Abonnenten, dass Sie (sie) sich zur\nAbnahme auf das (sie)Ganze verpflichteten und daher nicht\nnach Belieben abspringen können.\"\nHalt, halt! Erlauben Sie gefälligst einem Abonnenten\ndie ganz ergebene Bemerkung, dass er auf Dr. J. Sch-la-\ndebach's, nicht aber auf Herrn Rob. Schäfer's Lexikon\nder Tonkunst unterzeichnet hat. Unseres Wissens gibt der\nVerfasser eines Buches den Abonnenten die Bürgschaft\nlür den Inhalt, nicht der Verleger, und man abonnirt sich\nauf den Inhalt eines Werkes, nicht auf dessen äussere Form\nund Ausstattung. Herrn Schäfer's Anmaassung in dieser\nHinsicht verdient eine strenge Rüge. Es war an ihm, die\nAbonnenten höflichst zu ersuchen, dem neuen Herausgeber\ndasselbe Vertrauen zu schenken, das sie bei der Unter-\nzeichnung dem Begründer des Werkes geschenkt hatten;\nkeineswegs ziemte es sich aber, in drohendem Tone auf-\nzutreten. Vor welchem Gerichte will der Herr S. diejeni-\ngen belangen, welche auf ein Werk von P. unterzeichnet\nhaben, statt dessen aber eines von Q. erhalten, wenn sie\ndas letztere verweigern? Und zumal bei einem Lexikon!\nIch habe mich auf Abis Z von Hans abonnirt, und soll\nnun, nachdem Hans nur drei Viertel von A geliefert hat,\ndas letzte Viertel von Aund das ganze noch übrige Alpha-\nbet von Kunz nehmen? Nach diesen Rechts-Grundsätzen\nwäre man also verpflichtet, z. B. das deutsche Wörterbuch\nder Gebrüder Grimm, wenn es ihnen beliebte, plötzlich von\nder Arbeit zurück zu treten, der Verleger aber die Fort-\nsetzung durch Herrn X., Dorfschulmeister in Kuhschnappel,\nbesorgen Hesse, fortwährend zu kaufen!\nWir sagen dies nur in Bezug auf den Rechts-Grund-\nsatz, keineswegs in Beziehung auf das Verhältniss von\nHerrn Bernsdorf zu Herrn Schladebach. Denn erstens ist\nHerr Bernsdorf ein tüchtiger Musiker und weiss auch die\nFeder zu lühren, und zweitens hat Herr Schladebach in\nden drei ersten Lieferungen keineswegs etwas geleistet, das\n\n*) Yergl. 111. Jahrgang, Nr. 22, vom 2. Juni 1855."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5096, "texte": "nur im Entferntesten mit den Verdiensten der Gebrüder\nGrimm zu vergleichen wäre.\nAllein die genannten Eigenschaften des neuen Heraus-\ngebers reichen keineswegs hin, um ein wissenschaftliches\nWerk von solcher Bedeutung, wie ein Lexikon der Ton-\nkunst in unseren Tagen haben muss, zu liefern. Ein Werk\nencyklopädischer Gattung ist überhaupt nicht Sache eines\nEinzelnen: macht sich aber Einer daran, so muss er sich\nseit Jahren mit der Vorbereitung dazu beschäftigt haben,\nja, er muss sich die Ausarbeitung desselben, wenn auch\nnicht y.ur einzigen, doch zur hauptsächlichsten Aufgabe sei-\nnes Lebens gemacht haben, wenn er etwas Tüchtiges lei-\nsten will. Spricht doch Herr Schladebach selbst in dem\nVorworte zur ersten Lieferung von seinem „decennien-\nlangen Studium aller Zweige der Tonkunst, seiner\nKenntniss der Mehrzahl der bedeutenderen musicalischen\nWerke aller Zeiten und verschiedener Völker u. s. w.\nu. s. w.\"—Beweis genug, dass er nicht der Ansicht war,\nman könne die Ausführung eines solchen Werkes über\nNacht beschliessen und dann ohne Weiteres daran gehen.\nWir erfahren auch nicht einmal, ob der erste Herausgeber\ndem zweiten die Ergebnisse seiner „decennienlangen Stu-\ndien\" in den Sammlungen und Vorarbeiten zu diesem Le-\nxikon überlassen hat. Es wird uns bloss gesagt, wir dürf-\nten nicht vom Abonnement abspringen!\nDr. Schladebach hat in seinem Vorworte die Grund-\nsätze, nach denen eine Encyklopädie der Tonkunst heute\nbearbeitet werden müsse, richtig und ziemlich umfassend\nangegeben. „ Das Bedürfniss allgemeinerer und tieferer Bil-\ndung hat sich auch für die Tonkunst geltend gemacht.\nEine erhöhte Thätigkeit im Fache der musicalischen (theore-\ntischen, geschichtlichen und ästhetischen) Literatur ist vor-\nhanden— tiefere und umfassendere Kenntniss wird erstrebt,\num sich vor folgenschweren Missgriffen zu wahren, sich zu\neinem selbst ständigen, wohlbegr ii nde t e n Ur-\ntheil zu befähigen\" u. s. w. Desshalb solle das neue\nLexikon „ gründlich ohne Pedanterie (?) und vollständig\"\nsein, jedoch „alles unerquickliche Raisonnement ausge-\nschlossen\" werden—„der historische Theil soll die lexika-\nlische Trockenheit vermeiden\"—die „Darstellung klar und\nobjectiv\" sein u. s. w.\nSieht man nun aber die drei ersten Lieferungen durch,\nso wird man bald inne, dass bei allem Sammlerfleisse und\nallen musicalischen Kenntnissen, die wir Herrn Schladebach\ndurchaus nicht absprechen wollen, das Geleistete dennoch\nnicht einmal den aufgestellten Grundsätzen entspricht, ge-\nschweige denn den. wirklich hohen Forderungen, die man\nauf dem gegenwärtigen Standpunkte der Tonkunst ma-\nchen muss.\nVon der Mitarbeit der auf dem Titel genannten gros-\nsen Tonkünstler (Spohr, Marschner, Reissiger, Liszt) ist\nkeine Spur zu entdecken, wie denn überhaupt bei keinem\neinzigen Artikel eine wirkliche Mitarbeitung weder durch\nNamen noch durch Chiffre bestätigt ist. Bei manchen Arti-\nkeln, aus denen man einen Maassstab für den theoretischen\nWerth des Gegebenen schöpfen kann, ist der Verfasser\nnichts weniger als objectiv, sondern tritt oft gleich von\nvorn herein kritisirend auf. Im ästhetischen Theile, s. d.\nArt. Aesthetik selbst, ist das, was der Verfasser aus sich\nselbst gibt, weder klar noch gründlich; denn was heisst\nz. B. die Redensart: „Nach Schelling drang man entschie-\ndener auf die Anerkennung einer höheren Bedeutsam-\nkeit und auf einen Inhalt in der Musik\" ? (Ed. Hanslik\nwird mit den Worten abgethan: „Sein Versuch tritt man-\nchen schiefen Ansichten fest entgegen, ist indess in seinen\nGrund-Principien, soweit wir sie als wahr anzuerkennen\nhaben, keineswegs vollständig neu, wie man zu glauben\nversucht sein könnte!\") Fernerdas fast kindische Geschwätz\n(S. 79) über den ganz neuen Satz, dass die Theorie keinen\nschaffenden Künstler machen kann! Uebrigens wird das\nKind mit dem Bade ausgeschüttet, wenn es heisst, dass die\n„ästhetischen Grundsätze ganz unfruchtbar für die Pro-\nduction schöner Kunstwerke\" seien. In unserer Zeit, wo\nder grösste Theil der musicalischen Kunstwerke aus Re-\nflexion entspringt, sind richtige ästhetische Grundsätze dem\nMusiker nöthiger als je, und nach unserer Meinung muss\njeder, der es mit der Kunst und mit der Form des Kunst-\nwerkes gut meint, dem anmaassenden Naturdienste, dem\nrohen Realismus so genannter Genialität kräftig entgegen\ntreten. Die ganze Stelle, wie so manche andere, ist „uner-\nquickliches Raisonnement\", und in einem Werke, das vor\n„folgenschweren Missgriffen bewahren\" soll, muss vor Al-\nlem der Wissenschaft der Kunst das Wort geredet,\ndieselbe aber nicht als unwirksam oder unnöthig (ür den\nKünstler bezeichnet werden. Was heisst ferner die hoch-\ntönende Phrase: „Der ästhetische Accent (S. 45) kann\nnur dem wahren Künstler [welcher ist denn der wahre?]\ngelingen, der lähig ist, den abstracten und musicalischen\nGedanken sich zu einem concreten Inhalte umzuformen\"?\nWir haben aber auch eine Menge von Ungehörigem\ngefunden, das dem Wesentlicheren den Platz wegnimmt.\nWir führen nur z. B. an: Abendmusik, wo „die Fen-\nster verehrter oder geliebter Personen\" vorkommen, und\nder Schluss lautet: „Den Veranstaltern ist vorsichtige Aus-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5099, "texte": "wähl der aufzuführenden Gesang- und Instrumentalstücke\nanzuempfehlen\" (!); abenteuerlich, abgeschmackt,\nActeur (was hat denn „die Ueberladung des Accompagne-\nments\" u. s.w. mit der Mimik und Action zu thun?),\nAdept, Adonidia, Aegyptische Musik, Agapen,\nActis che Spiele, Alarm u. s. w. ■—\nDie stilistische Darstellung ist nicht besonders anzie-\nhend, sondern meist trocken, ohne irgend welchen Schwung,\nund keineswegs frei von Nachlässigkeiten und fehlerhaften\nConstructionen, die nicht auf Setzer und Correclor zu schie-\nben sind, wenn wir auch Manches, wie z. B. S. 52 „den\ndarzustellenden Sänger\", auf deren Rechnung setzen\nwollen.\nWenn wir nun auch manchem guten Artikel be geg-\nnen (z. B. Akustik), so haben wir doch, um mit Einem\nWorte unsere Meinung auszusprechen, nach Durchsicht der\ndrei ersten Lieferungen die Hoffnung auf ein wirklich wis-\nsenschaftliches, auf der Höhe der Zeit stehendes Werk\naufgeben müssen. Der bisherige Inhalt und die Art der\nVerarbeitung des Materials lässt nur eine Art von ober-\nflächlichem Conversations-Lexikon der Musik erwarten.\nLeider ist die vierte Lieferung (Andron Bach,\nJ. Chr.) nicht geeignet, jene Hoffnung wieder in uns auf-\nleben zu lassen. Es thut uns leid, sagen zu müssen, dass\nsich Herr Bernsdorf die Sache ziemlich leicht gemacht hat,\ndaher wir denn öfteren: „Wenn wir nicht irren\" —„un-\nseres Wissens\" „ist uns nicht zu Gesicht gekommen\"\n—u. dgl. m. begegnen. Eines der auffallendsten Beispiele\nder Art ist am Schlüsse des Artikels An schütz, Joh. A.,\nwo es heisst: „Sein Sohn Karl A. ist in die Fussstapfen\nseines Vaters (dessen Todesjahr uns unbekannt ist) getre-\nten.\" Wenn der Herausgeber eines Lexikons, dessen histo-\nrischer Theil eine Hauptsache ist, nicht einmal die biogra-\nphischen Nachrichten der Tagsblätter in seinen Adversarien\nsammelt, um sie für sein Werk zu benutzen, so kann das\nkein günstiges Vorurtheil erwecken. Im vorliegenden Falle\nhat die Kölnische Zeitung den Tod von J. A. Anschütz in\neinem Artikel im Hauptblatte gemeldet, und die Niederrhei-\nnische Musik-Zeitung enthält in der Nr. 3 vom 19. Januar\n1856 einen Nekrolog desselben. Wenn allerdings das\nStreben, die Darstellung anziehender und lebendiger zu\ntnachen, hier und da gelungen ist, so müssen wir uns doch\nandererseits gegen den gezierten und nach haschen-\nden Feuilleton-Stil in einem solchen Werke sehr entschie-\nden erklären. Aeusserungen wie z. B. über Auber: „Er\nist zwar ein wenig älter geworden und muss zu allerhand\nToiletten-Künsten seine Zuflucht nehmen, um eine\nrence de jeunesse zu erzielen; aber dasselbe graziöse Lächeln,\nwie früher, umspielt noch seinen Mund\" u. s. w., wie bei\nJoh. Christ. Bach: „Er war das Idol namentlich der\nDamen, denen er zeitlebens, wie dem Weine, mehr als nö-\nthig(!)zugelhan war\" „er hinterliess nebst vielen Schul-\nden eine Frau\" u. dgl. m. sind doch mehr als bloss un-\npassend.\nDem grossen Joh. Seb. Bach widmet das Lexikon\nnur zwei Octavseilen und sechs Zeilen. Wir setzen zur\nCharakterisirung die grössere Hälfte des Artikels her.