{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-09-27-01", "volume": "bmtnabi_1856-09-27_01", "ocr_sha256": "7d030dd36304360a61692cefabe5d2f34bc13c1d61d91586afb10b2c4e8bfa43", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/09/27_01/bmtnabi_1856-09-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-27_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-09-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "309", "page_fin": "309", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 393, "texte": "Inhalt.\nDas Mozartfest in Salzburg. 11. Das Musikfest zu Bradford am 26.-28. August. Original-Handschriften von W. A.\nMozart. - Bordogni's Studienwerke tür Gesang. - Tages- und Unterh alt ungs blatt (J. A. van Eyken's Orgel-Concerte - „Das\nPianoforte\", Sammlung von Original-Compositionen - Wien, F. Litzt, Männergesang-Yerein Johann Strauss Aus Liszt's Erlebnis-\nsen Quartette von Donizetti)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-27-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-27_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-09-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "309", "page_fin": "311", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.2.2", "titre_corps": "Das Mozartfest in Salzburg.", "titre_sommaire": "Das Mozartfest in Salzburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.1", "debut_caractere": 395, "fin_caractere_exclue": 3496, "texte": "Das Mozartfest in Salzburg.\nII.\n(S. I. Nr. 38.)\nDas Publicum war sehr zahlreich und sehr angeregt\nund dankbar. Es mochten wohl über 1500 Personen in\nder Aula anwesend sein. In einer Loge befand sich die\nKaiserin-Mutter und der König Max von Baiern; auf den\nersten Reihen der Sperrsitze der Erzbischof und mehrere\nhohe Prälaten.\nDie Eintrittspreise betrugen lür jedes Fest-Concert\ndrei, zwei und einen Gulden, lür das Gesangfest der Lie-\ndertafeln einen Gulden, vierzig und zwanzig Kreuzer. Freien\nEintritt hatten alle, die mit der rothen Festschleife ge-\nschmückt waren, wodurch das Comite auf den Ertrag von\nmehr als 500 Plätzen bei den Fest-Concerten verzichtete.\nDa nun die Entschädigung lür das Orchester u. s. w. dem\nVernehmen nach 2300 Gulden betragen soll und die\nübrigen Fest-Unkosten bedeutend sein müssen, so wird dem\nMozarteum wohl kein namhafter Ueberschuss zufliessen.\nSehr interessant war der Besuch des Geburtshauses\nvon W. A. Mozart. In dem dritten Stocke des Hauses Nr.\n225 in der Getreidgasse erblickte er das Licht der Welt.\nIn diesen Räumen waren für die Dauer des Festes zur An-\nsicht ausgestellt die Original-Familienbilder, das Medaillon\nin Buchsbaumholz von Bosch in Wien, der Concertflügel\nMozart's von Walter in Wien, ein Spinett aus Mozart's\nSterbehause (ersterer von seinem Sohne Karl, letzteres von\nseiner Witwe dem Mozarteum geschenkt), die kleine Halb-\ngeige (von A. F. Maier, Hof-Geigenmacher in Salzburg,\n1746), auf welcher Mozart Violine lernte, die Geige (von\nJakobSteiner in Absam, 1659), welche Mozart in Con-\ncerten u. s. w. spielte; ferner die Handschriften, welche\ndas Mozarteum besitzt, an 500 Briefe von Leopold und\nW. A. Mozart, die von Herrn Andre in Offenbach zur\nAuflage bei dem Feste freundlichst überlassenen Handschrif-\nten eines Oratoriums aus dem Jahre 1766, der Sinfonie\nin C-durmit der Fuge, der Partitur der Zauberflöte, das\nStammbuch und andere Merkwürdigkeiten aus Mozart s\nNachlass. Den Mitwirkenden stand der Eintritt zu diesen\nRäumen (so wie zu allen anderen vorhandenen Sammlun-\ngen und Vereins-Localen) frei, und jeder von ihnen empfing\n„ zur Erinnerung an Mozart's Geburtshaus und an das Sä-\ncularfest in Salzburg 1856\" ein lithographirtes Blatt, wel-\nches einen Abdruck von Mozart's Handschrift—zehn lacte\neines Geigen-Quartetts in B-dur—mit seinem Namenszuge\nund die Abbildung seines Geburtshauses enthält. Ausser-\ndem wurde auch noch ein elegant gedrucktes Heft: »Mo-\nzart. Zwölf Canzonen von Ludwig Ritter von Kochel\" -\nvertheilt, gut gemeinte Ergüsse der Verehrung des grossen\nMeisters.\nUnter den Ehrengästen befanden sich unter Anderen\naus Wien Professor Fischhoff, Otto Prechtler, Dr.\nEd. Hans Ii k, aus Graz Capellmeister Netz er, aus Köln\nMusik-Director Fr. Weber, aus Breslau Musik-Director\nMosewius, und vor Allen das einzige noch lebende Mit-\nglied der Mozart'schen Familie, Herr Karl Mozart aus\nMailand.\nAm zweiten Festtage (dem 8. d. Mts.) wurde beim\nHochamte im Dome eine ungedruckte Messe in C-dur von\nMozart aufgeführt, die er in Salzburg 1776, also im 20.\nJahre seines Alters, geschrieben hat. Anfang des in\nden Violinen:"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4331, "texte": "Sie ist sehr lang und steht nicht auf gleicher Höhe mit den\nanderen Kirchen-Compositionen Mozart's; im Credo ist je-\ndoch eine treffliche Fuge:\net vitamu. s. w., welche bei der Engführung auf den\nschlechten Tacttheil:\nrecht schwierig, aber sehr effectvoll wird. Die ganze Messe\nwurde unter Leitung des CapelJmeisters Taux vorzüglich\ngut aufgeführt. Einlagen waren Ave verum und Alma Dei.\nDas Gesangfest der Liedertafeln sollte auf dem Mönchs-\nberge gehalten werden, dfer mit seiner wundervollen Aus-\nsicht in die salzburger Gebirgswelt den Sängern und Zu-\nhörern eine herzerhebende Stimmung gegeben haben würde;\nallein der Himmel wollte es nicht und sandte Regen herab,\nder noch stärkere Nachfolge drohte. So fand das Sänger-\nConcert denn auch in der Aula Statt; jedoch den Festzug\nliess man sich nicht nehmen, und er setzte sich nach Vor-\nschrift des Programms in Bewegung.\nVierzehn Liedertafeln aus Wien, Linz, Passau, Lands-\nhut, München, Innsbruck, Berchtesgaden, Salzburg u. s. w.\nsetzten sich in Bewegung, mit schönen goldgestickten Fah-\nnen und Standarten, die mit frischen Kränzen geschmückt\nwaren; ihnen voran wurden eine Menge von Pocalen in\nallen Formen getragen, gleichsam als Symbole des Sprüch-\nwortes: Cantores amant humores! Die Herolde, Schild- und\nFahnenträger waren stattlich ausstaffirt und erinnerten an\ndie alten guten Zeiten des kölner Carnevals.\nDer Festgesang sollte um 3 Uhr beginnen, um welche\nZeit auch alle Sänger in der Aula versammelt waren. Allein\ndie Allerhöchsten Herrschaften, die Kaiserin-Witwe, der\nKönig und die Königin von Baiern und König Otto von\nGriechenland kamen erst gegen 4 Uhr. Sie wurden mit\neinem dreimaligen Hoch empfangen.\nEine sonderbare Sitte, welche bei den süddeutschen\nSängerfesten eingeführt sein soll, wurde auch hier geübt.\nDen Sängern wird nämlich der Ton nicht durch leises In-\ntoniren des Dirigenten, sondern durch einen dreimaligen\nlauten Trompetenstoss von Tonica und Dominante:\nangegeben, und das geschah auflallender Weise selbst dann,\nwenn das Gesangstück mit einer Instrumental-Einleitung\nbegann. Dass uns das sehr störend war, können Sie leicht\ndenken.\nDas Concert begann mit dem Sängergrusse der salz-\nburger Liedertafel, dem Sinnspruche derselben:\nLied sei unser Wort,\nMozart unser Hort!\nEs ist in einfach frischer Melodie von Taux componirt\nund machte sich recht gut.\nDann folgten die drei vom Gesammt-Chor gesungenen\nLieder: 1) Bundeslied von Mozart in G-dur, „Brüder,\nreicht die Hand zum Bunde\", das recht voll und schön\nklang; 2) Kriegers Gebet: „Du bist, o Herr, mein Stern\nbei Nacht\", von Prokesch von Osten, Musik von F. Lach-\nner, in Es-dur, eine schöne Composition, die auch recht\ngut ausgeführt wurde; 3) Festgesang an die Künstler von\nF. Mendelssohn-Bartholdy. Dieses Stück gelang\nnicht so gut, wie die übrigen. Es klang ziemlich matt, griff\nnicht präcis und kräftig genug in einander, auch war das\nTempo des letzten Satzes nicht feurig genug, und der\nSchluss ohne jene erhebende Steigerung, welche sich bei\nrichtigem Tempo und schwunghaftem Vortrage von selbst\nmacht. Die Composition konnte desshalb nicht zur wahren\nErscheinung kommen und folglich auch das Publicum nicht\nso befriedigen, wie das sonst der Fall ist.\nDer ganze Sängerchor zählte zwischen 6—700 Per-\nsonen, und im Ganzen wurde unter Leitung des Herrn\nStorch aus Linz gut gesungen. Dass die Sänger häufige\nBesuche in den Nebengängen des Concertsaales machten,\nwo „ein Bierverschleiss\" eingerichtet war, dürfte bei den\nanderweitigen Kehl-Anstrengungen, die ihnen zugemuthet\nwurden, nicht eben scharf zu rügen sein. Die münchener\nLiedertäfler machten jedoch hiervon eine Ausnahme, indem\nsie im Saale blieben und im Eck hinter dem Vordertreffen\nder Sänger einem ihrer grossen Poeale, den sie mit Bier\nfüllen Hessen, zusprachen.\nVon den Einzel-Vorträgen begann die Liedertafel aus\nInnsbruck den Reigen. Ihr Wahlspruch enthielt einen\nAufruf an das deutsche Vaterland. Dann sangen sie „Kennst\ndu das Land, wo die Citronen blühen?\" componirt von\nNagitter, ohne grosse Wirkung, das Wanderlied von Schulz\ndagegen gut und mit starkem Applaus, der übrigens, was\nein für alle Mal gesagt sei, nirgend fehlte.\nDie von Linz (Dirigent A. M. Storch), vorab den\nWahlspruch:\nEin Hoch dem deutschen Lied wir bringen\nUnd allen Brüdern, die es singen!\ntrugen „Die Liebe\" von F. Lachner recht gut, nur etwas"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3993, "texte": "zu manierirt, vor; den „Abschied\" von Storch, mit oft\nwechselndem Tempo, sangen sie sehr präcis; nur am Schlüsse\nklangen einige Falset Töne (hoch und etwas trivial,\nda einige Tenoristen ihre dicken Stimmen nicht kunslmässig\ngenug zu behandeln wussten.\nJetzt trat der Gesammtchor wieder mit drei Liedern\nauf: 1) Abendlied: „Wie herrlich sind die Abendstunden\",\nF-dur, von Mozart unsicher im Tact und nicht ganz\nrein; 2) „Grün\" von J. N. Vogl, Musik von A. M. Storch\n(Ges-durl es hätte eben so gut in oder stehen\nkönnen), eine recht hübsche Composition, die auch gut ge-\nsungen wurde; 3) „Frau Musica\" von F. Rochlitz\nklang etwas matt.