{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-10-04-01", "volume": "bmtnabi_1856-10-04_01", "ocr_sha256": "0609354772756025f5c1100b6093b21a612b09d5b93f85fb4bd1ea7bb10b1242", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/10/04_01/bmtnabi_1856-10-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-04_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-10-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "317", "page_fin": "317", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "317", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 331, "texte": "Inhalt.\nEinige Worte über die Orgel in Russland. Von Wlad. Stassoff. Das Mozartfest in Salzburg. 111. Von ***.\nAnkündigung einer vollständigen Ausgabe von Händel's Werken. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Anstellungen für das\nOrchester und die Rheinische Musikschule, Wiedereröffnung des Theaters Aus Rob. Schumann's Nachlass)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-04-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-04_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-10-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "317", "page_fin": "320", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.2.2", "titre_corps": "Einige Worte über die Orgel in Russland.", "titre_sommaire": "Einige Worte über die Orgel in Russland.", "signature_source": "Wlad. 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Nichts desto weniger ist\ndiese Antwort vollständig richtig.\nDer allgemeine Gebrauch der Orgel bei uns datirt sich\nvon den Zeiten Peter's des Grossen, wo die Vereinigung\nder polnischen Provinzen am Ende des siebenzehnten und\nder deutschen im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts\nVeranlassung zum Baue von zahlreichen Kirchen für ver-\nschiedene Confessionen im russischen Reiche wurde, in de-\nnen denn auch Orgeln erschienen. Aus einer vollständig\nvorhandenen Correspondenz Peter's des Grossen ist be-\nkannt, dass er in einem eigenhändigen Schreiben einen sei-\nner ausländischen Correspondenten beauftragte, ihm eine\nOrgel aus Holland oder Deutschland zu verschreiben für\neine neu gegründete lutherische Kirche. Unter seinen Nach-\nfolgern finden wir, dass im Laufe des achtzehnten Jahrhun-\nderts (und noch mehr des neunzehnten) in den meisten\nGegenden unseres Reiches für die ins Leben getretenen\nkatholischen und lutherischen Kirchen viele Hunderte von\nOrgeln gebaut wurden.\nDer griechisch-russische Cultus findet überhaupt In-\nstrumente beim Gottesdienste nicht zulässig—die mensch-\nlichen Stimmen allein nehmen Theil an den Lobgesängen\nder Kirche —, folglich kann von irgend einer Bedeutung\nder Orgel lür die russische Kirche nicht die Rede sein.\nDoch kann man nicht umhin, sich darüber zu verwundern,\ndass sich im Laufe von 150 Jahren durchaus kein Ge-\nschmack für Orgel und Orgel-Compositionen gebildet hat.\nVon rein musicalischer Seite betrachtet, ist die Orgel ein\nInstrument, wie ein anderes, und das noch vollständiger;\ndenn sie ist eine harmonische Verbindung mehrerer Instru-\nmente zugleich, wie das Orchester. Soll man nun über das\nFactum nicht staunen, dass wir seit den Zeiten Peter's des\nGrossen von West-Europa her alle Formen der Musik, den\nGebrauch aller Arten musicalischer Instrumente bei uns\neingeführt, Orchester gebildet, in allen Musik-Gattungen\nnicht nur Componisten, sondern auf einzelnen Instrumen-\nten sogar Virtuosen besitzen— und dennoch die Orgel al-\nlein, das kolossalste und erhabenste Instrument, fast ganz\nvergessen haben? Im Laufe dieser 150 Jahre wurde unser\nInteresse für Oper, Oratorium, Ballet, Lied (und für das\nLied ganz besonders), Symphonie, Quartett aufs leb-\nhafteste erregt; zu gleicher Zeit wurde in uns das Bedürf-\nniss rege, das im Westen von Anderen schon früher Be-\ngonnene durch das eigene Talent fortzusetzen, zu erwei-\ntern : und so erschienen denn bei uns Componisten und\nVirtuosen für alle Musik-Gattungen und Instrumente; nur\ndie Orgel blieb verwais't.\nUnd warum? Sind denn die Orgel und die Orgel-\nCompositionen etwas so Abgeschiedenes und mit der Musik\nund allen ihren Gattungen in keiner Verwandtschaft und\nkeinem nothwendigen Zusammenhange Stehendes, etwas\nUeberflüssiges und Entbehrliches?\nUngeachtet des Vorhandenseins vieler Hunderte von\nOrgeln haben wir bis jetzt nicht nur keinen russischen Or-\nganisten (um so weniger also eine russische Orgel), sondern\nman hat sich nicht einmal die Mühe gegeben, zu erfahren,\nob nicht auch in diesem Zweige der musicalischen Compo-\nsition Grosses geleistet worden! Bis jetzt blieb für uns alles\nauf die Orgel und die Composition für dieselbe Bezügliche\nein tiefes Geheimniss, eine Terra incognita. Die Apathie\ngegen die Orgel liegt bei uns in der Luft, und das in solch\neinem Grade, dass sogar die hieher kommenden Organisten,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "318", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5020, "texte": "die bei den Kirchen nicht griechische!\" Confessionen ange-\nstellt worden, von ihr angesteckt werden. Anfänglich sind\nsie zwar beeifert, auf ihren zuweilen ausgezeichneten und\ngleich ihnen aus Deutschland verschriebenen Orgeln einige\nvon den berühmten Sachen, die sie bei sich in der Heimat\ngehört und lieb gewonnen, zu spielen. Aber sie machen\ndiese Hebungen lür sich selbst, weil Niemand weder die\nLust noch die Notwendigkeit verspürt, sie zu hören. Da\nnun auch unter den verschriebenen ausländischen Organi-\nsten bis jetzt nicht ein einziges von jenen selbstständigen\nund mächtigen Talenten vorhanden gewesen, die, durch\nCharakter und Fähigkeit gleich energisch wirkend, ihr gan-\nzes Leben nur um der Kunst willen an die Kunst setzen,\nso wurden die gut gemeinten Bemühungen der besseren\nOrganisten bald lahm; die mitgebrachten Hefte der einst-\nmals sie begeisternden Orgel-Compositionen wurden zur\nSeite geschoben, und während der übrigen Lebensjahre be-\ngnügten sie sich mit einem bedeutungslosen, mechanischen,\nformellen Accompagnement des vorgeschriebenen rituellen\nChoralgesanges, und ergingen sich höchstens hier und da\nin einigen Tacten träger, seelenloser Präludien.\nAuf diese Weise schwand bei uns die letzte Möglich-\nkeit, eine nähere Bekanntschaft mit der Orgel und allem\ndem, was für sie geschrieben worden ist, zu machen; es\nhat sich die Meinung immer mehr eingewurzelt, dass die\nOrgel bloss in der katholischen und lutherischen Kirche zu-\nlässig und nothwendig, sonst aber überall überflüssig und\nunnütz sei. Vergessen wir dabei nicht, dass die Orgel in\nder Epoche ihrer vollen Entwicklung bei uns eingeführt\nwurde. Die ersten Organisten wanderten zu uns im An-\nfange des achtzehnten Jahrhunderts ein, als ganz Deutsch-\nland von den würdigen Schülern und Nachfolgern der be-\nrühmten Orgelmeister des siebenzehnten Jahrhunderts über-\nfüllt war, als in Europa allenthalben die Namen Bach und\nHändel mit Ruhm genannt wurden. Dessen ungeachtet\nblieben uns sowohl die grossen Componisten und ihre be-\nrühmten Schöpfungen, wie auch die hohe Bedeutung der\nOrgel für die ganze europäische Musik gänzlich unbekannt,\ngleichsam als hätte Jemand absichtlich den Vorhang vor\nunsere Augen gezogen, damit wir nicht sehen sollten, was\nim übrigen Europa vorging.\nGegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts verfiel nach\nund nach die Orgelkunst, die in der ersten Hälfte dessel-\nben zur höchsten Stufe der Entwicklung gelangt war. Es\nverlor sich der reine Geschmack und die wahre Tradition.\nDie kirchliche Orgelmusik wurde theatralisch; sie\nstieg von ihrem früheren hohen Standpunkte und entsprach\nihrer wahren, hohen Bestimmung nicht mehr; die nicht\nkirchliche Orgelmusik wurde dem Dienste der Vir-\ntuosität geweiht, und so entstand der Verfall der Orgel in\nItalien und Frankreich und zum Theil auch in Deutschland\nund England. Wenn nun die Orgel sich bei uns nicht ein-\nheimisch machen konnte in der Epoche ihres grössten\nGlanzes, so konnte sie um so weniger späterhin Bürger-\nrecht erlangen.\nAls Antwort auf diese Fragen und Bemerkungen be-\nhaupten Viele, die Orgel könne und müsse bei uns kein\nanderes Schicksal haben aus dem einfachen, vollkommen\ngenügenden Grunde, dass sie ihre Herkunft und Existenz\nin allen europäischen Ländern ausschliesslich dem Cultus\nder Kirche und dem rituellen Kirchendienste verdanke; da\naber der griechisch-russische Glaube bei Ausübung des\nKirchendienstes die Instrumental-Musik unzulässig finde, so\nsei es ganz natürlich und recht, dass die Orgel bei uns\ndurchaus keine Bedeutung, keine Entwicklung erhalten\nhabe und aus der russischen Musik gänzlich ausgeschlos-\nsen sei.\nDiese Gründe jedoch, die auf den ersten Blick über-\nzeugend erscheinen, verlieren gänzlich ihr Gewicht, wenn\nman sie der Geschichte und den Thatsachen gegenüberstellt.\nFreilich ist es wahr, dass die Orgel nicht nur von ih-\nrer Einführung an, sondern auch später, während mehre-\nrer Jahrhunderte, ausschliesslich dem Religions-Cultus ge-\nwidmet war. Doch bezieht sich dies auf die frühesten Pe-\nrioden der Orgel, als sie auf der niedrigsten Stufe ihrer\nEntwicklung stand.\nIm vierzehnten Jahrhundert lässt sich die Unvollkom-\nmenheit der Orgeln schon allein dadurch am deutlichsten\nbeweisen, dass dieselben bloss aus zwei Octaven bestanden\nund die Claviaturen von einer solchen Breite waren, dass\ndie ausgespannte Hand kaum die Quinte greifen konnte;\nim Allgemeinen war die damalige Orgel kaum im Stande,\neinen mitlelmässigen Choral aufzuführen, und von einem\nselbstständigen Orgelspiel konnte keine Rede sein.\nErst im fünfzehnten Jahrhundert ward das Pedal\nder wichtigste Theil und die Basis der Orgel erfunden;\nselbst im sechszehnten Jahrhundert stand das Orgelspiel\n(wie auch die ganze Instrumental-Musik) auf der niedrig-\nsten Stufe, es war das knechtische Echo der Vocal-Musik\nund der Singkunst.