\n„Ueber hundert Jahre sind jetzt seit seinem Tode ver-\nflossen, und in den Aeusserlichkeiten der Kunst sind zahl-\nlose Veränderungen seitdem eingetreten, neue Formen sind\ngeschaffen, neue Bahnen betreten worden;— in Beziehung\nauf das Innerliche, Geistige der Kunst aber kann sich in\nEwigkeit nichts ändern, und Bach ist noch immer der stolze,\nhehre Repräsentant derselben; ja, unsere neuere Zeit hat\nerst angefangen, ihn als solchen zu begreifen und auf ihn\nhinzuweisen, als auf den kühnsten, mächtigsten Verkünder\nder Idee im Kunstwerke. Man hat ihn öfter den Mathe-\nmatiker unter den Musikern genannt und hat damit zumeist\nden Nebenbegriff des Starren, Formelhaften verbunden;\ndas konnte aber nur von solchen ausgehen, die das Wesen\nseines Producirens verkannt und nicht eingesehen haben,\ndass er wie kein Anderer von innen nach aussen schafft.\nEr sollte vielmehr der Logiker heissen, der mit der starr-\nsten Consequenz und eisernsten Unerbittlichkeit einen Haupt-\ngedanken festhält, bis er völlig erschöpft ist, aus diesem\ndann die Nebengedanken entwickelt und beide Theile zu-\nletzt in den verschiedenartigsten Combinationen und Wen-\ndungen entweder zusammen oder getrennt zeigt. Es ist\ndemnach in seinen Werken eine vollkommen organische\nEntwicklung vorhanden, und wer sich daran gewöhnt hat,\nderselben nachzuspüren und so zu sagen das Wachsthum\nin jedem einzelnen Stücke vom unscheinbaren Keime an bis\nzur mächtigsten Entfaltung zu belauschen, für den wird\nalles anscheinend Gewaltsame in harmonischer und melodi-\nscher Beziehung bei den Bach'schen Sachen verschwinden,\nund für den werden sie aufhören, abstrus zu erscheinen.\nFreilich muss man bei Bach denken und nicht bloss ober-\nflächlich geniessen wollen; man muss mit der ernste-\nsten Kunstgesinnung an seine Sachen herantreten und alle\nAnsprüche an moderne Klang-Reizmittel und Ohrenkitze-\nleien zurücklassen. Dann muss man auch auf die Attribute\neines Künstler-Gemüthes von neuem Datum, auf das roman-\ntische Hangen und Bangen, auf das blasirte Weltschmer-\nzein und blasse Sentimentalisiren u. s. w. Verzicht leisten (!);"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3998, "texte": "endlich muss man aber auch den Mechanismus der stren-\ngen Schreibart genau verstehen und sich in den labyrinthi-\nschen Gängen der ausgebildetsten Polyphonia zurecht\nfinden können, dann wird einem erst Bach in seiner gan-\nzen Glorie und Majestät aufgehen, und man wird Schönhei-\nten entdecken, die man zuerst über der kolossalen Structur\nund den riesigen Verhältnissen übersehen hat. Es ist natür-\nlich, dass ein Musiker von so ernster und strenger Phy-\nsiognomie wie Bach nicht die Weltlichkeit zum Schau-\nplatze seiner vorwiegenden Thätigkeit aufsuchen konnte,\nund dass er vielmehr in den Hallen der Kirche an seinem\nwahrsten und eigensten Platze sich finden mussle. Der\nKirche gehört er denn auch zumeist an, und das Wort\nGottes hat er in Tönen voll innigster, glaubenslestester\nFrömmigkeit verkündet, wie Keiner vor und nach ihm.\nSeine so zu sagen contemplative Natur verläugnet sich auch\nin seinen ausserkirchlichen Sachen nicht, und in seinen leich-\ntesten Ciavierstücken selbst ist eine gewisse ascetische\nStrenge bemerklich; —es ist Alles, auch das Kleinste, zur\nEhre Gottes gemacht, wie Marx ganz treffend sagt. Sol-\nlen wir noch etwas über seine Schreibart insbesondere sa-\ngen, so müssen wir von vorn herein dem öfter gemachten\nVorwurfe begegnen, Bach habe keine Melodie gehabt.\nAllerdings ist er, wie schon oben angedeutet, kein Melo-\ndiker im modernen Sinne gewesen, d. h. er hat keine Me-\nlodie um ihrer selbst willen geschaffen (?); aber indem er\npolyphon schrieb, hat er meist mehrere Melodieen zu glei-\ncher Zeit verarbeitet, die eben so gut zusammen wie\neinzeln betrachtet werden können, und die Selbststän-\ndigkeit jeder einzelnen Stimme ist eben so bewunderns-\nwert!], als die Vereinigung aller dieser Stimmen (Melodieen)\ndie frappantesten harmonischen Zusammenstellungen ergibt.\nDann sehe man sich doch nur in den Arien, in den Canta-\nten, in der Matthäus-Passion, in den Sonaten für Violine\nund Ciavier, in den Präludien des wohltemperirten Claviers,\nin den Suiten u. s. w. u. s. w. um, und man zweifele noch,\nob Bach Melodieen voll tiefster Innigkeit erfunden hat!\n[Also doch!] Zuletzt müssen wir noch darauf aufmerksam\nmachen, dass man gemeiniglich darin fehlt, wenn man Bach\nso beurtheilt, als sei die gelehrte Schreibart Zweck und\nZiel seines Strebens gewesen. Durchaus nicht! Was uns\nModernen bei Bach gelehrt (oder, wie man gern sagt,\ngemacht) erscheint, ist bei ihm ein vollkommen natürli-\nches Aussprechen, und nur weil wir der kunstreichen For-\nmen von damals nicht mehr so mächtig sind, vermögen\nwir schwerer hinter der Form auch den Geist zu er-\nblicken. \"\nNun folgt ein siebenundzwanzig Zeilen langer Abriss\nseines Lebens, d. h. trockene Aufzählung seiner amtlichen\nStellungen nach Jahreszahl und Tag, mit Stil-Nachlässigkei-\nten, wie folgende: „zwei Reisen nach Dresden (welcher\nHo f— ihn ernannt hatte)\" und dann schliesst Herr Berns-\ndorl: „ Detaillirteres über seine Familien-Verhältnisse und\nüber seinen Einllnss auf die ganze norddeutsche Musik\n[und nicht auf Haydn, Mozart, Beethoven?] lese man bei\nseinem Biographen Forkel nach; der Zweck unseres Bu-\nches [wohl im wirklichen Sinne des Plurals zu nehmen,\nnämlich des Verlegers und des Verfassers] gestatlet uns\nweiter nichts, als Daten zu geben [wozu also denn das\nobige oberflächliche Raisonnement?]. Seine Werke, deren\ner auch viele selbst in Kupfer ätzte [eine köstliche Zusam-\nmenstellung], sind zahllos [Herr Bernsdorf nennt kein ein-\nziges, nicht einmal die H-moll-Messe und die grossen Pas-\nsionen!]; Vieles ist noch ungedruckt, und es ist hier zu\nerwähnen, dass sich in Leipzig eine Bach-Gesellschaft ge-\nbildet hat, welche schon fünf starke Bände in splendidester\nAusstattung in die Welt geschickt hat.\"\nDas ist alles, was der Herausgeber des neuen Lexi-\nkons der lonkunst, für den die ganze Bach-Literatur seit\nForkel s Tode nicht vorhanden zu sein scheint, über diesen\nHeroen zu sagen weiss. Hier heisst es nicht bloss\nungue leonem,sondern auch: An dem Bilde des Löwen er-\nkennt man den Zeichner!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-13-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-13_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-09-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "296", "page_fin": "299", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.2.3", "titre_corps": "Das Musikfest zu Darmstadt am 31. August und", "titre_sommaire": "Das Musikfest zu Darmstadt am 31. 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September.\nWenn mir auch die auf Reisen so beschränkte Zeit\nkeinen ausführlichen Bericht erlaubt, zumal wenn man bei\nso fabelhaftem Zudrange von Menschen in Darmstadt und\nFrankfurt an dem ersteren Orte an der Eisenbahn über\ndrei Stunden verliert, ehe man an die Reihe des Einsteigens\nkommt, und am zweiten die Nacht nach hundert vergeb-\nlichen Nachfragen in allen möglichen Unterkunfts-Localen,\ndie Hauptwache nicht ausgenommen, am Ende doch auf\nder Strasse zubringen muss—Alles buchstäblich wahr! —,\nso will ich doch durch wenn auch nur rhapsodische Notizen\nmeinem Versprechen wenigstens zum Theil nachkommen.\nWenn ich Ihnen zunächst sage, dass Darmstadt an den\nbeiden Festtagen von 40—50,000 Menschen und gröss-\ntenteils Fremden wimmelte, so übertreibe ich keineswegs,\nsondern bleibe eher noch unter der wirklichen Zahl. Der\nBesuch war also ungewöhnlich günstig für die Taufe des"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4953, "texte": "jüngsten Kindes unter den rheinischen Festen, und der\nmittelrheinische Mu si k-Verb an d der Gesang-Ver-\neine von D a r m s t a d t, Mainz, Mannheim und Wies-\nbaden kann sich Glück dazu wünschen und denselben als\neine gute Vorbedeutung lür die Zukunft annehmen.\nFragen Sie nun, ob es denn aber auch der Mühe\nwerth gewesen sei, dass alle Verwaltungen der Transport-\nmittel dermaassen in Alarm versetzt wurden, dass manche\nnicht mehr wussten, wo aus und ein, und in Gefahr gewe-\nsen wären, die Pferde hinter den Wagen zu spannen, wenn\ndiese Thiere nicht längst durch Maschinen ersetzt wären,\ndie eben so gut ziehen als schieben können: so muss ich\nantworten: „Ei freilich!\" Denn im Ganzen war dieses\nerste mittelrheinische Musikfest ein recht schönes und\nmachte seinen Namen zur Wahrheit, da es eben so viel\n(und vielleicht noch mehr) Fest als M u s i k bot. An zweck-\nmässiger Einrichtung lür Alles und lür Alle, an freundlicher\nund herzlicher Aufnahme der sämmtlichen Mitwirkenden,\nohne allen Unterschied, ob sie aus Liebhaberei oder für\ncontractmässiges Honorar mitwirkten, an zuvorkommender\nSorge lür ihr Unterkommen und an Sicherstellung dersel-\nben gegen etwaige Schneidekünste der Wirthe und Genos-\nsen fehlte es durchaus nicht. Das alles war, wir müssen\nder Wahrheit die Ehre geben, besser eingerichtet, als dies\nbei den niederrheinischen Musikfesten in den letzten Jahren\ngeschehen ist. Dazu kommt die Regsamkeit und mittheil-\nsame Lebendigkeit der Bewohner des Mittelrheines, die\nschon mehr den Charakter der Süddeutschen tragen, und\nzwar vielleicht nicht so gründlich, aber dafür auch nicht\nso förmlich, nicht so zugeknöpft, steifleinen oder nach oben\nhin glacehandschuhmässig sind, wie wir Norddeutschen, die\ndaher der Laune und Freude mehr naturgemäss huldigen\nund nicht bei jedem Anlasse erst bei der Etiquette um al-\nlergnädigste Erlaubniss, ob sie sich auch amusiren dürften,\nanfragen.\nSo waren denn die festlichen Züge und geselligen Ver-\neinigungen, die bei den Musikfesten am Niederrheine sehr\nhäufig nur im Programm stehen und so wenig ins Leben\ntreten, dass man bekanntlich oft nach den feierlich angekün-\ndigten Reunionspunkten kommt und daselbst keinen Men-\nschen, geschweige denn ein Comite-Mitglied findet, hier in\nDarmstadt wahre Glanzpunkte des Festes. Das Waldfest\nam Dinstag den 2. September früh auf der Ludwigshöhe\nwar nicht nur durch den Reiz dieses schönen Punktes und\nder herrlichen Aussicht auf das Rheinthal erfreulich und er-\nhebend, sondern es zeichnete sich auch noch besonders\ndurch die Gastfreiheit und höchst anständige Bewirthung\naller Mitwirkenden von Seiten des Fest-Comite's aus,\nWahrhaft glänzend und imposant waren am Nachmittage\ndesselben Tages die Festzüge, welche sich durch die\nHauptslrassen der Stadt nach dem grossen Circus auf dem\nExercirplatze bewegten, wo der Grossherzog und der Hof\nihrer harrten. Die Proben- und Concert-Karten der Mitwir-\nkenden galten für sie als Eintritts-Karten in den Circus.