\nDie Liederfafel aus München, mit dem Wahlspruche:\nEcce quam bonum,trug den „König in Thüle\", eine artige\nComposition von Veit in Prag, im Ganzen gut vor; ferner\nein Lied aus Waldmeisters Brautfahrt, recht gut in Musik\ngesetzt von ihrem Dirigenten Baron von Perfall. Zu der\nAusführung war der erste Tenor für den Vortrag der\nPiano-St eilen nicht ausreichend.\nDie von Passau, „derbe Knaben\", wie man hier\nsagt, waren in blumengeschmückten Stellwagen daher ge-\nfahren und lagerten auf Verlangen in Einem Saale mit 20\nBetten. Sie gaben „Die prager Studenten\" von Lenz und\n„Den gefangenen Jäger\" von Schubert zum Besten. Sie\nrepräsenlirten den Volksgesang, wobei es denn mit gefeil-\nter Glätte, Tonhalten und dergleichen nicht so genau ge-\nnommen werden darf.\nEin declamatorisches Intermezzo war jetzt die Huldi-\ncungsrede des Herrn Staats-Anwalts Wulfen von München\no o\nan die anwesenden Majestäten. Dass dieselbe eine sehr starke,\nausschliesslich baierische Färbung hatte, zeugte bei einem\ndeutschen Feste eben nicht von Tact, der bei einer musi-\ncalischen Feier doch am wenigsten fehlen darf.\nDer Männergesang-Verein von Wien wurde gleich\nbei seinem Auftreten mit Applaus empfangen. Sein erstes\nLied: „Im Grünen\", von Geibel, Musik von Esser, trug\ner vortrefflich vor; das zweite, Mendelssöhn's „Liebe\nund Wein\", mit dem Bass-Solo, gelang nicht so gut, war\nzu derb aufgetragen. Nach dem rauschendsten Beifall und\nDacaporuf sangen die Wiener noch Schub er l's „Nacht-\ngesang im Walde\" mit Clavier-Begleitung statt der vier\nHörner. Diese wunderliebliche Composition wurde sehr\ngut gesungen und sehr schön begleitet.\nDie drei letzten Gesammtchöre waren Mozart's „0\nIsis\", S ch umann's Chor: „Bist du im Wald gewandelt\"\naus „Der Rose Pilgerfahrt\", und Mendelssöhn's Chor\nin F-dur aus Oedipus in Kolono s. Der zweite wurde\nam besten gesungen; in dem dritten waren die zwei Chöre\nnicht gleichmässig besetzt, auch leuchtete hier und da eine\nBegeisterung durch, die wohl nicht bloss in der Kunst ih-\nren Ursprung hatte. Der Chor aus der Zauberflöte war\neine sehr mittelmässige Leistung, welche durch die eigens\ndazu gemachte Begleitung von Clarinetten, statt der Violi-\nnen, ohne Violen und Violoncells, mit Bass-Tuba u. s. w.\nwahrlich nicht gehoben wurde. Ueberhaupt hätte man wohl,\nsobald es einmal entschieden war, dass das Sänger-Concert\nin der Aula sein müsse, das vorhandene vollständige Or-\nchester hierzu und zu einer oder zwei Ouvertüren be-\nnutzen können.\nStatt des angekündigten Liedes „Prinz Eugenius\", das\nvom ganzen Publicum mitgesungen werden sollte, wurde\n„Das deutsche Lied\" von Kalliwoda angestimmt, wel-\nches fast alle Liedertafeln auswendig konnten. Zum Schlüsse\nbrachte der Festredner, Advocat Wulfen, dem Dirigenten\nStorch ein wohlverdientes und donnernd wiederhallendes\nHoch. Dann zogen die Fahnen und Poeale mit ihren Trä-\ngern nach dem Casino, wo bis spät in die Nacht gesungen,\ngezecht und gejubelt wurde. Die Stimmung war eine recht\nfestliche und durch keinen Misston gestört. Einige Trupps\nwanderten noch nach dem St.-Petrus-Keller, um dort mit\ndem echten Gewächs aus Ungarn schliesslich Bekanntschaft\nzu machen, was zu beiderseitigem Genügen geschah.\nSo machten wir denn, wie überhaupt an dem Feste,\nbesonders an diesem Tage ein recht heiteres und frisches\nStück süddeutschen Lebens mit durch, das uns lange irt\nder Erinnerung bleiben wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-27-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-27_01#c007", "volume": "bmtnabi_1856-09-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "311", "page_fin": "313", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.2.3", "titre_corps": "Das Musikfest zu Bradford am 26.—28. August.", "titre_sommaire": "Das Musikfest zu Bradford am 26.—28. August.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.3", "debut_caractere": 3995, "fin_caractere_exclue": 4761, "texte": "Das Musikfest zu Bradford am 26.—28. August.\nDie Stadt Bradford in Yorkshire ist seit dem Jahre\n1853, in welchem der Bau des neuen Concertsaales der\nSt.-Georgs-Halle vollendet wurde*), in die Reihe derjenigen\nStädte in England getreten, welche grosse Musikfeste ver-\nanstalten. Das gegenwärtig gefeierte war das zweite an die-\nsem Orte, da das Fest statutmässig nur alle drei Jahre hier\nStatt finden soll.\nEs begann am Dinstag den 26. August mit einem\nMorgen-Concerte, in welchem Mendelssöhn's Elias\naufgelührt wurde.\n\n*) Wir haben diese Concerthalle, ihre Einrichtung, treffliche\nAkustik und herrliche Beleuchtung in dem Art. 111. unserer\nSchilderung der musicalischen Zustände in England\n(Jahrg. 1854, Nr. 32 vom 14. August) ausführlich beschrieben.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5060, "texte": "Diese Aufführung hatte noch ein besonderes histori-\nsches Interesse. Gerade vor zehn Jahren, am 26. August\n1846, hatte der unsterbliche Meister zu Birmingham\ndie erste Aufführung seines Elias selbst geleitet. Wie-\nderum zehn Jahre früher (den 22. Mai 1836) gab er zum\nersten Male seinen „Paulus\" in Düsseldorf. Jene Auffüh-\nrung zu Birmingham war von 1858 Personen besucht,\nund die Einnahme betrug 1714 Pf. St. und 11 Shill.\n(über 11,000 Thlr.). Den Elias sang Staudigl; die übri-\ngen Solisten waren die Damen Caradori, Allan, Bassano,\nA. Williams, Hawes; die Herren Hobbs, Lockey, Philips\nund Machin. Am 16., 23., 28. und 30. April 1847\nwurde der Elias mit Aenderungen und Zusätzen, die Men-\ndelssohn in der Zwischenzeit gemacht hatte, zu London\nvon der Sacred Harmonie Society in Exeter Hall aufgeführt.\nAlle diese Aufführungen dirigirte Mendelssohn ebenfalls\nselbst. Leider blieben die Anstrengungen während dieser\nseiner letzten Anwesenheit in England nicht ohne traurigen\nEinfluss auf seinen Körper; zu spät fasste er den Ent-\nschluss, sich auszuruhen: ihm wurde die ewige Ruhe.\nSeitdem blieb während der nun verflossenen zehn\nJahre die Vorliebe der Engländer für dieses Oratorium im-\nmer im Wachsen, und es theilte fast auf allen Musikfesten\nin der Provinz stets mit Händel's Messias die Ehre der\nAufführung. In London hat die\nallein das Werk vierzig Mal aufgeführt. Nimmt man\ndazu noch die unzähligen Aufführungen in anderen Ver-\neinen und in Städten, deren Concerte nicht auf den Namen\nvon Musikfesten Anspruch machen, so steht fest, dass die\nGeschichte der Musik in England kein Beispiel aufweis't,\ndass ein Werk durch sich selbst eine so ausserordentliche\nTheilnahme und Verbreitung binnen einem so kurzen Zeit-\nräume jemals erlangt habe, als Mendelssohn's Elias.\nDer Himmel war den Vorbereitungen zu dem diesjäh-\nrigen Feste nicht günstig; die Regenschauer, die Sonnabends\nund Sonntags vorübergehend herabfielen, endigten Montags\nmit einem anhaltenden Herabgiessen. Sie kennen Bradford,\nwerdenSich also eine Vorstellung von dem dermaligen Zu-\nstande dieses Rauchloches machen können. Am Dinstag\nwar es glücklicher Weise klares Wetter, und im Sonnen-\nschein stieg der mannigfache Dampf aus den Kaminen und\ndem Erdboden in die Höhe; allein der spärliche Besuch\ndes Festes war doch wohl zum Theil auch der atmosphä-\nrischen Ungunst der vorigen Tage zuzuschreiben, anderen-\nteils aber zweifelsohne den übermässig theuren Eintritts-\npreisen. Die Stalls eine Guinee, die Plätze in der Area\n(dem Saale zu ebener Erde) 15 Shill., auf der vorderen\nGalerie 10 Shill. und auf der äussersten 7 Shill. (die beim\nConcerte Ihres kölner Männergesang-Vereins nur 1 Shill.\nkostete und damals mit mehr als 1500 Menschen gefüllt\nwar)—das war doch den Bradfordern etwas zu stark, und\nso waren denn auch im Elias nur zwei Drittel der Halle\nund Abends kaum ein Drittel besetzt. Dennoch gingen\nbeim Elias beinahe 1000 L. St. ein. Eine Häkelei zwischen\nder Sängerin Miss Sunderland auf der einen und dem Co-\nmite und dem Dirigenten Costa auf der anderen Seite ver-\nanlasste die Nicht-Theilnahme dieser Künstlerin, einer Be-\nrühmtheit hier zu Lande, was denn auch manche Local-\nPatrioten von dem Besuche abhielt, weil\nprano zurückgesetzt worden.\nDie Ausführung des Elias war recht gut; das Or-\nchester, 100 Personen stark, zählte die besten Kräfte\nder londoner Oper zu Mitgliedern, und der Chor von 230\nMitwirkenden bewährte den Ruf guter Stimmen, in dem\nYorkshire steht. Solisten waren die Damen Novello, Weiss,\nSherrington, Huddart, Viardot Garcia; die Herren Sims\nReeves, Montem Smith, Weiss u. s. w. Auszuzeichnen wa-\nren die Arien „ Höre, Israel\" durch Clara Novello, die Alt-\nArien durch Mad. Viardot und das Terzett der Engel durch\nbeide und Mad. Weiss. Herr Weiss sang den Elias mit\nmehr als gewöhnlicher Kraft und Correctheit. Costa wurde\nhöchst ehrenvoll empfangen. Hier und da fielen in den Chö-\nren jedoch einige Ungenauigkeiten vor.\nDas Abend-Concert brachte Mozart's -\nnie, eine reiche Auswahl von Sologesängen, unter denen\ndie Vorträge der Alboni und von Karl Formes am meisten\nglänzten, die Ouvertüren zur (!) und zu Ana-\nkreon und eine neue Cantate, von J.L.Hat-\nto n. Letztere war besonders für das Fest componirt und\nwurde vom Publicum sehr wohlwollend aufgenommen. Hat-\nton ist ein tüchtiger Musiker, allein es fehlt ihm Erfindung\nund schöpferische Kraft, wiewohl einige Nummern, nament-\nlich eine Ballade für Tenor, recht hübsch sind.