\nSo spielte denn die Orgel am Ende des sechszehnten\nund zu Anfange des siebenzehnten Jahrhunderts eine cha-\nrakterlose Rolle, die jeder künstlerischen Bedeutung ent-\nbehrte. Sobald aber die Vervollkommnung im Mechanismus"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5143, "texte": "und in der Bauart des Instrumentes den Organisten die\nMöglichkeit gaben, selbstständig aufzutreten, hörle die Or-\ngel auf, ausschliessliche Dienerin der Kirche zu sein; sie\nerhöhte sich zur Selbstherrschaft, und ihre ursprüngliche\nBestimmung verlassend, begann sie nach der Erreichung\neines selbstständigen Zieles zu streben nach dem allge-\nmeinen Ziele der musicalischen Kunst.\nVom siebenzehnlen Jahrhundert an, als die Orgel zur\nwirklichen Orgel wurde, hörte sie auf, ein ausschliesslich\nkirchliches Instrument zu sein. Sie wurde ein Instrument,\nwie alle anderen, wie das Orchester selbst. Man ging nun\nhäufig in die Kirche, um die Orgel zu hören, um die Kunst\ndes Organisten zu bewundern, seine Fugen, Phantasieen,\nVariationen zu hören, und es kam so weit, dass die Orgel\nnicht nur ein streng kirchliches Instrument zu sein aufhörte,\nsondern dass im Gegentheil die Kirche mit der Orgel in\nAntagonismus trat.\nIn die päpstliche Capelle und einige andere Kirchen\nItaliens und Frankreichs (s. Forkel, Geschichte der Musik,\nT. II.) wurde die Orgel nie eingelassen, und die jetzigen\nWiederhersteller des alten Kirchengesanges (s.\nbillolte, theorie esthetique et p Mo-\nrellot, Clement Felix, in der Revue de musique religieuse,\nannales archeologiques, im berühmten Rapport au mi-\nnistre des cultes etc. etc.)in seiner ursprünglichen Reinheit\nverlangen dringend, dass die Orgel in der Kirche nicht an-\nders zulässig sei, als unter der Bedingung des Verlustes\nihrer Selbstständigkeit, so dass sie nur eine gehorsame\nGehülfin beim Gesänge der Gemeinde oder des Sänger-\nchors sein soll. Diese Forderungen, consequent auf der Ge-\nschichte des Kirchenrechtes und der Kirchen-Tradition ba-\nsirt, beweisen am besten, dass die vollkommene Entwick-\nlung der Orgelkunst und der Orgel-Composition mit dem\nRitual nicht zusammenhängt; für die Kirche ist die unent-\nwickelte Orgelkunst und Orgel-Composition vollkommen\ngenügend: der Orgel sind dagegen die streng genomme-\nnen Anforderungen und Aufgaben des Kirchen-Cultus nicht\nfrei genug, nicht zureichend. Bei gegenseitiger Berührung\nder Kirche und der Orgel werden nothwendiger Weise die\nRechte der einen oder der anderen beeinträchtigt. Dieses\nist bis zu einem solchen Grade wahr, dass sogar die ge-\nnialen, unerreichbaren Compositionen Bach's und anderer\ngrosser Männer jetzt nicht als kirchliche anerkannt\nwerden, wie sehr sie auch von einem tiefen religiösen\nGeiste erfüllt sind.\nAuf diese Weise stossen wir in der Geschichte der\nwestlichen Kirche auf Proteste gegen den nicht-kirchlichen\nGebrauch der Orgel beim Gottesdienste. Diese Nichtkirch-\nlichkeit war unvermeidlich und eine nothwendige Folge da-\nvon, dass die Orgel die Möglichkeit einer selbstständigen,\nfreien Entwicklung, die Selbsterkenntniss ihrer Kräfte er-\nhielt. Daher finden wir auch bereits vom Ende des sechs-\nzehnten Jahrhunderts in den Titeln vieler Orgel-Compo-\nsilionen (s. Becker, Die Tondichter des XVI. und XVII.\nJahrhunderts), dass einige Stücke eigens für die Organisten\nbestimmt sind, wie auch „für die Jugend\"; sodann finden\nwir in der Zahl der Orgelstücke alle Arten der damaligen\nitaliänischen, französischen, englischen, deutschen, spani-\nschen und polnischen Tänze, und endlich die Anzeige, dass\nalle diese Orgel-Compositionen sowohl für den Gebrauch\n„in der Kirche\" als auch „im Hause\" (daher auf der\nLaute, dem Clavichord, dem Spinett) bestimmt wären.\nSolcher Weise kann die Orgel bei dieser „profanen\"\nRichtung nicht als ein bloss kirchliches Instrument ange-\nsehen werden. Ihre Entwicklung erfolgte nicht unter dem\nEinflüsse der Kirche und für kirchliche Zwecke; die Orgel\nfolgte darin bloss der von der ganzen musicalischen Kunst\neingeschlagenen Bahn, und daher ist auch alles Grosse und\nErhabene, bis jetzt für die Orgel Erschaffene zwar für die\nmusicalische Kunst im Allgemeinen von der höchsten Wich-\ntigkeit, hat aber keine oder eine nur sehr geringe, be-\ngränzte Beziehung auf den rituellen Cullus. In keiner der\nwestlichen Kirchen erhielten sich im praktischen Gebrauche\njene zahlreichen Orgel-Compositionen, die ursprünglich von\nihren Autoren für die Kirche und den Gottesdienst bestimmt\nwaren. Sie haben gegenwärtig ihre frühere Bedeutung ver-\nloren, dagegen aber eine neue und mächtigere erhalten,\nund das wahrscheinlich auf ewig.\nNach Anführung des hier Gesagten erweis't sich die\nUnzulänglichkeit der Meinung, dass die Orgel in Russland\naus dem Grunde nicht einheimisch werden konnte, weil sie\nein kirchliches Instrument und daher für uns unnütz sei.\nNein, sie konnte bei uns gleicher Weise mit allen anderen\nInstrumenten des Orchesters eingeführt werden, weil ihre\nEntwicklung selbstständig vor sich gegangen war; und\nwenn uns Opern, Symphonieen, Quartette und alle Instru-\nmente des Orchesters interessiren konnten, so verdienten\nauf gleiche Weise alle Arten der Orgel-Composition und\ndie Orgel selbst das gleiche Interesse.\nDie Ursache, wesshalb die Orgel sich bei uns nicht\nBahn gebrochen, besteht also keineswegs darin, worin Alle\nsie suchen. Der Entwicklung unserer Vocal-Musik kann\nman doch auf keinen Fall alle jene falschen, eingebildeten\nHindernisse entgegen halten, die der Einführung der Orgel"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4811, "texte": "untergeschoben wurden; die Entwicklung der Vocal-Musik\nkonnte bei uns vollständig frei vor sich gehen: dennoch\nhatten wir keine Paleslrina, Orlando Lasso, noch Vittoria,\nnoch Nanini, noch Scarlatti, noch alle übrigen grossen Vo-\ncal-Componisten des Westens. Wo ist das Hinderniss ihres\nErscheinens bei uns? Sie sind nun einmal nicht erschie-\nnen! Wären auch durchaus keine „Hindernisse\" vorhanden\ngewesen, so würden wahrscheinlich doch keine grossen\nOrganisten bei uns geboren worden sein, und so kann man,\nnach der Analogie zu urtheilen, mit Recht den Scbluss ziehen,\ndass aus denselben Gründen, in Folge deren bei uns keine\nPalestrina erschienen sind, auch bis jetzt keine Frescobaldi,\nFroberger, Pachelbel, Bach u. s. w. geboren worden sind.\nWelche sind denn die Ursachen? Ihrer sind viele, und\ndie wichtigsten wohl die Richtung des Geschmacks und der\nCharakter des Volkes. Die nöthige Aufklärung kann uns\ndie Geschichte unserer ganzen Musik geben, wie auch die\nGeschichte unserer ganzen Civilisation, die nicht allmählich,\ngleich einer tiefen, sich entfaltenden Wurzel, sondern in\nSprüngen und durch Aneignen dessen, was von Anderen\nim Laufe langer und mühsamer Jahrhunderte errungen\nworden, vor sich gegangen ist.\nUnwillkürlich wirft sich die Frage auf: Ist denn wirk-\nlich für die Orgel keine Zukunft bei uns zu hoffen? Wird\nsie ewig in ihrer jetzigen Stellung bleiben, und sollte es\nwirklich ihr Schicksal sein, in der Geschichte unserer Mu-\nsik keine Rolle zu spielen?\nAuf diese Frage eine positive Antwort zu geben,\ndürfte freilich unmöglich sein. Es lässt sich nicht vorher-\nbestimmen, welches Schicksal der russischen Musik beschie-\nden ist, welche Richtungen sie einschlagen wird, ob ihr ir-\ngend eine Entwicklung bevorsteht oder nicht; und wenn\neine solche bevorsteht, ob sie eine vollständige in allen\nZweigen der musicalischen Kunst, oder eine nur einige\nZweige derselben betreffende sein wird. Dennoch kann\nman mit voller Gewissheit behaupten, dass, wenn jemals bei\nuns in der Musik das Element des Grossen und Erhabenen\nerscheinen wird, nothwendiger Weise auch die Orgel einen\nmächtigen Antheil daran haben wird. Dieses Instrument ist\nvorzüglich dazu geeignet, die tiefsten und mächtigsten Be-\nstrebungen des menschlichen Geistes auszudrücken, das Er-\nhabene in musicalischen Formen und Weisen wiederzuge-\nben, in jenen ergreifenden Tönen, jenen mächtigen, gleich-\nsam aus der Ewigkeit zu uns redenden Stimmen, deren\nAusdruck und Pracht keinem anderen Instrumente, keinem\nOrchester möglich ist. Ist es wohl denkbar, dass da, wo\neine so unendliche Fülle, Mannigfaltigkeit und Grösse von\nMitteln, wie bei der Orgel, vorhanden ist, eine Zeit eintre-\nten könnte, wo die producirende Fähigkeit der Künstler\nein solches Instrument, ein solch vollständiges Orchester\nvernachlässigen und übersehen werde, als Märe es bereits\nerschöpft, als hätte es schon alles gesagt, was es auszu-\nsprechen iahig ist?\nNein, nie und nimmer kann das geschehen! Für die ewig\nneuen, stets sich mehr entwickelnden und zeugenden Fähig-\nkeiten der Künstler könnte die Orgel nur dann überflüssig\nwerden, wenn auch das Orchester sich überlebt und er-\nschöpft haben würde. Wie für die Orchester-Compositionen,\nso auch für die der Orgel liegt das grosse, unabsehbare\nFeld der Zukunft da. Möglich ist es, dass nicht allen Völ-\nkern bestimmt ist, dieses Feld zu bearbeiten, eben so wie\nes nicht einem jeden Volke gegeben ist, eine jede Kunst\nzu entwickeln, oder das fortzusetzen, was von anderen Völ-\nkern begonnen worden. Dennoch wiederhole ich, dass man\nnirgend die vollkommene Entwicklung der erhabensten,\ntiefsten Seiten der Musik voraussetzen kann, ohne dass die\nOrgel dabei die erste Rolle spielte. Das Vorhandensein und\ndie Anwendung der Orgel für sich allein genommen, ist\nzwar nicht schon der Beweis für die Existenz, die Produc-\ntivität, die Fülle und Tiefe des in einem gegebenen Lande\nund in einem gegebenen Zeiträume sich offenbareuden mu-\nsicalischen Genius, sie ist aber eines der sichersten Kenn-\nzeichen dieses Genius und eine unerlässliche Bedingung der\nExistenz desselben.