\nDieser Züge waren eilf an der Zahl und stellten dar:\n1. Die drei Provinzen Hessens und sämmtliche Volkstrach-\nten des Landes. 2. Die alten Ratten und Cherusker nach\nder Hermannsschlacht mit der römischen Beute. 3. Die\naltdeutschen Helden aUs dem Sagenkreise der Nibelungen.\n4. Das Mittelalter, den rheinischen Städtebund, die hessi-\nschen Ritterbündnisse, das Turnier zu Darmstadt im Jahre\n1403. 5. Die alten Zünfte (unter den Druckern Guten-\nberg, Fust und Schäffer). 6.Das Frankensteiner Eselslehen\nzu Bossungen und Darmstadt. Unmittelbar darauf 7. die\nStiftung der Universität Giessen (1607) und des Gymna-\nsiums zu Darmstadt. 8. Eine Parforce-Jagd unter Ludwig\nVIII. zu Pferde und zu Fuss. 9. Die Pirmasenser Garde.\n10. Die Künste und Wissenschaften, Industrie, Handel,\nAckerbau. 11. Die neuen Zünfte, geordnet nach den Ge-\nwerken. Alles an diesen Zügen, Idee und Ausführung,\nMenschen und Pferde, Costume und Ausrüstung, Ordnung\nund Haltung, war trefflich. Die grossmüthige Unterstützung\ndes kunstsinnigen Grossherzogs, welcher zu diesem Zwecke\ndem Vernehmen nach die ganze reiche Garderobe des Hof-\ntheaters zur Verfügung gestellt hatte (an vierhundert An-\nzüge), muss freilich dabei bedeutend in Anschlag gebracht\nwerden.\nAuch das Zeughaus hatte Se. Königliche Hoheit zu\nden musicalischen Auflührungen bewilligt, und damit komme\nich denn auf die Musik, die ich keineswegs in den Hin-\ntergrund stellen will, sondern nur bemerken, dass an die\nRepräsentanten derselben, die zum ersten Male zu solch\neinem Vereine zusammenkommen, und an ihre Leiter nicht\nso strenge Forderungen zu stellen sind, wie man sie an\nAufführungen machen kann, welche die Uebung und Er-\nfahrung einer langen Reihe von Jahren für sich haben.\nDie Menge der Sänger und Instrumentalisten war\nsehr gross. Da es für Sie interessant sein wird, die Quan-\ntität der Gesangkräfte hiesiger Gegend mit Ausschluss\nvon Frankfurt am Main kennen au lernen, so schreibe\nich Ihnen folgende Uebersicht der Vocal-Partie aus\ndem Textbuche ab."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4866, "texte": "Sopr. AK Tenor Bass Sa.\n1. Darmstadt: a) Musik-Verein. . . 66 52 39 53 210\nb) Mozart-Verein . .\nc) Harmon. Sänger- .\nkränz\nd) Altisten aus dem Gr.\nGymnasium ... 37 —37\n2. Mainz: Liedertafel und Damen-\ngesang-Verein. . . 28 18 42 64 152\n3. Mannheim: Musik-Verein, ... 19 12 7 14 52\n4. Wiesbaden: Cäcilien-Verein u. Män-\nnergesang-Verein . 30 15 26 29 100\n5. Criessien: Akademischer Gesang-\nVerein . • ... 25 11 16 30 82\n6. OfTenbacli: Gesangverein. ... 17 11 15 13 56\nAlzei ............ 2 1 3\n—Ba—gßiii MiMtn\n187 156 192 250 785\nNehmen Sie dazu 64 Violinen, 21 Violen, 20 Vio-\nloncelle, 15 Contrabässe, überhaupt 155 Mann im Or-\nchester, und Sie haben einen musicalischen Körper von\n950 Gliedern, in Wirklichkeit doch wohl über 800, der\nallen Respect einflösst. Aber auch die Qualität war gut;\nFülle und Frische der Stimmen und tüchtige Technik der\nInstrumentaiisten war überall vorhanden. Von den Chören\nim Messias, dessen Aufführung unter Direclion des Hof-\nMusik-Directors C. A. Mangold am ersten Festtage Statt\nfand, gingen die meisten recht gut, einige (z. B. das Halle-\nlujah) ganz vorzüglich. In einigen anderen fehlten die kräf-\ntigen Einsätze und zeigte sich auch noch nicht die classi-\nsche, sich stets gleich bleibende ruhige Beherrschung des\nStoffes in sicherer Form und Haltung, was auch in den\nChören von Mendelssohn's Lorelei zu bemerken war. Am\nzweiten Tage war leider der im Ganzen doch prächtige\nChor viel zu wenig beschäftigt, wie denn überhaupt das\nProgramm des zweiten Tages in seiner aweiten Abtheilung\nnicht ganz der Bedeutung und Würde eines Musikfestes\nangemessen war.\nOb die Einrichtung, die Haupt-Aufführungen, wie es\nhier geschah, nicht Abends, sondern Nachmittags um\n3% Uhr zu veranstalten, Nachahmung verdiene, dürfte zu\nerwägen sein. Es spricht gar Manches dafür; in der war-\nmen Jahreszeit möchte indess die Temperatur der Luft da-\ngegen sein.\nDie Soli sangen: Frau Leisinger aus Stuttgart (So-\npran, eine schöne Frau mit schöner, vollklingender Stimme;\nihre Art, zu singen, war besonders in der Partie der Lo-\nrelei am Platze, wo sie ausgezeichnet wirkte); Fräulein\nD i ehl aus Frankfurt (eine weiche, wohllautende Altstimme);\nHr. Gri 11 vom darmstädter Hoftheater (Tenor von vorzüglich\nschöner Stimme und edelm Vortrage, wahrhaftig jetzt eine\nSeltenheit!) und Herr Stephan vom Theater zu Mann-\nheim (Bass), dessen Leistungen um so mehr anzuerkennen\nwaren, als er die Partie ganz unvorbereitet übernahm, in-\ndem Herr Stockhausen, dem sie bestimmt war, in der\nProbe heiser wurde und sie abgeben musste. So vorzüglich\nStockhausen als Liedersänger ist, so war es doch nach den\ngemachten Erfahrungen ein Missgriff vom Comite, ihn für\ndie Arien im Messias zu engagiren, wozu er das Material\nnicht hat, an welchem es ihm überhaupt für so grosse Lo-\ncale, als die musikfestlichen kolossalen Aufführungen ver-\nlangen, gebricht. Bei Anstrengung seiner kleinen Stimme,\num alsdann dem Bedürfnisse zu genügen, wird sich stets\ndieselbe Erscheinung wiederholen, wie hier. Aber auch am\nzweiten Tage, wo eine französische Arie und einige deut-\nsche Lieder iür ihn auf dem Programme standen, trat er\nnicht auf— was allerdings zu bedauern war und von einem\ngrossen Theile der Zuhörer übel vermerkt wurde.\nDas zweite Concert dirigirte Herr Hof-Capellmeister\nL. Schindelmeisser. Das Programm des ersten Theiles\nwar gut: Beethoven's Eroica und Mendels sohn's\nLorelei. Die Auslührung der Sinfonie erreichte freilich noch\nnicht den Grad der Präcision und des Ausdrucks, noch das\nbegeisternde Feuer und die Energie, welche sie erfordert,\nund die Fest-Orchester am Niederrheine stehen in ollem dem\nhöher. Da ich den Proben nicht beiwohnen konnte, so habe\nich kein sicheres Ortheil darüber, ob manche Schwächen\nder übrigens im Ganzen immerhin imposanten Aufführung\nan dem Orchester oder an dem Dirigenten lagen. Gegen\ndas beschleunigte Tempo des Fugensatzes im Trauermarsch\naber, als ob jetzt die Cavallerie im Trab ankäme, muss ich\nmich erklären; gerade hier ist die Breite und Schwere in\nTempo, Ton und Ausdruck ganz an ihrer Stelle und durch-\naus nothwendig. Freilich darf das Tempo des ganzen Satzes\nnicht zu schleppend sein.\nIn der zweiten Abtheilung, die allerlei brachte (wobei\nman übrigens doch die billige Rücksicht walten lassen muss,\ndass diese zweite Hälfte gleichsam die Stelle des am Nie-\nderrheine gewöhnlichen so genannten Künstler-Concertes\nam dritten Tage vertreten sollte), waren natürlich die Vor-\nträge von Vieuxtemps das Würdigste und Glänzendste.\nDaneben mussten freilich die Leistungen eines sonst recht\nwackeren Pianisten und tüchtigen Musikers, des Herrn\nPauer, in den Hintergrund treten, der ein Rondo von\nWeber und eine Cascade von seiner Composition, freilich\nkeine angemessene Wahl lür ein Musikfest, spielte. Solo-\nstücke fürs Ciavier ohne Orchester gehören durchaus nicht\nauf ein Musikfest; eben so wenig der Vortrag von Liedern"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 775, "texte": "i von Frau Leisinger und Fräul. Diebt), wenngleich Schu-\nberts Erlkönig unstreitig eine herrliche Composition ist, in\nder die erstere, sonst vortreffliche Sängerin übrigens nicht\nso genügen konnte, als in der Lorelei, wo sie wirklich be-\nwundernswerth war.\nAn auswärtigen Künstlern und Dirigenten unter den\nZuhörern fehlte es nicht, doch war die Versammlung nicht\nso reich daran, wie im Frühjahre in Düsseldorf. Aus Ber-\nlin war Emil Naumann da, aus Weimar Joachim\nRaff, dessen Oper in Wiesbaden gegeben worden oder ge-\ngeben werden soll, aus Strassburg Liebe u. s. w. Ihre\nGegend hatte die Herren Turanyi aus Aachen, Tausch\naus°Düsseldorf, Weinbrenner aus Elberfeld u. s. w. ge-\nsandt. Hiller war nur am zweiten Tage und auch da\nnur während einer kurzen Zeit hier.' Anch io."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-13-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-13_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-09-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "299", "page_fin": "299", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.2.4", "titre_corps": "Aus Gran", "titre_sommaire": "Aus Gran", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.7", "debut_caractere": 777, "fin_caractere_exclue": 4007, "texte": "Aus Gran\n*).\nDen 30. August 1856.\nBis zu diesem Augenblicke konnte ich buchstäblich nicht einen\nFleck finden, um nur eine Zeile schreiben zu können. Wir kamen\num 4 Uhr gestern Nachmittags trotz Sturm und Regen, der uns\ndie ganze Reise begleitete und uns in die dumpfige Cajüte ver-\nwies, glücklich in Gran an. Beim Aussteigen war me.ne erste Er-\nkundigung nach Liszt; der pesther Dampfer war noch nicht da.\nNun wartete ich aufs pesther Schiff, das endlich um 7 Uhr kam,\nnämlich alle pesther Musiker, das Conservatorium, Lls z t, Singer,\nDoppler, Supper, Winterberger, Prukner, Dr. Hunyady, Brand,\nBreuer Pfeiffer, Kohne, C. Strauss, Dunkl, Graff, Haslinger und\nEd. Liszt sind erst heute nachgekommen. Ferner Graf Raday, der\nsich sehr viel mit mir zu schaffen macht und mich dringend bat,\nnach Pesth zu kommen, wo er eine ungarische Oper aufführen\nlassen will Leo Festetics, der eine halbe Rolle spielt, Baron Au-\nsuss welchen mich sämmtlich Liszt vorstellte. Liszt nahm die iür\nihn im Pfarrhause eigens hergerichtete Wohnung nicht an, sondern\nblieb in der Cabine in collegialer Eintracht mit den übrigen Musi-\nkern auf dem Schiffe. Nun hatte ich auch keine Wohnung, und\nauf dem Schiffe war kein Platz, weil alle Musiker darin schlafen\nmussten, für welche das Schiff bestimmt war. Liszt war so lie-\nbenswürdig, mir für die Nacht einen Platz in seiner Cabine auf\ndem Sopha anzubieten. Morgens wollte ich schreiben, allem es war\nunmöglich; Einer gab dem Anderen die Thürschnalle in die Hand,\nso dass ich mich anzog und auf gut Glück auf Wohnungs-Ent-\ndeckungsreisen in die Stadt marschirte, und siehe da, nach zwei\nStunden, wo ich durch wenigstens zehn Gassen (mehr sind nicht)\nund 60—70 Häuser meine Visitationen gehalten, fand ich eine zwei\nSchuh breite, 3 Schuh lange Mansarde, wofür ich täglich 5 Fl.