\nCosta's Oratorium „Eli\" (am Mittwoch Morgen), ob-\nwohl neu für Bradford, übte doch nicht dieselbe Anziehungs-\nkraft, wie der Elias, auf das Publicum. Freilich mochte\nauch der Regen wieder Viele zurückhalten. Die Chöre wa-\nren präciser als am ersten Tage; die Proben waren sorg-\nfältiger gewesen. Die Partie des Eli ist schleppend und mo-\nnoton, was auch durch den besten Vortrag nicht ganz ver-\nwischt werden kann; dennoch machte Formes grossen Ein-\ndruck damit, der hauptsächlich der Ausdauer und Pracht\nder Stimme zuzuschreiben ist. Ein schöneres Quartett, als\nNovello, Viardot, Sims Reeves und Karl Formes lässt sich"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "313", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4853, "texte": "nicht denken; bei solchen Sängern wird jede Composition\nschön.\nAm dritten Tage wurde der Messias gegeben. Das\nWetter war noch schlechter als am vorigen; dennoch war\nder Saal ziemlich besetzt. Dass die Neugier und die Erwar-\ntung eines Scandals manche Anwesende hingelockt habe,\nwollen wir zur Ehre des Publicums nicht glauben. Es\nhatte sich nämlich das Gerücht verbreitet, die „Sunderlän-\nder\" würden eine auffallende Demonstration gegen Costa\nloslassen, der übrigens wahrscheinlich ganz unschuldig an\ndem Verbrechen der Hintansetzung des yorkshirer Soprans\nwar. Der wackere Dirigent wurde jedoch mit noch grösse-\nrem Applaus empfangen, als an den vorigen Tagen, und\nder eine scharfe Pfiff, den man allerdings vernahm, diente\njjur dazu, die Hoch's und Hurrah's zu steigern.\nDen Messias hat die ganze gegenwärtige musicalische\nGeneration in England von Kindesbeinen an so oft mit ge-\nsungen und mit gespielt, dass er gar nicht schlecht gehen I\nkann; wenn nun vollends so tüchtige Kräfte, wie dieses\nMal, die Ausführung übernehmen, so ist es eben nicht zu\nverwundern, wenn sie sehr gut gelingt.\nAm Donnerstag Abends war ein zahlreiches und glän-\nzendes Publicum versammelt. Das Programm war gut:\nBeethove n's Sinfonie Nr. I. in Macfarren s\nneue Cantate „May Dayu (Mai-Tag), Ouvertüren zur Be-\nlagerung von Konnth von Rossini und zu s\nOberon, zwei Chorgesänge von Müller (?) und Bennet,\nund eine reiche Auswahl von Gesangstücken, vorgetragen\ndurch die Damen Alboni, Viardot, Weiss, Piccolomini, Sher-\nrington, die Herren Reichardt, Belotti und Beneventano.\nDie Sinfonie und die Ouvertüren gingen recht gut.\nDer Stoff der Cantate ist ein rheinischer, die „Mai-\nKönigin\". Sie hat vier Abtheilungen: „Die Wahl der Mai-\nKönigin\", „Des Jägers Wohlauf\", „Der Königin Begrüs-\nsung\", „Das Festgelag\". Die Composition wurde sehr gut\naufgenommen; der erste und letzte Theil ist gut gearbei-\ntet, was aber manchen Engländern nicht behagte, denen\nmehr die ins Ohr fallenden Gesänge gefielen. Macfarren\nselbst war nicht anwesend, er wurde indess sehr gefeiert.\nMiss Sherrington sang das Sopran-Solo.\nVon den übrigen Sängerinnen erregte die Piccolomini\neinen Sturm von Beifall; sie ist eine reizende Erscheinung,\nund Stimme und Gesang gehören auch nicht zu den ge-\nwöhnlichen. Sie sang nur Sachen von Verdi und Donizetti.\nDie Jugend war ausser sich; der Champagner floss bei den\nToasten auf die schöne Sängerin, und der Glückliche, der\neinen von ihren Handschuhen erlistet oder erobert hatte,\nbeseligte diejenigen von seinen Freunden, denen er erlaubte,\ndie Fingerspitzen desselben zu küssen. Die Alboni war fast\nganz heiser und konnte desshalb keinen Eindruck machen.\nIm nächsten Morgen-Concerte gab man den 103.\nPsalm von Mr. Jack so n, Chor-Director in St. Georgs\nHall; ferner, als gefährliche Nachbarschaft, den 114. Psalm:\n„Als Israel aus Aegypten zog\", von Mendelssohn, einige\nBruchstücke aus Leslie's Oratorium Immanuel, ein Credo\nvon Mendelssohn und eine Auswahl von kirchlichen\nSolo-Gesangstücken, vorgetragen von den Damen Novello,\nViardot u. s. w., den Herren Montem, Weiss, Sims Reeves,\nFormes u. s. w. Jackson's Psalm zeigt den kenntniss-\nvollen Musiber, das ist aber auch alles, was daran zu loben\nist; er dirigirte selbst, und seine Mitbürger applaudirten\nnach Kräften. Die Soli wurden in diesem Concerte besser\nals die Chöre ausgeführt.\nDas letzte Abend-Concert hatte wohl 4000 Zuhörer\nherbeigezogen. Man hatte den Eintrittspreis der Galerie auf\nV/i Shill. herabgesetzt. Allein dieses Publicum, obschon\nAlles von Rang und Stand aus der Stadt und Umgegend\nda war, zeigte eine mehr als schickliche Aufregung, die,\nobgleich meistens zu Gunsten der auftretenden Künstler,\nsich doch in so unruhigem und donnermässigem Beifalle\nund in so überlautem Da-(7opo-Schreien und in Lebehochs\nauf die einzelnen Sänger äusserte, dass einem Hören und\nSehen verging und man sich nicht in einem Concertsaale,\nsondern in einer americanischen Volks-Versammlung unter\nfreiem Himmel zu befinden glaubte. Von grösseren Musik-\nstücken wurde Mendelssohn's Sinfonie in (die\nman hier „die italiänische\" nennt) mit Ruhe angehört; bei\nder Ouvertüre zu Wilhelm Teil von Rossini brach der\nSturm los. Trotz dieser Begeisterung zeigten doch diese\nbradforder Gentlemen auf der Galerie (welche allein an\n2000 Menschen fasst!) mitunter einen ganz richtigen Tact.\nSo empfingen sie zwar die Piccolomini mit rauschendem\nApplaus, allein bei dem Vortrage der Arie von Mozart (aus\nFigaro's Hochzeit: Deh vieni blieben sie mit\nRecht kalt; denn Fräul. Piccolomini kann keinen Mozart\nsingen; und ein Duett ausVerdi's „Traviata\", von ihr und\nHerrn Reichardt gesungen, fand eben so wenig Gnade vor\nder Menge, die den Versuch eines Da-Capo-Ruies sehr\nenergisch zurückwies. Das Concert war übrigens selbst für\nEngländer zu lang; es war spät nach Mitternacht, als die\nletzten Zuhörer die Halle verliessen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-27-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-27_01#c008", "volume": "bmtnabi_1856-09-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "314", "page_fin": "314", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.2.4", "titre_corps": "Original-Handschriften von W. A. Mozart.", "titre_sommaire": "Original-Handschriften von W. A. Mozart.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "314", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4244, "texte": "Original-Handschriften von W. A. Mozart.\nDie Buch- und Musikhandlung von Franz Stage in\nBerlin hat ein thematisches Verzeichniss werth-\nvoller, meist noch ungedruckter Handschriften Wolfgang\nAmadeus Mozart s, mit Angabe der Preise, zu welchen\nsie käuflich zu haben sind, veröffentlicht, das durch alle\nBuchhandlungen zu beziehen ist. Es enthält 34 grössere\nWerke und 4 Skizzenblätter, im Ganzen 38 Nummern.\nDie interessantesten dürften folgende sein:\nNr. 1. Idomeneus, Oper in drei Acten, der erste\nder Sterne, die als glänzendes Siebengestirn zur Verherr-\nlichung Mozart's am deutschen Opern-Himmel leuchten,\nwurde in den Jahren 1780 —Bl in München geschaffen.\nDie Original-Partitur mit der dazu gehörigen Balletmusik\nbesteht aus 589 geschriebenen Querfolio-Seiten in drei\nLänden mit vielen Correcturen und Abänderungen, nament-\nlich im dritten Acte, der auch einige Seiten von fremder\nHand enthält, indem vermuthlich einige Blätter des Ori«i-\n-\" Ö\nnals verloren gegangen wären. Die Balletmusik, für sich\naus hundert geschriebenen Folioseiten bestehend, ist im\nJanuar 1781 componirt und enthält folgende Sätze, die\nzum grössten Theil noch ganz unbekannt und merkwürdi-\nger Weise von Mozart in französischer Sprache mit den\nNamen der damaligen Fänzer und Tänzerinnen des mün-\nchener Ballets überschrieben sind.\n1) Chaconne. („Pas de deux de Mad. Hartig et Mr.\nAnloine\"),folgt im Zwischenacte weiter\ndann „ Pas de deux de Mad.Falgea\", dann wieder\nle Ballet% weiter „Pas de deux pour ... „Larghetto\npour Mad. Hartigu, „Pas seul pour Mad. Hartig\" u. s. w.\nAuch ein Satz für den damals berühmten Tänzer Le Grand.\n2) Gavotte. 3) Passepied „pour Mad. Bedwen\" und\nmehrere mit „pour le Balletuüberschriebene Tutti-Sätze.\nPreis der vollständigen Handschrift in drei Bände gebdn\n250 Frd'or.\nNr. 3. Apollo und Hyacinthus, eine lateinische\nKomödie für die Universität zu Salzburg. Auf dem Titel der\nPartitur steht von Mozart's Hand: „di Wolfgango Mozart\nproducta 13. May 1767.\" Mozart's erste dramatische\nComposition. S. Jahn, M. I. p. 74 ff. Andr<s V. 29. Noch\nnicht im Stich erschienen. 162 Querf.-Seiten geb. 45 Frd'or.\nNr. 5. II Re Pastore, dramatische Cantale in zwei\nActen. Auf dem Manuscript sieht von Mozart's Hand:\nSgr. Cavaliere Amadeo Wolfgango Mozart ä Salisburgo\n1 775.\" S. Jahn, M. I. p. 399 ff. Andre V. 37. 284\nQuerfoüo-Seiten geb. in 2 Bde. 80 Frd'or.\nNr. 17. Sinfonie für 2 Violinen, Bratsche, Bass, 2\nFlöten, 2 Oboen, 2 Fagotte, 4 Hörner und 2 Trompeten.\nDie Trompeten hat Mozart einzeln geschrieben noch beige-\nfügt. Auf dem Manuscript steht von Mozart's Hand:\nWolfgango Amadeo Mozart mp 26. 1779.\" An-\ndre V. 122. Eines der werthvollsten nachgelassenen Werke\nMozarts. Ist im Stich nicht erschienen. 46 klein Querfolio-\nSeiten. 15 Frd'or.\nNr. 20. Divertimento für 2 Violinen, 2 Bratschen\nund Bass, 1 Flöte, 1 Oboe, 1 Fagott und 4 Hörner. Mit\nder Aufschrift von Mozart's Hand:\nMozai t, Salisburgo nel wiese di Giugno 1772.\" 7 Sätze.\nS. Jahn, M. I. p. 709. Nr. 51. Andre V. 139. 48 Quer-\nfolio-Seiten. 12 Frd'or.\nNr. 21. Sechs Piecen für 2 Flöten, 3 Trompeten\nin C, 2 Trompeten in D und 4 Pauken in C, GundD, A.\nI—3) Allegro mod. Menuett und Adagio. 8 kl. Querfolio-\nSeiten, 4 Frd'or. 4) Menuetto. kl. Querfolio-Seiten, 3\nFrd'or. 5) Mollo Allegro.2 kl. Querfolio-Seiten, 2 Frd'or.\n6) Allegro molto. 4 kl. Querfolio-Seiten, 3 Frd'or. Sind\nim Stich nicht erschienen. S. Jahn, M. I. p. 711. Nr. 61.\nAndre V. 162.\nNr. 23. Quartett für 2 Oboen, Bratsche und Vio-\nloncell. Mit der Aufschrift von Mozart's Hand: „ Quartetto.\"\n1 i 73. 4 Sätze. S. Jahn, M. I. p. /13. Nr. 84. Andre\nV. 181. Besonders interessantes Werk, da es Mozart's\nQuartett-Studien klar darlegt. Ist im Stich nicht erschienen.\n26 kl. Querfolio-Seiten, 10 Frd'or.\nNr. 31. Concert in F-du für Ciavier mit\nOrchester-Begleitung. ll.December 1784. S. Mozart's\neigenh. Katalog. Andre V. 207. 