\nUnd so können wir denn sagen: wenn es unse-\nrer Musik bestimmt ist, nimmer aus den Gränzen des Di-\nlettantismus, des verdorbenen Geschmacks, der Mode, des\nRomanzengeistes herauszutreten, so wird es mit der Ein-\nführung der Orgel und der Orgel-Compositionen bei uns\nnoch lange dauern, vielleicht auch wird sie nimmer erfol-\ngen. Sollte aber auch uns eine Zeit der Grösse, der mäch-\ntigen Schöpfung in der Musik, der Erscheinung eines Pa-\nlestrina, Händel, Gluck oder Mozart bestimmt sein, so wer-\nden dann auch Talente auftauchen, die gleichzeitig mit je-\nnen grossen Schöpfern, oder vielleicht ihnen vorangehend,\ndie Orgel und die Orgel-Composition in ihrer ganzen Grösse\nbearbeiten werden.\nSt. Petersburg, 1. Sept. 1856.\n\nWlad. Stassoff."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-04_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-10-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "320", "page_fin": "322", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.2.3", "titre_corps": "Das Mozartfest in Salzburg.", "titre_sommaire": "Das Mozartfest in Salzburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.4", "debut_caractere": 4813, "fin_caractere_exclue": 4978, "texte": "Das Mozartfest in Salzburg.\nIII.\n(S. I. Nr. 38, 11. Nr. 39.)\nDer dritte Tag (9. Sept.) wurde durch das zweite\nFest-Concert gefeiert, welches Abends 7 Uhr Statt fand."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4898, "texte": "Es begann mit der Aufführung der (7-moW-Sinfonie von\nBeethoven eine Eröffnung, deren Anordnung und Aus-\nführung des Festes vollkommen würdig war, was man frei-\nlich nicht von der Wahl alier Musikstücke sagen kann.\nFranz Lachner dirigirte wie immer mit ausgezeichneter Si-\ncherheit und Umsicht, und das Orchester bewährte sich\ntrefflich. Nur im Andante kamen in den Blas-Instrumenten\neinige kleine Verstösse vor. Nach den Tempi im ersten\nConcerte machten wir uns vor einer Uebertreibung der Be-\nwegung in dem letzten C-dur-Sutze bange; allein es fand\ngerade das Gegentheil von dem, was wir vermuthet hatten,\nStatt: der Satz wurde in auffallend langsamem Zeitmaasse\nvorgetragen. Wenn nun auch sicher diesem Prachtstücke\nein mässiges und gemessenes Tempo zukommt, um die\nGrösse und Breite seiner Dimensionen und die Erhabenheit\nder Gedanken zu eindrucksvoller Erscheinung zu bringen,\nso darf man doch auf der anderen Seite ihm den Charakter\neines Allegro nicht nehmen, weil sonst das andere Element\ndesselben, das Triumphirende, Siegesglänzende nicht genug\nheraustritt.\nDer folgende Chor von J. S. Bach: „ Herrscher über\nTod und Leben\", in E-dur,schien aus einer grösseren\nKirchen-Cantate genommen, welcher er wahrscheinlich zur\nEinleitung dient. Er wurde von dem zwar schwachen, aber\ntrefflich eingeübten Sängerchor recht schön vorgetragen.\nDer Vortrag der überaus reizenden Arie aus Hän-\ndel's „Acis und Galathea\" durch Frau Diez dürfte von\nallen Soli, die in den Fest-Concerten gesungen worden,\nleicht der befriedigendste sowohl in Bezug auf Wohllaut\nder Stimme, als auf künstlerische Behandlung derselben\nund auf richtige Auffassung der Composition gewesen sein.\nWer die Triller tadelte, verrieth dadurch nur seine Unbe-\nkanntschaft mit derjenigen Vortragsweise, welche Händel\nselbst vorschreibt und welche die Tradition in England be-\nwahrt hat. Sie wurden von. der liebenswürdigen Sängerin\nmit vielem Geschmack angebracht und ausgeführt.\nDas Vocal-Quartett von J. Haydn: „O wunderbare\nHarmonie, was Er will, will auch Sie\", passte keineswegs\nfür ein festliches Concert, und der etwas derbe Vortrag be-\nsonders der Bass-Partie war eben nicht geeignet, dem\nScherze des alten Vaters Haydn eine edlere Farbe zu ge-\nben. Allein es wurde stürmisch verlangt, und dem\nVerlangen wurde gern gewillfahrt.\nUnmittelbar auf diese Schilderung der ehelichen Har-\nmonie im Zechen, Spielen u. s. w. folgte die Verherrlichung\nder ehelichen Liebe durch Gluck in dessen „Orpheusund\nEurydice\" eine merkwürdige Zusammenstellung im Pro-\ngramra! Der zweite Act dieser Oper wurde aufgeführt,\nund zwar in Chor, Orchester und Solo recht gut. Frau\nCaroline von Mangstl, geb. Hetzneck er, hat eine\nschöne, volle Altstimme und weiss zu singen; etwas mehr\nWärme des Ausdrucks würde die Wirkung ihres Gesanges\nnoch bedeutend erhöhen.\nIn der zweiten Abtheilung des Concertcs wurde Men-\ndelsso hn's Ouvertüre zu Ruy Blas recht schön ausge-\nführt; namentlich war das Piano in den beiden Mittelsätzen\nsehr gut, wodurch die Forfe-Stellen recht kräftig hervor-\ntraten. Eben so wurde der Marsch und Chor: „ Schmückt\ndie Altäre\", aus den Ruinen von Athen von Beethoven\nbesonders feurig und mit trefflicher Steigerung in der Ein-\nleitung bis zum Forlissimo wiedergegeben. Der Vortrag\nder Tenor-Arie aus Weber's Euryanthe: „Wehen mir\nLüfte Ruh'\", durch Herrn Härtinger war uns doch\netwas gar zu süsslich und manierirt.\nEin Glanzpunkt war das Violinspiel von Joseph\nHellmesberger aus Wien. Er trug Spohr's Concert\nin Form einer Gesangscene vor. Schöner Ton, glänzender\nBogenstrich, vollendete Reinheit und seelenvoller Ausdruck\nim Melodischen zeichnen diesen Künstler aus, der zu den\nViolinisten ersten Ranges gehört. Er wurde zweimal stür-\nmisch gerufen.\nEine Jugendarbeit Beethoven's, das Terzett „\nmate, empj, tremate/\" für Sopran (Frau Behrend-Brandt),\nTenor (Herr Härtinger) und Bass (Herr Rindermann) wurde\neben nicht ausgezeichnet gesungen. Das „Halleluja\" von\nHändel machte denSchluss auf grossartige Weise, indem\nes von Chor und Orchester sicher, genau und kräftig aus-\ngeführt wurde.\nFranz Lachner verdient überhaupt die grösste Aner-\nkennung; wer die Mühen und Arbeiten eines Dirigenten\nbei musikfestlichen Aufführungen nur einiger Maassen kennt,\nwird diesem wackeren Leiter von Herzen für die vielen ge-\nhabten Kunstgenüsse den besten Dank sagen und ihm Glück\nzu dem Gelingen des Festes wünschen.\nAm vierten Festtage fand noch ein Morgen-Con-\ncert für Kammermusik Statt, eine ganz gute Anord-\nnung, welche aber in der Ausführung schon desswegen\nkein ganz günstiges Resultat liefern konnte, weil einige\nKünstler ich weiss nicht, welches Conflictes halber (o\nwunderbare Harmonie der Harmonie!) sich zurückgezo-\ngen hatten und in Folge dessen das ursprünglich bestimmte\nund auch bereits gedruckte Programm nicht ausgeführt\nwerden konnte. Die vorzutragenden Stücke wurden nun\nvon einem Mitgliede des Comite's mündlich verkündet. Es"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1600, "texte": "waren für Streich-Instrumente das Quartett in von\nJ. Haydn, das Quintett in von W. A. Mozart,\ndas Quartett in A-duvvon Beethoven; für Gesang drei\nDuette von Mendelssohn für zwei weibliche Stimmen\nund F. Schubert's „Erlkönig\".\nDie Quartette und das Quintett wurden von Mitglie-\ndern der münchener Hofcapelle vorgetragen. Es spielte\nwohl Jeder seine Stimme ganz gut, aber zu einer wirklich\nkünstlerischen Leistung fehlte es an der Hauptsache: an\ndem Zusammenspie! und der innigen Verschmelzung. Man\nmerkte dem Ganzen an, dass das Programm in Eile zusam-\nmengestellt worden war. Von den Gesang-Duetten lässt\nsich fast dasselbe sagen; sie wurden von zwei Stimmen\nrecht hübsch gesungen, aber das gegenseitige Verständniss,\nder innere Zusammenhang, die übereinstimmende Empfin-\ndung wurden vermisst. Den „Erlkönig\" sang Frau Beh-\nrend-Brandt. Wir halten es immer für einen Missgriff, wenn\ndiese Ballade von einer Frauenstimme vorgetragen wird;\nda sich nun aber vollends die Sängerin erlaubte, an einer\nder wirksamsten Stellen, bei dem dritten Angstrufe des\nKnaben:\ng anstatt geszu singen, so kam zu dem Missgriffe in der\nWahl noch ein arger Fehlgriff in der Ausführung hinzu.\nNehmen Sie mit diesem aphoristischen Berichte eines\naufrichtigen Kunstfreundes fürlieb; zu ausführlichen Schil-\nderungen hat man auf Reisen und auf Musikfesten bekannt-\nlich wenig Zeit; jedoch glaube ich nichts Wesentliches ver-\ngessen zu haben, was das Fest charakterisiren und die\nAufführungen ins Licht stellen könnte. Es waren schöne,\nheitere und genussreiche Tage, die lange in der Erinnerung\njedes Theilnehmers leben werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-04_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-10-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "322", "page_fin": "324", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.2.4", "titre_corps": "Ankündigung einer vollständigen Ausgabe von Händel's Werken.", "titre_sommaire": "Ankündigung einer vollständigen Ausgabe von Händel's Werken.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.6", "debut_caractere": 1602, "fin_caractere_exclue": 4810, "texte": "Ankündigung einer vollständigen Ausgabe von\nHändel's Werken.\nIm Jahre 1859 (am 14. April) kehrt der Tag wie-\nder, an dem vor hundert Jahren Georg Fr. Händel\nverschied. In der Stadt Halle werden die Vorbereitungen\ngetroffen, dem grossen Tonkünsller, der dort 1685 gebo-\nren ist, ein Ehren-Denkmal zu errichten; und dies wird\nvoraussichtlich die Anregung geben, dass dieser Tag in\neiner grossartigen, des Anlasses würdigen Säcularfeier in\nganz Deutschland begangen werde.\nDer Gedanke zu diesem Ehrenfeste in Händel's Vater-\nstadt berührte sich mit einem verwandten Entwürfe, der\ngleichzeitig in anderen Kreisen angeregt wurde: dem ehr-\nwürdigen Todten noch ein zweites, weiteres Denkmal in\ndem deutschen Volke zu stiften durch eine vollständige,\nkritische Muster-Ausgabe seiner Werke. Es ist dies eine Eh-\nrenschuld, welche Deutschland zu entrichten hat, und die in\ndem Jahrhundert seit Händel's Tode ausstehen geblieben ist.