\nzahlen muss, was noch ein Fund ist, da man 50-60 Fl. für drei\nNächte verlangt. Freilich sitze ich an einem dreibeinigen Tische\nund schlafe auf Federn, die auf dem Kukurntzfelde wuchsen und\nüber ihre Abstammung nur eine leichte Hülle eines „spagattuch-\nähnlichen\" Leintuches breiten; mit dem Mantel durfte ich mich\nzudecken.\nWas die Messe betrifft, der ich als erste Generalprobe in der\nKirche beiwohnte, so ist es ein kolossales, in vielen Beziehungen\nwunderbares Werk. Aber die Aufführung hier in der Basilica muss\nohne Wirkung bleiben; denn man nimmt unten im Schiff der Kir-\nche, ihrer schlechten akustischen Bauart halber, keine Note aus.\nDie Ilesonnanz ist so stark und die Brechung der Schallwellen so\nvielfach und träge, dass man nichts als ein wirres Gesumme von\nTönen hört. Ein Detail-Urtheil fehlt mir bis jetzt vollständig. Ich\nwerde also wahrscheinlich nach Pesth gehen, um dort die Messe,\nwelche Donnerstag gegeben wird, hören zu können. Samstag ist\ndas Concert.\nIch schliesse, um die Post nicht zu versäumen, die um 5 Uhr\nAbends abgeht und mehrere englische Meilen ausser der Stadt liegt.\nSeine Majestät der Kaiser hätte um 4 Uhr kommen sollen, ist aber\nnoch nicht da. Ein schauderhafter Sturm hat heute den ganzen Tag\ngewüthet und von den Decorirungen Vieles verdorben; an eino\nIllumination ist heute nicht zu denken.\n•) Wörtlich aus den Wiener Blättern für Musik u. s. w., Nr.\n71 vom 2. September. Die Kedaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-13-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-13_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-09-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "299", "page_fin": "300", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.2.5", "titre_corps": "Aus Salzburg.", "titre_sommaire": "Aus Salzburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.7", "debut_caractere": 4009, "fin_caractere_exclue": 5726, "texte": "Aus Salzburg.\nDen 18. August 1856.\nZur Feier des Allerhöchsten Geburtsfestes Seiner Majestät un-\nseres gnädigsten Kaisers Franz Joseph wurde im Dome von Sr.\nExc. dem Hochw. Herrn Fürst-Erzbischofe Maximilian ein so-\nlennes Hochamt abgehalten. Das Mozarteums-Orchester brachte\nhierbei die herrliche C-dur-Messe Mozart's zur Aufführung, worin\ndie berühmte Künstlerin Frau Leopoldine Herrenburg-Tuc-\nzek, k. Preussische Kammersängerin, die Sopran-Partie übernom-\nmen hatte und zu diesem Zwecke mit liebenswürdigster Bereitwil-\nligkeit eigens aus Ischl hieher gereis't war. Ihr hinreissender künst-\nlerischer Vortrag der ganzen Sopran-Partie, besonders des würde-\nvollen Agnus Deiund eines schönen grossen Offertoriums von\nHummel (mit Oboe-Solo, gespielt von Herrn Jellinek), so wie\nihre klangvolle, sympathische Stimme erfüllten die Zuhörer mit Be*\nwunderung. Dieser Act der Pietät von Seite dieser ausgezeichneten\nKünstlerin verdient um so mehr rühmend hervorgehoben zu wer-\nden, als gerade in neuester Zeit namhafte Sänger und Sängerinnen\nsich nicht eben beeifern, ihre Verehrung für Mozart in anspruchs-\nloser und kunstbegeisterter Weise darzulegen.\nIn Salzburg weilt seit Kurzem Karl Mozart, ein liebens-\nwürdiger Greis von 70 Jahren. Er ist aus Mailand gekommen,\num dem Säcularfeste anzuwohnen, und bekanntlich der einzige\nnoch lebende Sohn von W. A. Mozart. Das Fest-Comite hat ihn\nbereits freundlich begrüsst, und das Mozarteum ihm eine Serenade\nals Willkomm gebracht. Auch die Liedertafel hat ihm ihr Ständ-\nchen gebracht.\nUnter den Gegenständen, welche in Salzburg den Fremden wäh-\nrend der Mozart-Säcularfeier anzogen, steht Mozart's Geburtshaus\nwohl in erster Reihe. In dem dritten Stocke des in der Getreide-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 917, "texte": "Gasse gelegenen Hauses erblickte Mozart das Licht der Welt. In\ndiesen Räumen waren für die Dauer der Festzeit die Original-Fa-\nmilien-Porlraits, das Medaillon aus Ruchsholz von Rosch in Wien,\nder Concertflügel Mozart's von Walter, ein Spinett aus Mozart's\nSterbewohnung (erslerer von dem Sohne Karl, letzteres von der\n\"Witwe dem Mozarteum geschenkt), die kleine Halbgeige von An-\ndreas Ferdinand Maier, Geigenmacher in Salzburg 1746, auf wel-\ncher W. A. Mozart die Violine zu spielen anfing, die Violine (von\nJakob Steiner in Absam 1659), deren sich Mozart bei Concerten\nund anderen Gelegenheiten bediente, die im Resitze des Mozar-\nteums befindlichen Handschriften und mehr als 400 Rriefe von\nLeopold und W. A. Mozart, die Original-Manuscripte eines Orato-\nriums aus dem Jahre 1766, der Sinfonie in C-dur mit der Schluss-\nfuge und der Partitur der Zauberflöte, das Stammbuch und andere\nRelicten Mozart's ausgestellt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-13-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-13_01#c006", "volume": "bmtnabi_1856-09-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "300", "page_fin": "300", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.8", "debut_caractere": 919, "fin_caractere_exclue": 5575, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Fräul. Auguste Brenken hat auf ihrer Rückreise\nvon Paris nach ihrer Vaterstadt Soest einige Wochen hier zu-\ngebracht. Die acht Monate ihres Aufenthaltes in Paris und ihre\ndortigen Gesang-Studien sind von vorteilhaftem Einflüsse auf ihre\ntechnische Ausbildung und glücklicher Weise nicht von nachteili-\ngem auf ihre Stimme gewesen. Diese hat ihre schöne Fülle und\nKraft nicht nur behalten, sondern sie hat, was man selten von den\naus Paris zurückkehrenden Sängerinnen sagen kann, sogar an Aus-\ngiebigkeit gewonnen, wovon wir uns durch den Vortrag mehrerer\nArien im hiesigen Theater-Locale mit Vergnügen tiberzeugt haben.\nWir hoffen, dass sich Fräul. Brenken der Bühne widmen wird,\nauf welcher ihr ohne Zweifel eine grosse Zukunft bevorsteht.\nRubinstein's Oratorium, „Das verlorene Paradies\", kommt\nin Weimar unter des Componisten eigener Leitung zur Aufführung.\nMarsch n er ist von seiner Reise bereits wieder nach Han-\nnover zurückgekehrt.\nW\nDie Bibliothek des Organisten Becker, welche jetzt der leip-\nziger Bibliothek übergeben wird, enthält 1414 theoretische Schrif-\nten, 552 Choralwerke aller Confessionen von 1450 1852, 227 Stück\nseltene alte Original-Druckwerke und Handschriften aus dem sechs-\nzehnten und siebenzehnten Jahrhundert, 1250 Nummern von Co-\npieen der Tonwerke älterer Meister, so wie von Manuscripten und\nOriginal-Drucken der Tonwerke des achtzehnten und neunzehnten\nJahrhunderls u. s. w. Die Bibliothek wird besonders nach dem\nvorhandenen Kataloge aufgestellt und (ührt den Namen: „C. F.\nBeckers musicalische Bibliothek\".\nWien. Dr. Hanslik wird dem Vernehmen nach Vorle-\nsungen über die Aesthetik der Tonkunst an der hiesigen Univer-\nsität hallen.\nDie am 29. August zum ersten Male gegebene komische Oper\noder vielmehr Operette in zwei Acten: „Der Kadi\", mit Musik von\nAmbroise Thomas, dem durch seine Oper „EineSommernacht\"\nhier bereits bekannten französischen Opern-Componisten neuester\nZeit, hat in Paris ausserordentlich gefallen und unzählige Vorstel-\nlungen erlebt, und hat auch hier im Verein mit der grösstenteils\nlebendigen und guten Ausführung einen günstigen Erfolg gehabt.\nDie Arie des Tambour-Majors, namentlich der zweite Theil, die\nScene des Gebet-Ausrufes vom Minaret mit dem später einfallen-\nden Chor, das Duett zwischen Falhme und Gentil im zweiten Acte,\ndie beiden Finales haben sehr und mit Recht gefallen. Ueberhaupt\nzeigt sich in Allem der gewandte, geislreiche Tonsetzer, dem die\nnötigen Pointen, wo es gilt, zu Gebote stehen, wenn er auch we-\nnig Ursprüngliches zu bringen vermag. Fräul. Liebhardt, dann\ndie Herren Holzel und Wolf waren wie immer in diesem Rol-\nlenfache ausgezeichnet, und auch die Herren Maierhofer (Kadi)\nund Campe (Harems-Aufseher) befriedigten in ihren sehr burles-\nken Parlieen das zahlreiche, gut gestimmte Publicum.\nAm 27. August Nachmittags fand von Nonnenhorn aus in Was-\nserburg am Bodensee die Beerdigung Lintpaintner's Statt. Eine\nDeputation aus Stuttgart, die Liederkränze aus Tetlnang, Lindau,\nzahlreiche Freunde und Verehrer des Verstorbenen aus Würtem-\nberg, Baden, Baiern, aus der Schweiz, besonders aus St. Gallen,\nhatten sich eingefunden, dem hochverdienten, allgemein geliebten\nManne die letzte Ehre zu erweisen. Ein Trauer-Quartett und an-\ndere Trauerlieder wurden an seinem blumenbekränzten Grabe ge-\nsungen, der Pfarrer aus dem an der Argen gelegenen würtember-\ngischen Dorfe Leimnau hielt die Leichenrede, und der im Augen-\nblicke der Grablegung am Ufer bei Wasserburg vorüberfahrende\nk. würtembergische Dampfer senkte die Flagge und verkündete\nweithin durch Kanonenschüsse die Huldigung für den Verstorbenen.\nBelgien hat an Componisten und Virtuosen der Gegenwart\nfolgende zum Theil sehr berühmte Namen aufzuweisen: Fetis\naus Möns; Grisar, Eykens, die Gebrüder Gregoir aus Ant-\nwerpen; C. L. Hanssens, Limnander, Gevaert aus Gent;\nSo u Ire aus Lüttich. Dann de Beriot, Vieuxtemps, Leo-\nnard, Massart, Haumann, Dubois, Dupuis für die Vio-\nline; Servais für Violoncell; G odefroy für Harfe; Madame\nPleyel, A. Dupont für Pianoforte; Blaes, Wuille für Clan-\nnette; Reichert für Flöte; Lern mens für Orgel.\nDer k. k. Kammer-Virtuose Leopold v. Meyer, welcher in\nAlexandria von Said Pascha mit einem mit Brillanten und Dia-\nmanten besetzten Yatagan d'honneur beschenkt wurde, hat in Odessa\nin Folge einer Aufforderung des General-Gouverneurs Grafen Stro-\nganoff drei überfüllte Concerte gegeben, welche ihm nebst den\nenthusiastischen Auszeichnungen mehr als 4000 Silberrubel ein-\nbrachten. Auf Wunsch Sr. Majestät des Kaisers Alexander von\nRussland begab sich Meyer nach Moskau, um bei den dortigen\nKrönungs-Feierlichkeiten mitzuwirken."