91 Querfolio-Seiten, 15\nFrd'or.\nNr. 32. Das berühmte C-dur-Concert für Cia-\nvier mit Orchester-Begleitung. Mit der Aufschrift von Mo-\nzarts Hand: „di Wolfgango\n1785.\" S. Mozart's eigenh. Katalog. Andre V. 208. 84\nQuerfolio-Seilen, 16 Frd'or.\nNr. 33. Das berühmte Concert für Cia-\nvier mit Orchester-Begleitung. 1786. S. Mozart's eigenh.\nKatalog. Andre V. 210. 99 Querfolio-Seiten. 20 Frd'or."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-27-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-27_01#c009", "volume": "bmtnabi_1856-09-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "314", "page_fin": "315", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.2.5", "titre_corps": "Bordogni’s Studienwerke für Gesang.", "titre_sommaire": "Bordogni’s Studienwerke für Gesang.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "314", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.6", "debut_caractere": 4246, "fin_caractere_exclue": 4511, "texte": "Bordogni’s Studienwerke für Gesang.\nDie Werke, welche die Uiiterrichts-Mcthode des berühmten, vor\nKurzem verstorbenen Gesanglehrers Marco Bordogni (s. Nr. 32\nund Nr. 28 dieses Jahres) theoretisch und praktisch erläutern, sind\nder Reihenfolge ihres Erscheinens nach:"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "315", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1662, "texte": "1. 36 Singübungen iür Sopran oder Tenor, seiner Schülerin\nMad. de Coussy gewidmet, 3 Lieferungen.\n2. 12 Singübungen für Bass oder Bariton, Lab lache gewid-\nmet, 2 Lieferungen,\n3. 12 Singübungen für Alt und Mezzo-Sopran, 2 Lieferungen.\n4. 36 Singübungen für Bass nach dem neueren Geschmack, 3\nLieferungen.\n5. Die Kunst des Phrasirens, des Athemholens, der Accentuation\nund des dramatischen Ausdrucks, Vocalisen für Mezzo-Sopran, sei-\nner Schülerin, der Königin Isabella 11. von Spanien, gewidmet,\n2 Lieferungen.\n6. Dieselben für Bariton oder Alt und für Tenor oder Sopran\nje 2 Lieferungen. .<•\n7. 24 leichte, fortschreitende Vocalisen für den Umfang jeder\nStimme (als Einleitung zu den 36 Singübungen), König Wilhelm\nder Niederlande gewidmet, 2 Lieferungen.\n8. 12 Singübungen, wovon 6 mit italiänischem und deutschem\nText, für Mezzo-Sopran mit Pianoforte-Begleitung, 2 Lieferungen.\n9. 12 Singübungen für 2 Stimmen (Sopran und Mezzo-Sopran\noder Tenor und Mezzo-Sopran), 2 Lieferungen.\nVon dieser unschätzbaren Sammlung ist der grösste Theil, näm-\nlich Nr, I—7,1—7, Eigenthum der Sehl esinger'sehen Buch- und Mu-\nsikhandlung in Berlin und bereits in mehrfachen Auflagen edirt.\nDie Müsse, welche dem grossen Meister sein neulich erfolgter\nAustritt aus dem Lehrpersonale des Conservatoires gestattete, wollte\ner zur Vollendung einer schon seit Jahren begonnenen grossen\nGesangschule, der die gesammte musicalische Welt mit der gröss-\nten Spannung entgegensah, benutzen; allein der unerbittliche lod\nvereitelte diesen schönen Plan; und so bleibt nur zu wünschen,\ndass das vorhandene treffliche Material geschickten Händen anver-\ntraut und zum Abschluss gebracht werde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-09-27-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-09-27_01#c010", "volume": "bmtnabi_1856-09-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "315", "page_fin": "316", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "315", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.7", "debut_caractere": 1664, "fin_caractere_exclue": 6653, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHerr J. A. van Eyken, Organist in Elberfeld, hat auf sei-\nner jüngst gemachten Kunstreise durch das nördliche Deutschland\nunter Anderem in Hamburg und Hannover, wie die dortigen\nBlätter melden, mit ausserordentlichem Beifalle Orgel-Concerte zu\nkirchlichen Zwecken gegeben. In letztgenannter Stadt beehrten Ihre\nMajestäten der König und die Königin, die Prinzessin von Olden-\nburg und der ganze Hof das Concert, das überhaupt ein sehr zahl-\nreiches Publicum versammelt hatte, mit Ihrem Besuche. Herr van\nEyken trug vor: 1) Präludium und Fuge a 3 Sogetti (Es-dur) von\nJ. S. Bach; 2) Abendlied aus Op. 85 von R. Schumann; 3) Sonate\nüber das niederländische Volkslied von A. G. Ritter; 4) Choral:\n„Schmücke dich, o liebe Seele\", von J. S. Bach; 5) Sonate Nr. 3\nvon J. A. van Eyken; 6) Fuge (E-dur) von J. S. Bach; 7) Toccata\nund Fuge (D-moll) von J. S. Bach: 7) Doppel-Füge über den Na-\nmen „Bach\", Nr. 6, von R Schumann.\nHerr van Eyken wird auch am 28. d. Mts. in Trier bei\nGelegenheit der Einweihung der dortigen Basiiica die neue Orgel\nvon Ad. Ibach Söhne aus Barmen spielen.\nUnter dem Titel „Das Pianoforte\" erscheint bei Ed. Hall-\nberger in Stuttgart eine ausgewählte Sammlung von Original-\nCompositionen, unter Redaction von Dr. Franz Liszt, in monat-\nlichen Heften von vier Bogen hoch Notenformat, in elegantester\nAusstattung, zu dem Pränumerationspreise von 71,2 Sgr. oder 24\nKr. rheinisch für jedes Heft. Im Interesse dieses Unternehmens\nhat sich Herr Dr. Franz Liszt bereit erklärt, die Auswahl der zu\nveröffentlichenden Werke, und somit die künstlerische Redaction\ndesselben, zu übernehmen. Sie wird, der Anlage des Werkes ge-\nmäss, den Standpunkt der modernen Clavier-Technik berücksichti-\ngen, ohne jedoch zu hohe Anforderungen zu stellen, so dass neben\nsehr brillanten Werken insbesondere auch leichtere und für mittel-\nmässige Spieler dankbare Stücke geboten werden sollen. Von fol-\ngenden Componisten ist das Unternehmen freudigst begrüsst und\ntheils schon mit Beiträgen bedacht, theils solche für die nächste\nZeit hiefür zugesagt worden: J. Abert, Julius Benedict, F. Böhm,\nEmil Büchner, Hans von Bülow, Karl Czerny, B. Damcke, Franz\nDoppler, H. Esser, Karl Evers, Jos. Fischhof, F. W. Grund, Ferd.\nHiller, Richard Hol, Baron von Hornstein, Alfred Jaell, Alb. Jung-\nmann, Kalliwoda, Theod. Kirchner, Kittl, Louis Köhler, Wilh. Krü-\nger, Theod. Kullak, Löwe, Karl Mayer, Ernst Methfessel, Joachim\nRaff, Karl Reinecke, Anton Rubinstein, Clara Schumann, Wilh.\nSpeidel, Julius Tausch, J. J. Viotta, Charles Wehle, Rud. Willmers.\nDie leipziger Gewandhaus-Concerte beginnen am 28. September.\nAls Sängerin ist vorläufig Fräul. Agnes Bury engagirt.\nDer zweite Band von Otto Jahn's „Mozart\" hat so eben die\nPresse verlassen; zu Ostern nächsten Jahres soll der dritte Band\nerscheinen, welcher den Schluss des Werkes bildet.\nWien. Dr. Franz Liszt ist Samstag den 20. September von\nWien abgereis't und hat sich nach Prag begeben, wo sowohl seine\nEinweihungs-Messe als einige seiner symphonischen Dichtungen\nzur Auflührung gelange» werden.\nWie man vernimmt, beabsichtigt ein wiener Musicalienhändler\neine Sängerfährt mit dem wiener Männergesang-Vereine im näch-\nsten Jahre nach London zu unternehmen.\nDer Chormeisler des wiener Männergesang-Vereins, Herr Her-\nbeck, ist von dem kölner Männergesang-Vereine zum Ehren-Mit-\ngliede ernannt worden.\nZum Andenken an Liszt's Anwesenheit in Pesth haben einige\nhochherzige Kunsfreunde den Preis von 80 Ducaten für das beste\nLibretto zu einer heroischen Oper, deren Stoff der ungarischen\nGeschichte angehört, bestimmt.\nJohann Strauss wird Aufangs Oetober von seiner Reise\nnach Petersburg wieder in Wien eintreffen. Derselbe befindet sich\nderzeit in Moskau, um die Musik der Bälle, welche der k. k. öster-\nreichische Krönungs-Botschafter, Fürst Esterhazy, dort gibt, zu leiten.\nPeter Cornelius theilt aus Liszt's Erlebnissen unter Ande-\nrem nachstehende zwei Episoden aus mündlicher Ueberlieferung\nmit, wie Liszt einmal einem schlesischen Postillon zu einer Ehren-\nTrompete verholfen. Dieser wackere Schwager hatte ihm so präch-\ntige Stücke und mit so grosser Reinheit und Präcision vorgespielt,\ndass er ihn eines Näheren über seine Lebens-Umstände befragte.\nDa sagte ihm der Postillon unter Anderem, dass er auch eigent-\nlich, wenn es nach Recht gegangen wäre, die Ehren-Trompete ver-\ndient habe, dass man ihn aber durch Ränke und Schliche darum\ngebracht. Liszt wandte sich bald darauf brieflich an Herrn von\nNagler, und hatte die Freude, ,dem braven Kerl zu seinem Rechte\nund seiner Ehren-Trompete zu verhelfen. Der dankbare Postillon\nbrachte dann dem später wieder durchreisenden Meister mit ver-\nschiedenen seiner Collegen ein ganz respeetables Ständchen.\nDieses Ständchen brachte ihn auf eine andere, höchst drollige Ge-\nschichte. In einer belgischen Stadt hatte sich der Männergesang-\nVerein entzweit, und nachdem Liszt sein Concert gegeben, brachte\nihm jede Partie ihre besondere Serenade. Als der Meister diese"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "316", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2487, "texte": "Ehren-Bezeugungen mit herzlichem Dank hingenommen und sich\neben zur Ruhe begeben wollte, ertönt eine riesige, gewaltige Bass-\nstimme dicht unter seinem Fenster. Liszt öffnet dasselbe und ver-\nnimmt die ganze Nonnenbeschwörung des Bertram aus Robert dem\nTeufel, ohne jegliche Begleitung, doch ganz rein, mit einem weit-\nhin die kühle Nachtluft erfüllenden Ton vorgetragen. Erfreut über\nden klangvollen Timbre des Riesenbasses und neugierig, was das\nzu bedeuten habe, redet er den tönenden Schatten an. „Geruhen\nSie, mein Herr,\" antwortet dieser, „die Huldigung eines vereinsam-\nten Gemüthes hinzunehmen. Ich bin nämlich der Solo-Bassist un-\nseres grossen Gesang-Vereins gewesen; seit er sich aber alberner\nWeise zersplittert hat, stehe ich allein; denn ich konnte mich mit\nkeiner der beiden Parteien vereinigen, und sehe mich desshalb ge-\nzwungen, Ihnen auf diesem Wege, so gut wie möglich, den Zoll\nmeiner Bewunderung darzubringen.