\nInnere und äussere Verhältnisse haben in Händel's Ju-\ngendzeit zusammengewirkt, ihn seinem Vaterlande zu ent-\nlühren. Sein Bildungsdrang trieb ihn früh in die hohe Mu-\nsikschule der Zeit, nach Italien; dann fesselte ihn Ruhm\nund Ehre in England, wo er der Tonkunst eine neue Hei-\nmat schuf. Dadurch ist Er, dadurch sind seine Tonwerke,\ndenen meist nur italiänische und englische Texte unterlie-\ngen, uns äusserlich entzogen, innerlich für lange entfrem-\ndet worden; und sie sind es zum guten Theile noch. Die\nEngländer, unter denen er die längste Zeit lebte und\nwirkte und starb, haben ihn und seine Kunst unter sich\neingebürgert, haben ihm sein Gedächtnissmal in dem Pan-\ntheon ihrer grossen Eingeborenen erhöht und haben mehr-\nfach Hand angelegt, seine Werke zu sammeln, die sie in\nihrer grösseren Zahl handschriftlich besitzen und als ein\nNational-Eigenthum bewahren und verehren.\nGleichwohl gibt es auch in England keine vollendete\nSammlung von Händel's Werken. In der vollständigsten\nAusgabe (von Arnold) sind die italiänischen Werke des\nMeisters nur sehr spärlich, seine deutschen Erstlinge aus\nHalle und Hamburg, die seinen Zusammenhang mit der\ndeutschen Musik zur Anschauung bringen, gar nicht ver-\ntreten; in allem Mitgetheilten ist die Partitur sehr fern von\nCorrectheit und der Text nicht selten ganz unverständlich.\nDie neu begonnene Ausgabe der Händel-Gesellschaft sucht\ngrösseren Anforderungen zu entsprechen. Aber sie zieht\nsich langsam hin; und würde sie einst vollendet, so be-\nstände sie nur in einer geschlossenen Anzahl von Exem-\nplaren. Für alle weiteren Kreise in Deutschland bliebe sie\nimmer unbrauchbar, schon aus Mangel eines deutschen\nTextes.\nWas von Händel's Werken in Deutschland und lür\nDeutschland zubereitet ist, bleibt, wie Vieles auch dafür in\nden letzten Jahrzehenden geschah, immer nur ein dürftiges\nStückwerk. Von seinen italiänischen Werken, über deren\nästhetischen und geschichtlichen Werth Viele absprechen\nund Keiner ein Urtheil haben kann, ist kein einziges in\nDeutschland bekannt. Von den oratorischen Tonwerken zu\nenglischen Texten gibt es noch immer eine Anzahl, von\nderen blossem Dasein und Namen selbst viele eifrige Musik-\nfreunde in Deutschland keine Kunde haben. Unter den öf-\nter aufgeführten, in Clavier-Auszügen verbreiteten Stücken"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5105, "texte": "dieser Ciasse sind einige der vortrefflichsten gerade, wie\nSamson und Belsazer, nur ärmliche Auszüge, die von dem\nGanzen keine Vorstellung geben. In echter und voller Ge-\nstalt und mit einem angemessenen deutschen Texte ausge-\nstattet existirt unter uns, kann man sagen, kaum ein ein-\nziges von Handels sämmtlichen Werken.\nSoll Händel jemals unter uns wieder zurückgebürgert\nwerden, sollen wir in unserer Kenntniss und Würdigung\ndes Genius, der unser ist, nicht hinter den Engländern zu-\nrückbleiben, sollen wir den Verlust des äusseren Besitzes\nseiner Werke, deren Handschriften der grosse Friedrich 11.\nnach Händel's Tode vergebens zu erwerben trachtete, durch\ninnere Aneignung gut machen, so ist es unbestreitbar das\ndringendste Bedürfniss, dass eine vollständige, historisch-\nkritische Ausgabe dieser Werke von Deutschen für Deutsch-\nland besorgt werde.\nDiese Aufgabe anzugreifen, haben sich auf den Anlass\nder bevorstehenden Säcularfeier, auf Anregung und unter\nder hohen Protection und Förderung Sr. R. Hoheit des\nkunstsinnigen Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha die Un-\nterzeichneten aus allen Theilen Deutschlands zu einem Aus-\nschusse vereinigt, der sich in seiner Gesammtheit verpflich-\ntet, dieser Unternehmung überall die möglichst grosse Un-\nterstützung zu leihen und Theilnahme zu gewinnen, und\naus dessen Mitte demnächst ein engeres Directorium von\nfünf Mitgliedern wird ausgeschieden werden, dem die Lei-\ntung und Ausführung der Ausgabe obliegen soll.\nZu einem Monumente für den Tonkünstler bestimmt,\nsoll diese Ausgabe, so viel es möglich ist, zugleich ein\nDenkmal deutscher Sorgfalt und Gründlichkeit werden. Sie\nsoll die Partituren nach der genauesten Vergleichung der\nOriginal-Handschriften und der vorhandenen Abschriften\nund alten Drucke in möglichst reiner Gestalt herstellen.\nZur Beförderung der allgemeinsten Nutzbarkeit und Ver-\nbreitung sollen ihnen bei den Gesangwerken Ciavier-Aus-\nzüge beigegeben werden. Den ursprünglich englischen und\nitaliänischen Texten soll eine sorgfältig gearbeitete deutsche\nUebersetzung hinzugelügt sein. Zweckmässige sachliche und\nbibliographische Einleitungen und Bemerkungen in möglich-\nster Kürze und Vollständigkeit sollen jedem einzelnen\nWerke vorausgehen. Sämmtliche Werke, die sich in die\ndrei Classen von Opern, Oratorien und Hymnen, Kammer-\nund Instrumentalwerken abtheilen, werden innerhalb dieser\nAbtheilungen in chronologischer Folge geordnet werden,\nohne dass darum bei Bearbeitung und Erscheinung der ein-\nzelnen Werke eben diese Ordnung eingehalten werden\nmüsste. Was dem Bedürfnisse und allgemeineren Interesse\nnäher liegt, was bedeutend, was neu und unbekannt ist,\nmag für die ersten Erscheinungen immerhin bevorzugt wer-\nden, wenn nur jedem einzelnen Bande die bestimmte Stelle\nangewiesen ist, in die er sich in dem Ganzen einreiht.\nUm zugleich der Mannigfaltigkeit zu dienen und um\ndie Vollendung der Ausgabe nicht ins Unabsehbare zu ver-\nschleppen, sollen jährlich drei Bände, Einer aus jeder der\ndrei Abtheilungen, erscheinen, unter denen die Opern auf\n20, die oratorischen Werke auf 28, die Instrumentalwerke\nund übrigen Gesangstücke auf 12 Bände überschlagen sind.\nFindet die Ausgabe, die nicht eine Sache buchhändlerischer,\nsondern gesellschaftlicher Unternehmung sein soll, dieselbe\nTheilnahme, wie die Ausgabe der Bach'schen Werke, so\nist die Aussicht vorhanden, diese drei jährlichen Lieferun-\ngen, die sich durchschnittlich auf etwa 120 Bogen über-\nschlagen lassen, lür den Jahresbeitrag von zehn Thalern\nzu stellen.\nDruck und Vertrieb haben die Herren Breitkopf\nund Härtel in Leipzig übernommen.\nMöchte denn dieser vaterländischen Unternehmung bei\nallen Beschützern, Pflegern und Ausübern der Kunst die\nUnterstützung zu Theil werden, die ihre Ausführung mög-\nlich macht! Die Unterzeichneten zweifeln nicht, dass die\ndeutsche Nation, die noch keinem ihrer grossen Geister eine\nSammlung seiner Werke versagt hat, die jetzt eben die\nAusgabe der Werke von Bach so bereitwillig fördert, den\ngleichen Eifer auch für Händel's unsterbliche Tonstücke\neinsetzen werde, des Zweiten in diesem gleichaltrigen Mei-\nsterpaare, deren Namen so oft mit Ehrfurcht neben einan-\nder genannt werden.\nAuf eines der einfachsten und natürlichsten Förde-\nrungsmittel dieses Unternehmens wünschen die Unterzeich-\nneten noch besonders hindeuten zu dürfen: es wäre die\nSubscription der vielen grossen und kleinen Musik-Vereine\nin Deutschland auf je Ein Exemplar dieser Werke, dessen\nBetrag (wo nicht andere Wege näher liegen) durch Auf-\nführungen, die dem Zuhörer in demselben Augenblicke\netwas darbieten von dem, für dessen Förderung er wieder\netwas bieten soll, beschafft werden könnte. Und dies zwar\nohne irgend eine grosse Belästigung, da sich die Vollen-\ndung der ganzen Ausgabe auf alle Fälle durch eine Reihe\nvon Jahren hinziehen muss, auf die sich die aufzuwenden-\nden Mühen und Mittel selbst lür kleinere Vereine leicht\nvertheilen würden. Dieser Weg, auf dem die Kunst selber\ndie Kunst fördern würde, verspräche zugleich den sicher-\nsten inneren Erfolg dieser Unternehmung, weil er der\nvolkstümlichste Weg ist, auf dem Händel am unmittelbar-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2176, "texte": "sten und lebendigsten in die Gesammtheit der Nation ein-\ndringen und am schnellsten und gewissesten jener grossen\nVolksgunst, die er in England voraus hat, auch bei uns\ntheilhaftig werden würde.\nAm 15. August 1856.\nC. F. Becker in Leipzig. L. Bischoff in Köln.\nBreitkopf & Härtel in Leipzig. Fr. Chry-\nsander in Berlin. S. W. Dehn in Berlin. J.\nFaisst in Stuttgart. Jos. Fischhof in Wien.\nRobert Franz in Halle. G. G. Gervinus in\nHeidelberg. H. Giehne in Karlsruhe. C. G. P.\nGrädener in Hamburg. M. Hauptmann in\nLeipzig. Franz Hauser in München. Ferd.\nHill er in Köln. Otto Jahn in Bonn. J. F.\nKitll in Prag. Ed. Krüger in Aurich. Franz\nLachner in München. Vincenz Lachner in\nMannheim. Franz Liszt in Weimar. Julius\nMaier in München. C. A. Mangold in Darm-\nstadt. Friedr. Marpurg in Königsberg. A. B.\nMarx in Berlin. GiacomoMeyerbeer in Ber-\nlin. J. Mosche 1 es in Leipzig. J. T. Mosewius\nin Breslau. Sigismund Neukomm in Heidel-\nberg. Graf von Redern in Berlin. Jul. Rietz\nin Leipzig. F. W. Rühl in Frankfurt am Main.\nSchnyderv. Wartensee in Frankfurt a. M.\nE. Sobolewski in Bremen. Julius Stern in\nBerlin. Arnold Wehner in Hannover.\nIn Gemässheit obiger Ankündigung ist das Directo-\nrium dieser Gesellschaft aus den Herren\nFr. Chrysander,\nS. W. Dehn,\nG. G. Gervinus,\nM. Hauptmann und\nBreitkopf & Härtel\ngebildet worden.\nDas Directorium ladet nunmehr zur Subscription auf\ndie Ausgabe der Händel'schen Werke ein.\nDie Unterzeichner verpflichten sich zu dem Jahres-\nbeiträge von zehn Thalern, der in halbjährigen Raten zu\nfünf Thalern entrichtet werden soll. Sobald die Zeichnun-\ngen eine Zahl erreicht haben, die eine begründete Aussicht\nauf Erfolg gibt, soll dies bekannt gemacht, die erste Publi-\ncation angekündigt und die erste Einzahlung erhoben werden.\nZu Subscriptions-Anmeldungen bitten wir die ange-\nfügte Liste*) zu benutzen, in dieselbe das Erforderliche\nnach dem Schema einzutragen und sie, mit Orts-, Tages-\nund Namens-Unterschrift versehen, direct zur Post an\nBreitkopf & Härtel in Leipzig einzusenden.\nBerlin, Heidelberg und Leipzig, am ]. Sept. 1856.\nDas Directorium\nder deutschen Händel-Gesellschaft.\n*) In allen Buch-, Kunst- und Musicalienhandlungen (in Köln"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-04-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-04_01#c006", "volume": "bmtnabi_1856-10-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "324", "page_fin": "324", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unnterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unnterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.8", "debut_caractere": 2178, "fin_caractere_exclue": 3136, "texte": "Tages- und Unnterhaltungs-Blatt.