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nUniversal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Ed. Bernsdorf. Das Musik-\nfest zu Darmstadt am 31. August und 1. September. Von Auch' io. Aus Gran. Aus Salzburg. Tages- und Unterhaltungs-\nblatt (Köln, Fräul. Auguste Brenken Bibliothek des Organisten Becker Wien, Dr. Hanslik, „Der Kadi\", komische Oper von Am-\nbroise Thomas Lintpaintner's Begr'abniss Belgische Componisten und Virtuosen Leopold von Meyer).\n\nUniversal-Lexikon der Tonkunst.\nAngefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt\nvon Ed. Bernsdorf*).\nSo lautet der Titel der vierten Lieferung desSchla-\ndebach'schen Lexikons der Tonkunst, welche nach langer\nPause im Juli dieses Jahres ausgegeben worden ist. Die\nersten drei erschienen im April, August und September\nvorigen Jahres; die dritte enthielt eine Bekanntmachung\ndes Dr. Schladebach, in welcher er bat: „eine etwa ein-\ntretende kurze Verzögerung des Erscheinens der vierten\nLieferung, die durch möglichst beschleunigte Ausgabe der\nfolgenden Lieferungen aufgewogen werden soll, freundlich\nzu verzeihen. Dresden, im September 1855.\"\nJetzt, nachdem die „etwaige kurze\" Verzögerung\nneun Monate gedauert hat, erfahren wir durch ein Vorwort\ndes Verlegers Rob. Schäfer in Dresden (den 24. Juni)\nzu der vierten Lieferung, dass „nur Gründe der gewich-\ntigsten Art, deren Auseinandersetzung aber unstatthaft\nwäre, jene Unterbrechung zu veranlassen im Stande wa-\nren— dass aber nun alle Behinderungen hauptsächlich durch\ndas Engagement eines neuen Herausgebers, des Herrn\nEduard Bernsdorf, beseitigt sind.\"\nDer neue Herausgeber schweigt, und wenn er viel-\nleicht der Meinung ist, dass die Thatsachen besser reden,\nals alle Vorberichte und Verheissungen, so können wir ihm\nzwar darin nicht Unrecht geben, glauben aber doch, dass\ndas Publicum und vor Allem die Abonnenten in diesem\nganz eigentümlichen Falle eine Erklärung seinerseits, eine\nArt von Programm zu erwarten berechtigt waren.\nDagegen tritt der Herr Verleger mit folgender im Po-\nlicei-Tone gehaltenen Schluss-Phrase auf: „Ferner wieder-\nholen wir den geehrten Abonnenten, dass Sie (sie) sich zur\nAbnahme auf das (sie)Ganze verpflichteten und daher nicht\nnach Belieben abspringen können.\"\nHalt, halt! Erlauben Sie gefälligst einem Abonnenten\ndie ganz ergebene Bemerkung, dass er auf Dr. J. Sch-la-\ndebach's, nicht aber auf Herrn Rob. Schäfer's Lexikon\nder Tonkunst unterzeichnet hat. Unseres Wissens gibt der\nVerfasser eines Buches den Abonnenten die Bürgschaft\nlür den Inhalt, nicht der Verleger, und man abonnirt sich\nauf den Inhalt eines Werkes, nicht auf dessen äussere Form\nund Ausstattung. Herrn Schäfer's Anmaassung in dieser\nHinsicht verdient eine strenge Rüge. Es war an ihm, die\nAbonnenten höflichst zu ersuchen, dem neuen Herausgeber\ndasselbe Vertrauen zu schenken, das sie bei der Unter-\nzeichnung dem Begründer des Werkes geschenkt hatten;\nkeineswegs ziemte es sich aber, in drohendem Tone auf-\nzutreten. Vor welchem Gerichte will der Herr S. diejeni-\ngen belangen, welche auf ein Werk von P. unterzeichnet\nhaben, statt dessen aber eines von Q. erhalten, wenn sie\ndas letztere verweigern? Und zumal bei einem Lexikon!\nIch habe mich auf Abis Z von Hans abonnirt, und soll\nnun, nachdem Hans nur drei Viertel von A geliefert hat,\ndas letzte Viertel von Aund das ganze noch übrige Alpha-\nbet von Kunz nehmen? Nach diesen Rechts-Grundsätzen\nwäre man also verpflichtet, z. B. das deutsche Wörterbuch\nder Gebrüder Grimm, wenn es ihnen beliebte, plötzlich von\nder Arbeit zurück zu treten, der Verleger aber die Fort-\nsetzung durch Herrn X., Dorfschulmeister in Kuhschnappel,\nbesorgen Hesse, fortwährend zu kaufen!\nWir sagen dies nur in Bezug auf den Rechts-Grund-\nsatz, keineswegs in Beziehung auf das Verhältniss von\nHerrn Bernsdorf zu Herrn Schladebach. Denn erstens ist\nHerr Bernsdorf ein tüchtiger Musiker und weiss auch die\nFeder zu lühren, und zweitens hat Herr Schladebach in\nden drei ersten Lieferungen keineswegs etwas geleistet, das\n\n*) Yergl. 111. Jahrgang, Nr. 22, vom 2. Juni 1855."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.2", "texte": "nur im Entferntesten mit den Verdiensten der Gebrüder\nGrimm zu vergleichen wäre.\nAllein die genannten Eigenschaften des neuen Heraus-\ngebers reichen keineswegs hin, um ein wissenschaftliches\nWerk von solcher Bedeutung, wie ein Lexikon der Ton-\nkunst in unseren Tagen haben muss, zu liefern. Ein Werk\nencyklopädischer Gattung ist überhaupt nicht Sache eines\nEinzelnen: macht sich aber Einer daran, so muss er sich\nseit Jahren mit der Vorbereitung dazu beschäftigt haben,\nja, er muss sich die Ausarbeitung desselben, wenn auch\nnicht y.ur einzigen, doch zur hauptsächlichsten Aufgabe sei-\nnes Lebens gemacht haben, wenn er etwas Tüchtiges lei-\nsten will. Spricht doch Herr Schladebach selbst in dem\nVorworte zur ersten Lieferung von seinem „decennien-\nlangen Studium aller Zweige der Tonkunst, seiner\nKenntniss der Mehrzahl der bedeutenderen musicalischen\nWerke aller Zeiten und verschiedener Völker u. s. w.\nu. s. w.\"—Beweis genug, dass er nicht der Ansicht war,\nman könne die Ausführung eines solchen Werkes über\nNacht beschliessen und dann ohne Weiteres daran gehen.\nWir erfahren auch nicht einmal, ob der erste Herausgeber\ndem zweiten die Ergebnisse seiner „decennienlangen Stu-\ndien\" in den Sammlungen und Vorarbeiten zu diesem Le-\nxikon überlassen hat. Es wird uns bloss gesagt, wir dürf-\nten nicht vom Abonnement abspringen!\nDr. Schladebach hat in seinem Vorworte die Grund-\nsätze, nach denen eine Encyklopädie der Tonkunst heute\nbearbeitet werden müsse, richtig und ziemlich umfassend\nangegeben. „ Das Bedürfniss allgemeinerer und tieferer Bil-\ndung hat sich auch für die Tonkunst geltend gemacht.\nEine erhöhte Thätigkeit im Fache der musicalischen (theore-\ntischen, geschichtlichen und ästhetischen) Literatur ist vor-\nhanden— tiefere und umfassendere Kenntniss wird erstrebt,\num sich vor folgenschweren Missgriffen zu wahren, sich zu\neinem selbst ständigen, wohlbegr ii nde t e n Ur-\ntheil zu befähigen\" u. s. w. Desshalb solle das neue\nLexikon „ gründlich ohne Pedanterie (?) und vollständig\"\nsein, jedoch „alles unerquickliche Raisonnement ausge-\nschlossen\" werden—„der historische Theil soll die lexika-\nlische Trockenheit vermeiden\"—die „Darstellung klar und\nobjectiv\" sein u. s. w.\nSieht man nun aber die drei ersten Lieferungen durch,\nso wird man bald inne, dass bei allem Sammlerfleisse und\nallen musicalischen Kenntnissen, die wir Herrn Schladebach\ndurchaus nicht absprechen wollen, das Geleistete dennoch\nnicht einmal den aufgestellten Grundsätzen entspricht, ge-\nschweige denn den. wirklich hohen Forderungen, die man\nauf dem gegenwärtigen Standpunkte der Tonkunst ma-\nchen muss.\nVon der Mitarbeit der auf dem Titel genannten gros-\nsen Tonkünstler (Spohr, Marschner, Reissiger, Liszt) ist\nkeine Spur zu entdecken, wie denn überhaupt bei keinem\neinzigen Artikel eine wirkliche Mitarbeitung weder durch\nNamen noch durch Chiffre bestätigt ist. Bei manchen Arti-\nkeln, aus denen man einen Maassstab für den theoretischen\nWerth des Gegebenen schöpfen kann, ist der Verfasser\nnichts weniger als objectiv, sondern tritt oft gleich von\nvorn herein kritisirend auf. Im ästhetischen Theile, s. d.\nArt. Aesthetik selbst, ist das, was der Verfasser aus sich\nselbst gibt, weder klar noch gründlich; denn was heisst\nz. B. die Redensart: „Nach Schelling drang man entschie-\ndener auf die Anerkennung einer höheren Bedeutsam-\nkeit und auf einen Inhalt in der Musik\" ? (Ed. Hanslik\nwird mit den Worten abgethan: „Sein Versuch tritt man-\nchen schiefen Ansichten fest entgegen, ist indess in seinen\nGrund-Principien, soweit wir sie als wahr anzuerkennen\nhaben, keineswegs vollständig neu, wie man zu glauben\nversucht sein könnte!\") Fernerdas fast kindische Geschwätz\n(S. 79) über den ganz neuen Satz, dass die Theorie keinen\nschaffenden Künstler machen kann! Uebrigens wird das\nKind mit dem Bade ausgeschüttet, wenn es heisst, dass die\n„ästhetischen Grundsätze ganz unfruchtbar für die Pro-\nduction schöner Kunstwerke\" seien. In unserer Zeit, wo\nder grösste Theil der musicalischen Kunstwerke aus Re-\nflexion entspringt, sind richtige ästhetische Grundsätze dem\nMusiker nöthiger als je, und nach unserer Meinung muss\njeder, der es mit der Kunst und mit der Form des Kunst-\nwerkes gut meint, dem anmaassenden Naturdienste, dem\nrohen Realismus so genannter Genialität kräftig entgegen\ntreten. Die ganze Stelle, wie so manche andere, ist „uner-\nquickliches Raisonnement\", und in einem Werke, das vor\n„folgenschweren Missgriffen bewahren\" soll, muss vor Al-\nlem der Wissenschaft der Kunst das Wort geredet,\ndieselbe aber nicht als unwirksam oder unnöthig (ür den\nKünstler bezeichnet werden. Was heisst ferner die hoch-\ntönende Phrase: „Der ästhetische Accent (S. 45) kann\nnur dem wahren Künstler [welcher ist denn der wahre?]\ngelingen, der lähig ist, den abstracten und musicalischen\nGedanken sich zu einem concreten Inhalte umzuformen\"?\nWir haben aber auch eine Menge von Ungehörigem\ngefunden, das dem Wesentlicheren den Platz wegnimmt.\nWir führen nur z. B. an: Abendmusik, wo „die Fen-\nster verehrter oder geliebter Personen\" vorkommen, und\nder Schluss lautet: „Den Veranstaltern ist vorsichtige Aus-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.3", "texte": "wähl der aufzuführenden Gesang- und Instrumentalstücke\nanzuempfehlen\" (!); abenteuerlich, abgeschmackt,\nActeur (was hat denn „die Ueberladung des Accompagne-\nments\" u. s.w. mit der Mimik und Action zu thun?),\nAdept, Adonidia, Aegyptische Musik, Agapen,\nActis che Spiele, Alarm u. s. w. ■—\nDie stilistische Darstellung ist nicht besonders anzie-\nhend, sondern meist trocken, ohne irgend welchen Schwung,\nund keineswegs frei von Nachlässigkeiten und fehlerhaften\nConstructionen, die nicht auf Setzer und Correclor zu schie-\nben sind, wenn wir auch Manches, wie z. B. S. 52 „den\ndarzustellenden Sänger\", auf deren Rechnung setzen\nwollen.\nWenn wir nun auch manchem guten Artikel be geg-\nnen (z. B. Akustik), so haben wir doch, um mit Einem\nWorte unsere Meinung auszusprechen, nach Durchsicht der\ndrei ersten Lieferungen die Hoffnung auf ein wirklich wis-\nsenschaftliches, auf der Höhe der Zeit stehendes Werk\naufgeben müssen. Der bisherige Inhalt und die Art der\nVerarbeitung des Materials lässt nur eine Art von ober-\nflächlichem Conversations-Lexikon der Musik erwarten.