\"\nDonizetti schrieb 1818, im Alter von 22 Jahren, zu Bologna\nfünf Quartette für zwei Violinen, Altgeige und Violoncell. Dass er\nein besonderes Interesse für diese Arbeit hatte, zeigt sich dadurch,\ndass man nicht allein die Partitur, sondern auch die einzelnen\nStimmen von seiner Hand ausgeschrieben fand. Dieser kostbare\nAutograph, den man unter dem Nachlasse des Meisters fand, wurde\ndem berühmten Violoncellisten Piatti nach London geschickt, damit\ner die Composition seines Landsmannes durchspiele. Sei es nun,\ndass Piatti wenig Zeit hatte, dass er einem Erstlingswerke wenig\nWerth beimass, oder dass irgend ein anderer Grund vorwaltete,\nkurz: die Quartette schlummerten ganz ruhig in Piatti's Bibliothek,\nbis ihn unlängst sein Freund Bozzini, der bekannte Violinist, be-\nsuchte, beim Durchstöbern der Bibliothek das Manuscript fand und\nalsbald von der lebhaftesten Begierde erfasst wurde, den Inhalt\nkennen zu lernen. Ein Entschluss war bald gefasst; zwei eben so\ntüchtige Musiker, Bottesini und Ordili, wurden eingeladen, und un-\nverzüglich ging man ans Werk. Kaum aber hatten die Künstler\ndas erste Quartett durchgespielt, als die Sympathie für dieses Werk\nihres Landsmannes sie so begeisterte, dass sie ohne Ruhe weiter\ngingen und erst nach der letzten Note des letzten Quartetts sich\nvergönnten, Athem zu holen. Die Quartette sollen von grosser\nSchönheit sein. Der Stil, so verführerisch er auch ist, geht an kei-\nner Stelle über die Gränzen der Kammermusik hinaus und ver-\nräth nirgendwo den Componisten so vieler volksthümlich gewor-\ndenen Opern."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas Mozartfest in Salzburg. 11. Das Musikfest zu Bradford am 26.-28. August. Original-Handschriften von W. A.\nMozart. - Bordogni's Studienwerke tür Gesang. - Tages- und Unterh alt ungs blatt (J. A. van Eyken's Orgel-Concerte - „Das\nPianoforte\", Sammlung von Original-Compositionen - Wien, F. Litzt, Männergesang-Yerein Johann Strauss Aus Liszt's Erlebnis-\nsen Quartette von Donizetti).\n\nDas Mozartfest in Salzburg.\nII.\n(S. I. Nr. 38.)\nDas Publicum war sehr zahlreich und sehr angeregt\nund dankbar. Es mochten wohl über 1500 Personen in\nder Aula anwesend sein. In einer Loge befand sich die\nKaiserin-Mutter und der König Max von Baiern; auf den\nersten Reihen der Sperrsitze der Erzbischof und mehrere\nhohe Prälaten.\nDie Eintrittspreise betrugen lür jedes Fest-Concert\ndrei, zwei und einen Gulden, lür das Gesangfest der Lie-\ndertafeln einen Gulden, vierzig und zwanzig Kreuzer. Freien\nEintritt hatten alle, die mit der rothen Festschleife ge-\nschmückt waren, wodurch das Comite auf den Ertrag von\nmehr als 500 Plätzen bei den Fest-Concerten verzichtete.\nDa nun die Entschädigung lür das Orchester u. s. w. dem\nVernehmen nach 2300 Gulden betragen soll und die\nübrigen Fest-Unkosten bedeutend sein müssen, so wird dem\nMozarteum wohl kein namhafter Ueberschuss zufliessen.\nSehr interessant war der Besuch des Geburtshauses\nvon W. A. Mozart. In dem dritten Stocke des Hauses Nr.\n225 in der Getreidgasse erblickte er das Licht der Welt.\nIn diesen Räumen waren für die Dauer des Festes zur An-\nsicht ausgestellt die Original-Familienbilder, das Medaillon\nin Buchsbaumholz von Bosch in Wien, der Concertflügel\nMozart's von Walter in Wien, ein Spinett aus Mozart's\nSterbehause (ersterer von seinem Sohne Karl, letzteres von\nseiner Witwe dem Mozarteum geschenkt), die kleine Halb-\ngeige (von A. F. Maier, Hof-Geigenmacher in Salzburg,\n1746), auf welcher Mozart Violine lernte, die Geige (von\nJakobSteiner in Absam, 1659), welche Mozart in Con-\ncerten u. s. w. spielte; ferner die Handschriften, welche\ndas Mozarteum besitzt, an 500 Briefe von Leopold und\nW. A. Mozart, die von Herrn Andre in Offenbach zur\nAuflage bei dem Feste freundlichst überlassenen Handschrif-\nten eines Oratoriums aus dem Jahre 1766, der Sinfonie\nin C-durmit der Fuge, der Partitur der Zauberflöte, das\nStammbuch und andere Merkwürdigkeiten aus Mozart s\nNachlass. Den Mitwirkenden stand der Eintritt zu diesen\nRäumen (so wie zu allen anderen vorhandenen Sammlun-\ngen und Vereins-Localen) frei, und jeder von ihnen empfing\n„ zur Erinnerung an Mozart's Geburtshaus und an das Sä-\ncularfest in Salzburg 1856\" ein lithographirtes Blatt, wel-\nches einen Abdruck von Mozart's Handschrift—zehn lacte\neines Geigen-Quartetts in B-dur—mit seinem Namenszuge\nund die Abbildung seines Geburtshauses enthält. Ausser-\ndem wurde auch noch ein elegant gedrucktes Heft: »Mo-\nzart. Zwölf Canzonen von Ludwig Ritter von Kochel\" -\nvertheilt, gut gemeinte Ergüsse der Verehrung des grossen\nMeisters.\nUnter den Ehrengästen befanden sich unter Anderen\naus Wien Professor Fischhoff, Otto Prechtler, Dr.\nEd. Hans Ii k, aus Graz Capellmeister Netz er, aus Köln\nMusik-Director Fr. Weber, aus Breslau Musik-Director\nMosewius, und vor Allen das einzige noch lebende Mit-\nglied der Mozart'schen Familie, Herr Karl Mozart aus\nMailand.\nAm zweiten Festtage (dem 8. d. Mts.) wurde beim\nHochamte im Dome eine ungedruckte Messe in C-dur von\nMozart aufgeführt, die er in Salzburg 1776, also im 20.\nJahre seines Alters, geschrieben hat. Anfang des in\nden Violinen:"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.2", "texte": "Sie ist sehr lang und steht nicht auf gleicher Höhe mit den\nanderen Kirchen-Compositionen Mozart's; im Credo ist je-\ndoch eine treffliche Fuge:\net vitamu. s. w., welche bei der Engführung auf den\nschlechten Tacttheil:\nrecht schwierig, aber sehr effectvoll wird. Die ganze Messe\nwurde unter Leitung des CapelJmeisters Taux vorzüglich\ngut aufgeführt. Einlagen waren Ave verum und Alma Dei.\nDas Gesangfest der Liedertafeln sollte auf dem Mönchs-\nberge gehalten werden, dfer mit seiner wundervollen Aus-\nsicht in die salzburger Gebirgswelt den Sängern und Zu-\nhörern eine herzerhebende Stimmung gegeben haben würde;\nallein der Himmel wollte es nicht und sandte Regen herab,\nder noch stärkere Nachfolge drohte. So fand das Sänger-\nConcert denn auch in der Aula Statt; jedoch den Festzug\nliess man sich nicht nehmen, und er setzte sich nach Vor-\nschrift des Programms in Bewegung.\nVierzehn Liedertafeln aus Wien, Linz, Passau, Lands-\nhut, München, Innsbruck, Berchtesgaden, Salzburg u. s. w.\nsetzten sich in Bewegung, mit schönen goldgestickten Fah-\nnen und Standarten, die mit frischen Kränzen geschmückt\nwaren; ihnen voran wurden eine Menge von Pocalen in\nallen Formen getragen, gleichsam als Symbole des Sprüch-\nwortes: Cantores amant humores! Die Herolde, Schild- und\nFahnenträger waren stattlich ausstaffirt und erinnerten an\ndie alten guten Zeiten des kölner Carnevals.\nDer Festgesang sollte um 3 Uhr beginnen, um welche\nZeit auch alle Sänger in der Aula versammelt waren. Allein\ndie Allerhöchsten Herrschaften, die Kaiserin-Witwe, der\nKönig und die Königin von Baiern und König Otto von\nGriechenland kamen erst gegen 4 Uhr. Sie wurden mit\neinem dreimaligen Hoch empfangen.\nEine sonderbare Sitte, welche bei den süddeutschen\nSängerfesten eingeführt sein soll, wurde auch hier geübt.\nDen Sängern wird nämlich der Ton nicht durch leises In-\ntoniren des Dirigenten, sondern durch einen dreimaligen\nlauten Trompetenstoss von Tonica und Dominante:\nangegeben, und das geschah auflallender Weise selbst dann,\nwenn das Gesangstück mit einer Instrumental-Einleitung\nbegann. Dass uns das sehr störend war, können Sie leicht\ndenken.\nDas Concert begann mit dem Sängergrusse der salz-\nburger Liedertafel, dem Sinnspruche derselben:\nLied sei unser Wort,\nMozart unser Hort!\nEs ist in einfach frischer Melodie von Taux componirt\nund machte sich recht gut.\nDann folgten die drei vom Gesammt-Chor gesungenen\nLieder: 1) Bundeslied von Mozart in G-dur, „Brüder,\nreicht die Hand zum Bunde\", das recht voll und schön\nklang; 2) Kriegers Gebet: „Du bist, o Herr, mein Stern\nbei Nacht\", von Prokesch von Osten, Musik von F. Lach-\nner, in Es-dur, eine schöne Composition, die auch recht\ngut ausgeführt wurde; 3) Festgesang an die Künstler von\nF. Mendelssohn-Bartholdy. Dieses Stück gelang\nnicht so gut, wie die übrigen. Es klang ziemlich matt, griff\nnicht präcis und kräftig genug in einander, auch war das\nTempo des letzten Satzes nicht feurig genug, und der\nSchluss ohne jene erhebende Steigerung, welche sich bei\nrichtigem Tempo und schwunghaftem Vortrage von selbst\nmacht. Die Composition konnte desshalb nicht zur wahren\nErscheinung kommen und folglich auch das Publicum nicht\nso befriedigen, wie das sonst der Fall ist.\nDer ganze Sängerchor zählte zwischen 6—700 Per-\nsonen, und im Ganzen wurde unter Leitung des Herrn\nStorch aus Linz gut gesungen. Dass die Sänger häufige\nBesuche in den Nebengängen des Concertsaales machten,\nwo „ein Bierverschleiss\" eingerichtet war, dürfte bei den\nanderweitigen Kehl-Anstrengungen, die ihnen zugemuthet\nwurden, nicht eben scharf zu rügen sein. Die münchener\nLiedertäfler machten jedoch hiervon eine Ausnahme, indem\nsie im Saale blieben und im Eck hinter dem Vordertreffen\nder Sänger einem ihrer grossen Poeale, den sie mit Bier\nfüllen Hessen, zusprachen.\nVon den Einzel-Vorträgen begann die Liedertafel aus\nInnsbruck den Reigen. Ihr Wahlspruch enthielt einen\nAufruf an das deutsche Vaterland. Dann sangen sie „Kennst\ndu das Land, wo die Citronen blühen?\" componirt von\nNagitter, ohne grosse Wirkung, das Wanderlied von Schulz\ndagegen gut und mit starkem Applaus, der übrigens, was\nein für alle Mal gesagt sei, nirgend fehlte.\nDie von Linz (Dirigent A. M. Storch), vorab den\nWahlspruch:\nEin Hoch dem deutschen Lied wir bringen\nUnd allen Brüdern, die es singen!\ntrugen „Die Liebe\" von F. Lachner recht gut, nur etwas"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.3", "texte": "zu manierirt, vor; den „Abschied\" von Storch, mit oft\nwechselndem Tempo, sangen sie sehr präcis; nur am Schlüsse\nklangen einige Falset Töne (hoch und etwas trivial,\nda einige Tenoristen ihre dicken Stimmen nicht kunslmässig\ngenug zu behandeln wussten.