\nB&ÖIM. Dem Vernehmen nach sind die Herren Riccius aus\nDresden und Grunwald aus Berlin als Violinisten für das hie-\nsige Orchester und Lehrer des Violinspiels an der Rheinischen\nMusikschule angestellt worden.\nDas Theater ist seit dem 15. September unter der Direction\ndes Herrn Fr. Kahle wieder eröffnet worden.\nIn Rob. Schumann's Nachlass sollen sich unter Anderem\neine Sonate für Pianoforte und Violine, eine Ouverlure zu einem\n(wenn wir nicht irren) Shakespeare'schen Stücke, mehrere Balladen\nfür Solo, Chor und Orchester, eine Messe und die vollständige Mu-\nsik zu Göthe's Faust, unter dem Titel: „Scenen aus Faust\", in drei\nTheilen, zur Concert-Auftührung bestimmt, befinden. Hiervon ist\ndie Schlussscene aus dem zweiten Theile zur Göthe-Feicr im leip-\nziger Gewandhause als Manuscript aufgeführt worden.\nin der M. DuMont-Schauberg'schen Buchhandlung und bei\nder Redaction der Niederrheinischen Musik-Zeitung) aufliegend."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "317", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nEinige Worte über die Orgel in Russland. Von Wlad. Stassoff. Das Mozartfest in Salzburg. 111. Von ***.\nAnkündigung einer vollständigen Ausgabe von Händel's Werken. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Anstellungen für das\nOrchester und die Rheinische Musikschule, Wiedereröffnung des Theaters Aus Rob. Schumann's Nachlass).\n\nEinige Worte über die Orgel in Russland.\n\n„Welche Rolle spielt die Orgel bei uns?\"\n„Gar keine.\"\nEine auffallende und wenig tröstliche Antwort in einem\nLande, in dem Orgeln in grosser Anzahl vorhanden sind,\nund seit mehr als 150 Jahren. Nichts desto weniger ist\ndiese Antwort vollständig richtig.\nDer allgemeine Gebrauch der Orgel bei uns datirt sich\nvon den Zeiten Peter's des Grossen, wo die Vereinigung\nder polnischen Provinzen am Ende des siebenzehnten und\nder deutschen im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts\nVeranlassung zum Baue von zahlreichen Kirchen für ver-\nschiedene Confessionen im russischen Reiche wurde, in de-\nnen denn auch Orgeln erschienen. Aus einer vollständig\nvorhandenen Correspondenz Peter's des Grossen ist be-\nkannt, dass er in einem eigenhändigen Schreiben einen sei-\nner ausländischen Correspondenten beauftragte, ihm eine\nOrgel aus Holland oder Deutschland zu verschreiben für\neine neu gegründete lutherische Kirche. Unter seinen Nach-\nfolgern finden wir, dass im Laufe des achtzehnten Jahrhun-\nderts (und noch mehr des neunzehnten) in den meisten\nGegenden unseres Reiches für die ins Leben getretenen\nkatholischen und lutherischen Kirchen viele Hunderte von\nOrgeln gebaut wurden.\nDer griechisch-russische Cultus findet überhaupt In-\nstrumente beim Gottesdienste nicht zulässig—die mensch-\nlichen Stimmen allein nehmen Theil an den Lobgesängen\nder Kirche —, folglich kann von irgend einer Bedeutung\nder Orgel lür die russische Kirche nicht die Rede sein.\nDoch kann man nicht umhin, sich darüber zu verwundern,\ndass sich im Laufe von 150 Jahren durchaus kein Ge-\nschmack für Orgel und Orgel-Compositionen gebildet hat.\nVon rein musicalischer Seite betrachtet, ist die Orgel ein\nInstrument, wie ein anderes, und das noch vollständiger;\ndenn sie ist eine harmonische Verbindung mehrerer Instru-\nmente zugleich, wie das Orchester. Soll man nun über das\nFactum nicht staunen, dass wir seit den Zeiten Peter's des\nGrossen von West-Europa her alle Formen der Musik, den\nGebrauch aller Arten musicalischer Instrumente bei uns\neingeführt, Orchester gebildet, in allen Musik-Gattungen\nnicht nur Componisten, sondern auf einzelnen Instrumen-\nten sogar Virtuosen besitzen— und dennoch die Orgel al-\nlein, das kolossalste und erhabenste Instrument, fast ganz\nvergessen haben? Im Laufe dieser 150 Jahre wurde unser\nInteresse für Oper, Oratorium, Ballet, Lied (und für das\nLied ganz besonders), Symphonie, Quartett aufs leb-\nhafteste erregt; zu gleicher Zeit wurde in uns das Bedürf-\nniss rege, das im Westen von Anderen schon früher Be-\ngonnene durch das eigene Talent fortzusetzen, zu erwei-\ntern : und so erschienen denn bei uns Componisten und\nVirtuosen für alle Musik-Gattungen und Instrumente; nur\ndie Orgel blieb verwais't.\nUnd warum? Sind denn die Orgel und die Orgel-\nCompositionen etwas so Abgeschiedenes und mit der Musik\nund allen ihren Gattungen in keiner Verwandtschaft und\nkeinem nothwendigen Zusammenhange Stehendes, etwas\nUeberflüssiges und Entbehrliches?\nUngeachtet des Vorhandenseins vieler Hunderte von\nOrgeln haben wir bis jetzt nicht nur keinen russischen Or-\nganisten (um so weniger also eine russische Orgel), sondern\nman hat sich nicht einmal die Mühe gegeben, zu erfahren,\nob nicht auch in diesem Zweige der musicalischen Compo-\nsition Grosses geleistet worden! Bis jetzt blieb für uns alles\nauf die Orgel und die Composition für dieselbe Bezügliche\nein tiefes Geheimniss, eine Terra incognita. Die Apathie\ngegen die Orgel liegt bei uns in der Luft, und das in solch\neinem Grade, dass sogar die hieher kommenden Organisten,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "318", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.2", "texte": "die bei den Kirchen nicht griechische!\" Confessionen ange-\nstellt worden, von ihr angesteckt werden. Anfänglich sind\nsie zwar beeifert, auf ihren zuweilen ausgezeichneten und\ngleich ihnen aus Deutschland verschriebenen Orgeln einige\nvon den berühmten Sachen, die sie bei sich in der Heimat\ngehört und lieb gewonnen, zu spielen. Aber sie machen\ndiese Hebungen lür sich selbst, weil Niemand weder die\nLust noch die Notwendigkeit verspürt, sie zu hören. Da\nnun auch unter den verschriebenen ausländischen Organi-\nsten bis jetzt nicht ein einziges von jenen selbstständigen\nund mächtigen Talenten vorhanden gewesen, die, durch\nCharakter und Fähigkeit gleich energisch wirkend, ihr gan-\nzes Leben nur um der Kunst willen an die Kunst setzen,\nso wurden die gut gemeinten Bemühungen der besseren\nOrganisten bald lahm; die mitgebrachten Hefte der einst-\nmals sie begeisternden Orgel-Compositionen wurden zur\nSeite geschoben, und während der übrigen Lebensjahre be-\ngnügten sie sich mit einem bedeutungslosen, mechanischen,\nformellen Accompagnement des vorgeschriebenen rituellen\nChoralgesanges, und ergingen sich höchstens hier und da\nin einigen Tacten träger, seelenloser Präludien.\nAuf diese Weise schwand bei uns die letzte Möglich-\nkeit, eine nähere Bekanntschaft mit der Orgel und allem\ndem, was für sie geschrieben worden ist, zu machen; es\nhat sich die Meinung immer mehr eingewurzelt, dass die\nOrgel bloss in der katholischen und lutherischen Kirche zu-\nlässig und nothwendig, sonst aber überall überflüssig und\nunnütz sei. Vergessen wir dabei nicht, dass die Orgel in\nder Epoche ihrer vollen Entwicklung bei uns eingeführt\nwurde. Die ersten Organisten wanderten zu uns im An-\nfange des achtzehnten Jahrhunderts ein, als ganz Deutsch-\nland von den würdigen Schülern und Nachfolgern der be-\nrühmten Orgelmeister des siebenzehnten Jahrhunderts über-\nfüllt war, als in Europa allenthalben die Namen Bach und\nHändel mit Ruhm genannt wurden. Dessen ungeachtet\nblieben uns sowohl die grossen Componisten und ihre be-\nrühmten Schöpfungen, wie auch die hohe Bedeutung der\nOrgel für die ganze europäische Musik gänzlich unbekannt,\ngleichsam als hätte Jemand absichtlich den Vorhang vor\nunsere Augen gezogen, damit wir nicht sehen sollten, was\nim übrigen Europa vorging.\nGegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts verfiel nach\nund nach die Orgelkunst, die in der ersten Hälfte dessel-\nben zur höchsten Stufe der Entwicklung gelangt war. Es\nverlor sich der reine Geschmack und die wahre Tradition.\nDie kirchliche Orgelmusik wurde theatralisch; sie\nstieg von ihrem früheren hohen Standpunkte und entsprach\nihrer wahren, hohen Bestimmung nicht mehr; die nicht\nkirchliche Orgelmusik wurde dem Dienste der Vir-\ntuosität geweiht, und so entstand der Verfall der Orgel in\nItalien und Frankreich und zum Theil auch in Deutschland\nund England. Wenn nun die Orgel sich bei uns nicht ein-\nheimisch machen konnte in der Epoche ihres grössten\nGlanzes, so konnte sie um so weniger späterhin Bürger-\nrecht erlangen.\nAls Antwort auf diese Fragen und Bemerkungen be-\nhaupten Viele, die Orgel könne und müsse bei uns kein\nanderes Schicksal haben aus dem einfachen, vollkommen\ngenügenden Grunde, dass sie ihre Herkunft und Existenz\nin allen europäischen Ländern ausschliesslich dem Cultus\nder Kirche und dem rituellen Kirchendienste verdanke; da\naber der griechisch-russische Glaube bei Ausübung des\nKirchendienstes die Instrumental-Musik unzulässig finde, so\nsei es ganz natürlich und recht, dass die Orgel bei uns\ndurchaus keine Bedeutung, keine Entwicklung erhalten\nhabe und aus der russischen Musik gänzlich ausgeschlos-\nsen sei.\nDiese Gründe jedoch, die auf den ersten Blick über-\nzeugend erscheinen, verlieren gänzlich ihr Gewicht, wenn\nman sie der Geschichte und den Thatsachen gegenüberstellt.\nFreilich ist es wahr, dass die Orgel nicht nur von ih-\nrer Einführung an, sondern auch später, während mehre-\nrer Jahrhunderte, ausschliesslich dem Religions-Cultus ge-\nwidmet war. Doch bezieht sich dies auf die frühesten Pe-\nrioden der Orgel, als sie auf der niedrigsten Stufe ihrer\nEntwicklung stand.\nIm vierzehnten Jahrhundert lässt sich die Unvollkom-\nmenheit der Orgeln schon allein dadurch am deutlichsten\nbeweisen, dass dieselben bloss aus zwei Octaven bestanden\nund die Claviaturen von einer solchen Breite waren, dass\ndie ausgespannte Hand kaum die Quinte greifen konnte;\nim Allgemeinen war die damalige Orgel kaum im Stande,\neinen mitlelmässigen Choral aufzuführen, und von einem\nselbstständigen Orgelspiel konnte keine Rede sein.