\nLeider ist die vierte Lieferung (Andron Bach,\nJ. Chr.) nicht geeignet, jene Hoffnung wieder in uns auf-\nleben zu lassen. Es thut uns leid, sagen zu müssen, dass\nsich Herr Bernsdorf die Sache ziemlich leicht gemacht hat,\ndaher wir denn öfteren: „Wenn wir nicht irren\" —„un-\nseres Wissens\" „ist uns nicht zu Gesicht gekommen\"\n—u. dgl. m. begegnen. Eines der auffallendsten Beispiele\nder Art ist am Schlüsse des Artikels An schütz, Joh. A.,\nwo es heisst: „Sein Sohn Karl A. ist in die Fussstapfen\nseines Vaters (dessen Todesjahr uns unbekannt ist) getre-\nten.\" Wenn der Herausgeber eines Lexikons, dessen histo-\nrischer Theil eine Hauptsache ist, nicht einmal die biogra-\nphischen Nachrichten der Tagsblätter in seinen Adversarien\nsammelt, um sie für sein Werk zu benutzen, so kann das\nkein günstiges Vorurtheil erwecken. Im vorliegenden Falle\nhat die Kölnische Zeitung den Tod von J. A. Anschütz in\neinem Artikel im Hauptblatte gemeldet, und die Niederrhei-\nnische Musik-Zeitung enthält in der Nr. 3 vom 19. Januar\n1856 einen Nekrolog desselben. Wenn allerdings das\nStreben, die Darstellung anziehender und lebendiger zu\ntnachen, hier und da gelungen ist, so müssen wir uns doch\nandererseits gegen den gezierten und nach haschen-\nden Feuilleton-Stil in einem solchen Werke sehr entschie-\nden erklären. Aeusserungen wie z. B. über Auber: „Er\nist zwar ein wenig älter geworden und muss zu allerhand\nToiletten-Künsten seine Zuflucht nehmen, um eine\nrence de jeunesse zu erzielen; aber dasselbe graziöse Lächeln,\nwie früher, umspielt noch seinen Mund\" u. s. w., wie bei\nJoh. Christ. Bach: „Er war das Idol namentlich der\nDamen, denen er zeitlebens, wie dem Weine, mehr als nö-\nthig(!)zugelhan war\" „er hinterliess nebst vielen Schul-\nden eine Frau\" u. dgl. m. sind doch mehr als bloss un-\npassend.\nDem grossen Joh. Seb. Bach widmet das Lexikon\nnur zwei Octavseilen und sechs Zeilen. Wir setzen zur\nCharakterisirung die grössere Hälfte des Artikels her.\n„Ueber hundert Jahre sind jetzt seit seinem Tode ver-\nflossen, und in den Aeusserlichkeiten der Kunst sind zahl-\nlose Veränderungen seitdem eingetreten, neue Formen sind\ngeschaffen, neue Bahnen betreten worden;— in Beziehung\nauf das Innerliche, Geistige der Kunst aber kann sich in\nEwigkeit nichts ändern, und Bach ist noch immer der stolze,\nhehre Repräsentant derselben; ja, unsere neuere Zeit hat\nerst angefangen, ihn als solchen zu begreifen und auf ihn\nhinzuweisen, als auf den kühnsten, mächtigsten Verkünder\nder Idee im Kunstwerke. Man hat ihn öfter den Mathe-\nmatiker unter den Musikern genannt und hat damit zumeist\nden Nebenbegriff des Starren, Formelhaften verbunden;\ndas konnte aber nur von solchen ausgehen, die das Wesen\nseines Producirens verkannt und nicht eingesehen haben,\ndass er wie kein Anderer von innen nach aussen schafft.\nEr sollte vielmehr der Logiker heissen, der mit der starr-\nsten Consequenz und eisernsten Unerbittlichkeit einen Haupt-\ngedanken festhält, bis er völlig erschöpft ist, aus diesem\ndann die Nebengedanken entwickelt und beide Theile zu-\nletzt in den verschiedenartigsten Combinationen und Wen-\ndungen entweder zusammen oder getrennt zeigt. Es ist\ndemnach in seinen Werken eine vollkommen organische\nEntwicklung vorhanden, und wer sich daran gewöhnt hat,\nderselben nachzuspüren und so zu sagen das Wachsthum\nin jedem einzelnen Stücke vom unscheinbaren Keime an bis\nzur mächtigsten Entfaltung zu belauschen, für den wird\nalles anscheinend Gewaltsame in harmonischer und melodi-\nscher Beziehung bei den Bach'schen Sachen verschwinden,\nund für den werden sie aufhören, abstrus zu erscheinen.\nFreilich muss man bei Bach denken und nicht bloss ober-\nflächlich geniessen wollen; man muss mit der ernste-\nsten Kunstgesinnung an seine Sachen herantreten und alle\nAnsprüche an moderne Klang-Reizmittel und Ohrenkitze-\nleien zurücklassen. Dann muss man auch auf die Attribute\neines Künstler-Gemüthes von neuem Datum, auf das roman-\ntische Hangen und Bangen, auf das blasirte Weltschmer-\nzein und blasse Sentimentalisiren u. s. w. Verzicht leisten (!);"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.4", "texte": "endlich muss man aber auch den Mechanismus der stren-\ngen Schreibart genau verstehen und sich in den labyrinthi-\nschen Gängen der ausgebildetsten Polyphonia zurecht\nfinden können, dann wird einem erst Bach in seiner gan-\nzen Glorie und Majestät aufgehen, und man wird Schönhei-\nten entdecken, die man zuerst über der kolossalen Structur\nund den riesigen Verhältnissen übersehen hat. Es ist natür-\nlich, dass ein Musiker von so ernster und strenger Phy-\nsiognomie wie Bach nicht die Weltlichkeit zum Schau-\nplatze seiner vorwiegenden Thätigkeit aufsuchen konnte,\nund dass er vielmehr in den Hallen der Kirche an seinem\nwahrsten und eigensten Platze sich finden mussle. Der\nKirche gehört er denn auch zumeist an, und das Wort\nGottes hat er in Tönen voll innigster, glaubenslestester\nFrömmigkeit verkündet, wie Keiner vor und nach ihm.\nSeine so zu sagen contemplative Natur verläugnet sich auch\nin seinen ausserkirchlichen Sachen nicht, und in seinen leich-\ntesten Ciavierstücken selbst ist eine gewisse ascetische\nStrenge bemerklich; —es ist Alles, auch das Kleinste, zur\nEhre Gottes gemacht, wie Marx ganz treffend sagt. Sol-\nlen wir noch etwas über seine Schreibart insbesondere sa-\ngen, so müssen wir von vorn herein dem öfter gemachten\nVorwurfe begegnen, Bach habe keine Melodie gehabt.\nAllerdings ist er, wie schon oben angedeutet, kein Melo-\ndiker im modernen Sinne gewesen, d. h. er hat keine Me-\nlodie um ihrer selbst willen geschaffen (?); aber indem er\npolyphon schrieb, hat er meist mehrere Melodieen zu glei-\ncher Zeit verarbeitet, die eben so gut zusammen wie\neinzeln betrachtet werden können, und die Selbststän-\ndigkeit jeder einzelnen Stimme ist eben so bewunderns-\nwert!], als die Vereinigung aller dieser Stimmen (Melodieen)\ndie frappantesten harmonischen Zusammenstellungen ergibt.\nDann sehe man sich doch nur in den Arien, in den Canta-\nten, in der Matthäus-Passion, in den Sonaten für Violine\nund Ciavier, in den Präludien des wohltemperirten Claviers,\nin den Suiten u. s. w. u. s. w. um, und man zweifele noch,\nob Bach Melodieen voll tiefster Innigkeit erfunden hat!\n[Also doch!] Zuletzt müssen wir noch darauf aufmerksam\nmachen, dass man gemeiniglich darin fehlt, wenn man Bach\nso beurtheilt, als sei die gelehrte Schreibart Zweck und\nZiel seines Strebens gewesen. Durchaus nicht! Was uns\nModernen bei Bach gelehrt (oder, wie man gern sagt,\ngemacht) erscheint, ist bei ihm ein vollkommen natürli-\nches Aussprechen, und nur weil wir der kunstreichen For-\nmen von damals nicht mehr so mächtig sind, vermögen\nwir schwerer hinter der Form auch den Geist zu er-\nblicken. \"\nNun folgt ein siebenundzwanzig Zeilen langer Abriss\nseines Lebens, d. h. trockene Aufzählung seiner amtlichen\nStellungen nach Jahreszahl und Tag, mit Stil-Nachlässigkei-\nten, wie folgende: „zwei Reisen nach Dresden (welcher\nHo f— ihn ernannt hatte)\" und dann schliesst Herr Berns-\ndorl: „ Detaillirteres über seine Familien-Verhältnisse und\nüber seinen Einllnss auf die ganze norddeutsche Musik\n[und nicht auf Haydn, Mozart, Beethoven?] lese man bei\nseinem Biographen Forkel nach; der Zweck unseres Bu-\nches [wohl im wirklichen Sinne des Plurals zu nehmen,\nnämlich des Verlegers und des Verfassers] gestatlet uns\nweiter nichts, als Daten zu geben [wozu also denn das\nobige oberflächliche Raisonnement?]. Seine Werke, deren\ner auch viele selbst in Kupfer ätzte [eine köstliche Zusam-\nmenstellung], sind zahllos [Herr Bernsdorf nennt kein ein-\nziges, nicht einmal die H-moll-Messe und die grossen Pas-\nsionen!]; Vieles ist noch ungedruckt, und es ist hier zu\nerwähnen, dass sich in Leipzig eine Bach-Gesellschaft ge-\nbildet hat, welche schon fünf starke Bände in splendidester\nAusstattung in die Welt geschickt hat.\"\nDas ist alles, was der Herausgeber des neuen Lexi-\nkons der lonkunst, für den die ganze Bach-Literatur seit\nForkel s Tode nicht vorhanden zu sein scheint, über diesen\nHeroen zu sagen weiss. Hier heisst es nicht bloss\nungue leonem,sondern auch: An dem Bilde des Löwen er-\nkennt man den Zeichner!\n\nDas Musikfest zu Darmstadt am 31. August und\n1. September.\nWenn mir auch die auf Reisen so beschränkte Zeit\nkeinen ausführlichen Bericht erlaubt, zumal wenn man bei\nso fabelhaftem Zudrange von Menschen in Darmstadt und\nFrankfurt an dem ersteren Orte an der Eisenbahn über\ndrei Stunden verliert, ehe man an die Reihe des Einsteigens\nkommt, und am zweiten die Nacht nach hundert vergeb-\nlichen Nachfragen in allen möglichen Unterkunfts-Localen,\ndie Hauptwache nicht ausgenommen, am Ende doch auf\nder Strasse zubringen muss—Alles buchstäblich wahr! —,\nso will ich doch durch wenn auch nur rhapsodische Notizen\nmeinem Versprechen wenigstens zum Theil nachkommen.\nWenn ich Ihnen zunächst sage, dass Darmstadt an den\nbeiden Festtagen von 40—50,000 Menschen und gröss-\ntenteils Fremden wimmelte, so übertreibe ich keineswegs,\nsondern bleibe eher noch unter der wirklichen Zahl. Der\nBesuch war also ungewöhnlich günstig für die Taufe des"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.5", "texte": "jüngsten Kindes unter den rheinischen Festen, und der\nmittelrheinische Mu si k-Verb an d der Gesang-Ver-\neine von D a r m s t a d t, Mainz, Mannheim und Wies-\nbaden kann sich Glück dazu wünschen und denselben als\neine gute Vorbedeutung lür die Zukunft annehmen.\nFragen Sie nun, ob es denn aber auch der Mühe\nwerth gewesen sei, dass alle Verwaltungen der Transport-\nmittel dermaassen in Alarm versetzt wurden, dass manche\nnicht mehr wussten, wo aus und ein, und in Gefahr gewe-\nsen wären, die Pferde hinter den Wagen zu spannen, wenn\ndiese Thiere nicht längst durch Maschinen ersetzt wären,\ndie eben so gut ziehen als schieben können: so muss ich\nantworten: „Ei freilich!