\nJetzt trat der Gesammtchor wieder mit drei Liedern\nauf: 1) Abendlied: „Wie herrlich sind die Abendstunden\",\nF-dur, von Mozart unsicher im Tact und nicht ganz\nrein; 2) „Grün\" von J. N. Vogl, Musik von A. M. Storch\n(Ges-durl es hätte eben so gut in oder stehen\nkönnen), eine recht hübsche Composition, die auch gut ge-\nsungen wurde; 3) „Frau Musica\" von F. Rochlitz\nklang etwas matt.\nDie Liederfafel aus München, mit dem Wahlspruche:\nEcce quam bonum,trug den „König in Thüle\", eine artige\nComposition von Veit in Prag, im Ganzen gut vor; ferner\nein Lied aus Waldmeisters Brautfahrt, recht gut in Musik\ngesetzt von ihrem Dirigenten Baron von Perfall. Zu der\nAusführung war der erste Tenor für den Vortrag der\nPiano-St eilen nicht ausreichend.\nDie von Passau, „derbe Knaben\", wie man hier\nsagt, waren in blumengeschmückten Stellwagen daher ge-\nfahren und lagerten auf Verlangen in Einem Saale mit 20\nBetten. Sie gaben „Die prager Studenten\" von Lenz und\n„Den gefangenen Jäger\" von Schubert zum Besten. Sie\nrepräsenlirten den Volksgesang, wobei es denn mit gefeil-\nter Glätte, Tonhalten und dergleichen nicht so genau ge-\nnommen werden darf.\nEin declamatorisches Intermezzo war jetzt die Huldi-\ncungsrede des Herrn Staats-Anwalts Wulfen von München\no o\nan die anwesenden Majestäten. Dass dieselbe eine sehr starke,\nausschliesslich baierische Färbung hatte, zeugte bei einem\ndeutschen Feste eben nicht von Tact, der bei einer musi-\ncalischen Feier doch am wenigsten fehlen darf.\nDer Männergesang-Verein von Wien wurde gleich\nbei seinem Auftreten mit Applaus empfangen. Sein erstes\nLied: „Im Grünen\", von Geibel, Musik von Esser, trug\ner vortrefflich vor; das zweite, Mendelssöhn's „Liebe\nund Wein\", mit dem Bass-Solo, gelang nicht so gut, war\nzu derb aufgetragen. Nach dem rauschendsten Beifall und\nDacaporuf sangen die Wiener noch Schub er l's „Nacht-\ngesang im Walde\" mit Clavier-Begleitung statt der vier\nHörner. Diese wunderliebliche Composition wurde sehr\ngut gesungen und sehr schön begleitet.\nDie drei letzten Gesammtchöre waren Mozart's „0\nIsis\", S ch umann's Chor: „Bist du im Wald gewandelt\"\naus „Der Rose Pilgerfahrt\", und Mendelssöhn's Chor\nin F-dur aus Oedipus in Kolono s. Der zweite wurde\nam besten gesungen; in dem dritten waren die zwei Chöre\nnicht gleichmässig besetzt, auch leuchtete hier und da eine\nBegeisterung durch, die wohl nicht bloss in der Kunst ih-\nren Ursprung hatte. Der Chor aus der Zauberflöte war\neine sehr mittelmässige Leistung, welche durch die eigens\ndazu gemachte Begleitung von Clarinetten, statt der Violi-\nnen, ohne Violen und Violoncells, mit Bass-Tuba u. s. w.\nwahrlich nicht gehoben wurde. Ueberhaupt hätte man wohl,\nsobald es einmal entschieden war, dass das Sänger-Concert\nin der Aula sein müsse, das vorhandene vollständige Or-\nchester hierzu und zu einer oder zwei Ouvertüren be-\nnutzen können.\nStatt des angekündigten Liedes „Prinz Eugenius\", das\nvom ganzen Publicum mitgesungen werden sollte, wurde\n„Das deutsche Lied\" von Kalliwoda angestimmt, wel-\nches fast alle Liedertafeln auswendig konnten. Zum Schlüsse\nbrachte der Festredner, Advocat Wulfen, dem Dirigenten\nStorch ein wohlverdientes und donnernd wiederhallendes\nHoch. Dann zogen die Fahnen und Poeale mit ihren Trä-\ngern nach dem Casino, wo bis spät in die Nacht gesungen,\ngezecht und gejubelt wurde. Die Stimmung war eine recht\nfestliche und durch keinen Misston gestört. Einige Trupps\nwanderten noch nach dem St.-Petrus-Keller, um dort mit\ndem echten Gewächs aus Ungarn schliesslich Bekanntschaft\nzu machen, was zu beiderseitigem Genügen geschah.\nSo machten wir denn, wie überhaupt an dem Feste,\nbesonders an diesem Tage ein recht heiteres und frisches\nStück süddeutschen Lebens mit durch, das uns lange irt\nder Erinnerung bleiben wird.\n\nDas Musikfest zu Bradford am 26.—28. August.\nDie Stadt Bradford in Yorkshire ist seit dem Jahre\n1853, in welchem der Bau des neuen Concertsaales der\nSt.-Georgs-Halle vollendet wurde*), in die Reihe derjenigen\nStädte in England getreten, welche grosse Musikfeste ver-\nanstalten. Das gegenwärtig gefeierte war das zweite an die-\nsem Orte, da das Fest statutmässig nur alle drei Jahre hier\nStatt finden soll.\nEs begann am Dinstag den 26. August mit einem\nMorgen-Concerte, in welchem Mendelssöhn's Elias\naufgelührt wurde.\n\n*) Wir haben diese Concerthalle, ihre Einrichtung, treffliche\nAkustik und herrliche Beleuchtung in dem Art. 111. unserer\nSchilderung der musicalischen Zustände in England\n(Jahrg. 1854, Nr. 32 vom 14. August) ausführlich beschrieben.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.4", "texte": "Diese Aufführung hatte noch ein besonderes histori-\nsches Interesse. Gerade vor zehn Jahren, am 26. August\n1846, hatte der unsterbliche Meister zu Birmingham\ndie erste Aufführung seines Elias selbst geleitet. Wie-\nderum zehn Jahre früher (den 22. Mai 1836) gab er zum\nersten Male seinen „Paulus\" in Düsseldorf. Jene Auffüh-\nrung zu Birmingham war von 1858 Personen besucht,\nund die Einnahme betrug 1714 Pf. St. und 11 Shill.\n(über 11,000 Thlr.). Den Elias sang Staudigl; die übri-\ngen Solisten waren die Damen Caradori, Allan, Bassano,\nA. Williams, Hawes; die Herren Hobbs, Lockey, Philips\nund Machin. Am 16., 23., 28. und 30. April 1847\nwurde der Elias mit Aenderungen und Zusätzen, die Men-\ndelssohn in der Zwischenzeit gemacht hatte, zu London\nvon der Sacred Harmonie Society in Exeter Hall aufgeführt.\nAlle diese Aufführungen dirigirte Mendelssohn ebenfalls\nselbst. Leider blieben die Anstrengungen während dieser\nseiner letzten Anwesenheit in England nicht ohne traurigen\nEinfluss auf seinen Körper; zu spät fasste er den Ent-\nschluss, sich auszuruhen: ihm wurde die ewige Ruhe.\nSeitdem blieb während der nun verflossenen zehn\nJahre die Vorliebe der Engländer für dieses Oratorium im-\nmer im Wachsen, und es theilte fast auf allen Musikfesten\nin der Provinz stets mit Händel's Messias die Ehre der\nAufführung. In London hat die\nallein das Werk vierzig Mal aufgeführt. Nimmt man\ndazu noch die unzähligen Aufführungen in anderen Ver-\neinen und in Städten, deren Concerte nicht auf den Namen\nvon Musikfesten Anspruch machen, so steht fest, dass die\nGeschichte der Musik in England kein Beispiel aufweis't,\ndass ein Werk durch sich selbst eine so ausserordentliche\nTheilnahme und Verbreitung binnen einem so kurzen Zeit-\nräume jemals erlangt habe, als Mendelssohn's Elias.\nDer Himmel war den Vorbereitungen zu dem diesjäh-\nrigen Feste nicht günstig; die Regenschauer, die Sonnabends\nund Sonntags vorübergehend herabfielen, endigten Montags\nmit einem anhaltenden Herabgiessen. Sie kennen Bradford,\nwerdenSich also eine Vorstellung von dem dermaligen Zu-\nstande dieses Rauchloches machen können. Am Dinstag\nwar es glücklicher Weise klares Wetter, und im Sonnen-\nschein stieg der mannigfache Dampf aus den Kaminen und\ndem Erdboden in die Höhe; allein der spärliche Besuch\ndes Festes war doch wohl zum Theil auch der atmosphä-\nrischen Ungunst der vorigen Tage zuzuschreiben, anderen-\nteils aber zweifelsohne den übermässig theuren Eintritts-\npreisen. Die Stalls eine Guinee, die Plätze in der Area\n(dem Saale zu ebener Erde) 15 Shill., auf der vorderen\nGalerie 10 Shill. und auf der äussersten 7 Shill. (die beim\nConcerte Ihres kölner Männergesang-Vereins nur 1 Shill.\nkostete und damals mit mehr als 1500 Menschen gefüllt\nwar)—das war doch den Bradfordern etwas zu stark, und\nso waren denn auch im Elias nur zwei Drittel der Halle\nund Abends kaum ein Drittel besetzt. Dennoch gingen\nbeim Elias beinahe 1000 L. St. ein. Eine Häkelei zwischen\nder Sängerin Miss Sunderland auf der einen und dem Co-\nmite und dem Dirigenten Costa auf der anderen Seite ver-\nanlasste die Nicht-Theilnahme dieser Künstlerin, einer Be-\nrühmtheit hier zu Lande, was denn auch manche Local-\nPatrioten von dem Besuche abhielt, weil\nprano zurückgesetzt worden.\nDie Ausführung des Elias war recht gut; das Or-\nchester, 100 Personen stark, zählte die besten Kräfte\nder londoner Oper zu Mitgliedern, und der Chor von 230\nMitwirkenden bewährte den Ruf guter Stimmen, in dem\nYorkshire steht. Solisten waren die Damen Novello, Weiss,\nSherrington, Huddart, Viardot Garcia; die Herren Sims\nReeves, Montem Smith, Weiss u. s. w. Auszuzeichnen wa-\nren die Arien „ Höre, Israel\" durch Clara Novello, die Alt-\nArien durch Mad. Viardot und das Terzett der Engel durch\nbeide und Mad. Weiss. Herr Weiss sang den Elias mit\nmehr als gewöhnlicher Kraft und Correctheit. Costa wurde\nhöchst ehrenvoll empfangen. Hier und da fielen in den Chö-\nren jedoch einige Ungenauigkeiten vor.\nDas Abend-Concert brachte Mozart's -\nnie, eine reiche Auswahl von Sologesängen, unter denen\ndie Vorträge der Alboni und von Karl Formes am meisten\nglänzten, die Ouvertüren zur (!) und zu Ana-\nkreon und eine neue Cantate, von J.L.Hat-\nto n. Letztere war besonders für das Fest componirt und\nwurde vom Publicum sehr wohlwollend aufgenommen. Hat-\nton ist ein tüchtiger Musiker, allein es fehlt ihm Erfindung\nund schöpferische Kraft, wiewohl einige Nummern, nament-\nlich eine Ballade für Tenor, recht hübsch sind.\nCosta's Oratorium „Eli\" (am Mittwoch Morgen), ob-\nwohl neu für Bradford, übte doch nicht dieselbe Anziehungs-\nkraft, wie der Elias, auf das Publicum. Freilich mochte\nauch der Regen wieder Viele zurückhalten. Die Chöre wa-\nren präciser als am ersten Tage; die Proben waren sorg-\nfältiger gewesen. Die Partie des Eli ist schleppend und mo-\nnoton, was auch durch den besten Vortrag nicht ganz ver-\nwischt werden kann; dennoch machte Formes grossen Ein-\ndruck damit, der hauptsächlich der Ausdauer und Pracht\nder Stimme zuzuschreiben ist. Ein schöneres Quartett, als\nNovello, Viardot, Sims Reeves und Karl Formes lässt sich"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "313", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.5", "texte": "nicht denken; bei solchen Sängern wird jede Composition\nschön.