\nErst im fünfzehnten Jahrhundert ward das Pedal\nder wichtigste Theil und die Basis der Orgel erfunden;\nselbst im sechszehnten Jahrhundert stand das Orgelspiel\n(wie auch die ganze Instrumental-Musik) auf der niedrig-\nsten Stufe, es war das knechtische Echo der Vocal-Musik\nund der Singkunst.\nSo spielte denn die Orgel am Ende des sechszehnten\nund zu Anfange des siebenzehnten Jahrhunderts eine cha-\nrakterlose Rolle, die jeder künstlerischen Bedeutung ent-\nbehrte. Sobald aber die Vervollkommnung im Mechanismus"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.3", "texte": "und in der Bauart des Instrumentes den Organisten die\nMöglichkeit gaben, selbstständig aufzutreten, hörle die Or-\ngel auf, ausschliessliche Dienerin der Kirche zu sein; sie\nerhöhte sich zur Selbstherrschaft, und ihre ursprüngliche\nBestimmung verlassend, begann sie nach der Erreichung\neines selbstständigen Zieles zu streben nach dem allge-\nmeinen Ziele der musicalischen Kunst.\nVom siebenzehnlen Jahrhundert an, als die Orgel zur\nwirklichen Orgel wurde, hörte sie auf, ein ausschliesslich\nkirchliches Instrument zu sein. Sie wurde ein Instrument,\nwie alle anderen, wie das Orchester selbst. Man ging nun\nhäufig in die Kirche, um die Orgel zu hören, um die Kunst\ndes Organisten zu bewundern, seine Fugen, Phantasieen,\nVariationen zu hören, und es kam so weit, dass die Orgel\nnicht nur ein streng kirchliches Instrument zu sein aufhörte,\nsondern dass im Gegentheil die Kirche mit der Orgel in\nAntagonismus trat.\nIn die päpstliche Capelle und einige andere Kirchen\nItaliens und Frankreichs (s. Forkel, Geschichte der Musik,\nT. II.) wurde die Orgel nie eingelassen, und die jetzigen\nWiederhersteller des alten Kirchengesanges (s.\nbillolte, theorie esthetique et p Mo-\nrellot, Clement Felix, in der Revue de musique religieuse,\nannales archeologiques, im berühmten Rapport au mi-\nnistre des cultes etc. etc.)in seiner ursprünglichen Reinheit\nverlangen dringend, dass die Orgel in der Kirche nicht an-\nders zulässig sei, als unter der Bedingung des Verlustes\nihrer Selbstständigkeit, so dass sie nur eine gehorsame\nGehülfin beim Gesänge der Gemeinde oder des Sänger-\nchors sein soll. Diese Forderungen, consequent auf der Ge-\nschichte des Kirchenrechtes und der Kirchen-Tradition ba-\nsirt, beweisen am besten, dass die vollkommene Entwick-\nlung der Orgelkunst und der Orgel-Composition mit dem\nRitual nicht zusammenhängt; für die Kirche ist die unent-\nwickelte Orgelkunst und Orgel-Composition vollkommen\ngenügend: der Orgel sind dagegen die streng genomme-\nnen Anforderungen und Aufgaben des Kirchen-Cultus nicht\nfrei genug, nicht zureichend. Bei gegenseitiger Berührung\nder Kirche und der Orgel werden nothwendiger Weise die\nRechte der einen oder der anderen beeinträchtigt. Dieses\nist bis zu einem solchen Grade wahr, dass sogar die ge-\nnialen, unerreichbaren Compositionen Bach's und anderer\ngrosser Männer jetzt nicht als kirchliche anerkannt\nwerden, wie sehr sie auch von einem tiefen religiösen\nGeiste erfüllt sind.\nAuf diese Weise stossen wir in der Geschichte der\nwestlichen Kirche auf Proteste gegen den nicht-kirchlichen\nGebrauch der Orgel beim Gottesdienste. Diese Nichtkirch-\nlichkeit war unvermeidlich und eine nothwendige Folge da-\nvon, dass die Orgel die Möglichkeit einer selbstständigen,\nfreien Entwicklung, die Selbsterkenntniss ihrer Kräfte er-\nhielt. Daher finden wir auch bereits vom Ende des sechs-\nzehnten Jahrhunderts in den Titeln vieler Orgel-Compo-\nsilionen (s. Becker, Die Tondichter des XVI. und XVII.\nJahrhunderts), dass einige Stücke eigens für die Organisten\nbestimmt sind, wie auch „für die Jugend\"; sodann finden\nwir in der Zahl der Orgelstücke alle Arten der damaligen\nitaliänischen, französischen, englischen, deutschen, spani-\nschen und polnischen Tänze, und endlich die Anzeige, dass\nalle diese Orgel-Compositionen sowohl für den Gebrauch\n„in der Kirche\" als auch „im Hause\" (daher auf der\nLaute, dem Clavichord, dem Spinett) bestimmt wären.\nSolcher Weise kann die Orgel bei dieser „profanen\"\nRichtung nicht als ein bloss kirchliches Instrument ange-\nsehen werden. Ihre Entwicklung erfolgte nicht unter dem\nEinflüsse der Kirche und für kirchliche Zwecke; die Orgel\nfolgte darin bloss der von der ganzen musicalischen Kunst\neingeschlagenen Bahn, und daher ist auch alles Grosse und\nErhabene, bis jetzt für die Orgel Erschaffene zwar für die\nmusicalische Kunst im Allgemeinen von der höchsten Wich-\ntigkeit, hat aber keine oder eine nur sehr geringe, be-\ngränzte Beziehung auf den rituellen Cullus. In keiner der\nwestlichen Kirchen erhielten sich im praktischen Gebrauche\njene zahlreichen Orgel-Compositionen, die ursprünglich von\nihren Autoren für die Kirche und den Gottesdienst bestimmt\nwaren. Sie haben gegenwärtig ihre frühere Bedeutung ver-\nloren, dagegen aber eine neue und mächtigere erhalten,\nund das wahrscheinlich auf ewig.\nNach Anführung des hier Gesagten erweis't sich die\nUnzulänglichkeit der Meinung, dass die Orgel in Russland\naus dem Grunde nicht einheimisch werden konnte, weil sie\nein kirchliches Instrument und daher für uns unnütz sei.\nNein, sie konnte bei uns gleicher Weise mit allen anderen\nInstrumenten des Orchesters eingeführt werden, weil ihre\nEntwicklung selbstständig vor sich gegangen war; und\nwenn uns Opern, Symphonieen, Quartette und alle Instru-\nmente des Orchesters interessiren konnten, so verdienten\nauf gleiche Weise alle Arten der Orgel-Composition und\ndie Orgel selbst das gleiche Interesse.\nDie Ursache, wesshalb die Orgel sich bei uns nicht\nBahn gebrochen, besteht also keineswegs darin, worin Alle\nsie suchen. Der Entwicklung unserer Vocal-Musik kann\nman doch auf keinen Fall alle jene falschen, eingebildeten\nHindernisse entgegen halten, die der Einführung der Orgel"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.4", "texte": "untergeschoben wurden; die Entwicklung der Vocal-Musik\nkonnte bei uns vollständig frei vor sich gehen: dennoch\nhatten wir keine Paleslrina, Orlando Lasso, noch Vittoria,\nnoch Nanini, noch Scarlatti, noch alle übrigen grossen Vo-\ncal-Componisten des Westens. Wo ist das Hinderniss ihres\nErscheinens bei uns? Sie sind nun einmal nicht erschie-\nnen! Wären auch durchaus keine „Hindernisse\" vorhanden\ngewesen, so würden wahrscheinlich doch keine grossen\nOrganisten bei uns geboren worden sein, und so kann man,\nnach der Analogie zu urtheilen, mit Recht den Scbluss ziehen,\ndass aus denselben Gründen, in Folge deren bei uns keine\nPalestrina erschienen sind, auch bis jetzt keine Frescobaldi,\nFroberger, Pachelbel, Bach u. s. w. geboren worden sind.\nWelche sind denn die Ursachen? Ihrer sind viele, und\ndie wichtigsten wohl die Richtung des Geschmacks und der\nCharakter des Volkes. Die nöthige Aufklärung kann uns\ndie Geschichte unserer ganzen Musik geben, wie auch die\nGeschichte unserer ganzen Civilisation, die nicht allmählich,\ngleich einer tiefen, sich entfaltenden Wurzel, sondern in\nSprüngen und durch Aneignen dessen, was von Anderen\nim Laufe langer und mühsamer Jahrhunderte errungen\nworden, vor sich gegangen ist.\nUnwillkürlich wirft sich die Frage auf: Ist denn wirk-\nlich für die Orgel keine Zukunft bei uns zu hoffen? Wird\nsie ewig in ihrer jetzigen Stellung bleiben, und sollte es\nwirklich ihr Schicksal sein, in der Geschichte unserer Mu-\nsik keine Rolle zu spielen?\nAuf diese Frage eine positive Antwort zu geben,\ndürfte freilich unmöglich sein. Es lässt sich nicht vorher-\nbestimmen, welches Schicksal der russischen Musik beschie-\nden ist, welche Richtungen sie einschlagen wird, ob ihr ir-\ngend eine Entwicklung bevorsteht oder nicht; und wenn\neine solche bevorsteht, ob sie eine vollständige in allen\nZweigen der musicalischen Kunst, oder eine nur einige\nZweige derselben betreffende sein wird. Dennoch kann\nman mit voller Gewissheit behaupten, dass, wenn jemals bei\nuns in der Musik das Element des Grossen und Erhabenen\nerscheinen wird, nothwendiger Weise auch die Orgel einen\nmächtigen Antheil daran haben wird. Dieses Instrument ist\nvorzüglich dazu geeignet, die tiefsten und mächtigsten Be-\nstrebungen des menschlichen Geistes auszudrücken, das Er-\nhabene in musicalischen Formen und Weisen wiederzuge-\nben, in jenen ergreifenden Tönen, jenen mächtigen, gleich-\nsam aus der Ewigkeit zu uns redenden Stimmen, deren\nAusdruck und Pracht keinem anderen Instrumente, keinem\nOrchester möglich ist. Ist es wohl denkbar, dass da, wo\neine so unendliche Fülle, Mannigfaltigkeit und Grösse von\nMitteln, wie bei der Orgel, vorhanden ist, eine Zeit eintre-\nten könnte, wo die producirende Fähigkeit der Künstler\nein solches Instrument, ein solch vollständiges Orchester\nvernachlässigen und übersehen werde, als Märe es bereits\nerschöpft, als hätte es schon alles gesagt, was es auszu-\nsprechen iahig ist?\nNein, nie und nimmer kann das geschehen! Für die ewig\nneuen, stets sich mehr entwickelnden und zeugenden Fähig-\nkeiten der Künstler könnte die Orgel nur dann überflüssig\nwerden, wenn auch das Orchester sich überlebt und er-\nschöpft haben würde. Wie für die Orchester-Compositionen,\nso auch für die der Orgel liegt das grosse, unabsehbare\nFeld der Zukunft da. Möglich ist es, dass nicht allen Völ-\nkern bestimmt ist, dieses Feld zu bearbeiten, eben so wie\nes nicht einem jeden Volke gegeben ist, eine jede Kunst\nzu entwickeln, oder das fortzusetzen, was von anderen Völ-\nkern begonnen worden. Dennoch wiederhole ich, dass man\nnirgend die vollkommene Entwicklung der erhabensten,\ntiefsten Seiten der Musik voraussetzen kann, ohne dass die\nOrgel dabei die erste Rolle spielte. Das Vorhandensein und\ndie Anwendung der Orgel für sich allein genommen, ist\nzwar nicht schon der Beweis für die Existenz, die Produc-\ntivität, die Fülle und Tiefe des in einem gegebenen Lande\nund in einem gegebenen Zeiträume sich offenbareuden mu-\nsicalischen Genius, sie ist aber eines der sichersten Kenn-\nzeichen dieses Genius und eine unerlässliche Bedingung der\nExistenz desselben.