\" Denn im Ganzen war dieses\nerste mittelrheinische Musikfest ein recht schönes und\nmachte seinen Namen zur Wahrheit, da es eben so viel\n(und vielleicht noch mehr) Fest als M u s i k bot. An zweck-\nmässiger Einrichtung lür Alles und lür Alle, an freundlicher\nund herzlicher Aufnahme der sämmtlichen Mitwirkenden,\nohne allen Unterschied, ob sie aus Liebhaberei oder für\ncontractmässiges Honorar mitwirkten, an zuvorkommender\nSorge lür ihr Unterkommen und an Sicherstellung dersel-\nben gegen etwaige Schneidekünste der Wirthe und Genos-\nsen fehlte es durchaus nicht. Das alles war, wir müssen\nder Wahrheit die Ehre geben, besser eingerichtet, als dies\nbei den niederrheinischen Musikfesten in den letzten Jahren\ngeschehen ist. Dazu kommt die Regsamkeit und mittheil-\nsame Lebendigkeit der Bewohner des Mittelrheines, die\nschon mehr den Charakter der Süddeutschen tragen, und\nzwar vielleicht nicht so gründlich, aber dafür auch nicht\nso förmlich, nicht so zugeknöpft, steifleinen oder nach oben\nhin glacehandschuhmässig sind, wie wir Norddeutschen, die\ndaher der Laune und Freude mehr naturgemäss huldigen\nund nicht bei jedem Anlasse erst bei der Etiquette um al-\nlergnädigste Erlaubniss, ob sie sich auch amusiren dürften,\nanfragen.\nSo waren denn die festlichen Züge und geselligen Ver-\neinigungen, die bei den Musikfesten am Niederrheine sehr\nhäufig nur im Programm stehen und so wenig ins Leben\ntreten, dass man bekanntlich oft nach den feierlich angekün-\ndigten Reunionspunkten kommt und daselbst keinen Men-\nschen, geschweige denn ein Comite-Mitglied findet, hier in\nDarmstadt wahre Glanzpunkte des Festes. Das Waldfest\nam Dinstag den 2. September früh auf der Ludwigshöhe\nwar nicht nur durch den Reiz dieses schönen Punktes und\nder herrlichen Aussicht auf das Rheinthal erfreulich und er-\nhebend, sondern es zeichnete sich auch noch besonders\ndurch die Gastfreiheit und höchst anständige Bewirthung\naller Mitwirkenden von Seiten des Fest-Comite's aus,\nWahrhaft glänzend und imposant waren am Nachmittage\ndesselben Tages die Festzüge, welche sich durch die\nHauptslrassen der Stadt nach dem grossen Circus auf dem\nExercirplatze bewegten, wo der Grossherzog und der Hof\nihrer harrten. Die Proben- und Concert-Karten der Mitwir-\nkenden galten für sie als Eintritts-Karten in den Circus.\nDieser Züge waren eilf an der Zahl und stellten dar:\n1. Die drei Provinzen Hessens und sämmtliche Volkstrach-\nten des Landes. 2. Die alten Ratten und Cherusker nach\nder Hermannsschlacht mit der römischen Beute. 3. Die\naltdeutschen Helden aUs dem Sagenkreise der Nibelungen.\n4. Das Mittelalter, den rheinischen Städtebund, die hessi-\nschen Ritterbündnisse, das Turnier zu Darmstadt im Jahre\n1403. 5. Die alten Zünfte (unter den Druckern Guten-\nberg, Fust und Schäffer). 6.Das Frankensteiner Eselslehen\nzu Bossungen und Darmstadt. Unmittelbar darauf 7. die\nStiftung der Universität Giessen (1607) und des Gymna-\nsiums zu Darmstadt. 8. Eine Parforce-Jagd unter Ludwig\nVIII. zu Pferde und zu Fuss. 9. Die Pirmasenser Garde.\n10. Die Künste und Wissenschaften, Industrie, Handel,\nAckerbau. 11. Die neuen Zünfte, geordnet nach den Ge-\nwerken. Alles an diesen Zügen, Idee und Ausführung,\nMenschen und Pferde, Costume und Ausrüstung, Ordnung\nund Haltung, war trefflich. Die grossmüthige Unterstützung\ndes kunstsinnigen Grossherzogs, welcher zu diesem Zwecke\ndem Vernehmen nach die ganze reiche Garderobe des Hof-\ntheaters zur Verfügung gestellt hatte (an vierhundert An-\nzüge), muss freilich dabei bedeutend in Anschlag gebracht\nwerden.\nAuch das Zeughaus hatte Se. Königliche Hoheit zu\nden musicalischen Auflührungen bewilligt, und damit komme\nich denn auf die Musik, die ich keineswegs in den Hin-\ntergrund stellen will, sondern nur bemerken, dass an die\nRepräsentanten derselben, die zum ersten Male zu solch\neinem Vereine zusammenkommen, und an ihre Leiter nicht\nso strenge Forderungen zu stellen sind, wie man sie an\nAufführungen machen kann, welche die Uebung und Er-\nfahrung einer langen Reihe von Jahren für sich haben.\nDie Menge der Sänger und Instrumentalisten war\nsehr gross. Da es für Sie interessant sein wird, die Quan-\ntität der Gesangkräfte hiesiger Gegend mit Ausschluss\nvon Frankfurt am Main kennen au lernen, so schreibe\nich Ihnen folgende Uebersicht der Vocal-Partie aus\ndem Textbuche ab."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.6", "texte": "Sopr. AK Tenor Bass Sa.\n1. Darmstadt: a) Musik-Verein. . . 66 52 39 53 210\nb) Mozart-Verein . .\nc) Harmon. Sänger- .\nkränz\nd) Altisten aus dem Gr.\nGymnasium ... 37 —37\n2. Mainz: Liedertafel und Damen-\ngesang-Verein. . . 28 18 42 64 152\n3. Mannheim: Musik-Verein, ... 19 12 7 14 52\n4. Wiesbaden: Cäcilien-Verein u. Män-\nnergesang-Verein . 30 15 26 29 100\n5. Criessien: Akademischer Gesang-\nVerein . • ... 25 11 16 30 82\n6. OfTenbacli: Gesangverein. ... 17 11 15 13 56\nAlzei ............ 2 1 3\n—Ba—gßiii MiMtn\n187 156 192 250 785\nNehmen Sie dazu 64 Violinen, 21 Violen, 20 Vio-\nloncelle, 15 Contrabässe, überhaupt 155 Mann im Or-\nchester, und Sie haben einen musicalischen Körper von\n950 Gliedern, in Wirklichkeit doch wohl über 800, der\nallen Respect einflösst. Aber auch die Qualität war gut;\nFülle und Frische der Stimmen und tüchtige Technik der\nInstrumentaiisten war überall vorhanden. Von den Chören\nim Messias, dessen Aufführung unter Direclion des Hof-\nMusik-Directors C. A. Mangold am ersten Festtage Statt\nfand, gingen die meisten recht gut, einige (z. B. das Halle-\nlujah) ganz vorzüglich. In einigen anderen fehlten die kräf-\ntigen Einsätze und zeigte sich auch noch nicht die classi-\nsche, sich stets gleich bleibende ruhige Beherrschung des\nStoffes in sicherer Form und Haltung, was auch in den\nChören von Mendelssohn's Lorelei zu bemerken war. Am\nzweiten Tage war leider der im Ganzen doch prächtige\nChor viel zu wenig beschäftigt, wie denn überhaupt das\nProgramm des zweiten Tages in seiner aweiten Abtheilung\nnicht ganz der Bedeutung und Würde eines Musikfestes\nangemessen war.\nOb die Einrichtung, die Haupt-Aufführungen, wie es\nhier geschah, nicht Abends, sondern Nachmittags um\n3% Uhr zu veranstalten, Nachahmung verdiene, dürfte zu\nerwägen sein. Es spricht gar Manches dafür; in der war-\nmen Jahreszeit möchte indess die Temperatur der Luft da-\ngegen sein.\nDie Soli sangen: Frau Leisinger aus Stuttgart (So-\npran, eine schöne Frau mit schöner, vollklingender Stimme;\nihre Art, zu singen, war besonders in der Partie der Lo-\nrelei am Platze, wo sie ausgezeichnet wirkte); Fräulein\nD i ehl aus Frankfurt (eine weiche, wohllautende Altstimme);\nHr. Gri 11 vom darmstädter Hoftheater (Tenor von vorzüglich\nschöner Stimme und edelm Vortrage, wahrhaftig jetzt eine\nSeltenheit!) und Herr Stephan vom Theater zu Mann-\nheim (Bass), dessen Leistungen um so mehr anzuerkennen\nwaren, als er die Partie ganz unvorbereitet übernahm, in-\ndem Herr Stockhausen, dem sie bestimmt war, in der\nProbe heiser wurde und sie abgeben musste. So vorzüglich\nStockhausen als Liedersänger ist, so war es doch nach den\ngemachten Erfahrungen ein Missgriff vom Comite, ihn für\ndie Arien im Messias zu engagiren, wozu er das Material\nnicht hat, an welchem es ihm überhaupt für so grosse Lo-\ncale, als die musikfestlichen kolossalen Aufführungen ver-\nlangen, gebricht. Bei Anstrengung seiner kleinen Stimme,\num alsdann dem Bedürfnisse zu genügen, wird sich stets\ndieselbe Erscheinung wiederholen, wie hier. Aber auch am\nzweiten Tage, wo eine französische Arie und einige deut-\nsche Lieder iür ihn auf dem Programme standen, trat er\nnicht auf— was allerdings zu bedauern war und von einem\ngrossen Theile der Zuhörer übel vermerkt wurde.\nDas zweite Concert dirigirte Herr Hof-Capellmeister\nL. Schindelmeisser. Das Programm des ersten Theiles\nwar gut: Beethoven's Eroica und Mendels sohn's\nLorelei. Die Auslührung der Sinfonie erreichte freilich noch\nnicht den Grad der Präcision und des Ausdrucks, noch das\nbegeisternde Feuer und die Energie, welche sie erfordert,\nund die Fest-Orchester am Niederrheine stehen in ollem dem\nhöher. Da ich den Proben nicht beiwohnen konnte, so habe\nich kein sicheres Ortheil darüber, ob manche Schwächen\nder übrigens im Ganzen immerhin imposanten Aufführung\nan dem Orchester oder an dem Dirigenten lagen. Gegen\ndas beschleunigte Tempo des Fugensatzes im Trauermarsch\naber, als ob jetzt die Cavallerie im Trab ankäme, muss ich\nmich erklären; gerade hier ist die Breite und Schwere in\nTempo, Ton und Ausdruck ganz an ihrer Stelle und durch-\naus nothwendig. Freilich darf das Tempo des ganzen Satzes\nnicht zu schleppend sein.\nIn der zweiten Abtheilung, die allerlei brachte (wobei\nman übrigens doch die billige Rücksicht walten lassen muss,\ndass diese zweite Hälfte gleichsam die Stelle des am Nie-\nderrheine gewöhnlichen so genannten Künstler-Concertes\nam dritten Tage vertreten sollte), waren natürlich die Vor-\nträge von Vieuxtemps das Würdigste und Glänzendste.\nDaneben mussten freilich die Leistungen eines sonst recht\nwackeren Pianisten und tüchtigen Musikers, des Herrn\nPauer, in den Hintergrund treten, der ein Rondo von\nWeber und eine Cascade von seiner Composition, freilich\nkeine angemessene Wahl lür ein Musikfest, spielte. Solo-\nstücke fürs Ciavier ohne Orchester gehören durchaus nicht\nauf ein Musikfest; eben so wenig der Vortrag von Liedern"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.7", "texte": "i von Frau Leisinger und Fräul. Diebt), wenngleich Schu-\nberts Erlkönig unstreitig eine herrliche Composition ist, in\nder die erstere, sonst vortreffliche Sängerin übrigens nicht\nso genügen konnte, als in der Lorelei, wo sie wirklich be-\nwundernswerth war.\nAn auswärtigen Künstlern und Dirigenten unter den\nZuhörern fehlte es nicht, doch war die Versammlung nicht\nso reich daran, wie im Frühjahre in Düsseldorf. Aus Ber-\nlin war Emil Naumann da, aus Weimar Joachim\nRaff, dessen Oper in Wiesbaden gegeben worden oder ge-\ngeben werden soll, aus Strassburg Liebe u. s. w. Ihre\nGegend hatte die Herren Turanyi aus Aachen, Tausch\naus°Düsseldorf, Weinbrenner aus Elberfeld u. s. w. ge-\nsandt. Hiller war nur am zweiten Tage und auch da\nnur während einer kurzen Zeit hier.' Anch io.\n\nAus Gran\n*).\nDen 30. August 1856.\nBis zu diesem Augenblicke konnte ich buchstäblich nicht einen\nFleck finden, um nur eine Zeile schreiben zu können. Wir kamen\num 4 Uhr gestern Nachmittags trotz Sturm und Regen, der uns\ndie ganze Reise begleitete und uns in die dumpfige Cajüte ver-\nwies, glücklich in Gran an. Beim Aussteigen war me.ne erste Er-\nkundigung nach Liszt; der pesther Dampfer war noch nicht da.