\nAm dritten Tage wurde der Messias gegeben. Das\nWetter war noch schlechter als am vorigen; dennoch war\nder Saal ziemlich besetzt. Dass die Neugier und die Erwar-\ntung eines Scandals manche Anwesende hingelockt habe,\nwollen wir zur Ehre des Publicums nicht glauben. Es\nhatte sich nämlich das Gerücht verbreitet, die „Sunderlän-\nder\" würden eine auffallende Demonstration gegen Costa\nloslassen, der übrigens wahrscheinlich ganz unschuldig an\ndem Verbrechen der Hintansetzung des yorkshirer Soprans\nwar. Der wackere Dirigent wurde jedoch mit noch grösse-\nrem Applaus empfangen, als an den vorigen Tagen, und\nder eine scharfe Pfiff, den man allerdings vernahm, diente\njjur dazu, die Hoch's und Hurrah's zu steigern.\nDen Messias hat die ganze gegenwärtige musicalische\nGeneration in England von Kindesbeinen an so oft mit ge-\nsungen und mit gespielt, dass er gar nicht schlecht gehen I\nkann; wenn nun vollends so tüchtige Kräfte, wie dieses\nMal, die Ausführung übernehmen, so ist es eben nicht zu\nverwundern, wenn sie sehr gut gelingt.\nAm Donnerstag Abends war ein zahlreiches und glän-\nzendes Publicum versammelt. Das Programm war gut:\nBeethove n's Sinfonie Nr. I. in Macfarren s\nneue Cantate „May Dayu (Mai-Tag), Ouvertüren zur Be-\nlagerung von Konnth von Rossini und zu s\nOberon, zwei Chorgesänge von Müller (?) und Bennet,\nund eine reiche Auswahl von Gesangstücken, vorgetragen\ndurch die Damen Alboni, Viardot, Weiss, Piccolomini, Sher-\nrington, die Herren Reichardt, Belotti und Beneventano.\nDie Sinfonie und die Ouvertüren gingen recht gut.\nDer Stoff der Cantate ist ein rheinischer, die „Mai-\nKönigin\". Sie hat vier Abtheilungen: „Die Wahl der Mai-\nKönigin\", „Des Jägers Wohlauf\", „Der Königin Begrüs-\nsung\", „Das Festgelag\". Die Composition wurde sehr gut\naufgenommen; der erste und letzte Theil ist gut gearbei-\ntet, was aber manchen Engländern nicht behagte, denen\nmehr die ins Ohr fallenden Gesänge gefielen. Macfarren\nselbst war nicht anwesend, er wurde indess sehr gefeiert.\nMiss Sherrington sang das Sopran-Solo.\nVon den übrigen Sängerinnen erregte die Piccolomini\neinen Sturm von Beifall; sie ist eine reizende Erscheinung,\nund Stimme und Gesang gehören auch nicht zu den ge-\nwöhnlichen. Sie sang nur Sachen von Verdi und Donizetti.\nDie Jugend war ausser sich; der Champagner floss bei den\nToasten auf die schöne Sängerin, und der Glückliche, der\neinen von ihren Handschuhen erlistet oder erobert hatte,\nbeseligte diejenigen von seinen Freunden, denen er erlaubte,\ndie Fingerspitzen desselben zu küssen. Die Alboni war fast\nganz heiser und konnte desshalb keinen Eindruck machen.\nIm nächsten Morgen-Concerte gab man den 103.\nPsalm von Mr. Jack so n, Chor-Director in St. Georgs\nHall; ferner, als gefährliche Nachbarschaft, den 114. Psalm:\n„Als Israel aus Aegypten zog\", von Mendelssohn, einige\nBruchstücke aus Leslie's Oratorium Immanuel, ein Credo\nvon Mendelssohn und eine Auswahl von kirchlichen\nSolo-Gesangstücken, vorgetragen von den Damen Novello,\nViardot u. s. w., den Herren Montem, Weiss, Sims Reeves,\nFormes u. s. w. Jackson's Psalm zeigt den kenntniss-\nvollen Musiber, das ist aber auch alles, was daran zu loben\nist; er dirigirte selbst, und seine Mitbürger applaudirten\nnach Kräften. Die Soli wurden in diesem Concerte besser\nals die Chöre ausgeführt.\nDas letzte Abend-Concert hatte wohl 4000 Zuhörer\nherbeigezogen. Man hatte den Eintrittspreis der Galerie auf\nV/i Shill. herabgesetzt. Allein dieses Publicum, obschon\nAlles von Rang und Stand aus der Stadt und Umgegend\nda war, zeigte eine mehr als schickliche Aufregung, die,\nobgleich meistens zu Gunsten der auftretenden Künstler,\nsich doch in so unruhigem und donnermässigem Beifalle\nund in so überlautem Da-(7opo-Schreien und in Lebehochs\nauf die einzelnen Sänger äusserte, dass einem Hören und\nSehen verging und man sich nicht in einem Concertsaale,\nsondern in einer americanischen Volks-Versammlung unter\nfreiem Himmel zu befinden glaubte. Von grösseren Musik-\nstücken wurde Mendelssohn's Sinfonie in (die\nman hier „die italiänische\" nennt) mit Ruhe angehört; bei\nder Ouvertüre zu Wilhelm Teil von Rossini brach der\nSturm los. Trotz dieser Begeisterung zeigten doch diese\nbradforder Gentlemen auf der Galerie (welche allein an\n2000 Menschen fasst!) mitunter einen ganz richtigen Tact.\nSo empfingen sie zwar die Piccolomini mit rauschendem\nApplaus, allein bei dem Vortrage der Arie von Mozart (aus\nFigaro's Hochzeit: Deh vieni blieben sie mit\nRecht kalt; denn Fräul. Piccolomini kann keinen Mozart\nsingen; und ein Duett ausVerdi's „Traviata\", von ihr und\nHerrn Reichardt gesungen, fand eben so wenig Gnade vor\nder Menge, die den Versuch eines Da-Capo-Ruies sehr\nenergisch zurückwies. Das Concert war übrigens selbst für\nEngländer zu lang; es war spät nach Mitternacht, als die\nletzten Zuhörer die Halle verliessen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "314", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.6", "texte": "Original-Handschriften von W. A. Mozart.\nDie Buch- und Musikhandlung von Franz Stage in\nBerlin hat ein thematisches Verzeichniss werth-\nvoller, meist noch ungedruckter Handschriften Wolfgang\nAmadeus Mozart s, mit Angabe der Preise, zu welchen\nsie käuflich zu haben sind, veröffentlicht, das durch alle\nBuchhandlungen zu beziehen ist. Es enthält 34 grössere\nWerke und 4 Skizzenblätter, im Ganzen 38 Nummern.\nDie interessantesten dürften folgende sein:\nNr. 1. Idomeneus, Oper in drei Acten, der erste\nder Sterne, die als glänzendes Siebengestirn zur Verherr-\nlichung Mozart's am deutschen Opern-Himmel leuchten,\nwurde in den Jahren 1780 —Bl in München geschaffen.\nDie Original-Partitur mit der dazu gehörigen Balletmusik\nbesteht aus 589 geschriebenen Querfolio-Seiten in drei\nLänden mit vielen Correcturen und Abänderungen, nament-\nlich im dritten Acte, der auch einige Seiten von fremder\nHand enthält, indem vermuthlich einige Blätter des Ori«i-\n-\" Ö\nnals verloren gegangen wären. Die Balletmusik, für sich\naus hundert geschriebenen Folioseiten bestehend, ist im\nJanuar 1781 componirt und enthält folgende Sätze, die\nzum grössten Theil noch ganz unbekannt und merkwürdi-\nger Weise von Mozart in französischer Sprache mit den\nNamen der damaligen Fänzer und Tänzerinnen des mün-\nchener Ballets überschrieben sind.\n1) Chaconne. („Pas de deux de Mad. Hartig et Mr.\nAnloine\"),folgt im Zwischenacte weiter\ndann „ Pas de deux de Mad.Falgea\", dann wieder\nle Ballet% weiter „Pas de deux pour ... „Larghetto\npour Mad. Hartigu, „Pas seul pour Mad. Hartig\" u. s. w.\nAuch ein Satz für den damals berühmten Tänzer Le Grand.\n2) Gavotte. 3) Passepied „pour Mad. Bedwen\" und\nmehrere mit „pour le Balletuüberschriebene Tutti-Sätze.\nPreis der vollständigen Handschrift in drei Bände gebdn\n250 Frd'or.\nNr. 3. Apollo und Hyacinthus, eine lateinische\nKomödie für die Universität zu Salzburg. Auf dem Titel der\nPartitur steht von Mozart's Hand: „di Wolfgango Mozart\nproducta 13. May 1767.\" Mozart's erste dramatische\nComposition. S. Jahn, M. I. p. 74 ff. Andr<s V. 29. Noch\nnicht im Stich erschienen. 162 Querf.-Seiten geb. 45 Frd'or.\nNr. 5. II Re Pastore, dramatische Cantale in zwei\nActen. Auf dem Manuscript sieht von Mozart's Hand:\nSgr. Cavaliere Amadeo Wolfgango Mozart ä Salisburgo\n1 775.\" S. Jahn, M. I. p. 399 ff. Andre V. 37. 284\nQuerfoüo-Seiten geb. in 2 Bde. 80 Frd'or.\nNr. 17. Sinfonie für 2 Violinen, Bratsche, Bass, 2\nFlöten, 2 Oboen, 2 Fagotte, 4 Hörner und 2 Trompeten.\nDie Trompeten hat Mozart einzeln geschrieben noch beige-\nfügt. Auf dem Manuscript steht von Mozart's Hand:\nWolfgango Amadeo Mozart mp 26. 1779.\" An-\ndre V. 122. Eines der werthvollsten nachgelassenen Werke\nMozarts. Ist im Stich nicht erschienen. 46 klein Querfolio-\nSeiten. 15 Frd'or.\nNr. 20. Divertimento für 2 Violinen, 2 Bratschen\nund Bass, 1 Flöte, 1 Oboe, 1 Fagott und 4 Hörner. Mit\nder Aufschrift von Mozart's Hand:\nMozai t, Salisburgo nel wiese di Giugno 1772.\" 7 Sätze.\nS. Jahn, M. I. p. 709. Nr. 51. Andre V. 139. 48 Quer-\nfolio-Seiten. 12 Frd'or.\nNr. 21. Sechs Piecen für 2 Flöten, 3 Trompeten\nin C, 2 Trompeten in D und 4 Pauken in C, GundD, A.\nI—3) Allegro mod. Menuett und Adagio. 8 kl. Querfolio-\nSeiten, 4 Frd'or. 4) Menuetto. kl. Querfolio-Seiten, 3\nFrd'or. 5) Mollo Allegro.2 kl. Querfolio-Seiten, 2 Frd'or.\n6) Allegro molto. 4 kl. Querfolio-Seiten, 3 Frd'or. Sind\nim Stich nicht erschienen. S. Jahn, M. I. p. 711. Nr. 61.\nAndre V. 162.\nNr. 23. Quartett für 2 Oboen, Bratsche und Vio-\nloncell. Mit der Aufschrift von Mozart's Hand: „ Quartetto.\"\n1 i 73. 4 Sätze. S. Jahn, M. I. p. /13. Nr. 84. Andre\nV. 181. Besonders interessantes Werk, da es Mozart's\nQuartett-Studien klar darlegt. Ist im Stich nicht erschienen.\n26 kl. Querfolio-Seiten, 10 Frd'or.\nNr. 31. Concert in F-du für Ciavier mit\nOrchester-Begleitung. ll.December 1784. S. Mozart's\neigenh. Katalog. Andre V. 207. 91 Querfolio-Seiten, 15\nFrd'or.\nNr. 32. Das berühmte C-dur-Concert für Cia-\nvier mit Orchester-Begleitung. Mit der Aufschrift von Mo-\nzarts Hand: „di Wolfgango\n1785.\" S. Mozart's eigenh. Katalog. Andre V. 208. 84\nQuerfolio-Seilen, 16 Frd'or.\nNr. 33. Das berühmte Concert für Cia-\nvier mit Orchester-Begleitung. 1786. S. Mozart's eigenh.\nKatalog. Andre V. 210. 99 Querfolio-Seiten. 20 Frd'or.\n\nBordogni’s Studienwerke für Gesang.