\nUnd so können wir denn sagen: wenn es unse-\nrer Musik bestimmt ist, nimmer aus den Gränzen des Di-\nlettantismus, des verdorbenen Geschmacks, der Mode, des\nRomanzengeistes herauszutreten, so wird es mit der Ein-\nführung der Orgel und der Orgel-Compositionen bei uns\nnoch lange dauern, vielleicht auch wird sie nimmer erfol-\ngen. Sollte aber auch uns eine Zeit der Grösse, der mäch-\ntigen Schöpfung in der Musik, der Erscheinung eines Pa-\nlestrina, Händel, Gluck oder Mozart bestimmt sein, so wer-\nden dann auch Talente auftauchen, die gleichzeitig mit je-\nnen grossen Schöpfern, oder vielleicht ihnen vorangehend,\ndie Orgel und die Orgel-Composition in ihrer ganzen Grösse\nbearbeiten werden.\nSt. Petersburg, 1. Sept. 1856.\n\nWlad. Stassoff.\n\nDas Mozartfest in Salzburg.\nIII.\n(S. I. Nr. 38, 11. Nr. 39.)\nDer dritte Tag (9. Sept.) wurde durch das zweite\nFest-Concert gefeiert, welches Abends 7 Uhr Statt fand."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.5", "texte": "Es begann mit der Aufführung der (7-moW-Sinfonie von\nBeethoven eine Eröffnung, deren Anordnung und Aus-\nführung des Festes vollkommen würdig war, was man frei-\nlich nicht von der Wahl alier Musikstücke sagen kann.\nFranz Lachner dirigirte wie immer mit ausgezeichneter Si-\ncherheit und Umsicht, und das Orchester bewährte sich\ntrefflich. Nur im Andante kamen in den Blas-Instrumenten\neinige kleine Verstösse vor. Nach den Tempi im ersten\nConcerte machten wir uns vor einer Uebertreibung der Be-\nwegung in dem letzten C-dur-Sutze bange; allein es fand\ngerade das Gegentheil von dem, was wir vermuthet hatten,\nStatt: der Satz wurde in auffallend langsamem Zeitmaasse\nvorgetragen. Wenn nun auch sicher diesem Prachtstücke\nein mässiges und gemessenes Tempo zukommt, um die\nGrösse und Breite seiner Dimensionen und die Erhabenheit\nder Gedanken zu eindrucksvoller Erscheinung zu bringen,\nso darf man doch auf der anderen Seite ihm den Charakter\neines Allegro nicht nehmen, weil sonst das andere Element\ndesselben, das Triumphirende, Siegesglänzende nicht genug\nheraustritt.\nDer folgende Chor von J. S. Bach: „ Herrscher über\nTod und Leben\", in E-dur,schien aus einer grösseren\nKirchen-Cantate genommen, welcher er wahrscheinlich zur\nEinleitung dient. Er wurde von dem zwar schwachen, aber\ntrefflich eingeübten Sängerchor recht schön vorgetragen.\nDer Vortrag der überaus reizenden Arie aus Hän-\ndel's „Acis und Galathea\" durch Frau Diez dürfte von\nallen Soli, die in den Fest-Concerten gesungen worden,\nleicht der befriedigendste sowohl in Bezug auf Wohllaut\nder Stimme, als auf künstlerische Behandlung derselben\nund auf richtige Auffassung der Composition gewesen sein.\nWer die Triller tadelte, verrieth dadurch nur seine Unbe-\nkanntschaft mit derjenigen Vortragsweise, welche Händel\nselbst vorschreibt und welche die Tradition in England be-\nwahrt hat. Sie wurden von. der liebenswürdigen Sängerin\nmit vielem Geschmack angebracht und ausgeführt.\nDas Vocal-Quartett von J. Haydn: „O wunderbare\nHarmonie, was Er will, will auch Sie\", passte keineswegs\nfür ein festliches Concert, und der etwas derbe Vortrag be-\nsonders der Bass-Partie war eben nicht geeignet, dem\nScherze des alten Vaters Haydn eine edlere Farbe zu ge-\nben. Allein es wurde stürmisch verlangt, und dem\nVerlangen wurde gern gewillfahrt.\nUnmittelbar auf diese Schilderung der ehelichen Har-\nmonie im Zechen, Spielen u. s. w. folgte die Verherrlichung\nder ehelichen Liebe durch Gluck in dessen „Orpheusund\nEurydice\" eine merkwürdige Zusammenstellung im Pro-\ngramra! Der zweite Act dieser Oper wurde aufgeführt,\nund zwar in Chor, Orchester und Solo recht gut. Frau\nCaroline von Mangstl, geb. Hetzneck er, hat eine\nschöne, volle Altstimme und weiss zu singen; etwas mehr\nWärme des Ausdrucks würde die Wirkung ihres Gesanges\nnoch bedeutend erhöhen.\nIn der zweiten Abtheilung des Concertcs wurde Men-\ndelsso hn's Ouvertüre zu Ruy Blas recht schön ausge-\nführt; namentlich war das Piano in den beiden Mittelsätzen\nsehr gut, wodurch die Forfe-Stellen recht kräftig hervor-\ntraten. Eben so wurde der Marsch und Chor: „ Schmückt\ndie Altäre\", aus den Ruinen von Athen von Beethoven\nbesonders feurig und mit trefflicher Steigerung in der Ein-\nleitung bis zum Forlissimo wiedergegeben. Der Vortrag\nder Tenor-Arie aus Weber's Euryanthe: „Wehen mir\nLüfte Ruh'\", durch Herrn Härtinger war uns doch\netwas gar zu süsslich und manierirt.\nEin Glanzpunkt war das Violinspiel von Joseph\nHellmesberger aus Wien. Er trug Spohr's Concert\nin Form einer Gesangscene vor. Schöner Ton, glänzender\nBogenstrich, vollendete Reinheit und seelenvoller Ausdruck\nim Melodischen zeichnen diesen Künstler aus, der zu den\nViolinisten ersten Ranges gehört. Er wurde zweimal stür-\nmisch gerufen.\nEine Jugendarbeit Beethoven's, das Terzett „\nmate, empj, tremate/\" für Sopran (Frau Behrend-Brandt),\nTenor (Herr Härtinger) und Bass (Herr Rindermann) wurde\neben nicht ausgezeichnet gesungen. Das „Halleluja\" von\nHändel machte denSchluss auf grossartige Weise, indem\nes von Chor und Orchester sicher, genau und kräftig aus-\ngeführt wurde.\nFranz Lachner verdient überhaupt die grösste Aner-\nkennung; wer die Mühen und Arbeiten eines Dirigenten\nbei musikfestlichen Aufführungen nur einiger Maassen kennt,\nwird diesem wackeren Leiter von Herzen für die vielen ge-\nhabten Kunstgenüsse den besten Dank sagen und ihm Glück\nzu dem Gelingen des Festes wünschen.\nAm vierten Festtage fand noch ein Morgen-Con-\ncert für Kammermusik Statt, eine ganz gute Anord-\nnung, welche aber in der Ausführung schon desswegen\nkein ganz günstiges Resultat liefern konnte, weil einige\nKünstler ich weiss nicht, welches Conflictes halber (o\nwunderbare Harmonie der Harmonie!) sich zurückgezo-\ngen hatten und in Folge dessen das ursprünglich bestimmte\nund auch bereits gedruckte Programm nicht ausgeführt\nwerden konnte. Die vorzutragenden Stücke wurden nun\nvon einem Mitgliede des Comite's mündlich verkündet. Es"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.6", "texte": "waren für Streich-Instrumente das Quartett in von\nJ. Haydn, das Quintett in von W. A. Mozart,\ndas Quartett in A-duvvon Beethoven; für Gesang drei\nDuette von Mendelssohn für zwei weibliche Stimmen\nund F. Schubert's „Erlkönig\".\nDie Quartette und das Quintett wurden von Mitglie-\ndern der münchener Hofcapelle vorgetragen. Es spielte\nwohl Jeder seine Stimme ganz gut, aber zu einer wirklich\nkünstlerischen Leistung fehlte es an der Hauptsache: an\ndem Zusammenspie! und der innigen Verschmelzung. Man\nmerkte dem Ganzen an, dass das Programm in Eile zusam-\nmengestellt worden war. Von den Gesang-Duetten lässt\nsich fast dasselbe sagen; sie wurden von zwei Stimmen\nrecht hübsch gesungen, aber das gegenseitige Verständniss,\nder innere Zusammenhang, die übereinstimmende Empfin-\ndung wurden vermisst. Den „Erlkönig\" sang Frau Beh-\nrend-Brandt. Wir halten es immer für einen Missgriff, wenn\ndiese Ballade von einer Frauenstimme vorgetragen wird;\nda sich nun aber vollends die Sängerin erlaubte, an einer\nder wirksamsten Stellen, bei dem dritten Angstrufe des\nKnaben:\ng anstatt geszu singen, so kam zu dem Missgriffe in der\nWahl noch ein arger Fehlgriff in der Ausführung hinzu.\nNehmen Sie mit diesem aphoristischen Berichte eines\naufrichtigen Kunstfreundes fürlieb; zu ausführlichen Schil-\nderungen hat man auf Reisen und auf Musikfesten bekannt-\nlich wenig Zeit; jedoch glaube ich nichts Wesentliches ver-\ngessen zu haben, was das Fest charakterisiren und die\nAufführungen ins Licht stellen könnte. Es waren schöne,\nheitere und genussreiche Tage, die lange in der Erinnerung\njedes Theilnehmers leben werden.\n\nAnkündigung einer vollständigen Ausgabe von\nHändel's Werken.\nIm Jahre 1859 (am 14. April) kehrt der Tag wie-\nder, an dem vor hundert Jahren Georg Fr. Händel\nverschied. In der Stadt Halle werden die Vorbereitungen\ngetroffen, dem grossen Tonkünsller, der dort 1685 gebo-\nren ist, ein Ehren-Denkmal zu errichten; und dies wird\nvoraussichtlich die Anregung geben, dass dieser Tag in\neiner grossartigen, des Anlasses würdigen Säcularfeier in\nganz Deutschland begangen werde.\nDer Gedanke zu diesem Ehrenfeste in Händel's Vater-\nstadt berührte sich mit einem verwandten Entwürfe, der\ngleichzeitig in anderen Kreisen angeregt wurde: dem ehr-\nwürdigen Todten noch ein zweites, weiteres Denkmal in\ndem deutschen Volke zu stiften durch eine vollständige,\nkritische Muster-Ausgabe seiner Werke. Es ist dies eine Eh-\nrenschuld, welche Deutschland zu entrichten hat, und die in\ndem Jahrhundert seit Händel's Tode ausstehen geblieben ist.\nInnere und äussere Verhältnisse haben in Händel's Ju-\ngendzeit zusammengewirkt, ihn seinem Vaterlande zu ent-\nlühren. Sein Bildungsdrang trieb ihn früh in die hohe Mu-\nsikschule der Zeit, nach Italien; dann fesselte ihn Ruhm\nund Ehre in England, wo er der Tonkunst eine neue Hei-\nmat schuf. Dadurch ist Er, dadurch sind seine Tonwerke,\ndenen meist nur italiänische und englische Texte unterlie-\ngen, uns äusserlich entzogen, innerlich für lange entfrem-\ndet worden; und sie sind es zum guten Theile noch. Die\nEngländer, unter denen er die längste Zeit lebte und\nwirkte und starb, haben ihn und seine Kunst unter sich\neingebürgert, haben ihm sein Gedächtnissmal in dem Pan-\ntheon ihrer grossen Eingeborenen erhöht und haben mehr-\nfach Hand angelegt, seine Werke zu sammeln, die sie in\nihrer grösseren Zahl handschriftlich besitzen und als ein\nNational-Eigenthum bewahren und verehren.