\nNun wartete ich aufs pesther Schiff, das endlich um 7 Uhr kam,\nnämlich alle pesther Musiker, das Conservatorium, Lls z t, Singer,\nDoppler, Supper, Winterberger, Prukner, Dr. Hunyady, Brand,\nBreuer Pfeiffer, Kohne, C. Strauss, Dunkl, Graff, Haslinger und\nEd. Liszt sind erst heute nachgekommen. Ferner Graf Raday, der\nsich sehr viel mit mir zu schaffen macht und mich dringend bat,\nnach Pesth zu kommen, wo er eine ungarische Oper aufführen\nlassen will Leo Festetics, der eine halbe Rolle spielt, Baron Au-\nsuss welchen mich sämmtlich Liszt vorstellte. Liszt nahm die iür\nihn im Pfarrhause eigens hergerichtete Wohnung nicht an, sondern\nblieb in der Cabine in collegialer Eintracht mit den übrigen Musi-\nkern auf dem Schiffe. Nun hatte ich auch keine Wohnung, und\nauf dem Schiffe war kein Platz, weil alle Musiker darin schlafen\nmussten, für welche das Schiff bestimmt war. Liszt war so lie-\nbenswürdig, mir für die Nacht einen Platz in seiner Cabine auf\ndem Sopha anzubieten. Morgens wollte ich schreiben, allem es war\nunmöglich; Einer gab dem Anderen die Thürschnalle in die Hand,\nso dass ich mich anzog und auf gut Glück auf Wohnungs-Ent-\ndeckungsreisen in die Stadt marschirte, und siehe da, nach zwei\nStunden, wo ich durch wenigstens zehn Gassen (mehr sind nicht)\nund 60—70 Häuser meine Visitationen gehalten, fand ich eine zwei\nSchuh breite, 3 Schuh lange Mansarde, wofür ich täglich 5 Fl.\nzahlen muss, was noch ein Fund ist, da man 50-60 Fl. für drei\nNächte verlangt. Freilich sitze ich an einem dreibeinigen Tische\nund schlafe auf Federn, die auf dem Kukurntzfelde wuchsen und\nüber ihre Abstammung nur eine leichte Hülle eines „spagattuch-\nähnlichen\" Leintuches breiten; mit dem Mantel durfte ich mich\nzudecken.\nWas die Messe betrifft, der ich als erste Generalprobe in der\nKirche beiwohnte, so ist es ein kolossales, in vielen Beziehungen\nwunderbares Werk. Aber die Aufführung hier in der Basilica muss\nohne Wirkung bleiben; denn man nimmt unten im Schiff der Kir-\nche, ihrer schlechten akustischen Bauart halber, keine Note aus.\nDie Ilesonnanz ist so stark und die Brechung der Schallwellen so\nvielfach und träge, dass man nichts als ein wirres Gesumme von\nTönen hört. Ein Detail-Urtheil fehlt mir bis jetzt vollständig. Ich\nwerde also wahrscheinlich nach Pesth gehen, um dort die Messe,\nwelche Donnerstag gegeben wird, hören zu können. Samstag ist\ndas Concert.\nIch schliesse, um die Post nicht zu versäumen, die um 5 Uhr\nAbends abgeht und mehrere englische Meilen ausser der Stadt liegt.\nSeine Majestät der Kaiser hätte um 4 Uhr kommen sollen, ist aber\nnoch nicht da. Ein schauderhafter Sturm hat heute den ganzen Tag\ngewüthet und von den Decorirungen Vieles verdorben; an eino\nIllumination ist heute nicht zu denken.\n•) Wörtlich aus den Wiener Blättern für Musik u. s. w., Nr.\n71 vom 2. September. Die Kedaction.\n\nAus Salzburg.\nDen 18. August 1856.\nZur Feier des Allerhöchsten Geburtsfestes Seiner Majestät un-\nseres gnädigsten Kaisers Franz Joseph wurde im Dome von Sr.\nExc. dem Hochw. Herrn Fürst-Erzbischofe Maximilian ein so-\nlennes Hochamt abgehalten. Das Mozarteums-Orchester brachte\nhierbei die herrliche C-dur-Messe Mozart's zur Aufführung, worin\ndie berühmte Künstlerin Frau Leopoldine Herrenburg-Tuc-\nzek, k. Preussische Kammersängerin, die Sopran-Partie übernom-\nmen hatte und zu diesem Zwecke mit liebenswürdigster Bereitwil-\nligkeit eigens aus Ischl hieher gereis't war. Ihr hinreissender künst-\nlerischer Vortrag der ganzen Sopran-Partie, besonders des würde-\nvollen Agnus Deiund eines schönen grossen Offertoriums von\nHummel (mit Oboe-Solo, gespielt von Herrn Jellinek), so wie\nihre klangvolle, sympathische Stimme erfüllten die Zuhörer mit Be*\nwunderung. Dieser Act der Pietät von Seite dieser ausgezeichneten\nKünstlerin verdient um so mehr rühmend hervorgehoben zu wer-\nden, als gerade in neuester Zeit namhafte Sänger und Sängerinnen\nsich nicht eben beeifern, ihre Verehrung für Mozart in anspruchs-\nloser und kunstbegeisterter Weise darzulegen.\nIn Salzburg weilt seit Kurzem Karl Mozart, ein liebens-\nwürdiger Greis von 70 Jahren. Er ist aus Mailand gekommen,\num dem Säcularfeste anzuwohnen, und bekanntlich der einzige\nnoch lebende Sohn von W. A. Mozart. Das Fest-Comite hat ihn\nbereits freundlich begrüsst, und das Mozarteum ihm eine Serenade\nals Willkomm gebracht. Auch die Liedertafel hat ihm ihr Ständ-\nchen gebracht.\nUnter den Gegenständen, welche in Salzburg den Fremden wäh-\nrend der Mozart-Säcularfeier anzogen, steht Mozart's Geburtshaus\nwohl in erster Reihe. In dem dritten Stocke des in der Getreide-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560913-01.1.8", "texte": "Gasse gelegenen Hauses erblickte Mozart das Licht der Welt. In\ndiesen Räumen waren für die Dauer der Festzeit die Original-Fa-\nmilien-Porlraits, das Medaillon aus Ruchsholz von Rosch in Wien,\nder Concertflügel Mozart's von Walter, ein Spinett aus Mozart's\nSterbewohnung (erslerer von dem Sohne Karl, letzteres von der\n\"Witwe dem Mozarteum geschenkt), die kleine Halbgeige von An-\ndreas Ferdinand Maier, Geigenmacher in Salzburg 1746, auf wel-\ncher W. A. Mozart die Violine zu spielen anfing, die Violine (von\nJakob Steiner in Absam 1659), deren sich Mozart bei Concerten\nund anderen Gelegenheiten bediente, die im Resitze des Mozar-\nteums befindlichen Handschriften und mehr als 400 Rriefe von\nLeopold und W. A. Mozart, die Original-Manuscripte eines Orato-\nriums aus dem Jahre 1766, der Sinfonie in C-dur mit der Schluss-\nfuge und der Partitur der Zauberflöte, das Stammbuch und andere\nRelicten Mozart's ausgestellt.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Fräul. Auguste Brenken hat auf ihrer Rückreise\nvon Paris nach ihrer Vaterstadt Soest einige Wochen hier zu-\ngebracht. Die acht Monate ihres Aufenthaltes in Paris und ihre\ndortigen Gesang-Studien sind von vorteilhaftem Einflüsse auf ihre\ntechnische Ausbildung und glücklicher Weise nicht von nachteili-\ngem auf ihre Stimme gewesen. Diese hat ihre schöne Fülle und\nKraft nicht nur behalten, sondern sie hat, was man selten von den\naus Paris zurückkehrenden Sängerinnen sagen kann, sogar an Aus-\ngiebigkeit gewonnen, wovon wir uns durch den Vortrag mehrerer\nArien im hiesigen Theater-Locale mit Vergnügen tiberzeugt haben.\nWir hoffen, dass sich Fräul. Brenken der Bühne widmen wird,\nauf welcher ihr ohne Zweifel eine grosse Zukunft bevorsteht.\nRubinstein's Oratorium, „Das verlorene Paradies\", kommt\nin Weimar unter des Componisten eigener Leitung zur Aufführung.\nMarsch n er ist von seiner Reise bereits wieder nach Han-\nnover zurückgekehrt.\nW\nDie Bibliothek des Organisten Becker, welche jetzt der leip-\nziger Bibliothek übergeben wird, enthält 1414 theoretische Schrif-\nten, 552 Choralwerke aller Confessionen von 1450 1852, 227 Stück\nseltene alte Original-Druckwerke und Handschriften aus dem sechs-\nzehnten und siebenzehnten Jahrhundert, 1250 Nummern von Co-\npieen der Tonwerke älterer Meister, so wie von Manuscripten und\nOriginal-Drucken der Tonwerke des achtzehnten und neunzehnten\nJahrhunderls u. s. w. Die Bibliothek wird besonders nach dem\nvorhandenen Kataloge aufgestellt und (ührt den Namen: „C. F.\nBeckers musicalische Bibliothek\".\nWien. Dr. Hanslik wird dem Vernehmen nach Vorle-\nsungen über die Aesthetik der Tonkunst an der hiesigen Univer-\nsität hallen.\nDie am 29. August zum ersten Male gegebene komische Oper\noder vielmehr Operette in zwei Acten: „Der Kadi\", mit Musik von\nAmbroise Thomas, dem durch seine Oper „EineSommernacht\"\nhier bereits bekannten französischen Opern-Componisten neuester\nZeit, hat in Paris ausserordentlich gefallen und unzählige Vorstel-\nlungen erlebt, und hat auch hier im Verein mit der grösstenteils\nlebendigen und guten Ausführung einen günstigen Erfolg gehabt.\nDie Arie des Tambour-Majors, namentlich der zweite Theil, die\nScene des Gebet-Ausrufes vom Minaret mit dem später einfallen-\nden Chor, das Duett zwischen Falhme und Gentil im zweiten Acte,\ndie beiden Finales haben sehr und mit Recht gefallen. Ueberhaupt\nzeigt sich in Allem der gewandte, geislreiche Tonsetzer, dem die\nnötigen Pointen, wo es gilt, zu Gebote stehen, wenn er auch we-\nnig Ursprüngliches zu bringen vermag. Fräul. Liebhardt, dann\ndie Herren Holzel und Wolf waren wie immer in diesem Rol-\nlenfache ausgezeichnet, und auch die Herren Maierhofer (Kadi)\nund Campe (Harems-Aufseher) befriedigten in ihren sehr burles-\nken Parlieen das zahlreiche, gut gestimmte Publicum.\nAm 27. August Nachmittags fand von Nonnenhorn aus in Was-\nserburg am Bodensee die Beerdigung Lintpaintner's Statt. Eine\nDeputation aus Stuttgart, die Liederkränze aus Tetlnang, Lindau,\nzahlreiche Freunde und Verehrer des Verstorbenen aus Würtem-\nberg, Baden, Baiern, aus der Schweiz, besonders aus St. Gallen,\nhatten sich eingefunden, dem hochverdienten, allgemein geliebten\nManne die letzte Ehre zu erweisen. Ein Trauer-Quartett und an-\ndere Trauerlieder wurden an seinem blumenbekränzten Grabe ge-\nsungen, der Pfarrer aus dem an der Argen gelegenen würtember-\ngischen Dorfe Leimnau hielt die Leichenrede, und der im Augen-\nblicke der Grablegung am Ufer bei Wasserburg vorüberfahrende\nk. würtembergische Dampfer senkte die Flagge und verkündete\nweithin durch Kanonenschüsse die Huldigung für den Verstorbenen.\nBelgien hat an Componisten und Virtuosen der Gegenwart\nfolgende zum Theil sehr berühmte Namen aufzuweisen: Fetis\naus Möns; Grisar, Eykens, die Gebrüder Gregoir aus Ant-\nwerpen; C. L. Hanssens, Limnander, Gevaert aus Gent;\nSo u Ire aus Lüttich. Dann de Beriot, Vieuxtemps, Leo-\nnard, Massart, Haumann, Dubois, Dupuis für die Vio-\nline; Servais für Violoncell; G odefroy für Harfe; Madame\nPleyel, A. Dupont für Pianoforte; Blaes, Wuille für Clan-\nnette; Reichert für Flöte; Lern mens für Orgel.\nDer k. k. Kammer-Virtuose Leopold v. Meyer, welcher in\nAlexandria von Said Pascha mit einem mit Brillanten und Dia-\nmanten besetzten Yatagan d'honneur beschenkt wurde, hat in Odessa\nin Folge einer Aufforderung des General-Gouverneurs Grafen Stro-\nganoff drei überfüllte Concerte gegeben, welche ihm nebst den\nenthusiastischen Auszeichnungen mehr als 4000 Silberrubel ein-\nbrachten. Auf Wunsch Sr. Majestät des Kaisers Alexander von\nRussland begab sich Meyer nach Moskau, um bei den dortigen\nKrönungs-Feierlichkeiten mitzuwirken."}]}