\nDie Werke, welche die Uiiterrichts-Mcthode des berühmten, vor\nKurzem verstorbenen Gesanglehrers Marco Bordogni (s. Nr. 32\nund Nr. 28 dieses Jahres) theoretisch und praktisch erläutern, sind\nder Reihenfolge ihres Erscheinens nach:"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "315", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.7", "texte": "1. 36 Singübungen iür Sopran oder Tenor, seiner Schülerin\nMad. de Coussy gewidmet, 3 Lieferungen.\n2. 12 Singübungen für Bass oder Bariton, Lab lache gewid-\nmet, 2 Lieferungen,\n3. 12 Singübungen für Alt und Mezzo-Sopran, 2 Lieferungen.\n4. 36 Singübungen für Bass nach dem neueren Geschmack, 3\nLieferungen.\n5. Die Kunst des Phrasirens, des Athemholens, der Accentuation\nund des dramatischen Ausdrucks, Vocalisen für Mezzo-Sopran, sei-\nner Schülerin, der Königin Isabella 11. von Spanien, gewidmet,\n2 Lieferungen.\n6. Dieselben für Bariton oder Alt und für Tenor oder Sopran\nje 2 Lieferungen. .<•\n7. 24 leichte, fortschreitende Vocalisen für den Umfang jeder\nStimme (als Einleitung zu den 36 Singübungen), König Wilhelm\nder Niederlande gewidmet, 2 Lieferungen.\n8. 12 Singübungen, wovon 6 mit italiänischem und deutschem\nText, für Mezzo-Sopran mit Pianoforte-Begleitung, 2 Lieferungen.\n9. 12 Singübungen für 2 Stimmen (Sopran und Mezzo-Sopran\noder Tenor und Mezzo-Sopran), 2 Lieferungen.\nVon dieser unschätzbaren Sammlung ist der grösste Theil, näm-\nlich Nr, I—7,1—7, Eigenthum der Sehl esinger'sehen Buch- und Mu-\nsikhandlung in Berlin und bereits in mehrfachen Auflagen edirt.\nDie Müsse, welche dem grossen Meister sein neulich erfolgter\nAustritt aus dem Lehrpersonale des Conservatoires gestattete, wollte\ner zur Vollendung einer schon seit Jahren begonnenen grossen\nGesangschule, der die gesammte musicalische Welt mit der gröss-\nten Spannung entgegensah, benutzen; allein der unerbittliche lod\nvereitelte diesen schönen Plan; und so bleibt nur zu wünschen,\ndass das vorhandene treffliche Material geschickten Händen anver-\ntraut und zum Abschluss gebracht werde.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHerr J. A. van Eyken, Organist in Elberfeld, hat auf sei-\nner jüngst gemachten Kunstreise durch das nördliche Deutschland\nunter Anderem in Hamburg und Hannover, wie die dortigen\nBlätter melden, mit ausserordentlichem Beifalle Orgel-Concerte zu\nkirchlichen Zwecken gegeben. In letztgenannter Stadt beehrten Ihre\nMajestäten der König und die Königin, die Prinzessin von Olden-\nburg und der ganze Hof das Concert, das überhaupt ein sehr zahl-\nreiches Publicum versammelt hatte, mit Ihrem Besuche. Herr van\nEyken trug vor: 1) Präludium und Fuge a 3 Sogetti (Es-dur) von\nJ. S. Bach; 2) Abendlied aus Op. 85 von R. Schumann; 3) Sonate\nüber das niederländische Volkslied von A. G. Ritter; 4) Choral:\n„Schmücke dich, o liebe Seele\", von J. S. Bach; 5) Sonate Nr. 3\nvon J. A. van Eyken; 6) Fuge (E-dur) von J. S. Bach; 7) Toccata\nund Fuge (D-moll) von J. S. Bach: 7) Doppel-Füge über den Na-\nmen „Bach\", Nr. 6, von R Schumann.\nHerr van Eyken wird auch am 28. d. Mts. in Trier bei\nGelegenheit der Einweihung der dortigen Basiiica die neue Orgel\nvon Ad. Ibach Söhne aus Barmen spielen.\nUnter dem Titel „Das Pianoforte\" erscheint bei Ed. Hall-\nberger in Stuttgart eine ausgewählte Sammlung von Original-\nCompositionen, unter Redaction von Dr. Franz Liszt, in monat-\nlichen Heften von vier Bogen hoch Notenformat, in elegantester\nAusstattung, zu dem Pränumerationspreise von 71,2 Sgr. oder 24\nKr. rheinisch für jedes Heft. Im Interesse dieses Unternehmens\nhat sich Herr Dr. Franz Liszt bereit erklärt, die Auswahl der zu\nveröffentlichenden Werke, und somit die künstlerische Redaction\ndesselben, zu übernehmen. Sie wird, der Anlage des Werkes ge-\nmäss, den Standpunkt der modernen Clavier-Technik berücksichti-\ngen, ohne jedoch zu hohe Anforderungen zu stellen, so dass neben\nsehr brillanten Werken insbesondere auch leichtere und für mittel-\nmässige Spieler dankbare Stücke geboten werden sollen. Von fol-\ngenden Componisten ist das Unternehmen freudigst begrüsst und\ntheils schon mit Beiträgen bedacht, theils solche für die nächste\nZeit hiefür zugesagt worden: J. Abert, Julius Benedict, F. Böhm,\nEmil Büchner, Hans von Bülow, Karl Czerny, B. Damcke, Franz\nDoppler, H. Esser, Karl Evers, Jos. Fischhof, F. W. Grund, Ferd.\nHiller, Richard Hol, Baron von Hornstein, Alfred Jaell, Alb. Jung-\nmann, Kalliwoda, Theod. Kirchner, Kittl, Louis Köhler, Wilh. Krü-\nger, Theod. Kullak, Löwe, Karl Mayer, Ernst Methfessel, Joachim\nRaff, Karl Reinecke, Anton Rubinstein, Clara Schumann, Wilh.\nSpeidel, Julius Tausch, J. J. Viotta, Charles Wehle, Rud. Willmers.\nDie leipziger Gewandhaus-Concerte beginnen am 28. September.\nAls Sängerin ist vorläufig Fräul. Agnes Bury engagirt.\nDer zweite Band von Otto Jahn's „Mozart\" hat so eben die\nPresse verlassen; zu Ostern nächsten Jahres soll der dritte Band\nerscheinen, welcher den Schluss des Werkes bildet.\nWien. Dr. Franz Liszt ist Samstag den 20. September von\nWien abgereis't und hat sich nach Prag begeben, wo sowohl seine\nEinweihungs-Messe als einige seiner symphonischen Dichtungen\nzur Auflührung gelange» werden.\nWie man vernimmt, beabsichtigt ein wiener Musicalienhändler\neine Sängerfährt mit dem wiener Männergesang-Vereine im näch-\nsten Jahre nach London zu unternehmen.\nDer Chormeisler des wiener Männergesang-Vereins, Herr Her-\nbeck, ist von dem kölner Männergesang-Vereine zum Ehren-Mit-\ngliede ernannt worden.\nZum Andenken an Liszt's Anwesenheit in Pesth haben einige\nhochherzige Kunsfreunde den Preis von 80 Ducaten für das beste\nLibretto zu einer heroischen Oper, deren Stoff der ungarischen\nGeschichte angehört, bestimmt.\nJohann Strauss wird Aufangs Oetober von seiner Reise\nnach Petersburg wieder in Wien eintreffen. Derselbe befindet sich\nderzeit in Moskau, um die Musik der Bälle, welche der k. k. öster-\nreichische Krönungs-Botschafter, Fürst Esterhazy, dort gibt, zu leiten.\nPeter Cornelius theilt aus Liszt's Erlebnissen unter Ande-\nrem nachstehende zwei Episoden aus mündlicher Ueberlieferung\nmit, wie Liszt einmal einem schlesischen Postillon zu einer Ehren-\nTrompete verholfen. Dieser wackere Schwager hatte ihm so präch-\ntige Stücke und mit so grosser Reinheit und Präcision vorgespielt,\ndass er ihn eines Näheren über seine Lebens-Umstände befragte.\nDa sagte ihm der Postillon unter Anderem, dass er auch eigent-\nlich, wenn es nach Recht gegangen wäre, die Ehren-Trompete ver-\ndient habe, dass man ihn aber durch Ränke und Schliche darum\ngebracht. Liszt wandte sich bald darauf brieflich an Herrn von\nNagler, und hatte die Freude, ,dem braven Kerl zu seinem Rechte\nund seiner Ehren-Trompete zu verhelfen. Der dankbare Postillon\nbrachte dann dem später wieder durchreisenden Meister mit ver-\nschiedenen seiner Collegen ein ganz respeetables Ständchen.\nDieses Ständchen brachte ihn auf eine andere, höchst drollige Ge-\nschichte. In einer belgischen Stadt hatte sich der Männergesang-\nVerein entzweit, und nachdem Liszt sein Concert gegeben, brachte\nihm jede Partie ihre besondere Serenade. Als der Meister diese"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "316", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18560927-01.1.8", "texte": "Ehren-Bezeugungen mit herzlichem Dank hingenommen und sich\neben zur Ruhe begeben wollte, ertönt eine riesige, gewaltige Bass-\nstimme dicht unter seinem Fenster. Liszt öffnet dasselbe und ver-\nnimmt die ganze Nonnenbeschwörung des Bertram aus Robert dem\nTeufel, ohne jegliche Begleitung, doch ganz rein, mit einem weit-\nhin die kühle Nachtluft erfüllenden Ton vorgetragen. Erfreut über\nden klangvollen Timbre des Riesenbasses und neugierig, was das\nzu bedeuten habe, redet er den tönenden Schatten an. „Geruhen\nSie, mein Herr,\" antwortet dieser, „die Huldigung eines vereinsam-\nten Gemüthes hinzunehmen. Ich bin nämlich der Solo-Bassist un-\nseres grossen Gesang-Vereins gewesen; seit er sich aber alberner\nWeise zersplittert hat, stehe ich allein; denn ich konnte mich mit\nkeiner der beiden Parteien vereinigen, und sehe mich desshalb ge-\nzwungen, Ihnen auf diesem Wege, so gut wie möglich, den Zoll\nmeiner Bewunderung darzubringen.\"\nDonizetti schrieb 1818, im Alter von 22 Jahren, zu Bologna\nfünf Quartette für zwei Violinen, Altgeige und Violoncell. Dass er\nein besonderes Interesse für diese Arbeit hatte, zeigt sich dadurch,\ndass man nicht allein die Partitur, sondern auch die einzelnen\nStimmen von seiner Hand ausgeschrieben fand. Dieser kostbare\nAutograph, den man unter dem Nachlasse des Meisters fand, wurde\ndem berühmten Violoncellisten Piatti nach London geschickt, damit\ner die Composition seines Landsmannes durchspiele. Sei es nun,\ndass Piatti wenig Zeit hatte, dass er einem Erstlingswerke wenig\nWerth beimass, oder dass irgend ein anderer Grund vorwaltete,\nkurz: die Quartette schlummerten ganz ruhig in Piatti's Bibliothek,\nbis ihn unlängst sein Freund Bozzini, der bekannte Violinist, be-\nsuchte, beim Durchstöbern der Bibliothek das Manuscript fand und\nalsbald von der lebhaftesten Begierde erfasst wurde, den Inhalt\nkennen zu lernen. Ein Entschluss war bald gefasst; zwei eben so\ntüchtige Musiker, Bottesini und Ordili, wurden eingeladen, und un-\nverzüglich ging man ans Werk. Kaum aber hatten die Künstler\ndas erste Quartett durchgespielt, als die Sympathie für dieses Werk\nihres Landsmannes sie so begeisterte, dass sie ohne Ruhe weiter\ngingen und erst nach der letzten Note des letzten Quartetts sich\nvergönnten, Athem zu holen. Die Quartette sollen von grosser\nSchönheit sein. Der Stil, so verführerisch er auch ist, geht an kei-\nner Stelle über die Gränzen der Kammermusik hinaus und ver-\nräth nirgendwo den Componisten so vieler volksthümlich gewor-\ndenen Opern."}]}