\nGleichwohl gibt es auch in England keine vollendete\nSammlung von Händel's Werken. In der vollständigsten\nAusgabe (von Arnold) sind die italiänischen Werke des\nMeisters nur sehr spärlich, seine deutschen Erstlinge aus\nHalle und Hamburg, die seinen Zusammenhang mit der\ndeutschen Musik zur Anschauung bringen, gar nicht ver-\ntreten; in allem Mitgetheilten ist die Partitur sehr fern von\nCorrectheit und der Text nicht selten ganz unverständlich.\nDie neu begonnene Ausgabe der Händel-Gesellschaft sucht\ngrösseren Anforderungen zu entsprechen. Aber sie zieht\nsich langsam hin; und würde sie einst vollendet, so be-\nstände sie nur in einer geschlossenen Anzahl von Exem-\nplaren. Für alle weiteren Kreise in Deutschland bliebe sie\nimmer unbrauchbar, schon aus Mangel eines deutschen\nTextes.\nWas von Händel's Werken in Deutschland und lür\nDeutschland zubereitet ist, bleibt, wie Vieles auch dafür in\nden letzten Jahrzehenden geschah, immer nur ein dürftiges\nStückwerk. Von seinen italiänischen Werken, über deren\nästhetischen und geschichtlichen Werth Viele absprechen\nund Keiner ein Urtheil haben kann, ist kein einziges in\nDeutschland bekannt. Von den oratorischen Tonwerken zu\nenglischen Texten gibt es noch immer eine Anzahl, von\nderen blossem Dasein und Namen selbst viele eifrige Musik-\nfreunde in Deutschland keine Kunde haben. Unter den öf-\nter aufgeführten, in Clavier-Auszügen verbreiteten Stücken"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.7", "texte": "dieser Ciasse sind einige der vortrefflichsten gerade, wie\nSamson und Belsazer, nur ärmliche Auszüge, die von dem\nGanzen keine Vorstellung geben. In echter und voller Ge-\nstalt und mit einem angemessenen deutschen Texte ausge-\nstattet existirt unter uns, kann man sagen, kaum ein ein-\nziges von Handels sämmtlichen Werken.\nSoll Händel jemals unter uns wieder zurückgebürgert\nwerden, sollen wir in unserer Kenntniss und Würdigung\ndes Genius, der unser ist, nicht hinter den Engländern zu-\nrückbleiben, sollen wir den Verlust des äusseren Besitzes\nseiner Werke, deren Handschriften der grosse Friedrich 11.\nnach Händel's Tode vergebens zu erwerben trachtete, durch\ninnere Aneignung gut machen, so ist es unbestreitbar das\ndringendste Bedürfniss, dass eine vollständige, historisch-\nkritische Ausgabe dieser Werke von Deutschen für Deutsch-\nland besorgt werde.\nDiese Aufgabe anzugreifen, haben sich auf den Anlass\nder bevorstehenden Säcularfeier, auf Anregung und unter\nder hohen Protection und Förderung Sr. R. Hoheit des\nkunstsinnigen Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha die Un-\nterzeichneten aus allen Theilen Deutschlands zu einem Aus-\nschusse vereinigt, der sich in seiner Gesammtheit verpflich-\ntet, dieser Unternehmung überall die möglichst grosse Un-\nterstützung zu leihen und Theilnahme zu gewinnen, und\naus dessen Mitte demnächst ein engeres Directorium von\nfünf Mitgliedern wird ausgeschieden werden, dem die Lei-\ntung und Ausführung der Ausgabe obliegen soll.\nZu einem Monumente für den Tonkünstler bestimmt,\nsoll diese Ausgabe, so viel es möglich ist, zugleich ein\nDenkmal deutscher Sorgfalt und Gründlichkeit werden. Sie\nsoll die Partituren nach der genauesten Vergleichung der\nOriginal-Handschriften und der vorhandenen Abschriften\nund alten Drucke in möglichst reiner Gestalt herstellen.\nZur Beförderung der allgemeinsten Nutzbarkeit und Ver-\nbreitung sollen ihnen bei den Gesangwerken Ciavier-Aus-\nzüge beigegeben werden. Den ursprünglich englischen und\nitaliänischen Texten soll eine sorgfältig gearbeitete deutsche\nUebersetzung hinzugelügt sein. Zweckmässige sachliche und\nbibliographische Einleitungen und Bemerkungen in möglich-\nster Kürze und Vollständigkeit sollen jedem einzelnen\nWerke vorausgehen. Sämmtliche Werke, die sich in die\ndrei Classen von Opern, Oratorien und Hymnen, Kammer-\nund Instrumentalwerken abtheilen, werden innerhalb dieser\nAbtheilungen in chronologischer Folge geordnet werden,\nohne dass darum bei Bearbeitung und Erscheinung der ein-\nzelnen Werke eben diese Ordnung eingehalten werden\nmüsste. Was dem Bedürfnisse und allgemeineren Interesse\nnäher liegt, was bedeutend, was neu und unbekannt ist,\nmag für die ersten Erscheinungen immerhin bevorzugt wer-\nden, wenn nur jedem einzelnen Bande die bestimmte Stelle\nangewiesen ist, in die er sich in dem Ganzen einreiht.\nUm zugleich der Mannigfaltigkeit zu dienen und um\ndie Vollendung der Ausgabe nicht ins Unabsehbare zu ver-\nschleppen, sollen jährlich drei Bände, Einer aus jeder der\ndrei Abtheilungen, erscheinen, unter denen die Opern auf\n20, die oratorischen Werke auf 28, die Instrumentalwerke\nund übrigen Gesangstücke auf 12 Bände überschlagen sind.\nFindet die Ausgabe, die nicht eine Sache buchhändlerischer,\nsondern gesellschaftlicher Unternehmung sein soll, dieselbe\nTheilnahme, wie die Ausgabe der Bach'schen Werke, so\nist die Aussicht vorhanden, diese drei jährlichen Lieferun-\ngen, die sich durchschnittlich auf etwa 120 Bogen über-\nschlagen lassen, lür den Jahresbeitrag von zehn Thalern\nzu stellen.\nDruck und Vertrieb haben die Herren Breitkopf\nund Härtel in Leipzig übernommen.\nMöchte denn dieser vaterländischen Unternehmung bei\nallen Beschützern, Pflegern und Ausübern der Kunst die\nUnterstützung zu Theil werden, die ihre Ausführung mög-\nlich macht! Die Unterzeichneten zweifeln nicht, dass die\ndeutsche Nation, die noch keinem ihrer grossen Geister eine\nSammlung seiner Werke versagt hat, die jetzt eben die\nAusgabe der Werke von Bach so bereitwillig fördert, den\ngleichen Eifer auch für Händel's unsterbliche Tonstücke\neinsetzen werde, des Zweiten in diesem gleichaltrigen Mei-\nsterpaare, deren Namen so oft mit Ehrfurcht neben einan-\nder genannt werden.\nAuf eines der einfachsten und natürlichsten Förde-\nrungsmittel dieses Unternehmens wünschen die Unterzeich-\nneten noch besonders hindeuten zu dürfen: es wäre die\nSubscription der vielen grossen und kleinen Musik-Vereine\nin Deutschland auf je Ein Exemplar dieser Werke, dessen\nBetrag (wo nicht andere Wege näher liegen) durch Auf-\nführungen, die dem Zuhörer in demselben Augenblicke\netwas darbieten von dem, für dessen Förderung er wieder\netwas bieten soll, beschafft werden könnte. Und dies zwar\nohne irgend eine grosse Belästigung, da sich die Vollen-\ndung der ganzen Ausgabe auf alle Fälle durch eine Reihe\nvon Jahren hinziehen muss, auf die sich die aufzuwenden-\nden Mühen und Mittel selbst lür kleinere Vereine leicht\nvertheilen würden. Dieser Weg, auf dem die Kunst selber\ndie Kunst fördern würde, verspräche zugleich den sicher-\nsten inneren Erfolg dieser Unternehmung, weil er der\nvolkstümlichste Weg ist, auf dem Händel am unmittelbar-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561004-01.1.8", "texte": "sten und lebendigsten in die Gesammtheit der Nation ein-\ndringen und am schnellsten und gewissesten jener grossen\nVolksgunst, die er in England voraus hat, auch bei uns\ntheilhaftig werden würde.\nAm 15. August 1856.\nC. F. Becker in Leipzig. L. Bischoff in Köln.\nBreitkopf & Härtel in Leipzig. Fr. Chry-\nsander in Berlin. S. W. Dehn in Berlin. J.\nFaisst in Stuttgart. Jos. Fischhof in Wien.\nRobert Franz in Halle. G. G. Gervinus in\nHeidelberg. H. Giehne in Karlsruhe. C. G. P.\nGrädener in Hamburg. M. Hauptmann in\nLeipzig. Franz Hauser in München. Ferd.\nHill er in Köln. Otto Jahn in Bonn. J. F.\nKitll in Prag. Ed. Krüger in Aurich. Franz\nLachner in München. Vincenz Lachner in\nMannheim. Franz Liszt in Weimar. Julius\nMaier in München. C. A. Mangold in Darm-\nstadt. Friedr. Marpurg in Königsberg. A. B.\nMarx in Berlin. GiacomoMeyerbeer in Ber-\nlin. J. Mosche 1 es in Leipzig. J. T. Mosewius\nin Breslau. Sigismund Neukomm in Heidel-\nberg. Graf von Redern in Berlin. Jul. Rietz\nin Leipzig. F. W. Rühl in Frankfurt am Main.\nSchnyderv. Wartensee in Frankfurt a. M.\nE. Sobolewski in Bremen. Julius Stern in\nBerlin. Arnold Wehner in Hannover.\nIn Gemässheit obiger Ankündigung ist das Directo-\nrium dieser Gesellschaft aus den Herren\nFr. Chrysander,\nS. W. Dehn,\nG. G. Gervinus,\nM. Hauptmann und\nBreitkopf & Härtel\ngebildet worden.\nDas Directorium ladet nunmehr zur Subscription auf\ndie Ausgabe der Händel'schen Werke ein.\nDie Unterzeichner verpflichten sich zu dem Jahres-\nbeiträge von zehn Thalern, der in halbjährigen Raten zu\nfünf Thalern entrichtet werden soll. Sobald die Zeichnun-\ngen eine Zahl erreicht haben, die eine begründete Aussicht\nauf Erfolg gibt, soll dies bekannt gemacht, die erste Publi-\ncation angekündigt und die erste Einzahlung erhoben werden.\nZu Subscriptions-Anmeldungen bitten wir die ange-\nfügte Liste*) zu benutzen, in dieselbe das Erforderliche\nnach dem Schema einzutragen und sie, mit Orts-, Tages-\nund Namens-Unterschrift versehen, direct zur Post an\nBreitkopf & Härtel in Leipzig einzusenden.\nBerlin, Heidelberg und Leipzig, am ]. Sept. 1856.\nDas Directorium\nder deutschen Händel-Gesellschaft.\n*) In allen Buch-, Kunst- und Musicalienhandlungen (in Köln\n\nTages- und Unnterhaltungs-Blatt.\nB&ÖIM. Dem Vernehmen nach sind die Herren Riccius aus\nDresden und Grunwald aus Berlin als Violinisten für das hie-\nsige Orchester und Lehrer des Violinspiels an der Rheinischen\nMusikschule angestellt worden.\nDas Theater ist seit dem 15. September unter der Direction\ndes Herrn Fr. Kahle wieder eröffnet worden.\nIn Rob. Schumann's Nachlass sollen sich unter Anderem\neine Sonate für Pianoforte und Violine, eine Ouverlure zu einem\n(wenn wir nicht irren) Shakespeare'schen Stücke, mehrere Balladen\nfür Solo, Chor und Orchester, eine Messe und die vollständige Mu-\nsik zu Göthe's Faust, unter dem Titel: „Scenen aus Faust\", in drei\nTheilen, zur Concert-Auftührung bestimmt, befinden. Hiervon ist\ndie Schlussscene aus dem zweiten Theile zur Göthe-Feicr im leip-\nziger Gewandhause als Manuscript aufgeführt worden.\nin der M. DuMont-Schauberg'schen Buchhandlung und bei\nder Redaction der Niederrheinischen Musik-Zeitung) aufliegend."}]}